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Hochnebel – das Haar in der Suppe

27. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den noch vergleichsweise langen Nächten des Februars können sich bei windschwachen klaren Bedingungen die bodennahen Luftschichten stark abkühlen. Dies traf in den vergangenen Nächsten auf weite Teile des Südens und der Mitte Deutschlands zu. Aufgrund der vorherigen Regenfälle bzw. des Tauens von Schneedecken waren die obersten Bodenschichten zudem sehr feucht. Alles in allem förderliche Bedingungen für die nächtliche Bildung von Nebel bzw. Hochnebel. Dieser wurde tagsüber dünner bzw. wurde von den Rändern her aufgelöst. Gleichzeitig fand eine Verfrachtung mit der bodennahen Luftströmung statt. Bei meist schwachem Wind aus dem Sektor Ost bis Süd staute sich die feuchtkalte Luft der Grundschicht an den Süd- bzw. Osthängen der südlichen und einiger zentraler Mittelgebirge. Dort konnte der Hochnebel sich bis zum Tagesende halten und sich in der Folgenacht wieder verdichten bzw. ausbreiten.

Drei Satellitenbilder vom 26.02.2026 im Abstand von 3 Stunden (Quelle:DWD)

Dies hatte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der Sonnenstunden, sondern auch auf die 2 Meter Temperatur. In den von früh bis spät sonnigen Gebieten wurde die maximal mögliche Sonnenscheindauer von etwa 10 Stunden erreicht. Zugleich stieg die Temperatur deutlich über die 10-Grad-Marke und am gestrigen Donnerstag örtlich auch auf 20 Grad wie zum Beispiel in Metzingen bei Reutlingen mit 20,4 Grad. In den vom Dauergrau geplagten Regionen lagen die Höchstwerte dagegen zum Teil nur im einstelligen Bereich. Zum Beispiel war in Meiningen an der Werra im Süden Thüringens gestern mit 6,8 Grad bereits das Tagesmaximum erreicht.

Satellitenbild vom 27.02.2026 13 Uhr (Quelle:DWD)

Häufig lag zwischen grau und blau nicht einmal eine besonders große Distanz. Beispielsweise gab es an der Station am Frankfurter Flughafen gestern nur 25 Minuten Sonnenschein, in Michelstadt im Odenwald dagegen schien die Sonne 7:32 Stunden. Auch höher gelegene Stationen befanden sich in der Sonne, weil sie über das Nebelmeer herausragten. So registrierte die Station auf dem Feldberg im Taunus gestern 8:18 Stunden Sonnenschein. Diese kleinräumigen Unterschiede machen die Vorhersage schwierig und am Ende kann es bedeuten, dass man im Grau sitzt, obwohl die App oder der Wetterbericht etwas anderes zuvor vermittelten.

Mittagstemperaturen am 26. und 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am heutigen Freitag waren Nebel- und Hochnebel aus der Nacht heraus nicht so verbreitet und dick wie an den Tagen zuvor, so konnte sich die Sonne bis zum Mittag verbreitet, wenn auch nicht überall durchsetzen.

M.Sc. Met. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Hochnebel-das-Haar-in-der-Suppe-1-scaled.png 850 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-27 19:01:202026-02-28 19:37:23Hochnebel – das Haar in der Suppe

Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende

26. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zwischen einem umfangreichen Hoch über Westeuropa und dem Mittelmeerraum sowie einem ebenso umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik hat sich über Westeuropa eine großräumige Südwestströmung eingestellt. Mit dieser wurde Luft aus den Seegebieten zwischen den Azoren und den Kanaren nach Westeuropa geführt. Diese Luftmasse im Zusammenspiel mit viel Sonnenschein führte in Frankreich und manchen Nachbarländern zu zahlreichen Rekorden der Höchsttemperatur für Februar. Örtlich wurden im Südwesten Frankreichs knapp 30 Grad an den beiden vergangenen Tagen gemessen. Am gestrigen Mittwoch stieg die Temperatur in Zentralfrankreich auf Werte um 25 Grad und selbst im etwa 1000 Meter hoch gelegenen Chamonix in den Westalpen wurden 21,1 Grad (neuer Februarrekord, Messbeginn 1880) erreicht.

Höchstwerte der 2m-Temperatur für Freitag den 27.02.2026 (Prognose) (Quelle:DWD)

Bei uns in Deutschland wird der Wärmehöhepunkt am morgigen Freitag erreicht. Doch bereits heute liegen die Höchstwerte im Westen und Südwesten örtlich bei 20 Grad. Am Freitag verstärkt sich dann die Zufuhr der subtropischen Luftmasse. Mit auffrischendem südwestlichem Wind haben Nebel und Hochnebel weniger Chancen als an den Vortagen, zudem gibt es am Nordrand der Mittelgebirge föhnige Effekte. Damit steigen die Temperaturen in der Mitte und im Süden Deutschlands gebietsweise auf Werte um 20 Grad mit den höchsten Werten entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Dort werden 21, örtlich 22 und am südlichen Oberrhein vielleicht auch 23 Grad erreicht.

Als bisheriger deutschlandweiter Februarrekord steht ein „Uraltwert“ vom 26. Februar 1900 in der Statistik. Damals wurden in Jena 23,1 Grad gemessen. Einige weitere Stationen stehen mit Werten knapp über 22 Grad in der Statistik und liegen fast ausschließlich in der Südwesthälfte Deutschlands. Diese Rekorde stammen meist aus den Jahren 1960 und 1990, haben also auch schon länger Bestand.

Selbst an den Küsten wird es mehrheitlich mild oder sehr mild. Eine Ausnahme bildet lediglich Nordfriesland, dort kommt der südwestliche Wind von der kalten Nordsee, zum Teil liegen die Höchstwerte dort nur zwischen 6 und 8 Grad. Anders an der Ostsee. Dort kann man an der vorpommerschen Küste bei 13 bis 15 Grad, dem teils noch 30 cm dicken Eis auf den Bodden oder im Stettiner Haff beim Schmelzen zuschauen.

Eiskarte vom 25.02.026 für die deutsche Ostseeküste (Quelle:DWD)

Ansonsten ist zum Ende des meteorologischen Winters nicht mehr viel Winterliches übrig. Die Schneegrenze liegt um 1000 Meter, im Westen etwas darüber, im Osten etwas darunter. In Lagen darunter hat bereits der Vorfrühling Einzug gehalten oder tut es in den kommenden Tagen. Festmachen lässt sich das am zunehmenden Pollenflug von Hasel und Erle. Dieser erreicht im Norden und Osten meist mittlere, sonst hohe Belastungsintensitäten.

Pollenflugvorhersage für Hasel und Erle für den 27.02.2026 (Quelle:DWD)

M.Sc. Met.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Ungewoehnliche-Fruehlingswaerme-zum-meteorologischen-Winterende-1.png 462 471 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-26 18:07:562026-02-26 18:09:59Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende

Frühlingsluft

25. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Deutschland gelangt in den kommenden Tagen zunehmend unter Hochdruckeinfluss. Niederschläge bleiben dabei weitgehend aus. Durch das Zusammenspiel eines Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt östlich von Deutschland und mehreren Tiefdruckgebieten über Westeuropa wird mit einer südwestlichen Strömung ungewöhnlich milde Luft zu uns geführt. Besonders im Südwesten macht sich bereits frühlingshafte Wärme bemerkbar. Doch auch in den östlichen Landesteilen, wo Januar und Februar vergleichsweise kalt ausfielen, setzt nun eine deutliche Milderung ein.

Am heutigen Mittwoch dominiert vielerorts zunächst noch trübes Wetter. Nebel- und Hochnebelfelder sorgen verbreitet für einen grauen Himmel und lassen das Wetter eher herbstlich wirken. Im Tagesverlauf lockert es zwar auf, in Teilen Bayerns halten sich die Nebel- und Hochnebelfelder jedoch zäh. Die Temperaturen reichen von etwa 4 Grad auf Rügen bis zu 19 Grad am Rhein. Der Wind weht meist schwach aus südöstlichen Richtungen. In der Nacht zum Donnerstag breiten sich Nebel- und Hochnebelfelder erneut aus. Vor allem in der Osthälfte kann es stellenweise Frost geben, während es im Nordwesten mit Werten um 9 Grad mild bleibt.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 25.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Donnerstag lösen sich Nebel und Hochnebel schneller auf. Mit auffrischendem Südwestwind setzt sich die Sonne häufiger durch, die Luft wird besser durchmischt und die Temperaturen steigen verbreitet auf 15 bis 21 Grad. Auch im Osten wird es mit 13 bis 17 Grad ungewöhnlich mild.

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 26.02.2026 (Quelle:DWD)

Der Höhepunkt dieser milden Phase wird am Freitag erreicht. Im Vorfeld einer von Westen herannahenden Kaltfront frischt der Südwestwind weiter auf. Mit sonnigen Abschnitten werden 15 bis 20 Grad erreicht, im Südwesten lokal sogar bis zu 23 Grad. Damit bietet sich der Freitag besonders gut für Aktivitäten im Freien an.

Wetter- und Temperaturkarte, am Freitag 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Wochenende folgt dann der Wetterumschwung. Bereits am Freitagabend setzt im Nordwesten erster Regen ein, der sich in der Nacht zum Samstag bis in die Mitte Deutschlands ausbreitet. Am Samstag bleibt es nur im Südosten noch zeitweise frühlingshaft freundlich, sonst dominieren Wolken und zeitweise Regen bei deutlich niedrigeren Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad. Am Sonntag beruhigt sich das Wetter zwar wieder etwas, die Temperaturen liegen mit 7 bis 15 Grad jedoch weiterhin unter den Werten der Vortage – für die Jahreszeit insgesamt aber noch immer auf einem milden Niveau.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Fruehlingsluft-1.jpg 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-25 17:32:062026-02-26 18:10:16Frühlingsluft

Wintersport – Schnee von gestern?

24. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den vergangenen Monaten türmte sich der Schnee ausgerechnet in Regionen, die im Winter sonst eher grün glänzen. Verkehrsbehinderungen inklusive. In einem breiten Streifen von der Nordsee über Sachsen-Anhalt bis hinunter ins Erzgebirge lag Anfang/Mitte Januar mehr Schnee als in vielen Tallagen der west- und süddeutschen Mittelgebirge. Selbst in Hamburg wurden Schlitten und Skier wieder aus dem Keller geholt.

Was Verkehrsteilnehmer und -betreiber zur Verzweiflung treibt, ist für Wintersportregionen ein Lebenselixier. Schneebedingungen und Schneesicherheit sind aus touristischer Sicht nach wie vor entscheidend. Dass der Klimawandel die Temperaturen steigen lässt, die Nullgradgrenze in die Höhe schiebt und den Regenanteil am Winterniederschlag zulasten des Schnees erhöht, zeigt sich seit drei Jahrzehnten klar in den Messreihen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Zahl der Schneedeckentage (Tage mit einer Schneedecke von mindestens 1 cm) gemittelt über Deutschland ist über die letzten 70 Jahre um mehr als 50 % zurückgegangen. Beschneiungsanlagen konnten diese Entwicklung in einigen Regionen zwar abfedern, aber nicht vollständig ausgleichen.

Zeitreihe der Anzahl der Tage mit einer Schneedecke von mindestens einem Zentimeter. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Wie sich die Bedingungen für Naturschnee und technische Beschneiung in den kommenden 30 Jahren – dem üblichen wirtschaftlichen Planungshorizont – entwickeln könnten, wurde Ende letzten Jahres in einer gemeinsamen Studie der Geosphere Austria, dem nationalen Wetterdienst Österreichs, und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) für das Allgäu untersucht. Grundlage waren historische Beobachtungsdaten, mehrere Klimaprojektionen es DWD für die zukünftige Klimaentwicklung sowie das Schneedeckenmodell des österreichischen Wetterdienstes – ein wissenschaftlich solider Werkzeugkasten.

Für den Zeitraum 2025 bis 2054 projizieren die Modelle einen Temperaturanstieg im Winter von rund +1 °C gegenüber 1991 bis 2020. Das führt zu einem Rückgang der Tage mit Naturschneedecke von mindestens 10 cm Höhe um durchschnittlich 10 bis 25 Prozent – die stärkere Ausprägung in Tallagen und bei einem Szenario ohne globalen Klimaschutz. Ein Beispiel: In Nesselwang reduziert sich die Zahl der Tage mit mindestens 10 cm Naturschnee von heute etwa 80 auf 70 im Tal (ca. 900 m über NN) und von 125 auf 110 im Mittelstationsbereich (ca. 1200 m über NN).

Webcambild aus dem Oberallgäu (Schwärzenlifte) vom 23.02.2026. Quelle: foto-webcam.eu

Ähnlich rückläufig – um bis zu 25 Prozent – sind die potenziellen Beschneistunden, also jene Stunden pro Monat, in denen Temperatur und Luftfeuchte eine technische Beschneiung erlauben. Besonders wichtig sind sie im Dezember, wenn die Pisten für die Saison vorbereitet werden müssen. Je nach Wetterlage kann noch bis Februar nachbeschneit werden.

Für die Allgäuer Auftraggeber der Studie kamen diese Ergebnisse nicht überraschend. Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt, dass Wintersport bis ins Tal längst nicht mehr jeden Winter möglich ist. Gleichzeitig hat sich die Beschneiungstechnik weiterentwickelt: Kunstschnee lässt sich heute auch unter weniger idealen Bedingungen erzeugen.

Insgesamt zeigt die Studie, dass im Allgäu auch in den kommenden 30 Jahren relativ gute Wintersportbedingungen zu erwarten sind – vor allem in mittleren und höheren Lagen. Welche Konsequenzen sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ergeben, wenn die Erwärmung weiter voranschreitet, wird man zu gegebener Zeit neu bewerten müssen.

Ob Wintersport in anderen Regionen Deutschlands langfristig sinnvoll bleibt, hängt stark von der Höhenlage und der jeweiligen Perspektive ab. Die „Schneezuverlässigkeit“ in den Mittelgebirgen hat im Vergleich zu den schneereichen 1960er bis 1980er Jahren deutlich nachgelassen – auch wenn es weiterhin einzelne schneereiche Winter geben kann. So sank die Zahl der Tage mit mindestens 10 cm Schneehöhe an der Wasserkuppe in der Rhön in den vergangenen 70 Jahren um rund 15 Prozent, im Ortsbereich von Willingen im Sauerland sogar um 30 bis 35 Prozent.

Das verlangt künftig mehr Flexibilität – von den Wintersportregionen ebenso wie von den Gästen. Und langfristig könnte der Schnee von heute tatsächlich zum sprichwörtlichen Schnee von gestern werden.

Dipl.-Met. (FH) Lothar Bock
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Wintersport-–-Schnee-von-gestern-1.png 1046 1860 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-24 18:14:202026-02-26 18:19:05Wintersport – Schnee von gestern?

Bunte Satellitenbilder

23. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Abb 1: Meteosat-12 True Color RGB Satellitenbild von heute, 23.02.2026 um 12:40 UTC über Südamerika, dem Atlantik, und Westafrika.

Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages vom Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG) Satelliten Meteosat-10, und zwar…

Abb 2: Animation des Wolkenoberkante Produkts aus MSG Meteosat-10 Messungen, für den Zeitraum von Samstagnachmittag (21.02.2026) bis Sonntagnachmittag (22.02.2026).

…die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean, Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des Planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.

Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.

Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen: Tiefdruckgebiet Barbara östlich von Neufundland ist erkennbar an den sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen Farbtönen im Bereich der Kaltfront – dem vertikalen T-Strich im geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen geprägt haben).

In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.

Abb 3: Modell-Vertikalprofile aus dem europäischen IFS Modell, für gestern (22.02.2026) um 18:00 Uhr UTC, links über dem Nordatlantik, rechts über Kamerun. Grün: der Taupunkt, Rot: die Temperatur sowie gestrichelt: die Tropopause.

Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei 125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen, welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert (1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe…). Die Tropopause markiert aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen auslösen – vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt „Rapidly Developing Thunderstorms“, also schnell wachsende Gewitterzellen, mit Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause, verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!

Abb 4: Klimatologische Verteilung der Tropopausenhöhe in Abhängigkeit von der geografischen Breite. Die Definition der WMO für die Tropopausenhöhe ist hinzugefügt.

Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierten „Lapse Rate Tropopause“ (LRT, die Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause, alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Von Tauwetter und Schneeschmelze

22. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Auftreten von markanten Tauwetterlagen zu dieser Jahreszeit ist ein typisches zentrales Element der winterlichen und frühjährlichen Hydrologie in Mitteleuropa. Solche Ereignisse können erhebliche Auswirkungen auf Abflussregime, Hochwassergefahr, Bodenfeuchte und Infrastruktur haben. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen schmelzen und tauen. Schmilzt der Schnee nur, liegt der Taupunkt noch unter 0 Grad, die Feuchttemperatur und Lufttemperatur aber im positiven Bereich. Der Schnee geht dabei von der festen in den flüssigen und gasförmigen Zustand. Der Tauprozess ist um einiges effektiver. Temperaturen und Taupunkt liegen dabei im positiven Bereich und der Schnee geht hauptsächlich in den flüssigen Zustand über. Um die Entstehung von markantem Tauwetter zu verstehen, müssen sowohl meteorologische Prozesse als auch Eigenschaften der Schneedecke – insbesondere ihr Wasseräquivalent – betrachtet werden.

Grundvoraussetzung für intensives Tauwetter ist zunächst eine ausreichend mächtige Schneedecke. Während in den Gebirgsräumen (vor allem inneralpin) in den letzten Tagen und Wochen noch einiges an Altschnee vorhanden war, kam am Donnerstag und Freitag vergangener Woche noch etwas Neuschnee sogar bis ins Flachland dazu. Der Schnee und die Schneedichte unterliegt im Laufe des Winters ständigen Umwandlungsprozessen: Neuschnee mit geringer Dichte (oft 50–150 kg/m³) setzt sich durch Druck und Temperaturgradienten, Kristalle metamorphosieren, und die Dichte kann auf 300–500 kg/m³ oder mehr ansteigen. Entscheidend für das spätere Abflussgeschehen ist daher nicht nur die Schneehöhe, sondern vor allem das sogenannte Wasseräquivalent der Schneedecke.

Änderung der Schneehöhe über Deutschland von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Das Wasseräquivalent beschreibt jene Wassermenge, die frei würde, wenn die gesamte Schneedecke vollständig taut. Es wird meist in Millimetern angegeben und entspricht damit direkt einer Niederschlagshöhe. Eine 50 cm hohe Schneedecke kann – je nach Dichte – beispielsweise nur 50 mm oder aber über 200 mm Wasseräquivalent enthalten. Für die Hochwasservorhersage ist diese Größe daher wesentlich aussagekräftiger als die reine Schneehöhe. Besonders kritisch sind daher Situationen, in denen sich über Wochen hinweg ein hohes Wasseräquivalent aufgebaut hat und anschließend rasch einsetzendes Tauwetter eintritt.

Änderung des Wasserdargebots der Schneedecke von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Meteorologisch wird markantes Tauwetter häufig durch großräumige Zirkulationsänderungen ausgelöst. Typisch ist das Vordringen milder, feuchter Luftmassen aus südwestlichen Richtungen im Zusammenhang mit Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik oder Westeuropa. Die ausgeprägte West- oder Südwestlage der letzten Tage führte dazu, dass deutlich wärmere Luft herangeführt wurde und die Temperaturen auch in höheren Lagen deutlich über 0 °C stiegen.

Neben der Lufttemperatur spielen weitere Energieflüsse eine entscheidende Rolle. Die Schneeschmelze setzt ein, wenn die Energiebilanz an der Schneeoberfläche positiv wird. Dazu tragen mehrere Komponenten bei. Zum einen die sensible oder auch fühlbare Wärme genannt. Dies impliziert die direkte Änderung der Temperatur durch Zufuhr von warmer Luft. Im Gegensatz dazu gibt es noch die latente (verborgene) Wärme. Diese entsteht durch Wärmefreisetzung bei Kondensation von Wasserdampf auf der kalten Schneedecke. Dieser Effekt ist bei feucht-milder Luft nicht zu unterschätzen. Des Weiteren kann sich die Strahlungsbilanz positiv auf die Temperatur der Schneedecke auswirken. Durch direkte oder, was in den letzten Tagen eher der Fall war, diffuse Einstrahlung erwärmt sich die Oberfläche. Gleichzeitig sorgte die geschlossene Wolkendecke nachts für langwellige Gegenstrahlung und damit verringerte Auskühlung. Ein am Wochenende entscheidender Faktor für die Schneeschmelze war und ist immer noch der zusätzliche Eintrag von relativ warmem Regen. Dieser sorgt nicht nur zusätzlich für Wasser, sondern durch die relativ gesehen hohen Temperaturen des Regenwassers erhöht sich die Temperatur der zu schmelzenden Schneedecke umso schneller.

Gerade die Kombination aus milden Temperaturen und kräftigem Regen führte zu einer markanten und noch weiter anhaltenden Tauwetterlage. Seit Samstag und anhaltend bis Montagmittag muss in den Mittelgebirgen und den Alpen mit Abflussmengen zwischen 40 und 80 l/m² in 60 Stunden gerechnet werden. (Die Schwellen für markantes Tauwetter liegen bei 40 mm in 48 Stunden bzw. 60 l/m² in 72 Stunden. Starkes Tauwetter (Unwetter!) tritt bei mehr als 60 l/m² in 48 Stunden bzw. über 90 l/m² in 72 Stunden auf). Dabei wird das Schmelzwasser zum Niederschlag hinzuaddiert – abzüglich Verdunstungs- und Speicherverluste.

Ein weiterer Aspekt ist die räumliche und zeitliche Gleichzeitigkeit der Schneeschmelze. In Gebirgsregionen setzt die Schneeschmelze normalerweise höhenabhängig gestaffelt ein: Zunächst in Tallagen, später in mittleren Höhen und schließlich im Hochgebirge. Markantes Tauwetter zeichnet sich jedoch oft dadurch aus, dass die Nullgradgrenze rasch auf große Höhen ansteigt, wie es am gestrigen Samstag oder bereits schon in der Nacht zum Samstag geschehen ist. Die Nullgradgrenze stieg von 600-1000 m auf 1800 – 2500 m innerhalb von 24 Stunden. Dadurch beginnen weite Teile eines Einzugsgebietes nahezu gleichzeitig zu schmelzen bzw. tauen. Diese Synchronisierung verstärkt die Abflussspitzen in Flüssen und Bächen. In gesättigten Böden oder bei gefrorenem Untergrund kann die Hochwassergefahr aufgrund geringer Speicherkapazität zudem erheblich steigen.

Zeitraffer mit eindrücklicher Schneeschmelze im Allgäu zwischen Freitag, den 20.02.2026 und Sonntag, den 22.02.2026 (Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/max-wild-arena/)

Das Wasseräquivalent der Schneedecke wird heute durch verschiedene Methoden erfasst. Klassisch erfolgen Schneebohrungen und Wägungen im Gelände. Ergänzend kommen automatische Schneewaagen, Ultraschallsensoren zur Schneehöhenmessung in Kombination mit Dichtemodellen sowie Fernerkundungsverfahren zum Einsatz. In hydrologischen Modellen wird das Wasseräquivalent als zentrale Zustandsgröße geführt. Es erlaubt die Simulation, wie viel Wasser bei bestimmten Temperatur- und Niederschlagsszenarien freigesetzt wird.
Zusammenfassend entsteht markantes Tauwetter durch das Zusammenspiel einer energiereichen Atmosphäre mit einer schneereichen Ausgangssituation. Entscheidend ist dabei nicht allein die sichtbare Schneehöhe, sondern vor allem das in der Schneedecke gespeicherte Wasseräquivalent. Es bestimmt maßgeblich, welches Abflusspotenzial bei einsetzender Schmelze mobilisiert werden kann. Erst durch die Kombination aus meteorologischer Analyse und quantitativer Erfassung des Wasseräquivalents lässt sich das Risiko intensiver Abfluss- und Hochwasserereignisse realistisch einschätzen.

Aktuelle Informationen zur Abflussmenge, Pegelständen und Hochwassergefahren findet man in den jeweiligen Informationssystemen der Hochwasserzentralen der Bundesländer oder im Naturgefahrenportal.

MSc. Sonja Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2026
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Tschüss Winter! Hallo Frühling! Bleibst du länger?

21. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Winter hat sein Pulver verschossen – zumindest vorerst. Über dem Atlantik hat sich ein umfangreicher Tiefdruckkomplex formiert, während über Südeuropa respektive dem Mittelmeerraum eine ausgedehnte Hochdruckzone zu finden ist. In der Folge konnte sich eine westliche Strömung aufbauen, in der in den kommenden Tagen immer wieder Tiefausläufer mit feuchtmilder Atlantikluft über Deutschland hinwegschwenken. Das bedeutet auf der einen Seite immer wieder Regenfälle, auf der anderen Seite aber auch ein sehr mildes, ja teilweise schon frühlingshaft anmutendes Temperaturniveau.

Prognose (ICON) des Luftdrucks am Boden (weiße Linien) und der Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Sonntag, den 22.02.2026, 13 Uhr. (Quelle: DWD)

Während am heutigen Samstag in der Westhälfte oftmals schon Höchstwerte nahe oder über 10 Grad erreicht werden, wird die 10-Grad-Marke am Sonntag verbreitet überschritten werden, entlang des Rheins sind gar bis zu 15 Grad drin. Nur im Nordosten sowie an der Nordsee bleibt es noch etwas kühler.

Prognose der Höchsttemperatur für Sonntag, den 22.02.2026. (Quelle: DWD)

In der neuen Woche geht es mit der Temperatur weiter bergauf. Die Strömung kippt auf Südwest, wodurch ein Schwall subtropisch angehauchter Luft nach Deutschland gelangt.

Prognose (ICON) des Luftdrucks am Boden (weiße Linien) und der Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Mittwoch, den 25.02.2026, 13 Uhr. (Quelle: DWD)

Am Mittwoch könnten im Westen und Südwesten dann lokal sogar 20 Grad erreicht werden – na, wenn sich das mal nicht frühlingshaft anhört! Dazu gibt es nach aktuellem Stand nach Nebelauflösung auch einiges an Sonnenschein, während es ansonsten bis Dienstag wie beschrieben recht nass, wolkenverhangen und auch windig vor sich geht. Die Nächte bleiben dabei in den meisten Regionen frostfrei.

Prognose der Höchsttemperatur für Mittwoch, den 25.02.2026. (Quelle: DWD)

Die Kombination aus Regen und mildem Temperaturniveau führt natürlich auch dazu, dass es dem vor allem im Bergland noch vorhandenen Schnee an den Kragen geht. Bis einschließlich Dienstag werden verbreitet 15 bis 30 l/qm, im Stau der Gebirge 30 bis 50 l/qm und dort lokal auch noch deutlich mehr an reinem Niederschlag erwartet. Der Großteil davon fällt meist innerhalb von 48 Stunden. Dazu kommt dann noch das abfließende Schmelzwasser, sodass in der Folge gerade kleinere Flüsse und Bäche über die Ufer treten können.

Prognose (links ICON, rechts IFS) des akkumulierten Niederschlags bis Dienstag, den 24.02.2026, 19 Uhr. (Quelle: DWD)

Wer nun darauf hofft, dass das frühlingshafte Wetter auch noch den Rest der Woche oder sogar darüber hinaus anhält, sollte jetzt nicht mehr weiterlesen. Es sieht nämlich so aus, als ob es in der zweiten Wochenhälfte aus Westen wieder unbeständiger wird und zudem auch wieder deutlich kühlere Luft ins Land strömt. Im Detail bestehen zwar noch große Unsicherheiten, aber zumindest im Bergland liegen durchaus wieder winterliche Elemente mit Nachtfrösten und vielleicht sogar Schneefall im Bereich des Möglichen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Tschuess-Winter-Hallo-Fruehling-Bleibst-du-laenger.jpg 720 748 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-21 16:39:532026-02-26 18:11:36Tschüss Winter! Hallo Frühling! Bleibst du länger?

Satelliten und Sahara-Staub in Suriname

20. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wenn man auf der Website von EUMETSAT (European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites; deutsch: Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) die Welt von oben betrachtet, beziehungsweise den Teil der Welt den der geostationäre MTG-I1 Satellit „sehen“ kann, zeigt sich in den letzten Tagen ein interessantes Phänomen: Eine Wolke aus Sand und Staub aus der Sahara, wie sie von der Westküste Afrikas über den Atlantischen Ozean westwärts hinweg weht.

MTG-I1 RGB Satellitenbilder für die vergangenen sieben Tage (13.02.-20.02.2026). Gezeigt ist ein Bild pro Tag, jeweils um 12:50 UTC. (Quelle: EUMETSAT)

Abbildung 1 zeigt eine Bildfolge der letzten 7 Tage jeweils um 12:50 UTC, basierend auf Messungen des MTG-I1 (Meteosat Third Generation Imager 1) aus dem MTG-Satellitenverbund, welcher von EUMETSAT in Zusammenarbeit mit der ESA (European Space Agency) entwickelt wurde. MTG-I1 ist der erste Satellit dieser neuesten Generation europäischer Wettersatelliten, und operiert in geostationärer Umlaufbahn. Das heißt, er bleibt über einem festen Punkt über dem Äquator und beobachtet dauerhaft dieselbe Region, in diesem Fall Europa, Afrika und die angrenzenden Ozeane.

MTG-I1 liefert unter anderem RGB-Bilder wie sie in Abbildung 1 zu sehen sind (wir empfehlen der interessierten Leserschaft unbedingt das Experimentieren mit den verschiedensten zur Verfügung gestellten Produkten im anfangs verlinkten EUMETSAT Portal). Die RGB-True-Color Bilder werden aus Messungen der Sonnenstrahlung im sichtbaren Spektrum erstellt. Dazu werden drei Mess-Kanäle genutzt, die den Grundfarben entsprechen:
Rot-Kanal (R): misst Licht in etwa 0,64–0,70 µm
Grün-Kanal (G): misst Licht in etwa 0,51–0,58 µm
Blau-Kanal (B): misst Licht in etwa 0,45–0,50 µm
Die Sensoren des Satelliten erfassen dabei die von der Erdoberfläche, Wolken und mitunter auch dem Saharastaub reflektierte Sonnenstrahlung in diesen Wellenlängenbereichen. Anschließend werden die Signale der drei Kanäle kombiniert um ein Bild zu erzeugen das die Erde so zeigt, wie das menschliche Auge sie wahrnehmen würde.

Wäre MTG-I1 noch nicht in Betrieb würde sich jetzt umso mehr ein Blick auf die Messungen der Satelliten Sentinel 3A und B lohnen, da diese durch ihre marginal nähere Umlaufbahn um die Erde (ca. 800 km für Sentinel im Vergleich zu 36000 km für MTG-I1) mit etwa 300 m eine deutlich höhere Auflösung haben als die geostationären MSG (Second Generation) Satelliten.

MTG-I1 Satellitenbild am gestrigen Donnerstag (19.02.2026). Überlagert sind die Messungen aus den Überflügen der Sentinel 3A und B Satelliten. (Quelle: EUMETSAT)

Abbildung 2 zeigt, dass dieser Unterschied bei MTG-I1 gar nicht mehr so hervorsticht, beziehungsweise dass MTG-I1 umso beeindruckender ist. Hier sei erwähnt, dass die horizontale Auflösung auch von der gemessenen Wellenlänge abhängt und im sichtbaren Spektrum bei vergleichsweise kurzen Wellenlängen noch schärfere Bilder erzeugt im Vergleich zu der farblichen Übersetzung der Infrarot-Messungen.

MTG-I1 RGB Satellitenbilder für gestern Nachmittag, in der höchsten zeitlichen Auflösung von 10 Minuten. (Quelle: EUMETSAT)

Da wir nicht genug bekommen können von Satellitenbildern, untermauern wir die eindrucksvollen Fähigkeiten von MTG-I1 noch einmal mit einer weiteren Sequenz von RGB-Bildern, über einen Zeitraum von 4 Stunden am gestrigen Donnerstag Nachmittag, in voller 10-Minuten Auflösung, und in einem kleineren Ausschnitt über dem Atlantik und Westafrika. Hier zeigt sich schön die komplexe vertikale Struktur der Troposphäre – wie stark und in welche Richtung weht der Wind in verschiedenen Höhen? Im Detail sieht man noch einmal eindrücklich wie weit der Saharastaub nach Westen transportiert wird.

Sandstürme, die in der Sahara häufig vorkommen, entstehen, wenn große Mengen von Wüstenstaub von starken Winden aufgewirbelt werden. Anfang dieser Woche hatte sich südlich eines weiträumigen Hochdruckgebiets über Nordafrika ein recht starker bodennaher Ostwind gebildet. Je nach Trockenheit, Geschwindigkeit und Turbulenz der Luftmassen können die aufgewirbelten Partikel mehrere Tage oder sogar Wochen in der Luft schweben. Winde in der oberen Troposphäre transportieren den Staub dann über Ozeane und Kontinente. Eine solche Staubwolke aus der Sahara wird auch als Saharan Air Layer bezeichnet. Diese spielt mitunter eine wichtige Rolle als Quelle für Minerale und Nährstoffe, zum Beispiel für das Phytoplankton in den Ozeanen, aber auch für weit entfernte Ökosysteme wie den Amazonas-Regenwald. Ob es der Sahara-Sand als im Satellitenbild sichtbares Signal bis nach Suriname schafft bleibt abzuwarten und zu beobachten!

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Satelliten-und-Sahara-Staub-in-Suriname-1.gif 1048 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-20 21:16:572026-02-25 21:27:27Satelliten und Sahara-Staub in Suriname

Winter versus Vorfrühling

19. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am gestrigen Mittwoch gingen die närrischen Tage zu Ende und die vierzigtägige Fastenzeit begann. Fasching, Fas(t)nacht oder Karneval blickt regional auf eine lange Tradition zurück. Verschiedene Bräuche dienten unter anderem der „Vertreibung“ des Winters. Zum einen wurden hierfür Masken getragen. Zum anderen erzeugte die Verwendung von Schellen, Karbatschen oder Rätschen Lärm, was den Winter verschrecken sollte. Diese lärmerzeugenden Gegenstände sind bekannte Beispiele für Narrenattribute der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Eine weitere Tradition, den Winter zu vertreiben, ist beispielsweise das „Funkenfeuer“. Dies ist ebenfalls vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum bekannt. Traditionell wird am Sonntagabend nach Aschermittwoch („Funkensonntag“) ein großer Reisighaufen entzündet, auf dem eine Puppe aus Stroh befestigt ist, die den Winter symbolisieren soll. In hügeligen oder bergigen Gegenden gibt es auch die Methode, ein brennendes Rad („Feuerrad“) einen Hügel oder Berg hinunterrollen zu lassen. Wiederum gibt es Ortschaften, in denen die Dorfjugend von Haus zu Haus zieht. Dabei trägt ein Kind ein Strohkleid, was den Winter symbolisieren soll. Ein anderes Kind symbolisiert wiederum den Sommer, indem es ein Kleid aus immergrünen Gewächsen trägt.

Alle Bräuche und Traditionen haben letztendlich gemein, dass der Winter symbolisch vertrieben werden soll. Insbesondere in früherer Zeit hoffte man auf ein gutes Frühjahr und einen schönen, langen Sommer mit einer ertragreichen Ernte.

Zurück in die Gegenwart und hin zu der Frage, wie es beim Wetter in den kommenden Tagen bis zum „Funkensonntag“ aussieht?

Tiefdruckeinfluss sorgt weiterhin für wechselhaftes Wetter mit reichlich Niederschlag. So konkurrieren am heutigen Donnerstag ein Tief mit Kern über Nordfrankreich und eines mit Kern über Norditalien um die Vorherrschaft über das Wettergeschehen in der Südwesthälfte Deutschlands. Im Tagesverlauf verliert das nordfranzösische zu Gunsten des norditalienischen Tiefs.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Donnerstag, den 19.02.2026 12 UTC

Mittag gebietsweise noch auftretenden Niederschläge werden sukzessive weniger. Am Nachmittag und Abend setzen dann in weiten Teilen Bayerns teils kräftige Schneefälle ein, die an den Alpen und im Alpenvorland bis Freitagmorgen anhalten. Dabei kommt einiges an Neuschnee zusammen: An den Alpen sind 20 bis 30 Zentimeter zu erwarten, in den Staulagen liegen die Neuschneemengen um 40 Zentimeter. Ansonsten akkumulieren sich die Neuschneemengen auf 5 bis 15 Zentimeter.

Im Norden und Osten Deutschlands bemerkt man von alldem nichts. Bei wechselnder Bewölkung kann die Sonne gebietsweise durchaus länger zum Vorschein kommen. Die Höchsttemperatur liegt allerdings nur im niedrigen einstelligen Bereich, gebietsweise tritt auch Dauerfrost auf. Allgemein gilt, dass der Ostwind vorübergehend auffrischt und jegliches Wettergeschehen bzw. selbst das ruhige Wetter in der Nordosthälfte ungemütlich erscheinen lässt.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am heutigen Donnerstag, den 19.02.2026

In der Nacht zum Freitag wird es dann in weiten Teilen Deutschlands erneut frostig, nur im Westen und Südwesten bleibt es örtlich frostfrei. Ansonsten liegt die Tiefsttemperatur bei Werten zwischen -2 und -10 Grad, im Nordosten ist abermals strenger Frost um -12 Grad zu erwarten.

Am morgigen Freitag lassen die Schneefälle an den Alpen allmählich nach. Auch im Westen und Südwesten Deutschlands ist der Himmel wolkenverhangen. Zudem ziehen von Westen leichte Regenfälle auf, die im Tagesverlauf auch Teile der Mitte erfassen. In den restlichen Landesteilen ist es bei schwachwindigen Verhältnissen heiter, teils auch länger sonnig und trocken. Allerdings liegt die Höchsttemperatur abermals im niedrigen einstelligen Bereich oder verharrt im leichten Dauerfrostbereich.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Freitag, den 20.02.2026

In der Nacht zum Samstag kommen die Niederschläge weiter ostwärts voran und gehen in den frostigen Regionen in gefrierenden Regen über. Zunächst kann gebietsweise die Schneephase auftreten und auch die aufgrund eines kräftigen Südwestwinds schnell nach Nordosten vorankommende milde Luft sollte die Glatteislage etwas abmildern. Dennoch sollte man Vorsicht walten lassen und seine Fahrweise den örtlichen Bedingungen entsprechend anpassen.

Am Wochenende sind frostige Nächte kein Thema mehr und auch die Höchsttemperaturen haben etwas Vorfrühlingshaftes an sich. Am Samstag liegen diese bei meist 5 bis 10 Grad, im Westen und Südwesten auch bis 13 Grad. Am Sonntag werden verbreitet Werte über der 10-Grad-Marke erreicht, am Oberrhein sind bis zu 16 Grad möglich, nur im Nordosten verbleiben sie noch bei 7 bis 9 Grad. Die Sonne sucht man aber meist vergeblich am Himmel und es regnet verbreitet, zeitweise mitunter kräftig. Dazu weht ein strammer Südwest- bis Westwind und verleiht dem Ganzen einen alles andere als vorfrühlingshaften Charakter.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Winter-versus-Vorfruehling-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-19 20:44:112026-02-25 21:27:46Winter versus Vorfrühling

La malkovro de la ĵetfluo, oder die Entdeckung des Jetstreams

18. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den letzten Tagen wurden vom Deutschen Wetterdienst wieder vermehrt Windwarnungen herausgegeben, so zum Beispiel am gestrigen Dienstag für fast gesamt Baden-Württemberg, vor Windböen mit Windgeschwindigkeiten um 55 km/h (15 m/s, 30 kn, Bft 7). Zeitgleich wurde im Hochschwarzwald oberhalb von 1000 Metern vor Sturmböen zwischen 70 km/h (20 m/s, 38 kn, Bft 8) und 85 km/h (24 m/s, 47 kn, Bft 9), in exponierten Lagen wurde sogar vor schweren Sturmböen um 100 km/h (28 m/s, 55 kn, Bft 10) gewarnt. Der Wind nimmt hier also mit der Höhe zu, was in der atmosphärischen Grenzschicht (den ersten mehreren hundert Metern über dem Boden) in erster Linie an der Reibung liegt, sprich der Oberflächenrauigkeit liegt. Für die gestrige „gelbe“ Windwarnung bis in die Niederungen wurde zusätzlich gewarnt vor höheren Windgeschwindigkeiten um 70 km/h in Schauernähe, auch das ist mitunter ein Symptom der Windzunahme mit der Höhe, da in den Schauern durch Abwinde Impuls aus größeren Höhen nach unten gemischt werden kann.

Abbildung 1 zeigt eine Modellvorhersage für die Windgeschwindigkeit über Deutschland für gestern um 18:00 UTC, zur Zeit der laufenden Windwarnungen, auf vier Druckhöhen. Auf 925 und 850 hPa ist die Zirkulation der sich von der Nordsee bis nach Nordpolen reichenden Tiefdruckrinne erkennbar, außerdem die Windzunahme mit der Höhe rückseitig der Zirkulation, auf 850 hPa (in 1,5 km Höhe, zum Vergleich, der Feldberg ist 1,27 km hoch) beträgt der Mittelwind laut Modell bereits um 40 Knoten. Weitere 4 km höher, bei 500 hPa, weist der Mittelwind bereits Geschwindigkeiten um 60 Knoten auf, die hochreichende Zirkulation über Nordpolen ist ebenfalls noch sichtbar. Auf 300 hPa (etwa 10 km) ergibt sich ein anderes Bild, die farblich unterlegte Abschätzung für die Windböen zeigt ein klar definiertes Band maximaler Geschwindigkeiten. Der Mittelwind darin beträgt um die 100 Knoten, was 185 km/h entspricht.

Horizontale Wind-Verteilung am gestrigen Dienstag um 18:00 Uhr UTC über Deutschland, auf den Druckhöhen 925, 850, 500, und 300 hPa. Windböen sind farblich unterlegt, die Windfiedern zeigen den Mittelwind. Die Grafiken basieren auf Modellvorhersagen des deutschen ICON6 Modells.

Wenngleich die Winde auf 300 hPa in Abbildung 1 deutlich hervorstechen, sind 185 km/h noch am unteren Ende der Windgeschwindigkeiten, die insbesondere im Winter im Jetstream möglich sind. Ganz grundlegend bilden sich diese Strahlströme (der Begriff wurde 1939 von dem deutschen Meteorologen Heinrich Seilkopf geprägt) als globale/hemisphärische Ausgleichsbewegungen aufgrund der zu den Polen hin abnehmenden solaren Einstrahlung. Der Jetstream entsteht dann mitunter im Bereich der Polarfront, einer Region maximaler Temperaturunterschiede auf engstem Raum… (auf eine weitere Unterscheidung zwischen Polarfront-Jet und Subtropen-Jet wird hier bewusst verzichtet, der Fokus liegt schließlich auf dem historischen Kontext). Es stellt sich in sehr guter Näherung ein Gleichgewicht zwischen der aus dem Temperaturgradienten resultierenden Druckgradientkraft und der Erdrotations-bedingten Corioliskraft ein – der sogenannte geostrophische Wind.

Über Deutschland war der Jetstream gestern von Nordwest nach Südost ausgerichtet. Im Vergleich zu diesem mäandrierenden Jetstream zeigt Abbildung 2 quasi dessen zonal von West nach Ost gerichteten Grundzustand, hier auf 200 hPa und aus dem europäischen IFS Modell, ebenfalls gestern um 18:00 UTC, über Japan.

Windgeschwindigkeit auf 200 hPa (etwa 12 km) am gestrigen Dienstag um 18:00 Uhr UTC über Ostasien und dem Nordwestpazifik. Die Konturlinien zeigen zusätzlich das Druckfeld auf Meeresniveau. Die Grafik basiert auf einer Vorhersage des europäischen IFS Modells

Warum über Japan? Um den Bogen zur ersten nachgewiesenen wissenschaftlichen Beschreibung des Jetstreams zu schließen. Diese geht auf Wasaburo Oishi zurück geht, seines Zeichens Meteorologe, sowie von 1930 bis 1945 zweiter Vorsitzender des japanischen Esperanto Instituts. Oishi gründete 1920 das Tateno Observatorium in der Stadt Tsukuba, etwa 60 km nordöstlich von Tokio, und beschäftigte sich mit der vertikalen Struktur der Atmosphäre. Die Messmethode seiner Wahl waren dabei sogenannte Pilotballons, unbemannte mit Gas gefüllte Ballons, welche bei ihrem Aufstieg rein optisch vom Erdboden mit einem Theodolit (effektiv ein Fernrohr an einem Winkelmessinstrument) verfolgt werden, um dann aus trigonometrischer Umrechnung Rückschlüsse auf die Zugbahn und Windgeschwindigkeiten zu ziehen. Oishi wertete fast 1300 Pilotballon-Aufstiege aus einem Messzeitraum von 1923 und 1925 aus, und obgleich die Messmethode erheblichen Messfehlern unterliegt, beobachtete er in Höhen um 10 km im Winter Winde mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 m/s (252 km/h), von West nach Ost – den Jetstream.

Wasaburo Oishi kommunizierte diese Forschungsergebnisse durch wissenschaftliche Veröffentlichungen auf Esperanto – jener Plansprache, welche 1887 von dem polnischen Linguisten Ludwik Lejzer Zamenhof als internationale Hilfssprache entwickelt wurde – wohl auch in der Hoffnung damit ein größeres internationales Publikum zu erreichen. Ob diese Wahl aufgrund der sehr geringen Verbreitung von Esperanto in der Wissenschaft eher den gegenteiligen Effekt hatte, ist nicht sicher. Sicher ist allerdings, dass Oishis Forschungsergebnisse international weitestgehend ignoriert wurden. Die Existenz des Jetstream wurde erst – über einige Zwischenschritte – viele Jahre später generell anerkannt, mitunter als mit dem Aufstieg der Luftfahrt (pun intended) sowohl anekdotisches Pilotenwissen als auch die damit einhergehende Motivation zur weiteren Erforschung beitrugen.

Abschließend sei erwähnt, dass Wasaburo Oishi im Frühjahr 1911 bei einem Auslandsbesuch Expertise am damals bereits anerkannten Meteorologischen Richard-Aßmann-Observatorium Lindenberg sammelte, an dem bis heute die Vertikalstruktur der Atmosphäre in der sogenannten „Lindenberger Säule“ mit einer Vielzahl von in-situ und Fernerkundungsverfahren vermessen wird.

Radiosondenaufstieg heute 12:00 Uhr UTC über Lindenberg. Die gestrichelte schwarze Linie zeigt den Taupunkt, die angrenzende durchgezogene Linie die Temperatur, die Windfiedern die Windgeschwindigkeit und -richtung, und das Profil rechts noch einmal die Windgeschwindigkeit als Diagramm. Das Windmaximum in der oberen Troposphäre ist in blau markiert, die Tropopause in rot.

Diplom Meteorologe Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/La-malkovro-de-la-jetfluo-oder-die-Entdeckung-des-Jetstreams-1.png 957 1063 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-02-18 20:17:072026-02-25 21:28:26La malkovro de la ĵetfluo, oder die Entdeckung des Jetstreams
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