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Schlagwortarchiv für: Wettervorhersage

VPN auf Reisen: Wetter prüfen und clever packen

10. August 2026/in Allgemein, Wetter/von WINDINFO

Eine gute Wetterrecherche kann aus einer schönen Reise eine deutlich entspanntere machen. Wer nur auf die Temperatur am Ankunftstag schaut, übersieht schnell Wetterwechsel, Wind, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit oder starke Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Mit aktuellen Vorhersagen, Klimadaten und einer passenden Packstrategie lässt sich das Risiko unangenehmer Überraschungen deutlich reduzieren.

Die gesamte Reisezeit prüfen, nicht nur den Ankunftstag

Viele Reisende öffnen eine Wetter-App, schauen auf die Temperatur am Tag der Ankunft und belassen es dabei. Für die Reiseplanung ist das zu wenig. Sinnvoller ist es, den gesamten verfügbaren Vorhersagezeitraum zu betrachten und dabei nicht nur Höchsttemperaturen, sondern auch Tiefstwerte, Niederschlagswahrscheinlichkeit, Wind und UV-Belastung einzubeziehen.

Dienste wie AccuWeather, The Weather Channel oder Windy stellen dafür unterschiedliche Wetterparameter und Vorhersagekarten bereit. Windy ist besonders interessant, wenn Wind, Niederschlag, Temperatur oder die Entwicklung verschiedener Wettermodelle miteinander verglichen werden sollen.

Wichtig ist, auf Muster zu achten. Werden die Nächte deutlich kühler, treten regelmäßig nachmittägliche Schauer auf oder kündigt sich während der Reise eine Frontpassage an, sollte sich das auch im Gepäck widerspiegeln.

Historische Wetterdaten richtig einordnen

Eine Wettervorhersage beschreibt die erwartete Entwicklung der kommenden Tage. Für Reisen, die weiter in der Zukunft liegen, sind klimatologische Daten sinnvoller. Sie zeigen, welche Temperaturen, Niederschlagsmengen und Wetterbedingungen an einem Ort zu einer bestimmten Jahreszeit typischerweise auftreten.

Plattformen wie WeatherSpark bieten dafür langjährige Klimadaten und typische saisonale Verläufe. Solche Werte sind keine konkrete Vorhersage für den Reisetermin, helfen aber dabei, realistische Erwartungen an Temperatur, Regen oder Wind zu entwickeln.

Wer beispielsweise im Frühjahr nach Südeuropa reist, sollte deshalb nicht allein von einer kurzfristig sonnigen Prognose auf durchgehend trockenes Wetter schließen. Gerade in Übergangsjahreszeiten können Wetterwechsel innerhalb weniger Tage erheblich sein.

Lokale Informationen als Ergänzung nutzen

Lokale Reisegruppen, Foren oder Communities können nützliche Hinweise liefern, etwa zur tatsächlichen Beschaffenheit von Wegen, zu starkem Wind an exponierten Küstenabschnitten oder dazu, welche Kleidung sich unter den aktuellen Bedingungen bewährt. Solche Erfahrungsberichte sind eine Ergänzung, ersetzen aber keine meteorologischen Vorhersagen und amtlichen Warnungen.

Bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen sollten deshalb immer aktuelle Wetterdienste und, wenn erforderlich, die offiziellen Warninformationen des jeweiligen Landes herangezogen werden.

Nicht nur auf die Temperatur achten

20 Grad Celsius können sich je nach Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung sehr unterschiedlich anfühlen. Zusätzlich spielt die Höhenlage eine wichtige Rolle. Wer vom Tal in höhere Lagen aufsteigt, kann innerhalb kurzer Zeit deutlich niedrigere Temperaturen und stärkeren Wind erleben.

Für Wanderungen, Wassersport oder längere Outdoor-Aktivitäten sind deshalb Windgeschwindigkeit, Böen, Niederschlag, Bewölkung und bei sommerlichen Bedingungen auch die UV-Belastung relevant. Windy und The Weather Channel stellen einen großen Teil dieser Parameter übersichtlich dar.

Warum ein VPN auf Reisen sinnvoll sein kann

Ein VPN verbessert keine Wettervorhersage und macht Modelldaten nicht genauer. Auf Reisen kann es dennoch praktisch sein. Wer öffentliche WLAN-Netze in Hotels, Flughäfen oder Cafés nutzt, kann seine Internetverbindung über einen verschlüsselten VPN-Tunnel führen. Außerdem lassen sich damit in bestimmten Fällen länderspezifische Webseiten oder Online-Dienste so aufrufen, als würde die Verbindung aus einem anderen Land erfolgen.

Das kann hilfreich sein, wenn auf Reisen bestimmte Informationsangebote regional unterschiedlich bereitgestellt werden oder wenn man auf Dienste aus dem Heimatland zugreifen möchte. Eine Möglichkeit ist ein kostenloses VPN. Auch hier gilt: Für Wetterwarnungen und lokale Gefahrenlagen sollten die offiziellen Informationsquellen des Aufenthaltslandes maßgeblich bleiben.

Mit einer Capsule Wardrobe flexibler packen

Steht die Wetterlage ungefähr fest, lässt sich das Gepäck deutlich effizienter zusammenstellen. Statt vieler einzelner Outfits ist eine kleine Auswahl kombinierbarer Kleidungsstücke meist praktischer. Leichte Oberteile, ein Pullover, eine kompakte Regenjacke und atmungsaktive Kleidung decken einen großen Temperaturbereich ab.

Besonders sinnvoll ist das Schichtenprinzip. Mehrere dünne Schichten lassen sich flexibel kombinieren und reagieren besser auf wechselnde Bedingungen als ein einzelnes sehr warmes Kleidungsstück. Eine leichte Regenjacke oder ein kompakter Poncho benötigt wenig Platz und kann bei einem Wetterumschwung entscheidend sein.

Auch ein kleines Reservestück kann sinnvoll sein, etwa Badebekleidung bei unsicherem Strandwetter oder eine zusätzliche lange Hose für unerwartet kühle Abende.

Wetterdaten regelmäßig aktualisieren

Je näher der Reisetermin rückt, desto wichtiger werden aktuelle Vorhersagen. Eine Planung mehrere Wochen vor Abreise sollte deshalb kurz vor Reisebeginn und während der Reise erneut überprüft werden. Gerade bei Gewittern, Starkregen, Sturm oder ausgeprägten Temperaturänderungen können sich Prognosen kurzfristig verändern.

Für Outdoor-Sportler gilt das in besonderem Maß. Vor Wanderungen, Segeltörns, Surf-Sessions oder anderen wetterabhängigen Aktivitäten sollten die neuesten Vorhersagen und Warnungen kontrolliert werden. Eine App ist dabei ein Werkzeug, keine Garantie für einen bestimmten Wetterverlauf.

Bild: © Timur Weber / Pexels
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/pexels-timur-weber-9186152-scaled.jpg 2560 1758 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-10 21:15:402026-08-14 09:47:19VPN auf Reisen: Wetter prüfen und clever packen

Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

8. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung bis um das Jahr 1800 beschrieben. In diesem Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum beleuchtet. Abweichend von den bisherigen Folgen erfolgt die Gliederung hier nach Nationen. Entwicklungen im östlichen und südlichen europäischen Raum sowie außerhalb Europas und in Richtung internationaler Institutionen werden in weiteren separaten Teilen der Serie behandelt.

Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein internationales meteorologisches Messnetz an Wetterstationen eingerichtet werden sollte. Erste Versuche hierzu waren die Bemühungen der „Academia del Cimento“ in Florenz 1654, durchschlagende Ergebnisse brachte die Societas Meteologica Palatina ab 1780 zustande. Diese Gesellschaft organisierte als erste die Durchführung und Veröffentlichung weltweiter Wetterbeobachtungen.

Im Zuge sozialer Umwälzungen in Frankreich durch die und im Nachgang der Französischen Revolution 1789 gleichzeitig auftretenden Missernten legte die neue Regierung den Fokus auf die Landwirtschaft und die diese beeinflussende Meteorologie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche meteorologische Stationen in den Rahmen wissenschaftlicher Gesellschaften oder universitärer Schulen eingebunden, die unabhängig voneinander arbeiteten. 1854 wurde ein Messnetz zur Niederschlagsmessung eingeführt, mit dem Hochwasser an Flüssen, besonders an der Seine, prognostiziert werden sollte. 1854 zeigte der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier (1811−1877), dass ein Sturm über dem Schwarzen Meer über Europa verfolgt werden konnte, dieser hätte bei Nutzung von Telegraphen vorhergesagt werden können. Dies führte zur Gründung eines meteorologischer Dienstes am zentralen Observatorium Paris 1855. Le Verrier wurde zu dessen Direktor bestellt. Nur drei Tage nach der Gründung des meteorologischen Dienstes präsentierte er die erste Wetterkarte Frankreichs. Die Koordination der meteorologischen Messungen war für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. 1857 wurden erstmals meteorologische Beobachtungen in tabellarischer Form veröffentlicht. 1863 wurde erstmals in einer Karte eine barometrische Analyse des Vortags publiziert. Diese Karten wurden nachfolgend an Häfen verteilt.

Isobarenkarte Westeuropa vom 7. September 1863, 7 bis 8 Uhr morgens, Quelle: Météo-France via Encyclopedia of the Environment über European Meteorological Society (EMS)

Von 1864 bis 1877 wurden 58 Wetterbeobachtungsstationen in reguläre Schulen eingebunden. Um Hagelschäden einzugrenzen, wurde 1865 mit dem Studium von Gewitterwolken begonnen. Beobachter waren angehalten, aufgetretene Schäden mit den beobachteten Gewitterwolken in Zusammenhang zu bringen. Dies führte zur Analyse einer Schadenslinie, jenem Weg, welchen ein Gewitter zurücklegte. 1870 wurde das gemessene Regenwasser untersucht, um Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre zu gewinnen. 1878 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in Frankreich gegründet. Dieses sollte die Wetterbeobachtungsstationen neu organisieren, Warnhinweise für Häfen und Landwirte ausgeben und Studien zu Bewegungen in der Atmosphäre durchführen. Erster Direktor wurde der französische Physiker und Meteorologe Éleuthère Mascart (1837−1908). Er führte einen Warndienst sowie eine klimatologische Abteilung ein und vergrößerte das Messnetz auf 160 Stationen, darunter Regional- und Bergstationen. 1898 wurde der erste französische Wetterballon gestartet. 1921 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in ein Nationales Meteorologisches Amt aufgewertet. 1922 wurden täglich meteorologische Berichte ausgegeben.

Im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland wurden im 19. Jahrhundert zunächst nur unkoordinierte individuelle Wetterbeobachtungen durchgeführt. 1840 untersuchte die Statistik-Abteilung einen Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren, hier besonders die Anzahl von Todesfällen und meteorologischen Phänomenen. Dies veranlasste den britischen Meteorologen und Aeronauten James Glaisher (1809−1903) von der Abteilung für Erdmagnetismus und Meteorologie des Observatoriums Greenwich, die Beobachtungen der Wetterstationen zu koordinieren. So entstand 1845 ein Messnetz aus neun Stationen, 1875 war das Messnetz auf 50 Stationen angewachsen. 1848 wurden erstmals in der Londoner Zeitung „Daily News“ Wetterbeobachtungen in verschiedenen britischen Städten veröffentlicht. 1850 wurde die British Meteorological Society ins Leben gerufen. Der erste offizielle meteorologische Dienst wurde 1854 als „Meteorologische Abteilung im Handelsministerium“ in Westminster gegründet. Hauptaufgabe war das Sammeln, die Verifikation und die Analyse meteorologischer Beobachtungsdaten von Schiffen und von Küstenstationen. 1861 wurden Wettervorhersagen an Zeitungen veröffentlicht. Im selben Jahr begann der erste Direktor der meteorologischen Abteilung, der britische Marineoffizier und Meteorologe Robert FitzRoy (1805−1865), Sturmereignisse zu untersuchen. Dabei fertigte er Karten an, die er zunächst als „synoptische Karten“ bezeichnete. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „synoptikos“ ab, was so viel wie „einen Überblick gebend“ bedeutet. Auf diesen Karten waren Sturmzentren und umströmende Luftbewegungen verzeichnet.

Robert FitzRoy, um 1860, Royal Horticultural Society, Maull & Co., London, über Wikimedia Commons

Nach seinem Tod endeten die Wettervorhersagen und ein Ständiger Ausschuss führte den Dienst weiter. 1867 wurde ein Wetterdienst gegründet, welcher vom Handelsministerium getrennt war. Dieser Dienst umfasste Abteilungen für Seewetterkunde, meteorologische Telegraphenberichte und Agrarmeteorologie. Erster Direktor wurde der irische Meteorologe Robert Henry Scott (1833−1916). Zwischen 1867 und 1874 wurden Marine- und Handelsschiffe mit Barometern, Hygrometern und Thermometern ausgestattet. Damit konnten meteorologische Beobachtungen aus allen Weltmeeren von Grönland bis Australien gewonnen werden, was zur Optimierung von Routen in der Seeschifffahrt führte. Beobachtungen an Land wurden ab 1868 an mehreren Hauptobservatorien durchgeführt, unter anderem Kew (London), Falmouth (Cornwall), Stonyhurst (Nordengland), Aberdeen, Glasgow (beide Schottland) und Armagh (Nordirland). Die meteorologische Gesellschaft (heute Royal Meteorological Society) koordinierte die Sammlung der meteorologischen Daten. Diese waren maßgeblich für die spätere Theorie der Bildung der Kaltfront der Bergener Schule in Norwegen. Ein Hauptaugenmerk des meteorologischen Dienstes war die Sturmvorhersage für die Seeschifffahrt. Eine erste Sturmwarnung wurde 1868 veröffentlicht. Diese Prognosen existieren bis heute und sind unter dem Namen Shipping Forecast (Seewetterdienst) bekannt. Wetterprognosen wurden wieder ab 1879 erstellt. Erwähnenswert ist, dass Niederschlagsmessungen unabhängig davon durch die 1859 gegründete „British Rainfall Organization“ durchgeführt wurden. Deren Messnetz wuchs zwischen 1862 und 1903 von 453 auf 4200 Stationen. 1911 wurden erstmals im Seewetterdienst Vorhersagegebiete als Seegebiete definiert. 1919 wurde die Niederschlagsmessung in den britischen Wetterdienst integriert.

In Belgien waren die wichtigsten meteorologischen Aktivitäten am Königlichen Astronomischen Observatorium in Brüssel konzentriert. Dessen Direktor, der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796−1874) stellte 1823 fest, dass es unmöglich sei, astronomische Beobachtungen ohne Kenntnisse der Struktur von Erde und Atmosphäre zu analysieren. 1833 starteten dort meteorologische Messungen und 1839 folgten phänologische Beobachtungen. Quetelet versuchte, statistische Erkenntnisse auf den Gebieten der Meteorologie und des Erdmagnetismus anzuwenden. Er veröffentlichte zwischen 1845 und 1857 eine ausführliche Monographie zum Klima von Belgien. Sein Nachfolger, der belgische Astronom, Geograph und Biologe Jean-Charles Houzeau (1820−1888) gründete 1878 ein Messnetz aus meteorologischen und klimatologischen Stationen, welches regelmäßige Beobachtungsdaten hoher Qualität lieferte. 1898 begann der meteorologische Dienst des Brüsseler Observatoriums als eigene Institution zu arbeiten. Erster Direktor war der belgische Astronom und Meteorologe Albert Lancaster (1849-1908).

Unter Leitung des niederländischen Wissenschaftlers Christoph Buys Ballot (1817−1890) starteten nach dem Bau eines kleinen meteorologischen Observatoriums auf der Bastion Sonnenborgh in Utrecht 1847 meteorologische Messungen im Staatsgebiet der Niederlande. Dieses Observatorium wurde 1854 zum Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI), dessen Direktor Ballot bis zu seinem Lebensende blieb. 1854 startete ein kleines Messnetz mit vier Stationen in Utrecht, Groningen, Gelder und Vlissingen mit je drei täglichen Wetterbeobachtungen, das schnell ausgebaut wurde. Durch diese Beobachtungen erkannte man den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Windrichtung, wodurch Ballot 1857 das Barische Windgesetz (Gesetz von Buys-Ballot) formulieren konnte. Durch verschiedene Kolonien besonders in Südostasien bestand reges Interesse, meteorologische Beobachtungen auf Schiffen durchzuführen. Ab 1856 wurden maritim-meteorologische Karten publiziert. Ballot ergänzte sein Messnetz um internationale Stationen und unterstützte die Einrichtung von Forschungsstationen rund um die Polarregionen im Rahmen eines Polarjahres. Ballot gilt als Begründer der Meteorologie in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung. Unter der Leitung des niederländischen Meteorologen Maurits Snellen (1840−1907) wurde 1897 das KNMI an seinen heutigen Standort in De Bilt verlegt.

Die Bildung eines meteorologischen Netzwerkes in den deutschen Staaten wurde durch die politische Zersplitterung im 19. Jahrhundert stark erschwert und unterblieb daher.

Der preußische Meteorologe, Geograph und Statistiker Wilhelm Mahlmann (1812−1848) organisierte 1846 ein vorläufiges, 35 Stationen umfassendes meteorologisches Beobachtungsnetz in Preußen. 1847 wurde das Königlich Preußische Meteorologische Institut (PMI) als Abteilung des Preußischen Statistischen Instituts gegründet, welches als meteorologische Zentralstelle des Beobachtungsmessnetzes diente. Die wesentlichen wissenschaftlichen Aktivitäten wurden von dem preußischen Geographen Alexander von Humboldt (1769−1859) koordiniert. Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der Agrarmeteorologie. 1849 wurde der Physiker und Meteorologe Heinrich Wilhelm Dove (1803−1879) aus Schlesien Institutsdirektor. Dove stellte das nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde auf und gilt als Begründer der heutigen Wissenschaft der Meteorologie und der Wettervorhersage. Er veröffentlichte 1828 Wetterkarten, die Windbewegungen an stürmischen Tagen zwischen 1821 und 1823 zeigen. 1865 wurde in Berlin eine „Zentralstelle für Sturmwarnungen“ eingerichtet. Eine intensivere Mitwirkung des Preußischen Meteorologischen Instituts an der internationalen Entwicklung kam erst wieder unter dem Meteorologen und Klimatologen Gustav Hellmann (1854−1939) aus Schlesien, der von 1882 bis 1885 als Interimsleiter eingesetzt war, sowie dem bayerischen Physiker und Meteorologen Wilhelm von Bezold (1837−1907), der von 1885 bis 1907 im Deutschen Reich ordentlicher Leiter des Instituts war, zustande. 1891 wurde das Observatorium in Potsdam fertiggestellt. Erdmagnetmessungen starteten 1890, meteorologische Messungen folgten ab 1893. Erster Direktor wurde der preußische Meteorologe Adolf Sprung (1848−1909).

Gebäude der Deutschen Seewarte in Hamburg-St. Pauli, auf dem Stintfang, 1881, Quelle: Georg Koppmann (1842-1909), über Wikimedia Commons

1867 wurde in Hamburg durch den Mathematiker und Ozeanographen Wilhelm von Freeden (1822−1894) aus Ostfriesland die Norddeutsche Seewarte gegründet. Sie und ihr Nachfolger, die 1875 gegründete Deutsche Seewarte, war eine Zentralanstalt zur Förderung der maritimen Meteorologie im Deutschen Reich. Erster Direktor wurde der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909). Der Deutschen Seewarte oblag der 1875 neu geschaffene Seewetterdienst, den der russisch-deutsche Geograph und Meteorologe Wladimir Köppen (1846−1940) leitete. Die Deutsche Seewarte koordinierte die Forschung der maritimen Meteorologie sowie die Sammlung von Beobachtungen über physikalische Verhältnisse des Meeres und die meteorologischen Erscheinungen auf hoher See, die in Schiffsjournalen (Logbücher) durch die Schiffskapitäne erfasst wurden. Die Prüfung meteorologischer Messinstrumente sowie Chronometer und ab 1906 die Bearbeitung der Küstenmeteorologie und des Sturmwarnungswesens waren ebenfalls wesentliche Arbeitsinhalte der Deutschen Seewarte. Dazu wurden Zweigniederlassungen, Nebenstellen und Überseestationen aufgebaut. Ab 1876 wurden tägliche Wetterkarten veröffentlicht. Die Deutsche Seewarte gilt als Vorgänger des Deutschen Wetterdienstes.

Erste tägliche Wetterkarte der Deutschen Seewarte vom 16. Februar 1876, Quelle: Wladimir Köppen (1846-1940), Foto der Deutschen Seewarte, Universität Hamburg

In Bayern hatte der bayerische Naturforscher Gabriel Knogler (1759−1838) ab 1798 die Leitung des meteorologischen Observatoriums und die erste Professur für Meteorologie an der Kurfürstlichen Baier’schen Landesuniversität zu Landshut inne. Er gab 1802 das erste deutsche meteorologische Lehrbuch „Die Meteorologie“ heraus. 1879 wurde die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in München gegründet. Im selben Jahr begannen meteorologische Messungen. 1882 gab es in Bayern 45 Wetterstationen. 1883 richtete der bayerische Meteorologe Fritz Erk (1857−1909) eine meteorologische Bergstation auf dem Wendelstein ein. 1893 wurde er Direktor der Centralstation. 1900 richtete er auch die Wetterwarte auf der Zugspitze ein. 1910 übernahm der deutsche Physiker, Meteorologe und Klimatologe August Schmauß (1877−1954) die Leitung der Centralstation von Erk. 1917 wurde die Centralstation in Bayerische Landeswetterwarte umbenannt.

Auch in anderen damaligen deutschen Ländern wurden Wetterstationen eingerichtet. 1882 gab es beispielsweise in Württemberg 24 und in Baden 16 meteorologische Stationen.

Für die Einrichtung eines Wetterdienstes in Norwegen spielte der große Bedarf an Wetterberichten für die riesigen Fischereiflotten und Handelsschiffe eine entscheidende Rolle. Der Leiter des Telegraphendienstes, der norwegische Regierungsbeamte Carsten Tank Nielsen (1818−1892), stattete 1860 fünf seiner Stationen mit meteorologischen Instrumenten aus. Von diesen Stationen aus wurden Berichte per Telegraph nach Christiania (dem heutigen Oslo) und an das Pariser Observatorium gesendet, das zu dieser Zeit begann, regelmäßige Wettervorhersagen zu erstellen. Der Wetterbeobachter an der Sternwarte in Christiania war 1864 der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835−1916). Er sandte der Polytechnischen Gesellschaft einen Bericht mit dem Titel „Moderne Meteorologie und Wettervorhersage“. Daraufhin begannen Vorbereitungen zur Gründung eines Departments für Meteorologie an der Universität Christiania. Das Meteorologische Institut wurde 1866 gegründet und Mohn wurde zum ersten Direktor bestellt. Er erhöhte rasch die Anzahl der Wetterstationen. Die dort gesammelten Daten erlaubten klimatologische Studien, die Mohn als „Klimaatlas für Norwegen“ 1916 publizierte. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen. 1870 wurde der „Sturmatlas des Norwegischen Meteorologischen Institutes“ veröffentlicht. Das meteorologische Observatorium in Christiania wurde 1906 eröffnet. Neben anderen Messungen wurden dort auch Messungen der atmosphärischen Elektrizität durchgeführt. Um den Zustand der Atmosphäre in verschiedenen Höhen zu untersuchen, wurden 1909 in Christiania Messungen mit Versuchsballons aufgenommen.

Erste meteorologische Messungen in Schweden wurden 1722 am Observatorium in Uppsala durchgeführt. Diese Daten wurden erst 1855 veröffentlicht. Das erste meteorologische Netzwerk wurde auf Initiative des schwedischen Physikers und Meteorologen Erik Edlund (1819−1888) innerhalb der Schwedischen Akademie der Wissenschaften 1856 bis 1858 eingerichtet. Die Akademie gründete 1873 das Zentrale Meteorologische Institut (Meteorologiska Centralanstalt) in Stockholm. Erster Direktor wurde Edlund. Das Messnetz bestand 1879 aus 32 Wetterstationen. Die Schwedische Gesellschaft für Landwirtschaft gründete 1876 ein Niederschlagsmessnetz mit über 200 Stationen. Der Direktor des Observatoriums in Uppsala, der schwedische Meteorologe Hugo Hildebrand Hildebrandsson (1838−1925), hat hierzu einen besonderen Beitrag geleistet. Zu den Messungen und Beobachtungen gehörten: Gewitterwolken, Hagelschäden, nächtliche Herbst- und Frühlingsfröste sowie das Auftauen und Zufrieren vieler Flüsse und Seen in Schweden. Insbesondere wurden erstmals Mikroklimamessungen der Lufttemperatur in verschiedenen Höhen über dem Boden durchgeführt. Die Bewegungen von Cirrus-Wolken wurden beobachtet. Hildebrandsson organisierte solche Wolkenbewegungen an 21 Stationen, um die Luftströmungen in der Höhe zu untersuchen. Hildebrandsson war maßgeblich an der Klassifizierung Wolken beteiligt und gilt als Entdecker der Southern Oscillation, da ihm erstmals Zusammenhänge der Luftdruckschwankungen zwischen Sydney und Buenos Aires aufgefallen waren. 1878 wurde in Stockholm eine kleine Abteilung für nautische Meteorologie (Nautisk Meteorologiska Buran) gegründet. Die Messungen wurden auf einer kleinen Anzahl von Schiffen während der Fahrt über den Atlantik durchgeführt. 1880 wurden die ersten Wettervorhersagen veröffentlicht. 1908 wurde ein hydrographischer Dienst gegründet, der insbesondere im Bereich der Niederschläge und der Schneebedeckung eng mit dem Zentralen Meteorologischen Institut kooperierte.

Der spanische Mediziner Francisco Fernández Navarrete (1680−1742) schlug 1737 vor, ein meteorologisches Beobachtungsnetz in Spanien zu errichten. Beobachtungsberichte sollten an die Königliche Akademie für Medizin in Madrid gesendet werden. Es gingen nur wenige Berichte ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahmen astronomische und meteorologische Aspekte beim Militär und in der Marine Spaniens einen höheren Stellenwert ein. Der Seefahrer Alessandro Malaspina di Mulazzo (1754−1809) aus der Toskana und der Generalkapitän der dortigen Marine, der spanische Marineoffizier Pedro Fitz-James Stuart (1720−1791), legten 1790 einen Vorschlag zur Einrichtung eines Netzwerks von Wetterbeobachtungsstationen vor. In diesem wurden nur Wetterbeobachtungen von 1814 bis 1834 zusammengetragen und keine Messungen, was den wissenschaftlichen Wert schmälerte. 1847 wurde das Astronomische Observatorium Madrid fertiggestellt, welches als meteorologisches Zentrum für Spanien galt. 1850 wurde ein Messnetz mit 23 Wetterstationen eingerichtet, deren Organisationsgrad ab 1858 durch die Junta de Estadística, die Statistische Kommission, verbessert wurden. 1874 begannen systematische Wetterbeobachtungen und Messungen auf Schiffen.

In Portugal wurden zwischen November 1724 und Januar 1725 erstmals täglich mit Instrumenten gemessene Wetterdaten in Lissabon durch den portugiesischen Mediziner Diogo Nunes Ribeiro (1668−1744) aufgezeichnet. Am 19. November 1724 traf ein schwerer Sturm Lissabon, was in den Aufzeichnungen mit einem Druckfall des Barometers von 37 hPa in 26 Stunden ablesbar war. Aus Funchal auf Madeira liegen Aufzeichnungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zwischen 1749 und 1753 vor, die der englische Mediziner Thomas Heberden (1703−1769) durchführte. 1853 wurde das erste Meteorologische und Geophysikalische Observatorium an der Polytechnischen Schule auf Vorschlag des portugiesischen Mathematikers Guilherme Pegado (1803−1885) gegründet, der dann zum ersten Direktor bestellt wurde. Er schlug die Etablierung eines Messnetzes vor und 1854 starteten systematische Messungen. 1856 wurde das Observatorium in den heute noch bekannten Namen Observatorium des Institutes Dom Luís umbenannt. Neben meteorologischen Beobachtungsreihen war Pegado auch an Messungen des Erdmagnetismus und atmosphärischer Elektrizität interessiert. 1865 wurden Wetterstationen auf den Azoren und auf Madeira eröffnet. Ab 1865 wurden Wettervorhersagen für Portugal erstellt, ab 1882 wurden Analysekarten veröffentlicht, die die Wettersituation darstellten. Verbindungen zu meteorologischen Beobachtungen durch Stationen in Kolonien wie Macau und Angola waren mit Schwierigkeiten verbunden. Schwerpunkte meteorologischer Forschung verlagerten sich zum Atlantik. 1901 begann ein unabhängiger meteorologischer Dienst auf den Azoren. Nach Eingliederung der Polytechnischen Schule in die Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Lissabon war das nun bezeichnete Zentrale Meteorologische Observatorium für den nationalen Klimadient verantwortlich. 1937 wurde der portugiesische Physiker Herculano Amorim Ferreira (1895−1974) von den Azoren zum Direktor des Observatoriums bestellt. Er erweiterte die meteorologischen Aufgaben des Observatoriums. 1946 wurde der nationale meteorologische Wetterdienst gegründet, dessen erster Direktor Ferreira wurde.

Über frühe meteorologische Messungen in Dänemark liegen nur wenige Erkenntnisse vor. 1742 wurde die Königliche Dänische Akademie der Wissenschaften gegründet, die kurz darauf erste meteorologische Messungen am Rundetårn-Observatorium in Kopenhagen veranlasste. Erste systematische meteorologische Beobachtungen liegen für Kopenhagen ab 1768 vor. Der dänische Physiker und Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted (1777−1851) schlug 1820 vor, dass systematische Beobachtungen meteorologischer Bedingungen in Dänemark durchgeführt werden sollten. Doch erst nach einem berühmten Ereignis während des Krimkriegs 1854, als ein Sturm die englisch-französische Flotte überraschte (siehe auch im Abschnitt zu Frankreich oben), kam Bewegung in die Sache. Auf Initiative des dänischen Physikers und Ingenieurs Ludwig August Colding (1815−1888) wurde 1872 das Dänische Meteorologische Institut gegründet. Colding forschte besonders zur Wärmelehre, er veröffentlichte auch ein Werk über tropische Zyklonen. Das Institut hatte unter seinem ersten Leiter, dem dänischen Meteorologen Niels Hoffmeyer (1836−1884), anfangs vier Mitarbeiter und sollte Beobachtungsdaten beschaffen, diese an die Öffentlichkeit verbreiten und die Meteorologie wissenschaftlich weiterentwickeln. Hoffmeyer erwarb sich wesentliche Verdienste durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten und durch die Untersuchung der Einwirkung und Verteilung von Land und Wasser auf Temperatur und Luftdruck an skandinavischen Küsten. 1873 wurden erstmals meteorologische Messungen auf Bornholm und 1874 auf Jütland durchgeführt. Auf den Färöer-Inseln wurde eine Wetterstation in Tórshavn 1873 in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit liegen Temperaturdaten vor, Niederschlagsdaten folgen ab 1890. Auf Grönland wurde die erste Wetterstation in Godthåb (Nuuk) 1784 errichtet. 1807 folgten weitere in Jakobshavn (Ilulissat) in West- und Julianehåb (Qaqortoq) in Südgrönland. Die erste Wetterstation in Nordwestgrönland startete 1873 in Upernarvik mit Messungen. Aus Ostgrönland liegen seit 1895 durch die Wetterstation Ammassalik (Tasiilaq) Messdaten vor. Nordgrönland folgte erst 1948 mit einer Wetterstation in Pituffik.

Island gehörte lange Zeit zu Dänemark. Im 17. und 18. Jahrhundert war es nur wenigen Isländern vergönnt, eine naturwissenschaftliche akademische Ausbildung in Kopenhagen zu erlangen. Die Royal Society in London schickte 1664 ein Thermometer nach Island. Nur in einem Brief aus dieser Zeit wurde es erwähnt und somit ist unklar, inwieweit es eingesetzt wurde. Ungünstige Wetterbedingungen und Meereisverhältnisse führten wiederholt zu Hungerkatastrophen auf Island. Die ersten Wetterbeobachtungen führte der dänische Jurist Niels Horrebow (1712−1760) während eines Islandaufenthaltes von August 1749 bis zum Juli 1751 in Bessastaðir durch. Horrebow veröffentlichte das Werk „Tilforladelige efterretninger om Island“ (Die Naturgeschichte von Island). 1779 errichtete die Königlich Dänische Akademie der Wissenschaften ein erstes meteorologisches und astronomisches Observatorium in Lambhús nahe Reykjavík. Daneben gab es meteorologische Messungen durch Privatpersonen, beispielsweise durch den isländischen Schriftsteller und Distriktverwalter Magnús Ketilsson (1732−1803) zwischen 1779 und 1802 in Búðardalur sowie den isländischen Mediziner und Naturforscher Sveinn Pálsson (1762−1840) zwischen 1798 und 1812 im Süden Islands. Pálsson veröffentlichte ein grundlegendes Werk zur isländischen Glaziologie und Vulkanologie. 1807 wurde eine Wetterstation im Norden Islands in Akureyri eröffnet und eine siebenjährige Messreihe begann. Der isländische Mediziner Jón Þorsteinsson Thorstensen (1794−1855) führte 1820 bis 1854 in Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften meteorologische Messungen in Reykjavík durch. Der isländische Handels- und Heimatwissenschaftler Árni Ólafsson Thorlacius (1802−1891) führte von 1845 bis 1891 Messungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag in Stykkishólmur durch, was den Beginn systematischer Messungen in Island markierte. 1920, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Islands, wurde Veðurstofa Íslands, der Isländische Meteorologische Dienst, gegründet. Erster Direktor wurde der isländische Physiker und Meteorologe Þorkell Þorkelsson (1876−1961).

Im nächsten Teil dieser Serie wird dieselbe Entwicklung im östlichen und südlichen Teil Europas beleuchtet.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Geschichte-der-Meteorologie-1.jpg 1024 723 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-08 13:10:342026-08-14 09:46:59Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler

24. Juli 2026/in Allgemein, Wetter/von WINDINFO

Laut einer Boot Online Umfrage nutzen bereits 36% der Bootfahrer regelmäßig Wetter-Apps auf mobilen Geräten. Wer bei Wind und Welle unterwegs ist, ob als Segler, Kitesurfer oder Wanderer, braucht verlässliche Wetterinformationen. Kein Bauchgefühl der Welt ersetzt eine gute App mit aktuellen Modelldaten.

Warum Wetter-Apps für Segler und Wassersportler unverzichtbar sind

Der klassische Seewetterbericht im Radio gehört der Vergangenheit an. 52 Jahre lang strahlte das Deutschlandradio täglich Wind- und Warnmeldungen aus, langsam und deutlich vorgelesen, damit Skipper problemlos mitschreiben konnten. Ende 2015 schaltete der Sender zunächst die Mittelwellensender ab, was das Ende der Frequenz 1269 kHz bedeutete. Seit März 2016 ist der Seewetterbericht im Radio Geschichte. Wer ihn vermisst, findet auf NDR Info Spezial noch zweimal täglich einen Seewetterbericht, um 8.30 Uhr und um 23.03 Uhr, plus einen Podcast zum Abonnieren.

Dieser Wandel zeigt, wohin die Reise geht. Wetter-Apps liefern heute mehr Daten, schneller und präziser als jede Radiosendung es je konnte. Ähnlich wie Nutzer bei der Wahl eines seriöses Online Casino Schweiz auf verlässliche Informationen und transparente Bewertungen achten, sind auch auf dem Wasser aktuelle und zuverlässige Wetterdaten unverzichtbar. Für Segler, die auf Ankerplatz-Suche sind, spielt das Wetter beim Ankern eine zentrale Rolle. Wind aus der falschen Richtung, eine unerwartete Dünung oder eine Gewitterfront – das sind keine akademischen Probleme. Das sind Situationen, die über Sicherheit oder Havarie entscheiden.

Wer also noch auf „Gut Glück“ losfährt, handelt fahrlässig. Zum Glück bietet der Markt heute eine Vielzahl spezialisierter Wetter- und Wind-Apps, die den Bordalltag erheblich erleichtern, und das zu überraschend moderaten Preisen.

Die besten Wetter-Apps für Segler, Kitesurfer und Outdoor-Sportler

Hier sind die wichtigsten Anwendungen, nach Profil und Anwendungsfall geordnet :

  1. Windy: animierte Wetterkarten, Sturmentwicklungen in Echtzeit, Wetterberichte weltweit abrufbar. Die Basis-Version ist kostenlos, die Premium-Version kostet 21 Euro pro Jahr.
  2. PredictWind: mehrere Vorhersagemodelle, GRIB-Daten-Integration, ideal für Langstreckensegler. Kostenlose Basisversion verfügbar, Mitgliedschaft ab 35 Euro pro Jahr.
  3. Weather4D: Wettervorhersage kombiniert mit Routenanpassung in Echtzeit, für 29,99 Euro pro Jahr.
  4. Windfinder: Daten von über 160.000 Stationen weltweit, besonders bei Surfern und Kitesurfern beliebt. Basis kostenlos, Pro-Version für einmalig 10 Euro.
  5. Seewetter Pro: spezialisiert auf Nordsee, Ostsee und Mittelmeer, mit 6-Tage-Gezeitenvorhersage, 3-Tages-Seewettervorschau, animierten Meeresströmungskarten und einer Notfall-Funktion für Seenotrufe per Funk und Telefon.
  6. WeatherPro: mehrfacher Testsieger unter allgemeinen Wetter-Apps, bietet eine 7-Tage-Vorhersage in 3-Stunden-Intervallen mit Windrichtung, Luftdruck und Temperatur. Mit Premium-Upgrade steigen die Vorhersagewerte auf bis zu 14 Tage.
  7. ADAC Skipper App: hochauflösende Wettermodelle, stündliche Darstellungen zu Wind, Welle und Niederschlag. 19,99 Euro jährlich für ADAC-Mitglieder, 24,99 Euro für Nicht-Mitglieder.

Windfinder Pro verdient dabei besondere Erwähnung : Messwerte von über 17.000 Wetterstationen weltweit fließen ins Superforecast-Modell ein, das stündliche Werte für Europa, Ägypten und Nordamerika liefert. Für Kitesurfer, die auf einen bestimmten Windkorridor warten, ist das Gold wert.

Die besten Apps für Ankerplätze, Häfen und Liegeplätze

Wetterplanung ist die eine Seite. Die andere ist das Finden des richtigen Platzes zum Übernachten. Drei Apps dominieren diesen Bereich klar.

Navily sticht durch seine Community-Stärke hervor: Nutzerbewertungen, Fotos und Erfahrungsberichte machen das Ankern planen so konkret wie ein Gespräch mit einem Segelkollegen. Navionics punktet dagegen mit technischer Tiefe, denn die detaillierten Seekarten mit Sonardaten liefern Informationen, die kein Papieratlas je abbilden konnte.

Dockwa löst ein alltägliches Problem elegant. Wer kennt nicht das lästige Durchklingeln von Marinas am späten Nachmittag ? Die App ermöglicht Liegeplatz-Buchungen direkt ohne Telefonat, schnell und zuverlässig. Kostenlos dazu, was will man mehr.

So wählst du die richtige Wind-App für deinen Sport

Nicht jede App passt zu jedem Profil. Langstreckensegler brauchen GRIB-Daten und Routenplanung. Kitesurfer wollen präzise Windvorhersagen für kurze Zeitfenster. Wanderer und Mountainbiker benötigen vor allem zuverlässige Kurzfristvorhersagen mit Niederschlagsradar.

Ich empfehle grundsätzlich, mindestens zwei Apps parallel zu nutzen : eine für die allgemeine Wetterplanung und eine für spezifische Sportbedingungen. Eine Kombination aus einer kostenlosen Basisversion und einer gezielten Premium-App bleibt meist unter 40 Euro im Jahr, ein Betrag, der gemessen am Sicherheitsgewinn lächerlich gering ist.

Bild: AdobeStock_474217751 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/AdobeStock_474217751-scaled.jpeg 1423 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 09:59:312026-07-25 11:16:05Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler

Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

21. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

KI-basierte Vorhersagemodelle sorgten damals für Schlagzeilen wie „GraphCast: Google-KI sagt Wetter besser vorher als aktuelle Modelle“. Im Gegensatz zu klassischen physikalischen Wettermodellen, die den zukünftigen Zustand der Atmosphäre aus Beobachtungen, Datenassimilation und der numerischen Lösung physikalischer Gleichungen berechnen, lernen KI-Modelle atmosphärische Entwicklungen aus großen Mengen historischer Wetterdaten. Mithilfe neuronaler Netzwerke erkennen sie typische Muster und Zusammenhänge, die anschließend für neue Vorhersagen genutzt werden können.

Modelle wie GraphCast oder Pangu-Weather haben erstmals gezeigt, dass neuronale Netze in vielen Bereichen mit klassischen numerischen Wettermodellen konkurrieren können. Damals lautete die zentrale Frage: „Wird Künstliche Intelligenz die Wettervorhersage revolutionieren?” Heute lässt sich diese Frage differenzierter beantworten. KI verändert die Wettervorhersage zwar grundlegend, jedoch nicht durch den Ersatz klassischer Modelle, sondern durch ihre Integration in die gesamte Vorhersagekette. (siehe Thema des Tages vom 19.11.2023)

Inzwischen wurden zahlreiche weitere globale KI-Modelle entwickelt, darunter das AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), das operationell eingesetzt wird. Ein großer Vorteil von KI-Modellen gegenüber klassischen numerischen Modellen ist ihre hohe Geschwindigkeit. So benötigt die Berechnung einer Vorhersage nur einen Bruchteil der Rechenleistung und kann teilweise sogar auf handelsüblicher Hardware erfolgen.

Eine Herausforderung für die erste Generation von KI-Wettermodellen war die Erstellung leistungsfähiger (siehe Thema des Tages vom 09.06.2020), um die Vorhersageunsicherheit abschätzen zu können. Während klassische Wettermodelle bereits seit Jahrzehnten Ensemblevorhersagen mit vielen leicht unterschiedlichen Modellläufen erzeugen, standen solche Verfahren bei KI-Modellen zunächst weniger im Fokus. Auch hier hat sich mittlerweile viel getan. So können bei KI-basierten Wettermodellen beispielsweise Ensembles erzeugt werden, indem mehrere leicht unterschiedliche Anfangszustände der Atmosphäre in das Modell eingespeist werden. Zusätzlich können stochastische Verfahren oder unterschiedliche Modellvarianten genutzt werden, um die Unsicherheit der Prognose abzubilden. Aus der Streuung der vielen Vorhersagen lässt sich anschließend die Wahrscheinlichkeit verschiedener Wetterentwicklungen ableiten. Die Grundidee entspricht damit der von klassischen Ensembles, allerdings können die einzelnen Vorhersagen deutlich schneller berechnet werden.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) arbeitet mit AICON an einem eigenen KI-basierten Wettermodell, um die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz für die operationelle Wettervorhersage zu nutzen. Dabei stehen insbesondere die Anforderungen europäischer Wetterlagen im Mittelpunkt. AICON soll das bestehende ICON-System nicht ersetzen, sondern es ergänzen. Bereits heute wird es als zusätzliches Werkzeug zur Bewertung der Wetterentwicklung eingesetzt.

Mit einer Auflösung von derzeit etwa 13 km ist ICON jedoch noch zu grob, um kleinräumige Prozesse wie einzelne Gewitter, lokale Starkregenereignisse oder regionale Windsysteme detailliert abzubilden. In der Kurzfristvorhersage bis etwa zwei Tage kommen deshalb hochaufgelöste Regionalmodelle wie ICON-D2 mit einer Gitterweite von rund zwei Kilometern zum Einsatz. Diese können beispielsweise Gewitterzellen explizit berechnen und werden in einem schnellen Aktualisierungszyklus stündlich neu gerechnet.

Eine wichtige zukünftige Herausforderung ist daher die Entwicklung hochaufgelöster KI-basierter Wettermodelle für die konvektive Skala. Von solchen Systemen erwartet man schnellere Vorhersagen mit höherer Detailgenauigkeit und verbesserten Wahrscheinlichkeitsinformationen. Dies ist insbesondere für die Vorhersage von Gewittern, Starkregen und lokalen Windsystemen von Bedeutung.

Doch nicht nur die Wettervorhersage selbst profitiert von KI. Jede Prognose beginnt mit einer Analyse des aktuellen Zustands der Atmosphäre. Diese ist äußerst rechen- und zeitaufwendig, da Milliarden von Beobachtungen verarbeitet werden müssen. KI-Ansätze bieten hier neue Möglichkeiten: Sie ermöglichen eine effizientere Nutzung heterogener Daten, beschleunigen Verarbeitungsprozesse und helfen dabei, Beobachtungsfehler besser zu erkennen.

Schema KI

Einen wichtigen Meilenstein erreichte der DWD mit AI-VAR, einem der weltweit ersten vollständig KI-basierten Verfahren zur Datenassimilation. Dabei werden Beobachtungsdaten mithilfe eines neuronalen Netzes direkt in einen Analysezustand der Atmosphäre überführt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für sogenannte hybride Modelle, bei denen KI-gestützte Analyseverfahren mit physikalischen Wettermodellen kombiniert werden.

Auch im Bereich des Nowcastings, also der kurzfristigen Vorhersage für die kommenden Minuten bis Stunden, findet KI zunehmend Anwendung. Beispiele hierfür sind die Ableitung flächiger Niederschlagsinformationen aus Satelliten- und Radardaten oder die automatische Erkennung der Niederschlagsart – beispielsweise Regen, Schnee oder Hagel – aus Radarbeobachtungen. Durch die Kombination verschiedener Datenquellen kann KI dabei helfen, kurzfristige Wetterentwicklungen noch präziser zu erfassen.

Trotz aller Fortschritte bleibt die Wettervorhersage aufgrund der chaotischen Natur der Atmosphäre begrenzt. KI-Modelle müssen physikalisch konsistent bleiben und können die grundlegende Unsicherheit der atmosphärischen Entwicklung nicht aufheben. KI-Ensemblevorhersagen wirken derzeit noch zu glatt und decken nicht alle Vorhersagemöglichkeiten ab. Zudem lernt KI aus Daten vergangener Wetterlagen. Die Prognose seltener Extremereignisse bereitet nach wie vor Schwierigkeiten. Die Interpretation und Bewertung der Ergebnisse durch Meteorologinnen und Meteorologen ist daher weiterhin ein entscheidender Bestandteil der Vorhersage.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass künstliche Intelligenz die klassische Wettervorhersage nicht ersetzt, sondern ihre Möglichkeiten erweitert. Die Wettermodelle der Zukunft werden die Stärken beider Ansätze vereinen: die physikalische Beschreibung der Atmosphäre und die Fähigkeit der KI, komplexe Muster in großen Datenmengen zu erkennen.

KI wird für Meteorologinnen und Meteorologen damit zu einem immer leistungsfähigeren Werkzeug, das neue Möglichkeiten bei Analyse, Prognose und Warnung eröffnet.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.07.2026
(c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Zwischen-Physik-und-Kuenstlicher-Intelligenz-–-Wie-KI-die-Wettervorhersage-veraendert.png 1024 1536 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-21 16:37:482026-07-24 16:09:39Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

Die Wettervorhersage für den D-Day

7. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der „D-Day“ (Decision Day) am 06. Juni 1944 war der erste Tag der Invasion der Alliierten (USA, Kanada, Großbritannien und weitere Verbündete) an der französischen Atlantikküste in der Normandie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese groß angelegte Militäraktion startete unter dem Decknamen „Overlord“ und beinhaltete die Einnahme deutscher Stellungen in der Normandie und die Errichtung mehrerer Brückenköpfe, um den Nachzug weiterer Truppen zu ermöglichen. Von dort aus sollte dann die Befreiung des westlichen Europas von der Naziherrschaft erfolgen.

Da diese Militäraktion die Überquerung des unberechenbaren Ärmelkanals mit teils nur bedingt hochseetauglichen Transportbooten erforderte, war eine erfolgreiche Landung maßgeblich vom Wetter abhängig. Die Prognose eines geeigneten Zeitfensters mehrere Tage im Voraus war zur damaligen Zeit fast nicht möglich, denn bereits die Vorhersage des nächsten Tages gestaltete sich schwierig. Zumal es sich bei dieser Region um eine handelt, in der das Wetter sehr variabel ist. Aufgrund dieser Variabilität ist eine Vorhersage über mehrere Tage auch heute noch nur begrenzt möglich. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass diese Wettervorhersage im Jahr 1944 eine der wichtigsten in der Geschichte werden sollte.

Zumal das Militär mehrere Grundvoraussetzungen festlegte:

– Ebbe, um mögliche Unterwasserhindernisse des Feindes erkennen zu können, aber auch Flut, um nicht bereits weit vor der Küste an Land gehen und sich somit früh im Visier der deutschen Maschinengewehre bewegen zu müssen;
– Trockener und für schwere Fahrzeuge tragfähiger Boden, somit sollte es in den Tagen zuvor wenig bis gar nicht geregnet haben;
– Gute Lichtverhältnisse beim nächtlichen Einsatz von Transportflugzeugen und Bombern, was vor allem bei Vollmond gegeben wäre;
– Kein Morgennebel und kaum Wolken für gute Sichtbedingungen der Fallschirmjäger und
– Auflandiger Wind von maximal 20 km/h, aber keine Windstille.

Im Mai 1944 wurde der D-Day auf den Morgen des 05. Juni terminiert. Anfang Juni war das Wetter sehr wechselhaft, da über dem Atlantik ein Tiefdruckgebiet dem nächsten folgte. Nun sollte der D-Day verschoben werden. Um den Moment eines Überraschungsangriffs nicht zu versäumen, wurde der D-Day aber nur um einen Tag verschoben.

Die Vorhersagen wichen damals stark voneinander ab, sowohl bei den Alliierten untereinander als auch im Vergleich zur deutschen Vorhersage. Für den 05. Juni sollte der Chefmeteorologe Eisenhowers recht behalten, denn eine Kaltfront sorgte für viel Wind und Regen, was die Militäraktion unmöglich gemacht hätte. Hinter der Kaltfront zeichnete sich für den 06. Juni eine vorübergehende Wetterberuhigung im Zusammenhang von Zwischenhocheinfluss ab und somit eröffnete sich ein kurzes Zeitfenster für eine mögliche Invasion. Auf deutscher Seite rechnete man weiterhin mit wechselhaftem und stürmischem Wetter. Dies lag auch daran, dass die Deutschen keine Wetterdaten auf dem Gebiet des Atlantiks zur Verfügung hatten.

Somit wurde am 06. Juni das Überraschungsmoment vonseiten der Alliierten genutzt, auch wenn sich das Wetter tatsächlich erst im Tagesverlauf besserte. Viele Soldaten hatten da bereits ihr Leben lassen müssen, denn insbesondere zu Beginn der Landung waren die Verluste groß.

Ausschnitt aus der Wetterkarte der Zentralen Wetterdienstgruppe (ZWG) des Generalstabes der Luftwaffe vom 6. Juni 1944, 11 DSZ

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.06.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Die-Wettervorhersage-fuer-den-D-Day.png 838 1183 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-07 17:21:192026-06-15 20:36:22Die Wettervorhersage für den D-Day

Aprilwetter im Juni

5. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am gestrigen Donnerstag zeigte sich das Wetter sehr turbulent und es wurden zahlreiche markante Gewitterwarnungen ausgegeben. Vereinzelt wurde auch die rote Karte (Unwetterwarnung) gezogen. Dennoch muss konstatiert werden, dass die Lage glimpflicher über die Bühne lief, als im Voraus befürchtet. Möglicherweise hat die verbreitet im Vorfeld vorhandene Schichtbewölkung sowie eine stabilere Grundschicht als angenommen verhindert, dass die Luftmasse energetisch stärker aufbereitet werden konnte. Dennoch gibt es derzeit einen bestätigten Tornado der Stärke IF1 (Thema des Tages vom 11.04.2024) in Gronau (Westfalen) an der holländischen Grenze. Mögliche weitere Schadensfälle müssen noch untersucht werden.

Das wechselhafte Wetter findet auch in den kommenden Tagen seine Fortsetzung, wenngleich der Süden am Wochenende von den Hochdruckgebieten DJAMSCHID und EMIL profitiert. Der Norden bleibt hingegen im Einflussbereich des Tiefdruckgebietes QUELLA mit Kern über Nordwesteuropa.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Samstag, den 06.06.2026 um 12 UTC (Quelle: DWD)

Am heutigen Freitag gibt es wechselhaftes Aprilwetter – und das mitten im Juni. Sonne, Wolken und Regenschauer sowie einzelne kurze Gewitter wechseln einander ab. Die Intensität und Häufigkeit der Schauer und Gewitter lässt gegenüber dem Vortag allerdings nach und auch der Wind weht bei weitem nicht mehr so ruppig. Da er aber nach wie vor aus westlichen Gefilden daherkommt, erwärmt sich die Luft lediglich auf mäßig warme 18 bis 22 Grad. In der Nacht zum Samstag klingen die Schauer zwar ab, aber es wird mit oftmals nur einstelligen Tiefstwerten empfindlich frisch. Es lohnt sich also am Abend eine Jacke oder Decke für die zahlreichen Outdoorveranstaltungen mit einzupacken. Örtliche Nebelfelder am Samstagmorgen erinnern schon an den Frühherbst und das, wo der Sommer im meteorologischen Sinne gerade erst begonnen hat.

Am Samstag tummeln sich über dem Westen und Norden einige Wolken und im Tagesverlauf kommen erneut gebietsweise Schauer und Gewitter auf. Bestes Grill- und Freizeitwetter deutet sich hingegen für die Südosthälfte an. Dort kann sich die Sonne länger am Himmel zeigen und in der Lausitz sind sommerliche Höchstwerte um 25 Grad zu erwarten. Ansonsten werden 18 bis 24 Grad erreicht.

Vorhersagekarte mit Symbolen und Höchstwerten am Samstag, den 06.06.2026 (Quelle: DWD)

Am Sonntag ergibt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Während im Norden wiederum unbeständiges Wetter mit wenig Sonne auf dem Programm steht, hat die Sonne im Süden die Spendierhosen an. Sie treibt die Temperaturen dort auf frühsommerliche Werte um 25 Grad, während man sich sonst mit 19 bis 23 Grad begnügen muss. Dazu lebt der Wind im Norden und der Mitte gelegentlich unangenehm böig auf.

In der neuen Woche deutet sich kein stabiles Sommerhoch an. Ganz im Gegenteil: Weiterhin haben Tiefdruckgebiete über Nordwesteuropa das Zepter in der Hand und sorgen für einen sehr unbeständigen und meist nur mäßig warmen Witterungsabschnitt. Lediglich am Montag werden in der Südosthälfte sommertaugliche Höchstwerte zwischen 24 und 28 Grad erwartet.

Vorhersagekarte mit Symbolen und Temperaturen am Sonntag, Montag und Dienstag (Quelle: DWD)

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.06.2026
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Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

4. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Auch in diesem Jahr findet im und um den Monat Juni in vielen deutschen Städten der Christopher Street Day (CSD) statt. Der CSD erinnert an den geschichtsträchtigen 28. Juni 1969, als queere Menschen sich während einer Polizeirazzia in der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ gegen die systematische Kriminalisierung, Unterdrückung und Marginalisierung zur Wehr setzten, und damit einen Wendepunkt im Kampf für rechtliche und gesellschaftspolitische Gleichberechtigung einläuteten. Frei nach dem in der Meteorologie vielzitierten chaostheoretischen Konzept des Schmetterlingseffekts – eine kleine Veränderung kann große Auswirkungen haben – schlugen die Stonewall-Proteste in einer kleinen Bar in der Christopher Street große Wellen: Als sich der Aufstand 1970 zum ersten Mal jährte, fand anlässlich dessen in New York der erste Christopher Street Liberation March statt – eine anfangs kleine Demonstration entlang der Sixth Avenue Richtung Central Park, der sich alsbald deutlich mehr Menschen anschlossen als ursprünglich erwartet. Ein Zeitzeuge erinnert sich mit den Worten „[…] was in Downtown New York als Fragezeichen begann endete in einem Ausrufezeichen.“ Ähnliche Versammlungen fanden 1970 bereits in drei weiteren US-amerikanischen Großstädten statt, und in den folgenden Jahren schlossen sich auch international mehr und mehr Städte dem an, was heute eine weltweite Erinnerungs- und Protestbewegung gegen Diskriminierung und für Sichtbarkeit für LSBTIQ* und Vielfalt ist.

Der Deutsche Wetterdienst wird den CSD in den kommenden Wochen mit Wettervorhersagen für die Städte Dresden, München, Köln, Leipzig, Frankfurt am Main, Stuttgart, Berlin, Bonn, Hamburg und Essen begleiten. Wie oben bereits erwähnt macht in dieser Reihe Dresden am kommenden Samstag den Auftakt. Dabei die wichtigste Information vorweg: Das Wetter am Samstag wird dem CSD keinen Strich durch die Rechnung machen. Nachdem am heutigen Donnerstagabend und am morgigen Freitag Schauer und Gewitter das Rahmenprogramm des CSD in Dresden begleiten werden, setzt am Freitagabend eine deutliche Wetterberuhigung ein. Die letzten Schauer klingen ab und in der Nacht auf Samstag klart es zeitweise auf. Sollte sich dabei Nebel bilden löst sich dieser am Samstagmorgen rasch auf, und der Tag beginnt mit viel Sonnenschein. Die Temperaturen steigen im Tagesverlauf auf bis zu 24 Grad. Von Westen her zieht am Nachmittag zunehmend Bewölkung auf, was am Abend oder Eingangs der Nacht in leichten Regen gipfeln könnte – sofern überhaupt Niederschlag am Boden ankommt. Die maximal zu erwartenden Regenmengen liegen dabei bis Mitternacht bei weniger als 5 mm. Ein angenehmer Effekt der Bewölkung ist die reduzierte Ausstrahlung, wodurch die nächtlichen Temperaturen nicht unter 13 Grad fallen.

Wettervorhersage für den CSD in Dresden am kommenden Samstag, den 06. Juni 2026.

Mit unserer Wettervorhersage für den CSD möchten wir ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Denn Vielfalt wird bei uns im DWD großgeschrieben: unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität, ethnischer und sozialer Herkunft, Nationalität, Religion oder Weltanschauung, körperlichen & geistigen Fähigkeiten, Alter sowie sexueller Orientierung – bei uns sollen sich alle willkommen und wertgeschätzt fühlen.
Das CSD-Wetter ist eine Idee aus unserem queeren Netzwerk bunt@dwd. Der Deutsche Wetterdienst ist dabei mit: „Wir können Regenbogen“.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Wichtige Links auf der Homepage

8. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Webseite des DWD ist sehr komplex und von vielen Untermenüs geprägt. Man findet auf ihr zum Beispiel Informationen zum allgemeinen Wetter, zu Klima und Umwelt, zur Forschung, zum Aufbau des DWD, zu den Leistungen und vielem mehr. Auch Freizeitgärtner, Hobbymeteorologen, die Land- und Forstwirtschaft oder auch die Wasserwirtschaft werden mit Informationen gespeist. 

Einen fachlich fundierten Einblick in die Wettervorhersage für die nächsten 72 Stunden liefern die synoptischen Übersichten Kurzfrist Vormittag und Abend: https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/hobbymet/wetter_deutschland/_functions/PlainTeaser_synUebersichten/nas_bericht_syn_ueb_kurzfrist_frueh.html und https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/hobbymet/wetter_deutschland/_functions/PlainTeaser_synUebersichten/nas_bericht_syn_ueb_kurzfrist_abd.html.
Für die mittelfristigen Aussichten (3 bis 10 Tage) gibt es die synoptische Übersicht Mittelfrist: https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/hobbymet/wetter_deutschland/_functions/PlainTeaser_synUebersichten/nas_bericht_syn_ueb_mittelfrist.html. 

Einen Überblick über die aktuellen Analyse- und Prognosekarten findet sich unter https://www.dwd.de/DE/leistungen/hobbymet_wk_europa/hobbyeuropakarten.html. 

Wetterberichte sind unter folgendem Link einsehbar: https://www.dwd.de/DE/wetter/vorhersage_aktuell/vhs_brd_node.html. 

Warnungen sind zwar auch auf der Startseite verlinkt, aber der direkte Pfad dazu lautet: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node.html. 

Wer sich für aktuelle Radar- und Satellitenbilder sowie Seewetterkarten interessiert, wird auf: https://www.dwd.de/DE/leistungen/radarbild_film/radarbild_film.html#buehneTop, https://www.dwd.de/DE/leistungen/satellit_betrachter/sat-viewer/sat-viewer_node.html und https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/schifffahrt/seewetter/seewetter_node.html fündig. Dabei kann beim Radarbild auf eine barrierefreie Darstellung umgestellt werden. 

Wer sich für Klimadaten interessiert, dem sei das Climate Data Center (CDC) ans Herz gelegt. Unter https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/cdc/cdc_node.html findet man unter anderem historische Stationsdaten in stündlicher, täglicher und jährlicher Auflösung. 

Einen schnellen Überblick zu den aktuellen Beobachtungswerten und zu denen des Vortages für ausgewählte Stationen erhält man unter https://www.dwd.de/DE/leistungen/beobachtung/beobachtung.html. 

Freizeitgärtnern kann unter https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/freizeitgaertner/1_gartenwetter/_node.html geholfen werden, denn hier gibt es einige Hinweise beispielsweise zur Frostgefährdung oder zum Bewässerungsintervall. 

Nicht nur für Freizeitgärtner, sondern auch für alle für die die Bodenfeuchte sowie weitere Wasserhaushaltsgrößen von Bedeutung sind, ist folgender Link hilfreich: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klima-webdienste/bodenfeuchteviewer_node.html. 

Das Zentrum für Medizin-Meteorologische-Forschung stellt unter https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/ku_beratung/gesundheit/gesundheit_node.html viele Produkte und Leistungen zur Verfügung. Hierzu gehören beispielsweise der Pollenflug-Gefahrenindex, der thermische Gefahrenindex oder der UV-Gefahrenindex. 

Wen Klimavorhersagen faszinieren, der kann sich unter: https://www.dwd.de/DE/leistungen/kvhs_de/0_main/start_node.html?nn=754748 informieren. 

Zeitreihen und Trends zu unterschiedlichen Wetterparametern wie Niederschlag, Sonnenschein oder Temperatur werden unter https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.html#buehneTop dargestellt. 

Aktuelle Forschungsthemen oder Monats- sowie Jahreszeitenrückblicke werden unter den Pressemitteilungen unter: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen_node.html veröffentlicht. 

Falls Sie sich für ältere Themen des Tages interessieren, schafft folgender Link Abhilfe: https://www.dwd.de/SiteGlobals/Forms/ThemaDesTages/ThemaDesTages_Formular.html.

Das waren jetzt nur ein paar Links. Bei weiteren Fragen oder Anmerkungen können Sie sich gerne an den Kontakt TdT@dwd.de wenden. Weitere Kontaktmöglichkeiten sind unter: https://www.dwd.de/DE/service/kontakt/kontakt_node.html aufgeführt. 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-08 21:15:482025-04-16 15:44:47Wichtige Links auf der Homepage

Tag der Mathematik

14. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der IDM – internationale Tag der Mathematik – wurde im Jahr 2020 ins Leben gerufen. Auf der 40. Generalkonferenz der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) 2019 wurde der Welttag beschlossen und verkündet. Ziel ist es, ein globales Bewusstsein für die Wichtigkeit der Mathematik zu schaffen. Es gibt keinen Beruf, der ohne mathematisches Wissen auskommt. In vielen Berufen findet die höhere Mathematik Anwendung. Umso wichtiger ist es, das Wissen verständlich zu vermitteln und alle Geschlechter in mathematischen Fächern gleich zu fördern.

In diesem Jahr steht der internationale Tag der Mathematik unter dem Motto „Mathematics, Art and Creativity“. Diverse Schulen und Universitäten bieten auch in Deutschland Aktivitäten zum Tag der Mathematik an. Manchmal geht es um bestimmte Zahlen, manchmal aber auch um das spielerische Erlernen von Mathematik.

In der Meteorologie sind wir umgeben von Mathematik. Die Wettermodelle basieren auf komplexen mathematischen Gleichungen. Radarbilder werden aus Messungen berechnet. Die Wetterrückblicke zum Beispiel am Ende eines Monats, eines Jahres oder einer Saison bedienen sich meist einfacher Mathematik wie Summen oder Mittelwerten oder Abweichungen von der Norm.

Auch bei den Warnungen spielen Berechnungen eine Rolle. Den Hitzewarnungen zum Beispiel liegt neben der Berechnung der gefühlten Temperatur auch eine Berechnung der Abkühlung in Innenräumen zugrunde. Bei den Gewitterwarnungen spielen Berechnungen der voraussichtlichen Zugbahn eine große Rolle. Außerdem werden die vertikalen Strukturen aus den Radarbildern mittels höherer Mathematik ausgewertet, um Angaben über mögliche Regenmengen oder Hagelkorngrößen zu machen.

All das geschieht oft im Hintergrund, ohne dass der Meteorologe noch selbst rechnen muss. Aber das Grundverständnis muss vorhanden sein, damit man die automatischen Ergebnisse einordnen und gegebenenfalls revidieren kann. 

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-14 12:17:172025-03-16 12:24:55Tag der Mathematik

Wetterkarten – Handwerkszeug der Meteorologen

19. Februar 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Heute vor 170 Jahren, also im Jahr 1855, präsentierte der französische Naturwissenschaftler Urbain Le Verrier der Pariser Akademie der Wissenschaften eine Wetterkarte mit Wettervorhersage für Frankreich. Seine Prognose basierte dabei auf telegrafisch eingeholten Wetterdaten. Impulsgebend war ein Orkan während des Krimkriegs, der am 14. November 1854 der alliierten Flotte im Schwarzen Meer schwere Schäden zufügte. Le Verrier wurde daraufhin beauftragt ein Sturmwarnsystem einzurichten. Aus diesem entwickelte sich später der nationale meteorologische Dienst Frankreichs.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte änderte sich zunächst recht wenig an der Vorhersagegüte anhand solcher Wetterkarten. Als Beispiel hierfür lässt sich beispielsweise die Wettervorhersage für den D-Day am 06. Juni 1944 nennen (Thema des Tages vom 06.06.2024).

Dank des weltweiten Austauschs von Beobachtungsdaten und neuer technischer Möglichkeiten wie Radiosondenaufstiegen sowie Flugzeug-, Radar- und Satellitendaten wurden nicht nur die Wetterkarten, sondern auch die Wettervorhersagen genauer.

Vor ziemlich genau zehn Jahren, am 18. Februar 2015, wurden im Deutschen Wetterdienst schließlich die letzten Bodenwetterkarten inklusive Isobaren und Fronten per Hand, also mit Bleistift und Radiergummi auf Papier, gezeichnet (Thema des Tages vom 18.02.2015). Seither hat auch hier die Digitalisierung Einzug gehalten und Bodenanalyse- sowie entsprechende Prognosekarten werden am Computer produziert.

Die Bodenanalysekarten werden alle sechs Stunden produziert. Die erste Abbildung zeigt hierbei die aktuellste Karte von heute Morgen um 06 UTC. Die Kartenausschnitte von 00 und 12 UTC sind etwas größer gefasst als die von 06 und 18 UTC, da diese Karten auch in der Seefahrt genutzt werden.
 

Bodenanalysekarte am Mittwoch, den 19.02.2025, 06 UTC 

Die Prognosekarten mit Bodendruck und voraussichtlicher Lage der Fronten (auch als „Thematische Karten Boden“, kurz „TKB“, bezeichnet) werden jeden Morgen produziert. Dabei werden fünf Karten erstellt, jeweils eine für die Prognosezeitpunkte +36, +48, +60, +84 und +108 Stunden in der Zukunft. Die nachfolgende Abbildung zeigt hierbei die Karte für morgen Mittag um 12 UTC (+36h-Karte) mit den Namen der jeweiligen Druckgebilde.

 

Prognosekarte Bodendruck und voraussichtliche Lage der Fronten am morgigen Donnerstag, den 20.02.2025 12 UTC 

Und was bedeuten diese Karten für das heutige Wettergeschehen sowie das der kommenden Tage?

Hoch FINJA sorgt am heutigen Mittwoch noch für ruhiges und trockenes Wetter mit viel Sonnenschein. Von Westen und Südwesten macht sich aber bereits das sich nähernde Tief NICO bemerkbar, dergestalt, dass erste Wolkenfelder ins Vorhersagegebiet gelenkt werden. Diese haben aber noch keine Niederschläge im Gepäck. Höchsttemperaturen von 0 bis 8 Grad fühlen sich bei mäßigem, an der Nordsee und im höheren Bergland auch böigem Südostwind sicherlich noch etwas frischer an. Bei den Temperaturen wird sich in den kommenden Tagen aber einiges ändern, um dies bereits vorwegzunehmen.  

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Mittwoch, den 19.02.2025 

In der Nacht zum Donnerstag kommen die Wolkenfelder etwa bis zur Mitte Deutschlands voran. Gegen Morgen kann es ganz im Südwesten dann etwas Regen geben. Durch die kalte Vorgeschichte und die damit teils gefrorenen Böden ist dieser lokal gefrierend. Dies ist vor allem in bevorzugten Tal- und Muldenlagen von Schwarzwald, westlicher Alb und Pfälzer Wald der Fall. Zwar ist dies nur eine lokale Sache, dennoch sollte man im morgendlichen Berufsverkehr Vorsicht walten lassen und die Fahrweise den örtlichen Begebenheiten entsprechend anpassen.

Nach Osten hin ist der Himmel hingegen noch klar und über den Schneeflächen können die Temperaturen bis -15 Grad absinken. Von Westen und Südwesten wird allmählich mildere Luft herangeführt, wodurch es in den Niederungen von Ober- und Niederrhein bereits frostfrei bleibt.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der nächtlichen Tiefsttemperaturen in Deutschland in der Nacht zum Donnerstag, den 20.02.2025 

Am morgigen Donnerstag sorgt Hoch FINJA in der Osthälfte weiterhin für viel Sonnenschein. Ansonsten ist es „dank“ Tief NICO wolkig oder stark bewölkt, im äußersten Westen wird man voraussichtlich ganztags vergeblich auf die Sonne warten. In den westlichen Landesteilen gibt es zudem zeit- und gebietsweise leichte Niederschläge. Dafür machen die Temperaturen im Vergleich zum heutigen Mittwoch einen deutlichen Sprung nach oben, denn für dort sind Höchsttemperaturen von 10 bis 15 Grad vorhergesagt. Im Osten und Nordosten hingegen kann man die Sonne „nur“ bei 1 bis 5 Grad genießen.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Donnerstag, den 20.02.2025 

In der Nacht zum Freitag ist wettertechnisch durchaus etwas Spannung geboten. Eingangs der Nacht regnet es noch in der Nordwesthälfte leicht. Im Laufe der Nacht ziehen die Niederschläge dann allmählich ostwärts. Im Osten und Nordosten können die Temperaturen noch in den Frostbereich absinken, wodurch es dort gebietsweise zu gefrierendem Regen mit Glatteisgefahr kommt. Insbesondere im morgendlichen Berufsverkehr sollte man dann wachsam und umsichtig unterwegs sein.

Am Freitag und auch am Wochenende setzt sich die Milderung weiter durch. Während die Höchsttemperaturen ganz im Osten zwischen 7 und 10 Grad liegen, werden sonst 10 bis 16 Grad erreicht. Am Freitag sind am Niederrhein auch bis zu 19 Grad wahrscheinlich. Die Sonne zeigt sich dann im Südwesten, am Samstag auch im Osten und Südosten länger.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Frühling Einzug hält, denn in der kommenden Woche sind die Temperaturen dann doch wieder rückläufig.
 

Wetter- und Temperaturvorhersage für Freitag, den 21.02. bis Sonntag, den 23.02.2025 

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Wetterkarten-Handwerkszeug-der-Meteorologen-teil-1-.png 3114 4389 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-19 17:08:452025-02-19 17:14:29Wetterkarten – Handwerkszeug der Meteorologen
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