Anreise nach Maceió (Camocim, Ceará, Brasilien)




1. Januar 2016, 4:00 Uhr, Nürnberg Langwasser
Der Wecker klingelt. Doch wir liegen eh schon seit einer Stunde wach. Nicht etwa weil wir zur Silvester-Party zu viele Energy-Bulls getrunken haben, sondern vor Aufregung. Wir können es kaum mehr erwarten bis die große Reise endlich losgeht.

Schnell noch ein halbes Brötchen anknabbern und dann das schwere Gepäck in den Ducato zerren: zwei Boardbags à 30 kg, zwei vollgestopfte 65l-Rucksäcke mit 20kg und zwei kleine Rucksäcke als Handgepäck mit 6 kg, ein Skateboard.

Papa Matthias fährt uns freundlicherweise zum Nürnberger Hauptbahnhof. Bereits auf den ersten 500 m bis zum Bahnsteig wird uns bewusst, dass sich die kommende Odyssee sehr interessant gestalten könnte. Die Deutsche Bahn meint es glücklicherweise gut mit uns und setzt statt des fahrplanmäßigen ICEs einen IC mit Fahrradabteil ein. [1. Puh!]. So verbringen wir die Bahnfahrt bis zum Frankfurter Flughafen sehr entspannt, mit einem Nickerchen auf unseren Boardbags.

8:00 Uhr, Ankunft Frankfurt Airport
Gerade umständlich beide Boardbags und Rucksäcke auf dem Skateboard ausbalanciert, schon stockt uns kurz der Atem, als wir die Barrieren vor dem Rolltreppen-Aufgang zum Flughafen sehen. Oh bitte nicht! Alles wieder abschnallen und einzeln über die Absperrung hieven oder alles einzeln die Treppen hochtrage?! Merke 1: Reise nie mit zu viel Gepäck. Doch zum Glück entdeckten wir den unverhofft großen Lift, in den wir tatsächlich mit Sack und Pack hineinfahren konnten. [2. Puh!]

Nach endlosen Windungen des Flughafen-Labyrinths fanden wir uns schließlich vor dem einzigen Weg hinab zu den Terminals wieder: eine lange, steile Rolltreppe. Diesmal kein Big-Size-Lift in Sicht und auch keine Treppen. Tragen also ausgeschlossen, abschnallen und alles einzeln hinunterbefördern zu aufwendig. Also: no risk no fun, den Konvoi bis zum Abgrund schieben, einer unten, einer oben festhalten und hoffen. [3. Puh!] Nix passiert.

Der Check-In und die Gepäck-Aufgabe bei Condor verliefen unproblematisch und zügig, nachdem uns die Dame am Schalter das Gewicht unserer Boardbags nur grob schätzen ließ. Einigermaßen pünktlich hoben wir um 12.20 Uhr endlich gen Süden ab. Die 11 Stunden Flug kamen uns zwar vor wie 20, waren aber dank Condor-Service recht angenehm.











Nach einer gekonnten Landung um 18:10 Uhr Ortszeit in Fortaleza erschlug uns das Tropenhaus-Klima bereits beim Aussteigen. Das große Schwitzen begann…Bereits an der Einreisekontrolle und deren Organisation kamen wir das erste Mal mit der brasilianischen Gemütlichkeit in Kontakt. Uns fiel ein großer Stein vom Herzen, als wir alle unsere Gepäckstücke schon bereit zur Mitnehmen sowie unversehrt in Empfang nehmen konnten. Nicht wie bei unserem Nachbarn, dessen gesamtes Equippement abhanden gekommen war. [4. Puh!]


19:00 Uhr, Fortaleza Flughafen
Nach Abraten langjähriger Brasilien-Erfahrenen von einer nächtlichen Reise hierzulande, kamen erste Zweifel an der bevorstehenden 8-stündigen öffentlichen Busfahrt  auf. Besorgnis bereitete uns auch die im Internet als „not sure“ betitelten, heutigen Abfahrtszeiten der Busunternehmen nach Camocim. Die sprachlichen Hürden trugen ebenso nicht zur Lösung dieses Problems bei, denn wir sprechen (noch) kein brasilianisches Portugiesisch und die (meisten) Brasilianer kein Englisch. So versuchten wir mit Händen und Füßen herauszufinden, wie wir nun noch nach Camocim kommen könnten.

Nach rund 2 Stunden Pantomime und Internetrecherche mit wackligem Wifi kamen wir jedoch zu der bitteren Erkenntnis, dass dies die erste Nacht am Flughafen werden würde. [1. Ach nö!] Aus Fehlern lernt man. Merke 2: der Transfer vom Flughafen zum Zielort gehört auch zur Reise und muss (insbesondere bei Ankunft an einem Feiertag) unbedingt vorab fix gemacht werden. Abgesehen von der unschönen Auskunft „Sorry, no bus today.“ erfuhren wir auch, dass besagte Busse wohl nicht direkt vom Flughafen starten, sondern vom ominösen Busbahnhof 15-Autominuten entfernt. Da heute auch keine Transfer-Shuttles mehr nach Camocim startete, schlugen wir nach erneuter Rolltreppenfahrt schwitzend unser Nachtlager auf. Wir fanden sogar ein „gemütliches“, wenn auch lautes und „stichiges“ (einige Moskitos) Plätzchen im Eck der Terrasse im 1. Stock. Kaum auf den Boardbags niedergelassen, ratzte es uns nach der ganzen Aufregung auch schon weg.

2. Januar, 4:30 Uhr Fortaleza Flughafen
Äußert pappig, aber einigermaßen ausgeruht packten wir unsere sieben Sachen zusammen und machten uns auf Futtersuche. Merke 3: immer einen Notgroschen bereits in Landeswährung dabei haben, da auch die Bankautomaten in Brasilien nicht die verlässlichsten sind und Wechselstuben um diese Zeit noch nicht geöffnet hatten. Das Frühstück noch schnell eingepackt, auf das wir am Subway-Stand gefühlten 3 Stunden warteten, warfen wir uns also in den zweiten Teil der Odyssee. Wir organisierten erfolgreich die Bustickets sowie ein Taxi, das uns samt Boardbags (provisorisch aufs Dach gezurrt) zum Busbahnhof brachte. Bei dem Blick aus dem Wagen machten wir große Augen und uns wurde klar, warum Reisen bei Nacht hier nicht empfehlenswert ist und rote Ampeln stets ignoriert werden. Wir hatten bereits tagsüber die Hosen voll.

Am Busbahnhof angekommen konnten wir erst mal „gemütlich“ neben ein paar am Boden Schlafenden frühstücken, da der 6 Uhr Bus ausfiel und wir erst den um 7:30 nehmen konnten. Man saß also so vor sich hin und mampfte genüsslich, da lief uns schon die erste Kakerlake über die Füße. Ein paar Minuten später öffnete der Burger-Laden 5 m gegenüber seine Rollos und schreckte dabei wohl eine kleine Ratte auf. Panisch zog sie ihre Bahn einmal quer durch die aufschreiende Menschenmenge und wieder zurück Richtung Laden, wo ihr der Besitzer beherzt auf den Deckel stieg – sehr zum Graus der kleinen Lani-Maus.

7:30 Uhr, Fortaleza Busbahnhof
Einchecken (im Bus) wie vermutet unübersichtlich und chaotisch bis unorganisiert sowie mit zusätzlichen Spesen für den Transport von sperrigem Gepäck verbunden. Der Laderaum des Busses maß nämlich maximal 2,30 auf 2,70 m, sodass unsere Boardbags diagonal gerade so hineinpassten. [5. Puh!] Die Kosten für die bevorstehende 8-stündige Busfahrt beliefen sich aber insgesamt nur auf 120 Reais (ca. 30 €), also deutlich weniger, als ein Transfer-Shuttle für ca. 600 Reais (ca. 150€). Aus dem überraschend komfortablen, klimatisierten Bus mit superbequemen Sitzen beäugten wir staunend die äußerst vermüllten Straßen, die besprühten, stark renovierungsbedürftigen Gebäude (mit Sat-Schüsseln) und die halb eingefallenen Baracken Fortalezas, die wir passierten. In den folgenden 8 Stunden kam man sich mitunter schon vor wie ein Martini für James Bond oder ein Eiweißshake nach dem Training. Merke 4: Die Entscheidung, ob man lieber 3 Stunden weniger auf Brasiliens holprigen bis miserablen Straßen unterwegs ist oder weniger zahlt, sollte wohl überlegt sein.

15.30 Uhr, Ankunft in Camocim

Da auf der Fahrt leider weder Wifi noch Handy-Simcard verfügbar war, konnten wir dem Vermieter unserer Poussada in Maceió unsere Ankunftszeit nicht mitteilen. So kamen wir nicht nur wegen der brütenden Hitze in Camocim ins Schwitzen. Doch nicht lange, denn er erwartete uns bereits vor Ort mit seinem 4x4 Suzuki-Jeep und nahm uns herzlich in Empfang. [6. Puh!] Nach kleiner Bankberatung und Einkaufs-Übersetzungs-Hilfe düsten wir mit den Boardbags auf dem kleinen Dach direkt am Wasser entlang über den Strand bis nach Maceió. Dort konnten wir gleich noch unser Surfzeug bei unseren alten Bekannten aus Sa Barra (S-O-Sardinien, St. Antioco) – Gigi und Rossel – in deren Surfstation direkt am Spot unterbringen, bevor wir endlich glücklich unser Endziel erreichten: ein kleines, aber sauberes Zimmer mit Dusche auf Fabrizios Grundstück, mit Küche und Wifi 150 m vom Strand entfernt.

Unsere unendliche Erleichterung über die erfolgreich abgeschlossene erste Odyssee unseres „WAYs“ begossen wir mit Rossel im urigen KiteZen am Strand mit überragenden, typisch brasilianischen Cocktails. Schließlich freuten wir uns wie ein Snowboarder bei frischem Powder über die ausschließlich kalte Dusche, was bei diesen Temperaturen eine wahre Wohltat ist! Mit aufgespanntem Mückennetz und Ventilator konnten uns nun nicht mal mehr die nächtlichen 27°C vom 11-stündigen Erholungsschlaf abhalten.

Coming up soon:
Sand, Sonnenbrand und die ersten Wellenspiele in der Badewanne…

Latos-Way-Statistik:

6 x Puh!

1 x Ach nö!

4 x Merke

All about the Trip gibt es unter: www.latos-way.de

Special Thanks to:
www.windinfo.eu    www.gloryfy.com    www.timezone.de