Spannende Wetterwoche mit markanter Luftmassengrenze und größeren Unsicherheiten

Wieder Spannung beim Wettergeschehen

Nachdem das Wetter in den vergangenen Wochen eher zurückhaltend agiert hat, bietet diese Wetterwoche Einiges an Spannung. Zum morgigen Dienstag entwickelt sich quer über Deutschland eine Luftmassengrenze. Es ist mit länger anhaltenden und teils kräftigen Niederschlägen zu rechnen, die auf der kalten Seite bis in tiefe Lage als Schnee fallen können. Neben dem Niederschlag hat auch der Wind noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden, zum Teil wird es stürmisch. Spannend wird es insbesondere auch deshalb, weil Kleinigkeiten darüber entscheiden können, wo genau die Luftmassengrenze liegt und wie kräftig Schnee und Wind ausfallen.

Was ist eine Luftmassengrenze

Beginnen wir zunächst einmal damit, was eine Luftmassengrenze ist. Gemeinhin bekannt sind Kalt- und Warmfronten. Diese trennen zwei unterschiedliche Luftmassen voneinander. Vor einer Kaltfront ist die Luftmasse wärmer als dahinter. Bei der Warmfront ist es genau umgekehrt. Wenn nun eine Front nicht weiter nach Süden oder Osten vorankommt, sondern ortsfest liegen bleibt, spricht man von einer Luftmassengrenze. Dies trennt in der Regel Luftmassen polaren Ursprungs nach Norden und mildere Atlantikluft weiter im Süden. Gerade im Winter kann es dadurch zu kräftigen Schneefällen auf der kalten Seite der Luftmassengrenze kommen. Je nach Ausprägung ist im Übergangsbereich manchmal auch gefrierender Regen möglich.

Ausgangslage am Montagmorgen
Schon heute Morgen hat sich in den nördlichen Landesteilen vorübergehend eine dünne Neuschneedecke ausgebildet. Von den Niederlanden über Niedersachsen und Hamburg bis nach Mecklenburg-Vorpommern und das nördliche Brandenburg sind ein paar Zentimeter gefallen. Sonst gab es zunächst nur im Bergland etwas Schnee. Die Nutzermeldungen aus der Warnwetter-App zeigten eine schöne Winterlandschaft. Solche Bilder wird man in den nächsten Tagen sicherlich häufiger zu Gesicht bekommen.

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Entwicklung der Luftmassengrenze am Dienstag (07.03.2023)

Los geht es am morgigen Dienstag. Schon aus der Nacht heraus ist im Nordosten etwas Neuschnee möglich, wenn eine Kaltfront von Nordwesten langsam südostwärts vorankommt. Diese Kaltfront gehört zu einem kräftigen Sturmtief mit dem Namen Cornelis, dass über Südschweden bis zum Baltikum zieht. Entscheidend ist jetzt, was weiter stromaufwärts passiert. Über dem nahen Ostatlantik liegt ein weiteres kräftiges Tief. Diese beiden Tiefdruckgebiete nehmen Verbindung zueinander auf, in Form einer sogenannten Tiefdruckrinne. Damit kommt die Kaltfront nur bis zur Mitte des Landes voran und bleibt dort eingelagert in der Tiefdruckrinne längere Zeit liegen.

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Übergang in Schneefall über der Mitte

Somit gehen die Niederschläge ausgehend von NRW über das südliche Niedersachsen bis nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg im Laufe des Nachmittags immer mehr in Schnee über. Ob der Schnee auch liegen bleibt, hängt natürlich davon an, wie die Temperatur in Bodennähe ist. Eine Möglichkeit dies zu betrachten, ist die 5 cm Temperatur. In den Karten erkennt man, dass es in tiefen Lagen zunächst noch zu mild ist für eine Schneedecke. Im Laufe des Nachmittags geht der Regen zunächst über der westlichen Mitte in Schnee über. Ab dem Abend bis in die Nacht auf Mittwoch muss dann im gesamten Streifen über der Mitte mit der Ausbildung einer Schneedecke gerechnet werden.

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Bedingungen für Ausbildung einer Schneedecke.

Ein entscheidender Faktor, wie schnell der Regen in Schnee übergeht, ist der Wind. Wenn Niederschlag fällt, dann verdunstet dieser auch fortwährend (Übergang in die gasförmige Phase). Damit dies funktioniert, muss der Umgebungsluft Wärme entzogen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von Verdunstungsabkühlung. Bei einem lebhaften Wind, kann diese nicht so recht Wirkung entfalten, da fortwährend eine Durchmischung mit wärmerer Umgebungsluft stattfindet. Bei schwachen Winden kann die Verdunstungsabkühlung bei länger anhaltenden und im Idealfall kräftigen Niederschlägen die volle Wirkung entfalten.
Diesen Effekt erkennt man auch am morgigen Dienstag bei der Betrachtung der Winde in etwa 600 m Höhe (925 hPa). Dass die Niederschläge zunächst im Westen in Schnee übergehen, liegt daran, dass eben dort der Wind in 925 hPa zuerst schwächer wird. Später ist dies dann entlang der gesamten Luftmassengrenze der Fall.

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Zunehmend Unsicherheiten zum Mittwoch

Am Mittwoch nehmen die Fragzeichen über die genaue Lage und Intensität der Luftmassengrenze zu. Zum einen gibt es Schwankungen, wo genau die Luftmassengrenze liegen wird. Wenige Kilometer bzw. 1 Grad mehr oder weniger können schon darüber entscheiden, ob und wieviel Schnee auch in tiefen Lagen zu erwarten ist. Kleine Randtiefs (bzw. Wellen), die von West nach Ost über die Luftmassengrenze hinwegziehen, können die Niederschläge und damit auch mögliche Schneefälle noch verstärken.
Eben diese Unterschiede gibt es derzeit noch in den Wettermodellen. Erkennen kann man dies über den sogenannten Spread beim Luftdruck. In der Grafik ist das EZMWF mit seinen 52 Berechnungen zu sehen. Während am Dienstag die Unsicherheiten beim Luftdruck noch gering sind, nehmen diese zum Mittwoch deutlich zu.

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In der zweiten Wochenhälfte noch größere Unsicherheiten

In der zweiten Wochenhälfte nehmen die Unsicherheiten nochmal zu. Man kann zwar noch sagen, dass sich die Luftmassengrenze dann eher nach Norden verschieben sollte. Weitere Details sind aber noch sehr unsicher. Das betrifft neben der Region und Intensität für Schneefälle auch den Wind. So könnte es eingangs des Wochenendes vielleicht auch ein stärkeres Sturmtief über dem Norden geben.

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Windentwicklung

Wind ist auch ein Thema, das bisher noch gar nicht angesprochen wurde. Schon in der Nacht auf Dienstag und am morgigen Tag gibt es im Norden eine ausgewachsene Sturmlage mit teils Sturmböen im Binnenland und schweren Sturmböen an den Küsten. Auf den nordfriesischen Inseln sowie den Ostseeinseln Darß und Rügen sind auch orkanartige Böen nicht ausgeschlossen.
Sonst gibt es morgen und in den Folgetagen vor allem südlich der Luftmassengrenze einen lebhaften West- bis Südwestwind, der in Böen in tiefen Lagen stark bis stürmisch weht. Im höheren Bergland sind dann bis hin zu schweren Sturmböen möglich, auf einzelnen exponierten Bergen auch orkanartige Böen.

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Zusammenfassung

Man sieht also, es ist für Spannung gesorgt und man darf gespannt sein, wo sich in den nächsten Tagen vorübergehend eine Schneedecke ausbilden kann und wie hoch diese sein wird. Solche Wetterlagen sind für einige Überraschungen gut.
Zum Abschluss gibt es nochmal eine Animation, die den Wetterzustand bis zum Ende der Woche auf Basis des heutigen 06 Uhr Laufes vom deutschen ICON-Modell zeigt. Es ist unwahrscheinlich, dass es exakt so kommen wird.

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Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.03.2023

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Der unsterbliche FREDDY

Bereits Ende Januar hatte der australische Wetterdienst ein kleines Tief in der Timor See zwischen Australien und Indonesien im Auge, das sich eingebettet in einen Höhentrog entwickelte. Die Umgebungsbedingungen waren günstig und aus dem kleinen Tief wurde innerhalb einer Woche eine tropische Zyklone. Am 06. Februar 2023 wurde der Kategorie 1 Sturm auf den Namen FREDDY getauft. Über seine Zugbahn über den Indischen Ozean hinweg nach Westen wurde ja bereits im  berichtet.
Seit seinem ersten Landfall am 21.02.2023 bei Madagaskar fegte er über die Straße von Mosambik hinweg und traf als tropischer Sturm die afrikanische Küste drei Tage später. Auch dort richtete der Wirbelsturm große Schäden an. Es wurden Regenmengen von 200 bis 500 mm beobachtet. Die Überschwemmungen in dem Land hatten große Auswirkungen auf die Infrastruktur und auch auf die Landwirtschaft. Nachdem FREDDY über Mosambik und Zimbabwe etwa eine Woche auf dem Festland zirkulierte zog er wieder ostwärts. Am 02. März erreichte der von der Landmasse geschwächte Wirbel nun als tropische Depression wieder das Meer.

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Die Benennung ab wann ein Tief eine tropische Depression, ein tropischer Sturm oder eine tropische Zyklone ist richtet sich dabei nach der Windgeschwindigkeit. Bei einer tropischen Depression liegen die in Verbindung stehenden Windböen unter 62 km/h. Ein tropischer Sturm weist Windgeschwindigkeiten über 62 km/h auf, bei einer tropischen Zyklone werden Orkanstärke über 120 km/h erreicht. Danach folgt die Kategorisierung der tropischen Zyklonen nach der Saffir-Simpson Skala in Kategorien 1 bis 5. Kategorie 5 wird dann bei Spitzenwindgeschwindigkeiten von 250 km/h oder mehr erreicht.

In den letzten Tagen kam FREDDY dann aufgrund der warmen Wassertemperaturen wieder zu Kräften. Vor der Küste Madagaskars entwickelte sich aus der Depression bereits am 04. März 2023 wieder ein Sturm. Seit heute der Sturm auch offiziell wieder zu einer tropischen Zyklone der Kategorie 1 auf der Saffir-Simpson Skala hochgestuft worden. In den Satellitenbildern ist das typische Auge des Wirbels zu erkennen.

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FREDDY ist damit eine echte Ausnahmeerscheinung. Er ist einer von vier tropischen Stürmen, die es geschafft haben den kompletten Indischen Ozean zu überqueren. Er ist zudem der stärkste tropische Zyklon der jemals auf der Südhemisphäre beobachtet wurde. Seine accumulated cyclone energy (ACE) liegt aktuell bei über 70. Die ACE ist dabei ein Ausdruck der Gesamtenergie des Wirbelsturms über seine gesamte Lebensdauer. Dabei werden die Windgeschwindigkeiten über über 65 km/h aufsummiert und in eine mathematische Formel gepackt. Das Ergebnis lässt die Stürme objektiv miteinander vergleichen. Bis jetzt hält da noch Hurricane IOKE aus dem Jahr 2006 den Rekord mit einem ACE von 82.

Nun ist er auf dem Kurs den Rekord als langlebigste tropische Zyklone zu brechen. Bisher hatte Hurricane JOHN diesen Rekord inne. Er wirbelte 31 Tage lang vom 11. August 1994 bis zum 13. September 1994 über dem Pazifik. Im Gegensatz zu JOHN, der hauptsächlich über dem Meer wütete, sorgte und sorgt FREDDY auch für großflächige Überschwemmungen über Land. Die Vorhersagen lassen erwarten, dass FREDDY sich erneut weiter intensivieren wird und zum Wochenende hin ein viertes Mal auf Land treffen wird. Diesmal wird der Norden Mosambiks betroffen sein. Die Geschichte des FREDDY ist also noch nicht am Ende und wird in den nächsten Tagen noch weitergehen. Erneut wird das Leben von mehreren tausend Menschen durch den Zyklon beeinflusst. Durch ein Frühwarnsystem und Informationen an die Bevölkerung vor Ort versucht man tödliche Schäden zu vermeiden. Bis jetzt kostete der Sturm nach offiziellen Angaben 21 Menschen das Leben.

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MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.03.2023
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FREDDY geht die Puste aus?!

Der tropische Zyklon FREDDY formierte sich bereits Anfang Februar über dem Seegebiet zwischen Indonesien und Westaustralien. In einem wirklich langen Lauf auf einer Strecke von rund 8000 km bewegte sich das Tief von Südasien westwärts über den Indischen Ozean bis nach Ostafrika. Für diese Strecke benötigte FREDDY etwa 14 Tage.
Über die ungewöhnliche Lebensdauer und die lange Zugbahn hat bereits Kollege Adrian Leyser am 22 Februar im Thema des Tages berichtet .

Inzwischen hat sich FREDDY mehrfach über der Straße von Mosambik zwischen dem afrikanischen Festland und dem Inselstaat Madagaskar gedreht und sowohl Madagaskar als auch Mosambik kräftige Regenfälle beschert. Im Süden Mosambiks fielen im Februar mehr als 600 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht der 3-fachen Menge an Regen eines normalen Februars (Referenzperiode 1951 bis 2000). In einigen Regionen geht man von gut 1000 Litern aus. Auf der Ostseite Madagaskars kamen 300 bis 600 Liter zusammen, die Westseite und der Süden der Insel blieben bisher von überdurchschnittlichen Regenfällen verschont.

DWD FREDDY geht die Puste aus

Vor allem in der Region Imhanbane im Süden Mosambiks und in den östlichen Regionen Madagaskars gab es zahlreiche Überschwemmungen. Tausende mussten ihre Häuser verlassen und in andere Regionen fliehen. Auf der Karte des JRC (Joint Research Centre der Europäischen Kommission) ist die Zugbahn des Zyklons sichtbar, inklusive seiner meteorologischen Einordnung. Farbig flächig dargestellt ist die Niederschlagssumme zwischen 21.02. und 01.03.2023. Rot und gelb eingefärbt sind Überschwemmungsgebiete, wobei die roten Gebiete auf Zyklon FREDDY zurückzuführen sind und gelbe Gebiete frühere Überschwemmungen markieren.

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In den kommenden Tagen wird sich über der Straße von Mosambik weiterhin tiefer Luftdruck halten. In einigen Modellen ist auch die Entwicklung einer neuen Zyklone möglich. Vorerst wird aber feuchte Luft an die westliche Seite Madagaskars gedrückt, was dort zu kräftigen Regenfällen führt. Laut aktuellem Lauf des Wettermodells des EZMW (europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) sind bis Montagfrüh in den westlichen und südwestlichen Regionen Madagaskars 100 bis 200 Liter pro Quadratmeter möglich. Punktuell können vor allem im Stau der dortigen Berge auch mehr als 300 Liter fallen.

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Östlich von Madagaskar bildet sich übrigens aktuell ein neues Tief, welches auf La Réunion und Mauritius an diesem Wochenende für heftige Regenfälle sorgen wird. Beide Inselstaaten haben bereits Warnungen vor Überschwemmungen und heftigen Regenfällen und Gewittern ausgegeben.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Die Windmessungen über dem Meer

Die Intensität und Richtung des bodennahen Windes sind in der Wettervorhersage sehr wichtig, um z.B. die Position von synoptisch-skaligen Fronten wie Kalt- oder Warmfront oder Windfelder in außertropischen Zyklonen zu analysieren. Das Wissen der Frontenlage spielt z.B. eine große Rolle bei der Vorhersage des Niederschlags oder im Sommer bei der Frage, wo sich Gewitter bevorzugt entwickeln können. Über Land gibt es zum Messen des Windes unzählige Messstationen, die uns stündlich diese Daten melden.

Doch wie sieht es über den Weltmeeren aus, wo nur sporadisch Meldungen von Schiffen und Bojen eintrudeln? Gerade hier hat die Information über den Wind eine sehr große Bedeutung. Für die großen Meeresgebiete gibt es die sogenannte „Windmessungen per Scatterometrie“. Die Messungen erfolgen durch Satelliten, die grob gesagt Messungen von Mikrowellenradaren ähneln und eine Windabschätzung in 10 Meter über der Meeresoberfläche liefern, dem sogenannten „äquivalenten neutralen Wind“, der wiederum vom realen Wind mehr oder weniger abweichen kann. Die Abweichung hängt z.B. davon ab, wie labil die Grenzschicht aufgebaut ist, wie leicht also höhere Windgeschwindigkeiten von oben nach unten gemischt werden können. Da unsere Atmosphäre für Messungen im Mikrowellenbereich z.B. mit Blick auf die Bewölkung viel durchlässiger ist, können dadurch zuverlässige Abschätzungen des Windes auch in bewölkten Regionen vorgenommen werden.

Die Scatterometer umrunden die Erde auf polarumlaufenden Satelliten, sodass sie dieselbe Region grob alle 12 Stunden überstreichen. Dadurch ergibt sich auch gleich der Nachteil, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl von Messungen pro Tag zur Verfügung steht, wobei die Messweite des Satelliten mit jeweils zwei 500 km breiten Streifen ebenfalls begrenzt ist. Im Nadir (also direkt unter dem Satelliten) werden beide Messstreifen zudem von einem rund 670 km breiten blinden Streifen getrennt, wo also keine Daten ermittelt werden können.

Die Abschätzung der Windgeschwindigkeit erhält man durch die Ausprägung der Rückstreuung von der Meeresoberfläche, die bei schwachen Windgeschwindigkeiten und geringem bis fehlendem Wellengang schwächer ausfällt als bei stärkeren Winden und variablen Wellenlängen und -amplituden.

Bei der Bestimmung der Windrichtung hingegen muss eine Meereswelle aus unterschiedlichen horizontalen Richtungen ermittelt werden. Stellt man sich vor, dass ein Satellit normal zu einer Welle vorüberzieht, dann weiß der Satellit ja nicht, ob sich die Welle auf den Satelliten zu oder von ihm wegbewegt. Daher wird jede Welle dank der Vorwärtsbewegung des Satelliten dreimal „abgescannt„. Dennoch ergeben sich immer wieder Fälle, wo es Unsicherheiten gibt bzw. wo man nicht endgültig klären kann, welche Windrichtung nun die richtige ist. Ein Beispiel folgt weiter unten im Text.

Nachdem nun die Theorie kurz angerissen wurde, wollen wir uns zwei Beispielen zuwenden, die zeigen, wie wertvoll solche Messungen sein können.

Der Tehuantepecer

Bei diesem Phänomen handelt es sich um ein sogenanntes „gap wind“ Ereignis. Dabei wird die Luftmasse durch eine durch die Orografie vorgegebene schmale Öffnung gepresst und gewinnt dabei dank des Venturi-Effekts an Geschwindigkeit. Allerdings erkennt man in Bild 1 bereits schön, dass bei solch großräumigen Ereignissen der Venturi-Effekt eine untergeordnete Rolle spielt, da die größten Windgeschwindigkeiten am Ausgang der Öffnung (und in diesem Fall über dem Golf von Tehuantepec) auftreten.

DWD Die Windmessungen ueber dem Meer

Thermische Differenzen quer zum Hindernis sind ebenso erforderlich wie die daraus hervorgerufene Druckdifferenz. In diesem Beispiel standen in 850 hPa die 10 Grad Isotherme im Norden der 20 Grad Isotherme im Süden gegenüber (nicht gezeigt) mit einer temporären Druckdifferenz von mehr als 10 hPa. Die durch das Hindernis (hier durch den Chivela Pass) strömende kalte Luftmasse verteilt sich stromab, verliert ihre Mächtigkeit und mit dem einhergehenden hydraulischen Effekt treten hier abseits der Verengung die höchsten Windgeschwindigkeiten auf. Am 12. Februar trat dies in klassischer Form auf – nichts Ungewöhnliches für die Region und diese Jahreszeit. Es ist jedoch für den Flug- und Schiffsverkehr von großem Interesse die genaue Ausbreitung des Windfeldes über der Meeresoberfläche zu kennen, denn der Wind geht mit großer Scherung und Turbulenz einher. Auch die Vorhersager von Tropenstürmen z.B. im Nationalen Hurrikan Zentrum interessieren sich für dieses Windereignis, denn die durch den gap wind induzierte Vorticity wirkt sich nicht selten als ein Antrieb für die Bildung kleinräumiger Tiefdruckgebiete aus, kann jedoch auch die Entwicklung dieser Tiefs temporär durch den Einschub trocken-kalter Festlandsluft unterdrücken.

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Dass sich die stärksten Windgeschwindigkeiten bei solchen Ereignissen in der grenzschichtnahen Umgebung entwickeln zeigen die Daten in Bild 2 und 3, wo die stärksten Winde gerade mal 400 bis 800 m über Grund auftreten (im Kern noch niedriger). Welche Dimensionen dieses Windereignis annehmen kann, zeigen Messungen vom Februar 1974, wo ein Schiff Winde bis zu 180 km/h und Böen bis zu 216 km/h gemessen hatte. Keine Frage, dass hier lebensgefährliche Bedingungen herrschen können. Die Frage ist nun, inwieweit es zu einem Herabmischen bis zur Meeresoberfläche kommt und wie weit die stärksten Winde bis aufs offene Meere ausgreifen, denn Modellrechnungen sind das Eine, reale Messungen das Andere.

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Wie wertvoll die Information der Scatterometrie ist, kann man in Bild 4 erkennen. Der Schwerpunkt dieses Windereignisses ist sehr gut auszumachen, wo Winde in Sturmstärke auftraten, mit bodennahen Winden (10 m über Grund) im Bereich Bft 9 bis 10. Entsprechender Seegang mit Wellenhöhen von mehr als 6 Meter stellt für den Schiffsverkehr eine erhebliche Gefahr dar, zumal diese Winde sehr plötzlich einsetzen können. Nicht selten werden Anpassungen an die Warnungen mit Hilfe dieser Winddaten vorgenommen und auch Änderungen bei der Wellenvorhersage sind möglich (Länge des Wirkungsbereichs (fetch), Dauer und Intensität des Windes etc.).

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Neben diesen wertvollen Daten vom Satelliten helfen manchmal auch die klassischen Satellitenbilder die Grenzen des Starkwindfeldes visuell zu umranden, denn nicht selten bilden sich peripher des Ereignisses sogenannte „rope clouds“ aus. Die durch den gap Wind aufs Meer geführte kalte Luftmasse wirkt wie eine Front, die irgendwann bei nachlassendem Wind an Kraft und Dynamik einbüßt (siehe Bild 5).
Solch regionale Windphänomene gibt es unzählige und neben dem Lokalwissen helfen diese Winddaten, die Situation besser einzuschätzen.
Doch auch bei einem anderen Phänomen sind diese Winddaten sehr hilfreich, nämlich bei sich entwickelnden Tropenstürmen.

Der einem Tropensturm ähnelnde ZORBAS
Als Beispiel schauen wir uns das Tiefdruckgebiet ZORBAS aus dem Jahr 2018 an, das im Mittelmeer als „Tropensturm-ähnliches System“ besonders in Griechenland für schwere Verwüstungen sorgte.

DWD Die Windmessungen ueber dem Meer 5

Besonders während der Entwicklungsphase ist nicht selten unklar, wie kräftig das jeweilige Windfeld in der Nähe des Zentrums entwickelt ist, was u.a. auf die noch nicht gut organisierte konvektive Struktur des Sturmes zurückzuführen ist, die ansonsten als Grad der Intensitätseinstufung herangezogen werden könnte (siehe Thema des Tages vom 04.02.2023). Nicht selten resultiert aus dem umgebenden Druckfeld ein regionales Starkwindfeld, das auch nur selten genau zu der Zeit von Schiffen durchquert wird, die wertvolle Daten liefern könnten.
So geschehen auch bei ZORBAS, bei dem am 27.10.2018 ein glücklicher Überflug des Satelliten wertvolle Daten lieferte und nordöstlich vom Zentrum Ostwinde in Sturmstärke andeutete (Bild 6b, wobei die lila Färbung Winde in Sturmstärke zeigt). Diese Information deutete zwar einen stürmischen Nordostquadranten an, doch gleichzeitig war aber auch ein Bereich mit geringen Windgeschwindigkeiten im Südostquadranten auszumachen. Diese stark asymmetrische Verteilung des Windes unterstütze die Vermutung, dass ZORBAS zu dem Zeitpunkt noch einem außertropischen Tief entsprach, da das Windmaximum asymmetrisch und abseits des Zentrum zu finden war. In der Folge sollte sich ZORBAS dann zu einem subtropischen Tief entwickeln und gleichzeitig ein recht symmetrisches Windfeld aufbauen. Leider lagen am Folgetag keine Daten vom Satelliten vor (Bild 6 c)), was ein nicht unübliches Problem bei der Verwendung dieser Daten darstellt. Allerdings konnte man im sichtbaren Kanal (VIS) des Satelliten bereits eine gute Organisation des Tiefdruckgebietes ausmachen (Bild 6a)).

DWD Die Windmessungen ueber dem Meer 6

In Bild 7 werden nun noch zum Abschluss die Unsicherheiten dieser Messmethode gezeigt. Die jeweilige Farbe stellt die Windgeschwindigkeit dar und die Ausrichtung der Pfeile die Windrichtung (von woher der Wind weht). Schauen wir auf den Bereich mit den höchsten Windgeschwindigkeiten, dann ergibt sich nordöstlich des Zentrums mit lila eingefärbten Winden eine Windrichtung entweder aus Ost-Nordost oder West-Südwest. Verknüpft man dieses Wissen mit der Synoptik, dann kann man hier jedoch rasch die östliche Komponente als die Richtige herauslesen. Schwieriger wird es z.B. vor der Südküste der Türkei, wo teils vier Richtungsoptionen angeboten werden. Hier muss man auf jeden Fall lokales Wissen und eine gute Übersicht über das aktuelle Wetter mitbringen, um endgültige Aussagen treffen zu können.
Anhand dieser beiden Beispiele wird ersichtlich, wie wichtig diese Daten in der Wettervorhersage sind und zwar in verschiedensten Bereichen der Vorhersage – von lokalen Windsystemen über die Verteilung von Windmaxima in außertropischen Zyklonen bis hin zur Vorhersage der gefährlichen tropischen Stürme. Auch wenn nur zeitlich und räumlich begrenzt Daten geliefert werden, so ist der Mehrwert ein bedeutender und in der heutigen Wettervorhersage nicht mehr wegzudenken.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Winter 2023

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Winter 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Helgoland Schleswig-Holstein 5,6 °C +2,6 Grad
2 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfalen 5,5 °C +2,0 Grad
3 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 5,3 °C +1,6 Grad

Besonders kalte Orte im Winter 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -1,3 °C +2,6 Grad
2 Carlsfeld Sachsen -1,1 °C +2,3 Grad
3 Neuhaus am Rennweg Thüringen -0,7 °C +2,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Winter 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Meinerzhagen-Redlendorf Nordrhein-Westfalen 529,2 l/m² 124 %
2 Braunlage Niedersachsen 527,8 l/m² 144 %
3 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 510,6 l/m² 97 %

Besonders trockene Orte im Winter 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Frankenthal-Studernheim Rheinland-Pfalz 56,7 l/m² 61 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 59,3 l/m² 51 %
3 Vogtsburg-Bischoffingen Baden-Württemberg 59,5 l/m² 51 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Winter 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Wielenbach Bayern 245 Stunden 135 %
2 München-Stadt Bayern 236 Stunden 113 %
3 Kaufbeuren Bayern 236 Stunden 94 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Winter 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Laage Mecklenburg-Vorpommern 93 Stunden 66 %
2 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 96 Stunden 77 %
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 99 Stunden 72 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitenwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwertes der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Februar 2023

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Februar 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfalen 6,2 °C +2,6 Grad
2 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 6,2 °C +2,5 Grad
3 Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 5,8 °C +2,6 Grad

Besonders kalte Orte im Februar 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -1,0 °C +2,9 Grad
2 Carlsfeld Sachsen -0,8 °C +3,0 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen -0,6 °C +1,3 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Februar 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Ruhpolding-Seehaus Bayern 166,4 l/m² 111 %
2 Anger-Stoißberg Bayern 156,8 l/m² 121 %
3 Wegscheid Bayern 149,1 l/m² 166 %

Besonders trockene Orte im Februar 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Ühlingen-Birkendorf Baden-Württemberg 3,4 l/m² %
2 Wutöschingen-Ofteringen Baden-Württemberg 4,0 l/m² %
3 Bad Kreuznach Rheinland-Pfalz 5,1 l/m² 15 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Februar 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Renningen-Ihinger Hof Baden-Württemberg 130 Stunden 159 %
2 Leutkirch-Herlazhofen Baden-Württemberg 128 Stunden 132 %
3 Rheinfelden Baden-Württemberg 128 Stunden 171 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Februar 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 45 Stunden 83 %
2 Laage Mecklenburg-Vorpommern 56 Stunden 86 %
3 Kronach Bayern 56 Stunden 84 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Winter statt Frühling?!

Am heutigen 1. März beginnt wie jedes Jahr der meteorologische Frühling. Das Wetter traut sich jedoch noch nicht so richtig, bei diesem Jahreszeitenwechsel mitzugehen. Zwar scheint in weiten Teilen des Landes die Sonne – und die kann einem Anfang März in windgeschützten Lagen gefühlt durchaus schon ganz gut „einheizen“. Allerdings bleibt das Temperaurniveau mit Höchstwerten zwischen 2 und 9 Grad noch recht gedämpft.

DWD Winter statt Fruehling

Mit Blick auf die Luftdruckverteilung über Europa fällt einem direkt eine ausgedehnte Hochdruckzone mit Zentrum zwischen Island und Schottland auf, die sich von Grönland über Mitteleuropa bis zum Schwarzen Meer erstreckt. HAZAL nennt sich dieses Hoch, das uns den oben erwähnten Sonnenschein (aber mancherorts auch Nebel und Hochnebel) bringt. Dem gegenüber befindet sich Tief ZAKARIYYA, das auf internationalem Parkett auf den Namen JULIETTE hört, über dem westlichen Mittelmeerraum. Da sich ein Hoch bekanntlich im und ein Tief gegen den Uhrzeigersinn dreht, kommt die Strömung zwischen HAZAL und ZAKARIYYA überwiegend aus östlicher bis nordöstlicher Richtung. Damit gelangt kalte Kontinentalluft nach Deutschland, die es der Sonne schwermacht, Frühlingsgefühle zu wecken. Über dem Süden und Südwesten ist diese Strömung zudem recht lebhaft, sodass sich die Luft durch den zum Teil böigen Ost- bis Nordostwind noch etwas kälter anfühlt, als sie eigentlich ist. (T-Beispiel aus Süddeutschland?)

Dem Wind geht allerdings bereits ab dem morgigen Donnerstag allmählich die Puste aus, denn Tief ZAKARIYYA schwächt sich ab. Gleichzeitig beginnt sich ein Tiefdruckkomplex über Skandinavien einzunisten, wodurch die Strömung über Deutschland langsam aber sicher auf Nord dreht. Dadurch gelangt ab dem Wochenende polare Kaltluft nach Deutschland, die für einen länger anhaltenden, nasskalten bis winterlichen Abschnitt sorgen könnte.

Deutliche Hinweise auf ein solches Szenario liefert seit ein paar Tagen die Ensembleprognose des auf mittelfristige Vorhersagen spezialisierten Modells des ECMWF. Aufgrund der mit der Zeit deutlich zunehmenden Vorhersageunsicherheit, versucht man mit Hilfe von Ensembleprognosen diese Unsicherheit abzuschätzen. Dabei wird für einen Ort nicht nur eine, sondern mehrere Prognosen mit leicht veränderten Anfangsbedingungen gerechnet. Dieses sogenannte Ensemble beinhaltet beim ECMWF 51 Mitglieder, also 51 Vorhersagen. Je weiter sich diese Vorhersagen voneinander unterscheiden, desto unsicherer ist die Prognose. Liegen sie dagegen nah beieinander, ist sich das Ensemble einig, in welche Richtung sich das Wetter entwickeln soll.

Mit Blick auf die Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 hPa (etwa 1500 m Höhe) am Beispiel Offenbach erkennt man schön, dass das Gros der einzelnen Vorhersagen (dünne, rot-gestrichelte Linien) bis einschließlich übermorgen (Freitag) recht nah beieinanderliegen und um die 0-Grad-Marke tänzeln. Niederschlag hat dagegen kein einziges Ensemblemitglied auf der Agenda. Am Wochenende rauscht die Temperatur dann aber in den Keller, da ist sich das Ensemble einig. Die Frage ist letztlich, wie tief der Keller ist. Die Mitglieder spannen einen Raum von etwa -5 bis -13 Grad (in rund 1500 m Höhe – nur zur Erinnerung) auf, den sogenannten Spread. Die meisten Vorhersagen tummeln sich dabei zwischen -6 und -10 Grad und das sogar über weite Teile der nächsten Woche. Es gibt auch immer wieder einzelne Ensemblemitglieder, die zum Teil sogar in den positiven Bereich abdriften. Dieses Szenario muss nach momentanem Stand aber als Außenseiterlösung und daher als unwahrscheinlich abgestempelt werden. Erst zum Ende nächster Woche gewinnen die Ausreißer nach oben die Überhand.

DWD Winter statt Fruehling 1

Die Temperatur geht es also erst einmal zurück, gleichzeitig nehmen aber die Niederschlagssignale zu, was übrigens nicht nur für Offenbach, sondern für ganz Deutschland gilt. Das bedeutet also auf jeden Fall für das Bergland winterliche Aussichten, wobei sich – je nach „Kellertiefe“ – auch in tiefen Lagen immer wieder mal etwas Schnee die Ehre geben dürfte.

Schlechte Nachrichten also für alle Frühlingsfans. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass das Wetter nicht auch den astronomischen Frühlingsstart am 20. März verschläft.

Dipl.-Met Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Polarlichter – ein beeindruckendes Schauspiel am Himmel

Polarlichter gibt es sowohl in der Nord- als auch in der Südhemisphäre, wissenschaftlich werden sie als Aurora Borealis im Norden bzw. als Aurora Australis im Süden bezeichnet.
Ausgelöst werden diese bunten Leuchterscheinungen am nächtlichen Himmel durch energiereiche Sonnenwindpartikel (Plasma), die durch Eruptionen auf der Sonnenoberfläche mit hohen Geschwindigkeiten ins Weltall geschleudert werden und auf das Erdmagnetfeld treffen. Die Feldlinien des Erdmagnetfeldes (siehe auch DWD-Lexikon-Eintrag zur Magnetosphäre) führen an den magnetischen Polen zur Erde hin und dort können auch die Sonnenwindpartikel dann auf die Erdatmosphäre treffen. In der oberen Erdatmosphäre kollidieren die energiegeladenen Elektronen des Plasmas mit Sauerstoff- und/oder Stickstoffmolekülen der Atmosphäre, es findet eine Energieübertragung auf die atmosphärischen Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle (Ionisierung) statt. Diese Energie wird in der weiteren Folge dann auch wieder abgegeben und dann in Form von Licht sichtbar. Dieser Prozess wird als Fluoreszenz bezeichnet.

Da wie erwähnt die Magnetfeldlinien gen Nord- und Südpol gerichtet sind und die Elektronen des Sonnenwindes an diesen Linien entlang gen Pol in die Erdatmosphäre eindringen können, ergibt sich ein meist ovaler Bereich, in dem Polarlichter sichtbar sind. Das Zentrum dieses Ovals sind die magnetischen Pole der Erde. Bei starken geomagnetischen Sonnenstürmen wird das Erdmagnetfeld derart deformiert, dass sich der „normalerweise“ ovalförmige Bereich vom Pol her ausdehnt und so Polarlichter auch weiter südlich des Pols und teilweise bis in mittlere Breiten sichtbar werden können. Entscheidende Faktoren für die Sichtbarkeit von Polarlichtern in unseren Breiten sind somit die Teilchendichte – wie viele Elektronen stehen zur Energieübertragung an die Moleküle der Erdatmosphäre zur Verfügung, die Sonnenwindgeschwindigkeit – mit wie viel Energie treffen die Sonnenwindpartikel auf die atmosphärischen Moleküle und wie stark wird das Erdmagnetfeld deformiert.
So, nun fast genug der Theorie. In den vergangenen beiden Nächten konnten zumindest in Teilen Deutschlands Polarlichter beobachtet werden. Dies war vor allem in der Nordhälfte Deutschlands der Fall, wobei insbesondere in der vergangenen Nacht dann doch recht viele Wolken die Sicht behinderten. Abbildung 1 zeigt eine Folge von Webcam-Bildern der Kamera auf dem Peilturm am Kap Arkona auf Rügen von gestern Abend (27.02.2023, 21:50 bis 22:22 MEZ).

DWD Polarlichter ein beeindruckendes Schauspiel am Himmel

Die Farbe der beobachteten Polarlichter kann unterschiedlich sein. Werden vor allem Sauerstoffmoleküle ionisiert, ergibt sich je nach Entstehungshöhe eine grünliche oder rötliche Färbung. Für die Ionisierung von Stickstoffmolekülen sind sehr hohe Energien und somit starke magnetische Störungen notwendig, dort ergibt sich eine violette bis blaue Lichtfarbe. Hinzu kommt, dass das menschliche Auge empfindlicher für grünes Licht ist, so dass die meisten, mit bloßem Auge beobachteten Polarlichter, grün sind. In unseren mittleren Breiten kommt hinzu, dass sich die Polarlichter nur selten in tieferen Atmosphärenschichten ereignen und sich somit häufig rötliche Formen zeigen. Dies zeigt zum Beispiel auch Abbildung 2, die eine Aufnahme der DWD-Webcam aus Falkenberg (Brandenburg, südöstlich von Berlin) aus der Nacht zum gestrigen Montag zeigt.

DWD Polarlichter ein beeindruckendes Schauspiel am Himmel scaled

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die besten Beobachtungsbedingungen in hohen, polaren Breiten zu finden sind, zudem werden wolkenarme Wetterbedingungen benötigt und es muss zudem möglichst dunkel sein. Daher sind weitere Faktoren, die die Sichtbarkeit beeinflussen die Mondphase, die umgebende Lichtverschmutzung durch z. B. nahe (Groß-) Städte oder auch die Mitternachtssonne im Polarsommer. Insgesamt ist die fotografische Sichtbarkeit durch die Möglichkeit langer Belichtungszeiten größer als die visuelle Sichtbarkeit durch das menschliche Auge.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.02.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Hoch HAZAL beschert uns eine trockene, aber verbreitet sonnige Woche

Am vergangenen Wochenende ging es beim Wetter mitunter turbulent zu. Steife und stürmische Böen wurden an der Küste gemessen, an exponierten Küstenabschnitten und in den Hochlagen der Mittelgebirge waren es teils sogar schwere Sturmböen – wie z. B. auf dem Fichtelberg, der bis zum Sonntagvormittag mit 94 km/h die höchste Wochenendwindgeschwindigkeit für sich verbuchen konnte. Aber nur, bis er im Verlauf des Sonntags vom Feldberg im Schwarzwald überflügelt wurde. Dort waren es bis zum Abend in der Spitze 104 km/h, in der Nacht schwang sich der Wind dort dann mit 118 km/h sogar ganz knapp bis in den Orkanbereich auf.

Mit von der Partie war dabei nicht nur ein Schwall Kaltluft, sondern sehr verbreitet auch Schnee – wenn auch nicht gleichmäßig verteilt. In Abbildung 1 ist der 3-tägige Niederschlag vom Freitag, 24.2.2023, 01 MEZ bis zum Montag, 27.2.2023, 01 MEZ auf Basis von Radardaten dargestellt. Aus der Farbtabelle kann abgeleitet werden, dass sich die Landschaft meist nur angezuckert präsentierte mit Neuschneemengen um 1 cm. Mehr Schnee kam in einigen Mittelgebirgslagen zusammen, insbesondere aber am Erzgebirge und südlich der Donau. Über 20 bis 50 cm Neuschneeauflage können sich in den bayrischen Alpen die Liftbetreiber freuen, in Sachsen liegen die entsprechenden Werte immerhin im niedrigen zweistelligen Bereich. In Abbildung 1 lassen sich auch der Thüringer Wald, die Rhön, der Schwarzwald und die Schwäbische Alb als Arbeitsschwerpunkte von Frau Holle ausmachen.

DWD Hoch HAZAL beschert uns eine trockene aber verbreitet sonnige Woche

Auch wenn der Schnee erstmal liegen bleibt und somit nicht abfließt, so kann der Süden den Niederschlag nicht nur zum Skifahren, sondern auch klimatologisch gut gebrauchen. Denn in diesem Jahr ist das Gebiet südlich der Donau bisher beim Niederschlag deutlich „schlechter“ weggekommen, als dies im vieljährigen Mittel der Fall ist. Das zeigt die Abbildung 2, in der die prozentualen Niederschlagssummen bis in die Nacht zum vergangenen Freitag (und damit genau bis zum Beginn des Zeitraums von Abbildung 1) zu erkennen sind. In Oberschwaben, aber auch im Bayerischen Wald erreichen die akkumulierten Niederschlagsmengen bisher regional nur 10 bis 20 Prozent des Durchschnitts. Regionen, die in den ersten beiden Monaten des Jahres mit 20 bis 40 Prozent des vieljährigen Niederschlages ebenfalls als deutlich zu trocken bezeichnet werden müssen, finden sich z.B. in der Westpfalz und an der Saar, vom Bodensee bis in den Kraichgau, in Mittelfranken, rund ums Vogtland sowie an der Unstrut. Dabei zeigen sich beim Blick auf die prozentualen Jahresniederschlagssummen auch Gebiete, in denen die „atmosphärische“ Wasserversorgung aktuell „gut funktioniert“, etwa vom Erzgebirge bis in die Uckermark sowie z. B. in Ostfriesland.

DWD Hoch HAZAL beschert uns eine trockene aber verbreitet sonnige Woche 1

 

DWD Hoch HAZAL beschert uns eine trockene aber verbreitet sonnige Woche 2

Wer jetzt hofft, dass die Atmosphäre in den kommenden Tagen beim Niederschlag noch eine „Schippe“ drauflegt, der wird leider enttäuscht. Und den Grund dafür findet man über Schottland. Das großräumige Hoch HAZAL schiebt trockene Luft nach Mitteleuropa. Die Frontensysteme, die in Abbildung 3 für die Nacht zum morgigen Dienstag dargestellt sind, gruppieren sich um das Hoch herum und halten somit auch von Deutschland einen Respektabstand. Das deutet eher auf trockene als auf feuchte Bedingungen in den kommenden Tagen hin.

DWD Hoch HAZAL beschert uns eine trockene aber verbreitet sonnige Woche 3

Diese Aussage untermauert die Abbildung 4. Sie stellt die akkumulierten Niederschlagsmengen des DWD-Europamodelles ICONEU und des amerikanischen Modells GFS gegenüber, und zwar für das Zeitfenster der vergangenen Nacht bis in die Nacht zum kommenden Samstag. Beide Modelle simulieren an den Alpen und in Ostbayern etwas Schnee, ebenso wie in Mitteldeutschland und von dort bis nach Brandenburg. Die verbreitet blasse Grünfärbung in den zuletzt genannten Gebieten lässt darauf schließen, dass die Niederschlagsmengen, ebenso wie an den Küsten, kaum nennenswert sind. Hinzu kommt: Einen Großteil dieser Niederschläge haben die Modelle für den heutigen Montag eingeplant. Diese sind also zu dem Zeitpunkt, an dem Sie das Thema des Tages lesen, teilweise schon gefallen. Und dann bleibt für den Rest der Woche natürlich kaum mehr etwas übrig.

Für die Hydrologen in den trockenen Gebieten ist dies ganz sicher kein Wunschszenario. Für Sonnenanbeter schon. Denn Hoch HAZAL sorgt, auch wenn über den Norden zeitweise dichte Wolken ziehen, verbreitet für Sonnenschein.

 

Dipl.-Met Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.02.2023

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Ein Sturm, der immer wiederkehrt

In Anlehnung an das gestrige Thema des Tages, in dem näher auf die Bedeutung, Historie und Auswirkungen der Windgeschwindigkeiten mithilfe der Beaufort-Skala eingegangen wurde, beleuchten wir heute einmal spezielle Windphänomene anhand der aktuellen Wetterlage genauer.
Bise
Verbleiben wir zunächst in Deutschland. Zwischen dem kräftigen Hoch HAZAL über Schottland, das aktuell mit über 1030 hPa (und in der kommenden Woche mehr als 1040 hPa erreicht) über Schottland thront sowie dem kräftigen Mittelmeertief ZAKARIYYA (nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Nationalspieler Denis ZAKARIA, der letzten Winter von der Gladbacher Borussia zu Juventus Turin gewechselt ist und inzwischen an Chelsea London verliehen wurde) besteht ein gewaltiger Luftdruckgegensatz. Ganz frisch hat es vom Spanischen Wetterdienst AEMET auch einen internationalen Namen bekommen: JULIETTE. Dieses liegt derzeit mit knapp 990 hPa über dem Ligurischen Meer. Das macht in Summe rund 40 hPa Unterschied auf circa 1500 Kilometern Distanz, wobei sich der „Löwenanteil“ auf die südlichsten 500 Kilometer beschränkt.

DWD Ein Sturm der immer wiederkehrt

Anhand der oberen Grafik sieht man eindrucksvoll, wie sich die Linien gleichen Luftdrucks vor allem im Bereich des Alpenbogens stark drängen. Die Luftmassen, die mit der nordöstlichen Strömung (im Uhrzeigersinn um das Hoch herum) permanent gegen die Alpen gedrückt werden (Massenüberschuss), können in tiefen Luftschichten weitgehend nur durch den Oberrheingraben, Oberschwaben und nachfolgend über das Schweizer Mittelland und das Rhonetal abtransportiert werden. Die Anordnung der Gebirgsketten von Alpen, Jura, Schwarzwald und Schwäbischer Alb fungiert nun als eine Art Leitplanke für den Wind, der nun auch aus leicht abweichenden Richtungen in diesen „Trichter“ geführt wird und sich dadurch verstärkt (Kanalisierung, Düseneffekt).
Daraus resultiert ein stark böiger und im Winterhalbjahr teils schneidend kalter Nordostwind, der vor allem in der Schweiz unter dem Namen „Bise“ bekannt ist. Die genaue Herkunft des Wortes ist bis heute nicht komplett geklärt. Im Bereich des Genfersees sind Sturmböen und schwere Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h im Zusammenhang mit ausgeprägten Bisenlagen eher Regel als Ausnahme – so auch diesmal. Hierzulande erreicht er sein Maximum oft rund um den Bodensee, wo nicht selten Geschwindigkeiten von 50 bis 70 km/h in Böen erreicht werden. Entsprechende Warnungen laufen. Trotz strahlenden Sonnenscheins und angenehmer Temperaturen heißt es für Wassersportler und Urlauber dann im Sommer, den See schnellstmöglich zu verlassen. Auf den Schwarzwaldgipfeln muss bei derartigen Lagen mit schweren Sturmböen bis 100 km/h, in Einzelfällen auch mit Orkanböen bis 120 km/h gerechnet werden.

DWD Ein Sturm der immer wiederkehrt 1

Mistral/Tramontane/Cers
Weiter stromab schließt sich das nächste regionale Windsystem an, dessen Wirkungsmechanismen ganz ähnlich funktionieren. Es handelt sich um den berühmt-berüchtigten Mistral, bei dem die Windkanalisierung durch das Rhonetal mit der westlichen Barriere des Zentralmassivs seine Fortsetzung findet. Da er entweder Anteile der sich aufgebauten Bise in sich vereint oder aber durch den Tramontane (kalter Fallwind vom Zentralmassiv) oder Cers (Kanalisierung zwischen Pyrenäen und Zentralmassiv) weiter westlich gerade beim Zusammenströmen über dem Löwengolf noch verstärkt werden kann, sind die Spitzenböen im Vergleich zur Bise durchaus nochmal „einen Zacken schärfer“ und erreichen nicht selten über Land, erst Recht über der offenen See, Orkanstärke. Da das Hoch in diesem Falle aber weit im Norden über Schottland und nicht über der Biskaya ist, spielen Cers und Tramontane eher eine untergeordnete Rolle. Auch in Katalonien, insbesondere im Tal des Ebros samt seinen Nebenflüssen, ist der kräftige Nordwestwind als Cerc bekannt.
Schirokko
Auf der anderen Seite der Mittelmeerküste ist dagegen ein heißer Wüstenwind bekannt, der aus Süd bis Südost staublastige Saharaluftmassen teils weit bis nach Mitteleuropa transportiert. Auch wenn der Höhepunkt im Ionischen Meer und der südlichen Adria in diesem Zusammenhang schon überschritten ist, treten an der griechischen und albanischen Küste noch verbreitet Sturmböen auf.
Bora
Während es dazu in Albanien auf der warmen Seite mit teils über 20 Grad fast schon frühsommerlich warm für die Jahreszeit ist, setzt der kroatischen Küste die Bora zu. Dieser kalte Fallwind mit lokalen Böen jenseits von 140 km/h, in Einzelfällen bis zu 250 km/h, ist ebenso berüchtigt und hat über der nördlichen Adria schon etliche Schiffe zum Kentern gebracht. Mit Einsetzen kann das Thermometer in Windeseile von teils zweistelligen Plusgraden in den Frostbereich absinken und selbst an der Küste zur Ausprägung einer Schneedecke führen. Der kroatische Wetterdienst warnt bis zum Abend auf den Inseln vor Orkanböen bis 150 km/h und im Dinarischen Gebirge vor Neuschneemengen bis 20 Zentimeter und vereisten Straßen.
Von all diesen Turbulenzen, die zum Wochenstart weiter zwischen Italien und den Balearen toben (Sturm und teils heftige, gewittrige Regenfälle), bekommen wir bei uns – wie eingangs erwähnt – nur in abgeschwächter Form im Südwesten etwas mit. In den nächsten Tagen dominiert am Rande HAZALs ruhiges und meist schwachwindiges Hochdruckwetter. Zur Wochenmitte ist dann auch die Bise kein großes Thema mehr.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.02.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst