Bilanz der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis

Die Arktis erwärmt sich laut dem Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) schneller als die übrigen Regionen auf unserem Planeten. So stieg die Durchschnittstemperatur in der Arktis von 1971 bis 2019 um 3,1 Grad Celcius. Somit fiel die Erwärmung in der nördlichen Polregion dreimal so hoch aus wie der Anstieg des globalen Durchschnitts im gleichen Zeitraum. Die steigenden Temperaturen in der Arktis bleiben nicht ohne Folgen, denn das Eis rund um den Nordpol schmilzt rasant. Neben der beschleunigten Schmelze des grönländischen Eispanzers, ist auch die Meereisbedeckung im Arktischen Ozean in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.

Der saisonale Zyklus der Meereisschmelze wird durch die jahreszeitlichen Temperaturänderungen angetrieben. Der Schmelzprozess beginnt in der Regel Ende März an den äußeren Rändern des Eisschildes, wenn die Tage länger werden und der Einfluss der Sonne über den nördlichen Regionen stark genug ist und somit auch die Temperaturen steigen. Im Sommer scheint in der Arktis 24 Stunden am Tag die Sonne, was bedeutet, dass das Meereis nahezu konstant schmilzt. Mitte September wird meist das Minimum der Eisausdehnung verzeichnet. Anschließend nimmt die Meereisbedeckung mit Eintritt der Polarnacht wieder über das Winterhalbjahr zu.

Mithilfe von Satellitendaten wurde die minimale Ausdehnung in diesem Jahr am 16. September registriert (siehe Abbildung 1 und hellblaue Linie in Abbildung 2). Die Meereisausdehnung ließ sich auf 4,92 Millionen Quadratkilometer beziffern, was etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer unter dem langfristigen Durchschnitt von 1981 bis 2010 liegt. Sie fiel immerhin fast eine Million Quadratkilometer größer aus als 2020, als der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979 konstatiert wurde. Verglichen mit den letzten sieben Jahren fällt das Minimum zwar in diesem Jahr größer aus, reiht sich dennoch als zwölfniedrigstes auf den vorderen Plätzen ein. Die aktuellen Auswertungen zeigen wenig überraschend, dass sich das jährliche Eisminimum im September in den vergangenen zehn Jahren um rund 13 Prozent gegenüber dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010 verringerte.

Nachdem sich bis in den Juli hinein ein rasanter Rückgang mit Kurs auf ein neues Allzeitminimum abzeichnete (siehe Abbildung 2: Vergleich der hellblauen Linie zur gestrichelten Linie von 2012), nahm das Schmelztempo im August deutlich ab. Die etwas größere Meereisbedeckung in diesem Sommer lässt sich vor allem auf eine vorherrschende Wetterlage in der Westarktis zurückzuführen. So etablierte sich in der zweiten Hälfte des Augustes eine rege Tiefdruckzone über der westlichen Hälfte der Arktis zwischen dem nördlichen Kanada und Alaska, während über dem Nordatlantik eine Zone hohen Luftdrucks herrschte. Die Kombination dieser beiden Akteure transportierte Luft aus Nordkanada über die westliche Arktis. Die Lufttemperatur in Nordkanada ist dabei in aller Regel niedriger, als wenn die Luft etwa vom wärmeren Nordpazifik in die Arktis befördert würde. Dies trug dazu bei, dass die westliche Arktis kühler blieb, was die dortigen Schmelzraten reduzierte. Die größten Defizite mit weitgehend eisfreien Bedingungen wurden in diesem Sommer hingegen in den östlichen Randmeeren des Arktischen Ozeans von der Grönlandsee bis zur Barentsee verzeichnet. Verwunderlich ist das nicht, registrierte vor allem Sibirien einen ungewöhnlich warmen Sommer mit länger anhaltenden Hitzewellen, die bis in die russischen Arktisregionen reichten.

Neben der zurückgehenden Ausdehnung des Meereises, nimmt auch die Qualität der Eisdecke ab. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich von einer mehrjährigen, dickeren und insgesamt stärkeren in eine dünnere, jüngere und instabilere Eismasse verwandelt. Das führt auch dazu, dass sich die arktischen Gewässer stärker aufwärmen, da Sonnenlicht nun vom dunkleren Ozean aufgenommen wird, statt an der Eisoberfläche zu reflektieren. Obwohl die Gesamtausdehnung des Eises im September im Vergleich zu den letzten Jahren höher ausfiel, erreichte die Menge des mehrjährigen Eises einen rekordverdächtigen Tiefstand und lag damit nur geringfügig über dem Wert vom Ende der Rekordschmelzsaison 2012.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.10.2021

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Oft Kuschelwetter statt Freizeitwetter

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt zwar die Nähe zum Hoch OLDENBURGIA, das es sich über West- und Nordwesteuropa gemütlich gemacht hat, aber das Wetter präsentiert sich alles andere als herbstlich golden. Schuld daran ist eine nordwestliche bis nördliche Höhenströmung, denn mit ihr gelangt zwischen tiefem Luftdruck über Nordeuropa und dem angesprochenen Hoch maritime Polarluft nach Deutschland. Genau genommen hat diese Luftmasse ihren Ursprung im Nordpolarmeer. Das hört sich ja schon fast winterlich an, aber durch den weiten Weg übers Wasser (Wassertemperatur der Nordsee 12-15 Grad) kommt sie bei uns erwärmt an, sodass nur in den Hochlagen der Alpen nennenswerte Schneefälle auf der Agenda stehen. In 850 hPa, was in etwa 1500 m entspricht, liegt die Temperatur nämlich zwischen 0 und -2 Grad, wodurch es vor allem in Lagen oberhalb von circa 1000 Metern zu Neuschnee kommt.

Am heutigen Dienstag sind somit zwar auch in den höchsten Gipfellagen der Mittelgebirge ein paar Schneeflocken möglich, aber für die Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke sollte es kaum reichen. Im Tiefland hingegen regnet es besonders in der Mitte und im Süden immer wieder schauerartig verstärkt. Die Sonne macht sich dort rar und der trübe Wettereindruck lädt nur bedingt dazu ein, das Haus zu verlassen. Eigentlich es genau das richtige Wetter für eine Tasse Tee und einen gemütlichen Nachmittag bzw. Abend auf der Couch. In den Hochlagen der Alpen lohnt sich dabei ein Blick aus dem Fenster, denn hier sinkt die Schneefallgrenze am Abend auf etwa 1000 m ab und darüber fallen bis morgen Vormittag etwa 1 bis 5, lokal auch um 10 cm. In Staulagen sind oberhalb 1500 m auch bis 20 cm Neuschnee möglich. Also Vorsicht bei Wanderungen ist durchaus geboten und vor allem entsprechende Kleidung und Schuhwerk. Etwas Sonne kann heute Nachmittag über der Nordhälfte genossen werden. Winddichte Kleidung ist aber von Vorteil, denn es weht ein lebhafter Nordwestwind. Für die Kinder und allen, denen es Spaß macht, Drachen steigen zu lassen, sicherlich ein geeignetes Wetter dafür. Allerdings kommt es lokal noch zu einzelnen Schauern oder auch vereinzelten Graupelgewittern.

Am Mittwoch lassen die Schneefälle in den Alpen rasch nach und auch sonst fällt allenfalls im Osten und Südosten gelegentlich etwas Regen. In den anderen Landesteilen bleibt es abgesehen von vereinzelten Schauern meist trocken. Den Vitamin-D-Haushalt kann man bei längeren sonnigen Abschnitten vor allem im Nordosten und im Südwesten auffüllen. Der nächste Regen zieht am Nachmittag in Verbindung mit der Warmfront eines Tiefs, das sich von Island nach Skandinavien verlagert, an der Nordsee auf. Dieses Regengebiet verlagert sich in der Nacht zum Donnerstag bis zur Donau. Im Westen und Südwesten bleibt es trocken.

Der Donnerstag lässt sich dann unter herbstlich trüb verbuchen. Hin und wieder regnet es etwas oder es gibt Sprühregen. An der See bläst dazu ein teils stürmischer Westwind. Einzig der äußerste Südwesten profitiert von der Nähe zum Hochdruckgebiet über Westeuropa und dort zeigt sich die Sonne längere Zeit. Am Freitag liegt eine Wetterdreiteilung vor. Es liegt ein Tiefausläufer quer über der Mitte des Landes und sorgt dort noch für etwas Regen. Er verliert aber zunehmend seine Wetterwirksamkeit. Im Norden wechseln sich Sonne und Wolken ab und es treten bei einem kräftigen Westwind noch einzelne Schauer auf. Im Süden des Landes zeigt sich länger die Sonne und an den Alpen stellt sich gutes Wanderwetter ein.

Am Wochenende dominiert dann insgesamt zwar leichter Hochdruckeinfluss das Wettergeschehen, aber die Sonne schafft es nicht überall die Nebel- und Hochnebelfelder aufzulösen und somit stehen Kuschelwetter- und Freizeitwetter teils eng beieinander.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.10.2021

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Red Bull Storm Chase 2021/22

The world’s toughest windsurfing contest returns – the 2021/22 Red Bull Storm Chase waiting period is now open!

Red Bull Storm Chase, the world’s most challenging windsurfing contest, happens only in minimum Force 10 winds (89-102kph) and huge waves. Starting now, the hunt is on for those unique conditions – with a focus on Northern Europe and an extended 6-month contest window.

Winter is on its way with stronger wind, waves and heavy weather. This means: Red Bull Storm Chase returns for another waiting period!

After a challenging past season without a suitable situation to hold the competition, the team is back at it: Chasing wind and waves, looking for the perfect storm for the world ́s best athletes to perform at their highest level – whether it ́s rocketing into the air, or carving up moving walls of water.

2019 Red Bull Storm Chase Champion - Jaeger Stone going massive

2019 Red Bull Storm Chase Champion – Jaeger Stone going massive (Fotografen Credit: Sebastian Marko / Red Bull Content Pool)

 

As always, the location is to be determined and all riders and crew will travel on short notice once a storm hits and the chase is on.
This season ́s competition window opens today, October 7th and closes on the 30th of March 2022. This extended contest window leaves quite some time to score the Force 10 winds (89-102kph) and matching needs for a worthy contest.

Key Facts:

• The world’s toughest windsurfing contest
• Contest window: 07/10/2021 to 30/03/22
• Riders judged on jumps, wave riding, and execution of tricks

Event is confirmed only 72 hours before the start of competition

ADDITIONAL INFORMATION

Location

In choosing the event site for Red Bull Storm Chase, consideration is given to locations that offer: a likely combination of Force 10 wind and waves; close proximity to an international airport, adequate medical coverage and emergency services, and an absolute guarantee of adequate water access. During the defined waiting period, this is most likely to happen in Northern Europe.

Event coverage and timing

A ‘watch’ alert will go out to riders and crew approximately 120 hours before the event, and confirmation will come just 72 hours before the event, at which point, media will be notified and riders and event crews will travel to the selected location.

What’s new?
The pre-, mid-, and post-event, updates will be available online at the social media handles of the PWA as official event partner:

instagram.com

facebook.com

Fotografen Credit: Sebastian Marko / Red Bull Content Pool

Turbulente Flugreisen

Bereits am vergangenen Samstag (09.10.2021) wurde das Europa-Reisewetter pünktlich zum Herbstferienbeginn einiger Bundesländer beleuchtet. Um möglichst schnell zum Urlaubsort zu gelangen, bietet sich – je nach Entfernung – durchaus eine Flugreise an. Alle, die in ihrem Leben schon einmal geflogen sind, kennen dabei das aufregende Gefühl beim Start einer Flugreise auf dem Rollfeld, wenn die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung auf das Ende der Startbahn zu rast und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die Adern. Der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten verspürt man dann allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. Die einkehrende “Stille” kann jedoch täuschen.

Die meisten Flugreisenden werden es schon erlebt haben. Aber nicht nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagt es einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im allgemeinen Volksmund als “Luftloch” bezeichnet wird. Dabei handelt es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um Turbulenzen. Diese Turbulenzen sorgen für ein schnelles Auf- oder Absteigen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Die schweren Kolosse aus Metall sind konstruiert, um den auf sie einwirkenden Kräften standzuhalten. Aber wodurch treten solche Turbulenzen in der Luft auf?

In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit (diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 km beispielsweise um und über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die sie samt Passagieren gründlich durchschütteln.

Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei fehlender Luftfeuchtigkeit beispielsweise können Aufwinde auch ohne sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem Fall spricht man von “Blauthermik”. Treffen Luftmassen mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder -richtungen in größeren Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen Augen nicht sichtbar sind.

Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch kommt es zu einem Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden.

Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen, also dort, wo warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinandertreffen. Aktuell liegt eine solche Frontalzone quer über Deutschland. Ausgehend von Tief “Finn”, das vom Norden Skandinaviens in die Barentssee unterwegs ist, griff in der vergangenen Nacht von Norden her der zugehörige Tiefausläufer auf Deutschland über. Dieser trennt die vor allem im Süden dominierende kalte und trockene Luftmasse von der wärmeren Meeresluft, die nachfolgend von der Nordsee in den Norden und die Mitte einfließt. Entlang dieser Frontalzone schiebt sich die warme über die kalte Luft. Im Übergangsbereich kommt es dann zu Auf- und Abwinden und neben entsprechenden Turbulenzen auch zu etwas Regen oder einzelnen Schauern. An der Ostsee sorgt dagegen am Abend und in der Nacht kalte Höhenluft für Turbulenzen in Form von Schauern und vereinzelten Gewittern. Wenn Sie also heute mit dem Flieger unterwegs sein sollten, schnallen sie sich an! Der Flug könnte turbulent werden.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.10.2021

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“Finn”, der “Störenfried”

Die wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen dem Hoch “Lioba” mit Schwerpunkt über Osteuropa und dem Hoch “Oldenburgia” westlich von Irland beschert uns aktuell ruhiges Herbstwetter. Am gestrigen Tag gab es, nachdem die letzten Nebelfelder sich aufgelöst haben, Sonne satt für alle bei angenehmen Temperaturen. Jedoch bedeutete der wolkenlose Himmel auch, dass in der vergangenen Nacht die Temperatur vielerorts bis in den Frostbereich gesunken ist. Für Frühaufsteher hieß es: Reif von Autoscheiben wegkratzen. “Gut, dass es Sonntag ist!”, könnte man sagen.

Auch heute kann Deutschland von der etablierten Synergie zwischen den beiden Hochs profitieren. Nach Nebel- und Hochnebelauflösung lacht erneut die Sonne vom Himmel. Ein paar Einschränkungen gibt es jedoch: Einmal im Süden (Alpenvorland und Bodenseeregion), wo der Hochnebel sich länger halten kann und dann auch in der Nordwesthälfte des Landes, wo hohe Wolkenfelder (Zirren) durchziehen.

Die Zirren am Himmel sind aber die ersten Anzeichen dafür, dass das Wetter sich umstellt. Der “Störenfried” ist schnell gefunden und heißt “Finn”, ein Tief über Norwegen, das zusammen mit einem Tief über dem Nordmeer (ehemaliger Hurrikan “Sam”) den Angriff auf die wunderbare Partnerschaft zwischen “Lioba” und “Oldenburgia” übernimmt. Die Kaltfront von Tief “Finn” drängt sich ab heute Abend zwischen den beiden Hochs und macht den Weg für einen wechselhaften und sehr kühlen Witterungsabschnitt in Deutschland frei.

In der Nacht zum Montag erreicht die Kaltfront von “Finn” mit etwas Regen die Nordränder der Mittelgebirge. Die Südhälfte genießt die letzte ruhige Nacht. Jedoch sinkt die Temperatur dort erneut bis in den Frostbereich und gebietsweise bildet sich Nebel.

Am Montag hat “Finn” dann volle Arbeit geleistet. Denn die Verbindung zwischen den Hochdruckgebieten ist nun über Deutschland unterbrochen. Besonders von der Mitte bis in den Osten fällt entlang des Tiefausläufers etwas Regen, außerdem folgen von Nordwesten Schauer, an den Küsten auch einzelne Gewitter nach. Am Nachmittag gibt es dann auch im Süden erste Tropfen. Der Wind macht sich besonders an der See wieder bemerkbar, dort können einzelne steife Böen auftreten.

Am Dienstag steigert sich der Tiefdruckeinfluss, im Tagesverlauf kommt es vermehrt zu Schauern, am Alpenrand zu längeren Regenfällen. Oberhalb von 1300 bis 1500 sind dort zunehmend Schneeflocken dabei. In der Nacht zum Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze weiter auf etwa 1000 m, dann gibt es auch in den höchsten Lagen der östlichen Mittelgebirge und im Schwarzwald die ersten Flocken. An den Alpen kann sich eine 5 bis 10 cm dicke Schneedecke bilden.

Dieser Trend wird am Mittwoch weitgehend fortgesetzt, nur im Norden überwiegen die trockenen Phasen deutlich. Die Temperaturwerte verbleiben im klassisch herbstlichen Niveau zwischen 5 und 14 Grad. Die Frostgefahr ist Aufgrund der stärkeren Bewölkung gedämpft und meist auf das höhere Bergland beschränkt.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.10.2021

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Kontrastreiches Europawetter

Gern besuchte Reiseziele im Oktober sind traditionell die unterschiedlichen heimischen Gefilde oder die europäischen Mittelmeerländer. Doch wie sieht es in diesen Regionen bezüglich Wetter eigentlich aus? Wer hatte bei der Wahl des Urlaubsortes ein glückliches Händchen und erwischte sein “Lieblingswetter”? Für die Beantwortung dieser Fragen machen wir im heutigen Thema des Tages eine kleine Europareise, allerdings mittels unserer Wettermodelle.

Beginnen wir jedoch in unseren heimischen Regionen. Aktuell befindet sich Deutschland am Rande des Hochdruckgebiets LIOBA mit Schwerpunkt über dem Baltikum und dem westlichsten Russland. Dabei wird mäßig warme, aber meist trockene Luft herangeführt. Wenngleich Nebel- und Hochnebelfelder am Vormittag gebietsweise nur langsam aufgelöst werden, scheint doch tagsüber vielerorts die Sonne. Dabei werden heute Nachmittag Temperaturwerte zwischen 13 und 19 Grad erreicht. Am Sonntag wandert das Hoch langsam ostwärts und macht damit im Tagesverlauf den Weg frei für den Ausläufer eines nordeuropäischen Tiefs, der in den Abendstunden auf den äußersten Nordwesten übergreifen wird. Bis dahin gibt es eine Mischung aus Sonnenschein und ein paar Wolkenfeldern, die im Laufe des Nachmittags in der Nordwesthälfte etwas dichter werden. Erste Schauer sollte es aber nur entlang der Nordsee geben. Die Höchstwerte sind ein paar Grad unterhalb jener des Vortages zu erwarten. Am Montag kommt dann etwas mehr Schwung in das Wettergeschehen. Das auf LIOBA folgende Hochdruckgebiet OLDENBURGIA kann nämlich dessen Platz über Mitteleuropa nicht ausfüllen, daher wird der Weg für eine feuchtere und kühlere nach Deutschland einströmende Luftmasse frei. Besonders von der Mitte bis in den Osten fällt zum Wochenbeginn entlang des Tiefausläufers etwas Regen, außerdem folgen von Nordwesten Schauer nach. Am Nachmittag fallen auch im Süden erste Tropfen. Die Temperatur kommt daher über 11 bis 16 Grad nicht hinaus. Am Dienstag steigert sich der Tiefdruckeinfluss nochmals, im Tagesverlauf kommt es vermehrt zu Schauern, am Alpenrand zu längeren Regenfällen. Oberhalb von 1500 bis 1700 sind dort zunehmend dicke Schneeflocken dabei. Dieser Trend wird am Mittwoch weitgehend fortgesetzt, nur im Norden überwiegen die trockenen Phasen deutlich. Die Temperaturwerte verbleiben im klassisch herbstlichen Niveau.

Machen wir nun einen größeren Sprung in die beliebten herbstlichen Urlaubsregionen Spaniens und Portugals. Am heutigen Samstag ist das Wetter dort gekennzeichnet durch viel Sonnenschein, gebietsweise ziehen aber auch ein paar dichtere Wolkenfelder durch. Mit einer geringen Wahrscheinlichkeit kommt es entlang der Mittelmeerküste zu einzelnen Regenschauern, die aber nur überschaubare Bereiche tangieren. Ab und zu frischt der Wind etwas auf, größere Probleme sollte dieser aber nicht bereiten. Die Temperaturen muten spätsommerlich an: im Süden der Iberischen Halbinsel werden 22 bis 27 Grad erreicht, etwas im Landesinneren sind selbst 30 Grad nicht außer Reichweite. Auch auf den Kanarischen Insel bewegen sich die Höchstwerte um 25 Grad. Eine wesentliche Änderung dieser Wettersituation ist sowohl am Sonntag, als auch zu Wochenbeginn nicht zu erwarten. Die Urlaubsfreuden für Sonne- und Wärmehungrige dürfte das Wetter also nicht beeinträchtigen, nur der immer noch aktive Vulkan auf La Palma könnte eventuell lokal für die eine oder andere Einschränkung sorgen.

Von ruhigen Wettervorgängen sind die Urlauber in Süditalien und Südosteuropa hingegen doch etwas entfernt. Dort beeinflusst das Tiefdruckgebiet CHRISTIAN (international: ATHINA), das Wettergeschehen deutlich. Im Süden Italiens und an der Ägäis sind zwar auch Tageshöchstwerte zwischen 20 und 25 Grad wahrscheinlich, jedoch kommt es dort häufig zu Schauern, schauerartig verstärkten Regenfälle oder auch einzelnen kräftigen Gewittern. Besonders entlang der Westküste Griechenlands können dabei auch höhere Regenmengen zusammenkommen. In Süditalien nimmt das Niederschlags- bzw. Schauerrisiko zum Wochenbeginn zwar etwas ab, dafür gehen aber auch die Höchstwerte etwas zurück und kommen nur mehr knapp über 20 Grad hinaus. In Griechenland und den angrenzenden Regionen muss dagegen bis zur Wochenmitte mit einer sehr wechselhaften Witterung gerechnet werden. Der Wind ist ein deutlich spürbarer Wegbegleiter, daher sollten besonders jene, die sich dort auf dem Meer tummeln, ein Auge darauf haben.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.10.2021

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Das Wetter: Smalltalk-Thema Nr. 1!

“Das ist aber auch ein Wetterchen heute!” – “Kann man nicht anders sagen. Kann man zwei draus machen!” – Eingefleischten “Bud Spencer und Terence Hill”-Fans ist dieser Dialog aus dem Film “Zwei außer Rand und Band” aus dem Jahre 1977 sicherlich geläufig. Aber nicht nur in dieser Szene diente das Wetter als “Gesprächsöffner”, es ist generell ein sehr, wenn nicht sogar das beliebteste Smalltalk-Thema.

Warum das so ist? Mit dieser Frage beschäftigten sich bereits zahlreiche psychologische Studien. Zum Smalltalk greift der Mensch zum Beispiel in Situationen, in denen er keine Zeit oder kein Interesse hat, mit seinem Gegenüber ein längeres oder tiefer gehendes Gespräch zu führen. Vielleicht ist es einem auch unangenehm ein Gespräch zu beginnen, weil man entweder schlicht nicht weiß, worüber man sich mit seinem Gegenüber unterhalten soll, oder im Gegenteil sehr genau weiß, was man ansprechen möchte bzw. müsste, das Thema an sich allerdings unangenehm ist.

Tja und in solchen Situationen sucht man sich am besten ein Thema, das zum einen jeden in irgendeiner Form etwas angeht und zum anderen kaum Konfliktpotenzial bietet. Dass sich dazu weder Politik noch Sport eignet, ist wenig überraschend. Es gibt beispielsweise sicherlich bessere Ideen als jemanden in der Frankfurter U-Bahn auf die Vereinsgeschichte von Kickers Offenbach anzusprechen.

Beim Wetter ist das anders. Denn darauf, ob es nun gerade regnet oder die Sonne scheint, hat ja nun mal niemand einen Einfluss. Es ist schlicht und ergreifend höhere Gewalt. Daher lässt sich relativ “gefahrlos” über das aktuelle Wettergeschehen losquatschen. Ob das aber auch in Zukunft so sein wird, ist fraglich. Das Thema Wetter wird in unserer Gesellschaft zunehmend im Kontext des Klimawandels gesehen, sodass auf ein eigentlich unverfängliches “Na, ein Tag zum Sonneputzen heute, was?!” schnell ein “Viel zu viel Sonne! Es hat schon seit Tagen nicht mehr geregnet. Und wenn’s dann regnet, ist gleich alles überflutet!” folgen. Und ruckzuck befindet man sich in einer Klima-Diskussion.

Eventuell sollte man sich also schon mal ein alternatives Smalltalk-Thema suchen, das man bei Bedarf auspacken kann. Aber was könnte das sein? Andererseits wird es natürlich auch in Zukunft so sein, dass wir an heißen Sommertagen gemeinsam schwitzen und bei frostiger Winterluft bibbern, ganz egal, wer da jetzt dafür verantwortlich ist. Bleiben wir also vielleicht doch am besten beim Wetter als Smalltalk-Thema Nr. 1! Und wenn’s dann tatsächlich mal in ein tieferes Gespräch münden sollte, ist das ja vielleicht auch nicht verkehrt, oder?

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.10.2021

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Goldenes Oktoberwochenende mit Schönheitsfehlern

Verantwortlich für das schöne und zumindest tagsüber milde Wetter am kommenden Wochenende zeigt sich das Hoch NILA. Am heutigen Donnerstag liegt es mit seinem Schwerpunkt noch über der Iberischen Halbinsel. In den kommenden Tagen weitet es sich zunehmend nach Norden und Osten aus und nimmt Verbindung mit dem Hoch LIOBA über Osteuropa auf, sodass eine ausgedehnte Hochdruckbrücke entsteht. Diese erstreckt sich dann am Samstagmittag mit ihrer Achse in etwa von Nordfrankreich über die Mitte Deutschlands und Polen bis nach Westrussland. Flankiert wird diese Hochdruckzone von Tiefdruckgebieten über Nordeuropa sowie über dem Mittelmeerraum. Besonders vom zentralen Mittelmeerraum bis hinüber zum Schwarzen Meer drohen gebietsweise schwere Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen. Dort sind lokal über 100 l/m² innerhalb von 24 Stunden möglich. In der vergangenen Nacht fielen beispielsweise an der Wetterstation auf Korfu 90 l/m² innerhalb von 12 Stunden. Lokal dürfte im hügeligen Norden und Nordosten des Landes auch noch deutlich mehr Regen gefallen sein.

Bei uns in Deutschland bekommt man von alledem höchstens in den Nachrichten, durch Verwandtschaft und Freunde oder in den sozialen Medien etwas mit, denn das Hochdruckwetter lädt besonders tagsüber zu Spaziergängen in der herbstlich geprägten Landschaft ein. Am morgigen Freitag macht sich die Sonne vor allem in einem Streifen von Mecklenburg über den zentralen Mittelgebirgsraum bis in den Südwesten und Süden des Landes noch rar. Dort hält sich dichte hochnebelartige Bewölkung, die erst im Laufe des Nachmittags einige Lücken bekommt. Südöstlich des Inns sind sogar noch ein paar Spritzer Regen möglich. Ansonsten steht nach Auflösung von örtlichen Nebel- und Hochnebelfeldern ein sehr freundlicher Tag mit Höchstwerten bis knapp 19 Grad ins Haus.

Am Wochenende beschert uns NILA dann fast überall goldenes Oktoberwetter. Nur in manchen Flussniederungen Süddeutschlands sowie in nebelanfälligen Gebieten des zentralen Mittelgebirgsraums hat es die Sonne schwer, da sie sich dort teilweise erst am Nachmittag durch die dicke Nebelsuppe kämpfen wird. Ansonsten können nach meist rascher Nebelauflösung am Morgen und Vormittag sonnige und milde Herbsttage genossen werden. In den Hochlagen der Alpen zeigt sich bestes Wanderwetter. In etwa 2000 m Höhe werden dabei 2 bis 5 Grad erreicht, wodurch es der dünnen Neuschneeauflage, die sich in den vergangenen Tagen gebildet hat, an den Kragen gehen wird. Ganz im Nordwesten ziehen am Sonntag jedoch erste Wolkenfelder mit vereinzelten Regenschauern auf. Diese kündigen bereits den nahenden Wetterwechsel an.

Vorsicht ist in den Nächten geboten, denn gebietsweise droht der erste Luftfrost des nahenden Winters. Frost in Bodennähe tritt relativ verbreitet auf. Empfindliche Pflanzen müssen also geschützt werden. Auch eine dicke Jacke sowie Schal und Mütze sollten zumindest nachts und am frühen Morgen griffbereit liegen.

Zum Start in die neue Woche geht dann der Trend zu leicht wechselhaftem und kühlerem Herbstwetter. Daher lautet die Empfehlung am Wochenende, raus in die Natur, Sonne tanken und sich auch mal an den kleinen und schönen Dingen des Lebens erfreuen.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.10.2021

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Nobelpreis geht an Meteorologen Klaus Hasselmann

Warmer Applaus schlug ihm entgegen, als der frisch gekürte Nobelpreisträger für Physik, Klaus Hasselmann, im einst von ihm geleiteten Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg geehrt wurde. Es ist vor allem seine Bescheidenheit und Verschmitztheit mit der er sowohl die Studenten vor Ort als auch Millionen von Nachrichtenzuschauern an den TV Geräten und Smartphones dieser Welt für sich einnimmt.

Was war passiert? Das Nobelkomitee trat vor in Stockholm vor die Presse und verkündete die diesjährigen Nobelpreisträger für Physik. Neben dem japanischstämmigen US-Amerikaner Syukuro Manabe und dem Italiener Giorgio Parisi fiel auch der Name des gebürtigen Hamburger Klimaforschers Klaus Ferdinand Hasselmann. In diesem Fachgebiet ist es die zweite Auszeichnung eines Deutschen in Folge. Bereits im vergangenen Jahr war unter anderem der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel für Forschungen zu schwarzen Löchern und supermassiven kompakten Objekten mit dem Preis geehrt worden. Übergeben werden die Preise traditionell erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Wer ist Klaus Hasselmann? Klaus Ferdinand Hasselmann wurde am 25. Oktober 1931 in Hamburg geboren. Seine Kindheit verbrachte er überwiegend in England, wohin seine Familie während der Zeit des Nationalsozialismus auswanderte. Nach seinem Abschlussexamen kehrte er im August 1949 nach Deutschland zurück und studierte zwischen 1950 und 1955 Physik und Mathematik an der Universität Hamburg. Anschließend promovierte er im am Max-Planck-Institut für Strömungsforschung an der Uni Göttingen bevor er 1963 an die Uni Hamburg zurückkehrte und dort habilitierte. Wenige Jahre später kennzeichnen Führungspositionen als Direktor des Instituts für Geophysik und Planetarische Physik an der Uni Hamburg, die eingangs erwähnte knapp 25-jährige Leitung als Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (1975-1999) und nicht zuletzt als wissenschaftlicher Direktor des frisch gegründeten Deutschen Klimarechenzentrums (1988-1999) seinen Werdegang. Zur Jahrtausendwende ging er in den wohlverdienten Ruhestand, die Bindung zu seiner beruflichen Leidenschaft blieb bis heute bestehen – und wurde nun mit dem knapp eine Millionen Euro dotierten Nobelpreis geehrt.

Woran arbeitete er? Klaus Hasselmanns Doktorarbeit beschäftigte sich mit einer “Methode zur Bestimmung der Reflexion und Brechung von Stoßfronten und von beliebigen Wellen kleiner Wellenlängen an der Trennungsfläche zweier Medien”. Sein Lieblingsthema bis heute: die Teilchentheorie. Er forschte auch an den komplexen Wechselwirkungen von Ozeanwellen. Wenn man sich die Wasseroberfläche als eine solche Trennungsfläche vorstellt, an der komplexe Wechselwirkungen zwischen Ozeanen und Atmosphäre tagtäglich stattfinden, so ist der Bogen zur Klimamodellierung schnell gespannt. Bereits 1976 entwickelte Hasselmann ein stochastisches Klimamodell, in dem Zufallsfluktuationen für die Variabilität des Klimas sorgen. Diese interne Variabilität im Klimasystem macht es so schwierig, natürliche und menschliche Faktoren und deren Einflüsse zu trennen. Mit seiner entwickelten Methode gelang es in späteren Klimaberechnungen den anthropogenen (also menschengemachten) Einfluss auf die globale Erwärmung nachzuweisen. Die Jury der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften sprach in Stockholm von “bahnbrechenden Beiträgen zum Verständnis komplexer physikalischer Systeme”, konkret “für das physikalische Modellieren des Klimas der Erde, die quantitative Analyse von Variationen und die zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung”. Auch wir sagen: Herzlichen Glückwunsch.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.10.2021

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Sintfluten am Mittelmeer

Regenfälle von selten gesehenem Ausmaß haben in den letzten zwei Tagen Teile des italienischen und französischen Mittelmeerraumes und des Zentralmassivs getroffen. Dafür ist das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren verantwortlich. Einer der wichtigsten Akteure ist der (Ex-)Hurrikan “SAM”, der sich zu diesem Zeitpunkt östlich von Neufundland auf dem Atlantik befand. Dort begann die zunehmende Eingliederung in die Westwindzone. Eine günstige Lage der Druckgebiete mit einer zunächst zonal ausgerichteten Höhenströmung sorgte dafür, dass rasch sehr viel Luftfeuchte von “SAM” über den Atlantik Richtung Europa transportiert wurde, wo der Anschluss an ein zentrales Tiefdruckgebiet vor Norwegen erfolgte. Einmal verbunden konnte dieses Tief vor Norwegen immer weiter Luftfeuchte von Hurrikan “SAM” quer über den Atlantik pumpen – es bildete sich ein sogenannter Atmosphärenfluss. Mit einem neu formierten Trog auf dem Atlantik wanderte dieser Fluss zusehends südwärts, sodass die Feuchte in Richtung Mittelmeer gelangen konnte. Klimatologisch betrachtet wird deutlich, wie herausragend dieses Ereignis ist, denn der absolute Feuchtegehalt der Luft betrug das doppelte des um diese Jahreszeit üblichen Wertes. Dies spiegelte sich auch in den Werten des niederschlagbaren Wassers wieder, die im Mittelmeerraum um 40 Millimeter betrugen.

Im Zusammenspiel mit der Kaltfront des vor Norwegen liegenden Tiefs konnte dieses Feuchteband nun abregnen. Zunächst lag diese Kaltfront am vergangenen Sonntag (3.10.2021) unter anderem über dem Zentralmassiv. Dort herrschte vorderseitig und bodennah eine kräftige Südostströmung, die frontal auf die Gebirgskette des Zentralmassivs prallte. Zusätzlich sorgte ein Bodentief in Verbindung mit Frontogenese für zusätzlichen Hebungsantrieb. So wurde direkt vor der Kaltfront Konvektion ausgelöst, die sich über Stunden hinweg immer weiter intensivierte und so den außergewöhnlich hohen Feuchtegehalt der Luft direkt in Starkregen umsetzen konnte. So regnete es anschließend über etwa gut 12 Stunden hinweg mit Raten zwischen 20 und 60 l/m² pro Stunde. Aufsummiert kamen so an einigen Stationen am Ostrand des Zentralmassivs Niederschlagssummen von weit über 100 l/m² in 24 Stunden zusammen. Die höchsten Mengen wurden im Ort Villefort gemessen. Dort fielen bis Sonntagabend 459 l/m² innerhalb von 24 Stunden, davon 251 l/m² innerhalb von 6 Stunden.

Am gestrigen Montag (4.10.2021) verlagerte sich das Geschehen mit dem Vorankommen der Luftmassengrenze und des Feuchteflussbandes dann weiter nach Osten an die italienische Mittelmeerküste nach Ligurien. Dort traf die Luftmasse auf die dortige Steilküste. Gleichzeitig sorgten die vorhandene Trogvorderseite sowie ein Bodentief über Oberitalien für Verstärkung der durch die Geländebeschaffenheit bereits erzwungene Hebung, was im Zusammenspiel mit der extrem feuchten Luft zu intensiver Konvektion führte. Es bildete sich ein quasistationäres Starkregencluster, das sich in einem Zeitraum von etwa 12 bis 18 Stunden über die dortige Region ergoss. Verbreitet wurden Mengen zwischen 100 und 200 l/m² registriert, an einzelnen Stationen wurden diese Werte aber weit übertroffen. Den Rekord hält voraussichtlich die Station in Rossiglione mit atemberaubenden 848 l/m² in 24 Stunden – ein Wert jenseits jeder sonst gebräuchlichen Skala. 700 l/m² fielen davon innerhalb von 12 Stunden. Vereinzelt wurden in der Region auch Stundensummen von 150 l/m² erreicht. Folgen dieses Extremereignisses waren unter anderem heftige Sturzfluten und Murenabgänge. Vermutlich wird man in den kommenden Tagen in den Medien noch einiges über die Unwetter in der dortigen Region hören.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.10.2021

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