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Schlagwortarchiv für: Polarluft

Kühles „Aprilwetter“ an den Eisheiligen

14. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief „Doreen“ liegt aktuell über dem Süden Norwegens. Mit einer meist nördlichen Strömung fließt dabei kühle Luft aus polaren Breiten zu uns, die auf ihrem Weg über das Meer Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wird diese Luftmasse nun über Land von der Sonne im Tagesverlauf erwärmt, entsteht ein Temperaturgefälle zwischen der Luft am Boden und der deutlich kälteren Luft in höheren Atmosphärenschichten über Deutschland. Dabei spricht man unter Meteorologen von einer Labilisierung der Atmosphäre. Diese hat zur Folge, dass sich insbesondere tagsüber zahlreiche Schauer und Graupelgewitter ausbilden können. Zwischen den Schauern und Gewittern kommt aber immer wieder auch die Sonne zum Vorschein. Mit der einen oder anderen starken bis stürmischen Böe muss in Schauer- und Gewitternähe ebenfalls gerechnet werden.

Bodendruckverteilung in Europa: Tief „DOREEN“ liegt über dem Süden Skandinaviens. An seiner Westflanke wird kühle Polarluft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

Da die Luft auch in höheren Luftschichten vergleichsweise kühl ausfällt, sinkt die Schneefallgrenze auf 1000 bis 1500 m ab, sodass die höchsten Mittelgebirgsgipfel, aber vor allem die Alpen etwas Neuschnee sehen. Insbesondere in höher gelegenen Staulagen des Allgäus und des Berchtesgadener Landes können bis Sonntag auch über 40 Zentimeter Schnee niedergehen. Für Outdoor-Fans ist in diesen Regionen also passende Kleidung mitunter lebensnotwendig.

Webcamfoto von der Wetterwarte Zugspitze vom 14. Mai 2026 um 06:20 Uhr. (Quelle: www.foto-webcam.eu)

Minimumtemperatur in 5 cm über dem Boden für die Nacht zum Freitag, den 15. Mai 2026. (Quelle: DWD)

Wenn die Schauer und Gewitter nachts dann etwas nachlassen (meist aber nicht ganz abklingen), kann die Bewölkung etwas auflockern. Dadurch kühlt die bodennahe Luft rasch aus, sodass gebietsweise leichter Frost in Bodennähe auftritt. Insbesondere in höher gelegenen Tallagen der Mittelgebirge sowie der Alpen ist auch leichter Luftfrost möglich. Für einige Pflanzen kann dies problematisch sein, da empfindliche Triebe und Blüten durch Frost geschädigt werden können.

Pünktlich zu den Gedenktagen der Eisheiligen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai) stellt sich also bei uns durch den derzeitigen Kaltlufteinbruch eine kühle Witterung ein.

Das „Aprilwetter“ betrifft am heutigen Vatertag, dem 14. Mai 2026 (Christi Himmelfahrt) in der Tat nahezu ganz Deutschland. Packen Sie also besser mal eine Regenjacke in den Bollerwagen. Am morgigen Freitag ist zumindest der östliche Teil der Norddeutschen Tiefebene meist trocken. Dort zeigt sich dann sogar längere Zeit wieder die Sonne.

Animation des Wetterradars in Deutschland von Donnerstag, dem 14. Mai zwischen 4 und 12 Uhr. (Quelle: DWD)

Am Wochenende kann sich die eingeflossene kühle Polarluft etwas erwärmen. Gleichzeitig lässt die Schauertätigkeit im Laufe des Wochenendes etwas nach und die Sonne zeigt sich wieder häufiger. Nur an den Alpen fällt bei dichter Bewölkung längere Zeit Regen, der ab etwa 1500 m in Schnee übergeht.

Zum Start in die neue Woche schwächt sich „Doreen“ ab und ein Atlantiktief übernimmt die Wetterregie. Dadurch gelangt Deutschland in eine südwestliche Strömung, mit der zunehmend mildere Luftmassen zu uns gelangen. Entsprechend steigen die Höchstwerte im Laufe der nächsten Woche allmählich wieder an. Auch die Sonnenanteile nehmen etwas zu, wenngleich sich verbreitet sonniges Hochdruckwetter zunächst nicht abzeichnet. Am Montag sorgt ein Tiefausläufer in der Westhälfte für Schauer und Gewitter. Und auch in den Folgetagen bleibt es leicht wechselhaft – nur eben auf höherem Temperaturniveau.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Kuehles-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-14 09:55:362026-05-15 10:05:00Kühles „Aprilwetter“ an den Eisheiligen

Eisige Nächte am Wochenende 

20. November 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Derzeit zieht Tief „Talat“ von Rügen in die Ostsee. Die zugehörige Luftmassengrenze überquert uns von West nach Ost und sorgt gebietsweise für frühwinterliche Wetterbedingungen in Form von Schneeregen oder Schneefall. Auf der Westflanke des Tiefs wird aber bereits mäßig-kalte Meeresluft aus polaren Regionen nach Süden geführt. Diese Polarluft hält in den kommenden Tagen auch in Deutschland Einzug.
 

Auswahl von Nutzerbildern aus der DWD-WarnWetter-App vom 19. und 20. November 2025. 

In der Folge sinken die Temperaturen allmählich ab. So werden verbreitet niedrige einstellige Höchstwerte erwartet. Bei Schneefall oder im dichten Nebel muss ebenso wie im Bergland mit leichtem Dauerfrost gerechnet werden. Da der Himmel in den kommenden Nächten unter Hochdruckeinfluss teilweise klar bleibt, sinken die Tiefstwerte gebietsweise in den mäßigen Frostbereich (-5 bis -10 °C). Über Schnee werden in der Nacht zum Samstag und Sonntag in einigen Tallagen Süddeutschlands sogar Minima im strengen Frostbereich erwartet (unter -10 °C). 

Bodendruckverteilung und Satellitenbild im Europaausschnitt von Donnerstag, den 20 November 2025. Blauer Pfeil markiert den Zustrom mäßig-kalter Polarluft. 

Wie sind diese Tiefstwerte im November einzuordnen?
Vergleicht man die aktuellen Vorhersagen mit dem Klimamittel zwischen 1991 und 2020, so fällt der aktuelle Witterungsabschnitt zu kalt aus. In Abbildung 3 ist die Abweichung der Tagesmitteltemperatur vom Klimamittel 1991 – 2020 (blaue 0 Kelvin-Linie) im Flächenmittel von Deutschland für den Monat November dargestellt. Die grüne Linie zeigt dabei die bisher beobachteten Tagesmitteltemperaturen. Die Linien mit den Farben violett, rot und türkis zeigen verschiedene Vorhersagen bis zum Monatsende. Daraus geht hervor, dass die Abweichung zur Tagesmitteltemperatur am Wochenende fast 6 Kelvin nach unten betragen und somit deutlich zu kalt ausfallen wird.
 

 

Abweichung der Tagesmitteltemperatur vom Klimamittel 1991 bis 2020 im Flächenmittel in Deutschland von November 2025 samt Vorhersagen bis Monatsende. 

Sind diese Temperaturen rekordverdächtig?
Von neuen Kälterekorden sind wir aber noch ein ganzes Stück entfernt. So gibt es einige Stationen, die in der Vergangenheit in der letzten Novemberdekade Tiefstwerte knapp unter -20 °C registrierten. Beispielsweise maß die Station in Oberstdorf am 22. November 1998 einen Tiefstwert von -22,4 °C. Damals verzeichnete die Wetterstation allerdings eine Schneedecke von 33 Zentimetern. Aber auch Ende November 2010 wurden an der Station -20,1 °C bei 23 Zentimetern Schnee gemessen. Rekordverdächtig sind die aktuellen Vorhersagen also nicht.

Sie geben aber einen kleinen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Winter. Immerhin können die Tiefstwerte in Deutschland im Laufe des Winters noch etwas niedriger ausfallen. So registrierte die Station in Wolnzach-Hüll (Bayern) am 12. Februar 1929 eine Temperatur von -37,8 °C und hält damit den bis heute ungeschlagenen Rekord der niedrigsten, jemals offiziell im DWD-Messnetz gemessenen Temperatur in Deutschland. Auf der Zugspitze sank die Temperatur dagegen im Februar 1940 „nur“ auf -35,6 °C als minimalster Wert der dort installierten Wetterstation ab. Grundsätzlich haben Temperaturen unter -25 °C in Deutschland im 21. Jahrhundert aber Seltenheitswert. Eine Temperatur unter -30 °C wurde nach 2000 lediglich auf der Zugspitze nochmals am 26. Februar 2018 gemessen.

Schaut man auf die Kälterekorde weltweit, so zeigt sich deutlich, dass wir in einer gemäßigten Klimazone leben. Denn es geht noch deutlich kälter. Die kältesten Orte auf der Nordhalbkugel liegen in Ostsibirien. Sowohl in Oimjakon (Februar 1933) als auch in Werchojansk (Februar 1892) wurden jeweils -67,8 °C registriert. Diese sind zudem die kältesten bewohnten Orte der Erde. Nicht mehr bewohnt, aber dennoch eisig kalt wird es in Prospect Creek in Alaska (USA). Dort wurden im Januar 1971 -62,2 °C gemessen. Auch im kanadischen Snag wurden im Jahr 1947 -63 °C registriert. Während einer zehnjährigen Messkampagne wurde am Mount Denali, dem höchsten Berg Nordamerikas, ein Kälterekord von -73,8 °C ermittelt.

Die weltweit niedrigste Messung wurde aber – wie könnte es anders sein – im „Eisschrank“ der Erde vorgenommen, der Antarktis. Am 21. Juli 1983 zeigte das Thermometer auf 2 Meter Höhe über dem Eis der russischen Forschungsstation Wostok (Antarktis) -89,2 °C an. Allerdings wurde dieser Kälterekord mithilfe moderner Messmethoden in Form neuester Satellitentechnologie noch unterboten. Im Juni 2018 veröffentlichten Forscher des „National Snow and Ice Data Center“ der Universität von Colorado in Boulder (USA) einen Artikel über den kältesten Ort der Erde im „Geophysical Research Letters“, einem renommierten Wissenschaftsjournal. Dieser befindet sich auf einem Hochplateau im Osten der Antarktis in einer Höhe zwischen 3850 und 4050 Metern. Dort verzeichneten die Forscherinnen und Forscher bei Messungen in den Wintern von 2004 bis 2016 rund 100 Stellen mit der unvorstellbaren Temperatur von etwa -98 °C, ein neuer weltweiter Rekord. Dabei handelt es sich um schmale Täler oder Senken, in denen sich die vergleichsweise schwere Kaltluft ansammelt.

Da Satelliten nur die Bodentemperatur messen, ergibt sich im Vergleich mit Stationen wie Wostok eine geschätzte Lufttemperatur in zwei Metern Höhe von etwa -94 °C, was immer noch rekordverdächtig ist. Die Rekordtemperatur ist von aktuellen deutschen Verhältnissen also ähnlich weit entfernt wie gefrorenes Wasser vom Kochen.

Dass die gemessene Temperatur von -98 °C noch tiefer abfällt, ist laut der Forscher jedoch sehr unwahrscheinlich. Um diese überhaupt erreichen zu können, müssen ideale Bedingungen wie ein klarer Himmel und eine extrem trockene Luft über mehrere Tage anhalten. Tiefere Temperaturen könnten also nur auftreten, wenn diese Bedingungen über Wochen vorherrschen.

Auch wenn es in Deutschland und weltweit deutlich kälter werden kann, sollten die eisigen Temperaturen der kommenden Nächte nicht unterschätzt werden. Wir kommen aus dem Sommerhalbjahr und sind bisher noch nicht vollständige an die Kälte angepasst. Ziehen Sie sich also besser warm an. Für alle „Spätentschlossene“ empfiehlt sich darüber hinaus spätestens jetzt über einen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen nachzudenken. 

MSc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/11/Eisige-Naechte-am-Wochenende-.png 645 1260 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-11-20 20:19:282025-11-21 20:28:16Eisige Nächte am Wochenende 

Wenn es so kräftig regnet, dass es schneit: Die Niederschlagsabkühlung!

19. November 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Tief TALAT, das am heutigen Mittwoch von den Niederlanden zur Ostsee zieht, sorgt aktuell für nasskaltes beziehungsweise frühwinterliches Wetter in einigen Teilen unseres Landes. Während es in der vorherrschenden Polarluft über der Mitte oberhalb von etwa 200 bis 400 m schneit, fällt der Niederschlag im Norden überall noch als Regen. Überall? Nein! Im Norden von Schleswig-Holstein ist der Regen im Laufe des heutigen Vormittags in Schnee übergegangen. Dabei ist die vorherrschende Luftmasse dort kaum kälter als ansonsten im Norden. Was ist da denn bitte los? 

Schauen wir uns doch mal den vertikalen Temperaturverlauf im Norden von Schleswig-Holstein von heute früh 5 Uhr an. Das entspricht ungefähr dem Zeitpunkt, an dem es angefangen hat, zu regnen. Genauer genommen handelt es sich dabei um einen Modellaufstieg (von einem Wettermodell berechneter Radiosondenaufstieg). Ganz kurz zur Erklärung: Das Diagramm zeigt den vertikalen Verlauf der Temperatur (durchgezogene schwarze Linie) und des Taupunkts (strichlierte schwarze Linie; Maß für die Luftfeuchtigkeit). Auf der unteren, horizontalen Diagrammachse ist die Temperatur in Grad Celsius aufgeführt und auf der linken, vertikalen Achse der Luftdruck in hPa (mit der Höhe abnehmend). Die Temperatur bleibt entlang der roten, von unten nach rechts oben verlaufenden Linien konstant. Mehr dazu finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020 . 

Modellaufstieg im Norden Schleswig-Holsteins für den 19.11.2025, 5 Uhr (MEZ). (Quelle:DWD) 

Man sieht, dass die Temperatur in Bodennähe bei knapp 5 Grad liegt, mit der Höhe kontinuierlich abnimmt und im Druckniveau von etwa 925 hPa (entspricht in diesem Fall ungefähr 650 m Höhe) die Null-Grad-Marke erreicht. Außerdem fällt auf, dass Taupunkt- und Temperaturkurve recht nah beieinander liegen, die Luft ist also relativ feucht. Trockene Schichten, in denen der Niederschlag komplett verdunsten und somit nicht am Boden ankommen würde, sind also nicht vorhanden. Da der Schnee nicht direkt mit Überschreiten der Null-Grad-Marke schmilzt, sondern noch etwas weiter in den positiven Bereich fällt, liegt die Schneefallgrenze in diesem Fall bei grob 400 m. Schnee am Boden ist also kein Thema. 

Radarbild und Temperatur in 2 m Höhe am 19.11.2025, 5 Uhr. (Quelle:DWD) 

Wenige Stunden später, um 10 Uhr, sieht die Lage deutlich anders aus. Vor allem unterhalb von etwa 925 hPa hat sich die Luft deutlich abgekühlt. Ihre Temperaturkurve verläuft zwischen 950 hPa (etwa 500 m Höhe) und dem Boden entlang der 0-Grad-Isotherme. Die Schichtung dort ist also isotherm, das heißt die Temperatur ändert sich nicht mit der Höhe, sondern bleibt nahezu konstant. Der fallende Schnee hat nun keine Möglichkeit mehr, zu schmelzen und kommt in der Folge am Boden an – es schneit! 

Modellaufstieg im Norden Schleswig-Holsteins für den 19.11.2025, 10 Uhr (MEZ). 

Sankt Peter-Ording meldete um 10 Uhr als erste Station im dortigen Niederschlagsgebiet 0 Grad. Um 11 Uhr folgten auch im Binnenland einige Stationen diesem Beispiel.

 

Radarbild und Temperatur in 2 m Höhe am 19.11.2025, 11 Uhr. (Quelle:DWD) 

Durch die für diese Luftmasse durchaus ordentlichen Niederschlagsraten von bis zu 4 mm pro Stunde konnte einerseits kalte Luft aus etwas höheren Luftschichten zum Boden heruntergemischt werden. Andererseits wurde der Luft durch Verdunstungsprozesse zusätzlich etwas Energie entzogen. Das mündete letztlich im angesprochenen Rückgang der Temperatur und dem Arbeitsauftrag für Frau Holle. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/11/Wenn-es-so-kraeftig-regnet-dass-es-schneit-Die-Niederschlagsabkuehlung-.jpg 720 902 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-11-19 20:09:342025-11-21 20:19:09Wenn es so kräftig regnet, dass es schneit: Die Niederschlagsabkühlung!

Wintereinbruch – oder doch nur spätherbstliches „Geflöckel“?

18. November 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In einem herrscht Einigkeit: Polare Luftmassen werden in den kommenden Tagen bei uns das Wettergeschehen bestimmen. Es wird kälter, und mit sinkender Schneefallgrenze steigen unweigerlich die Chancen auf Schnee. Eine wesentliche Rolle im Wetterablauf der kommenden Tage nimmt dabei das kleinräumige Tief TALAT ein. Es ist aktuell (Dienstagmittag) auf den Wetterkarten noch über Schottland zu erkennen, soll aber in den kommenden 36 Stunden über die Nordsee und den Norden Deutschlands hinweg zur Ostsee ziehen. 

Zugbahn des kleinräumigen Tiefs TALAT sowie Frontenprognose (kleine Karte) für den heutigen Dienstag (12 UTC) 

In Abbildung 1 ist nicht nur die Zugbahn des Tiefs schematisch abgebildet, sondern oben rechts in der Ecke auch ein Ausschnitt der Frontenvorhersagekarte vom gestrigen Montag mit Zieltermin heutiger Dienstag um 12 UTC (13 MEZ). Tief TALAT bildet dabei den südwestlichen Schwerpunkt eines großräumigen Tiefdruckkomplexes, der sich über Skandinavien und weite Teile Nordwestrusslands erstreckt. Tief TALAT blockiert für die Polarluft (blaue Pfeile) aber andererseits auch den direkten Weg nach Mitteleuropa. Entsprechend zeigen die in der Frontenvorhersagekarte dargestellten Isobaren auch eine deutliche „Beule“ in Richtung Südwesten, um die die Polarluft herumgeführt wird. 

Wenn TALAT also in den nächsten Tagen seinen Platz räumt, freuen sich die Eisbären über die für ihre Spezies kommoden Temperaturen. In der zweiten Wochenhälfte liegen die Maxima am Tage nur noch in einer Spanne von 0 bis +5 °C, im Süden wird es wohl Ecken geben, an denen die Werte nicht über den Gefrierpunkt steigen. Und ab der Nacht zum Freitag gibt es dann überall leichten Frost bis -5 °C, im Süden gebietsweise auch mäßigen Frost unter -5°C. 

Bleibt für den Wintereinbruch aber noch die Frage nach dem Schnee – über den sich dann vielleicht die Schneehasen freuen. Bei der Beantwortung dieser Frage spielt TALAT auch eine wesentliche Rolle. Denn genau im Bereich der Zugbahn des Tiefs erwarten manche Modelle recht kräftige Niederschläge. Beispielhaft dafür ist in Abbildung 2 (unten) die Lösung unseres DWD-Modells ICON-EU für den 24-stündigen Schneeanteil bis Mittwochabend angegeben. Auffällig ist über Norddeutschland der Streifen vom nördlichen Emsland und Ostfriesland bis zur schleswig-holsteinischen Ostseeküste – ein Streifen, der recht gut zur Verlagerung von TALAT passt (Abbildung 1). Nimmt man das Modell beim Wort, sollen nördlich von Hamburg bis zu 14 l/m2 in fester Form fallen. 

Aber wieviel Schnee ergibt das dann? Da es sich voraussichtlich um Nassschnee handelt, dürfte ein grober Umrechnungsfaktor pro 2 l/m2 Wasseräquivalent etwa 1 cm Schnee ergeben. Damit sagt das Modell punktuell knapp über 5 cm Neuschnee vorher. Allerdings muss man sagen: ICON-EU prognostiziert eine recht weit südlich verlaufende Zugbahn mit Schneefall vor allem auf der kalten Seite des Tiefs. Und die Niederschläge fallen zumeist ausgangs der Nacht und am Vormittag des Mittwochs, was vom Tagesgang her recht günstig ist. 

Schneeanteil am 24-stündigen Niederschlag bis Mittwochabend 18 UTC; oben: Modell UK10 des britischen MetOffice, unten: DWD-Modell ICON-EU 

Andere Modelle bieten andere Lösungen. Recht plakativ ist das in Abbildung 2 beim Vergleich des unten dargestellten ICON-EU mit dem oben dargestellten britischen Modell UK10 zu erkennen. Laut dieser Modelllösung kann es im Küstenumfeld mal ein bisschen Schnee geben, ohne dass sich dabei bis Mittwochabend nennenswerte Schneehöhen ansammeln. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass der Bodenwärmestrom den Schnee schnell dahinrafft. Dies auch deshalb, weil sich das Tief bei UK10 langsamer verlagert und in der Folge vorderseitig die Warmluftadvektion länger anhält als bei ICON-EU, außerdem setzen die Niederschläge insgesamt später ein bzw. werden erst ab der Mittagszeit kräftiger ausfallen, dann wenn die Temperaturen ihr Maximum erreichen und der Schnee es auch grundsätzlich schwerer hat, eine Schneedecke zu bilden. 

Je mehr Modelle man sich anschaut, desto mehr Lösungen ergeben sich. Insgesamt würde von dieser Stelle die Prognose lauten: Die Norddeutsche Tiefebene bleibt abgesehen von unmittelbar im Einflussbereich des Tiefs gelegenen Bereichen schneefrei bzw. eine eventuelle dünne Schneedecke taut schnell wieder ab. 

Nach der komplexen Analyse der Situation im Norden fällt der Blick auf die nördlichen Mittelgebirge, die in Abbildung 2 ja ebenfalls zu erkennen sind. Dort sind die Unterschiede nicht ganz so gravierend. Bis in mittlere Lagen kann es bis Mittwochabend Schnee geben, laut ICON schaffen es ein paar Flocken auch bis „ganz runter“. Dabei sind aber auch dort die Mengen keinesfalls üppig, um 5 cm Neuschnee in den Hochlagen, auf exponierten Gipfeln um 10 cm, mehr wird es wohl nicht werden. Und auch hier arbeitet der Bodenwärmestrom gegen den Schnee, wenn auch in höheren Lagen nicht ganz so kräftig wie im Norden. 

Die Schneefälle über der Mitte sind dabei an die Kaltfront von Tief TALAT gekoppelt. Dass im Erzgebirge und im Fichtelgebirge kein Schnee verzeichnet wird liegt schlicht daran, dass zu diesem Zeitpunkt die Front noch nicht so weit nach Südosten vorangekommen ist. Erst in der Nacht zum Donnerstag beginnt es im Südosten zu schneien. Aber auch in den südlichen Mittelgebirgen sind die Schneemengen insgesamt überschaubar, und in den nördlichen Mittelgebirgen kommt wegen des dann zunehmenden Hochdruckeinflusses wohl nicht mehr viel Schnee nach – auch wenn der Zustrom polarer Luftmassen anhält. Nur an den Alpen, wo der Schneefall bis in den Freitag anhält, werden üppigere Schneemengen bis in den mittleren zweistelligen cm-Bereich erwartet – grob abgeschätzt könnten dort in Staulagen insgesamt bis zu 40 cm Neuschnee zusammenkommen. 

  

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/11/Wintereinbruch-–-oder-doch-nur-spaetherbstliches-„Gefloeckel-.png 607 1029 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-11-18 20:03:052025-11-21 20:09:17Wintereinbruch – oder doch nur spätherbstliches „Geflöckel“?

Polarluft versus Warmluft 

14. November 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zwei völlig konträre Luftmassen treffen derzeit in Deutschland aufeinander. Während in den Norden bereits polare Meeresluft einfließt, lagert im Süden subtropische Warmluft. Dort wo diese zwei Luftmassen aufeinandertreffen hat sich eine Luftmassengrenze etabliert, in deren Umgebung es zu länger anhaltenden Regenfällen kommt. Am Freitagmorgen erstreckte sich die Luftmassengrenze in etwa vom Emsland über die Lüneburger Heide bis in die Uckermark. 


Analysekarte für Europa mit Lage der Druckgebilde und Isobaren sowie Stationsdaten am Freitagmorgen, den 14.11.2025 um 06 UTC. Quelle: DWD 

Am heutigen Freitag stehen in der Warmluft im Süden und Südwesten des Landes nochmals außergewöhnlich milde Temperaturen auf der Agenda. Die Höchstwerte bewegen sich dort zwischen 18 und 22 Grad. Bereits gestern wurden ähnliche Maxima erreicht, sodass an einigen Stationen Dekaden-, teils auch Monatsrekorde gemessen wurden. Nachfolgend eine kleine Tabelle der Höchstwerte des gestrigen Tages (Donnerstag, 13.11.2025).
 

Station  Temperatur 
Emmendingen-Mundingen (BW)  22,3 °C. 
Baden-Baden-Geroldsau (BW)  22,1 °C. 
Freiburg (BW)  22,0 °C. 
Hechingen (BW)  21,5 °C. 
Elzach-Fisnacht (BW)  21,4 °C. 

Am Samstag gehen die Höchstwerte dann auch im Süden etwas zurück, liegen aber immer noch im sehr milden Bereich zwischen 10 und 15 Grad. 

Wir wollen uns nun aber der Luftmassengrenze am Samstagnachmittag widmen. In nachfolgendem Bild wurde eine Cross-Section, also ein Vertikalschnitt durch die untere Atmosphäre, durchgeführt. Die Route verläuft vom äußersten Süden über die Mitte bis in den Norden Deutschlands (Kaufbeuren-Meiningen-Peine-Hamburg-Flensburg). 

Cross-Section von Süd nach Nord am Samstagnachmittag, den 15.11.2025 um 15 UTC. Quelle: DWD 

Im oberen Bild ist die Bewölkung in verschiedenen Höhenniveaus (1), die Nullgradgrenze (2), die Schneefallgrenze (3) und die Topografie (4) abgebildet. Die ganzen Angaben beziehen sich immer auf den jeweiligen Streckenabschnitt (Distanz zum Startpunkt ist ganz unten im Bild in Kilometer angegeben). Ganz im Süden herrscht am Samstagnachmittag nur etwas hohe Bewölkung vor, anschließend gesellt sich weiter in Richtung Landesmitte auch mittelhohe Bewölkung dazu und im frontalen Bereich (Luftmassengrenze) erstreckt sich die Bewölkung nahezu über alle Höhenniveaus. Ganz im Norden gibt es dann kaum noch Bewölkung. Die Höhe der Nullgradgrenze verläuft im Bereich der Warmluft sehr konstant in etwa 2500 m Höhe und sinkt dann nördlich der Luftmassengrenze rapide auf etwa 800 m ab. Mit der Schneefallgrenze verhält es sich ähnlich auf etwas niedrigerem Niveau. Das ist daher der Fall, da Schnee auch bei leichten Plusgraden fällt, bevor er schmilzt. Da die Schneefallgrenze aber auch im Norden noch bei 400-600 m liegt und es dort keine entsprechend hohen Erhebungen gibt, ist am Samstag auch in der Polarluft nicht mit Schneefall am Boden zu rechnen. 

Im unteren Bild ist die Temperatur in verschiedenen Höhenniveaus sowohl als farbige Flächendarstellung, als auch als Zahlenwert abgebildet. In der Warmluft ergibt sich eine relativ homogene Verteilung und die Temperatur nimmt nach Norden hin langsam ab. Als interessant kristallisiert sich der rot eingekreiste Bereich heraus. Hier kann bodennah mit einem östlichen Wind bereits die kältere Luft (blauer Pfeil) einfließen, während im etwas höheren Niveau noch die Warmluft vorherrschend bleibt. Die Kaltluft schiebt sich also wie ein Keil unter die Warmluft und zwingt diese zur Hebung, wodurch Niederschläge ausgelöst werden. Wäre die einfließende Kaltluft bodennah noch etwas kälter und der Boden ausgekühlt, könnte sich hier eine gefährliche Lage mit gefrierendem Regen einstellen, was aber am Samstag nicht der Fall sein wird. 

Am Sonntag erstreckt sich die Luftmassengrenze in etwa vom Niederrhein bis zur Lausitz und am Montag wird dann das ganze Land mit polarer Kaltluft geflutet. 

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Sonntag, den 16.11.2025 um 12 UTC und am Montag, den 17.11.2025 um 12 UTC. Quelle: DWD 

Wer nun aber deutschlandweit einen Wintereinbruch samt Schneefall bis ins Tiefland erwartet, der wird enttäuscht. Allenfalls in den Alpen kann sich ab Montagnachmittag eine Schneedecke bilden und auch in den höheren Lagen der Mittelgebirge reicht es hier und da für eine dünne Neuschneedecke. 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/11/Polarluft-versus-Warmluft-.jpg 678 907 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-11-14 19:03:572025-11-14 19:07:18Polarluft versus Warmluft 

Heftige Gewitter drehen die Wetteruhr vom Frühsommer zurück zum Frühling!

3. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Da sich der hohe Luftdruck aus dem Staub gemacht hat und mit dem Hoch RICCARDA nun zwischen Island und den Britischen Inseln zu finden ist, konnten weite Teile Europas, von Skandinavien bis zur Iberischen Halbinsel, vom tiefen Luftdruck erobert werden. 

Prognostizierte Wetterlage für Samstag, 3. Mai mit Hoch RICCARDA südlich Island, Tief IMMO bei Dänemark und Tief HENRY über Nordfinnland. (Quelle: DWD) 

Dabei schieben die Tiefs über der Iberischen Halbinsel von Südwesten weiter warme Subtropikluft bis nach Deutschland, während in den Norden schon kühlere Nordseeluft einsickert. Resultierend kann sich eine sogenannte Luftmassengrenze über Deutschland ausbilden. An dieser sowie auf der warmen, südlichen Seite kommt die Troposphäre richtig in Wallung. Quellwolken können in die Höhe schießen und kräftige Gewitter auslösen. Über die Mitte hinweg stehen die Gewitter vor allem mit Starkregen in kurzer Zeit oder mehrstündig in Verbindung. Dabei sind Regenmengen bis 35 l/m² möglich. Vom Saarland und Rheinland-Pfalz über Südhessen, Südthüringen, den Norden Baden-Württembergs hinweg bis nach Nordostbayern und Sachsen sind bei kräftigen und/oder wiederholt auftretenden Gewittern auch mehrstündiger Starkregen bis 50 l/m² sowie Sturmböen bis 85 km/h und kleinkörniger Hagel auftreten. Vom Allgäu über dem Süden und Osten Bayerns hinweg können im Tagesverlauf in der warmen bis sehr warmen Luft auch einzelne, teils rotierende und langlebige Gewitterzellen entstehen, die mit Starkregen, Hagel und Sturmböen, vereinzelt sogar schweren Sturmböen einhergehen. 

Schematische Karte für die potentielle Gewittergefahr am Samstag, 3. Mai. Über der Mitte und dem Süden starke bis schwere Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. (Quelle: DWD) 

Die genannte Luftmassengrenze mit viel Getöse und ordentlichen Krachern bleibt aber nicht über der Mitte liegen, sondern bewegt sich bis Sonntag zu den Alpen. Denn zwischen dem Hoch RICCARDA und den Tiefs HENRY über Nordfinnland und Tief IMMO über Dänemark setzt eine stramme nördliche Grundströmung ein, die Polarluft anzapft und erwärmt über die Nordsee hinweg nach Deutschland schiebt. Die Vorderseite wird dabei von einer zu IMMO gehörenden Kaltfront markiert, die zwar thermisch signifikant ist, aber aus Wettersicht eher auf leisen Pfoten daherkommt. An bzw. in den Alpen kommt die nach Süden geschobene Luftmassengrenze zum Schleifen. Zudem sorgen die einsetzenden Nordwinde an den Alpen für eine gewisse Staukomponente. Als Folge kann es dort sowie im Vorland bis in die Nacht zum Dienstag teils länger anhaltend und schauerartig verstärkt regnen. 

Akkumulierte Niederschlagsmengen des ICON6-Modells bis Dienstag 8 Uhr. Vor allem an den Alpen in der Fläche 30 bis 50 l/qm möglich. (Quelle: DWD) 

Ansonsten kann sich nach Abzug der Luftmassengrenze das Hoch RICCARDA aufplustern und sich von den Britischen Inseln bis nach Deutschland ausdehnen. Da der Wind aber weiter von Norden weht und somit die Zufuhr von kühler Luft polaren Ursprungs anhält, bleibt das Temperaturniveau eher auf Frühlingsniveau. Die Nordseeluft verfügt zudem auch über ausreichend Feuchte, sodass im Küstenumfeld und vielleicht auch im Mittelgebirgsraum einzelne kurze Schauer möglich sind. 

Prognostizierte Wetterlage für Mittwoch, 7. Mai mit Hoch RICCARDA über der Nordsee und Tiefs über dem zentralen Mittelmeerraum. (Quelle: DWD) 

Mit Blick auf warnwürdige Wetterparameter ist neben den starken bis schweren Gewittern von Samstag bis Sonntagabend noch der stark böige Wind an der Nordsee sowie dem höheren Bergland zu nennen. Ab der Nacht zum Montag und vor allem in der Nacht auf Dienstag muss im Norden, Osten und Teilen der Mitte auch nochmals mit Bodenfrost, im Osten gebietsweise sogar mit Luftfrost gerechnet werden, sodass gefährdete Pflanzen geschützt werden sollten.
Im Trend über die Woche hinweg bis zum Wochenende sorgt Hoch RICCARDA verbreitet für freundliche, zunehmend auch sonniges und trockenes Wetter. Mit dem Sonnenschein steigen auch die Temperaturen langsam wieder auf Werte um 20 Grad an. Allenfalls im Süden ziehen häufiger noch dichtere Wolken durch, die zeit- und gebietsweise auch etwas Regen bringen können. 

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Heftige-Gewitter-drehen-die-Wetteruhr-vom-Fruehsommer-zurueck-zum-Fruehling-teil-2-.png 719 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-03 12:59:252025-05-08 13:13:36Heftige Gewitter drehen die Wetteruhr vom Frühsommer zurück zum Frühling!

Strenge Fröste in Deutschland, Rekordkälte in den USA

17. Februar 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Teilweise wurden heute Früh die tiefsten Temperaturen des bisherigen Winters 2024/2025 gemessen. Besonders eisig wurde es im Osten und Nordosten Deutschlands (siehe Abbildung 1). Gebietsweise sank die Temperatur in den strengen Frostbereich (unter -10 Grad). Am kältesten wurde es im DWD-Messnetz an der Station Brocken-Stiege auf 504 Meter Höhe im Harz mit -18,4 Grad. Aber nicht nur im Mittelgebirge wurde es sehr kalt, auch im Tiefland wurden zum Teil Werte unter -15 Grad erreicht: so zum Beispiel in Coschen und Manschnow im äußersten Osten Brandenburgs mit jeweils -15,9 Grad. Verantwortlich für die tiefen Werte waren die eingeflossene trockene Polarluft, eine Schneedecke und windschwache Verhältnisse. So konnte sich bodennah die Luft besonders gut abkühlen. In 5 cm Höhe über dem Erdboden wurde es an den genannten Orten zum Teil unter -20 Grad kalt. 

Abbildung 1: Minima der 2 Meter Temperatur in der Nacht zum Montag, den 17.02.2025. Quelle: DWD 

Deutlich milder blieb es im Südwesten Deutschlands. Dort war die Luftmasse nicht so kalt wie im Osten, zudem verhinderten Wolken einen Großteil der Ausstrahlung. Örtlich blieb es, wie zum Beispiel in Rheinfelden mit +0,6 Grad sogar frostfrei. In den kommenden beiden Nächten wird es dann aber überall frostig. Besonders kalt wird es erneut im Osten und Nordosten Deutschlands. Dort ist weiterhin die kälteste Luftmasse, zudem liegt gebietsweise eine Schneedecke, die die Auskühlung begünstigt. Die Tiefstwerte liegen in der kommenden Nacht auf ähnlichem Niveau wie in der vergangenen Nacht. In der Nordosthälfte tritt häufig strenger Frost unter -10 Grad und zum Teil auch Frost unter -15 Grad auf. Sonst ist es nicht ganz so kalt, aber selbst auf Helgoland sollte es wie in der vergangenen Nacht erneut für Frost reichen. Die Nacht zum Mittwoch wird dann geringfügig weniger kalt, bevor es ab der Wochenmitte von Westen her deutlich milder wird. Statt zweistelliger Minuswerte in der Nacht ist dann zumindest entlang des Rheins von zweistelligen Höchstwerten die Rede. 

Prognostizierte Minima der 2 Meter Temperatur in der Nacht zum Montag, den 17.02.2025 und Warnkarte des DWD: orange bedeutet Warnung vor strengem Frost. Quelle: DWD 

Für die Jahreszeit sind die aktuellen Temperaturen nichts Außergewöhnliches. Solche Werte kommen im Februar alle paar Jahre vor. Zuletzt war dies im Februar 2021 und 2018 der Fall. Eine besonders intensive Kälteperiode im Februar gab es 2012. Dazu sei auf das Thema des Tages vom 07.02.2025 verwiesen.
 

In Sachen Kälte lohnt sich aktuell und in den kommenden Tagen ein Blick auf die andere Seite des Nordatlantiks. Der Süden Kanadas und große Teile der USA erwarten oder haben bereits außergewöhnlich tiefe Temperaturen. Zum Teil werden Temperaturen im Bereich der bisherigen Rekorde erwartet. Die Hauptkälte befindet sich im äußersten Norden der USA in den Bundesstaaten Montana und North Dakota, dort liegen die Höchstwerte heute an den beiden kommenden Tagen häufig unter -20 Grad, nachts kühlt es auf unter -35 Grad, örtlich auf Werte um -45 Grad ab. Bis Mittwoch/Donnerstag breitet sich die Kaltluft immer weiter nach Süden aus und erreicht schließlich die Golfküste von Texas und Louisiana. Auf ihrem Weg nach Süden verliert die Luftmasse zwar einen Teil ihrer arktischen Eigenschaften, sprich sie ist durch Erwärmung über Landmassen und durch die Einstrahlung der Sonne nicht mehr ganz so kalt, dennoch reicht es selbst an der Golfküste noch für Frost. So wird zum Beispiel in New Orleans für die Nacht zum Donnerstag leichter Frost erwartet. Zum Vergleich: New Orleans liegt auf etwa 30 Grad nördlicher Breite, das entspricht dem Süden Marokkos auf „unserer“ Seite des Atlantiks. Anders als in Europa verhindern in den USA keine Ost-West ausgerichteten Gebirge wie die Alpen den Fluss der Kaltluft nach Süden. Zudem erwärmt in Europa das Mittelmeer Luftmassen auf ihrem Weg nach Süden deutlich. 

Animation der 2m-Temperatur für die USA vom 17.02.25 bis 20.02.2025. Quelle: DWD 

Zu der Kälte kommen in den USA gebietsweise teils kräftige Schneefälle hinzu. Bis Mittwoch bekommen vor allem die zentralen Bereiche der USA eine Schneedecke. Gleichzeitig entwickelt sich im Grenzbereich der subtropischen Luft über dem Süden der USA ein Tief, das am Mittwoch und Donnerstag Teilen der Ostküste einiges an Schnee bringen könnte. 

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Strenge-Froeste-in-Deutschland-Rekordkaelte-in-den-USA-teil-1.png 1772 1557 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-17 16:03:052025-02-18 16:17:18Strenge Fröste in Deutschland, Rekordkälte in den USA

Was macht das Wetter am „Tag der Erde“ oder „Tag der Aprilschauer“?

22. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit 1970 steht der 22. April im Zeichen des Umweltschutzes. Mehr als 170 Länder begehen den „Tag der Erde“. International wird dieser Aktionstag nicht nur als „Earth Day„, sondern häufig auch als „International Mother Earth Day“ bezeichnet. Bolivien schlug den Vereinten Nationen im Jahr 2009 diesen Namen vor. Das hehre Ziel ist es, dass man das eigene Konsumverhalten oder den eigenen ökologischen Fußabdruck hinsichtlich Nachhaltigkeit überdenkt. Auch Künstler ließen sich von diesem Aktionstag inspirieren. Beispielsweise verarbeitete Michael Jackson seine Gedanken hierzu in seinem „Earth Song„. Das internationale Motto lautet in diesem Jahr „Planet versus Plastics„, also „Planet gegen Plastik“. Die Produktion von Kunststoffen sollte reduziert und das Recyceln von Plastik forciert werden. In Deutschland gibt es ein eigenes Motto, welches in diesem Jahr „Wasser macht Leben möglich“ lautet. Wasser sollte sinnvoll verwendet und nicht verschwendet werden.
In den USA steht der 22. April zudem im Zeichen des wechselhaften Wetters, denn dort wird heute der „April Showers Day“ („Tag der Aprilschauer“) begangen. Die Initiative geht auf den E-Card-Anbieter 123greetings.com zurück. Allerdings bleibt unklar, in welchem Jahr der Aktionstag ins Leben gerufen wurde und warum dieser genau auf den 22. April fällt. Namensgebend sind die plötzlich auftretenden und mitunter heftigen Regen-, manchmal auch Graupel- oder Schneeschauer. Diese sind klassisch für das wechselhafte Aprilwetter, denn wie ein bekanntes Sprichwort sagt: „Der April macht, was er will“. Doch warum ist das Aprilwetter so unbeständig? Die Unbeständigkeit kann damit begründet werden, dass die Meere und Polargebiete aktuell noch relativ kühl sind. Je nach Wetterlage wird immer mal wieder kalte Polarluft nach Deutschland geführt. Der Sonnenstand ist aber bereits relativ hoch. Somit kann sich das Land tagsüber bei Sonnenschein schon stärker erwärmen. Die hochreichend kalte Polarluft wird labilisiert. Die warme Luft steigt dann in Blasen auf, wodurch sich im Tagesverlauf Quellwolken bilden, die schließlich für Schauer oder auch kurze Gewitter sorgen können.

Des Weiteren wird in der kommenden Nacht das Maximum beim Sternschnuppenschwarm der Lyriden erreicht. Dann können etwa 18 Sternschnuppen pro Stunde gesichtet werden, in Deutschland aber meist weniger. Zum Vergleich: Bei den Perseiden im August sind es mehr als 100.
Doch lässt die aktuelle Wetterlage überhaupt einen Blick in den Sternenhimmel zu? Das Hoch QUADARIUS und das Tief ANNINA II haben dafür gesorgt, dass sich bei uns eine nördliche Strömung eingestellt hat. Zudem wirbelt das Tief BIRUTA im Golf von Genua.

Dieses Tief sorgt für leichte Schneefälle am Alpenrand. Ansonsten ziehen bei wechselnder bis starker Bewölkung Schauer über das Land. Bevorzugte Regionen hierfür sind der Norden, Westen sowie Teile der Mitte. Im höheren Bergland fallen oftmals auch Schneeflocken anstatt Regentropfen. Vereinzelt können auch Blitz und Donner mit von der Partie sein. Bei Höchstwerten von meist weniger als 10 Grad ist es zudem recht kühl.
In der Nacht zum Dienstag lässt die Schauertätigkeit allmählich nach und die Bewölkung lockert vielfach auf. Somit sollte in vielen Regionen ein Blick in den Sternenhimmel möglich sein.

Man sollte sich allerdings warm einpacken, denn die Temperaturwerte sinken in den leichten Frostbereich. Ausnahmen hierbei sind das Küstenumfeld, der Oberrhein sowie der äußerste Südosten. Verbreitet ist zudem mit mäßigem Bodenfrost zwischen -3 und -10 Grad zu rechnen. Alle Pflanzenfreunde horchen bei dieser Nachricht auf, denn es gilt, die Pflanzen vor den frostigen Temperaturen zu schützen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Was-macht-das-Wetter-am-Tag-der-Erde-oder-Tag-der-Aprilschauer-1.png 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-22 19:55:342024-06-27 10:15:54Was macht das Wetter am „Tag der Erde“ oder „Tag der Aprilschauer“?

Kaltfront leitet markanten Luftmassenwechsel ein

9. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die warmen Tage sind in fast ganz Deutschland nun vorerst gezählt. Eine Kaltfront sorgt dafür, dass die aus Nordafrika eingeflossene Warmluft der vergangenen Tage nach Osteuropa abgedrängt wird. Postfrontal kann sich dann maritime Polarluft durchsetzen. Um 06 UTC befand sich die Kaltfront, die zum Tief VANESSA mit Kern über Mittelengland gehört, in etwa auf einer Linie Emsmündung-Siegerland-Vorderpfalz-Klettgau.

Nun stellen sich sicherlich einige von Ihnen die Frage, warum es nicht ordentlich rumst und kracht an der Kaltfront? Der Temperaturkontrast über Deutschland ist doch sehr ausgeprägt, was sich aktuell beispielsweise in den um 14 Uhr MESZ gemessenen Temperaturen deutlich widerspiegelt. 7 bis 9 Grad in den westlichen Mittelgebirgen stehen 26 bis 28 Grad im äußersten Osten gegenüber. Immerhin eine Temperaturdifferenz von etwa 20 Grad.

Eine Erklärung für ausbleibende konvektive Umlagerungen liegt darin, dass der Wind im Zusammenhang mit einer mäßig bis stark ausgeprägten Druckanstiegswelle bereits vor der Kaltfront auf West gedreht und deutlich aufgefrischt hat. Somit wird die vorgelagerte und potenziell instabil geschichtete Warmluft quasi von unten stabilisiert. Im Zusammenhang damit, dass im höheren Niveau dynamische Antriebe fehlen, um die Warmluft zu „triggern“ und diese Warmluft auch nicht sonderbar feucht ist, da sie durch die Überströmung der Alpen durch den Föhn zusätzlich abgetrocknet wurde, können sich wahrscheinlich keine kräftigen Gewitter entwickeln. Ein geringes Gewitterrisiko bleibt aber trotzdem bestehen.

Die Kaltfront geht vor allem mit einem schauerartigen Regenband einher, das sich am Nachmittag von Schleswig-Holstein bis zu den Alpen erstreckt und am Abend dann auch den äußersten Osten und Südosten erreicht. In den Alpen kann die Schneefallgrenze durch die einfließende maritime Polarluft auf etwa 1000 m absinken und bis morgen Mittag kommen oberhalb von 1000 m 1 bis 5, in Staulagen bis 10 cm zusammen. Der Südwest- bis Westwind bläst vor allem im Norden in der Nacht noch kräftig, an der Nordsee mitunter stürmisch.

Morgen kommt es mit Übergreifen eines Hochkeils von Westen und Südwesten her zu einer deutlichen Wetterberuhigung, wobei die Höchstwerte, die zwischen 11 und 17 Grad liegen, dem entsprechen, was man zu dieser Jahreszeit normalerweise erwartet.

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Kaltfront-leitet-markanten-Luftmassenwechsel-ein.png 720 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-09 20:24:112024-07-04 11:52:31Kaltfront leitet markanten Luftmassenwechsel ein

Eine „Schlange“ über dem Michigansee

9. Februar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Winterzeit ist Schneezeit. Nun ja, das gilt bei uns in Deutschland sicherlich abschnittsweise für das Bergland, sowie zeitweise auch für die tieferen Lagen, wenn kalte und feuchte Luftmassen zusammentreffen. Es gibt im Winter aber auch Regionen, wo bis in die tiefsten Lagen hin und wieder der Winter mit Pauken und Trompeten Einzug hält. Die Rede ist vom sogenannten „Lake Effect Snow“. Dieser kann bei entsprechenden Bedingungen auch bei uns z.B. im Umfeld der Ostsee oder des Bodensees auftreten. Heute aber richten wir unseren Blick gen Westen in die USA, wo vor einigen Wochen ein optischer Leckerbissen verfolgt werden konnte.

Die Entstehung und Auswirkung des Lake Effect Snow wurde an dieser Stelle bereits mehrfach ausführlich behandelt, weshalb u.a. auf folgenden  verwiesen werden soll. Meist handelt es sich dabei um solide Konvektionsbänder, die sich über den vergleichsweise warmen Wasseroberflächen der Großen Seen intensivieren und eng begrenzt im Küstenbereich massive Neuschneemengen bringen. Zudem sorgt nicht selten ein ruppiger Wind für massive Schneeverwehungen. Heute betrachten wir solch ein Ereignis, aber weniger aus wissenschaftlichem Aspekt, sondern eher mit dem ästhetischen Auge. Es geht dabei um ein Ereignis vom 19. zum 20. Januar 2024, das sich über dem Michigansee abgespielt hat.

Nach einem in dieser Region sehr warmen Dezember mit einer Eisbedeckung der Großen Seen, die nahe am absoluten Minimum verharrte, sorgte ein arktischer Kaltluftausbruch Mitte Januar 2024 für eine vorübergehende Bildung bzw. Ausdehnung der Eisoberfläche. Diese verblieb jedoch weiterhin unter dem historischen Durchschnitt (1973 bis 2023) und ging seitdem erneut zurück (aktuell rund 5% Eisbedeckung der Großen Seen und somit erneut nahe am absoluten Minimum für diese Jahreszeit). Mit einer Oberflächentemperatur von rund 5 Grad konnte der Michigansee Mitte Januar noch mit die höchsten Temperaturwerte der Seen aufweisen.

Die synoptische Ausgangslage war eine recht klassische für den Lake Effect Snow, mit hohem Luftdruck über dem Mittleren Westen bzw. entlang der Rockies und tiefem Druck vor der Ostküste der USA. Mit einer hochreichend nördlichen Strömung gelangte eisige Polarluft mit 850 hPa Temperaturwerten von unter -20 Grad in den Bereich der Großen Seen. Dank des verstärkten vertikalen Temperaturgradienten über dem warmen Wasser war die Grundlage gegeben für kräftige Konvektion.

Zoomen wir näher heran und schauen uns den Wind und die Verteilung der 2m Temperatur an. Zu sehen ist, dass eisiger Nordwestwind mit 2m Temperaturwerten von -13 bis -20 Grad auf den Michigansee traf. Diese nordwestliche Strömung wurde durch die allgemeine Druckverteilung angetrieben (hoher Druck im Westen/Südwesten, tiefer im Osten). Doch wieso kam der Wind an der Ostseite des Lake Michigan eher aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung? Zur Begründung kann man die Aktivität des klassischen Land-Seewindsystems heranziehen. Dem eisigen Festland mit hohem Bodendruck stand die warme Wasseroberfläche des Sees gegenüber, der vergleichsweise niedrigeren Druck aufwies. Die entstandene Zirkulation von hohem Druck zum niedrigen kämpfte sich von Osten gegen die nordwestliche Hintergrundströmung sukzessive nach Westen voran und somit in Richtung der Mitte des Sees, wo sich eine ausgeprägte Nord-Süd ausgerichtete Bodenkonvergenz etablieren konnte.
Das Resultat ist im folgenden Loop wunderschön zu erkennen: eine konvektiv geprägte „Schlange“, die sich über dem Lake Michigan stundenlang herum schlängelte und den südöstlichen Küstenabschnitten regional reichlich Neuschnee brachte.

Neben dieser unglaublichen Ästhetik stellt sich natürlich auch die Frage, was grundsätzlich diese Wellenbewegung innerhalb des konvektiven Bandes antreibt? Grund hierfür ist u.a. eine sogenannte „horizontale Scherungsinstabilität“. Auf der Westseite des Bandes treffen kräftige nordwestliche Wind (angetrieben durch die großräumige Verteilung des Luftdrucks, aber auch durch den in dieselbe Richtung gerichteten Ast der Land-Seewindzirkulation) auf deutlich abgeschwächte Winde aus Nordost, wo die Land-Seewindzirkulation gegen die nordwestliche Hintergrundströmung arbeiten muss, mit entsprechend schwächeren Bodenwinden. Entlang dieses Geschwindigkeitsgradienten können sich dann wie am Fließband kleine Wirbel bilden, sogenannte „mesovortices“, die je nach Intensität und Dauer solch eine verwellte Struktur hervorrufen. Wie so oft bedarf es einer exakten Mischung aus Scherung und Instabilität, damit das Band nicht komplett aufbricht, oder sich dominante Wirbel entwickeln, sondern dass es sich wie in diesem Fall in schlängelnden Bewegungen über den See bewegt. Die Verfolgung dieser Wirbel im Radar ist wichtig, denn bei Auftreffen an Land wurden bei früheren Messkampagnen bei deren Passage teils schwere Sturmböen beobachtet, die bei den fallenden Schneemengen temporär erhebliche Sichteinschränkungen inkl. Verwehungen zur Folge haben.

Doch wie sehen solche Wirbel im Radar aus? Im Bild 4a) bis c) stehen den Reflektivitätsbildern die entsprechenden Geschwindigkeitsdaten gegenüber, die man im Radar betrachten kann. Bei den Reflektivitätsdaten bedeutet ein Übergang der Färbung von grün zu gelb eine zunehmende Intensität des Niederschlags. Bei den Geschwindigkeitsdaten sagt uns die grüne Farbe, dass sich der Wind auf das Radar zu bewegt, rote Farben vom Radar weg. In den gelb eingekreisten Bereichen sind exemplarisch einige der Wirbel hervorgehoben.
Was waren die Auswirkungen dieses Bandes? Michigan City in Indiana vermeldete eine 24-std. Neuschneemenge von über 50 cm und insgesamt an beiden Tagen fast 90 cm der weißen Pracht – schier unglaubliche Mengen (). Lassen Sie sich im angehängten Link auch nicht die Sektion „Photos/Videos“ entgehen.

Beachtlich war bei diesem Ereignis, dass dieses Band innerhalb der Numerik zeitlich und regional nahezu perfekt abgebildet wurde. Als Beispiel hier eine 6-std. Vorhersage des High-Resolution Rapid Refresh Modells (HRRR), mit einer Auflösung von 3km. In Bild 5a) erkennt man die horizontal ausgeprägte Windscherung im Umfeld des Bandes, in b) die innerhalb der Numerik gezeigte Wirbelhaftigkeit der Strömung (ein Hinweis für das Auftreten von mesovortices) sowie in c) die zu erwartende Reflektivität, die letztendlich genauso eintrat. Eine wirklich beeindruckende Leistung.

Dipl. Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/02/DWD-Eine-Schlange-ueber-dem-Michigansee.png 1041 2056 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-02-09 19:30:212024-02-21 16:08:29Eine „Schlange“ über dem Michigansee
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