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Glatt, aber wieso? 

28. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Glätte hier, Glätte dort, das Winterwetter sorgt derzeit immer wieder für rutschige Straßen und Wege. In der Wettervorhersage fallen dann Begriffe wie überfrierende Nässe, Reif oder gefrierender Regen. Heute wollen wir uns daher ein wenig mit den unterschiedlichen Arten von Glätte oder Glatteis beschäftigen.

Reifglätte 

Die erste Sorte entsteht, wenn sich – wie der Name schon vermuten lässt – Reif bildet. Das heißt in Bodennähe entspricht die Temperatur der Feuchttemperatur, sodass sich der in der Luft vorhandene Wasserdampf als Eis auf Oberflächen ablagern kann.
Dieser Reif kann nun beispielsweise auf Gehwegen von Fußgängern zusammengedrückt und dadurch kurzzeitig flüssig werden. Bei negativen Oberflächentemperaturen gefriert er danach wieder und es wird glatt.

Eisglätte

Die zweite Art der Glätte ist tückisch. Sie entsteht, wenn auf den Straßen noch Wasser jeglicher Art vorhanden ist. Wenn nun durch einen nächtlichen sternenklaren Himmel oder durch herangeführte Kaltluft die Temperatur sinkt, gefriert das Wasser auf den Straßen. Auch Restnässe von einem vergangenen Niederschlagsereignis kann für spiegelglatte Beläge sorgen. Das macht die Vorhersage, wo und wann es gefährlich wird umso herausfordernder.

Glatteis

Vielleicht auch unter dem umgangssprachlichen Begriff Blitzeis bekannt, ist dieses Phänomen besonders gefährlich. Meteorologisch gesehen, müssen zuerst Regentropfen in einer Wolke entstehen. Dazu werden positive Temperaturen benötigt, hier spricht man auch von einer „warmen Nase“. Die Erklärung findet sich, wenn ein dazugehöriger Radiosondenaufstieg angeschaut wird – der Temperaturverlauf zeigt eine Ausbeulung nach rechts, ähnlich einer Nase (siehe Abb. 2). Die entstandenen Tropfen fallen auf ihrem Weg nach unten durch eine kalte Schicht, die jedoch nicht ausreicht, dass sie schon gefrieren. Die Tropfen sind nun unterkühlt und damit kälter als der Gefrierpunkt. Beim Auftreffen auf den Boden gefrieren sie sofort und können innerhalb sehr kurzer Zeit für gefährlich glatte Straßenverhältnissen sorgen.

 

Abb. 1: Glatteis auf Oberfläche 

Abb. 2: Skizze eines Temperaturverlaufs für gefrierenden Regen 

Schwierig ist auch die Vorhersage bzw. die Detektion, da schon geringe Mengen reichen können. Wettermodelle sind nicht in der Lage jeden noch so kleinen Schauer präzise vorherzusagen. Gleichzeitig kann es sein, dass die Niederschlagsradare keine Signale zeigen, da der Sprühregen zu schwach ist oder die Wolken zu tief liegen, als dass der Radarstrahl sie erfassen könnte. Manchmal sind wir Meteorologen daher trotz der vielen Messgeräte blind und können lediglich auf Ihre Meldungen über die Warnwetter-App zurückgreifen. Daher vielen Dank für Ihre rege Aktivität dabei!

Schneeglätte

Diese Art der Glätte ist wohl die per Auge am einfachsten erkennbare. Überspitzt gesagt: Liegt Schnee? Ja! Gut, dann ist es glatt.

Natürlich ist es nicht ganz so einfach, aber tatsächlich wird eine Schneedecke benötigt. Wenn diese, ähnlich der Reifglätte, festgetreten oder zusammengepresst wird, verflüssigt sich der Schnee. Wenn er dann wieder gefriert, ist die Oberfläche glatt und die Schneeglätte ist entstanden. Somit ist bei Altschnee die Wahrscheinlichkeit höher, dass es glatt ist, als bei Neuschnee. 

M.Sc. Met. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/02/Glatt-aber-wieso-2.png 492 436 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-28 14:15:282026-02-01 14:21:05Glatt, aber wieso? 

Wo spielt Wetter überall eine Rolle? 

27. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Kein Thema schafft es so regelmäßig in die Nachrichten wie das Wetter. Da kann allenfalls der Verkehrsfunk mithalten. Aber auch sonst spricht jeder fast täglich über Wetter. Ob morgens beim Bäcker oder im Supermarkt, beim Warten auf die Bahn oder beim gemütlichen Kaffeeklatsch. Das Thema Wetter ist allgegenwärtig. Oftmals wird geschimpft, was denn mit dem Wetter los sei, dann wird über den Schnee und das Winterwetter gestöhnt oder sich beschwert, dass gerade bei einem selbst kein Schnee gefallen ist. Nur selten sind wirklich alle zufrieden. Das ist jedoch wenig verwunderlich, denn schließlich verfolgt jeder Mensch andere Interessen. Während beispielsweise Kinder eine ordentliche Schneedecke wollen, um Rodeln zu können, treibt es Autofahrern die Schweißperlen auf die Stirn, wenn mal wieder ein Verkehrschaos durch Schnee- und Eisglätte ausbricht. Große Differenzen gibt es auch beim Thema Niederschlag und Sonnenschein. Bauern brauchen beispielsweise Niederschläge für die Aussaat und die Zucht von Getreide. Demgegenüber stehen die Menschen die in ihrer Freizeit gerne Sonnenschein und trockenes Wetter hätten, um zum Beispiel an den See gehen zu können oder um einfach einen Kaffee im Freien zu genießen. Einige Bereiche, in denen Wetter eine Rolle spielt, wurden damit schon angeschnitten. Doch wo spielt Wetter noch eine Rolle und wo arbeiten Meteorologen eigentlich überall? 

Studierten Meteorologen stehen nach Abschluss des Studiums viele Wege offen. Neben dem „klassisch“ angesehenen Weg vor die Kamera oder ins Radio beziehungsweise in die (Flugwetter-) Vorhersage beim Deutschen Wetterdienst oder bei privaten Wetteranbietern kann man auch eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Oftmals vertiefen sich Meteorologen in Projektarbeiten im Bereich der Klimatologie, der Modellierung, der Hydrologie, der Stadtplanung oder im Agrarbereich. Ein weiterer Arbeitsbereich ist in der Energiemeteorologie angesiedelt. Dabei werden beispielsweise Berechnungen und Prognosen erstellt, wo es sich lohnen könnte, einen Windpark oder einen Solarpark zu bauen, beziehungsweise wie deren Ertrag aussieht. Im Versicherungsbereich finden sich ebenfalls Meteorologen sowohl bei Rückversicherern als auch bei Firmen, die zum Beispiel Niederschlags-, Wind- oder Hagelgutachten anfertigen. Selbst der Strom- und Gaspreis ist vom Wetter abhängig, weshalb in großen Energiefirmen ebenso Meteorologen beschäftigt werden. Diese erstellen Prognosen, wie viel Strom durch Wind- und Solarenergie in die Netze eingespeist werden kann. In der Wettervorhersage für Autorennen oder andere Events werden ebenfalls Meteorologen benötigt. Ein wichtiger Arbeitgeber ist zudem die Bundeswehr, denn auch sie beschäftigt eigene Meteorologen. Sowohl in der Ausbildung als auch bei weltweiten Wetterprognosen arbeiten der DWD und die Bundeswehr eng zusammen. 

Des Weiteren taucht der Begriff Wetter oder alles, was damit in Verbindung gebracht wird, in vielen Liedern auf. Beispielsweise geht es in „Leise rieselt der Schnee“, „36 Grad“, „Here comes the sun“ oder „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“ ums Wetter.

Außerdem haben sich einige Dichter mit dem Thema Wetter befasst und Wetterbedingungen spielen eine grundlegende Rolle in ihren Werken. Zum Beispiel wäre dabei „Regenwetter“, „Der Erlkönig“ oder „Unterm weißen Baume sitzend“ zu nennen. Dies sind nur wenige Beispiele für Lieder und Gedichte. Vielleicht haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein selbst geschriebenes Gedicht oder komponierten Wettersong auf Lager? 

Eins ist abschließend auf jeden Fall sicher zu sagen. Das Thema Wetter beschäftigt viele Menschen Tag für Tag aufs Neue. Das war in der Vergangenheit bereits der Fall und wird sich sicherlich in der Zukunft nicht ändern, ganz nach dem Motto: 

„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist“. 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-27 14:09:372026-02-01 14:14:20Wo spielt Wetter überall eine Rolle? 

LEONIE – Die Schnee- und Eisbringerin! 

26. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zum Teil hochwinterlich präsentiert sich der heutige Wochenstart! Tief LEONIE, das sich heute Vormittag über dem Osten Deutschlands befindet, brachte seit gestern Nachmittag beziehungsweise in der vergangenen Nacht in einem breiten Streifen vom Süden bis in den Norden verbreitet 5 bis 15 cm, im Süden lokal bis zu 30 cm Neuschnee – zumeist innerhalb von 12 Stunden. Während dort die Verkehrsteilnehmer mit den zum Teil tief eingeschneiten Straßen und Wegen zu kämpfen hatten (und haben), war es im Osten und Nordosten das Glatteis, das zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt hat. Zwischen Ostsachsen und Mecklenburg-Vorpommern fielen bis heute früh verbreitet 5 bis 10 l/qm Regen innerhalb von 6 bis 12 Stunden auf die gefrorenen Böden. 

24 stündige Neuschneemenge in cm zwischen 25. und 26.01.2026, 7 Uhr. 

LEONIE zieht im Tagesverlauf ganz langsam und unter Abschwächung ost-nordostwärts und erreicht Dienstagfrüh Polen. Bis dahin werden weitere Schneefälle gegen den Uhrzeigersinn um den Tiefkern herumgeführt. Davon betroffen sind grob gesprochen die Regionen vom Norden bis zur bayerischen Donau, wo sich durchaus noch einmal der ein oder andere Zentimeter Neuschnee ansammelt. 

Aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsart mit Verlagerungsrichtung der Niederschläge am 26.01.2026 um 7:54 Uhr. 

Das meiste fällt voraussichtlich in einem Streifen vom Spessart bis in den Bayerischen Wald sowie in Ostholstein, wo bis in die Nacht zum Dienstag durchaus nochmals bis zu 10 cm, lokal vielleicht auch noch etwas mehr an Neuschnee innerhalb von 12 Stunden zu erwarten ist. Im Norden ist der Schnee zudem recht nass, sodass es gerade in Ostholstein örtlich zu Schneebruch kommen kann. 

So gut wie gar nichts mitbekommen von Schnee und Glatteis (oder höchstens durch die Medien) hat man dagegen vor allem westlich des Rheins, wo LEONIEs Niederschläge nicht ankamen. 

In der Nacht zum Dienstag klingt der Schneefall allmählich ab, sodass der Dienstag selbst erst einmal recht ruhig startet. Wer nun aber auf anhaltenden, trockenen und vielleicht sogar sonnigen Hochdruckeinfluss hofft, bei dem sich das hauseigene Winterwonderland (zumindest da, wo Schnee liegt) genießen lässt, wird herbe enttäuscht. Denn der Blick geht schon wieder gen Atlantik, wo ein großräumiger Tiefdruckkomplex rund um die Tiefs MARILU und NORMA auszumachen ist. NORMA schickt uns im Lauf der zweiten Tageshälfte einen Ausläufer zu uns, der mit feuchtmilder Luft Regenfälle von Südwesten her auf Deutschland übergreifen lässt. Während diese im Westen und Südwesten zunächst meist unproblematisch sein dürften, wird es abends mit Vorankommen in die mittleren Landesteile interessant. Vor allem im Mittelgebirgsraum droht dann erneut Glatteis durch gefrierenden Regen. 

Prognose der Niederschlagsart für den 27.01.2026, 22 Uhr (ICON-D2). 

Mit Übergreifen der Niederschläge auf die Nordosthälfte in der Nacht zum Mittwoch gehen sie in Schnee über. Ähnliches wird im Laufe des Mittwochs auch wieder in Teilen Süddeutschlands der Fall sein. Kurzum: Spätestens ab der Nacht zum Mittwoch wird es wieder bunt auf den Radarbildern, die einen „wilden“ Mix aus Schneefall, Schneeregen, Regen und gefrierendem Regen zeigen werden. Und daran ändert sich wohl auch den Rest der Woche über nichts. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/LEONIE-Die-Schnee-und-Eisbringerin-.png 928 924 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-26 19:16:102026-01-26 19:16:52LEONIE – Die Schnee- und Eisbringerin! 

Februar 1956 – Ein Leben wie im Eisschrank 

25. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der diesjährige Winter war bisher kälter als die der vergangenen Jahre und zumindest in der Nordhälfte und im Osten gab es regional auch schon jede Menge Schnee. Dabei verlief der Januar bisher dennoch „nur“ durchschnittlich, verglichen mit der Periode 1991-2020. Wem dies schon kalt vorkam, wird staunen, was sich vor 70 Jahren ereignete. Im Februar 1956 suchte eine extreme Kältewelle Deutschland und weite Teile Europas heim. Die Durchschnittstemperatur lag damals in Deutschland mit -9,6 °C unglaubliche 10 Grad unter dem langjährigen Mittel von 1961-1990 und 11,1 Grad unter dem von 1991-2020. Ähnlich kalt war es zuvor auch schon im Februar 1929, welche die beiden kältesten Monate seit Messbeginn in Deutschland darstellen. 

Ältere Bürger werden sich sicher noch an diese Kältewelle aus Kindheitstagen oder ihrer Jugend erinnern. Damit auch die jüngeren unter uns eine Vorstellung davon bekommen, wie extrem diese Kälteperiode war, vergleichen wir den Februar 1956 zunächst mit kalten Monaten aus der jüngeren Vergangenheit. Der letzte deutschlandweit kalte Februar ereignete sich im Jahr 2012, als bei eisigen Temperaturen zahlreiche Flüsse zu Eis erstarrten. Damals lag die durchschnittliche Februartemperatur allerdings gerade einmal bei -2,5 °C, also rund 7 Grad über der von Februar 1956. Auch die kalten Monate Januar und Dezember 2010 waren mit -3,2 und -4,5 °C deutlich weniger eisig als dieser Ausnahmemonat. 

Um in Deutschland derart kalte Temperaturen zu erreichen, müssen viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen. Zum einen muss ein andauerndes Hoch über dem Atlantik Tiefdruckgebieten den Weg zu uns versperren, welche normalerweise von Westen feuchte und milde Luft im Gepäck haben. Zum anderen müssen sowohl Hochdruckgebiete über Skandinavien oder Nordosteuropa im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck im Mittelmeerraum mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung sibirische Kaltluft nach Deutschland transportieren. Außerdem kann eine Schneedecke die nächtliche Abkühlung in sternenklaren Nächten unterstützen. Diese Bedingungen waren 1956 gegeben. 

Abb. 1: Großwetterlage am 01.02.1956 (links) und 05.02.1956 (rechts). Dargestellt sind die 850 hPa pseudopotentielle Temperatur (Farbflächen, °C) und der Bodendruck (weiße Isolinien). Zur Orientierung ist Deutschland gelb eingerahmt. (Quelle: www.wetter3.de) 

Bereits Ende Januar nahm die extreme Kälteperiode ihren Anfang. Zum Monatswechsel lag ein kräftiges Hoch über Skandinavien und ein Tief über dem zentralen Mittelmeer (Abb. 1, links). Zuvor konnte sich über Sibirien ein massiver Kaltluftkörper bilden, der mit einer strammen Ostströmung nach Deutschland gelangte, ohne sich deutlich zu erwärmen. Dadurch verharrten die Temperaturen selbst tagsüber verbreitet bei -15 °C, in der östlichen Mitte stieg die Temperatur teils nicht über -20 °C. Im oberfränkischen Hof betrug die Höchsttemperatur unglaubliche -21,2 °C. Zu dieser Zeit lagen im Flachland nur wenige Zentimeter Schnee, in Teilen Ostdeutschlands war es sogar schneefrei. Daher schlugen die bitterkalten Nächte von vielfach -20, in der Mitte und im Süden örtlich sogar bis -30 °C, stellenweise als verheerende Kahlfröste besonders schlimm zu. Im Erzgebirge sank in Marienberg die Temperatur auf -35,5 °C. 

Abb. 2: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 08.02.1956 (links) und 10.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Ab dem 3. Februar sickerte im Nordwesten vorübergehend etwas mildere Luft ein (Abb. 1, rechts), sodass die Temperaturen dort tagsüber knapp über den Gefrierpunkt stiegen, im Süden blieb es weiterhin frostig. Schon in den Folgetagen baute sich über dem Atlantik ein neues Hochdruckgebiet auf, das bis ins Nordmeer und nach Westsibirien vordrang. An dessen Ostflanke zog am 8. Februar ein kleines Schneetief von Norden kommend über die Osthälfte Deutschlands und lud dort verbreitet satte 10 bis 20 cm Schnee ab (Abb. 2, links). 

Abb. 3: Gemessene Temperaturen (Tagesmaximum und Tagesminimum) in °C an den DWD-Wetterstationen Hamburg-Fuhlsbüttel, Dresden-Strehlen, Köln Botanischer Garten und München-Nymphenburg. (Quelle:DWD)  

Ab dem 9. Februar kam, verursacht durch ein Hoch über Großbritannien und der Nordsee, zusammen mit einem weiteren kräftigen Hoch über dem Nordpolarmeer und einem Tief über dem zentralen Mittelmeer, eine kräftige Nordostströmung in Gang, die erneut extrem kalte Luft nach Deutschland führte (Abb. 2, rechts). Außer im Nordwesten sank die Temperatur über der Schneedecke verbreitet auf -20 bis -30 °C. Schon in der Nacht zum 9. Februar fiel die Temperatur in Görlitz in der Lausitz auf -30,8 °C und kam tagsüber nicht über -21,3 °C hinaus. Der Höhepunkt dieser Kältewelle war in der Nacht zum und am 10. Februar erreicht (Abb. 3). Vor allem in Sachsen und Bayern sanken die Temperaturen verbreitet auf -25 bis -35 °C. In Waldsassen (Oberpfalz) stürzte die Temperatur sogar auf -36,3°C, in Wasserburg am Inn waren es -35,1 °C. Auch tagsüber blieb es bitterkalt. In der Südosthälfte lagen die Höchsttemperaturen unter -10, am Alpenrand sogar unter -20 °C. Im Oberallgäu betrug die Höchsttemperatur in Oy-Mittelberg kaum vorstellbare -24,0 °C, in Bad Kohlgrub nahe Garmisch-Partenkirchen wurden maximal -23,8 °C gemessen. Damit war es dort ganztags kälter als in einem gewöhnlichen Eisschrank. 

Abb. 4: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 15.02.1956 (links) und 18.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Zwischen dem 13. und 16. Februar kreisten mehrere kleine Tiefs über Mitteleuropa (Abb. 4, links) und brachten nun auch dem Westen Deutschlands eine ordentliche Packung Schnee (20 bis 40 cm Neuschnee im Flachland). Somit lag nun mit Ausnahme des Nordwestens fast flächendeckend im Tiefland eine 15 bis 30, gebietsweise sogar 50 cm mächtige Schneedecke. Zu allem Überfluss erneuerte sich danach nochmals die Ostströmung und es dominierte in weiten Teilen Europas Hochdruckeinfluss (Abb. 4, rechts und Abb. 5, links). Dauerfrost um -5 °C, teils auch um -10 °C, und eisige Nächte von -10 bis unter -20 °C waren die Folge. Im Brandenburgischen Wustrau-Ziehtenhorst wurden in der Nacht zum 24. Februar nochmals -30 °C erreicht. Bis zum 27. Februar sank die Temperatur in den Nächten gebietsweise unter -20 °C. 

Dennoch begann ab dem 25. Februar von Westen her eine leichte Milderung und erste Wetterstationen meldeten positive Temperaturen. Zum Monatsende stellte sich die Wetterlage grundlegend um (Abb. 5, rechts). Mit einer sich formierenden Westströmung wurde mildere Meeresluft herangeführt und es setzte allmählich Tauwetter ein. 

Abb. 5: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 22.02.1956 (links) und 29.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Die verheerende Kälteperiode ließ die meisten großen Flüsse Deutschlands zufrieren. Selbst der Rhein erstarrte an vielen Stellen zu Eis. In Mainz und weiter südlich konnte man auf den Eisschollen des Rheins spazieren gehen und bei Bingen bildete sich ein Eisstau. 

Dass wir nochmals einen ähnlich kalten Wintermonat wie vor 70 Jahren erleben werden, ist im Zuge des Klimawandels sehr unwahrscheinlich geworden, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei ähnlichen Wetterkonstellationen wie damals kann es nach wie vor in Mitteleuropa extreme Kältewellen geben. In der vorindustriellen Zeit lag die Wiederkehrzeit solcher Kältewellen bei 50 bis 100 Jahren, mittlerweile dürfte sie jedoch deutlich höher liegen. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Februar-1956-–-Ein-Leben-wie-im-Eisschrank-.png 471 1214 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-25 18:57:202026-01-26 19:07:21Februar 1956 – Ein Leben wie im Eisschrank 

Der Winter hat sein Pulver noch nicht verschossen! 

24. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Tiefausläufer brachten und bringen feuchte Luft zu uns. Aus Osten strömt kalte Luft ins Land, aus Westen und Süden wird hingegen mildere Luft advehiert. Diese milde Luft macht sich nicht wirklich am Boden bemerkbar, sie ist eher „höhenaktiv“. Bedeutet: Der fallende Niederschlag schmilzt in einer gewissen Höhe und wird zu Regen. Dieser fällt dann in relativ kalte Luft am Boden, wo die Belagstemperatur von Straßen und Wegen teils unter 0 Grad liegt. Im Ergebnis friert der Regen auf Belägen und es bildet sich Glatteis. Das ist je nach Niederschlagsmenge recht dick oder auch mal dünner und damit unterschiedlich glatt.

Karte Europa und Nordatlantik mit Analyse von Isobaren und Fronten von Samstag, 24.01.2026, 0 UTC/1 MEZ 

Verantwortlich für den aktuellen Zustrom feuchter Luft ist Tief LEONIE I bei den Britischen Inseln. Sie lenkt feuchte und milde Luft ins Land, die vor allem im Westen und Nordwesten etwas Regen bringt. Die kalte Luft aus Osten, herangeführt auf der Rückseite des Hochs über Russland, setzt sich im Laufe des Nachmittags durch und lässt den Regen wieder in Schnee übergehen. Es bleibt grundsätzlich glatt, nur die Gefahr von Glatteis geht zurück. 

 

Nach Süden und Osten hin ist es weitgehend niederschlagsfrei, wenn auch gebietsweise trüb durch Nebel oder Hochnebel. Nur im Südosten liegt ebenfalls etwas feuchtere Luft, aus der es stellenweise leicht nieseln oder sprühen kann. Diese verlagert sich in der Nacht zum Sonntag ost-nordostwärts und somit raus aus Deutschland. Bis dahin sind bei leichtem Niederschlag aber auch dort Glätte oder Glatteis möglich.
 

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage von Isobaren und Fronten für Sonntag, 25.01.2026, mittags 

Im Laufe des Sonntags macht sich LEONIE II auf den Weg nach Norden und übernimmt bei uns die Wetterregie. Sie bringt ab den Nachmittagsstunden dem Süden Schnee und Schneeregen. Im Laufe des Abends und der Nacht zum Montag ziehen die Niederschläge nordwärts. An der Ostseite/Vorderseite des Tiefs wird in der Höhe relativ milde Luft in die östlichsten Regionen Deutschlands geführt. Der Schneefall kann dort also in Regen oder Schneeregen übergehen. Da die bodennahe Luft aber weiterhin kalt ist und meist unter 0 Grad liegt, droht gefrierender Regen und somit Glatteis. 

 

Deutschlandkarte mit Vorhersage von Schnee (weiß) und Regen (blau) aus dem ICON Modell für Montag, 26.01.2026 1 Uhr 

Wann genau und wie genau das Tief zieht, ist derzeit noch ungewiss. Das Potenzial einer überregionalen Glättelage ist aber gegeben. Sei es durch Schneefall oder durch Glatteis. Da die Luft reich an Feuchte ist, werden die Niederschläge teilweise kräftiger ausfallen. 

 

Modellvergleich der 12-stündigen Schneemenge von EZMW (links) und ICON (rechts) für Montag, 26.01.2026 06 UTC/7 MEZ 

In wenigen Stunden sind 5 Zentimeter Neuschnee wahrscheinlich. Über die Nacht hinweg kommen verbreitet 5 bis 10 cm Neuschnee zusammen, regional sind bis Montagvormittag auch bis 15 cm innerhalb von 12 Stunden möglich.
 

 

Deutschlandkarte mit der Vorhersage des signifikanten Wetters aus dem ICON D2 Modell für Montag, 26.01.2026 1 Uhr  

Die Modelle sind sich noch nicht ganz einig, nähern sich aber mehr und mehr an. Unser Lokalmodell ICON D2 simuliert in der zweiten Nachthälfte für weite Teile Brandenburgs und die Bundeshauptstadt gefrierenden Regen. In den frühen Morgenstunden soll dieser aber nordwärts abziehen und von Schneefall abgelöst werden.

Apropos Norden: Hamburg wird es diesmal nicht so hart treffen wie in den ersten Tagen des Jahres. Aber an der Ostsee frischt mit Annäherung von LEONIE II der Nordostwind deutlich auf. In Böen sind teilweise um 65 km/h möglich. Schnee und Schneeregen fallen also eher waagerecht und können sich – wie sollte es auch anders sein – an oft ungünstigen Stellen akkumulieren.

Als Fazit bleibt zu ziehen: Es ist mal wieder eine spannende Lage mit großem Potential für überregionale Glätte und damit verbunden weitreichenden Störungen im Straßen- und Schienenverkehr. Und das Ganze auch noch zur besten Zeit: Montagmorgen!

Wer denkt, dass die letzten Tage des Januars entspannter werden, der irrt. Es geht mit einem Wechselspiel aus milderer und kälterer Luft weiter. Die Nächte sind verbreitet frostig, im Osten und Nordosten ist auch wieder/immer noch Dauerfrost ein Thema. Zudem stehen im Zustrom zeitweise feuchter Luft Schnee, Regen und damit einhergehend Glätte auf dem Programm. 

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Schweres Unwetter auf Sizilien – trotz großer Schäden keine Todesopfer 

23. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Heute werfen wir einen Blick nach Südeuropa: Von Montag bis Mittwoch zu Beginn der Woche geriet Sizilien unter den Einfluss einer kräftigen und außergewöhnlich langlebigen Sturmwetterlage. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet über dem zentralen Mittelmeer führte zu anhaltendem Starkwind, intensiven Niederschlägen und außergewöhnlich hohem Seegang. Besonders betroffen war die Ostküste der Insel, wo es zu schweren Sturmfluten kam. 

Trotz erheblicher Schäden an Infrastruktur und Gebäuden über weite Küstenabschnitte hinweg wurden keine Todesopfer oder Verletzten gemeldet. Dies unterstreicht die hohe Wirksamkeit frühzeitiger Wetterwarnungen, behördlicher Maßnahmen und der guten Vorbereitung der Bevölkerung. 

Bodenanalysen mit Luftdruck und Fronten. (Quelle:DWD) 

Meteorologische Entwicklung 

Bereits mehrere Tage vor Ereignisbeginn zeigten numerische Wettermodelle die mögliche Entwicklung eines Tiefdruckgebiets mit Ursprung im nordafrikanischen Raum. In den Prognosen zeichneten sich ergiebige Niederschläge, sehr starke Winde sowie schwere Sturmfluten entlang der exponierten Küsten Siziliens ab. 

Ab Freitag verdichteten sich die Hinweise auf eine potenziell lebensgefährliche Wetterlage. Der regionale Katastrophenschutz gab frühzeitig Vorwarnungen an die Gemeinden der Ostküste heraus und wies insbesondere auf die Gefahr außergewöhnlich hoher Wellen hin. 

Warnungen und Schutzmaßnahmen 

Am Sonntag bestätigten sich die Prognosen: Erwartet wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h sowie Wellenhöhen von teils mehr als neun Metern. In der Folge wurde für Montag die höchste Warnstufe ausgerufen. Es kam zu präventiven Evakuierungen in besonders gefährdeten Küstenbereichen, zur Sperrung von Küstenstraßen sowie zur Schließung von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, unnötige Wege zu vermeiden. Diese Maßnahmen blieben bis Dienstag und teilweise bis Mittwochvormittag in Kraft. 

Unwetterwarnung: rot höchste Warnstufe (Quelle:Regionaler Zivilschutz) (Protezione Civile Siciliana) 

Höhepunkt der Sturmwetterlage 

Während bereits am Montag und am Dienstag erste Schäden auftraten, erreichte das Unwetter in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch seinen Höhepunkt. Das Tiefdruckgebiet intensivierte sich über dem Bereich zwischen Tunesien und der Straße von Sizilien. Der Wind erreichte Sturm- bis Orkanstärke, der Seegang nahm weiter zu. 

Entlang der Ostküste wurden wiederholt Wellenhöhen von sechs bis sieben Metern beobachtet, einzelne Wellen erreichten lokal etwa zehn Meter. Küstenstraßen, Promenaden und Hafenanlagen wurden stark beschädigt, Gebäude überflutet oder teilweise zerstört. Auch Verkehrsverbindungen, darunter die Bahnstrecke zwischen Messina und Syrakus, war und ist bis auf weiteres unterbrochen. 

Die durch das Unwetter verursachten Schäden werden auf rund 740 Millionen Euro geschätzt. Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Eine Katastrophe dieses Ausmaßes hat die Ostküste Siziliens seit mindestens 50 Jahren – wenn nicht länger – nicht mehr getroffen. 

Hohe Wellen bis zu 10 m richteten verheerende Schäden an der Infrastruktur an (Quelle: Notizie Sicilia und GL press) 

Außergewöhnliche Messwerte 

Messbojen lieferten außergewöhnliche Daten: Vor der Küste bei Catania wurden maximale Wellenhöhen von neun bis zehn Metern registriert. Eine Boje zwischen Sizilien und Malta zeichnete sogar eine maximale Wellenhöhe von rund 16 Metern bei Wellenperioden von zehn bis zwölf Sekunden auf – ein neuer Rekordwert für das Mittelmeer. Solche Wellenhöhen sind in einem vergleichsweise geschlossenen Meer äußerst selten. Sie entstanden durch lang anhaltende, starke Winde aus nahezu konstanter Richtung über ein großes Seegebiet. 

Wellendiagramm von zwei Messbojen vor Sizilien (Quelle:ISPRA) 

Bedeutung der Warnungen 

Die Tatsache, dass bei diesem Extremereignis keine Menschen zu Schaden kamen, ist vor allem auf die rechtzeitige Herausgabe von Warnungen, klare behördliche Anordnungen und die hohe Akzeptanz dieser Maßnahmen in der Bevölkerung zurückzuführen.
Das Ereignis verdeutlicht, wie wichtig es ist, Wetterwarnungen ernst zu nehmen – insbesondere bei Warnstufen der höchsten Kategorie. Auch wenn sich prognostizierte Extremwerte nicht überall vollständig realisieren, dienen Warnungen stets dem Ziel, Risiken zu minimieren und Menschenleben zu schützen. 

Viele Betroffene in Sizilien, die ihr Hab und Gut verloren haben, äußerten dennoch Dankbarkeit dafür, dass ihr Leben gerettet wurde. Für Meteorologinnen und Meteorologen ist dies eine wichtige Bestätigung ihrer Arbeit: Wissen und Erfahrung dienen letztlich dem Schutz der Menschen. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

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Schneemassen im fernen Osten Russlands 

22. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Großwetterlage, die erhebliche Schneefälle auf Kamtschatka produzierte, war geprägt durch ein komplexes Tief in höheren Atmosphärenschichten, das mehrere Kerne aufwies und südlich bis südöstlich von Kamtschatka positioniert war. Dieses Tief fügte sich ein in eine ganze Reihe von Tiefdruckgebieten, die vom nordchinesischen Raum kommend nordostwärts weiterzogen und entlang dieser Linie polare kältere Luftmassen nördlich von milderen Luftmassen südlich davon trennten. Neben dem ersterwähnten sogenannten Höhentief bildeten sich auch in tieferen Atmosphärenschichten und am Boden, mehrere kleinräumige Tiefs, die um das komplexe Höhentief herumzogen: Von Nordjapan aus ging es zunächst an der Südflanke des Höhentiefs ost- und im weiteren Verlauf an dessen Ostflanke nordwärts. Dabei zogen mehrere kleinräumige Störungen, sogenannte Kurzwellentröge, am 18. und 19. Januar vom Seegebiet östlich von Kamtschatka an der Nordflanke des Höhentiefs westwärts über Kamtschatka ins Ochotskische Meer westlich der Halbinsel und brachten wiederholt höhere Mengen an Niederschlag – über den Seegebieten regnete es überwiegend, küstennah und über dem Festland schneite es. Aus dem Haupttrog generierte sich über dem Ochotskischen Meer ein neues Tief. Durch größere Luftdruckunterschiede entstanden Starkwinde, die den Schnee lokal zu hohen Verwehungen verfrachteten. Zudem kam es, bedingt durch die komplexen geographischen Gegebenheiten, zu Stauniederschlägen, da die Halbinsel Kamtschatka mit einer Kette aktiver Vulkane gebirgig geprägt ist.

Solche Entwicklungen fanden auch schon im Dezember und in der ersten Januarhälfte statt. Wiederholt setzten sich also Tiefdruckgebiete im Ochotskischen Meer fest, die dort feuchte Luftmassen gegen die sibirische und die polare Kaltluft pumpten und zusammen mit weiteren Tiefdruckgebieten über dem Nordwestpazifik hohe Schneemengen nach Kamtschatka brachten. Besonders am vergangenen Wochenende wurden solche feuchten Luftmassen vom Ochotskischen Meer südlich um Kamtschatka herumgeführt. Sie führten von Süden kommend zu heftigen Schneefällen, auch in Form breiterer Schneeschauerstraßen, die besonders die Regionshauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski getroffen hat. 

Bodenanalyse vom 20. Januar 2026, 6 UTC (7 Uhr MEZ) des japanischen Wetterdienstes. „X“ markiert die Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski auf der russischen Halbinsel Kamtschatka (hier mit Kamt. abgekürzt). Westlich dieser Halbinsel liegt das Ochotskische Meer. Man erkennt die vielen Tiefdruckgebiete („L“ in roter Schriftfarbe), die um die Halbinsel positioniert sind und für die Schneefälle verantwortlich waren.  

Schon im Dezember gab es in Kamtschatka überdurchschnittlich viel Niederschlag, der überwiegend als Schnee niederging. So wurden in Petropawlowsk-Kamtschatski 370 Liter pro Quadratmeter Niederschlag registriert, der mehr als das Dreifache des normalen Dezember-Niederschlags entspricht. Auch in der ersten Januarhälfte ging mit 164 Liter pro Quadratmeter bereits die 1,5-fache Monatsmenge des Januars nieder. Vom vergangenen Sonntagnachmittag bis Montagvormittag allein betrug die Niederschlagsmenge 39 Liter pro Quadratmeter, die in weniger als 24 Stunden fielen – alles als Neuschnee. Allein dieser Neuschnee beträgt 60% der Menge des Monatsniederschlages in einem sehr kurzen Zeitraum. Dies führte zu einer Schneehöhe, die an der offiziellen Messstation mit 170 cm angegeben wurde. Tatsächlich lagen in Petropawlowsk und Umgebung zwischen 170 und 250 cm Schnee. Durch lokal bedingte Verwehungen, besonders zwischen einzelnen Wohnblöcken am Stadtrand von Petropawlowsk-Kamtschatski, lagen 300 bis 500 cm Schnee, an einzelnen Stellen sogar noch mehr.

Dies bedeutet, dass einzelne Straßenabschnitte komplett zugeschneit sind und keine eingeschneiten parkenden Fahrzeuge mehr zu erkennen sind. An Wohngebäuden reicht die Schneehöhe locker ins erste Obergeschoss und teilweise noch viel höher bis zur vierten Etage, was bedeutet, dass Eingänge komplett mit Schnee zugeweht sind. Videos in sozialen Medien zeigen Bewohner, die umständlich Hauseingänge freischaufeln und Wege bzw. Schneetunnel zu ihren eingeschneiten Fahrzeugen graben. Schwierigkeiten in der Nahversorgung sind die Folge. Zudem steigt die Gefahr, von den Dächern abrutschenden Schneemassen oder abbrechenden großen Eiszapfen erschlagen zu werden, was bereits zu mindestens zwei Todesfällen führte. Meteorologen der dortigen regionalen Außenstelle des staatlichen russischen Wetterdienstes meinten, dass ähnliche Bedingungen letztmals vor über 50 Jahren, solche Schneehöhen letztmals vor über 60 Jahren, auftraten und damit extrem rar im Zeitalter moderner Wetterbeobachtungen sind. Derweil steigt die Lawinengefahr im Hinterland von Petropawlowsk-Kamtschatski, da die dortigen Vulkane ebenfalls gigantische Schneehöhen aufweisen. Sollte plötzliches Tauwetter eintreten, drohen massive Überschwemmungen durch abfließendes Schmelzwasser. Aufgrund lizenzrechtlicher Probleme verzichtet der Autor auf die Abbildung entsprechender beeindruckender Fotos aus Petropawlowsk, es sei an dieser Stelle auf die Links am Ende des Artikels verwiesen. 

 

Gesamtschneehöhen nach dem Wettermodell ICON13 für die Region Kamtschatka für 22. Januar 2026, 13 Uhr MEZ. Die Gebirgskette der Vulkane der Halbinsel wird mit etwa 400 cm Schneehöhe modelliert. Dies zeigt der graubläuliche Streifen, der quer über die Halbinsel von Süd nach Nord geht.

 

Messungen der Schneehöhen auf Kamtschatka vom 19. Januar 2026, 22 Uhr MEZ. Die Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski hat 168 cm Schnee, deutlich mehr als alle anderen Messpunkte in der Umgebung. 

Können ähnliche Bedingungen auch in Europa auftreten? Hierzulande können sich wiederholt Tiefdruckgebiete an der ein oder anderen Stelle festsetzen und manchen Regionen große Niederschlagsmengen zuführen. Derzeit liegt ein umfangreiches Hoch über dem nördlichen Osteuropa, welches in den nächsten Tagen sich nur wenig südwärts bewegen wird. Aus dem Atlantikraum vordringende feucht-milde Luftmassen werden damit auf ihrem Weg nach Osten blockiert. Unter dem Hoch sammelt sich jedoch die schwere Kaltluft an. Zusammen mit einem Hoch über Sibirien hat sich über einer flächenmäßig großen Schneedecke über der Russischen Föderation ein großer Kaltluftspeicher gebildet. Der Schnee reflektiert einstrahlendes Sonnenlicht und verhindert damit eine Erwärmung. Diese Kaltluft gelangt in abgeschwächter Form bis nach Deutschland, was besonders die Osthälfte mit Dauerfrost und in der Nacht zum Freitag letztmals strengem Nachtfrost zu spüren bekommt. Vordringende Ausläufer atlantischer Tiefs bringen zwar Anfang kommender Woche etwas Schnee. Da hier jedoch nicht so hohe Feuchtigkeitswerte wie über dem Pazifik vorherrschen und die geographischen Bedingungen anders sind, sind solche Schneemengen wie auf Kamtschatka nicht zu erwarten. 

Quellen: Moscow Times, BBC News, Reuters, der Standard, Merkur, mit Material der dpa und lokalen meteorologischen Berichten des russischen Wetterdienstes aus Kamtschatka 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Inversionen soweit das Auge reicht 

21. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Dass die Temperatur unmittelbar über dem Erdboden mit der Höhe zunimmt, ist insbesondere in Herbst- und Winternächten keine Seltenheit. Der nächtliche Mangel an solarer Einstrahlung bei gleichzeitigem Abstrahlen im Infraroten führt zu einer Auskühlung der Erdoberfläche. Diese Abkühlung wird durch direkten Kontakt sowie durch mehr oder weniger ausgeprägte Turbulenz auf die darüber liegenden Luftschichten übertragen. Mit zunehmender Höhe nimmt der Einfluss der bodennahen Auskühlung ab, sodass sich eine Inversionsschicht ausbildet. Dies ist ein Höhenbereich, in dem die Temperatur mit der Höhe zunimmt. Abbildung 1 zeigt den Temperaturverlauf mit der Höhe über Greifswald in der Nacht zum vergangenen Samstag. Die bodennahe Inversion ist deutlich erkennbar: Die Temperatur steigt von knapp über 0 °C am Boden auf etwa 8 °C innerhalb weniger hundert Meter Höhe. 

Radiosondenaufstieg vom 17.01.2026 um 00 Uhr UTC über Greifswald. Dargestellt sind der Verlauf mit der Höhe von Temperatur (durchgezogene schwarze Linie), Taupunkt (gestrichelte Linie), und Windgeschwindigkeit und -richtung (Windfiedern am rechten Rand). 

Das Radiosondenprofil zeigt zudem, dass die bodennahe Temperatur mit dem Taupunkt übereinstimmt, was auf Wasserdampfsättigung und mögliche Nebelbildung hindeutet. Im Verlauf der Nacht auf den 17. Januar war, zusätzlich zu der bodennahen Auskühlung, feucht-kalte Luft mit einer südöstlichen Strömung aus Polen eingeflossen, was in einem bewarnten Bereich bis einschließlich Rügen mit dichtem Nebel und Sichtweiten unter 150 m einherging (Abbildung 2).
Das Satellitenbild zeigt außerdem dichten Nebel über Tschechien, wo sich bei günstigen Bedingungen bereits über Tage kalte Luft im Böhmischen Becken gesammelt hatte, und bei Überströmung von verhältnismäßig warmer Luft in ca. 1,5 km Höhe zu einer besonders ausgeprägten Inversion geführt hatte (der damit zusammenhängende Böhmische Wind war in den letzten Tagen ja ebenfalls Thema in Sachsen). 

 

Satellitenprodukt des Meteosat Third Generation (MTG) Satelliten, am 17.01.2026 um 00 Uhr UTC, mit farblich hervorgehobenen niedrigen Wolken (hier größtenteils Nebel). Die Nebelwarnung ist hervorgehoben. 

Die bodennahe Temperaturinversion erzeugt eine sehr stabile Schichtung, die den vertikalen Austausch von Luft hemmt. Dadurch bleibt die nebelbildende Feuchtigkeit nahe am Boden konzentriert, und auch an der Oberfläche ausgestoßene Luftschadstoffe können sich nicht nach oben verteilen, was zur Bildung von Smog (smoke+fog) führen kann. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich zum betrachteten Zeitpunkt auch in anderen Landesteilen Nebel gebildet hat, so z.B. im dafür anfälligen Donautal, oder in westlichen Landesteilen wo jedoch hohe Wolken im Satellitenbild die „Sicht“ verdecken. 

Wandert man im Radiosondenprofil von der Bodeninversion weiter nach oben fallen mehrere Strukturen im Temperaturverlauf auf, die an eine Inversion erinnern (750 und 650 hPa), auch wenn hier die Temperatur mit der Höhe nur konstant bleibt und noch nicht ansteigt. Inversionen in der Mitte der Troposphäre können z.B. durch horizontales Heranführen von wärmeren oder kälteren Luftmassen entstehen, oder durch großskaliges Absinken von Luftmassen unter Hochdruckeinfluss. Bei letzterem wird die Luft unter steigendem Luftdruck komprimiert und die Temperatur steigt ohne Wärmeaustausch oder Wolken-/Turbulenz-Prozesse gemäß dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten von ca. 1°C/100 m. So kann sie abhängig vom vertikalen Verlauf des Absinkens eine höhere Temperatur erreichen als die darunter liegende Luft. 

Wandert man im Radiosondenprofil noch weiter nach oben, erreicht man bei etwa 200 hPa die Tropopause, den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre, der zweiten Schicht der Atmosphäre (Thema des Tages vom 13.11.2025). Dass die Stratosphäre prinzipiell – und definitionsgemäß – durch einen Temperaturanstieg mit der Höhe gekennzeichnet ist, ist seit über hundert Jahren bekannt. Eine vergleichsweise neue Erkenntnis ist, dass unmittelbar an der Tropopause, abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, aber systematisch, ein Maximum der Temperaturzunahme auftritt. Für diese Schicht wurde der Begriff Tropopauseninversionsschicht geprägt. Ähnlich wie bei der bodennahen Inversion spielt auch hier die langwellige (infrarote) Ausstrahlung eine wichtige Rolle. Insbesondere Spurengase wie Wasserdampf, der in der Troposphäre in deutlich höherer Konzentration vorkommt als in der Stratosphäre, tragen maßgeblich zu diesem Effekt bei. Die Absorption durch Ozon in der Stratosphäre spielt ebenso eine Rolle, sowie auch eine Vielzahl von dynamischen Prozessen. (Das zweite Maximum im Temperaturgradienten bei etwa 170 hPa könnte ein Hinweis auf die dynamischen Prozesse und die resultierende oft vielschichtige Struktur der Tropopausenregion sein).
Die Tropopauseninversionsschicht stellt, ebenfalls analog zur bodennahen Inversion, eine Transportbarriere dar, die den Austausch von Spurengasen zwischen Troposphäre und Stratosphäre hemmt. Wie stabil diese Sperrschicht letztlich ist, ist jedoch weiterhin Gegenstand aktueller Forschung. Eine zentrale Motivation hierfür liegt in den Auswirkungen der Spurengasverteilung auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre (Stichwort Klimawandel) sowie im Einfluss anthropogener Spurengasemissionen auf die Stratosphärenchemie. Ein Hinweis auf einen möglichen Mischungsprozess trotz hoher Stabilität findet sich in den Windfiedern im Bereich der Inversion bei 200 hPa in Abbildung 1 (vergleiche Thema des Tages vom 22.05.2016). 

Inversionen und ihre zentrale Eigenschaft treten in der Natur in vielfältiger Form auf. Konzeptionell eng verwandt ist die sogenannte Thermokline der Ozeane, bei der oberflächennahes Wasser wärmer ist als das darunterliegende Tiefenwasser. Charakteristisch ist ein vertikal begrenzter Bereich mit maximalem Temperaturgradienten, der als stabile Sperrschicht wirkt. Diese trennt nährstoffarmes Oberflächenwasser von nährstoffreichem Tiefenwasser, kann jedoch durch Instabilitäten – etwa lokal angeregte interne Wellen – zeitweise durchmischt werden.
Dem geneigten Leser sei, falls noch nicht bekannt, mitgegeben, dass sowohl die Dichteanomalie des Wassers als auch seine geringe Kompressibilität eine wesentliche Rolle bei der Ausprägung des vertikalen Temperaturprofils spielen – was die Frage aufwirft, ob die Thermokline im streng fachlichen Sinn tatsächlich eine Inversion ist …
 

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.01.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Inversionen-soweit-das-Auge-reicht-.png 780 978 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-21 18:21:392026-01-26 18:28:21Inversionen soweit das Auge reicht 

Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

20. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der „Halos“ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dünne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen Phänomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.

 

Abb 1: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Abb 2: Lichtbrechung und Dispersion am Beispiel eines Prismas  

Halos sind Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ändert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die Stärke der Lichtbrechung ist abhängig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den Wänden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurückgeworfen, und tritt schließlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hängt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfältig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfältig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen. 

Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. Während diese Kombination in großer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dünnen Schleierwolken häufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur Verfügung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genügend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den Tälern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka für Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien über den Kamm kämpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfällt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.
 

Abb 3: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere Berührungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darüber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden Lichtsäulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind über 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich häufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten Wetterphänomenen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Eisnebelhalos-ein-himmlisches-Phaenomen-auf-Erden-.jpg 506 1599 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-20 18:12:152026-01-26 18:21:09Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 

19. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist. Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute (Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs – insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge zwischen Sardinien und Sizilien. 

Auswirkungen in Spanien 

Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein – mit Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen. 

Aufaddierter Gesamtniederschlag des ICON-Wettermodells bis Mittwoch Früh im Bereich des Westlichen Mittelmeeres 

Auswirkungen in Italien und auf Malta 

Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon) hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen. Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher „Fetch“ aufbauen: die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9 Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden. 

 

Signifikanter Seegang des EWAM-Seegangmodells im Mittelmeer am Dienstag Mittag mit dem Maximum (roter Bereich) südöstlich von Sizilien, Angaben in Metern 

Auswirkungen in Nordafrika 

Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf. 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

 

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