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Schlagwortarchiv für: Hagel

Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

16. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den vergangenen Tagen auf den lange ersehnten Landregen gehofft hatte, wurde regional zwar nicht enttäuscht, lokal eng begrenzt war es jedoch „zu viel des Guten“. Seit dem vergangenen Montag, den 13. Juli 2026, entwickelten sich in Teilen Deutschlands wiederholt kräftige Gewitter, die lokal erhebliche Schäden verursachten. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer und golfballgroße Hagelkörner prägten das Bild nach einem Schwergewitter. Gleichzeitig blieb es oft nur wenige Kilometer entfernt trocken oder es fielen lediglich einige Tropfen. Gerade diese ausgeprägte Kleinräumigkeit macht sommerliche Gewitter so faszinierend und zugleich so schwer vorherzusagen.

Aus meteorologischer Sicht wirkte die Wetterlage nicht allzu spektakulär. Deutschland lag am Rand eines kräftigen Hochdruckgebietes, das sich vom Atlantik nach Skandinavien erstreckte. Verantwortlich für die Unwetter war vielmehr ein vergleichsweise kleines Höhentief, das sich langsam von Dänemark nach Deutschland verlagerte. In höheren Luftschichten brachte es etwas kühlere Luft mit, wodurch der größere Temperaturunterschied zur bodennah stark aufgeheizten, feuchten Luftmasse die Auslöse von kräftigen Gewittern begünstigte. Gleichzeitig lag eine nur schwache Höhenströmung vor, sodass sich die Gewitterzellen nur langsam verlagerten oder durch rückseitige Neuauslöse wiederholt über denselben Ort zogen und so ideale Voraussetzungen für lokalen Starkregen boten.

Den Auftakt machte am Montagabend eine Gewitterlage im Norden Deutschlands. Bei Hannover sorgte eine kräftige Gewitterzelle für einen sogenannten Downburst (siehe DWD-Lexikon) mit orkanartigen Böen von 105 km/h. Zudem wurde innerhalb kurzer Zeit Starkregen mit 39,9 Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch in Teilen Schleswig-Holsteins sorgten Gewitterzellen für Probleme. Besonders betroffen war Elmshorn, wo Starkregen Straßen, Keller und Unterführungen überflutete. Innerhalb von wenigen Stunden fielen dort örtlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze abarbeiten, da die Kanalisation die Wassermengen zeitweise nicht aufnehmen konnte. Auch Hagel spielte am Montag bereits eine Rolle: In Heidenau (Niedersachsen) wurden golfballgroße Hagelkörner (circa 5 Zentimeter) beobachtet, die erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden verursachten. An anderen Orten fiel deutlich kleinerer Hagel, allerdings in großen Massen. So entstanden Bilder, die eher an Winterlandschaften erinnerten.

Nutzerbilder aus der DWD-WarnWetter-App vom 13. und 14. Juli 2026

Am Dienstag, den 14. Juli 2026, verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewitter in die Mitte und den Süden Deutschlands. In der Region Nürnberg entwickelte sich am Abend eine besonders kräftige Gewitterzelle. Um 17 UTC wurde dort eine Orkanböe von 130 km/h registriert, wenig später fielen innerhalb einer Stunde 45 Liter Regen pro Quadratmeter, lokal laut Radarauswertung noch etwas mehr. Die Folge waren überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und zahlreiche umgestürzte Bäume. Rund 1.100 Unwettereinsätze wurden in der Region gemeldet.

Auch Thüringen war von schweren Gewittern betroffen. Eine sogenannte Superzelle (siehe DWD-Lexikon) zog über eine Strecke von rund 180 Kilometer vom Eichsfeld und dem Ilm-Kreis bis zum Fichtelgebirge und sorgte mit Starkregen und Hagel für Behinderungen. Hagelkörner verstopften teilweise Abflüsse, wodurch Straßen überflutet wurden. Bei Ilmenau kam es kurzzeitig zu einer weiteren Intensivierung der Gewitterzelle, sodass dort lokal eng begrenzt auch Orkanböen auftraten.

Am Mittwoch (15. Juli 2026) erreichten die Gewitter Baden-Württemberg. In Reutlingen entwickelte sich in den frühen Morgenstunden bereits eine kräftige Gewitterzelle, die lokal große Hagelmassen brachte. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern bedeckten Straßen und blockierten teilweise die Abflüsse. Die Stadt Reutlingen war den gesamten Tag mit Aufräumarbeiten beschäftigt, Keller mussten ausgepumpt, Straßen geräumt und Schäden beseitigt werden. Zeitweise waren rund 6.000 Haushalte nach einem Blitzeinschlag kurzzeitig ohne Strom.

Animiertes Radarbild in Südwestdeutschland von Mittwoch, den 15. Juli 2026 von 12 Uhr bis 21 Uhr MESZ.

Auch am Bodensee kam es am Mittwochnachmittag zu einem heftigen Unwetter. In Friedrichshafen wurde eine Orkanböe von 126 km/h gemessen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Dächer wurden beschädigt. In Kressbronn stürzte ein Baum auf ein Wohnmobil, die Insassen blieben glücklicherweise unverletzt.

Zudem wurden mehrere Orte im Süden Baden-Württembergs wiederholt von Gewitterzellen getroffen. So verzeichnete die Station in Blumberg-Randen gegen 17:30 UTC satte 60,6 Liter pro Quadratmeter in nur wenigen Stunden.

Radarbild des 72-stündigen Niederschlags von Montagmittag, den 13. Juli bis Donnerstagmittag, den 16. Juli 2026.

Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Unterschiede bei sommerlichen Gewitterlagen auf kleinem Raum sein können. Während wenige Kilometer entfernt kaum Niederschlag fällt, können einzelne Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit extreme Regenmengen, Hagel und Sturmböen bringen.

Auch am heutigen Donnerstag sind im Südwesten und Süden einzelne kräftige Gewitter vorhergesagt, die lokal eng begrenzt mit Orkanböen bis 130 km/h, Hagel mit Korngrößen um 4 cm sowie Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter einhergehen können. Weitere Informationen zur aktuellen Warnlage finden Sie unter www.dwd.de oder in der WarnWetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Kleines-Hoehentief-grosse-Wirkung-–-eine-Gewitternachlese-1.png 582 755 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-16 14:46:472026-07-20 10:20:35Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

14. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen führt.

Die Bodenwetterkarte zeigt das umfangreiche Hoch LAURENT, dem nur schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegensteht. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.

In 5,5 km Höhe (500 hPa) ist deutlich das Höhentief über Mitteleuropa zu sehen, das wie ein Höhenei umher wabert und von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende Konvektion erforderlich ist. „Garniert“ wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das „i-Tüpfelchen“, nämlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken, teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.

Die Zutaten für hochreichende, schwere Konvektion sind am heutigen Dienstag durchaus gegeben: Neben Hebung u.a. durch das Höhentief kommt es zu hohen CAPE-Werten über 1.000 J/kg, einem hohen Feuchtegehalt in der Luftmasse (PPW-Werte bis 37 mm) und guten Scherungsbedingungen, vor allem nachmittags und abends. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne „Nachzügler“ sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.

Die prognostizierte Reflektivität für 18 Uhr zeigt deutliche Hinweise auf schwere Konvektion, vor allem von der Mitte bis in den Süden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Vom-Hoehenei-bis-hin-zu-schweren-Gewittern-1.gif 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-14 18:30:532026-07-14 23:39:32Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

Unwetter gestern Abend

5. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Im gestrigen Thema des Tages ging es um das bevorstehende Wettergeschehen. Heute soll es nun darum gehen, wie die Realität ausgesehen hat.

Ausgangspunkt war eine Luftmassengrenze, die sich vom Süden bis in den Norden Deutschlands erstreckte und mäßig warme Atlantikluft von sehr warmer Subtropikluft trennte. Die Modelle zeigten, dass sich in der hochenergetischen Luft im Vorfeld sowie mit Unterstützung aus höheren Schichten, ab dem Nachmittag schwere Gewitter im Süden entwickeln würden. Aus diesem Grund ist im Voraus auch schon eine Vorabinformation vor schweren Gewittern für Teile Süddeutschlands ausgegeben worden. Darin wurde vor schweren Sturmböen bis 100 km/h, vereinzelt sogar orkanartigen Böen bis 115 km/h, Hagel mit 3 cm Durchmesser und Starkregen zwischen 25 und 40 l/m² in kurzer Zeit gewarnt. Was ist nun eingetreten?

Warnlage am 04.09.2025 um 19:45 Uhr

Tatsächlich entwickelten sich am Nachmittag starke Gewitterzellen in der Schweiz. Mehrere sogenannter Superzellen zogen heran, wobei sie besonders über den östlichen Bodensee und das Allgäu das Bundesgebiet erreichten. Offizielle Warnungen vor Unwetter in diesen Gebieten waren deshalb ausgegeben. Dabei konnte auf Livebildern mancher Webcams schon beobachtet werden, dass diese Zellen einiges an Hagel produzierten. Später am Abend „verclusterten“ die Zellen wie erwartet im Bereich der Vorabinformation. „Verclustern“ bedeutet dabei, dass die Einzelereignisse zunehmend zusammenwachsen und ein großes Gebiet bilden. Es entwickelte sich ein sogenanntes MCS (Mesoscale Convective System).

Die höchsten gemessenen Niederschlagsmengen lagen tatsächlich etwa zwischen 30 und 40 l/m² innerhalb einer Stunde. Einen Ausreißer gab es: Die Station Vilgertshofen-Pflugdorf in Bayern vermeldete rund 56 l in einer Stunde. Doch um dem die Krone auszusetzen sind davon satte 50 l innerhalb einer guten halben Stunde heruntergekommen! In Zumeldungen der Nutzer der DWD-Warnwetter-App gab es außerdem Hagelbilder mit Korngrößen von ca. 3 cm, welche sich mit der Vorhersage deckten.

Nutzermeldung Hagel

Ein kurzer Einschub hierzu: Solche Meldungen, beispielsweise zu gefallenem Hagel, helfen den Meteorologen zur Abschätzung der Gewitterstärke. Falls Sie also von einem Gewitter überrollt werden, erstellen Sie doch eine Meldung (im besten Falle mit einem aussagekräftigen Foto) über die App. Die diensthabenden Kollegen freuen sich über zusätzliche Informationsquellen. Achten Sie natürlich darauf, dass Sie sich nicht in Gefahr begeben, gerade solch heftige Unwetter bergen nicht unerhebliche Risiken!

Nun zurück zum eigentlichen Thema. Die Böenmeldungen hinkten bisher hinter der erwarteten Intensität hinterher. Um 22 Uhr vermeldeten ein paar Stationen in Bayern Windgeschwindigkeiten über 80 km/h. Eine Messung der Station Dürabuch in Bayern jedoch lag sogar bei 114 km/h, also ziemlich genau, was die Vorabinformation auch prophezeit hatte.

In den weiteren Nachtstunden bewegte sich der Komplex unter Abschwächung nach Nord-Nord-Ost. Warnungen vor nunmehr markantem mehrstündigem Starkregen, ergänzt mit Gewitterwarnungen, markierten die zukünftige Zugbahn und umfassten ein Gebiet von Franken (Bayern) bis zur Altmark (Sachsen-Anhalt). In den Morgenstunden, erreichten die deutlich abgeschwächten Überreste Mecklenburg-Vorpommern.

Die Unwetter blieben nicht ohne Folgen: So gab es Berichte über zahlreiche Feuerwehreinsätze im Allgäu und über einen Dammbruch, der für zusätzliche Überschwemmungen sorgte. In München kam es zu umgefallenen Bäumen, sodass eine Bahnstrecke zeitweise gesperrt werden musste. Solche Ereignisse wie gestern Abend sind also einerseits faszinierend, andererseits gehen sie mit gefährlichen Auswirkungen einher.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Unwetter-gestern-Abend-2.png 962 628 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-05 11:12:042025-09-12 13:21:16Unwetter gestern Abend

Gewitternachlese

1. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ein Tief nordwestlich der Britischen Inseln mit einem Trog westlich der Biskaya lenkte mit einer südwestlichen Strömung feuchte und sehr warme Luft vom Südwesten Europas nach Deutschland. Sie verdrängte die zuvor liegende trockenere Luftmasse nach Nordosten. Während im Osten der Hochdruckeinfluss noch überwog, gab es nach Westen durch die Nähe zum Tief bzw. Trog ausreichende Hebungsimpulse, um die Luftmasse zum Aufsteigen zu bringen und Schauer sowie Gewitter zu produzieren. Förderlich waren zudem wie so häufig die Mittelgebirgszüge. Dort führten erzwungene Hebung durch die Orographie oder konvergente Windstrukturen zur Auslösung der „Zellen“. 

Vorgeplänkel

Neben den erwähnten grundlegenden Zutaten wie der Luftmasse oder die aus der Wetterlage entspringenden Hebungsimpulsen lieferten auch die Simulationen der hochauflösenden Wettermodelle starke Signale für eine brisante Gewitterlage. So zeigte das ICON-D2 Modell in seinen Simulationen deutliche Hinweise auf Superzellen im Westen und der Mitte Deutschlands. Aufgrund der zu erwarteten heftigen Gewitter gab die Vorhersage- und Beratungszentrale eine sogenannte Vorabinformation vor der potenziell gefährlichen Gewitterlage am Nachmittag des Vortags (Freitag, 30.05.2025) heraus. Am Samstagvormittag wurde diese Vorabinformation dann aufgrund der aktuellen Erkenntnisse angepasst. Die Vorabinformation umfasste Teile West- sowie Südwestdeutschlands und erstreckte sich von dort bis in die mittleren Landesteile. 

24-stündige Niederschlagssumme bis zum 01.06.2025 08 MESZ. Messstationen (Zahlen) und aus Radarauswertungen (Flächendarstellung) 

Zählbares

Doch genug des Vorgeplänkels, was wurde denn in der Atmosphäre umgesetzt? Los ging es gegen 13 Uhr im äußersten Westen. In der Eifel entwickelten sich die ersten Gewitter, die sich rasch intensivierten und kurze Zeit später auch mit einer Unwetterwarnung versehen wurden. Exemplarisch sei hier eine Meldung der Station Lauperath-Scheidchen in der Südeifel genannt, die 20,3 Liter pro Quadratmeter (l/m²) in 29 Minuten registriert hat. Im Nachmittagsverlauf breiteten sich die Gewitter ostwärts über Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nach Hessen und am Abend auch nach Unterfranken und Thüringen aus. Über Baden-Württemberg gab es am Abend einige davon unabhängige Neubildungen. Besonders über der Schwäbischen Alb entstanden kräftige Gewitter, die unter allmählicher Abschwächung ostwärts zogen. In Merklingen wurden beispielsweise 25,2 l/m² Niederschlag innerhalb von 31 Minuten gemessen. Die Unwetterschwelle bezüglich Starkregen liegt bei mindestens 25 l/m² in einer Stunde. Werte in dem Bereich von 20-25 l/m² in 30 Minuten waren so die obere Grenze, die gestern gemessen wurden, dann war in aller Regel der Kern des Gewitters weitergezogen und nachfolgende Niederschläge deutlich schwächer. Deutschlandweiter Spitzenreiter in Sachen Niederschlag innerhalb einer Stunde war Tönisvorst im Westen von Nordrhein-Westfalen mit 31,0 l/m² zwischen 22 und 23 Uhr.

Moment mal, mag da der ein oder andere sagen, waren die Gewitter dort nicht bereits viel früher unterwegs. Ja, das waren sie, aber die Luftmasse war noch nicht ausgeräumt, die Kaltfront noch viel weiter westlich. Die Bedingungen blieben dort deswegen sehr gut für neue Gewitter. Bereits am frühen Abend entstanden im niederländisch-deutschen Grenzgebiet nahe der Städte Venlo bzw. Nettetal besonders intensive Gewitter. Diese produzierten nicht nur heftigen Starkregen, sondern auch sehr großen Hagel. Zum Teil fielen Hagelkörner von mehr als 5 cm Größe vom Himmel, wie Nutzer der WarnWetter-App mit dort hochgeladenen Fotos eindrucksvoll dokumentierten. Solche Fotos können uns Meteorologen gerade bei kleinräumigen Phänomenen wie Hagel sehr helfen. Insbesondere wenn eine Vergleichsgröße wie zum Beispiel eine Münze oder eine Hand abgelichtet wurde. 

Mit Bildern belegte Hagelmeldungen von Nutzern der WarnWetter-App. 

Der Wind blieb wie erwartet unterhalb der Warnschwellen für Unwetter und erreichte Beaufort 8 oder 9. Tückisch war allerdings, dass die Böenfront dem eigentlichen Gewitter teils mehr als 20 km enteilt war und so Sturmböen deutlich vor dem eigentlichen Gewitter eintrafen.
In der Nacht zum Sonntag zogen die Gewitter weiter nach Nordosten und erreichten in den Frühstunden unter anderem den Großraum Hamburg und später die Ostsee. Dass die Gewitteraktivität so lange anhielt, zeigt, wie potent die Luftmasse und wie kräftig die Hebungsantriebe waren.

Aussichten 

Auch heute gab und gibt es wieder einige Gewitter. Diesmal im Fokus sind vor allem der Süden und der Osten des Landes. Neben Starkregen ist auch wieder Hagel, besonders im Süden auch größerer Hagel mit von der Partie. In den Folgetagen bleibt es unbeständig. Im Süden halten sich Reste der feuchten Warmluft, die am Mittwoch auch den Osten wieder erreicht. Nach Norden und Westen sorgt eine heute durchschwenkende Kaltfront dagegen nachhaltig für einen Luftmassenwechsel. Das heißt zwar nicht, dass es dort gewitterfrei bleibt, aber die Intensität der Gewitter ist deutlich geringer als im Osten und Süden. 

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Gewitternachlese-teil-1.png 924 752 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-01 21:18:152025-06-03 21:29:37Gewitternachlese

Mit Pauken und Trompeten in den Herbst?

29. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Okay, der Titel mag vielleicht etwas reißerisch klingen, aber so ganz aus der Luft gegriffen, ist er vielleicht auch nicht. Denn wie im gestrigen Thema des Tages bereits beschrieben, greift in den Abendstunden im Zusammenhang mit Tief ANNELIE ein mächtiger Gewitterkomplex auf den Südwesten Deutschlands über. Er verlagert sich in der Nacht zum Sonntag nordostwärts und zieht Sonntagvormittag über die Ostsee ab. Vor allem vom Südwesten bis in die Mitte ausgreifend drohen dabei regional (extrem) heftiger Starkregen, schwere Sturm- bis Orkanböen und größerer Hagel. Die Folge können Überschwemmungen, vollgelaufene Keller und Unterführungen sowie umstürzende Bäume sein. Weiter von der Mitte in den Nordosten sinkt das Risiko für heftige Böen und Großhagel deutlich ab, mit heftigem Starkregen und örtlichen Überflutungen muss aber weiterhin gerechnet werden.

Doch bevor der Gewitterkomplex zuschlägt, wird aus Süden zunächst einmal noch sehr feuchte und heiße Mittelmeerluft nach Deutschland geleitet. In der Süd- und Südosthälfte steigt die Temperatur verbreitet auf über 30 Grad, im Süden sogar auf Höchstwerte um 33 Grad.

Nach Abzug des Komplexes am Sonntagvormittag kann man zwar schon von einer Wetterberuhigung sprechen, es bleibt aber auch am Sonntag unbeständig mit schauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern. Allerdings strömt von Westen mit Durchzug von ANNELIESs Kaltfront deutlich kühlere Meeresluft ins Land, wie man schön in den Abbildungen 1 bis 3 sehen kann. Am Sonntag sind in der Westhälfte nur noch Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad drin, was regional durchaus bis zu 10 Grad Unterschied im Vergleich zum heutigen Samstag darstellen. Im Osten werden zwar nochmals um 30 Grad erwartet, am Montag liegt dann aber auch dort die 25-Grad-Marke außer Reichweite. Generell stellt sich in der neuen Woche ein Temperaturniveau ein, das meist nur noch mäßig warme Höchstwerte

zwischen 17 bis 23 Grad erlaubt. Dazu bleibt es ziemlich unbeständig und es wird windig.

Was sich schon fast wie Herbst anhört, ist eigentlich nichts weiter als ein typischer mitteleuropäischer Sommer. Für alle, die es dann aber doch gerne eine Spur wärmer haben: Zum Ende der kommenden Woche gibt es Hinweise, dass das Temperaturniveau wieder etwas nach oben geht – genauso wie allerdings auch die Unsicherheiten.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Mit-Pauken-und-Trompeten-in-den-Herbst.png 720 716 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-29 22:11:582024-07-04 11:09:13Mit Pauken und Trompeten in den Herbst?

Unwetterrückschau

19. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am gestrigen Dienstag war in Sachen Wetter einiges geboten! Wie bereits im Thema des Tages vom vergangenen Montag beschrieben, konnte sich über der nördlichen Mitte des Landes eine Luftmassengrenze ausbilden. Sie trennt feucht-warme Subtropikluft im Süden von deutlich trockenerer und kühlerer subpolarer Meeresluft. Im Bereich und am südlichen, warmen Rand der Luftmassengrenze konnten sich schwere Gewitter entwickeln, die über die breite Mitte des Landes zogen. Darunter war auch die ein oder andere Superzelle zu finden. Bei Superzellen handelt es sich um rotierende Gewitter, die aufgrund ihres hohen Organisationsgrades oft sehr langlebig sind. Nicht selten gehen sie mit Böen bis Orkanstärke, großem Hagel, heftigem Starkregen und manchmal auch Tornados einher. Daher gilt die Superzelle als eine der gefährlichsten Gewitterarten.

Ähnliche Begleiterscheinungen waren auch am gestrigen Dienstag dabei: Neben lokal heftigem Starkregen kam es zum Teil auch zu großem Hagel mit Korngrößen von rund 5 cm und schweren Sturm- bis mindestens orkanartigen Böen. „Mindestens“ deshalb, da die höchste gemessene Böe 110 km/h betrug (Neu-Ulrichstein, Hessen). Es ist aber davon auszugehen, dass vereinzelt auch noch etwas höhere Böen auftraten, die aber nicht vom DWD-Messnetz erfasst wurden.

Zudem gab es mehrere Meldungen zu potentiellen Tornados, die unter anderem auch über die DWD-WarnWetter-App abgesetzt wurden – an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön für die zahlreichen (Un-)Wettermeldungen! Während es von einem Fall im Raum Hildesheim (Niedersachsen) Videoaufnahmen gibt, die den Tornado gegen 20 Uhr zeigen, ist dies bei zwei anderen Fällen in Kirtorf (Hessen, gegen 14.15 Uhr) und Gröditz (Sachsen, gegen 18.45 Uhr) zumindest bisher nicht der Fall. Ein Tornado kann im Allgemeinen nur bestätigt werden, wenn Bild- oder Videomaterial vorliegen, das eindeutig den Tornado zeigt, oder nach einer gründlichen Analyse der aufgetretenen Schäden. Aufgrund der vorherrschenden atmosphärischen Bedingungen und den vorliegenden Radardaten wäre aber zumindest der Tornado in Kirtorf plausibel. Der Fall in Gröditz deutet nach aktuellem Stand dagegen eher auf eine heftige Fallböe der Gewitterzelle hin. Aber egal ob Tornado oder Fallböe – es traten in beiden Fällen enorme Schäden auf.

Die ersten Gewitterzellen griffen gegen 11 Uhr von Frankreich und Belgien auf Rheinland-Pfalz und das Saarland über und zogen im weiteren Verlauf nordostwärts. Über Mittelhessen entwickelte sich dann gegen 14 Uhr die erste heftige Zelle, die sich weiter ost-nordostwärts bewegte und über Kirtorf schließlich zu dem Tornadoverdacht führte. Sie war eingebettet in einen Multizellencluster (Konglomerat mehrerer Gewitterzellen), der gegen 17.30 Uhr Leipzig erreichte und gegen 18.45 Uhr – wie angesprochen – Gröditz. Gegen 20.30 Uhr zog der Komplex nach Polen ab.

Doch damit nicht genug denn über Thüringen und Sachsen-Anhalt schossen bereits die nächsten Gewittertürme in die Höhe, die vor allem in der ersten Nachthälfte auch Sachsen und die Südhälfte Brandenburgs mit einer „Lichtershow“ versorgten. Gegen 1.30 Uhr waren aber auch diese Gewitter nach Polen abgezogen. Im Westen kam derweil bereits das nächste Gebiet mit schauerartigen Regenfällen und einzelnen kräftigen Gewittern auf, das unter Abschwächung bis in die Mitte vorankam. Auch im Südwesten ging es in der vergangenen Nacht los mit der Blitzerei: Vom Oberrhein bis nach Oberfranken und ins Vogtland entwickelte sich eine Schauer- und Gewitterlinie, die sich erst im heutigen Vormittagsverlauf auflöste.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es unruhig beim Wetter. Morgen stehen vor allem die Südwesthälfte, am Freitag dann weite Teile Deutschlands im Fokus kräftiger Gewitter.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Unwetterrueckschau.jpg 2000 1500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-19 17:53:332024-06-25 09:43:35Unwetterrückschau

Wie entsteht Hagel?

18. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hagel verursacht oftmals erhebliche Schäden und gehört in Deutschland zu den schadensträchtigsten Wetterereignissen überhaupt, allerdings sind die Ereignisse mit besonders schlimmen Auswirkungen eher selten. Vor allem die hohe Bewegungsenergie (kinetische Energie) der Hagelgeschosse führt an Gebäuden, Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Flächen zu großen Schäden. Beispielsweise verursachte das „Münchner Hagelunwetter“ am 12.07.1984 Versicherungsschäden von mehreren hundert Millionen Euro.
Am heutigen Dienstag und in der kommenden Nacht zum Mittwoch sind die Bedingungen für die Hagelbildung in Deutschland sehr günstig. Vor allem in einem breiten Streifen quer über der Mitte des Landes können sich einzelne Superzellen samt großem Hagel mit Korngrößen um 5 cm entwickeln. In der nachfolgenden Grafik sind die Bereiche, in denen die Wahrscheinlichkeit für die Bildung schwerer Gewitter deutlich erhöht ist, dargestellt.

Großer Hagel bildet sich dabei nur in hochreichenden organisierten Gewitterzellen wie beispielsweise Superzellen, Multizellen, Gewitterlinien oder mesoskaligen konvektiven Systemen. Der Grund dafür ist, dass sich nur bei hohen Vertikalgeschwindigkeiten, bei einer langen Aufenthaltsdauer in der Wolke und einem hohen Flüssigwassergehalt große Hagelkörner bilden können.

Damit sich im ersten Schritt ein Hagelkorn entwickeln kann, setzt das voraus, dass sich kleine Eispartikel in der Atmosphäre bilden. Dies nennt man Nukleation. Dabei können sich die Eisteilchen bereits bei Temperaturen knapp unter 0 °C formieren, indem Wassertröpfchen an Eiskeimen anfrieren. Damit das kleine Hagelkorn (Nuklei) weiter anwachsen kann, müssen sich weitere Tröpfchen oder Eisteilchen anlagern. Diesen Vorgang nennt man Akkreszenz. In der Grafik wird der Vorgang der Entstehung aufgezeigt.

Um ein weiteres Wachstum des Hagelkorns zu erreichen, müssen sich weitere unterkühlte Wassertröpfchen an das Hagelembryo anlagern. Dies geschieht besonders im Bereich des Aufwindes, denn hier können durch den Vertikalwind besonders viele unterkühlte Tröpfchen herangeführt werden. Für das Wachstum des Hagelkorns ist es dabei maßgeblich entscheidend, wie lange sich das Hagelembryo im Bereich der unterkühlten Tröpfchen halten kann. Besonders in Superzellen können sich sehr große Hagelsteine bilden, denn durch die lange Verweildauer im spiralförmigen Aufwindschlauch können sich sehr viele unterkühlte Wassertröpfchen an ein Hagelkorn anlagern. Das bedeutet, dass die Akkreszenzrate relativ hoch ist.

Sicherlich haben Sie auch schon festgestellt, dass Hagelkörner unterschiedlich aussehen und aufgebaut sind. Verantwortlich dafür ist, ob das Anwachsen des Hagelkorns trocken oder feucht erfolgt. Beim trockenen Wachstum werden kleine Luftbläschen in das Hagelkorn eingeschlossen und die entstehende Hagelschicht erscheint opak (undurchsichtig). Durchsichtig hingegen wird das Hagelkorn beim feuchten Wachstum. Oftmals kommt es bei der Hagelentstehung zu einem Wechsel der angesprochenen Wachstumsarten, sodass ein Hagelkorn aus durchsichtigen und undurchsichtigen Schichten besteht.

Ist das Hagelkorn schwer genug geworden und überwiegt die Gravitationskraft (Erdanziehungskraft) gegenüber der Auftriebskraft, die das Hagelkorn durch starke Aufwinde erfährt, fällt das Hagelkorn zu Boden und kann die eingangs erwähnten großen Schäden verursachen.

Diplom Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Wie-entsteht-Hagel.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-18 17:44:322024-06-25 09:47:09Wie entsteht Hagel?

Erneut teils kräftige Gewitter und heftige Starkregenfälle mit Unwettergefahr!

20. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Ursache für das anhaltende unbeständige Wetter mit wiederkehrender Unwettergefahr liegt in einem nahezu stationären, sich immer wieder erneuernden Höhentief über West- und Mitteleuropa. Deutschland gelangt am morgigen Dienstag erneut auf die Vorderseite des mit dem Höhentief korrespondierenden Höhentroges in eine südliche bis südöstliche Strömung. Dabei werden aus dem Mittelmeerraum feuchtwarme und energiereiche Luftmassen herangeführt. Gleichzeitig entwickelt sich auf der Südostseite des  von den Alpen ausgehend ein Bodentief, welches sich im Laufe des Dienstags nach Nordwesten in Richtung Benelux verlagert.

Dadurch setzt bereits in der Früh im Südwesten Regen ein. Dieser kann bereits gewittrig durchsetzt sein. Mit Verlagerung des Bodentiefs nach Nordwesten entwickeln sich im Tagesverlauf auf der Nordseite des Tiefs in der schwülwarmen Luftmasse teils kräftige Schauer und Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen. Örtlich können bei kräftigen Entwicklungen auch kleiner Hagel und Sturmböen mit von der Partie sein. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings eindeutig auf dem Starkregen. Gerade in einem Streifen von Südostbayern über Franken bis zur Eifel sind in Verbindung mit Gewittern unwetterartige Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Stunden möglich.

Dabei können in einem Zeitraum von 12 Stunden örtlich um 40 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen. Lokal eng begrenzt sind auch Mengen bis 80 Liter pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen. Nach jetzigem Stand werden die Hochwassergebiete im Saarland und Rheinland-Pfalz von den höchsten Mengen nicht getroffen. Der Schwerpunkt der unwetterartigen Niederschläge liegt voraussichtlich von Nordostfrankreich bis nach Benelux. Dort sind lokal Mengen über 80 Liter pro Quadratmeter möglich. Es gibt allerdings noch einige Unsicherheiten bezüglich der genauen Lage und Intensität. Deshalb können sie sich jederzeit auf unserer oder in der Warn Wetter App informieren.

In der Nacht lässt der Starkregen allmählich nach und der Schwerpunkt verlagert sich in die westliche Mitte des Landes. Von Südwesten gibt es im Laufe der Nacht längere Regenpausen. Dort fließt zudem etwas kühlere Luft ein, sodass am Mittwoch dort nur noch um 20 Grad erreicht werden. Im Nordosten bleibt dagegen auch am Mittwoch noch die schwülwarme Luftmasse erhalten. Dort treten in Verbindung mit der Kaltfront des nun über Benelux liegenden Bodentiefs erneut teils kräftige Schauer und Gewitter mit Starkregen auf. Allerdings ist dort das Unwetterpotenzial im Vergleich zum Dienstag im Südwesten etwas geringer.

Auch im weiteren Verlauf der Woche bleibt uns die Großwetterlage erhalten. Erst zum Wochenende deutet sich eine zögerliche Umstellung der Wetterlage an. Damit sind auch in den nächsten Tagen örtlich kräftige Gewitter mit Unwettergefahr nicht ausgeschlossen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Erneut-teils-kraeftige-Gewitter-und-heftige-Starkregenfaelle-mit-Unwettergefahr.png 925 1887 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-20 21:27:032024-06-25 11:12:35Erneut teils kräftige Gewitter und heftige Starkregenfälle mit Unwettergefahr!

Sonne satt am Muttertag

12. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das ausgedehnte Hochdruckgebiet UWE mit Schwerpunkt über der südlichen Ostsee bestimmt heute das meist ruhige Wettergeschehen in Deutschland. Seit der Auflösung von Nebel- und Hochnebelfeldern in manchen nördlichen Regionen scheint fast überall die Sonne. Dabei steigt die Temperatur in der Südwesthälfte auf Höchstwerte zwischen 23 und 28 Grad, sonst auf 20 bis 23 Grad. Allerdings macht sich an der Ostsee bei auflandigem Ostwind noch das kalte Meerwasser bemerkbar – daher wird dort die Marke von 20 Grad nicht erreicht. Alles in allem sehr gute Randbedingungen um den heutigen Muttertag im Freien zu verbringen.

Der Tag zu Ehren der Mütter ist global gesehen nicht einheitlich festgelegt und wird von den verschiedenen Ländern an ganz unterschiedlichen Tagen des Jahres begangen. So feiern einige Nationen den Muttertag bereits im Februar oder März, andere hingegen erst in der zweiten Jahreshälfte. In den deutschsprachigen Ländern und den meisten Nachbarstaaten hat sich allerdings der 2. Sonntag im Mai eingebürgert. Dieser Termin im Mai bringt mit sich, dass die Spanne an möglichem Wetter eine sehr große ist. So kann es Mitte Mai durchaus auch nochmal ziemlich kühl sein, länger anhaltender Regen wäre im Mai auch keine besondere Ausnahmeerscheinung. Außerdem könnten schon die ersten kräftigen Gewitterlagen auftreten, die dem Freizeitspaß unter freiem Himmel schnell ein Ende setzen würden. Dieses Jahr braucht man sich in den meisten Regionen aber keine Sorgenfalten bezüglich der Wetterentwicklung machen.

Eine kleine Ausnahme gibt es aber am heutigen Sonntag: In unseren Wetter- und Warnlageberichten ist nämlich von einem geringen Schauer- und Gewitterrisiko im Bereich des Schwarzwaldes und der östlichen Mittelgebirge (Erzgebirge, Oberpfälzer- und Bayerischer Wald) zu lesen. Doch warum ist das Risiko gerade dort leicht erhöht? Dies steht in direkter Verbindung mit der Topographie der genannten Regionen. In den verschiedenen Tälern des Berglandes kann die Sonne die maßgebliche Luftmasse etwas schneller erwärmen als in der flachen Ebene (die raschere Bildung von Quellwolken zeugt davon). Dazu trägt zum einen das reduzierte Luftvolumen eines Tales bei, zum anderen gibt es durch die Hänge deutlich mehr „Heizflächen“ (die Luft erwärmt sich nämlich über die Abstrahlung des Bodens) als im Flachland. Besonders groß ist der zweite Effekt, wenn die Sonne den Hang im rechten Winkel bescheint. Dieser Umstand der bevorzugten Gewitterentstehung wird auch als „orographischer Effekt“ beschrieben.

Zur Entstehung von Schauern oder Gewittern ist aber auch noch eine dafür geeignete Luftmasse von Nöten. Dabei sollte der Blick über die Landesgrenze hinaus nach Frankreich gerichtet werden. Dort etabliert sich heute eine Zone flachen Tiefdrucks, die den äußersten Südwesten Deutschlands knapp tangiert. Mit dieser wird etwas feuchtere und für Gewitter ein wenig anfälligere Luft herangeführt. Zusammen mit den vorher genannten orographischen Effekten kann es daher im Schwarzwald für einzelne Schauer und Gewitter ausreichen.

Mit den Gewittern geht es auch zu Wochenbeginn (Montag) weiter. Nach meist sonnigem Tagestart werden die Wolken im äußersten Westen, Südwesten und in Alpennähe sowie im Bayerwald rasch größer und im Tagesverlauf sind dort Schauer und teils starke Gewitter möglich. Diese können örtlich eng begrenzt mit Starkregen um 20 l/qm in einer Stunde einhergehen. Vereinzelt ist auch Unwetter durch heftigen Starkregen mit Mengen um 30 l/qm in kurzer Zeit möglich. Außerdem sind da und dort kleinkörniger Hagel und stürmische Böen dabei. In der Nordosthälfte bleibt es dagegen hochdruckbedingt ruhig mit viel Sonnenschein.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Sonne-satt-am-Muttertag.png 477 852 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-12 18:11:542024-06-25 11:41:04Sonne satt am Muttertag

Gewitter mit heftigem Starkregen am Donnerstag!

1. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Viel Sonnenschein nur einzelne harmlose Wolkenfelder und frühsommerliche Temperaturen. So gestaltet sich der heutige Tag der Arbeit. Lediglich im Bereich der westdeutschen Mittelgebirge sind ab dem Nachmittag einzelne Gewitter mit lokalem Starkregen, kleinem Hagel und stürmischen Böen möglich. Verantwortlich dafür ist eine über Westdeutschland, die sich im Tagesverlauf etwas nach Westen verschiebt.

Da die Luftmasse vor allem in höheren Schichten recht trocken ist und ein markanter synoptischer Hebungsimpuls zunächst fehlt, sind nur vereinzelte Gewitter im Bereich der Mittelgebirge möglich. Die Osthälfte liegt dagegen unter dem Einflussbereich einer Hochdruckzone über Nord- und Osteuropa. Deshalb sind dort in der stabil geschichteten Luftmasse keine Gewitter möglich und wir dürfen uns bei angenehmen Temperaturen häufig auf einen lupenreinen Maifeiertag freuen. Zum Donnerstag kommt die Tiefdruckrinne in Verbindung mit einem über Westeuropa liegenden nach Nordosten voran.

Dabei bildet sich eine Konvergenzlinie aus, die am Nachmittag in etwa von Schwaben über Südhessen bis nach Nordrhein-Westfalen reicht. Dadurch wird die recht feuchte Luftmasse zum Aufsteigen gezwungen und es bilden sich im Vergleich zum Vortag deutlich häufiger teils kräftige Schauer und Gewitter. Durch die relativ schwachen Höhenwinde verlagern sich diese nur langsam und können in Verbindung mit zunehmender Feuchte große Regenmengen produzieren.

Somit nimmt die Gefahr von unwetterartigem Starkregen deutlich zu. Örtlich können dabei Niederschlagsmengen um 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit fallen. Aufgrund der zur Konvergenzlinie nahezu parallelen Verlagerung ist teils auch mehrstündiger Starkregen mit noch höheren Mengen nicht ausgeschlossen. Örtliche Überflutungen sind deshalb am Donnerstag durchaus möglich.

Zudem ist lokal auch Hagel mit von der Partie. Aufgrund der geringen vertikalen  können die Gewitter am morgigen Tag nicht zu Superzellen heranwachsen. Deshalb ist großer Hagel sehr unwahrscheinlich. Größere Hagelansammlungen sind aber gerade auch aufgrund eines recht hohen Energie- und Flüssigwassergehalts dennoch lokal nicht auszuschließen. Auch der Wind wird morgen eine eher untergeordnete Rolle spielen. In kräftigeren Entwicklungen und auf der Vorderseite der Rinne im Osten sind zwar stürmische Böen, in kräftigen Gewittern auch Sturmböen mit dabei, schwere Sturmböen oder gar Orkanböen sind aber nicht zu erwarten. Somit liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf den Starkregen!

Das Tiefdruckzentrum (FLURINA) der Rinne verlagert bis zum Abend über Westdeutschland nach Benelux. Dadurch überquert die Kaltfront des Tiefs den Südwesten Deutschlands, weshalb eine Stabilisierung eintritt und die Schauer und Gewitter im Süden in Regen übergehen. Zudem fließt deutlich kältere Luft ein. Die Bewohner der Nordosthälfte dürfen sich dagegen auch morgen wieder über viel Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen freuen. Dort nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit erst am Freitag deutlich zu.

M.Sc. (Meteorologe) Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Gewitter-mit-heftigem-Starkregen-am-Donnerstag.png 683 960 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-01 18:51:032024-06-27 09:46:51Gewitter mit heftigem Starkregen am Donnerstag!
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