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Schlagwortarchiv für: Hitze

Neue Hitze im Südwesten

9. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach der massiven Hitzewelle Ende Juni waren die Temperaturen zuletzt deutlich gesunken, wobei die Abkühlung im Norden stärker als im Süden ausfiel. Während es im Norden gebietsweise mehrere Tage mit Höchstwerten unter 20 Grad gab, blieb es im Südwesten deutlich wärmer. Doch auch dort lagen die Höchstwerte zumindest für wenige Tage unter 30 Grad.

Seit ein paar Tagen werden in den tiefen Lagen Südwestdeutschlands allerdings wieder Hitzetage verzeichnet. In Rheinfelden gab es beispielsweise seit dem 17. Juni 19 Hitzetage, nur an den ersten drei Julitagen blieb die Temperatur, wenn auch teils nur knapp, unter der 30-Grad-Marke.

Anzahl der Hitzetage im Juni und Juli bis einschließlich 08.07.2026

Hitzeschwerpunkt ist aktuell erneut – bzw. man kann auch sagen immer noch – Frankreich. Dort wurden am gestrigen Mittwoch an der Mittelmeerküste mehr als 40 Grad gemessen. In Marseille wurde beispielsweise mit 40,5 Grad ein neuer Allzeitrekord aufgestellt. Noch nie zuvor stieg die Lufttemperatur dort auf mehr als 40 Grad.

Die größte Hitze gibt es in den nächsten Tagen zwar weiterhin in Frankreich. Doch auch in Deutschland steigen die Temperaturen jeden Tag etwas an. Damit werden peu à peu mehr und mehr Regionen in den „Genuss“ von 30 Grad oder mehr gelangen. Im äußersten Südwesten werden am Wochenende auch 35 oder 36 Grad erreicht. Die Luft wird zwar zumindest zunächst nicht so feucht sein wie in der Hitzewelle Ende Juni. Die Wärmebelastung ist gerade im Südwesten in den kommenden Tagen dennoch stark. Dazu tragen auch die allmählich wärmeren Nächte bei. Am Wochenende werden die Tiefstwerte in Ballungsräumen im Südwesten um 20 Grad liegen.

Prognostizierte Tagesmaxima und -minima. Daten: MOS

Mit dem Beginn der neuerlichen Hitze stellt sich für viele sicherlich die Frage, ob denn ein Ende der Hitze schon absehbar ist. Um eine fundiertere Aussage treffen zu können, schauen wir uns nicht nur einen Modelllauf, sondern ein sogenanntes Ensemble an, Abb. 3. Ein und dasselbe Modell wird für denselben Prognosezeitraum dutzende Male gestartet. Der Unterschied ist jeweils ein leicht variierter Anfangszustand. Aus der Vielzahl an Ergebnissen lassen sich statistische Aussagen treffen, die mehr Aussagekraft haben als ein einzelner Modelllauf. Am Beispiel für Frankfurt am Main erkennen wir bei geringer Streuung (hohe Prognosesicherheit) eine Zunahme der Temperatur bis Dienstag oder Mittwoch kommender Woche. Danach zeigt sich bei deutlicher Zunahme der Streuung (abnehmende Prognosesicherheit) ein Rückgang der Temperatur. Zeitgleich nehmen die Niederschlagssignale (grüne Balken) zu, was für eine feuchtere Luftmasse spricht.

Ensemble des ECMWF, Modellauf 09.07.2026 00 UTC. Gitterpunkt für Frankfurt am Main.

Kurz und bündig: Bis Mitte kommender Woche zunehmende Hitze, danach bei steigendem Schauer- und Gewitterrisiko Tendenz zur Abkühlung.

M.Sc .Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Neue-Hitze-im-Suedwesten-1.jpg 1049 1488 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-09 14:26:092026-07-14 00:04:34Neue Hitze im Südwesten

Sommersturm an der Ostsee

8. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das Sturmtief BERNADETTE ist in der Nacht zum Mittwoch von Schweden über die Zentrale Ostsee zum Baltikum gezogen. Der Kerndruck von BERNADETTE fiel dabei auf Werte nahe 985 Hektopascal. An der Süd- und Südwestflanke des Sturmtiefs, also in Richtung des hohen Luftdrucks über Südwesteuropa, gab es die stärkste Drängung der Isobaren. Dort war der Luftdruckunterschied auf kleinem Raum am größten. Das Sturmfeld zog von Südschweden über den Zentral- und Südteil der Ostsee nach Polen und zur russischen Exklave Kaliningrad. Besonders hohe Windgeschwindigkeiten wurden auf Gotland mit Werten bis 110 km/h (Spitzenreiter: Ostergarnsholm) gemessen. Dies entspricht Windstärke 11. Als Folge des Sturms bildete sich über der südöstlichen Ostsee ein Seegang von 4 bis 6 Metern aus.

Animation des Bodendrucks und der Satelliten- sowie Radarbilder vom 08.07.2026 0 bis 10 Uhr MESZ.

Für den Winter wären diese Werte kaum eine Meldung wert, aber im Sommer ist solch ein Ereignis sehr ungewöhnlich. Dies zeigen auch statistische Verfahren, die vom ECWMF (Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) angewandt werden, um die Ungewöhnlichkeit von Wetterlagen und Wettererscheinungen abzubilden. Das Ereignis über der südöstlichen Ostsee war demnach ein Ereignis, das zu dieser Jahreszeit außerhalb der üblichen Variabilität lag.

Extreme forecast index und Shift of Tails für Windböen am 08.07.2026

Deutschland war von dem Sturm- bzw. Windfeld von BERNADETTE nur am Rand betroffen. Die stärksten Böen wurden am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch an der Ostsee mit 70 bis 85 km/h (Windstärke 8 bis 9) gemessen. Aber auch im Rest des Landes war es am Dienstag windig, verbreitet wurden Windgeschwindigkeiten zwischen 45 und 60 km/h (Windstärke 6 bis 7) erreicht.

Am heutigen Mittwoch treten nur noch an der Küste und auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge Windböen und stürmische Böen um 60 km/h auf. Stärker als beim Wind macht sich BERNADETTE heute bei der Temperaturverteilung bemerkbar. Die Höchstwerte liegen zwischen 20 Grad nahe den Küsten und bis zu 31 Grad am südlichen Oberrhein. Eine unterschiedliche Sonnenscheinausbeute kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Diese ist im Norden und im äußersten Südwesten gleichermaßen gut. Verantwortlich dafür ist das Einfließen mäßig warmer Meeresluft rückseitig einer Kaltfront in den Norden und Nordosten. Den Südwesten Deutschlands erreicht die Kaltfront und damit auch die kühlere Luft nicht. Noch größer waren die Gegensätze am gestrigen Dienstag. Maximal 17 Grad wurden in Flensburg und schweißtreibende 35 Grad in Freiburg erreicht.

Analysekarte vom 08.07.2026 06 UTC, Bodendruck und Fronten

In den kommenden Tagen ist Wind dann gänzlich kein Thema mehr. Stattdessen rückt die Hitze wieder in den Vordergrund. Von Südwesten erreichen die Tagesmaxima allmählich in mehr und mehr Regionen die 30-Grad-Marke. Am Oberrhein werden womöglich ab Freitag, spätestens ab Samstag wieder 35 Grad erreicht. Mehr dazu sicherlich in einem Thema des Tages Ende der Woche.

Master of Science Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Sommersturm-an-der-Ostsee-1.gif 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-08 01:14:102026-07-14 00:04:29Sommersturm an der Ostsee

Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

7. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in weiten Teilen Südwesteuropas weiterhin eine außergewöhnliche Hitzewelle das Wetter bestimmt, präsentiert sich Deutschland in den kommenden Tagen von seiner vergleichsweise angenehmen Sommerseite. Verantwortlich dafür ist eine großräumige Wetterlage mit Hoch JOCHEN im Westen und einer Tiefdruckzone über Nordeuropa. Wer seinen Urlaub derzeit auf Sizilien verbringt, kann neben hochsommerlichen Temperaturen sogar ein besonderes Naturschauspiel erleben: Der Ätna zeigt sich erneut aktiv und sorgt mit seiner Eruption für beeindruckende Bilder.

Ätna-Ausbruch vom 06.07.2026. Quelle: Alessandro Micalizzi

Die Zweiteilung des Wettergeschehens über Deutschland bleibt zunächst bestehen. Während sich Hoch JOCHEN von Südwesten her zunehmend bemerkbar macht, befindet sich der Norden und Nordosten des Landes noch im Einflussbereich von Tief BERNADETTE, das von Südnorwegen zum Baltikum zieht und sich dort mit Tief AUSYNJA vereinigt. Zum Wochenende setzt sich der Hochdruckeinfluss immer mehr durch und bleibt voraussichtlich auch darüber hinaus wetterbestimmend.

Da sich der Schwerpunkt des Hochs über den Britischen Inseln befindet, gelangt zwar warme, aber keine extrem heiße Luft nach Deutschland. Anders sieht die Lage in Frankreich und Spanien aus: Dort sorgt die eingeflossene Heißluft erneut für Spitzenwerte von über 40 Grad und eine erhebliche Wärmebelastung.

Am heutigen Dienstag zeigt sich der Himmel vor allem im Norden und Osten häufig wolkig bis stark bewölkt. Gebietsweise fällt dort auch etwas Regen. Im übrigen Land wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die Temperaturen erreichen im Nordosten lediglich 18 bis 25 Grad, während sonst 28 bis 32 Grad und am Oberrhein örtlich bis zu 35 Grad gemessen werden. Dazu weht besonders im Norden und Osten ein frischer Nordwestwind mit starken bis stürmischen Böen. Im Küstenumfeld sowie im Bergland sind vereinzelt auch Sturmböen möglich.

Wetter- und Temperaturkarte, am Dienstag 07.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Mittwoch ziehen zunächst noch zahlreiche Wolkenfelder über Deutschland hinweg. Von Westen lockert die Bewölkung jedoch zunehmend auf. Regen bleibt die Ausnahme und fällt höchstens noch vereinzelt an den östlichen Alpen. Die Temperaturen ändern sich im Norden und Osten kaum, während im Südwesten mit 27 bis 32 Grad die große Hitze des Vortages bereits etwas gedämpft wird. Im Nordosten macht sich der Nordwestwind weiterhin mit starken bis stürmischen Böen bemerkbar.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 08.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Donnerstag gewinnt Hoch JOCHEN weiter an Einfluss. Zwar ziehen vielerorts noch Wolkenfelder durch, diese bleiben aber meist harmlos. Vor allem im Südwesten scheint häufig die Sonne und die Temperaturen steigen dort erneut über 30 Grad. Im übrigen Land werden angenehme 22 bis 28 Grad erreicht. Der Wind weht nur noch schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen.

Von Freitag bis Sonntag steht dann verbreitet ruhiges Sommerwetter auf dem Programm. Die Sonne zeigt sich häufiger und auch im Norden steigen die Temperaturen wieder an. Meist werden 25 bis 30 Grad erreicht, im Westen und Südwesten örtlich 32 bis 36 Grad. Lediglich an den Alpen besteht insbesondere am Samstag ein geringes Risiko für einzelne Gewitter. Der Wind spielt dabei kaum noch eine Rolle.

Aussichten vom Donnerstag, den 09.07.2026 bis Samstag, den 11.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Trotz der sommerlichen Temperaturen bleiben die Nächte vielerorts angenehm frisch. Dadurch kann in den Morgenstunden gut gelüftet werden und auch die Wärmebelastung hält sich zunächst in Grenzen. Lediglich im Südwesten steigen die nächtlichen Tiefstwerte zum Wochenende örtlich auf knapp 20 Grad an, sodass die Nächte dort zunehmend tropisch anmuten.

Worauf viele Regionen Deutschlands dagegen weiterhin vergeblich warten, ist ergiebiger Regen. Auch in den kommenden Tagen sind nennenswerte Niederschläge nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt sich daher in Teilen des Landes fort und die Waldbrandgefahr bleibt vielerorts erhöht. Während also Südwesteuropa unter extremer Hitze leidet, profitiert Deutschland vorerst von einer deutlich gemäßigteren Sommerwitterung – allerdings um den Preis anhaltender Trockenheit.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Zwischen-Sommerhoch-und-Tiefdruckeinfluss-–-Deutschland-bleibt-von-der-grossen-Hitze-verschont-1.jpg 1365 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-07 17:07:062026-07-14 00:04:24Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

6. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal wieder mit der Phänologie.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.

Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und angeschaut werden.

Abb. 1. Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zum Blühbeginn der Sommer-Linde, Stand: 06.07.2026, 01:26 UTC

Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2) ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen Ringabschnitt angegeben.

Abb. 2: Phänologische Uhr mit Darstellung der phänologischen Jahreszeiten, aktuell Hochsommer, Stand: 30.06.2026 (Aktualisierung 1x wöchentliche, dienstags)

Abb. 3: Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zur Ernte von Wintergerste, Stand: 06.07.2026, 01:21 UTC

Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen. Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Ein-Blick-auf-die-Pflanzenwelt-Phaenologie-1.png 670 425 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-06 13:58:522026-07-14 00:03:52Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

5. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch JOCHEN sorgt im Südwesten des Landes aktuell für meist ruhiges Sommerwetter. Gleichzeitig wird die Nordosthälfte immer wieder von Frontensystemen beeinflusst, die für schauerartige, teils auch gewittrige Niederschläge sorgen. Dazu weht ein zeitweise starker Nordwestwind. Vor allem an exponierten Küstenabschnitten treten einzelne stürmische Böen (Bft 8) auf.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Sonntag, den 05.07.2026 um 12 UTC. (Quelle:DWD)

Zu Wochenbeginn verstärkt sich die Wetterzweiteilung zwischen dem Südwesten und dem Nordosten des Landes. Im Südwesten gibt es bei viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad bestes Badewetter. Im Nordosten sorgt dagegen ein heranziehender kurzwelliger Trog für neue, teils auch länger anhaltende Niederschläge. Damit liegen dort die Höchsttemperaturen lediglich bei maximal 20 Grad. In Verbindung mit einem weiterhin recht lebhaften Nordwest- bis Westwind stellt sich in dieser Region zumindest gefühlt bereits eine frühherbstliche Witterung ein.

Zur Wochenmitte dehnt sich der Höhenrücken über Westeuropa allmählich nach Osten aus, sodass in der zweiten Wochenhälfte auch die Nordosthälfte vermehrt unter Hochdruckeinfluss gerät. Der ausgeprägte Rücken wird dabei von zwei Trögen flankiert. Außerdem ergeben sich im Geopotentialfeld kleinere Schwachstellen, die mit schwach ausgeprägten Bodentiefs in Verbindung stehen. Damit strömen in der zweiten Wochenhälfte im Vorfeld dieser Tiefdruckstörungen über Westeuropa zunehmend sehr heiße Luftmassen von Südwesten nach Deutschland. Dabei bestehen aber noch größere Unsicherheiten. Die genaue Lage dieser Druckgebilde ist nicht nur für die Entwicklung potenzieller Gewitter wichtig, sondern auch für die Temperaturentwicklung.

Am Donnerstag liegt das Bundesgebiet voraussichtlich noch verbreitet unter Hochdruckeinfluss. Damit herrscht in weiten Landesteilen bei viel Sonnenschein bestes Badewetter. In den Niederungen des Südwestens tritt bereits eine starke Wärmebelastung auf. Entlang des Oberrheins sind Spitzenwerte von knapp 35 Grad möglich.

Am Freitag kommt die Hitze voraussichtlich noch etwas weiter nach Nordosten voran. Im Südwesten strömen zudem auch feuchtere Luftmassen heran, sodass vor allem über dem südwestdeutschen Bergland erste kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial möglich sind. Die Höchstwerte liegen am Freitag verbreitet bei 30 bis 35 Grad. In den Niederungen im Südwesten kann es stellenweise auch noch etwas heißer werden. Lediglich in Küstennähe und im Nordosten wird die Hitzegradmarke von 30 Grad voraussichtlich nicht erreicht.

Temperaturvorhersage für Deutschland von Donnerstag bis Samstag, den 11.07.2026. (Quelle:DWD)

Am Wochenende nehmen die Unsicherheiten weiter zu. Nach aktuellem Stand ist jedoch eine weitere leichte Zunahme der Hitze sowie eine Ausdehnung nach Norden und Nordosten am wahrscheinlichsten. In der Südwesthälfte sind in den Niederungen Spitzenwerte um 35 Grad häufig zu erwarten. Durch die heiße und teils auch sehr feuchte Luftmasse steigt die Wärmebelastung deutlich an. Vor allem hinsichtlich der Intensität und Ausdehnung der Hitze bestehen jedoch noch größere Unsicherheiten. Eine extreme Hitzewelle mit verbreitet neuen Rekordwerten, wie wir sie Ende Juni dieses Jahres erlebt hatten ist allerdings unwahrscheinlich. Trotzdem stehen uns vor allem im Südwesten einige sehr heiße Tage bevor. Damit ist wieder einmal Schwitzen angesagt!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 1,5 Kilometer Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Hamburg und Stuttgart. In beiden Regionen ist ein großer Unsicherheitsbereich erkennbar. Trotzdem ist Hitze über das kommende Wochenende vor allem im Südwesten recht wahrscheinlich. Nur bezüglich der Intensität und Andauer gibt es noch einige Fragezeichen. (Quelle:ECMWF)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Erwartet-uns-eine-neue-Hitzewelle-1.png 911 1275 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-05 14:51:402026-07-14 00:03:45Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

Endlich wieder Durchlüften – aber wie lange?

3. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Was für ein Sommerwetter! Noch am vergangenen Wochenende schwitzte Deutschland bei neuen Hitzerekorden. Der vorläufige Höchstwert musste nach Prüfung der Messdaten sogar noch einmal angepasst werden. In Möckern-Drewitz lag die Maximaltemperatur am Samstag, den 27. Juni nicht bei 41,5 °C, sondern bei 41,8 °C – verursacht durch eine kurzzeitige Übertragungslücke. Der Wert bleibt bis zur Abschlussprüfung vorläufig, könnte dann jedoch einen neuen deutschen Temperaturrekord darstellen. Am Sonntag, den 28. Juni verzeichnete die Wetterstation im brandenburgischen Coschen 41,7 °C (ebenfalls vorläufiger Wert).

Im Anschluss folgten zu Beginn der Woche dann schwere Gewitter, die teilweise von extrem heftigem Starkregen begleitet wurden. Innerhalb von kürzester Zeit fielen lokal eng begrenzt sintflutartige Regenmengen vom Himmel. Am Dienstag, den 30. Juni, registrierten die Stationen Blumberg-Randen und Pfullendorf (beide Baden-Württemberg) Mengen nahe 50 l/m² in nur einer Stunde. Die bayerische Wetterstation Bad Staffelstein – Stublang zeichnete in der Nacht zum Mittwoch, den 01. Juli, 24,5 l/m² in nur 10 Minuten auf, die Station in Maßbach (ebenfalls Bayern) 40,5 l/m² in 24 Minuten.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Freitag, den 03. Juli 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 02. Juli 2026, 00 UTC.

Nach den teils unwetterartigen Gewittern stellte sich die Wetterlage schließlich grundlegend um. Am heutigen Freitag, den 03. Juli 2026, hat der Ausläufer des Ostseetiefs „Zoe“ die Hitze erst einmal aus Deutschland verdrängt. So konnte in der vergangenen Nacht zum Freitag bei teils einstelligen Tiefstwerten im Bereich der Mittelgebirge endlich wieder durchgelüftet werden. In Arnsberg-Neheim im Hochsauerland wurden sogar 7,4 °C gemessen. Kaum ist die Hitze vorbei, empfinden manche die Nächte schon wieder als zu kühl. Das Wetter macht es eben selten allen recht. Vielleicht ist es gerade deshalb eines der beliebtesten Gesprächsthemen.

Tiefsttemperaturen der vergangenen Nacht zum Freitag, den 03. Juli 2026.

Der Ausläufer von „Zoe“ liegt heute an den Alpen und sorgt dort noch für dichte Wolken, meist fällt jedoch kein Regen mehr. Im Norden und Osten sorgt hingegen ein Schwall höhenkalter Luft sowie die Nähe zu „Zoe“ für eine leichte Labilisierung der Atmosphäre. So können sich dort Quellwolken bilden, vereinzelt treten Schauer auf. Zusammen mit den dicht gedrängten Isobaren sorgt die Labilisierung dafür, dass der nordwestliche Wind kräftig auffrischt. Im Binnenland werden dabei steife bis stürmische Böen erwartet, an auflandigen Küstenabschnitten sogar Sturmböen.

Der stürmische Wind mutet zusammen mit der rückseitig des Tiefausläufers eingeflossenen subpolaren Meeresluft fast schon frühherbstlich an, denn die Höchstwerte steigen nicht mal mehr auf ein sommerliches Niveau an, bleiben also unter 25 Grad. An den Küsten werden kaum 20 Grad erreicht. Im Südwesten und Süden ist davon nichts zu spüren. Dort scheint im Tagesverlauf bei Höchstwerten bis 28 Grad vielfach die Sonne.

MOSMIX-Vorhersage der Tageshöchstwerte vom heutigen Freitag, den 03. Juli 2026 bis Montag, den 06. Juli 2026.

In den nächsten Tagen bleibt dieses Muster weitgehend erhalten. Während ein weiteres Tief mit dem außergewöhnlichen Namen „Ausynja“ im Norden und Osten Deutschlands für wechselhaftes, teils windiges Wetter sorgt, beeinflusst ein Ableger des Azorenhochs weiterhin den Südwesten. Dort zeigt sich vielfach die Sonne und Regen ist Mangelware. Auch bei der Temperatur macht sich dieses Gefälle bemerkbar: Während an den Küsten kaum 20 Grad erreicht werden, steigt die Höchsttemperatur am Oberrhein wieder auf Werte um 30 Grad. Da die Luft aber meist sehr trocken ist, kühlen die nächtlichen Temperaturen vielfach unter 17 Grad ab.

Im Laufe der nächsten Woche könnte der Sommer dann deutschlandweit zurückkehren. Unter Hochdruckeinfluss steigen die Temperaturen voraussichtlich wieder verbreitet auf sommerliches bis hochsommerliches Niveau an. Nach aktuellem Stand wird die Hitze jedoch nicht wieder das Ausmaß von Ende Juni erreichen.

M.Sc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Endlich-wieder-Durchlueften-aber-wie-lange-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-03 13:31:522026-07-13 22:48:37Endlich wieder Durchlüften – aber wie lange?

Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

21. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hitze ist derzeit eines der Themen, wenn nicht sogar das bestimmende Thema beim Wetter in Deutschland. Heute und am morgigen Montag sind dabei vor allem die Mitte und der Süden betroffen mit Spitzenwerten von bis zu 37 Grad (vielleicht sogar 38 Grad) im Südwesten. Ab Mitte der Woche überschreitet wahrscheinlich auch der Norden wieder verbreitet die 30-Grad-Marke, während man im Südwesten lokal wohl sogar die 40 Grad anpeilt.

Immer wieder hört und liest man bei dieser Thematik von der sogenannten „Mittagshitze“, die man auch zurecht meiden sollte, wenn es irgendwie geht. Mit Blick auf den Tagesgang der Temperatur stellt man allerdings fest, dass die größte Hitze, also die Höchsttemperatur in unseren Breiten im Sommer tatsächlich meist erst im Laufe des Nachmittags, teilweise auch erst am frühen Abend erreicht wird. Der Spitzenreiter am vergangenen Freitag in Sachen Temperatur, Saarbrücken-Burbach, meldete seinen Höchstwert mit 37,5 Grad um 15.50 Uhr. Erst eine Stunde später, um 16.50 Uhr verzeichnete Kitzingen seinen Spitzenwert von 37,3 Grad und in Kahl am Main wurde das Ende des Temperaturanstiegs bei 36,2 Grad sogar erst um 18.20 Uhr erreicht. Aber ist Ihnen schon einmal der Begriff „Abendhitze“ über den Weg gelaufen? Wahrscheinlich eher nicht. „Mittagshitze“ ist dagegen ein gängiger Begriff. Was hat es damit denn nun auf sich?

Veranschaulichen wir den Tagesgang der Temperatur anhand einer Badewanne: Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an.

Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber zunächst immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als von oben nachkommt und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können.

Und wie ist das jetzt mit der Mittagshitze, wenn es doch abends noch heißer ist? Die betrachteten Temperaturwerte werden im Schatten gemessen. Dort ist es mittags also noch kühler als abends. Befindet man sich in der Sonne, sieht das Ganze anders aus. Zur Mittagszeit steht sie in unseren Breiten am steilsten am Himmel (was in Deutschland genaugenommen etwa zwischen 13.00 Uhr und 13.30 Uhr der Fall ist). In der Folge ist dann ihre Einstrahlung am stärksten, was für den Körper unter Umständen durchaus gefährlich werden kann. Abends fällt die Sonnenstrahlung dagegen deutlich flacher ein und ist dadurch auch spürbar schwächer.

Die Mittagshitze bezieht sich also auf den Aufenthalt in der prallen Sonne, die abendliche Höchsttemperatur auf die gemessenen Werte im Schatten. Beide schließen sich also nicht aus, ganz im Gegenteil.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-21 14:41:122026-06-21 19:53:54Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

Große Hitze und auch schwere Gewitter?

19. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits am gestrigen Donnerstag sorgte Hoch GORGIAS für viel Sonnenschein. Gleichzeitig strömte auf der Rückseite des Hochs sehr heiße und feuchte Luft nach Deutschland. Damit stiegen die Temperaturen von Südwesten her deutlich an. Vielerorts wurde die Hitzetagmarke von 30 Grad überschritten. In den Niederungen im Südwesten wurden örtlich sogar um 35 Grad gemessen. Bei einem Aufenthalt im Freien fühlte sich die heiße Luftmasse aber noch wärmer an. Grund dafür war die hohe Luftfeuchtigkeit. Dies zeigt sich sehr gut an den hohen Taupunkten.

Trotzdem bildeten sich gestern in der schwülheißen Luftmasse aber kaum Schauer und Gewitter aus. Grund dafür war ein Höhenrücken, welcher sich bis nach Mitteleuropa erstreckte. Damit war die Troposphäre in mittleren Schichten recht stabil geschichtet. Somit konnten sich ohne kräftigen Hebungsimpuls keine Gewitter ausbilden.

Heute verlagert sich der Höhenrücken samt Bodenhoch etwas nach Osten. Dadurch wird die Luftmasse hauptsächlich nach Westen hin stärker labilisiert. Somit kam es bereits in der vergangenen Nacht im Nordwesten zu ersten teils kräftigen Gewittern. Heute im Tagesverlauf bilden diese sich vornehmlich über dem Bergland. Dabei kommt es in der sehr energiereichen Luftmasse lokal zu heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen. Größtenteils reicht es aber heute tagsüber nicht für Gewitter aus, da ein stärkerer synoptischer Hebungsimpuls fehlt. Da die Windscherung weitgehend nur gering ist, sind diese Gewitter überwiegend unorganisiert.

Vorhersagekarte mit Frontensystemen und Druckgebilden für Freitag, den 19.06.2026 um 12 UTC. Hoch GORGIAS verlagert seinen Schwerpunkt nach Osten. Gleichzeitig erreichen schwach ausgeprägte Tiefdruckgebiete den Nordwesten und sorgen teils für Schauer und kräftige Gewitter mit Unwettergefahr!

Am Abend verlagern sich voraussichtlich von den Niederlanden kräftige Gewitter in den Nordwesten Deutschlands. Diese werden auf der Vorderseite eines Randtroges ausgelöst, welcher über die Nordsee nach Nordosten schwenkt. Dabei sind aufgrund von stärkerer Windscherung neben heftigem Starkregen auch größerer Hagel und schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) möglich. Es besteht Unwettergefahr!

Am Samstag liegt eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne über dem Land. Diese ist durch lokale Windkonvergenzen gekennzeichnet. Dort kommt es durch zusammenströmende Luftmassen bereits am Vormittag zur Ausbildung von Schauern und Gewittern. Im Tagesverlauf verlagert sich deren Schwerpunkt nach Osten. Dabei besteht erneut Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel mit größeren Hagelansammlungen. Zudem treten in Verbindung mit den Gewittern örtlich Sturmböen auf. Von Westen setzt sich im Tagesverlauf eine neues Bodenhoch durch, sodass die Schauer- und Gewitteraktivität gehemmt wird. Lediglich über dem Bergland sind einzelne lokal eng begrenzte Entwicklungen möglich.

Zutaten für Gewitter, sowie das signifikante Wetter für Samstag, den 20.06.2026 um 15 UTC. Hohe Feuchtewerte, hohe Labilität und geringe Windscherung, sowie fehlender starker Hebungsantrieb sorgen für meist isolierte Gewitter. Nur im Osten treten diese etwas häufiger auf.

Im Laufe des Samstages erreicht zudem eine Kaltfront den Norden des Landes. Dadurch nimmt bis Sonntag die Wärmebelastung im Norden deutlich ab. Im Süden und in der Mitte bleibt uns allerdings die schwülheiße Luftmasse erhalten. Dazu kommt es dort am Sonntag und Montag vor allem im Grenzbereich zur kühleren Luft zu weiteren Schauern und teils kräftigen Gewittern. Dabei besteht weiterhin Unwettergefahr! Im Süden brodelt es vornehmlich über dem Bergland. Dort verstärkt sich voraussichtlich die Hitze zu Wochenbeginn noch etwas. Dann sind sogar rekordverdächtige Spitzenwerte um 40 Grad nicht ausgeschlossen. Somit ist ein deutschlandweiter Hitzerekord für den Monat Juni möglich. Gleichzeitig nehmen aber auch die Unsicherheiten deutlich zu.

Prognostizierte Wetterlage der verschiedenen Vorhersagemodelle am kommenden Montag um 12 UTC. Das Vordringen der kühleren Luft von Norden wird noch unterschiedlich berechnet. Gleichzeitig deutet sich ein neuer Schwall sehr heißer Luft aus Südwesten an.

Aber auch wenn kein deutschlandweiter Hitzerekord erreicht werden sollte, steht eines fest: Die anhaltende Hitze wird die Menschen in der Südhälfte noch längere Zeit beschäftigen!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Grosse-Hitze-und-auch-schwere-Gewitter-4.png 911 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-19 16:12:562026-06-21 19:53:48Große Hitze und auch schwere Gewitter?

Deutschland im Klimawandel: Neues Faktenpapier veröffentlicht

28. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Hamburg fand diese Woche (24.-26.09.2025) bereits zum 15. Mal der Extremwetterkongress statt. Auf der interdisziplinären Fachtagung treten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Öffentlichkeit in Dialog, um über die Folgen des Klimawandels für die Gesellschaft zu diskutieren.

In diesem Rahmen wurde auch ein neues Faktenpapier vorgestellt, das den aktuellen Stand der Wissenschaft zu Extremwettereignissen in Deutschland in Zeiten des Klimawandels beleuchtet. Auf 30 Seiten zeigen die Autorinnen und Autoren des Deutschen Wetterdienstes und des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, welche Auswirkungen die globale Erderwärmung auf Deutschland hat.

Deutschland im Klimawandel

Die nachfolgende Zusammenfassung soll einen kleinen Einblick in die Ergebnisse liefern und die interessierte Leserschaft zum Lesen des gesamten Faktenpapiers anregen.

Erwärmung in Deutschland:
Deutschland hat sich seit Beginn systematischer Messungen (1881) bereits um 2,5 °C erwärmt – doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Alle Jahrzehnte seit den 1970er Jahren waren wärmer als die vorherigen, die letzten Jahre gehören zu den wärmsten überhaupt. Diese Entwicklung führt zu gravierenden Veränderungen bei Extremwetterereignissen. Hitzewellen treten häufiger und intensiver auf, während strenge Fröste seltener werden. Neue Temperaturrekorde werden wahrscheinlicher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine kalten Winter, kühle Sommer oder Spätfröste mehr geben wird.

Hitze:
Besonders auffällig ist die markante Zunahme von Hitzeereignissen: Sommertage über 25 °C haben sich seit den 1950er Jahren verdoppelt, heiße Tage über 30 °C sogar vervierfacht. Hitze verursacht die höchsten Todeszahlen unter allen Extremereignissen. Städte sind durch den Wärmeinseleffekt zusätzlich belastet, da dichte Bebauung und fehlende Grünflächen das nächtliche Abkühlen verhindern.

Niederschlag:
Die Niederschlagsentwicklung ist komplex und regional sehr variabel. Deutschland erlebte zuletzt extreme Gegensätze: 2023/24 den nassesten Zwölfmonatszeitraum seit Messbeginn, gefolgt von der extrem trockenen Phase Februar bis Mai 2025. Für Starkregen gibt es Hinweise auf eine Zunahme, besonders in Süddeutschland, doch die Datenreihen sind noch zu kurz für eindeutige Trends. Insgesamt nehmen längere Trockenphasen zu, was Landwirtschaft und Wasserversorgung belastet. Damit steigt auch die Gefahr von Waldbränden erheblich, wie 2025 mit vielen Tagen hoher Brandgefahr sichtbar wurde.

Wind, Sturm, Tornados:
Beim Wind zeigen sich keine klaren Veränderungen. Langfristig sind mittlere Windgeschwindigkeiten eher leicht rückläufig, starke Stürme treten seltener auf. Auch Tornados werden im Schnitt mit 49 Fällen pro Jahr dokumentiert, ohne erkennbaren Klimawandel-Trend.

Küsten & Meer:
Anders verhält es sich bei Sturmfluten: Durch den Meeresspiegelanstieg ist langfristig mit höheren Pegeln an Nord- und Ostsee zu rechnen. In Cuxhaven stieg der Meeresspiegel seit 1900 bereits um mehr als 25 cm. Zusätzlich erwärmen sich die Meere: Seit 1969 stieg die Nordsee um 1,2 °C, die Ostsee seit 1990 sogar um 1,9 °C. Marine Hitzewellen – Phasen außergewöhnlich hoher Wassertemperaturen – treten häufiger und länger auf, was marine Ökosysteme stark belastet. Der Sommer 2025 brachte neue Temperaturrekorde, darunter die bislang längste marine Hitzewelle in der Ostsee mit 55 Tagen.

Fazit der Herausgeber:
Der Klimawandel verändert das Extremwetter in Deutschland tiefgreifend. Hitze, Trockenheit und Waldbrandgefahr nehmen deutlich zu, während bei Niederschlag und Wind die Entwicklungen weniger eindeutig und mit höherer Unsicherheit verbunden sind. Meeresspiegelanstieg und Meereserwärmung verschärfen die Risiken an den Küsten. Mit fortschreitender globaler Erwärmung ist in den kommenden Jahrzehnten eine weitere Zunahme dieser Belastungen zu erwarten, was Anpassungsmaßnahmen in allen Bereichen zwingend erforderlich macht.

Dipl. Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Neues-Faktenpapier-veroeffentlicht-1.jpg 2321 1748 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-28 12:10:532025-10-01 13:25:18Deutschland im Klimawandel: Neues Faktenpapier veröffentlicht

Bunt, vielfältig und heiß: Sommerwetter beim CSD in München und Leipzig

27. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Christopher Street Tag (kurz: CSD) – benannt nach der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Manhattan – erinnert an die sogenannten Stonewall-Aufstände im Juni 1969. Damals widersetzten sich queere Menschen in der Bar „Stonewall Inn“ einer Polizeirazzia und leiteten damit eine neue Phase im Kampf um Gleichberechtigung ein. Aus diesem Protest entwickelte sich eine weltweite Bewegung. Seit den 1970er-Jahren wird auch in Deutschland jährlich zum CSD aufgerufen – zunächst mit kleinen Demonstrationen. Heute sind daraus große, farbenfrohe Paraden geworden, die sowohl politische als auch kulturelle Impulse setzen.

Wettervorhersage für den CSD in München am Samstag, den 28. Juni 2025. (Quelle: DWD) 

Am morgigen Samstag bietet das Wetter beste Voraussetzungen für bunte Feiern, bringt aber auch Herausforderungen mit sich:

In München erwartet die Besucherinnen und Besucher ein durchgehend sonniger Tag – Regen ist nicht in Sicht. Die Höchsttemperaturen steigen auf bis zu 30 °C, dazu ist mit einer sehr hohen UV-Strahlung zu rechnen.

Auch in Leipzig bleibt es trocken und heiß: Die Höchstwerte erreichen am Nachmittag rund 31 °C, bei geringer Bewölkung und intensiver Sonneneinstrahlung. Entsprechend ist auch hier mit einer hohen Wärmebelastung zu rechnen. 

Gerade bei Großveranstaltungen unter freiem Himmel ist es wichtig, auf die eigene Gesundheit zu achten. Damit alle sicher und gut durch den Tag kommen, sollten folgende Hinweise beachtet werden:

• Viel trinken: Wasser und ungesüßte Getränke sind ideal. Mindestens 1,5 bis 2 Liter, bei körperlicher Aktivität gerne mehr.

• Alkohol vermeiden: Alkohol entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit und kann Kreislaufprobleme verstärken.

• Sonnenschutz verwenden: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor regelmäßig auftragen – auch im Schatten.

• Leichte Kleidung tragen: Am besten helle, luftige Kleidung wählen, die die Haut bedeckt.

• Kopfbedeckung nicht vergessen: Sonnenhut oder Kappe schützen den Kopf vor Überhitzung.

• Regelmäßige Pausen einlegen: Möglichst im Schatten oder an kühlen Orten – besonders zwischen 11 und 16 Uhr.

• Warnzeichen ernst nehmen: Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit können Anzeichen für Sonnenstich oder Hitzschlag sein. In solchen Fällen sofort kühlen und ggf. medizinische Hilfe rufen.
 

Wettervorhersage für den CSD in Leipzig am Samstag, den 28. Juni 2025. (Quelle: DWD) 

Der CSD steht seit über fünf Jahrzehnten für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Solidarität. Mit unserer Wettervorhersage für den CSD möchten wir ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Denn Vielfalt wird bei uns im Deutschen Wetterdienst großgeschrieben: unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität, ethnischer und sozialer Herkunft, Nationalität, Religion oder Weltanschauung, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Alter sowie sexueller Orientierung – bei uns sollen sich alle willkommen und wertgeschätzt fühlen. Das CSD-Wetter ist eine Idee aus unserem queeren Netzwerk bunt@dwd. 

Das Wetter spielt am morgigen Samstag in jedem Fall mit, auch wenn die Hitze nicht unterschätzt werden sollte. Also, München und Leipzig, genießt diesen Tag in vollen Zügen – laut, bunt, stolz und sicher! 

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Bunt-vielfaeltig-und-heiss-Sommerwetter-beim-CSD-in-Muenchen-und-Leipzig-1.jpg 1500 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-27 19:30:222025-07-05 19:36:19Bunt, vielfältig und heiß: Sommerwetter beim CSD in München und Leipzig
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