Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

Hoch JULIA über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa versuchen gemeinsame Sache zu machen und so die Wetterküche in Europa nachhaltig zu dominieren. Doch ganz geben die Tiefs nicht auf, die sich von Neufundland über den Nordatlantik bis nach Skandinavien tummeln und auch zahlreiche Frontenzüge im Gepäck haben. Da Deutschland zwischen JULIA im Westen und INES im Osten liegt, besteht genau hier eine Schwachstelle in der ausgeprägten Hochdruckzone. Diese nutzen derzeit wiederholt Tiefausläufer, um zumindest den Norden zu streifen (vgl. Grafik 1).

Der Sommer mit Hindernissen 1

Prognostizierte Wetterlage Samstag, 9. August um 14 Uhr mit Hoch Julia über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa. (Quelle: TKB-DWD)

Zudem sorgen Prozesse in größeren Höhen dafür, dass das Wetter im Norden und teilweise auch in der Mitte derzeit zwar sommerlich warm, aber nicht ganz frei von Störungen ist. Neben dichteren Wolkenfeldern tröpfelte es am gestrigen Freitag vor allem von Hessen bis nach Sachsen und Franken bzw. der Oberpfalz. Dieser zusätzliche Feuchteinput sorgte schließlich dafür, dass es schwül wurde und die sehr warmen bis heißen Temperaturen schon wieder gen unerträglich gingen. Da half nur der Sprung ins kühlere Wasser, egal ob See, Fluss oder Schwimmbad. In der vergangenen Nacht und am heutigen Morgen tröpfelte es von Rheinland-Pfalz über Süd- und Mittelhessen hinweg bis nach Franken und Südthüringen weiter. Nicht nur, dass die dichteren Wolken das nächtliche Abkühlen ausbremsten und somit Tiefstwerte zwischen 20 und 16 Grad brachten, der leichte Regen feuchtete die Luft nochmals an, sodass im Tagesverlauf bei zunehmendem Sonnenschein schwül-heiße Werte zum Schwitzen anregen. Dies beschreibt auch die Karte für das thermische Empfinden mittels der gefühlten Temperatur für den heutigen Samstag. Vor allem südlich von Mosel und Main sowie in Teilen Ostdeutschlands werden heiße Werte über 32 Grad erwartet (vgl. Grafik 2). Vor allem für wetterfühlige und beeinträchtigte Menschen kann es demnach im Süden und Teilen der Mitte und Ostens zu einer hohen Gefährdung der allgemeinen Befindensbeeinträchtigungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden) kommen (vgl. Grafik 3).

Der Sommer mit Hindernissen 2

Gefühlte Temperaturen für Samstag, 9. August (links) und für die Nacht auf Sonntag, 10. August (rechts). Vor allem im Süden tagsüber ein heißes thermischen Empfinden. (Quelle: DWD)

 

Der Sommer mit Hindernissen 3

Gesundheitliche Bedeutung für Wetterfühlige bezüglich allgemeiner Befindensbeeinträchtigungen mit einer hohen gesundheitlichen Gefährdung im Süden und Teilen der Mitte und des Ostens. (Quelle: DWD)

Aber zurück zu unseren Hochs. Vor allem JULIA wird in den kommenden Tagen das Wetter in Deutschland prägen. Sobald der Tiefausläufer des Tiefs zwischen Island und Norwegen ost- bis südostwärts gezogen ist und voraussichtlich nur im Norden ein paar Regentropfen abgeladen hat, zieht Hoch JULIA am Sonntag mit seinem Schwerpunkt Richtung Britische Inseln und die südwestliche Nordsee. Damit schiebt JULIA aber hinter der Kaltfront vorübergehend nochmals kühlere Nordseeluft ins Land, die fast bis zu den Alpen vorankommt. Diese gelangt vor allem in der Südwesthälfte rasch unter den Einfluss von JULIA. Bei nur wenigen Wolken kann dort die Sonne lange scheinen. Anders im Norden und Osten, wo die Kaltfront samt der feuchten Luft teilweise dichtere Wolkenfelder produziert und lokal auch mal etwas Regen bringen könnte. Auch wenn die Kaltfront nahezu wetterinaktiv den Weg nach Südosten sucht, wird der Luftmassenwechsel bei den Temperaturen sichtbar. Im Norden sollen die Höchstwerte unter den Wolken mal wieder wenig sommerliche Werte unter 25 Grad erreichen. Der mäßige und stark böige Nordwestwind lässt schließlich die Temperaturen noch etwas kühler wirken (Wind-Chill-Effekt). Aber auch sonst gehen die Temperaturen im Vergleich zum heutigen Samstag zurück und pendeln zwischen 24 und 30 Grad, im Südosten örtlich auch nochmals bis heiße 32 Grad.

Zur neuen Woche will es Hoch JULIA aber so richtig wissen und nimmt Südwest-, West und Mitteleuropa in die Hitzezange. Denn JULIA wandert mit ihrem Schwerpunkt nach Polen bzw. Rumänien. Gleichzeitig kann sich von den Britischen Inseln ein Tief Richtung Nordwestfrankreich schieben. Damit kann von der Iberischen Halbinsel richtig heiße Luft über Frankreich bis nach Mitteleuropa gelangen (vgl. Grafik 4). Entsprechend sollen die Höchstwerte hierzulande dann von 21 bis 32 Grad am Montag auf 27 bis 37 Grad am Mittwoch ansteigen. Zudem macht sich die heiße subtropische Luft auch in der Nacht zum Mittwoch bemerkbar, indem die Temperaturen vor allem in der Südwesthälfte des Landes regional nicht mehr unter 20 Grad sinken (tropische Nacht, vgl. Grafik 5). Leider verliert aber auch das Hoch an Einfluss, sodass ruhiges und trockenes Hochdruckwetter eher nicht nachhaltig in Sicht ist. Stattdessen steigt ab Dienstag von Süden und Westen das Gewitterrisiko. Gebietsweise kann sich wieder ordentlich etwas zusammenbrauen. Die Folge wären mal wieder starke, teils schwere Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. Zudem wäre die Luft schwül-heiß und daher für viele Menschen eher unerträglich.

Im Trend soll es voraussichtlich sommerlich warm, aber auch unbeständig bleiben. Wie immer sind die mittelfristigen Prognosen aber auch mit größeren Unsicherheiten behaftet.

Der Sommer mit Hindernissen 4

Prognostizierte Wetterlage für Dienstag, 12. August um 14 Uhr mit Hoch JULIA über Osteuropa, einem Randtief über England sowie Zufuhr heißer subtropischer Luft von Süden. (Quelle: DWD)

 

Der Sommer mit Hindernissen 5

Prognostizierte Tiefsttemperaturen für die Nacht auf Mittwoch mit tropischer Nacht (> 20 Grad) im Westen und Südwesten (links) und Höchstwerte mit Maxima bis 37 Grad (rechts). (Quelle: DWD)

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.08.2025
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Die atlantische Hurrikansaison 2025: Prognosen und Ist-Zustand

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Dabei definieren sich die Wirbelstürme über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (englisch: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Vergleichen wir diese Durchschnittswerte mal mit dem Rekordjahr 2020. Mit 30 benannten Stürmen – so viel gab es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – entwickelten sich damals mehr als doppelt so viele Stürme als im Mittel. Davon mauserten sich 14 Stück zu Hurrikanen (Platz 2 nach 2005) und davon wiederum sieben zu schweren Hurrikanen (wie 2005). Letztes Jahr lag mit 18 tropischen Systemen zwar deutlich unter dem Rekordjahr, was die Gesamtzahl angeht. Bei den darunter befindlichen Hurrikanen (11) und schweren Hurrikanen (5) kam es aber dagegen schon recht nah an das bisherige Maximum ran.

Das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) prognostiziert für 2025 eine tendenziell leicht überdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik (Stand 07.08.2025). Für dieses Szenario ruft es eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit auf. Einer durchschnittlichen Saison räumt es immerhin noch eine 35-prozentige, für eine unterdurchschnittliche dagegen nur eine 15-prozentige Chance ein.

Die atlantische Hurrikansaison 1

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2025 durch die NOAA.

In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum dieses Jahr von 13 bis 18 benannten Stürmen aus, wovon 5 bis 9 zu Hurrikanen und davon wiederum 2 bis 5 zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen. Damit hat die NOAA ihre Prognose vom 22.05.2025 minimal zurückgestuft. Damals ging sie noch zu 60 % von einer überdurchschnittlichen Saison aus mit 13 bis 19 benannten Stürmen, 6 bis 10 Hurrikanen und 3 bis 5 schweren Hurrikanen. Was die reine Anzahl an (schweren) Hurrikanen angeht, nähert sich die aktuelle Prognose nun eher dem Mittelwert an, was auch in etwa den jüngeren Prognosen anderer Einrichtungen entspricht.

Die atlantische Hurrikansaison 2

Prognose der Anzahl benannter tropischer Stürme für 2025 auf dem Nordatlantik von verschiedenen Institutionen. Dazu das jeweilige Mittel zwischen 1991 und 2020 sowie die höchste und niedrigste Aktivität.

Tatsächlich stehen bisher gerade einmal vier tropische Stürme auf der Haben-Seite. Den Anfang machte „Andrea“, die sich am 24.06. über dem zentralen Nordatlantik entwickelte. Damit lag der erste Sturm dieser Saison vier Tage hinter dem langjährigen Mittel (20.06.). Nichts Außergewöhnliches, ganz im Gegenteil zur geografischen Lage: Noch nie bildete sich im Juni ein tropischer Sturm weiter im Norden als „Andrea“ – eine Folge des deutlich zu warmem Meerwasser.

Der zweite Tropensturm, „Barry“, war Ende Juni für gerade einmal zwei Tage im Golf von Mexiko aktiv, ehe er in Mexiko auf Land zog und sich deutlich abschwächte. Den „Resten“ von „Barry“ sollte im weiteren Verlauf aber noch eine dramatische Rolle zuteilwerden. Der Wirbel zog Richtung Texas und der durch ihn anhaltende Zustrom sehr feuchter Golfluft war letztlich mitverantwortlich für die extreme Sturzflut am Guadalupe River Anfang Juli, die weit über 100 Menschen in den Tod riss.

„Chantal“ und „Dexter“ waren die jüngsten Tropenstürme dieser Saison. Letzterer hat sich mittlerweile in ein „normales“ Sturmtief umgewandelt und wird nun mit der Westwindzirkulation und unter Abschwächung langsam Richtung europäische Gewässer geführt. Laut der diesjährigen Namensliste, die zuletzt 2019 ihre Anwendung fand (die sechs vorhandenen Listen wechseln sich jährlich ab), hätte „Dexter“ übrigens eigentlich „Dorian“ heißen müssen. Da „Dorian“ 2019 allerdings als Kategorie-5-Hurrikan vor allem auf den Bahamas für viele Tote und enorme Schäden sorgte, wurde der Name aus der Liste gestrichen und durch „Dexter“ ersetzt.

Vergleicht man den aktuellen Ist-Zustand mit den Prognosen, steht in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch einiges an Ungemach an. Bleibt zu hoffen, dass so viele Stürme wie möglich über Wasser bleiben, fernab von bewohnten Gebieten und schlicht als höchst fotogene Modelle für die Satelliten fungieren.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2025
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Von Blitzen und Megablitzen

Ein Blitz ist eine elektrische Funkenentladung großen Ausmaßes, die typischerweise bei Gewittern auftritt. Die Entladung kann innerhalb einer Wolke, zwischen mehreren Wolken oder zwischen Wolke und Erde stattfinden. Voraussetzung dafür ist eine starke Ladungstrennung innerhalb der Gewitterwolke, meist einer sogenannten Cumulonimbus-Wolke.

In ihrem Inneren treiben kräftige Aufwinde, mit Geschwindigkeiten von über 20 Metern pro Sekunde, Wassertröpfchen nach oben, wo sie kondensieren, gefrieren und zu Eispartikeln heranwachsen. Durch Resublimation entstehen Graupelteilchen, die bei Kollisionen mit leichteren Eiskristallen Elektronen austauschen. Dabei laden sich die schwereren Graupelkörner negativ auf und sinken, während die leichteren, positiv geladenen Eiskristalle weiter aufsteigen. Diese Ladungstrennung erzeugt enorme elektrische Spannungen.

Ein Blitz entsteht nicht plötzlich, sondern durchläuft mehrere Phasen. Zunächst bildet sich ein Leitblitz, der sich in stufenartigen Bewegungen von der Wolke zur Erde ausbreitet. Kurz bevor er den Boden erreicht, steigen von der Erdoberfläche Fangentladungen auf. Diese treten meist von erhöhten Objekten wie Bäumen oder Türmen auf. Wenn sich beide Entladungen treffen, kommt es zur extrem hellen Hauptentladung. Dabei entsteht ein Plasmakanal mit Temperaturen zwischen 20.000 °C bis zu 30.000 °C – heißer als die Oberfläche der Sonne. Durch die schlagartige Erhitzung der Luft entlang des Blitzkanals dehnt sich diese explosionsartig aus. Es entsteht eine Druckwelle, die wir als Donner wahrnehmen.

Im Jahr 2017 ereignete sich über den Great Plains der USA ein Gewitter, das wissenschaftlich Geschichte schrieb. Die World Meteorological Organization (WMO) bestätigte einen sogenannten Megablitz als neuen Weltrekord. Mit einer Länge von 829 Kilometern war dieser Blitz der längste jemals gemessene. Er zog sich von Ost-Texas bis in die Nähe von Kansas City. In Deutschland hätte man diesen gigantischen Entladungsvorgang theoretisch von Oberstdorf im Süden bis nach Flensburg im Norden sehen können.

Von Blitzen und Megablitzen

Die Blitzstruktur des GOES-16-Satelliten GLM ist als zeitlich eingefärbte Liniensegmente dargestellt. Die 116 Wolken-Boden Einschläge sind mit Blitzsymbolen gekennzeichnet, die nach Polarität gefärbt sind (blau: 83 negativ, rot: 33 positiv). Die maximale Ausdehnung (829 km) ist mit einem schwarzen Pfeil gekennzeichnet.

Dank Satelliten wie dem GOES-16, einem geostationären Wettersatelliten der US-Behörde NOAA, konnten solche außergewöhnlichen Megablitze identifiziert werden. Dennoch bleiben viele Fragen über die Entstehung solch enormer Ereignisse bislang unbeantwortet. Mit der sich ständig weiterentwickelnden Technik wird man im Laufe der Jahre immer mehr Informationen aus solchen Ereignissen gewinnen können. Der Megablitz wurde erst kürzlich durch eine erneute Analyse der Satellitendaten entdeckt. Zuvor galt ein Blitz aus dem Jahr 2020 mit 768 Kilometern Länge als Rekordhalter. Auch dieser Megablitz ereignete sich über den US-Great Plains – einem Gebiet, das bekannt ist für riesige Gewitterkomplexe, sogenannte mesoskalige konvektive Systeme (MCS).

Blitze sind ein faszinierendes und zugleich gefährliches Naturphänomen. Der neue Weltrekord zeigt eindrucksvoll, welche gewaltigen Energien in der Atmosphäre wirken können. Dank moderner Satellitentechnik und internationaler Forschung verstehen wir immer mehr über diese Naturphänomene – doch es bestehen weiterhin Wissenslücken, insbesondere bei der Entstehung dieser Megablitze.

Hochschulpraktikant Luis Wolf in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.08.2025
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Tornados – Faszinierende Naturgewalt mit zerstörerischer Kraft

Was genau ist eigentlich ein Tornado? Ein Tornado ist eine bis zum Boden herabreichende, stark rotierende Luftsäule am Unterrand einer Schauer- oder Gewitterwolke. Die Luftsäule muss nicht zwingend sichtbar sein. Manchmal ist auch nur die Verwirbelung am Boden zu sehen. Tornados sind in Deutschland keine Seltenheit – jährlich werden im Mittel knapp 50 Fälle registriert. Wobei die Dunkelziffer durch ihre Kurzlebigkeit und Kleinräumigkeit deutlich höher liegt. Tornados können eine verheerende Auswirkung auf die Umwelt und die Infrastruktur haben. Durch die hohen Windgeschwindigkeiten können sie Schäden an Gebäuden und der Natur verursachen. Von herausgerissenen Bäumen bis hin zu fliegenden Dachplatten steht hier alles mit auf dem Programm. Im Mittel bewegen sich Tornados mit 15 – 30 km/h fort, doch in Extremfällen können sie bis zu 100km/h schnell werden und die Rotationsgeschwindigkeit kann bis zu 500 km/h erreichen.
Tornados werden allgemein in zwei Typen unterschieden, je nach ihrer Entstehungsweise:

Typ-I-Tornados (mesozyklonal):
Diese Tornados entstehen im Zusammenhang mit rotierenden Schauer- oder Gewitterzellen – den sogenannten Superzellen. Die Rotation innerhalb einer Superzelle (Mesozyklone) wird durch die Kombination von Richtungs- und Geschwindigkeitsscherung erzeugt, das heißt der Wind ändert seine Richtung mit der Höhe und nimmt dabei stark zu. Ist zusätzlich genügend Feuchtigkeit und Labilität (starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe) in der unteren Atmosphäre vorhanden und die Wolkenuntergrenze zudem recht niedrig (unter 1000 m Höhe), kann sich ein Tornado entwickeln. Besonders langlebige und starke Tornados gehören meist zu diesem Typ.

Typ-II-Tornados (nicht mesozyklonal):
Im Gegensatz zu Typ-I-Tornados darf die hochreichende Geschwindigkeitsscherung bei dieser Art nur schwach ausgeprägt sein. Superzellen sind hier also kein Thema. Was sie aber ebenfalls benötigen ist eine starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe, eine niedrige Wolkenunterseite und eine starke bodennahe Richtungsscherung. Letztere erhält man beispielsweise an einer Konvergenz, also einer Linie, an der Luft aus unterschiedlichen Richtungen zusammenströmt. Dadurch kann die Luft zwischen Wolke und Boden in starke Rotation versetzt werden und letztlich ein Tornado entstehen. Ein typisches Phänomen dieses Typs sind sogenannte „Waterspouts“ (über Wasser, daher auch als Wasserhose bekannt). Typ-II-Tornados sind in der Regel schwächer als ihre Typ-I-Kollegen, können aber trotzdem für Schäden sorgen. Das stellte erst kürzlich eine Wasserhose unter Beweis, die am vergangenen Samstag auf Wangerooge an Land ging und dort mehrere Strandkörbe umwehte.

Aber nur weil es am Boden wirbelt, muss es sich nicht gleich um einen Tornado handeln. Zu solchen Wirbelphänomenen, welche nicht zur Kategorie der Tornados zählen, gehören beispielsweise Gustnados. Sie können durch Verwirbelungen an der Böenfront von Gewittern entstehen und durchaus auch für kleinere Schäden sorgen. Allerdings hat der Wirbel keine Verbindung zur Wolke und ist daher also kein Tornado. Ebenso verhält es sich mit Staub- und Heuteufel. Sie entstehen meist an sonnigen Sommertagen, wenn sich die bodennahe Luft stark aufheizen kann. Anschließend können vom heißen Boden Luftblasen aufsteigen, die durch vorhandene Verwirbelungen in der Luft zu rotieren beginnen können. Je heißer die Luftblase beziehungsweise je größer der Temperaturunterschied zur Umgebungsluft ist, desto schneller steigt sie auf. Dadurch wird sie gestreckt und ihre Rotationsgeschwindigkeit nimmt zu (Pirouetteneffekt). Je nach Untergrund ist es dann eben oft Staub oder Heu, das durch die Gegend gewirbelt wird.

Luis Wolf (Hochschulpraktikant) und Diplom Meteorologe Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2025
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Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurück

Deutschland wird aktuell von Sturmtief NING (int. Floris) mit Kern über Westnorwegen beeinflusst. Die dazugehörige Kaltfront liegt quer über der Mitte des Landes und erreicht Dienstagabend den Süden. Für die Jahreszeit ist ein recht intensives Sturmtief. Zum Glück zieht der Kern des Tiefs so weit nördlich, sodass nur die nördliche Nordsee, der Norden von Dänemark und Südnorwegen vom eigenen Sturmfeld betroffen werden und sich die Auswirkungen in Deutschland in Grenzen halten.

Somit startete der Dienstag entlang der Kaltfront in einem breiten Streifen über die Mitte und Teile des Nordens bedeckt. Von Rheinland-Pfalz über Thüringen bis nach Sachen und Südbrandenburg fällt schauerartiger Regen, der im weiteren Tagesverlauf nach Süddeutschland zieht. Zuvor scheint dort die Sonne und bevor die eigentliche Kaltfront eintrifft, können sich dort einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen entwickeln. Von Nordwesten lockern die Wolken zwar auf, aber von der Nordsee greifen Schauer und kurze Gewitter auf Norddeutschland über, dazu ist es dort sehr windig, an den Küsten auch stürmisch.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck

Wetter- und Temperaturkarte, Dienstag 05.08.2025

Am Mittwoch macht sich das Hoch INES über Deutschland bemerkbar. Dessen Einflussbereich erstreckt sich bis nach Mitteleuropa. Der Süden und die Mitte profitieren vom Hoch, der Norden hingegen liegt noch am Rande des Tiefs NING, sodass es dort noch leicht wechselhaft mit vereinzelten Schauern ist. Dazu weht noch ein kräftiger Westwind. Ansonsten zeigt sich überwiegend die Sonne.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 2

Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 06.08.2025

Hoch INES bringt die lang ersehnte Wetterberuhigung in Deutschland und sorgt für die Rückkehr des Hochsommers. Bereits am Donnerstag steigen die Temperaturen in den sommerlichen Bereich zwischen 25 und 30 Grad, dazu scheint im fast ganzen Land die Sonne. Am Freitag wird es noch heißer mit Höchstwerten südlich des Mains und der Mosel über 30 Grad. Lediglich im äußersten Norden ist es merklich kühler und wolkiger.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 3

Wetterausichten von Donnerstag bis Samstag (07.08.2025 – 09.08.2025)

Wie lange hält das schöne und heiße Wetter an? Bis Sonntag bleibt es sehr wahrscheinlich sommerlich warm bis heiß, jedoch steigt das Gewitterrisiko vor allem im Westen und im Süden an. Es sind aber nur lokale Geschichten, der Gesamteindruck bleibt schön.

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2025
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Das Jahr ohne Sommer

Aktuell befinden wir uns in der statistisch wärmsten Zeit des Jahres. Doch das Wetter spielt dazu schon seit einigen Wochen nicht so wirklich mit. Statt schönem Badewetter mit viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen gibt es überwiegend kühles und wechselhaftes, teilweise sogar herbstlich anmutendes Wetter. Aufgrund des sehr warmen letzten Jahrzehnts kommt uns der diesjährige Sommer deshalb kühl und verregnet vor.

Wie ein ungewöhnlich kühler Sommer im vorletzten Jahrhundert aussah, zeigte das Jahr 1816. Dieses Jahr wird häufig auch als Jahr ohne Sommer bezeichnet! Ein Grund dafür war der gewaltige Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Die Eruption des Vulkans zählt zu einer der stärksten in historischer Zeit. Nach Schätzungen wurden dabei zwischen 30 und 50 Kubikkilometer Magma ausgeworfen. Das vulkanische Material gelangte bis in die Stratosphäre und wurde anschließend durch die atmosphärischen Strömungen rund um den Globus verteilt. Durch photochemische Prozesse kam es zur Bildung von Sulfataerosolen. Dies führte zu einer Verstärkung der stratosphärischen Aerosolschicht. Infolgedessen gelangte vor allem in den Folgejahren weniger Sonnenstrahlung bis zur Erdoberfläche. Die Folge war eine globale Abkühlung, die unter anderem auch in Deutschland spürbar war.

Gleichzeitig förderte die Erhöhung der Aerosolkonzentration auch die Niederschlagsbildung. Die historischen Aufzeichnungen aus dieser Zeit deuten in Mitteleuropa auf eine ungewöhnliche Unwetterserie mit wiederholt auftretenden Starkregenfällen und Hagel hin. In Verbindung mit den niedrigen Temperaturen führte dies zu erheblichen Ernteeinbußen. Die Folge war verstärkte Hungersnöte, die aber nicht nur auf die Wetterbedingungen zurückzuführen waren. Auch in den Sommern zuvor herrschte eine kühle Witterung, sodass das Saatgut nur in schlechter Qualität und teilweise auch nicht in ausreichender Menge vorhanden war. Zudem waren in Europa viele Regionen bereits durch die Auswirkungen der napoleonischen Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden.

Temperaturaufzeichnungen zeigen, dass der Sommer 1816 zu den kältesten Sommern seit 1781 gehörte. An vielen Stationen war dieser sogar der kälteste seit Aufzeichnungsbeginn. Auch im Vergleich zur Referenzperiode von 1781 bis 1810 lag dieser Sommer deutlich unter dem Mittelwert! Doch nicht überall gab es in diesem Jahr einen sehr kühlen Sommer. Während es im Osten Nordamerikas und in Zentral- und Westeuropa ungewöhnlich kühl und nass war, erlebten einige Bundesstaaten in Zentralamerika einen heißen und trockenen Sommer. Das Jahr ohne Sommer war damit nur ein regionales Phänomen!

Das Jahr ohne Sommer

Zeitreihe der Jahresmitteltemperatur für den Hohenpeißenberg seit 1781. Das Jahr 1816 ist das zweitkälteste.

Welche Regionen letztendlich von einem Vulkanausbruch klimatisch beeinflusst werden, hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend dabei ist neben dem Ort, Zeitpunkt und Stärke der Eruption vor allem auch die vorherrschende Höhenströmung, die die Aerosole verfrachtet. Zudem hat die Menge und chemische Zusammensetzung des bei der Eruption freigesetzten Materials sowie die Partikelgröße einen erheblichen Einfluss auf die klimatischen Auswirkungen!

Gestern kam es auf Kamtschatka zu einem Vulkanausbruch. Dabei wurden größere Mengen vulkanischen Materials in die Atmosphäre gebracht. Aufgrund der westlichen Winde in höheren Atmosphärenschichten wird die Aschewolke nach Osten über den Pazifik advehiert. Damit wird vorerst kein dicht besiedeltes Gebiet beeinflusst. Und auch die Stärke der Eruption ist deutlich geringer, sodass sich der klimatische Effekt voraussichtlich in Grenzen halten wird.

In diesem Sommer sind wir ungeachtet der vergleichsweisen kühlen Witterung im Juli sehr weit von einem solchen Kältesommer entfernt. Zudem dürfen wir uns ab der Wochenmitte auf zunehmende Sonnenanteile bei ansteigenden Temperaturen freuen. Am Freitag wird in der Südhälfte bei hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad bestes Badewetter erwartet!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2025
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Extremes Wetter in Teilen Europas

Am 12. Juli gab es in Finnland den ersten von 22 Hitzetagen in Folge. 22 Tage lang gab es mindestens eine Station in Finnland, an der mehr als 30 Grad gemessen wurden. Den landesweiten Höchstwert innerhalb dieses Zeitraums gab es am 31.07.2025 in Oulu am Bottnischen Meerbusen mit 32,6 Grad. Wie außergewöhnlich diese Hitzewelle war, zeigt der Vergleich mit dem bisherigen Rekord. Mit 13 Hitzetagen am Stück im Juni bzw. Juli 1972 lag der alte Rekord deutlich niedriger. Am heutigen Sonntag (03.08.2025) reicht es nicht mehr für 30 Grad. Ein Sommertag von 25 Grad wird gebietsweise aber nochmal erreicht.

Verantwortlich für diese lang anhaltende Hitze war ein stabiles Hochdruckgebiet über dem Nordosten Europas, das zum einen warme Luft aus dem Süden nach Skandinavien führte und zum anderen für viel Sonnenschein sorgte, sodass die Luft sich an den langen Tagen immer wieder deutlich erwärmen konnte. Abbildung 1 zeigt die Anomalien der Temperatur in den vergangenen 30 bzw. 7 Tagen gegenüber dem Mittel 1981-2010. Die höchsten positiven Anomalien in Europa gab es jeweils in Skandinavien. In den vergangenen 30 Tagen war die Abweichung besonders in Mittelnorwegen und Nordschweden groß, in den vergangenen 7 Tagen in Finnland und dem Nordwesten Russlands. In den „hot spots“ lagen die Temperaturen in den vergangenen 30 Tagen um etwa 6 Kelvin und in den vergangenen 7 Tagen etwa 10 Kelvin über dem Mittel. Bereits am 25.07.2025 wurde in einem Thema des Tages auf die ungewöhnliche Wärme im Norden Europas eingegangen: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/7/25.html

Extremes Wetter in Teilen Europas

Anomalien der 2m-Temperatur in den vergangenen 30 bzw. 7 Tagen über Europa. (Quelle:www.karstenhaustein.com/climate)

Nachdem die Wärme zuletzt also bereits etwas nach Osten abgedrängt wurde, findet in den kommenden Tagen eine weitere Ostverlagerung statt. Weniger Skandinavien, sondern der Nordwesten Russlands sind dann im Fokus der größten positiven Anomalien. Von Westen setzt sich dagegen Tiefdruckeinfluss in Skandinavien durch.

Womit wir beim nächsten Extrem wären. Ein für die Jahreszeit extrem starkes Sturmtief zieht am Montag über Schottland und den Nordteil der Nordsee nach Südnorwegen. Seinen Höhepunkt erreicht das Sturmtief FLORIS in der Nacht zum Donnerstag über dem Nordteil der Nordsee mit einem Kerndruck von wahrscheinlich etwas unter 980 Hektopascal. Das stärkste Windfeld befindet sich dabei an der Süd- und Südwestflanke des Sturms. Die Böen erreichen über dem offenen Meer und an exponierten Standorten in Schottland wahrscheinlich zum Teil mehr als 140 km/h. Entsprechend hat der Britische Wetterdienst Warnungen der zweithöchsten Stufe herausgegeben.

Extremes Wetter in Teilen Europas 2

Animation der Windgeschwindigkeiten (Böen) in 10 Meter Höhe und des Bodendrucks für Montag und die Nacht zum Dienstag (04./05.08.2025), Modell: ICON (Quelle.DWD)

Deutschland wird von dem Sturmfeld abgeschwächt ab Montagabend erfasst. Während der Süden nicht viel davon mitbekommen wird, frischt der Wind an den Küsten deutlich auf. Montagabend ist dies zunächst an der Nordsee der Fall, in der Nacht zum Dienstag auch an der Ostsee. Am Dienstag tagsüber frischt dann auch im Norddeutschen Binnenland der Wind auf. An den Küsten erreicht der westliche Wind in Böen Stärke 8 oder 9, im Binnenland Stärke 7 oder 8. Das heißt, dass es zwar auch an den deutschen Küsten für die Jahreszeit recht windig wird. Durch die recht große Entfernung zum Sturmtief wird das ganze aber dennoch gemäßigt ablaufen.
Das Hoch im hohen Norden weicht nach Osten, ein kräftiges Sturmtief wirbelt über dem Nordwesten Europas. Beides führt im Laufe der kommenden Woche auch zu einer Änderung der eingefahrenen Wetterlage über Mitteleuropa. Ab Wochenmitte kann sich von Süden zumindest vorübergehend Hochdruckeinfluss durchsetzen und mit Winddrehung auf Südwest wird wärmere Luft nach Deutschland geführt.

Extremes Wetter in Teilen Europas 3

Prognosekarte des Bodendrucks mit Fronten für kommenden Donnerstag, den 07.08.2025 (Quelle.DWD)

MSc.-Met.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Deutschlandwetter im Juli 2025

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 20,9 °C +1,4 Grad
2 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 20,8 °C +2,1 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,6 °C +1,1 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,2 °C +1,5 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 14,3 °C +1,5 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 14,7 °C +1,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 481,0 l/m² 187 %
2 Oberammergau Bayern 379,4 l/m² 185 %
3 Anger-Stoißberg Bayern 374,9 l/m² 190 %

Besonders trockene Orte im Juli 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Weißensee-Ottenhausen Thüringen 35,6 l/m² 72 %
2 Warmsen-Morlinge Niedersachsen 36,8 l/m² 59 %
3 Borken (Westfalen) Nordrhein-Westfalen 37,4 l/m² 49 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 258 Stunden 100 %
2 Hiddensee-Vitte Mecklenburg-Vorpommern 251 Stunden 97 %
3 Olsdorf Rheinland-Pfalz 246 Stunden 120 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 121 Stunden 60 %
2 Garmisch-Partenkirchen Bayern 123 Stunden 62 %
3 Seesen Niedersachsen 140 Stunden 82 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.08.2025
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Regen ohne Ende? – FLORIS bringt die Wende

Am ersten August-Wochenende häufen sich die (Groß-)Veranstaltungen. In Schleswig-Holstein findet das Wacken-Festival statt, in Hamburg, Essen und Bonn ziehen die CSD-Paraden durch die Straßen. Und in vielen weiteren Städten und Ortschaften sind Straßenfeste, Sommerpartys und Open-Air-Kinos geplant. In Bayern beginnen zudem die Sommerferien. Für all das möchte man vor allem trockenes und stabiles Wetter. Doch genau das gab es im Juli nicht – und auch in den kommenden Tagen wird es nicht der Fall sein.

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Vorhersage Bodendruck und Frontenlage für Samstag 01.08.2025 12 UTC

Tief KARLHEINZ befindet sich weiterhin über Skandinavien. An seiner Westflanke strömt kühlere Meeresluft bis nach Deutschland. Diese eher kühle und feuchte Luftmasse sorgt in Kombination mit einem kalten Höhentief über Mitteleuropa für die Bildung zahlreicher Schauer. Auch mit einzelnen kräftigen Gewittern muss man rechnen. Am morgigen Samstag liegt der Schwerpunkt der Gewitter ausgerechnet im Nordwesten und Westen sowie im äußersten Süden. Lokal eng begrenzt können dabei auch unwetterartige Niederschlagsmengen in kurzer Zeit auftreten.

Dabei hat es in Wacken in den letzten Tagen doch schon genug geregnet. „Wacken im Schlamm“ – das mag dem einen oder anderen wie ein Déjà-vu vorkommen. Ja, auch dieses Jahr hat es das Metal-Festival wieder mit viel Regen erwischt. Ein Kollege vor Ort erlebte den Dauerregen der letzten Tage mit Niederschlagsmengen um 40 Liter pro Quadratmeter und der damit verbundenen Schlammbildung live. „Im Infield steht man teilweise bis zum Unterschenkel im Schlamm“, so die aktuelle Beschreibung der Lage. Da es in Wacken auch am Wochenende immer wieder Schauer und eventuell auch Gewitter geben wird, wird sich die Lage dort nicht entspannen. Besonders groß ist die Wahrscheinlichkeit für nochmals unwetterartige Regenmengen um oder über 30 Litern pro Quadratmeter zwar nicht, doch ein gewisses Risiko birgt der Samstagnachmittag. Am Sonntagnachmittag hingegen könnte es eine längere Regenpause geben – Zeit, um einmal die Gummistiefel auszuleeren, bevor man sich auf den Heimweg macht.

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Niederschlagssumme der letzten drei Tage anhand von Radarbildauswertungen (Fläche) und aufsummierten Stundenwerten der Bodenmessstationen (Werte).

Nicht besser sieht es an den CSD-Standorten dieses Wochenendes aus. In den Städten Hamburg, Essen und Bonn wird am morgigen Samstag die Regenbogenflagge gehisst. Die Chance, tatsächlich einen echten Regenbogen zu sehen, ist allerdings gering. Zwar gibt es immer wieder Regen, allerdings fehlt die Sonne zur Himmelserscheinung. Am ehesten könnte man noch in Hamburg das Glück haben, die bunten Lichter am Himmel zu sehen. Statt Sonne wird es vor allem in Essen und Bonn bereits am Vormittag die ersten Tropfen geben. Im Laufe des Tages bildet sich dann eine große Schauer- und Gewitterlinie, die zuerst über Essen und dann über Bonn mit teils kräftigem Regen hinwegziehen wird. Da wird dann auch jeder nass, egal welche Identität man hat. Die Höchstwerte erreichen morgen in den CSD-Städten nur mäßig warme 21 Grad

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Links: prgnostizierte Niederschlagsmengen bis Sonntagabend. Rechts: Wahrscheinlichkeit für Mengen über 30 Liter pro Quadratmeter für Samstag.

Die derzeitige Wetterlage wird als „Trog Mitteleuropa“ bezeichnet und sorgt bei vielen Hitzehungrigen für Unmut. Ausgerechnet ein Sturm läutet dabei eine Änderung der aktuellen Witterungsverhältnisse ein. Das Sturmtief FLORIS wurde bereits am Freitagvormittag vom britischen Wetterdienst UK Met Office benannt und zieht am Montag über die Britischen Inseln hinweg in Richtung Süd-Norwegen. Deutschland wird dabei nur am Rande von diesem Sturm beeinflusst und spürt die Auswirkungen vor allem am Dienstag. In der Nordhälfte frischt der Wind deutlich auf, im äußersten Norden und an den Küsten wird es stürmisch. Gleichzeitig überquert die Kaltfront des Tiefs Deutschland mit Regen. Bis dahin also kaum Änderung des Himmelsbildes. Aber danach kommt es dann – zunächst ganz schwach und dann immer stärker. Ein Hoch weitet seinen Einflussbereich nach Deutschland aus und wird hier von Südwesten her für eine Abtrocknung der Luftmassen sorgen. Die Sonne hält also Mitte der Woche mindestens in der Südhälfte wieder Einzug, und die Temperaturen klettern in ihrem Maximum über die 25-Grad-Marke.

M.Sc. Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2025
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Hundstage? Dieses Jahr nur „kalter Hund“

Der Begriff „Hundstage“ stammt ursprünglich aus der Antike. Bereits vor rund 6000 Jahren beobachteten die alten Ägypter sehr genau die Gestirne und das aus gutem Grund: Ihre Landwirtschaft war auf das jährliche Hochwasser des Nils angewiesen. Dieses trat regelmäßig im Sommer auf und sicherte die Ernten durch fruchtbare Überschwemmungen. Die Ägypter stellten fest, dass diese sogenannte „Nilschwemme“ mit dem heliakischen Aufgang des Sterns Sirius zusammenfiel, also jenem Zeitpunkt, an dem der hellste Stern am Himmel erstmals wieder kurz vor Sonnenaufgang sichtbar wurde. Sirius ist der Hauptstern im Sternbild „Großer Hund“. So erhielten die heißen Tage rund um seinen Aufgang den Namen „Hundstage“.

Auch in Griechenland und im Römischen Reich wurde diese Beobachtung übernommen. Dort allerdings genoss der Stern einen weniger positiven Ruf: In südlichen Regionen Europas und Mesopotamiens war er der Vorbote für extreme Hitze, Trockenheit und Krankheiten. So wurde aus einer positiven Verheißung des Hochwassers ein Symbol für Unheil und Dürre, zumindest in der Wahrnehmung weiter nördlich lebender Kulturen.

Interessanterweise hat der Begriff „Hundstage“ bis heute überdauert, obwohl sein Ursprung inzwischen nicht mehr zur heutigen Himmelsbeobachtung passt. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erde – sie „taumelt“ langsam wie ein Kreisel – verschieben sich die Positionen der Sternbilder am Himmel über Jahrtausende hinweg. In Mitteleuropa geht Sirius heute erst Ende August oder Anfang September mit der Sonne auf, also lange nach der klassischen Zeit der Hundstage. Die Definition der heißen Tage zwischen dem 23. Juli und 23. August ist somit nicht mehr astronomisch begründet, sondern eher historisch und kulturell gewachsen.

So ist es kein Wunder, dass die Hundstage auch in der bäuerlichen Wetterbeobachtung ihren festen Platz haben. Zahlreiche Bauernregeln ranken sich um diese Zeitspanne. Oft geben sie vor, dass das Wetter während der Hundstage Hinweise auf den weiteren Verlauf des Jahres geben könne. So heißt es etwa: „Sind die Hundstage heiß, bleibt’s im Winter lange weiß.“ Auch Trockenheit während dieser Periode galt als Vorbote für einen trockenen Herbst. Zwar sind solche Regeln heute wissenschaftlich nicht belegt, zeigen aber, welche Bedeutung die Hundstage in der traditionellen Landwirtschaft einst besaßen – als Versuch, aus Erfahrung Muster im Wettergeschehen abzuleiten.

Aber was hat das mit der Meteorologie zu tun?
Aus meteorologischer Sicht handelt es sich bei den Hundstagen um eine sogenannte Singularität – also ein wiederkehrendes Witterungsphänomen, das statistisch gehäuft in einem bestimmten Zeitraum auftritt. Langjährige Messreihen zeigen, dass Ende Juli bzw. Anfang August besonders häufig sehr warme bis heiße Luftmassen aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa gelangen. Diese Phase ist oft die heißeste des gesamten Jahres.

Allerdings bringen diese Luftmassen nicht nur Trockenheit. Im Gegenteil: Häufig ist die Atmosphäre in dieser Zeit sehr feucht, sodass sich leicht Schauer und Gewitter bilden. Von stabiler Sommerhitze ohne Niederschlag kann daher meist keine Rede sein – auch wenn es in Einzelfällen zu Hitzeperioden mit Trockenheit kommen kann.

Hundstage Dieses Jahr nur

Zeitreihe der Abweichung der Tagesmitteltemperatur im Juli 2025 vom klimatologischen Mittel von 1991 bis 2020 im Flächenmittel von Deutschland.

Wie das mit der Statistik jedoch so ist, bedeutet eine meteorologische Singularität nicht, dass sie jedes Jahr exakt gleich eintritt. Auch wenn die Hundstage statistisch gesehen die heißeste Phase des Jahres markieren, kann es in einzelnen Jahren deutlich davon abweichen. Derzeit etwa erleben wir eher das Gegenteil: Statt hochsommerlicher Hitze zeigt sich die Witterung hingegen für die Jahreszeit etwas zu kühl. Solche Abweichungen sind nicht ungewöhnlich, sondern Ausdruck der natürlichen Schwankungsbreite des Wetters. Wetter ist eben immer auch ein kurzfristiges Phänomen, während sich statistische Häufungen nur über viele Jahre hinweg zuverlässig zeigen.

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Humoristische Illustration der Hundstage: Eigentlich die heißeste Zeit des Jahres – doch 2025 bleibt es bei „kaltem Hund“.

In diesem Jahr gibt es also nur „kalten Hund“, die Hundstage sind somit „für die Katz'“. Die Singularität der Hundstage bleibt aber auch weiterhin bestehen. Darüber hinaus sind sie ein spannendes Beispiel dafür, wie sich Himmelsbeobachtung, Klimadaten und kulturelle Überlieferungen zu einem festen Begriff im Wetterkalender verbunden haben. Auch wenn Sirius heute nicht mehr zur gleichen Zeit aufgeht wie vor Jahrtausenden, ist die Zeit zwischen Ende Juli und Mitte August nach wie vor die heißeste des Jahres – eine meteorologische Singularität, die (fast) jeden Sommer aufs Neue zu spüren ist.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.07.2025
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