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Schweres Unwetter auf Sizilien – trotz großer Schäden keine Todesopfer 

23. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Heute werfen wir einen Blick nach Südeuropa: Von Montag bis Mittwoch zu Beginn der Woche geriet Sizilien unter den Einfluss einer kräftigen und außergewöhnlich langlebigen Sturmwetterlage. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet über dem zentralen Mittelmeer führte zu anhaltendem Starkwind, intensiven Niederschlägen und außergewöhnlich hohem Seegang. Besonders betroffen war die Ostküste der Insel, wo es zu schweren Sturmfluten kam. 

Trotz erheblicher Schäden an Infrastruktur und Gebäuden über weite Küstenabschnitte hinweg wurden keine Todesopfer oder Verletzten gemeldet. Dies unterstreicht die hohe Wirksamkeit frühzeitiger Wetterwarnungen, behördlicher Maßnahmen und der guten Vorbereitung der Bevölkerung. 

Bodenanalysen mit Luftdruck und Fronten. (Quelle:DWD) 

Meteorologische Entwicklung 

Bereits mehrere Tage vor Ereignisbeginn zeigten numerische Wettermodelle die mögliche Entwicklung eines Tiefdruckgebiets mit Ursprung im nordafrikanischen Raum. In den Prognosen zeichneten sich ergiebige Niederschläge, sehr starke Winde sowie schwere Sturmfluten entlang der exponierten Küsten Siziliens ab. 

Ab Freitag verdichteten sich die Hinweise auf eine potenziell lebensgefährliche Wetterlage. Der regionale Katastrophenschutz gab frühzeitig Vorwarnungen an die Gemeinden der Ostküste heraus und wies insbesondere auf die Gefahr außergewöhnlich hoher Wellen hin. 

Warnungen und Schutzmaßnahmen 

Am Sonntag bestätigten sich die Prognosen: Erwartet wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h sowie Wellenhöhen von teils mehr als neun Metern. In der Folge wurde für Montag die höchste Warnstufe ausgerufen. Es kam zu präventiven Evakuierungen in besonders gefährdeten Küstenbereichen, zur Sperrung von Küstenstraßen sowie zur Schließung von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, unnötige Wege zu vermeiden. Diese Maßnahmen blieben bis Dienstag und teilweise bis Mittwochvormittag in Kraft. 

Unwetterwarnung: rot höchste Warnstufe (Quelle:Regionaler Zivilschutz) (Protezione Civile Siciliana) 

Höhepunkt der Sturmwetterlage 

Während bereits am Montag und am Dienstag erste Schäden auftraten, erreichte das Unwetter in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch seinen Höhepunkt. Das Tiefdruckgebiet intensivierte sich über dem Bereich zwischen Tunesien und der Straße von Sizilien. Der Wind erreichte Sturm- bis Orkanstärke, der Seegang nahm weiter zu. 

Entlang der Ostküste wurden wiederholt Wellenhöhen von sechs bis sieben Metern beobachtet, einzelne Wellen erreichten lokal etwa zehn Meter. Küstenstraßen, Promenaden und Hafenanlagen wurden stark beschädigt, Gebäude überflutet oder teilweise zerstört. Auch Verkehrsverbindungen, darunter die Bahnstrecke zwischen Messina und Syrakus, war und ist bis auf weiteres unterbrochen. 

Die durch das Unwetter verursachten Schäden werden auf rund 740 Millionen Euro geschätzt. Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Eine Katastrophe dieses Ausmaßes hat die Ostküste Siziliens seit mindestens 50 Jahren – wenn nicht länger – nicht mehr getroffen. 

Hohe Wellen bis zu 10 m richteten verheerende Schäden an der Infrastruktur an (Quelle: Notizie Sicilia und GL press) 

Außergewöhnliche Messwerte 

Messbojen lieferten außergewöhnliche Daten: Vor der Küste bei Catania wurden maximale Wellenhöhen von neun bis zehn Metern registriert. Eine Boje zwischen Sizilien und Malta zeichnete sogar eine maximale Wellenhöhe von rund 16 Metern bei Wellenperioden von zehn bis zwölf Sekunden auf – ein neuer Rekordwert für das Mittelmeer. Solche Wellenhöhen sind in einem vergleichsweise geschlossenen Meer äußerst selten. Sie entstanden durch lang anhaltende, starke Winde aus nahezu konstanter Richtung über ein großes Seegebiet. 

Wellendiagramm von zwei Messbojen vor Sizilien (Quelle:ISPRA) 

Bedeutung der Warnungen 

Die Tatsache, dass bei diesem Extremereignis keine Menschen zu Schaden kamen, ist vor allem auf die rechtzeitige Herausgabe von Warnungen, klare behördliche Anordnungen und die hohe Akzeptanz dieser Maßnahmen in der Bevölkerung zurückzuführen.
Das Ereignis verdeutlicht, wie wichtig es ist, Wetterwarnungen ernst zu nehmen – insbesondere bei Warnstufen der höchsten Kategorie. Auch wenn sich prognostizierte Extremwerte nicht überall vollständig realisieren, dienen Warnungen stets dem Ziel, Risiken zu minimieren und Menschenleben zu schützen. 

Viele Betroffene in Sizilien, die ihr Hab und Gut verloren haben, äußerten dennoch Dankbarkeit dafür, dass ihr Leben gerettet wurde. Für Meteorologinnen und Meteorologen ist dies eine wichtige Bestätigung ihrer Arbeit: Wissen und Erfahrung dienen letztlich dem Schutz der Menschen. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Schweres-Unwetter-auf-Sizilien-–-trotz-grosser-Schaeden-keine-Todesopfer-.png 726 967 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-23 18:37:562026-01-26 18:47:26Schweres Unwetter auf Sizilien – trotz großer Schäden keine Todesopfer 

Schneemassen im fernen Osten Russlands 

22. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Großwetterlage, die erhebliche Schneefälle auf Kamtschatka produzierte, war geprägt durch ein komplexes Tief in höheren Atmosphärenschichten, das mehrere Kerne aufwies und südlich bis südöstlich von Kamtschatka positioniert war. Dieses Tief fügte sich ein in eine ganze Reihe von Tiefdruckgebieten, die vom nordchinesischen Raum kommend nordostwärts weiterzogen und entlang dieser Linie polare kältere Luftmassen nördlich von milderen Luftmassen südlich davon trennten. Neben dem ersterwähnten sogenannten Höhentief bildeten sich auch in tieferen Atmosphärenschichten und am Boden, mehrere kleinräumige Tiefs, die um das komplexe Höhentief herumzogen: Von Nordjapan aus ging es zunächst an der Südflanke des Höhentiefs ost- und im weiteren Verlauf an dessen Ostflanke nordwärts. Dabei zogen mehrere kleinräumige Störungen, sogenannte Kurzwellentröge, am 18. und 19. Januar vom Seegebiet östlich von Kamtschatka an der Nordflanke des Höhentiefs westwärts über Kamtschatka ins Ochotskische Meer westlich der Halbinsel und brachten wiederholt höhere Mengen an Niederschlag – über den Seegebieten regnete es überwiegend, küstennah und über dem Festland schneite es. Aus dem Haupttrog generierte sich über dem Ochotskischen Meer ein neues Tief. Durch größere Luftdruckunterschiede entstanden Starkwinde, die den Schnee lokal zu hohen Verwehungen verfrachteten. Zudem kam es, bedingt durch die komplexen geographischen Gegebenheiten, zu Stauniederschlägen, da die Halbinsel Kamtschatka mit einer Kette aktiver Vulkane gebirgig geprägt ist.

Solche Entwicklungen fanden auch schon im Dezember und in der ersten Januarhälfte statt. Wiederholt setzten sich also Tiefdruckgebiete im Ochotskischen Meer fest, die dort feuchte Luftmassen gegen die sibirische und die polare Kaltluft pumpten und zusammen mit weiteren Tiefdruckgebieten über dem Nordwestpazifik hohe Schneemengen nach Kamtschatka brachten. Besonders am vergangenen Wochenende wurden solche feuchten Luftmassen vom Ochotskischen Meer südlich um Kamtschatka herumgeführt. Sie führten von Süden kommend zu heftigen Schneefällen, auch in Form breiterer Schneeschauerstraßen, die besonders die Regionshauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski getroffen hat. 

Bodenanalyse vom 20. Januar 2026, 6 UTC (7 Uhr MEZ) des japanischen Wetterdienstes. „X“ markiert die Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski auf der russischen Halbinsel Kamtschatka (hier mit Kamt. abgekürzt). Westlich dieser Halbinsel liegt das Ochotskische Meer. Man erkennt die vielen Tiefdruckgebiete („L“ in roter Schriftfarbe), die um die Halbinsel positioniert sind und für die Schneefälle verantwortlich waren.  

Schon im Dezember gab es in Kamtschatka überdurchschnittlich viel Niederschlag, der überwiegend als Schnee niederging. So wurden in Petropawlowsk-Kamtschatski 370 Liter pro Quadratmeter Niederschlag registriert, der mehr als das Dreifache des normalen Dezember-Niederschlags entspricht. Auch in der ersten Januarhälfte ging mit 164 Liter pro Quadratmeter bereits die 1,5-fache Monatsmenge des Januars nieder. Vom vergangenen Sonntagnachmittag bis Montagvormittag allein betrug die Niederschlagsmenge 39 Liter pro Quadratmeter, die in weniger als 24 Stunden fielen – alles als Neuschnee. Allein dieser Neuschnee beträgt 60% der Menge des Monatsniederschlages in einem sehr kurzen Zeitraum. Dies führte zu einer Schneehöhe, die an der offiziellen Messstation mit 170 cm angegeben wurde. Tatsächlich lagen in Petropawlowsk und Umgebung zwischen 170 und 250 cm Schnee. Durch lokal bedingte Verwehungen, besonders zwischen einzelnen Wohnblöcken am Stadtrand von Petropawlowsk-Kamtschatski, lagen 300 bis 500 cm Schnee, an einzelnen Stellen sogar noch mehr.

Dies bedeutet, dass einzelne Straßenabschnitte komplett zugeschneit sind und keine eingeschneiten parkenden Fahrzeuge mehr zu erkennen sind. An Wohngebäuden reicht die Schneehöhe locker ins erste Obergeschoss und teilweise noch viel höher bis zur vierten Etage, was bedeutet, dass Eingänge komplett mit Schnee zugeweht sind. Videos in sozialen Medien zeigen Bewohner, die umständlich Hauseingänge freischaufeln und Wege bzw. Schneetunnel zu ihren eingeschneiten Fahrzeugen graben. Schwierigkeiten in der Nahversorgung sind die Folge. Zudem steigt die Gefahr, von den Dächern abrutschenden Schneemassen oder abbrechenden großen Eiszapfen erschlagen zu werden, was bereits zu mindestens zwei Todesfällen führte. Meteorologen der dortigen regionalen Außenstelle des staatlichen russischen Wetterdienstes meinten, dass ähnliche Bedingungen letztmals vor über 50 Jahren, solche Schneehöhen letztmals vor über 60 Jahren, auftraten und damit extrem rar im Zeitalter moderner Wetterbeobachtungen sind. Derweil steigt die Lawinengefahr im Hinterland von Petropawlowsk-Kamtschatski, da die dortigen Vulkane ebenfalls gigantische Schneehöhen aufweisen. Sollte plötzliches Tauwetter eintreten, drohen massive Überschwemmungen durch abfließendes Schmelzwasser. Aufgrund lizenzrechtlicher Probleme verzichtet der Autor auf die Abbildung entsprechender beeindruckender Fotos aus Petropawlowsk, es sei an dieser Stelle auf die Links am Ende des Artikels verwiesen. 

 

Gesamtschneehöhen nach dem Wettermodell ICON13 für die Region Kamtschatka für 22. Januar 2026, 13 Uhr MEZ. Die Gebirgskette der Vulkane der Halbinsel wird mit etwa 400 cm Schneehöhe modelliert. Dies zeigt der graubläuliche Streifen, der quer über die Halbinsel von Süd nach Nord geht.

 

Messungen der Schneehöhen auf Kamtschatka vom 19. Januar 2026, 22 Uhr MEZ. Die Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski hat 168 cm Schnee, deutlich mehr als alle anderen Messpunkte in der Umgebung. 

Können ähnliche Bedingungen auch in Europa auftreten? Hierzulande können sich wiederholt Tiefdruckgebiete an der ein oder anderen Stelle festsetzen und manchen Regionen große Niederschlagsmengen zuführen. Derzeit liegt ein umfangreiches Hoch über dem nördlichen Osteuropa, welches in den nächsten Tagen sich nur wenig südwärts bewegen wird. Aus dem Atlantikraum vordringende feucht-milde Luftmassen werden damit auf ihrem Weg nach Osten blockiert. Unter dem Hoch sammelt sich jedoch die schwere Kaltluft an. Zusammen mit einem Hoch über Sibirien hat sich über einer flächenmäßig großen Schneedecke über der Russischen Föderation ein großer Kaltluftspeicher gebildet. Der Schnee reflektiert einstrahlendes Sonnenlicht und verhindert damit eine Erwärmung. Diese Kaltluft gelangt in abgeschwächter Form bis nach Deutschland, was besonders die Osthälfte mit Dauerfrost und in der Nacht zum Freitag letztmals strengem Nachtfrost zu spüren bekommt. Vordringende Ausläufer atlantischer Tiefs bringen zwar Anfang kommender Woche etwas Schnee. Da hier jedoch nicht so hohe Feuchtigkeitswerte wie über dem Pazifik vorherrschen und die geographischen Bedingungen anders sind, sind solche Schneemengen wie auf Kamtschatka nicht zu erwarten. 

Quellen: Moscow Times, BBC News, Reuters, der Standard, Merkur, mit Material der dpa und lokalen meteorologischen Berichten des russischen Wetterdienstes aus Kamtschatka 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Schneemassen-im-fernen-Osten-Russlands-.jpg 1684 2382 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-22 18:29:002026-01-26 18:37:25Schneemassen im fernen Osten Russlands 

Inversionen soweit das Auge reicht 

21. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Dass die Temperatur unmittelbar über dem Erdboden mit der Höhe zunimmt, ist insbesondere in Herbst- und Winternächten keine Seltenheit. Der nächtliche Mangel an solarer Einstrahlung bei gleichzeitigem Abstrahlen im Infraroten führt zu einer Auskühlung der Erdoberfläche. Diese Abkühlung wird durch direkten Kontakt sowie durch mehr oder weniger ausgeprägte Turbulenz auf die darüber liegenden Luftschichten übertragen. Mit zunehmender Höhe nimmt der Einfluss der bodennahen Auskühlung ab, sodass sich eine Inversionsschicht ausbildet. Dies ist ein Höhenbereich, in dem die Temperatur mit der Höhe zunimmt. Abbildung 1 zeigt den Temperaturverlauf mit der Höhe über Greifswald in der Nacht zum vergangenen Samstag. Die bodennahe Inversion ist deutlich erkennbar: Die Temperatur steigt von knapp über 0 °C am Boden auf etwa 8 °C innerhalb weniger hundert Meter Höhe. 

Radiosondenaufstieg vom 17.01.2026 um 00 Uhr UTC über Greifswald. Dargestellt sind der Verlauf mit der Höhe von Temperatur (durchgezogene schwarze Linie), Taupunkt (gestrichelte Linie), und Windgeschwindigkeit und -richtung (Windfiedern am rechten Rand). 

Das Radiosondenprofil zeigt zudem, dass die bodennahe Temperatur mit dem Taupunkt übereinstimmt, was auf Wasserdampfsättigung und mögliche Nebelbildung hindeutet. Im Verlauf der Nacht auf den 17. Januar war, zusätzlich zu der bodennahen Auskühlung, feucht-kalte Luft mit einer südöstlichen Strömung aus Polen eingeflossen, was in einem bewarnten Bereich bis einschließlich Rügen mit dichtem Nebel und Sichtweiten unter 150 m einherging (Abbildung 2).
Das Satellitenbild zeigt außerdem dichten Nebel über Tschechien, wo sich bei günstigen Bedingungen bereits über Tage kalte Luft im Böhmischen Becken gesammelt hatte, und bei Überströmung von verhältnismäßig warmer Luft in ca. 1,5 km Höhe zu einer besonders ausgeprägten Inversion geführt hatte (der damit zusammenhängende Böhmische Wind war in den letzten Tagen ja ebenfalls Thema in Sachsen). 

 

Satellitenprodukt des Meteosat Third Generation (MTG) Satelliten, am 17.01.2026 um 00 Uhr UTC, mit farblich hervorgehobenen niedrigen Wolken (hier größtenteils Nebel). Die Nebelwarnung ist hervorgehoben. 

Die bodennahe Temperaturinversion erzeugt eine sehr stabile Schichtung, die den vertikalen Austausch von Luft hemmt. Dadurch bleibt die nebelbildende Feuchtigkeit nahe am Boden konzentriert, und auch an der Oberfläche ausgestoßene Luftschadstoffe können sich nicht nach oben verteilen, was zur Bildung von Smog (smoke+fog) führen kann. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich zum betrachteten Zeitpunkt auch in anderen Landesteilen Nebel gebildet hat, so z.B. im dafür anfälligen Donautal, oder in westlichen Landesteilen wo jedoch hohe Wolken im Satellitenbild die „Sicht“ verdecken. 

Wandert man im Radiosondenprofil von der Bodeninversion weiter nach oben fallen mehrere Strukturen im Temperaturverlauf auf, die an eine Inversion erinnern (750 und 650 hPa), auch wenn hier die Temperatur mit der Höhe nur konstant bleibt und noch nicht ansteigt. Inversionen in der Mitte der Troposphäre können z.B. durch horizontales Heranführen von wärmeren oder kälteren Luftmassen entstehen, oder durch großskaliges Absinken von Luftmassen unter Hochdruckeinfluss. Bei letzterem wird die Luft unter steigendem Luftdruck komprimiert und die Temperatur steigt ohne Wärmeaustausch oder Wolken-/Turbulenz-Prozesse gemäß dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten von ca. 1°C/100 m. So kann sie abhängig vom vertikalen Verlauf des Absinkens eine höhere Temperatur erreichen als die darunter liegende Luft. 

Wandert man im Radiosondenprofil noch weiter nach oben, erreicht man bei etwa 200 hPa die Tropopause, den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre, der zweiten Schicht der Atmosphäre (Thema des Tages vom 13.11.2025). Dass die Stratosphäre prinzipiell – und definitionsgemäß – durch einen Temperaturanstieg mit der Höhe gekennzeichnet ist, ist seit über hundert Jahren bekannt. Eine vergleichsweise neue Erkenntnis ist, dass unmittelbar an der Tropopause, abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, aber systematisch, ein Maximum der Temperaturzunahme auftritt. Für diese Schicht wurde der Begriff Tropopauseninversionsschicht geprägt. Ähnlich wie bei der bodennahen Inversion spielt auch hier die langwellige (infrarote) Ausstrahlung eine wichtige Rolle. Insbesondere Spurengase wie Wasserdampf, der in der Troposphäre in deutlich höherer Konzentration vorkommt als in der Stratosphäre, tragen maßgeblich zu diesem Effekt bei. Die Absorption durch Ozon in der Stratosphäre spielt ebenso eine Rolle, sowie auch eine Vielzahl von dynamischen Prozessen. (Das zweite Maximum im Temperaturgradienten bei etwa 170 hPa könnte ein Hinweis auf die dynamischen Prozesse und die resultierende oft vielschichtige Struktur der Tropopausenregion sein).
Die Tropopauseninversionsschicht stellt, ebenfalls analog zur bodennahen Inversion, eine Transportbarriere dar, die den Austausch von Spurengasen zwischen Troposphäre und Stratosphäre hemmt. Wie stabil diese Sperrschicht letztlich ist, ist jedoch weiterhin Gegenstand aktueller Forschung. Eine zentrale Motivation hierfür liegt in den Auswirkungen der Spurengasverteilung auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre (Stichwort Klimawandel) sowie im Einfluss anthropogener Spurengasemissionen auf die Stratosphärenchemie. Ein Hinweis auf einen möglichen Mischungsprozess trotz hoher Stabilität findet sich in den Windfiedern im Bereich der Inversion bei 200 hPa in Abbildung 1 (vergleiche Thema des Tages vom 22.05.2016). 

Inversionen und ihre zentrale Eigenschaft treten in der Natur in vielfältiger Form auf. Konzeptionell eng verwandt ist die sogenannte Thermokline der Ozeane, bei der oberflächennahes Wasser wärmer ist als das darunterliegende Tiefenwasser. Charakteristisch ist ein vertikal begrenzter Bereich mit maximalem Temperaturgradienten, der als stabile Sperrschicht wirkt. Diese trennt nährstoffarmes Oberflächenwasser von nährstoffreichem Tiefenwasser, kann jedoch durch Instabilitäten – etwa lokal angeregte interne Wellen – zeitweise durchmischt werden.
Dem geneigten Leser sei, falls noch nicht bekannt, mitgegeben, dass sowohl die Dichteanomalie des Wassers als auch seine geringe Kompressibilität eine wesentliche Rolle bei der Ausprägung des vertikalen Temperaturprofils spielen – was die Frage aufwirft, ob die Thermokline im streng fachlichen Sinn tatsächlich eine Inversion ist …
 

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Inversionen-soweit-das-Auge-reicht-.png 780 978 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-21 18:21:392026-01-26 18:28:21Inversionen soweit das Auge reicht 

Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

20. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der „Halos“ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dünne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen Phänomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.

 

Abb 1: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Abb 2: Lichtbrechung und Dispersion am Beispiel eines Prismas  

Halos sind Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ändert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die Stärke der Lichtbrechung ist abhängig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den Wänden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurückgeworfen, und tritt schließlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hängt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfältig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfältig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen. 

Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. Während diese Kombination in großer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dünnen Schleierwolken häufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur Verfügung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genügend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den Tälern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka für Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien über den Kamm kämpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfällt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.
 

Abb 3: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere Berührungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darüber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden Lichtsäulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind über 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich häufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten Wetterphänomenen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Eisnebelhalos-ein-himmlisches-Phaenomen-auf-Erden-.jpg 506 1599 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-20 18:12:152026-01-26 18:21:09Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 

19. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist. Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute (Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs – insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge zwischen Sardinien und Sizilien. 

Auswirkungen in Spanien 

Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein – mit Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen. 

Aufaddierter Gesamtniederschlag des ICON-Wettermodells bis Mittwoch Früh im Bereich des Westlichen Mittelmeeres 

Auswirkungen in Italien und auf Malta 

Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon) hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen. Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher „Fetch“ aufbauen: die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9 Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden. 

 

Signifikanter Seegang des EWAM-Seegangmodells im Mittelmeer am Dienstag Mittag mit dem Maximum (roter Bereich) südöstlich von Sizilien, Angaben in Metern 

Auswirkungen in Nordafrika 

Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf. 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

 

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Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 

18. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Wetter in ganz Deutschland wird von Hoch CHRISTIAN über Osteuropa bestimmt. Wir befinden uns also am Westrand dieses kräftigen Hochs in einer östlichen bis südöstlichen Strömung. Dieser Hochdruckeinfluss hat für unterschiedliche Regionen in Deutschland am heutigen Sonntag (und auch in den kommenden Tagen) ganz verschiedenes Wetter zur Folge. Begeben wir uns im heutigen Thema des Tages auf eine Reise zu unterschiedlichen Orten in unserem Land und schauen uns das dortige Wetter an. 

Abbildung 1: RGB-Satellitenbild „Wolkentyp“ mit eingezeichneter Fahrtroute 

Beginnen wir unsere Reise in der Bundeshauptstadt Berlin. Ein Hochnebelband sorgte zwar noch für einen grauen Start in den Morgen. Doch mittlerweile hat sich die dichte Wolkendecke nach Norden verabschiedet und es scheint – wie auch in den meisten Regionen des Ostens – die Sonne. Bei Nachmittagstemperaturen um 4 Grad ist eine Jacke jedoch vonnöten. Lagen vor einer Woche noch zwischen 5 und gut 10 cm Schnee, so sind heute höchstens noch in ein paar schattigen Ecken letzte Schneereste zu finden. 

Fahren wir nun südwärts nach Dresden und in die Region rund ums Erzgebirge. Auch in der sächsischen Hauptstadt scheint die Sonne bei ähnlichen Temperaturen wie in Berlin. Diese fühlen sich bei einem Spaziergang entlang des Elbufers aber deutlich frischer an. Der Grund ist der sogenannte „Böhmische Wind“, der durch das Elbtal pfeift und immer mehr an Stärke gewinnt. Nicht nur im Elbtal ist der lästige Böhmische Wind zu spüren. Im gesamten Erzgebirgsraum und bis hinein ins Vorland, also auch in Chemnitz, nimmt der Wind heute immer weiter zu. Auf dem Erzgebirgskamm bläst der Wind mit (schweren) Sturmböen, aber auch in freien Lagen des Vorlands und in Nordwest-Südost ausgerichteten Tälern wie das Elbtal oder das Tal der Freiberger Mulde kann der Wind zeitweise sogar stürmisch auffrischen. 

Weiter geht es südwärts nach Niederbayern. Auch dort hat sich mittlerweile fast überall die Sonne durchgesetzt. Anders als bei den vorherigen Orten konnte sich dort in den vergangenen Tagen die Milderung nie so richtig durchsetzen. Bei Höchstwerten um 0 Grad liegen dort selbst in den Niederungen noch ein paar Zentimeter Schnee (z.B. 6 cm in Fürstenzell). Sonnenschein und Schnee bieten also beste Voraussetzungen für einen sonntäglichen Verdauungsspaziergang in Winterkulisse. 

Eine traumhafte Winterkulisse bieten auch die Bayerischen Alpen. Azurblauer Himmel, traumhafte Fernsicht und weiß verschneite Berghänge und Pisten lassen die Herzen jedes Wintersportlers höherschlagen. Bei einem Getränk auf einer der zahlreichen Hütten kann man das herrliche Wetter bei teils über 5 Grad (plus!) auf rund 1500 m genießen. Blickt man hinunter ins Tal, schaut man auf ein weißes Hochnebelmeer. 

Abbildung 2: Webcam-Bild von der Bayerischen Zugspitzbahn mit Blick über das Höllental (Quelle: foto-webcam.eu) 

Bringen wir uns mit dem Lift (oder mit den Skiern) hinunter ins Tal, so tauchen wir in den Nebel ein, bis wir weiter unten aus der Nebeldecke wieder herauskommen. Nun finden wir ein ganz anders Bild als oben auf dem Berg wieder. Tristes „grau-in-grau“ erwartet uns am Alpenrand und in Schwaben bis zur oberen Donau. Vom Bilderbuchwetter bleibt keine Spur mehr übrig und anders als auf den Bergen ist es unangenehm kalt bei Temperaturen um oder gar unter dem Gefrierpunkt. 

Fahren wir anschließend den Rhein entlang nordwärts. Am tristen Anblick ändert sich nichts. Der gesamte Oberrheingraben und auch das Rhein-Main-Gebiet liegen unter einer grauen Hochnebeldecke. Mit rund 4 Grad ist es in Frankfurt allerdings nicht ganz so kalt wie unter dem Hochnebel im Süden. 

Abbildung 3: Webcam-Bild vom Dach des DWDs in Offenbach Richtung Frankfurt (Quelle:DWD) 

Weiter geht es entlang des Rheins nach Köln. Durch das Rheintal wird der Hochnebel bis in die Karnevalshochburg geblasen, sodass es auch dort grau ist. Knapp nördlich von Köln reißt die Wolkendecke aber innerhalb weniger Kilometer auf. In der anderen Karnevalshochburg Düsseldorf, im gesamten Ruhrgebiet sowie am Niederrhein herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Mit Temperaturen um 6 Grad ist dies im Tiefland auch die mildeste Region. 

Fahren wir weiter in den hohen Norden nach Sylt. Dort und entlang der gesamten Nordseeküste präsentiert sich das Wetter wieder von seiner trüben Seite. Kompakte Wolkenfelder versperren dort die Sicht auf blauen Himmel und Sonnenschein. Unsere Reise endet an der Ostsee auf Rügen. Diese Insel präsentiert sich heute deutlich freundlicher mit viel Sonnenschein, jedoch bei eher kühlen 2 Grad. 

Abbildung 4: Webcam-Bild von Wenningstedt auf Sylt (Quelle: www.sylt.de) 

In der kommenden Woche geht es mit diesen Wetterkontrasten zwar weiter. Die positive Nachricht ist aber, dass Nebel und Hochnebel immer mehr der Sonne weichen müssen. Der Oberrheingraben ist die letzte Bastion, wo das Dauergrau noch die Stellung halten kann. Dort hat die Sonne mit etwas Pech keine Chance, um gegen den Hochnabel anzukommen. Den großen Rest des Landes kann die Sonne erobern und scheint dort spätestens ab Dienstag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Sollte sich in manchen Flusstälern doch mal ein Nebelfeld bilden, wird dieses von der Sonne im Laufe des Vormittags vertilgt. Auch dem Böhmischen Wind geht im wahrsten Sinne des Wortes langsam die Puste aus. Zwar schläft er nie ganz ein, verliert aber ab Dienstag allmählich an Stärke. Inwieweit in der zweiten Wochenhälfte zaghafte Versuche altersschwacher Fronten aus Westen von Erfolg gekrönt sind, um gegen das Dauerhoch anzukämpfen, bleibt abzuwarten. Vielleicht bringen sie nur ein paar dichtere Wolkenfelder mit, möglicherweise kann es im Westen aber auch mal ein paar Tropfen Regen geben. Bis in die Osthälfte werden es die Fronten aber nicht schaffen, sodass das Hoch dort weiterhin die Oberhand mit Sonnenschein behält. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige 

17. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Atlantische Tiefdruckgebiete haben Anfang der Woche die Frostluft aus Deutschland ostwärts verdrängt. Sie brachten Schnee und (gefrierenden) Regen. Doch der Tiefdruckeinfluss hielt nicht lange. Bereits am heutigen Samstag dominiert bereits wieder hoher Luftdruck. Namentlich ist es Hoch CHRISTIAN über Westrussland und Osteuropa, dessen Einfluss bis nach Mitteleuropa reicht. 

Vorhersage Bodendruck mit Fronten für den 18.01.2026 13 Uhr 

Bevor wir uns aber der zukünftigen Wetterentwicklung widmen, werfen wir einen Blick auf die Niederschlagsbilanz des bisherigen meteorologischen Winters. Seit dem 01.12.2025 fiel verbreitet weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Besonders trocken war es im Osten Deutschlands. Gebietsweise fielen dort erst 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter (l/qm). Der trockenste Ort Deutschlands bis einschließlich des 16.01.2026 ist Dittfurt am Nordostrand des Harzes mit 11,5 l/qm. Nasser war es im Westen. Vergleichsweise viel Niederschlag gab es im Nordseeumfeld und am Niederrhein bzw. in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge. Dort wurden bislang 60 bis 110, in Staulagen 100 bis 200 l/qm gemessen. An Nordsee, Unterelbe und vom Niederrhein bis nach Südhessen liegen die gemessenen Niederschlagsmengen nahe des Mittelwerts des Niederschlags für die erste Winterhälfte, örtlich sogar darüber. Sonst werden häufig nur Werte um 50 % des Solls, in Vorpommern und Baden-Württemberg gebietsweise weniger als 20 % verzeichnet. 

 

Niederschlagsmengen absolut und relativ für den Zeitraum 01.12.2025 – 16.01.2026 

In den kommenden Tagen wird sich an den absoluten Zahlen mangels Niederschlags nichts ändern, die prozentualen Werte werden somit sinken. Denn Hoch CHRISTIAN führt in den nächsten Tagen trockene Luft nach Deutschland. Von örtlichem Nieseln aus Nebel oder Hochnebel heraus abgesehen, wird es deutschlandweit keinen Niederschlag geben. In der trockenen Luft steigen dafür verbreitet die Sonnenanteile. Ins Hintertreffen bezüglich Sonnenscheines geraten die tiefen Lagen des Südwestens, die Gebiete nahe der Donau und zeitweise auch der äußerste Nordwesten. Dort hält sich feuchtere Luft und entsprechend teils Nebel und Hochnebel.

Mit einer südöstlichen Bodenströmung wird nach und nach kältere Luft aus Osteuropa nach Deutschland geführt. Am heutigen Samstag liegen die Höchstwerte von Ost nach West noch zwischen 2 und 12 Grad, am kommenden Mittwoch werden wahrscheinlich 0 bis 7 Grad erreicht. Für alle Tage gilt, im Dauergrau an der Donau bleibt es etwas kälter. Auch an den Tiefstwerten lässt sich der allmähliche Luftmassenwechsel festmachen. Von +3 bis -5 Grad in der Nacht zum Sonntag geht es auf 0 bis -10 Grad in der Nacht zum Donnerstag runter. Auch für diese Werte gilt: je weiter nach Osten und Südosten desto kälter, am mildesten bleibt es im äußersten Westen und auf den Inseln.

Im Laufe der zweiten Wochenhälfte zeigen die verschiedenen Wettermodelle unter auffrischendem Ostwind im Norden und Osten Deutschlands die verstärkte Zufuhr von Kaltluft, die über Osteuropa nie ausgeräumt wurde. Dann wird dort Dauerfrost sehr wahrscheinlich. Im Rest Landes hat es die Frostluft deutlich schwerer. Tiefdruckgebiete über dem Südwesten Europas halten dagegen – wie erfolgreich bleibt allerdings abzuwarten. 

 

Prognose Maxima und Minima der nächsten Tage. 

M.Sc Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Jahresvorausschau 2025 – Ein Rückblick 

16. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ende 2024 war in dieser Rubrik ein humoristisch „angehauchter“ Blick auf 2025 (siehe Link im Anschluss dieses Textes). Nun wollen wir mal die „Prognose“ (im Folgenden kursiv) unter die Lupe nehmen. In den Jahren zuvor war die Trefferquote eher…sagen wir mal „ausbaufähig“. Mal schauen, ob es in 2025 ein paar Glückstreffer mehr gab.
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Januar 2025:
Da den Text-Wetterberichten immer weniger Bedeutung zugesprochen wird, stellt sie der DWD kurzerhand ein. Mit Hilfe von KI soll stattdessen für jeden Prognosetag ein Symbol entwickelt werden, das den gesamten Wetterablauf des jeweiligen Tages darstellt. 

Nix Wettersymbol, nix KI! MI (Menschliche Intelligenz) war auch im vergangenen Jahr weiterhin Trumpf bei der Erstellung der Vorhersagetexte.
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Februar 2025:
Nach der wochenlangen, hochdruckgeprägten Dauerfrostlage zu Beginn des Jahres folgt ab Mitte Februar ein regelrechter Verschleiß an Tiefdruckgebieten: „Erwin“, „Felix“, „Gilles“, „Heiko“, „Ivo“, „Julian“ und „Kevin“ sorgen für stürmisches und wechselhaftes Wetter. In Südbaden und am Alpenrand wird die 20-Grad-Marke geknackt! 

Während sich der Januar deutlich zu mild und auch nasser als normal präsentierte, fiel im Februar im Flächenmittel nicht einmal die Hälfte des üblichen Niederschlags. Auch mit den 20 Grad wurde es nichts, in Metzingen (Baden-Württemberg) reichte es aber immerhin für beachtliche 18,9 Grad am 21. Februar. Statt den „prognostizierten“ sieben Tiefdruckgebieten in der zweiten Februarhälfte gab es sogar acht: „Kevin“, „Lenni“, „Max“, „Nico“, „Orkan“, „Paul“, „Quincy“ und „Rainer“. Wirklich stürmisch war es aber trotzdem nicht.
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März 2025:
Tief „Orkan“ taucht auf der Wetterkarte auf, müsste, was das Wetter angeht, aber eher Tief „schwache Brise“ heißen: Ein paar Wolken, etwas Regen, mehr nicht… Trotzdem wird „Orkan“ in Sachen medialer Berichterstattung unter den Top-3-Tiefs des Jahres landen. 

Das hat für unser Wetter in Deutschland eigentlich ziemlich gut gepasst, wenngleich „Orkan“ schon in der dritten Februardekade unterwegs war und medial bei uns nicht wirklich durch die Decke ging. Seinem Namen deutlich mehr Ehre erwies das Tief in Irland und Großbritannien. Auf den Gipfeln der schottischen Cairngorms gab es Orkanböen bis zu 170 km/h.
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April 2025:
Kein Aprilscherz: Direkt zum Monatsstart verzeichnet Ohlsbach (Oberrheingraben) den ersten heißen Tag des Jahres mit exakt 30,0 Grad – neuer Deutschlandrekord in Sachen frühester Hitzetag! Der Osterhase stellt seine Produktkette von Eiern auf Kokosnüsse um. 

Tatsächlich trat der erste Hitzetag 2025 in Ohlsbach mit 30,1 Grad auf (ebenfalls in Waghäusl-Kirrlach mit 30,4 Grad), allerdings erst am 2. Mai! Den frühesten deutschen Hitzetag konnte Ohlsbach am 06.04.2024 verzeichnen.
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Mai 2025:
150 Jahre Meterkonvention! Zur Feier dieses Ereignisses führen zahlreiche Wetterdienste eine neue Maßeinheit zur Abschätzung der Unsicherheit einer Prognose ein. Auf der zehnteiligen Schmetter-Ling-Skala (benannt nach den beiden Entwicklern Dr. Schmetter und Dr. Ling) bedeutet 1 SL eine sehr sichere Vorhersage, während 10 SL mit freiem Würfeln zu vergleichen ist. 

Auch nach intensiver Internetrecherche gibt es (leider) keine Hinweise auf die Existenz dieser Skala. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 😉
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Juni 2025:
Pünktlich zum offiziellen Start der atlantischen Hurrikansaison stellt Hurrikan „Andrea“ einen neuen Rekord auf: Noch nie gab es so früh in der Saison einen Kategorie-5-Wirbelsturm – zum Glück nur über Wasser! 

„Andrea“ war zwar „nur“ ein Tropensturm, heimste aber dennoch einen Rekord ein. Denn noch nie bildete sich im Juni ein tropischer Sturm weiter im Norden als „Andrea“. Der erste von insgesamt drei Kategorie-5-Hurrikanen (nur 2005 gab es mehr seit Aufzeichnungsbeginn) trat mit „Erin“ Mitte August auf.
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Juli 2025:
Mehrtägige Hitzewelle in Deutschland! Örtlich steigt die Temperatur auf über 40 Grad. Ob es für einen neuen Deutschlandrekord reicht ist allerdings noch unklar. Kein Wunder bei einer Vorhersageunsicherheit von 6 Schmetter-Ling. 

Wenn man unter „mehrtägig“ mindestens zwei Tage versteht, passt der erste Satz. Am 1. Juli gab es verbreitet über 30 Grad, am 2. Juli sogar über 35 Grad. Über 40 Grad gab es zwar nicht, die 39,6 Grad im niedersächsischen Wunstorf am 2. Juli waren aber nicht weit davon entfernt. Anschließend ging es steil bergab und die 30-Grad-Marke wurde nur noch an wenigen Tagen geknackt.
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August 2025:
Nach einem nassen Monatswechsel mit markantem Kaltfrontdurchgang sorgen besonders im Norden Deutschlands Perseiden und Polarlichter bei klaren Nächten für ein wahres Himmelsspektakel. Da wird es selbst im Matsch zu Wacken richtig romantisch. 

Der Monatswechsel war tatsächlich und gerade in Schleswig-Holstein sehr nass. Zum Teil fielen über 50 l/m² innerhalb von 24 Stunden. Dahinter kann also genauso wie hinter den Wackener Matsch ein Haken gesetzt werden. Fehlanzeige dagegen bei den Polarlichtern. Da es mit den notwendigen Wolkenlücken aber nicht allzuweit her war (Stichwort nasser Monatswechsel), gab es am Nachthimmel eh nichts zu beobachten – auch keine Perseiden.
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September 2025:
Perfekte Bedingungen in Florida für den Start des bemannten Raumflugs zum Mond im Rahmen der Artemis 2 Mission. Uns erreichen nicht nur spektakuläre Aufnahmen des Erdtrabanten, sondern auch von Humberto, dem zweiten Kat.-5-Hurrikan der Saison. 

Der Start von Artemis 2 wurde verschoben und steht nun für April 2026 an. Ansonsten hätte die Besatzung tatsächlich die Chance gehabt, Fotos von Humberto zu machen, der – halten Sie sich fest – wirklich der zweite Kat.-5-Huriikan der Saison war!
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Oktober 2025:
Föhn ohne Ende! Tagelang Höchstwerte über 20 Grad am Alpenrand lassen Wärmeliebhaber in Reit im Winkl vor Freude im Dreieck springen. 

Glatte Fehlanzeige! Die 20-Grad-Marke am Alpenrand wurde an gerade mal zwei Tagen gerissen. Ob in Reit im Winkl trotzdem oder aus welchen Gründen auch immer geometrische Figuren nachgetanzt wurden, ist leider nicht belegt.
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November 2025:
Nach 10-monatiger Testphase kommt der DWD zu dem Schluss, dass das sommerliche Sonne-Wolken-Gewitter-Regen-Hagel-Sturm-Hitze-Symbol (kurz: Sowogerehasthi) wie auch das winterliche Sonne-Wolken-Schnee-Regen-Glätte-Sturm-Frost-Nebel-Symbol (kurz: Sowoschreglstfrne) zu Verwirrung und Fehlinterpretation in der Bevölkerung führt. Ein Lösungsansatz: Den Wetterablauf mit einer Aneinanderreihung prägnanter Wörter zu beschreiben, quasi so etwas wie ein Bericht. 

Siehe Januar 😉
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Dezember 2025:
Kurzer aber knackiger Wintereinbruch in der ersten Monatsdekade! Dem Nikolaus fällt vor Ungläubigkeit beinahe der Cocktail aus der Hand. Ob er es schafft, seine dicken Winterklamotten wieder aus dem Altkleidercontainer zu fischen? 

Nuja… Zitat aus der DWD-Pressemitteilung zum Dezemberwetter: „Zunächst überwog ein milder Verlauf mit einer frühlingshaften Spitze zum Ende der ersten Dekade, als im baden-württembergischen Hechingen am 9. Dezember mit 17,1 °C der höchste Wert des Monats gemessen wurde.“ Den kurzen und knackigen Wintereinbruch gab es dafür schon in der letzten Novemberdekade. Das könnte man zumindest als Streifschuss werten. Ob und was dem Nikolaus Anfang Dezember jedoch aus der Hand fiel, bleibt sein Geheimnis.
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Fazit: Viel Murks, wenige Teilerfolge und ein (Quasi-)Volltreffer mit „Humberto“ (wenn man die Verschiebung von Artemis 2 als höhere Gewalt einstuft 😉)! Gar nicht mal sooo schlecht, aber weiterhin ausbaufähig. Man darf gespannt sein, wie 2026 läuft. Kleiner Spoiler für den Januar 2026: Bisher sind dem Autor keine Bestrebungen hinsichtlich der Gründung einer betriebsinternen Boxschule „Niederschlag“ bekannt (siehe Thema des Tages vom 30.12.2025). 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-16 17:26:402026-01-22 17:31:40Jahresvorausschau 2025 – Ein Rückblick 

Sicher auf dem Eis?!

15. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen von zugefrorenen Eisflächen. Insbesondere aus dem Süden und Osten des Landes tauchten zahlreiche Bilder von Menschenmassen auf zugefrorenen Gewässern auf. Sogar der Landwehrkanal in Berlin war mit einer Eisschicht bedeckt und wurde als Flaniermeile genutzt. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen, wird dabei häufig unterschätzt. Nun steigen die Temperaturen an, das Eis wird dünner und verändert seine Struktur. Beim Betreten der Eisfläche kann akute Lebensgefahr bestehen!

Zugefrorener See im Winter. Quelle: pixabay

Doch ab wann ist es möglich, Schlittschuh zu laufen oder ein zugefrorenes Gewässer gefahrlos zu betreten?

Zunächst benötigt ein See Zeit, um ausreichend abzukühlen. Solange sich im Wasser noch Schichten mit Temperaturen über 4 Grad Celsius befinden, steigen diese aufgrund der Dichteanomalie des Wassers nach oben und verdrängen kälteres Wasser von der Oberfläche nach unten. Deshalb zeigen viele Seen zu Beginn des Winters selbst nach mehreren Tagen Dauerfrost noch keine Eisbildung. Häufig dauert es bis in den Januar hinein, bis größere Seen vom Ufer her zuzufrieren beginnen.

Jahreszeitliche Veränderung der Wasserschichtung in einem mitteleuropäischen See. Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Erst wenn das Wasser im gesamten See auf etwa 4 Grad Celsius abgekühlt ist, kommt die thermische Durchmischung zum Erliegen. Das kalte Oberflächenwasser bleibt dann oben, kann weiter auskühlen und bei anhaltendem Frost gefrieren. Je länger und intensiver der Frost wirkt, desto stärker wächst die Eisdecke an. Grundsätzlich gilt: Je weiter der Winter fortgeschritten ist, desto größer ist die Chance, dass ein See zufriert.

In der Praxis hängt die Eisbildung jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • Tiefe des Sees: Tiefe Seen besitzen einen größeren Vorrat an wärmerem Tiefenwasser, was das Zufrieren verzögert.
    • Wind: Wind fördert die Durchmischung. Bei flachen Seen beschleunigt er die Abkühlung, bei tiefen Seen kann er sie verzögern.
    • Grundwasserzufluss: Grundwasser ist meist wärmer als 4 Grad Celsius. Starker Zufluss verzögert die Eisbildung und führt zu Bereichen mit dünnerem Eis. Baggerseen oder Tagebaurestlöcher frieren daher oft spät oder gar nicht zu.
    • Witterung: Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser isolierend und bremst das weitere Anwachsen der Eisdecke.
    • Weitere Einflüsse: Zuflüsse warmer Abwässer, aufsteigende Faulgase oder Luft, salzhaltiges oder verunreinigtes Wasser schwächen die Eisbildung zusätzlich.

Wochenlanger Dauerfrost kann nahezu jedes Gewässer mit einer tragfähigen Eisdecke überziehen. Solche Bedingungen sind in Mitteleuropa jedoch selten. Günstig wäre eine stabile Hochdrucklage über Skandinavien oder Westrussland, die sehr kalte, trockene Luft nach Deutschland lenkt. Hält diese Lage mindestens eine Woche an und war der Boden zuvor bereits vorgekühlt, können auch größere Seen zufrieren. Nach einem milden Winter reicht eine kurze Frostperiode meist nicht aus. In der vergangenen Woche floss arktische Kaltluft aus nördlichen Breiten nach Deutschland. Diese sorgte in den Nächten für strengen Frost mit Temperaturen gebietsweise unter minus 10 Grad Celsius und selbst tagsüber stieg das Thermometer teilweise nicht in den positiven Bereich an. So konnten insbesondere in den östlichen Landesteilen diverse Gewässer zufrieren.

Die Qualität des Eises

Die Tragfähigkeit hängt nicht nur von der Dicke, sondern entscheidend von der Eisqualität ab. Optimal ist eine Eisbildung bei ruhigem Hochdruckwetter, ohne Niederschlag und bei wenig Wind. Dann entsteht sogenanntes „schwarzes Eis“. Dieses ist glatt, homogen und nahezu frei von Lufteinschlüssen. Es ist besonders tragfähig.

Deutlich häufiger entsteht jedoch „weißes Eis“. Dieses bildet sich, wenn Schnee auf das Eis fällt und durch Tauwetter, Regen oder aufsteigendes Wasser zu Schneematsch wird, der anschließend wieder gefriert. Weißes Eis enthält viele Lufteinschlüsse, ist inhomogen und deutlich weniger belastbar. Seine Tragfähigkeit kann im Vergleich zu gleich dickem schwarzem Eis um den Faktor zehn geringer sein.

Tragfähigkeit und Sicherheitsregeln

Für schwarzes Eis gilt folgende Faustformel,

wobei h die Eisdicke in Zentimetern ist.

Theoretisch kann bereits 5 Zentimeter (kurz: cm) dickes Eis einen einzelnen Menschen tragen. Da jedoch selten homogenes schwarzes Eis vorliegt und die Eisdicke innerhalb eines Gewässers stark variiert, gelten deutlich strengere Sicherheitsrichtlinien. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft empfiehlt:

Stehende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 15 cm Eisdicke
Fließende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 20 cm Eisdicke

Besondere Vorsicht ist geboten unter Brücken, in der Nähe von Zu- und Abflüssen, bei Schilf, starkem Grundwasserzutritt oder aufsteigenden Gasen – dort ist das Eis oft deutlich dünner.

Flache Gewässer wie Dorfteiche oder überflutete Wiesen frieren schneller zu und sind für erste Erfahrungen meist weniger gefährlich. Tiefe Gewässer erfordern konsequent die Einhaltung der genannten Mindestdicken. Bei überwiegend weißem Eis oder hoher Belastung durch Schnee oder viele Personen sollte die Eisdicke 20 cm nicht unterschreiten. Informationen zur Begehbarkeit können bei den Kommunen eingeholt werden.

Risse und Überlastung

Eis reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Bei sinkenden Temperaturen zieht sich die Eisdecke zusammen, bei Erwärmung dehnt sie sich aus. Dabei entstehen Risse, die meist wieder zufrieren, solange der Frost anhält. Gefährlich wird es bei Überlastung: Senkt sich das Eis stark ab, entstehen zunächst Risse an der Unterseite, dann an der Oberfläche – ein Einbruch steht unmittelbar bevor. Bewegte Lasten sind dabei weniger gefährlich als stehende.

Hebungen und Senkungen durch Eisbewegungen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Im Frühjahr verliert das Eis dann rasch an Stabilität. Zunehmende Sonneneinstrahlung macht es morsch und brüchig, Schollen lösen sich. Spätestens dann ist das Betreten nicht mehr verantwortbar.

Risse im Eis, die einen Einbruch ankündigen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Verhalten bei Gefahr auf dem Eis

Gerät man auf dem Eis in eine gefährliche Situation, rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft dazu, Ruhe zu bewahren und laut um Hilfe zu rufen. Knackt oder knistert das Eis, sollte man sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich langsam in Bauchlage in Richtung Ufer zurückbewegen. Bei einem Eiseinbruch wird das dünne Eis vorsichtig zur tragfähigen Fläche hin weggeschlagen, anschließend zieht man sich bäuchlings auf das Eis und entfernt sich kriechend vom Gefahrenbereich.

Bei einem Einbruch ist umgehend der Notruf 112 abzusetzen. Rettungsversuche sind extrem gefährlich und sollten möglichst den Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG überlassen werden. Muss dennoch geholfen werden, ist größte Vorsicht geboten: Nur kriechend nähern, Abstand halten, Hilfsmittel nutzen (z. B. Jacke, Schal, Ast) und niemals die Hand reichen.

In vielen Regionen Deutschlands gilt das Zufrieren größerer Gewässer als besonderes Ereignis. Bleibt zu hoffen, dass Vernunft stets Vorrang vor Leichtsinn hat – damit das Naturerlebnis nicht zur Gefahr wird.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert zusammen
mit Dipl.-Meteorologe (FH) Jens Oehmichen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Mildes-Zwischenspiel-ohne-Winterrueckkehr-.png 915 1285 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-15 16:51:212026-01-15 17:05:29Sicher auf dem Eis?!

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

14. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Über dem Nordatlantik sind aktuell mehrere Tiefdruckgebiete aktiv, die für leicht wechselhaftes Wetter in Deutschland sorgen. Mit einer west- bis südwestlichen Strömung hat sich milde Meeresluft im gesamten Land durchgesetzt, und selbst der Osten taut langsam auf. Am deutlichsten macht sich die milde Witterung jedoch in der Westhälfte bemerkbar.

Am heutigen Mittwoch bringen die Ausläufer des Tiefs HILTRUD regional Niederschläge. Im Süden bleibt es dagegen sehr wahrscheinlich trocken, und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Lediglich an der unteren Donau hält sich ganztägig dichter Nebel mit trübem Wetter. Auch im Nordwesten und Norden lockert die Bewölkung zeitweise auf, dort bleibt es überwiegend trocken. Die Temperaturen steigen auf 6 bis 14 Grad, im Südosten und Osten werden 2 bis 8 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag ist die Frostgefahr insgesamt gering. Nur bei längerem Aufklaren im Süden und im äußersten Norden kann es zu leichtem Frost kommen, dort besteht stellenweise Glättegefahr. Ansonsten bleibt das Risiko gering.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 14.01.2026 12 UTC.

Der Donnerstag beginnt vielerorts grau und trüb, zeitweise fällt etwas Regen oder Sprühregen. Von Südwesten her lockert die Bewölkung jedoch nach und nach auf, und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 14 Grad, im Nordosten sowie an der unteren Donau zwischen 2 und 5 Grad. In der Nacht zum Freitag nimmt die Frostgefahr vor allem in der Südosthälfte zu, da es dort oft gering bewölkt bleibt. Stellenweise bildet sich Nebel, und örtlich kann es durch überfrierende Nässe glatt werden. In der Nordwesthälfte ziehen dagegen dichtere Wolken durch, die kaum Niederschlag bringen, aber dafür sorgen, dass die Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleiben.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 15.01.2026 12 UTC.

Im weiteren Verlauf der Woche zeigt sich das Wetter insgesamt eher unauffällig. Hin und wieder fällt etwas Regen, regional – besonders im Süden und teilweise auch in der Mitte – sind jedoch längere sonnige Phasen möglich. In den Nächten steigt die Nebelgefahr. Während in der Westhälfte zunächst kein Frost zu erwarten ist, kann es im Osten gebietsweise frieren. Insgesamt kühlt es wieder etwas ab: Später ist verbreitet mit Nachtfrost zu rechnen, und die Tageshöchstwerte erreichen meist nur noch einstellige Temperaturen. Eine erneute winterliche Wetterlage mit Schneefällen ist jedoch nicht in Sicht. Lediglich im Glaskugelbereich, gegen Ende der nächsten Woche, gibt es erste Hinweise auf eine Rückkehr des Winters, zumindest mit Dauerfrost. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Mildes-Zwischenspiel-ohne-Winterrueckkehr-.png 915 1285 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-14 17:06:072026-01-15 17:12:42Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr
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