Das Ende der Hundstage

Nach der Hitzewelle der vergangenen Wochen sind die Temperaturen nun deutlich zurückgegangen. Auch wenn uns am heutigen Dienstag noch einmal ein teils heißer Tag mit Höchstwerten vor allem im Südwesten über 30 Grad bevorsteht, zeigen die Temperaturkurven in den nächsten Tagen wieder nach unten. Eine weitere Hitzephase steht also vorerst nicht mehr an und die „Hundstage„, also die aus statistischer Sicht heißesten Tage des Jahres, enden am kommenden Samstag (23.08.2025). Dass sommerliches Wetter oder Hitze damit aber noch nicht vorbei sein müssen, lehrt die Vergangenheit.

So zeigen statistische Auswertungen von über 1200 DWD-Stationen, dass es bis Ende Oktober noch Tageshöchsttemperaturen von 25 Grad oder mehr (nach meteorologischer Definition ein „Sommertag„) geben kann (siehe dazu die rote Kurve in der Abbildung 1). Selbst Tageshöchsttemperaturen von 30 Grad oder mehr (nach meteorologischer Definition ein „heißer Tag„) sind noch bis Anfang Oktober möglich.

Das Ende der Hundstage

Tageshöchsttemperaturen von Juni bis Oktober in Deutschland

Ein Rückschluss bzw. eine Extrapolation des aktuellen Wetters auf die Witterung in den nächsten Wochen ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand nicht möglich. So gab es beispielsweise Ende Juli/Anfang August 2025 bereits eine kühlere Phase (siehe blaue Kurve in der Abbildung), der wiederum eine heiße Periode ab dem 8. August folgte. Jedenfalls ist im ersten meteorologischen Herbstmonat September weiterhin Hitze vorstellbar, können doch bis etwa zur Mitte des Monats immer noch Höchsttemperaturen von 34 bis 36 Grad erreicht werden!

Darüber hinaus gibt es im September häufig einen „Altweibersommer„. Dabei handelt es sich um eine beständige Hochdruckwetterlage über Mitteleuropa, die sich hauptsächlich von Mitte September bis Anfang Oktober ausbildet und noch einmal sommerliche Temperaturen bringt. Heiße Tage sind dann immer noch möglich, nun treten sie aber nicht mehr so verbreitet auf. Außerdem werden die Nächte aufgrund abnehmender Tageslänge meist schon frischer und abends kühlt die Luft auch schneller ab.

Zu guter Letzt kommt etwa Mitte Oktober oft eine längere Schönwetterphase vor, die als „Goldener Oktober“ bezeichnet wird. Tageshöchsttemperaturen im sommerlichen Bereich von 25 bis 30 Grad locken dann zu Aktivitäten in den herbstlich bunten Wäldern. Heiße Tage sind zu dieser Zeit zwar sehr selten, aber auch nicht ganz ausgeschlossen.

Der Sommer muss also noch lange nicht ausgedient haben, auch längere Hitzewellen sind noch gut möglich. Die Hitze aus südlichen Gefilden kann immer noch schnell zu uns schwappen und für schweißtreibende Temperaturen sorgen.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.08.2025

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Hurrikan ERIN und dessen Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa

ERIN hatte sich am Samstagabend zwischenzeitlich zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5 entwickelt. Der Hurrikan befindet sich in leicht abgeschwächter Form aktuell mit seinem Zentrum nördlich der Dominikanischen Republik und wird in den kommenden Tagen zunächst seinen nordwestlichen bis nördlichen Kurs beibehalten. Dabei bleibt seine Intensität zunächst nahezu unverändert. Glücklicherweise wird er aber über dem Meer bleiben und dabei nur einzelne Inselgruppen am Rande beeinflussen. Südöstlich von Neufundland wird ERIN voraussichtlich zu Beginn des kommenden Wochenendes die Transformation von einem tropischen Wirbelsturm in eine extratropische Zyklone vollziehen.

Hurrikan ERIN und dessen Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa

Das Satellitenbild von Hurrikan ERIN am Montagmorgen nahe der Dominikanischen Republik. Der Sturm zeigt eine symmetrische Struktur mit einem klar definierten, kleinen Auge.

Grund dafür sind vor allem die deutlich geringeren Wassertemperaturen des nördlichen Nordatlantiks. Während die Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Nordatlantik teils bei über 28 Grad liegen, sind es auf dem nördlichen Nordatlantik südöstlich von Neufundland lediglich noch um oder knapp über 20 Grad. Damit wird dem Hurrikan die Hauptenergiequelle mehr und mehr entzogen. Gleichzeitig gelangt der Sturm in eine Umgebung mit einer erhöhten vertikalen Windscherung. Dies zerstört die symmetrische Struktur des Wirbelsturms und führt zu einer Kappung der Energieflüsse vom Ozean. Dadurch wird sich Erin zum kommenden Wochenende hin nicht nur abschwächen, sondern er wird auch sein Aussehen auf dem Satellitenbild deutlich verändern.

Erreicht der Hurrikan den nördlichen Nordatlantik wird er in die Westwindzone integriert. Dabei findet eine Interaktion mit dem Jetstream statt. In einem Wirbelsturm werden große Mengen an latenter Wärme freigesetzt. Diese Wärmeenergie kann östlich des ehemaligen Hurrikans die großräumige Strömungskonfiguration beeinflussen und gegebenenfalls über Europa einen Höhenrücken verstärken. Damit wird ERIN auch Einfluss auf unser Wettergeschehen nehmen. Allerdings sind die Wechselwirkungen wissenschaftlich noch nicht vollständig verstanden, sodass sich die Wettervorhersage für den mittelfristigen Zeitraum als sehr schwierig gestaltet.

Außerdem könnte sich Ex Hurrikan ERIN nach einer kurzen Abschwächung und der Aufnahme in die Westwindzone wieder intensivieren und als außertropisches Sturmtief oder gar Orkantief Westeuropa beeinflussen. Dabei müsste ERIN in eine günstige Position auf die Vorderseite eines Höhentroges gelangen. Da allerdings auch die Zugbahn von tropischen Wirbelstürmen mit Unsicherheiten verbunden ist, kann das aus heutiger Sicht noch nicht vorhergesagt werden. Es ist aber durchaus möglich, dass sich ERIN als Ex-Hurrikan zu Beginn der kommenden Woche in Westeuropa durch Sturm und kräftige Regenfälle bemerkbar macht. Gerade das Potenzial für kräftige Regenfälle ist in einem ehemaligen Hurrikan kurz nach der Transformation zu einem außertropischen Tief aufgrund seiner immer noch vorhandenen Luftmasse tropischen Ursprungs im Vergleich zu normalen winterlichen Sturmtiefs erhöht.

Dieser mögliche Ex-Hurrikan ist allerdings nicht mehr vergleichbar mit einem ausgewachsenen starken Hurrikan. Ex Hurrikan ERIN wäre durch deutlich geringe Windgeschwindigkeiten gekennzeichnet. Außerdem hätte er im Vergleich zu einem durchschnittlichen Hurrikan eine deutlich größere Ausdehnung und würde klar definierte Frontensysteme aufweisen.

Zudem wäre es ebenfalls möglich, dass ERIN bei seiner Transformation zu einem außertropischen Tief durch den Übertrag von Wärme- und Bewegungsenergie stromabwärts Rossbywellen nicht nur modifizieren, sondern diese auch brechen kann. Dies könnte über Europa blockierenden Wetterlagen führen.

Die mittelfristige Wetterentwicklung auf dem europäischen Kontinent gestaltet also äußerst spannend. Die zunehmende Unsicherheit der Modellwelt zeigt sich auch in der mittelfristigen Ensemblevorhersage des ECMWF. Während die Vorhersage bis einschließlich des kommenden Wochenendes recht sicher ist, divergieren zu Beginn der kommenden Woche die einzelnen Modellösungen stark. Somit ist die wechselhafte und zum Wochenende auch deutlich kühlere Wetterphase so gut wie eingetütet, während die Vorhersage ab der kommenden Woche noch sehr unsicher ist!

Hurrikan ERIN und dessen Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa 2

Ensemblevorhersage der Temperatur, des Niederschlags und des Geopotentials für Offenbach bis einschließlich Mittwoch, den 27.08.2025.

Meteorologe (M.Sc.) Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.08.2025

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hurrikan ERIN wirbelt über dem Atlantik

Am Abend des 11. August wurde eine tropische Störung knapp östlich der Kapverden vom National Hurricane Center (NHC) der USA als tropischer Sturm analysiert und mit dem Namen ERIN versehen. Bevor wir auf die weitere Entwicklung von ERIN schauen, werfen wir einen Blick zurück. Denn schon bevor ERIN ein Sturm wurde, hat er, für uns in Mitteleuropa wohl meist unbemerkt, auf den Kapverden Schäden verursacht. 14 Menschen verloren dort, insbesondere auf São Vicente ihr Leben. Dabei sorgte nicht Wind, sondern große Niederschlagsmengen für Probleme. Knapp 200 Liter pro Quadratmeter fielen dort in nur fünf Stunden. In dem stark gegliederten und für gewöhnlich eher trockenen Gelände waren Sturzfluten die Folge.

Entwicklung von ERIN

Doch nun zur Entwicklung von ERIN nach dem 11. August. Zunächst verlief die Entwicklung zögerlich. Erin verstärkte sich aufgrund eher ungünstiger Randbedingungen kaum. Die Oberfläche des Ozeans war mit 26/27 Grad gerade warm genug, um ERIN am Leben zu halten. Teils trockene Luft in seiner Umgebung war ebenfalls nicht förderlich. Dies änderte sich auf seiner Zugbahn über dem südlichen Nordatlantik Richtung Westen. Der Ozean, über den ERIN zog, war nun 29/30 Grad warm. Der Unterschied von drei Kelvin mag klein wirken, die zur Verfügung stehende Energie in Form von Wasserdampf wuchs aber beträchtlich an.

Hurrikan ERIN wirbelt ueber dem Atlantik 1

Abb.1: Windfeld von ERIN. orange: Bereich mit Windgeschw. eines tropischen Sturms, rot: Windgeschw. eines Hurrikans

Ab dem 14. August nahm die Konvektion rund um ERIN zu, der Sturm war besser „organisiert“ und bekam zunehmend ein symmetrischeres Aussehen. Der Kerndruck begann langsam zu fallen, die Windgeschwindigkeiten nahmen allmählich zu. Diese zunächst zögernde Entwicklung setzte sich am 15. August fort und am Nachmittag wurde ERIN vom NHC zum ersten Hurrikan 2025 über dem Nordatlantik heraufgestuft.

Hurrikan ERIN wirbelt ueber dem Atlantik 2

Satellitenbild von ERIN vom 16.08.2025 20:40 Uhr MESZ. NOAA GOES-19 Satellit.

Nachdem sich ERIN Zeit genommen hatte sich zu organisieren, verlief die Entwicklung ab dann umso explosiver. Ab der Nacht vom 15. auf den 16. August vertiefte sich ERIN rasant. Innerhalb von 24 Stunden fiel der Kerndruck von 993 Hektopascal (hPa) auf 915 hPa. Die mittleren Windgeschwindigkeiten um das Auge von ERIN herum stiegen von 120 km/h auf 260 km/h. Damit war aus seinem Hurrikan der Kategorie 1 ein Sturm der höchsten Kategorie 5 geworden. So früh im Jahr gab es im Nordatlantik (exklusive Karibik) bisher keinen Sturm dieser Stärke. Die rasche Verstärkung in 6/12/24 Stunden verlief nahe den bisher beobachteten Rekordmarken.

Hurrikan ERIN wirbelt ueber dem Atlantik 3

Flug der NOAA Hurricane Hunters durch die Eyewall von ERIN ins Auge des Hurrikans.

Zugbahn

ERIN zieht bislang über den freien Ozean. Landmassen wurden bisher verschont und auf seiner weiteren Zugbahn wird ERIN sehr wahrscheinlich keine Inseln direkt treffen, sondern nördlich der Karibik, östlich der Bahamas und westlich der Bermuda-Inseln nach Nordwesten und später nach Norden ziehen. Dennoch werden Teile der genannten Inselgruppen von Ausläufern ERINs erfasst. Dabei stehen erneut weniger der Wind als heftige Niederschläge und an der Küste auch hoher Seegang im Fokus.

Hurrikan ERIN wirbelt ueber dem Atlantik 4

Vorhersage der Zugbahn von ERIN (Ausgabe: 17.08.2025 11 Uhr MESZ)

Umwandlung und Kurs Richtung Europa

Auf seinem weiteren Weg wird ERIN zunächst sehr stark bleiben und vor allem an Größe gewinnen. Bislang ist ERIN ein sehr kleiner Hurrikan mit einem sehr kleinen Auge und einem heftigen, aber in seiner horizontalen Dimension ebenfalls kleinen Windfeld (siehe Abbildung1). Wahrscheinlich am kommenden Wochenende wird ERIN östlich von Neufundland eine Umwandlung zu einem außertropischen Sturmtief vollziehen. Und mit dem typischen Ostkurs in diesen Breiten über den Nordatlantik ziehen. Auch wenn der Zeitraum noch über eine Woche in der Zukunft liegt, so ist es doch wahrscheinlich, dass ERIN oder dann besser „Ex-Erin“ Einfluss auf das Wetter in Europa nehmen wird. Starke ehemalige Hurrikane bringen hin und wieder eine Änderung der Großwetterlage in Europa mit sich. Ob das dieses Mal der Fall ist, lässt sich aber jetzt noch nicht sagen.

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.08.2025
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Auswirkungen eines Blitzeinschlags in ein Fahrzeug

Die Definition eines Blitzes und dessen Entstehung wurde kürzlich im Thema des Tages vom 07. August 2025 erläutert. Heute interessiert uns die Frage, wie sich ein Blitzeinschlag auf ein Fahrzeug auswirkt? Sicher ist dem einen oder anderen Lesenden noch der Begriff „Faraday’scher Käfig“ aus der Schulzeit bekannt und man weiß, dass man in einem Auto mit festem Dach bei einem Gewitter sicherer ist als in freier Natur. Soweit, so gut. Doch was genau passiert, wenn ein Blitz in ein Fahrzeug einschlägt?

Der Ausgangspunkt eines Blitzeinschlags in ein Fahrzeug ist in der Regel die Antenne oder die Dachkante des Autos. Die elektrische Energie fließt sodann entlang der metallischen Karosserie zu den Reifen und schließlich in den Boden ab. Das Fahrzeug erzeugt den Effekt eines Faraday’schen Käfigs, der die Insassen vor der hohen Spannung schützt. Die elektrische Ladung verbleibt auf der Außenhaut des Automobils und gelangt im Idealfall nicht in den Innenraum. Von entscheidender Bedeutung dabei ist, sich während eines Gewitters nicht in einem offenen Fahrzeug aufzuhalten, also die Fenster zu schließen, und auf den Kontakt mit metallischen Gegenständen im Innern zu verzichten.

Die Personen im Innenraum sind also sicher. Das Auto übersteht einen Blitzeinschlag meist aber nicht ohne Folgen. Schäden an der Antenne, des elektrischen Systems, der Heckscheibe oder der Reifen sind üblich. Die Hitze des Blitzes reicht aus, um die Antenne eines Fahrzeugs teilweise zu schmelzen. Auch kann die Karosserie im Nachhinein Brandspuren oder kleine Löcher aufweisen. Ein Teil der Entladung kann in das elektrische System des Fahrzeugs gelangen und elektronische Komponenten wie den Bordcomputer oder das Radio beschädigen oder zerstören, wodurch das Auto möglicherweise fahruntüchtig wird. Der Blitz kann auch in die dünnen Heizdrähte eindringen, die in die Heckscheiben eingebettet sind, wodurch die Scheiben bersten können. Schließlich kommt es sehr häufig vor, dass der Blitz einen oder mehrere Reifen zerstört, wenn er durch die Stahlgürtel auf den Boden gelangt. Letztlich ist es mit geringerer Wahrscheinlichkeit natürlich auch möglich, dass der Blitz ein Feuer entfacht, das das Fahrzeug zerstören könnte.

Auswirkungen eines Blitzeinschlags in ein Fahrzeug

Blitzentladung am Fichtelberg. Quelle: Claudia Hinz, DWD

Das Fahren bei Gewittern ist sicher nicht angenehm. Ein Blitzeinschlag in ein Fahrzeug ist statistisch gesehen aber eher gering. Die Hauptgefahren bei Unwettern bestehen vorrangig durch schlechte Sicht, Hagel, Böen, Aquaplaning, umherfliegende Gegenstände oder umstürzende Bäume.

Und wie empfinden die im Fahrzeug befindlichen Personen einen Blitzeinschlag? Vermutlich ist es eine sehr beängstigende Erfahrung. Es knallt plötzlich heftig und es ist sehr nah ein sehr helles, blendendes Licht zu sehen. Auch kann kurzzeitig ein intensives Kribbeln in den Gliedmaßen zu spüren sein, vor allem wenn die Personen mit metallischen Gegenständen in Kontakt sind. Dennoch sollte man bei Gewittern im Fahrzeug sitzen bleiben und abwarten, bis es vorüber ist.

Am heutigen Samstag kommt es vor allem im Süden und Osten Bayerns und Baden-Württembergs noch zu teils kräftigen Gewittern. Dabei steht heftiger Starkregen im Fokus, aber auch Hagel, Hagelansammlungen und Sturmböen sind mit von der Partie. In der Nacht ziehen sich die Gewitter an den östlichen Alpenrand zurück, können in Oberbayern am morgigen Sonntag nochmals aufleben, bevor sie in der Nacht zum Montag vollständig abklingen. Auf der Webseite des DWD sowie in der WarnWetter-App können Sie die aktuelle Warnlage und amtlichen Warnungen jederzeit verfolgen.

Dipl.-Meteorologin Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.08.2025
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Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle

Die zweite etwas länger andauernde Hitzewelle dieses Sommers ist bald vorbei. Hitzegeplagte Bundesbürger können in den kommenden Tagen also etwas aufatmen. Ursache für den Temperaturrückgang ist, dass sich unser Hoch JULIA nach Osteuropa verabschiedet und von einem neuen Hoch namens KYRA abgelöst wird. Während Hoch JULIA in den letzten Tagen über dem östlichen Mitteleuropa lag, befindet sich das neue Hoch KYRA mit seinem Schwerpunkt über dem Atlantik und Großbritannien (Abb. 1). Diese unterschiedliche Position macht den Unterschied. Deutschland liegt nämlich östlich von Hoch KYRA und da sich um ein Hoch die Strömung mit dem Uhrzeigersinn dreht, gelangen wir in eine nördliche Luftzufuhr. Damit wird trockenere und weniger warme Luft zu uns geführt, die die schwül-warme Luft aus Deutschland allmählich verdrängt. Die Grenze zwischen diesen beiden Luftmassen bildet eine Kaltfront, die vom heutigen Freitag bis zum morgigen Samstag von Nordwest nach Südost einmal quer über Deutschland zieht.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 1

Abb 1: DWD-Bodenwetterkarte mit Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete, vergeben von der Freien Universität Berlin.

Die Front kommt aber nur sehr gemächlich voran, wie man eindrucksvoll anhand der pseudopotentiellen Temperaturverteilung in 850 hPa (ca. 1500 m über Meeresniveau) erkennen kann. Dabei handelt es sich um ein Maß, das die Temperatur und Feuchte einer Luftmasse beschreibt. Je wärmer und feuchter eine Luftmasse ist, desto höher ist die pseudopotentielle Temperatur und umgekehrt. Daher ist dieses Maß bestens geeignet, um Luftmassen zu charakterisieren. Zudem kann man damit gut Fronten analysieren, indem man linienhafte Bereiche identifiziert, in denen sich die pseudopotentielle Temperatur auf engem Raum stark ändert.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 2

Abb 2: Pseudopotentielle Temperatur (°C) in 850 hPa für Freitag (15. August), 14 Uhr (MESZ), bis Sonntag (17. August), 14 Uhr (MESZ). Die blau gestrichelte Linie markiert die Kaltfront in dieser Höhe.

Am heutigen Freitagnachmittag liegt die Kaltfront etwa auf einer Linie Eifel – Hannover – Schwerin (Abb. 2, oben links). Südöstlich dieser Linie befindet sich weiterhin die schwül-heiße Luft mit pseudopotentiellen Temperaturwerten zwischen 50 und teils über 60 °C – für Mitteleuropa sehr hohe Werte. Durchquert man die Front Richtung Nordwest, geht die pseudopotentielle Temperatur innerhalb weniger Kilometer auf Werte von 35 bis 45 °C zurück. Dies zeigt eindrücklich, dass die Luftmasse nicht nur weniger warm ist, sondern auch weniger Feuchtigkeit besitzt und dadurch nicht mehr als schwül empfunden wird. Folglich hat der Nordwesten Deutschlands bereits am heutigen Freitag die größte Hitze hinter sich und kann bei Höchstwerten von 24 bis knapp 30 Grad etwas durchatmen (Abb. 3, oben links). Vor der Front wird es mit 30 bis 36 °C nochmals sehr heiß und zunehmend drückend schwül.

In der kommenden Nacht kommt die Front etwas süd(ost)wärts voran und liegt dann auf einer Linie Mosel – Mittelhessen – Südbrandenburg (Abb. 2, oben rechts). Südlich davon kühlt es nochmals nur sehr langsam ab und vor allem in Ballungsräumen und auf Anhöhen kann die Nacht erneut tropisch werden (d.h. Tiefsttemperaturen nicht unter 20 Grad). Bis zum morgigen Samstagnachmittag erreicht die Front etwa die Mainlinie (Abb. 2, unten links). Im Süden wird es ein letztes Mal dampfig, mit 26 bis 31 Grad aber zumindest nicht mehr ganz so heiß (Abb. 3, oben rechts). Deutlich angenehmere 20 bis 27 Grad erwarten uns hingegen rückseitig der Front im Norden und in der Mitte Deutschlands. Bei der pseudopotentiellen Temperatur ist zudem zu erkennen, dass im Norden Deutschlands ein zweiter Schwall trockenerer und kühlerer Luft einströmt, in der die Werte sogar unter 30 °C zurückgehen. Bis Sonntagmittag hat die Kaltfront Deutschland komplett überquert und die schwül-heiße Luftmasse endgültig verdrängt (Abb. 2, unten rechts). Der zweite Schwall Kaltluft, der Samstagnachmittag Schleswig-Holstein bereits erfasste, hat bis Sonntagnachmittag den Main erreicht. Bundesweit kann man sich über angenehme 21 bis 28 °C freuen (Abb. 3, unten links). Zu Beginn der neuen Woche kann die Sonne die Luft zwar wieder von Tag zu Tag etwas stärker erwärmen, sodass am Dienstag entlang von Rhein, Mosel und im Rhein-Main-Gebiet auch wieder die 30-Grad-Marke knapp überschritten wird. In den übrigen Regionen werden meist sommerliche 25 bis 30 Grad erreicht. Da uns die trockene Luftmasse aber erhalten bleibt, lassen sich die Temperaturen recht gut ertragen, zumal es auch in den Nächten ordentlich abkühlt. Bei Tiefstwerten zwischen 14 und 8 Grad kann man wieder gut durchlüften.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 3

Abb 3: Vorhergesagte Höchstwerte für die Tage Freitag (15. August) bis Montag (18. August).

Und wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Am morgigen Samstag können sich in der dampfigen Luft im Süden und Südosten nochmals teils kräftige Gewitter bilden, wobei sich mit der südwärts vorankommenden Kaltfront die Gewittertätigkeit im Tagesverlauf auf die Gebiete südlich der Donau und den Schwarzwald zurückzieht. Da die Gewitter nur sehr langsam ziehen, geht die Hauptgefahr von Starkregen aus, der bei einem Volltreffer auch unwetterartig ausfallen kann. Vollgelaufene Keller und Unterführungen können die Folge sein. Die Tatsache, dass die Gewitter nur sehr langsam ziehen, hat aber auch zur Folge, dass nur wenige Orte von den heftigen Wettererscheinungen getroffen werden, während in einem Großteil der Gebiete nur wenig oder kein Regen fällt. Von der Nordsee breitet sich hochnebelartige Bewölkung bis in die Landesmitte aus. Daher startet der Tag in der Nordhälfte teils bedeckt. Im Tagesverlauf lösen sich die Wolken aber mehr und mehr auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Am Sonntag und zu Beginn der neuen Woche verwöhnt uns Hoch KYRA mit viel Sonnenschein. Nur Richtung Nordsee sind die Wolken weiterhin zeitweise etwas dichter. Mit neuen Schauern ist frühestens am kommenden Mittwoch wieder zu rechnen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Von Schwämmen und Städten

Um es mit den Worten von dem heute vor 69 Jahren verstorbenen Berthold Brecht zu sagen: „Schwierigkeiten werden nicht überwunden, indem sie verschwiegen werden.“ Daher sprechen wir doch ein wenig über die Herausforderungen, die insbesondere städtische Gebiete in Bezug auf extreme Wetterereignisse beschäftigen.

Der Prozess sich auf kommende Wetterereignisse und das vorherrschende Klima vorzubereiten, wird Klimaanpassung genannt. Dabei ist vor allem von großer Bedeutung, etwas dagegen zu tun, dass sich das Stadtgebiet im Hochsommer stark aufheizt, während nachts nur eine verminderte Auskühlung möglich ist (Wärmeinseleffekt). Zudem muss gleichzeitig damit umgegangen werden, dass es zu Starkregen bzw. Dauerregen als auch zu Trockenheitsperioden kommen kann.

Ein möglicher Ansatz für solch eine zukunftssichere Stadt ist unter dem Namen „Schwammstadt“ bekannt. Der Name ist Programm – die Stadt soll wie ein Schwamm funktionieren. Das heißt, regnet es viel, soll sie nicht mit Überschwemmungen kämpfen, sondern die Eigenschaft besitzen viel davon aufnehmen zu können. Dafür gibt es verschiedenste Ansätze, die meist versuchen die großflächige Versiegelung der Böden zu mindern. Es gibt beispielsweise die Idee Pflasterstraßen versickerungsfähig zu gestalten oder wasserdurchlässige Pflastersteine zu verwenden. Kombinieren kann man diese Maßnahmen zudem mit der Begrünung von Dächern und Fassaden, sodass die Pflanzen auch einen Teil des Regenwassers aufnehmen können. Auch mehr Grünflächen in der Stadtplanung zum Beispiel in „Sickermulden“ führen dazu, dass diese das Wasser auffangen und etwas verzögert wieder an die Böden abgeben und dem Grundwasser zuführen.

Von Schwaemmen und Staedten

Darstellung des Konzeptes einer Schwammstadt

In Bezug auf Hitze hilft die damit einhergehende Verdunstung, ähnlich wie in einem Wald, ein angenehmeres Klima zu gewährleisten. Außerdem gibt es das Konzept der Kaltluftschneisen. Dafür sollen am Boden möglichst ungestörte Strömungswege für kühlere Luft aus der Umgebung hinein in die Stadt sorgen.

Die Ausarbeitung, Planung und bauliche Umsetzung all dieser Wege hin zu einem lebensfreundlicheren Stadtklima sind natürlich kompliziert und langatmig, aber wer weiß: Vielleicht orientieren sich die Städte der Zukunft an den Schwammstädten und sind grün und lebendig.

M.Sc. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Sommerlich, heiß, sehr heiß? – „Kenntage“ des Sommers 2025

Um Jahreszeiten wie den Sommer im Hinblick auf die Temperaturen zu bewerten, nutzen Meteorologen gerne Durchschnittstemperaturen, die mit vieljährigen Mittelwerten verglichen werden. Anhand der berechneten Abweichungen lassen sich Aussagen darüber treffen, ob ein Zeitraum „zu warm“, „durchschnittlich“ oder „zu kalt“ ausfiel. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, sich dem Thema zu nähern, nämlich über sogenannte „Kenntage“. Dies sind Tage, an denen bestimmte Schwellenwerte meteorologischer Parameter erreicht oder überschritten werden. Bei der Temperatur gibt es beispielsweise den „Sommertag“ (Tage mit Höchsttemperatur von mindestens 25,0 °C), „Heiße Tage“ (Höchsttemperatur von mindestens 30,0 °C) und seltener auch „Sehr heiße Tage“ (Höchsttemperatur von mindestens 35,0 °C). Darüber hinaus werden auch „Frosttage“ (Tiefsttemperatur unter 0,0 °C) und „Eistage“ (Höchsttemperatur unter 0,0 °C) definiert.

In Abbildung 1 werden die Kenntage „Sommertag“, „Heißer Tag“ und „Sehr heißer Tag“ für einige Städte ausgewertet. In der ersten Zeile wird die mittlere Anzahl des Referenzzeitraumes 1991-2020, in der zweiten Zeile die Anzahl für das bisherige Jahr 2025 dargestellt. Für das Jahr 2025 fließen Messwerte bis einschließlich 12. August und DWD-Vorhersagen für die nächsten 3 Tage bis einschließlich 15. August ein.

Sommerlich heiss sehr heiss

Abb. 1: Kenntage (Sommertag, Heißer Tag, Sehr heißer Tag) für das bisherige Jahr 2025 im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020.

Man sieht schnell, dass wir uns vor allem bei der Anzahl heißer und sehr heißer Tage bis zum Ende der Woche bereits nahe der Klimamittelwerte befinden, teilweise auch darüber. Auffällig sind beispielsweise die vergleichsweise vielen sehr heißen Tagen in Frankfurt am Main und heißen Tage in München. Bei Sommertagen fehlen meist noch einige Tage bis zum „Sollwert“. Besonders in Hamburg wie generell in Norddeutschland traten bisher vergleichsweise wenige Sommertage auf. Allerdings treten Temperaturen über 25 °C gerne auch bis weit in den September, teils sogar noch Anfang Oktober auf. Es ist also nicht unrealistisch, dass wir uns dem Klimamittel auch hierbei im weiteren Verlauf nähern oder es erreichen, vielleicht auch überschreiten.

Das Sommerhalbjahr war demnach vor allem in der Südwesthälfte bisher von einigen, intensiven Hitzewellen geprägt, durch die die Zahl der heißen und sehr heißen Tage nach oben getrieben wurde. Allerdings gab es auch einige eher weniger sommerliche Phasen, was zu einer bisher noch leicht unterdurchschnittlichen Zahl an Sommertagen führte.

Ab dem Wochenende bringt eine von Nordwesten hereinziehende Kaltfront zwar eine Abkühlung. Diese fällt aber moderat aus, sodass wohl weiterhin recht verbreitet mit Sommertagen, vor allem nach Südwesten zu mit einzelnen heißen Tagen zu rechnen ist, wohl bis weit in die nächste Woche hinein.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.08.2025
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Perseiden 2025 – Sternschnuppen am Firmament

Der Meteorstrom ist vom 17. Juli bis hin zum 24. August am Himmel zu sehen. Seinen Höhepunkt hat er jedoch in der Nacht vom 12. auf den 13. August (also kommenden Nacht). Ihren romantischen Beinamen, die „Tränen des Laurentius“, verdanken die Perseiden einem christlichen Märtyrer, dessen Gedenktag kurz vor dem Maximum liegt. Dessen Gedenktag ist am 10. August, vereinzelt auch am 11. August, also kurz vor dem Perseiden-Maximum und somit namensgebend.

Die Perseiden zeigen sich als blitzartige Lichtspuren am Himmel, die in dieser Jahreszeit besonders häufig auftreten – deshalb gilt der August als Sternschnuppenmonat. Astronomisch betrachtet sind Meteore winzige Partikel, die beim Eintritt in die Erde durch Reibung in der Atmosphäre zum Glühen gebracht werden. Die meisten Meteore sind winzig und verglühen in einer Höhe von circa 80 Kilometer. Verantwortlich für das Naturspektakel ist der im Jahr 1862 von Lewis A. Swift und Horace P. Tuttle entdeckte Komet, der nach ihnen Swift-Tuttle benannt wurde. Dieser Komet kreist alle 133 Jahre um die Sonne. Er hinterlässt auf seinem Weg eine Staubspur, welche wir jedes Jahr im August durchqueren. Diese Staubteilchen verglühen in unserer Atmosphäre als Sternschnuppen.

Wer das Schauspiel länger verfolgt, bemerkt vielleicht, dass alle Lichtspuren aus derselben Himmelsregion zu kommen scheinen. Astronomen nennen diesen Punkt den „Radianten“. Im Fall der Perseiden liegt die Hauptaktivität im Sternbild Perseus, das ihnen ihren Namen gibt. Astronomen messen die Aktivität eines Meteorstroms mit der sogenannten Zenithal Hourly Rate (ZHR) – sie gibt an, wie viele Sternschnuppen unter Idealbedingungen pro Stunde sichtbar wären. Unter idealen Bedingungen ist in der Theorie eine maximale ZHR für die Perseiden von bis zu 100 möglich. Realistisch ist doch eher ein Wert von 20 bis 25, da die Sichtbarkeit der Meteore durch Wolken und Lichtverschmutzung eingeschränkt werden kann.

Doch mit Wolken ist heute Nacht nur in der Nordhälfte Deutschlands zu rechnen. Weiter südwärts ist der Himmel wolkenfrei. Doch selbst bei wolkenlosem Himmel gibt es einen weiteren Faktor: der Mond. Seine Helligkeit kann schwächere Sternschnuppen überstrahlen – sichtbar bleiben dann vor allem die besonders hellen Perseiden. Die beste Zeit für die Beobachtung liegt in den Stunden nach Mitternacht. Gute Vorbereitung ist dabei alles.

Perseiden 1

Perseidenschauer aufgenommen am 12.08.2023 von Preston Dyches

Suchen Sie sich einen gemütlichen Beobachtungsplatz, der nicht zu hell ist. Je höher die Lichtverschmutzung an ihrem Beobachtungsort ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, Meteore zu entdecken. Eine Isomatte oder auch eine Gartenliege macht das Warten etwas angenehmer. Eine leichte Jacke oder dünne Decke kann helfen, die nächtliche Abkühlung besser auszuhalten. Zusätzlich hilft ein Kaffee oder ein heißer Tee beim Wachbleiben. Und bleiben sie geduldig. Nur ein kurzer Blick in den Himmel wird nicht ausreichen, um alle Meteore sehen zu können. Die Wartezeit lässt sich auch gut zu zweit überbrücken. Also schnappen Sie sich Ihren Lieblingsmenschen und bestaunen Sie den Nachthimmel.

Egal ob am Maximum oder in den Tagen danach – jede Sternschnuppe ist ein kleines Geschenk. Also machen Sie es sich bequem, schauen Sie nach oben und lassen Sie sich von der Magie dieser kurzen, leuchtenden Spuren verzaubern.

Luis Wolf (Praktikant) und Jacqueline Kernn (Dipl. Met.)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.08.2025

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Wolkenimpfung zur Hagelabwehr – Methode und Nutzen

Nach einer wechselhaften und häufig kühlen Wetterphase hat sich seit vergangener Woche in Deutschland zunehmend ruhiges und verbreitet störungsfreies Hochsommerwetter eingestellt. Reichlich Sonnenschein und Höchsttemperaturen um 30 Grad bescherten uns häufig lupenreines Badewetter. Dieses freundliche Hochsommerwetter hält auch in dieser Woche vorerst noch an. Zur Wochenmitte strömt allerdings von Südwesten zunehmend heiße und im weiteren Verlauf auch feuchtere Luft heran. Damit steigt die Gewittergefahr und in der zweiten Wochenhälfte sind dann stellenweise kräftige Gewitter möglich. Diese können örtlich mit Starkregen, Sturmböen und auch Hagel einhergehen!

Dann werden in einigen Landkreisen im Bundesgebiet wieder Hagelflieger aufsteigen und versuchen, die Gefährdung durch größeren Hagel zu minimieren. Das Ziel dabei ist es, künstliche Kondensationskerne in die hochreichenden Gewitterwolken einzubringen, damit sich anstatt von großem Hagel nur sehr viele kleine Hagelkörner bilden.

Hagel kann sich in hochreichenden Gewitterwolken bei Temperaturen unter 0 Grad entwickeln. In diesen Höhen gibt es neben wenigen Eiskeimen auch eine hohe Anzahl an unterkühlten Wassertröpfchen. Diese kommen in der Atmosphäre bei Temperaturen bis -38 Grad vor. Die Eiskeime wachsen durch Anfrieren von Wassertröpfchen und der Anlagerungen von Eisteilchen. Dadurch entsteht ein kleines Hagelkorn. Damit größere Hagelkörner sich entwickeln können, müssen sich im weiteren Verlauf zusätzlich unterkühlte Wassertröpfchen anlagern. Dies ist möglich, wenn ein sehr starker Aufwind in der Gewitterwolke vorhanden ist. Sehr große Hagelkörner werden fast ausschließlich bei Superzellengewitter beobachtet, da diese Gewitter neben starken Aufwinden auch eine längere Lebensdauer haben. Damit bleibt für die Bildung von großem Hagel genügend Zeit.

Wolkenimpfung zur Hagelabwehr 1

Diese Grafik zeigt die Entstehung von Hagelkörnern. (Quelle: Kunz 2014)

Durch das Hinzufügen von künstlichen Kondensationskeimen sollen sich nach der Theorie nun anstatt von großen Hagelkörnern viele kleine und damit weniger schadensträchtige Hagelkörner bilden und zu Boden fallen. Dabei wird aus dem Flugzeug bei Erreichen des Aufwindbereiches der heranwachsenden Gewitterzelle ein Silberjodid-Aceton-Gemisch in die Wolken geimpft.

Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings wissenschaftlich nicht bewiesen. Studien darüber gestalten sich aber auch schwierig, da man für einen Beweis der Wirksamkeit zwei identische Gewitterzellen bräuchte. Außerdem gibt es beim Einsatz von Hagelfliegern auch logistische Probleme. Hagelgewitter bilden sich oftmals extrem schnell. Am Rande einer bestehende Gewitterzelle kann sich innerhalb von kurzer Zeit eine neue Zelle mit Hagel ausbilden. Um einen signifikanten Effekt zu erreichen, müssen die Wolken aber möglichst früh geimpft werden. Dies stellt den Hagelfliegerpiloten vor großen Herausforderungen.

Auch Analysen von Radar-, Schadens- und Versicherungsdaten zeigen in den Gebieten, in denen die Hagelflieger unterwegs sind, keinen signifikanten Effekt. Sowohl in der Landwirtschaft als auch bei Gebäudedaten konnte nicht beobachtet werden, dass die Schäden aufgrund der Hagelflieger geringer ausfallen.

Das logistische Problem könnte in Zukunft durch den Einsatz von Drohnen und technischen Verbesserungen bei den Fernerkundungsverfahren gelöst werden. Allerdings sind die mikrophysikalischen und dynamischen Prozesse in einer hochreichenden Gewitterwolke noch nicht vollständig verstanden. Daher kann nicht eindeutig geklärt werden, warum sich eine Gewitterzelle nach der Impfung abschwächt. Dies zeigt, dass in diesem Bereich noch einiges an Forschungsbedarf besteht.

Letztendlich besteht auch die Möglichkeit, dass durch die Impfung andere Gefährdungen wie etwa Starkregen und Sturzfluten zunehmen können. Deshalb ist ohne wissenschaftliche Belege für dessen Wirksamkeit und gleichzeitig für die Auswirkungen auf die Bevölkerung die Wolkenimpfung zur Hagelabwehr als sehr kritisch zu betrachten!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

TEAMx: Groß angelegtes Forschungsprojekt in den Alpen

Wer schon einmal eine Wanderung oder Skitour in den Alpen geplant hat, kennt das Problem: Der Wetterbericht klingt vielversprechend – doch vor Ort herrschen plötzlich Nebel, Wind oder Regen. Warum ist das Wetter in den Bergen so oft anders als angekündigt?

Ein Grund ist das Gelände selbst. Berge und Täler beeinflussen die Luftströmungen stark – viel stärker als flacheres Gelände. Dazu kommt: Auch großräumige Luftbewegungen, wie der Jetstream in mehreren Kilometern Höhe, wirken sich auf das lokale Wetter aus. All diese Prozesse greifen ineinander; vom kleinen Windwirbel am Berghang bis hin zum großflächigen Tiefdruckgebiet über Europa.

Ein Forschungsprojekt mit vielen Blickwinkeln

Genau hier setzt das internationale Forschungsprogramm TEAMx (kurz für Multi-scale Transport and Exchange Processes in the Atmosphere over Mountains – Programme and Experiment) an. Diese groß angelegte Initiative bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Europa und darüber hinaus zusammen, um die komplexen atmosphärischen Prozesse im Gebirge besser zu verstehen und in Wetter- und Klimamodellen genauer abzubilden. Dafür lief seit Herbst 2024 eine groß angelegte Messkampagne in den Alpen: die TEAMx Observational Campaign, kurz TOC.

Die erste intensive Messphase fand im Winter 2024/25 statt, bis vor Kurzem lief die zweite – vom 16. Juni bis 25. Juli. Mehr als 15 Messstationen im Inntal, Etschtal, den Sarntaler Alpen (Südtirol) und im bayerischen Alpenvorland lieferten rund um die Uhr Daten zu Wind, Temperatur und Feuchte. Dabei kamen neben Wetterballons und Drohnen auch drei Forschungsflugzeuge zum Einsatz.

Untersucht wurden unter anderem typische Phänomene wie Tal- und Hangwinde, Wolkenbildung an Gebirgskämmen oder der Transport von Feuchtigkeit und Luftschadstoffen. Die gewonnenen Daten werden nicht nur für TEAMx ausgewertet, sondern später auch anderen Forschenden zur Verfügung gestellt.

TEAMx 1

Untersuchungsgebiete der Messkampagne TOC (TEAMx Observational Campaign): Alpenvorland in Deutschland, Inntal (Österreich), Etschtal (Italien) und der Alpenkamm zwischen diesen beiden Gebieten. Quelle: https://www.teamx-programme.org/observational-campaign/

Von der Wettervorhersage bis zum Klimawandel

Das Ziel ist ehrgeizig: TEAMx will Wetter- und Klimamodelle so verbessern, dass sie Gebirgsregionen realistischer abbilden. Davon profitieren nicht nur Wanderer bei der Tourenplanung, sondern auch Behörden bei der Einschätzung von Unwettergefahren – und langfristig sogar die Klimaforschung.
Denn ob Prognosen über einen Hitzesommer mit 40 °C auch für die Alpen gelten oder wie sich Starkregen in engen Tälern entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Modelle die speziellen Bedingungen im Gebirge erfassen. Dafür fehlen bisher wichtige Messdaten – genau die will TEAMx nun liefern.

Auf der Projekt-Homepage werden die vier wichtigsten wissenschaftlichen Ziele von TEAMx wie folgt zusammengefasst:

1. Verbesserung des qualitativen und quantitativen Verständnisses von Transport- und Austauschprozessen sowohl zwischen der Erdoberfläche und der Atmosphäre als auch innerhalb der Atmosphäre
2. Evaluierung und Verbesserung von Wetter- und Klimamodellen über Bergregionen
3. Bereitstellung eines einzigartigen Beobachtungsdatensatzes, der zur Untersuchung eines breiten Spektrums von Transport- und Austauschprozessen in Gebirgsregionen und ihrer räumlich-zeitlichen Variabilität verwendet werden kann
4. Verringerung von Fehlern in Impact-Modellen durch Weitergabe der gewonnenen Ergebnisse an Wetter- und Klimadienstleister

TEAMx 2

Inntal vom Flugzeug aus während der Flugmessungen im Winter. Quelle: Beth Saunders, Universität Innsbruck

Ein Projekt mit internationalem Rückhalt

Insgesamt sind über 25 Institutionen und über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) unterstützt das Projekt TEAMx. „Die weitreichende Bedeutung der Messkampagne zeigt sich nicht nur an den beteiligten Forschungsgruppen, sondern auch an der Mitwirkung mehrerer Wetterdienste“, sagt Prof. Mathias Rotach von der Universität Innsbruck, wissenschaftlicher Leiter des internationalen Konsortiums TEAMx.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist als nationaler Partner aktiv in TEAMx eingebunden – sowohl bei der Feldkampagne als auch bei der Durchführung von Modellstudien.
Und zum Schluss ein Ausblick in eigener Sache: Eine geplante Ausgabe der deutschsprachigen meteorologischen Fortbildungszeitschrift „promet“ wird sich dem Thema Gebirgsmeteorologie widmen (Herausgabe vsl. Anfang 2027). Darin werden auch die Ergebnisse von TEAMx einfließen und anschaulich aufbereitet.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst