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Schlagwortarchiv für: Wind

Weltwindtag

15. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wind bezeichnet im Allgemeinen die Verlagerung von Luftteilchen. Da die Teilchen nicht nur ihre Richtung, sondern auch ihre Stärke bei der Verlagerung ändern, ist der Wind eine Vektorgröße. Er wird in verschiedenen Höhen ermittelt, wobei die Angabe des Bodenwindes immer aus Messungen in 10 Metern Höhe erfolgen. In der Meteorologie unterscheidet man den Mittelwind von den Windspitzen. Der Mittelwind wird über 10 Minuten sowohl in Richtung als auch Stärke gemittelt. Die Richtung wird in Grad, die Stärke in Beaufort und die Geschwindigkeit in Deutschland meist in Kilometer pro Stunde angegeben. Die Windspitzen sind auch gemittelt, aber über eine Länge von 3 Sekunden. Ausgegeben werden sie unter anderem als Windspitze des Tages oder der Stunde.

Die Windspitzen können je nach Wetterlage deutlich vom Mittelwind abweichen. Bei einem Gewitter, wo die maximale Böe oft nur wenige Minuten andauert, kann der Unterschied zwischen Mittelwind und Spitze mehrere Beaufort betragen. Daher ist die Dokumentation der Windspitzen hier besonders wichtig.

Nun bewegen sich die Luftteilchen nicht einfach so, sie werden von den auf der Erde herrschenden Luftdruckunterschieden angetrieben. Da die Natur immer ein Gleichgewicht anstrebt, bewegen sich die Luftteilchen vom höheren zum niedrigeren Druck. Es handelt sich um einen Massenstrom mit dem Ziel, den Druckgradienten auszugleichen. Je größer die Druckunterschiede sind, umso schneller bewegen sich die Teilchen und umso höher ist die Windgeschwindigkeit. Dabei übt der Wind auf alles, was in seiner Strömungsrichtung liegt Druck aus – die entstehende Kraft heißt Winddruck oder Windkraft.

Windkraftanlagen machen sich die Windkraft zu Nutze und wandeln die kinetische Energie (Bewegungsenergie) des Windes in elektrische Energie um. Dabei werden die Rotorblätter vom Wind in Bewegung versetzt, was eine Rotationsenergie erzeugt. Die Rotorwelle im Inneren der Windkraftanlage nimmt das Drehmoment auf und leitet es an den Generator weiter. Dieser wandelt die mechanische Energie in elektrische Energie um. Diese Energie gelangt dann über einen Transformator in unser Stromnetz.

Je höher die Windgeschwindigkeit ist, umso stärker ist der Antrieb an den Rotorblättern. Damit erhöht sich das Drehmoment und schließlich auch die elektrische Energie. Die meisten Anlagen schalten sich bei einem Mittelwind von 3 bis 4 Metern pro Sekunde (entspricht etwa 10 bis 15 km/h) ein. Eine automatische Abschaltung erfolgt bei Windgeschwindigkeiten ab etwa 90 km/h. Das schützt die Anlage vor Sturmschäden und das Stromnetz vor Überlastung.

Kommen wir nun zum Weltwindtag. Der geht auf die European Wind Energy Association zurück. Durch sie wurde bereits 2007 der Wind Day ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Windenergie in der heutigen Zeit hinzuweisen. Seit ihrer Kooperation mit globalen Windenergiekonsortien wurde aus dem ursprünglich europäischen Aktionstag ein weltweiter. Der Auftrag ist aber geblieben: Die Windenergie und ihre Rolle in der Gesellschaft hervorzuheben. Das diesjährige Motto lautet „our wind, our community“ und soll verdeutlichen, dass Windenergie am besten funktioniert, wenn alle mitmachen.

Windkraftanlagen sind nicht unumstritten. Für die einen „verschandeln“ sie die Umgebung, für andere stellen sie eine Gefahr für die Flora und Fauna dar. In der Meteorologie stören Windkraftanlagen häufig Radarmessungen. Da sie sich aber selten bewegen, kann man mit klugen Rechenoperationen die erzeugten Fehlmessungen ausbessern.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-15 22:46:512026-06-15 22:53:40Weltwindtag

Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

6. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach einem verbreitet windigen, teils stürmischen Ostersonntag mit zeitweiligem Regen, Schauern und örtlichen Gewittern vor allem im Süden Bayerns, dominiert bereits am heutigen Ostermontag der Einfluss eines umfangreichen Hochdruckgebietes. Hoch QUIRIN liegt mit seinem Schwerpunkt aktuell über Nordfrankreich, Benelux und dem westlichen Deutschland. Dabei gestaltet sich das Wetter überwiegend freundlich, teils sonnig.

Lediglich im Nordosten besteht noch ein gewisser Resteinfluss des Sturmtiefs RAPUNZEL, das sich mittlerweile mit seinem Zentrum über Südfinnland befindet. Das Sturmtief hatte vor allem in Nord- und Nordwesteuropa in den vergangenen Tagen für erhebliche Windgeschwindigkeiten gesorgt und Deutschland am Ostersonntag gestreift. Nun hat es sich bereits abgeschwächt, von Schleswig-Holstein bis zur Lausitz ist es am heutigen Ostermontag aber nochmals sehr windig bis stürmisch, an der Ostsee treten zeitweise Sturmböen auf. Mit weiterer Verlagerung des Tiefs nach Ost/Südost, flaut der West- bis Nordwestwind zum Abend und im Verlauf der Nacht zum Dienstag insgesamt meist ab.

Am Dienstag und Mittwoch dominiert insgesamt ruhiges und meist freundliches Wetter mit großen Sonnenanteilen. Wie es dann in der zweiten Wochenhälfte wettertechnisch weitergeht, ist noch reichlich unsicher. Zumindest nach aktuellem Stand deutet sich ab Donnerstag eher eine wechselhaftere Witterung an.

Interessant sind die recht großen Temperaturgegensätze bzw. Tagesgänge. In den Nordosten des Landes sickert mit einer nördlichen Strömung eine recht kühle, polare Luftmasse. Die Tageshöchstwerte liegen dort meist nur bei 10 bis 14 Grad, direkt an der See mit zeitweise auflandigem Wind um Nord teils auch darunter. Im Südwesten und Westen dagegen dominiert eine deutlich mildere Luftmasse und bei häufigem Sonnenschein werden Höchstwerte von meist 18 bis 22 Grad erwartet, am Oberrhein teils auch darüber. In den kommenden Nächsten muss häufig wieder mit leichtem Nachtfrost gerechnet werden, vor allem im Nordosten und Osten auch mit teils mäßigem Frost in Bodennähe. Das heißt auch, dass Pflanzenliebhaber eventuell bereits im Freien stehende oder ausgepflanzte empfindliche Zöglinge nochmals schützen sollten.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-04-06 16:47:442026-04-07 17:04:58Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

Silvesterwetter

29. Dezember 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Wetterjahr 2025 neigt sich dem Ende. Dabei steht bereits fest, dass das Jahr bezogen auf die Mitteltemperatur die lange Serie der „zu warmen“ Jahre weiter fortschreiben wird. Was schon fast keine Schlagzeile mehr wert zu sein scheint, ist zugleich aber ein untrügliches und ernstzunehmendes Zeichen der weiter fortschreitenden Klimaerwärmung. Eine ausführliche Auswertung des Wetterjahrs veröffentlich der DWD in einer Pressemitteilung am morgigen Dienstag.

Stattdessen wollen wir heute mal einen ersten Blick auf die voraussichtliche Wetterlage in der Silvesternacht wagen, denn viele wird es um Mitternacht sicher wieder ins Freie ziehen.

Einen ersten Vorgeschmack, was uns in der Silvesternacht erwarten könnte, gibt uns ein Blick auf die DWD-Vorhersagekarte für den Silvestertag, 13 Uhr (siehe Abbildung 1). Einer von Westeuropa bis nach Grönland reichenden Hochdruckzone mit zwei Kernen KAREN und JASMIN steht eine ebenso umfangreiche Tiefdruckzone über Nord- und Osteuropa gegenüber. In der sich dabei einstellenden Nordwestströmung kann feuchte Meeresluft zu uns geführt werden. Zudem liegen wir im Einflussbereich eines Frontensystems, dass die Tiefs SANDRO und TIZIAN miteinander verbindet.

DWD-Vorhersagekarte für Mittwoch, 31.12.2025, 13 Uhr.

Für weite Teile des Landes bedeutet das in der Silvesternacht eine starke oder gar dichte Bewölkung (siehe Abbildung 2). Vor allem in einem breiten Streifen vom Nordwesten und Norden bis in den Osten und Südosten fällt auch zeitweise Niederschlag. Bei leichten Plusgraden ist das meistens Regen, im östlichen Mittelgebirgsraum teils aber auch Schnee, der bei Temperaturen um 0 Grad liegen bleiben und zu Glätte führen kann. Ganz im Osten könnte der Regen auf Reste der Frostluft treffen, örtlich gefrieren und für Glatteis sorgen. Dieses Szenario ist aber noch unsicher. Dazu weht ein verbreitet spürbarer Südwest- bis Westwind. Auf den Bergen und an der Nordsee sind Sturmböen möglich.

Voraussichtliche Wetterlage in der Silvesternacht 2025/26

Während der Jahreswechsel also in den meisten Regionen eher ungemütlich nasskalt vonstattengeht, geht es im äußersten Süden und Südwesten wahrscheinlich etwas gemächlicher ins neue Jahr. Unter schwachem Hochdruckeinfluss bleibt es in einem Streifen vom Schwarzwald bis zum westlichen Alpenrand meist trocken, teilweise ist der Himmel sogar sternenklar. Allerdings gilt es sich dick einzupacken, angesichts von mäßigem Frost unter -5 Grad.

Voraussichtliche Tiefsttemperaturen in der Silvesternacht 2025/26

Auch am Neujahrestag befindet sich der Süden und Südwesten auf der „Sonnenseite“. Im großen Rest des Landes startet das Wetterjahr weitaus turbulenter als das alte endete. Ein in Böen starker bis stürmischer Westwind treibt dichte Wolken über das Land, die gebietsweise auch Regen, später im Norden sogar kräftige Schauer und Graupelgewitter bringen können. Im Bergland zieht dagegen der Winter ein.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Silvesterwetter-.png 653 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-12-29 17:29:282026-01-10 21:48:02Silvesterwetter

Die hydraulische Föhntheorie

28. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am morgigen Mittwoch wird es an den Alpen föhnig! Sonnenschein und bis zu 18 Grad stehen am Alpenrand auf der Prognosekarte. In den Hochlagen wird es stürmisch. Wie war das gleich nochmal genau mit dem Föhn? Ach ja: Luft trifft auf ein Gebirge und wird zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie um 1 Kelvin pro 100 m ab. Irgendwann bilden sich Wolken und es beginnt zu regnen, wobei die Luft nun nur noch mit 0,65 Kelvin pro 100 m Aufstieg abkühlt. Am Gipfel angekommen, strömt die Luft auf der Leeseite, also der windabgewandten Seite des Gebirges, herab und erwärmt sich dabei, wodurch es zur Wolkenauflösung kommt. Die Erwärmung beim Abstieg erfolgt nun durchweg mit 1 K pro 100 m.

Klassische Föhntheorie

Bei diesem Prozess spricht man von der klassischen Föhntheorie. Damit ist das heutige Thema des Tages also auch schon fertig und… Moment! Laut Föhnforschung gibt es neben der klassischen noch weitere Theorien zu dieser Thematik. Eine Studie zeigt zum Beispiel, dass in Innsbruck mindestens 50 % der dort untersuchten Föhnfälle ohne Niederschläge einhergehen. Zu einem geringen Teil kam es sogar nicht einmal zur Wolkenbildung. Die klassische Theorie stößt hier also an ihre Grenzen.

Einen Lösungsansatz liefert dagegen die hydraulische Föhntheorie. Bei ihr geht man davon aus, dass die Luft, die auf ein Gebirge trifft, nicht aufsteigt, sondern geblockt wird und im Luv (also auf der windzugewandten Seite des Gebirges) liegen bleibt und langsam auskühlt. Die im bzw. oberhalb des Bergkammniveaus heranströmende, deutlich trockenere Luft fällt dagegen nach Überquerung des Gebirgskamms ins Tal ab und erwärmt sich dabei um 1 K pro 100 m. Das kann man sich vorstellen wie in einem randvollen Stausee, bei dem nur die oberste Wasserschicht über die Staumauer in die Tiefe schwappt.

Hydraulische Föhntheorie

Stellt sich noch die Frage, wie es zu den mitunter hohen Windgeschwindigkeiten auf der Leeseite eines Gebirges kommt. Betrachten wir daher einfach mal ein Luftpaket, das gerade über dem Gipfel angekommen ist. Dieses Paket besitzt eine gewisse Energie, die sich hauptsächlich aus seiner Lage- und seiner Bewegungsenergie zusammensetzt. Die Lageenergie hängt dabei von der Höhe (also der vertikalen Lage) des Pakets ab und die Bewegungsenergie stark von dessen Geschwindigkeit. Strömt das Paket nun den Berg hinab, nimmt seine Höhe und damit auch seine Lageenergie ab. Da seine Gesamtenergie aber gleichbleiben muss (Stichwort Energieerhaltung), muss im Umkehrschluss seine Bewegungsenergie zunehmen und damit seine Geschwindigkeit.

Verstärkt werden kann dieser Effekt u.a. noch durch das Gelände. Muss unser Luftpaket unterwegs noch einen engen Gebirgspass durchströmen, entsteht eine Art Düseneffekt (Stichwort Venturi-Effekt) und es kann vorübergehend noch einmal deutlich mehr Gas geben.

Deutlich detailliertere Informationen rund um das Thema Föhn finden Sie in unserem Wetterlexikon unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort „Föhn“.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.10.2025
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Die-hydraulische-Foehntheorie.png 596 1055 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-28 08:24:502025-10-31 08:37:53Die hydraulische Föhntheorie

SWANTJE – ein bemerkenswertes Tief

7. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Tief SWANTJE, was laut Wikipedia übrigens so viel bedeutet wie „kleiner Schwan“ oder „Tochter der Schwäne“, zieht aktuell über dem Nordatlantik und Skandinavien seine Kreise. Bei den Kolleginnen und Kollegen der Berliner Wetterkarte, die für die Vergabe der Hoch- und Tiefdrucknamen verantwortlich sind, tauchte das Tief erstmals am frühen Sonntag (02.06.2024) bei Grönland auf. Mit ihrer nunmehr fünftägigen Lebensdauer fällt sie nicht wirklich aus dem Rahmen. Allerdings hat sich SWANTJE einer Metamorphose unterzogen, die dazu führte, dass am heutigen Freitagmittag (07.06.2024) sogar vier eigenständige Tiefkerne beobachtet werden können – eine Zahl, die doch relativ selten auf den Wetterkarten auftaucht.

In der Abbildung 1 ist die entsprechende Prognosekarte dargestellt. Dass die vier Kerne mit den römischen Ziffern II bis V durchnummeriert sind, lässt den Schluss zu, dass der ursprüngliche Kern I sich inzwischen aufgefüllt hat. Dafür bewegt sich ein kleinräumiges Tief in SWANTJES „Dunstkreis“ bzw. Zirkulationsfeld von der schottischen Nordseeküste nach Osten. Vielleicht bekommt es ja noch den „Ehrentitel“ SWANTJE VI verliehen – mal schauen. Klar ist aber, dass das Frontensystem des kleinräumigen Tiefs Kurs auf Norddeutschland nimmt. Damit sorgt der Tiefkomplex namens SWANTJE dort nicht nur für Schauer und kurze Gewitter, sondern auch für kräftigen Wind.

Wer jetzt glaubt, dass sich das Einflussgebiet von SWANTJE auf den Norden beschränkt, liegt allerdings falsch. Denn auch über dem Süden mischt sie mit – oder besser gesagt ihr Frontensystem. Dieses zieht sich nämlich in einem weiten Bogen von Skandinavien über Osteuropa bis in den Süden Deutschlands. Dort verläuft es in etwa entlang der Donau, was auch bedeutet, dass zwischen Donau und Alpen weiterhin eine feucht-warme und labil geschichtete Luftmasse liegt.

Dies zeigt die Abbildung 2. Dort sieht man einerseits den Taupunkt (Zahlenwerte), welcher ein Maß für die Luftfeuchtigkeit darstellt. Taupunkte von 10°C oder mehr treten, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, nur südlich des Mains auf. Die Maximalwerte zeigt die Karte zwischen Donau und Alpen, was zumindest belegt, dass die Luftmasse feucht ist. Die zweite Information der Karte unterstreicht die Labilität, denn als Farbflächen sieht man dort die virtuelle Reflektivität unseres hochaufgelösten Modells ICON-D2. Mit anderen Worten: Die Radarreflektivität, die sich zeigen sollte, wenn das Modell mit seinen Vorhersagen richtig liegt. Und da deuten sich im Norden, in noch größerem Maße aber im Süden Wolken und Niederschläge an.

Das bedeutet nichts Gutes für die hochwassergeplagten Bayern, Badener, Württemberger und Schwaben. Es ist zwar zu erwarten, dass die Niederschlagsmengen nicht mehr so exorbitant hoch liegen wie rund um das letzte Wochenende. Und obendrein fällt der Regen über einen längeren Zeitraum. Aber bei den weiterhin gesättigten Böden kann natürlich kein Wasser versickern. Insofern ist im Süden weiterhin Vorsicht geboten.

Die Abbildung 3 zeigt die laut ICON–EU zu erwartenden Niederschläge bis in den Dienstagmittag hinein. In Deutschland ist vor allem ein Streifen vom Hochrhein und dem Bodensee bis nach Niederbayern betroffen. Dort fallen über die fünf Tage verteilt 40 bis 80 l/qm. Dass es auch noch schlimmer geht, deutet sich in Osttirol, Kärnten und Friaul / Venetien an. Dort sollen sich über 100 l/qm, in der Spitze sogar über 120 l/qm aufsummieren.

Und wo ist das Wetter freundlich? Natürlich dort, wo SWANTJE ihre Finger nicht im Spiel hat. Und dies ist in der Mitte Deutschlands der Fall. Denn dorthin streckt vom Atlantik her das Hoch XENOPHILIUS seine Fühler aus. Damit zeigt sich oft die Sonne – und es bleibt weitgehend trocken.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-SWANTJE-ein-bemerkenswertes-Tief.png 640 902 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-07 17:39:222024-06-25 10:03:29SWANTJE – ein bemerkenswertes Tief

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

18. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!“ So lautet ein bekanntes Sprichwort. Für alle Fußballbegeisterten steht am heutigen Samstag das Finale in der dritten Liga sowie in der Bundesliga der Männer an, bevor dann am morgigen Sonntag auch das Finale in der zweiten Liga folgt. Wer Deutscher Meister wird, steht bereits seit dem 29. Spieltag fest. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren geht die Meisterschale nicht in die bayerische Hauptstadt. Stattdessen konnte das oftmals belächelte „Vizekusen“ die Schale für sich erobern und blieb zudem an den bisherigen 33 Spieltagen ungeschlagen.

Nun folgt ab 15:30 Uhr noch der letzte Spieltag in der Bundesliga. Die 17 Partien finden in allen Himmelsrichtungen Deutschlands statt, vom nördlichsten Austragungsort in Bremen bis zu den südlichsten in Stuttgart und Heidenheim sowie vom westlichsten in der Stadt des Deutschen Meisters Leverkusen bis zum östlichsten in Berlin. Die meteorologischen Bedingungen für diese Partien sind durchaus unterschiedlich, weshalb nun jeder Austragungsort einmal beleuchtet wird. Zum Beispiel soll unter anderem die Frage beantwortet werden, ob man den Schirm auf dem Weg ins Stadion brauchen könnte.

Temperaturtechnisch dürfte die nördlichste Partie Werder Bremen gegen VfL Bochum tatsächlich die Nase vorn haben, denn in Bremen wird eine Höchsttemperatur von 23 Grad erwartet. Ein paar Tropfen können zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, was einen als Norddeutscher nun nicht sonderlich beeindrucken sollte. Aber neben der zumindest temperaturtechnisch „heißesten“ Partie ist Bremen zudem der Austragungsort, der am meisten Sonne im Nachmittagsverlauf abbekommen könnte. Elfter gegen Vierzehnter in der Tabelle klingt zwar nicht sonderlich aufregend, aber wenn es dumm läuft, könnte Bochum noch auf den Relegationsplatz rutschen. Die Fans werden also sehr genau verfolgen, was auf den Plätzen der Konkurrenten passiert, allerdings eher weniger beim Wetter.

Ein solcher Konkurrent ist Union Berlin, der den SC Freiburg zu Gast hat. Bei den Eisernen lief es diese Saison nicht wirklich gut, weshalb sie aktuell auch auf dem Relegationsplatz stehen und um den Verbleib in der Bundesliga bangen müssen. Auch das Wetter während der Partie ist noch etwas ungewiss. Temperaturen von bis zu 22 Grad und wechselnde Bewölkung klingen ja erst einmal ganz solide. Allerdings sind einzelne Schauer und Gewitter nicht ganz ausgeschlossen und bei kräftigem Regen und böigem Wind kann es dann doch auch ungemütlich werden. Genauso gut kann während der kompletten Partie kein Tropfen vom Himmel kommen, es bleibt also spannend.

Ein weiterer „Konkurrent“ um den Relegationsplatz ist Mainz 05 beim Gastspiel in Wolfsburg. Auch hier gilt dasselbe wie für Berlin: Temperaturen um 20 Grad und wechselnde Bewölkung laden zu einem Fußballnachmittag ein, eine nasse Überraschung von oben ist aber durchaus möglich.

Bochum, Mainz und Berlin fürchten den Relegationsplatz. Für die Geißböcke aus Köln ist dieser noch der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern können, um auf den Verbleib in der Bundesliga zu hoffen. Dazu müssten sie aber auf der Ostalb in Heidenheim gewinnen und gleichzeitig auf Freiburger Schützenhilfe hoffen. Wer nun absteigt und wer die Relegation bestreiten muss, wird um kurz nach 17:15 Uhr feststehen.

Wettertechnisch ist es in Heidenheim jedenfalls ähnlich ruhig wie bei der rund 70 Kilometer entfernt stattfindenden Partie VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach. Höchsttemperaturen zwischen 20 und 22 Grad (wobei es auf der Ostalb gerne etwas kühler ist) und etwas Sonnenschein, der sich seinen Weg durch die Wolken bahnt, laden dazu ein, den Abschluss der zumindest aus Sicht der Heimmannschaften erfolgreichen Saison zu feiern. Zudem sollte man einzelne Schauer nicht gänzlich ausschließen, um nicht der Falschaussage bezichtigt zu werden.

Der VfB Stuttgart kann entspannt aufspielen, denn der dritte Platz und die Champions League sind sicher, aber bei einem Sieg gegen Gladbach kann in den Kraichgau geschielt werden und auf Schützenhilfe der TSG 1899 Hoffenheim im wahrsten Sinne des Wortes gehofft werden. Falls Hoffenheim den FC Bayern München besiegen sollte, wäre nämlich auch noch die Vizemeisterschaft gewonnen. Dort wird es zwar nicht ganz so warm wie weiter südöstlich, aber die Sonne lugt auch einmal durch die Wolken.

Immerhin haben im Südwesten die lang anhaltenden und kräftigen Niederschläge nachgelassen. In der Abbildung sind die aus 10-minütigen Stationsmessungen sowie aus Radarmessungen abgeleiteten 24-stündigen Niederschlagssummen dargestellt. Dabei sind insbesondere im Saarland und im südlichen Rheinland-Pfalz Mengen zusammengekommen, die sonst für einen ganzen Monat üblich sind. Solche „Spitzenreiter“ sind heute zum Glück nicht mehr zu erwarten.

Weiter nördlich, also in Hessen und im südlichen Nordrhein-Westfalen, ist die Wolkendecke bei Höchsttemperaturen zwischen 19 und 21 Grad dichter. Bevorzugt in dieser Region bilden sich zudem häufiger Schauer und Gewitter, die ganz lokal auch einmal kräftiger ausfallen und mit Starkregen einhergehen können. Davon könnten die drei restlichen Partien betroffen sein. Das wäre für Hessen die Partie der Frankfurter Eintracht gegen RB Leipzig. In Nordrhein-Westfalen muss der feststehende Absteiger Darmstadt 98 bei der Dortmunder Borussia antreten. Zudem empfängt der designierte Deutsche Meister Bayer 04 Leverkusen den FC Augsburg, um anschließend die Meisterschale entgegenzunehmen. Ob auch dieses Spiel wieder ohne Niederlage endet?

Trotz aller Wehmütigkeit bezüglich des Saisonendes 2023/24 sei allen Fußballbegeisterten hiermit ein Hoffnungsschimmer mitgegeben. In diesem Jahr hält sich die Fußball-Abstinenz während der Sommerpause in Grenzen. Wie in jedem Jahr werden noch die Relegationsspiele ausgetragen, zudem gibt es noch die Finalspiele beim DFB-Pokal sowie bei den europäischen Wettbewerben. Am 14. Juni wird dann die Europameisterschaft der Männer hier in Deutschland mit dem ersten Spiel Deutschland gegen Schottland im Austragungsort München angepfiffen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Spitzenreiter-Spitzenreiter-hey-hey.png 925 748 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-18 18:13:562024-06-25 11:18:23Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm!

4. November 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Erst Orkantief EMIR (int: CIARAN) und nun Orkantief FRED. In Teilen von West- und Mitteleuropa ist momentan einiges los. Während am Donnerstag EMIR vor allem in Frankreich und Benelux teils für extreme Orkanböen über 150 Kilometer pro Stunde sorgte, rauscht am heutigen Samstag schon das nächste markante Tief heran.

Verantwortlich hierfür ist ein starker Polarfront-Jetstream über Westeuropa, welcher warme Luftmassen über den Subtropen von kalter Luft über den polaren Breiten trennt. Dieses Starkwindband befindet sich in einer Höhe von etwa 9 bis 10 Kilometern und ist vor allem im Spätherbst und im Winter besonders stark ausgeprägt. Zu dieser Jahreszeit sind Temperaturunterschiede zwischen den Polargebieten und den Subtropen besonders markant ausgeprägt, da durch die sehr kurzen Tage in den polaren Breiten sich dort eine großes Kältereservoir ausbildet, während die Subtropen auch im Winterhalbjahr noch relativ warme Luftmassen haben.

Aktuell befindet sich ein Jetstreak (Windgeschwindigkeitsmaximum innerhalb des Polarfront-Jetstream) über Südfrankreich mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h (siehe Abbildung 1). Im Bereich von diesem Windband kommt es zu hohen horizontalen und vertikalen Geschwindigkeitsscherungen. Diese haben großen Einfluss auf Tiefdruckgebiete und können diese in einigen Fällen deutlich intensivieren. Momentan befindet sich Orkantief FRED über der Bretagne. Im Laufe des Wochenendes verlagert er sich in Richtung Mitteleuropa. Dabei kann sich FRED allerdings nicht mehr verstärken. Er füllt sich langsam auf und ist in der Vorhersage zu Wochenbeginn nur noch als schwaches Tief über Südskandinavien erkennbar. Grund dafür ist seine für die weitere Intensivierung ungünstige Position relativ zum Polarfront-Jetstream.

Viele rasch entwickelnde Sturm- und Orkantiefs kreuzen den Jetstream. Ein Beispiel hierfür ist Orkantief Kyrill aus dem Jahre 2007, welches sich von der rechten Seite im Eingangsbereich des Starkwindbands auf die linke Seite des Ausgangbereiches verlagerte. Dabei kam es zu einer raschen Intensivierung, da in diesen Bereichen in der Höhe die Winde jeweils auseinanderströmen, wodurch es am Boden zu Druckfall kommt. KYRILL sorgte daraufhin in weiten Teilen Deutschlands bis ins Flachland für schweren Sturm, teils waren sogar auch in den Niederungen Orkanböen über 120 Kilometer pro Stunde dabei.

FRED kreuzte dagegen den Jetstream nicht und erreichte bereits vor Frankreich seinen Höhepunkt der Entwicklung. Die Zündung für seine starke Entwicklung über dem Atlantik war ein markanter nach Süden gerichteter Polarluftvorstoß im Bereich zwischen Grönland und Neufundland. Nun befindet sich der Sturm aber nördlich der Frontalzone. Dabei fehlt ihm der synoptische Antrieb. Deshalb wird sich FRED wie auch sein Vorgänger EMIR auf dem Weg in Richtung Mitteleuropa in den nächsten Tagen abschwächen.

Trotzdem werden am morgigen Sonntag in Süddeutschland Sturmböen bis in die Niederungen erwartet. Auf den Bergen des Schwarzwaldes und der Alpen weht der Wind teils sogar in Orkanstärke. Nähere Infos dazu gibt es auf unserer Warnseite(siehe „Weitere Informationen zum Thema“) oder in unserer Warn Wetter App.

M.Sc.-Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Nach-dem-Sturm-ist-vor-dem-Sturm.png 720 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-04 14:18:532023-11-08 15:27:44Nach dem Sturm ist vor dem Sturm!

Der EMIR kommt! – oder: Orkan CIARAN formiert sich!

1. November 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der November macht in Deutschland da weiter, wo der Oktober aufgehört hat: Tiefdruckeinfluss. Genau genommen handelt es sich um einen Tiefdruckkomplex westlich der Britischen Inseln, der sich bis in die Labradorsee erstreckt und am heutigen Mittwoch zunächst der Nordwesthälfte und ab dem Abend auch den Südwesten mit Regenwolken versorgt.

So gefährlich wie interessant in den nächsten 24 Stunden wird dabei ein kleinräumiges Tief, das gestern Mittag noch knapp östlich von Neufundland lag mit einem Kerndruck von rund 1000 hPa. Es „hört“ auf den Namen EMIR beziehungsweise im internationalen Kontext auch auf CIARAN und konnte am Südrand des angesprochenen Tiefdruckkomplexes richtig Gas geben – sowohl was die zurückgelegte Strecke, als auch die Verstärkung angeht. Heute Mittag befindet es sich bereits über dem Ostatlantik, südwestlich von Irland mit einem Kerndruck von etwa 970 hPa und weitere zwölf Stunden später, also gegen Mitternacht, dürfte es mit etwas über 950 hPa den Ärmelkanal erreichen. Von dort zieht das Tief mit seinem Kern über die Südküste Englands hinweg ost-nordostwärts und erreicht in den Mittagsstunden des Donnerstags die Nordsee, wo es sich dann mehr und mehr abschwächt.

In der Folge muss ab der kommenden Nacht an der französischen Küste sowie an der englischen Südküste verbreitet mit Böen bis Orkanstärke gerechnet werden. Besonders heftig wird es nach aktuellem Stand die Bretagne treffen, wo an der Küste 150 bis 170 km/h, an exponierten Stellen vielleicht sogar noch etwas mehr, erwartet werden. Dort dürften auch noch bis weit ins angrenzende Binnenland Orkanböen auftreten. Extreme Orkanböen über 140 km/h drohen dann auch an den Küstenabschnitten der Normandie und eventuell auch der Region Hauts-de-France. Das dies natürlich massive Auswirkungen auf die dortige Infrastruktur haben wird, kann man sich leicht vorstellen. Im weiteren Verlauf sind dann die belgische und niederländische Küste betroffen, wo aufgrund des ablandigen Winds (Wind vom Land in Richtung See) und der allmählichen Abschwächung des Tiefs wohl „nur noch“ schwere Sturm- bis Orkanböen zu erwarten sind (90 bis 120 km/h).

Daneben ist auch der Niederschlag ein Thema. Es werden kräftige und zum Teil langanhaltende Regenfälle erwartet, die vor allem im Nordwesten Frankreichs und im Süden Englands aufgrund der bereits gesättigten Böden zu Überschwemmungen führen können. Zudem wird natürlich auch ein sehr hoher Wellengang erwartet. Vor der Küste der Bretagne kann die signifikante Wellenhöhe bei zum Teil deutlich über 10 m liegen.

Auf uns in Deutschland greift das Windfeld von EMIR am Donnerstag zwar ebenfalls über, aber nur in stark abgeschwächter Form. Trotzdem dürfte es nach aktuellem Stand vor allem von der Nordsee bis ins Saarland und im Bergland durchaus stürmisch werden. In Zahlen umgemünzt bedeutet dies dort Böen in etwa zwischen 60 und 75 km/h, im Bergland sowie in exponierten Lagen auch bis 85 km/h. Auf den Mittelgebirgsgipfeln, an exponierten Küstenabschnitten der Nordsee und am Nordrand der Eifel würden auch einzelne schwere Sturmböen bis 100 km/h nicht verwundern. Böen bis Orkanstärke beschränken sich allenfalls auf den Brocken, den Feldberg im Schwarzwald und föhnbedingt eventuell auch auf hohe Alpengipfel. Entsprechende Warnungen dazu werden in den heutigen Abendstunden ausgegeben.

Und auf CIARAN folgt eine nachhaltige Wetterberuhigung? Nein! Es geht munter weiter auf dem Nordatlantik in Sachen Tiefdrucktätigkeit. Am Westrand des Tiefdruckkomplexes um CIARAN entwickelt sich neues Sturmtief, das in der Nacht zum Freitag der spanischen und dem Süden der französischen Atlantikküste Orkanböen bringt. Vor der Ostküste der USA formiert sich aktuell ebenfalls ein Sturmtief. Es zieht im Lauf dieser Woche über den Atlantik und könnte am Samstag erneut vor allem an der französischen Atlantikküste für Orkanböen sorgen.

Auch bei uns in Deutschland bleibt es in den kommenden Tagen im Großen und Ganzen wolkenreich, unbeständig und zeitweise windig bis stürmisch – alles aber kein Vergleich zu dem, was sich in Westeuropa abspielt.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Der-EMIR-kommt-oder-Orkan-CIARAN-formiert-sich.gif 914 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-01 17:57:452023-11-08 16:37:48Der EMIR kommt! – oder: Orkan CIARAN formiert sich!

Föhn vs. „Gruselwetter“

31. Oktober 2023/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Ob am heutigen Halloween-Dienstag wirklich Gruselwetter herrscht, ist sicherlich Geschmackssache. Von Herbstwetter kann man aber definitiv sprechen. Viele Wolken, immer wieder mal Regen und windig – so lässt sich das Wetter nicht nur für heute, sondern im Großen und Ganzen auch für die kommenden Tage zusammenfassen. Eine Ausnahme bilden dabei das Alpen- und Erzgebirgsvorland am Mittwoch und zum Teil auch am Donnerstag. Auf der Ostflanke eines Tiefdruckkomplexes bei den Britischen Inseln sorgt Föhn für weitgehend trockene Verhältnisse und immer wieder auch sonnige Abschnitte.

Ist von Föhn die Rede, wird schnell das (vielleicht auch schon etwas eingestaubte) Schulwissen herausgekramt: Luft trifft auf ein Gebirge und wird zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie um 1 Kelvin pro 100 m ab. Irgendwann bilden sich Wolken und es beginnt zu regnen, wobei die Luft nun nur noch mit 0,65 Kelvin pro 100 m Aufstieg abkühlt. Am Gipfel angekommen, strömt die Luft auf der Leeseite, also der windabgewandten Seite des Gebirges, herab und erwärmt sich dabei, wodurch es zur Wolkenauflösung kommt. Die Erwärmung beim Abstieg erfolgt nun durchweg mit 1 K pro 100 m.

Bei diesem Prozess spricht man von der klassischen Föhntheorie. Jetzt gibt es allerdings ein Problem: Wie eine Studie zeigt, gehen zum Beispiel in Innsbruck mindestens 50 % der dort untersuchten Föhnfälle ohne Niederschläge einher. Zu einem geringen Teil kam es sogar nicht einmal zur Wolkenbildung. Irgendwie blöd, oder?

Gut, dass es – neben zahlreichen weiteren Theorien – die hydraulische Föhntheorie gibt. Bei ihr geht man davon aus, dass die Luft, die auf ein Gebirge trifft, nicht aufsteigt, sondern geblockt wird und im Luv (also auf der windzugewandten Seite des Gebirges) liegen bleibt und langsam auskühlt. Die im bzw. oberhalb des Bergkammniveaus heranströmende, deutlich trockenere Luft fällt dagegen nach Überquerung des Gebirgskamms ins Tal ab und erwärmt sich dabei um 1 K pro 100 m. Das kann man sich vorstellen wie in einem randvollen Stausee, bei dem nur die oberste Wasserschicht über die Staumauer in die Tiefe schwappt.

Stellt sich noch die Frage, wie es zu den mitunter hohen Windgeschwindigkeiten auf der Leeseite eines Gebirges kommt. Betrachten wir daher einfach mal ein Luftpaket, das gerade über dem Gipfel angekommen ist. Dieses Paket besitzt eine gewisse Energie, die sich hauptsächlich aus seiner Lage- und seiner Bewegungsenergie zusammensetzt. Die Lageenergie hängt dabei von der Höhe (also der vertikalen Lage) des Pakets ab und die Bewegungsenergie stark von dessen Geschwindigkeit. Strömt das Paket nun den Berg hinab, nimmt seine Höhe und damit auch seine Lageenergie ab. Da seine Gesamtenergie aber gleichbleiben muss (Stichwort Energieerhaltung), muss im Umkehrschluss seine Bewegungsenergie zunehmen und damit seine Geschwindigkeit.

Verstärkt werden kann dieser Effekt u.a. noch durch das Gelände. Muss unser Luftpaket unterwegs noch einen engen Gebirgspass durchströmen, entsteht eine Art Düseneffekt (Stichwort Venturi-Effekt) und es kann vorübergehend noch einmal deutlich mehr Gas geben.

Diese Beschreibung wurde an dieser Stelle natürlich nur sehr grob gehalten. Deutlich detailliertere Informationen zu dieser und weiteren Föhn-Theorien finden Sie in unserem Wetterlexikon unter.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/10/DWD-Foehn-vs.-Gruselwetter-1.png 350 584 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-10-31 19:35:522023-11-08 16:53:31Föhn vs. „Gruselwetter“

Weltweit einiges los beim Wetter

24. Oktober 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Deutschland herrscht derzeit typisch mitteleuropäisches, tiefdruckgeprägtes und mildes Herbstwetter. Immer wieder ziehen Regengebiete über das Land hinweg und der Wind frischt zeitweise etwas auf. Im Schwarzwald kann sich ab Wochenmitte eine Dauerregenlage einstellen. Es wird damit zwar interessant, aber nicht außerordentlich spannend beim Wetter in Deutschland.

Daher wagen wir heute mal einen Blick über den Tellerrand hinaus und schauen uns an, was weltweit beim Wetter derzeit Spannendes los ist. Dazu dient die folgende Grafik quasi als Übersichtskarte.

Es lässt sich unschwer erkennen, dass sich einige tropische Systeme auf der Weltwettergefahrenkarte wiederfinden lassen. Eher eine untergeordnete Rolle spielt Hurrikan TAMMY (Kategorie 1) über dem Westatlantik. Dieser Hurrikan zieht derzeit nur übers Wasser und bedroht auch keine Inselgruppen. Erst zum Wochenende könnten die Bermudainseln in den Fokus rücken, wobei TAMMY sich bis dahin abschwächen soll.
Etwas genauer muss die Tropische Depression 21L beobachtet werden, die über Honduras, Nicaragua und San Salvador westwärts über Mittelamerika zieht. Mit diesem System gehen vor allem heftige Regenfälle mit Mengen zwischen 50 und 150 l/qm am Tag einher, wodurch Überflutungen drohen. Etwas weiter westwärts ist der Tropensturm OTIS über dem Ostpazifik, etwa 250 km südlich der mexikanischen Küste, zu finden. Er hat das Potenzial, sich zu einem Hurrikan der Kategorie 1 zu entwickeln und zieht nordwärts in Richtung Acapulco. Rund um Acapulco drohen vor allem am Mittwoch und Donnerstag heftige Regenfälle mit 150-300 l/qm am Tag und Böen bis 200 km/h.

Nun machen wir einen Schwenk nach Südamerika, wo vor allem am Freitag und Samstag in Südbrasilien, Paraguay und dem äußersten Nordosten von Argentinien Regenmengen zwischen 100 und 200 l/qm am Tag erwartet werden. Dies trifft teilweise genau die Gebiete, in denen es bereits in den letzten Monaten schwere Überschwemmungen gab.

Als nächstes geht der Blick in den Südwestpazifik und zwar nach Vanuatu. Dort treibt Zyklon LOLA sein Unwesen. Mit voller Wucht und der Einstufung als Zyklon der Kategorie 4 trifft er auf den Inselstaat. Neben immensen Regenmengen mit 200-400 l/qm innerhalb von 24 h werden auch Böen um 250 km/h erwartet. Damit drohen schwere Verwüstungen und zerstörte Städte und Dörfer. Unter Abschwächung zieht der Zyklon dann weiter südwestwärts in Richtung Neukaledonien.

Großes Ungemach bahnt sich auch im Golf von Bengalen an, denn dort hat sich Invest 92B zum Zyklon HAMMON der Kategorie 1 entwickelt. Der Landfall wird heute Abend südlich von Chittagong (Bangladesch) erwartet. Im Küstenbereich liegen die Regenmengen bei 100-200 l/qm in den nächsten zwei Tagen. Außerdem erreichen die Böen Windgeschwindigkeiten bis 160 km/h. Sie schwächen sich allerdings rasch ab.

Im Südosten des Jemens ist derzeit noch die Depression TEJ unterwegs und bringt dort heute nochmals Regenmengen bis 200 l/qm. Das System schwächt sich jedoch rasch ab bzw. löst sich gänzlich auf. Dennoch gibt es dort sowie im Süden des Omans teils erhebliche Verwüstungen. Gestern wurden bereits Regenmengen um 200 l/qm gemessen. Örtlich dürften es sogar mehrere hundert Liter gewesen sein, was für die dortige Wüstenregion absolut ungewöhnlich ist. Dadurch, dass der Wüstenboden das Wasser kaum aufnehmen kann, fließt dieses oberflächlich ab und führt innerhalb kürzester Zeit zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen.

Abschließend noch ein Blick nach Europa, wo es vor allem im Nordosten Italiens sowie in Westslowenien in den kommenden Tagen immer wieder zu teils kräftigen Regenfällen kommen wird. Mitunter fallen dann bis zu 200 l/qm innerhalb eines Tages, was ebenfalls zu Hochwasser und Überflutungen führen kann.

Einiges los also beim Wetter weltweit und leider gebietsweise auch mit großem Schadenspotenzial verbunden.

Dipl.-Met Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/10/DWD-Weltweit-einiges-los-beim-Wetter.png 721 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-10-24 19:17:242023-11-09 09:40:57Weltweit einiges los beim Wetter
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