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Zwischenbilanz beim Niederschlag und Wetterausblick

16. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die erste Hälfte des Oktobers ist bereits schon wieder vorbei. Das Wetter präsentierte sich meist recht trüb. Für einen goldenen Oktober sind hingegen längere Phasen mit stimmungsvollem Sonnenschein notwendig. Anfangs des Monats zeigte sich die Sonne vielerorts auch länger, in den vergangenen Tagen suchte man die Sonne und damit den goldenen Oktober hingegen oft vergeblich.

Die Verfärbung des Laubs in prächtiges Gelb, Orange und Rot wird durch die kürzer werdenden Tageslängen ausgelöst. Aufgrund des mangelnden Lichts und weil die Nährstoffversorgung der Blätter im Winter nicht gewährleistet werden kann, stellen die Laubbäume die Photosynthese ein, die die Blätter sonst grün erscheinen lässt. Möglichst kühle Nächte sind für einen schnelleren und großflächigen Verfärbungsprozess vorteilhaft. Daneben spielen auch die gefallenen Niederschlagsmengen eine wichtige Rolle. Doch wie viel Niederschlag kam in den vergangenen zwei Wochen zusammen?

Wetterstationen können hierbei Aufschluss geben, wie viel Niederschlag an einem bestimmten Ort in einer gewissen Zeit gefallen ist. Allerdings kann man durch Wetterstationen nur ein unzureichendes Bild davon bekommen, wie viel Niederschlag in der Fläche gefallen ist. Auch können teilweise kräftige Niederschläge nicht erfasst werden, wenn sie nicht gerade über eine Wetterstation hinwegziehen. Die Lösung für dieses Problem sind die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen. Die nachfolgende Abbildung zeigt die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen seit dem 01. Oktober.

Aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsmengen in Liter pro Quadratmeter seit dem 01. Oktober

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Bild bei den bislang gefallenen Niederschlagsmengen sehr heterogen ist. Bei den Maxima stechen vor allem der Norden und Nordwesten hervor. Diese kamen vor allem durch das Sturmtief DETLEF (int. AMY) zustande, dessen Ausläufer am Feiertagswochenende über Deutschland hinwegzogen (Thema des Tages vom 03.10.2025). Daneben sticht der östliche Alpenrand mit mehr als 50 Liter pro Quadratmeter hervor, wobei auch hier DETLEF einen Anteil hatte (Thema des Tages vom 06.10.2025).

In großen Teilen des Südens und Ostens fielen hingegen noch nicht einmal 15 Liter pro Quadratmeter. Dadurch lassen sich die Umrisse von so manchem Mittelgebirge oder deren Staulagen erkennen, wo etwas mehr Niederschlag zusammenkam.

Im Durchschnitt fallen im Monat Oktober 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter. Die nachfolgende Abbildung zeigt links die bis zum jetzigen Zeitpunkt gefallenen Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel und rechts die bisherigen Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel des gesamten Monats Oktober.

Links: Bis zum jetzigen Zeitpunkt gefallene Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel, rechts: Bisherige Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel des gesamten Monats Oktober

Besonders die blauen und pinkfarbenen Flächen im Norden und Nordwesten Deutschlands springen hierbei direkt ins Auge. Diese Farbgebung ist gleichbedeutend mit 150 Prozent und mehr der bis zum jetzigen Zeitpunkt im Oktober in diesen Regionen sonst üblichen Niederschlagsmengen. Bezieht man die bislang gefallenen Mengen auf den gesamten Monat Oktober, so liegen diese um das Monatssoll. Würde in diesen Regionen also kein Niederschlag mehr dazukommen, würde die Bilanz für den gesamten Monat Oktober exakt so aussehen, nur eben mit sehr unterschiedlichen Monatshälften.

Vielerorts sind aber auch gelbliche und orangefarbene Farbtöne erkennbar, die darauf schließen lassen, dass dort bislang zwischen 20 und 40 Prozent oder sogar weniger der bis zum jetzigen Zeitpunkt im Oktober sonst üblichen Niederschlagsmengen zusammengekommen ist. Bezieht man diese Mengen nun auf den gesamten Monat Oktober, so wird deutlich, dass in diesen Regionen häufig noch nicht einmal 15 Prozent des Monatssolls erreicht wurde. Dort müsste also in den kommenden zwei Wochen noch einiges zum Erreichen des Monatssolls dazukommen.

Doch sieht es nun wenigstens in den kommenden Tagen nach goldenem Oktober oder zumindest nach Regen aus oder bleibt es bei diesem grauen Himmelsbild? An der Ostflanke von Hoch SIEGLINDE mit Zentrum über den Britischen Inseln wird zunächst weiterhin feuchte und wolkenreiche Luft nach Deutschland gelenkt. Insbesondere im Norden und in großen Teilen der Mitte tritt leichter Regen oder Sprühregen auf, die Sonne zeigt sich allenfalls vorübergehend, am ehesten direkt an den Küsten. Im Süden wechseln sich hingegen Sonne und Wolken ab und es ist trocken, mancherorts können sich jedoch teils zähe Nebel- und Hochnebelfelder halten.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Donnerstag, den 16.10.2025 12 UTC

Ab dem morgigen Freitag stellt sich allmählich das Wetter um. Von Norden her greift eine Kaltfront auf Deutschland über, die allerdings kaum wetterwirksam ist. Dahingehend ist es zweitrangig, ob nun die dank SIEGLINDE nach Deutschland advehierte feuchte Nordseeluft oder die Kaltfront ursächlich für den leichten Regen oder Sprühregen im Norden und in der Mitte ist. Eine Änderung stellt sich hingegen durch die trockenere Polarluft ein, die der Kaltfront nachfolgt und ein in weiten Landesteilen goldenes Oktoberwochenende einläutet.

Am Samstag ist es verbreitet heiter bis sonnig. Nur im Süden, wo anfangs noch gebietsweise Nebel- und Hochnebelfelder, im Vormittagsverlauf dann auch die Reste der Kaltfront vorzufinden sind, kann die Sonne erst am Nachmittag vermehrt zum Vorschein kommen.

Am Sonntag scheint die Sonne insbesondere in der Osthälfte sowie in den südwestlichen Mittelgebirgen länger. Von Westen macht sich dann bereits die nächste Wetterumstellung bemerkbar und Tiefdruckgebiete übernehmen allmählich die Regie über unser Wettergeschehen. Wolkenfelder ziehen auf, in der Nacht zum Montag setzt Regen ein. Zum Start in die neue Woche präsentiert sich das Wetter wechselhaft und zeitweilige Regenfälle sind zu erwarten, die die Niederschlagsmessgeräte füllen werden.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Zwischenbilanz-beim-Niederschlag-und-Wetterausblick-1.png 924 990 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-16 11:10:482025-10-20 11:24:06Zwischenbilanz beim Niederschlag und Wetterausblick

Doppelter Wetterumschwung

15. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

SIEGLINDE – so heißt das Hoch über den Britischen Inseln, das seit Tagen in vielen Teilen Deutschlands für einen hohen Grauanteil beim Wetter sorgt. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass an der Ostflanke des Hochs fortwährend feuchte, wolkenreiche Nordseeluft in unser Land strömt (siehe dazu auch das Thema des Tages vom 13.10.2025).

Abb. 1: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Mittwoch, 15.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Doch damit ist bald Schluss! Bis Freitag ändert sich zunächst zwar nicht so viel, sprich: viele Wolken, hier und da Sprühregen, Auflockerungen vor allem im Süden und dort in Hochlagen mitunter ganztags sonnig. Ab Freitagnachmittag/-abend greift dann aber von Dänemark und der Ostsee kommend eine Kaltfront auf Deutschland über, die am Samstag auch den Süden erreicht. Aufgrund des anhaltenden Hochdruckeinflusses ist sie zwar kaum wetteraktiv, allerdings folgt ihr deutlich trockenere Luft aus polaren Breiten, in der sich die Wolken überwiegend auflösen dürften. Tja, und eine wolkenarme und zumindest abseits der Küsten auch windschwache Nacht verspricht recht kalt zu werden. Vor allem im Norden kann die Temperatur regional bis 0 Grad absinken, in Bodennähe ist verbreitet mit leichtem Frost zu rechnen.

Am Samstag kommt dann auch bei der Druckverteilung Bewegung ins Spiel. SIEGLINDE verlagert ihren Schwerpunkt zunächst nach Deutschland, um dann am Sonntag ins östliche Mitteleuropa abzuziehen. Dadurch dreht die Strömung in den unteren Luftschichten langsam aber sicher über Ost auf Südost. Der Zustrom relativ feuchter Nordseeluft ist damit gekappt und in der bei uns nun vorherrschenden zwar kühleren, aber auch trockeneren Luftmasse, wird sich am Wochenende vielerorts auch mal für längere Zeit die Sonne zeigen. Gut, gerade in manchen Ecken Süddeutschlands wird sich auch wieder zäher Nebel oder Hochnebel halten, bundesweit betrachtet ist diese Neigung aber deutlich geringer als momentan.

Abb. 2: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Samstag, 18.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Die Nacht zum Sonntag wird in der Folge noch ein gutes Stück kälter als die zum Samstag. Zwischen Hochrhein und Emsland wird man nach aktuellem Stand noch meist im frostfreien Bereich verweilen, ansonsten muss aber doch verbreitet mit leichtem Luftfrost bis -3 Grad gerechnet werden. Frost in Bodennähe gibt es fast überall, im Osten gebietsweise sogar bis -6 Grad!

Auf die erste Wetterumstellung, die man, wenn man so will, als goldenes Oktoberwochenende verkaufen kann, folgt am Montag bereits die nächste. Durch den Abschied von SIEGLINDE ist nun der Weg frei für atlantische Tiefdrucksysteme und deren Ausläufer.

Abb. 3: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Montag, 20.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Kurzum: Ab Montag ziehen aus Westen immer wieder Regengebiete über uns hinweg. Dazu wird es deutlich windiger, vor allem im Bergland und an den Küsten könnte es auch stürmisch werden. Das Temperaturniveau klettert dafür aber wieder etwas nach oben und die Nachtfrostgefahr ist erst einmal wieder vom Tisch – genauso wie das goldene Oktober-Intermezzo…

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Doppelter-Wetterumschwung-1.jpg 720 717 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-15 10:58:402025-10-20 11:10:23Doppelter Wetterumschwung

Wetterquiz

14. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nachdem gestern der Tag des Gedächtnistrainings in den USA gewesen ist, wollen wir im heutigen Thema des Tages Ihr Gedächtnis, liebe Leserinnen und Leser, testen. Zugegeben, es ist nicht immer einfach, aber mit etwas Recherche werden Sie sicherlich auf das Lösungswort kommen. Dieses erhalten Sie durch die vorangestellten Buchstaben. Hilfreiche Antwortmöglichkeiten finden Sie beispielsweisen in den Themen des Tages sowie in einigen Pressemitteilungen oder im Wetterlexikon.

Frage 1:
Der Deutsche Wetterdienst ist als Bundesbehörde folgendem Ministerium nachgeordnet:

  1. S) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
    R) Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
    H) Bundesministerium für Verkehr

Frage 2:
Das Temperaturmittel lag im vergangenen Sommer 2025 bei

  1. p) 16,8 Grad Celsius.
    e) 20,5 Grad Celsius.
    o) 18,3 Grad Celsius.

Frage 3:
Das derzeit dominierende Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa heißt

  1. c) Sieglinde.
    n) Gerhard.
    r) Alice.

Frage 4:
Bei einer Hochrandlage, bei der sich das Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln befindet, wird

  1. n) sehr warme und feuchte Subtropikluft
    h) feuchte Nordseeluft
    ü) trockene Kontinentalluft

nach Deutschland transportiert.

Frage 5:
Von einer Bombogenese spricht man, wenn

  1. n) der Kerndruck in einem Tiefdruckgebiet innerhalb von 24 Stunden mindestens um 24 hPa fällt.
    h) es innerhalb von 24 Stunden mindestens 100 l/qm regnet.
    t) ein Tiefdruckgebiet mindestens einen Durchmesser von 500 km hat.

Frage 6:
Polarumlaufende Satelliten befinden sich

  1. e) in etwa 850 km Höhe über der Erde.
    l) in etwa 10500 km Höhe über Mitteleuropa.
    r) in etwa 35800 km über dem Äquator.

Frage 7:
Das Temperaturmittel in Deutschland war im zurückliegenden Sommer in folgendem Monat am höchsten:

  1. b) Juni
    a) Juli
    e) August

Frage 8:
Der durchschnittliche Jahresniederschlag (Referenzperiode 1961-1990) beträgt in Deutschland

  1. g) 850 l/qm.
    e) 789 l/qm.
    t) 620 l/qm.

Frage 9:
Die derzeit vorherrschende Wetterlage in Deutschland ist:

  1. e) Südost antizyklonal
    g) Südwest zyklonal
    l) Hoch Britische InselnDer Verfasser hofft, dass Sie Spaß am Quiz hatten und Sie das Lösungswort erraten konnten. Es sollte mit dem aktuellen Wetter zu tun haben. Falls Sie nicht auf die Lösung gekommen sein sollten, können Sie sich gerne an TdT@dwd.de wenden.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-14 10:19:362025-10-20 10:58:01Wetterquiz

HB: Die Hochrandlage

13. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Blick auf die Wetterkarte für Europa lässt eigentlich Euphorie zum Wochenstart aufkommen: Ein großräumiges Hochdruckgebiet bei den Britischen Inseln, dessen Einflussbereich bis nach Deutschland hineinragt, bestimmt maßgeblich die Witterung über West- und Mitteleuropa. Anders als es die Lehrmeinung jedoch darstellt, ist das Hochdruckwetter heute und auch in den kommenden Tagen für einige nicht von einem goldenen Oktober gekennzeichnet (von regionalen „Ausnahmen“ wie heute dem Osten einmal abgesehen). Ganz im Gegenteil, teils kommt es zu viel Einheitsgrau am Firmament, zu dem sich lokal und zeitweise auch noch Sprühregen gesellt. Eine regional wirklich usselige Kombination.

Die aktuelle Wetterlage zeigt ein umfangreiches Hochdruckgebiet bei den Britischen Inseln. Deutschland liegt am Rande dieses Hochs, genauer gesagt an der Ostflanke, in einer nördlichen bis nordwestlichen Strömung, mit der in unteren Luftschichten feuchte Luft herantransportiert wird (bläulicher Pfeil). Trockener ist es hingegen durch Skandinavien-Föhn im Nordosten (gelb-orangefarbener Pfeil).

Dies liegt an der besonderen Konfiguration der Wetterlage. Während sich vor allem über großen Teilen von Frankreich, näher am Hochzentrum, die Sonne durchgesetzt hat und trockene Luftmassen das Wetter bestimmen, ist es bei uns vom Nordwesten bis in den Südosten grau und vor allem in den unteren Luftschichten ziemlich feucht. Dies wiederum liegt am Ursprung der Luftmasse, der Strömung und nicht zuletzt an der Stärke des Hochs. Die Luftmasse über Deutschland wird derzeit über vielen Regionen aus einer nördlichen bis nordwestlichen Richtung herangeführt und besitzt demnach einen maritimen Ursprung. Damit befindet sich ausreichend Feuchte in der unteren Troposphäre, die zu Nebel, Hochnebel oder sonstigen tiefen Wolken neigt. Eine starke, sogenannte Absinkinversion darüber, also eine Temperaturzunahme mit der Höhe statt einer -abnahme, lässt die tiefe Luft immer weiter mit Feuchte anreichern. Ist diese feuchte Schicht mächtig genug, dann kann sich darin sogar kleintropfiger Regen bilden, den wir am Boden als Sprühregen wahrnehmen. Und ist das Hoch nicht stark genug, um diese Absinkinversion in Bodennähe zu bringen, so bleibt es einfach grau.

Typisch für Randlagen mit feuchter Luft in der unteren Troposphäre ist eine nahezu geschlossene Bewölkung wie hier in Offenbach.

Deutlich wird das mit Blick auf drei Prognose-Radiosondenaufstiege (Soundings). Über dem Nordosten Frankreichs, genauer gesagt in Troyes, ist das Hoch etwas kräftiger und die Luftmasse nicht mehr ganz so feucht, womit die Absinkinversion tiefer liegt und sich gleichzeitig weniger Feuchte anreichern kann, die in weniger oder keiner signifikanten Bewölkung resultiert.
Über der Mitte Deutschlands (Fulda) ist ersichtlich, dass die Absinkinversion deutlich höher ansetzt, das Hoch hier nicht mehr ganz so kräftig in Bodennähe wirken kann und die feuchte Schicht wesentlich mächtiger ist. Ergo wird es schwer, für sonnige Abschnitte im Tagesverlauf zu sorgen, außerdem ist diese feuchte Schicht vertikal mächtig genug, um vor allem nachts und morgens Sprühregen auszubilden.
Über dem Nordosten Deutschlands macht sich durch die überwiegend nördliche Strömung zwischen Hoch SIEGLINDE und Tief GERHARD über Westrussland ein weiterer wichtiger Effekt bemerkbar, und zwar der sogenannte Skandinavien-Föhn, ausgelöst durch die Überströmung des skandinavischen Gebirges und der Abtrocknung auf seiner Leeseite. Im Prognosesounding wird deutlich, dass die Luftmasse hier in den tiefen Schichten gut abtrocknen konnte und es im Osten heute daher wolkenarm und sonnig ist – ein goldener Oktobertag.

Zu sehen sind drei Prognose-Soundings für Troyes, Fulda und Neubrandenburg für den Montagnachmittag. Dargestellt ist der Verlauf der Temperatur mit der Höhe (durchgezogene, schwarze Linie) und der des Taupunktes (gestrichelte, schwarze Linie). Je näher diese Linien nun zusammenrücken, um so feuchter oder gar gesättigt ist die Luft. Ersichtlich wird, dass die Luft in unteren Schichten in Fulda sehr feucht, in Troyes und Neubrandenburg hingegen trockener ist.

In den kommenden Tagen ändert sich an der Grundkonstellation zunächst wenig: Hoch SIEGLINDE verharrt über den Britischen Inseln, womit wir weiterhin in der Randlage verbleiben werden und immer wieder ein Schwall feuchter Luft nach Deutschland geführt wird. Damit wird es weiterhin Nebel, Hochnebel und Sprühregen geben, was die Tage in einigen Regionen trist und grau gestalten wird. Anders sieht es hingegen beispielsweise am morgigen Dienstag südlich der Mainlinie aus: SIEGLINDE kommt hier ein wenig mehr zum Tragen, gleichzeitig reißt die Zufuhr der sehr feuchten Luft vorübergehend etwas ab, was Wolkenauflösung und mehr Sonnenschein forciert. Auf solche regionalen Besonderheiten kommt es dann auch in den Folgetagen an, wenn man einen Blick auf die Sonne erhaschen möchte, was aber nicht immer möglich sein wird – trotz Hochdruckeinfluss in der Wetterkarte.

M.Sc.- Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Die-Hochrandlage-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-13 10:09:432025-10-20 10:19:13HB: Die Hochrandlage

Unwetter im Mittelmeerraum – Überschwemmungen in Spanien

12. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Deutschland hält derzeit der Herbst Einzug. Während es in den Nächten und am Vormittag teils neblig-trüb ist, bleibt der Himmel tagsüber meist grau und hier und da fällt etwas Regen oder Sprühregen. Darüber hinaus signalisiert auch die Temperatur: Es geht wieder in Richtung Winter. Kein Wunder, dass man kurzerhand einen Flug in die Mittelmeerregion bucht, um den Sommer vielleicht noch etwas zu verlängern. Immerhin zeigt sich dort um diese Jahreszeit bei sommerlichen Höchstwerten meist noch vielfach die Sonne.

Wer jedoch dem grauen Herbstwetter in Deutschland entfliehen wollte, erlebt derzeit an der spanischen Ostküste und auf den Balearen eine böse Überraschung. Ein sogenannter „Kaltlufttropfen“ – also ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten, das mit kalter Luft angereichert ist – zieht derzeit über das westliche Mittelmeer. Aufgrund des großen Temperaturunterschieds zwischen dem noch warmen Mittelmeer mit Wassertemperaturen um 23 °C und der höhenkalten Luft in rund 5500 Metern Höhe mit Temperaturen um -14 °C kommt es zu einer Labilisierung der Atmosphäre. Das heißt, bodennahe, warme und feuchte Mittelmeerluft steigt auf und kommt in Regionen mit vergleichsweise kälterer Umgebungsluft. Dadurch erfährt die warme Luft einen zusätzlichen Auftrieb und steigt weiter auf. So bilden sich teils kräftige Gewitter, die in der sehr feuchten Mittelmeerluft mit kräftigen Regenfällen einhergehen können. Aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen wurde das Tief bereits im Vorfeld von EUMETNET, einem europäischen Netzwerk aus verschiedenen nationalen Wetterdiensten, auf den Namen „Alice“ getauft.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Sonntag, den 12. Oktober 2025 12 UTC. (Quelle:DWD)

Bereits am vergangenen Freitag, den 10. Oktober 2025, bildeten sich im Osten und Südosten Spaniens, besonders in den Provinzen Murcia, Valencia und Alicante wiederholt kräftige Gewitter, die mit sintflutartigen Regenfällen einhergingen. So kam die Wetterstation in Cartagena in der Provinz Murcia auf 156,2 Liter pro Quadratmeter (kurz: l/m²) in nur 24 Stunden. Das entspricht etwas mehr als der Hälfte des Jahresniederschlags der Region.

Am Samstag zog das Tief dann etwas weiter nordostwärts, wodurch nun auch die Balearen in den Fokus rückten. So registrierte die Station in der größten Stadt Ibizas Sant Antoni de Portmany 119,7 l/m² innerhalb eines Tages. Zudem wurde der Südosten Kataloniens von kräftigen Gewittern heimgesucht und dabei Niederschlagsmengen bis 92 l/m² aufgefangen. In der Provinz Valencia gab es keine Beruhigung. Dort fielen erneut gebietsweise zwischen 80 und 100 l/m², an der Station Carcaixent wurden sogar 132,8 l/m² gemessen. Besonders sticht hier die Station Miramar hervor. Dort wurden von Freitagabend bis Sonntagfrüh rund 240 l/m² in drei Tagen gemessen.

Animation der Satellitenbilder im Bereich des westlichen Mittelmeers von Samstag, den 11. Oktober 2025 09 bis 18 Uhr MESZ. (Quelle:DWD)

Dass diese Wetterkapriolen nicht spurlos vorübergehen, ist angesichts der gemessenen Niederschlagssummen klar. So kam und kommt es vielerorts zu Überschwemmungen, die Erinnerungen an die schwere Flutkatastrophe vom Oktober vergangenen Jahres wach werden lassen. Damals sorgte Dauerregen im Osten und Süden Spaniens für verheerende Schäden und forderte auch Menschenleben.

Auf den Balearen mussten aufgrund der Starkregenfälle zahlreiche Flüge gestrichen werden, der Flughafen auf Ibiza kämpfte sogar innerhalb des Terminals mit den Wassermassen. Auf Ibiza, Mallorca und Formentera kam sogar das sogenannte Cell-Broadcast-System zum Einsatz, womit Warnmeldungen direkt auf die Mobilfunkgeräte der Bevölkerung gesendet werden können. Dabei wurden die Leute ausdrücklich davor gewarnt, sich nicht in der Nähe von überschwemmungsgefährdeten Regionen oder Flüssen aufzuhalten. In einigen Regionen fiel darüber hinaus der Strom aus, sodass mehrere Hundert Haushalte zeitweise ohne Strom waren.

Animation der Satellitenbilder im Bereich des westlichen Mittelmeers von Sonntag, den 12. Oktober 2025 09 bis 12 Uhr MESZ. (Quelle: DWD)

Am heutigen Sonntag (12. Oktober 2025) warnt der spanische Wetterdienst AEMET in den Küstenregionen von der Provinz Valencia bis nach Katalonien vor weiteren kräftigen Gewittern und heftigen Starkregenfällen. Insbesondere im südlichen Katalonien und im nördlichen Castellón wird vor Mengen mit bis zu 140 l/m² gewarnt. Auch auf den Balearen gibt es keine Entwarnung. Dort fallen die Niederschlagsmengen zwar geringer aus, der spanische Wetterdienst warnt jedoch weiterhin mit der Warnstufe Gelb und Orange vor Gewittern und Starkregen.

Tief „Alice“ soll sich in den Folgetagen unter Abschwächung ins zentrale Mittelmeer verlagern. Allerdings ist bereits der nächste Kaltlufttropfen vom Atlantik auf dem Weg ins westliche Mittelmeer. Dieser zieht am Montag über die Region Valencia, in der Nacht zum Dienstag dann über die Balearen hinweg. So muss insbesondere im Osten und Nordosten Spaniens mit weiteren Gewittern und Starkregenfällen gerechnet werden. Auch die Balearen könnten dann zumindest teilweise von weiteren kräftigen Gewittern heimgesucht werden.

24-stündige Niederschlagsprognose des deutschen ICON-Modells für den zentralen Mittelmeerraum ab Mittwoch, den 15. Oktober 2025, 17 Uhr MESZ. (Quelle: DWD)

Der Kaltlufttropfen zieht im Laufe der Woche weiter nach Osten ins zentrale Mittelmeer und beeinflusst ab Mittwoch den Süden Italiens, wo ebenfalls Unwetter erwartet werden. Damit bleibt das Wetter im westlichen und zunehmend auch im zentralen Mittelmeerraum vorerst wechselhaft – der Herbst hält also im Süden Europas ebenfalls Einzug.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Unwetter-im-Mittelmeerraum-Ueberschwemmungen-in-Spanien-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-12 09:59:032025-10-20 10:09:23Unwetter im Mittelmeerraum – Überschwemmungen in Spanien

Ein Natur- und Kulturerlebnis auf Sizilien

11. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer, ist nicht nur wegen ihrer traumhaften Strände und ihrer köstlichen Küche ein beliebtes Reiseziel. Die Insel beeindruckt auch mit einer faszinierenden Natur, spannender Geschichte und einzigartigen kulturellen Schätzen. Besonders im Frühling (April/Mai) und Herbst (September/Oktober) lohnt sich eine Reise – das Wetter ist angenehm mild und die Insel weniger überlaufen.

Ein Highlight für Naturliebhaber und Geschichtsinteressierte ist das Naturschutzgebiet Pantalica, das sich in der Nähe der historischen Stadt Syrakus befindet. Das Gebiet folgt dem Verlauf des Flusses Anapo und bietet eine spektakuläre Landschaft mit Schluchten, Höhlen und einer erstaunlichen Artenvielfalt.

Neben der beeindruckenden Natur ist Pantalica auch ein bedeutender archäologischer Ort. In den Felswänden der Schluchten wurden große Nekropolen (Gräberfelder) aus der Bronzezeit entdeckt. Diese in den Stein gehauenen Grabkammern sind ein faszinierendes Zeugnis vergangener Kulturen und machen die Wanderung durch das Gebiet zu einer Reise in die Vergangenheit.

Für Besucher gibt es mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege, die durch das Schutzgebiet führen. Der Eintritt ist kostenlos, jedoch wird eine Registrierung am Eingang verlangt. Diese dient der Sicherheit der Wanderer, falls sich jemand verirren sollte.

Der Verfasser des Textes hatte die Gelegenheit, das Gebiet Anfang Oktober zu besuchen. Das Wetter war ideal – sonnig und angenehm warm – perfekt für Wanderungen und Erkundungstouren in der Natur.

Das Anapo-Tal. Quelle: Marco Manitta

Fazit:
Sizilien bietet weit mehr als Sonne und Meer. Wer die Insel abseits der klassischen Touristenpfade entdecken möchte, sollte sich das Naturschutzgebiet Pantalica nicht entgehen lassen. Es verbindet auf einzigartige Weise Naturerlebnis und Kulturgeschichte – ein echtes Juwel für alle, die Sizilien intensiv erleben möchten.

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-11 09:41:162025-10-20 09:58:45Ein Natur- und Kulturerlebnis auf Sizilien

Täglich grüßt die SIEGLINDE

10. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Wetterlage in Europa ist komplett eingefahren. „Täglich grüßt das Murmeltier“ könnte man sagen, oder besser: „Täglich grüßt die SIEGLINDE“. Denn das monumentale Hochdruckgebiet SIEGLINDE ist es, das wie festgetackert über den Britischen Inseln thront und über das Wetter in Europa auch bis weit in die nächste Woche hinein herrschen wird (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Bodenluftdruck und Satellitenbild vom 10. Oktober 2025

Ausgehend von ihrem angestammten Hauptsitz bei den Britischen Inseln streckt SIEGLINDE ihre Fühler in Form eines Hochkeils bis in den Südwesten und Süden Deutschlands aus. Das ist auch die Region, die in den nächsten Tagen die größten Chancen auf Sonnenschein haben wird, sofern sich die herbstüblichen, mitunter zähen Nebelfelder aufgelöst haben. Am Montag gibt die Sonne auch im Nordosten vorübergehend mal ein kurzes Gastspiel. Die relativen Sonnenscheindauern für den Zeitraum von Samstag bis Donnerstag (11.-16. Oktober) sind in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 2: Entwicklung der täglichen relativen Sonnenscheindauer von Samstag, 11. Oktober, bis Donnerstag 16. Oktober.

Ansonsten lenkt SIEGLINDE mit nordwestlicher Strömung „Nordseepampe“ heran, oder etwas fachlicher ausgedrückt: maritim erwärmte Subpolarluft. Die ist ziemlich feucht und sehr wolkenreich. Bisweilen streifen Ausläufer der in weitem Bogen um SIEGLINDE herum nach Nord- nach Osteuropa geführten Tiefdruckgebiete zumindest den Norden und Osten des Landes, sodass es gerade dort aus der trüben Suppe hier und da sogar mal etwas regnen oder nieseln kann. Viel wird es zwar nicht sein, aber es reicht aus, den Wettercharakter als eher „usselig“ zu empfinden.

Hinter einer am Sonntag und Montag südwärts ziehenden, schwachen Kaltfront gehen die Temperaturen zu allem Überfluss sogar noch etwas zurück. Bis Wochenmitte wird die 15-Grad-Marke nur noch örtlich überschritten und nachts droht bei längerem Aufklaren zumindest in Bodennähe leichter Frost.

Eine durchgreifende Wetterumstellung ist im seriösen Vorhersagezeitraum nicht in Sicht, erst zum Ende der nächsten Woche deuten einige Wettermodelle darauf hin, dass die ruhige, ereignisarme Wetterlage durch stärkeren Tiefdruckeinfluss gestört werden könnte. Bis dahin wachen wir jeden Morgen mit Hoch SIEGLINDE auf.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Taeglich-gruesst-die-SIEGLINDE.png 560 998 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-10 09:33:132025-10-20 09:40:48Täglich grüßt die SIEGLINDE

Wetter international

9. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Deutschland herrscht Hochdruckeinfluss und oft eher trübes Wetter vor. Eine Änderung ist vorerst auch nicht in Sicht, denn die Wetterlage stellt sich nicht um. Hoch SIEGLINDE liegt weiterhin über Großbritannien und führt an ihrer Vorderseite milde und feuchte Luft nach Deutschland. Erst in der neuen Woche verlagert sich das Hoch langsam nordwärts und wir geraten auf die Südflanke des Hochs.

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage von Bodendruck und Frontalzonen für links: Donnerstag, 09.10.2025 und rechts: Montag, 13.10.2025 jeweils 12 UTC auf Basis des DWD-Modell ICON

International ist deutlich mehr los, denn auf den warmen Meeren der Nordhalbkugel ist Wirbelsturmsaison. In Südostasien hatte sich bereits Ende letzter Woche über der Philippinensee Wirbelsturm HALONG gebildet. Er zog zunächst nach Nordwest, drehte aber rasch nach Nordost ab und zog in der vergangenen Nacht südlich am japanischen Festland vorbei. Dabei streifte er die Izu-Inselkette und brachte dort heftige Regenfälle und stürmischen Wind.

Zugbahn des Taifuns HALONG mit Berechnung der weiteren Zugbahn, Quelle: Joint Typhoon Warning Center JTWC

In den vergangenen Stunden hat sich im „Fahrwasser“ des Taifuns ein weiteres Tief gebildet. Es wird derzeit engmaschig beobachtet und wurde bereits auf den Namen NAKRI getauft. Nach aktuellen Berechnungen soll es sich in den kommenden Tagen zu einem Taifun verstärken und eine ähnliche Zugbahn einschlagen wie HALONG.

Berechnung der Zugbahn und mögliche Verstärkung des Tropischen Tiefs NAKRI, Quelle: JTWC

Auf der anderen Seite der Erde geht es nicht ruhiger zu. Auf dem Atlantik hat sich Tief JERRY gebildet. Er steuert als tropischer Zyklon in nordwestlicher Richtung voraussichtlich knapp an den Leeward Islands der Kleinen Antillen vorbei, soll dann aber nordwärts abdrehen und über dem warmen Meer Hurrikanstärke erreichen. Für die Kleinen Antillen bestehen teilweise Warnungen vor stürmischem Wind und heftigen Regenfällen sowie Warnungen vor gefährlicher Meeresströmung. Da der Wirbelsturm aber an den Inseln vorbeizieht, werden die Auswirkungen wohl nur gering sein. Auf seiner weiteren Zugbahn soll JERRY über den Atlantik nordwärts ziehen und kurz vor Bermuda einen Nordostkurs einschlagen. Die Inselkette wird vom Wirbelsturm nach derzeitigen Berechnungen verschont.

Karte Westatlantik und Mittelamerika mit dem tropischen Tief JERRY sowie der berechneten Zugbahn, Quelle: National Hurricane Center NOAA

Etwas weiter westlich auf dem östlichen Pazifik tummeln sich gerade zwei Wirbelstürme: PRISCILLA und OCTAVE. Zudem wird eine Zone tiefen Luftdrucks knapp vor der südlichen Küste Mexikos beobachtet. In dieser entladen sich bereits jetzt recht kräftige Gewitter mit heftigen Regenfällen und stürmischem Wind, die auch die Küstenregionen Mexikos betreffen. In den kommenden Tagen könnte sich dort ein weiterer Wirbelsturm bilden.

Karte Ostpazifik mit den Wirbelstürmen PRISCILLA und OCTAVE sowie der Zone der wahrscheinlichen Neubildung eines weiteren Wirbelsturms, Quelle: NOAA

Weder PRISCILLA noch OCTAVE machen so richtig Anstalten an Land zu gehen. OCTAVE wird voraussichtlich noch heute von der Karte verschwinden, ohne bewohntes Land getroffen zu haben. PRISCILLA soll sich in den kommenden Stunden und Tagen langsam nord-nordostwärts bewegen und voraussichtlich im Laufe des Samstags (mitteleuropäischer Zeit) auf die California Halbinsel treffen. Dabei sind kräftiger Regen und frischer Wind wahrscheinlich. Zu Beginn der Woche sah es noch nach einem Hurrikan-Treffer für die Region mit weitaus schlimmeren Wettererscheinungen aus.

Kartenausschnitt Ostpazifik und Westmexiko mit Wirbelsturm PRISCILLA und ihrer voraussichtlichen Zugbahn, Quelle: NOAA

International ist also eine Menge los, auch wenn nicht immer Land und Leute betroffen sind. Für die Schifffahrt ist es allemal interessant und auch die ein oder andere Flugroute wird von den Wirbelstürmen beeinflusst. Ob sich bei uns auch mal wieder ein Herbststurm sehen lässt, bleibt abzuwarten.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Wetter-international-1-scaled.jpg 905 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-09 13:56:502025-10-09 13:57:34Wetter international

Kaufen Sie sich ein Hoch oder ein Tief!

8. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Schlagzeilen wie „Sommerhoch GERTRUD bringt Sonne und Hitze zurück“ oder „Orkantief NIKOLAUS fegt über Deutschland“ (Namen fiktiv) liest man täglich in den Zeitungen und Nachrichtenportalen. Auch im Radio oder im TV hört man die Namen von Hochs und Tiefs häufig in den Wetterberichten. Vielleicht haben Sie sich schon einem gefragt, wie diese zu ihren (teils sehr exotischen) Namen kommen?

Die Namensgebung hat in Deutschland schon eine jahrzehntelange Historie. Noch in ihrer Zeit als Studentin am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin (FU Berlin) regte die spätere ZDF-Fernsehmeteorologin Dr. Karla Wege (1930-2021) im Jahre 1954 an, Druckgebilden in Mitteleuropa Namen zu geben. Seitdem taufte das Meteorologische Institut der FU Berlin alle Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wettergeschehen in (Mittel)europa in irgendeiner Weise beeinflussen, mit männlichen und weiblichen Vornamen. Inspiriert wurde Karla Wege vom US-Wetterdienst, der ab dem 2. Weltkrieg Taifunen im Pazifik weibliche Vornamen gab und kurz darauf auch Hurrikane im Atlantik benannte. Die FU Berlin erstellte daraufhin Namenslisten mit Vornamen in alphabetischer Reihenfolge und taufte anhand dieser Listen alle relevanten Hochs und Tiefs chronologisch im Jahresverlauf. Fortan trugen über viele Jahrzehnte Tiefs weibliche und Hochs männliche Namen. Lange Zeit waren diese kaum über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannt. Erst im Februar 1990, als ungewöhnlich viele und starke Stürme über Deutschland fegten, wurden die Medien in Deutschland durch die Orkantiefs „VIVIAN“ und „WIEBKE“ auf die Praxis der Namensgebung aufmerksam. 1998 kam in den Medien schließlich eine Diskussion über die Vergaberegeln wegen einer möglichen Diskriminierung von Frauen auf, da (weibliche) Tiefs oft mit schlechtem und (männliche) Hochs mit gutem Wetter verbunden sind. In Absprache mit dem Deutschen Wetterdienst und privaten Wetterdiensten entschied man sich daher für einen jährlichen Geschlechtertausch. Seitdem werden in geraden Jahren Hochs mit Männernamen und Tiefs mit Frauennamen getauft, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt.

Eine weitere bahnbrechende Neuerung gab es im November 2002 – die „Aktion Wetterpate“ wurde ins Leben gerufen. Seither kann jede/r Bürger/in (oder ein Verein, eine Gemeinde usw.) eine Wetterpatenschaft für ein Hoch oder Tief im darauffolgenden Jahr übernehmen. Da Hochs zumeist beständiger sind und somit länger auf den Wetterkarten und in der Atmosphäre verweilen, kostet für sie eine Patenschaft mit aktuell 390 Euro auch etwas mehr als für Tiefs, die man schon für 290 Euro erwerben kann. Auf diese Weise werden im Jahresverlauf etwa 55 Hochs und etwa 140 Tiefs getauft.

Für Wetterliebhaber ist dies ein gern gesehenes Geschenk, sei es für die Partnerin zum Hochzeitstag, für einen Freund zum runden Geburtstag oder für den Nachwuchs, der im kommenden Jahr das Licht der Welt erblickt. Nach der „Taufe“ erhalten Sie eine Patenschaftsurkunde mit der Lebensgeschichte Ihres Druckgebildes sowie eine dazugehörige Wetterkarte.

Jeder Wetterpate hofft natürlich, dass er oder sie ein ganz besonderes Druckgebilde erhält. Aber ob es ein historisches Orkantief, wie „KYRILL“ im Jahr 2007 oder „SABINE“ im Jahr 2020, oder eher ein kraftloses kurzlebiges Tief wird, ist leider Glücksache. Genauso kann man sich bei einem Hoch nicht sicher sein, dass man für schönes Wetter „verantwortlich“ ist oder gar ein berühmtes Hitzehoch wird, wie es beispielsweise Hoch „MICHAELA“ im August 2003 war.

Aktuelle „Berliner Wetterkarte“ vom Mittwoch, 08. Oktober 2025 mit den Hochs PETRALILLI, RITA und SIEGLINDE und dien Tiefs EGBERT und FEHMI.

Die Wetterpaten der aktuell auf der Wetterkarte zu findenden Tiefs „EGBERT“ und „FEHMI“ haben eher Pech. Sie bringen dem Norden und Osten Deutschlands recht unspektakuläres Schmuddelwetter mit grauen Wolken, Nieselregen und etwas Wind. Auch die Hochs „RITA“ und „SIEGLINDE“ sorgen für tristes Herbstwetter und nur im Südwesten Deutschlands für Sonnenschein. Mehr Glück hatte hingegen die Wetterpatin von Hoch „PETRALILLI“. Ihr Hoch wurde bereits am 17. September getauft und wandert nunmehr schon stolze drei Wochen über die „Berliner Wetterkarte“.

Wittern Sie nun die Chance für ein Weihnachtsgeschenk? Dann müssen Sie sich ein wenig beeilen. Die Listen der Namen für 2026 füllen sich allmählich und manche Buchstaben sind schon komplett vergeben. Besonders Namen mit seltenen Anfangsbuchstaben wie „Q“, „X“ oder „Y“ sind aber auch noch recht kurzfristig zu ergattern. Im kommenden Jahr sind Hochs übrigens wieder männlich und Tiefs weiblich.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Kaufen-Sie-sich-ein-Hoch-oder-ein-Tief-1.gif 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-08 15:38:402025-10-08 15:43:40Kaufen Sie sich ein Hoch oder ein Tief!

Von „mysteriösen“ Barometermeldungen und Absinkinversionen

7. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Egal, wo man in Deutschland am heutigen Dienstag auf das Barometer schaut, das Ergebnis ist eindeutig: Ein Luftdruck jenseits der 1020 hPa, gepaart mit Bezeichnungen wie „schön“ und Symbolen, die klar in Richtung Sonne anstatt Wolken gehen. Die Wetterkarte bestätigt zumindest die Druckwerte. Hoch RITA ist dort aktuell im Bereich Nordfrankreich/Süddeutschland zu finden.

Und was zeigt der Blick aus dem Fenster? Grauer Himmel! Dazu gibt es in Südostbayern abklingenden Dauerregen beziehungsweise Schneefall in den Hochlagen. Im Norden zieht im Tagesverlauf Regen auf, der sich in den Osten verlagert. Und auch sonst kann es vereinzelt mal einen Tropfen aus dem dichten Gewölk geben. Schön? Beständig? Fehlanzeige! Was ist nun also „kaputt“? Das Wetter oder die Barometer?

„Weder, noch.“ ist natürlich die Antwort. Grund Nr. 1: Es ist einfach Herbst. Und je weiter das Jahr voranschreitet beziehungsweise je tiefer der Sonnenhöchststand ist, desto schwieriger wird es für die Sonne, die in den immer längeren Nächten entstehenden Nebelfelder „wegzuheizen“. Der zweite Grund für das Grau ist über dem Nordmeer zu finden. Dort schickt ein großräumiger Tiefdruckkomplex immer wieder seine Ausläufer mit sehr feuchter und daher wolkenreicher Luft bis nach Deutschland.

Schauen wir uns zur Verdeutlichung den Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom heutigen Dienstagmorgen, 8 Uhr (MESZ) an (Abbildung 1). Ganz kurz zur Erklärung: Das Diagramm zeigt den vertikalen Verlauf der Temperatur (durchgezogene schwarze Linie) und des Taupunkts (strichlierte schwarze Linie; Maß für die Luftfeuchtigkeit). Auf der unteren, horizontalen Diagrammachse ist die Temperatur in Grad Celsius aufgeführt und auf der linken, vertikalen Achse der Luftdruck in hPa (mit der Höhe abnehmend). Die Temperatur bleibt entlang der roten, von unten nach rechts oben verlaufenden Linien konstant. Mehr dazu finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020.

Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom 7.10.2025, 8 Uhr (MESZ).

Man sieht schön, dass die Luft bis 800 hPa (etwa 1700 m über Grund) gesättigt ist. Taupunkt- und Temperaturkurve fallen also quasi zusammen oder anders ausgedrückt: Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 100 %. Bis hierhin reichen damit auch die dichten Wolken, denn darüber gehen die beiden Kurven wieder deutlich auseinander. Die Luft wird also immer trockener.

Zudem kann man erkennen, dass sich zwei Inversionen, also Schichten, in denen die Temperatur mit der Höhe zunimmt, ausbilden konnten (eine bei rund 875 hPa und eine weitere bei 800 hPa). Innerhalb einer Inversion sind die Luftschichten von denen darüber entkoppelt und ein vertikaler Luftaustausch wird verhindert. Sehr interessant ist vor allem die obere der beiden Inversionen, denn für diese ist Hoch RITA verantwortlich. Sie ist durch das Absinken der Luft innerhalb von RITA und der damit verbundenen Erwärmung der Luft entstanden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Absinkinversion. Deutlicher wird diese Entwicklung, wenn man sich zum Vergleich noch den Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom gestrigen Montagabend, 20 Uhr (MESZ) ansieht (Abbildung 2).

Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom 6.10.2025, 20 Uhr (MESZ).

Hier war die Luft zwischen 850 hPa und 500 hPa, also etwa zwischen 1500 und 5000 m über Grund, mehr oder weniger durchweg gesättigt, ehe sie begann nachhaltig abzutrocknen. Zudem lag die Temperatur über die mittlere und untere Troposphäre hinweg (etwa zwischen 400 und 950 hPa) um ein paar Grad niedriger als 12 Stunden später (z. B. 800 hPa: 20 Uhr/3,5 Grad, 8 Uhr/6,2 Grad). Durch den zunehmenden Einfluss von RITA und dem damit verbundenen Absinken konnte sich die Luft also einerseits erwärmen und andererseits von oben her abtrocknen.

Und zum Abschluss noch ein Blick auf die Prognose des vertikalen Temperatur- und Feuchteverlaufs für Idar-Oberstein in der kommenden Nacht zum Mittwoch um 2 Uhr (MESZ). Die Erwärmung und Abtrocknung schreiten weiter voran. In 800 hPa sollen es dann schon 10 Grad sein und die Sättigung nur noch bis etwa 130 m über Grund reichen. Dabei handelt es sich dann um Nebel beziehungsweise Hochnebel – typisch Herbst eben.

Prognose eines Radiosondenaufstiegs (ICON) aus Idar-Oberstein vom 8.10.2025, 2 Uhr (MESZ).

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Barometermeldungen-1.jpg 720 902 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-07 15:23:282025-10-08 15:32:09Von „mysteriösen“ Barometermeldungen und Absinkinversionen
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