Der Martinssommer fällt aus.

08.11.2017
20:05 Uhr

Author: DWD

Kühles und regnerisches Wetter erwartet uns am kommenden Wochenende. In den Mittelgebirgen kann es am Sonntag sogar schneien. Eigentlich ist die dafür verantwortliche Wetterlage nicht gerade typisch für Anfang bis Mitte November. Häufig kommt es in diesem Zeitraum noch einmal zu einer Schönwetterperiode unter stabilem Hochdruckeinfluss, die auch Martinssommer oder Martini-Sommer genannt wird. Doch in diesem Jahr fällt dieser aus.

Der Martinssommer ist ein Witterungsregelfall (Wettersingularität), der häufig um den 11. November auftritt. Stabile Hochdruckgebiete führen dabei mit einer südlichen Strömung nochmals warme Luft nach Deutschland. Oft ist es nach dem Altweibersommer und dem "Goldenen Oktober" der letzte markante Warmluftvorstoß vor der kalten Jahreszeit. Der Legende nach geht der Martinssommer auf den Tod des heiligen Bischofs Martin von Tours zurück, an dessen Todestag das Phänomen erstmalig aufgetreten sein soll. Der Martinssommer ist kein richtiger Sommer im klimatologischen Sinne, denn echte Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad werden in der Regel nicht mehr erreicht. Aufgrund der Ende Oktober oft schon vorherrschenden kühlen Temperaturen, kommt einem die milde Witterung dennoch wie ein kleiner Sommer vor.

Dieses Jahr wird der Martinssommer allerdings ausfallen. Denn zum Wochenende stellt sich eine Nordwestwetterlage ein. Dabei zieht ein kräftiges Tief nach Skandinavien. Zwischen diesem Tief und einem Hoch über dem Atlantik stellt sich eine nordwestliche Strömung ein, in der polare Meeresluft bis nach Mitteleuropa vordringen kann. Die Kaltfront des Tiefs wird uns voraussichtlich am Samstag mit Regen überqueren. Nachfolgend bilden sich in der einfließenden Kaltluft bei wechselnder Bewölkung zahlreiche Regen- und Graupelschauer. In den Mittelgebirgen kann es sogar bis in mittlere Lagen schneien und auch die Alpen wintern weiter ein. Da die Polarluft noch über die relativ warme Nordsee einfließt und sich dort in den unteren Schichten erwärmen kann, wird es in tiefen Lagen nicht ganz so kalt. Bei Höchstwerten von 6 bis 9 Grad reicht es noch nicht für den ersten Schnee.

Ein Blick in die erweiterte Mittelfristvorhersage zeigt, dass sich in der kommenden Woche nur sehr langsam wieder schwacher Hochdruckeinfluss durchsetzt. Dabei bleibt es für die Jahreszeit weiterhin etwa 1 bis 2 Grad zu kalt. Somit ist auch ein verspäteter Martinssommer eher unwahrscheinlich.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.11.2017

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