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Wie Wetter Geschichte schrieb

Am Sonntag, den 26. April 2026, jährt sich der Super-GAU (Größter anzunehmender Unfall), also die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit kam es in Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zu einer Explosion des Kernreaktors. Infolgedessen wurden große Mengen radioaktiver Materie freigesetzt. Einige Bestandteile gingen in Form von Staubpartikeln in der Umgebung des Reaktors nieder. Andere, insbesondere leicht flüchtige Isotope gelangten bei der Freisetzung bis in große Höhen der Atmosphäre und wurden in einer Art radioaktiven Wolke teilweise Tausende Kilometer weit getragen.

Und welchen Einfluss hatte das Wetter hierbei? Für gewöhnlich wehen die Winde über Europa häufig von West nach Ost, was die radioaktive Materie von Europa wegtransportiert hätte. Allerdings war die großräumige Wetterlage über Europa Ende April 1986 so, dass zunächst Skandinavien davon betroffen war, nachfolgend dann auch Mitteleuropa. Im Süden Deutschlands traten zu dieser Zeit teils kräftige Regenfälle auf. Dabei wurden die radioaktiven Bestandteile aus der Atmosphäre gewaschen. Damit lässt sich erklären, warum der Süden mehr belastet ist als der Norden Deutschlands. Selbst heute noch sollte man dies beim Verzehr von Wildfleisch, Pilzen und Waldbeeren im Hinterkopf haben.

Wie Wetter Geschichte schrieb

Havarierter Block 4 von Tschernobyl mit Denkmal für die ersten Opfer im Vordergrund, aufgenommen am 23.09.2017

Auch bei anderen historischen Ereignissen spielte das Wetter eine entscheidende Rolle. In früheren Themen des Tages wurde bereits über den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki sowie den D-Day (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/7.html) berichtet, zudem wurde Bezug genommen auf die Winter 1812/13 (während Napoleons Russlandfeldzug) und 1941/42 (während Hitlers Russlandfeldzug) sowie auf den Hungerwinter 1946/47 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/25.html). An dieser Stelle soll nun auf historische Ereignisse eingegangen werden, bei denen schlechte Sichtbedingungen eine entscheidende Rolle spielten.

Da wäre zum einen der Mechelen-Zwischenfall während der Vorbereitungen für den Westfeldzug, bei dem schließlich Nazideutschland im Frühsommer 1940 unter Verletzung der Neutralität der Beneluxstaaten weite Teile Frankreichs besetzte. Für dessen Umsetzung war eine nur wenig angepasste Neuauflage des bereits im Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffenplanes vorgesehen.

Am 10. Januar 1940 wurde der Offizier Major Helmut Reinberger als Kurier mit der neuesten Version der Angriffspläne zu einer Stabsbesprechung nach Köln geschickt. Geheime Dokumente durften damals nicht fliegen, weshalb der Offizier mit dem Zug fuhr. Auf dem Weg dorthin plante er den Besuch eines Kameraden auf einem Luftwaffenstützpunkt im Münsterland ein. Da er dort aufgehalten wurde, verpasste er allerdings seinen Zug nach Köln. Ein Luftwaffenoffizier bot ihm an, ihn bei seinem Flug nach Köln mitzunehmen. Trotz Vorschriftswidrigkeit nahm der Offizier das Angebot an. Es trat genau das ein, weshalb geheime Dokumente damals eben nicht fliegen durften: Aufgrund von schlechten Sichtbedingungen verflog sich der Pilot, driftete durch starken Ostwind ab und musste schließlich in Belgien notlanden. Dies blieb dort natürlich nicht unbemerkt. Die Offiziere versuchten zwar noch, die Angriffspläne zu verbrennen, aber der böige Wind vereitelte das vollständige Verbrennen, bevor eintreffende belgische Beamte das Feuer löschen konnten. Dadurch gerieten die geheimen Dokumente in die Hände der belgischen Armee, die diese umgehend an die Franzosen und Briten weiterleitete. Nur aufgrund dieses Vorfalls kam „Plan B“ zum Einsatz: der Mansteinplan, der eine Ablenkungsoffensive an der rechten Flanke über die Niederlande und Belgien vorsah und den Hauptvorstoß durch die Ardennen in den Rücken der Alliierten, die dadurch auch von ihren Versorgungslinien abgeschnitten wurden. Innerhalb weniger Wochen wurde der Westfeldzug von Nazideutschland gewonnen.

Nur wenige Wochen vor dem Mechelen-Zwischenfall, am 08. November 1939, hätte sich womöglich die gesamte nachfolgende Geschichte ändern können, wenn da nicht der Nebel gewesen wäre. Hitler hielt in jedem Jahr zum Gedenken an den gescheiterten Putsch 1923 eine in der Regel lange Rede im Münchner Bürgerbräukeller. Der württembergische Tischler Georg Elser, ein Gegner des Nationalsozialismus, war im Jahr zuvor unter den Zuhörern, was ihn davon überzeugte, dass der Bürgerbräukeller der richtige Ort für seinen Attentatsversuch auf Hitler war. Hitler würde im darauffolgenden Jahr, also 1939, mit Sicherheit zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle wieder eine Rede halten. Für seinen Plan trat Elser zunächst eine Arbeit in einem Steinbruch an, um entsprechende Materialien für seine Zeitbombe entwenden zu können. In mühevoller nächtlicher Arbeit deponierte er diese in einer Säule im Bürgerbräukeller gleich hinter dem Rednerpult, um sich dann noch rechtzeitig in die Schweiz absetzen zu können. Detonationszeitpunkt war der 08. November 1939 um 21:20 Uhr. In diesem Jahr verlief die Rede Hitlers allerdings anders als sonst: Es war Krieg und Hitler wollte seinen Auftritt zunächst sogar absagen, entschied sich dann aber doch dafür. Am gleichen Abend wollte er zurück nach Berlin fliegen, weshalb sein Auftritt vorverlegt wurde. Aufgrund schlechter Sichtbedingungen war ein Rückflug aber nicht möglich. Hitler hielt sich bei seiner Rede kurz und verließ bereits um kurz nach 21 Uhr den Bürgerbräukeller, da am Münchner Hauptbahnhof ein Sonderzug bereitstand, der um 21:30 Uhr abfahren sollte. Auch viele der Zuhörer hatten das Gebäude bereits verlassen, als die Zeitbombe planmäßig um 21:20 Uhr detonierte. Durch die Detonation brach die Säule zusammen und die Deckenkonstruktion stürzte auf die Rednertribüne. Es gab acht Tote, u.a. eine Aushilfskellnerin, und viele Verletzte. Wäre Hitlers Auftritt wie im Jahr zuvor verlaufen, hätte die Sache wahrscheinlich anders ausgesehen. Elser wurde an der Schweizer Grenze aufgegriffen und verriet sich durch eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders in seiner Tasche.

Anhand dieser und noch vieler weiterer Beispiele wird erkennbar, wie das Wetter Einfluss auf die Geschichte nehmen kann.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Jahresvorausschau 2026

Während sich am Ende eines Jahres die Rückblicke stets die Klinke in die Hand geben, drehen wir heute den Spieß um und werfen die Glaskugel an. Ernstnehmen darf man das wie auch schon in den vergangenen Jahren natürlich nicht, vielmehr gilt in den nächsten Minuten Roberto Blancos Motto: „Ein bisschen Spaß muss sein!“ (Entschuldigen Sie bitte den potentiellen Ohrwurm…). Und vielleicht entlockt die ein oder andere Passage ja auch Ihnen ein kleines Lächeln 😉

Januar: Zur sportlichen Ertüchtigung des öffentlichen Diensts (wer weiß, was noch so alles auf uns zukommt…) gründet der DWD die betriebsinterne Boxschule „Niederschlag“.

Februar: Goldregen bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo! Ach nein, nur ein recht starker Saharastaubausbruch, der bei knapp zweistelligen Plusgraden auf die norditalienischen Schneezungen in der ansonsten grün-braunen Natur niederregnet.

März: 100. Geburtstag von Jerry Lewis! Ihm zu Ehren stellen zahlreiche US-Behörden, darunter auch der US-Wetterdienst, seine Berichterstellung für einen Tag auf Schreibmaschine um.

April: Erneute Verschiebung des Starts der bemannten Mission Artemis 2 zum Mond! Zahlreiche Mitarbeiter der NASA sind aufgrund von langwierigen Hand- und Fingerverletzungen (Sehnenscheidenentzündungen, Schwellungen, Kapselrisse) seit rund einem Monat krankgeschrieben. Eine sichere Durchführung der Mission kann so nicht gewährleistet werden.

Mai: Da der DWD immer wieder von externer Seite herausposaunte Sensations- und Falschmeldungen relativieren oder ausbügeln muss, verleiht er ab sofort das Goldene Bügeleisen für die blödsinnigste Schlagzeile des Jahres. Favorit für 2025 sind alldiejenigen, die im Frühjahr einen Jahrhundertsommer postulierten.

Juni: Fußball-WM in Nordamerika! Ein ungewöhnlich intensiver Kaltluftausbruch in Kanada, zwei Hurrikans (Bertha und Cristobal) im Golf von Mexiko und drei Tornado-Outbreaks in den USA sorgen für den Ausfall von rund 40 % aller Spiele.

Juli: „An Weihnachten kommt das Schneemonster!“ heißt es aus dem altbekannten Kreis deutscher Schaumschläger. Ein ganz heißer Favorit für das Goldene Bügeleisen 2026!

August: Der nächste 100. Geburtstag – dieses Mal der des Comicautors Rene Goscinny. Zur Feier dieses Ehrentages dürfen sich die französischen Fernsehmeteorologen auf Asterix- und Obelixkostüme freuen.

September: Traumhafter Spätsommer mit verbreiteten Höchstwerten um 25 Grad! Da kann man das Sirenengeheul am bundesweiten Warntag ja fast schon genießen – am besten natürlich mit Kaltgetränk in der einen und Spekulatius in der anderen Hand.

Oktober: Am 18. Oktober rauscht Orkan „Klaus“ über Deutschland hinweg und sorgt für erhebliche Schäden. Ein wütendes und gleichsam mysteriöses „Geschieht euch recht, ihr ***!“ schallt durch die Luft. Ob das vielleicht (tja, so ist das, wenn man Wikipedia auf Jubiläen durchforstet…) mit dem 100. Geburtstag eines gewissen Herrn Kinskis zusammenhängt?

November: Der ehemalige Kategorie-4-Hurrikan „Nana“ erreicht Anfang des Monats als immerhin noch ausgewachsenes Sturmtief Frankreich. In den Alpen stellt sich eines der stärksten Föhnereignisse dieses Jahrtausends ein. Am Alpenrand steigt die Temperatur auf knapp 27 Grad – neuer Deutschlandrekord für November!

Dezember: Die Boxschule „Niederschlag“ schließt mangels Interesses innerhalb der DWD-Mitarbeiterschaft bereits wieder ihre Pforten. Die enttäuschten Mitglieder finden aber alle beide schnell Anschluss an die seit jeher gut besuchte Sportgruppe „Beamtenmikado – Wer sich zuerst bewegt, verliert.“

Naja, zur Weihnachtszeit soll man es ja ohnehin etwas ruhiger angehen lassen. In diesem Sinne wünscht Ihnen der Autor auch im Namen des gesamten Thema-des-Tages-Teams einen guten und vor allem gesunden Rutsch ins neue Jahr.

Jahresvorausschau 2026

Jahreszahl 2026 (Quelle: Animal Planet, Pixabay.com)

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Es geht schon wieder los!

Mit dem „Elftem im Elften“, also dem 11. November, fällt am morgigen Dienstag pünktlich um 11:11 Uhr der Startschuss für die neue Karnevalssession. Diese findet mit der Weiberfastnacht (12. Februar 2026), dem Rosenmontag (16. Februar 2026) und dem Veilchendienstag (17. Februar 2026) ihre Höhepunkte, bevor am Aschermittwoch (18. Februar 2026) alles vorbei ist. Wie das Wetter im Februar genau wird, weiß keiner (auch wenn es manche behaupten). Wie das Wetter am morgigen Dienstag wird, dafür gibt es allerdings ziemlich verlässliche Prognosen.

 

Es geht schon wieder los 

Bodenwetterkarte von Dienstag, 11.11.2025, 12 UTC 

Gar nicht so schlecht sehen diese vor allem für die Karnevalshochburgen an Rhein und Main aus. Morgendlicher Regen durch die Okklusion von Tief ODIN mit Zentrum nahe Schottland zieht rasch ab und macht noch Platz für gelegentlichen Sonnenschein. Regen fällt dann bei zunehmendem Einfluss des Hochs WENCKE I mit Schwerpunkt über den Alpen keiner mehr. Dafür steigen die Temperaturen in der südwestlichen Strömung unter Zufuhr milder Luftmassen bei etwas auffrischendem Wind meist auf zweistellige Werte, in Köln und Düsseldorf sind am Nachmittag sogar bis zu 15 Grad möglich. Bis zum Ende der Feierlichkeiten (vermutlich erst in den frühen Stunden des Mittwochs) sinken die Temperaturen dann wieder auf 10 bis 4 Grad.

 

Es geht schon wieder los 2

Wetter zum Start der fünften Jahreszeit für Dienstag, 11.11.2025, 11 Uhr MEZ 

 

Neben dem Start der fünften Jahreszeit wird am morgigen 11. November auch der Martinstag gefeiert. Traditionell gibt es an diesem Tag vor allem in den frühen dunklen Abendstunden Umzüge, wobei Kinder mit Laternen singend durch die Straßen ziehen, um an den am 11. November 397 gestorbenen und für seine Wohltätigkeit bekannten Heiligen Martin, Bischof von Tours, zu erinnern. In einigen Regionen enden die Züge mit einem Martinsfeuer.

Und auch für diesen Zeitpunkt sind die Wettervorhersagen nicht allzu schlecht. Der Regen aus den Morgenstunden im Westen zieht im Tagesverlauf über den Nordosten ab, sodass es in den frühen Abendstunden in den meisten Gebieten Deutschlands bei gelegentlichen Wolkenauflockerungen trocken bleibt. Die Temperaturen liegen dann bei etwa 5 Grad im Südosten bis 11 Grad im Westen, was allerdings doch eine etwas dickere Jacke, vielleicht auch noch Schal, Mütze und Handschuhe rechtfertigt.

 

Es geht schon wieder los 3 

Wetter zu den Sankt-Martins-Umzügen für Dienstag, 11.11.2025, 18 Uhr MEZ 

 

Der Wettergott ist also allen Jecken, Kindern und Umzüglern milde gestimmt, sodass den Feierlichkeiten von dieser Seite her nichts mehr im Wege steht.
 

 

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Wetter in der Musik 

Mithilfe von Musik lassen sich Emotionen wie Ärger, Wut, Angst, Freude, Liebe oder Trauer ausdrücken. Töne, Klänge und Geräusche dienen hierbei als Ausgangsmaterial. Deren Eigenschaften wie Lautstärke, Tonhöhe oder Tondauer können variabel genutzt und kombiniert werden, um die gewünschten Emotionen oder Assoziationen hervorzurufen.

Auch das Wetter spielt naturgemäß eine entscheidende Rolle im Leben aller. In der Landwirtschaft ist das ausgewogene Verhältnis von Sonnenschein und Regen essentiell für das Pflanzenwachstum. Beim Kofferpacken für den nächsten Urlaub befasst man sich noch etwas intensiver mit den Wetteraussichten für die kommenden Tage. 

Aber auch im Alltag begleitet uns das Wetter, beispielsweise bei der Frage, ob man beim Verlassen des Hauses einen Schirm mitnehmen sollte. Denn wer hat sich noch nie darüber geärgert, dass man nass wurde, obwohl man dachte, man schaffe es noch vor dem nächsten Schauer? Erfreulichere Emotionen werden hingegen geweckt, wenn Schneeflocken leise vom Himmel fallen oder sich ein prächtiger Sonnenauf- oder -untergang am Horizont präsentiert. 

Bei diesen beispielhaften Empfindungen ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auch das Thema „Wetter“ das ein oder andere Mal in der Musik verarbeitet wurde. Häufig verwendete und nachfolgend thematisierte Wettererscheinungen sind dabei Sonnenschein, Regen und Schnee. 

Die Beatles sangen beispielsweise „Here Comes the Sun„, meinten dies aber eher metaphorisch, dergestalt, dass das Lied an Menschen in einer schwierigen Lebenslage gerichtet ist und Hoffnung auf bessere Zeiten geben soll. Sicherlich kennen auch die meisten den Klassiker „You Are My Sunshine„. 

Mehr den tatsächlichen Bezug zur Sonne (bzw. die Assoziation zu wärmeren Gefilden) haben beispielsweise Ben Zuckers „Der Sonne entgegen“ oder Buddys „Ab in den Süden“ (… der Sonne hinterher …). Bei diesen Liedern kann man beim Hören tatsächlich etwas Fernweh bekommen, erst recht, wenn gleichzeitig der Blick nach draußen schweift und das Novembergrau vom Himmel grüßt. 

Auch über den Regen lässt sich der ein oder andere Musiktitel finden. Beispiele sind „Purple Rain“ von Prince oder „November Rain“ von Guns N‘ RosesGene Kelly sang im gleichnamigen Filmmusical im wahrsten Sinne des Wortes „Singin‘ in the Rain„. Neben den der Sonne gewidmeten Liedern kommt auch bei „It Never Rains in Southern California“ von Albert Hammond und Mike Hazlewood durchaus Fernweh auf. 

Es gibt tatsächlich auch Musiker, die sich einen meteorologischen Namen geben, so zum Beispiel „The Weather Girls„. Und wie könnte es anders sein, als dass auch sie mit „It’s Raining Men“ über das Wetter sangen, auch wenn das sicherlich mehr im übertragenen Sinn zu verstehen ist… 

Beim Schnee fallen einem sofort die entsprechenden Kinderlieder wie „Es schneit“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Leise rieselt der Schnee“ aus der Vorweihnachtszeit ein. Daneben ist der Winter selbst unter anderem in der klassischen Musik ein gern gewähltes Thema, bietet er doch aufgrund der langen Nächte eine ausreichend düstere Stimmung. Komponisten nutzen die Winter-Thematik auch deshalb gern, weil sich Passagen eines Wintersturms und ruhige Abschnitte eines sonnigen Wintertages einbauen lassen. 

US-amerikanische Forscher befassten sich ebenfalls mit dem Zusammenhang von Musik und Wetter (siehe Link). Unter anderem fanden sie heraus, dass Bob Dylan der „Meteorologe“ unter den Musikern ist. Er ist also derjenige, der in seinen Liedern am häufigsten einen Bezug zum Wetter genommen hat. Sie stellten auch fest, dass sich Musiker häufig von aktuellen meteorologischen Ereignissen inspirieren lassen. So entstanden in den USA in den 1950er und 1960er Jahren viele Lieder, die von „schlechtem“ Wetter handeln, da es dort in diesen Jahren tatsächlich vergleichsweise stürmisch war. 

Und welches Lied würde zum aktuellen Wetter am besten passen? Möchte man ein Lied hören, in dem das momentan wetterbestimmende Hochdruckgebiet namentlich genannt wird, so müsste man ein Lied finden, in denen VIANELDE vorkommt. Zur Wetterlage selbst würde beispielsweise „Über den Wolken“ von Reinhard Mey passen. Viele finden sich nämlich in einer teils zähen „Nebelsuppe“ wieder und würden sich sicherlich über etwas Sonnenschein freuen. 

 

Wetter in der Musik

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Freitag, den 07.11.2025 12 UTC 

Welches Lied letztendlich aber am besten passt, kann durchaus vielfältig sein und liegt an jedem selbst, was man in dem Moment gerne hören möchte. Da es in den kommenden Tagen vielerorts neblig-trüb wird oder bleibt und zudem zeitweise leichter Regen oder Sprühregen auftritt, kann man es sich daheim bei guter Musik gemütlich machen. Jedenfalls sind dann auch, wie alljährlich zu dieser Zeit, vom Wetter unabhängige Lieder zu vernehmen, wenn Kinder mit ihren Laternen durch die Straßen laufen. 

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Zwei Monate vor Weihnachten: Der Weihnachtsmann prüft die Wettervorhersage

Die Sonne ist längst verschwunden hinter den Hügeln von Korvatunturi in Finnisch Lappland, als sich der Weihnachtsmann am Abend des 25. Oktober auf die Suche nach seinem Laptop begibt. Noch zwei Monate bis Weihnachten – höchste Zeit also, die aktuellen subsaisonalen und saisonalen Wettervorhersagen zu prüfen. Dieses Mal möchte er perfekt vorbereitet sein für seine Reise nach Mitteleuropa. Unweigerlich fällt ihm die Odyssee vor drei Jahren ein, als Rudolf sich an den Kanelbullar übernommen hatte und die Huskys kurzfristig einspringen mussten (Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen).

Mit einem tiefen Seufzer klappt der Weihnachtsmann seinen Laptop auf. Seit einigen Jahren nutzt er die Wettermodelle des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage, um einen vagen Trend für die nächsten Wochen und Monate zu bekommen. Doch die bunten Karten mit Luftdruck und Temperaturfeldern bestätigen seine Befürchtung: Kein Kälteeinbruch in Sicht. Ein kräftiges Hoch über Nordskandinavien würde ihm deutlich besser gefallen. „Mal wieder eine ordentliche Inversionslage, das wäre doch was“, brummt er enttäuscht. Klare Nächte, gefrorene Seen, glitzernde Schneekristalle – so sähe für ihn der perfekte Winterbeginn aus.

„Vielleicht haben die Europäer dieses Mal auch einfach nicht recht“, denkt sich der Weihnachtsmann und schmunzelt, als ihm sein inzwischen meteorologisch-umgangssprachlicher Jargon bewusst wird. Enthusiastisch öffnet er die saisonalen Vorhersagekarten des Deutschen Wetterdienstes. Doch auch hier mehr rote als blaue Farben bei den Temperaturprognosen. „Schade, Schokolade“ entfährt es ihm und er kann nicht anders, als ein kleines Schoko-Stückchen von den vorbereiteten Geschenken zu stibitzen. Ganz möchte er die Hoffnung auf schneereiche, klirrend kalte Weihnachten aber nicht aufgeben, weiß er doch, dass (sub)saisonale Vorhersagen keine exakte Prognose für die Weihnachtstage geben, sondern vielmehr eine zeitlich gemittelte und probabilistische Aussage liefern.

Draußen herrschen -2 °C, und noch liegt kein geschlossener Schnee. „Das Albedo-Feedback läuft noch auf Sparflamme“, denkt der Weihnachtsmann, während er sich in seinen roten Mantel hüllt. Ohne helle Schneeflächen, die das Sonnenlicht zurückwerfen, bleibt der Boden dunkler und nimmt mehr Energie auf – was die winterliche Abkühlung zunächst bremst. Aber lange kann es nicht mehr dauern, bis der erste Pulverschnee fällt. Die Rentiere scharren jedenfalls schon ungeduldig mit den Hufen.

Beim Blick aus dem Fenster erkennt er die ersten Eiskristalle an den Fensterscheiben und seine Augen strahlen. „Resublimation“, murmelt der Weihnachtsmann in seinen langen Bart, „der Wasserdampf geht direkt in festen Zustand über, ganz ohne flüssige Zwischenphase.“ Wenn sich jetzt noch eine ruhige, feuchte Luftschicht bilden würde, könnte es Eisnebel geben. Das wäre zwar romantisch, aber für die Navigation mit dem Schlitten nicht ganz ungefährlich. Vielleicht sollte er doch die GPS-Antenne am Schlitten überprüfen – oder den Polarstern, seinen altbewährten Kompass, wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Er zündet eine kleine Kerze an, setzt sich an seinen Schreibtisch und macht sich Notizen. „Schlittenkufen einfetten, Rentierdecken ausbürsten, GPS-Antenne überprüfen, Schneeflockentypen checken, …“ – denn je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern sich Form und Dichte der Kristalle, und auf nassem, grobkörnigem Schnee ist das Bremsen deutlich schwieriger. Letztes Jahr ist er auf spiegelglattem Reif sogar rückwärts gerutscht – und das ausgerechnet mit vollen Geschenkesäcken!

Draußen zieht ein schwacher Nordostwind auf. Der Weihnachtsmann lächelt. „Noch zwei Monate“, flüstert er leise. „Dann ist wieder Weihnachten.“ Und bis dahin? Da beobachtet er weiter Wolken, Nebel, Frost und Nordlichter – mit der gleichen funkelnden Begeisterung wie seine Freunde des Deutschen Wetterdienstes.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetterquiz

Nachdem gestern der Tag des Gedächtnistrainings in den USA gewesen ist, wollen wir im heutigen Thema des Tages Ihr Gedächtnis, liebe Leserinnen und Leser, testen. Zugegeben, es ist nicht immer einfach, aber mit etwas Recherche werden Sie sicherlich auf das Lösungswort kommen. Dieses erhalten Sie durch die vorangestellten Buchstaben. Hilfreiche Antwortmöglichkeiten finden Sie beispielsweisen in den Themen des Tages sowie in einigen Pressemitteilungen oder im Wetterlexikon.

Frage 1:
Der Deutsche Wetterdienst ist als Bundesbehörde folgendem Ministerium nachgeordnet:

  1. S) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
    R) Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
    H) Bundesministerium für Verkehr

Frage 2:
Das Temperaturmittel lag im vergangenen Sommer 2025 bei

  1. p) 16,8 Grad Celsius.
    e) 20,5 Grad Celsius.
    o) 18,3 Grad Celsius.

Frage 3:
Das derzeit dominierende Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa heißt

  1. c) Sieglinde.
    n) Gerhard.
    r) Alice.

Frage 4:
Bei einer Hochrandlage, bei der sich das Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln befindet, wird

  1. n) sehr warme und feuchte Subtropikluft
    h) feuchte Nordseeluft
    ü) trockene Kontinentalluft

nach Deutschland transportiert.

Frage 5:
Von einer Bombogenese spricht man, wenn

  1. n) der Kerndruck in einem Tiefdruckgebiet innerhalb von 24 Stunden mindestens um 24 hPa fällt.
    h) es innerhalb von 24 Stunden mindestens 100 l/qm regnet.
    t) ein Tiefdruckgebiet mindestens einen Durchmesser von 500 km hat.

Frage 6:
Polarumlaufende Satelliten befinden sich

  1. e) in etwa 850 km Höhe über der Erde.
    l) in etwa 10500 km Höhe über Mitteleuropa.
    r) in etwa 35800 km über dem Äquator.

Frage 7:
Das Temperaturmittel in Deutschland war im zurückliegenden Sommer in folgendem Monat am höchsten:

  1. b) Juni
    a) Juli
    e) August

Frage 8:
Der durchschnittliche Jahresniederschlag (Referenzperiode 1961-1990) beträgt in Deutschland

  1. g) 850 l/qm.
    e) 789 l/qm.
    t) 620 l/qm.

Frage 9:
Die derzeit vorherrschende Wetterlage in Deutschland ist:

  1. e) Südost antizyklonal
    g) Südwest zyklonal
    l) Hoch Britische InselnDer Verfasser hofft, dass Sie Spaß am Quiz hatten und Sie das Lösungswort erraten konnten. Es sollte mit dem aktuellen Wetter zu tun haben. Falls Sie nicht auf die Lösung gekommen sein sollten, können Sie sich gerne an TdT@dwd.de wenden.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Pilz-Saison erreicht ihren Höhepunkt

Wer in den vergangenen Tagen einen Ausflug in den Wald unternommen hat oder im heimischen Garten über den Rasen gelaufen ist, konnte sie schon wieder häufiger entdecken: Pilze! Champignon, Pfifferling, Steinpilz, Marone und Morchel, um nur einige wichtige Pilze heimischer Wälder zu benennen, haben derzeit Hauptsaison. Und das Wetter der kommenden Tage ist gut geeignet für das weitere Sprießen der Pilze.
Pilz Saison erreicht ihren Hoehepunkt 1

Die Pilz-Saison

Pilze lieben die Feuchtigkeit, es sollte aber auch nicht zu kühl sein. Am besten wachsen sie, wenn es nach ein paar Tagen Regen länger trocken bleibt und die Temperatur nicht zu stark sinkt.

Am Wochenende gibt es unter der Regentschaft von Tief XERXES bei Island, ab Montag mit Tief ZACK, das vom Atlantik rasch zur Nordsee eilt, gebietsweise Regen bei Temperaturen meist zwischen 18 und 22, am Montag im Süden vorübergehend auch bei bis zu 26 Grad.

Insbesondere am Dienstag und Freitag kommender Woche sind aber auch längere trockene Phasen möglich. Das dürfte dem Pilzwachstum einen neuen Schub verleihen. Freilich reagieren Pilze nicht immer sofort auf die Witterungsverhältnisse, sondern zum Teil ein paar Tage zeitversetzt.

Pilz Saison erreicht ihren Hoehepunkt 2

Gold- oder auch Lärchenröhrlinge am 12.09.2025 an der Wetterstation Neuhaus am Rennweg

Wer nun also Pilze sammeln möchte, sei aber gewarnt. Es besteht die große Gefahr, dass man statt essbarer Pilze einen giftigen mitnimmt! Es gibt nämlich zu vielen essbaren Pilzen ein giftiges Gegenstück, das dem ungiftigen Partner zum Verwechseln ähnlich sieht. Weil Pilze außerdem als Lebewesen gelten, die oft eine Symbiose mit einem Baum eingehen, sollte man nur solche Exemplare sammeln, bei denen man bei der Bestimmung bezüglich der Giftigkeit sicher ist – oder sich Rat bei einem Experten einholen. Zudem ist es in den meisten Bundesländern untersagt, mehr als ein Kilo der kostbaren Fracht pro Tag und Person aus dem Wald zu holen!

Und wann endet die Pilz-Saison? Viele Pilzarten erleiden bei Frost einen irreparablen Schaden, der sich an verfärbten Huträndern oder matschigen Stellen zeigt. Das Eiweiß wird an diesen Stellen durch den Frost und das nachfolgende Auftauen zersetzt, ein Verzehr solch geschädigter Pilze ist eindeutig nicht zu empfehlen! Frost ist allerdings in den kommenden Nächten überhaupt noch kein Thema. Ab Mitte des Monats steigt rein klimatologisch jedoch das Potenzial für erste Nachtfröste immer mehr an, zuerst im Südosten, bis Mitte Oktober auch im Nordwesten (siehe https://www.dwd.de/DE/leistungen/frost_termine/frosttermine.html).

Pilz Saison erreicht ihren Hoehepunkt 3

Frühester Frost in Deutschland

Aber selbst nach Frost kann man sich weiterhin auf Pilzsuche begeben. So muss die Suche auch im Winter nicht erfolglos bleiben. Es gibt einige Arten wie die Austernseitlinge, die Judasohren und die Samtfußrüblinge, die dann Saison haben und im winterlichen Wald bei Schnee und Eis gefunden werden können, auch wenn sie dann rar sind.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.09.2025
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Hey JUDE!

Das Lied „Hey Jude“ aus dem Jahr 1968 ist mit rund acht Millionen verkauften Exemplaren die erfolgreichste Single der BeatlesPaul McCartney schrieb es für John Lennons Sohn Julian. Dessen Spitzname war/ist Jules, weswegen der Titel auch zunächst „Hey Jules“ lautete. Paul McCartney komponierte das Lied, während er auf dem Weg zu Julian und dessen Mutter Cynthia war. Kurz zuvor hatte sich John Lennon von ihr getrennt und Julian sah seinen Vater fortan nur noch selten. Paul McCartney war für Julian eine Art väterlicher Freund oder Onkel. Er wollte ihm mit diesem Lied Mut zusprechen. Da Paul McCartney der Bezug zu Julian zu offensichtlich erschien, änderte er den Titel des Lieds letztendlich zu „Hey Jude“ ab.

JUDE ist auch der Name eines Zyklons, der bis vor ein paar Tagen mit wechselnden Intensitätsstufen Madagaskar, Mosambik und den Süden Malawis beschäftigte. JUDE erreichte zwar nur für kurze Zeit den Status eines Zyklons, dennoch sorgten Sturm- und Orkanböen sowie kräftige Regenfälle für Zerstörungen und Überschwemmungen. Auch Todesopfer, Vermisste und Verletzte sind zu beklagen. Die Zugbahn von JUDE war hierbei sehr interessant.

An dieser Stelle folgt zunächst noch ein kleiner Exkurs über tropische Tiefdruckgebiete, bevor genauer auf JUDE eingegangen wird.

Tropische Tiefdruckgebiete entstehen meist über den warmen (sub)tropischen Ozeanen. Sie weisen einen warmen Kern sowie eine axial-symmetrische und barotrope Struktur auf (barotrop = Flächen gleicher Temperatur verlaufen parallel zu Flächen gleichen Drucks). Die barotrope Struktur erkennt man beispielsweise daran, dass sie keine Fronten besitzen, da keine oder nur geringe Temperaturunterschiede am Boden vorliegen. Charakteristisch ist das kreisförmige, nahezu wolkenlose „Auge“ im Zentrum. Um das Auge herum befindet sich eine Wolkenwand aus hochreichender Konvektion, die sogenannte „eyewall„.

Bedingungen für das Auftreten von tropischen Tiefdruckgebieten sind:

1) Gewisse Entfernung zum Äquator (geografische Breite > 5 Grad), da ein signifikanter Coriolisparameter für die Rotation nötig ist

2) Meeresoberflächentemperaturen von über 26,5 Grad bis in eine Tiefe von 50 bis 150 m

3) Geringe vertikale Windscherung

4) Hochreichend labil geschichtete Atmosphäre

5) Feuchte mittlere Troposphäre

6) Anfangsstörung

Sobald eine solche Anfangsstörung eine geschlossene Zirkulation mit Windgeschwindigkeiten (über 10 min gemittelt) von bis zu 61 Kilometern pro Stunde aufweist, wird von einem tropischen Tiefdruckgebiet bzw. einer tropischen Depression gesprochen. Das nächste Entwicklungsstadium ist ein tropischer Sturm mit im Zentrum konzentrierter Konvektion und den spiralförmig angeordneten Regenbändern. Ab Windgeschwindigkeiten von 119 Kilometern pro Stunde spricht man dann je nach Ort ihres Auftretens von Hurrikans, Taifunen oder Zyklonen. Im südindischen Ozean und damit auch im Gebiet rund um Madagaskar wird der Begriff „Zyklon“ verwendet.

Zyklon JUDE entwickelte sich im südindischen Ozean nordöstlich von Madagaskar. Die Anfangsstörung verlagerte sich unter Verstärkung allmählich west-/südwestwärts und erreichte am Freitag, 07. März als tropischer Sturm den Norden Madagaskars. Dieser zog bei weiterhin west-/südwestlicher Verlagerung über die Straße von Mosambik hinweg, verstärkte sich dabei zu einem Zyklon und erreichte in der Nacht zum Montag, 10. März die Küste Mosambiks. Die Folge waren vor allem kräftige Regenfälle, bei denen Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Tagen zusammenkamen, die das für März übliche Mittel teils weit übertrafen.

Nachfolgend schwächte sich JUDE zügig zu einer tropischen Depression ab und verlagerte sich mit langsamer Zuggeschwindigkeit südwestwärts bis in die Grenzregion von Mosambik und dem Süden Malawis. Als JUDE erneut südostwärts in die Straße von Mosambik zog, erfolgte abermals eine Verstärkung zu einem tropischen Sturm und kurz vor der Südwestküste Madagaskars zu einem Zyklon. Die darauffolgende Zugbahn wurde von den Modellen zeitweise unterschiedlich gesehen. Dabei gab es zwei Varianten: JUDE könnte von dort entweder weiter südostwärts auf den Indischen Ozean ziehen oder einen Kurs erneut zurück in die Straße von Mosambik einschlagen. Letztendlich „entschied“ sich JUDE für die erste Variante und zog unter Abschwächung weiter auf das offene Meer hinaus.
 

Hey JUDE teil 1 

Grafik vom 14. März 2025 des europäischen Emergency Response Coordination Centre mit den von JUDE betroffenen Regionen (Quelle: https://erccportal.jrc.ec.europa.eu/ECHO-Products/Maps#/maps/latest)  

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.03.2025
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Meteosat Third Generation: Was kann das neue bildgebende FCI Instrument?

Das FCI liefert seit Herbst letzten Jahres regelmäßig Daten und bietet im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Meteosat Second Generation, eine signifikante Verbesserung: Die Auflösung beträgt nun 1 Kilometer statt 3 Kilometer am Äquator. Zudem werden Daten alle 10 Minuten erfasst, anstatt alle 15 Minuten, was eine nahezu kontinuierliche Überwachung der gesamten Erdscheibe ermöglicht. Zukünftig ist ein 2,5-minütiger Scan mit einer Auflösung von 0,5 Kilometer für zwei Kanäle über Europa geplant, was insbesondere für die Flugmeteorologie und die Gewittervorhersage von großer Bedeutung ist.
Neben der verbesserten Auflösung bietet das FCI auch eine erweiterte Anzahl an Spektralkanälen. Mit 16 Kanälen anstelle von 12 können nun detailliertere Informationen über die Wolkenmikrophysik und den Zustand der Atmosphäre gesammelt werden. Um diese Daten anschaulich zu visualisieren, kommen unter anderem RGB-Bilder zum Einsatz. Hierbei werden den verschiedenen Spektralkanälen oder deren Differenzen die Farben Rot, Grün und Blau zugeordnet, um ein umfassendes Farbbild zu erstellen.
GeoColor-RGB-Tag:
Ein Beispiel ist das GeoColor-RGB-Tag, bei dem der visuelle 0,6 µm-Kanal rot, der 0,5 µm-Kanal grün und der 0,4 µm-Kanal blau dargestellt wird. Dies erzeugt ein natürliches Bild, das der menschlichen Wahrnehmung sehr nahekommt. In den Bildern sind Wolken und Schnee weiß, Land grün und Wasser blau zu erkennen. Eine dicke Wolkendecke über Deutschland zeigt nur wenige Lücken. 

Meteosat Third Generation Was kann das neue bildgebende FCI Instrument teil 1

GeoColorRGB Samstag 15.02. gegen 12:00 Uhr 

Wolkentyp-RGB:
GeoColor-RGB hat den Nachteil, dass Schnee und Wolken kaum unterschieden werden können. Hier werden Kanäle im nahen Infrarot verwendet, um die Eigenschaften der Wolken zu analysieren. Es zeigt tiefe hochnebelartige Bewölkung über Deutschland (cyan), die jedoch stellenweise durchbrochen ist. Im Süden und Osten sind teilweise grüne Flächen zu erkennen. Dabei handelt es sich um Schnee, der in den letzten Tagen gefallen ist und sich im GeoColor-RGB kaum von den Wolken unterscheidet. In den Alpen erscheinen die Schneeflächen wegen der sehr trockenen Höhenluft gelb. Über Frankreich sind dichte Cirruswolken mit Kondensstreifen in Rot zu erkennen, die über England in gelbe Wolken übergehen, die dicke Eiswolken darstellen. Weiter nördlich folgen tiefe Wolken mit grünlicher Färbung. Dies deutet auf Mischphasenwolken aus Eis und Wasser hin. Die weißen Wolken über Osteuropa bestehen aus unterkühlten Wassertropfen. 

Meteosat Third Generation Was kann das neue bildgebende FCI Instrument teil 2

Wolkentyp-RGB Samstag 15.02. gegen 12:00 Uhr 

Wolkenphasen-RGB:
Ähnlich ist das Wolkenphasen-RGB (rot: NIR1.6, grün: NIR2.25, blau: VIS0.6). Hier sieht man dicke weiße Wolken mit kleinen weißen Wolkentropfen über Deutschland. Je mehr sie sich rosa oder violett verfärben, desto größer sind die Wolkentropfen (siehe Irland und Schottland). Eiswolken sind hellblau. Je intensiver die Blaufärbung, desto größer sind die Eiskristalle. Schnee erscheint blau und Land braun. 

Meteosat Third Generation Was kann das neue bildgebende FCI Instrument teil 3

Wolkenphase-RGB Samstag 15.02. gegen 12:00 Uhr 

GeoColor-RGB-Nacht:
Nachts verwendet das GeoColor-RGB den Infrarotkanal 10,5 µm sowie die Differenz zwischen den Kanälen 10,5 µm und 3,8 µm, um tiefe Wasserwolken und Nebel in Blau darzustellen, während hohe Eiswolken weiß erscheinen. 

Meteosat Third Generation Was kann das neue bildgebende FCI Instrument teil 4

GeoColor-RGB nachts Samstag 15.02. gegen 01:00 Uhr 

Sandwich-Satellitenbild:
Eine weitere interessante Visualisierungsmethode ist das Sandwich-Satellitenbild. Dabei wird ein hochauflösendes visuelles Bild mit einem halbtransparenten farbigen Infrarotbild kombiniert. Das Beispiel zeigt Gewitter vor der griechischen Küste. Die Farben sind die Wolkenoberkantentemperatur (je röter, desto kälter, desto höher die Wolke, desto größer das Unwetterpotenzial). Das visuelle Satellitenbild darunter vermittelt einen plastischen Eindruck der Gewitterwolken. 

Meteosat Third Generation Was kann das neue bildgebende FCI Instrument teil 5 

Sandwich-Satellitenbild Freitag 14.02. 13:00 Uhr Ionisches Meer 

Dipl.-Met. Christian Herold 

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.02.2025
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Osterkomet Pones-Brookes auf Kurs

Kometen sind wenige Kilometer große kosmische Objekte, die meist aus Eis, Staub und Gestein bestehen und Überreste der Entstehung unseres Sonnensystems sind. Sie stammen entweder aus der Oortschen Wolke oder dem Kuipergürtel, einer Region jenseits der Neptunbahn. Wenn Kometen der Sonne näherkommen, beginnt das Eis zu sublimieren und es bildet sich eine schalenförmige Koma (nebulöse Hülle) um den Kern, die durch den Sonnenwind zu einem Schweif geformt wird.

Kometen werden je nach ihrer Umlaufzeit in langperiodische und kurzperiodische Kometen eingeteilt. Langperiodische Kometen haben eine Umlaufzeit von über 200 Jahren und kommen aus den äußeren Regionen des Sonnensystems. Kurzperiodische Kometen hingegen haben eine kürzere Umlaufzeit und bleiben oft im Bereich der Jupiterbahn.

Unser Osterkomet 12P/Pons-Brookes ist wie auch der Hallische Komet ein kurzperiodischer Komet, der alle 71 Jahre wiederkehrt. Er wurde bereits in den Jahren 1385 und 1457 erkannt. 1812 wurde er vom französischen Astronomen Jean-Louis-Pons wiederentdeckt. Bei seiner anschließenden Rückkehr im Jahre 1884 wurde er vom englischen Astronomen William Robert Brookes identifiziert.
Um den Kometen zu beobachten, sollte man sich gegen 20:00 Uhr Richtung West-Nordwesten orientieren, wo der Komet knapp über dem Horizont zu finden ist. Ein guter Anhaltspunkt ist der Planet Jupiter, der als hellster Stern im Westen zu sehen ist. Von dort aus bewegt man sich ein Stück nach Norden und ein wenig nach unten. Obwohl der Komet normalerweise so hell ist wie schwache Sterne, wird sein Licht aufgrund seiner geringen Höhe über dem Horizont durch die Atmosphäre stark geschwächt. So hat man mit bloßem Auge kaum eine Chance. Daher empfiehlt es sich, ein Fernglas zur Beobachtung zu verwenden.

DWD Osterkomet Pones Brookes auf Kurs

Leider spielt das Wetter zu Ostern bei der Beobachtung nicht mit. Heute Abend besteht im Süden die beste Chance, den Kometen zu sehen, nachdem Regenschauer durchgezogen sind und sich die Wolken gelichtet haben. Zwar wird es am Samstagabend in der Osthälfte teilweise klar. Dann könnte allerdings Saharastaub den Blick auf Pones-Brookes trüben. Erneute Chancen würden sich dann zumindest lokal wieder in der neuen Woche ergeben. Dann wird der Komet zwar etwas heller, steht aber in der Dämmerung nur noch knapp über dem Horizont, wodurch die Beobachtung weiter erschwert wird.
Für diejenigen, die den Kometen verpassen, gibt es jedoch eine gute Nachricht: Im Herbst 2024 wird der nächste helle Komet erwartet: C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS). Nach den Prognosen könnte dieser Komet deutlich heller sein und sogar mit bloßem Auge sehr gut sichtbar werden.

DWD Osterkomet Pones Brookes auf Kurs

DWD Osterkomet Pones Brookes auf Kurs 1

Dipl. Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2024
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