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Rückblick und Warnmanagement

13. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Letzte Woche wirbelte Sturmtief ELLI und zum Start in diese Woche Tief GUNDA in der Wetterküche über Mitteleuropa. Die zwei Tiefdruckgebiete sorgten dafür, dass sich die Wetterlage äußerst komplex und warnintensiv präsentierte. Von Schnee über Schneeverwehungen, Sturm und gefrierenden Regen bis zu Dauerfrost und strengen Nachtfrösten war alles dabei. Ein Rückblick auf das Sturmtief ELLI findet sich im Thema des Tages vom 10.01.2026.

Auf die Glatteislage die vom gestrigen Montag bis zum heutigen Dienstagvormittag für teils erhebliche Behinderungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben geführt hat, wird im Folgenden eingegangen.

Zunächst erreichte im Laufe der Nacht zum Montag die Warmfront des Tiefs GUNDA unter langsamer Okkludierung den Westen des Landes. In der Folge verlagerte sich die Front zögerlich ostwärts.

Analysekarte für Europa mit Lage der Druckgebilde und Isobaren sowie Stationsdaten am Montagmittag, den 12.01.2026 um 12 UTC

Dadurch, dass in 900 hPa (etwa 1000 m ü. NN) sehr milde Luft einfloss, dominierte zunächst die flüssige Niederschlagsphase. Mit jedem Kilometer ostwärts wurde der Warmlufteinschub geringer und die Niederschläge fielen zumindest anfangs als Schnee, wodurch eine wenige Zentimeter dicke Schneeschicht die Glatteislage etwas entschärfte. Dennoch musste man davon ausgehen, dass es in der Westhälfte zum morgendlichen Montagsberufsverkehr durch gefrierenden Regen mit Glatteisbildung zu erheblichen Behinderungen kommt. In der Nacht zum Dienstag arbeitete sich die milde Luft langsam ostwärts voran. Der Südostwind hielt im Osten und Südosten teils lange an und sorgte bodennah bis weit in den Dienstag hinein für eine beständige Kaltluftzufuhr und eine fortwährende Glatteislage.

Verbreitet wurden zeitlich und räumlich gestaffelt Unwetterwarnungen vor gefrierenden Regen herausgegeben, auch aufgrund dessen, dass die Modellwelt hinsichtlich Ausprägung, Intensität und Phase der Niederschläge sich sehr einheitlich präsentierte. Auch die Vorgeschichte mit Dauerfrost und oftmals tiefgefrorenen Böden lieferte deutliche Hinweise auf eine brisante Wetterlage.

Letztendlich kam es verursacht durch die glatten Bedingungen zu zahlreichen Unfällen und Sperrungen von einigen Autobahnen, zu einem entgleisten Regionalzug, zu annullierten Flügen, Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und einer extremen Belastung der Krankenhäuser durch sturzbedingte Verletzungen.

Trotz der aufgeführten Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr sowie übereinstimmenden Berichten von Kolleg/Innen, Familie, Freunden usw. und zahlreicher Crowdsourcing-Meldungen zu spiegelglatten Straßen und Wegen wurde teilweise erhebliche Kritik am Warnmanagement des DWD geäußert.

Crowdsourcing-Meldungen von Montag den 12.01.2026, 03 Uhr MEZ bis Dienstag, den 13.01.2026, 10 Uhr MEZ

Zur Kritik am Warnmanagement sowohl bei der Schneelage letzte Woche als auch bei der Glatteislage zu Beginn dieser Woche soll nun Stellung genommen werden.

Die Ausgabe der Warnungen erfolgt beim DWD immer nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Stand umfangreicher Daten. Die Wahrscheinlichkeiten relevanter Parameter aller vorliegenden Modellberechnungen waren durchweg sehr hoch und führten zur Ausgabe der entsprechenden Warnungen. Leider lässt sich nicht vermeiden, dass es Bereiche gibt, in denen die Wetterentwicklung später von den Berechnungen abweicht. Die Diskrepanz zwischen der teils dramatischen Kommunikation im Vorfeld der Ereignisse und den tatsächlichen Wetterlagen war auch eine Folge von übertriebener Berichterstattung, die nicht von Seiten des DWD stattfand. Der DWD legt Wert auf eine transparente und sachliche Kommunikation mit klareren Darstellungen von Unsicherheiten und regionalen Unterschieden, um das Vertrauen in Wetterwarnungen langfristig zu erhalten. Beispiele sind die Unwetterclips, die in der WarnWetter-App, auf der Homepage und auf YouTube verbreitet werden. Dabei wird nicht auf Bundeslandgrenzen geachtet, sondern die Warnungen erfolgen in der Regel auf Ebene der Gemeinden und kreisfreien Städte.

Die Ausgabe der Warnungen wird mehrmals täglich zwischen den 6 Außenstellen und der Vorhersage- und Beratungszentrale abgestimmt. Wir können in der Regel sehr gut vorhersagen wie sich das Wetter entwickelt. Die Warnkriterien des DWD sind allerdings allein abhängig von meteorologischen Schwellenwerten. Die von vielen anderen Faktoren abhängigen Auswirkungen können wir nur abschätzen. Wetter- und Unwetterwarnungen führen insbesondere bei winterlichen Ereignissen oft dazu, dass präventiv gehandelt wird. Das bezieht sich beispielsweise sowohl auf Bürgerinnen und Bürger, die ihre Gehwege räumen, die Bahn die mit Weitsicht handelt und auf etwaige Probleme im Schienenverkehr hinweist als auch auf die Winterdienste die mit hervorragender Arbeit dafür sorgen, dass Straßen geräumt und öffentliche Plätze und Wege gestreut werden. Mit diesen Vorsorgemaßnahmen können also erfolgreich glatte Straßen und größere Schäden zumindest teilweise verhindert werden.

In Bezug auf die vergangene Glatteislage lässt sich konstatieren, dass die Unwetterwarnungen in den meisten Regionen berechtigt waren. Allerdings kam es in orografisch gegliedertem Gelände zu großen Unterschieden. Während in manchen Regionen, wie z.B. im Rhein-Main-Gebiet, die Kaltluft schnell ausgeräumt wurde, hat sie sich in den Mittelgebirgen mitunter sehr zäh gehalten. Dies in einem Warnkonzept abzubilden ist kaum möglich, wodurch manche Regionen am Ende sicherlich überwarnt waren, aber auch darauf wurde beispielsweise in den Unwetterclips hingewiesen. Insbesondere im Südwesten fand allerdings in einigen Regionen eine Überwarnung statt, was der Gegebenheit geschuldet war, dass die Niederschläge länger als prognostiziert als Schnee fielen und nach kurzer Pause mit dem einsetzenden Regen die Belagstemperaturen schon im positiven Bereich lagen.

Selbstverständlich schauen wir auch intern stetig nach Verbesserungsmöglichkeiten. Dafür wird die Qualität der Vorhersage ständig überwacht und viel Zeit in die Evaluierung und Weiterentwicklung der Modelle investiert sowie das Personal geschult und Arbeitsabläufe optimiert.

Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 13.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Rueckblick-und-Warnmanagement-.png 803 1074 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-13 16:44:412026-01-15 16:50:56Rückblick und Warnmanagement

Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

12. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wetterbestimmend ist aktuell der Ausläufer eines Tiefs namens Gunda, das sich mit seinem Zentrum nördlich von Schottland befindet. Die dazugehörenden Niederschläge kamen seit der Nacht zum Montag von Westen auf und breiten sich langsam ostwärts auf. Dabei fiel und fällt weiterhin auf der kalten (östlichen) Seite zunächst etwas Schnee, der dann zunehmend in gefrierenden Regen und bei durchgreifender Milderung von Westen auch in Regen übergeht.

Aufgrund der kalten bis sehr kalten Vorgeschichte mit Dauerfrost und teils strengem Nachtfrost gefriert dieser Regen am kalten, gefrorenen Boden und Gegenständen und kann somit recht verbreitet zu Glatteis mit entsprechender Beeinträchtigung im Straßen- und Schienenverkehr führen. Der Schwerpunkt der Glatteissituation verlagert sich zunehmend in die östlichen Landesteile, dort herrscht auch am heutigen Montag noch verbreitet Dauerfrost. Zunächst schneit es dort auch noch. Im Südosten erfolgt der Übergang zu gefrierendem Regen am Nachmittag, im Nordosten erst zum Abend bzw. im Laufe der Nacht zum Dienstag. Ganz im Nordosten Richtung Oder/Oderhaff eventuell auch erst Dienstagfrüh. Besonders im Nordosten im Bereich des Elbtals und auch im Südosten Bayerns (etwa im Bereich Donau-/Inntal) kann sich aufgrund bodennah dominierender Südostwinde die Frostluft recht hartnäckig halten, das Glatteisrisiko hält sich daher bis in den Dienstagvormittag.

Wetterentwicklung nach Wettermodell ICON-D2 Montagabend (12.01., 18 UTC) bis Dienstagfrüh (13.01.,06 UTC) mit Kennzeichnung der Niederschlagsphase (blau=Schnee, grün=Regen, rot=gefrierender Regen), Ostverlagerung des Glatteisschwerpunktes (Quelle:DWD)

Auch in einigen stark gegliederten Region in den mittleren Landesteilen kann die mildere Luft nur zögerlich durchgreifen, so dass auch dort gebietsweise bis in den Montagabend mit teils Glatteisbildung gerechnet werden muss.

In den westlichen Landesteilen hat sich die Milderung bereits weitgehend durchgesetzt, die Temperaturen liegen teils bereits bei 5 bis 7 Grad, in Bergland meist bei 1 bis 3 Grad. Dort hat sich die Situation also bereits entspannt.

Im weiteren Wochenverlauf bleibt es leicht wechselhaft mit gelegentlichem Regen. Gebietsweiser tritt zwar Nachtfrost auf und lokal ist Glätte nicht ganz ausgeschlossen, insgesamt herrscht aber ein mildes Temperaturniveau.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Wie-geht-es-weiter-mit-dem-Glatteis-.png 533 1083 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-12 15:56:532026-01-13 16:04:00Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

Überregionale Glatteislage – Winterabschied mit der Brechstange

11. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vor allem der heutige Sonntagmorgen verlief so gut wie überall frostig und war teilweise sogar bitterkalt, denn beispielsweise in der Lüneburger Heide konnten Tiefstwerte von rund -19 Grad gemessen werden. Auch sonst war es in einem breiten Streifen vom Nordwesten in den Südosten meist kälter als -10 Grad, und dieser (strenge) Frost wird in den kommenden beiden Tagen „zum Problem“.

Erneut steht in einigen Teilen Deutschlands eine Nacht mit strengem Frost bevor, wie die prognostizierten Minimumtemperaturen zeigen. Vor allem in der Altmark sind Tiefstwerte von unter -15 Grad wahrscheinlich.


Das liegt daran, dass das sich nördlich von den Britischen Inseln befindliche Tief GUNDA in der Nacht und am Morgen des morgigen Montags ein Frontensystem nach Deutschland sendet, womit es zu Niederschlägen kommt. Dies ist zwar erstmal nichts Besonderes, aber die Konfiguration ist dieses Mal eine andere. In der Höhe kommt mit dieser Front nämlich deutlich mildere Luft nach Deutschland, sodass die Niederschläge zwar anfangs als Schnee fallen, dann aber immer mehr in Regen übergehen.

Dieser Regen fällt nun in die Frostluft und trifft auf durch den vergangenen Frost tief gefrorene Böden. Damit gefriert der Regen wieder, was einen starken Eisansatz zur Folge haben kann und teils auch haben wird. Es ist mit Einschränkungen auf Straßen, Wegen und der Schiene zu rechnen!

Die vom Wettermodell ICON-D2 prognostizierten Niederschläge verdeutlichen, wie beim Niederschlag aus Schnee (blaue Fläche) rasch der gefrierende Regen (rote Fläche) wird. Diese Zone verlagert sich von West nach Ost/Südost.

Blickt man auf die Prognose des deutschen Icon-D2-Wettermodells so wird ersichtlich, dass bereits in der zweiten Nachthälfte größere Teile von Nordrhein-Westfalen sowie von Rheinland-Pfalz und dem Saarland betroffen sind. In den folgenden Stunden verlagert sich die Front weiter gen Osten, dabei wird die Schneephase aber zunächst ein wenig ergiebiger, sprich langanhaltender. Dabei können in den zentralen Mittelgebirgen durchaus nochmal ein paar Zentimeter Schnee fallen.

Aber auch dort, genauso wie im Süden, geht der Schneefall im Tagesverlauf in gefrierenden Regen über und wird mit einer weiteren Welle von Südwesten sogar nochmal verstärkt. Dies gilt vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden in einem Streifen von Nordhessen über Thüringen bis Niederbayern. Hier könnte es über Stunden hinweg bei Minusgraden regnen, was einen massiven Eisansatz zur Folge haben kann.

Abends und nachts erreicht die Front dann auch den Osten und bringt dort ebenfalls zunächst Schnee, im Verlauf gefrierenden Regen. Vor allem in Niederbayern halten sich die bodennahe Kaltluft und der darüber ziehende Niederschlag lange, sodass dieses Gebiet nach aktuellem Stand besonders im Fokus liegt.

Mit dem Dienstag ist die Unwetterlage aber noch immer nicht ganz vorbei. Zwar schwächen sich die Niederschläge etwas ab, aber auch im äußersten Osten kommen diese an und treffen dort auf die Frostluft. Erst im weiteren Tagesverlauf entspannt sich dort, wie auch in Südostbayern, die Lage.

Damit endet eine durchaus spannende und wechselvolle winterliche Episode – bis auf Weiteres.

M.Sc. Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Ueberregionale-Glatteislage-Winterabschied-mit-der-Brechstange-.png 925 748 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-11 15:45:262026-01-13 15:56:16Überregionale Glatteislage – Winterabschied mit der Brechstange

Rückblick auf Sturmtief ELLI

10. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am Donnerstagabend schob sich die Warmfront von Tief ELLI von Südwesten über Deutschland hinweg nordostwärts. Auf ihrem Weg brachte sie vor allem in den mittleren Landesteilen gebietsweise 10 cm Neuschnee in wenigen Stunden. Den Nordosten Deutschland erreichte die Warmfront nicht. Das Hoch BRONCO als Gegenspieler über Skandinavien blockierte den Weg. Von der Nordsee bis nach Sachsen kam der Vormarsch der Niederschläge zum Erliegen und es schneite in diesem Streifen für längere Zeit und zum Teil mäßig.

Radarfilm vom 08.01.2026 08 Uhr bis 10.01.2026 10 Uhr, zusätzlich Böen der letzten Stunde in 10 Meter Höhe. Blau: Schnee, Grün: Regen, Rot: Gefrierender Regen (Quelle:DWD)

BRONCO und ELLI führten gegensätzliche Luftmassen nach Deutschland. Nördlich des Tiefs frischte der Ostwind stark bis stürmisch auf. An Nord- und Ostsee gab es teils schwere Sturmböen, auf Helgoland orkanartige Böen bis 108 km/h. Im Binnenland war der Wind zwar nicht ganz so stark, dennoch reichten Wind- bzw. stürmische Böen zwischen 50 und 70 km/h für teils starke Schneeverwehungen. Verweht wurde dabei nicht nur der frisch gefallene Schnee, sondern auch „Altschnee“, der aus Schneefällen der Vortage bereits lag. An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste führte der anhaltend stürmische Ostwind zu einer Sturmflut. Vielerorts wurden dort in der Nacht zum Samstag Wasserstände von 110 bis 135 cm über Normalhöhennull gemessen.

Markant waren auch die großen Temperaturgegensätze, die zwischen dem Osten und Südwesten Deutschlands herrschten. Zeitweise gab es zwischen dem Oberrhein und der Oder eine Differenz von zwanzig Grad (Oberrhein etwa 10 Grad, an der Oder etwa -10 Grad). Am heutigen Samstag sind die Temperaturunterschiede nicht mehr ganz so groß, dennoch sind sie noch bemerkenswert. Samstagfrüh wurden in Coschen in Brandenburg -12 Grad und in den tiefen Lagen von Rheinland-Pfalz um +2 Grad gemessen.

Animation der 2m-Temperatur vom 08.01.2026 08 Uhr bis 10.01.2026 10 Uhr (Quelle:DWD)

Stand Samstagfrüh liegt abseits der Mittelgebirgslagen vor allem in Nordfriesland und in einem Streifen von der Nordsee über die Nordosthälfte Niedersachsens bis ins zentrale Sachsen-Anhalt eine dicke Schneedecke mit einer Mächtigkeit von 10 bis 20, örtlich um 30 cm. Durch Verwehungen können lokal deutlich größere Schneehöhen erreicht werden. Im Südwesten ist dagegen durch die milde Luft der Schnee, sofern überhaupt welcher lag, getaut. Heut und in der Nacht zum Sonntag reicht es auch im Süden gebietsweise für eine dünne Neuschneedecke. Deutlich mehr Schnee fällt an den Alpen und im Schwarzwald.

Schneehöhen in cm am 10.01.2026 um 07 Uhr (Quelle:DWD)

In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag setzt sich vorübergehend Hochdruckeinfluss durch. Auflockerungen, schwache Winde und die vorhandene Schneedecke sind günstige Voraussetzungen für tiefe Temperaturen. Im Norden und der Mitte Deutschlands wird die Temperatur verbreitet in den strengen Frostbereich sinken. Sonntagfrüh werden häufig -10 bis -15 Grad, örtlich auch noch etwas tiefere Werte erwartet. In der Nacht zum Montag verlagert sich der nächtliche Kälteschwerpunkt in die Osthälfte Deutschlands. Dort werden dann ebenfalls verbreitet -10 bis -15 Grad und örtlich niedrigere Minima erwartet.

Im Westen wird es nicht mehr ganz so kalt, auffrischender Wind und aufziehende Bewölkung sind der Grund. Eine Warmfront bringt im Westen im Laufe der Nacht Niederschläge, die teils von Anfang als Regen fallen, teils gibt es zu Beginn eine kurze Schneephase. So oder so bahnt sich in Kombination mit den gefrorenen Böden, siehe kalte Nächte, eine brisante Glatteislage für große Teile Deutschlands ab der Nacht zum Montag an!

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Rueckblick-auf-Sturmtief-ELLI-.gif 924 789 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-10 15:34:022026-01-13 15:44:55Rückblick auf Sturmtief ELLI

Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

9. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Es tauchen in einem Wetterbericht immer wieder die Begriffe Bergland, Flachland, mittlere Lagen, Tiefland, höheres Bergland usw. auf. Im Folgenden versuchen wir etwas Licht ins Dunkel zu bringen, welche Höhenlage denn nun welcher Bezeichnung entspricht. Allerdings muss vorweggenommen werden, dass es beim DWD keine festgeschriebene Definition der verwendeten Begrifflichkeiten gibt.
Grundlegend muss festgehalten werden, dass die Definitionen innerhalb Deutschlands variieren. Prinzipiell wird der Begriff Bergland im nördlichen Teil Deutschlands teilweise schon für flache Mittelgebirgslagen angewendet, während im Süden des Landes deutlich höher gelegene Regionen als Bergland bezeichnet werden.

Nehmen wir beispielsweise das höhere Bergland oder die höheren Lagen als Basis. Im Norden Deutschlands spricht man ab etwa 500-700 m vom höheren Bergland, in der Mitte ab 600-800 m und im Süden ab 700-1000 m. Die mittleren Lagen sind etwas tiefer anzusetzen und entsprechen im Norden der Höhenstufe zwischen 200 und 500 m, in der Mitte zwischen 300 und 600 m und im Süden zwischen 400 und 700 m. In Lagen unterhalb der angesprochenen Höhenniveaus wird vom Flachland oder tiefen Lagen gesprochen. Gelegentlich liest man vor allem in Bayern auch mal höheres Flachland. Damit ist dort meist die Höhenstufe um 400 m gemeint. Im folgenden Bild sind die Gebietsbezeichnungen in Deutschland sowie die einzelnen Mittelgebirge aufgeführt.

Geografie Deutschlands mit Gebietsbezeichnungen und Mittelgebirgszügen (Quelle:https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7f/Deutschland_Landschaften.png )

Im Warnsystem des DWD wird vom Meeresniveau bis auf 1000 m auf Höhenstufen in 200 m Schritten zurückgegriffen. Danach folgt noch die Höhenstufe 1500 m und 2000 m. Diese Abgrenzung bietet sich insbesondere für Wind- und Schneefallwarnungen an. Besonders bei Schneefall gelten aber oberhalb 800 m andere Kriterien als unterhalb 800 m. Beispielsweise müssen für das Erreichen der Unwetterschwelle in Lagen oberhalb 800 m 20 bis 30 cm Schnee in sechs Stunden fallen, während in tiefer gelegenen Lagen dafür 10 bis 20 cm ausreichen. Die einzelnen Warnkriterien finden Sie unter: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html.

Am heutigen Freitag gestaltet sich die Warnlage äußerst komplex und auch hier spielen die Höhenstufen beispielsweise in Bezug auf den Wind oder den Schneefall eine wichtige Rolle. Aktuelle Warnungen finden sich unter: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node.html. Besonders in den Staulagen des Berglandes (also der windzugewandten Seite) gibt es bei in der Mitte und später im Süden wieder absinkender Schneefallgrenze teils starke Schneefälle. Außerdem schneit es in einem Streifen vom Emsland bis in die Lausitz am Freitagnachmittag gebietsweise noch kräftig. Zu einer vorübergehenden Beruhigung der Wetterlage kommt es von Norden her im Laufe des Samstags, allerdings dann mit bitterkalten Nächten.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.01.2026

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Bergland-oder-Tiefland-Wozu-gehoere-ich--scaled.png 2560 2004 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-09 15:27:302026-01-13 15:33:22Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

Die Außenkugel

8. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Unsere Atmosphäre… eine Gasschicht, die unsere Erde vom Weltraum trennt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass sie einen speziellen vertikalen Aufbau besitzt. Im Thema des Tages vom 17.10.2025 wurde schon ein kurzer Überblick über die atmosphärischen Schichten gegeben. Dem Aufbau der Atmosphäre folgend, ist nun nach Betrachtung der Tropo-, Strato- und Meso- und Thermosphäre in einzelnen Themen des Tages als letzte die Exosphäre an der Reihe.

Die Exosphäre befindet sich oberhalb der Thermopause und stellt die äußerste Schicht der Atmosphäre dar. Der Name leitet sich dementsprechend von den griechischen Worten „exo“ – außen/außerhalb und „sphaira“ – Kugel ab. Die Grenzen dieser Schicht sind nicht ganz klar definiert. Allgemein schließt sie an den Oberrand der Thermosphäre bzw. Thermopause in einer Höhe von etwa 600 km an. Für den fließenden Übergang zum Weltall hin, gibt es sehr unterschiedliche Höhenangaben. Dabei wird eine Spanne von 10.000 km bis zu 630.000 km angegeben. Um diese riesigen Zahlen einordnen zu können eine kleine Randnotiz: Unser Mond befindet sich etwa in einem Abstand von etwa 385.000 km zu der Erdoberfläche. Das bedeutet folglich, dass in manch einer Exosphärendarstellung der Mond weit innerhalb unserer Atmosphäre liegt.

Durch die unmittelbar eintreffende energiereiche Sonneneinstrahlung, liegt die vorherrschende Temperatur oft über 1000 °C, kann aber auch deutlich darunter liegen. Der Grund für diese große Spanne liegt darin, dass die Sonnenaktivität ähnlich wie in der Thermosphäre einen enormen Einfluss hat. Dadurch, dass die Luft noch dünner als in der darunter liegenden Schicht ist, kann hier natürlich ebenso wenig der uns geläufige Temperaturbegriff angewandt werden. Die Temperatur bezieht sich demnach nur auf die mittlere Bewegungsenergie der (wenigen) Teilchen. Gefühlt ist es dort oben eiskalt und nicht heiß.

Die geringe Anzahl an Teilchen hat einen weiteren Effekt. Zusammenstöße von zwei Teilchen sind sehr unwahrscheinlich und dadurch auch ihre Bremswirkung. Leichte Teilchen mit ausreichend großer Geschwindigkeit (Überschreiten der Fluchtgeschwindigkeit) können das Gravitationsfeld der Erde in den Weltraum verlassen. Dieser atmosphärische Verlust wird auch als „Jeans Escape“ (Jeans-Verlust) bezeichnet. Zusammen mit anderen Arten des Masseverlusts verliert die Atmosphäre pro Sekunde etwa 3 kg Wasserstoff. Schwerere Teilchen sind davon weit weniger betroffen und können durch die Gravitation gehalten werden.

Nun ist es soweit, mit der Exosphäre haben wir den Rundgang durch den Aufbau unserer Atmosphäre abgeschlossen. Unser Wetter spielt sich in der untersten Schicht ab, darüber werden wir durch Ozon vor gefährlicher Sonnenstrahlung geschützt. In der Mesosphäre finden sich leuchtende Nachtwolken und in der Thermosphäre spektakuläre Polarlichter. Die Exosphäre reicht bis in gewaltige Höhen und markiert den fließenden Übergang zum Weltall. Gleichzeitig ermöglicht dieses Meisterwerk verschiedener miteinander interagierender Schichten erst unser aller Leben und ist das nicht einfach unglaublich faszinierend?

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-08 15:22:252026-01-13 15:27:10Die Außenkugel

Vollkorn oder Graupel?

7. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den Wetterberichten der ersten Woche des neuen Jahres wurde wiederholt auf teils gewittrige Graupelschauer hingewiesen. Etymologisch von Graupen, also geschälten Gersten- und Weizenkörnern abgeleitet, versteht man unter Graupel festen, eiskornartigen Niederschlag welcher – im Gegensatz zum eng verwandten Hagel – in unseren Breiten vorwiegend im kühleren Halbjahr auftritt. Er entsteht, wenn Schnee- oder Eiskristalle im Aufwind von konvektiven Wolken unterkühlte Wassertröpfchen einsammeln. Die sehr viel kleineren Wassertröpfchen, die trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch flüssig sind (ein Thema des Tages für sich), frieren an den Schneekristallen fest. Dabei bilden sie zunehmend rundliche undurchsichtige Körner von schneeähnlicher Beschaffenheit, aber deutlich anderem Erscheinungsbild (Thema des Tages vom 18.12.2025)

Typisches Erscheinungsbild von Graupel

Ein wesentlicher Unterschied zum Hagel ist die Größe. Graupel wird gemeinhin zwischen 2 und 5 mm Durchmesser definiert, während Hagel bekanntermaßen deutlich größer werden kann (Thema des Tages vom 30.10.2024). Dieser Unterschied resultiert aus der Stärke der Aufwinde in den Wolken. Die stärkeren Aufwinde in Sommergewittern hängen in erster Linie mit der stärkeren Erwärmung sowie mit dem höheren Wassergehalt in der wärmeren Luft zusammen, was in den kälteren Monaten nicht gegeben ist. Bei einer labilen Schichtung und der Ausbildung von konvektiven Schauerwolken wie in der vergangenen Woche – in höheren Schichten der Troposphäre um 5 km wurde aus dem Norden Luft mit Temperaturen unter -40°C über Norddeutschland transportiert – reichten die Aufwinde somit nur zur Bildung von besagtem kleinkörnigem Graupel aus.

Temperatur auf 500 hPa (ca. 5.5 km Höhe) für Sonntag den 04.01.2026 12 Uhr (Quelle: ECMWF)

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Vollkorn-oder-Graupel-.jpg 1500 2000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-07 16:32:052026-01-12 16:41:31Vollkorn oder Graupel?

Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

6. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Winterwetter hat uns zwar weiter fest im Griff, zeigt sich am heutigen Dienstag aber zumeist von seiner ruhigen Seite. Grund dafür ist Azorenhoch ANDREAS, das seine Fühler vorübergehend bis nach Deutschland ausstreckt. Während es in weiten Teilen des Landes in der Folge nur noch hier und da für etwas Geflöckel reicht, bringen die Ausläufer von Tief CONSTANZE mit Sitz bei Schottland dem Nordseeumfeld neue Schneeschauer. Letztere machen sich am morgigen Mittwoch auch im Nordwesten und Westen mit Schneefall bemerkbar, der sich in der Nacht zum Donnerstag in abgeschwächter Form auf weite Teile des Landes ausbreitet.

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Donnerstag, 08.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Richtig spannend wird es aber ab Donnerstag. Über dem Atlantik formiert sich Tief ELLI, das rasch ostwärts vorankommt und sich dabei zu einem Sturmtief verstärkt. Während es sich Donnerstagfrüh noch westlich von Irland befindet, soll es Freitagfrüh bereits irgendwo im Raum Niederlande, Ärmelkanal, Südostengland liegen und im Laufe des Freitags langsam nach Deutschland ziehen.

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Freitag, 09.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Damit verbunden sind zunächst einmal teils kräftige Niederschläge, die im Laufe des Donnerstags auf den Südwesten und Westen übergreifen und zunächst als Schnee fallen. Da ELLI aber auch deutlich mildere Atlantikluft aus Südwesten ins Land strömen lässt, gehen die Niederschläge recht rasch in Regen über. Im Übergangsbereich kann es dabei vorübergehend zur Bildung von Glatteis kommen! In der Nacht zum Freitag kommen die Niederschläge weiter ost-/ nordostwärts voran und erreichen im Laufe des Freitags auch den äußersten Osten und Südosten. Auch dabei gilt zumeist: Erst Schnee, dann teils gefrierender Regen. Eine Ausnahme könnte der Norden oder zumindest Teile davon bilden, wo man sich nämlich (nach aktuellem Stand) nördlich des Tiefkerns und damit auf der kalten Seite befindet. Dort könnte es zum Teil auch durchweg schneien.

Niederschlagsphase und -stärke für Freitag, 09.01.2026, 07:00 Uhr (ICON).

Kommen wir zum Wind. ELLI weist gleich zwei Sturmfelder auf. Eins ist auf der Südseite des Tiefs zu finden und reicht etwa von Frankreich und Benelux bis in den Westen und Südwesten Deutschlands hinein. Dabei kann es bis in tiefe Lagen zu stürmischen und einzelnen Sturmböen kommen, auf den Bergen droht schwerer Sturm. Das andere befindet sich auf der Nordflanke von Elli, wo von der Ostsee bis zur Nordsee Böen bis Sturmstärke aus Ost auftreten können. Dazwischen gibt es einen schmalen Korridor, in dem der Wind nur recht schwach weht.

Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (ICON).

Entscheidend ist natürlich die genaue Zugbahn von ELLI und die ist derzeit noch alles andere als in Stein gemeißelt. Davon sowie vom Kerndruck des Sturmtiefs hängt die Windentwicklung maßgeblich ab. Das IFS-Modell hat in seinem heutigen 0-UTC-Lauf das Tief zum Beispiel etwas weiter südlich im Programm. Damit verschieben sich auch beide Sturmfelder etwas weiter nach Süden.

Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (IFS).

Was allerdings relativ sicher ist, ist, dass es zumindest regional zu einer Kombination aus starkem Wind und Schneefall beziehungsweise einer lockeren Schneedecke kommt. Schneeverwehungen sind die Folge, die durchaus kräftig sein können.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es dem Schnee vor allem in der Südwesthälfte ziemlich an den Kragen gehen dürfte. Der Blick auf die dortigen Höchstwerte am Freitag zeigt verbreitet 5 bis 9 Grad – plus, wohlgemerkt! Aber gut, so viel Schnee liegt dort in der Fläche ja ohnehin nicht. In rund 1500 m Höhe gelangt dagegen schon wieder kältere Luft aus Westen ins Land, die um das Tief gegen den Uhrzeigersinn geführt wird. Durch den kräftigen Wind und die gute Durchmischung der bodennahen Luft, wirkt sich das jedoch nicht auf die angesprochenen Höchstwerte aus. Allerdings sinkt dadurch die Schneefallgrenze langsam wieder, sodass zumindest im Bergland im Laufe des Freitags wieder die Schneephase dominieren dürfte.

Am Wochenende soll uns das Tief unter Abschwächung ost-/südostwärts überqueren. Wie genau das vonstatten geht, ist noch sehr unsicher. Es bleibt aber wohl unbeständig bei weiter absinkender Schneefallgrenze.

Zusammenfassend gesagt, gibt es noch einige Unsicherheiten bei der genauen Entwicklung und Zugbahn des Tiefs und damit natürlich auch bei der Wind- und Niederschlagsentwicklung. Dass da aber etwas im Busch steckt, steht außer Frage.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Brisante-Wetterlage-im-Anmarsch.jpg 720 736 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-06 16:00:442026-01-12 16:31:16Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

Winterwunderland Deutschland – aber nicht überall!

5. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit dem Jahreswechsel hat uns der Winter in Deutschland fest im Griff. Kalte Polarluft strömte aus nördlichen Breiten zu uns ein. Da sie einen langen Weg über dem Meer zurücklegte, konnte sie auch Feuchtigkeit aufnehmen, wodurch es vielerorts in Deutschland in den letzten Tagen zu Schneefällen kam. Auf ihrem Weg von Nordwest nach Südost verloren diese aber an Intensität, sodass die Nordhälfte mehr Schnee als der Süden abbekam. Im Lee (windabgewandte Seite) einiger Mittelgebirge fiel kaum Schnee, weshalb sich die Schneeverteilung über Deutschland durchaus sehr unterschiedlich darstellt.

Abbildung 1: Gemessene Schneehöhen am Montag, 05.01.2026, 7 Uhr (MEZ)

Abbildung 1 zeigt die gemessenen Schneehöhen am heutigen Montagmorgen um 7 Uhr MEZ. Betrachtet man das Flachland, so sticht ein etwa 100 bis 150 km breiter Streifen ins Auge, der sich etwa von Cuxhaven über Hamburg bis nach Berlin erstreckt. Dort brachten zeitweise kräftige Schneefälle verbreitet 10 bis 15, stellenweise sogar bis zu 20 cm Schnee. Beachtliche Neuschneemengen kamen ebenfalls im Nordseeumfeld infolge kräftiger Schneeschauer zusammen. Im Schleswig-Holsteinischen Binnenland fielen stellenweise knapp 20 cm Neuschnee (z.B. Hattstedt: 17 cm). Winterurlauber auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln können aktuell ein eher seltenes Naturschauspiel bewundern: verschneite Dünenlandschaften und Strände. In Wangerooge wurden stolze 13 cm gemessen, ähnlich viel Schnee liegt in Wrixum auf Föhr (12 cm), in List auf Sylt sind es immerhin noch 4 cm. Im Laufe des heutigen Tages kamen und kommen in Nordfriesland durch kräftige Schneeschauer und Wintergewitter strichweise nochmals einige Zentimeter Neuschnee hinzu. Die durchziehenden Schneeschauer können mit der Live-Webcam aus Wenningstedt/Sylt gut beobachtet werden (siehe unten angefügter Link). Auch an der Ostsee hat es geschneit, wie man auf der Webcam von Rostock-Warnemünde sehen kann.

DWD-Webcam-Foto von Rostock-Warnemünde am Montag, 05.01.2026 um 14:00 Uhr (MEZ)

Tief verschneit präsentieren sich auch die Mittelgebirge Sauerland, Harz und Erzgebirge. In höheren Lagen oberhalb etwa 600 m sind in den letzten Tagen 20 bis 40 cm Neuschnee gefallen, teils sogar noch etwas mehr, z.B. 45 cm in Braunlage (Harz) auf 607 m. Aktuell herrschen dort also beste Wintersportbedingungen, wie man beispielsweise auf der Webcam vom Hochheideturm bei Willingen im Sauerland gut verfolgen kann. In mittleren Lagen oberhalb 300 m liegen in diesen Mittelgebirgen immerhin noch 10 bis 20 cm.

Webcam-Foto vom Hochheideturm mit Blick über Willingen am Montag, 05.01.2026 um 13:00 Uhr (MEZ) (Quelle: foto-webcam.eu)

Deutlich weniger Schnee liegt in den süddeutschen Mittelgebirgen. Im Schwarzwald und im Bayerischen Wald sind es selbst in den Hochlagen nur 10 bis 20 cm. Die Schneefälle waren im Süden Deutschlands deutlich schwächer als in der Mitte. Auch an und in den Alpen ist die Schneelage im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten eher mau. Dennoch präsentiert sich die Landschaft dort winterlich und bei Sonnenschein lädt die Schneelandschaft zu einem Winterspaziergang ein, wie man anhand der Webcam von Obermaiselstein im Oberallgäu unschwer erkennen kann.

Webcam-Foto aus Obermaiselstein / Großer Herrenberg am Montag, 05.01.2026 um 13:00 Uhr (MEZ) (Quelle: foto-webcam.eu)

Doch nicht überall in Deutschland kann man ein Winterwunderland bestaunen. In den Niederungen Süddeutschlands fiel der Neuschnee eher dürftig aus. In der Südhälfte Bayerns liegen – wenn überhaupt – nur wenige Zentimeter Schnee, oft sind es nur ein paar Schneereste auf Wiesen und Dächern. München kann mit rund 2 cm in Sachen Schneedecke bei Weitem nicht mit Berlin (6-13 cm) und Hamburg (ca. 15 cm) mithalten.

DWD-Webcam-Foto aus Offenbach am Montag, 05.01.2026 um 13:10 Uhr (MEZ)

Ähnlich schneearm zeigt sich das Rhein-Main-Gebiet (z.B. Webcam aus Offenbach), wo man teils nur noch ein paar Schneereste vorfindet. Entlang von Rhein und Neckar liegt gebietsweise überhaupt kein Schnee, weil dort entweder kein Niederschlag fiel oder weil es zu mild blieb, als dass der Schnee liegenbleiben konnte.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Winterwunderland-Deutschland-–-aber-nicht-ueberall.png 841 716 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-05 15:38:342026-01-12 16:30:44Winterwunderland Deutschland – aber nicht überall!

Gekommen, um zu bleiben

4. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Im neuen Jahr zeigt der Winter, was er kann. Es ist kalt und immer wieder fällt Schnee, vor allem im Norden des Landes. Grund für das alles sind Tiefdruckgebiete über dem Norden Europas und eine umfangreiche Hochdruckzone über dem Nordwesten und Westen. Zwischen den Druckgebilden wird sehr kalte Luft zu uns geführt. Diese feuchtet sich über der Nordsee an und es kommt in einem breiten Streifen vom Nordwesten in den Osten zu Schneeschauern.

Analyse der Wetterlage in Europa vom 04.01.2026 00 UTC (Quelle:DWD)

Diese Schauerstraße bleibt uns aufgrund der Stabilität der Strömung erhalten. Sie verlagert sich in den heutigen Abend- und Nachtstunden nur ein wenig nordwärts. Dort fällt weiterhin Schnee, der aufgrund lokaler Verstärkung durch ein kleinräumiges Tief auch mal kräftiger ausfallen kann. Die Straßenverhältnisse sind also weiterhin winterlich. Im Süden Deutschlands sorgt ein Ausläufer des Hochdruckgebietes für ruhigeres Wetter. Zwar halten sich Nebel und Hochnebel teils zäh, abseits davon ist es aber oft sonnig.

Vorhersage der Wetterlage in Europa mittels Isobaren und Fronten für den 05.01.2026 12 UTC (Quelle:DWD)

Bei längerem Aufklaren sinkt die Temperatur nachts unter -10 Grad. Örtlich sind in Alpentälern auch bis -20 Grad möglich. In den übrigen Regionen sind die Nächte auch frostig, allerdings bremst die Bewölkung die Abkühlung etwas. Tagsüber gibt es oft leichten Frost, nur im Westen und Nordwesten sind leichte Plusgrade möglich.

Temperaturentwicklung Sonntag (04.01.) bis Dienstag (06.01.), oben: Höchstwerte des Tages, unten: Tiefstwerte in der Nacht zum Folgetag (Quelle:DWD)

Ab Wochenmitte stellt sich das Wetter allmählich um. Dann wird die Kältezufuhr aus dem Norden beendet und in eher westlicher Strömung findet mildere Luft den Weg zu uns. Da sich aber Tiefdruckeinfluss ausweitet, wird es deutlich nasser.
Wer will und kann, sollte das schneereiche Wetter aktuell noch genießen. Vor allem im Bergland heißt es in den kommenden Tagen Ski und Rodel gut. Die Schneehöhen laden zum Winterspaziergang oder auch zu sportlicher Aktivität ein. Nach Wochenmitte könnte die weiße Pracht in den Bergen abnehmen.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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