Der Spätsommer am Wochenende auf Stippvisite, ab der neuen Woche droht wieder meteorologisches Unheil.

Der Samstag startet vielerorts schon freundlich mit einem herbstlichen Touch. Die aufgehende Sonne wurde nämlich teilweise von flachen, teils aber auch schon dichteren Nebelfelder eingehüllt. Allenfalls von Ostsachsen bis nach Vorpommern halten sich noch dichtere Wolkenfelder, die zu der nach Polen abgezogenen Luftmassengrenze gehören und vereinzelt noch etwas Regen abladen. Im Tagesverlauf sollten jedoch auch diese Wolkenpakete brüchig werden und der Sonne langsam nachgeben. Dann steht einem freundlichen und wohltemperierten Spätsommertag nichts mehr im Wege.

Der Spaetsommer am Wochenende auf Stippvisite

Wetterlage am Samstag, 6. September mit Spätsommerhoch NINA über Deutschland. (Quelle:TKB-VBZ)

Verantwortlich für den Spätsommer ist das Hoch NINA, welches sich vorübergehend über Südostdeutschland einnistet und eine Hochdruckzone vom nördlichen Mittelmeerraum bis nach Norwegen aufspannt. Somit werden atlantische Tiefs und deren Frontenzüge zunächst mal blockiert. Resultierend kann die Sonne die eingeflossene, mäßig warme Atlantikluft am Wochenende abtrocknen und auf Werte zwischen 20 und 30 Grad erwärmen. Nachts bleibt aber bei schon recht langen Nächten (am 22. September ist Tag-Nacht-Gleiche) regional der Nebel und somit der herbstliche Touch ein Thema.

Der Spaetsommer am Wochenende auf Stippvisite 2

Höchsttemperaturen von links für Samstag, Sonntag und Montag mit Werten bis 29 Grad am Sonntag im Südwesten und Westen. (Quelle:DWD)

Doch leider ist unser spätsommerliches Hoch NINA nicht sehr stabil. Schon am Sonntag verlagert sie ihre Schwerpunkte nach Dänemark und Italien. Allerdings geschieht dies nicht freiwillig, sondern auf besonders starkem Druck eines kräftigen Tiefdruckwirbels zwischen Island und Irland. Dieses schiebt mit Macht ihre Frontenzüge vom Atlantik über Frankreich Richtung Deutschland. Der Hauptgrund, dass der Spätsommer nur auf Stippvisite vorbeischaut und rasch wieder Tiefdruckeinfluss weichen muss, liegt in größeren Höhen. Dort nämlich bleiben die derzeit bestehenden Verhältnisse gewahrt, in dem weiter tiefes Geopotential infolge eines Langwellentroges, das Zepter in der Wetterküche schwingt und Höhenhochs nur sporadisch mal mitmischen dürfen.

Zur neuen Woche kann es dann aus Wettersicht wieder richtig spannend werden. Was Meteorologen fasziniert und den trockenen Böden gefällt, dürfte vielen Bundesbürgern, die sich nach Sonne und noch etwas Wärme sehnen missfallen. In der Nacht zum Montag besucht uns zunächst die Warmfront des besagten Tiefs. Allerdings ist diese noch wenig aktiv und schiebt vor allem Wolken ins Land. Dahinter folgt aber rasch die Kaltfront, welche die Atmosphäre mehr in Wallung versetzt und bevorzugt in der Westhälfte Schauer und auch einzelne Gewitter im Programm hat. Insgesamt kann das Wettergeschehen aber nur als lockerer Aufgalopp angesehen werden, der erneut die Weichen auf einen unbeständigen, teils unwetterartigen Witterungsabschnitt einläutet.

Der Spaetsommer am Wochenende auf Stippvisite 3

Prognostizierte Wetterlage für die Nacht auf Montag, 8. September, mit einem Tief südlich von Island und dessen auf Deutschland übergreifende Ausläufer. (Quelle:TKB-VBZ)

In der Nacht zum Dienstag kann das Höhentief südwestlich von Island ihren Einfluss so stark auf die Prozesse in West- und Teilen Mitteleuropas ausdehnen, dass bodennah ein kleines aber feines Tief von Ostfrankreich über Südwestdeutschland und diagonal über Deutschland hinweg ziehen soll. Dieses Tief hat auf der Südostflanke sehr warme und feuchte Suptropikluft im Gepäck, während auf der Nordwestflanke kühle Nordseeluft vorherrscht. Auf der Zugbahn über Deutschland hinweg soll es schließlich im Umfeld des Tiefs sowie auf der Westflanke zu kräftigen und länger anhaltenden Regenfällen kommen, die gebietsweise heftig (Unwetter) ausfallen können. Einzelne Modelle zeigen aktuell sogar extreme Starkregenfälle. Auf der warmen Seite stehen dagegen teils kräftige Schauer und Gewitter auf der Agenda.

Jetzt zum ABER! Eine solche Randtiefentwicklung mit teils heftigen Begleiterscheinungen sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Sowohl die Zugbahn sowie die räumliche Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte als auch deren Intensität werden derzeit typischerweise noch nicht konsistent abgebildet und springen von Lauf zu Lauf. der Blick auf die neuesten Läufe am Samstagmorgen brachte überraschend viel Einigkeit bei der räumlichen Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte. Dies muss noch nichts heißen, könnte aber ein erster signifikanter Trend sein. Demnach sollen die höchsten Niederschlagsmengen von Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie westlichen Baden-Württemberg über Hessen, das östliche NRW und Thüringen hinweg bis ins östliche Niedersachsen und Sachsen-Anhalt fallen. Da aber sprichwörtlich bis Montag noch viel Wasser den Rhein hinab läuft, können sich die Modelle auch noch deutlich verändern. Recht sicher scheint jedoch, dass in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag durchaus unwetterträchtige Wetterphänomene möglich scheinen.

Der Spaetsommer am Wochenende auf Stippvisite 4

24-stg. Niederschlagsmengen im Modellvergleich von Montagabend bis Dienstagabend mit Starkregenfällen vom Südwesten über die Mitte hinweg bis in den Norden. (Quelle: DWD-VBZ)

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.09.2025
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Unwetter gestern Abend

Im gestrigen Thema des Tages ging es um das bevorstehende Wettergeschehen. Heute soll es nun darum gehen, wie die Realität ausgesehen hat.

Ausgangspunkt war eine Luftmassengrenze, die sich vom Süden bis in den Norden Deutschlands erstreckte und mäßig warme Atlantikluft von sehr warmer Subtropikluft trennte. Die Modelle zeigten, dass sich in der hochenergetischen Luft im Vorfeld sowie mit Unterstützung aus höheren Schichten, ab dem Nachmittag schwere Gewitter im Süden entwickeln würden. Aus diesem Grund ist im Voraus auch schon eine Vorabinformation vor schweren Gewittern für Teile Süddeutschlands ausgegeben worden. Darin wurde vor schweren Sturmböen bis 100 km/h, vereinzelt sogar orkanartigen Böen bis 115 km/h, Hagel mit 3 cm Durchmesser und Starkregen zwischen 25 und 40 l/m² in kurzer Zeit gewarnt. Was ist nun eingetreten?

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Warnlage am 04.09.2025 um 19:45 Uhr

Tatsächlich entwickelten sich am Nachmittag starke Gewitterzellen in der Schweiz. Mehrere sogenannter Superzellen zogen heran, wobei sie besonders über den östlichen Bodensee und das Allgäu das Bundesgebiet erreichten. Offizielle Warnungen vor Unwetter in diesen Gebieten waren deshalb ausgegeben. Dabei konnte auf Livebildern mancher Webcams schon beobachtet werden, dass diese Zellen einiges an Hagel produzierten. Später am Abend „verclusterten“ die Zellen wie erwartet im Bereich der Vorabinformation. „Verclustern“ bedeutet dabei, dass die Einzelereignisse zunehmend zusammenwachsen und ein großes Gebiet bilden. Es entwickelte sich ein sogenanntes MCS (Mesoscale Convective System).

Die höchsten gemessenen Niederschlagsmengen lagen tatsächlich etwa zwischen 30 und 40 l/m² innerhalb einer Stunde. Einen Ausreißer gab es: Die Station Vilgertshofen-Pflugdorf in Bayern vermeldete rund 56 l in einer Stunde. Doch um dem die Krone auszusetzen sind davon satte 50 l innerhalb einer guten halben Stunde heruntergekommen! In Zumeldungen der Nutzer der DWD-Warnwetter-App gab es außerdem Hagelbilder mit Korngrößen von ca. 3 cm, welche sich mit der Vorhersage deckten.
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Nutzermeldung Hagel

Ein kurzer Einschub hierzu: Solche Meldungen, beispielsweise zu gefallenem Hagel, helfen den Meteorologen zur Abschätzung der Gewitterstärke. Falls Sie also von einem Gewitter überrollt werden, erstellen Sie doch eine Meldung (im besten Falle mit einem aussagekräftigen Foto) über die App. Die diensthabenden Kollegen freuen sich über zusätzliche Informationsquellen. Achten Sie natürlich darauf, dass Sie sich nicht in Gefahr begeben, gerade solch heftige Unwetter bergen nicht unerhebliche Risiken!

Nun zurück zum eigentlichen Thema. Die Böenmeldungen hinkten bisher hinter der erwarteten Intensität hinterher. Um 22 Uhr vermeldeten ein paar Stationen in Bayern Windgeschwindigkeiten über 80 km/h. Eine Messung der Station Dürabuch in Bayern jedoch lag sogar bei 114 km/h, also ziemlich genau, was die Vorabinformation auch prophezeit hatte.

In den weiteren Nachtstunden bewegte sich der Komplex unter Abschwächung nach Nord-Nord-Ost. Warnungen vor nunmehr markantem mehrstündigem Starkregen, ergänzt mit Gewitterwarnungen, markierten die zukünftige Zugbahn und umfassten ein Gebiet von Franken (Bayern) bis zur Altmark (Sachsen-Anhalt). In den Morgenstunden, erreichten die deutlich abgeschwächten Überreste Mecklenburg-Vorpommern.

Die Unwetter blieben nicht ohne Folgen: So gab es Berichte über zahlreiche Feuerwehreinsätze im Allgäu und über einen Dammbruch, der für zusätzliche Überschwemmungen sorgte. In München kam es zu umgefallenen Bäumen, sodass eine Bahnstrecke zeitweise gesperrt werden musste. Solche Ereignisse wie gestern Abend sind also einerseits faszinierend, andererseits gehen sie mit gefährlichen Auswirkungen einher.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2025
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Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

Bereits in der Nacht zum vergangenen Dienstag (02.09.2025) zogen Gewitter mit Starkregen aus dem Süden Deutschlands über die Osthälfte nordostwärts. An der Wetterlage hat sich seither nur wenig getan. Weiterhin liegt ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik. Darin finden sich am heutigen Donnerstagmittag, den 04.09.2025, verschiedene Druckzentren, unter anderem Tief „Ulrich“ bei Island und Tief „Volkhard“ vor der Küste Norwegens.

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Donnerstag, den 04. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 03. September 2025, 00 UTC.

Von „Volkhard“ ausgehend erstreckt sich eine Luftmassengrenze über Mitteleuropa und greift im heutigen Tagesverlauf auf Deutschland über. In deren Vorfeld befindet sich der Süden und Osten Deutschlands im Einflussbereich erwärmter Meeresluft. Diese bringt nicht nur sommerliche Temperaturen, sondern auch ausreichend Energie auf, sodass sich ab dem Nachmittag bis in den späten Abend hinein einzelne schwere Gewitter im Süden bilden können. Dabei besteht örtlich Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen mit Mengen bis zu 40 Litern pro Quadratmeter, schweren Sturm- oder vereinzelt sogar Orkanböen sowie Hagel mit Korngrößen um 3 cm.

Am späten Abend kann sich dann in Zusammenspiel mit einer südwestlichen Überströmung der Alpen ein sogenanntes Leetief auf der Nordseite der Alpen ausbilden. Dieses führt insbesondere entlang der Luftmassengrenze zu schauerartigen Regenfällen, teils sind auch einzelne Gewitter eingelagert. Dabei kann das markante DWD-Warnkriterium für Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 20 und 35 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden erreicht werden, unwetterartige Entwicklungen mit höheren Mengen sind aber nur selten. Das Starkregengebiet zieht in der Nacht zum Freitag dann allmählich über die östliche Mitte und erreicht in den Morgenstunden des Freitags (05.09.2025) den Nordosten Deutschlands. Gleichzeitig regnet es auch im Süden an der nur sehr langsam ostwärts vorankommenden Luftmassengrenze weiterhin teils schauerartig verstärkt.

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Schematische Darstellung der bevorstehenden Unwettersituation durch schwere Gewitter (rotes Polygon) im Süden Deutschlands und gewittrigem Starkregen vom Südwesten bis in den Nordosten (oranges Polygon) von Donnerstag, den 04. September 2025.

Am Freitag bekommt die Luftmassengrenze dann etwas Unterstützung aus der Höhe. Ein sogenannter Höhentrog (vorübergehend tiefer Luftdruck in höheren Atmosphärenschichten) sorgt für etwas Schub nach Osten hin. Zudem wird dadurch zusätzliche Hebung generiert. So bleibt es in der Osthälfte zunächst regnerisch. Vereinzelt treten die Niederschläge auch noch gewittrig verstärkt auf. Im Tagesverlauf ziehen diese aber mehr und mehr nach Osten ab. Nur in der Lausitz kann der Regen noch bis in die Nacht zum Samstag anhalten.

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Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmengen bis Freitag, den 05. September 2025, 12 UTC für die Wettermodelle ICON-D2 (links), IFS (Mitte) und AROME (rechts).

Rückseitig der Luftmassengrenze fließt etwas kühlere Atlantikluft nach Deutschland, sodass die Tageshöchstwerte allmählich wieder etwas absinken. Bereits am heutigen Donnerstag liegen die Temperaturen im Westen zwischen 20 und 24 Grad. Am morgigen Freitag wird dann landesweit kein Sommertag (Temperaturen von 25 Grad Celsius und höher) mehr erreicht. Bei länger anhaltendem Regen wird das Thermometer voraussichtlich nicht über 17 Grad Celsius steigen.

Von Westen nimmt zum Wochenende hin Hochdruckeinfluss zu. Hoch „Nina“ liegt aktuell noch über dem Atlantik, verlagert am Freitag seinen Schwerpunkt über Frankreich hinweg und befindet sich dann am Samstag genau über Deutschland. So beruhigt sich das Wettergeschehen am Wochenende wieder.

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Temperatur und Geopotenzial in etwa 1,5 Kilometern Höhe über Grund im Bereich Nordwesteuropa. Der rote Pfeil zeigt den Zustrom wärmerer Luftmassen nach Deutschland.

Am Sonntag gelangen wir aber schon wieder auf die Vorderseite eines weiteren Atlantiktiefs, das in Richtung Britische Inseln zieht. Dieses führt wieder deutlich wärmere Luft zu uns, sodass die Höchstwerte wieder auf sommerliche Werte ansteigen können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2025
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Deutschlandwetter im Sommer 2025

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,3 °C +2,6 Grad
2 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 20,9 °C +3,1 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,9 °C +2,3 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,4 °C +2,3 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 14,6 °C +2,4 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 14,8 °C +2,1 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 755,2 l/m² 98 %
2 Kreuth-Glashütte Bayern 693,4 l/m² 94 %
3 Anger-Stoißberg Bayern 655,2 l/m² 111 %

Besonders trockene Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Etzleben Thüringen 93,9 l/m² 54 %
2 Weißenfels-Wengelsdorf Sachsen-Anhalt 94,4 l/m² 54 %
3 Liebenau-Haueda Hessen 95,9 l/m² 46 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Alzey Rheinland-Pfalz 848 Stunden 132 %
2 Worms Rheinland-Pfalz 844 Stunden 144 %
3 Waibstadt Baden-Württemberg 836 Stunden 126 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 574 Stunden 104 %
2 Belm Niedersachsen 583 Stunden 104 %
3 Emden Niedersachsen 583 Stunden 97 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Deutschlandwetter im August 2025

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,1 °C +2,3 Grad
2 Mannheim Baden-Württemberg 20,8 °C +2,0 Grad
3 Frankfurt-Westend Hessen 20,7 °C +1,9 Grad

Besonders kalte Orte im August 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 14,4 °C +1,9 Grad
2 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,7 °C +2,0 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 14,7 °C +0,6 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Todtmoos Baden-Württemberg 244,0 l/m² 172 %
2 Emmendingen-Mundingen Baden-Württemberg 218,0 l/m² 230 %
3 Achberg-Doberatsweiler Baden-Württemberg 201,3 l/m² 126 %

Besonders trockene Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Neustadt-Glewe Mecklenburg-Vorpommern 10,4 l/m² 17 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 10,8 l/m² 22 %
3 Gardelegen-Lindstedterhorst Sachsen-Anhalt 11,2 l/m² 18 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Darmstadt Hessen 304 Stunden 142 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 301 Stunden 142 %
3 Schaafheim-Schlierbach Hessen 301 Stunden 147 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 200 Stunden 109 %
2 Arnsberg-Neheim Nordrhein-Westfalen 202 Stunden 111 %
3 Ahaus Nordrhein-Westfalen 203 Stunden 108 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.09.2025
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Der September – ein verkappter Sommermonat?

Nein, das hat er sich anders vorgestellt, der September. Der Monat, der von den Meteorologen kühl-wissenschaftlich zum ersten Herbstmonat degradiert wird. Dabei will der Liebe vielmehr ein Spätsommermonat sein, den Menschen vor der nahenden dunklen und kalten Jahreszeit noch einmal laue Sommerabende bescheren.

Aber genug des unwissenschaftlichen Plädoyers, nun zu den Fakten.

Aus astronomischer Sicht sieht es tatsächlich nicht gut aus für den „Möchtegern-Sommermonat“. Die Fakten: morgens wird es später hell, abends früher dunkel, der „lichte Tag“ wird schnell kürzer. Die Sonne steht zudem immer niedriger über dem Horizont, die direkte Sonnenstrahlung dringt also immer flacher in die Atmosphäre ein. Die Sonne liefert damit im Laufe des Monats sukzessive weniger wärmende Energie. Ein eindrückliches Beispiel: Die Tageslänge Anfang September entspricht in etwa der von Anfang April.

Also jetzt auch noch ein Vergleich zwischen September und April, der nicht weiß, was er will? Nun, die astronomische Wahrheit ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Sonnenstand bestimmt nicht allein die Temperaturentwicklung über das Jahr hinweg. Nach der kalten Jahreszeit wird ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Sonnenenergie in die Erwärmung von Wasser- und Landmassen oder auch in das Abschmelzen von Eis investiert. Vor allem die Ozeane können sehr viel Wärme speichern, die im Herbst wieder an die Luft abgegeben wird. Die Landmassen, insbesondere aber die Ozeane, sind sozusagen die anspringende Heizung, wenn der Sonne im Herbst allmählich die Puste ausgeht. Als Resultat dessen ist das Maximum der Temperaturen – zumindest im vieljährigen Mittel – um etwa sechs Wochen gegenüber dem Maximum der Sonneneinstrahlung verschoben. Davon profitiert auch der September!

Der September ein verkappter Sommermonat 1

Monatsmittel des Sonnenstandes zur Mittagszeit und der Mitteltemperatur in Frankfurt/Main.

Natürlich spielen darüber hinaus auch noch weitere örtliche und regionale Klimafaktoren eine Rolle wie Meeresströmungen oder die für einen bestimmten Zeitraum typischen Großwetterlagen. Der September gilt in Mitteleuropa so z. B. als „klimatisch stabil“. Im Wesentlichen sind es die geringen Temperaturgegensätze zwischen den Europa umgebenden Meeren und dem Festland sowie zwischen den hohen und niederen Breiten, die weniger turbulente Tiefdruckaktivität als Hochdruckdominanz über Mitteleuropa begünstigen.

Das klingt doch eher nach Sommer als nach Herbst. Tatsächlich wartet der September z. B. in Frankfurt am Main mit einem mittleren Temperaturmaximum von 20,8 °C auf und liegt damit zwar hinter den Monaten Juli (26,1 °C), August (25,7 °C) und Juni (23,9 °C), aber noch vor Mai (20,4 °C) auf dem vierten Platz. Vor allem in der ersten Monatshälfte kann es noch einmal richtig heiß werden mit Temperaturen über 30 °C. In Jena (Sternwarte) ging es am 03.09.1911 bis auf hochsommerliche 36,5 °C rauf. Auch im vergangenen Jahr am 04.09. wurden Temperaturen über 35°C registriert (z. B. in Doberlug-Kirchhain in Brandenburg; 35,2 °C). Zugleich kühlt die Luft in den immer länger werdenden Nächten schon deutlich stärker aus als noch in den Vormonaten. Zum Ende des Monats steigt zudem das Potenzial erster kräftiger Kaltluftvorstöße aus Norden. In der Folge stellen sich im Septemberverlauf häufig die ersten Nachtfröste ein (z. B. Karlshuld in Oberbayern: -6,4 Grad am 23.09.1964).

Wie steht es nun um das Eingangsplädoyer, der September wäre zu Unrecht zum Herbstmonat degradiert worden? Im Hinblick auf die Ausführungen mag es zwar etwas hoch gegriffen gewesen sein, denn der September weist neben vielen sommerlichen immerhin auch einige herbstlich anmutende Facetten auf. Aber wie sagt man so schön: Im Zweifel für den Angeklagten – geben wir dem September also noch die Chance, sich sommerlich zu bewähren.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2025
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Übergang in den Herbst?

Bei einem Blick auf die aktuelle Analysekarte ist ein umfangreiches Sturmtief mit seinem Zentrum bei Irland zu erkennen. Der herbstliche Charakter des Sturmtiefs ULRICH zeigt sich durch seinen tiefen Kerndruck von unter 970 Hektopascal. Zu Wochenbeginn verlagert sich ULRICH unter leichter Abschwächung nach Schottland und beeinflusst mit seinen Frontensystemen auch die Westhälfte Deutschlands. Damit kommen in der Nacht auf Montag im Westen teils kräftige schauerartige Niederschläge auf. Örtlich sind auch eingelagerte Gewitter nicht ausgeschlossen. Vor allem von der Eifel bis zum Emsland besteht die Gefahr durch mehrstündigen Starkregen.

Uebergang in den Herbst 1

Analysekarte für Sonntag, den 31.08.2025. Auf der Vorderseite von Sturmtief ULRICH wird feuchtwarme Luft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

In der großen Südosthälfte gibt es davor am Sonntag aber nochmals angenehm warmes und sonniges Spätsommerwetter. Dort steigen die Temperaturen auf badetaugliche 24 bis 28 Grad. Am Montag kommen die Niederschläge aus der Nacht in abgeschwächter Form bis zur nördlichen Landesmitte voran. Dazu gehen auch die Temperaturen etwas zurück. Häufig werden nur noch um oder knapp über 20 Grad erwartet. Lediglich im äußersten Osten treten nochmals sommerliche Werte von über 25 Grad auf.

Auch in den Folgetagen ändert sich an der Großwetterlage nicht viel. Es bleibt bei einer zyklonal geprägten Südwestlage. Damit strömt zwar relativ warme Meeresluft ins Land, allerdings ist beständiges Spätsommerwetter mit mehreren niederschlagsfreien Tagen damit nicht in Sicht. Etwas bevorzugt dabei ist voraussichtlich der Osten und Südosten. Dort sind auch längere sonnige Abschnitte möglich. Jedoch sorgt dort am Dienstag ein kleinräumiges Tief für kräftige, teils gewittrige Niederschläge. Stellenweise ist auch mehrstündiger Starkregen möglich.

In der zweiten Wochenhälfte stellt sich wieder das altbekannte Muster ein. Während sich der Südosten vorübergehend unter schwachem Zwischenhocheinfluss befindet, sorgen Frontensysteme eines kräftigen Tiefdruckkomplexes mit Zentrum über Nordwesteuropa vor allem in der Nordwesthälfte für weitere Niederschläge. Dazu bleibt es aber spätsommerlich warm. Bei längerem Sonnenschein werden in den Niederungen durchaus Höchsttemperaturen um 25 Grad erreicht.

Uebergang in den Herbst 2

Temperaturvorhersage für kommende Woche für Deutschland. (Quelle: DWD)

Mittelfristig bleibt uns nach jetzigem Stand die Großwetterlage erhalten. Über Nordwesteuropa werden immer wieder kräftige Tiefdrucksysteme simuliert. Am kommenden Wochenende könnte sich allerdings auf der Vorderseite eine Hochdruckbrücke aufbauen. Diese würde dann im Zusammenspiel mit einer sehr warmen südwestlichen Strömung vorübergehend für lupenreines Spätsommerwetter sorgen. Gleichzeitig nimmt die Vorhersageunsicherheit ab dem Wochenende auch deutlich zu. Ein Großteil der Modelläufe deutet nur auf eine kurze, stabile und warme bis sehr warme Spätsommerperiode hin! Einen längeren Zeitraum mit beständigem Spätsommerwetter ist allerdings vorerst nicht in Sicht. Die wechselhafte und relativ warme Witterung setzt sich somit bis auf Weiteres fort. Erst in der zweiten Septemberdekade gibt es unter stark zunehmender Vorhersageunsicherheit Anzeichen für hochdruckgeprägte Wetterlagen über Zentraleuropa (siehe Grafik 3).

Uebergang in den Herbst 3

Hovmöller Diagramm der Wetterlagen über Europa bis Ende September. Bis zum Beginn der zweiten Septemberdekade ist tiefes Geopotential über West – und teilweise über Mitteleuropa vorherrschend. Danach gibt es bei stark zunehmenden Unsicherheiten Anzeichen für eine Umstellung mit hochdruckgeprägten Wetterlagen. (Quelle: ECMWF)

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Fliegende Instrumente

Die Atmosphäre ist eine vielschichtige Zeitgenossin. Von den höheren Schichten bekommen wir Menschen auf der Erdoberfläche nicht viel direkt mit. Jedoch spielen die Prozesse und Abläufe dort oben vor allem in der Troposphäre oder auch der Stratosphäre eine große Rolle für das alltägliche Wettergeschehen. Eine Möglichkeit Informationen über den vertikalen Aufbau und Zustand unserer Atmosphäre zu erhalten sind Radiosondenaufstiege.

Fliegende Instrumente

Bild einer Radiosonde

Eine Radiosonde besteht aus einem Ballon, der zumeist mit Wasserstoff gefüllt ist. Die geringere Dichte dieses Gases im Vergleich zur umgebenden Luft lässt ihn aufsteigen. Das geschieht mit einer ungefähren Geschwindigkeit von 300 m/min (bzw. 18 km/h). An diesem Ballon befestigt sind verschiedene Messgeräte. Damit werden wichtige meteorologische Messgrößen auf dem Weg nach oben aufgezeichnet, dazu zählen Luftdruck, Luftfeuchte und Lufttemperatur. Die Position des Ballons wird mittels GPS mitverfolgt. Dadurch, dass die Sonde vom Wind mal in diese, mal in jene Richtung gesteuert wird, kann die Windrichtung und -geschwindigkeit errechnet werden. Mit zunehmender Höhe dehnt sich das Gas im Inneren des Ballons aus, bis der Ballon normalerweise in einer Höhe von etwa 20-30 km platzt. Die Sonde fällt danach (abgebremst von einem Fallschirm) wieder herab.

Solche Aufstiege werden international um 0, 6, 12 und 18 UTC durchgeführt, damit alle Daten zu gleichen Zeiten erhoben werden und vergleichbar sind. Die Verläufe der Parameter können in so genannten „Thermodynamischen Diagrammpapieren“ dargestellt werden. Diese gibt es in verschiedenen Arten, hier wollen wir uns ein Stüve-Diagramm vornehmen.

Fliegende Instrumente 2

Stüve-Diagramm eines Radiosondenaufstiegs aus Stuttgart 30.08.2025 0 UTC

Auf der x-Achse von links nach rechts ist die Temperatur in Grad Celsius abgebildet. Nach oben auf der y-Achse der Druck in Hektopascal. Nun nimmt aber der Druck mit der Höhe ab, daher befinden sich die höchsten Druckwerte unten. Auf der rechten Seite ist auch die dazugehörige Höhe in Metern angegeben. Ebenfalls dort befinden sich die Windfiedern, die sowohl die Richtung, als auch die Geschwindigkeit des Windes anzeigen. Außerdem gibt es verschiedene Arten von regelmäßigen Linien, die dabei helfen zu entscheiden, wo beispielsweise die Wolkenunter- oder Obergrenze ist.

Im Beispiel vom Stuttgarter Aufstieg sieht man anschaulich, dass der Wind zuerst mit der Höhe zunimmt (mehr „Häkchen“ an den Pfeilen), ab etwa 10 km jedoch wieder abnimmt. Zudem dreht der Wind etwas mit der Höhe von West auf Südwest oder Süd. Die gemessene Temperatur wird durch die rote Linie dargestellt. Sie nimmt bis zu einer Höhe von ca. 10,5 km fast kontinuierlich ab. Dort befindet sich die Tropopause, welche den Übergang von Troposphäre zu Stratosphäre markiert. Die blaue, gestrichelte Linie links daneben zeigt die Taupunkttemperatur an. Je näher sich diese beiden Linien kommen, desto gesättigter ist die Luft in dieser Höhe. Das heißt dort können sich Wolken bilden.

All die gesammelten Daten fließen zusammen mit Bodenstation-, Satelliten-, Flugzeug-, Bojen- oder auch Schiffsdaten in die heutigen Wettermodelle ein. Diese versuchen dann mithilfe dieser Daten den jetzigen Zustand der Atmosphäre so gut es geht zu ermitteln und die weitere Entwicklung zu simulieren. Das alles, damit wir am Ende auf die Wettervorhersage schauen und das Wetter für die kommenden Tage abschätzen können.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Eine Reise in die Great Plains

Über das Stormchasing als eines der etwas ausgefalleneren Hobbies wurde bereits in der Vergangenheit schon berichtet. Bei vielen Kollegen, die in der Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes arbeiten, gibt es sowieso eine nur recht verschwommen wahrnehmbare Grenze zwischen Beruf und Hobby/Freizeit. Wetter findet halt rund um die Uhr statt.
Einige Genossen der Meteorologenzunft machen dabei gerne ihre scherzhaft gemeinten Bemerkungen, dass man so eine Reise in die USA zwecks Stormchasing doch als Fortbildungsveranstaltung deklarieren möge und nicht als Erholungsurlaub. Dabei hat so ein Trip tatsächlich nur wenig mit Erholung zu tun.

3 Wochen — 12 000 km

Zunächst einmal braucht man dafür nämlich jede Menge Sitzfleisch. Und man muss Autofahren mögen. Denn für erfolgreiches Betrachten schöner Superzellstrukturen oder gar Tornados muss man jede Menge Strecke zurücklegen. Immerhin gilt es ein Gebiet von Colorado und Nebraska bis nach Süd-Texas abzudecken. Das sind im Flächenvergleich mehrere Deutschlands (oder Deutschländer? Der Duden schweigt hierzu…). Da kommen schnell ein paar tausende Kilometer zusammen. Summa summarum waren es in diesem Fall etwas über 12 000, während des dreiwöchigen Aufenthalts im Schnitt also etwa 4 000 pro Woche.

Nebraska Sandhills, 02.06.25

Da an den Tagen vor- und nachher nicht allzu viel los war, entschied sich die Reisegruppe für einen Ausflug gen Norden bis in den Bundesstaat Nebraska. 1000 km später fand man sich in den sogenannten Sandhills wieder. Dabei handelt es sich um ein sehr dünn besiedeltes Gebiet zusammenhängender Sanddünen. Landschaftlich äußerst pittoresk, aber für das Chasen nur bedingt geeignet, weil man nicht mehr so weit in die Landschaft schauen kann. In dem Falle aber egal. Ein geeigneter Aussichtspunkt wurde gefunden. Dort formte sich anschließend eine veritable Gewitterlinie aus, die natürlich in allen Formen und Farben abgelichtet wurde.

Eine Reise in die Great Plains 1

Gewitter über den Nebraska Sandhills mit Blitzeinschlag, 02.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Morton, Texas, 05.06.25

Wenige Tage später ist man wieder in zurück in Texas. Nachdem der Vortag mit eher mäßigen Lagen rumgebracht wurde, sollte es an diesem Tag wieder zur Sache gehen. Am Ende stand eine monströse Superzelle, die sämtliche Erwartungen übertroffen hatte. Quasi nahezu mit Eintreffen vor Ort bildete sich ein riesiger sogenannter Wedge-Tornado aus. „Wedge” bedeutet hier, dass der sichtbare Teil des Tornados breiter als hoch ist. Dazu zog die Zelle genau parallel zu dem Highway, auf dem man sich positioniert hatte. So ließ sich das „Gerät” perfekt ablichten – wären da nicht der ganze Staub und Dreck von den Feldern gewesen, den es einem um die Ohren pfiff und der die Sicht deutlich einschränkte. Eine harte Belastungsprobe auch für das fotografische Equipment. Später ging es in Richtung der nahegelegenen Großstadt Lubbock, da die Zelle genau auf die Stadt zuzog. Dementsprechend wurde dort auch vor einem Tornado gewarnt, woraufhin eine Fluchtbewegung der Bevölkerung einsetzte. Glücklicherweise löste sich der Tornado noch in den ersten Vororten auf, sodass größere Schäden ausblieben.

Eine Reise in die Great Plains 2

Wedge-Tornado bei Morton, TX, 05.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Eine Reise in die Great Plains 3

Die Superzelle zu einem späteren Zeitpunkt nahe Lubbock, TX, 05.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Texline, Staatsgrenze Texas/Oklahoma, 08.06.2025

Wenn man denkt, dass man jetzt aber wirklich alles gesehen hat… wird man von Mutter Natur natürlich eines Besseren belehrt. Der 08.06. sollte der Sechser mit Superzahl im Stormchaser-Lotto werden. Könnte einem das nur mal jemand vorher verraten… Mittlerweile spielte die Musik im sogenannten „Oklahoma Panhandle”. So heißt der schmale Streifen des Staatsgebietes von Oklahoma, der weit nach Westen reicht und auf der Karte eben aussieht wie ein Pfannenstiel. Bereits in den Vormittagsstunden hatten sich entlang einer Konvergenzlinie im Osten des Panhandles zahlreiche Gewitter gebildet, die das Interesse der Chaser-Community (von manchen auch spaßeshalber „Die Horde” genannt) auf sich zog. Unsere Gruppe aber hatte andere Pläne. Denn die synoptischen Parameter zeigten vielversprechendes für den Westen des Panhandles. Das wurde auch durch die Vorhersagen und Diskussionen des Storm Prediction Centers bestätigt, deren Produkte man natürlich trotzdem auch immer mit zu Rate zieht. Die dortigen Kollegen und Kolleginnen haben einfach einen riesigen Erfahrungsschatz bei der Gewitter- und Tornadovorhersage. Zwar war die Wahrscheinlichkeit für die Gewitterbildung nicht so hoch, wie im Osten des Pfannenstiels. Aber wenn sich eine Zelle bilden würde, dann… ja dann…
Tatsächlich war es wenig später auch soweit und die ersten Radarsignale zeigten vielversprechende Signale. Also aufs Gaspedal gedrückt (10 mph über Tempolimit sind dort übrigens völlig normal) und hin da! Knapp huschten wir noch am Hagelkern einer mittlerweile ausgewachsenen Superzelle vorbei, um anschließend von Süden her direkt in den rotierenden Aufwindturm schauen zu können. Was dann passierte, davon kündigen die nachfolgenden Bilder. Der große Clou: Außer unserer Truppe war quasi kein anderer Stormchaser zugegen. Die Straße von und zu der Zelle war fast völlig verwaist. Der Beweis, die Silbernadel im großen Gewitterheuhaufen gefunden zu haben.

Eine Reise in die Great Plains 4

Freistehender Tornado an einer Superzelle nahe Texline, Grenze OK/TX, 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

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Freistehender Tornado an einer Superzelle nahe Texline, Grenze OK/TX, 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Eine Reise in die Great Plains 6

In Auflösung begriffener Tornado (sog. „Rope out”), 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Meteorologe M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.08.2025
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Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 2

In Teil 1 im Thema des Tages vom 26.08.2025 haben wir die CPS-Diagramme kennengelernt. Mit diesen kann zwischen tropischen und nicht-tropischen Eigenschaften eines Sturms unterschieden werden. Am Beispiel von ALEX soll nun die Entwicklung anhand dieser Diagramme nachvollzogen werden. Wer sich diese als Animation anschauen möchte, kann dies mit untenstehendem Link tun.

Am 7. Januar 2016 bildete sich ein erstes Tief auf dem Atlantik nordwestlich der Bahamas. Im CPS-Diagramm ist dieser Punkt mit einem „A“ gekennzeichnet. Das Tief war als außertropische Zyklone klassifiziert, besaß also einen kalten Kern und ein hohes Maß an Asymmetrie. Im ersten CPS-Diagramm ist es dementsprechend im linken oberen Quadranten verortet.

Tropisch oder nicht das ist hier die Frage

Erstes (links) und zweites (rechts) CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

In den nächsten Tagen wanderte es in nordöstliche Richtung weiter. Am 10. Januar hatte das System schon einen flachen warmen Kern ausgebildet (2. CPS-Diagramm rechts unten). Es erreicht sogar Windgeschwindigkeiten von 65 Knoten (~120 km/h), nach der Saffir-Simpson-Skala würde das für einen Hurrikan Stufe 1 reichen. Jedoch zeigte die Struktur noch nicht genügend tropische Eigenschaften. Das sollte sich aber noch ändern.

Durch eine blockierende Atmosphärendynamik änderte sich die Zugrichtung auf Südost. Der Sturm wurde dadurch über einen für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Ozean gesteuert (Oberflächentemperatur ~23°C). Unter anderem kombiniert mit einer schwachen Windscherung, wurden die Umgebung zunehmend günstiger für die Entwicklung eines tropischen Wirbelsturms.

Am 12. Januar war ALEX offiziell ein subtropischer Sturm, der sowohl tropische als auch nicht-tropische Eigenschaften aufweist. Ab dem 14. Januar 8 Uhr hatte er den Status eines Stufe 1-Hurrikans. In unseren CPS-Diagrammen ist zu erkennen, dass er eine symmetrische Struktur ausgebildet hatte und einen hochreichenden warmen Kern besaß. Die Umwandlung eines außertropischen Sturms in einen tropischen wird übrigens „Tropische Umwandlung“ genannt. Die höchsten Windgeschwindigkeiten von 75 Knoten (~140 km/h) erreichte er etwas später im Tagesverlauf.

Tropisch oder nicht das ist hier die Frage 2

Satellitenbild von ALEX als außertropische Zyklone am 10.01.2016 (links) und als Hurrikan am 14.01.2016 (rechts)

Dann jedoch driftete er zunehmend nach Norden. Dadurch schwächte er sich wieder ab und verlor nach und nach seinen tropischen Charakter. In den CPS-Diagrammen gut nachzuvollziehen, ist erkennbar, wie sein warmer Kern flacher und der Aufbau asymmetrischer wurde (1. CPS-Diagramm, von rechts unten nach rechts oben, 2. CPS-Diagramm andersherum). Danach vollzog sich die „Außertropische Umwandlung“ bis zum Abend des 15. Januar komplett und er war nicht mehr tropisch. Am 17. Januar verschwand er schließlich gänzlich (Verlauf bis zum „Z“ in den Diagrammen).

Zum Glück hielten sich die angerichteten Schäden in Grenzen. Zu Beginn seiner Reise führte er zu Sturm und Regen in Bermuda. Die Azoren hatten am 15. Januar mit Regenfällen und teils schweren Sturmböen zu tun.

Die Entwicklung eines Hurrikans so früh Anfang des Jahres ist sehr ungewöhnlich. Die atlantische Hurrikansaison beginnt eigentlich am 1. Juni und endet am 30. November. Nur eine Handvoll Tropenstürme erreichten im Januar Hurrikanstärke. Ein Beispiel ist der Hurrikan ALICE, welcher sich allerdings am 30. Dezember 1954 bildete und sich über den Jahreswechsel und im Januar 1955 intensivierte.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
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