Deutschlandwetter im Herbst 2022:

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Herbst 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfalen 13,3 °C +2,0 Grad
2 Freiburg Baden-Württemberg 13,2 °C +3,1 Grad
3 Helgoland Schleswig-Holstein 13,2 °C +1,8 Grad

Besonders kalte Orte im Herbst 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 7,1 °C +2,1 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 7,3 °C +2,1 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 7,3 °C +0,7 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Herbst 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 777,0 l/m² 161 %
2 Balderschwang Bayern 712,0 l/m² 138 %
3 Baiersbronn-Mitteltal Baden-Württemberg 653,4 l/m² 152 %

Besonders trockene Orte im Herbst 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Karlshagen Brandenburg 52,2 l/m² 36 %
2 Zemitz Mecklenburg-Vorpommern 58,8 l/m² 39 %
3 Anklam Mecklenburg-Vorpommern 62,7 l/m² 44 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Herbst 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Berlin-Dahlem Berlin 480 Stunden 150 %
2 Berlin-Tempelhof Berlin 457 Stunden 142 %
3 Leipzig-Schkeuditz Sachsen 451 Stunden 152 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Herbst 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 196 Stunden 72 %
2 Itzehoe Schleswig-Holstein 258 Stunden 90 %
3 Regensburg Bayern 277 Stunden 87 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Jahreszeitmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitwertes zum vieljährigen Jahreszeitmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Christian Throm
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetterquiz – Teil 3

Heute, am 01.12.2022, beginnt der meteorologische Winter! Gleichzeitig – und das dürfte bei vielen wohl deutlich präsenter sein – darf endlich das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet werden. Doch während sich dahinter oftmals etwas für den Seelenfrieden, respektive die Hüfte verbirgt, gibt es hier heute etwas für’s Gehirn: den nächsten Teil unseres Wetterquiz! Und da am Freitag und Samstag an dieser Stelle die Rückblicke auf den vergangenen November sowie den meteorologischen Herbst folgen, gibt es die Auflösung am Ende des Textes direkt dazu. Und nun: Viel Spaß beim Rätseln!

—-

Frage 1: Unter einer “warmen Nase” versteht man in der Meteorologie…
A: … eine bestimmte Wolkenformation bei Föhn.
B: … einen Warmluftvorstoß in den unteren Luftschichten, der sich nicht bis zum Boden durchsetzt.
C: … spaßhaft jemanden im Kollegenkreis, der eine Tauwetterlage richtig vorhergesagt hat.

—-

Frage 2: Wasser…
A: … ist das beliebteste Getränk bei “Teambuilding-Veranstaltungen” der Vorhersagezentrale.
B: … hat bei 0 °C seine größte Dichte.
C: … gefriert nicht unbedingt bei Minusgraden.

—-

Frage 3: Bei einer Inversion…
A: … nimmt die Temperatur mit der Höhe zu.
B: … stellt sich das vorherrschende Wetterregime innerhalb von 24 Stunden komplett um.
C: … handelt es sich beim DWD um eine Bestandsaufnahme zum Jahresende, wieviel von welchem Wetter noch im Lager ist.

—-

Frage 4: Eine maskierte Kaltfront …
A: … sorgt für eine Erwärmung in den untersten Luftschichten.
B: … tritt fast ausschließlich im Februar auf.
C: … ist eine Kaltfront, die von den Wettermodellen nicht vorhergesagt wurde.

—-

Frage 5: Mit “Shapiro-Keyser” verbindet man in der Vorhersagezentrale sofort…
A: … eine Vorgehensweise bei der Bestimmung der Schneefallgrenze.
B: … eine spezielle Tiefdruckentwicklung, die ein besonders hohes Böenpotenzial aufweist.
C: … die 25 süßsauer beim Thailänder um die Ecke.

—-

Auflösung: Damit Sie beim Durchlesen der Fragen hier nicht schon versehentlich mit einem Auge die Lösungen überfliegen, folgen diese nun etwas unübersichtlich im Fließtext. Von einer warmen Nase spricht man, wenn in unteren Luftschichten eine Erwärmung stattfindet, sich in Bodennähe aber noch kältere Luft hält. Das Vertikalprofil der Temperatur ähnelt dann der Form einer Nase. Ein anschauliches Beispiel dazu finden Sie im Thema des Tages vom 17.01.2022.

Dort lesen Sie unter anderem auch von sogenannten “unterkühlten Wassertröpfchen”, also Wassertröpfchen, die bis weit in den Frostbereich hinein existieren, ohne zu gefrieren. Mit Inversionen hat man es im Sommer meist nachts, im Winterhalbjahr dagegen gerne auch mal über mehrere Tage hinweg zu tun. In den Nächten kühlt der Boden und damit auch die bodennahe Luft deutlich stärker aus als die darüber befindlichen Luftschichten. Die Temperatur nimmt also mit der Höhe zu.

Näheres dazu finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 04.11.2020, in dem Sie auch auf den Begriff der “maskierten Kaltfront” treffen werden.
Dabei handelt es sich um nichts Weiteres als eine “handelsübliche” Kaltfront. Gerade im Winterhalbjahr kann sie aber eine im Vorfeld vorhandene Inversionslage beenden, indem sie die bodennahe Kaltluft mit der darüber befindlichen, milderen Luftmasse vermischt. Damit wird es hinter der Kaltfront in den untersten Luftschichten also wärmer und nicht – wie eigentlich gewohnt – kälter.

Zum Abschluss spitzen die Kolleginnen und Kollegen die Ohren, wenn irgendwo der Begriff “Shapiro-Keyser” fällt. Denn diese spezielle Tiefdruckentwicklung kann vor allem bei der Böenprognose einiges an Überraschung mit sich bringen. Böen bis in den (extremen) Orkanbereich sind dabei keine Seltenheit. Mehr dazu erfahren Sie im Thema des Tages vom 16.01.2015.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im November 2022:

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im November 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfalen 9,7 °C +3,0 Grad
2 Helgoland Schleswig-Holstein 9,5 °C +1,9 Grad
3 Geilenkirchen Nordrhein-Westfalen 9,5 °C +3,7 Grad

Besonders kalte Orte im November 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 2,3 °C +2,3 Grad
2 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 2,6 °C +0,8 Grad
3 Carlsfeld Sachsen 2,9 °C +2,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im November 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 277,1 l/m² 154 %
2 Baiersbronn-Mitteltal Baden-Württemberg 222,9 l/m² 118 %
3 Freudenstadt-Kniebis Baden-Württemberg 212,8 l/m² 117 %

Besonders trockene Orte im November 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Staaken Brandenburg 4,1 l/m² 10 %
2 Karlshagen Mecklenburg-Vorpommern 5,6 l/m² 11 %
3 Groß-Kiesow-Schlagtow Mecklenburg-Vorpommern 8,0 l/m² 14 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im November 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Nossen Sachsen 124 Stunden 242 %
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 117 Stunden 205 %
3 Hoyerswerda Sachsen 117 Stunden 209 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im November 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 16 Stunden 34 %
2 Itzehoe Schleswig-Holstein 26 Stunden 46 %
3 Schönhagen Schleswig-Holstein 30 Stunden 61 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Christian Throm
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Winter zum zweiten Advent

Morgen beginnt der meteorologische Winter (1. Dezember) und der zeigt an seinem ersten Wochenende direkt, was er so kann. Aus östlicher Richtung wird nämlich recht kalte Luft zu uns transportiert. Grund dafür sind Hochdruckgebiete über Nordeuropa und Russland. Im Uhrzeigersinn strömt die Luft um die Gebilde herum und führt so am Ende zu einem “Kälteeinbruch” am zweiten Adventswochenende.

Die kontinentale Luft aus Osten ist ja eher trocken, aber Tiefdruckgebiete in der Höhe lenken am Freitag aus Südosten feuchte Mittelmeerluft ins Land. Die trifft auf die kalte Luft und im Ergebnis fällt etwas Schnee über der Mitte und im Süden, vor allem natürlich in den höheren Lagen. Aber auch in den tieferen Lagen könnte es am Freitagnachmittag und Abend weiß werden. Viel wird nicht zusammenkommen, insgesamt werden bis Samstagmittag Mengen zwischen 1 und 4 Zentimetern, im Stau im Bergland bis 10 Zentimeter erwartet. Anschließend trocknet die Luftmasse ab, es bleibt aber kalt.

Die Temperatur geht tagsüber spürbar zurück. In einigen Gegenden im Osten und über der Mitte droht Dauerfrost. Der mäßige östliche Wind sorgt dafür, dass sich die kalte Luft noch kälter anfühlt. Die Nächte werden in den meisten Regionen frostig. Nur an den Küsten und an größeren Flüssen im Südwesten und Westen ist es noch teils frostfrei. Grund dafür sind die relativ warmen Gewässer, die ihre Wärme an die Umgebung abgeben und so den Frost verhindern. Im Bergland hingegen tritt sogar mäßiger Frost zwischen -5 und -7 Grad auf.

Aufgrund der flachen Druckverteilung über Deutschland tut sich dynamisch nicht viel und so kann sich der meist dichte Hochnebel gut halten. Auflockerungen sind selten und am ehesten im höheren Bergland möglich, so wie in den Alpen. Damit einhergehend sind die sonnigen Abschnitte selten und die Sonnenscheindauer bescheiden.

Das zweite Adventswochenende ist wettertechnisch eher trüb und winterlich. Aber ein Gang auf den Weihnachtsmarkt lohnt sich immer. Und der Punsch schmeckt bei kalter Temperatur auch viel besser.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Unwetterserie im Mittelmeer

Insbesondere der westliche und zentrale Mittelmeerraum wird seit einer Woche von einer ganzen Serie von Unwettertiefs heimgesucht. Auslöser sind derzeit wiederholte Kaltluftvorstöße von Spanien und Südfrankreich ins westliche Mittelmeer. Begünstigend auf die Entwicklung der Sturmtiefs wirken die starke Verdunstung und der Wärmeeintrag vom noch verhältnismäßig warmen Mittelmeer. Die Meeresoberflächentemperatur bewegen sich derzeit zwischen 17 und 23 Grad. Sie liegen dabei 1 bis etwa 4 Grad über dem langjährigen Mittel. Da das Wasser bei den stattfindenden Kaltluftvorstößen wärmer als die Luft ist (labile Luftschichtung), wird zusätzliche Auftriebsenergie für kräftigere Gewitterentwicklungen zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, warum der Herbst die Unwettersaison im Mittelmeer ist, gibt es auch im Thema des Tages vom 28.09.2021

Den Auftakt zur Unwetterserie machte Sturmtief “Denise” vergangenen Dienstag. Im Golf von Genua geboren, wanderte es in östlicher Richtung über Mittelitalien weiter über den Balkan hinweg. Bei Gewittern sowie auf dem offenen westlichen Mittelmeer erreichten die Böen vom Löwengolf über die Balearen bis nach Italien teils Orkanstärke. Insbesondere aufgrund von eingelagerten Gewittern wurden stellenweise Niederschlagsspitzen von mehr als 100 Liter pro Quadratmeter an Westküstenabschnitten im Südwesten Italiens und der Adria registriert. Mehr Informationen zum Sturmtief “Denise” sind im Thema des Tages vom 24.11.2022 hinterlegt.

Nach dem Abzug von “Denise” Richtung Schwarzes Meer war den westlichen Mittelmeeranrainern nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt. Schon am Freitag stand das nächste Unwettertief am Löwengolf in den Startlöchern. Dieses Mal sollte es eine südlichere Zugbahn über das westliche und später südliche Mittelmeer einschlagen. Zunächst sorgte das Unwettertief am Freitagnachmittag in der Nähe von Barcelona für Gewitter. Beim Queren des westlichen Mittelmeeres “tankte” das Tief nachfolgend nochmals ordentlich Energie. Im weiteren Verlauf des Freitagabends und in der Nacht zum Samstag zogen insbesondere über das Tyrrhenische Meer und später auch zwischen Malta und Sardinen linienhaft angeordneten Gewitterkomplexe, die später auch Kalabrien erreichten (Abbildung 1).

Insbesondere die Insel Ischia im Golf von Neapel traf es mit voller Wucht. Heftige Regenfälle lösten Erdrutsche und Überschwemmungen aus, wobei Häuser beschädigt und Fahrzeuge von den Sturzfluten mitgerissen wurden. An der Station Forio sind nach lokalen Angaben innerhalb von 6 Stunden 133 Liter pro Quadratmeter gefallen, ein Wert der im bisherigen Beobachtungszeitraum dort noch nie erreicht wurde. Inzwischen sind auf Ischia durch die Verheerungen bereits acht Todesopfer zu beklagen. Am Sonntag zog das Unwettertief dann unter Abschwächung über das Ionische Meer und die Große Syrte nach Libyen südwärts ab.

Doch das Wetter kommt im Mittelmeer noch immer nicht zur Ruhe. Ganz gemäß der Redewendung “Aller guten Dinge sind drei” hat sich am gestrigen Montag ein weiteres Unwettertief mit dem internationalen Namen “Ariel” über dem westlichen Mittelmeer etabliert. Inzwischen ist es südostwärts bis zur Straße von Sizilien vorgedrungen. Damit einhergehend sind gestern schon kräftige Gewitter mit Starkregen vor allem über die Balearen hinweggezogen und haben sich dann am Abend und in der vergangenen Nacht etwas weniger organisiert nach Sardinien und ins Tyrrhenisches Meer verlagert (Abbildung 2).

Doch das Wetter kommt im Mittelmeer noch immer nicht zur Ruhe. Ganz gemäß der Redewendung “Aller guten Dinge sind drei” hat sich am gestrigen Montag ein weiteres Unwettertief mit dem internationalen Namen “Ariel” über dem westlichen Mittelmeer etabliert. Inzwischen ist es südostwärts bis zur Straße von Sizilien vorgedrungen. Damit einhergehend sind gestern schon kräftige Gewitter mit Starkregen vor allem über die Balearen hinweggezogen und haben sich dann am Abend und in der vergangenen Nacht etwas weniger organisiert nach Sardinien und ins Tyrrhenisches Meer verlagert (Abbildung 2).

Zudem hat das Tief erneut teilweise ergiebige Regenfälle und Gewitter im Gepäck, die die südlichen Regionen Italiens (insbesondere Kalabrien und Apulien sowie z.T. Sardinien) abermals heimsuchen werden. Im Verlauf der weiteren Woche gerät dann zunehmend Griechenland und die Ägäis in den Fokus. Akkumuliert werden von den Modellen in den küstennahen Gebieten der erwähnten Regionen bis einschließlich Donnerstag 50 bis 150, punktuell bis oder über 200 Liter pro Quadratmeter gerechnet. Insbesondere wegen der eingelagerten Gewitter, die sich von den Wettermodellen nicht genau verorten lassen, können die Niederschlagsspitzen in ihrer tatsächlichen Intensität von den Prognosen abweichen (Abbildung 4).

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Die Hurrikansaison 2022 im Nordatlantik

Sicherlich hätten auch die anderen Weltmeere mit Tropensturmaktivität einen Rückblick über die Ereignisse der vergangenen Monate verdient, doch sind die Auswirkungen der Aktivität über dem Nordatlantik nicht selten direkt oder indirekt in Europa zu spüren. Daher schauen wir näher auf die bis zum 30. November noch andauernde Hurrikansaison 2022.

Es begann alles in den späten Frühlings- bzw. frühen Sommermonaten 2022 mit zahlreichen Prognosen von diversen Institutionen zur diesjährigen Hurrikansaison, wobei die meisten eine überdurchschnittlich aktive Saison erwarteten. Beschränkt man sich auf den staatlichen Wetterdienst Nordamerikas, die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), dann ging man sowohl in der Prognose vom Mai 2022, wie auch im Update im August 2022 von einer überdurchschnittlichen Saison aus. Allerdings gingen die Erwartungen im August ein bisschen zurück. Doch selbst dann wurde mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% eine überdurchschnittliche Saison und mit 30% eine nahezu normal verlaufende Saison erwartet. Wie sieht nun die vorläufige Bilanz aus?

NOAA (Vorhersage vom 4. August) 1.6 – 28.11.2022
Akkumulierte Energie des Systems (ACE) 115 – 200% 95.1
Benannte Systeme 14 – 21 14
Hurrikans 6 – 10 8
Major Hurrikans 3-6 2

Tabelle: Gegenüberstellung der Vorhersage durch die NOAA vom 4. August 2022 mit den vorläufigen Daten dieser Hurrikansaison. Nähere Informationen zum ACE sind als Link zum Thema des Tages vom 23.09.2022 hinterlegt. Die tropischen Systeme werden benannt, sobald der Sturm Windgeschwindigkeiten von entweder mehr als 62 km/h (Tropensturm) oder 119 km/h (Hurrikan) erreicht. Ein “major” Hurrikan wird ausgerufen, sobald der Wirbelsturm Windgeschwindigkeiten von mehr als 179 km/h im 1-minütigen Mittel aufweist.

“Vorläufig” deshalb, weil während der nun anstehenden Wintermonate intensive Nachanalysen stattfinden, wo nicht selten noch einzelne Systeme herauf- oder herabgestuft werden bzw. erkannt und ggf. benannt werden. Selbst in der heutigen Zeit der intensiven Überwachung mit Satelliten können kurzlebige und kleine Systeme durch die Maschen fallen bzw. sind manche Datensätze erst deutlich später nach Auftreten des Sturms erhältlich, um dessen Intensität endgültig zu bestimmen.

Insgesamt war der Schritt hin zu einer etwas entschärften Prognose im August der Richtige gewesen, denn die Erwartungen wurden (aus Sicht der betroffenen Bewohner glücklicherweise) nur teilweise erfüllt. Nach dem aktuellen ACE -Wert liegt die Saison 2022 im Bereich “nahezu normal bis normal” mit einem Wert von rund 95 kt2(79% zum klimatologischen Mittel von 1991 bis 2020 und nahezu 100% zum Mittel von 1951 bis 2020).

Doch leider bewahrheitete sich der unter Meteorologen bekannte Satz auch in diesem Jahr wieder aufs Neue: Es wird nur ein Sturm benötigt. Ein Tropensturm kann an Hand enormer wirtschaftlicher Schäden und/oder hoher Opferzahlen entscheiden, ob die Saison als eine schlimme in Erinnerung behalten wird. Dieses Jahr gab es gleich zwei solcher Systeme, die für umfangreiche Verwüstungen verantwortlich gemacht werden.

Hurrikan FIONA tobte zwischen dem 14. und 28. September zeitweise mit 1- min gemittelten Windgeschwindigkeiten von 215 km/h und somit der 4. Kategorie auf der fünfteiligen Saffir-Simpson Skala, wobei der Sturm seine intensivste Phase Gott sei Dank über dem offenen Wasser des Nordatlantiks hatte. Besonders auf Guadeloupe und Puerto Rico brachte FIONA die teils heftigsten Niederschläge seit 2017 mit Gesamtmengen von 500 bis 800 l/qm, die leider mindestens 25 Menschen das Leben kosteten. Der nächste Landgang fand am 24. September in Neuschottland mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h statt, was der Kategorie 2 entsprechen würde. Allerdings wurde FIONA direkt vor Landgang zu einem intensiven außertropischen Tief umbenannt, sodass nicht mehr direkt von einem Landgang eines tropischen Sturms gesprochen werden konnte. Mit einem inoffiziell gemessenen Wert des Luftdrucks von 932.7 hPa und mehreren Werten von unter 940 hPa wies EX-FIONA jedoch den bisher niedrigsten Kerndruck eines Tiefdruckgebietes über Kanada auf. Es traten auch zahlreiche Böenspitzen von deutlich mehr als 120 km/h (Bft 12) auf.

Nur wenig später, vom 23. September bis zum 2. Oktober, entwickelte sich der bis dato tödlichste Wirbelsturm der Hurrikansaison 2022, der den Namen IAN erhielt. Der Hurrikan entstand über der Karibik und zog in der Folge über den Westen Kubas direkt an die Westküste Floridas, bevor er kurz über den Atlantik zog und an der Küste von South Carolina zum letzten Mal an Land ging.
Seine höchsten Windgeschwindigkeiten erreichte IAN direkt vor Landgang an der Westküste Floridas mit vorläufigen 1 min Mittelwinden von 250 km/h (Kategorie 4). Die höchste Kategorie 5 beginnt übrigens ab 252 km/h und von daher heißt es noch die Nachanalyse abzuwarten, ob es zu einer Heraufstufung kommt. Den intensiven Winden und der IAN begleitenden massiven Sturmflut fielen bisher mehr als 145 Menschen in Florida und insgesamt während der gesamten Lebenszeit von IAN rund 157 Menschen zum Opfer.

Etwas Kurioses gab es natürlich auch in dieser Hurrikansaison.

Im Jahr 2004 und 2022 gingen jeweils 2 Hurrikane an nahezu denselben Orten in Florida mit einem zeitlichen Zwischenraum von 43 Tagen an Land. Wenigstens bei der Intensität gab es Unterschiede (siehe Bild 1).

Doch welche Gründe gibt es, dass die bisherige Saison trotz der hohen Erwartungen recht moderat ausfiel? Der Umfang dieses Thema des Tages reicht sicherlich nicht aus, um die einzelnen Komponenten im Detail anzuschauen. Beschränkt man sich auf einige der Wichtigsten, dann wurden die optimistischen Prognosen u.a. erstellt wegen der zu erwartenden hohen Meeresoberflächentemperatur, schwacher Windscherung (Windgeschwindigkeitsänderung mit der Höhe) und anhaltender kalter ENSO Bedingungen (La Nina).

In der Gegenüberstellung der Anomaliewerte von Wassertemperatur und Windscherung von Juni bis Anfang November (Bild 2) erkennt man überwiegend neutrale bis leicht zu kühle Werte der Wasseroberflächentemperatur vor Afrika sowie eine nicht unwesentliche Windscherung. Je höher die Windscherung ist, umso schwerer haben es tropische Systeme sich zu bilden und zu entwickeln. Ein Grund für die höhere Windscherung waren teils agile Passatwinde sowie weit nach Süden ausgreifende Tröge aus den Außertropen, in deren Umfeld die Windscherung meist kräftig ausfällt.

Zur Hauptaktivitätsphase dieser Saison im September erkennt man in Bild 3, dass in dem rot umrandeten Bereich (Zugbahn der beiden Kategorie 4 Stürme FIONA und IAN) die Bedingungen für die Entwicklung tropischer Stürme an Hand dieser beiden Parameter sehr günstig waren. Das Meer war überdurchschnittlich warm und die Windscherung sehr schwach ausgeprägt.

Aber auch die Außertropen wirkten sich auf die Tropen aus, denn der Sommer war geprägt von einem stark mäandrierenden Wellenmuster. Das bedeutet, dass z.B. Tröge sehr weit nach Süden vordringen konnten und u.a. die Windscherung erhöhten. In Bild 4 erkennt man, dass über die gesamte Hurrikansaison gemittelt eine blockierende Antizyklone mit hohem Luftdruck und Geopotential über dem nördlichen Nordatlantik dominierte, was auch ein nahezu durchweg negatives Monatsmittel der NAO (Nordatlantischen Oszillation) hervorhebt. Tröge über den USA und vor den Toren Europas sorgten wiederholt für weit nach Süden ausgreifende Fronten und Windfelder, die stark vereinfacht gesagt die Entwicklungsbedingungen in den Tropen regional degradierten. Weitere negative Auswirkungen waren auch teils deutliche negative Feuchteabweichungen. Natürlich sind dies nur rudimentäre Darlegungen und weit mehr Interaktionen sind für eine abschließende Bewertung zu berücksichtigen.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass sich die Vorhersagen des Nationalen Hurrikanzentrums auch in diesem Jahr weiter verbessert haben und voraussichtlich neue Rekorde erreichen mit Blick auf die Genauigkeit der Zugbahn- und Intensitätsvorhersagen. Dazu muss aber noch die endgültige statistische Auswertung abgewartet werden.

Nun heißt es also erstmal durchatmen und die entstandenen Schäden zu beseitigen, was in vielen Inselstaaten sicherlich eine mühevolle und jahrelange Arbeit darstellt, bevor es im kommenden Frühjahr wieder heißt: Der neue Ausblick auf die Hurrikansaison 2023 steht bereit.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Was, wo und wie misst eine Wetterstation? (Teil 2)

Jedem sind sie schon einmal begegnet, die Messwerte der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes. Sie gehören zur Standardinformation in den stündlichen Wetterberichten im Radio und geraten bisweilen auch in die Schlagzeilen, wenn wieder einmal an einem bestimmten Ort ein neuer Temperaturrekord erreicht wurde oder es in einer Region besonders viel geregnet hat. Der DWD betreibt hierfür das Bodenmessnetz, bestehend aus dem “hauptamtlichen Stationsnetz” mit etwa 200 Wetterstationen sowie weiteren ehrenamtlich betreuten Wetter- und Niederschlagsstationen (siehe Teil 1, veröffentlich am 21.11.2022).

An einer hauptamtlichen Wetterstation werden kontinuierlich Lufttemperatur, Erdbodentemperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung- und stärke, Niederschlagsmenge und -dauer, Niederschlagsart, Schneehöhe, Wolkenuntergrenzen und -bedeckungsgrad, Sichtweite, Sonnenscheindauer und Lufthygiene gemessen. Heutzutage geschieht dies alles vollautomatisch und in vielen (wenn auch nicht allen) Situationen können diese Automaten die früheren Tätigkeiten eines Wetterbeobachters adäquat ersetzen. Wie diese automatischen Messgeräte die genannten Wetterparameter erfassen, schauen wir uns nun genauer an.

Lufttemperatur und Erdbodentemperatur

Die Lufttemperatur wird in 2 Metern Höhe über dem Erdboden gemessen und alle 10 Minuten an die DWD-Zentrale übertragen. Zusätzlich wird der Tageshöchst- und -tiefstwert gespeichert. Die Temperatur wird mit einem Temperatursensor ermittelt, der aus einem dünnen Platindraht besteht. Gemessen wird dessen elektrischer Widerstand, der sich linear mit der Temperatur ändert und bei 0°C genau 100 Ohm beträgt. Um die Qualität der Messungen sicherzustellen, werden zwei baugleiche Sensoren parallel betrieben. Da die Lufttemperatur “im Schatten” gemessen werden muss, befinden sich die Temperatursensoren zusammen mit den Feuchtesensoren in einer kleinen, aus Kunststoff bestehenden, weißen Lamellen-Wetterhütte. Diese dient als Strahlungs- und Wetterschutz. Da sich die Wetterhütte bei starker Sonneneinstrahlung erwärmen kann, ist ein Lüfter eingebaut, der die Messfühler stets mit Umgebungsluft umströmt. Zusätzlich findet eine Temperaturmessung 5 cm über dem Erdboden statt, welche vor allem nachts von großer Bedeutung ist, z.B. für die Landwirtschaft (nächtlicher Frost in Bodennähe) oder zur Abschätzung möglicher Gefährdung vor Straßenglätte. Zudem wird die Erdbodentemperatur in 5, 10, 20, 50 und 100 cm Tiefe gemessen. Sie ist besonders bei Vorhersagen für die Land- und Bauwirtschaft von Bedeutung.

Luftfeuchte

Die Luftfeuchtigkeit wird mithilfe eines Polymer-Sensors bestimmt. Dieser Spezialkunststoff ändert mit der Feuchtigkeit seine elektrische Kapazität. Dabei unterscheidet man zwischen absoluter Luftfeuchtigkeit, die den Gehalt an Wasserdampf in der Luft (in g/m³) angibt, und der relativen Luftfeuchtigkeit (in %). Da warme Luft deutlich mehr Wasserdampf enthalten kann als kalte Luft, hängt die relative Luftfeuchtigkeit von der Temperatur ab. Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit ist die Luft gesättigt und ein weiterer Feuchteeintrag würde zu flüssigem Wasser kondensieren.

Sichtweite

Damit wären wir bei der Sichtweite. Ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt, kondensiert der überschüssige Wasserdampf zu flüssigem Wasser (oder resublimiert bei sehr kalten Temperaturen zu Eis). Die Sicht wird dadurch herabgesetzt, wobei man bei einer Sichtweite unter 8 km von Dunst und bei unter 1 km von Nebel spricht. Gemessen wird die Sichtweite mithilfe von Streulicht. Befinden sich Luftpartikel in der Luft, wird ein Lichtstrahl (z.B. von einem Autolicht oder einer Taschenlampe) auch von der Seite sichtbar und zwar umso stärker, je mehr Partikel sich in der Luft befinden. Dieses Prinzip nutzt der Sichtweitensensor, der ein Lichtbündel aussendet, von dem ein Teil des Lichts von Partikeln in der Luft gestreut wird. Das gestreute Licht wird von einem Empfänger in einem definierten Streuwinkel gemessen. Je mehr gestreutes Licht am Empfänger ankommt, desto schlechter ist die Sichtweite.

Luftdruck

Der Luftdruck wird in Hektopascal (1 hPa = 100 Pa) gemessen. Auf älteren Messgeräten findet man manchmal auch die Einheit Millibar (mbar), was gleichbedeutend mit 1 hPa ist. Moderne Messgeräte verwenden für die Erfassung des Luftdrucks ein mikromechanisches Messelement aus Silizium, etwa so groß wie ein Fingernagel. Bei Druckänderungen verformen sich Deckel und Boden des Fühlers, wodurch sich dessen elektrische Kapazität ändert. Um den Luftdruck auf Meeresniveau zu erhalten, muss der tatsächliche (von der topographischen Höhe abhängige) Stationsluftdruck mithilfe einer Reduktionsformel extrapoliert werden.

Windrichtung- und stärke

Wind wird in 10 Metern Höhe über dem Erdboden gemessen. Neben den typischen Schalenkreuz-Anemometern werden heutzutage immer häufiger Ultraschall-Anemometer angewendet. Diese bestehen aus vier Ultraschall-Wandlern, die Ultraschallwellen sowohl aussenden als auch empfangen können. Aus der Dauer der Schallausbreitung wird die Windgeschwindigkeit ermittelt. Da das Anemometer eine drehbare Achse besitzt, kann gleichzeitig die Windrichtung erfasst werden.

Die noch verbleibenden Wetterparameter (Niederschlag, Schneehöhe, Sonnenscheindauer, Wolkenbedeckung und -untergrenze, Lufthygiene) und deren Messmethoden werden im dritten und letzten Teil dieser Serie beschrieben.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Humor in Krisenzeiten

Das neue Format des “Thema des Tages” (okay, ganz neu ist es nach gut 2 Monaten auch nicht mehr, aber die Uhren ticken in Behörden bekanntlich etwas langsamer) erlaubt es uns, ein paar mehr Bilder als bisher darzustellen. Das nutzen wir aus und präsentieren ein paar Karikaturen, die auf teils witzige, teils erschreckende Weise, aber immer ziemlich klar und ungeschminkt die Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel oder Energiewende thematisieren.

Drei von ihnen entstammen dem Katalog “Glänzende Aussichten. 99 Karikaturen zu Klima, Konsum und anderen Katastrophen” und im Vorwort schreiben die Herausgeber: “Ein herzhaftes Lachen hilft oft mehr als der erhobene Zeigefinger, um etwas zu verändern.” Ganz so einfach ist es zwar vielleicht nicht immer (und manchmal bleibt das Lachen auch im Halse stecken), aber in einem Punkt haben sie sicherlich recht: Karikaturen halten uns oft schonungslos den Spiegel unseres individuellen Verhaltens und der gesellschaftlichen und politischen “Absurditäten” vor, regen zum Nachdenken an und machen Mut, zu handeln. Den Humor zu verlieren, ist also keine Option. Oder? In diesem Sinne: Genug der vielen Worte (die finden sich schon oft genug an dieser Stelle) – lassen wir die Bilder sprechen!

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, den 26.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetter für das Wochenende

Am heutigen Freitag wird Deutschland von Tief XANA mit Kern nördlich von Schottland beeinflusst. Das zugehörige Frontensystem überquert das Land mit einem schmalen Niederschlagsband von West nach Ost und erreicht am Abend die östlichen Regionen. Dahinter folgen vor allem im Norden einzelne Schauer nach. Im Nordwesten sind vereinzelte kurze Gewitter möglich. Mit Durchgang der Front dreht der Wind vorübergehend von Süd auf West und frischt dabei etwas auf. Die Temperaturen steigen auf Werte zwischen 12 Grad am Niederrhein und 5 Grad am Bayerischen Wald an.

 

In der Nacht zum Samstag verhindern die noch vorhandenen dichten Wolken eine starke Abkühlung, sodass es meist frostfrei bleibt. Lediglich im Südwesten, wo stärker Aufklaren kann, und im Bergland tritt leichter Frost auf. Zudem sind im Osten und Südosten noch einzelne Schauer unterwegs, während es im Rest des Landes meist trocken bleibt.

Am Samstag ist Deutschland wettermäßig zwei geteilt: In der Osthälfte liegen noch die Reste der Front mit dichteren Wolken und gelegentlichem Regen. In der Westhälfte zeigt sich zeitweise die Sonne. Dies haben wir dem Hoch FLORIAN zu verdanken, das seinen Schwerpunkt nach Frankreich und in der Nacht zum Sonntag weiter nach Süddeutschland verlagert. Die Höchstwerte liegen ähnlich als am Vortag. Aber in der Nacht kann sich die Luft stärker abkühlen, denn die Wolken lockern verbreitet auf. Dann tritt abgesehen von Norddeutschland leichter Frost zwischen 0 und -4 Grad, an den Alpen auch mäßiger Frost bis -7 auf. Bei schwachen Windverhältnissen kann sich häufig Nebel und Hochnebel bilden.

Am Sonntag ist das Hoch Florian, das inzwischen seinen Schwerpunkt nach Polen verlagert, für uns noch wetterbestimmend. Die Berge und am Nordrand der Mittelgebirge zeigt sich die Sonne. In den Niederungen Mittel- und Süddeutschlands kann sich jedoch länger Nebel oder Hochnebel halten. Gegen Abend ziehen im Westen und Nordwesten echte Wolken auf, die zu nächstem Frontensystem gehört, die in der Nacht zum Montag auf Westdeutschland übergreift und dort gebietsweise Regen bringt. Im Süden und Osten bleibt das Wetter unter Hochdruckeinfluss noch ruhig mit einigen Nebelfeldern. In der Westhälfte bleibt es unten den dichten Wolken frostfrei, ansonsten tritt erneut leichter bis mäßiger Frost auf.

Für die neue Woche ist die Prognose noch unsicher, denn über dem Kontinent (Russland und Skandinavien) verstärkt sich das vorhandene Hoch und weitet sich nach Westen aus. Atlantische Tiefausläufer haben dann Schwierigkeiten, nach Mitteleuropa vorzudrängen. Mit einer überwiegend östlichen Strömung gelangt zunehmend kalte Luft nach Deutschland. Viel Niederschlag wird dabei nicht erwartet. Aber wenn er auftritt, fällt er dann zunehmend bis in tieferen Lagen als Schnee. In den Nächten gibt es dann verbreitet Frost und auch tagsüber steigen die Temperaturen vor allem in der Osthälfte auf wenig über null Grad.

 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DENISE macht Rabatz am Mittelmeer

Die Zyklogenese von DENISE begann am 21. November über dem Norden bzw. der Mitte Italiens sowie der Adria. Die Entwicklung fand an der südlichen Flanke des ursprünglich auf den Namen VALERIE getauften Tiefdruckkomplexes, welches sich zu diesem Zeitpunkt über den Britischen Inseln befand, statt. Ursächlich für die Entwicklung war ein dazugehöriger Tiefdruckkomplex in der Höhe, an dessen südlicher Flanke ein Randtrog in den westlichen Mittelmeerraum vordrang. Innerhalb dieses Trogs gelangten kühle Luftmassen nach Süden und begünstigten die voranschreitende Zyklogenese.

Der Kerndruck fiel im Laufe des 22. November für mehrere Stunden unter 990 hPa. Bis zum Abend zog das Tiefdruckgebiet bis zur nördlichen Adria. Auf der Rückseite kamen starke Mistralwinde in Gang, die sich in Form von schweren Sturmböen bis hin zu Orkanböen auch in Richtung Sardinien und Korsika ausdehnten. Die höchste Windgeschwindigkeit wurde hierbei mit mehr als 140 km/h an der exponiert gelegenen Station Cap Pertusato gemessen.
Der Mistral ist ein böiger und kalter Fallwind, der durch die Kanalwirkung des Rhonetals in Südfrankreich weitere Beschleunigung erfährt.
Auch der Scirocco kam an der südlichen Flanke des Tiefdruckgebietes in Gang, wobei es sich hierbei um einen heißen und trockenen Wüstenwind im Mittelmeerraum handelt. Dieser äußerte sich unter anderem durch den Transport von Saharastaub in Richtung Griechenland.
Aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten tobten meterhohe Wellen über das Mittelmeer. Des Weiteren sorgten die starke Flut in Kombination mit einem starken Wind, der das Wasser von Osten in Richtung Adriaküste drückte, für eine Sturmflut. In der Stadt Venedig kam es zu einem Acqua alta (italienisch für hohes Wasser), das jährliche winterliche Hochwasser, bei dem unter anderem der berühmte Markusplatz regelmäßig unter Wasser steht. Das seit 2020 bestehende Hochwasserschutzsystem MOSE wurde auf eine Bewährungsprobe gestellt und konnte eine noch größere Überschwemmung verhindern.

Wie eingangs erwähnt, sorgte DENISE nicht nur für Wind auf dem Mittelmeer und an dessen Küsten. Die Advektion warmer und feuchter Luftmassen an der Ostflanke des Tiefdruckgebietes löste starke Niederschläge insbesondere in der Po-Ebene aus, wobei örtlich dreistellige Niederschlagsmengen innerhalb von 24 Stunden gemessen werden konnten. Anders als zunächst angenommen, drehten die Winde weiter südlich gen Osten und drückten daher die feuchtwarmen Luftmassen nicht gegen den Alpenhauptkamm. Daher kam es auch nicht zu einer ausgeprägten Staulage an den Südalpen, was unter Mithilfe des orografischen Auftriebs zu hohen Neuschneemengen hätte führen können. Dennoch kamen entlang des Alpenhauptkamms Neuschneemengen von mehr als 40 cm innerhalb von 24 Stunden zusammen.

M.Sc. Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.11.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst