Erneute Eruption auf Island

Nach dem 18. Dezember 2023, 14. Januar 2024 und dem 8. Februar 2024 öffnete sich am Samstagabend, dem 16. März 2024 um 20:23 Uhr isländischer Zeit (identisch mit der Weltzeitzone UTC) nahe Grindavík erneut die Erde. Mit der mittlerweile vierten Spalteneruption zeichnet sich nun dabei allmählich ein Muster ab, nach dem es während der aktuellen Phase etwa im monatlichen Turnus zu einer Eruption kommt. Alle vier Eruptionen hielten dabei grob gesagt etwa 24 bis 48 Stunden an. Die sich öffnenden Spalten waren dabei oft um drei Kilometer lang. Eine Ausnahme bildet hier die Eruption vom 14. Januar. Hier betrug die Länge der Fissur nur 1,5 km, allerdings gab es gleichzeitig einen zweiten Eruptionsherd unmittelbar an der Siedlungsgrenze. Die dort ausfließende Lava zerstörte im Anschluss drei Häuser am Rande Grindavíks.

Auch die neue Spalte ist wieder etwa drei Kilometer lang. Im Unterschied zu vorher war die Vorwarnzeit allerdings diesmal nur sehr kurz. Nachdem sich die vorherigen Ausbrüche mit zahlreichen, teils starken Schwarmbeben ankündigten, setzte die Bebenaktivität diesmal verhältnismäßig plötzlich und unvermittelt erst 40 Minuten vor Beginn der Eruption ein. Der Lavafluss findet in südöstliche Richtung statt. Damit bewegt sie sich direkt auf die Erdwall-Barrieren zu, die in Windeseile in den Wochen zuvor errichtet wurden, um die Stadt Grindavík zu schützen. Erreicht hat sie diese aber noch nicht. Ob sie das tut, scheint fraglich, da nach aktuellstem Stand die Aktivität und damit die Ausflussmenge an Lava bereits wieder nachlässt. Die Länge des aktiven Spaltenbereichs beträgt nunmehr nur noch 500 Meter (Stand: Abend des 17. März 2024).

DWD Erneute Eruption auf Island

Die Gefahrenlage vor Ort ist dabei im Großen und Ganzen unverändert. Problematisch sind zum Einen natürlich der Lavafluss selbst, als auch die ausgestoßenen Gasmengen, die in unmittelbarer Nähe in gesundheitsschädlichen Konzentrationen auftreten können (insbesondere Schwefeldioxid SO2). In der Stadt besteht die Hauptgefahr vor allem durch Erdbeben und sich auftuende Hohlräume und Spalten. Eine neue Gefahrenquelle stellt das mögliche Erreichen des Meeres dar. Trifft die heiße Lava auf das kalte Meerwasser, so erstarrt zum Einen die flüssige Lava auf der Stelle. Zum Anderen kommt es zu Explosionen, weil das kalte Meerwasser schlagartig verdampft. Diese Explosionen können die fragmentierten Lavateile (sogenanntes Tephra) über mehrere hunderte Meter bis teilweise kilometerweit schleudern. Die kritischste Gefahrenquelle stellt aber die Entstehung von Chlorwasserstoff-Wolken dar, die sich durch die Reaktion der Lava mit dem Meerwasser bilden. Dieses Gas wirkt stark ätzend und kann in höheren Konzentrationen sogar tödlich sein, da in der Lunge Salzsäure gebildet wird. Der isländische Wetterdienst schätzt diesen Vorgang in einer Zone mit Radius 500 Meter an dem betreffenden Küstenabschnitt als lebensgefährlich ein (Abbildung 2). Ob es die Lava aber wirklich bis ins Meer schafft, ist aktuell nicht abzusehen.

DWD Erneute Eruption auf Island

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.03.2024
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Start der Gewittersaison?

In der zweiten Hälfte vergangener Woche setzten sich bei uns in Deutschland mit einer südwestlichen Strömung sehr milde Luftmassen durch. So zeigte das Thermometer am vergangenen Donnerstag im Süden und Westen verbreitet Temperaturen über 15 Grad an. Am Oberrhein gab es Höchstwerte nahe 20 Grad. Spitzenreiter war die Station Ohlsbach in der Ortenau mit 19,7 Grad. Am Freitag schwenkte anschließend ein  von den Britischen- Inseln nach Deutschland. Die Kaltfront des damit verbundenen Bodentiefs zog im Laufe des Tages über Deutschland hinweg. Wie bei einer klassischen sommerlichen Gewitterlage bildeten sich dabei im Vorfeld der Kaltfront in der relativ gesehen wärmeren und feuchteren Luftmasse erste kräftige Schauer und einzelne Gewitter. Dabei zündelte es ausgehend von der Ostalb und teils auch im Norden Deutschlands. Die Gewitter im Süden verlagerten sich im weiteren Verlauf über Schwaben bis zum Bayrischen-Wald. Örtlich kam es dabei zu Starkregen und stürmischen Böen. Lokal eng begrenzt war auch kleinkörniger Hagel mit dabei.

DWD Start der Gewittersaison

Direkt hinter der Kaltfront wurde die konvektive Aktivität zunächst durch absinkende Luftbewegungen gedämpft. Mit zunehmender Entfernung hinter der Kaltfront strömten vor allem in der Höhe etwas kühlere Luftmassen mit ein, wodurch es von Frankreich ausgehend gegen Abend zu einem erneuten Aufleben der Schauer und Gewitteraktivität kam. Grund dafür sind die großen Temperaturunterschiede zwischen den bodennahen Luftschichten und der mittleren Atmosphäre, wodurch es zu einer zunehmenden Labilisierung der Atmosphäre kommt. Gerade in Westfrankreich traten am Abend deshalb vermehrt Gewitter auf. Vereinzelt kam es dort auch zu kräftigen Entwicklungen samt Starkregen, kleinem Hagel und Sturmböen. Diese verlagerten sich im Laufe des Abends unter Abschwächung auch in den äußersten Südwesten Deutschlands. Auf dem Weg nach Osten wurden daraus aber aufgrund der fortschreitenden Tageszeit in der energieärmeren Luftmasse schauerartige Regenfälle.

Diese hybride Gewitterlage vom vergangenen Freitag verdeutlicht sehr schön den synoptischen Unterschied zwischen sommerlichen und winterlichen Gewittern. Im Sommerhalbjahr treten starke Gewitter häufig im Vorfeld von Kaltfronten in einer sehr warme bis heiße und feuchte Luftmassen auf. Bei einer günstigen Überlappung von starker mit der energiereichen Luftmasse können Superzellen entstehen, die teils unwetterartige Begleiterscheinungen wie heftigen Starkregen, großen Hagel und schwere Sturmböen mit im Gepäck haben können.

Im Winter treten dagegen Gewitter häufig hinter der Kaltfront auf. Durch die großen Temperaturunterschiede zwischen dem Erdboden und der mittleren Atmosphäre können sich hochreichende Wolken mit Blitz und Donner entwickeln. Diese Gewitter sind allerdings nur kurzlebig, können aber dennoch Sturmböen und teilweise auch Graupel oder kleinen Hagel produzieren. Außerdem werden im Winterhalbjahr vor allem in Verbindung mit Sturm- und Orkantiefs starke Gewitter an Kaltfronten durch kräftige Hebungsvorgänge beobachtet. Aufgrund der starken Windscherung gehen diese häufig mit Sturm- oder sogar Orkanböen einher. Zudem sind in einigen Fällen auch Tornados möglich. Ein bekanntes Beispiel hierfür war die Kaltfront von Orkantief KYRILL, welche am 18.01.2007 über Deutschland zog. An dessen Kaltfront bildete sich eine markante Gewitterlinie aus. Dabei gab es in Mitteleuropa insgesamt 11 bestätigte Tornadofälle.

Großer Hagel und Starkregen mit hohen Niederschlagssummen ist dagegen zu dieser Jahreszeit sehr selten. Vor allem für heftigen Starkregen benötigt es eine Luftmasse mit sehr hohem Feuchtegehalt, was im Winterhalbjahr aus physikalischen Gründen nicht möglich ist. Dazu kommt bei unwetterartigen Starkregenereignissen auch noch eine langsame Verlagerung hinzu. Da im Winter stärkere Gewitter sehr häufig an dynamische Wetterlagen mit einer kräftigen Höhenströmung gekoppelt sind, ist dies äußerst selten der Fall.

M.Sc. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.03.2024
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Eine Fahrt ins Ewige Eis: Alles ganz EAS(I)Y!

EASI-2 ist die Abkürzung des zweiten Teils eines internationalen Forschungsprojektes mit dem Namen „East Antarctic Ice Sheet Instability“. In dem Projekt wird die Veränderungen der Instabilität des Ostantarktischen Eisschildes sowie deren Wechselwirkungen mit der Zirkulation im Südozean untersucht. Auf der Expedition EASI-2 waren mehrere Forschungsteams unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden und Australien an Bord von FS Polarstern. Der Schwerpunkt der Forschung lag dabei auf den aktuellen Prozessen der Wassersäule der Südpolarmeere mit Augenmerk auf die Nährstoffverfügbarkeit. Zudem wurden Sedimentproben von bis zu 25 Metern Tiefe aus dem Meeresboden gezogen, um Rückschlüsse auf Veränderungen der letzten 500 Tausend Jahre ziehen zu können. Es war eine sehr arbeitsintensive Forschungsreise mit 140 Forschungsstationen. Dass so viele Stationen erfolgreich stattfinden konnten, lag nicht nur an der guten Zusammenarbeit auf dem Schiff, sondern auch an den günstigen Wetterbedingungen, die uns auf dieser Reise begleiteten.

DWD Eine Fahrt ins Ewige Eis Alles ganz EASIY

Ende November stach FS Polarstern von Kapstadt aus in See. Knapp drei Wochen dauerte die Fahrt von Südafrika an den Prinz Edward Inseln vorbei bis zum antarktischen Festland in der Prydz-Bucht. Das Wetter war uns von Beginn an wohl gesonnen. Bei Windstärken um 6 Beaufort und einer signifikanten Wellenhöhe von 3 Metern erreichten wir ohne Probleme nach nur wenigen Tagen die erste Forschungsstation. Während des Transits stoppte FS Polarstern immer wieder für solche Stationen auf. Dann bleibt der Eisbrecher mitten im „Nichts“ für 10 bis 16 Stunden auf offener See stehen und wissenschaftliche Gerätschaften werden ins Wasser gelassen. Nur ein einziges Mal hat uns ein Sturmtief gezwungen, die Forschungsarbeit früher zu beenden. Am Dienstag, den 12. Dezember 2023 fand eine rapide Zyklogenese knapp südöstlich von Südafrika statt. Innerhalb von etwa 40 Stunden fiel der Druck im Zentrum des neu entstandenen Tiefs über 60 hPa. Gleichzeitig verlagerte sich das Sturmtief dabei mit 50 Knoten südostwärts, sodass FS Polarstern am Donnerstag, den 14. Dezember 2023 in dessen Einflussbereich geriet. Da wir aber bereits frühzeitig den Kurs gewechselt hatten, waren wir bereits in einem Bereich, indem die Forschungsarbeiten trotz Sturm weitergeführt werden konnten. Rückseitig des Tiefs weitete sich erneut ein Hochdruckkeil südwärts aus, was vorübergehend für schwachwindige und teils sonnige Wetterbedingungen sorgte.

Am 17. Dezember 2023 erreichten wir dann die Gewässer vor der Australischen Antarktisstation Davis in der Prydz-Bucht. Von dort aus wurde ein Team aus sechs Geologen auf das Festland ausgeflogen. Während die Geologen drei Wochen in ihren Zelten auskommen mussten, erforschte der Rest der Wissenschaft in der behaglichen Behausung des Eisbrechers die Prydz Bucht. Das Wetter zeigte auch innerhalb der nächsten Wochen in der Prydz-Bucht seine schöne Seite. Lokale Tiefs entwickelten sich immer wieder über dem „warmen“ Wasser der Bucht. Dadurch formierte sich wiederkehrend dichte Bewölkung, die von Nordosten in Richtung FS Polarstern strömte. Vor allem durch die sehr trockene Antarktische Festlandsluft mit Taupunkten weit unter -10 Grad wurden die Wolkenfelder jedoch meist abgetrocknet und lösten sich auf. Das Resultat war dann strahlender Sonnenschein. Dank des Polartages hielt dieser teils auch ununterbrochen für 48 Stunden an. Bei der Annäherung an die Schelfeiskante des Amery Eisschildes konnte man zudem andere, für die Region typische Wetterphänomene beobachten. Zum einen die katabatischen Winde, die als kalter, ablandiger Fallwind von den Gletschern der Antarktis in Richtung Meer hin wehten und manchmal als Verwirbelungen vom lockeren Schnee an der Eiskante erkennbar waren.

Durch die guten Sichten in der sehr trockenen Luft, konnte man die faszinierenden Eisstrukturen im vollen Umfang bestaunen. Die Eiswelten zeigten sich, trotz eines Minimums in der Meereisbedeckung, in all seinen Facetten. Besonders beeindruckend war das bläuliche Leuchten, das aus dem Inneren der Eisberge durchschimmert. Am Amery Eisschelf erinnerten Aushöhlungen, die an der Wasserkante ausgewaschen wurden, an italienische Arkaden und luden zu Erkundungen ein. Doch nicht nur die Süßwasser-Eis-Formationen lösten Bewunderungen aus, sondern auch die verschiedenen Stufen der Meereisbildung. Vom ersten Frazil-Eis, über Pfannkucheneis bis hin zu Presseishügeln wurde alles gesichtet und bestaunt. Wir hatten auch Glück, dass wir die gefrorene Landschaft nicht nur beobachten durften. An zwei Tagen hielt FS Polarstern für kurze Zeit an einer Eisscholle. Wer Zeit hatte, durfte dann seinen Fuß auf das gefrorene Wasser setzen.

Anfang Januar wurden die Landgeologen mit dem Hubschrauber zurück auf das Mutterschiff geholt. Wieder vollzählig fuhren wir weiter ostwärts um das Shackleton Schelfeis herum bis hin zum Denman Gletscher. Auf dieser Teilstrecke mussten wir das Wetter aufgrund seiner Windrichtung rügen. Durch beständigen Nordostwind wurde sehr viel Treibeis an das Shackleton Schelfeis hin verdriftet. Aufgrund der hohen Eiskonzentration verlangsamte sich das Vorankommen etwas. Nichtsdestotrotz hielten wir an der geplanten Route fest und wurden nicht nur durch eine Vielzahl an erfolgreichen Forschungsstationen am östlichen Rand des Denman Gletschers, sondern auch durch eine wunderschöne Kulisse belohnt. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte uns eine Orca-Schule die aus einer Eisbucht heraus und weiter am Schiff vorbei schwamm.

Nach diesem bezaubernden Tag verabschiedeten wir uns aus dem Eis und fuhren in Richtung Norden hinaus auf die offene See. Nach vier Wochen im ruhigen Eis, musste man sich erst wieder an die schaukelige See gewöhnen. Und schließlich warteten die berühmt, berüchtigten Furious Fifties und Roaring Forties auf uns. Doch auch hier blieben die Stürme aus und die Arbeiten an Bord konnten ohne meteorologische Störungen weitergehen. Ein kleines Manko beim Transit von der Antarktis bis nach Tasmanien stellte der fehlende Sonnenschein dar. Der typische maritime Stratocumulus begleitete uns fast durchgehend. Größere Wolkenlücken traten meist nur für wenige Stunden auf. Und es wurde auch plötzlich wieder Nacht. Mit der Fahrt in niedrigere Breiten konnten wir wieder Sonnenunter- und aufgänge beobachten. Da wir aber gleichzeitig ostwärts fuhren, waren wir nun gezwungen auch die Uhren an Bord allmählich den Zeitzonen anzupassen. Insgesamt musste neun Mal die Uhr jeweils eine Stunde vorgestellt werden. Das hieß, dass fast jeden zweiten Tag die Nacht um eine Stunde verkürzt wurde.
DWD Eine Fahrt ins Ewige Eis Alles ganz EASIY 1
Ende Januar kam dann endlich wieder Land in Sicht. FS Polarstern lief in Hobart/Tasmanien ein. Zur Begrüßung wartete der australische Forschungseisbrecher RV Nuyina im Hafen auf uns. Aktuell befindet sich FS Polarstern wieder in der Antarktis auf dem dritten Teil des Projektes EASI-3. Die aktuelle Position von FS Polarstern mit Infos zu den Expeditionen findet man hier.

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MSc Meteorologin Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.03.2024
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Extremwetter abseits des Scheinwerferlichts

Über das Wettergeschehen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft sind wir Europäer für gewöhnlich medial sehr gut informiert. Egal ob extreme Niederschläge im Mittelmeerraum, ein Orkan über Nordwesteuropa oder heftige Schneefälle über Skandinavien – man bekommt hierzulande eine Vielzahl an Berichten und Bildern dazu „serviert“ bzw. kann sich diese einfach und rasch besorgen. Selbst die Wettervorgänge in den Vereinigten Staaten sind häufig Bestandteil der hiesigen Berichterstattung. Fixstarter dafür ist fast jeder Hurrikan sowie der eine oder andere stärkere Tornadooutbreak. Nun liegt Washington, D.C. bekanntlich etwa 6700 km Luftlinie von unserer Hauptstadt Berlin in westlicher Richtung entfernt – wissen Sie aber auch so gut Bescheid über die meteorologischen Vorgänge in einem ähnlich weit entfernten Gebiet in Richtung Osten? Die Luftlinie zur Hauptstadt der Mongolei (Ulaanbaatar) ist mit knapp 6200 km sogar kürzer als nach Washington, aber das dortige meteorologische Geschehen ist für uns Mitteleuropäer doch eine ganz „andere Welt“.

Die Mongolei liegt im Bereich des zentralasiatischen Hochlandes und bildet zwischen der Russischen Föderation und der Volkrepublik China einen sehr dünn besiedelten Binnenstaat, wobei 40 % der Gesamtbevölkerung (etwa drei Millionen) in der Hauptstadt wohnen. Die geographische Lage bringt mit sich, dass das Klima sehr kontinental geprägt ist. Prägend sind dabei eine große Schwankungsbreite der monatlichen Durchschnittstemperaturen (heiße Sommer, sehr kalte Winter) und der meist geringe Niederschlag (im Jahresverlauf ungleich verteilt). Die Folge davon sind ausgedehnte Steppengebiete, die im Süden in die Wüste Gobi übergehen.
DWD Extremwetter abseits des Scheinwerferlichts

Die oft nomadisch lebende Landbevölkerung muss damit sowohl mit den landschaftlichen, als auch den klimatologischen Randbedingungen ihr Leben bestreiten. Dazu gesellen sich aber immer häufiger Extremwetterereignisse, die meist zu viel Not und Leid führen. Ein solches wiederkehrendes Ereignis ist für die Region so prägend, dass es einen eigenen Namen bekommen hat: Dsud (andere Schreibweise: Dzud, engl: zud). Dieser Begriff beschreibt außergewöhnlich harte Winterbedingungen, die zwischen Oktober und Mai auftreten und zu fehlenden Weidemöglichkeiten führen können. Die Tiere der Nomaden werden dabei von Tag zu Tag schwächer und sterben zwangsläufig an Erschöpfung, Verhungern oder durch Erfrieren. Nicht selten kommt es dabei zu einem Massensterben.

Allerdings gibt es mehrere Ausprägungen des Dsud. Beim sogenannten „Weißen Dsud“ fällt so viel Schnee, dass die Tiere nicht mehr an das Steppengras herankommen können. Besonders erschwerend kann dabei der Windeinfluss sein, der die Schneeoberfläche verdichtet. Betrifft dieses Ereignis nur eine kleine Region, können die Hirtenfamilien mit den Tieren noch in ein anderes Gebiet ziehen. Ein großflächiges Auftreten von großen Schneemengen kann demgegenüber aber zu sehr schwerwiegenden Folgen führen. Ebenfalls gefürchtet ist der „Eis-Dsud“, bei dem die (Schnee-) Oberfläche von einer Eisschicht überzogen wird. Dies passiert einerseits durch einen Kaltlufteinbruch nach einer Schmelzperiode oder durch gefrierenden Regen. Doch auch der Mangel an Schnee kann zu Problemen führen: Beim schwarzen Dsud führt die fehlende Isolation des Schnees zu einem Gefrieren der Wasserläufe. Durch damit nicht mehr gewährleistete Wasserversorgung können Mensch und Tier rasch in Not geraten. Der kalte Dsud ist dagegen klassisch durch sehr tiefe Temperaturen charakterisiert. Extrem niedrige Temperaturen und starker eisiger Wind hindern Tiere am Grasen. Zudem verbrauchen diese einen Großteil ihrer Energie um ihre Körperwärme aufrecht zu erhalten.

DWD Extremwetter abseits des Scheinwerferlichts 1

Besonders nachteilig wirken sich aber auch vorangehende, sehr trockene Sommer aus. Langanhaltende Dürre führt schon vor dem Winter zu einer schlechten Nährstoffversorgung der Schafe und Ziegen, damit gehen diese mit einem nicht ausreichenden Gesundheitszustand in die kalte Jahreszeit. Außerdem hindert Dürre die Hirten bei der Anlegung von Futterreserven als Wintervorsorge. Zudem können auch Überweidung (zu viele Tiere auf engem Raum) und nachfolgende Versteppung der Landschaft zu Problemen bei der Futterbeschaffung führen.

Während historisch gesehen etwa alle 10 Jahre ein Dsud auftrat, sanken die Abstände in der letzten Zeit auf wenige Jahre, teils gab es mehrere solcher Extremwinter hintereinander. Wenn man bedenkt, dass Mensch und Tier etwa 5 bis 10 Jahre benötigen sich davon zu erholen, kann diese Entwicklung zu einer substantiellen Bedrohung der nomadischen Lebensweise führen. Beispielsweise waren nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF) im Winter 2023/24 über 258.000 Menschen – darunter über 100.000 Kinder – von den Auswirkungen des Dsud betroffen, da neben den landwirtschaftlichen Einschränkungen auch die Straßen durch starken Schneefall blockiert wurden und Kinder keinen Zugang zu lebenswichtigen Gesundheits-, Ernährungs-, Bildungs- und Sozialdiensten hatten. Die Anzahl der ums Leben gekommenen Tiere wird mit etwa 1,5 Millionen geschätzt (staatlichen Notstandskommission). Zudem explodierten die Futterpreise mit gravierenden finanziellen Folgen für die Hirten.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2024
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Im März weiterhin zu nass?

Mehr als 150 % des im klimatologischen Mittel zu erwartenden Niederschlags sind im Februar gefallen. In einigen Staulagen der Mittelgebirge kamen über 200 Liter pro Quadratmeter (kurz l/m²) zusammen. Im brandenburgischen Manschnow fielen dagegen nur rund 72 l/m², im thüringischen Ellrich-Werna 108 l/m². Diese Niederschlagsmengen machten jedoch an den jeweiligen Stationen mehr als 370 % des Niederschlagssolls im Monat Februar aus! Kurzum: Es war ein nasses Ende eines nassen Winters. Aber wie geht es denn im März weiter? Startet der Frühling genauso nass, wie der Winter aufgehört hat?

Im Gegensatz zu den Messungen der Wetterstationen, bei denen es sich lediglich um sogenannte Punktmessungen handelt, lassen sich die bislang im März gefallenen Niederschlagsmengen mithilfe von Radardaten recht gut abschätzen. Diese bieten den Vorteil, dass sie auch in der Fläche verfügbar sind. So werden auch lokal eng begrenzte Unterschiede sichtbar. Zusätzlich kann man die Radardaten mit den Messwerten der Stationen aus dem DWD-Messnetz kombinieren, sodass die Abschätzung noch etwas genauer wird.

Betrachtet man sich die Niederschlagsmenge, die seit Monatsbeginn (01. März) in Deutschland gefallen ist, so fällt ein starkes Südwest-Nordost-Gefälle auf („absolute Gesamtniederschlagsmenge“; siehe Abbildung 1). Während der Südwesten vorwiegend in den Farben Grün bis Gelb und Rot eingefärbt ist, weist der Nordosten teils gar keine Signale auf. Am regenreichsten war es bisher im März somit im Südwesten Deutschlands. Insbesondere im Schwarzwald kamen bis heute rund 90 l/m² zusammen. Im Norden und Osten gibt es hingegen kaum Signale für Niederschlag. Dort fiel der Frühlingsanfang also weitgehend trocken aus.

DWD Im Maerz weiterhin zu nass

Um die Niederschlagsmengen nun besser interpretieren zu können („Welche Niederschlagssummen sind viel für die Region und Jahreszeit, welche wenig?“), setzt man sie in einen klimatologischen Kontext. Dabei werden die aktuell gemessenen Daten mit den bis zum Analysetag (Donnerstag, 14.03.2024) mittleren langjährigen Niederschlagsmengen von 1991 bis 2020 verglichen. Entsprechend erhält man bei der relativen Betrachtung eine Prozentzahl, wobei Werte unter 100 % ein Niederschlagsdefizit (rote bis türkise Flächen) beschreiben, Werte über 100 % (dunkelblaue bis violette und weiße Flächen) stellen eine zu nasse Witterung dar. Die blauen Flächen repräsentieren hingegen Regionen, in denen die Niederschläge ungefähr der im Mittel zu erwartenden Menge entsprechen („relative Gesamtniederschlagsmenge“; siehe Abbildung 2).

DWD Im Maerz weiterhin zu nass 1

Auch in dieser Grafik bestätigt sich das Südwest-Nordost-Gefälle. Wenig verwunderlich sind die dargestellten Werte im Norden gebietsweise bei 0 % (rot). Im Westen und Südwesten wurden meist 30 bis 70 % des Niederschlagssolls erreicht. Regional liegt die relative Gesamtniederschlagsmenge allerdings auch bereits um bzw. über 100 %, wie zum Beispiel in einigen Weststaulagen des Schwarzwalds sowie in Oberschwaben.

DWD Im Maerz weiterhin zu nass 2

Nachdem der heutige Donnerstag frühlingshaft mild und weitgehend trocken ausfällt, gestaltet sich das Wetter in den kommenden Tagen wieder wechselhafter. In vielen Regionen fällt zeitweise etwas Regen, der von kurzen Phasen mit Zwischenhocheinfluss unterbrochen wird. Abbildung 3 zeigt die Vorhersage der akkumulierten Niederschlagsmengen bis nächsten Donnerstag, den 21.03.2024 der Wettermodelle ICON (deutsches Modell), IFS (europäisches Modell) und GFS (amerikanisches Modell). Insbesondere der äußerste Süden steht dabei im Fokus. Am Stau der Alpen sowie im Südschwarzwald sind – je nach Wettermodell – 40 bis 60 l/m² möglich. Unschwer zu erkennen gibt es zum aktuellen Zeitpunkt aber noch einige Unsicherheiten in den Modellprognosen. Im Allgäu beispielsweise sind ICON zufolge auch bis zu 80 l/m² möglich. Sonst werden im Nordwesten sowie im Stau der Mittelgebirge meist 10 bis 30 l/m² simuliert. Im Osten und Nordosten liegen die vorhergesagten Niederschlagsmengen meist unter 10 l/m². Dies könnte das Südwest-Nordost-Gefälle somit noch etwas verschärfen.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2024
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Saharastaub und Wolken – eine optisch sehr ansprechende Kombination

Beim Blick auf das Satellitenbild am heutigen Mittwochmorgen stieß einem eine Wolkenformation über Osteuropa förmlich ins Auge. Eine Wolkenspirale mit einer Art Rippenmuster – jetzt schon Anwärter auf das optische Highlight des Tages! Oder was meinen Sie beim Anblick von Abbildung 1? Dahinter steckt die Einbindung von Saharastaub in die Luftzirkulation.

DWD Saharastaub und Wolken eine optisch sehr ansprechende Kombination

Bei bestimmten Strömungsverhältnissen können große Mengen Staub in der Sahara aufgewirbelt werden und in der Troposphäre bis etwa 10 Kilometern Höhe quer über den Globus verteilt werden. Es handelt sich dabei um Mineralstaub, also winzig kleine Schwebeteilchen, sogenannte „Aerosole“. Diese Teilchen sind hygroskopisch. Das bedeutet, dass sie als Kondensationskeime dienen. Wasserdampf aus der Luft kann an den Teilchen also zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Wenn durch den zusätzlichen Eintrag von Saharastaub nun mehr hygroskopische Aerosole in die Luft gelangen, kann dadurch die Wolkenbildung angeregt werden.

Nicht selten führen Saharastaubereignisse zu Bildung dichter Schleierwolken, die den Himmel stark eintrüben können. Was für uns also statt eitel Sonnenschein Tristesse bedeuten kann, ist aus Sicht der Meteorologen durchaus problematisch. Denn bis heute haben die Wettermodelle so ihre Schwierigkeiten mit der Vorhersage dieser „staubgeschwängerten“ Bewölkung. Daher gab und gibt es auch beim Deutschen Wetterdienst intensive Forschungsarbeiten in dieser Thematik. In Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat der DWD in der Folge ein Modellsystem entwickelt, das den Mineralstaub als prognostische Größe behandelt und auch aktuelle Staubausbrüche in der Vorhersage berücksichtigt, das sogenannte ICON-ART. In Abbildung 2 sieht man eine Berechnung der sogenannten optischen Dicke für heute früh 6 UTC. Die optische Dicke beschreibt grob gesagt die Trübung der Atmosphäre durch Mineralstaub. In der Abbildung lässt sich dadurch schön der Transport von Mineralstaub aus Nordafrika in einem Bogen über die Türkei, das Schwarze Meer und die Ukraine bis nach Polen und tatsächlich auch in die Osthälfte Deutschlands nachvollziehen. Zudem findet sich ein Maximum der Optischen Dicke genau in dem Bereich, wo sich im Satellitenbild das Rippenmuster präsentierte.

DWD Saharastaub und Wolken eine optisch sehr ansprechende Kombination 1

Apropos Rippenmuster: Tatsächlich gibt es für seine Entstehung mehrere Theorien, wobei wir uns hier auf die verbreitetste beschränken wollen. Dafür muss man wissen, dass Aerosole nicht nur die Wolkenbildung fördern, sondern auch einen direkten Einfluss auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre haben. Offenkundig ist, dass in der Troposphäre befindlicher Mineralstaub weniger kurzwellige Sonnenstrahlung zum Erdboden durchlässt und dafür sorgt, dass es dort kühler ist. Doch was passiert mit der Sonnenstrahlung, die nicht bis zum Erdboden durchkommt? Nun, ein Teil wird direkt zurück in Richtung Weltraum reflektiert. Der andere Teil wird absorbiert und in langwellige Wärmestrahlung umgewandelt. Diese führt zu einer Erwärmung im Bereich des Staubes beziehungsweise der damit in Verbindung stehenden Wolkendecke. Die Temperatur nimmt also mit der Höhe weniger stark ab. Die Veränderung des Strahlungshaushaltes durch den Staub führt tagsüber daher zu stabileren Verhältnissen im Bereich der Wolkendecke (siehe Abbildung 3 links).

DWD Saharastaub und Wolken eine optisch sehr ansprechende Kombination 2

Wenn die Sonne abends untergeht, wird die Wärme nach oben in Richtung Weltraum abgegeben. Die Wolkendecke kühlt insbesondere an ihrer Oberseite demnach stärker ab. Das wiederum führt zu einer langsamen Labilisierung, also einer zunehmend starken Temperaturabnahme mit der Höhe. Bei labilen Verhältnissen ist ein Luftpaket, das aus der Wolkendecke nach oben steigt, stets wärmer und damit leichter als seine Umgebung. Es bekommt damit wie ein heliumgefüllter Luftballon Auftrieb und steigt ungehindert weiter nach oben. An seinen Flanken kommt es zu einer ausgleichenden Abwärtsbewegung von Luft (siehe Abbildung 3 rechts). Das Resultat ist eine mehr oder weniger gleichmäßige Wellenform an der Oberseite der Wolkendecke, die vom Satelliten aus gesehen wie ein Rippenmuster erscheinen kann. Wenn die Sonne nun wieder aufgeht und sich die Luftschichtung stabilisiert, geht das zumindest vom Weltraum aus schön anzusehende Rippenmuster allmählich wieder verloren.

Dipl.-Met. Adrian Leyser und Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.03.2024
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Am Donnerstag erstmals 20 Grad?

Nach einem rekordmilden Februar verläuft auch der diesjährige März deutlich zu mild für die Jahreszeit. Umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass die 20-Grad-Marke bisher unerreicht blieb. Knapp war es am vergangenen Sonntag (10. März), als in Rosenheim in Oberbayern 19,5 °C registriert worden sind. Da hatte allerdings der Föhn seine Finger im Spiel. Diese Temperatur markiert den bisherigen Höchstwert des Jahres 2024.

Nachdem der Start in die neue Woche eher durchwachsen und mäßig mild verlief, macht sich in der zweiten Wochenhälfte ein neuer Schwall subtropischer Warmluft aus Südwesteuropa auf den Weg zu uns. Insbesondere der Donnerstag und Freitag (14./15. März) werden vielerorts frühlingshaft mild. Das statistische DWD-Modell „MOS-MIX“ (siehe Abbildung 1) prognostiziert für den Oberrhein am Donnerstag tatsächlich erstmals in diesem Jahr Höchsttemperaturen von 20 oder gar 21 °C, mit freundlicher Unterstützung von reichlich Sonnenschein. Am Freitag setzt sich wieder Tiefdruckeinfluss durch und die Sonnenausbeute nimmt ab, dennoch tauchen in den MOS-MIX-Vorhersagen erneut Höchstwerte von knapp 20 °C auf, diesmal bevorzugt an der Saale und in der Lausitz. Am Wochenende setzt sich bei fortwährendem Tiefdruckeinfluss dann wieder etwas kühlere Luft durch, sodass die „Frühlingsmarke“ von 20 °C wieder in die Ferne rückt.

DWD Am Donnerstag erstmals 20 Grad

Nun stellt sich die Frage, ob wir im Hinblick auf das Erreichen der 20-Grad-Marke in diesem Jahr etwas spät dran sind. Exemplarisch für den eher „wärmeverwöhnten“ Oberrheingraben werden in Abbildung 2 die Daten des ersten Auftretens von mindestens 20 °C in Freiburg dargestellt. Was sofort auffällt ist die enorme Volatilität des Zeitpunktes. Teilweise überstieg das Quecksilber 20 °C schon im Februar, nicht selten aber auch erst im Laufe des Aprils. Im Mittel des Klimareferenzzeitraumes von 1961 bis 1990 durfte man sich am 4. April erstmal über 20 °C freuen, im vieljährigen Mittel von 1991 bis 2020 am 25. März. Sollte es also am Donnerstag (14. März) tatsächlich für 20 °C am Oberrhein reichen, dann liegen wir damit unweit des klimatologischen Erwartungswertes. Das Jahr 2024 ist damit alles andere als ein Spätzünder.

DWD Am Donnerstag erstmals 20 Grad 1

In anderen Regionen Deutschlands – abseits der Wärmehochburgen im Südwesten und am mitunter föhnigen Alpenrand – wartet man teilweise aber noch deutlich länger auf „echte“ Frühlingsluft und 20 Grad. Gerade im höheren Bergland und unmittelbar an der Küste kann das nicht selten auch bis weit in den Mai hinein dauern. Nicht umsonst bezeichnet man den Frühling auch als Übergangsjahreszeit, in der temperaturtechnisch viel möglich ist zwischen noch winterlichem und schon fast frühsommerlichem Wetter.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.03.2024
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Nach einem teilweise nassen Wochenbeginn ab der Wochenmitte wahrscheinlich trockener und frühlingshaft mild

Die neue Woche beginnt im Westen Deutschlands grau in grau und regnerisch. Verantwortlich dafür ist Tief ELFI II mit Kern über Holland. Das kleinräumige Tief ist in einem umfangreichen Tiefdruckkomplex mit mehreren Drehzentren (Tief ELFI I int. MONICA mit Kern in der Nähe Korsikas und ELFI III mit Kern über Serbien) eingebettet, das weite Teile Mittel- und Südeuropas beeinflussen. Zudem hat der Tiefdruckkomplex für heftige Niederschläge in Norditalien und Südfrankreich sowie Schneemassen in den Südalpen gesorgt.

DWD Nach einem teilweise nassen Wochenbeginn ab der Wochenmitte wahrscheinlich trockener und fruehlingshaft mild

In den Übrigen Regionen kann man trotz des Tiefdruckeinflusses den Schirm zu Hause lassen und vor allem im Südosten und später auch im Osten scheint sogar zeitweise die Sonne. Eine Ausnahme gibt es allerdings direkt an den Alpen, wo gegen Abend etwas Regen, in den Hochlagen Schneefall einsetzt. Die Höchstwerte liegen zwischen 7 Grad im äußersten Norden und 15 Grad an der Donau. Dazu weht im Norden ein mäßiger, an der Küste ein frischer bis starker Ostwind. Im Osten weht der Wind schwach bis mäßig aus Süd bis Südwest und im Süden aus westlichen Richtungen.

In der Nacht zum Dienstag schwächt sich Tief ELFI II ab und zieht langsam zur Nordsee. Entsprechend lassen die anhaltenden Niederschläge im Westen nach. An den Alpen verstärkt sich hingegen der Regen und oberhalb 1200 m fällt Schnee. Ansonsten zeigt sich der Himmel wolkig, teils stark bewölkt und es bleibt niederschlagsfrei. Dabei kann sich örtlich Nebel bilden. Die Tiefstwerte liegen zwischen 7 Grad im Westen und 0 Grad im Osten vor allem bei längerem Aufklaren.

Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch bleibt es im Westen und Südwesten weiterhin zeitweise nass und meist wolkenverhangen trotz des langsamen Anstiegs des Luftdrucks, da das Hoch LARS noch zu weit weg für Deutschland liegt. Ansonsten kommt gebietsweise die Sonne heraus. Die Höchst- und Tiefstwerte ändern sich kaum im Vergleich zum Vortag.

DWD Nach einem teilweise nassen Wochenbeginn ab der Wochenmitte wahrscheinlich trockener und fruehlingshaft mild 1

Am Mittwoch nimmt der Hochdruckeinfluss auch in Deutschland von Südwesten her weiter zu. Die Regenfälle im Südwesten klingen im Tagesverlauf ab und zum Abend hin lockern die Wolken allgemein auf. Die Temperatur erreicht tagsüber Werte zwischen 10 und 15 Grad und nachts 8 Grad im Norden, wo es wolkig bleibt, und bis -2 Grad im Süden bei klarem Himmel. Dort kann sich stellenweise Nebel bilden.

Am Donnerstag scheint unter Hochdruckeinfluss vor allem in der Mitte und im Süden die Sonne. Die nächtlichen Nebelfelder lösen sich dann rasch auf. Wolkiger zeigt sich der Himmel lediglich im Norden des Landes. Es dürfte allerdings trocken bleiben. Mit einer lebhaften südwestlichen Strömung werden deutschlandweit frühlingshafte Temperaturen von 14 bis 20 Grad erreicht.

DWD Nach einem teilweise nassen Wochenbeginn ab der Wochenmitte wahrscheinlich trockener und fruehlingshaft mild 2

Nun fragen sich viele, ob es bis zum Wochenende trocken und so mild weitergeht. Bezüglich der Temperatur ja, denn Deutschland bleibt in der südwestlichen Strömung, in der sehr milde Luftmassen aus Spanien herangeführt werden. Jedoch sorgen schwache Tiefausläufer für einen leichten wechselhaften Wettercharakter. Vor allem am Freitag treten dann nach heutiger Sicht einzelne Schauer oder kurze Gewitter auf.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.03.2024
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Die Tiefs ELFI 1 und 2 bringen zumindest vorübergehend die unbeständige Witterung zurück!

Nach ein paar frühlingshaften Tagen mit recht viel Sonnenschein ist nun wieder Tiefdruckeinfluss am Zug. In diesem Kontext ist die Rede von Tief ELFI, welches die Gabe hat, als eine Art Dipoltief sowohl im Golf von Biskaya als auch über dem Alpenraum einen Schwerpunkt zu bilden. In den Tiefdruckkomplex um ELFI wabert schließlich auch noch ein Tiefausläufer (vgl. Abb. 1).

DWD Die Tiefs ELFI 1 und 2 bringen zumindest voruebergehend die unbestaendige Witterung zurueck

Am heutigen Sonntag spüren die meisten Bürger des Landes aber noch wenig vom aufziehenden Tiefdruckkomplex um ELFI 1 und 2. Vielfach kann die Sonne abgesehen von mehr oder weniger dichten Schleierwolken noch häufiger scheinen. Erst ab dem Mittag schickt ELFI schließlich als Vorhut eines Tiefausläufers dichtere Wolken von Westen und Südwesten her ins Land, die schließlich eine unbeständige Witterungsperiode einläuten. Da auf der Ostflanke von ELFI die Luft direkt aus dem zentralen Mittelmeerraum herumgeholt bis nach Deutschland gelangt, sind die Temperaturen für die Jahreszeit weiter ungewöhnlich warm. Mit Föhnunterstützung am östlichen Alpenrand sind Höchstwerte bis 20 Grad möglich, aber auch sonst muss man bei meist zweistelligen Werten nicht frieren. Nur im Küstenumfeld, wo die noch kühle See die Temperaturen dämpft, fühlt es sich bei einem stark böigen Ostwind doch sehr frisch an. Resultierend liegen die aktuellen positiven Abweichungen ausgewählter Städte in Deutschland zwischen 1,7 und 3,8 Grad. In der Fläche werden derzeit im Vergleich zum vieljährigen Mittel von 1991 bis 2010 eine positive Anomalie von rund 2,4 Grad verzeichnet (vgl. Abb. 2).

DWD Die Tiefs ELFI 1 und 2 bringen zumindest voruebergehend die unbestaendige Witterung zurueck 1

Zum Wochenstart am Montag und Dienstag schwingt dann Tief ELFI den Löffel in der Wetterküche Deutschlands. Dabei erhält sie aber auch Unterstützung aus höheren Luftschichten. Somit muss in weiten Teilen Deutschlands wieder mit Regen gerechnet werden. Vor allem im Westen und der Mitte kann es auch kräftiger und länger anhaltend nass bleiben (Dauerregen). Der Osten bekommt dagegen kaum etwas vom ungemütlichen Wetter ELFIs ab. Ab Mittwoch soll sich dann wieder vorübergehend ein Hoch über Mitteleuropa einnisten. Wie stetig dieses ist oder ob ab Freitag von Westen rasch wieder neue Tiefausläufer atlantischer Tiefs auf das Land übergreifen, muss noch abgewartet werden. Zumindest der Donnerstag scheint nach aktuellem Stand nahezu landesweit wieder freundlich und trocken zu sein.

Da kurz- und mittelfristig polare Kaltluft nicht angezapft wird und stattdessen die Luft eher vom Atlantik oder dem westlichen Mittelmeerraum nach Deutschland strömt, bleiben die Temperaturen für die Jahreszeit überdurchschnittlich. In der zweiten Dekade weist z.B. das IFS des europäischen Zentrums für mittelfristige Vorhersagen (ECMWF) eine positive Abweichung von 1 bis 6 Grad aus (vgl. Abb. 3). Auch nach dem GFS bzw. CFSR des National Centers for Environmental Prediction (NCEP) soll es 2 bis 6 Grad zu warm sein (ohne Abb.). Bis Ende März geben die mittel- und langfristigen Modellprognosen im Vergleich zu den typischen klimatischen Bedingungen schließlich einen positiven Temperaturoffset von rund 1 bis 4 Grad an (ohne Abb.). Somit würde sich auch der März in die überdurchschnittlich temperierten Monate einreihen.

DWD Die Tiefs ELFI 1 und 2 bringen zumindest voruebergehend die unbestaendige Witterung zurueck 2

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.03.2024
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Wie wird man Meteorologe?

Die Ausbildung zum Meteorologen besteht entweder aus einem Meteorologiestudium an einer Universität oder man wählt den Weg des dualen Studiums zum FH-Diplommeteorologen an der Hochschule des Bundes. Im Folgenden wird allerdings das Universitätsstudium zum Bachelor bzw. Master of Science beschrieben.

Dieses Studium umfasst verschiedene naturwissenschaftliche Themen und Fächer. Wie viele andere Bachelorstudiengänge besteht auch das Bachelor-Meteorologiestudium aus einem Grundstudium und einem Hauptstudium. Im Grundstudium, welches in der Regel die ersten 3 Semester umfasst, werden die notwendigen mathematischen und physikalischen Grundlagen vermittelt. Zu den physikalischen Grundlagen gehören die Experimentalphysik, die Theoretische Physik und das physikalische Grundpraktikum. Die physikalische Grundausbildung ist vonnöten, da die Meteorologie nichts anderes ist, als die Physik der Atmosphäre.

Nachdem das Grundstudium erfolgreich absolviert wurde, geht es über in das Hauptstudium. Im Hauptstudium werden zunehmend konkrete meteorologische Themen behandelt. Bestandteile sind unter anderem eine kurze Einführung in die Meteorologie und die Klimatologie, sowie Veranstaltungen zur theoretischen, synoptischen und angewandten Meteorologie. Weitere Bestandteile sind die Statistik, die Numerik und die Fernerkundung. Neben den Pflichtmodulen, die jeder Student im Laufe des Studiums belegen muss, gibt es in der Regel die Möglichkeit, sich durch verschiedene Wahlmodule einen eigenen Schwerpunkt zu setzen. Das Angebot orientiert sich dabei häufig an den Forschungsschwerpunkten der jeweiligen Universität.

An einigen Universitäten wird nicht das reine Meteorologiestudium angeboten, sondern ein übergeordnetes Studium, wie die Physik des Erdsystems. In diesem Studiengang gibt es zusätzliche Themenangebote oder es besteht die Möglichkeit im Studienverlauf den Schwerpunkt auf die Meteorologie zu setzen. Weitere Unterschiede zwischen den verschiedenen Standorten liegen, wie bereits erwähnt, in den jeweiligen Forschungsschwerpunkten. Die einen beschäftigen sich zum Beispiel mit den verschiedenen Prozessen in Wolken, die anderen konzentrieren sich auf klimatische Veränderungen in der Arktis oder Antarktis, wieder andere mit Modellierungen oder Fernerkundung. Standorte mit dem Schwerpunkt Wettervorhersage sind leider sehr selten geworden und als Student sollte man auch eine gewisse Leidenschaft für diesen spannenden Themenbereich mitbringen. Bei der Wahl eines geeigneten Studienstandortes können diese Schwerpunkte eine Rolle spielen. Besonders wenn die Forschung von Interesse als Berufsweg ist, bietet es sich an, nach interessanten Themengebieten und Arbeitsgruppen zu schauen. Um einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen, muss an einigen Universitäten ein Pflichtpraktikum durchgeführt werden. Auch beim DWD ist solch ein Praktikum in vielen verschiedenen Bereichen, wie z.B. in der Vorhersage- und Beratungszentrale oder bei Klima und Umwelt möglich.

Viele Meteorologen absolvieren im Anschluss an das Bachelorstudium einen Master, um sich noch weiter zu vertiefen und eine größere Wahl an Berufsmöglichkeiten zu erhalten. Welche Möglichkeiten ihnen dann bevorstehen, wurde im gestrigen Thema des Tages  aufgeführt.

In Deutschland wird in den folgenden Städten ein Hauptstudiengang in Meteorologie (min. Bachelor) angeboten: Berlin, Bonn, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Köln, Leipzig, Mainz, München. Aber auch in Basel, Bern, Innsbruck, Wageningen, Wien und Zürich ist ein deutschsprachiger Meteorologie-Bachelor möglich. Viele der Universitäten bieten ebenfalls einen Masterstudiengang an, sodass die komplette Ausbildung an einem Standort möglich ist.

Dipl.-Met. Marcel Schmid in Zusammenarbeit mit der Praktikantin Maren Schäfers
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2024
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