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Schlagwortarchiv für: Starkregen

Regen nach Trockenheit – warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

1. Oktober 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach einem trockenen Sommer und einem ebenfalls niederschlagsarmen September 2026 dürsten unsere Böden nach Wasser. Besonders im Südwesten sind die Böden, vor allem die oberen Bodenhorizonte ausgetrocknet. Da trifft es sich gut, dass am heutigen Donnerstag eine Kaltfront von Westen her endlich langersehnte, flächendeckende Niederschläge mit sich bringt. Bis Freitagfrüh sind in der Westhälfte Deutschlands verbreitet Mengen um 10 Liter auf den Quadratmeter zu erwarten. Lokal kann sogar Starkregen mit Mengen zwischen 20 bis vereinzelt 40 l/qm auftreten.

Doch schaffen solche kurzen Regenereignisse überhaupt Abhilfe gegen die derart ausgetrockneten Böden?

Aktuelle Bodenfeuchte vom 30.09.2026 in Deutschland  (Quelle DWD)
Aktuelle Bodenfeuchte vom 30.09.2026 in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal anschauen, wie der Boden aufgebaut ist. Wenn man sich vorstellt, ein Stück Boden auszugraben, besteht dieser zusammengefasst aus drei Teilen: festem Material, Wasser und Luft. Das feste Material wird Bodensubstanz genannt, es besteht aus Körnern und Partikeln von verwittertem Gestein und zersetzen Pflanzenresten. Wenn man diese Körner und Partikel in ein Behältnis werfen würde, entstehen Lücken zwischen ihnen. Das kann man sich vorstellen, als wenn man verschieden geformte Bauklötze in eine Kiste wirft: Sie verkanten sich und zwischen ihnen entstehen Hohlräume. Diese Hohlräume im Boden werden Poren genannt und haben Größen von wenigen Mikrometern bis mehrere Zentimeter. Dort können sich dann die beiden anderen Bodenzutaten sammeln, Wasser und Luft. Dabei wirken zwei verschiedene Kräfte. Zum einen die Adhäsionskraft, die die Anziehung zwischen Wasser und Bodenteilchen beschreibt und zum anderen die Kohäsionskraft, die die Anziehungskraft zwischen Wassermolekülen ausdrückt.

Bei langanhaltender Trockenheit trocknen die Poren aber nach und nach aus, bis am Ende kaum noch Wasser im Boden vorhanden ist. Dabei trocknen die großen Poren zuerst aus, denn hier sind die Anziehungskräfte an den Boden am geringsten. Am Ende sind die großen Poren alle nur noch mit Luft gefüllt und nur in ganz kleinen Poren befindet sich noch etwas Restwasser.

Grafik über die Unterschiede zwischen Einschüssen von Wasser und Luft in feuchten und ausgetrockneten Böden (Quelle DWD)
links: feuchter Boden, in den Poren befindet sich Wasser und Luft, rechts: ausgetrockneter Boden, in den Poren befindet sich nur noch Restwasser und viel Luft. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Nach längerer Trockenheit können manche Böden vorübergehend wasserabweisend werden. Regen bleibt dann zunächst an der Oberfläche, statt rasch einzudringen. Ob und wie stark dies auftritt, hängt von Bodenart, organischen Stoffen und der bisherigen Austrocknung ab. Mit zunehmender Benetzung kann sich die Wasseraufnahme verbessern. Die hydraulische Leitfähigkeit beschreibt, wie gut Wasser durch den Boden fließen kann; daneben bestimmen unter anderem Porenstruktur, Verdichtung und die Intensität des Regens, wie viel Wasser tatsächlich versickert. Nicht jeder trockene Boden nimmt Wasser grundsätzlich schlecht auf.

Grafik über die Unterschiede bezüglich der Eindringtiefe bei Niederschlägen zwischen feuchten und ausgetrockneten Böden (Quelle DWD)
links: im feuchten Boden kann das Wasser gut versickern und dabei in tiefere Bodenhorizonte eindringen, rechts: im trockenen Boden versickert nur sehr wenig Wasser und der Niederschlag sammelt sich an der Oberfläche. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Ein kurzes Starkregenereignis kann das langfristige Auffüllen der Wasservorräte nur begrenzt unterstützen, wenn die Intensität die Aufnahmefähigkeit des Bodens übersteigt. Über einen kurzen Zeitraum erreicht zwar viel Wasser den Boden, aber durch die vorhergegangene Trockenheit kann es nur langsam versickern und erreicht keine tieferen Bodenhorizonte. Ein großer Anteil des Regens fließt einfach oberirdisch ab und der Boden bleibt trotz Regens weitestgehend trocken. Damit er Wasser gut aufnehmen kann, bräuchte es langanhaltenden Landregen. Dieser würde den Boden erst befeuchten und das Wasser kann dann langsam und mit der Zeit immer besser im Boden versickern.

Genau ein solcher Landregen, am besten über einen längeren Zeitraum wiederholt auftretend, ist bei der aktuellen Wetterlage allerdings nicht in Sicht. Bereits ab dem morgigen Freitag lösen sich die Ausläufer des Sturmtiefs EVA über dem Osten und Süden Deutschlands allmählich auf und bei steigendem Luftdruck sind zumindest absehbar bis weit in die kommende Woche hinein kaum nennenswerte Niederschläge zu erwarten.

Dipl.-Met. Robert Hausen / Lea Friedel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 01.10.2026. Text redaktionell bearbeitet; verwendete DWD-Grafiken skaliert und komprimiert. Lizenz: CC BY 4.0. Bildquellen stehen jeweils an den Abbildungen.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-2026-10-1-image-1.jpg 564 392 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-01 12:00:002026-10-03 21:33:25Regen nach Trockenheit – warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

10. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in Deutschland, wie gestern schon im Thema des Tages gesagt, sehr verbreitet ruhiges Spätsommerwetter vorherrscht, sieht das Wetter von Mittelitalien bis nach Österreich überhaupt nicht nach Sommer aus. Dort fällt aktuell kräftiger Regen, und diese Regenfälle sollen auch noch bis weit in den morgigen Freitag anhalten.

Eingesetzt haben die Niederschläge dabei schon am gestrigen Mittwoch. Bis zum heutigen Donnerstagmorgen um 08 MESZ meldeten einzelne Stationen in den betroffenen Regionen schon 24-stündige Regensummen von über 50 l/m2, so beispielsweise auch die slowenische Hauptstadt Ljubljana mit 55 l/m2. Getriggert werden die Starkniederschläge einerseits von einem mehrkernigen und etwas diffusen Tiefdrucksumpf, der sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Balkan und in den Ostalpenraum erstreckt. Andererseits zieht ein Höhentief von Frankreich kommend über Oberitalien und Österreich in Richtung Polen.

Geopotential in 500 hPa (ca. 5,5 km Höhe, Linien) sowie Vertikalbewegung (flächig) für Donnerstag, 10.09.2026, 18 UTC (20 MESZ)

Die Abbildung 1 zeigt das Geopotential, also salopp gesagt die Druckverteilung in 500 hPa (etwa 5,5 km Höhe), am heutigen Donnerstagabend um 20 MESZ. Das Höhentief soll sich zu diesem Zeitpunkt etwa im Bereich von Turin befinden, auf seiner Ostflanke bzw. der Vorderseite stellt sich, wie durch die blauen Pfeile angedeutet, eine südwestliche Höhenströmung ein. Ebenfalls in Abbildung 1 erkennbar sind rot markierte Flächen, die die Regionen mit der stärksten Vertikalbewegen darstellen. Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Gebiete von Mittelitalien, mit Schwerpunkten u.a. in der Region um Rom sowie östlich an die nördliche Adria anschließend, bis in den Süden Österreichs hineinreichen.

Dass in dieser Region einiges an Wolken unterwegs ist, verdeutlicht der Blick auf die linke Seite der Abbildung 2. Über dem Tyrrhenischen Meer war dabei heute Vormittag um 11 MESZ ebenso eine Superzelle unterwegs wie in der Region Rom (dort hatten auch die Hebungsfelder der Abbildung 1 ein deutliches Maximum) und in der Poebene östlich von Mailand. Dies erkennt man unter anderem am hohen Eisanteil in den Wolken, die dadurch etwas ausgefranst bzw. faserig wirken. Viele Wolken zeigen sich auch von der nördlichen Adria bis nach Österreich hinein, und dort insbesondere nach Kärnten und in die Steiermark.

Satellitenbild (High Resolution Visible, links) sowie Radarreflektivität und Blitze (rechts) am Donnerstag, 10.09.2026, 09 UTC (11 MESZ)

Auf die letztgenannten Regionen fokussiert sich der rechte Teil der Abbildung 2 (ebenfalls um 11 MESZ). Die gemessenen Radarreflektivitäten sind dabei als Fläche dargestellt, dazu kommt die Blitzaktivität (rote, gelbe und grüne Kreuze). Die Blitzrate ist dabei an der kroatischen Küste zum dargestellten Zeitpunkt besonders hoch, schwächer fällt sie im Bereich der Ostalpen bzw. des östlichen und südöstlichen Alpenrandes aus. Dass der südöstliche Alpenrand dennoch, zumindest bezüglich des Niederschlages, das Hauptaugenmerk verdient, lässt sich wiederum aus der Abbildung 1 ableiten. Denn die dort angedeutete südwestliche Strömung auf der Vorderseite des Höhentiefs findet sich, in ähnlicher Form, auch in tieferen Luftschichten. Natürlich hat dies Stauniederschläge zur Folge, und diese fallen insbesondere in Slowenien und Italien besonders stark aus.

Akkumulierter Niederschlag von Donnerstag, 10.09.2026, 00 UTC (02 MESZ) bis Freitag, 11.09.2026, 18 UTC (20 MESZ); links: ICON-EU, rechts: IFS

Die Abbildung 3 zeigt die akkumulierten Niederschläge der Modelle ICON (in diesem Fall ICON-EU, links) sowie des Modells IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (rechts). Bei beiden Modellläufe handelt es sich um die 00 UTC-Läufe, die dargestellten Regensummen beziehen sich also auf das Zeitfenster von 02 MESZ in der zurückliegenden Nacht bis um 20 MESZ am morgigen Freitag. Das Modell IFS bringt es in der Spitze in Slowenien dabei auf 228 l/m2, ICON-EU im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien dagegen „nur“ auf 183 l/m2. Bedenkt man, dass, wie oben erwähnt, in der Region ja auch schon einiges an Regen gefallen ist, so sind zumindest regional 200 bis 250 l/m2 über das gesamte Ereignis durchaus im Bereich des Möglichen. Ganz vereinzelt kann auch noch etwas mehr zusammenkommen. Genau wissen wird man das aber erst, wenn der Regen abgeklungen ist.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Stark-und-Dauerregen-von-Mittelitalien-bis-nach-Oesterreich-1.png 504 684 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-10 13:50:002026-09-15 18:47:04Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

Noch einmal turbulent, dann wird’s wieder ruhiger

21. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit ist einiges los beim Wetter und da bilden auch der heutige Freitag und die Nacht zum Samstag keine Ausnahme. Grund hierfür ist ein Ausläufer von Tief NORA II über Nordosteuropa, der sich von dort über Süddeutschland bis in den westlichen Mittelmeerraum „schlängelt“. Während südöstlich davon feuchtwarme Luft subtropischen Ursprungs liegt, ist nordwestlich eine etwas gemäßigtere Luftmasse vorhanden.

An diesem Ausläufer konnte sich ein kleinräumiges Tief bilden, das sich heute zur Mittagszeit über Norditalien/Südostschweiz befand und von Norditalien über die Schweiz bis in den Süden Baden-Württembergs bereits für mitunter kräftige und gewittrige Regenfälle sorgte und sorgt. Die weitere Entwicklung ist sehr komplex. Man könnte jetzt vereinfacht sagen, dass dieses Tief nun am heutigen Freitag nordostwärts über Südostbayern und Tschechien nach Polen zieht und am Samstag das Baltikum erreicht. Genaugenommen hat sich aber am bayerischen Ostalpenrand ein weiteres kleinräumiges Tief entwickelt, das auf den Namen PRISKA hört und die Arbeit des Norditalientiefs „übernimmt“. Sprich: PRISKA wird unter Verstärkung und mit den gewittrigen Regenfällen im Gepäck die angesprochene Zugbahn einschlagen.

Kombiniertes Radar- und Satellitenbild vom 21.08.2026, 14 Uhr. Dazu die beteiligten Tiefdruckgebiete und deren Zugbahn.

Aber wie dem auch sei: Im heutigen Tagesverlauf ziehen zum Teil gewittrige Starkregenfälle über den Südosten unseres Landes hinweg. Dabei sind vor allem vom Bodensee bis nach Ost- und Südostbayern gebietsweise um 30 l/qm innerhalb weniger Stunden zu erwarten. Vereinzelt sind auch unwetterartige Entwicklungen mit noch höheren Mengen wahrscheinlich, was dann zu lokalen Überflutungen führen kann.

Der Fokus liegt nach aktuellem Stand aber auf dem Südosten Bayerns, also etwa vom Alpenrand bis nach Niederbayern. Dort könnten sich vor Übergreifen der gewittrigen Regenfälle ab dem Nachmittag schwere Gewitter mit lokal heftigem Starkregen, schweren Sturm- bis Orkanböen und Hagel entwickeln. Allerdings ist diese Entwicklung sehr unsicher und hängt stark davon ab, wie schnell die Regenfälle auf den Südosten übergreifen. Je früher das passiert, desto weniger Energie wird den Gewittern zur Verfügung stehen und desto schwächer fallen sie aus. Was noch dazukommt, ist, dass durch die Verstärkung von PRISKA der Wind auch abseits potentieller Gewitter im Alpenvorland stürmisch auffrischen kann. So meldete Lindau um 14 Uhr beispielweise Böen bis 87 km/h.

Übersichtsgrafik zur erwarteten Starkregen- und Gewitterlage am Freitagnachmittag und -abend (21.08.2026).

Aber auch im großen Rest des Landes bleibt das Wetter „aktiv“ mit Schauern und vor allem über der Mitte auch örtlichen Gewittern. Besonders in der Nacht zum Samstag kann es dort gebietsweise ebenfalls wiederholte Regenfälle mit lokalen Mengen um 30 l/qm in wenigen Stunden geben, vereinzelt auch mehr. Auch wenn sich viele vielleicht über den Regen freuen werden, besteht bei diesen Starkregenereignissen lokal durchaus Überflutungsgefahr.

Übersichtsgrafik zur erwarteten Starkregen- und Gewitterlage von Freitagabend bis Samstagvormittag (21./22.08.2026).

Am Samstag beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Vielerorts sind zwar nochmals Schauer, vereinzelt auch Gewitter unterwegs, die aber ne ganze Ecke schwächer ausfallen werden als am heutigen Tag. Der Sonntag bietet dann besonders in der Südhälfte bestes Ausflugswetter bei viel Sonnenschein und Höchstwerten zwischen 20 und 25 Grad. Im Norden sind dagegen mehr Wolken unterwegs, die vereinzelt auch für einen kurzen Schauer gut sind. Dazu wird es windig und mit maximal 18 bis 22 Grad geringfügig kühler. Einem Ausflug sollte aber auch dort zumindest vom Wetter her nichts im Wege stehen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Noch-einmal-turbulent-dann-wirds-wieder-ruhiger-1.jpg 740 680 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-21 17:48:482026-08-24 13:46:15Noch einmal turbulent, dann wird’s wieder ruhiger

Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

16. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den vergangenen Tagen auf den lange ersehnten Landregen gehofft hatte, wurde regional zwar nicht enttäuscht, lokal eng begrenzt war es jedoch „zu viel des Guten“. Seit dem vergangenen Montag, den 13. Juli 2026, entwickelten sich in Teilen Deutschlands wiederholt kräftige Gewitter, die lokal erhebliche Schäden verursachten. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer und golfballgroße Hagelkörner prägten das Bild nach einem Schwergewitter. Gleichzeitig blieb es oft nur wenige Kilometer entfernt trocken oder es fielen lediglich einige Tropfen. Gerade diese ausgeprägte Kleinräumigkeit macht sommerliche Gewitter so faszinierend und zugleich so schwer vorherzusagen.

Aus meteorologischer Sicht wirkte die Wetterlage nicht allzu spektakulär. Deutschland lag am Rand eines kräftigen Hochdruckgebietes, das sich vom Atlantik nach Skandinavien erstreckte. Verantwortlich für die Unwetter war vielmehr ein vergleichsweise kleines Höhentief, das sich langsam von Dänemark nach Deutschland verlagerte. In höheren Luftschichten brachte es etwas kühlere Luft mit, wodurch der größere Temperaturunterschied zur bodennah stark aufgeheizten, feuchten Luftmasse die Auslöse von kräftigen Gewittern begünstigte. Gleichzeitig lag eine nur schwache Höhenströmung vor, sodass sich die Gewitterzellen nur langsam verlagerten oder durch rückseitige Neuauslöse wiederholt über denselben Ort zogen und so ideale Voraussetzungen für lokalen Starkregen boten.

Den Auftakt machte am Montagabend eine Gewitterlage im Norden Deutschlands. Bei Hannover sorgte eine kräftige Gewitterzelle für einen sogenannten Downburst (siehe DWD-Lexikon) mit orkanartigen Böen von 105 km/h. Zudem wurde innerhalb kurzer Zeit Starkregen mit 39,9 Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch in Teilen Schleswig-Holsteins sorgten Gewitterzellen für Probleme. Besonders betroffen war Elmshorn, wo Starkregen Straßen, Keller und Unterführungen überflutete. Innerhalb von wenigen Stunden fielen dort örtlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze abarbeiten, da die Kanalisation die Wassermengen zeitweise nicht aufnehmen konnte. Auch Hagel spielte am Montag bereits eine Rolle: In Heidenau (Niedersachsen) wurden golfballgroße Hagelkörner (circa 5 Zentimeter) beobachtet, die erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden verursachten. An anderen Orten fiel deutlich kleinerer Hagel, allerdings in großen Massen. So entstanden Bilder, die eher an Winterlandschaften erinnerten.

Nutzerbilder aus der DWD-WarnWetter-App vom 13. und 14. Juli 2026

Am Dienstag, den 14. Juli 2026, verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewitter in die Mitte und den Süden Deutschlands. In der Region Nürnberg entwickelte sich am Abend eine besonders kräftige Gewitterzelle. Um 17 UTC wurde dort eine Orkanböe von 130 km/h registriert, wenig später fielen innerhalb einer Stunde 45 Liter Regen pro Quadratmeter, lokal laut Radarauswertung noch etwas mehr. Die Folge waren überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und zahlreiche umgestürzte Bäume. Rund 1.100 Unwettereinsätze wurden in der Region gemeldet.

Auch Thüringen war von schweren Gewittern betroffen. Eine sogenannte Superzelle (siehe DWD-Lexikon) zog über eine Strecke von rund 180 Kilometer vom Eichsfeld und dem Ilm-Kreis bis zum Fichtelgebirge und sorgte mit Starkregen und Hagel für Behinderungen. Hagelkörner verstopften teilweise Abflüsse, wodurch Straßen überflutet wurden. Bei Ilmenau kam es kurzzeitig zu einer weiteren Intensivierung der Gewitterzelle, sodass dort lokal eng begrenzt auch Orkanböen auftraten.

Am Mittwoch (15. Juli 2026) erreichten die Gewitter Baden-Württemberg. In Reutlingen entwickelte sich in den frühen Morgenstunden bereits eine kräftige Gewitterzelle, die lokal große Hagelmassen brachte. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern bedeckten Straßen und blockierten teilweise die Abflüsse. Die Stadt Reutlingen war den gesamten Tag mit Aufräumarbeiten beschäftigt, Keller mussten ausgepumpt, Straßen geräumt und Schäden beseitigt werden. Zeitweise waren rund 6.000 Haushalte nach einem Blitzeinschlag kurzzeitig ohne Strom.

Animiertes Radarbild in Südwestdeutschland von Mittwoch, den 15. Juli 2026 von 12 Uhr bis 21 Uhr MESZ.

Auch am Bodensee kam es am Mittwochnachmittag zu einem heftigen Unwetter. In Friedrichshafen wurde eine Orkanböe von 126 km/h gemessen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Dächer wurden beschädigt. In Kressbronn stürzte ein Baum auf ein Wohnmobil, die Insassen blieben glücklicherweise unverletzt.

Zudem wurden mehrere Orte im Süden Baden-Württembergs wiederholt von Gewitterzellen getroffen. So verzeichnete die Station in Blumberg-Randen gegen 17:30 UTC satte 60,6 Liter pro Quadratmeter in nur wenigen Stunden.

Radarbild des 72-stündigen Niederschlags von Montagmittag, den 13. Juli bis Donnerstagmittag, den 16. Juli 2026.

Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Unterschiede bei sommerlichen Gewitterlagen auf kleinem Raum sein können. Während wenige Kilometer entfernt kaum Niederschlag fällt, können einzelne Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit extreme Regenmengen, Hagel und Sturmböen bringen.

Auch am heutigen Donnerstag sind im Südwesten und Süden einzelne kräftige Gewitter vorhergesagt, die lokal eng begrenzt mit Orkanböen bis 130 km/h, Hagel mit Korngrößen um 4 cm sowie Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter einhergehen können. Weitere Informationen zur aktuellen Warnlage finden Sie unter www.dwd.de oder in der WarnWetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Kleines-Hoehentief-grosse-Wirkung-–-eine-Gewitternachlese-1.png 582 755 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-16 14:46:472026-07-20 10:20:35Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

14. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen führt.

Die Bodenwetterkarte zeigt das umfangreiche Hoch LAURENT, dem nur schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegensteht. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.

In 5,5 km Höhe (500 hPa) ist deutlich das Höhentief über Mitteleuropa zu sehen, das wie ein Höhenei umher wabert und von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende Konvektion erforderlich ist. „Garniert“ wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das „i-Tüpfelchen“, nämlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken, teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.

Die Zutaten für hochreichende, schwere Konvektion sind am heutigen Dienstag durchaus gegeben: Neben Hebung u.a. durch das Höhentief kommt es zu hohen CAPE-Werten über 1.000 J/kg, einem hohen Feuchtegehalt in der Luftmasse (PPW-Werte bis 37 mm) und guten Scherungsbedingungen, vor allem nachmittags und abends. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne „Nachzügler“ sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.

Die prognostizierte Reflektivität für 18 Uhr zeigt deutliche Hinweise auf schwere Konvektion, vor allem von der Mitte bis in den Süden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Vom-Hoehenei-bis-hin-zu-schweren-Gewittern-1.gif 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-14 18:30:532026-07-14 23:39:32Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

Supertaifun BAVI

11. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits Ende Juni wurde auf Satellitenbildern die Entwicklung einer Störung über den Marshallinseln erkannt. Zunächst handelte es sich um ein normales Tiefdruckgebiet, das sich erst nordwärts und später westwärts verlagerte. Dabei entwickelte sich aus dem tropischen Tiefdruckgebiet westlich der Marshallinseln rasch ein tropischer Sturm. Anfang Juli wurde das Tief von der japanischen meteorologischen Agentur (JMA) auf den Namen BAVI getauft. Bei niedriger Windscherung (um 15 Kilometer pro Stunde) und hoher Wassertemperatur (knapp 30 Grad) konnte sich das Tief rasch zu einem Taifun und schließlich Supertaifun (Windgeschwindigkeiten über 252 km/h) entwickeln. BAVI ist nach SINLAKU der zweite heftige Taifun der laufenden Saison.

BAVI: bisherige Zugbahn von der Störung bis zum Taifun, erstellt mit Daten des JTWC in google earth (Quelle:JTWC+google earth)

BAVI traf am 05. Juli auf den nördlichen Teil der Insel Rota (zugehörig zu den Marianeninseln) und zog west-nordwestwärts weiter. Die JMA schätzte bei einem Kerndruck von 910 Hektopascal (hPa) die Windgeschwindigkeiten auf 205 Kilometer pro Stunde (km/h). Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) ging hingegen von Windgeschwindigkeiten um 285 km/h und einem Kerndruck von 901 hPa aus. Damit wäre BAVI einer der stärksten Taifune, der auf den Nördlichen Marianen je verzeichnet wurde.

Vom 07. auf den 08. Juli erreichte BAVI philippinisches Hoheitsgebiet und bekam den Namen INDAY. Zunehmende Windscherung und kühleres Wasser sorgten für die Abschwächung des Systems. Ein subtropischer Rücken lenkte es zudem nordwärts ab, sodass die Philippinen nicht getroffen wurden.

Aktuell (11.07.2026, 11 Uhr MESZ) trifft BAVI mit einem Kerndruck unter 984 hPa als Taifun der Kategorie 1 etwa 200 Kilometer südlich der Stadt Hangzhou auf den Südosten Chinas. Die Behörden vor Ort haben schon vor Tagen vor dem Taifun gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden ist mit Regensummen zwischen 150 und 250 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zu rechnen. Laut einiger Lokalmodelle sind sogar Regensummen um 300 l/m² möglich. Die Windgeschwindigkeiten werden nach Auftreffen auf Land zwar rasch abnehmen, anfangs sind aber vor allem im Küstenbereich Ostchinas Böen bis 220 km/h möglich.

Vorhersage der weiteren Zugbahn des Taifun BAVI, Stand: 11.07.2026 9 UTC (Quelle:JTWC)

Beim Überqueren der südlichen Inseln der japanischen Präfektur Okinawa in den vergangenen 24 Stunden wurden Windböen bis zu 135 km/h registriert. Außerdem fielen an der Station Miyakojima bis Samstagmorgen (mitteleuropäischer Zeit) 157 l/m² an der Station Iriomotejima 123 l/m² in 24 Stunden.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Supertaifun-BAVI-1.png 890 1911 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-11 15:39:142026-07-14 00:04:38Supertaifun BAVI

Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

30. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag (30.06.) liegt eine Luftmassengrenze diagonal über der Mitte Deutschlands und trennt schwül-heiße Subtropikluft im Süden und Südosten von weniger warmer Meeresluft im Nordwesten (siehe Abbildung 1). Erst in der Nacht zum Mittwoch bekommt die Luftmassengrenze Schub und zieht als Kaltfront bis Mittwochnachmittag südostwärts durch.

Abb. 1: Satellitenbild, Fronten und Luftmassen am 30.06.2026, 10 Uhr.

Dieser Luftmassenwechsel geht – wie so oft – nicht geräuschlos über die Bühne. Schon ab Dienstagnachmittag und -abend bilden sich in der schwül-heißen Luft in der Südosthälfte vom Bergland ausgehend einzelne, teils heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen sowie lokalem Unwetterpotenzial. Richtig turbulent wird es aber erst in der Nacht zum Mittwoch. Dann werden die Gewitter von Südwesten her immer häufiger und schließen sich zu mehreren größeren Gewittersystemen zusammen. Dann besteht vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen erhöhte Unwettergefahr, insbesondere durch heftigen Starkregen (siehe Abbildung 2). Es können Mengen von 30 bis 50, örtlich sogar extreme Mengen um 80 l/qm auftreten. Das entspricht dem ein- bis anderthalbfachen einer üblichen Monatssumme an Niederschlag – binnen weniger Stunden wohlgemerkt. Dabei kann es zu Sturzfluten, Überschwemmungen, vollgelaufenen Kellern und Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie Erdrutschen kommen.

Abb. 2: Unwettergefahr Dienstagnacht und Mittwoch, 30.06./01.07.2026

Am Mittwoch ziehen die gewittrigen Starkniederschläge im Südosten und Osten nur langsam ostwärts ab. Besonders vom Alpenrand bis zur Oder und Neiße besteht dabei weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen.

Wie üblich bei einer Unwetterlage durch konvektive Umlagerungen (Schauer und Gewitter) bestehen selbst unmittelbar vor dem Ereignis noch Unsicherheiten. Wenn Sie in den betroffenen Regionen leben oder dort hinreisen, ist es deswegen ratsam, dass Sie sich stets über die aktuelle Wetter- und Warnlage informieren, beispielsweise im Internet unter www.dwd.de oder in unserer WarnWetter-App.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Luftmassenwechsel-bringt-teils-heftige-Gewitter-und-Starkniederschlaege-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-30 14:09:312026-07-13 22:48:24Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

Radau am Himmel

30. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das tagelang ruhige und gebietsweise heiße Wetter unter der Regie von Hoch BORIS ist größtenteils Geschichte, weil das Hoch von Tiefdruckgebieten nach Südosten abgedrängt wird. Wie so oft geht dieser Wetterwechsel aber nicht geräuschlos über die Bühne, sondern wird von Blitz und Donner und weiteren starken Wettererscheinungen wie Starkregen, Sturmböen oder Hagel begleitet.

Gewitternachlese Freitag, 29. Mai 2026

Bereits am gestrigen Freitag, als die Tiefdruckgebiete MECHTHILD über Frankreich und LAUDINE über Skandinavien eine Kaltfront und feuchte Luftmassen nach Deutschland brachten, gab es entsprechenden Radau am Himmel. Am Nachmittag kamen im Nordwesten teils kräftige Schauer und Gewitter auf, die sich bis in die Nachtstunden hinein mit Verlagerung der Front bis in die Mitte ausbreiteten.

Dabei öffnete der Himmel seine Pforten und sorgte örtlich für Platzregen. Am meisten Regen fiel 24-stündig gesehen in Bornheim/Eichenkamp (NRW) mit 42 Liter pro Quadratmeter (siehe Bild 1), jeweils 36 l/m² gab es in Reichshof-Eckenhagen sowie in Steinfurt-Burgsteinfurt (beide NRW). Davon fiel ein Großteil meist in einer oder zwei Stunden vom Himmel.

24-stündige Niederschlagssummen (links) und 24-stündige Windböen (rechts) am Freitag 29.05.2026 (Quelle: DWD)

Neben den starken Regenfällen waren lokal auch größerer Hagel bis 3 cm sowie gebietsweise Sturmböen bzw. schwere Sturmböen zwischen 75 und 90 km/h (Bft 9 bis 10) mit von der Partie. Am Flughafen Köln-Bonn wurde sogar eine Orkanböe von 123 km/h (Bft 12) registriert. Bei solchen Windgeschwindigkeiten verwunderten die zahlreichen Meldungen über umgestürzte Bäume oder herabgebrochene Äste kaum.

Gewitter am Samstag, 30. Mai 2026

Am heutigen Samstag befindet sich die Kaltfront weiterhin über der Mitte des Landes. In ihrem Einflussbereich sind weitere Schauer und Gewitter unterwegs, die allerdings nicht mehr ganz das hohe Potenzial wie am Vortag aufweisen. Dennoch muss in einem Streifen vom Westen bis in den Südosten Bayerns mit starken Gewittern mit Starkregen um 20 l/m² in kurzer Zeit, Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) und kleinem Hagel gerechnet werden. Lokal können bis zu 40 l/m² Regen in kurzer Zeit fallen.

Gewittergefahren am Samstag, 30.05.2026 (Quelle: DWD)

Gewitter am Sonntag, 31. Mai 2026

Am Sonntag greift Tief MECHTHILD auf Deutschland über und verstärkt die Gewitteraktivität wieder. Bereits in den Morgenstunden tauchen im Westen neue Schauer und Gewitter auf, wobei ähnliche Begleiterscheinungen wie am Samstag zu erwarten sind. Im Laufe des Tages breiten sich die Gewitter in die Mitte und den Süden aus, im Nordosten bleibt es vermutlich trocken. Im Westen setzt zum Nachmittag hin eine Wetterberuhigung ein. Im Süden besteht zusätzlich jedoch ein erhöhtes Sturmrisiko, sodass dort auch schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) vorkommen können. In der Mitte und im Norden steht dagegen mehr der Starkregen im Fokus. Wo genau sich die Schwerpunkte der Gewitter herausbilden, ist nach heutigem Stand aufgrund größerer Modellschwankungen aber noch unsicher.

Gewittergefahren am Sonntag, 31.05.2026 (Quelle: DWD)

Und in der neuen Woche?

In der geht es nach einer kurzen Pause am Montag mit Zwischenhocheinfluss ab Dienstag wechselhaft mit gebietsweisen Schauern und Gewittern weiter. Diese können erneut teils kräftig ausfallen, sodass neuer Radau am Himmel zu erwarten ist. Ruhe kehrt also vorerst nur kurzzeitig ein, dafür verschwindet aber bei etwas zurückgehenden Temperaturen die Hitze.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Radau-am-Himmel-1.jpg 602 1328 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-30 12:41:212026-06-15 20:34:41Radau am Himmel

Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

5. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen hat man vielerorts nicht nur an den Temperaturen gemerkt, dass sich die Atmosphäre auf Sommerbetrieb umgestellt hat. Regional kam es zu teils kräftigen Gewittern mit Starkregen und Hagel. Spitzenreiter der einstündigen Regenmengen war am gestrigen Montag die Station Schmallenberg-Sellinghausen im Hochsauerland mit 23,8 l/m² zwischen 17 und 18 Uhr.

Vorhersage Bodendruck mit Fronten für den 06.05.2026 14 Uhr (Quelle:DWD)

Aktuell lenken die beiden Tiefdruckgebiete ANNE über Frankreich und BABETTE über Bayern feuchtwarme Luft in den Süden und in die Mitte des Landes. Dort entstehen heute Nachmittag und Abend einige Schauer und Gewitter, die lokal zu kräftigem Starkregen führen. In einer Stunde können dann erneut um 20, vereinzelt auch um 30 l/m² fallen. Im Norden merkt man davon nichts. Am Nachmittag und Abend ist es zwar meist bedeckt und hier und da fällt etwas Regen. Viel ist das aber nicht und nahe der Nordsee scheint sogar längere Zeit die Sonne.

12-stündige simulierte Niederschlagsmengen bis 06.05.2026 08 Uhr. Dargestellt sind verschieden Wettermodelle. (Quelle:DWD)

In der Nacht zum Mittwoch wachsen die Schauer und Gewitter über der Mitte des Landes zu einem größeren Regengebiet zusammen. Vor allem von Ostwestfalen und dem Sauerland ostwärts bis nach Sachsen regnet es länger anhaltend und teils kräftig. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt wahrscheinlich im Norden Thüringens und im Umfeld des Harzes. Flächig fallen wahrscheinlich 20 bis 40, lokal bis zu 60 l/m² in etwa 12 Stunden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagssumme für den Monat Mai im Raum Erfurt liegt bei 65 l/m². Infolgedessen können Bäche und kleine Flüsse in kurzer Zeit stark anschwellen.

Wahrscheinlichkeiten für mehr als 25 bzw. 40 l/m² in 12 Stunden bis 06.05.2026 08 Uhr laut dem Wettermodell ICON. (Quelle:DWD)

Der Mittwoch zeigt klare Ähnlichkeiten zum heutigen Dienstag. Erneut kommt der nächtliche Regen in den Norden voran und schwächt sich dort ab, erreicht aber nicht den äußersten Norden und Nordwesten. In der Südhälfte entstehen am Nachmittag und Abend abermals kräftige Schauer und Gewitter. Mit den Gewittern kann es zu Starkregen, Hagel und stürmischen Böen kommen.

Schauer und Gewitter bilden in der Nacht zum Donnerstag dann wieder ein größeres Regengebiet, das sich in die mittleren Landesteile verlagert und dort zu länger andauernden und teils kräftigen Niederschlägen führt. Der Schwerpunkt liegt wahrscheinlich etwas weiter südlich als in der Vornacht. Die Intensität reicht sehr wahrscheinlich nicht an die der Vornacht heran.

Am Donnerstag bilden sich dann erneut Schauer und Gewitter im Süden, ab der Nacht zu Freitag setzt sich anschließend nach und nach Hochdruckeinfluss durch. Der Rest der Woche verläuft dann deutlich sonniger und auch wieder wärmer als die kommenden Tage.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Unwetterpotenzial-in-der-Mitte-1.gif 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-05 16:08:572026-05-11 14:15:50Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

Ausblick in die Wetterwoche

4. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am gestrigen Sonntag gab es im Osten und Südosten des Landes viel Sonnenschein und Höchsttemperaturen um 29 Grad. Auch am heutigen Montag sind der Osten und Südosten klar auf der sonnenscheinreicheren und nochmals teils sommerlich warmen Seite. Insgesamt ist das ruhige und häufig sonnenscheinreiche Hochdruckwetter aber im Prinzip vorbei. Am gestrigen Sonntag gab es im Nordwesten und Norden bereits teils kräftige, lokal sogar sehr kräftige Gewitter mit größerem Hagel und Starkregen.

Tageshöchsttemperaturen vom Sonntag, 03.05.2026

Auf der Ostflanke des Tiefdruckkomplexes ZUHAL über West- und Nordwesteuropa wird mit einer südwestlichen Strömung aktuell feucht-warme Luft herangeführt. Im Wochenverlauf legt sich eine Luftmassengrenze über die Mitte Deutschlands. Nördlich davon sickert mit einer auf Nord drehenden Strömung eine polare Luftmasse ein. Im Süden lagert dagegen subtropische Luft. Entlang der Luftmassengrenze muss wiederholt und teils andauernd mit Regen gerechnet werden.

Bodenwetterkarte mit Fronten (blaue Dreiecke=Kaltfront, rote Halbkreise=Warmfront) vom Montag, 04.05.2026, 6 UTC/8 MESZ

Am heutigen Montag liegt der Regenschwerpunkt aber eher noch im Westen bzw. über der nördlichen Mitte. Eingelagerte Gewitter können besonders in puncto Starkregen kräftig ausfallen. Starke Gewitter mit Fokus auf Sturmböen treten heute im späteren Tagesverlauf voraussichtlich auch im Südosten auf. In den kommenden Tagen konzentriert sich der Regenschwerpunkt auf den Bereich der sich etablierenden Luftmassengrenze. Akkumuliert (aufsummiert) sind bis Donnerstagfrüh Regenmengen zwischen 30 und 50 l/m² (in 48 bis 72 Stunden) recht flächig über den mittleren Landesteilen zu erwarten, durch schauerartige oder gewittrige Verstärkungen teils auch mehr. Die in der Fläche stärkste Regenphase deutet sich für die Nacht zum Mittwoch bis in den Mittwochvormittag hinein an. Wo die Luftmassengrenze und damit der Regenschwerpunkt dann genau liegt, ist noch unsicher.

Akkumulierte Regenmenge bis Donnerstag, 07.05.2026, 6 UTC/8 MESZ; Vorhersagen von ICON (deutsches Modell), EZMW (europäisches Modell) und GFS (US-amerikanisches Modell), Modelllauf jeweils vom 04.05.2026, 00 UTC

In der subtropischen Luftmasse in den südlichen Landesteilen bleiben teils starke Gewitter ein Thema, allerdings sind auch hier die genauen Schwerpunkte noch unsicher. Lokal muss dort aufgrund geringer Verlagerung ebenfalls mit Starkregen gerechnet werden, in der Fläche werden aber deutlich geringere Regenmengen vorhergesagt als im Bereich der Luftmassengrenze. Ganz im Norden bleibt es weitgehend trocken.

Die Tageshöchstwerte gehen im Wochenverlauf mit geringeren Sonnenanteilen etwas zurück. Zudem wird die sommerlich-warme Luftmasse zur Wochenmitte ostwärts abgedrängt, es bleibt aber bei Höchstwerten meist zwischen 16 und 20 Grad, am Mittwoch im Südosten noch etwas darüber. Der äußerste Norden gelangt allerdings zunehmend in den Einflussbereich der polaren, also kälteren Luftmasse. Die Tageshöchstwerte liegen dort in den kommenden Tagen meist nur zwischen 10 und 15 Grad. Bei geringer Bewölkung oder Aufklaren in den Nächten sind niedrige einstellige Tiefstwerte meist zwischen 6 und 2 Grad zu erwarten. Ganz im Norden muss gebietsweise mit Frost in Bodennähe gerechnet werden. Bei empfindlichen Pflanzen sollte daher nochmals an Schutzmaßnahmen gedacht werden.

Diplom-Meteorologin Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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