Sturmtief mit Pokerface

Da braut sich etwas zusammen über dem Atlantik beziehungsweise über dem Süden der Britischen Inseln. Dass es sich dabei um ein Sturmtief handelt, das sich an der Südflanke des umfangreichen Tiefdruckkomplexes VIVIENNE mit Sitz bei Island entwickelt, ist klar. Auch dass dieses Sturmtief den Namen WENCKE (international LOUIS) trägt, im weiteren Verlauf ost- nordostwärts über die Nordsee hinweg zieht und ab dem heutigen Donnerstagabend mit seinem Sturmfeld auf Deutschland übergreift, ist klar. Fraglich ist aber weiterhin, wie die Windentwicklung im Detail ablaufen wird.

Normalerweise sind großräumige Sturmentwicklungen schon ein paar Tage im Voraus relativ gut vorherzusagen. WENCKE lässt sich dagegen nicht so richtig in die Karten schauen. Am gestrigen Mittwoch gab es noch zum Teil sehr große Unterschiede, sowohl zwischen den verschiedenen Modellen, als auch zwischen den einzelnen Vorhersageläufen eines Modells selbst.

Abbildung 1 zeigt bespielhaft zwei Vorhersageläufe des hochauflösenden Modells ICON-D2 von gestern 15 und 21 UTC für die Nacht zum Freitag um 00 UTC (was in etwa den Höhepunkt des Sturms darstellt). Im 15-UTC-Lauf hatte ICON-D2 im Nordwesten noch recht verbreitet schwere Sturm- bis zum Teil sogar Orkanböen ((dunkel-)rot) im Programm, um 21 UTC wollte es davon nichts mehr wissen und zeigte nur noch hier und da schwere Sturmböen und höchstens vereinzelt mal noch eine orkanartige Böe.

DWD Sturmtief mit Pokerface

Noch deutlichere Diskrepanzen zeigte der gestrige 12-UTC-Lauf zwischen den verschiedenen Modellen, wie man in Abbildung 2 sieht. Während ICON 6 im Nordwesten auf orkanartige Böen (Windstärke 11) getrimmt war, zeigte UK10 gerade einmal steife bis stürmische Böen (Windstärke 7 bis 8).

DWD Sturmtief mit Pokerface 1

Mittlerweile scheint man aber das ein oder andere Zucken im Pokerface von WENCKE erkennen zu können. Zumindest haben sich die Modelle etwas angeglichen. Demnach wird es in weiten Teilen des Landes stürmisch, wobei der Schwerpunkt nach aktuellem Stand in der kommenden Nacht zum Freitag im Nordseeumfeld und im Norden von Schleswig-Holstein zu finden sein wird. Böen bis Orkanstärke zwischen 105 und 125 km/h sind dort zu erwarten, wobei auf den Nordseeinseln selbst extreme Orkanböen über 140 km/h nicht ausgeschlossen sind. Südlich angrenzend – etwa vom Emsland und Nordrhein-Westfalen bis zur Ostsee sind vorübergehend schwere Sturmböen bis 100 km/h möglich, vereinzelt sind auch orkanartige Böen um 110 km/h nicht ausgeschlossen. Im höheren Bergland sind ohnehin schwere Sturm- bis Orkanböen zu erwarten, ebenso wie lokal in der Nähe von Gewittern, die sich vor allem im Westen und Nordwesten entwickeln können.

DWD Sturmtief mit Pokerface 2

Bedenkt man, dass die Böden durch die vergangenen Regenfälle zum Teil recht aufgeweicht sind, können schon schwere Sturmböen ausreichen, um den ein oder anderen Baum zu entwurzeln. Das könnte also vor allem in der Nordwesthälfte der Fall sein.

Ansonsten lässt der Wind nach Durchgang der von West nach Ost durchschwenkenden Kaltfront von WENCKE rasch wieder nach, sodass das Ereignis in vielen Regionen meist nur wenige Stunden anhält. Am längsten dauert es im Nordwesten beziehungsweise im Nordseeumfeld, wo man sich relativ nah am Kernbereich des Sturmtiefs befindet. In den Frühstunden des Freitags lässt der Wind aber auch dort mehr und mehr nach.

Ganz in die Knie geht der Wind im Nordseeumfeld allerdings nicht, denn am Freitag bleibt es dort weiterhin stürmisch und auch in der Nordwesthälfte frischt der Wind stark böig auf. Alles aber kein Vergleich zu dem, was uns in der kommenden Nacht zum Freitag bevorsteht.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2024
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Sturm im Paradies?

Schon seit ein paar Tagen beobachten wir im südwestlichen Indischen Ozean ein Tiefdruckgebiet, das sich zu einem kräftigen tropischen Tief entwickelt hat und den Namen ELEANOR trägt. Aktuellen Berechnungen zufolge soll das Tief in der Nacht zum Freitag vorübergehend den Hurrikan-Status erreichen. Dann wird eine Windgeschwindigkeit von mehr als 63 Knoten oder 117 Kilometern pro Stunde erwartet. Auf der Beaufortskala entspricht das Windstärke 11 und 12 (ab 118 Kilometern pro Stunde).

Bisher hielt sich ELEANOR über dem freien Ozean auf und beeinflusste kaum bewohntes Land. Nun aber verlagert es sich nach Süden und zieht am morgigen Donnerstag zwischen den Inseln Rodrigues und Mauritius durch.

DWD Sturm im Paradies

Die Zuggeschwindigkeit beträgt aktuell 7 Knoten (etwa 13 Kilometer pro Stunde). Aus Satellitenbildern wird eine Windgeschwindigkeit von 45 Knoten (83 km/h) mit Böen um 55 Knoten (102 km/h) abgeleitet. Am Donnerstag werden in verschiedenen globalen Wettermodellen Windgeschwindigkeiten rund um das Tief von 50 bis 60 Knoten (etwa 90 bis 110 km/h) simuliert. Dabei ist die Zugbahn leicht unterschiedlich.

Nach dem aktuellen Modelllauf des deterministischen IFS (vom europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage – EZMW) soll ELEANOR etwa 130 Kilometer östlich an Mauritius vorbeiziehen. Dabei können Windböen bis zu 35 Knoten (65 km/h) im östlichen Teil der Insel auftreten. Nach dem DWD-eigenen ICON-Modell zieht das Tief gut 200 km östlich an Mauritius vorbei. Entsprechend geringer ist der Wind, der die Insel am Donnerstagmorgen und -vormittag erreichen soll. Laut Berechnungen liegen die Windböen nur bei 22 Knoten, was in etwa 40 Kilometern pro Stunde entspricht. Die Inseln Réunion (westlich von Mauritius) und Rodrigues (weit östlich von Mauritius) werden vom tropischen Tief nicht unmittelbar beeinflusst.

DWD Sturm im Paradies

Die beiden deterministischen Modelle ICON und IFS deuten aktuell keine gefährliche Sturmlage für Mauritius an. Betrachtet man die Probabilistik, so liegen die Wahrscheinlichkeiten für Böen Beaufort 9 (ab 75 km/h) beim IFS bei 50 bis 60 Prozent für die östliche Inselregion. Für Beaufort 10 erreicht die Wahrscheinlichkeit hingegen kaum noch 30 Prozent. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung des ICON fällt noch geringer aus. Eine ausgewachsene Sturmlage an Land lässt sich also auch in der Proabilistik nicht finden. Wenn man sich allerdings auf dem Meer aufhält, sollte man sich auf hohe Wellen und schweren Sturm einstellen.

DWD Sturm im Paradies 1

Neben Wind bringen tropische Tiefs auch immer recht viel Regen. Im Falle von ELEANOR ist das nicht anders. Allerdings hängt die an Land ankommende Regenmenge ebenfalls stark von der Zugbahn des Tiefs ab. Beim IFS (Modell des EZMW) zieht das Tief im heutigen Modelllauf etwas weiter westlich als gestern noch. Das ICON lässt das Tief bekanntlich weiter östlich durchziehen. Entsprechend unterschiedlich gestaltet sich die Niederschlagsberechnung. Während beim IFS bis Donnerstagabend Regenmengen zwischen 80 und 120 Liter pro Quadratmeter in 36 Stunden fallen können, simuliert das ICON im gleichen Zeitraum nur 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter. Deutlich mehr Regen sieht das US-amerikanische GFS-Modell. Dort werden, bei ähnlicher Zugbahn wie im IFS, Regenmengen zwischen 150 und 200 Litern, im Süden der Insel sogar bis zu 250 Liter prognostiziert.

DWD Sturm im Paradies 2

Die Behörden auf Mauritius stellen sich auf einen Sturm mit kräftigen Regenfällen ein. Man geht derzeit davon aus, dass sowohl Flug- als auch Schiffsverkehr nur eingeschränkt möglich sein werden.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.02.2024
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Nasser Winter

Einleitung – Grauer und nasser Winter

In diesem Winter ist es nicht nur häufig grau gewesen, es ist auch einiges an Regen gefallen. Die Folge war wiederholt Hochwasser: Sicher ist den meisten auch noch das Hochwasser in vielen Landsteilen von Ende Dezember bis in den Januar in Erinnerung. Auch kürzlich sind die Pegel nach einer neuerlichen Dauerregenlage nochmal vielerorts über die Hochwassermarken geklettert.

Veränderung der Niederschläge in den vergangenen Jahrzehnten

Höchste Zeit mal einen kurzen Blick auf den aktuellen Stand des Niederschlags zu werfen. Seit Beginn des meteorologischen Winters hat es im Mittel über ganz Deutschland an 54 von 82 möglichen Tagen geregnet oder in anderen Worten: An zwei von drei Tagen gab es Niederschlag. Interessant sind aber besonders die Niederschlagsmengen.

In der folgenden Grafik sieht man die durchschnittlichen Niederschlagsmengen der Monate Dezember, Januar und Februar und den Gesamtwinter für die zwei Referenzperioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020. Man erkennt, dass die Winterniederschläge im Zeitraum 1991 bis 2020 im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 zugenommen haben. Die Winter sind also im Mittel nasser geworden.

DWD Nasser Winter

Aktueller Winterniederschlag im Vergleich zu Rekorden und den Referenzperioden

Für den aktuellen Winter sind die Niederschläge in Form von roten Linien und die jeweilige Abweichung dazu in Prozent vom Mittel 1991-2020 eingetragen. Für Februar und den Gesamtwinter sind die Mengen nur vorläufig, den auch in den verbleibenden neun Tagen kann noch einiges an Niederschlag fallen.

Man erkennt, dass alle Wintermonate zum Teil deutlich nasser ausgefallen sind, als im vieljährigen Mittel. Das gilt ganz besonders für den Dezember 2023. Im Mittel über ganz Deutschland sind 72 % mehr Niederschlag gefallen als üblich. Dabei waren die Abweichungen im Norden und Osten am höchsten (hier nicht gezeigt). In Brandenburg fiel die doppelte Menge (+100 %), in Sachsen-Anhalt (+125 %) und Niedersachsen (+133 %) war es sogar mehr als die doppelte Monatsmenge im Vergleich zu 1961-1990.

Schaut man auf die Gesamtbilanz des Winters, dann sticht ganz klar das Jahr 1948 (Winter 1947/48) mit 304 l/qm als Flächenmittel über ganz Deutschland hervor. Das war direkt nach dem „Hungerwinter 1946/47“, einem der kältesten Winter in Deutschland seit Aufzeichnungsbeginn. Im Winter 1947/48 war es hingegen deutlich milder und vor allem niederschlagsreich. Ganze 66 % mehr Niederschlag gab es in jener Saison, wobei die größten positiven Anomalien im Süden und Südosten anzutreffen waren. Die Folge war häufiges Hochwasser. Das vor allem den Süden und Südwesten des Landes betraf. So liest man beispielsweise an der Saar von einer „Jahrhunderthochwasser“ zum Jahreswechsel 1947/48. Damals wurde zur Hilfe der Flutopfer sogar eine Briefmarkenserie aufgesetzt. Auch im Osten gab es im März als Folge des nassen Winters ein schweres Hochwasser, an der Oder war es eines der folgenreichsten der Neuzeit. Neben dem Niederschlag war aber auch Treibeis für das Hochwasser verantwortlich.

DWD Nasser Winter

In jedem Fall ist der Winter 1947/48 mit Abstand auf Platz 1, gefolgt von 1993/94 und 1994/95 mit jeweils 278.6 l/qm im Deutschlandmittel. Der derzeitige Winter 2023/24 ordnet sich derzeit auf Platz 6 ein. Es ist aber mit Blick auf die noch zu erwartenden Niederschläge gut möglich, dass er am Ende auf Platz 5 oder 4 ins Ziel läuft.

Räumliche Verteilung der Niederschläge

Schauen wir nun noch auf die räumliche Verteilung. In der Grafik wurde Deutschland dafür nach Bundesländern unterteilt. Es wurde jeweils das Rekordjahr mit der Rekordmenge sowie der aktuelle Stand eingetragen. Man sieht, dass in der Südosthälfte der Winter 1947/1948 das Maß aller Dinge war, während nach Westen und Nordwesten die Winter 1993/1994 bzw. 1994/95 zu Buche schlagen. Daneben tauchen noch die Winter 1986/87 (Sachsen-Anhalt) und 1959/50 (Mecklenburg-Vorpommern) auf.

DWD Nasser Winter 1

Setzt man den aktuellen Winter im Vergleich hinzu, so ist zu erkennen, dass dieser im Süden und Südwesten weit weg von den Rekordwerten entfernt ist. Je weiter man nach Norden und Osten kommt, desto näher rücken die Rekordwerte in Reichweite. In einigen Regionen sind schon jetzt neue Niederschlagsrekorde für den Winterniederschlag zu verzeichnen. In Brandenburg und Niedersachsen wurden die bisherigen Rekorde bereits im Flächenmittel übertroffen. Dort ist es also der nasseste Winter seit Aufzeichnungsbeginn. In Sachsen-Anhalt steht man kurz davor den Rekord zu knacken. In Mecklenburg-Vorpommern wird es knapp.

Entwicklung der Bodenfeuchte

Die großen Niederschlagsmengen haben natürlich dazu geführt, dass sich die Bodenfeuchte deutlich erholt hat. In einigen Regionen stehen aufgrund übersättigter Böden noch immer große Flächen unter Wasser. Auch in tieferen Schichten hat die Dürre in großen Landesteilen ein Ende. Kritisch sieht es allenfalls noch in der Mitte des Landes aus.

DWD Nasser Winter 2

Ausblick

Schauen wir noch kurz auf die Aussichten. Auch in den nächsten Tagen bleibt es unbeständig. Die Prognose der Niederschlagssumme bis Monatsende zeigt, dass in einigen Regionen noch so einige Liter pro Quadratmeter zu den bisherigen gezeigten Mengen noch hinzukommen. Die endgültigen Zahlen folgen dann zum Monatsende.

DWD Nasser Winter 3

Damit wird der Winter 2023/24 nicht nur als einer der mildesten Winter in die Geschichtsbücher eingehen, sondern in einigen Regionen auch als einer der nassesten. Er bestätigt damit den Trend hin zu größeren Niederschlagsmengen in den Wintermonaten.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.02.2024
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Mild, nass, wenig Sonne – alles wie gehabt

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Wetterlage ist eingefahren und bleibt es auch. Weiterhin dominiert mildes und feuchtes Wetter in Deutschland. Schuld daran ist eine rege Tiefdrucktätigkeit über dem Nordatlantik, die eine westliche Strömung induziert, mit der feuchtmilde Atlantikluft nach Mitteleuropa geführt wird. Während das Tief TALISA mit seinen Ausläufern vor allem am heutigen Montagnachmittag und in der kommenden Nacht zum Dienstag die erste Geige spielt, übernimmt in den Folgetagen Tief UTE die Regie. Ein Ableger eines Azorenhochs, schafft es nur im Süden am Dienstag und Mittwoch für eine vorübergehende Wetterberuhigung zu sorgen.

DWD Mild nass wenig Sonne alles wie gehabt

Am heutigen Montag sind Auflockerungen zwar eher selten, aber die Niederschlagsaktivität hält sich zunächst noch in Grenzen. Im Laufe des Nachmittags greifen von Westen und Nordwesten her neue schauerartige Regenfälle auf Deutschland über. Diese verlagern sich in der kommenden Nacht südostwärts. Am Alpenrand sinkt die Schneefallgrenze auf etwa 1000 m ab. Oberhalb davon fallen bis Dienstag verbreitet 5 bis 10, in den Staulagen des Allgäus um 20 cm Neuschnee. Die derzeitige Schneelage ist jedoch im gesamten deutschen Alpenraum sehr dürftig. Lediglich in den Lagen oberhalb von etwa 1500 m liegt oftmals eine kompaktere Schneedecke. In der folgenden Tabelle sind einige Stationen mit den heute Morgen um 07 MESZ gemessenen Schneehöhen aufgelistet.

Station (Höhe über NN) Schneehöhe in cm
Zugspitzplatt (2420 m) 265
Koblat Schneestation (2070 m) 194
Osterfelder (1820 m) 178
Fellhorn (1610 m) 136
Reiteralpe Warsteinhütte (1615 m) 129
Brauneck (1485 m) 108
Wendelstein (1580 m) 108
Tegelberg (1710 m) 81
Möslarnalm (1450 m) 56

Am Dienstag werden die Niederschläge verbreitet schwächer oder klingen ganz ab. Sonnenanbeter kommen aber lediglich im Süden des Landes zumindest zeitweise auf ihre Kosten. Im Norden und in der Mitte bleibt die Wolkendecke hingegen meist dicht. Die dicke Winterjacke kann bei oftmals zweistelligen Höchstwerten jedoch getrost im Schrank gelassen werden.

DWD Mild nass wenig Sonne alles wie gehabt 1

Auch am Mittwoch schaut die Nordhälfte hinsichtlich des Sonnenscheins erneut in die Röhre; ein paar Auflockerungen sind allenfalls in Richtung Ostsee möglich. Anfangs regnet es dabei im Osten noch etwas, sonst sind Tropfen eher die Ausnahme. Südlich einer Linie Schwarzwald – Oberpfälzer Wald gibt es nach Auflösung örtlicher Nebelfelder längere sonnige Abschnitte. Am meisten Sonnenstunden kommen am Alpenrand zusammen. Zum Abend kündigt ein deutlich auflebender Süd- bis Südwestwind im Westen neues Ungemach an. Dann ziehen flächendeckende und schauerartig verstärkte Regenfälle auf.

Der Donnerstag fällt verbreitet ins Wasser. Insbesondere im Südwesten und Westen kann es länger andauernd und in Staulagen auch ergiebig regnen. In der Nacht zum Freitag sinkt die Schneefallgrenze bei nachlassender Niederschlagsaktivität bis in die höheren Mittelgebirgslagen ab. An den Alpen kann es im Verlauf der Nacht bis auf 700 m herab kräftig schneien. Genaue Niederschlagsprognosen müssen noch abgewartet werden. Von der Nacht zum Donnerstag bis zur Nacht zum Freitag werden in weiten Teilen der Südwesthälfte 15 bis 30, in Staulagen 40 bis 60 l/qm prognostiziert. In der Nordosthälfte sowie im äußersten Südosten stehen meist 5 bis 15 l/qm auf der Agenda.

DWD Mild nass wenig Sonne alles wie gehabt 2

Interessant wird die Windentwicklung am Donnerstag und in der darauffolgenden Nacht. In der Westhälfte drohen verbreitet stürmische Böen, eventuell sogar Sturmböen. Ob es im Nordwesten zu schwerem Sturm kommt, muss in den weiteren Modellläufen noch abgewartet werden.

In den weiteren Tagen sickert zwar peu à peu kältere Luft ein und es droht außerdem wieder Nachtfrost, aber ein Wintereinbruch bis ins Tiefland zeichnet sich nicht ab.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.02.2024
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Schon reichlich Pollen unterwegs

Der bisherige Februar 2024 wurde seinem Charakter als eigentlicher „Wintermonat“ überhaupt nicht gerecht. Bereits seit Beginn des Monats entspricht die Witterung in Deutschland eher einem Frühlingsmonat mit Höchstwerten über den langjährigen Werten und Luftfrost war eine Seltenheit bzw. räumlich und zeitlich sehr begrenzt. Es ist daher keine Überraschung, wenn die Natur auf diese äußeren Umstände entsprechend reagiert. Wer mit aufmerksamem Blick durch die Natur wandert, sieht allerorts Krokusse, Schneeglöckchen und Winterlinge. Während diese primär Eiweißquelle für die Insekten sind, stammen die Pollen in der frühlinghaften Luft aber überwiegend von blühenden Bäumen oder Sträuchern wie beispielsweise Hasel, Erle und Pappel.

DWD Schon reichlich Pollen unterwegs

Wenngleich sich viele darüber freuen, wenn der Natur wieder Leben eingehaucht wird und damit das Grau des Winters verschwindet, beginnt für die Allergiker mit der zunehmenden Pollenbelastung eine etwas schwierigere Zeit. Schon im Januar sorgt üblicherweise die Hasel dafür, dass Allergiker die erhöhte Aktivität der Natur in der Nase spüren. Auch nach der diesjährigen Pollenflugstatistik waren in den meisten Bundesländern bereits in der ersten Januarwoche (bzw. in manchen Regionen schon in den letzten Wochen des vergangenen Jahres) erste Haselpollen unterwegs. Nach dem aktuell gültigen Wochenbericht der „Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst“ überschreitet die Belastung an Haselpollen aber bereits ihr Maximum und klingt langsam ab. In höheren Lagen sowie klimatologisch kälteren Regionen kann diese aber durchaus noch sehr relevant sein. Diese erhöhte Haselpollenkonzentration geht jedoch nahtlos in das Maximum der Erlenpollenbelastung über. Nach den aktuellen Vorhersagen des Pollen-Gefahrenindex liegt die Belastung mit Erlenpollen mit Ausnahme des Nordens und Nordwestens heute auf der zweithöchsten Stufe, zum Wochenbeginn geht diese überall etwas zurück.

Nun stellen die Pollen aber nicht nur eine Beeinträchtigung für Allergiker dar, sondern sind in der Natur ein wichtiger Bestandteil verschiedenster Prozesse. Zum einen dienen sie natürlich der Bestäubung der Pflanzen, zum anderen profitieren davon aber auch viele Tiere – insbesondere die Insekten. Pollen bestehen nämlich aus einer Vielzahl an Vitaminen, Enzymen und Fettsäuren sowie besonders aus dem lebensnotwendigen Eiweiß. Wenn Insekten aufgrund der milden Witterung ebenfalls sehr früh aus der Winterruhe erwachen, sind sie auf genau diese Pollenversorgung angewiesen. Untrügliches Zeichen dafür sind die nun wieder vermehrt beobachtbaren Bienen mit Pollenhöschen an ihren Beinen, die mit viel Mühe das wertvolle Eiweiß zu ihrer Behausung tragen.

DWD Schon reichlich Pollen unterwegs 1

DWD Schon reichlich Pollen unterwegs 2

Doch wie geht es nun weiter mit der Pollenbelastung? Zur Beantwortung dieser Frage muss natürlich in erster Linie die Meteorologie betrachtet werden. Die Witterung nimmt nun insgesamt einen wechselhafteren Charakter an. Die Kaltfront von Tief SIMONE II mit Kern über der nördlichen Nordsee überquert am heutigen Sonntag und in der Nacht zum Montag Deutschland von Nordwest nach Südost. Dabei regnet es im Nordwesten bereits am Vormittag und zu Mittag, am späteren Nachmittag zunehmend auch in den mittleren Regionen. Der leichte bis mäßige Regen führt zu einem Auswaschen der Pollen aus der Luft und damit zu einer Reduzierung der Konzentration. In der Südosthälfte kommt dieser Regen erst ab dem Abend sowie in der Nacht zum Montag an, sodass dort noch der erhöhte Pollenflug-Gefahrenindex resultiert. Der Montag verläuft wechselhaft mit einzelnen Schauern, am Dienstag wird es von Westen und Nordwesten her zunehmend trocken. Mit diesem wechselhaften Charakter geht es auch am Mittwoch weiter. Für die Jahreszeit bleibt es aber jedenfalls zu mild.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri ( Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.02.2024
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Julianenflut

Winterzeit ist Sturmzeit. Das liegt daran, dass sich zum Winterhalbjahr mit abnehmendem Sonnenstand in der Regel starke Temperaturgegensätze zwischen polaren Breiten und den Subtropen aufbauen. Die Natur ist nun bestrebt, mit der Entstehung von Tiefdruckgebieten, die auf der Vorderseite die milden Luftmassen polwärts und rückseitig die kalten Luftmassen südwärts zu transportieren und damit die Gegensätze auszugleichen. Ansonsten würden die Tropen schlicht „überhitzen“ und die Arktis immer kälter werden. Unter Berücksichtigung des Klimawandels gilt das noch immer, wenngleich aus Prognostikerperspektive jüngst häufiger zu beobachten ist, dass sich die Qualität der Luftmassen zur wärmeren Seite verschieben (Kaltluft arktischen Ursprungs ist seltener involviert) und die Zugbahnen der Zyklonen brechen seltener weit nach Süden Richtung Mittelmeer aus. Für die aktuell deutlich zu milde Witterung mit einem überaus aktiven Atlantik, auf dem sich zahlreiche Tiefdruckgebiete tummeln, ist die Sturmneigung an den Deutschen Küsten derzeit überraschend gering.

Dass es an einem 17. Februar auch deutlich anders geht, verrät ein Blick in die Geschichtsbücher. Im Jahre 1164 – und damit vor ziemlich genau 860 Jahren – ereignete sich die erste, konkret überlieferte Sturmflut an der Deutschen Nordseeküste. Sie ging als sogenannte „Julianenflut“ in die Geschichtsbücher ein. Der Name rührt daher, dass der 16. Februar, an dem das Ereignis begann, der Namenstag der Heiligen Juliana von Nikomedia, dem heutigen Izmit bei Istanbul. Als Heilige und Märtyrin der frühen Kirche erlitt sie das Martyrium im Jahre 304. Aufgewachsen in einer heidnischen Familie, die von Religion nicht wissen wollte, wurde sie als bekennende Christin schließlich vom eigenen Vater den Christenverfolgern unter den Kaisern Diokletian und Maximian ausgeliefert und enthauptet nachdem sie die Folter ertragen hatte. Die Verehrung der Heiligen Juliana war im Mittelalter weit verbreitet, besonders in den Niederlanden. Zu dieser Zeit wurde sie Patronin bei Entbindungen und Krankheit.

DWD Julianenflut 1

Im Mittelalter wurden schwere Sturmfluten üblicherweise von klerikalen Würdenträgern beschrieben und von diesen nach dem jeweiligen Tagesheiligen benannt. Damalige Chronisten berichteten übereinstimmend von etwa 20000 Opfern! Auch der Pfarrer Helmold von Bosau/Holstein erwähnt in seiner zwischen 1163 und 1168 entstandenen „Chronica Slavorum“ (Slawenchronik) die hohe Opferzahl. Bis ins ferne Köln sprach sich die Nachricht herum. Die Annalen des am Harz gelegenen Klosters Pöhlde berichten darüber. Dazu seien etliche tausend Nutztiere qualvoll verendet. Ganze Küstengebiete in Friesland und die bis 1932 als Kreis geführte historische Landschaft Hadeln an der unteren Elbe wurden überschwemmt. Im Mündungsgebiet der Jade und der Maade bildeten sich erste Einbrüche, eine Art Vorstufe zum heutigen Jadebusen.

Trotz des um 1100 schon weit vorangeschrittenen Deichbaus an der Küste, konnten die Dämme den Wassermassen nicht standhalten. An vielen Stellen brachen diese, so dass das Wasser ungeschützt ins Hinterland eindringen und zahlreiche Häuser, Stallungen und ganze Ortschaften zerstörten konnte.

Die Julianenflut blieb in Friesland lange unvergessen. Noch 55 Jahre später erwähnte sie der Mönch Emo von Wittewierum. Sein Bericht über die Marcellusflut von 1219 ist die älteste überlieferte Schilderung einer Hochwasserkatastrophe durch einen Augenzeugen: „O Kummer und Betrübnis, zu sehen, wie die Menschen in den Fluten hin und hergeworfen wurden, als wären sie Meeresgetier. Bei dieser Sintflut sind tausende Männer, Frauen und Kinder untergegangen und auch Kirchen sind zerstört worden.“ Erst nach 1200 schützte eine durchgehende Deichlinie die Küsten zwischen Westfriesland und Dänemark. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass immer wieder ganze Landstriche in den Fluten versanken.

Wie es der Zufall wollte, brach die Große Sturmflut von 1962 ebenfalls an einem 17. Februar über die deutsche Nordseeküste herein. Insgesamt gab es dabei 340 Todesopfer, davon 315 in Hamburg, das außergewöhnlich schwer betroffen war. Der Pegel in St. Pauli stieg auf 5,70 Meter über Normalnull, so hoch wie nie zuvor. Hamburgs Binnendeiche brachen an 60 Stellen, 200 Millionen Kubikmeter Wasser überfluteten Marschen und tiefer liegende Stadtviertel. Ein Sechstel Hamburgs meldete: Land unter! Marode, technisch veraltete und zu niedrige, an den Hochwasserpegeln des 19. Jahrhunderts bemessene Deiche waren die Ursache für die Katastrophe. Seitdem ist viel passiert, wurde das Küstenschutzkonzept neu ausgerichtet. Heutzutage sind die Deiche stabiler und höher, einen 100-prozentigen Schutz können aber auch sie nicht garantieren.

DWD Julianenflut

Ein derart schweres Sturmereignis droht in den kommenden Tagen glücklicherweise nicht. Zwar ist es an der Nordsee jahreszeitenüblich zeitweise sehr windig, von wahrhaftig stürmischen Zeiten kann aber keine Rede sein. Erst zur Mitte der nächsten Woche könnte sich ein (voraussichtlich kleineres) Sturmevent anbahnen, dann aber mit Winden aus südlichen Richtungen und damit für den Großteil der Nordseeküste weniger dramatisch. Ein derart schweres Sturmereignis droht in den kommenden Tagen glücklicherweise nicht. Zwar ist es an der Nordsee jahreszeitenüblich zeitweise sehr windig, von wahrhaftig stürmischen Zeiten kann aber keine Rede sein. Erst zur Mitte der nächsten Woche könnte sich ein (voraussichtlich kleineres) Sturmevent anbahnen, dann aber mit Winden aus südlichen Richtungen und damit für den Großteil der Nordseeküste weniger dramatisch.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.02.2024
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Weiter mild – wo steckt der Winter?

Dass es für die Jahreszeit viel zu warm ist, wurde ja in den vergangenen Tagen auch hier im Thema des Tages schon ausreichend beschrieben. Ein weiteres Kapitel zu dieser Geschichte hat die vergangene Nacht hinzugefügt. Denn die war im Westen von außergewöhnlich hohen Minimumtemperaturen geprägt.

Um die nächtlichen Tiefsttemperaturen zu ermitteln, wird in der Regel ein Zeitraum von 18 Uhr UTC bis 06 Uhr UTC des Folgetages gewählt (UTC = koordinierte Weltzeit). Dies entspricht in Mitteleuropa und damit auch in Deutschland im Winter einem Zeitraum von 19 Uhr bis 07 Uhr MEZ.

Insbesondere im Frühwinter, wenn die Tage recht kurz sind, kann sich dabei das Problem ergeben, dass die tiefsten Temperaturen der Nacht erst nach 07 Uhr MEZ auftreten. Sie werden somit in dem betrachteten Zeitfenster nicht erfasst. Damit ist die Angabe der Tiefsttemperatur für das Zeitfenster zwar korrekt, es ist aber eben nicht die tiefste Temperatur der gesamten Nacht. Diese wird dann dem frühen Vormittag zugeschlagen und purzelt somit aus dem betrachteten Zeitraum heraus (wie in Abbildung 1, in welcher der „Tiefstwert 2“ kleiner ist als der „Tiefstwert 1“, der der tiefsten Temperatur des Zeitfensters 18 Uhr bis 06 Uhr entspricht).

DWD Weiter mild wo steckt der Winter

Will man, beispielsweise bei klimatologischen Betrachtungen, die tiefsten Temperaturwerte ermitteln, so ist das hier skizzierte Problem recht einfach zu lösen. Denn der Wert, für den man sich interessiert, wird dann in der Regel als Tiefstwert dem folgenden Zeitraum 06 Uhr bis 18 Uhr zugeschlagen. Er geht also nicht verloren.

Problematischer und richtig knifflig wird es, wenn man aus einem Pool von Minimalwerten, die man jeweils in den Zeiträumen von 06 Uhr bis 18 Uhr und von 18 Uhr bis 06 Uhr ermittelt hat, den höchsten herausfiltern will. Würde man so vorgehen, dann wäre in der Abbildung 1 der „Tiefstwert 1“ das höchste Minimum. Denn es rutscht als niedrigster Wert des Zeitfensters 18 Uhr bis 06 Uhr mit in die Auswertung – und behält dort gegen den eigentlichen tiefsten Wert der Nacht, den „Tiefstwert 2“, die Oberhand. Das Problem ist, dass der „Tiefstwert 1“ nur durch die Zerlegung der Temperaturkurve zu einem Tiefstwert wird, er aber mit Blick auf die gesamte Temperaturkurve überhaupt keinen Tiefstwert darstellt. Ein Lösungsansatz für dieses Problem ist ein sogenanntes 15-Stunden-Minimum, bei dem die gesamte Temperaturentwicklung des Morgens Berücksichtigung findet.

DWD Weiter mild wo steckt der Winter 1

Die folgenden Aussagen sind, entsprechend dem oben gesamten, unter dem Vorbehalt einer abschließenden Prüfung zu sehen. Es ist aber sicher, dass die Tiefstwerte der vergangenen Nacht außergewöhnlich mild ausgefallen sind. Dies zeigt auch die Abbildung 2, in welcher die Tiefstwerte des Zeitraums Donnerstag, 15.02.2024, 18 UTC bis Freitag, 16.02.2024, 06 UTC dargestellt sind. Die Frage, ob dies tatsächlich die Minima der Nacht gewesen sind, soll hier offengelassen werden. Klar ist aber, dass die tatsächlichen Tiefstwerte, wenn überhaupt, kaum tiefer gelegen haben dürften. Sowohl in Duisburg als auch in Bochum lagen die Werte bei 12,7 Grad, kaum kühler war es mit 12,6 Grad in Essen (rote Markierung). Wer jetzt auf die städtische (Ruhrgebiets-) Wärmeinsel verweist, der findet etwas weiter östlich in Werl sogar eine Messung 12,9 Grad (ebenfalls rot markiert, Abbildung 2).

DWD Weiter mild wo steckt der Winter 2

Dass das nicht winterlich ist, darüber muss man nicht diskutieren. Aber wo steckt der Winter denn dann? Beispielsweise in Skandinavien. Die Abbildung 3 zeigt links die aktuellen Schneehöhen in Europas Norden. Im Skandinavischen Gebirge liegen vereinzelt bis zu zwei Meter Schnee, ansonsten sind es meist 50 bis 100 cm. Auf der rechten Seite sind die erwarteten Höchstwerte für den morgigen Samstag abgebildet. Im Süden Skandinaviens bleibt es frostfrei, dort bekommt man auch ein wenig von der milden Atlantikluft ab, die uns die aktuell milde Phase beschert. Im Norden und der Mitte steht dagegen Dauerfrost auf der Agenda, die tiefsten Temperaturen werden dabei einerseits in den Skandinavischen Alpen, andererseits im Norden erwartet, wo die Tageslänge mit knapp 8 Stunden (z. B. Tromsö in Nordnorwegen) weiterhin sehr bescheiden ausfällt.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.02.2024
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Frühling im Februar – und dann?

Bereits in den letzten Themen des Tages (14.02.24, 12.02.24) wurde über die ungewöhnlich milde Witterung berichtet. An der dort beschriebenen Situation hat sich auch bis heute nichts verändert. Am heutigen Donnerstag (15.02.24) werden Temperaturen von bis zu 18 °C entlang des Rheins erreicht.

Verantwortlich dafür ist Tief „Rixa” vor Irland, das auf seiner Vorderseite sehr milde und feuchte Luft aus Südwesten zu uns schaufelt. In diesem Sinne ist es auch wichtig zu wissen, dass unter einem ausgedehnten Hochdruckgürtel über Südwesteuropa die Temperaturen in den letzten Tagen und gar Wochen sukzessive ansteigen konnten. Zwischenzeitlich führte dies auch in Spanien zu Temperaturrekorden, bei denen die Höchstwerte bei deutlich über 30 °C lagen. Diese dort immer noch vorhandene Luftmasse wird nun zu uns nach Deutschland geführt und sorgt auch hier für äußerst milde und frühlingshaft anmutende Verhältnisse.

Der Höhepunkt dieser „Wärmewelle” wird am morgigen Freitag (16.02.24) erreicht. Die höchsten Temperaturmaxima werden dabei in Mitteldeutschland erwartet. Vor allem mit leichter Föhnunterstützung entlang des Nordharzes sowie im Saaletal rund um Jena – durch die Tallage bedingt ein klassischer „Hotspot” – sind die höchsten Temperaturen zu erwarten. Diese liegen voraussichtlich bei etwa 18 °C bis 19 °C. Auch das Erreichen der Marke von 20 °C lässt sich nicht ganz ausschließen, aber dafür muss schon alles passen. Danach sieht es allerdings momentan nicht aus, denn voraussichtlich bleibt die Bewölkung dort relativ dicht, auch einzelne kurze Schauer sind möglich.

Apropos Regen: Im Westen reicht es schon nicht mehr für die ganz warmen Temperaturen. Hier kommt Tief „Rixa” erneut ins Spiel, deren Kaltfront bereits ab den Mittagsstunden hereinzieht und erneut für Regen sorgt. Mit Durchzug der Front erfolgt ein Luftmassenwechsel hin zu nicht mehr ganz so warmer, aber immer noch recht milder Atlantikluft. Bis in die Nacht zum Samstag hinein überquert die Kaltfront Deutschland und erreicht schließlich den äußersten Südosten und die Alpen. Insbesondere in letzteren regnet es dadurch länger anhaltend. Besonders das Allgäu bekommt erneut viel vom Nass von oben ab. Für Schnee reicht es wahrscheinlich trotzdem erst in Lagen oberhalb von 1000 bis 1500 Metern.

DWD Fruehling im Februar – und dann

Am Samstag selbst bleibt es zur Abwechslung mal relativ trocken. Allerdings hält sich weiterhin dichte, teils sogar trübe Bewölkung. Mit der eingeflossenen, etwas kühleren Luft steigen die Tagestemperaturen nun bei weitem nicht mehr so an wie an den Vortagen, aber mit 7 °C bis 14 °C bleibt es auch weiterhin relativ mild für die Jahreszeit. Am Sonntag erreicht anschließend bereits der nächste Tiefausläufer den Westen Deutschlands und zieht anschließend weiter ostwärts. Erneut regnet es verbreitet und teils über viele Stunden anhaltend.

Auch die neue Woche beginnt ziemlich unbeständig mit Schauern im Westen. Im Osten kann es dagegen zwischenzeitlich auflockern, bevor es auch dort wieder anfängt zu regnen. Diese Witterung setzt sich auch in den Tagen darauf fort, wobei die Temperaturen bis zur Wochenmitte langsam, aber beständig immer weiter zurückgehen. Dann werden nur noch in wenigen Regionen Werte von über 10 °C erreicht, meistens bleiben die Temperaturen im einstelligen Bereich.

DWD Fruehling im Februar – und dann 1

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Ungewöhnliche Februarwärme

In den nächsten Tagen bis einschließlich Freitag (16.2.) ereignet sich der nächste markante Vorstoß sehr milder Luftmassen nach Deutschland. Es ist nicht der erste in diesem Februar und es erhärtet sich der Verdacht, dass der Monat wieder einmal zu den wärmsten seiner Zunft werden könnte. Anlässlich des heutigen Bergfestes wollen wir mal schauen, wo wir zur Hälfte des Monats tatsächlich stehen.

Die Großwetterlage im Februar ist im Wesentlichen geprägt von einer aktiven Westdrift. Dabei kann sich zwischen hohem Luftdruck über Südeuropa und Tiefdruckgebieten über Nord- und Westeuropa eine zumeist westliche bis südwestliche Strömung einstellen, mit der mal mehr, mal weniger milde Atlantikluft zu uns nach Mitteleuropa gelangt (siehe Abbildung 1). Nur der Norden und Nordosten kam zu Beginn des Monats vorübergehend in den „Genuss“ deutlich kälterer Luft. Der maritime, wolkenreiche Charakter der Luftmasse führte zudem dazu, dass es in den Nächten kaum auskühlen konnte. Es liegt also nahe, dass wir es in jeglicher Hinsicht mit überdurchschnittlichen Temperaturen zu tun haben – und der Schein trügt nicht!

DWD Ungewoehnliche Februarwaerme

Abbildung 2 zeigt den über alle Stationen in Deutschland gemittelten Verlauf von Höchst- und Tiefsttemperatur sowie den des Tagesmittelwertes bis einschließlich Dienstag, den 13.2. Um die Messwerte einschätzen zu können, werden die Messungen mit den vieljährigen Mittelwerten des
Zeitraumes 1991-2020 verglichen.

Alle drei Kurven liegen bisher über den kompletten Monat deutlich über den Referenzwerten. Die gemessenen Tiefsttemperaturen entsprechen in etwa den Höchsttemperaturen, die auf Grundlage der Klimamittelwerte eigentlich zu dieser Jahreszeit zu erwarten wären! Auffällig sind die beiden „Wärmewellen“ zwischen dem 3. und 5.2. sowie um den 9. und 10.2. herum. Bezeichnend ist, dass selbst in den Temperaturtälern nicht annähernd Normalwerte erreicht werden. Der nächste „Buckel“ der kommenden Wärmewelle zeichnet sich in den Vorhersagen sogar noch weitaus stärker im Temperaturverlauf ab, als die vorherigen.

DWD Ungewoehnliche Februarwaerme 1

DWD Ungewoehnliche Februarwaerme 2

Die beständig überdurchschnittlichen Temperaturen führen zu einem anwachsenden „Überschuss“, wie man dem fortlaufenden Temperatur-Monatsmittel in Abbildung 3 entnehmen kann. Es hat sich zwischen 6 und 7 °C eingependelt, was einer Abweichung von 5 bis 6 Kelvin entspricht. Im
Zuge der nächsten Wärmewelle steigt das Mittel sogar nochmal etwas an. Solche Februartemperaturen suchen ihres Gleichen! Die bisher wärmsten Februarmonate datieren aus den Jahren 1990 (Temperaturmittel: 5,7 °C), 2020 (5,3 °C) und 2002 (5,1 °C). Ob es auch am Ende für einen neuen Rekord reicht, ist allerdings noch fraglich, da die Modelle im Laufe der kommenden Woche einen allmählichen Temperaturrückgang zumindest auf Normalwerte andeuten. Um diesen Temperaturüberschuss deutlicher aufzuzehren und den Monat aus den Top-3 zu werfen, bedarf es aber schon einer sehr markanten, mehrtägigen Kaltluftperiode in der zweiten Monatshälfte. Und die ist bisher noch nicht in Sicht.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Heute schon gelacht?

Die Faschings- bzw. Karnevalszeit biegt auf die Zielgerade ein und das Wetter tut zumindest heute alles dafür, damit die letzten Umzüge trocken über die Bühne gehen können. Warme Kostüme braucht man dabei ebenfalls kaum, denn bei 8 bis 12 Grad wird es recht mild. Pünktlich zum morgigen Aschermittwoch nehmen dann auch wieder Tiefdruckgebiete das Zepter in die Hand. Wer frei hat, kann den Tag getrost im Bett oder auf der Couch verbringen, denn verbreitet regnet es aus dichter Bewölkung. Doch damit genug zum aktuellen Wetter. Viel mehr soll der Fokus des heutigen Themas passend zur fünften Jahreszeit auf Wetterwitze und lustige Wettersprüche gelegt werden. Nun ein kleiner Auszug dazu:

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.

Sagt die Ehefrau zu ihrem Mann. „Die Wettervorhersagen stimmen auch nie.“ Da entgegnet ihr Mann: „Die Vorhersagen sind immer korrekt, nur mit dem Datum tun sich die Meteorologen etwas schwer.“

„Was für ein schiet Wetter“, sagt der Delinquent zum Scharfrichter, auf dem Weg zum Schafott. Darauf der Scharfrichter: „Sie haben gut reden, ich muss da gleich wieder zurück!“

Prima, ab morgen kommt auch noch Wind zur Hitze. Quasi wie beim Backofen von Oberhitze auf Umluft umschalten.

„Ach, es ist schrecklich. In meinem Beruf weiß man nie, was der nächste Tag bringt.“
„Was sind Sie denn von Beruf?“ – „Meteorologe.“

Der Wetterbericht ist ein Bericht, der zuweilen vom Wetter berichtigt wird.

Einen Vorteil hat das nasskalte Wetter: Wenn wir morgens das Schlafzimmer lang genug lüften, sterben die Hausstaubmilben an Lungenentzündung.

Die Meteorologen beim Fernsehen verlangen mehr Geld. Der Intendant: „Dann werden die Wettervorhersagen eben gekürzt und die besten Folgen wiederholt!“

Es regnet in Strömen. Der Fußballplatz ist total überschwemmt. Trotzdem soll das Spiel stattfinden. Vor dem Anpfiff fragt der Kapitän seine Mannschaft: „Wollen wir erst mit der Strömung spielen oder dagegen?“

Was tragen Gummibären bei schlechtem Wetter? Gummistiefel.

Das Beste am Winter ist: Man kann sich mal einen Ausrutscher leisten.

Der Immobilienmakler erklärt: „Ich will ganz ehrlich zu Ihnen sein. Dieses Haus hat auch einige Nachteile. Im Norden befindet sich eine Mülldeponie, im Osten ist die Kläranlage, im Süden ist eine Stinktierzucht und im Westen liegt die Fischfabrik.“
„Oh, und welche Vorteile hat dann dieses Haus?“
„Nun ja, Sie wissen immer, aus welcher Richtung der Wind kommt.“

Was macht eine Wolke, wenn es juckt? Sie sucht sich einen Wolkenkratzer.

Sagt der Mond zur Sonne: „Mensch, hast Du ein Glück, morgen schon wieder frei!“

Mitten in der Nacht weckt ein Camper seine Freundin: „Schau dir mal den Himmel, die Sterne und den Mond an, was sagt dir das?“
„Dass wir schönes Wetter bekommen?“
„Also mir sagt es, dass unser Zelt gestohlen wurde.“

Was mich am Regen stört, ist seine Einstellung. Immer so von oben herab.

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst