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Deutschlandwetter im Mai 2026

2. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Mai 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 17,0 °C +2,5 Grad
2 Bad Bergzabern Rheinland-Pfalz 16,7 °C +2,8 Grad
3 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 16,7 °C +3,1 Grad

Besonders kalte Orte im Mai 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 10,6 °C +2,5 Grad
2 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 10,7 °C +2,5 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 11,1 °C +2,6 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Mai 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Bad Lippspringe Nordrhein-Westfalen 212,9 l/m² 272 %
2 Lichtenau in Westfalen Nordrhein-Westfalen 192,0 l/m² 246 %
3 Horn-Bad Meinberg Nordrhein-Westfalen 182,5 l/m² 189 %

Besonders trockene Orte im Mai 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Kelheim-Thaldorf Bayern 18,4 l/m² 27 %
2 Kröning-Leisteneck Bayern 20,1 l/m² 20 %
3 Pentling-Matting Bayern 20,7 l/m² 33 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Mai 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 List auf Sylt Schleswig-Holstein 315 h 130 %
2 Passau-Fürstenzell Bayern 306 h 149 %
3 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 302 h 115 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Mai 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 Schwarzburg Thüringen 193 h 94 %
2 Schneifelforsthaus Rheinland-Pfalz 204 h 115 %
3 Baden-Baden-Geroldsau Baden-Württemberg 206 h 107 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes
zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode,
normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle
Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-02 15:27:282026-06-15 20:35:24Deutschlandwetter im Mai 2026

Tief NESRIN – der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

1. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Grundsätzlich passt die Konstellation am heutigen meteorologischen Sommerbeginn schon gut. Das für uns wetterbestimmende Hoch CORNELIUS ist zwar genau genommen nur ein Ableger des Azorenhochs, trotzdem sorgt CORNELIUS für viel Sonnenschein, auch, indem er die letzten Regenwolken aus dem Südosten Deutschlands herausschiebt. Und so präsentieren sich weite Teile West- und Mitteleuropas sommerlich, wie man auch dem Satellitenbild in Abbildung 1 (Mehrkanalbild Rot-Grün-Blau des Meteosat Third Generation) entnehmen kann.

Satellitenbild von Meteosat Third Generation sowie Bodendruck (Vorhersage nach ICON-EU)

In der Form könnte der Sommer für viele weitergehen – tut er aber nicht. In einem meteorologischen Schnelldurchlauf wurde diese Tatsache hier im Thema des Tages ja auch gestern schon angedeutet. Dazu gibt es jetzt noch ein paar Details. In Abbildung 1 ist über dem Nordatlantik in der Bodendruckverteilung (Linien gleichen Drucks = Isobaren) schon Tief NESRIN zu erkennen, welches das Hoch CORNELIUS beerbt und ein breites Wolkenband mit sich führt. Dieses Band erstreckt sich vom Tiefkern über dem Nordostatlantik ausgehend in einem weiten Bogen über Schottland, Irland und Wales hinweg bis ins Seegebiet westlich der Biskaya. Mit einer westlichen bis südwestlichen Strömung wird das Wolkenband nach Osten geschoben, so dass schon in der kommenden Nacht Wolken auf den Westen übergreifen, am morgigen Dienstag dann auch die zugehörigen Regenfälle.
Dass der gute CORNELIUS dabei geradezu aufgerieben wird zeigt Abbildung 2. In dieser Frontenvorhersagekarte hat NESRIN am morgigen Mittag (12 UTC entspricht 14 MESZ) schon die schottische Nordseeküste erreicht. Dazu reihen sich vom westlichen Mittelmeer über Italien und Südosteuropa bis zum Baltikum und weiter nach Nordwestrussland einige Tiefs aneinander, wovon das Tief MECHTHILD uns noch gut in Erinnerung ist durch die heftigen Gewitter vom gestrigen Sonntag. CORNELIUS ist auf dieser Karte jedenfalls nicht mehr zu finden, seine Reste tummeln sich wahrscheinlich im Bereich Kroatien-Serbien-Ungarn.

Fronten- und Bodendruckvorhersagekarte für Dienstag, 02.06.2026, 12 UTC (ICON-Lauf 00 UTC + 36)

NESRIN ist daran natürlich nicht ganz unschuldig, ihre Kaltfront greift schon vormittags auf den Westen unseres Landes über. Da gleichzeitig die Warmfront quer über die Nordsee nach Dänemark positioniert ist, liegen wir im recht weit aufgespannten Warmsektor des Tiefs.
Eine Abschätzung des Gewitter- und damit auch des Unwetterpotentials ist u. a. mithilfe der Infos aus Abbildung 3 möglich. Das Stichwort „Potential“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die linke Seite des Bildes, steht CAPE doch für „Convective Available Potential Energy“, also die für konvektive Umlagerungen zur Verfügung stehende Potentielle Energie. Diese ist in hohem Maße abhängig von der Situation in der unteren Troposphäre. Je nachdem, welche Annahmen man macht, kann der Wert durchaus variieren. Hier ist das sogenannte „Most Unstable“ CAPE gewählt, das so etwas wie ein „Worst Case Szenario“ darstellt. Spitzenwerte von knapp über 1000 J/kg lassen starke Gewitter durchaus wahrscheinlich erscheinen, auch einzelne Unwetter liegen im Bereich des Möglichen.

Most Unstable CAPE (links) und PPW-Werte (rechts) am morgigen Dienstagnachmittag um 17 MESZ (ICON-EU-Lauf 00 UTC +15)

Darauf deuten auch die PPW-Werte hin, die das „Niederschlagbare Wasser“ (den Wassergehalt in der Luftsäule) beschreiben. Bezüglich des Niederschlages liegt beim Deutschen Wetterdienst die Schwelle zum Unwetter bei 25 mm (Liter pro Quadratmeter) in einer Stunde – eine Größenordnung, die die PPW-Werte am morgigen Dienstag durchaus erreichen, und das nicht nur lokal. Unglücklicherweise kann man die PPW-Werte nicht eins zu eins in die erwarteten Niederschlagsmengen umrechnen. Hierzu bedarf es weiterer Überlegungen, wovon eine die sogenannte Zuggeschwindigkeit von möglichen Schauern und Gewittern ist. Je schneller sich Schauer und Gewitter über ein Gebiet hinwegbewegen, desto geringer ist das Unwetterpotential bezüglich Starkregen (dafür kann dann durchaus dasjenige durch orkanartige Böen oder Orkanböen größer werden, aber das ist eine andere Geschichte). Letztendlich deuten aber auch die PPWs durchaus das Potential für einzelne Unwetter am morgigen Dienstag an.

48-stündiger akkumulierter Niederschlag (abgeleitet aus Radardaten) bis Montagmorgen, 01.06.2026, 08 MESZ.

Was der morgige Dienstag bringt, das werden wir dann am Mittwoch beurteilen können. Aber wenn wir über Niederschläge sprechen, soll doch zumindest kurz ein Blick zurück auf den gestrigen Sonntag geworfen werden. Dazu sind in Abbildung 4 die aus dem Radar abgeleiteten 48-stündigen Niederschlagssummen bis heute Morgen um 08 MESZ angegeben. Das Zeitfenster von 48 Stunden wurde deshalb gewählt, weil es schon aus der Nacht zum Sonntag heraus im äußersten Westen sehr kräftige Gewitterentwicklungen gegeben hat, die bei einer 24-stündigen Betrachtung keine Berücksichtigung gefunden hätten. So fließen diese (nördliches Eifelvorland) aber in die Betrachtung ein, wobei die kräftigsten Entwicklungen bei unseren belgischen Nachbarn aufgetreten sind. Tagsüber war dann ein Streifen vom südlichen Emsland bis nach Westsachsen der Schwerpunkt, wobei sich in Westsachsen an der Station Treuen über 102 mm (Liter pro Quadratmeter) akkumuliert haben – und dies sogar in weniger als 24 Stunden.

Dipl-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Tief-NESRIN-der-erste-Daempfer-fuer-den-meteorologischen-Sommerbeginn-1.png 494 700 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-01 15:04:212026-06-15 20:35:10Tief NESRIN – der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

Nach Gewitterlage: Wechselhafte Wetterwoche

31. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief Mechthild sorgt heute vor allem in der Mitte und im Süden für einen turbulenten Sonntag. Das kleinräumige, schwach ausgeprägte Tief schaufelt noch einmal feuchte und sehr warme Luft in den Süden und die Mitte Deutschlands. So kam es bereits in den Morgenstunden im Westen zu kräftigen Gewittern. Diese verlagerten sich am Vormittag teils unter Abschwächung nach Osten in die mittleren Landesteile. Ab dem Mittag kommt es von Südniedersachsen über die mittleren Landesteile bis in den Süden vermehrt zu kräftigen Gewittern. Örtlich besteht dabei Unwettergefahr durch Hagel um 3 cm und heftiger Starkregen um 30 l/qm innerhalb 1 Stunde. Stellenweise sind auch vor allem in den südlichen Landesteilen schwere Sturmböen bis 100 km/h nicht ausgeschlossen. Dadurch kann es lokal zu Schäden durch Hagelschlag, kleinräumigen Überflutungen und umgestürzten Bäumen kommen. In der Fläche wird diese Gewitterlage allerdings nicht so stark ausfallen wie die Lage am vergangenen Freitag im Nordwesten.

Analysekarte für Sonntag, den 31.05.2026 um 12 UTC. Tief Mechthild liegt mit seinem Zentrum über Nordwestdeutschland.

Am Montag verabschiedet sich Tief Mechthild nach Polen und wir gelangen zumindest vorübergehend unter schwachen Hochdruckeinfluss. Damit ist die Unwettergefahr erst einmal gebannt. Vor allem im Südosten und Osten fällt aber noch schauerartiger, teils auch gewittriger Regen.

Am Dienstag ist es mit dem kurzzeitig stabilen Wetter im Westen schon wieder vorbei. Das Hoch verabschiedet sich und macht Platz für ein Frontensystem eines neuen Tiefdruckgebietes mit seinem Zentrum über den Britischen Inseln. Damit kommen im Westen teils kräftige Regengüsse samt Blitz und Donner auf. Im Osten ist es tagsüber voraussichtlich noch weitgehend trocken und sonnig. In der Nacht breiten sich die Niederschläge ostwärts aus. Stellenweise ist mehrstündiger Starkregen mit Niederschlagsmengen bis 30 l/qm innerhalb von 6 bis 12 Stunden möglich.

Und auch am Mittwoch und Donnerstag setzt sich das wechselhafte Wetter mit teils kräftigen schauerartigen Niederschlägen und einzelnen Gewittern fort. Verantwortlich hierfür ist ein kräftiger Höhentrog über Nordwesteuropa. Dieser ist am Boden mit mehreren Tiefs verbunden, deren Frontensysteme Deutschland beeinflussen. Dies sorgen bei uns für wechselhaftes zu Schauer und Gewittern neigendes Wetter. Die Temperaturen liegen dabei meist nur noch um oder knapp über 20 Grad. Badewetter mit hochsommerlichen Temperaturen ist somit erst einmal nicht in Sicht.

Am Freitag könnte auf den Nordwesten des Landes ein markanter Kurzwellentrog übergreifen. Damit könnte es zu kräftigen Schauern und Gewittern kommen. Dann wäre auch eine größere Gewitterlage möglich. Die Entwicklung ist aber noch sehr unsicher.

Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 hPa, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 hPa für Frankfurt am Main. Ab dem kommenden Wochenende ist sowohl ein Anstieg bei der Temperatur als auch beim Geopotential erkennbar. Gleichzeitig nehmen aber auch die Unsicherheiten stark zu.

Am kommenden Wochenende nehmen die Modellunsicherheiten weiter zu. In der Ensemblevorhersage zeichnet sich jedoch eine Tendenz zu höherem Geopotential mit hohem Luftdruck am Boden ab. Dies würde ab dem Wochenende vor allem im Süden erneut zu stabilem Frühsommerwetter führen. Allerdings gibt es auch einige Modellösungen, die ein Fortbestand der aktuellen Wetterlage sehen. Außerdem gibt es Andeutungen, dass sich zu Beginn der neuen Wochen eine Troglage über Mitteleuropa aufbaut. Dies würde niederschlagsreiches und kühles Wetter bei uns bedeuten.

Synoptische Übersicht im Modellvergleich für den kommenden Samstag, den 06.06.2026 um 12 UTC. Hoher Luftdruck macht sich in Bodennähe breit. Allerdings werden die Stärke und Position des Hochs unterschiedlich berechnet.

Wohin der Fahrplan ab dem Wochenende geht, ist somit noch sehr unsicher. Eines ist aber sicher: An Spannung mangelt es beim Wetter in nächster Zeit nicht.

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Wechselhafte-Wetterwoche-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-31 14:52:492026-06-15 20:34:55Nach Gewitterlage: Wechselhafte Wetterwoche

Radau am Himmel

30. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das tagelang ruhige und gebietsweise heiße Wetter unter der Regie von Hoch BORIS ist größtenteils Geschichte, weil das Hoch von Tiefdruckgebieten nach Südosten abgedrängt wird. Wie so oft geht dieser Wetterwechsel aber nicht geräuschlos über die Bühne, sondern wird von Blitz und Donner und weiteren starken Wettererscheinungen wie Starkregen, Sturmböen oder Hagel begleitet.

Gewitternachlese Freitag, 29. Mai 2026

Bereits am gestrigen Freitag, als die Tiefdruckgebiete MECHTHILD über Frankreich und LAUDINE über Skandinavien eine Kaltfront und feuchte Luftmassen nach Deutschland brachten, gab es entsprechenden Radau am Himmel. Am Nachmittag kamen im Nordwesten teils kräftige Schauer und Gewitter auf, die sich bis in die Nachtstunden hinein mit Verlagerung der Front bis in die Mitte ausbreiteten.

Dabei öffnete der Himmel seine Pforten und sorgte örtlich für Platzregen. Am meisten Regen fiel 24-stündig gesehen in Bornheim/Eichenkamp (NRW) mit 42 Liter pro Quadratmeter (siehe Bild 1), jeweils 36 l/m² gab es in Reichshof-Eckenhagen sowie in Steinfurt-Burgsteinfurt (beide NRW). Davon fiel ein Großteil meist in einer oder zwei Stunden vom Himmel.

24-stündige Niederschlagssummen (links) und 24-stündige Windböen (rechts) am Freitag 29.05.2026 (Quelle: DWD)

Neben den starken Regenfällen waren lokal auch größerer Hagel bis 3 cm sowie gebietsweise Sturmböen bzw. schwere Sturmböen zwischen 75 und 90 km/h (Bft 9 bis 10) mit von der Partie. Am Flughafen Köln-Bonn wurde sogar eine Orkanböe von 123 km/h (Bft 12) registriert. Bei solchen Windgeschwindigkeiten verwunderten die zahlreichen Meldungen über umgestürzte Bäume oder herabgebrochene Äste kaum.

Gewitter am Samstag, 30. Mai 2026

Am heutigen Samstag befindet sich die Kaltfront weiterhin über der Mitte des Landes. In ihrem Einflussbereich sind weitere Schauer und Gewitter unterwegs, die allerdings nicht mehr ganz das hohe Potenzial wie am Vortag aufweisen. Dennoch muss in einem Streifen vom Westen bis in den Südosten Bayerns mit starken Gewittern mit Starkregen um 20 l/m² in kurzer Zeit, Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) und kleinem Hagel gerechnet werden. Lokal können bis zu 40 l/m² Regen in kurzer Zeit fallen.

Gewittergefahren am Samstag, 30.05.2026 (Quelle: DWD)

Gewitter am Sonntag, 31. Mai 2026

Am Sonntag greift Tief MECHTHILD auf Deutschland über und verstärkt die Gewitteraktivität wieder. Bereits in den Morgenstunden tauchen im Westen neue Schauer und Gewitter auf, wobei ähnliche Begleiterscheinungen wie am Samstag zu erwarten sind. Im Laufe des Tages breiten sich die Gewitter in die Mitte und den Süden aus, im Nordosten bleibt es vermutlich trocken. Im Westen setzt zum Nachmittag hin eine Wetterberuhigung ein. Im Süden besteht zusätzlich jedoch ein erhöhtes Sturmrisiko, sodass dort auch schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) vorkommen können. In der Mitte und im Norden steht dagegen mehr der Starkregen im Fokus. Wo genau sich die Schwerpunkte der Gewitter herausbilden, ist nach heutigem Stand aufgrund größerer Modellschwankungen aber noch unsicher.

Gewittergefahren am Sonntag, 31.05.2026 (Quelle: DWD)

Und in der neuen Woche?

In der geht es nach einer kurzen Pause am Montag mit Zwischenhocheinfluss ab Dienstag wechselhaft mit gebietsweisen Schauern und Gewittern weiter. Diese können erneut teils kräftig ausfallen, sodass neuer Radau am Himmel zu erwarten ist. Ruhe kehrt also vorerst nur kurzzeitig ein, dafür verschwindet aber bei etwas zurückgehenden Temperaturen die Hitze.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Radau-am-Himmel-1.jpg 602 1328 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-30 12:41:212026-06-15 20:34:41Radau am Himmel

Trockene und feuchte Luftmassen

29. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das trockene und sonnige Hochdruckwetter geht zu Ende. Das liegt nicht nur am sich abschwächenden Hoch BORIS, sondern auch an unterschiedlichen Luftmassen, die sich über Deutschland befinden. Dabei spielt der Feuchtegehalt der Luft eine entscheidende Rolle. Im heutigen Thema des Tages beschreiben wir anhand der aktuellen Wetterlage, wie man die Feuchtigkeit in der Luft bestimmen kann und welchen Einfluss diese auf das Wetter hat.

In der Meteorologie existieren ganz unterschiedliche Feuchtemaße. Zwei häufig verwendete Größen sind die relative Luftfeuchtigkeit und der Taupunkt. Während der Taupunkt ein absolutes Feuchtemaß ist, das unabhängig von anderen Eigenschaften der Luft den Feuchtegehalt der Luft beschreibt, ändert sich die relative Luftfeuchtigkeit mit der Temperatur. Dies liegt daran, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte Luft. Kühlt man Luft mit einem bestimmten Feuchtegehalt ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit an. Die relative Luftfeuchte wird in Prozent (%) angegeben, d.h. bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 % enthält die Luft halb so viel Feuchtigkeit wie sie maximal speichern kann. Der Wert 50 % beschreibt also nicht direkt den Wassergehalt der Luft. Bei 30 Grad Lufttemperatur befindet sich bei 50 % relativer Luftfeuchtigkeit deutlich mehr Wasser in der Luft (13,1 Gramm pro Kilogramm Luft) als bei 10 Grad (3,8 g/kg).

Kühlt man Luft mit einem bestimmten Wassergehalt immer weiter ab, steigt die relative Luftfeuchtigkeit so lange an, bis sie 100 % erreicht. Dann spricht man von Sättigung. Würde man die Luft noch weiter abkühlen, würde das überschüssige Wasser kondensieren, d.h. es bilden sich Wassertropfen. Dies ist der eigentliche Grund, warum es bei uns in der Atmosphäre Wolken und Regen gibt.

Damit sind wir beim Taupunkt angekommen. Der Taupunkt wird in Grad Celsius (°C) angegeben und ist die Temperatur, bei der die Luft mit einem bestimmten Wassergehalt eine relative Luftfeuchtigkeit von 100 % (d.h. Sättigung) erreicht. Er hängt also direkt vom Wassergehalt der Luft ab. Je weniger Feuchtigkeit eine Luftmasse enthält, umso weiter muss man sie abkühlen, um Sättigung zu erreichen. Den Taupunkt kann man übrigens auch im Alltag ganz leicht beobachten. Denn bei Erreichen des Taupunkts beginnt z.B. eine Wasserflasche an ihrer Außenseite zu beschlagen. Nimmt man also eine Flasche aus dem Kühlschrank und sie beschlägt sofort, dann liegt der Taupunkt der Luft (deutlich) oberhalb der Temperatur der Glasflasche. Läge der Taupunkt unter der Temperatur im Kühlschrank, würde die Flasche bei der gleichen Lufttemperatur nicht beschlagen.

Abb. 1: links: Taupunkt (°C, Zahlenwerte) und relative Luftfeuchtigkeit (%, Farbflächen), rechts: Temperatur (°C) in 2 m Höhe (Zahlenwerte und Farbflächen), jeweils gemessen am Donnerstag, 28.05.2026, um 16 Uhr (MESZ). Quelle: DWD

In der Meteorologie ist der Feuchtegehalt der Luftmasse und somit der Taupunkt so bedeutsam, da er entscheidenden Einfluss auf gleich mehrere Wettereigenschaften hat. Das kann man gut am Wetter vom gestrigen Donnerstag, heutigen Freitag und morgigen Samstag erkennen. Am gestrigen Donnerstag war die Luft vor allem in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über Hessen bis in Teile Bayerns sehr trocken (Abbildung 1). Die Taupunkte lagen dort meist im einstelligen Bereich oder waren teilweise sogar negativ. Da zudem die Temperatur am Nachmittag auf sommerliche 25 bis knapp 30 Grad stieg, war die relative Luftfeuchtigkeit ungewöhnlich niedrig. Sie betrug dort am Nachmittag nur 15 bis 25 % – Werte die alles andere als alltäglich sind. Die Luft fühlte sich dort auch trotz der hohen Temperaturen sehr angenehm (und nicht schwül) an. Wolken hatten unter diesen Bedingungen keine Chance.

Abb. 2: links: Taupunkt (°C, Zahlenwerte) und relative Luftfeuchtigkeit (%, Farbflächen), rechts: Temperatur (°C) in 2 m Höhe (Zahlenwerte und Farbflächen), jeweils vorhergesagt aus MOSMIX für Freitag, 29.05.2026, um 16 Uhr (MESZ). Quelle: DWD

Abb. 3: Gemessene Tiefstwerte der Temperatur am Freitag, 29.06.2026 (Quelle: DWD)

Am heutigen Freitag ist die Luft von Baden-Württemberg und Bayern bis ins südliche Brandenburg ähnlich trocken wie gestern (Abbildung 2). Daher fühlen sich die sommerlichen Temperaturen erneut angenehm an und keine Wolke ist am Himmel. Wenig sommerlich war es hingegen am Morgen. Mit Ausnahme des Westens kühlte es nachts kräftig ab. Verbreitet wurden Tiefstwerte unter 10, teils sogar unter 5 Grad erreicht (Abbildung 3). In Teilen Sachsens und Südbrandenburgs wurden sogar Tiefstwerte zwischen 0 und 3 Grad gemessen. Auch dies liegt am Taupunkt. Trockene Luft kann sich nämlich einerseits nachts besonders stark abkühlen und andererseits tagsüber mit Sonnenunterstützung sehr effektiv erwärmen. Große Tagesgänge bei der Temperatur sind die Folge.

Dass es im Westen nicht so stark abkühlte, lag an den höheren Taupunkten in dieser Region. Dort ist nämlich feuchtere Luft eingeflossen. Diese ist in Verbindung mit einer Kaltfront auch dafür verantwortlich, dass sich im Laufe des Nachmittags und am Abend im Westen und Nordwesten kräftige Gewitter bis in den Unwetterbereich bilden können (mehr Informationen unter www.dwd.de/warnungen).

Abb. 4: wie Abb. 2, nur für Samstag, 30.05.2026, um 16 Uhr (MESZ). Quelle: DWD

Am morgigen Samstag sind die Taupunkte mit rund 12 bis 16 Grad vor allem in einem Steifen in der Mitte erhöht (Abbildung 4). In diesem Bereich fühlt sich die Luft drückend schwül an und es entwickeln sich vermehrt Schauer und kräftige Gewitter mit Starkregen. Weiter im Süden sind die Taupunkte niedriger. Bei viel Sonnenschein und allenfalls einzelnen Hitzegewittern am Nachmittag wird es dort nochmals über 30 Grad heiß. Durch die niedrigen Taupunkte lässt sich die Hitze dort aber gut aushalten.

Spätestens am Sonntag ist es aber auch dort mit den niedrigen Taupunkten vorbei. Die Luft wird in der Mitte und im Süden deutlich feuchter und es drohen neue unwetterartige Gewitter. Die feuchte Luft mit Schauern und Gewittern bleibt uns auch in der kommenden Woche erhalten. Somit wird es häufiger blitzen und donnern und die Trockenheit wird abgemildert. Die Temperaturen gehen dabei in der Mitte und im Süden etwas zurück.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Trockene-und-feuchte-Luftmassen-1.png 837 1299 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-29 13:49:562026-06-15 20:34:19Trockene und feuchte Luftmassen

Erste große Gewitterlage 2026?

28. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch BORIS sorgte in den letzten Tagen für viel Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen. Vor allem im Südwesten und Süden gab es gebietsweise bereits fünf Hitzetage mit Höchsttemperaturen von über 30 Grad in Folge. Auch am heutigen Donnerstag dürfen sich alle Sonnen- und Wärmeliebhaber freuen. Erneut gibt es vielerorts Sonnenschein von früh bis spät. Lediglich ganz im Süden vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand besteht ein geringes Gewitterrisiko. Dazu gehen die Temperaturen allerdings insgesamt etwas zurück. Nur noch in einigen Niederungen im Südwesten wird die 30 Grad-Marke erreicht oder leicht überschritten. Sonst werden meist 23 bis 29 Grad erwartet, in Küstennähe bleibt es deutlich kühler.

Vorhersage für Freitag, den 29.05.2026 um 12 UTC. Das Frontensystem eines Tiefs bei den Färöer-Inseln nimmt zunehmend Einfluss auf den Nordwesten Deutschlands.

Am Freitag zeichnet sich dann aber bereits die erste kleinere, aber durchaus signifikante Änderung ab. Ein kleines Tief verlagert sich von den Färöer-Inseln nach Südskandinavien und beeinflusst mit seinem Frontensystem den Nordwesten Deutschlands. Gleichzeitig schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab, sodass die Luftmasse zunehmend labilisiert wird.

Im Vorfeld der Front strömt von Süden sehr warme bis heiße sowie zunehmend feuchte Luft heran. So können ab dem Nachmittag mit Heranrücken des kleinen kurzwelligen Troges einzelne, aber kräftige Schauer und Gewitter entstehen. Da neben einem hohen Energiegehalt auch die Windscherung erhöht ist, können sich organisierte Strukturen sowie einzelne Superzellen ausbilden. Damit steigt bei Gewittern neben der Gefahr von Starkregen, auch das Risiko für größeren Hagel und schweren Sturmböen (Bft 10) an. Bei solchen Windgeschwindigkeiten können Bäume umstürzen und Gegenstände umhergewirbelt werden. Es besteht dann im Freien Lebensgefahr. Der Schwerpunkt befindet sich am Abend voraussichtlich in Niedersachsen und dem Norden Nordrhein-Westfalens. In der Nacht zum Samstag verlagern sich die Gewitter nach Osten und Südosten. Erst im Laufe der zweiten Nachthälfte schwächen sich diese allmählich ab. Im Süden merkt man davon allerdings kaum etwas. Dort setzt sich das ruhige und hochsommerlich warme-bis heiße Frühsommerwetter fort.

Gewitterzutaten für Freitag, den 29.05.2026 um 18 UTC. Im Nordwesten überlappen sich die Felder mit hoher Feuchte, Labilität und Windscherung.

Dies ändert sich jedoch am Wochenende. Am Samstag befindet sich über der Mitte Deutschlands eine markante Luftmassengrenze. Diese trennt trockene und kühle Luft im Norden von feuchter und sehr warmer Subtropikluft im Süden. Bodennah zeichnet sich eine Tiefdruckrinne ab, an der kräftige Hebungsimpulse entstehen. Dort entstehen im Tagesverlauf vermehrt Schauer und kräftige Gewitter. Im Gegensatz zum Vortag liegt das Hauptaugenmerk auf den Starkregen. Ursache dafür ist die geringere Windscherung und die langsamere Verlagerung der Gewitterzellen im Vergleich zur Lage am Freitag im Nordwesten. Neben heftigem Starkregen kann es lokal auch zu Hagel mit größeren Hagelansammlungen kommen.

Am Sonntag bleibt uns in der Südhälfte voraussichtlich die feuchtlabile Subtropikluft erhalten. Dort bilden sich somit erneut teils kräftige Schauer und Gewitter. Örtlich besteht weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel. Erst am Montag sorgt ein von Westen heranrückendes Hochdruckgebiet für eine vorübergehende Wetterberuhigung. Doch bereits am Dienstag könnte uns nach jetzigem Stand schon wieder die nächste Gewitterlage bevorstehen. Das ruhige Frühsommerwetter macht somit erst einmal Pause!

Aktuelle Informationen zu den bevorstehenden Gewitterlagen finden sie auf unserer Webseite und in der Warn-Wetter App.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 28.05.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Erste-grosse-Gewitterlage-2026.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-28 13:48:332026-06-10 19:58:17Erste große Gewitterlage 2026?

In 16000 m Höhe

27. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„In 16000 m Höhe“, so titelte das Berliner Tageblatt am 29. August 1930 seinen Artikel über den geplanten Ballonaufstieg von Auguste Picard und Paul Kipfer. Der in Basel geborene Piccard forschte und lehrte seit 1922 an der Université libre de Bruxelles (der Freien Universität Brüssel), und entwickelte in seiner wissenschaftlichen Laufbahn ein Interesse an den damals weitgehend unerforschten höheren Schichten der Atmosphäre. Hauptziel der Ballon-Expedition war die Vermessung kosmischer Höhenstrahlung, um Rückschlüsse auf deren Herkunft ziehen zu können. Die Planung dieser Experimente wurde mitunter mit Albert Einstein koordiniert, dessen Bekanntschaft Piccard auf den renommierten Solvay-Konferenzen machte. Ebenfalls sollten atmosphärische Parameter wie Luftdruck und Temperatur vermessen werden.

Luftdruck und Temperatur waren auch die zwei maßgeblichen zu beachtenden Parameter in der Planung der Ballonfahrt. Für einen bemannten Aufstieg in angepeilte Höhen um 16 km musste eine Druckkapsel mit Sauerstoffzufuhr gebaut werden, da der Atmosphärendruck in solchen Höhen nur noch etwa ein Zehntel des Luftdrucks auf Meereshöhe beträgt. Dadurch sinkt der Sauerstoffpartialdruck so stark ab, dass ohne technische Unterstützung eine ausreichende Sauerstoffaufnahme über die Lunge nicht mehr möglich ist. Zusätzlich treten vielfältige weitere physiologische Effekte des niedrigen Umgebungsdrucks auf. Die Kapsel musste den Ballonfahrern zudem das Regulieren der Temperatur ermöglichen, da die Temperatur in der Troposphäre und somit über mehr als 12 km auf weniger als -60 °C abnimmt.

Die Tropopausenhöhe weist eine signifikante geographische, saisonale, und höhenströmungsabhängige Variabilität auf, die obige Abschätzung beruht deshalb auf:

1.) dem 48sten Breitengrad, auf dem sich Augsburg als gewählter Startpunkt von Piccards Ballonfahrt befindet

2.) dem 27. Mai und damit dem heutigen Tag vor 95 Jahren als saisonale Einordnung

3.) der Tatsache, dass stabile Hochdrucklagen auch damals als bessere Ballonfahrtbedingungen angesehen wurden als beispielsweise einem Sturmtief

Vertikalprofil der Temperatur (rot) und des Taupunktes (blau), aufgetragen auf einem in der Meteorologie üblichen Skew-T log-p Diagramm. Die Daten stammen aus dem ICON-D2 Modell der deutschen Modelkette, für Augsburg am 27.05.2026 um 06 Uhr UTC. (Quelle: DWD)

In dem Temperaturprofil aus dem deutschen hochaufgelösten ICON-D2 Modell für die dieser Tage in Deutschland herrschende stabile Hochdrucklage veranschaulicht – die Linien gleicher Temperatur sind die abgebildeten Diagonalen – wie die Temperatur heute früh über Augsburg bis zur Tropopause auf unter -60 °C fällt, bevor sie dann in der sehr stabil geschichteten Stratosphäre allmählich wieder zunimmt. Die niedrigen Temperaturen in diesen Höhen ergeben sich unter anderem daraus, dass bei der geringen Luftdichte kaum Wärme gespeichert oder durch Konvektion transportiert wird. Gleichzeitig ist die solare Einstrahlung aufgrund der geringen atmosphärischen Abschwächung durch Absorption und Streuung vergleichsweise intensiv. Die Aluminiumkapsel stellte dabei einen effizienten Absorber für Strahlungsenergie dar. Deshalb wurde eine Seite der Kapsel schwarz und die andere weiß lackiert, sodass sich die Temperatur durch das Ausrichten relativ zur Sonne gezielt regulieren ließ.

Der Bau der Kapsel gestaltete sich mitunter auch dahingehend als spannend und ungewiss, da kein klassischer Luftfahrtbetrieb oder ein vergleichbares Unternehmen die Verantwortung für die Zuverlässigkeit einer solchen Konstruktion übernehmen wollte. Schlussendlich wurde der Bau der Aluminiumkapsel, zwei Meter im Durchmesser und mit zwei Bullaugen, von einem belgischen Metallbearbeitungsbetrieb übernommen, dessen dahingehende Expertise wohl in erster Linie aus der Herstellung von Bierfässern stammte.

Die Ballonfahrt war also mit großer Sorgfalt vorbereitet worden (Piccard selbst nannte seine Pionierfahrten „aventures exactes“- exakte Abenteuer), und bereits im Spätsommer 1930 sollte der Flug stattfinden. Doch verschiedene widrige Umstände wie ungünstige Wetterbedingungen oder fehlende behördliche Bewilligungen verzögerten den Aufstieg. Dennoch herrschte Zuversicht in der öffentlichen Darstellung, so schrieb das Berliner Tageblatt: „Er [Piccard] hat Wissen und Erfahrung, Mut und Entschlossenheit – nur die behördliche Bewilligung hat er noch nicht. Man kann füglich annehmen, dass sein kühnes Unternehmen nicht an einem Paragraphen scheitern wird.“ Eine andere Zeitung schreibt: „Es kann wohl angenommen werden, dass diese Bewilligung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Und dann wird Professor Piccard seine Fahrt, die alle Phantasien von Jules Verne übertrifft, antreten können.“

Ende Mai 1931 findet die Ballonfahrt dann schlussendlich statt. 15.781 Meter über dem Meeresspiegel erreichen Piccard und Kipfer in ihrer Kapsel, und stellen somit, auch wenn das keineswegs ihre Motivation war, einen neuen Höhenrekord der bemannten Luftfahrt auf. Viele der vorbereiteten Messungen können erfolgreich durchgeführt werden, als allerdings der Abstieg ansteht stellt, sich heraus, dass das Ventil für das kontrollierte Ablassen des Wasserstoffs aus dem Ballon nicht richtig funktioniert. Piccard selbst kommentierte diese Umstände relativ gelassen mit der Aussage „[…] mit jedem Ballon kommt man runter; man kennt keinen Fall, wo ein Ballon oben geblieben wäre. Aber… es dauert ziemlich lange.“ Damit meinte er, dass die Ballonfahrer bis nach Sonnenuntergang warten mussten, damit sich der Wasserstoff abkühlte. Durch die höhere Dichte des Gases verringerte sich der Auftrieb, sodass der Ballon allmählich von selbst sank und nach etwa 18 Stunden Flugzeit vergleichsweise sanft auf einer Schneedecke in den Tiroler Alpen aufsetzte.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
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Was ist ein „Heat Dome“?

26. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Dass Ende Mai bei uns über 30 °C gemessen werden, kommt häufiger vor. Ungewöhnlich ist allerdings die Dauer dieser sehr frühen Hitzewelle, die in Frankreich und Großbritannien sogar schon Rekordtemperaturen gebracht hat.

Verantwortlich dafür ist eine sogenannte Omega-Wetterlage. Dabei liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa. Es blockiert die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, wodurch die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Omega annimmt – daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dieses Muster bleibt dann sehr häufig über längere Zeit nahezu unverändert bestehen.

In diesem Hochdruckgebiet sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei stärker. Dieses Absinken sorgt zusätzlich für Wolkenauflösung. Abgesehen vom Norden und Nordosten präsentieren sich daher weite Teile Europas wolkenfrei. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung kann sich die Luft unter dem Hoch weiter aufheizen. Zudem wird heiße und trockene Luft aus Nordafrika in das Hoch einbezogen, die auch mit etwas Saharastaub angereichert ist. Dadurch lassen sich die derzeit für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen über West- und Mitteleuropa erklären.

Da diese Wetterlage stabil ist, konnte sich die Luft immer weiter aufheizen. Man spricht in diesem Fall auch von einem sogenannten „Heat Dome“ oder einer Hitzeglocke. Während die heißeste Luft über Westeuropa liegt, befinden wir uns am Rande dieser Hitzeglocke. Ansonsten wären auch hier Rekorde in Gefahr.

Das Echtfarben-Satellitenbild zeigt ein nahezu wolkenfreies Europa, das der absinkenden Luft im Hoch geschuldet ist.

Die Linien zeigen die Höhenwetterkarte auf etwa 500-hPa (~5,5 – 6 km Höhe). Die Höhenströmung umströmt das Hoch in Omegaform. Die Farben sind die Temperatur in ca. 1500 m.

Solche Hitzeglocken sind für die meisten Rekordtemperaturen verantwortlich. Zudem können sie über einen längeren Zeitraum hinweg für Trockenheit sorgen. Da die Luft unter den Hitzeglocken oft nur wenig Feuchtigkeit enthält und die Verdunstung dadurch deutlich beschleunigt wird, sind viele Dürren auf lang anhaltende Hitzeglocken zurückzuführen. So auch im Sommer 2018, der in Deutschland einer der trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen war. Zwischen Mitte Juni und Mitte August hielt sich die Hitze sogar mehrere Wochen lang am Stück.

Heute wird bei uns mit bis zu 34 °C am Oberrhein der Höhepunkt der Hitzewelle erreicht. Der Rekord aus dem Jahr 1922 mit 36,6 °C in Hamburg ist jedoch nicht in Gefahr.

Morgen erreichen wir den Nordostrand des Hitzehochs. Eine wetterunwirksame Kaltfront führt vorübergehend kühlere Luft aus Skandinavien in den Nordosten. Besonders die Nächte werden dann dort empfindlich kalt. Lokal ist sogar wieder Bodenfrost möglich. Der Südwesten bleibt hingegen in der sommerlichen Luftmasse.

Zum Ende der Woche ändert sich die Wetterlage. Das Hitzehoch wird langsam abgebaut, sodass atlantische Tiefausläufer übergreifen können. Ab Freitag nimmt dadurch die Gewitterneigung deutlich zu.

In der darauffolgenden Woche müssen wir uns dann auf einen wechselhaften Witterungsabschnitt einstellen. Dabei ist es nicht mehr ganz so warm.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2026
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Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

25. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Hauptzeit der Renaissance beleuchtet. In dieser wurden erste meteorologische Instrumente entwickelt, welche die Anfänge der quantitativen Meteorologie darstellen. Dieser Teil der Serie setzt sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie in der Spätrenaissance und dem Beginn des Zeitalters der Aufklärung auseinander.

Blicken wir noch einmal auf die von Galileo und Santorio angestoßene Entwicklung eines Vorläufers des Thermometers, die im letzten Teil (Teil 6) der Serie „Geschichte der Meteorologie“ behandelt wurde. Diese wurde auch auf deutschem Boden vorangetrieben. Im Jahr 1643 veröffentlichte der Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602–1680) aus Hessen ein Buch mit dem Titel „Magnes, sive de arte magnetica“, in dem er verschiedene Arten von Instrumenten erwähnt, die die übliche Form von Luft-Wasser-Thermoskopen aufweisen. Er beschrieb jedoch ein originelles Modell, bei dem ein vertikales Rohr in einen halb mit Wasser gefüllten, geschlossenen Kolben eintaucht. Wenn die im oberen Teil des Kolbens eingeschlossene Luft erwärmt wird, dehnt sie sich aus, und der Druck treibt die Flüssigkeit im Rohr nach oben. Damit näherte sich die Entwicklung des Thermometers an die Form an, die das Wasser- oder Spiritusthermometer annehmen wird.

Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes (1596–1650) beschrieb um das Jahr 1631 ein Experiment zur Bestimmung des Luftdrucks, baute jedoch keine Vorrichtung, um das Experiment durchzuführen. In „Les Météores“ („Meteorologie“, ein Aufsatz, der 1637 in seinem Buch „Discours de la Méthode“ veröffentlicht wurde) stellte er die Hypothese auf, dass Wasserdampf eine eigenständige Substanz in der Luft sei, die aus winzigen Partikeln bestehe, die durch eine hochverdünnte „feinstoffliche Materie“ voneinander getrennt seien. Descartes war der Erste, der weißes Licht beim Übergang von einem Medium wie Luft in ein anderes wie Glas in seine Farbkomponenten zerlegte. In „Les Météores“ erörterte er diese Lichtbrechung anhand der Beschreibung eines Experiments, bei dem er feststellte, dass die zerlegten Farben so angeordnet waren, dass Rot stets auf der einen Seite und Blau oder Violett auf der anderen Seite erschienen. Er bediente sich einer Strahlverfolgungstechnik, um die Entstehung und Struktur des Regenbogens zu erklären.

Der Mathematiker Evangelista Torricelli (1608–1647) aus der Romagna war Galileos bedeutendster Schüler und trat dessen Nachfolge als Professor für Mathematik in Florenz an. Sein Werk „Lezioni Accademiche“ (Florenz, 1715), das fast 70 Jahre nach seinem Tod erschien, enthält seine Vorlesungen zu Problemen der Mechanik, Physik, Meteorologie und Militärarchitektur. Von besonderem Interesse sind die Vorlesungen über Stoßkräfte und über den Wind. Torricelli stellte die moderne Theorie auf, dass Winde durch Unterschiede in der Lufttemperatur entstehen. Galileos offen gebliebene Frage, warum Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines Wasserbeckens gepumpt werden konnte, führte Torricelli weiter. Zu diesem Zweck bauten er und sein Schüler Vincenzo Viviani (1622–1703) 1643 ein recht unpraktisches Wasserbarometer, das ein mit etwa 18 Meter sehr langes und unhandliches Glasrohr erforderte. Durch den Ersatz durch Quecksilber, das bei Raumtemperatur flüssig und etwa 14-mal dichter als Wasser ist, gelang es Torricelli, die Länge des Barometerrohrs auf etwa 90 cm zu reduzieren. Sein Gerät bestand aus einem langhalsigen Glasrohr mit einem geschlossenen, bauchigen Ende. Die Röhre wurde mit Quecksilber gefüllt und dann in eine ebenfalls mit Quecksilber gefüllte Schale gestürzt. Anstatt vollständig aus der Röhre zu fließen, sank die Höhe der Quecksilbersäule auf etwa 76 cm und blieb dann relativ konstant, wobei sie nur um wenige Prozent schwankte.

Seite des Werks „Lezioni Accademiche“ mit Darstellung eines Barometers von Torricelli, 1715, Florenz, Quelle: Library of Congress, Washington, D.C., über Wikimedia Commons

Heute wissen wir, dass diese Schwankungen teils auf Temperaturänderungen und teils auf Änderungen des Luftdrucks über dem Instrument zurückzuführen waren. Torricelli war aufgrund dieser Ergebnisse davon überzeugt, dass die Luft über dem Barometer ein Gewicht haben und somit Druck ausüben müsse und dass es dieser Druck sei, der das Quecksilber im Barometerrohr nach oben drücke. Er glaubte auch, dass der Raum über dem Quecksilber, der durch dessen Absinken aus dem Kolben am oberen Ende des Rohrs entstand, ein echtes Vakuum sein müsse. Torricelli wird allgemein die Erfindung des Quecksilberbarometers im Jahr 1644 zugeschrieben. Sein Barometer verfügte jedoch über keine Skala und eignete sich daher eher für qualitative als für quantitative Messungen. René Descartes versah das Druckrohrbarometer 1647 bereits mit einer Skala.

Der Politiker, Physiker und Erfinder Otto von Guericke (1602–1686) aus dem Erzbistum Magdeburg war inspiriert von den Arbeiten Torricellis und Galileos. Er stellte ebenfalls die These auf, dass Luft ein Gewicht habe und daher einen Druck ausübe, und dass beides messbar sei. Zu diesem Zweck konstruierte er etwa zur gleichen Zeit und wahrscheinlich unabhängig von Torricellis Erfindung des Quecksilberbarometers im Jahr 1644 ein Wasserbarometer. Vor seinem Haus errichtete von Guericke ein etwa 10 Meter hohes Messingrohr, an dessen oberem Ende sich ein transparenter, verschlossener und evakuierter Glasabschnitt befand. Dies war sein Wasserbarometer. An der Wasseroberfläche im Inneren des Rohrs schwamm eine kleine Holzpuppe, die bei schönem Wetter aufgrund des steigenden Luftdrucks mit dem Wasserstand anstieg und durch das Glas sichtbar wurde. Umgekehrt sank sie bei Tiefdruck und schlechtem Wetter bis zur Unsichtbarkeit ab. Er versuchte, anhand der Informationen seines Barometers Wettervorhersagen zu erstellen und setzte seine Forschungen zum Luftdruck und zu den Eigenschaften des Vakuums fort. Von Guericke experimentierte auch mit der Erzeugung künstlicher Wolken, indem er Luft aus einem Kolben in einen anderen leitete, aus dem zuvor die Luft abgesaugt worden war. In dem ersten Kolben bildete sich daraufhin Nebel, der auf die Kondensation infolge des sinkenden Drucks in diesem Kolben zurückzuführen war. Er kam zu dem Schluss, dass Luft nicht in Wasser umgewandelt werden kann, obwohl Feuchtigkeit in die Luft gelangen und später wieder zu flüssigem Wasser kondensieren kann.

Der französische Wissenschaftler, Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal (1623–1662) interessierte sich für die Erforschung von Flüssigkeiten. Dies veranlasste ihn, ein Experiment mit einem Barometer zu entwerfen, ähnlich dem, das Torricelli 1644 erfunden hatte. Bei diesem Experiment, das 1648 durchgeführt wurde, wurde der Quecksilberstand in einem mit einer Skala versehenen Barometer am Fuße des Puy de Dôme im Zentralmassiv gemessen und erneut am Gipfel, etwa 1000 Meter (3300 Fuß) höher. Der Bericht von Florin Périer (1605–1672), der das Experiment nach Pascals brieflichen Vorschriften durchführte, hielt fest, dass das Quecksilber am Fuße des Berges eine Höhe von 26 Zoll und 3,5 Linien erreichte, während es oben nur 23 Zoll und 2 Linien waren. Dies bedeutete, dass der von der Atmosphäre ausgeübte Druck mit zunehmender Höhe abnahm, was mit der Vorstellung übereinstimmte, dass der Druck auf das Gewicht der Atmosphäre in der Säule über dem Barometer zurückzuführen war.

Der Astronom Giovanni Domenico Cassini (1625–1712) aus dem Herzogtum Savoyen beschäftigte ich neben astronomischen Themen auch mit Hydraulik und Flussregulierung und untersuchte mehrere Hochwasser des Flusses Po.

Der Großherzog der Toskana Ferdinand II. de‘ Medici (1610–1670) förderte 1654 das erste Wetterbeobachtungsmessnetz, das aus Wetterstationen in Florenz, Cutigliano, Vallombrosa, Bologna, Parma, Mailand, Innsbruck, Osnabrück, Paris und Warschau bestand. Gemessen wurde die Temperatur mit zwei Thermometern, eines nördlich und eines südlich ausgerichtet, der Luftdruck, die Luftfeuchte, der Bewölkungszustand und die Windrichtung. Die gesammelten Daten wurden in regelmäßigen Abständen zentral an die Accademia del Cimento (Akademie des Experiments) in Florenz übermittelt. 1667 endete die Messreihe, da die Accademia del Cimento eingestellt wurde.

Der irische Naturforscher Robert Boyle (1627–1692) war einer der Ersten, der das Potential eines Quecksilberbarometers nach Art von Torricelli für die Erforschung der Eigenschaften der Luft erkannte. Er baute seine eigenen Quecksilberbarometer und scheint der Erste gewesen zu sein, der den Begriff „Barometer“ verwendete. Zusammen mit Robert Hooke (siehe unten) beschäftigte er sich mit der Physik der Gase. Nachdem sie von von Guerickes Arbeiten mit Luftpumpen gelesen hatten, bauten Boyle und Hooke eine verbesserte Version, die Boyle ab 1659 nutzte, um eine Reihe von Experimenten zu den Eigenschaften der Luft durchzuführen. Er veröffentlichte 1660 einen Bericht über diese Arbeiten unter dem Titel „New Experiments: Physico-Mechanical Touching the Spring of Air and its Effects“. Boyle leitete den Bau des ersten in England hergestellten versiegelten Thermometers, und seine damit durchgeführten Experimente wurden 1665 in seiner Abhandlung „New experiments and observations touching cold, or an experimental history of cold“ beschrieben. Boyle ist vor allem für seine Formulierung eines allgemeinen Gasgesetzes aus dem Jahr 1662 bekannt, die allgemein als Boylesches Gesetz bezeichnet wird. Es besagt, dass bei konstanter Temperatur das Volumen eines idealen Gases umgekehrt proportional zum Druck ist. Die reale Atmosphäre folgt diesem Gesetz mit guter Annäherung.

Der niederländische Astronom, Mathematiker und Physiker Christiaan Huygens (1629–1695) gelangte zu der Erkenntnis, dass Temperaturmessungen mit Thermometern nur dann sinnvoll sind, wenn sie anhand einer festgelegten Skala vorgenommen werden. Huygens schlug 1665 eine Thermometerskala vor, die zwei feste Punkte aufweisen sollte: den Gefrier- und den Siedepunkt von Wasser. Die heute genutzte Celsius-Skala hat genau diese beiden Bezugspunkte.

Der englische Philosoph und Mediziner John Locke (1632–1704) begann 1666 mit der Führung seines eigenen Wettertagebuchs und führte es, wenn auch mit einigen Lücken, bis 1703 fort. Er ging diese Aufgabe im Allgemeinen mit Begeisterung an, da er der Überzeugung war, dass die regelmäßige Erfassung meteorologischer Daten zum Verständnis von Wetterphänomenen beitragen würde. So gelang es ihm beispielsweise in den ersten sechs Monaten seines Aufenthalts in Oxford, fast täglich mindestens zwei Messwerte seines Thermometers, Barometers und Windmessers zu notieren.

Der englische Astronom und Architekt Sir Christopher Wren (1632–1723) schuf erste Entwürfe für einen Regenmesser und eine automatische Wetterstation. In den 1660er und 1670er Jahren experimentierte er mit einem Schwingflügel-Anemometer, wie es Alberti 1450 erfunden hatte, mit einem Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit, mit „Wettergläsern“ (kleinen offenen Wasserbarometern) und mit Quecksilberbarometern nach Torricelli. 1662 konstruierte er, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit Robert Hooke, auch einen Kippkasten-Regenmesser zur Erfassung von Niederschlagsmengen. Dies stellte den frühesten englischen Regenmesser und den ersten mechanischen Regenmesser, der sich selbst entleert, dar. Wren arbeitete weiter an der Verfeinerung seiner Idee eines Geräts, das er „Wetteruhr“ nannte und das Wetter automatisch aufzeichnen sollte. Er stellte sein Konzept im Dezember 1663 der Royal Society in einer Abhandlung mit dem Titel „Beschreibung einer Wetteruhr“ vor. Zusammen mit Hooke (siehe unten) konnte 1669 ein erstes funktionierendes Modell fertig gestellt werden, das als „Weather Wiser“ bekannt wurde und von Hooke gebaut wurde. Es ist interessant festzustellen, dass Wrens Vorstellung von einer automatischen Wetteraufzeichnung den Gedanken, dass menschliche Beobachter das Wetter regelmäßig beobachten und aufzeichnen könnten, völlig außer Acht ließ. Wren erkannte, dass Wetterbeobachtungen potentiell zur Wettervorhersage genutzt werden könnten, und stellte der Royal Society 1679 eine mögliche Methode dafür vor.

Der englische Naturwissenschaftlicher, Ingenieur und Universalgelehrte Robert Hooke (1635–1703) studierte zunächst die Eigenschaften von Gasen und experimentierte zusammen mit Boyle an Barometern. In seiner Zeit an der Royal Society of London zwischen 1662 und 1680 arbeitete er an einer Vielzahl von Verbesserungen an meteorologischen Messinstrumenten, oft in Zusammenarbeit mit Wren. Hooke entwickelte das „Radbarometer“, ein Quecksilberbarometer nach dem Prinzip von Torricelli, das mit einem von Hooke entworfenen mechanischen Gestänge ausgestattet war, um selbst kleinste Schwankungen des Quecksilberstands zu verstärken. Diese Schwankungen wurden durch die Bewegung einer Skala auf dem „Rad“ angezeigt. 1667 konstruierte Hooke eine andere Art von Windmesser, einen sogenannten Druckplatten-Windmesser: Um die Geschwindigkeit der Luft oder des Windes zu messen und dessen Stärke zu ermitteln, wurde durch vier an einer Achse befestigten Flügel erreicht, die sehr leicht und beweglich waren. Hooke konstruierte das erste praxistaugliche Hygrometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit, basierend auf seiner Beobachtung, dass sich die Haare eines Ziegenbartes im trockenen Zustand krümmen und im feuchten Zustand wieder gerade richten.

Radbarometer, Hygrometer und Windmesser von 1663, Robert Hooke (Quelle: „The history of the Royal Society of London, for the improving of natural knowledge”, Thomas Sprat (1635–1713), 1667, London, über Wikimedia Commons)

1663 stellte Hooke der Royal Society eine umfassende Anleitung zur Durchführung von Wetterbeobachtungen vor und empfahl, ein nationales oder internationales Netz von Stationen einzurichten, um Wetterbeobachtungen nach einem einheitlichen Standard mit kalibrierten Instrumenten durchzuführen. Um 1669 präsentierte Hooke der Royal Society eine funktionsfähige Version von Wrens Wetteruhr, bekannt als „Weather Wiser“. Das „Weather Wiser“-Gerät verfügte über einen Kippkasten-Regenmesser von Wren und verwendete Auslösehämmer, um auf einer rotierenden Trommel Papierstreifen mit fortlaufenden Messwerten zu Druck, Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Windrichtung zu markieren. Es handelte sich dabei tatsächlich um die weltweit erste automatische Wetterstation.

Wetteruhr von Robert Hooke (Quelle: The fathers of scientific meteorology –Boyle, Wren, Hooke and Halley: Part 2. Weather, 58: 135-139, Maurice Crewe, 2003, über Royal Meteorological Society, Reading, Vereinigtes Königreich)

Hooke erkannte, dass es möglich sein könnte, anhand von tabellarisch erfassten täglichen Wetterdaten Vorhersagen zu erstellen, insbesondere wenn diese Daten von mehreren Stationen eines Netzwerks stammten. Wren stellte der Royal Society 1679 hierfür bereits eine mögliche Methode vor (siehe oben). Aufgrund seiner gesamten meteorologischen Arbeit, insbesondere seiner Entwicklung meteorologischer Messgeräte und seiner vorausschauenden Empfehlung, regelmäßige Wetterbeobachtungen nach einheitlichen Standards in einem Netz von Beobachtungsstationen durchzuführen, wird Hooke als „Vater der wissenschaftlichen Meteorologie“ bezeichnet.

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie „Geschichte zur Meteorologie“ unter anderem von Verbesserungen meteorologischer Messgeräte durch neue Erkenntnisse sowie die zeitweise Umsetzung des oben erwähnten Gedankens eines meteorologischen Messnetzes.

Dipl.-Met. Markus Eifried
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Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

24. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit wird der menschliche Körper wieder zunehmend den positiven und negativen Eigenschaften der UV-Strahlung ausgesetzt. Hoch Alexander lässt die Sonne verbreitet, vor allem in der Mitte und im Süden häufig auch vom wolkenlosen Himmel scheinen. Mit täglicher Annäherung an den Sonnenhöchststand am 21. Juni nimmt auch deren Kraft zu. Ende Mai hat die Sonne demnach etwa die gleiche Strahlkraft wie Ende Juli. Dabei kann auch eine beachtliche Menge an UV-Strahlung in den bodennahen Luftschichten ankommen.

Relative Sonnenscheindauer am Montag (links) und Dienstag (rechts) mit verbreitet 80 bis 100% sonnenausbeute bezüglich des aktuellen Möglichen. (Quelle: DWD)

In den folgenden Abschnitten soll der sogenannte aktinische Wirkungskomplex, also die Komponenten der biologisch wirksamen Sonnenstrahlung und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper, näher unter die Lupe genommen werden.

Die biologisch wirksamen Spektren des Lichts reichen vom infraroten über den sichtbaren bis zum ultravioletten Bereich (UV-Bereich) und haben teils gesundheitsfördernde als auch gesundheitsschädigende Einflüsse auf den Menschen. So fördert beispielsweise die Infrarotstrahlung die Durchblutung der Haut. Das sichtbare Licht beeinflusst den Hormonhaushalt und die Psyche. Das größte Wirkungsspektrum besitzt jedoch die UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die an der Erdoberfläche nur wenige Prozent der gesamten solaren Strahlung ausmacht. Sie umfasst dabei den Wellenlängenbereich, der kürzer als der des sichtbaren Lichtes ist. Da die einzelnen Elementarteilchen der UV-Strahlung (Photonen) über eine sehr hohe Energie verfügen, können sie teilweise tief in biologische Systeme eindringen, Molekülverbindungen irreversibel zerstören und somit wesentlichen Einfluss auf Lebewesen nehmen. Beispielsweise wird die UV-Strahlung als Auslöser für verschiedene Hautkrebsarten angesehen.

Die Haut unterliegt als Grenz- und Kontaktorgan in besonderem Maße dem Einfluss von Umweltfaktoren und somit auch der UV-Strahlung. Zahlreiche Hautkrankheiten finden ihren Ursprung in dieser Strahlungsart oder werden von ihr verstärkt. Am bekanntesten ist in diesem Sinne wohl der Sonnenbrand, der einer Verbrennung ähnelt und nach einer vom Hauttyp abhängigen Bestrahlungszeit mit einer scharf begrenzten Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz sowie gelegentlicher Blasenbildung und Ödemen einhergeht.

Schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben Hautreaktionen, die nach einem jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum der UV-Bestrahlung auftreten. In diese Gruppe sind beispielsweise die Hautalterung oder bösartige Hauttumore einzuordnen.

Traditionell wird die UV-Strahlung auf Basis der Ozonabsorption in drei Teilbereiche aufgegliedert. Demnach wird zwischen der UV-A Strahlung in dem Wellenlängenbereich von 315 bis 400 Nanometer, der UV-B Strahlung zwischen 280 bis 315 sowie der UV-C Strahlung zwischen 100 und 280 Nanometer unterschieden. Dabei hindert das atmosphärische Ozon die UV-A Strahlung nur wenig daran die Erdoberfläche zu erreichen. Die UV-C Strahlung wird dagegen unabhängig von der Ozonkonzentration auf dem Weg durch die Atmosphäre fast komplett aus der Luft herausgefiltert, während die Menge an UV-B Strahlung am Boden stark von der Ozonkonzentration sowie der Mächtigkeit der Ozonschicht abhängig ist. Als Maß für die UV-Strahlung dient der sogenannte UV-Index, der üblicherweise als Bestrahlungsstärke (Watt pro Quadratmeter) auf einem horizontal orientierten Empfänger angegeben wird. Neben dem Ozon beeinflussen auch weitere Bestandteile der Atmosphäre, wie beispielsweise Aerosole (Schwebeteilchen in der Atmosphäre) und Wolken (Wassertröpfchen), astronomische Bedingungen wie der Sonnenstand, der orographische Standort oder auch die Bodenbeschaffenheit in Form der Albedo (Rückstrahlvermögen der solaren Strahlung) die Menge an UV-Strahlung am Boden.

Insgesamt hat die UV-Strahlung, wie zu Beginn des Artikels schon aufgeführt, bedeutende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Wer seine Haut beim Sonnenbaden nicht ausreichend schützt, schädigt diese nachhaltig. Die UV-A Strahlung (lange Wellen) führt zu einer kurzfristigen Bräune, die jedoch kaum Lichtschutz bringt. Dagegen verliert die Haut an Spannkraft und altert bei langfristiger Bestrahlung frühzeitig. Auch das Hautkrebsrisiko ist bei häufiger ungeschützter Einstrahlung deutlich erhöht. Die UV-B Strahlung sorgt hingegen eher für eine langfristigere Bräune, die auch einen echten Lichtschutz (Lichtschwiele) mit sich bringt. Gleichzeitig dringen diese Strahlen nicht so tief in die Haut ein und schädigen sie daher nicht nachhaltig. Ein allgemein schädigender Effekt der UV-Strahlung ist zudem die Immunsubpression, eine Verringerung der Körperabwehr, z.B. gegenüber Infektionskrankheiten.

Positiv ist jedoch anzuführen, dass die UV-Strahlung hauptverantwortlich für die Bildung von Vitamin D in der Haut ist. Dieses Vitamin ist im Körper für den Calcium- und Phosphatstoffwechsel essentiell. Allerdings wird die notwendige Vitamin D-Dosis in Deutschland im Sommer bei wolkenlosen Bedingungen gegen Mittag bereits innerhalb von etwa 15 Minuten durch die Sonnenexposition von Händen, Armen und Gesicht erreicht. Dafür bräuchte man also nicht stundenlang in der Sonne zu braten.

UV-Index sowie die potentielle gesundheitliche Gefährdung für Montag, 25.05.2026 mit sehr hohen Indexwerten von 8 in der Südhälfte. (Quelle: DWD)

Am Montag und Dienstag wird entsprechend der teils wolkenlosen Bedingungen und der Sonnenkraft etwa südlich von Eifel, Westerwald Rhön und Erzgebirge bei einem UV-Index von häufig 8 schon recht verbreitet eine sehr hohe gesundheitliche Gefährdung erwartet. Im Allgäu sowie allgemein auf den Alpenhöhen wird teilweise sogar ein Index von 9 erreicht. Moderater kommt der UV-Index (4/5, mittlere Gefährdung) im Norden daher, wo zeitweise Wolken die Sonne ausbremsen.

UV-Index sowie die potentielle gesundheitliche Gefährdung für Dienstag, 26.05.2026 mit sehr hohen Indexwerten von 8 in der Südhälfte. (Quelle: DWD)

In möglichen UV-Warnungen oder auch in den entsprechenden UV-Gefahrenkarten des DWD wird besonders auf potentielle Schutzmaßnahmen hingewiesen. Ergänzend zu diesen international einheitlichen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation finden Sie weitere UV-Schutztipps auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes.

Neben der UV-Strahlung kann die Sonne das Land tagsüber auch schon ordentlich einheizen. Vor allem im Südwesten wird zu Beginn der Woche schon eine gefühlte Temperatur teils über 32 Grad prognostiziert. Diese wiederum führt dazu, dass wir ein heißes thermisches Empfinden entwickeln. Für eine Hitzewarnung reicht dies aber noch nicht. Besonders die Nächte kommen noch kühl daher und sorgen für ausreichend Entspannung. Zudem sind auch die Gebäude noch nicht ausreichend aufgeheizt. Dennoch ist vor allem in der Mittagshitze für Kranke und empfindliche Personen schon Vorsicht geboten.

Thermische Empfinden bzw. prognostizierte, gefühlte Temperatur für Montag, 25.05.2026 tagsüber (links) und nachts (rechts) mit den höchsten Werten im Südwesten. (Quelle: DWD)


Thermische Empfinden bzw. prognostizierte, gefühlte Temperatur für Dienstag, 26.05.2026 tagsüber (links) und nachts (rechts) mit den höchsten Werten im Südwesten. (Quelle: DWD)

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Die-Sonne-naehert-sich-dem-Hoechststand-1.png 720 1379 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-24 12:15:172026-06-10 19:58:01Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!
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