Eine turbulente Wetterwoche mit teils schweren Gewittern steht uns bevor!

Nach einer kurzen Verschnaufpause steht uns am morgigen Dienstag in einigen Teilen Deutschlands eine Schwergewitterlage bevor. Nachdem sich das Wochenende zumindest wettertechnisch recht ruhig und meist kühl gestaltetet hatte, stellt sich die Wetterlage zum Start in die neue Woche um. Das wetterbestimmende Tiefdruckgebiet VALESCA bei den Britischen Inseln verlagert sich unter weiterer Abschwächung nach Skandinavien. Gleichzeitig spaltet sich vor der Küste Nordspaniens ein Höhentief von der Höhenströmung ab und verlagert sich langsam in Richtung Iberische Halbinsel. Dabei werden auf der Vorderseite des Tiefs sehr warme bis heiße Luftmassen über den westlichen Mittelmeerraum nach Norden bis in die Südhälfte Deutschlands transportiert. Durch die Überströmung des Mittelmeeres kommt es zu einer signifikanten Anfeuchtung, sodass die vorherrschende Luftmasse am Dienstag in der Süd- und Osthälfte des Landes einen sehr hohen Feuchtegehalt aufweist. Gebietsweise liegen dort die  bei über 20 Grad.

DWD Eine turbulente Wetterwoche mit teils schweren Gewittern steht uns bevor

Zur selben Zeit strömt auf der Rückseite von VALESCA weiterhin kühle Meeresluft in den Nordwesten Deutschlands ein. Dadurch entsteht quer über Deutschland eine Luftmassengrenze, die sich nach aktuellem Stand in einem Bereich von Nordrhein-Westfalen bis nach Südbrandenburg erstreckt. Im Bereich der Luftmassengrenze kommt es zu kräftigen schauerartigen Niederschlägen und vor allem südlich davon auch zu schweren Gewittern. Da in dieser Zone sowohl eine stark ausgeprägte Windgeschwindigkeits- als auch Richtungsänderung mit der Höhe vorhanden ist, können sich stellenweise Superzellen ausbilden. Dabei handelt es sich um langlebige, gut organisierte Gewitter, die häufig ein hohes Gefahrenpotential aufweisen. Morgen liegt die größte Wahrscheinlichkeit für solche Gewitter in einem Bereich, der südlich an die Luftmassengrenze angrenzt. Dieses Gebiet erstreckt sich voraussichtlich von der Eifel über Nordhessen bis nach Südbrandenburg. Dort muss örtlich mit heftigem Starkregen, größerem Hagel von 3 bis 5 Zentimeter Korndurchmesser und Böen bis in den Orkanbereich gerechnet werden. Auch die Ausbildung einzelner Tornados ist nicht ganz ausgeschlossen.

DWD Eine turbulente Wetterwoche mit teils schweren Gewittern steht uns bevor 1

Südlich des Mains fehlt zur Auslösung von Gewittern der Hebungsantrieb. Dort sind zunächst lediglich im Bereich der Mittelgebirge einzelne heftige Gewitter möglich. Diese können aber durchaus auch mit ähnlichen Begleiterscheinungen einhergehen. Lediglich die Ausbildung von Tornados ist aufgrund einer zu hohen Wolkenbasis und schwächerer in der unteren Troposphäre unwahrscheinlich. Im Südwesten kommen voraussichtlich in der Nacht zu Mittwoch häufiger, teils kräftige Gewitter auf. Nur südlich der Donau werden unter anderem aufgrund des Föhns an den Alpen keine Niederschläge erwartet. Auch im äußersten Nordwesten bleibt es in der deutlich kühleren Meeresluft ruhig. Dort liegen die Höchsttemperaturen zudem nur bei etwa 20 Grad, während im Süden in der schwülwarmen Luftmasse bis zu 33 Grad erreicht werden.

In den darauffolgenden Tagen stehen hauptsächlich im Süden weiterhin stellenweise kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial an. Vor allem am Freitag deutet sich nach jetzigem Stand eine neue Unwetterlage durch schwere Gewitter an. Eine genauere Eingrenzung der Schwerpunkte ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht möglich. Aktualisierte Informationen zur Unwettersituation erhalten Sie jederzeit auf der oder in der Warn-Wetter-App.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Extremwettervorhersagen des DWD nicht nur für Deutschland

In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der extremen Wetterphänomene weltweit in einigen Fällen verfünffacht. Mehr als zwei Millionen Menschen haben ihr Leben verloren (Quelle: WMO). Auch das im Zusammenhang mit dem Extremwetterkongress 2021 aktualisierte Faktenpapier fasst den aktuellen Kenntnisstand zu Extremwetterereignissen in Deutschland zusammen und kommt zu folgender Aussage: „In Folge der globalen Erwärmung starke Veränderungen bei extremen Wetterereignissen. Dabei kommt es sowohl zu regionalen Verlagerungen, in deren Folge extreme Wetterereignisse in Gebieten auftreten, in denen diese bisher nicht aufgetreten sind. Ebenso kommt es innerhalb von Regionen – wie Deutschland – zu einer Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen und eine Abnahme anderer extremer Wetterereignisse wie beispielweise strenge Fröste.“

Im Bereich der Niederschläge und der Winde sind die Aussagen differenzierter und weniger eindeutig. Dennoch wurden im Rahmen eines insgesamt etwa zweijährigen Forschungsprojektes der Behördenallianz aus BBKTHWUBA und DWD einige wichtige Erkenntnisse gewonnen. Demnach ist für den Winter in Deutschland mit einer Zunahme der Auftrittswahrscheinlichkeit der heute 100- tägigen Niederschlagsereignisse um rund 25 % bis 50 % zu rechnen. Beim Wind ergibt sich lediglich für die Wintermonate deutschlandweit weitestgehend einheitlich eine Zunahme der Überschreitungswahrscheinlichkeit der rezenten 100- tägigen Spitzenböen je nach Modell um 25 % bis 100 %.

Die Zunahme an Extremereignissen ist aktuell schon national als auch im weltweiten Fokus deutlich zu beobachten. Aufgrund der zunehmenden Anforderungen bezüglich dieser extremen Wetterereignisse erweitern viele Wetterdienste ihre Beratungs- und Produktvielfalt.

Beim DWD wurde in der Vorhersagezentrale vor einigen Jahren ein Dienst installiert, der sich überwiegend mit den nationalen und internationalen schadensträchtigen Ereignissen beschäftigt und auch teilweise die Beratungstätigkeiten mit nationalen Behörden und Nutzern übernimmt.
Eine besondere Herausforderung stellen dabei die Produkt- und Beratungsanforderungen dar. Das Ziel eines Kundenprodukts in der Extremwettervorhersage ist es, wichtige Informationen auf einfache und verständliche Weise zu vermitteln, die dem Kunden vertraut ist. Je nach Nutzergruppe oder Behörde sind die Anforderungen vielschichtig. Räumlich und zeitlich stark variierende Punkt-Termin-Prognosen für einzelne Standorte wie z.B. Flughäfen oder räumlich und zeitlich stark variierende Prognosen für Gebiete oder topographisch strukturierte Gebiete wie Flusseinzugsgebiete stehen teilweise im Kontrast zu streckenbezogenen Prognosen (für Flugrouten, Straßen, Wasserstraßen etc.) oder regionale und globale Prognosen z.B. für Hilfsorganisationen bzw. die Bundeswehr.

Um diesen Anforderungen ausreichend zu genügen, nutzen die Mitarbeiter in der Vorhersagezentrale neben der normalen Modellvielfalt auch Extremwettertools wie z.B. EFas oder GloFas (Europäisches bzw. globales Hochwasserwarnsystem). Zusätzlich wurde im DWD auch ein einfacher Extremwetterindex (EWI) entwickelt. Um ein globales Vorhersageprodukt zu generieren, das weltweit Hinweise auf extreme Wetterereignisse im kurz- und mittelfristigen Bereich liefert, werden die Vorteile von Ensemble-Methoden sowie von klimatologischen Parametern genutzt und beide Verfahren kombiniert.

„EWI“ identifiziert homogen und konsistent Regionen, in denen Extremwetterereignisse sowohl auf Basis klimatologischer Informationen (EFISOT) als auch unter Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten (Ensemble) simuliert werden. Das 90 %-Perzentil entspricht einem „reasonable worst case„. Das Endprodukt enthält absolute Werte für die Schwere der erwarteten Ereignisse im bewährten 3-Farben-Stil, wobei in den hervorgehobenen Regionen mindestens ein 20-jähriges Ereignis (für den Referenzzeitraum +/-14 Tage) erwartet wird (siehe Abbildung 1).

DWD Extremwettervorhersagen des DWD nicht nur fuer Deutschland

Als Kundenprodukt wird vor signifikanten nationalen Warnlagen eine schematische Grafik konfiguriert und z.B. dem GMLZ (Gemeinsame Lagezentrum des Bundes) oder der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellt. Eine einfache Form dieser Grafik wird dann auch häufiger über
die verschiedenen Social-Media-Kanäle des DWD bereitgestellt (siehe Abbildung 2).

DWD Extremwettervorhersagen des DWD nicht nur fuer Deutschland 1

Wie schon erwähnt, liegt der Schwerpunkt der Extremwettervorhersage nicht mehr nur auf Deutschland. Aufgrund der Globalisierung sowie der internationalen Vernetzung gelangen auch extreme Wetterereignisse im globalen Fokus zunehmend auf die Agenda.
Nahezu weltweit können Bundesbürger oder expandierte Firmen von Extremereignissen bedroht werden. Zudem ist der humanitäre Sektor stark von globalen Extremwettervorhersagen abhängig. Gleichermaßen wird die Arbeit der Meteorologen der Bundeswehr in dieser Hinsicht unterstützt. Für das GMLZ und die Bundeswehr wird dabei täglich für interne Zwecke eine sogenannte Weltwettergefahrenkarte erstellt (siehe Abbildung 3).

Bei der Produktion richtet sich der Blick auf mögliche internationale Hilfeleistungen von DRK und THW. Dabei werden Regionen mit geringerer Infrastruktur inklusive Katastrophenschutz bevorzugt behandelt. Hitze und Dürre werden in der Regel nicht in die Vorhersage aufgenommen. Auch sonst wird mit Blick auf die speziellen Anforderungen bei diesem Produkt auf Vollständigkeit verzichtet.

DWD Extremwettervorhersagen des DWD nicht nur fuer Deutschland 2

Seit einigen Jahren unterstützen die WMO-Mitglieder (Meteorologische Weltorganisation) humanitäre Organisationen und die Vereinten Nationen bei der frühzeitigen Planung von Schutzmaßnahmen sowie bei der Reaktion auf extreme Wetter- und Klimaereignisse.

Der DWD beteiligt sich mit großem Engagement am WMO Coordination Mechanism, da hiermit ein wichtiger Beitrag zur Minderung der Folgen von globalen Extremwetterereignissen geleistet wird (siehe Link 2). Die Unterstützung der Arbeit globaler humanitärer Hilfsorganisationen und auch der Vereinten Nationen mit bestmöglichen Vorhersagen ist eine sehr bedeutende und somit motivierende Tätigkeit für unsere MitarbeiterInnen. Diese stärken im Rahmen der Tätigkeit zudem ihr hochkompetentes Expertenwissen in der Vorhersage, Klimatologie und des Impacts der global zunehmenden Extremereignisse. Hiervon profitiert der DWD auch national, da selbst die Bundesrepublik Deutschland durch den Klimawandel bereits mit nie dagewesenen Extremereignissen konfrontiert wird.

Die WMO stellt in diesem Sinne mit Hilfe von Wetterdiensten einzelner Mitgliedsstaaten globale und regionale Wochenvorhersagen z.B. für UNHCR (UN-Flüchtlingskommissariat) oder UN-OCHA (Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) bereit. Teile der globalen Wochenvorhersage für das UNHCR (UN-Flüchtlingskommissariat) werden von Mitarbeitern der Vorhersagezentrale des DWD jeden Donnerstag produziert (siehe Abbildung 4 und Link 3). Dabei ist der DWD derzeit für Südamerika, Mittelamerika und die Karibik sowie Süd- und Südwestasien verantwortlich. Zudem hat die Vorhersagezentrale die Backup-Funktion inne und unterstützt das WCM-Team in Genf koordinierend. Bei den Wochenvorhersagen steht der Impact im Vordergrund und keine meteorologischen Schwellenwerte. Um die Qualität der Vorhersagen zu überprüfen und zukünftige Prognosen zu optimieren, werden die Produkte verifiziert.

DWD Extremwettervorhersagen des DWD nicht nur fuer Deutschland 3

Mit einem veränderten Klima und der fortschreitenden Automatisierung und Digitalisierung verändert sich auch das Aufgabenspektrum der Meteorologen im DWD. Der Fokus wandert zunehmend zu nationalen Unwetterlagen und internationalen Extremwetterereignissen sowie der Kommunikation dieser. Dabei stellt der Wissens- und Faktentransfer in der Beratung eine bedeutende Herausforderung dar, der in Zukunft weiter an Wichtigkeit gewinnt.

Dipl.- Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jetzt also doch: Der Sommer naht – oder?

Mittlerweile schon seit einigen Wochen ist die Großwetterlage mehr oder weniger festgefahren. Ausgedehnte Hochdruckgebiete sowohl über dem Atlantik als auch über Russland bzw. Westasien blockieren die Westdrift und sorgen dafür, dass stattdessen kühle Luft aus polaren Breiten nach Süden gen Mitteleuropa ausbricht – der einzige Weg, der übrig bleibt. Manifestiert hat sich das vor allem in einem persistenten, d.h. über einen langen Zeitraum bestehenden Langwellentrog, in dessen Umfeld es immer wieder zur Ausbildung neuer Tiefdruckgebiete kam. Dementsprechend gestaltete sich auch der Wettercharakter: Nass und oftmals zu kühl. Unrühmlicher Höhepunkt waren die extremen Niederschläge vom Allgäu über Schwaben bis nach Oberbayern, die zu heftigen Überschwemmungen führten.

Jetzt wollen wir aber nicht nur auf Vergangenes schauen, sondern den Blick auf die nahe Zukunft richten. Und da zeigt sich eine deutliche Änderung: Der wetterbestimmende Langwellentrog löst sich über Mitteleuropa auf und regeneriert sich erst wieder neu über dem östlichen Atlantik. Damit stellt sich die Strömung bei uns um auf südwestliche Richtung. Bahn frei für die warme und feuchte sommerliche Luftmasse aus Südwesteuropa (Illustration siehe Abbildung 1)!

Jetzt also doch Der Sommer naht – oder

Damit steigen die Temperaturen bereits ab Montag spürbar an. Vor allem im Süden Deutschlands, wo die Warmluft als erstes ankommt, steigen die Werte auf teils über 25 °C an. Nur an der Nordsee, die weiterhin nah an der Frontalzone und damit an der kühleren Luft liegt, bleibt es bei Werten von 20 °C. Am Dienstag und Mittwoch geht es dann weiter steil bergauf. Dann klettern die Höchstwerte im Süden und gegen Mitte bis Ende der kommenden Woche wohl auch im Osten auf 30 °C. Dadurch stellt sich zwischen Süden und Norden ein veritabler Temperaturunterschied ein, der nicht folgenlos bleibt.

DWD Jetzt also doch Der Sommer naht – oder

Bereits am Dienstag deuten die Vorhersagemodelle eine erste unwetterträchtige Schwergewitterlage an. Diese steht in Zusammenhang mit der uns überquerenden Trogachse des sich mittlerweile regeneriert habenden Langwellentroges, der anfangs noch auf dem Ostatlantik zu finden war. Dieser sorgt für den nötigen Antrieb in der labil geschichteten Warmluftmasse, die sich über Deutschland breit gemacht hat.

DWD Jetzt also doch Der Sommer naht – oder 1

Nicht nur ist diese Luftmasse anfällig für Gewitterbildung. Vielmehr weht im Zuge des Trogdurchgangs auch ein starker Höhenwind. Entsprechend hoch sind dadurch die Scherungswerte – also die Änderung des Windes mit der Höhe – die Werte um 50 kt (um 90 km/h) erreichen. Das ganze wird garniert durch hohe CAPE-Werte von 1000 bis 1500 J/kg (siehe Abbildung 3). In der Summe also ordentlich atmosphärischer Zündstoff für die Bildung organisierter Gewittersysteme wie Superzellen oder sogenannten „Squall Lines”. In diesen Fällen muss mit Begleiterscheinungen wie heftigem Starkregen, schweren Sturm- bis Orkanböen und großem Hagel gerechnet werden. Ob es am Ende wirklich so kommt, wird sich zeigen müssen. Für detailliertere Prognosen gehen noch ein bis zwei Tage ins Land.

Wie es nach dem Dienstag weitergeht, scheint aktuell noch offen. Während das deutsche ICON-Modell bereits wieder kältere Luft die Oberhand gewinnen lässt, zeigen sowohl das europäische Modell ECMWF als auch das amerikanische GFS am Donnerstag den Vorstoß einer Heißluftblase mit Temperaturen im 850 hPa-Niveau (etwa 1,5 km Höhe) von mehr als 20 °C über die Alpen bis in den Süden Deutschlands. Bei diesem Szenario stände gleich die nächste ziemlich heftig anmutende Gewitterlage ins Haus. Wie es am Ende kommt, wird sich zeigen müssen. Es bleibt also auch in der kommenden Woche aus meteorologischer Sicht ziemlich spannend.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Fußballturniere und ihr Wetter

Die Fußballfans in Deutschland fiebern dem Start der Fußball-Europameisterschaft entgegen. Endlich wieder ein großes Turnier im eigenen Land! Viele fühlen sich erinnert an das legendäre Sommermärchen 2006, als Poldi, Schweini und Co. die deutsche Nationalmannschaft bis ins Halbfinale führten. Doch nicht nur der gute Fußball blieb in Erinnerung, sondern auch das Wetter zu jener Zeit. Sonnenschein, hochsommerliche Hitze und laue Sommerabende hatten einen gewichtigen Anteil an der ausgelassenen Stimmung, die sich landauf, landab breitmachte. Doch wie schneidet das Wetter in Deutschland zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Vergleich zu den Wetterlagen während anderer Fußballturniere ab? Wann war es besonders warm und trocken, wann eher kühl und nass?

Dazu werten wir Daten der DWD-Wetterstationen Berlin-Dahlem, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg-Fuhlsbüttel, München-Stadt und Stuttgart-Echterdingen aus, die repräsentativ für den generellen Wettercharakter in Deutschland sein sollen. Wir starten mit der Europameisterschaft 2021, die „Winter-WM“ 2022 als Ausnahme berücksichtigen wir in diesem Kontext nicht. Wir gehen zurück bis zur Europameisterschaft 1980, da frühere Turniere eine oft viel zu kurze Laufzeit hatten. Als charakteristische Größen verwenden wir die mittlere Höchsttemperatur, die mittlere Sonnenscheindauer und die Regentage bzw. die relative Anzahl der komplett trockenen Tage während des jeweiligen Turnierverlaufs. Die Ergebnisse sind in Abbildung 1 dargestellt.

Tatsächlich nimmt die WM 2006 bei der Temperatur und der Sonnenscheindauer die Spitzenposition ein, aber auch die WM 1994 in den USA (deutsche Niederlage im Viertelfinale gegen Bulgarien) und die WM 2010 in Südafrika (Niederlage im Halbfinale gegen Spanien) mischen in den Top-3 mit. Im Hinblick auf die Trockentage kommt die EM 1988 in Deutschland ins Spiel (Niederlage im Halbfinale gegen die Niederlande), dafür fällt die WM 2006 aus dem Ranking, wahrscheinlich bedingt durch eine etwas stärkere Gewitterneigung in teils schwül-warmer Luft.

 

DWD Fussballturniere und ihr Wetter

Eine nicht nur sportlich, sondern auch wettertechnisch eher triste Angelegenheit war die EM 2004 in Portugal (Vorrundenaus), die in den Flop-3 für die Temperatur und Regentage auftaucht. Für einige sicher erstaunlich, aber auch die WM 1990 in Italien, als Deutschland durch ein spätes Elfmetertor von „Andi“ Brehme zum dritten Mal Weltmeister wurde, fiel hierzulande nicht gerade durch sonniges und sonderlich warmes Wetter auf. Ebenfalls im Negativ-Ranking gelistet werden durch zeitweise sehr kühles Wetter die EM 1984 (Vorrundenaus), und durch besonders feuchtes Wetter die EM 1980 (Europameister).

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Variabilität des mitteleuropäischen Sommerwetters auch nicht vor den Fußballturnieren haltmacht. Durchweg sonniges Hochsommerwetter während eines gesamten Turniers sind definitiv kein Standard, sogar eher Seltenheit. Zwar verbinden wir seit der WM 2006 ein „Fußball-Sommermärchen“ immer auch mit super sonnigem und beständigem Sommerwetter, doch sollte man den Einfluss des Wetters auf die generelle Stimmungslage nicht überbewerten. Es kann nämlich auch anders gehen, wie die WM 1990 beweist. Also lassen wir das Wetter Wetter sein und freuen uns auf ein hoffentlich sportlich erfolgreiches Turnier, für wen auch immer Sie die Daumen drücken.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

EarthCARE – Den Wechselwirkungen in der Atmosphäre auf der Spur

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber am 29. Mai 2024 war es so weit. Genauer gesagt um 0:20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit hob im fernen kalifornischen Vandenberg (28. Mai, 15:20 Uhr Ortszeit) der neue Erdbeobachtungssatellit an Bord einer Falcon-9 Trägerrakete mit einem Bilderbuchstart ab. Nur wenig später um 1:14 Uhr hat der etwa zwei Tonnen schwere Satellit, der aufgrund seines Aussehens auch „Weißer Drache“ genannt wird, seine Bereitschaft für den Einsatz im All zum Kontrollzentrum signalisiert.

Ob extreme Starkregenereignisse wie in den vergangenen Wochen in Teilen Deutschlands oder Dürre und Hitze in Südeuropa – die Sonneneinstrahlung ist die maßgebliche Größe für die Wetterdynamik und auf längeren Zeitskalen auch das Klimageschehen auf unserer Erde. Sie treibt die Zirkulation in der Atmosphäre an. Allerdings ist die Strahlung der Sonne sehr unterschiedlich in der Erdatmosphäre verteilt und tritt zudem in Wechselwirkungen mit Wolken, Aerosolen (z.B. Schwebeteilchen wie Vulkanasche, Saharastaub oder Industrieemissionen) oder anderen Spurenelementen.

Um den Strahlungshaushalt unserer Erde zeitlich und räumlich viel genauer zu erfassen und die erwähnten Wechselwirkungen der Wolken- und Aerosolprozesse in unserer Atmosphäre global besser zu kennen und zu entschlüsseln, wurde EarthCARE ins Leben gerufen. EarthCARE ist ein Akronym und steht für Earth Cloud, Aerosol and Radiation Explorer. Die Mission ist eine Kooperation der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit der japanischen Weltraumagentur (JAXA – Japan Aerospace Exploration Agency).

Für diese Aufgabe sind auf EarthCARE vier sich gegenseitig ergänzende Messinstrumente untergebracht. Mit dieser Kombination ist es möglich gleichzeitig die Wolken- und Aerosolwechselwirkungen mit der kurzwelligen als auch langwelligen Strahlung in der Atmosphäre zu messen.

DWD EarthCARE – Den Wechselwirkungen in der Atmosphaere auf der Spur

Zunächst wäre das Atmosphären-Lidar ATLID zu nennen. Das Atmosphären Lidar sendet dabei Lichtimpulse aus und analysiert die reflektierten Signale. Daraus wird ein hochaufgelöstes vertikales Profil der Erdatmosphäre von Aersolen und Wolken einschließlich ihrer Eigenschaften wie Dichte und Aerosoltyp erstellt. Die bisher nie erreichte Genauigkeit des Lidars wird entscheidend das Verständnis der Rolle von Aerosolen und Wolken in der Energiebilanz der Erde voranbringen.

Mit dem von der JAXA bereitgestellten Wolkenprofilradar CPR (Cloud Profiling Radar) kann EarthCARE das „Innenleben“ von Wolken beobachten. Dabei können detaillierte Informationen zu deren vertikaler Struktur und Geschwindigkeit, Partikelgrößenverteilung und Wassergehalt gewonnen werden. Damit lassen sich zum Beispiel die Erkenntnisse zur Bildung und Auflösung von Wolken vertiefen.

Das dritte Instrument an Bord von EarthCARE ist ein Multi-Spektral-Imager (MSI). Dieses nimmt hochauflösende Bilder in mehreren Spektralbändern des sichtbaren und infraroten Lichtspektrums auf. So können die Wissenschaftler zwischen verschiedenen Arten von Wolken, Aerosolen und der Erdoberfläche unterscheiden und zudem zusätzliche Informationen über die optischen Eigenschaften von Wolken und Aerosolen erhalten, um mehr über ihre Zusammensetzung und Verteilung zu erfahren. Während das Atmosphären-Lidar und das Wolkenradar Profile der Atmosphäre in einem eher dünnen Streifen direkt unter dem Satelliten erfassen, misst der Multi-Spektral-Imager in einem viel größeren Sichtfeld. Durch die Zusammenführung der Lidar-, Radar- und Multispektraldaten werden hochaufgelöste dreidimensionale Informationen über Wolken und Aerosole vorliegen.

Zu guter Letzt ist noch ein Breitbandradiometer BBR (Broad Band Radiometer) an Bord des Satelliten. Dieses Instrument vermisst die reflektierte Strahlung der Sonne aber auch die von der Erde ausgehende Wärmestrahlung in der Atmosphäre. Diese Messungen werden kombiniert mit den aus anderen Instrumenten abgeleiteten Strahlungsinformationen. So lässt sich das Verständnis der Energiebilanz unseres Planeten in Wechselwirkung mit den Aerosolen und Wolken voraussichtlich zusätzlich vertiefen.

Wie geht es nun weiter? EarthCARE durchläuft nun eine halbjährige Inbetriebnahme, bevor dann die routinemäßigen Messungen starten. Während dieser Periode müssen die Instrumente mit weiteren Messdaten aus der Luft und vom Boden verglichen und richtig eingestellt werden. Bei der Validierungskampagne kommt unter anderem auch das Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long range Research Aircraft) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Einsatz. Der Flieger ist mit vier Instrumenten bestückt, die mit denen von EarthCARE vergleichbar sind.

Nach Abschluss der Validierungskampagne geht EarthCARE in den operationellen Modus und liefert den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern neue Datensätze. Man darf gespannt sein, welche neuen Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Wolken, Aerosolen und Strahlung gewonnen werden.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wenn die Schafe frieren…

Seit einigen Tagen rückt polare Kaltluft immer näher an Deutschland heran und hält nun vollends Einzug in weite Landesteile. Dabei erstrecken sich die Hochs „Xenophilius“ und „Yogi“ vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa und ins Europäische Nordmeer. Die Tiefdruckgebiete „Swantje“ und „Uljana“ über Nordeuropa sorgen hingegen für eine nördliche Strömung, die die kalte Luft aus polaren Regionen über das Europäische Nordmeer und die Nordsee bis nach Deutschland führt.

DWD Wenn die Schafe frieren…

Auf ihrem Weg über das Wasser wird die Luft zwar etwas erwärmt, dennoch ist die Temperatur für die Jahreszeit etwas zu kalt. Derzeit liegt die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur im Flächenmittel in Deutschland etwa bei 16 Grad Celsius, wenn man von der klimatologischen Referenzperiode von 1991 bis 2020 ausgeht. Am gestrigen Dienstag, dem 11. Juni, betrug die deutschlandweite Mitteltemperatur hingegen unter 12 Grad Celsius. Am heutigen Mittwoch (12. Juni) kann die Tagesmitteltemperatur sogar noch etwas niedriger ausfallen.

DWD Wenn die Schafe frieren… 1

Die Abkühlung wird jedoch nicht nur durch den fehlenden Wärmeinhalt der zugeführten Luftmasse hervorgerufen. Besonders bei wie derzeit vorherrschendem ruhigem Wetter mit schwachen Luftdruckgegensätzen ergibt sich ein Teil aus der nächtlichen Ausstrahlung. So konnte beispielsweise in der vergangenen Nacht zum Mittwoch punktuell in sogenannten „Kältelöchern“ sogar leichter Frost in Bodennähe beobachtet werden.

Ein waschechter Bauer, aber auch der regelmäßige Thema-des-Tages-Leser vermutet nun wahrscheinlich schon, dass es sich bei der derzeitigen kühlen Witterung um die Schafskälte handeln muss, eine meteorologische Singularität oder auch Witterungsregelfall genannt. Darunter werden Wetterlagen zusammengefasst, die zu bestimmten Zeiten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Sie weisen eine deutliche Abweichung von einem glatten Verlauf von Temperatur und/oder Niederschlag auf, was sich auch im vieljährigen Mittel widerspiegelt. Eine dieser Witterungsregelfälle ist die Schafskälte.
Merkmal der Schafskälte ist, wie schon der Name suggeriert, ein kühler Witterungsabschnitt, der häufig Mitte Juni eintritt. Je nach genauer Definition dieser Singularität kann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des Ereignisses recht unterschiedlich sein. Definiert man für die Schafskälte den Zeitraum 10. bis 12. Juni, so liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Lufttemperatur bei etwa 80 Prozent, für eine überdurchschnittliche Niederschlagsaktivität bei rund 55 Prozent. Aufgrund des Klimawandels nimmt allerdings die Eintrittswahrscheinlichkeit für diese Kaltluftperiode immer weiter ab.

Was haben aber nun Schafe mit der kühlen Witterung zu tun? Da die Hirten traditionell zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren, kann es den frisch „rasierten“ Schafen – je nach Intensität der Schafskälte – nun ziemlich kalt werden. Bei besonders kalten Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus gefährlich, weshalb Muttertiere und Lämmer erst nach dem Kälteeinbruch geschoren werden. Dies bescherte diesem Witterungsregelfall seinen Namen.

Lange hält die aktuelle Schafskälte jedoch nicht an. Zum Freitag fließt bereits wieder wärmere Luft aus südwestlicher Richtung ein. Zwar wird es im Laufe des bevorstehenden Wochenendes wieder wechselhafter mit zeitweiligen Niederschlägen, dennoch liegen die Höchstwerte bis Sonntag meist wieder zwischen 20 und 25 Grad. Nächtlicher Bodenfrost ist dann ebenfalls kein Thema mehr. Zu Beginn der neuen Woche werden insbesondere in der Südosthälfte auch wieder Sommertage mit Höchstwerten von deutlich über 25 Grad erwartet.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Kein Sommermärchen?

Fußballfans fiebern einem der wahrscheinlich wichtigsten sportlichen Ereignisse des Jahres entgegen. Am Freitag beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland mit dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland in München. Aufgrund der Erinnerungen an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die sowohl wettertechnisch als auch fußballerisch glänzend ausfiel und als Sommermärchen in die Fußballgeschichte des Landes einging, werden die Rufe und Fragen nach einem neuerlichen Sommermärchen immer lauter.
Nun ja, hinsichtlich des Fußballs und der Erfolgsaussichten „unserer“ Mannschaft kann und werde ich mir keine Prognosen anmaßen. Dafür ist ein Großteil meiner Kollegen und auch Kolleginnen deutlich qualifizierter. Im heutigen Thema des Tages möchte ich aber kurz auf die aktuellen Wetterprognosen für den Freitagabend und auf den Trend der Wetterentwicklung blicken.

Dabei muss zunächst festgehalten werden, dass eine genaue Prognose für den Gesamtzeitraum der Europameisterschaft, die am 14. Juni startet und am 14. Juli mit dem Finale in Berlin endet, nicht möglich ist. Wettervorhersagen sind zeitlich limitiert und für die nächsten 3 bis 5 Tage recht sicher. Bis zum 10. Tag können noch recht wahrscheinliche Aussagen getroffen werden. Nachfolgend werden zunehmend Trendaussagen gemacht, bis hin zu Vorhersagen für ganze Monate oder Jahreszeiten. Diese Trendaussagen entsprechen aber nicht der klassischen Wettervorhersage, sondern beinhalten Wahrscheinlichkeitsaussagen, ob es tendenziell wärmer oder kälter bzw. nasser oder trockener im Vergleich zum langjährigen Mittelwert wird. Ein wenig mehr Einblick in die Grenzen der Vorhersagbarkeit liefern auch vergangene Themen des Tages zum Beispiel vom.

Und nun zu den aktuellen Vorhersagen für das Eröffnungsspiel am Freitagabend in München:
Nach einer etwas ruhigeren Wetterphase in den kommenden Tagen, greift im Laufe des Freitags voraussichtlich ein neues Tief mit seinem Frontensystem auf Deutschland über. Vorderseitig wird mit einer auf Süd bis Südwest drehenden Strömung etwas wärmere Luft nach Deutschland geführt, so dass die Tageshöchsttemperaturen bei meist 20 bis 24 Grad liegen. Zu Spielbeginn am Abend werden es in München noch um 17 Grad sein, Tendenz während des Spiels fallend. Im Tagesverlauf nimmt die Bewölkung von Westen mehr und mehr zu und es kommt Regen auf. Der sich bis in die mittleren Landesteile ausbreitet. Das heißt wiederum, dass es nach Osten und Südosten und damit im Münchner Raum wahrscheinlich noch trocken bleibt.

DWD Kein Sommermaerchen

Ein Blick auf den Samstag und die Folgewoche zeigen insgesamt die Tendenz, dass das wiederholt von Tiefdruckgebieten beeinflusste Wetter anhält. Das schließt zwar auch zeitweiligen Zwischenhocheinfluss und damit einzelne Tage mit stabilem und freundlichem Wetter nicht aus, insgesamt werden aber immer wieder Niederschläge erwartet. Soweit das aus heutiger Sicht abschätzbar ist, sind im Laufe der kommenden Woche dabei auch lokal starke Schauer und Gewitter zu erwarten. Außerdem deutet sich eine Phase mit sommerlichen, teils hohen Höchsttemperaturen im Laufe der kommenden Woche an. Wie nachhaltig der Zustrom der subtropischen Luftmassen ist, muss abgewartet werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aus meteorologischer Sicht ein neuerliches Sommermärchen – zunächst jedenfalls – eher unwahrscheinlich ist.

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Vorbereitung auf die Hitzesaison

Höchstwerte bis 22 Grad und das auch nur mit viel Sonne: Das aktuelle Wetter ist wenig sommerlich. Beim Start in den April mit Temperaturwerten jenseits der 25 Grad dachten viele an einen langen und heißen Sommer, aber schon wenige Tage später kehrte der gefühlte Winter zurück. Seitdem dümpeln wir temperaturmäßig zwischen 15 und 25 Grad bei eher wechselhaftem Wetter. Und auch in dieser Woche sieht es nicht viel besser aus (siehe vergangene Themen des Tages). Die Höchstwerte erreichen nur noch selten 20 Grad. Die Nächte sind ebenfalls eher frisch mit Tiefstwerten meist unter 10 Grad.

Dennoch: Der Sommer wird kommen und mit ihm werden wohl auch wieder ein paar heiße Tages ins Haus stehen. Zeit also, um sich auf die Hitzesaison vorzubereiten und die Hitzewarnungen des DWD näher anzusehen.

Es gibt zwei Stufen der Hitzewarnungen beim Deutschen Wetterdienst: „starke Wärmebelastung“ und „extreme Wärmebelastung“. Als Grundlage für die Wärmebelastung wird die gefühlte Temperatur verwendet. Sie ist eine künstliche Größe, die das Temperaturempfinden eines Menschen beschreiben soll. Die Grundlage für die Berechnung der gefühlten Temperatur bildet das.

Liegt die (berechnete) gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag über 32 Grad, so wird von einer starken Wärmebelastung gesprochen. Ab einer gefühlten Temperatur von 38 Grad ist die Wärmebelastung extrem. Je nach Vorbedingungen können die Schwellenwerte im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen.

Neben der gefühlten Temperatur findet auch die Berechnung der nächtlichen Abkühlung in Innenräumen Eingang in die Hitzewarnungen. Ist es nachts wärmer, schlafen wir schlechter und die Hitze tagsüber wird weniger gut verkraftet.

Die Hitzewarnungen werden vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes jeweils für den aktuellen und gegebenenfalls den Folgetag ausgegeben. Einen Hitzetrend gibt es für bis zu acht Tage. Die Verteilung erfolgt über die Webseite und die Apps des Deutschen Wetterdienstes, man kann sich aber auch per Newsletter informieren lassen.

Das Klima-Michel-Modell basiert auf einem gesunden Mann jüngeren Alters mit mittlerer Statur. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen wird also nicht erfasst. Das eigene Wärmeempfinden kann von der Berechnung abweichen, daher ist es wichtig, sich bei drohender Hitze zu schützen, unabhängig davon, ob eine Warnung ausgegeben wurde oder nicht. Auf www.hitzewarnungen.de finden Sie alle Informationen zu den Hitzewarnungen, den Berechnungen, den Informationskanälen und auch Handlungsempfehlungen.

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wo steckt der Sommer?

Die Großwetterlage in Europa ist seit Wochen ziemlich eingefahren. Ein sich immer wieder regenerierender Höhentrog über West- und Mitteleuropa sorgte für eine kühle und teils auch sehr nasse Witterungsphase. Dies führte in den letzten Wochen gebietsweise zu teils unwetterartigen Niederschlägen, die in der vergangenen Woche zu den Hochwassern im Süden und Südosten, sowie bereits im Mai im Südwesten führten.

Am Wochenende sorgte schwacher Zwischenhocheinfluss zumindest gebietsweise für beständiges und warmes Frühsommerwetter. Am gestrigen Samstag wurde vor allem im Süden und Osten in den Niederungen gebietsweise die Sommermarke von 25 Grad erreicht oder knapp überschritten. Spitzenreiter war dabei Simbach am Inn mit 28,4 Grad. Doch auch damit ist es in den kommenden Tagen wieder vorbei.

Grund dafür ist ein neuer ausgedehnter Höhentrog, welcher sich allmählich aus Richtung Skandinavien nach Mitteleuropa ausbreitet. Dabei strömt zum Dienstag ein weiterer Schwall Subpolarluft nach West- und Mitteleuropa. Dies lässt die Temperaturen in 850 hPa (etwa 1,5 Kilometer Höhe) teils unter die 0 Grad-Marke sinken, sodass bei wechselhaftem Wettercharakter die Höchstwerte in weiten Teilen von Nordwest- und Mitteleuropa meist unter 20 Grad liegen.

DWD Wo steckt der Sommer

Gleichzeitig macht sich auf der Vorderseite des Höhentroges heiße Luft aus Nordafrika auf den Weg nach Südosteuropa. Dort läutet sie die erste große Hitzewelle ein. Von Süditalien über Griechenland bis in die Ostukraine werden verbreitet hochsommerliche Temperaturen über 30 Grad erwartet. Vor allem in Griechenland und im Westen der Türkei sind örtlich auch Temperaturen um 40 Grad denkbar. Der Höhepunkt wird dort voraussichtlich zur Wochenmitte erreicht. Erst am kommenden Wochenende deutet sich eine zaghafte Abkühlung an. Aber auch dann werden immer noch Spitzenwerte von etwa 35 Grad erwartet.

DWD Wo steckt der Sommer 1

In Deutschland sind wir dagegen von solchen Temperaturen meilenweit entfernt. Ganz im Gegenteil: Zur Wochenmitte kann es bei längerem Aufklaren in den Nächten empfindlich kalt werden. Dann deuten sich mit Ausnahme der Küsten verbreitet einstellige Tiefsttemperaturen an. In einigen Mittelgebirgstallagen ist sogar Bodenfrost möglich. Dazu wird es vor allem in der Nordhälfte zeitweise windig. An den Küsten treten teils auch stürmische Böen auf. Insgesamt macht der Juni also eher einen herbstlichen Eindruck.

DWD Wo steckt der Sommer 2

Und auch ein Blick in Richtung des kommenden Wochenendes macht für alle Sommerfans nur wenig Hoffnung. Immerhin steigen die Temperaturen allmählich wieder an, sodass zum Wochenende auch wieder Tageshöchsttemperaturen von knapp über 20 Grad in Reichweite kommen. Der Wettercharakter bleibt aber weiterhin wechselhaft. Beständiges Sommerwetter mit badetauglichen Temperaturen ist auch dann weiterhin noch nicht in Sicht!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

So viel Regen – doch nicht überall

Mit dem 01. Juni begann der meteorologische Sommer, aber wirklich sommerlich war es bislang noch nicht. So war es deutschlandweit gesehen mit 28,1 Grad in Cottbus am 01. Juni bislang am wärmsten. So mancher mag nun möglicherweise den Klassiker „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer?“ anstimmen, aber leider ist das Wetter kein Wunschkonzert und man muss es eben nehmen wie es kommt.

Der Juni und der meteorologische Sommer sind somit erst ein bisschen mehr als eine Woche alt und rückblickend lässt sich sagen: Es kam gebietsweise bereits sehr viel Nass von oben.

Wetterstationen können hierbei Aufschluss geben, wie viel Niederschlag genau an einem bestimmten Punkt in einer gewissen Zeit gefallen ist. Allerdings kann man durch Wetterstationen nur ein unzureichendes Bild davon bekommen, wie viel Niederschlag in der Fläche gefallen ist. Auch können kräftige Schauer oder Gewitter nicht erfasst werden, wenn sie nicht gerade über eine Wetterstation hinwegziehen. Die Lösung für dieses Problem sind die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen seit dem 01. Juni.

DWD So viel Regen doch nicht ueberall

Der Übergang in den neuen Monat gestaltete sich insbesondere im Süden leider als sehr nass. Doch nicht nur lang anhaltende stratiforme Regenfälle machten vielen Regionen in Baden-Württemberg und Bayern zu schaffen. Insbesondere die teils kräftigen (eingelagerten) Schauer und Gewitter sorgten für eine verhängnisvolle Mischung. Diese beschäftigte nicht nur die Warnmeteorologen, sondern nachfolgend auch die Experten der Hochwasserzentralen. Das Thema des Tages vom vergangenen Dienstag (04. Juni) beinhaltet eine Nachlese zum Jahrhunderthochwasser in Süddeutschland .

Neben den lang anhaltenden und kräftigen Niederschlägen im Süden standen in den vergangenen Tagen auch teils kräftige Schauer und Gewitter im Osten sowie in Teilen der Mitte Deutschlands auf der Agenda. Diese lieferten zwar nicht flächig, mancherorts aber in Summe durchaus nennenswerte Niederschlagsmengen. Zudem wurde der äußerste Nordwesten immer mal wieder von Schauern und zeitweiligen Regenfällen gestreift. In den restlichen Gebieten sah es hinsichtlich Regen abgesehen von einzelnen schwachen Schauern allerdings eher verhalten aus.
Im Monat Juni fallen im Durchschnitt 70 bis 100 Liter pro Quadratmeter, in Regionen wie beispielsweise dem Oberallgäu auch deutlich mehr. Die nachfolgende Abbildung zeigt die bisherigen Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel.

DWD So viel Regen doch nicht ueberall 1

Dass sich Niederschläge nicht gleichmäßig über Deutschland verteilen, liegt in der Natur der Sache. Zu den Spitzenreitern bezüglich der gefallenen Niederschlagsmengen gehören in der Regel beispielsweise die Staulagen der Mittelgebirge. Insbesondere Schwarzwald und Allgäu belegen häufiger einmal die Spitzenplätze für die nassesten Regionen.

Im Gegensatz dazu sind das Thüringer Becken oder die Magdeburger Börde, aber auch der Nordosten Beispiele für trockene Regionen in Deutschland. Begründen kann man dies mit oftmals abnehmenden Niederschlägen in Richtung Osten. Im Falle von Thüringer Becken oder Magdeburger Börde kann man dies aber auch mit der Leelage von Thüringer Wald oder Harz begründen. Diese Mittelgebirge fungieren hierbei als eine Art Barriere, an deren Südwestflanke die Niederschläge anstauen und an deren Nordostflanke dann eine Art Abschattung stattfindet.

In den Sommermonaten spielt aber auch der oftmals konvektive Charakter der Niederschläge eine entscheidende Rolle. Die oben genannten statistisch eher nassen oder trockenen Regionen können dadurch auch eher „unauffällig“ wirken, wie in diesem Fall beispielsweise der Schwarzwald. Bei den Staulagen machte sich bei der Dauerregenlage vom vergangenen Wochenende eher der Nordstau der Schwäbischen Alb bemerkbar. In Zusammenhang mit teils kräftigen Schauern und Gewittern ist dort gebietsweise bereits mehr als 300 Prozent des Monatssolls gefallen. Auch in Bayerisch-Schwaben, in einem Streifen nördlich der Alpen sowie südöstlich von Berlin sind größere Flächen mit mehr als 300 Prozent des Monatssolls erkennbar.

Trocken war es hingegen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind verbreitet noch keine 20 Prozent des Monatssolls gefallen.

Und wie sieht es in den kommenden Tagen hinsichtlich Niederschlag aus?

Tief SWANTJE, das im gestrigen Thema des Tages vorgestellt wurde, tummelt sich mit ihren vielen Kernen seit geraumer Zeit über dem Nordatlantik, dem Nordmeer und Skandinavien. Natürlich erscheint es da naheliegend, dass SWANTJE das Wetter im Nordwesten und Norden Deutschlands beeinflusst. Kühles und windiges Schauerwetter steht dort für die kommenden Tage ins Haus.

Allerdings streckt das Tief SWANTJE seine Fühler in Form eines Frontensystems über Osteuropa auch in den Süden Deutschlands aus. Das hat zur Folge, dass sich in der feucht-warmen Luftmasse zwischen Frontensystem und Alpen teils kräftige Schauer und Gewitter sowie teils auch länger andauernde Regenfälle bilden können. Die erwarteten Niederschlagsmengen kommen in der Fläche aber bei Weitem nicht an diejenigen vom letzten Wochenende heran.

Zwischen diesen beiden wettertechnisch „spannenden“ Regionen im Nordwesten und Norden sowie im Süden Deutschlands, also kurzum in den mittleren Landesteilen, wartet das Hoch XENOPHILIUS hingegen mit heiteren bis wolkigen sowie zumeist trockenen Bedingungen auf.

 

DWD So viel Regen doch nicht ueberall 2
M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst