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„Ex-Gabrielle“ überquert die Azoren

26. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am frühen Morgen des heutigen Donnerstags zog der ehemalige Hurrikan und nun außertropische Sturmtief mit dem Namen „Ex-Gabrielle“ über bzw. knapp nördlich der Azoren ostwärts. An der Südflanke von „Ex-Gabrielle“ wurden auf der Inselgruppe Orkanböen bis 122 km/h gemessen. Die stärksten Regenfälle blieben an der Nordflanke von „Ex-Gabrielle“ knapp nördlich der Azoren. Am gestrigen Donnerstag war noch fraglich, ob Hurrikan „Gabrielle“ bis zum Erreichen der Azoren noch seine tropischen Eigenschaften beibehält. Am späten Abend wurde dann vom National Hurricane Center (NHC) entschieden, dass „Gabrielle“ eine Umwandlung zu einem außertropischen Sturmtief vollzogen hatte. Das NHC, eine Unterabteilung des US-amerikanischen Wetterdienstes, erstellt unter anderem für den Nordatlantik Vorhersagen für tropische Tiefs. Die Transformation hin zu einem außertropischen Tief ist typischerweise dann gegeben, wenn keine oder kaum noch Konvektion, sprich Gewitter am Tiefkern vorhanden ist und Luftmassengegensätze in Tiefnähe, sprich Fronten, vorhanden sind. Dafür verantwortlich können niedrigere Wassertemperaturen oder/und zunehmende Scherung (Windstärke- und richtungsänderung mit zunehmender Höhe) in Nähe der Frontalzone sein. Nichtsdestotrotz war „Ex-Gabrielle“ auch als mehr oder weniger gewöhnliches Sturmtief gefährlich. Denn die Schadenwirkung der Böen ist letztlich unabhängig von der Art des Tiefs.

Satellitenbild, Isobaren des Bodendrucks und stündliche Messwerte der Windböen in Kilometer pro Stunde.

„Ex-Gabrielle“ wird in den nächsten Tagen den Ostkurs beibehalten und am Sonntag Südportugal erreichen. Das stärkste Windfeld wird aber auf See bleiben, sodass dort nicht mit einem außergewöhnlichen Sturm zu rechnen ist. Örtlich könnten allerdings kräftige Niederschläge mit Niederschlagssummen um 100 Liter pro Quadratmeter zum Problem werden. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt wahrscheinlich zwischen Lissabon und Porto.

Prognostizierte Zugbahn von „Ex-Gabrielle“

Mit dem Ende von „Gabrielle“ kehrt jedoch bei weitem nicht Ruhe auf dem Atlantik ein. Mit „Humberto“ gibt es seit heute den dritten Hurrikan der Saison 2025 auf dem Nordatlantik. Momentan befindet sich „Humberto“ weit nordöstlich der Karibik und wird in den kommenden Tagen auf nordwestlichem Kurs in das Seegebiet westlich der Bermudas gesteuert. Währenddessen soll sich der Hurrikan bis auf Stufe 4 der fünfstufigen Skala intensivieren. Damit wären die ersten drei Hurrikane des Jahres zugleich besonders starke Hurrikane (mindestens Stufe 3) gewesen. Zuletzt war dies 1935 der Fall. „Humberto“ bedroht auf seiner Zugbahn zunächst aber sehr wahrscheinlich kein Land. Anders sieht dies bei einer weiteren tropischen Störung dicht südlich der Bahamas aus. Diese verstärkt sich wahrscheinlich zu einem tropischen Sturm und könnte dann die Bahamas und in der kommenden Woche auch die Südostküste der USA erreichen. Falls es zu einer Verstärkung zum Sturm kommt wird dieser den Namen „Imelda“ tragen.

Übersichtskarte mit den aktiven tropischen Systemen auf dem Nordatlantik. In dem rot schraffierten Gebiet könnte „Imelda“ entstehen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/ueberquert-die-Azoren-1.gif 1125 1128 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-26 11:49:432025-10-01 12:10:20„Ex-Gabrielle“ überquert die Azoren

Regen über Regen

25. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer im Norden Deutschlands zurzeit draußen ist, wird von der Sonne angestrahlt. Kaum Wolken sind unterwegs und nichts deutet auf Regen hin. Ganz anders sieht die Geschichte in den übrigen Landesteilen, insbesondere dem Südwesten aus. Der Blick in den Himmel wird dort oft lieber aus dem Inneren eines warmen und vor allem trockenen Gebäudes gewagt. Vor allem von Dienstag (23.09.2025) bis heute (25.09.2025) in die Frühstunden ist vom Deutschen Wetterdienst vor unwetterartigem Dauerregen gewarnt worden. Was war los?
Der Grund für diese völlig unterschiedlichen Wettercharakteristika lag bzw. liegt immer noch an einer speziellen Konstellation in der Großwetterlage. Ein sogenanntes Hoch-über-Tief (oft auch englisch High-over-Low) Muster hatte sich gebildet und überdauerte ohne große Veränderungen über mehrere Tage. Normalerweise findet man tieferen Druck nördlicher als höheren Druck. Die klassischen Beispiele des Azorenhochs und des Islandtiefs verdeutlichen dies. Die Lage, die sich eingestellt hatte, kehrt dies aber um. In höheren Schichten hat sich ein fast stationäres sogenanntes Cut-Off über Frankreich gebildet. Das heißt, dass dort tiefer Druck herrscht. Gleichzeitig liegt höherer Druck nördlich davon. Über mehrere Tage hinweg konnten dadurch am östlichen Rand dieses Cut-offs feuchte Luftmassen nach Süd- und Mitteldeutschland transportiert und durch Hebungsprozesse zu andauernden Niederschlägen verleitet werden. Im Norden Deutschlands dagegen machte sich das Hoch PETRALILLY bemerkbar und sorgte dafür, dass die Sonne viel schien.

Warnlage am 23.09.2025 um 17:54 Uhr (die vereinzelten ockerfarbenen Punkte sind Windwarnungen und gehören nicht zum Regenereignis)

Im Laufe des Dienstagmorgens wurden Warnungen vor markantem Dauerregen von der Deutsch-Luxemburgischen Grenze über das Saarland und den Süden von Rheinland-Pfalz und Hessen bis in den Norden Baden-Württembergs und zur Grenze zu Bayern ausgegeben. Zusätzlich wurde eine Vorabinformation vor unwetterartigem Dauerregen für Teile dieses Gebiets herausgegeben und im Laufe des Nachmittags durch akute Warnungen ersetzt (Abbildung 1). Dies hatte den Hintergrund, dass man zuerst noch neuere Modellläufe abwarten wollte um besser einschätzen zu können, welche Regionen am wahrscheinlichsten betroffen sein würden.
Die spannende Frage ist, welche Mengen nun schlussendlich gemessen worden sind. In den Unwetterwarnungen war eine Spanne von 50 bis 80 l/m², lokal sogar bis 100 l/m² für den Zeitraum des Ereignisses angegeben. Die gemessenen 48-stündigen Regenmengen bis heute 8 Uhr sind in Abbildung 2 als Zahlen dargestellt. Im Bereich der stärksten Niederschläge finden sich Werte von bis zu 84 l/m², darum herum Regenmengen zwischen 50 und 70 l/m². Diese sind also diejenigen, die die Unwetterwarnung abbilden sollten. Verglichen mit den bewarnten Gebieten stimmen die betroffenen Regionen gut miteinander überein. Lediglich am östlichen Rand ragen die unwetterartigen Mengen bis nach Bayern herein. Als diese Entwicklung absehbar war, wurde am späten Mittwochnachmittag die rote Warnung ausgeweitet.

48-stündige Niederschlagsmeldungen bis Donnerstag, den 25.09.2025 um 8 Uhr

Aber wie sah es mit den Folgen der Unwetter aus? Die Hochwasserzentralen vermeldeten einige erhöhte Flusspegel, die jedoch nur vereinzelt bis Meldestufe 2 stiegen. Die Feuerwehren in der Pfalz hatten beispielsweise nur wenige Einsätze zu bewältigen. Alles in allem ist der Regen trotz der erheblichen Mengen ohne größere Schäden in abgeschwächter Form nach Nordosten gezogen und hat zwar zu markanten Dauerregenwarnungen, jedoch nicht mehr zu Unwetterwarnungen geführt.

Meteorologe (M.Sc.) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Regen-ueber-Regen-1.png 668 585 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-25 10:11:332025-09-26 10:45:30Regen über Regen

Faszinierender Blick von oben

24. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bevor Satelliten die Erde umkreisten, war die Erstellung von Wettervorhersagen eine schwierige Angelegenheit. Zumeist standen nur Bodenbeobachtungsdaten von Luftdruck, -temperatur und -feuchte usw. zur Verfügung. Diese stammten von Wetterstationen, die sich nicht nur ungleichmäßig, sondern teilweise auch mit großen Distanzen an Land verteilten. Über den Meeren und Ozeanen, die einen Großteil der Erde bedecken, gab es abgesehen von Messungen von Schiffen oder Bojen überhaupt keine Informationen. Für dreidimensionale Informationen, d.h. aus höheren Schichten der Atmosphäre, waren zunächst ausschließlich Wetterballons, bald auch Flugzeuge die einzigen Datenlieferanten. Diese bieten allerdings nicht die Möglichkeit, die Erde als Beobachtungsfeld großflächig abzudecken.  

Satelliten haben den Vorteil, das Wettergeschehen von oben beobachten zu können, so wie wenn man das Umland von einem Berg aus oder die Erde von oben aus einem Ballon oder Flugzeug betrachtet, nur eben großflächiger und ganzheitlich. Um diesen Vorteil nutzen zu können, wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Reihe geostationärer Wettersatelliten ins All geschickt. Geostationär bedeutet, dass sich der Satellit immer an der gleichen Stelle (in diesem Fall auf Höhe des Äquators) in einer Höhe von rund 36.000 km über der Erde befindet. Des Weiteren gibt es auch polarumlaufende Satelliten, die allerdings in geringeren Höhen die Erde umkreisen. Diese haben den Vorteil einer höheren Auflösung, dafür sind sie aufgrund der Bewegung um die Erde nicht kontinuierlich für ein bestimmtes Gebiet verfügbar.  

Heutzutage gibt es ein weltumspannendes Netz an Wettersatelliten, welches nicht nur wertvolle Informationen zur aktuellen Wetterlage rund um den Globus, sondern auch faszinierende und teils spektakuläre Aufnahmen unseres Planeten liefert. Beispiele für solche Bilder gibt es viele. Bei den ersten Satelliten war es noch die anfängliche Faszination der Erdbeobachtung. Mit der Zeit wurde die Technik immer ausgefeilter, die Messgeräte immer sensitiver und die Qualität der Aufnahmen somit immer besser. 

Bei den europäischen Meteosat-Satelliten ist inzwischen der erste Satellit der dritten Generation in den Routinebetrieb übergegangen und liefert seit 2024 Beobachtungsdaten mit doppelt so hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung sowie einer hundertfach höheren Datenrate im Vergleich zu seinen Vorgängerversionen. Weitere Informationen zum Instrumentarium der neuesten Satellitengeneration können im Thema des Tages vom 09. Mai 2023 nachgelesen werden.  

Dieser Satellit zählt zu den geostationären Satelliten, betrachtet die Erde also immer von derselben Position aus. Zweimal im Jahr kann der Satellit dann die gesamte für ihn sichtbare Hemisphäre der Erde in ihrer ganzen Schönheit einfangen. Dies ist am Frühlings- sowie am Herbstanfang der Fall. An diesem Tag sind überall auf der Welt Tag und Nacht in etwa gleich lang, weshalb man auch von der Tag-und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium, von lat. „aequus“ = gleich und „nox“ = Nacht) spricht. 

Betrachtet man beispielsweise das Satellitenbild vom 20. März 2025, kann man allerhand entdecken. Der Detailreichtum ist immens, weshalb das Augenmerk nur auf einige wenige spannende Punkte gelegt werden soll. 

 

Echtfarbenbild vom 20. März 2025, 12 UTC  

Blickt man nach Europa, so erkennt man das schön ausgeprägte Tief VOLKER (int. MARTINHO) über der Biskaya, dessen Wolkenband sich bereits bis Frankreich erstreckte. In großen Teilen Mittel- und Osteuropas war es dagegen wolkenlos. 

Mittig sieht man einen hellen Fleck. Dabei handelt es sich um das optische Phänomen Sunglint, bei dem das Sonnenlicht beispielsweise auf einer Wasseroberfläche reflektiert wird und der Beobachter, also z.B. ein Satellit, hell schimmernde Reflexe wahrnimmt. 

Direkt östlich davon finden sich einzelne hochreichende Gewitter an der Innertropischen Konvergenzzone. Zoomt man auf Höhe der westafrikanischen Küste in das Bild, erkennt man grünlich-türkisfarbene Flächen, bei denen es sich um Algenblüte handelt. 

Am 22. September 2025 war die nächste Tag-und-Nacht-Gleiche, weshalb es bereits eine neue Aufnahme gibt, auf der man die gesamte dem Satelliten zugewandte Hemisphäre der Erde sieht.

Echtfarbenbild vom 22. September 2025, 12 UTC 

Über Deutschland und Teilen Europas finden sich viele Wolken, die gebietsweise einiges an Niederschlag im Gepäck hatten, wie im Thema des Tages vom 22. September 2025 nachzulesen ist.  

Auf beiden Aufnahmen ist der Transport von Saharastaub westwärts auf den Atlantik gut anhand der bräunlichen Schlieren zu erkennen. Besonders schön anzuschauen ist zudem das Phänomen der Karmanwirbel (Kármánsche Wirbelstraßen) über den Kanaren; Thema des Tages vom 13. September 2022 . 

Auch polarumlaufende Satelliten können tolle Aufnahmen liefern, selbst wenn es sich bei den Bildern nur um Ausschnitte handelt. Ein Beispiel hierfür ist das nachfolgende Bild, das Polarlichter über Nordeuropa zeigt. Weitere Informationen zu Polarlichtern können im Thema des Tages vom 12. Oktober 2024 nachgelesen werden. 

Dieses sogenannte DNB-Bild (day night band) stammt von dem Instrument VIIRS (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite), welches sich an Bord der NOAA-(20/21) und SNPP (Suomi-NPP) Satelliten befindet, die wiederum hauptsächlich von NOAA betrieben werden.
 

DNB-Bild Ausschnitt Europa mit beleuchteten Ballungsräumen sowie Polarlichtern über Nordeuropa 

Satelliten unterstützen uns also nicht nur bei der Wettervorhersage, der faszinierende Blick von oben bringt uns auch immer wieder zum Staunen. 

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer in Zusammenarbeit mit Alexander Halbig
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Faszinierender-Blick-von-oben-1.jpg 1100 1100 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-24 12:14:462025-09-25 13:35:45Faszinierender Blick von oben

Gabrielle und Ragasa – zwei wunderschöne Ungeheuer

23. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Derzeit sind vier tropische Wirbelstürme auf den Meeren der Nordhalbkugel unterwegs: Hurrikan „Gabrielle“ auf dem Atlantik, Tropensturm „Narda“ über dem Ostpazifik, Taifun „Neoguri“ über dem Westpazifik und Taifun „Ragasa“ über dem Südchinesischen Meer. Besonders ins Auge stechen dabei die beiden Kategorie-4-Wirbelstürme „Gabrielle“ und „Ragasa“ und das nicht nur aus optischen Gründen. Doch dazu gleich mehr. 

Zunächst einmal noch eine kurze Erklärung zu den ganzen Begriffen, die Ihnen der Autor gerade um die Ohren geworfen hat. 

Von einem Taifun, Hurrikan oder Zyklon spricht man bei einem Sturm, der im einminütigen Mittel Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 km/h, also Orkanstärke hervorbringt. Die weitere namentliche Einordnung erfolgt dann über die Region, in der der Sturm sein Unwesen treibt. Über dem Indischen Ozean und dem Südpazifik werden sie Zyklone genannt, über dem Atlantik und Nordpazifik (östlich von 180 Grad Länge) Hurrikane und über dem Nordpazifik westlich von 180 Grad Länge Taifune. Rein meteorologisch handelt es sich dabei aber um dasselbe Wetterphänomen, nämlich um einen tropischen Wirbelsturm. Ihre Vorstufe wird tropischer Sturm oder Tropensturm genannt. Um diesen Status zu erreichen, muss ein Tief einminütige Mittelwinde von mindestens 62 km/h hervorbringen. 

 

Links: Satellitenbild von Hurrikan Gabrielle südöstlich der Bermudas (Zugrichtung Nordost), Aufnahme vom 22.09.2025, Quelle: NASA. Rechts: Satellitenbild von Taifun Ragasa bei seinem Eintritt ins Südchinesische Meer (Zugrichtung Westen), Aufnahme vom 22.09.2025, Quelle: SSEC/CIMSS, University of Wisconsin–Madison 

Doch nun zurück zu unseren beiden Vorzeigewirbelstürmen „Gabrielle“ und „Ragasa“. „Vorzeige-“ deshalb, weil beide optisch sehr ansprechend sind. Beide verfügen über ein gut ausgeprägtes, wolkenarmes Auge, um das sich die konvektiven Bänder (Schauer- und Gewitterstaffeln) spiralförmig drehen. Doch so schön sie auch anzusehen sind, so zerstörerisch sind sie auch. „Ragasa“ zog am gestrigen Montag als Taifun der Kategorie 5 und damit der höchsten Einstufung auf der Saffir-Simpson-Skala knapp nördlich an den Philippinen vorbei. Die einminütige mittlere Windgeschwindigkeit in der Nähe des Auges wurde dabei auf bis zu 270 km/h geschätzt. Neben Zerstörungen durch den Wind, sorgten heftige Regenfälle zudem für Überflutungen im Norden der Philippinen. Medienangaben zufolge mussten 25.000 Menschen ihre Häuser verlassen, ein Mensch wurde getötet. 

Nun zieht der Taifun unter leichter Abschwächung nach Südchina. Er bleibt aber natürlich weiterhin extrem gefährlich. Morgen, also Mittwochfrüh soll „Ragasa“ westlich von Hong Kong mit mittleren Windgeschwindigkeiten von rund 175 km/h auf Land treffen. Dementsprechend bereitet sich die dortige Bevölkerung vor. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, Schulen geschlossen und das ein oder andere Supermarktregal ist regelrecht leergefegt. 

Prognose der Zugbahn und Windgeschwindigkeiten (einminütiges Mittel in Knoten) von Taifun „Ragasa“. Die Darstellung „23/06Z“ bedeutet 23. September, 6 UTC (entspricht 8 Uhr MESZ). Quelle: JTWC 

Ziemlich genau auf der anderen Seite der Nordhalbkugel zieht „Gabrielle“ recht einsam ihre Kreise über dem Atlantik. Naja, „Kreis“ passt nicht wirklich. Vielmehr zog der Sturm von Südost nach Nordwest über den Atlantik, bog in gebührendem Abstand vor den Bermudas nach Norden ab, um nun ost-nordostwärts Richtung Europas zu ziehen. Dabei fällt auf, dass die prognostizierte Zugbahn ziemlich weit südlich und damit über recht warme Gewässer verläuft, wodurch „Gabrielle“ ihre tropischen Eigenschaften relativ lang behalten kann. In der Folge könnte „Gabrielle“ am Freitag auf die Azoren treffen und das wohlgemerkt noch als Hurrikan! Und im Laufe des Wochenendes könnte es schließlich auch noch die Iberische Halbinsel mit dem Wirbel zu tun bekommen. Dann aber „nur“ noch als posttropischer Sturm und damit offiziell nicht mehr als „Gabrielle“, sondern als „ex-Gabrielle“. 

Prognose der Zugbahn und Stärke von Hurrikan „Gabrielle“. Zeitangaben in AST (Atlantic Standard Time, 2 AST entspricht 7 Uhr MESZ). Quelle: NHC 

So zumindest der aktuelle Prognosestand. Dass diese Entwicklung noch mit einigen Unsicherheiten einhergeht, ist selbstredend. Spannung ist aber auf jeden Fall geboten. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Gabrielle-und-Ragasa-zwei-wunderschoene-Ungeheuer-1.jpg 1382 2177 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-23 15:21:012025-09-24 15:49:38Gabrielle und Ragasa – zwei wunderschöne Ungeheuer

Wasser ahoi

22. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bereits am gestrigen Sonntag stellte sich die Wetterlage von sommerlich schön auf herbstlich kühl um. Während es im Osten und Südosten noch einmal viel Sonne und sommerliche Wärme gab, gerieten die westlichen Landesteile zunehmend unter Tiefdruckeinfluss. Aus der Nacht heraus ergossen sich an einer Konvergenz bereits kräftige Schauer und Gewitter im Südwesten. Sie zogen unter Abschwächung am Vormittag in den Nordosten Deutschlands. Am Nachmittag folgte von Westen her dann die Kaltfront des Tiefs BERNWARD, das sich von der Nordsee am Morgen rasch nach Skandinavien verlagerte. 

Bodenanalyse von Druck und Fronten, Sonntag, 21.09.025 12 UTC 

An der Kaltfront regnete es zunehmend kräftig. Sie wurde auf ihrem Weg in den Südosten Deutschlands von Tiefdruckgebieten gebremst. Eines bildete sich im Lee der Ostalpen. Ein weiteres lag über Spanien. Damit konnte sich die feuchte Luft an der Front über einem begrenzten Bereich ausregnen. 

Bodenanalyse von Druck und Fronten, Sonntag, 21.09.025 18 UTC 

Wobei ausregnen nicht ganz stimmt, denn während in den Norden trockenere Luft fließt, gelangt in den Süden und die Mitte Deutschlands beständig feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum. Sie wird von Tiefdruckgebieten über dem Golf von Genua beziehungsweise Norditalien zu uns geschaufelt. Durch den andauernden Nachschub hört es nicht auf zu regnen. Durch die nur sehr langsame Verlagerung der Frontalzone trifft es dieselben Regionen immer wieder. Und die Regenmengen akkumulieren sich zu größeren Summen. 

Bis Montagmorgen fielen vor allem im Südwesten Regenmengen zwischen 20 und 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden. Lokal kamen sogar um 40 Liter zusammen. Auch zwischen Mittelfranken und der Leipziger Tieflandsbucht kam in der Nacht zum Montag einiges an Regen zusammen. In der Fläche wurden 15 bis 25 Liter, stellenweise auch bis zu 40 Liter pro Quadratmeter registriert. Hier sorgten Schauer und Gewitter für die strichweise erhöhten Mengen. 

12-stündige Niederschlagssumme, abgleitet aus Radardaten, Stand: 22.09.2025, 8 MESZ 

An der Wetterlage – Hoch über Tief – ändert sich in den Folgetagen nun wenig. Hoch PETRALILLY lenkt aus Norden trockene und kühle Luft ins Land. Tief CALVIN – international aufgrund der erhöhten Regenmengen auf der Alpensüdseite und in Norditalien auf den Namen ALESSIO getauft – sorgt für Feuchtenachschub aus Süden. 

Vorhersage der Isobaren und Fronten für Dienstag, 23.09.2025, 12 UTC 

Damit reißt der Regen im Süden nicht vollends ab, auch wenn sich BERNWARD weiter gen Nordosten verlagert und seine Frontalzone uns verlässt. Nur kurz gibt es in der Nacht zum Dienstag eine Regenpause. Denn aus dem Langwellentrog über Westeuropa ist am Sonntag ein Höhentief über Westfrankreich abgetropft, das sich nun langsam ostwärts Richtung Alpen schiebt. Es sorgt dafür, dass sich die aus Süden einfließende feuchte Luft nicht direkt nach Norden verlagert und verteilt, sondern entgegen dem Uhrzeigersinn um das Tief herumgeführt und so auf seiner Ost- und Nordseite konzentriert wird. 

Und diese Seiten liegen im Südwesten Deutschlands. Bereits im Laufe des Dienstags setzt von Frankreich her kommend wieder vermehrt Regen ein. In der Nacht zum Mittwoch verstärkt sich dieser. Nach aktueller Modelllage kommt es von der Mosel südostwärts über die Vorderpfalz, das Kraichgau und Neckarbecken zu teils kräftigen Regenfällen mit Mengen zwischen 20 und 30 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden. Lokal lassen sich höhere Mengen nicht ausschließen. 

Modellvergleich der 12-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Mittwoch, 24.09.2025, 6 UTC 

Wie und wohin sich das Höhentief verlagert, ist noch ungewiss. Daher gibt es zwischen den Modellen auch noch größere Unsicherheiten, was die Mengen und die betroffene Region angehen. Fest steht, dass es im Südwesten erneut ausgiebig regnen wird. Allerdings erreichen die Mengen voraussichtlich kein bedrohliches Ausmaß. Allenfalls lokal kann die Schwelle für Unwetter-Dauerregen (mehr als 50 mm in 24 Stunden) gerissen werden. 

Modellvergleich der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Donnerstag, 25.09.2025, 6 UTC 

Am Donnerstag verlagert sich der Regen voraussichtlich etwas nord- und ostwärts, sodass im Südwesten Entlastung eintreten sollte. Dann bekommen die mittleren und östlichen Regionen Deutschlands etwas Regen ab. 

 

Modellvergleich der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Freitag, 26.09.2025, 6 UTC 

Der Regen von Sonntag und Montag hat im Südwesten die Bäche und Flüsse teils gut gefüllt. Mit dem vorhergesagten Regen ist ein weiteres Anschwellen am Mittwoch wahrscheinlich. Allerdings sind die aktuellen Pegel meist weit unter der niedrigsten Hochwasserschwelle, sodass ein Überlaufen derzeit als gering wahrscheinlich angesehen wird. 

Informationen zu Pegelständen finden Sie jederzeit auf dem länderübergreifenden Portal der Hochwasserzentralen (hochwasserzentralen.de). Warnungen zu Hochwasser sowie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor Wettergefahren finden Sie kombiniert im Naturgefahrenportal. 

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Wasser-ahoi-1-scaled.png 1816 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-22 14:33:402025-09-24 15:48:42Wasser ahoi

Von Bauern, „schlechtem“ Wetter und der Röte

21. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit den Bauernregeln ist das ja so eine Sache. Es gibt welche, die stimmen überhaupt nicht, weil sich im Laufe der Jahre die klimatischen Umstände geändert haben, sich bei den Überlieferungen über Generationen hinweg ein Fehler eingeschlichen hat oder sie schlichtweg einfach falsch sind. Es gibt aber auch welche, die gut „funktionieren“, wie etwa die Siebenschläferregel. Auch die Regeln zur Morgen- und Abendröte sind in vielen Fällen gut.

Morgenrot am 21.09.2025 um 7:02 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)

Die Bauernregeln „Morgenrot – Schlechtwetter droht“ und „Abendrot – Schönwetterbot“ sind dabei vielen bekannt. Am heutigen Sonntagmorgen ließ sich in manchen Regionen in der Mitte Deutschlands ein rot eingefärbter östlicher Himmel beobachten (so auch an der DWD-Zentrale in Offenbach), demnach droht also „schlechtes“ Wetter. Und tatsächlich war und ist in den Vorhersagen für den heutigen Sonntag von zeitweiligen Regenfällen vom Südwesten bis in den Nordosten die Rede (etwa 1 ½ Stunden später regnete es in Offenbach).

Regen am 21.09.2025 um 8:40 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)

Warum aber ist Morgenrot ein Indiz für kommendes schlechtes Wetter? Hintergrund ist die Streuung des Lichtes. Das ursprünglich weiße Sonnenlicht wird in der Atmosphäre der Erde an Luftteilchen gestreut. Bei der sogenannten Rayleigh-Streuung erfolgt dies nach einer bestimmten Reihenfolge: zuerst Blau, dann Grün, dann Gelb und am Ende Rot. Blaues Licht wird am stärksten gestreut, rotes Licht viel weniger. Das ist der Grund, warum tagsüber der Himmel meist blau ist, wenn keine Wolken stören.

Müssen die Sonnenstrahlen aber wie morgens oder abends bei niedrigem Sonnenstand einen weiten Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, wird das rote Licht am stärksten gestreut. Besonders gut lässt sich der Effekt beobachten, wenn viele Luftteilchen unterwegs sind, an denen das Sonnenlicht gestreut wird. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthält: Wasserdampfmoleküle tragen zur Streuung bei.

Auftretendes Morgenrot am östlichen Himmel ist also ein Hinweis auf eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese wiederum gelangt oft mit aufziehenden Wolkenbändern zu uns und bringt häufig Regen mit, womit die Regel ihre Bewandtnis hat. Warum aber gibt es dann bei Abendrot „schönes“ Wetter?

Beim Abendrot steht die Sonne im Westen. Das Abendrot ist häufig zu sehen, wenn der Himmel nach einer Regenfront aufreißt, die Feuchtigkeit der Luft wegen des gefallenen Regens aber noch hoch ist. Der Abzug der Regenfront ist in vielen Fällen ein Zeichen für eine Wetterbesserung, womit auch diese Regel ihre Bewandtnis hat.

Vielleicht lässt sich heute Abend neben dem schon beobachteten Morgenrot auch das Abendrot beobachten. Meist aber bleibt das Wetter in den kommenden Tagen in der Mitte und im Süden mit gebietsweisen Regenfällen „schlecht“.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Von-Bauern-1-scaled.jpg 1920 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-21 13:37:152025-09-22 13:43:09Von Bauern, „schlechtem“ Wetter und der Röte

Sommerendspurt und Herbstanfang

20. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am Abend des 22. Septembers ist auf der Nordhalbkugel astronomischer Herbstanfang. Dann überquert die Sonne den Erdäquator und bringt damit der Südhalbkugel allmählich den Frühling. An diesem Tag sind überall auf der Welt Tag und Nacht in etwa gleich lang, weshalb man auch von der Tag-und-Nacht-Gleiche spricht.

Meteorologisch gesehen ist bereits seit dem 01. September Herbst. Dies hat statistische Gründe. Auswertungen von Jahreszeiten bezüglich Temperatur, Niederschlagsmenge usw. sind einfacher zu erstellen, wenn man als Beispiel für den Herbst die Monate September, Oktober und November als Ganzes heranzieht. Wenn man sich hierbei auf den astronomischen Herbstanfang bezöge, so müsste man den jährlich variablen Herbstanfang und das variable Ende beachten, was jede Auswertung unnötig kompliziert machen würde.

Phänologisch beginnt der Frühherbst mit der Reife des Schwarzen Holunders, was in diesem Jahr am 17. August der Fall war. Seit dem 15. September befinden wir uns nun im Vollherbst, wobei der Beginn mit der Reife der Stiel-Eiche einhergeht.

Phänologische Uhr mit Beginn und Dauer der phänologischen Jahreszeiten, vieljähriges Mittel und aktuelles Jahr 2025 im Vergleich

Nachdem die Ernte eingebracht ist, werden Erntedankfeste gefeiert und auch das berühmte Oktoberfest in München findet alljährlich Ende September/Anfang Oktober statt.

Die Blätter an den Laubbäumen verfärben sich in prächtige Gelb- und Rottöne und sorgen somit für die typische Herbststimmung. Die Verfärbung des Laubs wird durch die kürzer werdenden Tage bzw. länger werdenden Nächte ausgelöst. Aufgrund des mangelnden Lichts und weil die Nährstoffversorgung der Blätter im Winter nicht gewährleistet werden kann, stellen die Laubbäume die Photosynthese ein und „entledigen“ sich der Blätter. Dabei werden zunächst einmal das Chlorophyll, das die Blätter grün erscheinen lässt, und andere wichtige Nährstoffe abgebaut und im Stamm, in den Ästen oder in den Wurzeln eingelagert. Anschließend überwiegen die Gelb- und Rottöne. Braun werden die Blätter erst beim Absterben. Neben kürzer werdenden Tageslängen sind auch kalte Nächte für die Blattverfärbung notwendig. Sinken die Temperaturen in mehreren, aufeinander folgenden Nächten unter den Gefrierpunkt, so ist dies für einen schnelleren und großflächigen Verfärbungsprozess vorteilhaft. Daneben spielen auch die gefallenen Niederschlagsmengen eine wichtige Rolle.

Doch wie wird das Wetter in den kommenden Tagen? Legt der Sommer noch einen Endspurt hin und wie zeigt sich das Wetter pünktlich zum Herbstanfang?

Dank Hoch OLDENBURGIA kann am heutigen Samstag in großen Teilen Deutschlands freundliches Spätsommerwetter mit viel Sonnenschein genossen werden. Der Sommer legt also tatsächlich noch einen Endspurt hin und wartet mit Höchsttemperaturen von 27 bis 32 Grad auf. Nur im Nordwesten ziehen bereits dichtere Wolkenfelder auf, die eine Umstellung beim Wetter ankündigen. Am späten Nachmittag und Abend sind vom Niederrhein bis nach Schleswig-Holstein schauerartige Regenfälle und erste Gewitter zu erwarten. Die Höchsttemperaturen liegen dort bei 23 bis 27 Grad.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Samstag, den 20.09.2025

In der Nacht zum Sonntag kommt der schauerartige Regen dann ausgehend vom Westen bis zur Mitte voran, teilweise sind auch kräftige Gewitter eingelagert. Sonst ist es häufig gering bewölkt oder klar, im Südosten können sich Nebelfelder bilden. Dort sinken die Temperaturen auf Werte bis zu 9 Grad ab, sonst liegen die Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 12 Grad.

Am morgigen Sonntag ist in einem breiten Streifen vom Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten wiederholt schauerartig verstärkter Regen zu erwarten, vereinzelt sind auch eingelagerte Gewitter mit von der Partie.

Nordwestlich davon ziehen Wolkenfelder über den Himmel und einzelne Schauer treten auf, zeitweise kann sich hier und da aber auch die Sonne zeigen. Insbesondere auf den Nordseeinseln pfeift ein lebhafter Nordwestwind. Bei Höchsttemperaturen zwischen 17 und 21 Grad präsentiert sich das Wetter dann schon von seiner herbstlichen Seite.

Im Südosten merkt man von alldem erst einmal noch nichts. Bei teilweise längerem Sonnenschein klettern die Temperaturen noch einmal auf Werte zwischen 24 und 28 Grad. Der spätsommerliche Sonntag wird also seinem Namen gerecht, bevor in der Nacht zum Montag auch dort die Wetterumstellung Einzug hält.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Sonntag, den 21.09.2025

Zu Beginn der neuen Woche, und damit pünktlich zum astronomischen Herbstanfang, bleibt die 20-Grad-Marke dann unerreicht. Die Sonne zeigt sich am ehesten im Norden. Ansonsten präsentiert sich das Wetter meist von seiner wechselhaften Seite, insbesondere im Süden und Südosten muss zeitweise mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Tornadoforschung in Deutschland – Früher und heute

18. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Einleitung

Das Tornados auch in Deutschland jedes Jahr zu Schäden führen, ist kein Geheimnis. Tatsächlich gibt es jährlich im Schnitt 45 bestätigte Tornados in Deutschland, wie die Zahlen der letzten 25 Jahre zeigen.

Anfänger der Tornadoforschung

Das Phänomen des Wirbelwindes wird schon sehr lange auch in Deutschland untersucht. Die erste Vor-Ort Untersuchung eines Tornados stammt aus dem Jahr 1765. Der Theologe, Pädagoge und Naturforscher Gottlob Burchard Genzmer dokumentierte in Nordostdeutschland (Regionen rund um Feldberg und Woldegk) ein verheerendes Ereignis vom 29.Juni 1764 mit Hilfe von Augenzeugenbericht und Illustrationen auf Kupferplatten. Das Ereignis war einer von nur zwei Tornadofällen der stärksten Intensität F5, die für Deutschland dokumentiert sind.

Im Jahr 1850 wurde vom Naturforscher Charles Frédéric Martins Beobachtungskriterien zur Erfassung von Tornados in den Annalen der Physik veröffentlicht. Dies war quasi eine Checkliste zur Dokumentation von Wirbelwinden.

Im Jahr 1884 erschien zum ersten Mal die „Meteorologische Zeitschrift“ als wissenschaftliche Fachzeitschrift der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Meteorologischen Gesellschaften (DMG, ÖMG, SMG). In diesem Fachblatt wurden regelmäßig auch Kurzinformationen zu Tornadofällen veröffentlicht.

Im 20.Jahrhundert machte sich vor allem Alfred Wegener einen Namen, als er 1917 mit seiner umfangreichen Tornado Klimatologie ein eindrückliches Standardwerk zu Wind- und Wasserhosen in Europa lieferte. Weitergeführt wurden diese Arbeit unter anderem von Johannes Peter Letzmann im Jahr 1937, der Richtlinien zur Erforschung von Tromben, Tornados, Wasserhosen und Kleintromben lieferte. Dieses systematische Handbuch für Beobachter wurde im Auftrag der Deutschen Seewarte und der Meteorologischen Gesellschaft veröffentlicht. Deutschland war mit dieser Forschungsarbeit weltweit Vorreiter.

Auf dem Bild sieht man zwei frühe Veröffentlichungen zu Tornados. Links von Gottlob Burchard Genzmer aus dem Jahr 1765 und rechts das vielbeachtete Standardwerk von Alfred Wegener aus dem Jahr 1917.

Nachlassendes Interesse

In den fünfziger und sechziger Jahren schwand das Interesse an Tornados zusehend. Obwohl es auch und gerade in diesem Zeitraum viele Tornadomeldungen gab, wurde nicht weiter an dem Thema in Deutschland geforscht. Erst Anfang der 70er Jahre stieg das Interesse nach einigen starken Tornadofällen wieder an.

Neue Initiativen

Einen deutlichen Schub bekam das Thema Wirbelwinde dann Ende des 20 Jahrhunderts mit der Gründung des Netzwerks TorDACH, das 1997 federführend von Nikolai Dotzek ins Leben gerufen wurde und Informationen über Unwetterereignisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz sammelte. Aus diesem Netzwerk erwuchs schließlich das europäische Unwetterlabor (European Severe Storms Laboratory, ESSL) als europäisches Forschungszentrum für Tornados. Das ESSL betreibt unter anderem die europäische Unwetterdatenbank ESWD (European Severe Weather Database), in der historische und aktuelle Unwettereignisse und Tornados dokumentiert werden.

Nikolai Dotzek war es auch, der im Jahr 2000 eine neue umfangreiche Klimatologie von Tornados in Deutschland veröffentlichte.
Parallel zu ESWD werden seit 1999 in der von Thomas Sävert gegründeten Tornadoliste neben den bestätigten Fällen auch Tornadoverdachtsfälle dokumentiert.

Anstieg der dokumentierten Zahlen ab etwa 2000 und die Gründe

Um die Jahrtausendwende machten die Tornadofallzahlen einen Sprung nach oben. Das lag aber nicht, wie man vermuten könnte, an einer tatsächlichen Zunahme der Tornados in Deutschland. Vielmehr haben mehrere Faktoren dazu beigetragen, dass aufgetretene Fälle bekannter wurden. Da wäre zum einen der Start des Internets im Jahr 1994, das 1998 Massentauglichkeit erlangte. 2001 startete zudem die Digitalfotografie. Spätestens mit dem Start des Massenmarktes von Smartphones Ende der 2010er Jahre konnte quasi Jedermann Tornados fotografieren und filmen, und diese Aufnahmen im World Wide Web verteilen. Die aufkommenden sozialen Medien unterstützten diese Entwicklung noch zusätzlich.

Im Bild zeigt die Entwicklung der Tornadozahlen vor 1900 und nachfolgend in 20-Jahres Schritten.

Im Bild zeigt die Entwicklung der Tornadozahlen von 1950 bis 2024, einmal als tornado stripes (oben) und zum anderen mit absoluten Fallzahlen unterteilt in schwach und starke Tornados sowie Wasserhosen.

Neue Projekte

Daneben wurde im Oktober 2003 Skywarn Deutschland gegründet. Mitglieder sind unter anderen Sturmjäger (Stormchaser), die Gewittern hinterherfahren und mit ihren Bildern Unwetterereignisse und auch Tornados dokumentieren und unter anderem auch an den Deutschen Wetterdienst weitergeben. Mittlerweile gibt es noch viele andere Chaserorganisationen, mit denen der DWD im Austausch steht (u.a. Thüringer Stormchaser (TSC), Unwetterfreaks oder Team B.L).

Im April 2015 ging aus Skywarn die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland (TAD) hervor. Diese Gruppe aus Meteorologen, Forstwirten, Mathematikern und Laien arbeitet Verdachtsfälle auf und schaut welche Verdachtsfälle sich bestätigen lassen.

Ein weiteres interessantes Projekt ist TorKUD (Tornado Kartierungs- und Untersuchungsprojekt Deutschland), das 2020 federführend von Hendrik Sass ins Leben gerufen wurde. Dieses ehrenamtliche Projekt untersucht Verdachtsfälle, in dem sie Informationen aus der Öffentlichkeit und von Feuerwehren sammelt, Satellitenbilder anschaut und zum Teil auch selbst Vor-Ort Analysen mit Drohnen durchführt. Diese Initiative brachte eine enorme Bereicherung bei der Erfassung und Dokumentation von Tornadofällen in Deutschland.

Entwicklungen im DWD

Auch innerhalb der DWD hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Nachdem das Thema viele Jahre von Andreas Friedrich als Tornadobeauftragten betreut wurde, gründete sich nach seiner Pensionierung die Tornado Expertengruppe, bestehend aus sieben interessierten Vorhersagemeteorologen. Dies Gruppe unterstützt bei der Erfassung und Vorhersage von Tornados, steht in Kontakt mit Medien oder muss im Schadenfall auch Auskunft für Versicherungen geben. Daneben wird aber auch Forschung betrieben. Neben diversen Vorträgen auf Fachveranstaltungen, gibt es auch wissenschaftliche Veröffentlichungen. So wurde ganz frisch ein wissenschaftliches Paper zur Tornadostatistiken in Deutschland akzeptiert und demnächst in der Meteorologischen Zeitschrift veröffentlicht. Diese Veröffentlichung ist nach über 25 Jahren ein Update der Arbeiten von Nikolai Dotzek aus dem Jahr 2000.

Zu sehen sind Grafiken aus der demnächst kommenden wissenschaftlichen Veröffentlichung zur Tornadostatistiken in Deutschland. Zu sehen sind die Entwicklung der Tornadozahlen seit 2000 (links) und eine Kartendarstellung aller in Deutschland erfassten Tornados in Deutschland (rechts).

Zu sehen ist das Gründungsbild der Tornado Expertengruppe des Deutschen Wetterdienstes.

Aktueller Stand

Die jüngste Entwicklung stellt eine noch engere Kooperation der verschiedenen Experten auf einer Kommunikationsplattform im Internet dar. Dort arbeiten seit diesem Jahr Vertreter der TAD, ESWD, TorKUD und die Tornadoliste mit den Mitarbeitern der Tornado Expertengruppe des DWD zusammen. Ziel ist es, dass jeder immer aktuelle und gleiche Informationen hat. Dies macht die Erfassung und Bestätigung von Verdachtsfällen deutlich einfacher und schneller. Dies geschieht unter anderem mit einer Checkliste mit objektiven Kriterien zur Bestätigung. Für die Bewertung der Stärke der Ereignisse wird dabei die vom ESSL entwickelte internationale Fujita Skala (IF) herangezogen (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/4/11.html).

Man sieht, dass sich gerade in den letzten 25 Jahren sehr viel getan hat auf dem Gebiet der Tornadoforschung und -dokumentation in Deutschland. Wenn Sie selbst einmal einen Tornadoverdachtsfall haben, erreiche Sie die Expertengruppe des DWD unter tornado@dwd.de.

Dipl. Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Der Okeechobee-Hurrikan 1928

17. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Okeechobeesee ist der größte See im US-Bundesstaat Florida und nach dem Michigansee und dem Iliamna Lake (Alaska) der drittgrößte vollständig in den USA gelegene Süßwassersee. Durch den Okeechobee-Hurrikan brach am 17. September 1928 der Deich des Okeechobeesees. Die daraus resultierende Flut forderte über 2.500 Menschenleben.

An dieser Stelle folgt zunächst noch ein kleiner Exkurs über tropische Tiefdruckgebiete, bevor genauer auf den Okeechobee-Hurrikan eingegangen wird.

Tropische Tiefdruckgebiete entstehen meist über den warmen (sub)tropischen Ozeanen. Sie weisen einen warmen Kern sowie eine axial-symmetrische und barotrope Struktur auf (barotrop = Flächen gleicher Temperatur verlaufen parallel zu Flächen gleichen Drucks). Die barotrope Struktur erkennt man beispielsweise daran, dass sie keine Fronten besitzen, da keine oder nur geringe Temperaturunterschiede am Boden vorliegen. Charakteristisch ist das kreisförmige, nahezu wolkenlose „Auge“ im Zentrum. Um das Auge herum befindet sich eine Wolkenwand aus hochreichender Konvektion, die sogenannte „eyewall“.

Bedingungen für das Auftreten von tropischen Tiefdruckgebieten sind:

1) Gewisse Entfernung zum Äquator (geografische Breite > 5 Grad), da ein signifikanter Coriolisparameter für die Rotation nötig ist

2) Meeresoberflächentemperaturen von über 26,5 Grad Celsius bis in eine Tiefe von 50 bis
150 m

3) Geringe vertikale Windscherung

4) Hochreichend labil geschichtete Atmosphäre

5) Feuchte mittlere Troposphäre

6) Anfangsstörung (z.B. Easterly Wave, mesoskaliger Gewittercluster)

Sobald eine solche Anfangsstörung eine geschlossene Zirkulation mit Windgeschwindigkeiten (über 10 min gemittelt) von bis zu 61 Kilometern pro Stunde aufweist, wird von einem tropischen Tiefdruckgebiet bzw. einer tropischen Depression gesprochen. Das nächste Entwicklungsstadium ist ein tropischer Sturm mit im Zentrum konzentrierter Konvektion und den spiralförmig angeordneten Regenbändern. Ab Windgeschwindigkeiten von 119 Kilometern pro Stunde spricht man dann je nach Ort ihres Auftretens von Hurrikans, Taifunen oder Zyklonen. Im Nordatlantik sowie Nordostpazifik wird der Begriff „Hurrikan“ verwendet.

Der Okeechobee-Hurrikan oder auch Huracán San Felipe Segundo war nicht nur der folgenschwerste Sturm der atlantischen Hurrikansaison 1928, sondern auch einer der stärksten Hurrikane der US-amerikanischen Geschichte. Er war zudem der erste gemessene Hurrikan der Kategorie 5 im atlantischen Becken.

Der Okeechobee-Hurrikan entstand ganz klassisch vor der Westküste Afrikas und zog als tropischer Sturm südlich der Kapverden weiter Richtung Westen über den Atlantik. Er intensivierte sich rasch, während er die Inseln über dem Winde (nördlicher Teil der Kleinen Antillen) kreuzte und traf schließlich am 13. September als Hurrikan der Kategorie 5 auf Puerto Rico. Damals war es noch üblich Hurrikane anhand der christlichen Gedenktage ihres Auftretens zu benennen und da dieser Hurrikan bereits der zweite war, der Puerto Rico an einem 13. September erreichte, trägt er auch den Namen San Felipe Segundo.

Über die Bahamas führte der Weg schließlich Richtung Florida, wo er nahe West Palm Beach als Hurrikan der Kategorie 4 seinen Landgang vollzog. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mehrere Hundert Menschenleben gefordert. Dann traf er auf den Okeechobeesee, wodurch der Deich brach und die Katastrophe ihren Lauf nahm. In der Flutwelle, die die umliegenden Städte und Sümpfe überschwemmte, kamen mindestens 2.500 Menschen ums Leben. Nachfolgend schwächte er sich rasch ab, zog über den westlichen Bundesstaaten nordwärts und löste sich über dem Eriesee auf.

Der Okeechobee-Hurrikan war mit insgesamt mehr als 4.000 Todesopfern nicht nur einer der tödlichsten Hurrikane, sondern auch eine der tödlichsten Naturkatastrophen der US-amerikanischen Geschichte.

Schematische Darstellung der Zugbahn des Okeechobee-Hurrikans 1928

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Der-Okeechobee-Hurrikan-1928.jpg 818 852 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-17 11:59:062025-09-22 12:05:26Der Okeechobee-Hurrikan 1928

Düsen und Leitplanken

16. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wind ist draußen im Freien allgegenwärtig, mal als angenehmes kühlendes Lüftchen an einem heißen Sommertag, mal als steife Brise am Strand oder als zerstörerischer Sturm. Gestern und am heutigen Dienstag war bzw. ist vor allem der Norden und die Mitte Deutschlands vom ersten kleinen „Herbststürmchen“ des Jahres betroffen. Ursächlich sind Druckunterschiede, die durch Massetransport mit dem Wind ausgeglichen werden. Steuernde Hoch- und Tiefdruckgebiete, aktuell Hoch OLDENBURGIA und Tief ZACK (Abb. 1), sind für die großräumigen Strömungsverhältnisse verantwortlich. Sie entscheiden also, aus welcher Richtung und mit welcher Stärke der Wind weht. Lokale Gegebenheiten wie Berge, Täler oder Meerengen können den Umgebungswind aber verändern und mitunter erheblich verstärken. Heute erklären wir, wie die Topografie als Düse oder als Leitplanke wirken kann.

Abbildung 1: Wetterkarte mit Druckverteilung über Europa und dem Atlantik am heutigen Dienstag, 16.09.2025, 12 UTC (14 Uhr MESZ).

Betrachten wir zunächst den „Düseneffekt“, auch „Kanalisierungseffekt“ genannt. Um die Hintergründe des Düseneffekts verstehen zu können, machen wir einen kleinen Ausflug in die Strömungsphysik. Die Erklärung ist nämlich im sogenannten „Gesetz von Venturi“ oder im „Venturi-Effekt“ zu finden, benannt nach dem italienischen Physiker Giovanni Battista Venturi (1746-1822). Der Venturi-Effekt bestreibt die Strömungseigenschaften eines (inkompressiblen) Fluids, z.B. Wasser, durch eine Rohrleitung. Strömt ein Fluid durchs Rohr und erreicht eine Engstelle, erhöht sich der Staudruck des Fluids und die Fließgeschwindigkeit nimmt zu. Genauer gesagt erhöht sich die Geschwindigkeit im umgekehrten Verhältnis zur Querschnittsfläche der Rohrleitung (Abb. 2, rechts). Was recht abstrakt klingt, ist eigentlich ganz logisch: Wenn in einer gewissen Zeit die gleiche Wassermenge zuerst durch ein dickes und danach durch ein dünneres Rohr fließt, muss in letzterem das Wasser entsprechend schneller durchfließen. Diesen Effekt macht sich jeder beim Gießen oder Reinigen mit dem Gartenschlauch zunutze. Ohne Aufsatz würde das Wasser nur mit einem geringen Druck aus dem Schlauch laufen. Mit Aufsatz schießt das Wasser hingegen umso schneller und weiter aus dem Schlauch, je enger man die Öffnung zudreht. Bei einer Wasserspritzpistole für Kinder passiert das gleiche.

Abbildung 2: Schematische Abbildung zur Kanalisierung im Rheintal (links) und Darstellung der Stromlinien in einem Rohr (rechts). Je enger die blauen Linien beieinanderliegen, desto stärker ist die Strömung im Rohr („Venturi-Effekt“).

Und was hat das mit dem Wind im Tal zu tun? Weht der Wind ungefähr in Richtung des Tals und erreicht den Taleingang, wirken die Berge zu beiden Seiten des Tals als seitliche Begrenzung. So kommt es zur Kanalisierung der Strömung, wodurch die Windgeschwindigkeit in der Talmitte gegenüber der Ebene abseits des Tals deutlich zunehmen kann (Abb. 2, links). Ähnliches passiert auch an Meerengen, weshalb diese in der Seeschifffahrt oft gefürchtet sind. Diese Windverstärkung bezeichnet man als „Kanalisierunseffekt“ oder „Düseneffekt“. Durch eine Inversion (Temperaturzunahme mit der Höhe) kann der Wind zusätzlich verstärkt werden. Sie wirkt wie ein Deckel, durch den die Luft nicht nach oben entweichen kann. Im Kleinen tritt der Düseneffekt auch in engen Straßenschluchten auf und kann einem Passanten schon einmal überraschend den Hut vom Kopf wehen.

Prädestiniert für den Düsen- oder Kanalisierungseffekt ist bei Nordostwind das Schweizer Mittelland. Eingeengt zwischen dem Jura auf der rechten und den Alpen auf der linken Seite führt die sogenannte „Bise“ zu einer erheblichen Windverstärkung im Schweizer Mittelland bis hin zur Sturm- oder gar Orkanstärke. Auch der „Mistral“ im französischen Rhônetal ist ein bekanntes Beispiel. Pfeift durchs Rhônetal ein stürmischer Nordwind, weht nicht selten wenige Kilometer abseits des Tals nur noch ein laues Lüftchen. Auch beim „Föhn“ oder anderen Fallwinden wie der „Bora“ in Kroatien oder dem „Böhmischen Wind“ können Engstellen in Tälern eine erhebliche Windverstärkung herbeiführen.

Abbildung 3: Schematische Darstellung der Windverstärkung durch den Leitplankeneffekt.

Der „Leitplankeneffekt“ (oder „Führungseffekt“) ist eine Art einseitiger Düseneffekt. Trifft der Wind schräg auf ein topographisches Hindernis, z.B. eine Bergkette, erhöht sich nahe dem Hindernis ebenfalls der Staudruck. Folglich wird der Wind parallel zum Hindernis abgelenkt und verstärkt (Abb. 3, links). Dabei ist der Leitplankeneffekt umso stärker, je spitzer der Winkel der Strömung zur Bergkette ist und je höher diese ist, was ein Überströmen der Berge erschwert. Verstärkt werden kann dieser Effekt zusätzlich durch eine Kaltfront, zwischen welche die Strömung eingekeilt wird (Abb. 3, rechts). Der Leitplankeneffekt wird so wieder zu einer Art beidseitigem Düseneffekt mit der Bergkette auf der einen und der Front auf der anderen Seite. Bekannte Regionen in Deutschland sind das Alpenvorland mit den Alpen als Hindernis oder das Erzgebirgsvorland. Bei westlichen oder nordwestlichen Winden werden nicht selten in Chemnitz oder Dresden höhere Geschwindigkeiten gemessen als weiter nördlich.

Abbildung 4: Leitplankeneffekt am Nordrand des Erzgebirges am heutigen Dienstag, 16.09.2025, 10 UTC (12 Uhr MESZ), berechnet vom hochaufgelösten Vorhersagemodell ICON-D2.

Auch beim heutigen Windfeld treten die beschriebenen Effekte in abgeschwächter Form auf. Während durch den Leitplankeneffekt am Nordrand des Erzgebirges der Wind in Böen 7 bis 8 Beaufort erreicht (ca. 55 bis 70 km/h) erreicht (Abb. 4), weht er weiter nördlich nur mit Stärke 6 (um 45 km/h). Auch in parallel zum Wind ausgerichteten Straßenschluchten kann der Düseneffekt heute gut beobachtet werden.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Duesen-und-Leitplanken-1.gif 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-16 11:50:312025-09-22 11:58:34Düsen und Leitplanken
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