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Schlagwortarchiv für: Hitzewelle

Waldbrandwetter

15. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Temperaturen der aktuellen Hitzewelle von bis zu 39 Grad (14.08.2026 in Rheinfelden) finden derzeit kaum noch Beachtung. Dabei waren die gestrigen Höchstwerte gebietsweise höher als die Rekorde vor diesem Sommer. Bleiben wir beim Beispiel Rheinfelden im Südwesten von Baden-Württemberg. Die 39,0 Grad vom gestrigen Freitag wären dort ein neuer Allzeitrekord gewesen, wären da nicht die 40,0 Grad vom 30.07. dieses Jahres. Anders als bei den vorherigen Hitzewellen stehen diesmal die Waldbrände im Fokus, die in Deutschland und weiteren Ländern Europas (z. B. in Belgien, Österreich und Großbritannien) ausgebrochen sind.

Grundlage für die gefährliche Situation ist die sehr trockene und heiße Witterung der letzten Monate. Der fehlende Niederschlag und die hohe Verdunstung haben zu ausgetrockneten Böden und teils vertrockneter Vegetation geführt. Die extreme Vorgeschichte lässt sich an den großen Flüssen Deutschlands ablesen. Rekordniedrige Abflüsse für diese Jahreszeit und zum Teil auch Allzeitrekorde bezeugen eindrücklich die hydrologische Ausnahmesituation.

Relative Niederschlagssumme des bisherigen Sommers im Vergleich zum Klimamittel für denselben Zeitraum. (Quelle: DWD)

Kurzfristig kamen weitere förderliche meteorologische Bedingungen für potenziell sehr gefährliche Waldbrände hinzu. Im angloamerikanischen Raum, wo Waldbrände ein häufigeres Phänomen darstellen, gibt es hierfür die einprägsame 30-30-30-Regel. Sie bezieht sich auf drei meteorologische Parameter und besagt, dass besonders gefährliches „Waldbrandwetter“ herrscht, wenn Folgendes gilt: Lufttemperatur über 30 Grad, relative Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent und eine mittlere Windgeschwindigkeit von über 30 km/h. Die hohen Lufttemperaturen gepaart mit der Sonneneinstrahlung sorgen für eine hohe Temperatur der Vegetation, die niedrige Luftfeuchtigkeit „saugt“ die verbliebene Feuchtigkeit besonders effektiv aus Boden, Pflanzen und ihren Blättern. Der Wind führt die verdunstete Feuchtigkeit rasch ab und führt einem bereits bestehenden Brand besonders gut Sauerstoff zu. Zusätzlich wird Glut verfrachtet und kann neue Brände entfachen.

Seit Donnerstag werden die ersten beiden Bedingungen in den Nachmittagsstunden in Deutschland verbreitet erreicht. Bei Temperaturen um 36 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von gebietsweise um 15 Prozent. Der Wind erreichte zwar im Mittel nicht 30 km/h, die Böen lagen jedoch gebietsweise über 30 km/h und in der Praxis hat sich gezeigt, dass bereits wiederholte Böen in dieser Stärke für eine deutliche Verschärfung von Waldbränden sorgen.

Temperatur, rel. Luftfeuchtigkeit und Windböen am 14.08.2026 um 17 Uhr MESZ. (Quelle: DWD)

Besonders große Waldbrände gibt es seit gestern in der Eifel und im Hohen Venn in Belgien. Der Rauch dieser Brände war heute auch auf den Satellitenbildern deutlich sichtbar. Die Rauchfahne zog sich von der Eifel in einem Bogen über Hessen und Thüringen bis in den Norden Sachsen-Anhalts.

Satellitenbilder vom frühen Vormittag des 15.08.2026. Links: Wolkentyp eingefärbt mit RGB-Farben, rechts: Echtfarben-Bild. (Quelle: DWD)

Nach dem heutigen Tag entspannen sich die meteorologischen Bedingungen für gefährliche Waldbrände etwas. Es wird kühler und die Luftfeuchtigkeit nimmt deutlich zu. Es gibt zwar auch Niederschläge, doch fallen diese wahrscheinlich nur lokal ergiebig aus. Eine Ausnahme könnte der Süden und Südosten Bayerns sein, wo ab der Nacht zum Montag länger anhaltende Niederschläge wahrscheinlich sind.

M.Sc Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Waldbrandwetter-1.png 2489 2030 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-15 16:21:492026-08-17 12:37:00Waldbrandwetter

Schweißtreibender QUIRIAKUS

6. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als „sehr warm“ bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den Ausdruck „kühl“ zu verwenden. Neben den „kühleren“ Temperaturen stand auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – die Flusspegel ansteigen lassen können.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Freitag, 07.08.2026, 12 UTC (Basis: ICON von Donnerstag, 06.08.2026, 00 UTC + 36)

Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa (Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen. Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw. Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.

Prognostizierte Höchsttemperaturen für Samstag 08.09.2026 (links) und Sonntag, 09.08.2026 (rechts); beides nach MOSMIX

Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32 °C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden. Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige Schweißtropfen sorgen.

Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr oft die Sonne.

UV-Index (links) und Waldbrandgefahrenindex (rechts) für Samstag, 08.08.2026

Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3 zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder ansteigen, da – wie gesagt – kaum Regen zu erwarten ist. Folglich könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5 erreicht werden.

Höchsttemperatur (oben) sowie Niederschlag (unten) für Wiesbaden für die kommenden 10 Tage, jeweils mit statistischen Unsicherheitsintervallen

Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35 °C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht ganz so heiß.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Schweisstreibender-QUIRIAKUS-1.png 514 724 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-06 17:17:412026-08-06 17:19:52Schweißtreibender QUIRIAKUS

Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

4. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gute 36 °C, im Laufe des Nachmittags wahrscheinlich 37 °C bis knapp 38 °C stehen auch heute schon wieder ganz oben auf der Temperaturhitliste. Mittlerweile zählt man schon gar nicht mehr mit, wie oft dieses Jahr schon die 35 °C-Marke geknackt wurde. Die Statistik dürfte vermutlich jeden Rahmen dessen sprengen, was man bisher kannte. Aber dabei gibt es immerhin eine gute Nachricht: Spätestens ab Donnerstag geht es mit der Temperatur erst einmal nach unten. Dann legt sich eine Kaltfront aus Richtung Nordsee diagonal über Deutschland hinweg und trennt den Nordwesten vom Südosten. Dann werden auf der kühleren Seite noch 22 bis 27 °C, auf der wärmeren Seite 28 bis 31 °C erreicht, wobei das Allgäu und das Alpenvorland ebenfalls etwas weniger warm daherkommen.

Spurlos geht dieser Temperatur- und Luftmassenwechsel nicht an uns vorüber. Heute Abend, wahrscheinlich die Nacht hindurch, und auch am morgigen Mittwoch in bereits abgeschwächter Form muss mit einigen Gewittern gerechnet werden. Hauptschwerpunkt heute Abend ist zunächst der Schwarzwald. Später entwickeln sich auch im Westen einige Gewitter. Diese ziehen allesamt nordostwärts und wachsen zu einem oder zwei größeren Clustern zusammen. Diese bleiben die Nacht hindurch aktiv und erreichen gegen Morgen den äußersten Nordosten, wo sie schließlich gen Ostsee und Polen von dannen ziehen. Hauptgefahr dabei: in erster Linie heftiger Starkregen, aber auch Hagel sowie Sturm- bis hin zu orkanartigen Böen.

Am Mittwoch zieht sich die Hauptaktivität an Gewittern auf eine Linie südlich der Donau zurück. Allerdings kann sich im Tagesverlauf auch zwischen Rhein und Elbe nochmal ein kräftigeres Gewitter bilden, das dann bis zum Abend Richtung Polen zieht. Am Donnerstag gewittert es dann hauptsächlich nur noch aus den Alpen heraus, bevor sich dann endgültig Hochdruck über das Land legt und der restlichen Wetteraktivität den Stecker zieht.

Damit kommen wir zu den ersten Folgeproblemen dieser Witterungsphase: Die anhaltende Trockenheit. Gewitter sind gut und schön, aber helfen aufgrund ihrer nur sehr begrenzten Ausdehnung nicht nachhaltig dabei, den Wasserhaushalt wieder gerade zu rücken. In vielen Landesteilen herrscht eine ausgewachsene Dürre. Im Deutschlandmittel sind bisher im Jahr etwa 360 mm Niederschlag gefallen. Das Soll für den Zeitraum 1991-2020 liegt bei knapp 450 mm zu diesem Zeitpunkt. Das heißt es fehlen statistisch gesehen bereits etwa ein bis zwei komplette Monatsniederschlagsmengen. Insbesondere der Juli war im Südwesten teilweise extrem trocken. An zwei Stationen ist nicht mal 1 mm Niederschlag gefallen während des gesamten Monats.

Monatssumme und Relative Abweichung des Monatsniederschlags für Juli 2026 in Deutschland. (Quelle: DWD)

Das hat wiederum Folgen für die Wälder. Die Waldbrandgefahr ist in größeren Teilen des Landes weiterhin enorm hoch und erreicht oftmals die zweithöchste Stufe im Waldbrandgefahrenindex. Nachdem es bislang schon einige größere Brände gab (z.B. Nationalpark Müritz), bleibt es glücklicherweise bei eher kleineren Flächenbränden. Aber auch diese halten die Feuerwehren bereits ordentlich auf Trab. Das Problem: Auch weiterhin ist keinerlei nennenswerter Niederschlag in Sicht. Entweder fällt nur sehr lokal ergiebiger Regen durch Gewitter, oder Tiefausläufer bringen in der Fläche nur wenige Millimeter, die ebenfalls nicht weiterhelfen. Eine Witterungsumstellung ist bis Ende der Mittelfrist weiterhin nicht in Sicht.

Übersicht des Waldbrandgefahrenindex für die kommenden Tage bis zum Samstag, 08.08.2026. (Quelle: DWD)

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Wetter-Waldbrand-Wasserdurst-1.png 750 1331 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-04 15:47:102026-08-06 17:19:43Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

29. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch OLAF verlagert sich mit seinem Schwerpunkt nach Osteuropa. Damit wird der Weg für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa fei. Heute befindet sich ein Höhenrücken über dem Bundesgebiet. Zudem ist die Luftmasse sehr trocken, sodass Schauer und Gewitter nahezu ausgeschlossen sind. Lediglich in den Alpen und am Alpenrand besteht ein geringeres Gewitterrisiko. Dann sind aber aufgrund der sehr trockenen Grundschicht auch Sturmböen (Bft 9) möglich. Insgesamt erwartet uns aber heute noch einmal ein lupenreiner Hochsommertag. Optimal für einen Ausflug ins Freibad oder an den nahegelegenen Badesee. Allerdings steigt bei Höchsttemperaturen von 31 bis 38 Grad auch die Wärmebelastung vor allem im Südwesten und Westen deutlich an.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC. Das Hoch OLAF verlagert sich nach Osten. Damit wird der Weg frei für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Donnerstag schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab. Gleichzeitig verlagert sich im Tagesverlauf von Westen ein Bodentrog mit einer eingelagerten Konvergenzzone über das Land hinweg. Dabei kommt es voraussichtlich ab dem frühen Nachmittag im Westen zur Ausbildung von Schauern und vor allem nach Norden hin auch zu einzelnen kräftigen Gewittern.

Radiosondenaufstieg mit vertikaler Temperatur- und Taupunktkurve, sowie der konvektiv potenziell verfügbaren Energie. Zu erkennen ist die extrem trockene Grundschicht, sowie eine relativ geringe konvektiv potenziell verfügbare Energie. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aufgrund der sehr trockenen Grundschicht und der relativ raschen Verlagerung der Schauer und Gewitter liegt hier das Hauptaugenmerk auf dem Wind. Grund dafür ist, dass durch Verdunstungsprozesse in der trockenen Luftmasse die Fallwinde im Bereich eines Gewitters deutlich beschleunigt werden können. Damit sind bei stärkeren Entwicklungen schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) durchaus wahrscheinlich. Örtlich sind auch Orkanböen bis 120 km/h (Bft 12) nicht ausgeschlossen. Bei diesen Windgeschwindigkeiten können Bäume entwurzelt und größerer Gegenstände durch die Luft gewirbelt werden. Bei einem Aufenthalt im Freien besteht dann Lebensgefahr!

Feuchte, Energiegehalt, Scherung und signifikantes Wetter für Donnerstag, den 30.07.2026 um 15 UTC. Die Schauer und Gewitter treffen auf eine sehr trockene Luftmasse in einer relativ gut gescherten Umgebung. Dadurch ergibt sich ein hohes Sturmpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aber auch abseits der Gewitter frischt der Wind mit Durchzug des markanten Bodentroges deutlich auf. Verbreitet sind für wenige Stunden stürmische Böen (Bft 8) möglich. In der Nacht ziehen die Schauer und Gewitter unter allmählicher Abschwächung rasch nach Nordosten ab. In der ersten Nachthälfte muss dort jedoch noch mit kräftigen Schauern und vereinzelten Gewittern gerechnet werden.

Morgen steigen die Temperaturen im Vorfeld des Bodentroges aber noch einmal ordentlich an. Vor allem in Unterfranken könnte örtlich die 40 Grad Marke erreicht werden. Ein neuer Allzeitrekord ist aber unwahrscheinlich! Trotzdem muss nochmals verbreitet mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden.

Am Freitag setzt sich von Nordwesten die kühlere Luftmasse weiter durch. Im Südosten bleibt uns die Hitze weiter erhalten. An der unteren Donau sind auch am Freitag Spitzenwerte von bis zu 38 Grad möglich. Am Freitag tagsüber treten im Übergangsbereich weitere Schauer und Gewitter auf. Diese werden voraussichtlich im Vorfeld einer herannahenden Kaltfront zum Abend von Südwesten her häufiger. Dann besteht Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel.

In der Nacht auf Samstag verlagern sich die kräftigen Schauer und Gewitter voraussichtlich in den Osten des Landes. Bezüglich der genauen Schwerpunkte bestehen aber insgesamt noch einige Unsicherheiten.

Synoptische Übersicht für Freitag, den 31.07.2026 um 18 UTC. Deutschland gelangt auf die Vorderseite eines Höhentroges über Westeuropa. Dabei kommt es auf der Vorderseite einer heranrückenden Kaltfront zur Ausbildung von kräftigen Schauern und Gewittern mit Unwetterpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch am Samstag ist nach jetzigem Stand die Schauer- und Gewittergefahr im Osten und Süden noch nicht ganz gebannt. Dort können sich erneut teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln. Örtlich besteht wiederum Unwettergefahr. Ansonsten macht sich aber von Nordwesten her deutlich angenehmere Luft bemerkbar. Somit werden tagsüber nur noch in den Niederungen im Süden Temperaturen um 30 Grad erwartet.

Der Hochsommer scheint sich jedoch noch nicht endgültig geschlagen zu geben. Bereits am Sonntag könnte die Hitze vor allem im Süden wieder zurückkehren. Wie stark die erneute Erwärmung ausfällt, ist derzeit allerdings noch unsicher!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Erst-grosse-Hitze-dann-schwere-Gewitter-1.png 626 877 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-29 13:23:562026-08-01 16:31:49Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

28. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das aktuelle Monatsmittel für den Juni 2026 gemessen im Mauna Loa Observatorium auf der Insel Hawaii beträgt 431,44 ppm. Die dort seit 1958 durchgeführte Messreihe ist die längste kontinuierliche direkte Messreihe der atmosphärischen CO₂-Konzentration. Aufgrund der abgelegenen Lage fern von starken lokalen CO₂-Quellen liefern die Messungen außerdem ein recht repräsentatives Hintergrundsignal der freien Troposphäre. Die daraus resultierende Keeling-Kurve, benannt nach dem US-amerikanischen Geochemiker Charles David Keeling, zeigt den langfristigen Anstieg des atmosphärischen CO₂-Gehalts.

Der beobachtete CO2 Anstieg in der Messreihe des Mauna Loa Observatorium auf Hawaii.

Kohlenstoffdioxid ist ein wirksames Treibhausgas, da es einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen langwelligen Infrarotstrahlung absorbiert und anschließend in alle Richtungen – auch zurück zur Erdoberfläche – wieder emittiert. Dadurch verändert sich das Strahlungsbudget der Erde: Es verbleibt mehr eingestrahlte Energie im Klimasystem, als von der Erde ins All abgegeben wird.

So viel zum Auffrischen der grundlegenden Ausgangslage: Der Treibhauseffekt ist als physikalisches Prinzip seit gut 200 Jahren bekannt, der Zusammenhang zwischen steigender CO₂-Konzentration und einer Erwärmung des Erdklimas seit rund 130 Jahren wissenschaftlich beschrieben. Natürlich ist das Ganze weitaus komplexer. CO₂ ist keineswegs das einzige wirksame Treibhausgas, und die Reaktion des Erdsystems auf den Eingriff in den Energiehaushalt umfasst eine schier grenzenlose Anzahl miteinander verknüpfter Prozesse. Je nach Fragestellung lässt sich das Thema deshalb quasi unbegrenzt vertiefen. Der Autor nutzt hier nur aus gegebenem Anlass – Hitze, Dürre, Niedrigwasser und Waldbrände – die Gelegenheit, um das Thema Klimawandel im Bewusstsein zu behalten, und der Leserschaft vielleicht den einen oder anderen Zusammenhang näher zu bringen.

Die Animation zeigt viel wolkenlosen Himmel über Nordspanien und Südwest-Frankreich, zunehmende Bewölkung über der Biskaya, Quellwolken über Portugal sowie den Pyrenäen, und die beschriebenen Rauchfahnen der Vegetationsbrände. (Quelle EUMETSAT)

MTG Satellitenbeobachtungen der Vegetationsbrände in Spanien und nahe der französischen Atlantikküste bei Bordeaux, am Freitag den 24.07.2026.

Die anhaltende Hitze in Westeuropa, sprich vor allem in Portugal, Spanien und Frankreich hat in den letzten Tagen und Wochen zu unkontrollierten Vegetationsbrände von außergewöhnlichem Ausmaß geführt. Die Animation der Satellitenmessungen im sichtbaren Spektrum – also so wie das menschliche Auge das Ganze von oben wahrnehmen würde – zeigt eindrucksvoll wie sich die Rauchfahnen der Brände bei Bordeaux am vergangenen Freitag mit östlichen Winden weit über den Atlantik ausbreiten, bevor der Wind am Freitagnachmittag auf westliche Richtungen dreht. Zeitgleich sieht man wie die Feuer in Spanien nördlich von Madrid im Tagesverlauf an Intensität zunehmen und sich eine eindrucksvolle Rauchfahne nach Nordwesten ausbreitet. Die Animation vermittelt einen Eindruck der Dimension der Brände, wie sie aus dem Weltall zu beobachten sind – und das bereits am vergangenen Freitag. In den darauffolgenden Tagen wurde der freie Blick aus dem Weltall auf die Rauchfahnen immer wieder durch (teils von den Feuern verursachte) Bewölkung verdeckt, weshalb hier zur Veranschaulichung der vergangene Freitag gewählt wurde.

„Eine Hitzewelle macht noch keinen Klimawandel“, und „der Klimawandel ist nicht zwangsläufig die Ursache für diese oder jene Hitzewelle“. Und „Dürren und Waldbrände hat es auch schon immer gegeben“. Das sind Gedanken die sich vielleicht aufdrängen. Der menschliche Eingriff in das Erdsystem und der daraus resultierende Klimawandel verändert jedoch die Ausgangsbedingungen und damit die Wahrscheinlichkeit für extreme Ereignisse. Im Kontext der Vegetationsbrände äußert sich das in einer beobachteten Zunahme der Intensität der Brände, dem Ausmaß der Schäden an Vegetation und Ökosystemen, eine Vergrößerung der insgesamt verbrannten Fläche, und einer längeren Dauer der Feuersaison. Ausschlaggebend dafür sind nicht nur unmittelbar die erhöhten Temperaturen durch die globale Erwärmung – der europäische Klimadienst Copernicus hatte zuletzt den Juni 2026 als den weltweit zweitwärmsten und in Westeuropa als den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnung eingestuft. Hinzu kommen häufiger auftretende und länger anhaltenden Wetterextreme infolge veränderter atmosphärischer Zirkulationsmuster. Diese begünstigen unter anderem längere und intensivere Dürreperioden als Voraussetzung für extreme Vegetationsbrände.

Eine grundlegende Idee hinter möglichen Veränderungen der atmosphärischen Zirkulationsmuster ist der abnehmende Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis mit ihrer geringen solaren Einstrahlung und den heißen Tropen mit ihrer hohen solaren Einstrahlung. Da sich die Arktis aufgrund verschiedener Rückkopplungseffekte im Zuge des Klimawandels deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, verringert sich der Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten. Die atmosphärische Zirkulation und damit das allgemeine Wettergeschehen wiederum ist wesentlich davon geprägt, diese Temperaturunterschiede auszugleichen. Da liegt es nicht fern, dass eine verstärkte arktische Erwärmung mit Veränderungen in der atmosphärischen Dynamik zusammenhängen kann. Auch hier gilt allerdings wie so oft, dass die tatsächliche Sachlage im chaotischen Wettersystem deutlich komplizierter und weiterhin Gegenstand intensiver Forschung ist.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Vegetationsbraende-Wetterextreme-und-globale-Erwaermung-1.png 600 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-28 15:08:012026-08-01 16:31:37Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

25. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Samstag verlagert sich Hoch NORBERT allmählich nach Südosteuropa und macht damit den Ausläufern der Tiefdruckgebiete EVELINE und FLOORA, die über Nordeuropa hinwegziehen, Platz. Damit hält vor allem in der Nordhälfte des Landes im Laufe des Wochenendes wechselhaftes Sommerwetter Einzug. In der neuen Woche bahnt sich dann eine neue Hitzewelle an. An der Südwestflanke eines umfangreichen Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt über Südosteuropa kann eine heiße Luftmasse, die ihren Ursprung im Süden Spaniens hat, nach Mitteleuropa transportiert werden. Die Intensität und Andauer der Hitzewelle ich noch mit ein paar Fragezeichen zu versehen.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC (Quelle:DWD)

Die teils verbreitet propagierten Höchstwerte von über 40 Grad in Deutschland zeichnen sich jedoch nicht ab. Hier schießt nach wie vor das amerikanische GFS-Modell mit in der Südhälfte flächendeckend um 40, punktuell bis 44 Grad, den Vogel ab. Diese Prognosen sind in die Welt der Fabeln zu verweisen, denn kein weiteres bekanntes Wettermodell berechnet diese Spitzenwerte in der kommenden Woche. Nach derzeitigen Prognosen werden der Donnerstag und der Freitag die heißesten Tage der Woche mit Maxima zwischen 34 und 38, lokal um 39 Grad in der Südhälfte und 28 bis 34 Grad in der Nordhälfte.

Prognose des Temperaturverlaufs von Samstag, den 25.07.2026 bis Freitag, den 31.07.2026 für den Südwesten, die Mitte und den Nordosten (Quelle:DWD)

In puncto Niederschlag schaut der Südwesten weiterhin in die Röhre. In der Nordhälfte fällt vor allem am Sonntag zeitweise schauerartiger und mitunter gewittrig durchsetzter Regen und auch vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand gibt es an diesem Wochenende einzelne Schauer und Gewitter. Zum Start in die neue Woche fallen vor allem quer über der Mitte und am Alpenrand noch einzelne Schauer. Im weiteren Wochenverlauf tröpfelt es allenfalls im Norden noch ein wenig, während es sonst zunächst meist trocken bleibt. Erst in der zweiten Wochenhälfte stehen örtlich kräftige Hitzegewitter auf der Agenda. Flächendeckender Regen bleibt jedoch aus, sodass sich insbesondere im Südwesten und äußersten Westen die Trockenheit weiter verschärft.

Akkumulierter Niederschlag von Samstagmorgen, den 25.07.2026 bis Samstagmorgen, den 01.08.2026 (Quelle:DWD)

Beispielsweise fielen vom Niederrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet seit Monatsbeginn in der Fläche nur zwischen 1 und 10 l/qm und bis Monatsende zeichnen sich nur wenige weitere Liter pro Quadratmeter ab. Normalerweise summiert sich der Niederschlag dort im gesamten Juli auf 50 bis 70 l/qm.

Die ausbleibenden Niederschläge in Verbindung mit der zunehmenden Hitze und der sich damit verstärkenden Verdunstung sorgen dafür, dass die Waldbrandgefahr (Link Waldbrandgefahrenindex) in der Südhälfte wieder deutlich zunimmt und am Mittwoch bereits flächendeckend die Stufe 4 erreicht.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Gebietsweise-anhaltende-Trockenheit-und-neue-Hitze-1.png 714 1004 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-25 14:52:252026-07-28 17:21:04Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

Spanien – Olé

20. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Spanien ist Fußballweltmeister! Gratulation dazu auch von dieser Stelle. Es ist anzunehmen, dass in den kommenden Tagen zwischen den Pyrenäen und Galicien im Norden sowie Andalusien im Süden noch die eine oder andere Party gefeiert wird, z. B. beim Empfang am Flughafen, wenn die so erfolgreichen spanischen Kicker aus den USA zurückkommen.

Wenn gefeiert wird, dann schwingt immer die Hoffnung mit, das Wetter möge doch bitte mitspielen. Meist ist damit gemeint, dass es trocken bleiben soll. Und für Spanien und die SpanierInnen sieht es diesbezüglich ziemlich gut aus.

Die Abbildung 1 zeigt auf der linken Seite das Geopotential (Linien) und damit salopp gesagt die Druckverteilung in 500 hPa (entspricht etwa 5,5 km Höhe). Darüber hinaus wird die tiefe Bewölkung dargestellt, beides nach dem DWD-Modell ICON für den morgigen Dienstag um 12 UTC (14 MESZ). Es zeigen sich nur recht kleine Gebiete mit nennenswerter tiefer Bewölkung, beispielsweise von der Region Valencia bis zu den Balearen oder auch an den nordwestlichen Küstenabschnitten. Ansonsten fehlen über Spanien die tiefen Wolken und die durchaus vorhandenen mittelhohen und hohen Wolken trüben den Wettercharakter kaum. Einen Faktor für das sonnige Wetter findet man im Geopotential. Zwar dreht sich westlich der Iberischen Halbinsel ein Höhentief, aber über dem Norden Algeriens ist ein Höhenhoch auszumachen, und von dort erstreckt sich ein Höhenrücken, sozusagen eine Geopotentialbeule, über Spanien hinweg bis zur Biskaya. Im Bereich dieses Höhenrückens kommt es zu Absinken und Wolkenauflösung, was den tiefen Wolken den Garaus macht.

Wetterinformationen Spanien für den morgigen Dienstag; links: Geopotential 500 hPa (Linien) und tiefe Bewölkung (Flächen), rechts: Temperaturmaxima (Zahlen) und 12-stündiger Niederschlag (Flächen)

Damit bleibt es am Dienstag auch weitgehend trocken, sieht man einmal von leichten Hinweisen des Modells auf Niederschläge an den Pyrenäen und unweit des Mittelmeeres ab (Abbildung 1, rechts). Dabei gilt, dass lokal in Schauern und Gewittern durchaus mehr fallen kann als die hier in der Spitze vorhergesagten 5 mm (l/qm) in den Pyrenäen. Abgesehen von diesen nicht gänzlich ausgeschlossenen punktuellen Niederschlagsspitzen müssen die feierfreudigen SpanierInnen vor allem auf die Temperaturen aufpassen. Im Süden sollen die Höchstwerte auf bis zu 43°C ansteigen, verbreitet werden es 35 bis 40°C. Lediglich der Norden präsentiert sich kühler.

Akkumulierter Niederschlag bis in die Nacht zum Samstag (02:00 MESZ) rund ums Mittelmeer. Basis: ICON-EU Lauf 20.07.2026, 00 UTC

Wer sich die Niederschlagsakkumulation über die Woche hinweg bis in die Nacht zum Samstag anschaut (Abbildung 2) der erkennt, dass Spanien auch im weiteren Wochenverlauf nicht übermäßig auf Regenschutz achten muss. Lediglich im Nordwesten macht sich das o. e. Höhentief mit etwas Regen bemerkbar. Anders dagegen die Situation von Italien bis weit in die Türkei hinein. In Italien, wo inzwischen die Tränen über die erfolglose Qualifikation zur Fußball-WM getrocknet sein dürften (dabei gilt: Wer sich gar nicht erst qualifiziert, der erspart sich natürlich die mögliche Blamage eines frühen Ausscheidens), zeigen sich die kommenden Tage wechselhaft und immer mal wieder regnerisch. Nochmal deutlich mehr Niederschlag als in Italien soll sich vom Balkan und der Ägäis bis zur Ukraine akkumulieren. Die dort erwarteten lokalen Spitzen von 100 mm liegen etwa dreimal so hoch wie die Regenmaxima in Italien.

Animation der Gewitterzellen des heutigen Vormittages über Norditalien und der nördlichen Adria

Das sind natürlich Informationen, die auch für Urlauber vor Ort nicht uninteressant sind. Je nach Tagesplanung lohnt sich also ein Blick in die Wetter-App – und eventuell lohnt es sich auch, die Tagesplanung anzupassen. Denn wie kräftig die Gewitterentwicklungen mitunter sein können, das konnte man schon heute Vormittag über Norditalien und der nördlichen Adria beobachten. Die beigefügte Animation fasst 8,5 Stunden der Gewitterentwicklung zusammen. Die kräftigen Zellen bildeten sich in den italienischen Alpen und in der Poebene und verlagerten sich nach Kroatien und Bosnien-Herzegowina. In der Animation ploppt auch kurz eine Zahl auf. Es ist die der beobachteten Regenmengen in Brescia – 21 mm wurden dort gemessen.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Spanien-Ole-1.png 561 928 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-20 13:29:372026-07-24 15:37:08Spanien – Olé

Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

29. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut hat, dem dürften die gehäuften Meldungen über Waldbrände in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen sein. So brach am Samstagnachmittag am Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg in Rheinland-Pfalz ein Feuer aus, in einem Gebiet in dem schon häufiger alte Kampfmittel gefunden wurden – derartige Munition führte dann auch zu diversen Explosionen in dem vom Waldbrand betroffenen Gebiet. In der Gohrischheide im Landkreis Meißen an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg breitete sich ebenfalls am Samstagnachmittag ein Waldbrand aus, auch hier mit erschwerten Löschbedingungen durch Munitionsbelastung. Weitere Brände gab es beispielsweise in den Landkreisen Stendal und Harz in Sachsen-Anhalt sowie in der Oberpfalz.

Die Deutschlandkarte des Waldbrandgefahrenindex für den gestrigen Sonntag, den 28.06.2026.

Ein Blick auf die Deutschland-Karte des Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt, dass am Sonntag für weite Teile Deutschlands die zweithöchste Gefahrenstufe bestand, im Osten und Süden Deutschlands sogar gebietsweise die höchste Warnstufe. Am Samstag hatte sich bereits ein ähnliches Bild ergeben, was nicht verwundern dürfte, da wir uns am Wochenende mitten im Höhepunkt der historischen Hitzewelle befanden. So wurden am Samstag verbreitet Tageshöchsttemperaturen zwischen 37 und 41 °C gemessen (41,5 °C in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt), erwähnungswürdig niedriger blieb es nur an der Küste und in Hochlagen, wobei selbst auf Helgoland 30,4 °C und auf dem Brocken in 1135 m Höhe 29,3 °C gemessen wurden. Etwas niedriger blieben die Temperaturen ebenfalls im Nordwesten, wo hereinziehende hohe Bewölkung von Gewittern aus den Niederlanden sowie die teils schweren Gewitter im Nordosten Deutschlands die Einstrahlung dämpften. Am Sonntag hatte sich der Hochdruckschwerpunkt des Hitzedoms noch weiter in den Osten verlagert, der Tageshöchstwert von 41,7 °C wurde in Neißemünde-Coschen an der polnischen Grenze gemessen, während im Nordwesten niedrigere Temperaturen um 32 °C dazu beitrugen, dass hier verbreitet nur die Waldbrand-Gefahrenstufe 3 (mittlere Gefahr) herrschte. Ein weiterer Faktor für Letzteres war die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. So wurden in besagter Region insbesondere am Samstag nicht nur die höchsten Taupunkte als absolutes Feuchtigkeitsmaß gemessen, sondern es herrschte auch aufgrund der weniger heißen Temperaturen die höchste relative Luftfeuchte. Hinzu kam insbesondere im Norden noch der gefallene Niederschlag aus der Schwergewitterlage in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Hier sei erwähnt, dass mitunter eben jene hohe Luftfeuchtigkeit am Sonntag dazu beitrug, dass auch im Nordwesten, trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, verbreitet vor sehr starker Wärmebelastung gewarnt wurde.

Die Berechnung des Waldbrandgefahrenindex (WBI), welcher fortlaufend weiterentwickelt wird, ist komplexer als die einheitliche Abschätzung über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Eine einfließende Größe ist zum Beispiel das Gewicht der brennbaren Biomasse, welche abhängt von der Feuchte der Schicht aus Blatt- und Nadelresten am Waldboden, der Bodenfeuchte in Abhängigkeit von der Wald- und Bodenart und dem Blattflächenindex als Maß dafür wie dicht die Vegetation mit Blättern bedeckt ist. Über diese Größen wird eine Bilanz für die dreidimensionale Verteilung von Wasser und Ein- und Ausstrahlung errechnet, quasi ein Mikroklima des Waldes. Des Weiteren wird die Laufgeschwindigkeit einer potenziellen Feuerfront mit einbezogen, wobei die Windgeschwindigkeit maßgeblich mit einfließt. Letzten Endes wird der WBI anhand von stündlichen Messwerten von Temperatur, relativer Feuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate sowie der lang- und kurzwelligen Strahlung berechnet. Die Karten und Tabellen auf dem DWD Portal werden dann als maximale Gefahrenstufe für den jeweiligen Tag herausgegeben, welche generell aufgrund des Tagesgangs von Temperatur und relativer Feuchte am Nachmittag zu erwarten ist.

Der Waldbrandgefahrenindex ausgehend vom Sonntag (28.06.2026) und für die darauf folgenden vier Tage.

Der Blick auf die Verteilung des Waldbrandgefahrenindex als Vorhersage ausgehend vom gestrigen Sonntag zeigt eindrücklich, dass mit dem heutigen Montag das Ende der Hitzewelle eingeläutet wurde und dass wechselhafteres Wetter bevorsteht. Die am heutigen Montag erwarteten Maximaltemperaturen liegen verbreitet zwischen 25 und 28 Grad, an der Küste darunter, nur im äußersten Südosten wird bei Temperaturen über 30 Grad weiterhin vor starker Wärmebelastung gewarnt. Da trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen weiterhin sehr viel Wasser in der Luft enthalten ist, liegt die relative Feuchte recht hoch, was für das schwülwarme Wetterempfinden verantwortlich ist – insbesondere in Gewitternähe. Stichwort Gewitter: Ein weiterer Faktor für das verbreitete Herunterstufen des Waldbrandgefahrenindex – vor allem im Süden und Osten von der höchsten auf die niedrigste Warnstufe – sind die bereits gefallenen und noch erwarteten Niederschläge in den kommenden Tagen. In der vergangenen Nacht und am heutigen Montag sind in einem breiten Streifen quer über Deutschland verbreitet zwischen 5 und 20 l/m² zusammengekommen, teils auch deutlich darüber – entsprechend der andauernden Schwergewitterlage. Außen vor sind dabei bisher noch der Nordwesten sowie der äußerste Osten und Südosten, was sich auch im Waldbrandgefahrenindex abbildet. Am Dienstag und Mittwoch werden im Westen die höchsten Temperaturen erwartet – vom Oberrhein bis nach Rheinland-Pfalz und Südhessen teils über 30 Grad. Außerdem steht im Westen kaum Niederschlag an. Im Süden und Osten hingegen werden ab Dienstagabend erneut schwere Gewitter erwartet, die sich im Verlauf der Nacht voraussichtlich zu größeren Gewitter-Clustern zusammenschließen und potenziell mit extrem heftigem Starkregen über 40 l/m² in kurzer Zeit aufwarten. Auch der Mittwoch gestaltet sich insbesondere in der Südhälfte der Republik äußerst wechselhaft mit verbreitet auftretenden Gewittern sowie Dauerregen vor allem im Alpenvorland. Und am Donnerstag geht es wechselhaft weiter, wenn die Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee Deutschland überquert. Soweit dieser Rück- und Ausblick auf den Zusammenhang zwischen Wetter und Waldbrandrisiko.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

28. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die in einigen Regionen nun schon seit dem 18.06.2026 anhaltende Hitzewelle kann ohne Umschweife als historisch eingestuft werden. Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben. Heute nun ist der letzte Tag dieses Extremereignisses. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Großwetterlage

Hitzewellen gibt es immer wieder und es lässt sich dabei häufig die gleiche Konstellation in der Atmosphäre ausmachen. Verantwortlich ist in den meisten Fällen eine sogenannte Omegalage mit einem in allen Luftschichten sehr kräftigem Hochdruckgebiet über den betroffenen Regionen, flankiert von tiefem Luftdruck westlich und östlich davon. Eine solche Großwetterlage ist dafür bekannt recht stabil und lang anhaltend zu sein. Auch das ist typisch für Hitzewellen, die sich allmählich aufbauen.

Der Grund dafür ist, dass die Luft in Hochdruckgebieten absinkt und sich dabei erwärmt. Hält dieser Prozess längere Zeit an, kann sich eine sehr intensive Hitzewelle aufbauen. Schon im Vormonat gab es eine ähnliche Konstellation bei der ebenso historischen Mai-Hitzewelle.

Die Grafik zeigt die Druckverteilung in 500 hPa (~5700 m) Höhe vom 27.06.2026. Man erkennt eine klassische Omegalage.

Spitzenwerte

Die Hitzewelle in Deutschland erreicht seinen Höhepunkt an diesem Wochenende, und die Temperatur zeigt Spitzenwerte ungekannten Ausmaßes. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert gemessen. Dort war es also seit Aufzeichnungsbeginn noch nie so warm. Dabei sind auch Wetterstationen mit sehr langen Messreihen (z.B.: Jena Sternwarte mit 39.2 Grad, Aufzeichnungsbeginn 1824). An insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke von 40 Grad erreicht oder übertroffen. Selbst auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, wurde die 30 Grad Marke knapp geknackt und damit erstmals ein Hitzetag (>30 Grad) seit Aufzeichnungsbeginn gemessen.

Der höchste Messwert wurde in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am gestrigen Samstag mit 41.5 °C gemessen. Gefolgt von Seehausen (Sachsen-Anhalt), Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und Saarbrücken-Burbach (Saarland) mit jeweils 41.4 °C. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Wert heute nochmal übertroffen wird.

Auch bei den Minimumtemperaturen gab es in der vergangenen Nacht neue Höchstwerte. Die bisher wärmste Nacht wurde vom 12. auf den 13. August 2003 auf dem Weinbiet in der Pfalz mit 27.2 Grad gemessen. Dieser Wert wurde nun in Kubschütz im Kreis Bautzen (Ostsachsen) deutlich übertroffen dort ging die Temperatur zwischen 20 Uhr am Vorabend und 8 Uhr am heutigen Morgen, nicht unter 29.4 Grad zurück.

Es ist zu beachten, dass die Messwerte vorläufig sind und sich diese nach einer vom DWD durchgeführten zeitnahen Qualitätsprüfung nochmals ändern können.

Die Tabelle zeigt alle Stationen mit einem Maximum von mehr als 35 Grad (Sehr heiße Tage) und einem Minimum von über 25 Grad für diese Hitzewelle. Alle Werte sind vorläufig. Angaben in Grad Celcius.

Zeitraum und Andauer

Die heißeste Zeit des Jahres sind üblicherweise die „Hundstage“ Ende Juli bzw. Anfang August. Daher überrascht es auch nicht, dass viele der bisherigen Höchstwerte aus diesen beiden Monaten stammen.

Der Juni, der in der ersten Monatshälfte sogar leicht unterdurchschnittlich verlaufen ist, hat nie zuvor eine solche Hitzewelle hervorgebracht.

In einigen Regionen dauert die Hitzewelle seit dem 18.06.2026 und damit seit insgesamt elf Tagen, an. Es gibt viele Kennzahlen, die dies eindrücklich zeigen. So wurden bei der Anzahl an Sehr Heißen Tagen (Maximum über 35 Grad) neue Spitzenwerte aufgestellt. Bisher lag Sondershausen im Jahr 1947 ganz vorne, mit insgesamt sieben Tagen. Nun gibt es in Kitzingen (Bayern) oder auch in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) eine neue höchste Anzahl von elf.

Außerdem wurde zuvor noch nie in einem Juni ein Höchstwert von mehr als 40 Grad gemessen (alter Spitzenwert in Bernburg an der Saale am 30.06.2019 mit 39.6 Grad)

Auch bei den Nachttemperaturen wurde eine neue Höchstzahl an Tropennächten (Minimum >20 Grad) für einen Junimonat registriert. Nimmt man die Prognose für die Nacht auf Montag mit hinzu, könnte es beispielsweise in Mainz-Lerchenberg am ZDF-Studio insgesamt 11 Tropennächte geben. Der bisherige Höchstwert wurde in Freiburg im Jahr 2003 mit acht gemessen.

Die Tabellen zeigen den Verlauf der Hitzewellen 2003 und 2019, im Vergleich zu 2026 für ausgewählte Stationen. Angaben in Grad Celcius.

Zu sehen ist die Anzahl von Tropennächten (Minimum >20 Grad) und Sehr Heißen Tagen (Maximum >35 Grad) in Deutschland im Juni 2026. Visualisierung mtwetter.de

Großräumigkeit

Nicht nur in Deutschland werden neue Höchst- und höchste Tiefsttemperaturen erreicht. In vielen Ländern in Europa werden neue Spitzenwerte vermeldet. Einen nicht vollständigen Überblick gibt die folgende Tabelle. Da sich die Hitzewelle weiter ostwärts verlagert, sind heute und zu Beginn der Woche auch in anderen Ländern neue Höchstwerte zu erwarten.
Nie zuvor hat es in Europa eine vergleichbare Extremlage gegeben. (World Weather Attribution)

In der Tabelle stehen für ausgewählte Länder vorläufige neue Allzeitrekordwerte der Maximumtemperatur. Angaben in Grad Celcius.

Der menschengemachte Klimawandel als Ursache

Die oben zitierte Studie „World Weather Attribution“ Team zeigt auch, dass Temperaturen, wie sie in diesen Tagen gemessen werden, ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu ausgeschlossen sind.
Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr, wäre demnach im Jahr 1976 um 3.5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2 Grad kälter gewesen.
Wichtig ist zu verstehen, dass Europa sich doppelt so stark erwärmt, wie die globale Mitteltemperatur, die immer als Maß des globalen Klimawandels herangezogen wird. Zudem sind Extremwerte um ein Vielfaches höher, als die Mittelwerte. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1.5 K, bedeutet für Europa eine Erwärmung von etwa 3 K, die neuen Extremwerte können dabei nochmal deutlich größere Anomalien aufweisen.
Anlässlich des 50ten Jahrestages der historischen Hitzewelle von 1976 hat das Mettoffice eine Studie gemacht, wie die Spitzenwerte von damals heute und in Zukunft aussehen würden. Die 34 Grad von damals entsprächen bis 39 Grad im heutigen Klima und würden bis 45 Grad im Jahr 2056 bedeuten.

Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser historischen Hitzewelle sind vielfältig. Neben der Vielzahl an medizinischen Notfällen und Todesopfern, gibt es auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag eines jeden Menschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Leipzig wurde der komplette Straßenbahnverkehr eingestellt, weil die Fugenmasse zwischen Asphalt und Schiene sich verflüssigt hat (Leipziger Internetzeitung zu Straßenbahnschäden in Leipzig). Asphaltschäden gibt es auch auf vielen Autobahnen in Deutschland.
Ein anderes Beispiel ist die Stadt Offenbach, wo aufgrund des großen Wasserverbrauchs die Förderkapazitäten überschritten werden könnten und damit ein Engpass droht (Stadt Offenbach zu Wasserknappheit).

Die Extremhitze hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Wenn man mal vom vertrocknenden heimischen Garten absieht, so gibt es beispielsweise in vielen großen Flüssen Temperaturwerte um 30 Grad, die das Leben vieler Fische gefährdet.
In den Meeren rund um Europa gibt es große Anomalien der Wassertemperatur. Im Mittelmeer liegen diese zum Teil bei 7K über den vieljährigen Mittelwerten, was große Auswirkungen auf das Leben in den Meeren hat. Die NOAA beobachtet die Meere weltweit und hat die zweithöchste Stufe bei der „Marine Heat Watch“ für Teile des Mittelmeeres ausgerufen (Marine Heatwave Watch der NOAA).

Aussichten

Nach diesen schweißtreibenden Zahlen bleibt festzuhalten, dass es sich lohnt um jedes Zehntel der Erderwärmung zu kämpfen. Für die kommenden Tage deutet sich ein Ende der derzeitigen Hitzewelle an. In vielen Regionen Deutschlands liegen die Höchstwerte dann unter 30 Grad und auch nachts kann man endlich mal wieder durchlüften.

Bleibt zu hoffen, dass die sicher noch folgenden Hitzephasen im Juli und August nicht ganz so intensiv ausfallen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Eine-Hitzewelle-fuer-die-Geschichtsbuecher-–-Eine-erste-vorlaeufige-Bilanz-1.png 864 1302 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-28 13:08:502026-07-04 14:21:50Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

Heiß, heißer, HARTMUT!

25. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit nunmehr rund einer Woche ächzen weite Teile des Landes unter der anhaltenden Hitzewelle mit täglichen Höchstwerten über 30 Grad. Zunächst war es Hoch GORGIAS, der dann von Hoch HARTMUT nahtlos abgelöst wurde. Unter HARTMUT konnte sich dank günstiger Konfiguration des Strömungsmusters die Hitze noch verstärken, sodass wir ab morgen den eigentlichen Höhepunkt erwarten dürfen. Während der Rahmen grundsätzlich steht, sind Details noch immer unsicher.

Dazu zählt auch die alles entscheidende Frage, ober der Allzeitrekord der Temperatur in Deutschland aus dem Jahre 2019 (41,2°C in Tönisvorst und Duisburg) gebrochen werden kann. Anhand der vorliegenden Modelle ist davon – so viel vorweg – begründet auszugehen.

Hoch HARTMUT führt seit Tagen warme bis heiße Luftmassen nach Deutschland, wobei sich diese Strömung in den kommenden Tagen noch etwas verstärkt und die Luftmasse immer weiter aufgeheizt wird.

Am heutigen Donnerstag sind es noch rund 35 bis lokal im Südwesten 39 Grad, womit zumindest der Juni-Rekord (39,6 Grad) für Deutschland schon mal ins Visier genommen. Spätestens am morgigen Freitag wird es dann soweit sein: Vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt werden rund 40 Grad berechnet, eine einzelne 41 ist durchaus im Rahmen des Möglichen.

Bereits am morgigen Freitag sind 40 Grad (und mehr) vom Oberrhein bis nach Frankfurt realistisch und werden von allen Modellen so gesehen.

Am Samstag steht für viele ein erster Höhepunkt an, wenn sich die Hitzeglocke von HARTMUT genau über uns legt. Zwar sind nachmittags ein paar Quellwolken, im Westen vielleicht auch Hitzegewitter, zu erwarten, dennoch wird es regional für 40-41 Grad reichen, sodass der deutsche Allzeitrekord in Reichweite kommt.

Am Samstag sind nach aktuellem Stand im Südwesten regional 40 bis 41 Grad zu erwarten, auch das stützen alle dargestellten Modelle.

Am Sonntag wird es möglicherweise noch spannender aus klimatologischer Sicht, denn zumindest nach dem Willen der deutschen Modellkette (ICON) verstärkt sich die Hitze im Osten des Landes weiter, sodass im Ergebnis auf der Karte des Modells 42, lokal gerundet sogar 43 (!) Grad abgelesen werden können. Der Mix aus statistischen Berechnungen verschiedener Modelle (MOSMIX) belässt es dagegen bei 41 Grad. Es sieht aber auch ein schnelleres Vorankommen von Schauern, Gewittern und „kühlerer“ Luft aus dem Westen, während ICON die Gewitter erst später nach Osten driften lässt. Dies würde eine maximale Einstrahlung bei einer eh schon enorm warmen bis heißen Luftmasse zulassen.

Am Sonntag gehen die Modelle ein Stück weit auseinander: Während in den Prognosen der deutschen Modellkette sogar 43 (!) Grad zu finden sind, wäre nach dem Willen von MOSMIX und dem MOS des ECMWF bei 41 Grad Schluss. Hier muss noch abgewartet werden, was genau passiert.

Ob der deutsche Allzeitrekord der Temperatur am Wochenende fällt, ist noch nicht sicher und hängt auch von möglichen Abschirmungen, etwa durch etwas Saharastaub oder Deckbewölkung von Schauern/Gewittern ab. Näher dran als zurzeit war man aber an einem neuen Rekord selten.
Noch ein letzter Absatz zu den möglichen Gewittern: Diese Luftmasse ist nicht nur enorm heiß, sondern sie lässt auch beim Blick auf die Energiewerte kaum Spielraum nach Oben, sprich es ist nahe am Anschlag. Das bedeutet vor allem ab Samstag im Westen/Nordwesten, ab Sonntag dann über der Mitte und später auch in den restlichen Landesteilen ein großes Unwetterpotential, wobei jede Gewitterzelle rasch eskalieren könnte. Die Details sind hier aber noch nicht geklärt und so müssen wir bis morgen oder Samstag abwarten.
Behalten Sie bitte einen kühlen Kopf und kommen Sie gut durch diese anstrengenden Tage!

M.Sc.Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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