Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

Am gestrigen Sonntag, den 12. April, war in den USA der „Jahrestag des starken Windes“. Seit wann dieser Aktionstag begangen wird und wer diesen ins Leben rief, ist leider nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass anlässlich des 50. Jahrestags im Jahr 1984 eine Zeremonie im Observatorium des Mount Washington abgehalten wurde.

Vor 91 Jahren, also am 12. April 1934, wurde auf dem Mount Washington (New Hampshire) mit 372 Kilometern pro Stunde die bis dato stärkste mit einem Anemometer gemessene Windböe verzeichnet. Erst am 10. April 1996, also fast auf den Tag genau 62 Jahre später, konnte dieser Wert überboten werden. Während des tropischen Zyklons „Olivia“ wurden auf der westaustralischen Insel Barrow Island 408 Kilometer pro Stunde gemessen. In Deutschland und Europa liegt der Rekord bei 335 Kilometer pro Stunde und wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze verzeichnet.

Die höchste jemals aufgezeichnete Windgeschwindigkeit wurde durch ein Dopplerradar bei einem Tornado in der Nähe von Oklahoma City am 03. Mai 1999 registriert. Der Wert beträgt hierbei 496 Kilometer pro Stunde, wobei der Unsicherheitsbereich durch die indirekte Messmethode bei plusminus 33 Kilometer pro Stunde liegt.

In der freien Atmosphäre sind die Windgeschwindigkeiten naturgemäß höher als an der Erdoberfläche, da dort Reibungseffekte keine Rolle spielen. So wurden 1970 bei Messungen in Jetstreams über Japan 650 Kilometer pro Stunde geschätzt.

Hierzulande frischte der Wind in den vergangenen Tagen zwar zeitweise etwas auf, mit Sturm oder mehr hatte das aber natürlich nichts zu tun. Ab und an war eine gelbe Windwarnung (50 bis 64 Kilometer pro Stunde) vonnöten, so wie auch für den heutigen Montag eine für den Erzgebirgskamm ausgegeben wurde. In den kommenden Tagen ist Wind dann aber kein Thema mehr.

Daneben wurde am 13. April 1845, also heute vor 181 Jahren, der deutsche Meteorologe Richard Adolph Aßmann geboren. Beispielsweise ist das Meteorologische Observatorium in Lindenberg nach ihm benannt. Er ist der Entwickler des nach ihm benannten Aspirationspsychrometers nach Aßmann. Ein Psychrometer (griechisch: psychrós = frostig, kalt) ist ein meteorologisches Messinstrument und dient der Bestimmung der Luftfeuchtigkeit (https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/P/Psychrometer.html). Das Messprinzip eines Psychrometers beruht auf der Abhängigkeit der Verdunstung von den Feuchteverhältnissen der umgebenden Luft. Ein Psychrometer besteht aus zwei Thermometern, wovon eines die Lufttemperatur misst. Das andere ist mit einem feuchten Strumpf überzogen und kühlt sich aufgrund der Verdunstungskälte ab. Die gemessene Temperatur („Feuchttemperatur“) liegt somit unter der Lufttemperatur. Mithilfe der beiden gemessenen Temperaturwerte können anschließend verschiedene Feuchtegrößen berechnet werden.

Am morgigen Dienstag, den 14. April, ist in den USA wiederum der „Schau-in-den-Himmel-Tag“. Die Ursprünge und Hintergründe dieses Aktionstags sind allerdings nicht überliefert. Am Tag der Himmelsbeobachtung steht das Rausgehen im Vordergrund, um zu sehen, was am Himmel so vor sich geht. Ein Vogel, der die Thermik zum Fliegen nutzt; ein Flugzeug, das ein nahes oder fernes Urlaubsziel ansteuert; lustige Wolkenformationen, die über den Himmel ziehen oder bei Dunkelheit die Sterne, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Scheint die Sonne, verweilt man gerne auch etwas länger im Freien; ist es hingegen bedeckt oder es regnet sogar, beobachtet man den Himmel dann doch lieber vom Fenster aus. Doch wie präsentiert sich das Himmelsbild am morgigen „Schau-in-den-Himmel-Tag“?

Am morgigen Dienstag ist es im Westen und Nordwesten Deutschlands bei Höchsttemperaturen zwischen 15 und 18 Grad heiter, teils sonnig und trocken. In den übrigen Regionen bestimmen viele Wolken das Himmelsbild. Vielerorts tritt zudem leichter Regen auf, der im Tagesverlauf in den Osten und Südosten Deutschlands zieht. Die Höchsttemperaturen liegen meist bei 9 bis 15 Grad, nur an Oder und Neiße können ebenfalls 15 bis 18 Grad erreicht werden.

Nachfolgend nehmen die Sonnenanteile in weiten Teilen des Landes deutlich zu. Bei Höchsttemperaturen zwischen 14 und 21 Grad und schwachen Windverhältnissen kann der „Schau-in-den-Himmel-Tag“ bei einem Spaziergang also durchaus in die Verlängerung gehen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Eine Rückschau und eine Vorschau – wie bewölkt ist es über Deutschland

„Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei“ – Obacht! – so lautete die Überschrift des Thema des Tages vom vergangenen Montag, dem 06.04.2026. Das Sturmtief Rapunzel (international Dave) welches über Britannien und Irland gezogen war, hatte letztes Wochenende mit Sturmböen, einer Kaltfront, sowie rückseitigen Schauern und Gewittern für unbeständiges Wetter in Deutschland gesorgt. Zum Wochenbeginn kündigte sich dann der Wetterumschwung an – von Westen hatte sich Hochdruckeinfluss durchgesetzt und sorgte von Montag bis in den Donnerstag hinein für eine sonnige, teils sehr milde, und trockene Witterung. Sehr eindrücklich zeigt sich die Hochdruckwetterlage im Satellitenfilm für die ersten drei Tage der vergangenen Woche.

Die Animation zeigt eine Abfolge von Satellitenbildern über Europa. Über Deutschland ist es meist wolkenlos, über dem Ostatlantik und über Osteuropa zeigen sich prägnante Wolkenbänder der Tiefdrucksysteme. (Quelle EUMETSAT)

MTG (Meteosat Third Generation) GeoColour RGB Satellitenfilm, mit Messungen von reflektiertem Sonnenlicht im sichtbaren Spektralbereich am Tag, und von der Erdoberfläche und Wolken emittierter Wärmestrahlung im Infrarotbereich in der Nacht. Der Film zeigt stündliche Messungen von Montag dem 06.04.2026 um 00:00 UTC bis Donnerstag dem 09.04.2026 um 00:00 UTC. (Quelle: EUMETSAT)

Das ehemalige Sturmtief Rapunzel/Dave zieht im Satellitenfilm als Wolkenwirbel von Finnland aus südostwärts über Osteuropa hinweg und bleibt dort mit seinem Frontensystem noch einige Tage wetterwirksam, während ein mächtiges Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik Richtung Island zieht (Kerndruck zu Beginn des Satellitenfilms um 960 hPa). Das atlantische Tief selbst, seine Kaltfront (erkennbar an dem von Nord nach Süd ausgerichteten Wolkenband), sowie der darüber liegende Höhentrog (eine im Satellitenfilm nicht direkt ersichtliche, nach Süden gerichtete Ausbeulung der Höhenströmung) kommen nur schwer gegen den Hochdruckeinfluss über Zentraleuropa an und weichen dementsprechend nach Norden und Süden aus. Bereits am Dienstag hatte sich dadurch im Zusammenhang mit einem Abtropfen in der Höhenströmung ein Tief westlich von Portugal ausgebildet (ebenfalls deutlich im Satellitenfilm erkennbar) und insbesondere in Spanien äußerst ergiebigen Regen gebracht.

Über Deutschland ist der Hochdruckeinfluss des vergangenen Wochenbeginns im Satellitenfilm sehr eindrücklich. Bis auf vereinzelte optisch dünne hohe Bewölkung sowie ein Wolkenband aus tiefer Stratusbewölkung am Dienstag im Nordosten waren die Tage verbreitet sonnig und die Nächte klar. Dementsprechend blieb es in ganz Deutschland trocken, tagsüber war es bei Temperaturen über 20 °C teils ungewöhnlich mild, insbesondere im Westen wo zudem wärmere Luft eingeflossen war. Nachts fiel die Temperatur durch die ungehinderte Ausstrahlung gebietsweise unter 0 °C.

Nun der schonungslose Vergleich mit dem morgen anstehenden Wochenbeginn. Dass bis Mittwoch für manche Regionen Deutschlands einiges an Niederschlag erwartet wird, wurde bereits im gestrigen Thema des Tages anschaulich präsentiert. Ein Teil der dort prognostizierten Regenmengen sind zwar bereits am gestrigen Samstag und heute gefallen, dennoch präsentiert sich der Himmel über Deutschland im simulierten Prognose-Satellitenfilm des europäischen IFS Modells im starken Kontrast zum vergangenen Wochenbeginn.

Die Animation zeigt analog zu der vorherigen einen Satellitenfilm über Europa. Das beschriebene Wolkenband überdeckt große Teile Deutschlands. Im gesamten Kartenausschnitt zeigen sich viele prägnante Wettersysteme in den Wolkenformationen. (Quelle ECMWF)

Simulierter Satellitenfilm für die kommenden drei Tage, in 3-Stunden-Schritten, basierend auf der simulierten Reflektivität der Wolken im europäischen IFS Modell, im sichtbaren Spektrum und unter der Annahme dass die Sonne 24/7 im Zenit steht – deshalb hier auch nachts verfügbar. (Quelle: ECMWF)

Das Wolken- und Regenband der gestern Nachtmittag von Westen hereingezogenen Kaltfront liegt heute Nacht (zu Beginn des Prognose-Satellitenfilms) über dem Süden und Osten Deutschlands und wandert – beeinflusst durch die umgebenden Wettersysteme und die Höhenströmung – zunächst vom Osten in den Westen zurück, und schlussendlich zum Mittwoch hin wieder nach Osten aus Deutschland hinaus. Einhergehend damit wandert nicht nur der Niederschlag, sondern es variieren auch die Tageshöchsttemperaturen und die nächtlichen Minimaltemperaturen – und gestalten somit den Wochenbeginn äußerst wechselhaft. Zum Mittwoch kündigt sich dann Wetterberuhigung an, es bleibt trocken und es wird wieder merklich milder – nicht nur örtlich sondern in weiten Teilen des Landes.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.04.2026
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Findet die Trockenheit ihr Ende?

Das Wort Regen oder Schauer las man in den Wetterberichten im bisherigen April in Deutschland sehr selten. Umfangreiche Hochdruckgebiete sorgten hierzulande für eher trockenes und oftmals sonniges Frühlingswetter. Bereits jetzt stehen schon 60 bis 90 Sonnenstunden zu Buche. Dies bedeutet im Schnitt sechs bis neun Stunden Sonne pro Tag. Klimatologisch betrachtet wird die aufgeführte Gesamtsonnenscheindauer erst zum Ende der zweiten Aprildekade erreicht. Während also die Sonne Überstunden leistet, zeigt sich der Niederschlag fast überall von seiner sparsamen Seite. Deutschlandweit fielen seit Beginn des zweiten meteorologischen Frühlingsmonats häufig nur zwischen 1 und 10 Liter pro Quadratmeter (l/qm). Lediglich im Norden und im Umfeld der zentralen und östlichen Mittelgebirge waren es gebietsweise 10 bis 15 l/qm. Etwas aus der Reihe tanzt der Süden und Südosten Bayerns. Dort gab es in der Fläche bereits 10 bis 20, am Alpenrand örtlich bis 30 l/qm. Der meiste Niederschlag fiel dort am gestrigen Freitag.

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Aus Radardaten abgeleitete Gesamtniederschlagsmenge im April bis zum heutigen Samstag

Doch nicht nur der April zeigt sich bisher von seiner trockenen Seite, sondern auch der März fiel in ganz Deutschland trockener aus als im vieljährigen Mittel (weitere Informationen hier). Hervor sticht dabei sicherlich der Osten des Landes. Dort gab es im März regional insgesamt lediglich um 10 l/qm Monatsniederschlag.

Der Vergleich der Niederschläge von Januar bis März in den Städten Hamburg, Berlin, Köln und München zeigt, dass es im Januar und März insgesamt meist trockener war als in den jeweiligen Vergleichsperioden. Anders präsentierte sich der vergangene Februar. Dieser war sehr niederschlagsreich und auch in Berlin wurden die langjährigen Mittelwerte überboten. Dennoch lässt sich konstatieren, dass es besonders in der Bundeshauptstadt in diesem Jahr bisher viel zu trocken ist.

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Gemessene und klimatologische Niederschlagsmengen von Januar bis März für die Städte Hamburg, Berlin, Köln und München

Auch der Bodenfeuchteviewer offenbart deutlich, dass im Osten des Landes zumindest in den oberen Bodenschichten (10 bis 50 cm) ein leichter Trockenstress herrscht. Insbesondere in Sachsen-Anhalt ist dies selbst in tieferen Schichten noch der Fall.

Ob die Trockenheit gelindert werden kann und wie viel Niederschlag in den kommenden Tagen in Deutschland fallen soll, zeigt die folgende Karte. Hier sind auf Basis verschiedener Modelle die zu erwartenden Niederschläge vom heutigen Samstag bis Mittwochfrüh dargestellt.

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Akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/qm von Samstag bis Mittwochfrüh auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle

Niederschlag zeichnet sich für den Südwesten des Landes ab. Dort sollen nach Lesart aller Modelle 10 bis 30, laut EZMW lokal um 50 l/qm Niederschlag fallen. Ansonsten liegen die Mengen überwiegend zwischen 5 und 15, lokal um 20 l/qm. Allerdings ergibt sich kein einheitliches Bild in der Prognose und die Berechnungen gehen teilweise deutlich auseinander. Lediglich im äußersten Osten und Südosten haben alle Modelle nur wenige l/qm auf der Agenda. Die Trockenheit wird dort also kaum gelindert werden können.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.04.2026
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Von Türmchen, Fasern und Linsen

Jede Wolke ist für sich genommen ein Unikat. Nichtsdestotrotz treten verschiedene Bewölkungsformen immer wieder auf, sodass man eines Tages ein Klassifizierungssystem entwickelt hat, um diese Formen einzuordnen. Dabei hat man sich an der Biologie orientiert und unterteilt die verschiedenen Wolkenformen nach Gattung, Art und Unterart. Daneben gibt es noch bestimmte Zusatzeigenschaften, die an allen Wolkenarten auftreten können.

Grundsätzlich unterteilt man Bewölkung in drei bzw. vier verschiedene Gattungen nach der Höhe ihres Auftretens: Tiefe, Mittelhohe und Hohe Wolken. Neben diesen drei gibt es noch Wolkengattungen, die sich über mehrere oder alle Stockwerke erstrecken. Es existieren insgesamt zehn Gattungen. Zu den hohen Wolken gehören dabei Cirrus (Ci), Cirrocumulus (Cc) und Cirrostratus (Cs). Zu den mittelhohen Wolken gehören Altocumulus (Ac) und Altostratus (As). Stratocumulus (Sc) und Stratus (St) bilden die tiefe Bewölkung. Daneben gibt es mit Cumulus (Cu), Nimbostratus (Ns) und Cumulonimbus (Cb) drei Gattungen mit großer vertikaler Ausdehnung über mehrere Stockwerke.

All diese Wolkengattungen können in Form verschiedener Arten auftreten. Einige interessante davon sind z.B. Castellanus, Lenticularis und Fibratus.

Castellanus

Castellanus (cas) bezeichnet Wolkenarten, die Quellungen in Form kleiner Türmchen aufweisen, die aber an ihrer Basis miteinander in Verbindung stehen. Sie können an Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus- oder Stratocumulusbewölkung auftreten. Castellanus-Wolken weisen auf vorhandene Labilität in der Troposphäre hin und können erste Anzeichen bevorstehender Gewitterentwicklungen sein.

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Altocumulus castellanus ( Quelle:Bild: Rüdiger Manig, DWD)

Lenticularis

Lenticularis (len) bezeichnet linsenförmige Wolken. Sie zeichnen sich durch eine laminare Erscheinungsform aus und können mitunter auch wie eine Art „UFO” aussehen. Lenticularis-Wolken treten in erster Linie bei Föhn auf und bilden sich oft auf der Leeseite der Gebirge durch dort entstehende Schwerewellen. Abseits davon können sich Lenticularis auch bei starker Richtungsscherung und dadurch entstehenden Scherungswellen bilden. Sie treten hauptsächlich an Cirrocumulus, Altocumulus und Stratocumulus auf.

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Altocumulus lenticularis (Ac len). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)

Fibratus

Fibratus-Wolken (fib) entstehen vor allem an Cirrus- oder Cirrostratus-Wolken. Dabei bezeichnen sie dem Namen nach einen bestimmten faserigen Charakter, wobei sich diese Fasern mitunter über einen größeren Teil des Himmels erstrecken können. Sie entstehen u.a. durch hohe Windscherung in großen Höhen.

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Cirrus fibratus (Ci fib). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)

Neben einigen Arten gibt es auch noch Unterarten und Spezialformen, die es sich lohnt, näher zu betrachten.

Mammatus

Mammatuswolken (mam)) bezeichnen Wolken mit beutelförmigen Ausbuchtungen nach unten. Am häufigsten kommen diese an den Eisschirmen bzw. dem Amboss von Cumulonimbuswolken vor. Daneben können sie aber auch an fast allen anderen Gattungen auftreten. Der genaue Entstehungsmechanismus von Mammatuswolken ist nicht vollständig erforscht, eine Rolle spielen hohe Windscherung sowie Verdunstungs- und Abkühlungsvorgänge an der Unterseite der Wolke.

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Mammatuswolken über Gotha. (Quelle:Gertraud Vollrath)

Virga

Virga (vir) bezeichnet einen Niederschlagsfallstreifen unterhalb einer Wolke, der aber den Boden nicht erreicht. Meistens handelt es sich dabei um Niederschlag in fester Form (Schnee, Eiskörner, Kristalle, etc.), an tiefer Bewölkung aber auch in flüssiger Form, der in darunterliegenden trockenen Schichten verdunstet, bevor er den Erdboden erreicht.

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Fallstreifen (virga)Im Vorfeld eine rvon Westen heranziehenden Kaltfront

Altocumulus virga (Ac vir). (Quelle:Rüdiger Manig,DWD)

Cirrus virga und Altocumulus virga waren beispielsweise in den letzten Tagen vermehrt im südlichen Hessen zu beobachten, vor allem in der Region zwischen Frankfurt am Main und dem Rheingau westlich von Mainz und Wiesbaden.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Wolkentypen finden sich im „International Cloud Atlas” der WMO oder im Karlsruher Wolkenatlas.

M.Sc. Felix Dietzsch (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.04.2026
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Tiefs „Saskia“ und „Tamina“ leiten Wetterumschwung ein

In den vergangenen Tagen verlagerte Hoch „Quirin“ seinen Schwerpunkt über Mitteleuropa hinweg und sorgte hierzulande für sonniges und teils sehr mildes Frühlingswetter. Bei Tageshöchstwerten bis 24 Grad im Südwesten wurde ein Sommertag (Höchstwerte von 25 Grad und höher) nur knapp verfehlt.

Am heutigen Donnerstag schwindet allmählich der Einfluss von Hoch „Quirin„, dessen Schwerpunkt sich mittlerweile über Nordwestrussland befindet. Im äußersten Nordwesten und Westen ziehen ab den Nachmittags- und Abendstunden die Ausläufer des Islandtiefs „Saskia“ auf. Zuvor scheint jedoch noch einmal bei Höchstwerten zwischen 11 Grad im Nordosten und sehr milden 24 Grad im Breisgau vielerorts die Sonne.

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DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Donnerstag, den 09. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 08. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

Ab dem Abend können dann bereits im Westen und Nordwesten erste Schauer auftreten, die sich im Laufe der kommenden Nacht ost- bis südostwärts ausbreiten und am Freitag schließlich auch den äußersten Osten und Nordosten erreichen. Rückseitig der Ausläufer fließt kühle atlantische Meeresluft nach Deutschland. In dieser sinkt die Schneefallgrenze ab, sodass in den Mittelgebirgen sowie im nachts teils frostigen Osten und Nordosten kurzzeitig etwas nasser Schneefall auftreten kann. Glätte durch Schneematsch ist dabei aber nur gering wahrscheinlich. Ebenfalls gering wahrscheinlich sind einzelne Gewitter, die in der Nacht auftreten können.

Mit der Annäherung des Tiefausläufers nimmt zudem das Luftdruckgefälle über Deutschland etwas zu, sodass der Wind insbesondere an den Küsten stark bis stürmisch auffrischen kann. Im Laufe des Freitags lässt er aber bereits wieder nach.

Tiefs 2

Vorhersage der MOSMIX-Tageshöchsttemperatur für Freitag (links), der MOSMIX-Tiefsttemperatur für die Nacht zum Samstag (Mitte) sowie der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage des ICON-D2-Wettermodells von Donnerstag- bis Freitagabend (rechts). Quelle: DWD

In der Nacht zum Samstag und Samstag tagsüber dominiert dann vorübergehender Zwischenhocheinfluss. Mit einer auf Süd bis Südwest drehenden Strömung fließt ein Schwall milderer Luft zu uns. Ausgangs der Nacht zum Samstag tritt in der Osthälfte zunächst aber noch einmal leichter Frost auf, verbreitet muss mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden. Zudem bildet sich gebietsweise Nebel aus, der sich am Samstag aber bei vielfachem Sonnenschein rasch wieder auflöst. Die Temperatur steigt tagsüber mit Sonnenunterstützung im Südwesten wieder auf bis zu 25 Grad an.

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DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Samstag, den 11. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 09. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

In den Wetterkarten ist bereits heute über dem Nordatlantik eine Störung namens „Tamina“ auszumachen, die sich zügig vertieft und am Samstag der Region zwischen Irland und Island annähert. Im Laufe des Samstags kann dabei der Wind in den Leelagen der westlichen Mittelgebirge sowie im Küstenumfeld stark bis stürmisch auffrischen. Das zugehörige Frontensystem greift ab Samstagabend von Westen her auf Deutschland über und zieht mit teils schauerartigem Regen bis Sonntagabend in den Osten des Landes. Dabei fließt erneut kühlere Atlantikluft zu uns.

Tiefs 4

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Montag, den 13. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 09. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

Der tiefe Luftdruck reicht am Sonntag bis zum Mittelmeer und wird am weiteren Vorankommen nach Osten hin von hohem Luftdruck blockiert. Dadurch bleibt uns auch zu Beginn der neuen Woche das wechselhafte Wetter samt kühler Luft erhalten.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.04.2026
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Hana-Matsuri

Schon seit ein paar Wochen sprießen die Blüten an den Bäumen. Jeder Gärtner zittert noch einmal in kalten Nächten. Einige hüllen empfindliche Blüten ein, damit der Frost sie nicht absterben lässt. Zu schade wäre der gleichbedeutende Verlust der Ernte.

In diesem Jahr sind wir mit der Blüte teils recht früh dran. Die Hasel, die den Beginn des Vorfrühlings auf der phänologischen Uhr markiert, hat im milderen Westen Deutschlands bereits Ende Dezember geblüht. Im vieljährigen Mittel liegt ihr Blühbeginn am 09. Februar. Im kälteren Osten hat die Blüte hingegen erst Mitte Februar angefangen. Gemittelt über alle Meldungen ergibt das einen Blühbeginn um den 06. Februar.

Zeitlich nicht ganz so weit auseinander liegt der Blühbeginn der Forsythie. Sie markiert den Erstfrühling. Im Westen lag dieser um den 11. März, im Norden und Nordosten gab es die ersten Blüten hingegen erst Ende März, im höheren Bergland sogar erst Anfang April. Bis zum Vollfrühling, der von der Apfelblüte gekennzeichnet wird, ist es noch etwas hin. Im vieljährigen Mittel liegt ihr Blühstart um den 26. April. Es gab aber in den letzten Tagen schon vereinzelt Meldungen aus dem Westen und Südwesten Deutschlands über blühende Apfelbäume.

Ähnlich wie die Japaner mit ihrem Hana-Matsuri feiern auch die Deutschen ihre Blütenfeste. Allerdings ist der Hintergrund bei uns nicht der Geburtstag einer Gottheit, sondern vielmehr die Freude am Feiern und die Vorfreude auf eine ertragreiche Obstsaison. Einige Baumblütenfeste in Deutschland blicken dabei auf eine über 100-jährige Tradition zurück. In der Regel finden die Feste von Mitte April bis Anfang Mai statt. Dann stehen die meisten Apfel- und Kirschbäume in voller Blüte. Eine sehr milde Witterung kann den Blühbeginn nach vorne schieben. Danach sieht es auch in diesem Jahr aus. In einigen Regionen im Westen und Süden sind bereits erste Kirschblüten zu sehen. Die volle Blüte wird aber noch etwas dauern.

Nähere Informationen zur phänologischen Uhr und wie Sie uns bei der Beobachtung unterstützen können, finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Wetterdienstes.

 

Einheitenchaos – Teil 1: Temperatur

Vielen hat es sich wohl im Physik- oder Matheunterricht in den Kopf gebrannt. Der Lehrer stellt eine Rechenaufgabe und plötzlich muss im Stress die Antwort berechnet werden und aus Versehen begeht man den unverzeihlichen Fehler die korrekte Einheit hinter sein Ergebnis zu setzen. Die darauf sofort folgende Frage: „XX was? Äpfel, Birnen, …?“ wurde damals natürlich nur als vorsätzliche Quälerei wahrgenommen. Natürlich war es das nicht, denn es ist durchaus wichtig, die richtigen Maßeinheiten zu verwenden. Leider gibt es in der Meteorologie derart viele, dass man leicht den Überblick verliert. Daher wird es höchste Zeit, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Beginnen wir mit der Temperatur. Das uns übliche vertraute Maß orientiert sich an der Celsiusskala. Anders Celsius, ein schwedischer Astronom, veröffentlichte 1742 die Idee, den Gefrierpunkt und den Siedepunkt von Wasser bei Normaldruck als Ausgangspunkte zu verwenden und den gemessenen Unterschied auf einem Quecksilberthermometer in 100 gleiche Teile zu unterteilen. Ursprünglich war sie jedoch noch umgekehrt definiert, sodass eine Erwärmung dazu führte, dass die Temperatur sank. Erst später wurde eine Invertierung beschlossen, die zu der nun bekannten Skala führte.

Die Kelvinskala wurde circa 200 Jahre später eingeführt. Sie ist der Celsiusskala sehr ähnlich. Der einzige Unterschied ist, dass der Nullpunkt den absoluten Nullpunkt und nicht den Gefrierpunkt von Wasser beschreibt. Das hat zur Folge, dass die beiden Skalen lediglich verschoben zueinander sind und die Umrechnung sehr einfach gestaltet: Zur Temperatur in Grad Celsius muss 273,15 hinzuaddiert werden, um bei Kelvin herauszukommen.

Diese zwei Alternativen sollten eigentlich genügen, aber so einfach ist es leider nicht. Insbesondere in der USA wird ein eigenes Süppchen gekocht und die Einheit Fahrenheit verwendet. Zugegebenermaßen sind wir daran gewissermaßen „selbst schuld“, denn ihr Namensgeber ist der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit. Er setzte seinen Nullpunkt bei -17,8 °C, da dies die kälteste Temperatur war, die er erzeugen konnte. Den Gefrierpunkt von reinem Wasser definierte er als 32 °F und die Körpertemperatur eines Menschen 96 °F (35,6 °C). Das macht leider die Umrechnung in Celsius komplizierter [°C] = ([°F] – 32) * 5/9. Auf Grundlage dieser Skala wurde außerdem die sogenannte „Rankine-Skala“ definiert. Diese ist so verschoben (um 459,67 Einheiten), dass 0 °Ra dem absoluten Nullpunkt entsprechen. Sie ist somit das Pendant zu Kelvin.

Einheitenchaos

Abb. 1: Darstellung der Celsius- und der Fahrenheit-Skala

Des Weiteren gibt es noch einige weitere historische, heutzutage nicht mehr verwendete Maßeinheiten. So ähnelt beispielsweise die Delisle-Skala, benannt nach dem französichen Astronomen Joseph-Nicolas Delisle, der ursprünglichen Celsiusskala. Der Siedepunkt von Wasser entspricht 0 °De und der Schmelzpunt 150 °De. Auch Isaac Newton entwarf ein eigenes Maß, dabei entsprechen 1 °N in etwa 3 °C, da der Siedepunkt von Wasser bei 33 °N festgelegt ist. Wenn also demnächst jemand die aktuelle Lufttemperatur wissen möchte, sollten Sie nun genügend Optionen haben, um Verwirrung zu stiften.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2026
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Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

Nach einem verbreitet windigen, teils stürmischen Ostersonntag mit zeitweiligem Regen, Schauern und örtlichen Gewittern vor allem im Süden Bayerns, dominiert bereits am heutigen Ostermontag der Einfluss eines umfangreichen Hochdruckgebietes. Hoch QUIRIN liegt mit seinem Schwerpunkt aktuell über Nordfrankreich, Benelux und dem westlichen Deutschland. Dabei gestaltet sich das Wetter überwiegend freundlich, teils sonnig.

Lediglich im Nordosten besteht noch ein gewisser Resteinfluss des Sturmtiefs RAPUNZEL, das sich mittlerweile mit seinem Zentrum über Südfinnland befindet. Das Sturmtief hatte vor allem in Nord- und Nordwesteuropa in den vergangenen Tagen für erhebliche Windgeschwindigkeiten gesorgt und Deutschland am Ostersonntag gestreift. Nun hat es sich bereits abgeschwächt, von Schleswig-Holstein bis zur Lausitz ist es am heutigen Ostermontag aber nochmals sehr windig bis stürmisch, an der Ostsee treten zeitweise Sturmböen auf. Mit weiterer Verlagerung des Tiefs nach Ost/Südost, flaut der West- bis Nordwestwind zum Abend und im Verlauf der Nacht zum Dienstag insgesamt meist ab.

Am Dienstag und Mittwoch dominiert insgesamt ruhiges und meist freundliches Wetter mit großen Sonnenanteilen. Wie es dann in der zweiten Wochenhälfte wettertechnisch weitergeht, ist noch reichlich unsicher. Zumindest nach aktuellem Stand deutet sich ab Donnerstag eher eine wechselhaftere Witterung an.

Interessant sind die recht großen Temperaturgegensätze bzw. Tagesgänge. In den Nordosten des Landes sickert mit einer nördlichen Strömung eine recht kühle, polare Luftmasse. Die Tageshöchstwerte liegen dort meist nur bei 10 bis 14 Grad, direkt an der See mit zeitweise auflandigem Wind um Nord teils auch darunter. Im Südwesten und Westen dagegen dominiert eine deutlich mildere Luftmasse und bei häufigem Sonnenschein werden Höchstwerte von meist 18 bis 22 Grad erwartet, am Oberrhein teils auch darüber. In den kommenden Nächsten muss häufig wieder mit leichtem Nachtfrost gerechnet werden, vor allem im Nordosten und Osten auch mit teils mäßigem Frost in Bodennähe. Das heißt auch, dass Pflanzenliebhaber eventuell bereits im Freien stehende oder ausgepflanzte empfindliche Zöglinge nochmals schützen sollten.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2026
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Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?

Bei klarem Wetter erscheint der Himmel meist in einem kräftigen Blau, das manchmal tief und satt, manchmal aber auch eher blass und milchig wirkt. Neben der bekannten Streuung des Sonnenlichts spielt dabei auch der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre eine wichtige Rolle.

Das Licht der Sonne wirkt für uns weiß, setzt sich jedoch aus vielen verschiedenen Farben zusammen. Diese unterscheiden sich in ihrer Wellenlänge – von langwelligem rotem Licht bis hin zu kurzwelligem blauem und violettem Licht. Auf dem Weg zur Erdoberfläche trifft dieses Licht auf Moleküle und kleinste Partikel in der Luft. Dabei kommt es zur sogenannten Rayleigh-Streuung, bei der kurzwelliges Licht deutlich stärker gestreut wird als langwelliges.

Das bedeutet, dass sich vor allem der blaue Anteil des Sonnenlichts in alle Richtungen verteilt und so aus dem gesamten Himmel zu unserem Auge gelangt. Dadurch erscheint uns das Himmelsgewölbe in seiner typischen blauen Farbe. Violettes Licht wird zwar noch stärker gestreut, spielt für unsere Wahrnehmung jedoch eine geringere Rolle, da unsere Augen empfindlicher auf Blau reagieren und zudem ein Teil des violetten Lichts bereits in der oberen Atmosphäre absorbiert wird.

Wie intensiv das Blau wahrgenommen wird, hängt jedoch stark von der Zusammensetzung der Luft ab. Ist die Atmosphäre sehr trocken und enthält nur wenige zusätzliche Partikel, dominiert die Rayleigh-Streuung. In solchen Fällen erscheint der Himmel besonders tiefblau und klar, wie es häufig nach dem Durchzug einer Kaltfront oder in höheren Lagen der Fall ist.

Mit zunehmendem Wasserdampfgehalt verändert sich dieses Bild. Wasserdampf ist unsichtbar, geht jedoch oft mit winzigen Wassertröpfchen einher. Diese sind allerdings größer als Moleküle. Größeren Teilchen streuen das Licht anders als Luftmoleküle, ein Effekt, der als Mie-Streuung bezeichnet wird. Dabei werden alle Farben des Lichts ähnlich stark gestreut, wodurch sich das Himmelsblau „aufhellt“ und zunehmend milchig oder weißlich erscheint. Der Himmel wirkt dann weniger kontrastreich und eher blassblau.

Ein hoher Feuchtegehalt in der Luft führt daher häufig zu einem helleren, diffus wirkenden Himmel, während trockene Luft ein kräftigeres, dunkleres Blau begünstigt. Dieser Zusammenhang lässt sich im Alltag gut beobachten. Nach einem regnerischen Tag mit klarer, trockener Luft zeigt sich der Himmel oft besonders intensiv blau, während er vor einem Wetterumschwung oder bei schwüler Luft eher fahl erscheint.

Die Farbe des Himmels liefert somit nicht nur ein ästhetisches Bild, sondern gibt auch Aufschluss über den Zustand unserer Atmosphäre. Ein genauer Blick nach oben kann also durchaus etwas über die aktuelle Luftfeuchtigkeit verraten.

Warum ist der Himmel blau

Tiefblauer Frühlingshimmel nach dem Durchzug einer Kaltfront.

Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.04.2026
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Geschichte der Meteorologie − Teil 1: Von den Anfängen zur Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums

Mit diesem Thema des Tages wird der Start zu einer ganzen Serie eingeleitet, die die Geschichte der Meteorologie in chronologischer Form abdecken soll: vom Beginn der Wetterbeobachtung über das Zeitalter erster meteorologischer Aufzeichnungen in den alten Hochkulturen weiter zum Beginn als moderne Naturwissenschaft bis hin zum Einsatz von Mechanismen der Fernerkundung, Entwicklung von Wettermodellen, Berechnungen mit Hochleistungsrechnern und dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz.

Verzichtet wird dabei zu Beginn auf die Rückrechnung klimatologischer Szenarien aus heutiger Sicht, die als Paläoklimatologie bezeichnet wird. Dabei werden im Rahmen der Klimageschichte die historischen globalen Durchschnittstemperaturen von Kalt- und Warmzeiten aufgezeigt, welche wesentlich zur Entwicklungsgeschichte der Lebewesen im jüngeren Zeitraum der Erdgeschichte beitrugen.

In Einigkeit mit anderen Wissenschaften ist es nicht möglich, einen exakten Zeitpunkt für den Beginn der Geschichte der Meteorologie festzulegen. Betrachtet man Meteorologie als Naturwissenschaft im heutigen Sinne, so ist ihre Geschichte relativ jung. Viel weiter reicht sie zurück, wenn man die Meteorologie als einen Aspekt menschlichen Wissens als beschreibende Wissenschaft begreift.

Die Ursprünge der Meteorologie liegen daher in der Wetterbeobachtung. Diese war schon im Spätpaläolithikum und in der Mittelsteinzeit für die als Nomaden lebenden Menschen von Interesse. Hier galt es besonders, die Wanderbewegungen der Beute- oder Herdentiere abzusehen oder für die vorsichtige Einschätzung einer günstigen Wetterperiode für längere Sammelausflüge. Nach der Sesshaftwerdung der Menschheit war die Beobachtung und Aufzeichnung des lokalen Wetters für Landwirte eine wichtige Grundlage für weitreichende Entscheidungen, wenn es darum ging, zu welchen Zeitpunkten man sät und zu welchen man erntet: Je früher man sät, desto länger ist die mögliche Vegetationsperiode bis zur Ernte, allerdings drohen bei früherem Säen aber zugleich Einbußen durch Wettereinwirkungen auf die junge Saat. Je später man erntet, desto größer ist der Ertrag. Gleichwohl kann es besser sein, die Ernte etwas früher einzubringen, z. B. um sie vor einem nahenden Unwetter oder einer Schlechtwetterperiode, man denke beispielsweise an die Monsunzeit in anderen Weltregionen, in Sicherheit zu bringen.

Zwischen den Anfängen der Seeschifffahrt und der Meteorologie gibt es durch wind- und strömungsinduzierten Antrieb gewisse Berührungspunkte. Die Anfänge in der Seeschifffahrt fanden entlang von Küsten statt bzw. es wurden in der Besiedlungsgeschichte des Menschen nur geringe Strecken auf dem offenen Meer zurückgelegt (besonders auf der Beringstraße zwischen Asien und Nordamerika, zwischen Südostasien und Australien sowie um Neuguinea sowie im Mittelmeer). Ob hierbei Wind- und Strömungskenntnisse vorlagen, ist gänzlich unbekannt.

Erste aufgezeichnete Erkenntnisse aus der Meteorologie liegen aus den verschiedenen Hochkulturen vor, die ihren Ursprung im Übergangsbereich zwischen Kupfersteinzeit und Bronzezeit haben. Schon vor allen Hochkulturen versuchte der Mensch in der Jungsteinzeit, zwischen Naturphänomenen zu unterscheiden, welche Unbehagen bringen und welche nicht.

Eine Gemeinsamkeit aller Kulturvölker ist die Beobachtung von Naturphänomenen und damit die Erlangung von Kenntnissen hierüber durch Priester. Naturphänomene beinhalten hier, was man heute unter astronomischen und meteorologischen Phänomenen versteht, es vermischen sich also eine frühe Art „Astrometeorologie“ mit religiösen Vorstellungen. Dies wird besonders deutlich bei der Festlegung von Aussaat- und Erntezeiten in der Landwirtschaft und der religiöser Feste. Die durch das Wissen erlangte Macht der Priesterkaste führte zu einem erheblichen religiösen Einfluss auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die erkennbare Gesetzmäßigkeit der Naturphänomene und des Himmels fanden in einer priesterlichen Doppelrolle durch Gesetze Ausdruck einer allgemeinen Weltordnung.

So wurden bedeutende Gottheiten der Hochkulturen zu Göttern der Sonne, des Mondes, des Donners, des Blitzes, des Windes und des Meeres. Beispiele für einen solchen Wettergott sind der Sonnengott Ra im alten Ägypten, Hadad und Iškur als Wettergottheiten im nördlichen bzw. südlichen Mesopotamien, oder die Donnergötter Indra in Indien und Lei Gong in China. Im Daoismus im alten China wurde sogar eine göttliche Hierarchie nach Intensität der meteorologischen Prozesse eingeführt. Wettergottheiten der altamerikanischen Maya-Hochkultur sind Chaak, der Gott des Regens und der Wirbelstürme, Itzamná, der Sonnengott, und Iko’ob, der Gott des Windes.

Aus der ägyptischen und mesopotamischen Hochkultur sind zwar viele astronomische Erkenntnisse überliefert, jedoch deutlich weniger zur Meteorologie. In beiden Hochkulturen wurden jedoch Segelschiffe eingesetzt, zunächst an Flüssen, im Verlauf auch im Persischen Golf, im Roten Meer und im Mittelmeer. Die früheste Darstellung eines Segelschiffs stammt aus Mesopotamien am Persischen Golf und wird in die Zeit zwischen 3500 und 3000 v. Chr. eingeordnet. Erste Segelschiff-Darstellungen aus Ägypten reichen in die Zeit von 3100 v. Chr. zurück.

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Ägyptisches Segelschiff, Wandbild von ca. 1422−1411 v. Chr., Maler aus der Grabkammer des Menna, Quelle: The Yorck Project über Wikimedia Commons

Schon in der prädynastischen Zeit ist aus dem Alten Ägypten bekannt, dass religiöse Praktiken in Form von Ritualen abgehalten wurden, in dem der Himmel um Regen angerufen wurde. Mathematische Kenntnisse besonders in der Geometrie verdeutlichten den Bau der Pyramiden. In Ägypten richtete sich der Kalender nach dem Eintreffen der Nilschwemme, die durch Monsunniederschläge im äthiopischen Hochland verursacht wurde. Kalender waren in Ägypten schon um 3000 v. Chr. bekannt. Eine außergewöhnliche Dürre um 2200 v. Chr. führte zum Untergang des Alten Reiches und läutete eine Zeit politischer Instabilität ein. Neue Kenntnisse in der Wissenschaft wurden erschwert, ein Austausch mit der benachbarten Hochkultur in Mesopotamien war wahrscheinlich.

In Mesopotamien wurde in Uruk die älteste erhaltene Keilschrift entwickelt, die zunächst auf Tontafeln geschrieben wurde. Zudem wurde ein Zählsystem als Grundlage der Mathematik eingeführt. Aus babylonischen Keilschriften ist eine frühe mesopotamische Art der Astrometeorologie bekannt. Himmelserscheinungen wurden in Vorhersagen umgedeutet und Wolken, Wind und Donner mit guten oder schlechten Ereignissen in Verbindung gebracht. Aus der Keilschrift auf Ton oder Lehm ist folgendes aus Babylonien bekannt: „Wenn man einen dunklen Halo-Schein um den Mond sieht, wird es in diesem Monat regnen oder werden sich Wolken zusammenziehen. – Brauen sich am Himmel dunkle Wolken zusammen, wird Wind wehen. – Donnert es an Tagen mit abnehmendem Mond, wird die Ernte gut.“ Eine Windrose mit vier Haupt- und vier Nebenwinden war in Mesopotamien bekannt. Die Hauptwindrichtungen wurden mit sutuiltanusadu und amur bezeichnet – Süd, Nord, Ost und West. Nebenwindrichtungen waren Wortkombinationen wie sutu u sadu für Südost und iltana u amura für Nordwest. Auch in Mesopotamien war die oben erwähnte Dürre um 2200 v. Chr. markant. Sie führte dort zum Zusammenbruch des Akkadischen Reiches.

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Beispiel der babylonischen Keilschrift mit Landkarte von Mesopotamien, wahrscheinlich aus Sippar (700−500 v. Chr.), The British Museum, London, Quelle: Osama S. M. Amin über Wikimedia Commons

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Übersetzung einiger babylonischer Schriftzeichen, Quelle: Ernest A. Wallis und Leonard W. King über Wikimedia Commons

Die Meteorologie in Indien lässt sich nach Angaben des heutigen dortigen nationalen Wetterdienstes auf dem Subkontinent bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Um 2200 v. Chr. führte dieselbe Dürre wie in Ägypten und Mesopotamien dazu, dass an der Indus-Hochkultur Siedlungen Richtung Südosten verlagert wurden. Zusammen mit den im nächsten Abschnitt beschriebenen Überschwemmungen in China wird die großräumige Dürre als 4,2-Kilojahr-Ereignis bezeichnet. Direkte meteorologische Erkenntnisse sind in der indischen Hochkultur schwierig nachzuweisen, da im Unterschied zu anderen Hochkulturen Indien keine Ordnung in Form einer Zentralregierung hatte und aus Einzelstaaten bestand. Es wird jedoch ein Austausch und damit die Übernahme von ausländischem Wissen und Kulturgut angenommen.

Gesicherte erste Erkenntnisse über Landwirtschaft und Ackerbau in der Hochkultur von China reichen in die Zeit um etwa 2700 v. Chr. zurück. Nicht geklärt sind dabei die genauen Kenntnisse über meteorologische Vorgänge. Der erste Kaiser aus der legendenhaften Xia-Dynastie, Yu der Große, war bei seinen Untertanen beliebt, weil er bei seinem Vorhaben, die regelmäßigen Überschwemmungen des Gelben Flusses einzudämmen, seinerzeit einige technische Erfolge erzielte. Die große Flut, in der chinesischen Mythologie auf etwa 2200 v. Chr. beschrieben, ist bis heute umstritten. Jüngste geologische Untersuchungen erbrachten physische Spuren, die sie möglicherweise hinterlassen hat. Allerdings kann das auch auf eine in der Forschung auf etwa 1922 v. Chr. datierte Flut hinweisen, die im Nachgang eines großen Erdbebens in Tibet durch eine massive Landrutschung entstanden war. Aufgrund gelegentlicher langer Perioden mit starken Regenfällen kam es und kommt es am Gelben Fluss und anderen chinesischen Flüssen bis in die heutige Zeit immer wieder zu großen Überschwemmungen. Yu der Große war der erste bekannte Mensch, der versuchte, die verheerenden Auswirkungen solcher Wetterereignisse zu mildern. Im Wesentlichen gelang dies durch Ausbaggern von Flussbetten und kontrollierter systematischer Ableitung hoher Flusswasserstände auf umliegende Felder. In die chinesische Geschichte ging der Kaiser als „Großer Yu beherrscht die Gewässer“ ein. In dieser Zeit wurde in China ein Amt zur Überwachung und Beobachtung des Himmels eingeführt, was bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches vor rund 115 Jahren existierte.

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Kaiser Yu der Große, Portrait von Ma Lin (Song-Dynastie), National Palace Museum, Taipeh, Republik China (Taiwan), Quelle: Shuge über Wikimedia Commons

Aus der altamerikanischen Hochkultur der Maya sind die meisten Zeugnisse über wissenschaftliche Erkenntnisse nicht überliefert. Astronomische Erkenntnisse führten zu einem Kalender. Es ist außerdem bekannt, dass Wettervorhersagen für Anbauzyklen der Landwirtschaft genutzt wurden. Schon im Altertum nutzten die Maya ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem auf der Halbinsel Yucatán und förderten Grundwasser aus Kalksteinlöchern, den Cenoten. Tzolkin, der Mondkalender der Maya, und Haab, der Sonnenkalender der Maya, definierten die Termine und religiösen Rituale für die Aussaat. Die Maya-Priester nutzten Astronomie und Mathematik, um den Beginn der landwirtschaftlichen Regenzeit anhand von Sonnenfinsternissen und der Nähe der Venus zu den Plejaden zu bestimmen, wie im Landwirtschaftsalmanach des Madrid-Kodex‘, eine der vier erhaltenen und mit Sicherheit authentischen Handschriften der Maya, dargestellt ist. Bei den Maya waren Wettervorhersagen eng mit ihrer Kosmologie bzw. ihrem Weltverständnis verbunden. Die Maya-Kosmologie von Regen und Wolken umfasste eine detaillierte Beschreibung der Entstehung dieser Phänomene, die durch das Wirken der Maya-Gottheiten erklärt wurde. Aus alter Maya-Zeit überliefert ist noch die traditionelle Methode Xook K’iin aus dem Maya-Sonnenkalender, mit der Klimaschwankungen und Phänomene wie Hurrikane, Dürren und Winde über das ganze Jahr hinweg vorhergesagt werden. Diese basierte auf detaillierten Beobachtungen und Aufzeichnungen über die Sonnenintensität, die Wolkendichte, das Auftreten von Nebel, Regen und niedrigen Temperaturen zu Jahresbeginn, aus welchem dann auf die Wetter- und damit die Ernteentwicklung im Jahr geschlossen wurde.

Erkenntnisse über Meteorologie aus der alten südamerikanischen Kultur aus Caral im heutigen Peru zwischen 2500 und 2000 v. Chr., die zur Vor-Inka-Zeit gehört, liegen nicht vor. Die Lage der Hauptsiedlung in der Wüste abseits der Küstenlagune lässt allerdings auf regelmäßige Überschwemmungen durch El Niño schließen. Die Blütezeit der Hochkultur der Inka war deutlich später.

Sie sehen, schon in verschiedenen Hochkulturen im Altertum gab es gewisse Vorstellungen vom Wettergeschehen und spannende Erklärungs- und Deutungsversuche an den damals bedeutenden und entwickelten Orten und Regionen der Welt. Die nächsten meteorologischen Überlieferungen stammen aus dem antiken Griechenland. Die Serie wird fortgesetzt, so dass Sie Näheres dazu im zweiten Teil zur Geschichte der Meteorologie lesen werden.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.04.2026
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