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Vom Frühherbst zum Spätsommer

15. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Sturmfeld von Tief ZACK erreicht am heutigen Montag den Nordwesten Deutschlands und sorgt dort für den ersten kleinen Herbststurm der noch jungen Saison. Im Binnenland reicht es für stürmische Böen und einzelne Sturmböen aus Südwest bis West (Bft 8 und 9). An der Nordsee werden schwere Sturmböen (Bft 10) und an der nordfriesischen Küste sogar einzelne orkanartige Böen (Bft 11) erwartet. Passend dazu gestaltet sich das Wetter wechselhaft, vor allem im Nordseeumfeld gibt es Schauer und einzelne Gewitter. Im Binnenland sind diese seltener und südlich der Donau bekommt man von Schauern und Wind kaum etwas mit. ZACK führt anfangs noch einen Schwall warmer Luft nach Deutschland. Das treibt die Temperaturen auf 21 bis 26 Grad Celsius.

Prognostizierte maximale Böen am 15. und 16.09.2025. MOS-Daten.

In der Nacht zum Dienstag beruhigt sich im Binnenland das Wetter meist, Schauerhäufigkeit und Wind nehmen deutlich ab. In der Nordwesthälfte Niedersachsens und in Schleswig-Holstein nehmen Schauer und einzelne Gewitter dagegen eher zu, es bleibt dort zudem windig bis stürmisch.

Der Dienstag steht weiterhin im Zeichen von ZACK. Sein Sturmfeld liegt über Norddeutschland und sorgt dort für stürmische Böen und einzelne Sturmböen, an den Küsten teils für schwere Sturmböen. Der anhaltend kräftige westliche Wind sorgt an der Nordsee für erhöhte Wasserstände. Trotz „ungünstiger“ astronomischer Bedingungen kurz nach Halbmond berechnet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Wasserstände, die an der Westküste Schleswig-Holsteins nur knapp unter 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser, der Schwelle einer Sturmflut liegen. Fährfahrten nach Helgoland werden vorübergehend ausgesetzt. Dennoch: Für die winderprobten Schleswig-Holsteiner stellt dies kein außergewöhnliches Ereignis dar. Im Süden verläuft der Dienstag abermals ruhiger als weiter nördlich. Mehr Sonne, weniger Niederschlag und Wind stehen dort auf dem Programm.

Gezeitenvorausberechnung für Husum.

Am Mittwoch gibt es im Südwesten Deutschlands den ersten Fingerzeig einer bevorstehenden markanten Änderung der Großwetterlage. Im Tagesverlauf setzt sich dort Hochdruckeinfluss durch und über die burgundische Pforte fließt allmählich warme Luft in den Oberrheingraben. Für immerhin knapp 24 Grad im Breisgau sollte diese gut sein. Im Rest des Landes bleibt es vorerst noch unbeständig, teils windig und mit Höchstwerten zwischen 17 und 21 Grad auch kühler.

Im weiteren Wochenverlauf spielt ZACK für das Wetter in Deutschland keine Rolle mehr. Über dem Alpenraum baut sich ein Hoch auf und aus Südwesten wird warme bis heiße Subtropikluft herangeführt. Am Donnerstag reicht es im Süden gebietsweise für einen Sommertag mit mehr als 25 Grad, am Freitag wird dieser dann abseits des äußersten Nordens verbreitet erreicht. Am Samstag wird örtlich wahrscheinlich sogar die 30-Grad-Marke erreicht oder überschritten.

Prognostizierte Temperaturmaxima vom 16.09. bis 19.09.2025. MOS-Daten.

M.Sc.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Vom-Fruehherbst-zum-Spaetsommer-1.png 923 941 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-15 11:46:112025-09-22 11:58:17Vom Frühherbst zum Spätsommer

Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hurrikan ERIN entwickelte sich vom 15. zum 16. August über dem südwestlichen Atlantik in einer beeindruckenden Zeit von lediglich 25 Stunden von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5! Er war der erste und zugleich auch der bisher letzte Hurrikan in dieser Saison. Nach ERIN entwickelte sich allerdings am 23. August der vorerst letzte tropische Sturm der diesjährigen Hurrikan-Saison. Dieser Sturm wurde auf den Namen FERDINAND getauft. FERDINAND vollzog am 28. August seine extratropische Umwandlung und verlagerte sich anschließend in Richtung Westeuropa bevor er sich auflöste.

Diese Grafik zeigt die klimatologische Verteilung von Hurrikans und tropischen Wirbelstürmen über dem Atlantik. (Quelle: NOAA)

Nachfolgend gab es bis zum heutigen Tag keinen weiteren tropischen Sturm im Atlantik mehr. Und auch die Vorhersage für die nächsten 7 Tage zeigt nur wenig Aktivität über dem mittleren Atlantik. Lediglich eine aktuell noch schwach ausgeprägte Störung könnte sich zum Ende der kommenden Woche zu einem Tropensturm entwickeln. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es bisher seit 1950 erst einmal vorkam, dass sich vom 29. August bis zum 16. September während der klimatologischen Hochphase der atlantischen Hurrikan- Saison kein einziger Sturm bildet. Deshalb stellt sich die Frage: Was sind die Gründe für diese außergewöhnlich ruhige Phase?

Diese Grafik zeigt die Anzahl der Hurrikans innerhalb von 100 Jahren auf dem Atlantik im Monat September. (Quelle: NOAA)

Damit sich tropische Störungen zu einem Hurrikan entwickeln können, ist es förderlich, dass die Umgebung eine hohe Feuchtigkeit und Instabilität aufweist. Betrachtet man allerdings die Bedingungen in den letzten Wochen über dem mittleren Atlantik, zeigt sich eine ungewöhnlich trockene und stabil geschichtete Troposphäre. Ein Grund dafür ist ein sehr stark ausgeprägtes Hochdruckgebiet über dem subtropischen Atlantik. Dabei ergibt sich auf der Ostseite des Druckgebildes ein bis in die Tropen reichender Strom von sehr trockener Luft. Dadurch wurde vorhandene Konvektion über dem tropischen Atlantik stark unterdrückt. Außerdem spielt dabei auch ein tropischer Trog in der höheren Troposphäre eine wichtige Rolle. In den letzten Wochen wurde dieser über dem westlichen subtropischen Atlantik beobachtet. Der Trog transportierte trockene, konvektionshemmende Luftmassen von den Subtropen in die Tropen. Zudem sorgt er auch für eine erhöhte Windscherung in seinem Einflussbereich. Dadurch werden trockene Luftmassen von höheren Schichten in tiefere troposphärische Schichten transportiert und somit jegliche tropische Konvektion unterdrückt.

Diese Grafik zeigt die vorhergesagte Anomalie der Windscherung über dem Atlantik im Zeitraum vom 14. bis zum 19. September. Die Werte zeigen vorerst noch weitgehend ungünstige Bedingungen für die Entwicklung von Hurrikans an. (Quelle: Tidbits)

Normalerweise kommt es während einer neutralen oder positiven ENSO– Phase deutli

ch seltener zu der Entwicklung eines Troges in der Höhe im westlichen subtropischen Atlantik. So herrschten zu Beginn der laufenden Saison gute Bedingungen für die Entwicklung von tropischen Stürmen und Hurrikans. Die Folge war Hurrikan ERIN. Dieser war der frühste Kategorie 5 Hurrikan seit Aufzeichnungsbeginn.

Zudem zeigten sich bei einem Blick auf den östlichen Atlantik und nach Westafrika deutlich schwächer ausgeprägte African Easterly Waves. Dies führte nicht nur zu geringeren Niederschlägen in Westafrika, sondern auch zu schlechteren Anfangsbedingungen für die Ausbildung eines tropischen Sturms über dem östlichen Atlantik!

Auch in den kommenden Tagen bleibt es im tropischen und subtropischen Atlantik voraussichtlich sehr ruhig. Erst zum Ende des Monats deuten sich bessere Bedingungen an. Im mittelfristigen Zeitraum zeigen einige Modelle eine Abnahme der vertikalen Windscherung und gleichzeitig eine Abschwächung des subtropischen Hochdruckgebietes. Dies könnte zusammen mit den immer noch sehr hohen Wassertemperaturen dazu führen, dass uns in diesem Jahr nach einer sehr ruhigen Phase eine späte Hurrikan-Saison bevorsteht. In der vergangenen Saison gab es ebenfalls eine ruhige Phase bis Mitte September und anschließend konnten noch einige Tropenstürme und Hurrikans beobachtet werden. Möglicherweise nehmen dann im Oktober auch einzelne ehemalige Tropenstürme Einfluss auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa. Es bleibt also sehr spannend.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Ungewoehnlich-ruhiger-tropischer-Atlantik-1.png 720 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-14 09:49:182025-09-15 09:57:52Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

Vorbereitung ist die halbe Miete

13. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das in der Schlagzeile genannte Sprichwort gilt nicht nur für uns Menschen, auch in der Tierwelt der freien Natur dreht sich beispielsweise dieser Tage fast alles um die perfekte Vorbereitung für den am Horizont schon leicht schimmernden Winter. Besonders für die Insekten gilt im Vorfeld der kalten Jahreszeit nur Maximaleinsatz – jedes Versäumnis in der Vorbereitung kann zur Verringerung der Überwinterungswahrscheinlichkeit führen. Dabei spielen auch die Meteorologie bzw. die Klimatologie eine maßgebliche Rolle. Daher werfen wir im heutigen Thema des Tages einen kleinen Blick auf die Abläufe in einem Bienenvolk in den Spätsommer- und ersten Herbstwochen.

Bienen genießen die Herbstsonne

Die Maximalgröße des Bienenvolks wurde im Normalfall bereits vor einigen Wochen erreicht (Ausnahme: neu erstellte Jungvölker). Zum Höhepunkt im Juli tummelten sich in manchen Kisten schon mal 50.000 bis 70.000 Bienen. Idealerweise wurden die sommerlichen Nektarquellen so gut genutzt, dass im Stock reichlich Honig erzeugt werden konnte. Hat der Imker den Honig entnommen, musste er natürlich für ausreichend Ersatz sorgen. Mit geringer werdendem Futterangebot in der Natur und abnehmendem Sonnenstand (seit der Sommersonnenwende Ende Juni) hat in den letzten Wochen der Brutumfang deutlich abgenommen und die Völker schrumpfen durch das Sterben der Altbienen sukzessive. Im Winter wird nämlich eine Volksgröße angestrebt, die zwar das Überwintern gewährleistet, aber gleichzeitig auch sicherstellt, dass das Futter ausreicht.

Diese wirtschaftliche Betrachtungsweise trifft übrigens auch die männlichen Bienen, die Drohnen. Im Laufe des Sommers prüft das Bienenvolk ständig, ob die aktuell anwesende Königin noch so fit ist, dass sie im nächsten Frühjahr das Volk wieder zu alter Stärke führen kann. An dieser wichtigen Entscheidung hängt nicht weniger als das Überleben des ganzen Volkes, denn ein nach dem Winter königinnenloses („weiselloses“) Volk wäre ohne imkerlichen Eingriff verloren. Fällt schließlich das Urteil für die Königin positiv aus, müssen sich aber gleichzeitig die Drohnen mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen. Beinahe von einem Tag auf den anderen werden die durchaus Überraschten von den Arbeiterinnen nicht mehr gefüttert und am Flugloch durch Beißen und Stechen vom Eintritt in den Stock abgehalten (auch als „Drohnenschlacht“ bekannt, üblicherweise ab ca. Mitte/Ende Juli). Nach kurzer Zeit liegen diese schließlich zu hunderten tot vor den Bienenstöcken. Drohnen wären nämlich im Winter nur unnütze „Mitesser“, da sie sich nicht an den Arbeiten im Volk beteiligen und nur in den Ecken herumlungern. Für die Fortpflanzung im nächsten Frühling werden schließlich wieder neue herangezogen.

Jene Bienen, die für eine erfolgreiche Überwinterung zu sorgen haben, nennt man auch „Winterbienen“. Diese werden zwischen August und Oktober erbrütet und leben mit sechs bis neun Monaten deutlich länger als ihre sommerlichen Kolleginnen, die eine Lebensdauer von nur sechs bis acht Wochen aufweisen. Um das längere Leben sicherstellen zu können, werden die Winterbienen im Herbst auch besonders geschont und nicht an der kräfteraubenden Brutpflege beteiligt. So müssen sich die „Sommerbienen“ um die letzte Brut kümmern und dafür sorgen, dass genug Wintervorräte angelegt sind. Anschließend sterben diese, noch bevor oder während des Winters. Daher schrumpft das Volk in diesen Wochen auf ca. 15.000 bis 10.000 Individuen.

Während die jeweilige regionale Klimatologie den zeitlichen Ablauf dieser Prozesse bestimmt (beispielsweise bestehen große Unterschiede zwischen den wärmeren „Gunstlagen“ entlang des Rheins und den im Mittel kühleren Regionen in den Mittelgebirgen sowie in den Alpen, Bienen können sich aber gut darauf einstellen), ist auch das tagesaktuelle Wetter für die erfolgreiche Wintervorbereitung von zentraler Bedeutung. Damit die von der Königin noch produzierte junge Brut gut gedeiht, muss diese mit hochwertigen Pollen versorgt werden. Diese bestehen unter anderem aus lebenswichtigem Eiweiß und sind die Grundlage für vitale, kräftige Jung- bzw. Winterbienen. Dafür erkunden die Flugbienen bei einer entsprechenden Witterung die Umgebung und suchen noch ertragreiche Pollenquellen (kann man jetzt noch beobachten). Längere kühle und regenreiche Witterungsabschnitte im Spätsommer und Frühherbst können diesen Plan aber vereiteln und eventuell, wenn von den Bienen bisher nicht ausreichend vorgesorgt wurde, für einen Pollenmangel sorgen.

Bienenflugvorhersage für die Stationen Lahr (BW) und Hohenpeißenberg (BY)

Zur Abschätzung der Flugaktivität der Honigbienen während der kommenden Tage kann zum einen in unsere Vorhersageprodukte (z.B. 10-Tages-Prognose, täglich neu) reingelesen oder unsere Stationsprognosen in der WarnWetter-App betrachtet werden (Bienen fliegen je nach Notwendigkeit und Sonnenschein ab ca. 8 bis 10 Grad). Zum anderen stellt der DWD auch eine Prognose der Flugaktivität für verschiedene Orte täglich neu zur freien Verfügung (https://www.dwd.de/DE/leistungen/biene_flug/bienenflug.html). Unser Modell prognostiziert beispielsweise für die tief gelegenen Station Lahr (170 m, Baden-Württemberg) für heute und die kommenden beiden Tage eine sehr hohe Flugaktivität zu Mittag, in den Frühstunden ist es dafür allerdings schon zu kühl. Am deutlich höher gelegenen Hohenpeißenberg (780 m, Bayern) ist die Aktivität dagegen heute und morgen nur mittel. Mit dem Zustrom warmer Mittelmeerluft am Montag wird aber auch dort nochmals ein guter Flugtag erwartet.

Zum Beginn der kommenden Woche werden ausfliegende Bienen regional aber auch mit dem zunehmenden Wind zu kämpfen haben. Es stellt sich nach kurzem Zwischenhocheinfluss am Sonntag eine zyklonale Westlage ein, die besonders im Norden und Westen immer wieder für starke bis stürmische Böen, zeit- und gebietsweise auch für Sturmböen sorgt. An der Nordsee sind vorübergehend schwere Sturmböen möglich. Aber auch damit können die Insekten umgehen. Was die Bienen schließlich im Winter so treiben schauen wir uns in einem späteren Thema des Tages an.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Vorbereitung-ist-die-halbe-Miete.jpg 1920 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-13 09:43:202025-09-15 09:48:59Vorbereitung ist die halbe Miete

Wassersport sicherer machen: Neue Erkenntnisse zu Risiken und Ausbildung

12. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Sicherheit auf dem Wasser: Warum Erfahrung allein nicht schützt

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland einen Sportbootführerschein erwerben, steigt seit Jahren. Über 90.000 neue Scheine werden laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr jährlich ausgestellt. Damit wächst auch die Zahl der Boote, die auf Binnen- und Küstengewässern unterwegs sind. Gleichzeitig mehren sich Berichte über gefährliche Situationen und Unfälle – ein Hinweis darauf, dass wachsende Begeisterung für den Wassersport immer auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko mit sich bringt.

Selbstbild und Realität klaffen auseinander

Eine aktuelle Untersuchung unter Bootsführerscheinanwärtern und erfahrenen Skippern macht deutlich, dass zwischen dem subjektiven Gefühl von Sicherheit und dem tatsächlichen Verhalten eine deutliche Lücke klafft. Viele Bootsführer halten ihre eigene Einschätzung von Risiken für verlässlich, bewerten andere jedoch als unvorsichtig oder unzureichend vorbereitet. Fachleute sprechen hier von einer kognitiven Verzerrung, die in der Psychologie als „Bias Blind Spot“ bezeichnet wird: Man traut sich selbst mehr zu, während man bei anderen strenger urteilt.

Dieses Muster ist keineswegs harmlos. Wer überzeugt ist, die eigene Sicherheit im Griff zu haben, kontrolliert oft weniger konsequent die Ausrüstung oder verzichtet auf regelmäßige Notfallübungen. Die Studie zeigt: Während nahezu alle Befragten Rettungswesten als unverzichtbar ansehen, prüft nur etwa die Hälfte diese vor jeder Fahrt.

Erfahrung schützt nicht automatisch

Erstaunlich ist auch, dass die Länge der Erfahrung kein verlässlicher Schutzfaktor ist. Routiniers auf dem Wasser neigen eher dazu, Gefahren zu unterschätzen. Wo zu Beginn noch eine kritische Aufmerksamkeit vorhanden war, tritt mit den Jahren Gewohnheit ein. Das zeigt sich auch bei Unfallanalysen der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung: Menschliche Fehler stehen an erster Stelle, deutlich vor technischen Defekten.

Damit bestätigt sich ein Befund, den auch internationale Sicherheitsbehörden wie die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs seit Jahren hervorheben: Technik kann helfen – entscheidend bleibt das Verhalten des Menschen.

Psychologische Faktoren gewinnen an Bedeutung

Ein interessantes Ergebnis der aktuellen Untersuchung ist die Rolle psychologischer Kompetenzen. Themen wie Kommunikation innerhalb der Crew, Entscheidungen unter Stress oder der Umgang mit Unsicherheit werden von den Befragten als wichtig erkannt. Gleichzeitig fehlen sie bislang in vielen Ausbildungskonzepten. Der Fokus liegt nach wie vor auf Theorie und klassischen Prüfungsfragen – weniger auf Soft Skills, die im Ernstfall über den Ausgang entscheiden können.

Dass dieser Aspekt künftig mehr Gewicht bekommen sollte, liegt auf der Hand. Wer unter Druck ruhig bleibt, klare Anweisungen gibt und die eigenen Grenzen realistisch einschätzt, erhöht die Sicherheit an Bord erheblich. Deshalb plädieren Experten dafür, psychologische Trainings systematisch in die Bootsausbildung zu integrieren.

Ausbildung im Wandel: Was braucht es für verbesserte Sicherheit?

Neben psychologischen Bausteinen rückt auch die Form der Ausbildung stärker in den Fokus. Viele Teilnehmer wünschen sich praxisnähere Inhalte, die Notfallszenarien realistisch abbilden. Übungen wie „Mann über Bord“, der Einsatz von Funkgeräten oder pyrotechnischen Notsignalen gehören in der Theorie zu den Standards, werden in der Praxis aber selten trainiert.

Ein Ansatz, der sich bereits abzeichnet, sind hybride Ausbildungsmodelle. Sie verbinden digitale Lernmodule mit praktischen Einheiten auf dem Wasser. Dadurch lassen sich theoretische Inhalte flexibel und ortsunabhängig vermitteln, während reale Trainingssituationen für Routine und Handlungssicherheit sorgen. Dieser Mix erleichtert nicht nur den Zugang zur Ausbildung, sondern trägt auch dazu bei, dass Sicherheitsstandards überall auf demselben Niveau vermittelt werden.

Fazit: Sicherheit auf dem Wasser erfordert mehr als funktionierende Technik

Die Begeisterung für den Wassersport wächst – und mit ihr die Verantwortung, Sicherheit nicht dem Zufall zu überlassen. Moderne Boote sind mit GPS, Funk und Rettungsmitteln ausgestattet. Doch Geräte allein verhindern keine Unfälle, wenn sie nicht beherrscht oder regelmäßig überprüft werden.

Die Lehren aus aktuellen Untersuchungen sind eindeutig: Menschliche Faktoren bleiben das größte Risiko auf dem Wasser. Wer sich nicht nur auf Routine oder Technik verlässt, sondern aktiv trainiert, reflektiert und psychologische Aspekte einbezieht, macht den entscheidenden Unterschied.

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Wassersport-sicherer-machen.jpg 401 602 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-12 13:16:352025-09-12 14:04:39Wassersport sicherer machen: Neue Erkenntnisse zu Risiken und Ausbildung

Pilz-Saison erreicht ihren Höhepunkt

12. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer in den vergangenen Tagen einen Ausflug in den Wald unternommen hat oder im heimischen Garten über den Rasen gelaufen ist, konnte sie schon wieder häufiger entdecken: Pilze! Champignon, Pfifferling, Steinpilz, Marone und Morchel, um nur einige wichtige Pilze heimischer Wälder zu benennen, haben derzeit Hauptsaison. Und das Wetter der kommenden Tage ist gut geeignet für das weitere Sprießen der Pilze.

Die Pilz-Saison

Pilze lieben die Feuchtigkeit, es sollte aber auch nicht zu kühl sein. Am besten wachsen sie, wenn es nach ein paar Tagen Regen länger trocken bleibt und die Temperatur nicht zu stark sinkt.

Am Wochenende gibt es unter der Regentschaft von Tief XERXES bei Island, ab Montag mit Tief ZACK, das vom Atlantik rasch zur Nordsee eilt, gebietsweise Regen bei Temperaturen meist zwischen 18 und 22, am Montag im Süden vorübergehend auch bei bis zu 26 Grad.

Insbesondere am Dienstag und Freitag kommender Woche sind aber auch längere trockene Phasen möglich. Das dürfte dem Pilzwachstum einen neuen Schub verleihen. Freilich reagieren Pilze nicht immer sofort auf die Witterungsverhältnisse, sondern zum Teil ein paar Tage zeitversetzt.

Gold- oder auch Lärchenröhrlinge am 12.09.2025 an der Wetterstation Neuhaus am Rennweg

Wer nun also Pilze sammeln möchte, sei aber gewarnt. Es besteht die große Gefahr, dass man statt essbarer Pilze einen giftigen mitnimmt! Es gibt nämlich zu vielen essbaren Pilzen ein giftiges Gegenstück, das dem ungiftigen Partner zum Verwechseln ähnlich sieht. Weil Pilze außerdem als Lebewesen gelten, die oft eine Symbiose mit einem Baum eingehen, sollte man nur solche Exemplare sammeln, bei denen man bei der Bestimmung bezüglich der Giftigkeit sicher ist – oder sich Rat bei einem Experten einholen. Zudem ist es in den meisten Bundesländern untersagt, mehr als ein Kilo der kostbaren Fracht pro Tag und Person aus dem Wald zu holen!

Und wann endet die Pilz-Saison? Viele Pilzarten erleiden bei Frost einen irreparablen Schaden, der sich an verfärbten Huträndern oder matschigen Stellen zeigt. Das Eiweiß wird an diesen Stellen durch den Frost und das nachfolgende Auftauen zersetzt, ein Verzehr solch geschädigter Pilze ist eindeutig nicht zu empfehlen! Frost ist allerdings in den kommenden Nächten überhaupt noch kein Thema. Ab Mitte des Monats steigt rein klimatologisch jedoch das Potenzial für erste Nachtfröste immer mehr an, zuerst im Südosten, bis Mitte Oktober auch im Nordwesten (siehe https://www.dwd.de/DE/leistungen/frost_termine/frosttermine.html).

Frühester Frost in Deutschland

Aber selbst nach Frost kann man sich weiterhin auf Pilzsuche begeben. So muss die Suche auch im Winter nicht erfolglos bleiben. Es gibt einige Arten wie die Austernseitlinge, die Judasohren und die Samtfußrüblinge, die dann Saison haben und im winterlichen Wald bei Schnee und Eis gefunden werden können, auch wenn sie dann rar sind.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Pilz-Saison-erreicht-ihren-Hoehepunkt-1.jpg 724 691 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-12 09:32:322025-09-15 09:43:02Pilz-Saison erreicht ihren Höhepunkt

Das Erntejahr 2025 und seine meteorologischen Hintergründe

11. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vielerorts hängen sie sehr voll, was die Obstbäume landauf, landab betrifft. Teilweise sind sie sogar so gut bestückt, dass einzelne Äste unter der enormen Last abbrechen – mitsamt den Früchten.
Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so, und da reicht schon ein Blick zurück ins Jahr 2024. Damals gab es vor allem Ende April nochmals stärkere Nachtfröste um -5°C, obwohl die Bäume durch einen sehr warmen März schon in voller Blüte standen oder fertig belaubt waren. Hinzu kam lokal kräftiger Schneefall am 21. April, der beispielsweise in Osthessen Bäume brechen ließ und Teile der Ernte vernichtete.

Kräftiger Schneefall sorgte am 21. April 2024 wie hier in Osthessen zu teils massiven Schäden an der Vegetation.

Die Vorgeschichte für das Erntejahr 2025 sieht hingegen viel besser aus. Bereits im Herbst 2024 konnte eine positive klimatische Wasserbilanz verzeichnet werden, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass den Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Dies spiegelte sich auch in der Bodenfeuchte wider, die gebietsweise sogar überdurchschnittlich war.

Der Winter 2024/25 war dann vergleichsweise warm bis sehr warm, aber bis Februar zumindest zeitweise auch von Tiefdruckeinfluss mit Regenfällen geprägt, bevor es durch Hochdruck längere Zeit abtrocknete und die Bodenfeuchte (leicht) unterdurchschnittliche Werte annahm. Mit häufigen Frösten herrschte jedoch sowieso allgemeine Vegetationsruhe.

Dies änderte sich im März, als es langsam wärmer wurde. Hier setzte der Vegetationsbeginn später ein als in den letzten drei Jahren, was das Risiko von Frostschäden zur Blütezeit bereits minimierte. Im April und Mai gab es, pünktlich zum Austrieb der Pflanzen, wenigstens zeit- und gebietsweise Niederschläge sowie kühlere Temperaturen, sodass sich die Auswirkungen trotz eines deutlich zu trockenen Frühjahrs in Grenzen hielten. Viele Pflanzen konnten zudem noch von der Feuchtigkeit der Vergangenheit zehren. Lediglich das Sommergetreide hatte etwa im Nordosten zunächst Probleme zu keimen, da der Oberboden zu trocken war.

Von entscheidender Bedeutung war, dass in diesem Zeitraum kaum noch Nachtfrost mehr aufgetreten ist, der die Pflanzen hätte schädigen können und daher zu Einbußen in der Ernte geführt hätte. Lediglich im Osten und Südosten gab es am 23. und 24. Mai nochmals Frost, der teils zu Schäden an der Vegetation führte.

Der Sommer 2025 startet zunächst sonnig und niederschlagsarm, was vermeintlich erstmal darauf schließen ließ, dass es bedingt durch anhaltende Trockenheit zu Ernteausfällen kommen könnte. Im Juli jedoch änderte sich die Großwetterlage grundlegend. Es wurde unbeständiger und somit fiel der Juli deutlich nasser aus als die Vormonate. Zwar verzögerte sich teilweise die Ernte des reifen Getreides, meist lief sie dann aber ohne größere Komplikationen ab. Obstbäume profitierten ebenso von der Witterung, was nun im Herbst zu einer üppigen Ernte führt und führte.

Ein Mähdrescher erntet Getreide ab.

In Zahlen ausgedrückt konnte beim Hektarertrag von Getreide (ohne Mais) eine Steigerung von rund 12,7 Prozent verglichen zum Vorjahr und noch immer von rund 7,3 Prozent im Vergleich zum Schnitt von 2019 bis 2024 erzielt werden. Beim Obst- und Weinbau sieht es ähnlich vielversprechend aus: Bei der Apfelernte ist mit einem Zuwachs von rund 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 3,9 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Schnitt zu rechnen. Die Kirschenernte war eine der besten seit vielen Jahren. Beim Wein gehen die Bauern ebenfalls von einer guten bis überdurchschnittlichen Ernte und einer guten Qualität des 2025er Jahrgangs aus. Es bleibt nur zu hoffen, dass die kommende Zeit nicht völlig ins Wasser fällt und eine zeitgerechte Ernte des Weins ermöglicht.

Insgesamt wird 2025 aber als gutes Erntejahr in Erinnerung bleiben.

M.Sc.- Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Das-Erntejahr-2025-und-seine-meteorologischen-Hintergruende-1-scaled.png 1952 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-11 11:31:242025-09-12 11:33:30Das Erntejahr 2025 und seine meteorologischen Hintergründe

Rückblick auf die teils extremen Niederschläge im Westen Deutschlands

10. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nach vorübergehendem Zwischenhocheinfluss am Wochenende erlangte das umfangreiche Tief WALTER zwischen Island und Schottland am Montag Einfluss auf Mitteleuropa und führte vorderseitig einer langsam nach Osten ziehenden und später schleifenden (sprich nahezu an Ort und Stelle verharrenden) Kaltfront warme und vor allem sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa, insbesondere in den Westen und Südwesten.

In dieser Luftmasse kam es bereits nachmittags und abends zur Ausbildung teils kräftiger Schauer und Gewitter, die lokal im Hinblick auf die Niederschlagssummen bereits unwetterartig ausfielen. Vor allem Teile des Saarlandes, der äußerste Westen von Rheinland-Pfalz, Luxemburg und kurzzeitig Südwest-Baden-Württemberg waren hiervon betroffen. Gleichzeitig war bereits ein teils gewittrig durchsetztes Starkregengebiet über dem Nordosten Frankreichs zu erkennen.

Umfangreiche dynamische Hebungsprozesse, ausgelöst durch einen Kurzwellentrog in der Höhe, interagierten in der Folge mit der noch immer vom Süden der Niederlande bis in den Nordosten Frankreichs schleifenden Kaltfront des Tiefs WALTER und führten dazu, dass sich die Niederschlagsaktivität eingangs der Nacht noch deutlich intensivieren konnte.

Dargestellt ist das Niederschlagsradar mit dem aktuellen Bodendruck am Dienstag, 09.09.2025 um 08 MESZ. Gut zu erkennen ist der im Bereich des Bodentiefs fallende, kräftige Niederschlag.

Zu diesem Zeitpunkt wurde, ebenfalls ausgelöst durch die genannten dynamischen Prozesse in der Atmosphäre, ein Bodentief über Nordostfrankreich induziert, das sich unter leichter Vertiefung in Richtung Saarland bewegte und hier am Morgen mit einem Kerndruck von unter 1012 hPa eintraf. Diese Bodentiefentwicklung verstärkte nochmals die Niederschlagsentwicklung. Außerdem bot die Luftmasse neben ausreichend Feuchte auch ein Mindestmaß an Labilität, sodass es zu kurzen aber intensiven, in das Starkregengebiet eingelagerten Gewittern kam.
Dies traf vor allem nach Mitternacht die Region rund um Mönchengladbach bis nach Bedburg (ca. 30km südöstlich). Hier konnte an der Station Bedburg-Weiler Hohenholz zwischen 01 und 02 Uhr insgesamt 54,1 l/qm an Niederschlag verzeichnet werden, was einer extremen Starkregenmenge in nur einer Stunde entspricht.

Am Morgen und am Vormittag erlangte das Bodentief, auch durch die Verlagerung von WALTER und dem Frontensystem, eine langsame Bewegung gen Nordosten, womit sich einerseits die Niederschläge wieder abschwächten, andererseits sich auch das Bodentief langsam auffüllte und als schwache Tiefdruckrinne in die Landesmitte zog.

Zu sehen sind die 12-stündigen, bis zum 09.09.2025 um 12 MESZ gefallenen Niederschläge über dem Westen Deutschlands. Gut zu erkennen ist der Hotspot mit deutlich über 100 l/qm rund um Mönchengladbach.

Im Endeffekt zeigt sich mit Blick auf die während des Ereignisses gefallenen Summen ein signifikanter Streifen vom westlichen Saarland über Luxemburg bis an den Niederrhein mit Mengen im Unwetterbereich, wobei der Hotspot wie genannt rund um Bedburg und Mönchengladbach zu finden war. Hier kam es durch Regensummen von bis zu 147 l/qm (Bedburg) zu größeren Überflutungen mit entsprechenden Schäden. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Areal mit extremen Niederschlagsmengen vergleichsweise eng begrenzt war, während die Zone mit unwetterartigen Mengen deutlich größer war. Es galten dem Warnereignis angemessene Warnungen vor teils extremem Unwetter.

Die Wiederkehrzeit des Unwetterereignisses belegt eine Jährlichkeit von teils über 100 Jahren rund um Mönchengladbach und im äußersten Westen des Saarlandes.

Spannend ist ebenfalls die Wiederkehrzeit des Ereignisses: Während sich in der Fläche eine Jährlichkeit von 1 bis 10 Jahren ergibt, sticht insbesondere der äußerste Westen des Saarlandes sowie das Gebiet von Mönchengladbach bis Bedburg heraus (Bild 3). Hier liegt die Wiederkehrzeit bei teils über 100 Jahren, was nichts anderes heißt, als dass ein solches Ereignis statistisch gesehen nur einmal oder seltener als alle 100 Jahre auftritt. In Bedburg konnte außerdem die dritthöchste jemals in einem September in Deutschland gemessene Regensumme verzeichnet werden.

Für die kommenden Tage bleibt zu konstatieren, dass solche Mengen über Deutschland vorerst nicht mehr zu erwarten sind. Zwar verbleibt Mitteleuropa unter dem Einfluss von Tiefs (zuerst YOBST, dann XERXES), allerdings sind die Niederschlagsmengen meist überschaubar. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Tief YOBST führt in den äußersten Osten eine abermals sehr feuchte Luftmasse, die hier am heutigen Mittwochabend und in der Nacht zu teils gewittrigen Regenfällen entlang der deutsch-polnischen Grenze führt. Hier können durchaus nochmal markante Mengen von um 20-35 l/qm in ein paar Stunden fallen, lokal und eng begrenzt ist ein unwetterartiges Ereignis möglich, es bestehen aber noch Unsicherheiten. Die 147 l/qm über Bedburg sollten aber nicht nochmal erreicht oder gar überschritten werden.

Der Modellvergleich zwischen ICON-D2, dem UK10 und dem EZ-Modell zeigt noch immer bestehende Unsicherheiten in der exakten Prognose des Niederschlags entlang der deutsch-polnischen Grenze.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Rueckblick-auf-die-teils-extremen-Niederschlaege-im-Westen-Deutschlands.png 656 960 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-10 11:22:312025-09-12 11:33:18Rückblick auf die teils extremen Niederschläge im Westen Deutschlands

Bundesweiter Warntag

9. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Bundesweite Warntag ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen. Er findet seit 2020 in der Regel jährlich am zweiten Donnerstag im September statt. Er dient der Erprobung der Warnsysteme in Deutschland. Gegen 11 Uhr wird eine Probewarnung in Form eines Warntextes an alle am Modularen Warnsystem (kurz: MoWaS) des Bundes angeschlossenen Warnmultiplikatoren (zum Beispiel Rundfunksender und App-Server) geschickt.

Die Warnmultiplikatoren versenden die Probewarnung zeitversetzt an Warnkanäle wie Fernseher, Radios und Smartphones. Dort können Sie die Warnung dann lesen und/oder hören. Parallel dazu können auf Ebene der Länder sowie in den teilnehmenden Landkreisen und Kommunen verfügbare kommunale Warnkanäle ausgelöst werden, zum Beispiel Lautsprecherwagen oder Sirenen. Bei den meisten Mobiltelefon-Besitzern wird auch wieder das Telefon schrillen, denn die Warnungen werden auch per Cell Broadcast versendet.

Gegen 11:45 Uhr wird die Entwarnung versendet. Das geht beim Cell Broadcast noch nicht. Die Warnung verschwindet, wenn Sie sie gelesen haben.

Was ist MoWaS?

Das Modulare Warnsystem ist ein hochverfügbares, gehärtetes System zur Warnung der Bevölkerung in Deutschland und löste 2011 das Satellitengestützte Warnsystem (SatWaS) ab. Warnmeldungen sollen auf möglichst vielen Wegen verbreitet werden, um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung zu erreichen. Auch im Hinblick darauf wurden Technik und Verfahren stetig weiterentwickelt, um den strategischen Anforderungen an ein modernes Warnsystem gerecht zu werden. Auch der Deutsche Wetterdienst ist an das MoWaS angeschlossen. Allerdings versenden wir nur Warnungen bei extremen (violette Warnfarbe) und überregionalen Warnlagen, was sehr selten vorkommt.

Alle unsere Wetterwarnungen bekommen Sie jederzeit kostenfrei im Web und in der WarnWetter App. Dort können Sie auch Push-Nachrichten in Ihrem Smartphone aktivieren, damit Sie keine Warnung mehr verpassen.

Für alle geneigten Leser, die sich auf einen Regenrückblick heute gefreut haben: Dazu wird am morgigen Mittwoch (10.09.2025) ein Thema des Tages mit vielen Daten, Zahlen und Grafiken veröffentlicht.

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-09 10:02:102025-09-10 10:10:02Bundesweiter Warntag

Intensive Regenfälle über dem Westen Deutschlands

8. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zur Stunde hat ein erster Ausläufer WALTERs den Westen und die Landesmitte erreicht, dabei kommt es vor allem im Südwesten, genauer vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb, zu teils kräftigen Schauern und Gewittern mit lokalem Unwetterpotential.

Dem schließen sich fast nahtlos weitere Gewitter über dem Westen an, die auch hier lokal und eng begrenzt durch heftigen Starkregen unwetterartig ausfallen können. Dies ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende Nacht, in der es etwas gröber zur Sache geht:

Zu sehen ist die Analysekarte mit Tief WALTER zwischen Schottland und Island, dem gegenüber steht Hoch NINA über dem Osten Europas. (Quelle: DWD)

Von Westen nähert sich die Kaltfront von WALTER der Bundesrepublik an, gleichzeitig wird jedoch noch direkt auf der Vorderseite der Front eine warme und überaus feuchte Luftmasse in den Westen und Südwesten geführt. Diese gerät unter den Einfluss von dynamischen Hebungsprozessen, außerdem soll sich nach dem Willen der Wettermodelle über Nordfrankreich ein kleines aber gut ausgeprägtes Bodentief entwickeln. Diese Vorgänge führen in der Folge dazu, dass die feuchte Luftmasse großflächig gehoben wird und sich daher kräftige Niederschläge mit schauerartigen bzw. gewittrigen (in Fachkreisen konvektiven) Verstärkungen ausbilden.

Zusammen mit dem Bodentief greift dieses Starkregengebiet in der zweiten Nachthälfte von Frankreich zunächst auf das Saarland und Rheinland-Pfalz über, bevor er ohne wesentliche Intensitätsänderung langsam in den Westen nach NRW zieht und am Mittag, dann unter Abschwächungstendenzen, die Niederlande erreicht.

Naturgemäß bestehen noch gewisse Unterschiede in den Wettermodellen, weshalb zunächst erstmal eine großflächige Vorabinformation ausgegeben wurde, um die Region mit dem größten Gefahrenpotential zu kennzeichnen und die entsprechenden (Un-)Wetterwarnungen dann passend und zeitgerecht ausgeben zu können.

Dargestellt sind der für den Zeitraum von Dienstag, 09.09.25 02 bis 14 Uhr berechnete Niederschlag über dem Westen Deutschlands. Deutlich wird, dass es noch gewisse Modellunterschiede gibt, gleichwohl sehen aber alle Modelle einen Starkregen-Schwerpunkt von Rheinland-Pfalz/Saarland bis in den Süden NRWs. (Quelle: DWD)

Beim Blick auf die Wettermodelle ist zu erkennen, dass alle Modelle den Schwerpunkt ausgehend von Rheinland-Pfalz/Saarland bis in den Süden und Westen NRWs sehen. Die exakten Hotspots können durch die noch unklare Lage der gewittrigen Verstärkungen variieren, jedoch zeichnet sich insbesondere der Süden NRWs ab, in dem durchaus lokal bis 100 l/m² an Niederschlag fallen könnte. Deutlich wird aber auch, dass beispielsweise AROME ein östlicheres Ausgreifen der intensivsten Regenfälle sieht im Vergleich zu ICON-D2 und UK10.

Dennoch ist festzuhalten, dass im Westen bis morgen Mittag großflächig zwischen 25 und 50 l/m² Regen fällt, lokal deutlich mehr. Daher kann es vereinzelt zu Hochwasser an kleinen und mittleren Flüssen sowie vollgelaufenen Kellern und Erdrutschen kommen.

Danach kehrt wieder etwas Ruhe ein, bevor möglicherweise ab Mittwoch neuer kräftiger Regen für Deutschland ansteht, dieses Mal für den Süden und den Osten.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Intensive-Regenfaelle-ueber-dem-Westen-Deutschlands-1.png 561 1057 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-08 11:56:402025-09-09 12:03:58Intensive Regenfälle über dem Westen Deutschlands

Golf von Panama: Saisonale Meeresströmung fast vollständig ausgeblieben

8. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Normalerweise gelangt im Frühjahr eines jeden Jahres vor der Westküste Mittelamerikas kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Meeresoberfläche. Dieser Prozess ist für die Produktivität des Ozeans, die Fischerei und das ökologische Gleichgewicht der Region von entscheidender Bedeutung. Doch 2025 ist die zentrale Meeresströmung im Golf von Panama nahezu vollständig ausgeblieben – ein bislang einmaliges Ereignis.

Passatwinde treiben in den „Auftriebszonen“ warmes Wasser von der Küste weg, wodurch kaltes Tiefenwasser aufsteigen kann.

Die sogenannte Panama-Auftriebszone umfasst rund 60.000 Quadratkilometer. Sie entsteht, wenn Passatwinde warmes Oberflächenwasser von der Küste wegtreiben und Tiefenwasser nachströmt. Dieses versorgt Phytoplankton mit Nährstoffen, kühlt Korallenriffe und schafft die Grundlage für artenreiche Ökosysteme.

Wie Forschende vom Smithsonian Tropical Research Institute (STRI) in Balboa, Panama und vom Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie in Mainz in einer Anfang dieser Woche veröffentlichten Studie berichten, fand die Aufströmung in diesem Jahr so gut wie nicht statt: Statt im Januar begann sie erst im März, dauerte nur zwölf statt über 60 Tage und senkte die Wassertemperatur lediglich auf 23,3 statt auf die üblichen 19 Grad Celsius.

Die sonst so zuverlässige Abkühlung im Golf von Panama fand Anfang 2025 nicht nur bedeutend später statt, sondern fiel auch deutlich schwächer aus.

Die Folgen sind erheblich: „Die geringere Auftriebsströmung führte zu einem Ausfall der Nährstoffzufuhr und entsprechend geringem Algenwachstum, was sich über die Nahrungsnetze des Meeres hinweg auswirkt und zu einem Rückgang der kommerziellen Fischerei führte“, erklärt Dr. Ralf Schiebel, Meeresforscher am MPI für Chemie.

Als Ursache kommen schwächere Passatwinde infrage. Zwar erreichten die Nordwinde Anfang 2025 normale Geschwindigkeiten, traten jedoch 74 Prozent seltener auf. Damit fehlte der entscheidende Impuls, um das Oberflächenwasser von der Küste wegzuschieben. Der Aufstrom blieb weitgehend aus.
Ob das Ereignis auch mit der damals herrschenden schwachen La Niña zusammenhängt, ist unklar. Der Golf von Panama hat in der Vergangenheit stärkere ENSO-Schwankungen überstanden, ohne dass die Auftriebsströmung kollabierte. Der Ausfall ist also noch nicht vollständig geklärt – und möglicherweise ein Warnsignal.

„Ob es sich um eine einmalige Anomalie oder den Beginn häufiger Ausfälle handelt, müssen künftige Studien zeigen“, betonen die Forschenden. Klar sei jedoch: Klimaveränderungen können windgetriebene tropische Auftriebssysteme empfindlich stören – Systeme, die trotz ihrer zentralen ökologischen und sozioökonomischen Bedeutung nach wie vor nur unzureichend überwacht werden.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Golf-von-Panama.png 630 1265 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-08 11:44:262025-09-09 11:56:07Golf von Panama: Saisonale Meeresströmung fast vollständig ausgeblieben
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