Von Schwämmen und Städten

Um es mit den Worten von dem heute vor 69 Jahren verstorbenen Berthold Brecht zu sagen: „Schwierigkeiten werden nicht überwunden, indem sie verschwiegen werden.“ Daher sprechen wir doch ein wenig über die Herausforderungen, die insbesondere städtische Gebiete in Bezug auf extreme Wetterereignisse beschäftigen.

Der Prozess sich auf kommende Wetterereignisse und das vorherrschende Klima vorzubereiten, wird Klimaanpassung genannt. Dabei ist vor allem von großer Bedeutung, etwas dagegen zu tun, dass sich das Stadtgebiet im Hochsommer stark aufheizt, während nachts nur eine verminderte Auskühlung möglich ist (Wärmeinseleffekt). Zudem muss gleichzeitig damit umgegangen werden, dass es zu Starkregen bzw. Dauerregen als auch zu Trockenheitsperioden kommen kann.

Ein möglicher Ansatz für solch eine zukunftssichere Stadt ist unter dem Namen „Schwammstadt“ bekannt. Der Name ist Programm – die Stadt soll wie ein Schwamm funktionieren. Das heißt, regnet es viel, soll sie nicht mit Überschwemmungen kämpfen, sondern die Eigenschaft besitzen viel davon aufnehmen zu können. Dafür gibt es verschiedenste Ansätze, die meist versuchen die großflächige Versiegelung der Böden zu mindern. Es gibt beispielsweise die Idee Pflasterstraßen versickerungsfähig zu gestalten oder wasserdurchlässige Pflastersteine zu verwenden. Kombinieren kann man diese Maßnahmen zudem mit der Begrünung von Dächern und Fassaden, sodass die Pflanzen auch einen Teil des Regenwassers aufnehmen können. Auch mehr Grünflächen in der Stadtplanung zum Beispiel in „Sickermulden“ führen dazu, dass diese das Wasser auffangen und etwas verzögert wieder an die Böden abgeben und dem Grundwasser zuführen.

Von Schwaemmen und Staedten

Darstellung des Konzeptes einer Schwammstadt

In Bezug auf Hitze hilft die damit einhergehende Verdunstung, ähnlich wie in einem Wald, ein angenehmeres Klima zu gewährleisten. Außerdem gibt es das Konzept der Kaltluftschneisen. Dafür sollen am Boden möglichst ungestörte Strömungswege für kühlere Luft aus der Umgebung hinein in die Stadt sorgen.

Die Ausarbeitung, Planung und bauliche Umsetzung all dieser Wege hin zu einem lebensfreundlicheren Stadtklima sind natürlich kompliziert und langatmig, aber wer weiß: Vielleicht orientieren sich die Städte der Zukunft an den Schwammstädten und sind grün und lebendig.

M.Sc. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Sommerlich, heiß, sehr heiß? – „Kenntage“ des Sommers 2025

Um Jahreszeiten wie den Sommer im Hinblick auf die Temperaturen zu bewerten, nutzen Meteorologen gerne Durchschnittstemperaturen, die mit vieljährigen Mittelwerten verglichen werden. Anhand der berechneten Abweichungen lassen sich Aussagen darüber treffen, ob ein Zeitraum „zu warm“, „durchschnittlich“ oder „zu kalt“ ausfiel. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, sich dem Thema zu nähern, nämlich über sogenannte „Kenntage“. Dies sind Tage, an denen bestimmte Schwellenwerte meteorologischer Parameter erreicht oder überschritten werden. Bei der Temperatur gibt es beispielsweise den „Sommertag“ (Tage mit Höchsttemperatur von mindestens 25,0 °C), „Heiße Tage“ (Höchsttemperatur von mindestens 30,0 °C) und seltener auch „Sehr heiße Tage“ (Höchsttemperatur von mindestens 35,0 °C). Darüber hinaus werden auch „Frosttage“ (Tiefsttemperatur unter 0,0 °C) und „Eistage“ (Höchsttemperatur unter 0,0 °C) definiert.

In Abbildung 1 werden die Kenntage „Sommertag“, „Heißer Tag“ und „Sehr heißer Tag“ für einige Städte ausgewertet. In der ersten Zeile wird die mittlere Anzahl des Referenzzeitraumes 1991-2020, in der zweiten Zeile die Anzahl für das bisherige Jahr 2025 dargestellt. Für das Jahr 2025 fließen Messwerte bis einschließlich 12. August und DWD-Vorhersagen für die nächsten 3 Tage bis einschließlich 15. August ein.

Sommerlich heiss sehr heiss

Abb. 1: Kenntage (Sommertag, Heißer Tag, Sehr heißer Tag) für das bisherige Jahr 2025 im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020.

Man sieht schnell, dass wir uns vor allem bei der Anzahl heißer und sehr heißer Tage bis zum Ende der Woche bereits nahe der Klimamittelwerte befinden, teilweise auch darüber. Auffällig sind beispielsweise die vergleichsweise vielen sehr heißen Tagen in Frankfurt am Main und heißen Tage in München. Bei Sommertagen fehlen meist noch einige Tage bis zum „Sollwert“. Besonders in Hamburg wie generell in Norddeutschland traten bisher vergleichsweise wenige Sommertage auf. Allerdings treten Temperaturen über 25 °C gerne auch bis weit in den September, teils sogar noch Anfang Oktober auf. Es ist also nicht unrealistisch, dass wir uns dem Klimamittel auch hierbei im weiteren Verlauf nähern oder es erreichen, vielleicht auch überschreiten.

Das Sommerhalbjahr war demnach vor allem in der Südwesthälfte bisher von einigen, intensiven Hitzewellen geprägt, durch die die Zahl der heißen und sehr heißen Tage nach oben getrieben wurde. Allerdings gab es auch einige eher weniger sommerliche Phasen, was zu einer bisher noch leicht unterdurchschnittlichen Zahl an Sommertagen führte.

Ab dem Wochenende bringt eine von Nordwesten hereinziehende Kaltfront zwar eine Abkühlung. Diese fällt aber moderat aus, sodass wohl weiterhin recht verbreitet mit Sommertagen, vor allem nach Südwesten zu mit einzelnen heißen Tagen zu rechnen ist, wohl bis weit in die nächste Woche hinein.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Perseiden 2025 – Sternschnuppen am Firmament

Der Meteorstrom ist vom 17. Juli bis hin zum 24. August am Himmel zu sehen. Seinen Höhepunkt hat er jedoch in der Nacht vom 12. auf den 13. August (also kommenden Nacht). Ihren romantischen Beinamen, die „Tränen des Laurentius“, verdanken die Perseiden einem christlichen Märtyrer, dessen Gedenktag kurz vor dem Maximum liegt. Dessen Gedenktag ist am 10. August, vereinzelt auch am 11. August, also kurz vor dem Perseiden-Maximum und somit namensgebend.

Die Perseiden zeigen sich als blitzartige Lichtspuren am Himmel, die in dieser Jahreszeit besonders häufig auftreten – deshalb gilt der August als Sternschnuppenmonat. Astronomisch betrachtet sind Meteore winzige Partikel, die beim Eintritt in die Erde durch Reibung in der Atmosphäre zum Glühen gebracht werden. Die meisten Meteore sind winzig und verglühen in einer Höhe von circa 80 Kilometer. Verantwortlich für das Naturspektakel ist der im Jahr 1862 von Lewis A. Swift und Horace P. Tuttle entdeckte Komet, der nach ihnen Swift-Tuttle benannt wurde. Dieser Komet kreist alle 133 Jahre um die Sonne. Er hinterlässt auf seinem Weg eine Staubspur, welche wir jedes Jahr im August durchqueren. Diese Staubteilchen verglühen in unserer Atmosphäre als Sternschnuppen.

Wer das Schauspiel länger verfolgt, bemerkt vielleicht, dass alle Lichtspuren aus derselben Himmelsregion zu kommen scheinen. Astronomen nennen diesen Punkt den „Radianten“. Im Fall der Perseiden liegt die Hauptaktivität im Sternbild Perseus, das ihnen ihren Namen gibt. Astronomen messen die Aktivität eines Meteorstroms mit der sogenannten Zenithal Hourly Rate (ZHR) – sie gibt an, wie viele Sternschnuppen unter Idealbedingungen pro Stunde sichtbar wären. Unter idealen Bedingungen ist in der Theorie eine maximale ZHR für die Perseiden von bis zu 100 möglich. Realistisch ist doch eher ein Wert von 20 bis 25, da die Sichtbarkeit der Meteore durch Wolken und Lichtverschmutzung eingeschränkt werden kann.

Doch mit Wolken ist heute Nacht nur in der Nordhälfte Deutschlands zu rechnen. Weiter südwärts ist der Himmel wolkenfrei. Doch selbst bei wolkenlosem Himmel gibt es einen weiteren Faktor: der Mond. Seine Helligkeit kann schwächere Sternschnuppen überstrahlen – sichtbar bleiben dann vor allem die besonders hellen Perseiden. Die beste Zeit für die Beobachtung liegt in den Stunden nach Mitternacht. Gute Vorbereitung ist dabei alles.

Perseiden 1

Perseidenschauer aufgenommen am 12.08.2023 von Preston Dyches

Suchen Sie sich einen gemütlichen Beobachtungsplatz, der nicht zu hell ist. Je höher die Lichtverschmutzung an ihrem Beobachtungsort ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, Meteore zu entdecken. Eine Isomatte oder auch eine Gartenliege macht das Warten etwas angenehmer. Eine leichte Jacke oder dünne Decke kann helfen, die nächtliche Abkühlung besser auszuhalten. Zusätzlich hilft ein Kaffee oder ein heißer Tee beim Wachbleiben. Und bleiben sie geduldig. Nur ein kurzer Blick in den Himmel wird nicht ausreichen, um alle Meteore sehen zu können. Die Wartezeit lässt sich auch gut zu zweit überbrücken. Also schnappen Sie sich Ihren Lieblingsmenschen und bestaunen Sie den Nachthimmel.

Egal ob am Maximum oder in den Tagen danach – jede Sternschnuppe ist ein kleines Geschenk. Also machen Sie es sich bequem, schauen Sie nach oben und lassen Sie sich von der Magie dieser kurzen, leuchtenden Spuren verzaubern.

Luis Wolf (Praktikant) und Jacqueline Kernn (Dipl. Met.)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.08.2025

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Wolkenimpfung zur Hagelabwehr – Methode und Nutzen

Nach einer wechselhaften und häufig kühlen Wetterphase hat sich seit vergangener Woche in Deutschland zunehmend ruhiges und verbreitet störungsfreies Hochsommerwetter eingestellt. Reichlich Sonnenschein und Höchsttemperaturen um 30 Grad bescherten uns häufig lupenreines Badewetter. Dieses freundliche Hochsommerwetter hält auch in dieser Woche vorerst noch an. Zur Wochenmitte strömt allerdings von Südwesten zunehmend heiße und im weiteren Verlauf auch feuchtere Luft heran. Damit steigt die Gewittergefahr und in der zweiten Wochenhälfte sind dann stellenweise kräftige Gewitter möglich. Diese können örtlich mit Starkregen, Sturmböen und auch Hagel einhergehen!

Dann werden in einigen Landkreisen im Bundesgebiet wieder Hagelflieger aufsteigen und versuchen, die Gefährdung durch größeren Hagel zu minimieren. Das Ziel dabei ist es, künstliche Kondensationskerne in die hochreichenden Gewitterwolken einzubringen, damit sich anstatt von großem Hagel nur sehr viele kleine Hagelkörner bilden.

Hagel kann sich in hochreichenden Gewitterwolken bei Temperaturen unter 0 Grad entwickeln. In diesen Höhen gibt es neben wenigen Eiskeimen auch eine hohe Anzahl an unterkühlten Wassertröpfchen. Diese kommen in der Atmosphäre bei Temperaturen bis -38 Grad vor. Die Eiskeime wachsen durch Anfrieren von Wassertröpfchen und der Anlagerungen von Eisteilchen. Dadurch entsteht ein kleines Hagelkorn. Damit größere Hagelkörner sich entwickeln können, müssen sich im weiteren Verlauf zusätzlich unterkühlte Wassertröpfchen anlagern. Dies ist möglich, wenn ein sehr starker Aufwind in der Gewitterwolke vorhanden ist. Sehr große Hagelkörner werden fast ausschließlich bei Superzellengewitter beobachtet, da diese Gewitter neben starken Aufwinden auch eine längere Lebensdauer haben. Damit bleibt für die Bildung von großem Hagel genügend Zeit.

Wolkenimpfung zur Hagelabwehr 1

Diese Grafik zeigt die Entstehung von Hagelkörnern. (Quelle: Kunz 2014)

Durch das Hinzufügen von künstlichen Kondensationskeimen sollen sich nach der Theorie nun anstatt von großen Hagelkörnern viele kleine und damit weniger schadensträchtige Hagelkörner bilden und zu Boden fallen. Dabei wird aus dem Flugzeug bei Erreichen des Aufwindbereiches der heranwachsenden Gewitterzelle ein Silberjodid-Aceton-Gemisch in die Wolken geimpft.

Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings wissenschaftlich nicht bewiesen. Studien darüber gestalten sich aber auch schwierig, da man für einen Beweis der Wirksamkeit zwei identische Gewitterzellen bräuchte. Außerdem gibt es beim Einsatz von Hagelfliegern auch logistische Probleme. Hagelgewitter bilden sich oftmals extrem schnell. Am Rande einer bestehende Gewitterzelle kann sich innerhalb von kurzer Zeit eine neue Zelle mit Hagel ausbilden. Um einen signifikanten Effekt zu erreichen, müssen die Wolken aber möglichst früh geimpft werden. Dies stellt den Hagelfliegerpiloten vor großen Herausforderungen.

Auch Analysen von Radar-, Schadens- und Versicherungsdaten zeigen in den Gebieten, in denen die Hagelflieger unterwegs sind, keinen signifikanten Effekt. Sowohl in der Landwirtschaft als auch bei Gebäudedaten konnte nicht beobachtet werden, dass die Schäden aufgrund der Hagelflieger geringer ausfallen.

Das logistische Problem könnte in Zukunft durch den Einsatz von Drohnen und technischen Verbesserungen bei den Fernerkundungsverfahren gelöst werden. Allerdings sind die mikrophysikalischen und dynamischen Prozesse in einer hochreichenden Gewitterwolke noch nicht vollständig verstanden. Daher kann nicht eindeutig geklärt werden, warum sich eine Gewitterzelle nach der Impfung abschwächt. Dies zeigt, dass in diesem Bereich noch einiges an Forschungsbedarf besteht.

Letztendlich besteht auch die Möglichkeit, dass durch die Impfung andere Gefährdungen wie etwa Starkregen und Sturzfluten zunehmen können. Deshalb ist ohne wissenschaftliche Belege für dessen Wirksamkeit und gleichzeitig für die Auswirkungen auf die Bevölkerung die Wolkenimpfung zur Hagelabwehr als sehr kritisch zu betrachten!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

TEAMx: Groß angelegtes Forschungsprojekt in den Alpen

Wer schon einmal eine Wanderung oder Skitour in den Alpen geplant hat, kennt das Problem: Der Wetterbericht klingt vielversprechend – doch vor Ort herrschen plötzlich Nebel, Wind oder Regen. Warum ist das Wetter in den Bergen so oft anders als angekündigt?

Ein Grund ist das Gelände selbst. Berge und Täler beeinflussen die Luftströmungen stark – viel stärker als flacheres Gelände. Dazu kommt: Auch großräumige Luftbewegungen, wie der Jetstream in mehreren Kilometern Höhe, wirken sich auf das lokale Wetter aus. All diese Prozesse greifen ineinander; vom kleinen Windwirbel am Berghang bis hin zum großflächigen Tiefdruckgebiet über Europa.

Ein Forschungsprojekt mit vielen Blickwinkeln

Genau hier setzt das internationale Forschungsprogramm TEAMx (kurz für Multi-scale Transport and Exchange Processes in the Atmosphere over Mountains – Programme and Experiment) an. Diese groß angelegte Initiative bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Europa und darüber hinaus zusammen, um die komplexen atmosphärischen Prozesse im Gebirge besser zu verstehen und in Wetter- und Klimamodellen genauer abzubilden. Dafür lief seit Herbst 2024 eine groß angelegte Messkampagne in den Alpen: die TEAMx Observational Campaign, kurz TOC.

Die erste intensive Messphase fand im Winter 2024/25 statt, bis vor Kurzem lief die zweite – vom 16. Juni bis 25. Juli. Mehr als 15 Messstationen im Inntal, Etschtal, den Sarntaler Alpen (Südtirol) und im bayerischen Alpenvorland lieferten rund um die Uhr Daten zu Wind, Temperatur und Feuchte. Dabei kamen neben Wetterballons und Drohnen auch drei Forschungsflugzeuge zum Einsatz.

Untersucht wurden unter anderem typische Phänomene wie Tal- und Hangwinde, Wolkenbildung an Gebirgskämmen oder der Transport von Feuchtigkeit und Luftschadstoffen. Die gewonnenen Daten werden nicht nur für TEAMx ausgewertet, sondern später auch anderen Forschenden zur Verfügung gestellt.

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Untersuchungsgebiete der Messkampagne TOC (TEAMx Observational Campaign): Alpenvorland in Deutschland, Inntal (Österreich), Etschtal (Italien) und der Alpenkamm zwischen diesen beiden Gebieten. Quelle: https://www.teamx-programme.org/observational-campaign/

Von der Wettervorhersage bis zum Klimawandel

Das Ziel ist ehrgeizig: TEAMx will Wetter- und Klimamodelle so verbessern, dass sie Gebirgsregionen realistischer abbilden. Davon profitieren nicht nur Wanderer bei der Tourenplanung, sondern auch Behörden bei der Einschätzung von Unwettergefahren – und langfristig sogar die Klimaforschung.
Denn ob Prognosen über einen Hitzesommer mit 40 °C auch für die Alpen gelten oder wie sich Starkregen in engen Tälern entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Modelle die speziellen Bedingungen im Gebirge erfassen. Dafür fehlen bisher wichtige Messdaten – genau die will TEAMx nun liefern.

Auf der Projekt-Homepage werden die vier wichtigsten wissenschaftlichen Ziele von TEAMx wie folgt zusammengefasst:

1. Verbesserung des qualitativen und quantitativen Verständnisses von Transport- und Austauschprozessen sowohl zwischen der Erdoberfläche und der Atmosphäre als auch innerhalb der Atmosphäre
2. Evaluierung und Verbesserung von Wetter- und Klimamodellen über Bergregionen
3. Bereitstellung eines einzigartigen Beobachtungsdatensatzes, der zur Untersuchung eines breiten Spektrums von Transport- und Austauschprozessen in Gebirgsregionen und ihrer räumlich-zeitlichen Variabilität verwendet werden kann
4. Verringerung von Fehlern in Impact-Modellen durch Weitergabe der gewonnenen Ergebnisse an Wetter- und Klimadienstleister

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Inntal vom Flugzeug aus während der Flugmessungen im Winter. Quelle: Beth Saunders, Universität Innsbruck

Ein Projekt mit internationalem Rückhalt

Insgesamt sind über 25 Institutionen und über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) unterstützt das Projekt TEAMx. „Die weitreichende Bedeutung der Messkampagne zeigt sich nicht nur an den beteiligten Forschungsgruppen, sondern auch an der Mitwirkung mehrerer Wetterdienste“, sagt Prof. Mathias Rotach von der Universität Innsbruck, wissenschaftlicher Leiter des internationalen Konsortiums TEAMx.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist als nationaler Partner aktiv in TEAMx eingebunden – sowohl bei der Feldkampagne als auch bei der Durchführung von Modellstudien.
Und zum Schluss ein Ausblick in eigener Sache: Eine geplante Ausgabe der deutschsprachigen meteorologischen Fortbildungszeitschrift „promet“ wird sich dem Thema Gebirgsmeteorologie widmen (Herausgabe vsl. Anfang 2027). Darin werden auch die Ergebnisse von TEAMx einfließen und anschaulich aufbereitet.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

Hoch JULIA über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa versuchen gemeinsame Sache zu machen und so die Wetterküche in Europa nachhaltig zu dominieren. Doch ganz geben die Tiefs nicht auf, die sich von Neufundland über den Nordatlantik bis nach Skandinavien tummeln und auch zahlreiche Frontenzüge im Gepäck haben. Da Deutschland zwischen JULIA im Westen und INES im Osten liegt, besteht genau hier eine Schwachstelle in der ausgeprägten Hochdruckzone. Diese nutzen derzeit wiederholt Tiefausläufer, um zumindest den Norden zu streifen (vgl. Grafik 1).

Der Sommer mit Hindernissen 1

Prognostizierte Wetterlage Samstag, 9. August um 14 Uhr mit Hoch Julia über dem Ostatlantik und Hoch INES über Osteuropa. (Quelle: TKB-DWD)

Zudem sorgen Prozesse in größeren Höhen dafür, dass das Wetter im Norden und teilweise auch in der Mitte derzeit zwar sommerlich warm, aber nicht ganz frei von Störungen ist. Neben dichteren Wolkenfeldern tröpfelte es am gestrigen Freitag vor allem von Hessen bis nach Sachsen und Franken bzw. der Oberpfalz. Dieser zusätzliche Feuchteinput sorgte schließlich dafür, dass es schwül wurde und die sehr warmen bis heißen Temperaturen schon wieder gen unerträglich gingen. Da half nur der Sprung ins kühlere Wasser, egal ob See, Fluss oder Schwimmbad. In der vergangenen Nacht und am heutigen Morgen tröpfelte es von Rheinland-Pfalz über Süd- und Mittelhessen hinweg bis nach Franken und Südthüringen weiter. Nicht nur, dass die dichteren Wolken das nächtliche Abkühlen ausbremsten und somit Tiefstwerte zwischen 20 und 16 Grad brachten, der leichte Regen feuchtete die Luft nochmals an, sodass im Tagesverlauf bei zunehmendem Sonnenschein schwül-heiße Werte zum Schwitzen anregen. Dies beschreibt auch die Karte für das thermische Empfinden mittels der gefühlten Temperatur für den heutigen Samstag. Vor allem südlich von Mosel und Main sowie in Teilen Ostdeutschlands werden heiße Werte über 32 Grad erwartet (vgl. Grafik 2). Vor allem für wetterfühlige und beeinträchtigte Menschen kann es demnach im Süden und Teilen der Mitte und Ostens zu einer hohen Gefährdung der allgemeinen Befindensbeeinträchtigungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden) kommen (vgl. Grafik 3).

Der Sommer mit Hindernissen 2

Gefühlte Temperaturen für Samstag, 9. August (links) und für die Nacht auf Sonntag, 10. August (rechts). Vor allem im Süden tagsüber ein heißes thermischen Empfinden. (Quelle: DWD)

 

Der Sommer mit Hindernissen 3

Gesundheitliche Bedeutung für Wetterfühlige bezüglich allgemeiner Befindensbeeinträchtigungen mit einer hohen gesundheitlichen Gefährdung im Süden und Teilen der Mitte und des Ostens. (Quelle: DWD)

Aber zurück zu unseren Hochs. Vor allem JULIA wird in den kommenden Tagen das Wetter in Deutschland prägen. Sobald der Tiefausläufer des Tiefs zwischen Island und Norwegen ost- bis südostwärts gezogen ist und voraussichtlich nur im Norden ein paar Regentropfen abgeladen hat, zieht Hoch JULIA am Sonntag mit seinem Schwerpunkt Richtung Britische Inseln und die südwestliche Nordsee. Damit schiebt JULIA aber hinter der Kaltfront vorübergehend nochmals kühlere Nordseeluft ins Land, die fast bis zu den Alpen vorankommt. Diese gelangt vor allem in der Südwesthälfte rasch unter den Einfluss von JULIA. Bei nur wenigen Wolken kann dort die Sonne lange scheinen. Anders im Norden und Osten, wo die Kaltfront samt der feuchten Luft teilweise dichtere Wolkenfelder produziert und lokal auch mal etwas Regen bringen könnte. Auch wenn die Kaltfront nahezu wetterinaktiv den Weg nach Südosten sucht, wird der Luftmassenwechsel bei den Temperaturen sichtbar. Im Norden sollen die Höchstwerte unter den Wolken mal wieder wenig sommerliche Werte unter 25 Grad erreichen. Der mäßige und stark böige Nordwestwind lässt schließlich die Temperaturen noch etwas kühler wirken (Wind-Chill-Effekt). Aber auch sonst gehen die Temperaturen im Vergleich zum heutigen Samstag zurück und pendeln zwischen 24 und 30 Grad, im Südosten örtlich auch nochmals bis heiße 32 Grad.

Zur neuen Woche will es Hoch JULIA aber so richtig wissen und nimmt Südwest-, West und Mitteleuropa in die Hitzezange. Denn JULIA wandert mit ihrem Schwerpunkt nach Polen bzw. Rumänien. Gleichzeitig kann sich von den Britischen Inseln ein Tief Richtung Nordwestfrankreich schieben. Damit kann von der Iberischen Halbinsel richtig heiße Luft über Frankreich bis nach Mitteleuropa gelangen (vgl. Grafik 4). Entsprechend sollen die Höchstwerte hierzulande dann von 21 bis 32 Grad am Montag auf 27 bis 37 Grad am Mittwoch ansteigen. Zudem macht sich die heiße subtropische Luft auch in der Nacht zum Mittwoch bemerkbar, indem die Temperaturen vor allem in der Südwesthälfte des Landes regional nicht mehr unter 20 Grad sinken (tropische Nacht, vgl. Grafik 5). Leider verliert aber auch das Hoch an Einfluss, sodass ruhiges und trockenes Hochdruckwetter eher nicht nachhaltig in Sicht ist. Stattdessen steigt ab Dienstag von Süden und Westen das Gewitterrisiko. Gebietsweise kann sich wieder ordentlich etwas zusammenbrauen. Die Folge wären mal wieder starke, teils schwere Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel. Zudem wäre die Luft schwül-heiß und daher für viele Menschen eher unerträglich.

Im Trend soll es voraussichtlich sommerlich warm, aber auch unbeständig bleiben. Wie immer sind die mittelfristigen Prognosen aber auch mit größeren Unsicherheiten behaftet.

Der Sommer mit Hindernissen 4

Prognostizierte Wetterlage für Dienstag, 12. August um 14 Uhr mit Hoch JULIA über Osteuropa, einem Randtief über England sowie Zufuhr heißer subtropischer Luft von Süden. (Quelle: DWD)

 

Der Sommer mit Hindernissen 5

Prognostizierte Tiefsttemperaturen für die Nacht auf Mittwoch mit tropischer Nacht (> 20 Grad) im Westen und Südwesten (links) und Höchstwerte mit Maxima bis 37 Grad (rechts). (Quelle: DWD)

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.08.2025
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Die atlantische Hurrikansaison 2025: Prognosen und Ist-Zustand

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Dabei definieren sich die Wirbelstürme über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (englisch: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Vergleichen wir diese Durchschnittswerte mal mit dem Rekordjahr 2020. Mit 30 benannten Stürmen – so viel gab es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – entwickelten sich damals mehr als doppelt so viele Stürme als im Mittel. Davon mauserten sich 14 Stück zu Hurrikanen (Platz 2 nach 2005) und davon wiederum sieben zu schweren Hurrikanen (wie 2005). Letztes Jahr lag mit 18 tropischen Systemen zwar deutlich unter dem Rekordjahr, was die Gesamtzahl angeht. Bei den darunter befindlichen Hurrikanen (11) und schweren Hurrikanen (5) kam es aber dagegen schon recht nah an das bisherige Maximum ran.

Das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) prognostiziert für 2025 eine tendenziell leicht überdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik (Stand 07.08.2025). Für dieses Szenario ruft es eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit auf. Einer durchschnittlichen Saison räumt es immerhin noch eine 35-prozentige, für eine unterdurchschnittliche dagegen nur eine 15-prozentige Chance ein.

Die atlantische Hurrikansaison 1

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2025 durch die NOAA.

In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum dieses Jahr von 13 bis 18 benannten Stürmen aus, wovon 5 bis 9 zu Hurrikanen und davon wiederum 2 bis 5 zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen. Damit hat die NOAA ihre Prognose vom 22.05.2025 minimal zurückgestuft. Damals ging sie noch zu 60 % von einer überdurchschnittlichen Saison aus mit 13 bis 19 benannten Stürmen, 6 bis 10 Hurrikanen und 3 bis 5 schweren Hurrikanen. Was die reine Anzahl an (schweren) Hurrikanen angeht, nähert sich die aktuelle Prognose nun eher dem Mittelwert an, was auch in etwa den jüngeren Prognosen anderer Einrichtungen entspricht.

Die atlantische Hurrikansaison 2

Prognose der Anzahl benannter tropischer Stürme für 2025 auf dem Nordatlantik von verschiedenen Institutionen. Dazu das jeweilige Mittel zwischen 1991 und 2020 sowie die höchste und niedrigste Aktivität.

Tatsächlich stehen bisher gerade einmal vier tropische Stürme auf der Haben-Seite. Den Anfang machte „Andrea“, die sich am 24.06. über dem zentralen Nordatlantik entwickelte. Damit lag der erste Sturm dieser Saison vier Tage hinter dem langjährigen Mittel (20.06.). Nichts Außergewöhnliches, ganz im Gegenteil zur geografischen Lage: Noch nie bildete sich im Juni ein tropischer Sturm weiter im Norden als „Andrea“ – eine Folge des deutlich zu warmem Meerwasser.

Der zweite Tropensturm, „Barry“, war Ende Juni für gerade einmal zwei Tage im Golf von Mexiko aktiv, ehe er in Mexiko auf Land zog und sich deutlich abschwächte. Den „Resten“ von „Barry“ sollte im weiteren Verlauf aber noch eine dramatische Rolle zuteilwerden. Der Wirbel zog Richtung Texas und der durch ihn anhaltende Zustrom sehr feuchter Golfluft war letztlich mitverantwortlich für die extreme Sturzflut am Guadalupe River Anfang Juli, die weit über 100 Menschen in den Tod riss.

„Chantal“ und „Dexter“ waren die jüngsten Tropenstürme dieser Saison. Letzterer hat sich mittlerweile in ein „normales“ Sturmtief umgewandelt und wird nun mit der Westwindzirkulation und unter Abschwächung langsam Richtung europäische Gewässer geführt. Laut der diesjährigen Namensliste, die zuletzt 2019 ihre Anwendung fand (die sechs vorhandenen Listen wechseln sich jährlich ab), hätte „Dexter“ übrigens eigentlich „Dorian“ heißen müssen. Da „Dorian“ 2019 allerdings als Kategorie-5-Hurrikan vor allem auf den Bahamas für viele Tote und enorme Schäden sorgte, wurde der Name aus der Liste gestrichen und durch „Dexter“ ersetzt.

Vergleicht man den aktuellen Ist-Zustand mit den Prognosen, steht in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch einiges an Ungemach an. Bleibt zu hoffen, dass so viele Stürme wie möglich über Wasser bleiben, fernab von bewohnten Gebieten und schlicht als höchst fotogene Modelle für die Satelliten fungieren.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2025
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Von Blitzen und Megablitzen

Ein Blitz ist eine elektrische Funkenentladung großen Ausmaßes, die typischerweise bei Gewittern auftritt. Die Entladung kann innerhalb einer Wolke, zwischen mehreren Wolken oder zwischen Wolke und Erde stattfinden. Voraussetzung dafür ist eine starke Ladungstrennung innerhalb der Gewitterwolke, meist einer sogenannten Cumulonimbus-Wolke.

In ihrem Inneren treiben kräftige Aufwinde, mit Geschwindigkeiten von über 20 Metern pro Sekunde, Wassertröpfchen nach oben, wo sie kondensieren, gefrieren und zu Eispartikeln heranwachsen. Durch Resublimation entstehen Graupelteilchen, die bei Kollisionen mit leichteren Eiskristallen Elektronen austauschen. Dabei laden sich die schwereren Graupelkörner negativ auf und sinken, während die leichteren, positiv geladenen Eiskristalle weiter aufsteigen. Diese Ladungstrennung erzeugt enorme elektrische Spannungen.

Ein Blitz entsteht nicht plötzlich, sondern durchläuft mehrere Phasen. Zunächst bildet sich ein Leitblitz, der sich in stufenartigen Bewegungen von der Wolke zur Erde ausbreitet. Kurz bevor er den Boden erreicht, steigen von der Erdoberfläche Fangentladungen auf. Diese treten meist von erhöhten Objekten wie Bäumen oder Türmen auf. Wenn sich beide Entladungen treffen, kommt es zur extrem hellen Hauptentladung. Dabei entsteht ein Plasmakanal mit Temperaturen zwischen 20.000 °C bis zu 30.000 °C – heißer als die Oberfläche der Sonne. Durch die schlagartige Erhitzung der Luft entlang des Blitzkanals dehnt sich diese explosionsartig aus. Es entsteht eine Druckwelle, die wir als Donner wahrnehmen.

Im Jahr 2017 ereignete sich über den Great Plains der USA ein Gewitter, das wissenschaftlich Geschichte schrieb. Die World Meteorological Organization (WMO) bestätigte einen sogenannten Megablitz als neuen Weltrekord. Mit einer Länge von 829 Kilometern war dieser Blitz der längste jemals gemessene. Er zog sich von Ost-Texas bis in die Nähe von Kansas City. In Deutschland hätte man diesen gigantischen Entladungsvorgang theoretisch von Oberstdorf im Süden bis nach Flensburg im Norden sehen können.

Von Blitzen und Megablitzen

Die Blitzstruktur des GOES-16-Satelliten GLM ist als zeitlich eingefärbte Liniensegmente dargestellt. Die 116 Wolken-Boden Einschläge sind mit Blitzsymbolen gekennzeichnet, die nach Polarität gefärbt sind (blau: 83 negativ, rot: 33 positiv). Die maximale Ausdehnung (829 km) ist mit einem schwarzen Pfeil gekennzeichnet.

Dank Satelliten wie dem GOES-16, einem geostationären Wettersatelliten der US-Behörde NOAA, konnten solche außergewöhnlichen Megablitze identifiziert werden. Dennoch bleiben viele Fragen über die Entstehung solch enormer Ereignisse bislang unbeantwortet. Mit der sich ständig weiterentwickelnden Technik wird man im Laufe der Jahre immer mehr Informationen aus solchen Ereignissen gewinnen können. Der Megablitz wurde erst kürzlich durch eine erneute Analyse der Satellitendaten entdeckt. Zuvor galt ein Blitz aus dem Jahr 2020 mit 768 Kilometern Länge als Rekordhalter. Auch dieser Megablitz ereignete sich über den US-Great Plains – einem Gebiet, das bekannt ist für riesige Gewitterkomplexe, sogenannte mesoskalige konvektive Systeme (MCS).

Blitze sind ein faszinierendes und zugleich gefährliches Naturphänomen. Der neue Weltrekord zeigt eindrucksvoll, welche gewaltigen Energien in der Atmosphäre wirken können. Dank moderner Satellitentechnik und internationaler Forschung verstehen wir immer mehr über diese Naturphänomene – doch es bestehen weiterhin Wissenslücken, insbesondere bei der Entstehung dieser Megablitze.

Hochschulpraktikant Luis Wolf in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.08.2025
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Tornados – Faszinierende Naturgewalt mit zerstörerischer Kraft

Was genau ist eigentlich ein Tornado? Ein Tornado ist eine bis zum Boden herabreichende, stark rotierende Luftsäule am Unterrand einer Schauer- oder Gewitterwolke. Die Luftsäule muss nicht zwingend sichtbar sein. Manchmal ist auch nur die Verwirbelung am Boden zu sehen. Tornados sind in Deutschland keine Seltenheit – jährlich werden im Mittel knapp 50 Fälle registriert. Wobei die Dunkelziffer durch ihre Kurzlebigkeit und Kleinräumigkeit deutlich höher liegt. Tornados können eine verheerende Auswirkung auf die Umwelt und die Infrastruktur haben. Durch die hohen Windgeschwindigkeiten können sie Schäden an Gebäuden und der Natur verursachen. Von herausgerissenen Bäumen bis hin zu fliegenden Dachplatten steht hier alles mit auf dem Programm. Im Mittel bewegen sich Tornados mit 15 – 30 km/h fort, doch in Extremfällen können sie bis zu 100km/h schnell werden und die Rotationsgeschwindigkeit kann bis zu 500 km/h erreichen.
Tornados werden allgemein in zwei Typen unterschieden, je nach ihrer Entstehungsweise:

Typ-I-Tornados (mesozyklonal):
Diese Tornados entstehen im Zusammenhang mit rotierenden Schauer- oder Gewitterzellen – den sogenannten Superzellen. Die Rotation innerhalb einer Superzelle (Mesozyklone) wird durch die Kombination von Richtungs- und Geschwindigkeitsscherung erzeugt, das heißt der Wind ändert seine Richtung mit der Höhe und nimmt dabei stark zu. Ist zusätzlich genügend Feuchtigkeit und Labilität (starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe) in der unteren Atmosphäre vorhanden und die Wolkenuntergrenze zudem recht niedrig (unter 1000 m Höhe), kann sich ein Tornado entwickeln. Besonders langlebige und starke Tornados gehören meist zu diesem Typ.

Typ-II-Tornados (nicht mesozyklonal):
Im Gegensatz zu Typ-I-Tornados darf die hochreichende Geschwindigkeitsscherung bei dieser Art nur schwach ausgeprägt sein. Superzellen sind hier also kein Thema. Was sie aber ebenfalls benötigen ist eine starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe, eine niedrige Wolkenunterseite und eine starke bodennahe Richtungsscherung. Letztere erhält man beispielsweise an einer Konvergenz, also einer Linie, an der Luft aus unterschiedlichen Richtungen zusammenströmt. Dadurch kann die Luft zwischen Wolke und Boden in starke Rotation versetzt werden und letztlich ein Tornado entstehen. Ein typisches Phänomen dieses Typs sind sogenannte „Waterspouts“ (über Wasser, daher auch als Wasserhose bekannt). Typ-II-Tornados sind in der Regel schwächer als ihre Typ-I-Kollegen, können aber trotzdem für Schäden sorgen. Das stellte erst kürzlich eine Wasserhose unter Beweis, die am vergangenen Samstag auf Wangerooge an Land ging und dort mehrere Strandkörbe umwehte.

Aber nur weil es am Boden wirbelt, muss es sich nicht gleich um einen Tornado handeln. Zu solchen Wirbelphänomenen, welche nicht zur Kategorie der Tornados zählen, gehören beispielsweise Gustnados. Sie können durch Verwirbelungen an der Böenfront von Gewittern entstehen und durchaus auch für kleinere Schäden sorgen. Allerdings hat der Wirbel keine Verbindung zur Wolke und ist daher also kein Tornado. Ebenso verhält es sich mit Staub- und Heuteufel. Sie entstehen meist an sonnigen Sommertagen, wenn sich die bodennahe Luft stark aufheizen kann. Anschließend können vom heißen Boden Luftblasen aufsteigen, die durch vorhandene Verwirbelungen in der Luft zu rotieren beginnen können. Je heißer die Luftblase beziehungsweise je größer der Temperaturunterschied zur Umgebungsluft ist, desto schneller steigt sie auf. Dadurch wird sie gestreckt und ihre Rotationsgeschwindigkeit nimmt zu (Pirouetteneffekt). Je nach Untergrund ist es dann eben oft Staub oder Heu, das durch die Gegend gewirbelt wird.

Luis Wolf (Hochschulpraktikant) und Diplom Meteorologe Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2025
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Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurück

Deutschland wird aktuell von Sturmtief NING (int. Floris) mit Kern über Westnorwegen beeinflusst. Die dazugehörige Kaltfront liegt quer über der Mitte des Landes und erreicht Dienstagabend den Süden. Für die Jahreszeit ist ein recht intensives Sturmtief. Zum Glück zieht der Kern des Tiefs so weit nördlich, sodass nur die nördliche Nordsee, der Norden von Dänemark und Südnorwegen vom eigenen Sturmfeld betroffen werden und sich die Auswirkungen in Deutschland in Grenzen halten.

Somit startete der Dienstag entlang der Kaltfront in einem breiten Streifen über die Mitte und Teile des Nordens bedeckt. Von Rheinland-Pfalz über Thüringen bis nach Sachen und Südbrandenburg fällt schauerartiger Regen, der im weiteren Tagesverlauf nach Süddeutschland zieht. Zuvor scheint dort die Sonne und bevor die eigentliche Kaltfront eintrifft, können sich dort einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen entwickeln. Von Nordwesten lockern die Wolken zwar auf, aber von der Nordsee greifen Schauer und kurze Gewitter auf Norddeutschland über, dazu ist es dort sehr windig, an den Küsten auch stürmisch.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck

Wetter- und Temperaturkarte, Dienstag 05.08.2025

Am Mittwoch macht sich das Hoch INES über Deutschland bemerkbar. Dessen Einflussbereich erstreckt sich bis nach Mitteleuropa. Der Süden und die Mitte profitieren vom Hoch, der Norden hingegen liegt noch am Rande des Tiefs NING, sodass es dort noch leicht wechselhaft mit vereinzelten Schauern ist. Dazu weht noch ein kräftiger Westwind. Ansonsten zeigt sich überwiegend die Sonne.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 2

Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 06.08.2025

Hoch INES bringt die lang ersehnte Wetterberuhigung in Deutschland und sorgt für die Rückkehr des Hochsommers. Bereits am Donnerstag steigen die Temperaturen in den sommerlichen Bereich zwischen 25 und 30 Grad, dazu scheint im fast ganzen Land die Sonne. Am Freitag wird es noch heißer mit Höchstwerten südlich des Mains und der Mosel über 30 Grad. Lediglich im äußersten Norden ist es merklich kühler und wolkiger.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 3

Wetterausichten von Donnerstag bis Samstag (07.08.2025 – 09.08.2025)

Wie lange hält das schöne und heiße Wetter an? Bis Sonntag bleibt es sehr wahrscheinlich sommerlich warm bis heiß, jedoch steigt das Gewitterrisiko vor allem im Westen und im Süden an. Es sind aber nur lokale Geschichten, der Gesamteindruck bleibt schön.

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2025
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