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NOVEMBERgrau – oder doch besser DEZEMBERgrau?

Im Winterhalbjahr ist der Himmel oft in tristem „Novembergrau“ verhüllt. Doch ist der namensgebende November tatsächlich der trübste Monat im Jahr?

„Trübes Novemberwetter“ oder „tristes Novembergrau“ – diese Bezeichnungen für ganztägiges Einheitsgrau am Himmel im November (und nicht nur im November) kennt fast jeder. Heute gehen wir der Frage nach, warum das so ist und ob in Deutschland der November tatsächlich der Monat ist, in dem die Sonne am seltensten zu sehen ist.

Für die zuletzt gestellte Frage hilft ein Blick in die langjährigen Wetteraufzeichnungen und dabei wird schnell klar, dass der November seinem Ruf als „trüb(st)er Monat“ nicht gerecht wird. Mit 52,5 Sonnenstunden liegt er in der Rangliste der sonnenärmsten Monate sogar nur auf Platz 3. Statistisch gesehen noch seltener scheint die Sonne im Januar (43,6 Stunden); der tatsächlich trübste Monat ist allerdings der, in dem wir uns gerade befinden, der Dezember, und zwar mit durchschnittlich nur 38 Sonnenstunden (vieljähriges Mittel 1961-1991). Im Vergleich zu den monatlich etwa 200 Sonnenstunden von Mai bis August ist das in der Tat ganz schön wenig. Aber warum ist das so?

Eine entscheidende Rolle spielen die unterschiedlichen Tageslängen. Da die Rotationsachse der Erde gegenüber der Umlaufbahn um die Sonne um 23° geneigt ist, sind die Tage im Sommer länger als im Winter. Dadurch beträgt in Frankfurt am Main die Tageslänge (Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang) zur Sommersonnenwende (2019: 21. Juni) 15:22 Stunden und zur Wintersonnenwende (2019: 22. Dezember) 7:51 Stunden. In anderen Worten sind also schon rein astronomisch betrachtet im Dezember nur etwa halb so viele Sonnenstunden möglich wie im Juni. Diese Tatsache alleine kann das winterliche Sonnendefizit aber nicht erklären. In Frankfurt am Main beispielsweise scheint die Sonne nämlich im Juli durchschnittlich 7:07 Stunden am Tag und damit sogar mehr als 8-mal so lange wie im Dezember (52 Minuten).

DWD-Novembergrau

Ein weiterer Grund ist die stärkere Bewölkung im Winter. Während im Sommer ein Hochdruckgebiet meist sonniges Sommerwetter verspricht, ist bei winterlichen Hochdruckwetterlagen die Neigung zu neblig-trübem Wetter groß. Auch hierfür ist indirekt die Neigung der Erdachse verantwortlich, wir werden von ihr also quasi doppelt bestraft. Da im Winter die Sonne deutlich tiefer am Himmel steht als im Sommer, besitzt sie auch viel weniger Energie in Form von Sonnenstrahlung. Somit fehlt ihr im Winter oft die Kraft, um Nebelfelder aufzulösen. So können sich bei beständigem Hochdruckwetter Nebel- und Hochnebelfelder immer weiter ausbreiten und man bekommt die Sonne teils tagelang nicht zu sehen.

Doch auch bei Tiefdruckwetterlagen hat es die Sonne schwer. Im Einflussbereich von Tiefs tummeln sich meist ausgedehnte Wolkenfelder mit Regen, die uns den Blick auf die Sonne versperren. Zwar gibt es zwischen den Tiefausläufern auch immer mal wieder sonnige Auflockerungen, von langer Dauer sind diese aber meistens nicht.

Es ist also nicht verwunderlich, dass gerade im Winter die Sonne ein recht seltener Gast ist. Tendenziell scheint die Sonne im Dezember im Westen und Norden seltener als im Süden, wobei es gerade dort große regionale Unterschiede gibt. Während in manchen Tälern der Ostalb oder im Osten Oberfrankens die Sonne durchschnittlich weniger als 20 Stunden scheint, kann man sich am Alpenrand stellenweise über mehr als 100 Sonnenstunden freuen (z.B. 142 Stunden in Oberstdorf). Dort befindet man sich häufig bereits oberhalb der Hochnebeldecke und profitiert zusätzlich vom Föhn.

Der bisher sonnenärmste Monat war übrigens der Dezember 1993 mit nur 18,4 Sonnenstunden im bundesweiten Schnitt, wobei damals in Hessen die Sonne lediglich 8,5 Stunden und in NRW 8,6 Stunden schien. Wer damals in Lüdenscheid oder Meinerzhagen im westlichen Sauerland wohnte, den traf es besonders bitter. Im gesamten Monat schien dort die Sonne gerade einmal 1 1/4 Stunden. Manch einem mag auch der Dezember letzten Jahres noch in Erinnerung sein, der mit 25,2 Sonnenstunden auch nicht glänzte.

Ganz so trüb wird es im diesjährigen Dezember aller Voraussicht nach nicht. Zwar ist das Wetter in den nächsten Tagen von atlantischen Tiefdruckgebieten geprägt, zwischen den Wolkenfeldern kann sich aber zumindest kurzzeitig auch mal die Sonne zeigen. Wenn Sie also in den kommenden Tagen die Sonne am Himmel sehen, dann nix wie raus ins Freie! Die nächsten Wolken lassen bestimmt nicht lange auf sich warten.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.12.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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