All diejenigen, die mit dem Sommer nicht so viel am Hut haben und sich eher in der dunklen Jahreszeit wohlfühlen, können sich freuen: Aus astronomischer Sicht konvergieren wir seit vier Tagen (kalendarischer Sommeranfang) in Richtung Herbst und Winter, sprich, die Tage werden bereits wieder kürzer, auch wenn man das in der täglichen Wahrnehmung aktuell nicht merkt, weil die Kurve, die die Tageslänge beschreibt, derzeit sehr flach verläuft.
Wer nun von seinem Habitus ganz pessimistisch aufgestellt ist und vielleicht nochder Meinung ist, astronomische und meteorologische Prozesse seien sehr streng miteinander korreliert, könnte auf den zugegeben ziemlichkühnen Gedanken kommen, der Sommer 2012 sei schon gelaufen - meteorologisch betrachtet.
Gemach, gemach wirft nun der Meteorologe ein, ganz so einfach ist die Materie doch nicht, schließlich stehen uns die Hauptsommermonate Juliund August noch bevor. Außerdem liegt es ja in der Natur der Sache, dass die irdischen Jahreszeiten respektive der Verlauf der Jahresmitteltemperatur bei uns nicht etwa parallel sondern um Einiges verzögert zum Verlauf der Sonne erfolgen. Bewegt man sich von den Allgemeinplätzen nun mal zur aktuellen Situation, so lässt sich eindeutig konstatieren: Sommer, wie er von vielen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen landläufig verstanden wird, sieht anders aus. Nach einem vor allem im Norden und Westen regnerischen Sonntag ist einmal mehr ein Schwall polarer Meeresluft nach Deutschland eingeflossen, in der die thermischen Entfaltungsmöglichkeiten besonders nach oben hin erheblich limitiert sind, während beim Abarbeiten der übrigen Wetterpalette kaum Grenzen gesetzt sind.
Dauerregen im äußersten Süden, windiges Schauerwetter mit kurzen Gewittern im Norden, Sturmböen an der Küste und im Bergland und dazwischen durchaus mal ein paar blaue Lücken - herzlichen Dank KATARZYNA. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine Hostess bei der aktuell in Polen und der Ukraine stattfindenden EURO 2012 sondern schlichtweg um das entscheidende Tief, das uns die ganze"Schose" einbrockt. Positioniert über Südschweden und wenig mobil lenkt KATARZYNA recht kühle Meeresluft aus nördlichen Breiten via Nordsee nach Deutschland, um hier für einen april-ähnlichen Wochenanfang mit Tageshöchstwerten von 15 bis 21 Grad zu sorgen - Ende Juni wohl bemerkt.
Allerdings kommt der Verfasser an dieser Stelle nicht umhin - auch wenn manche es nicht hören wollen oder nicht mehr hören können - zu erwähnen, dass das Ganze so ungewöhnlichfür Mitteleuropa nicht ist. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen, kann man doch sagen, dass Wechselhaftigkeit sowohl in Bezug auf das Wetter als auch auf die Temperatur in den hiesigen Breiten klimatologisch "normaler" sind als lang andauernde Hitzephasen wie z.B. im Extremsommer 2003. Stellt sich nun also die Frage, wie es mit Madame KATARZYNA weiter geht und ob sich nicht vielleicht doch mal eine etwas stabilere Phaseeinstellt.
Um es vorweg zu nehmen: In dieser Woche tut sich tatsächlich etwas, vor allem im Hinblick auf die Temperatur. Ob damitauch Nachhaltigkeit und Stabilität Einzug halten, muss nach Sichtung der neuesten Wetterkarten allerdings bezweifelt werden. Fakt ist, dass sich nach dem unterkühlten und wechselhaften Wochenanfang Tief KATARZYNA ganz allmählich auf den Weg in Richtung Nordosteuropa macht, wodurch sie zusehends an Einfluss auf unser Wetter verliert. Schon am Dienstag wird die Regenwahrscheinlichkeit mit Ausnahme des äußersten Südens deutlich reduzierter sein, auch wenn sich auf dem Temperatursektor noch nicht allzu viel nach oben tut.
Das wird sich aber ab Mittwoch ändern, wenn nämlich ein neues Tief (Name noch nichtoffiziell) in den Blickpunkt rückt, das sich ganz anders positioniertals die Vorgängerin. Es etabliert sich nämlich bei Großbritannien und Irland, wo es sich zu einem veritablen Gebilde aufplustert, das reichlich Warmluft von Süden her nach Mitteleuropa bzw. Deutschland schaufelt. Bereits am Donnerstag wird im Südwesten die 30-Grad-Marke geknackt, während es nach Nordosten hin eher noch gemäßigt zur Sache geht (19 bis 24 Grad).
Am Freitag steigt dann die Temperatur verbreitet auf Werte um oder sogar über 30 Grad (im äußersten Norden und Nordwesten wahrscheinlich nicht ganz so hoch, aber auch meist über 25 Grad). Geht doch, wird jetzt der eine oder andere einwerfen, warum nicht gleich so. Die Krux dabei: Die einströmende Warmluft ist stark subtropisch angehaucht und mit ziemlich viel Feuchte versehen. Die Folge ist nicht nur zunehmende Schwüle sondern auch eine deutlich steigende Gewitterbereitschaft. Hinzu kommt, dass das angesprochene Tief seinen Wirkungsradius mehr und mehr auf unseren Raum ausdehnen möchte und das zuvor wirksame Hoch VOLKER - ohnehin ein eher schwacher Vertreter seiner Zunft - rasch nach Osten abdrängt.
Außerdem lauern über Westeuropa bereits wieder kühlere Luftmassen, die durchaus geneigt sind, sich bei uns breit zu machen, was wahrscheinlich auch irgendwann passieren wird. Ob bereits am Wochenende oder erst etwas später oder vielleicht auch nur zum Teil (Norden und Westen kühler, Süden und Osten noch warm bis heiß), kann aus heutiger Sicht nicht belastbar prognostiziert werden. Unter dem Strich sollte man sich jedenfalls darauf einstellen, dass es im Laufeder Woche zwar deutlich wärmer, gleichzeitig aber auch gewittriger wird. Wie das Ganze en detail abläuft, steht aber noch in den Sternen.
Dipl.-Met. Stefan Külzer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2012
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst