Kaltfronten ohne „Schmackes“

Eine Kaltfront hat in der vergangenen Nacht zum Donnerstag weite Teile Deutschlands südostwärts überquert. Falls Sie davon nichts mitbekommen haben, mag das nicht nur an der Tageszeit gelegen haben, sondern auch daran, dass an der Kaltfront selbst kaum etwas passiert ist, also kaum „Wetter“ stattgefunden hat. In den kommenden Tagen wiederholt sich dieses „Schauspiel“, wenn sich weitere Kaltfronten nordeuropäischer Tiefs auf den Weg nach Mitteleuropa machen, dort aber kaum etwas gegen das eher ruhige Herbstwetter auszurichten vermögen.

Fronten sind als Ausläufer von Tiefdruckgebieten eigentlich ein Garant für unbeständiges, mitunter recht turbulentes Wettergeschehen. Sie sind gekennzeichnet durch eine schmale Grenzzone zwischen Luftmassen, die sich hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchte unterscheiden. An der in mittleren Breiten wirksamen Polarfront beispielsweise trifft die polare Kalt- auf die subtropische Warmluft. Da warme Luft leichter ist als kalte, ist der Luftdruck in der Warmluft geringer. Die horizontalen Temperaturunterschiede führen also zu horizontalen Luftdruckunterschieden, die durch Luftbewegungen quer zur Front ausgeglichen werden: Diese sogenannte „Querzirkulation“ ist gekennzeichnet durch ein Aufsteigen und Aufgleiten der Warmluft über die Kaltluft. Dabei kommt es zu Kondensation, also Tröpfchen- und Wolkenbildung. Wenn die Bewölkung mächtig genug ist, beginnt es zu regnen. In erster Näherung gilt, je größer die Temperaturunterschiede, desto stärker fällt die Querzirkulation aus und desto heftiger sind die Wettererscheinungen.

Die Querzirkulation kann allerdings zusätzlich von großräumigeren auf- und absteigenden Luftbewegungen überlagert werden, die im Fachjargon auch als Hebung und Absinken bezeichnet werden. Entscheidend dafür sind die Luftdruckverhältnisse in der Höhe. Vorderseitig tiefen Luftdrucks, auch Trog genannt, ist Hebung wirksam, die die Wetteraktivität an der Front verstärkt. Vorderseitig hohen Luftdruckes, auch Rücken genannt, wirkt Absinken dem Aufgleiten der Warmluft und somit den wolken- und niederschlagsbildenden Prozessen entgegen.

Großräumiges Absinken manifestiert sich in Hochdruckeinfluss im Bodenniveau. Die Bodenanalyse vom Donnerstagvormittag (11 Uhr MESZ) zeigt die eingangs erwähnte Kaltfront diagonal über dem Süden Deutschlands. Dort stieß sie allerdings in einen Azorenhochkiel vor, der das großräumige Absinken in den Bereich markiert. Deswegen fiel die Kaltfront durch ein Wolkenband und ein Temperaturrückgang auf, nicht aber durch nennenswerten Regen

DWD Kaltfronten ohne Schmackes

Auch am Samstag und am Montag erwarten wir Kaltfrontpassagen. Zwar bleibt das großräumig überlagerte Absinken dann aus oder fällt schwächer aus, nennenswerte Hebung ist aber auch kaum im Spiel, sodass, von meist nur leichten Regenfällen abgesehen, zumindest an der Front wieder nicht viel passieren wird und im Großen und Ganzen das ruhige Herbstwetter die Oberhand behält.

DWD Kaltfronten ohne Schmackes

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Das Wetter unseres Nachbarplaneten Venus

Zunächst sei zu erwähnen, dass die Umlaufzeit um die Sonne circa 225 Erdtagen entspricht, ein Venustag hingegen dauert circa 243 Erdtage. Somit ist ein Jahr auf der Venus schneller vorbei als ein Tag. Hinzu kommt, dass sie sich in die andere Richtung dreht als die Erde, die Sonne geht also im Westen auf und im Osten unter.

Neben der Erde besitzt auch die Venus eine Atmosphäre, die Zusammensetzung ist jedoch eine gänzlich andere. Während die Erdatmosphäre ideale Bedingungen zum Leben bietet, gleicht die Atmosphäre der Venus, die hauptsächlich aus Kohlenstoffdioxid (96.5%) und Stickstoff (3.5%) besteht, einem extremen Treibhaus. Dies spielgelt sich auch in der mittleren Temperatur wieder: die mittlere Temperatur auf der Erde liegt bei 15°C, auf der Venus bei 464°C. Ohne den Treibhauseffekt läge die mittlere Temperatur auf der Venus bei -41°C.

Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung besitzt die Atmosphäre der Venus eine etwa 50-mal größere Dichte als die Erdatmosphäre, wodurch sich auch der Bodendruck unterscheidet. Der Bodendruck auf der Venus entspricht dem Druck, der auf einem lastet, wenn man in einer Tiefe von 910 Metern taucht (zum Vergleich, die tiefste Stelle der Ostsee liegt bei etwa 460 Metern unter null). Damit liegt der Atmosphärendruck an der Oberfläche der Venus bei 92 bar (das sind 92000 hPa).

Innerhalb der Venusatmosphäre gibt es eine 20 Kilometer dicke, dauerhaft geschlossene Wolkendecke. Diese Wolkendecke sorgt dafür, dass gerade einmal 2% des Sonnenlichts am Boden ankommen. Der Rest des am Oberrand der Atmosphäre eintreffenden Sonnenlichts wird zu 76% zurückreflektiert und zu 22% absorbiert. Die Erde hingegen reflektiert im Mittel etwa 30% (in den Polargebieten etwas mehr, über den Ozeanen weniger). Gäbe es die Wolkendecke auf der Venus nicht, würde die Atmosphäre aufgrund ihrer Zusammensetzung noch mehr der solaren Einstrahlung absorbieren und es durch den Treibhauseffekt noch wärmer sein.

Wäre es möglich, ohne dabei zu sterben, auf der Oberfläche der Venus zu stehen, könnte man denken, es sei windstill, allerhöchstens eine leichte Brise wäre zu spüren. Wenn man die Windstärke dort auf die Dichte der Erdatmosphäre umrechnet, entspräche der Wind einem mäßigen Wind, also Beaufort 4.

Auch bei den großräumigen Atmosphärischen Prozessen gibt es bei Erde und Venus ein paar Gemeinsamkeiten: Beide Planeten besitzen eine schnelle Atmosphärenrotation, bei der Erde sind es die Starkwindbänder (auch bekannt als Jetstreams), bei der Venus die oberen Atmosphärenschichten. Neben der Venus und der Erde verfügt nur der Jupitermond Titan über eine derart schnelle Atmosphärenrotation. Eine weitere Gemeinsamkeit gibt es bei der großräumigen Zirkulation innerhalb der Atmosphäre, denn genauso wie die Erde gibt es in der Venusatmosphäre eine Hadley-Zelle.

An dieser Stelle lohnt sich ein Ausblick in die großräumige Zirkulation unserer Erdatmosphäre. Durch unterschiedlich starke Einstrahlung im Jahresverlauf und örtliche Unterschiede in der Reflexion kommt es zu einer örtlichen Differenz der Strahlungsbilanz und Energie. An den Polen entsteht eine negative Strahlungsbilanz und am Äquator eine positive. Es liegt in der Natur der Physik, dass Ungleichgewichte ständig ausglichen werden, so auch die Strahlungsbilanzen und Energien. Um das zu erreichen gibt es die globale Zirkulation.

In der Nähe des Äquators steigt feuchtwarme Luft auf, beim Aufstieg kühlt sie sich ab. Weil kalte Luft weniger Feuchte aufnehmen kann als warme, regnet es dort. Am Ort des Aufstiegs entsteht ein Tiefdruckgebiet. Die aufsteigende Luft bewegt sich gen Norden, etwa auf der Höhe der Azoren sinkt die trockene und kühle Luft wieder ab, dabei erwärmt sie sich. Am Boden strömt die Luft wieder gen Äquator. Durch die Erddrehung ist es keine perfekte Nord-Süd-Strömung, sondern leicht nach Westen abgelenkt, die entstandene Luftströmung ist der Nord-Ost-Passat. Damit ist die erste Zirkulationszelle komplett, genannt wird sie Hadley-Zelle.

Wieder zurück zu den Azoren, dort strömt die Luft nicht nur nach Süden, sondern auch nach Norden. Etwa bei Island steigt die Luft dort wieder auf, über Island entsteht ein Tief – das Islandtief. Von dort strömt ein Teil der aufgestiegenen Luft wieder zurück nach Süden und sinkt über den Azoren ab. Diese Zirkulation heißt Ferrel-Zelle, sie beeinflusst maßgeblich das Wetter in den mittleren Breiten.

Der andere Teil der Luft über Island strömt nach Norden zu den Polen und sinkt dort wieder ab, am Pol entsteht ein Hochdruckgebiet. In den unteren Schichten strömt die Luft zurück nach Island. Diese dritte Zirkulation ist die Polarzelle.

Die Erde besitzt dementsprechend drei Zirkulationszellen, die Venus hingegen nur die Hadley-Zelle. Die Hadley-Zelle der Venus ist jedoch um einiges größer, dort steigt die Luft am Äquator auf und sinkt erst am Pol wieder ab. Der Antrieb dieser Zirkulation ist genauso wie auf der Erde die Energiedifferenz.

Die Venus ähnelt also nicht nur in ihrer Größe und Schwerkraft der Erde, sondern auch bei der Zirkulation gibt es Überschneidungen. Zudem liegt sie in der habitablen Zone, also der Zone um die Sonne, in der auf einem Planeten die Bedingungen für Leben gegeben sein könnten. Wäre es auf der Venus um einiges kühler, wäre sie wahrscheinlich der erdähnlichste Planet in unserem Sonnensystem, so liegt der Erdähnlichkeitsindex (ESI) jedoch nur bei 0,44 (wobei der ESI zwischen 0 (keine Ähnlichkeit) und 1 (100% ähnlich) liegt). Der ESI berechnet sich aus der Dichte, dem Radius, der Oberflächentemperatur und der kosmischen Geschwindigkeit (Fluchtgeschwindigkeit um den Planeten zu verlassen, die Schwerkraft fließt bei dieser Berechnung ein).

Der Grund dafür, dass nicht über bemannte Venus-Missionen gesprochen wird ist schlichtweg die enorm hohe Oberflächentemperatur und die Zusammensetzung der Atmosphäre – beides würde wohl kein Mensch überleben. Was die bemannte Raumfahrt angeht bleibt der Mars also weiterhin interessanter.

Dipl.-Met. Marcel Schmid und Praktikantin Carolin Probst
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Einheitliches Wetter zum Tag der Deutschen Einheit?

Am heutigen Montag, den 3. Oktober 2022, wird in ganz Deutschland der Tag der Deutschen Einheit begangen. Als deutscher Nationalfeiertag erinnert er an die deutsche Wiedervereinigung, die mit dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen wurde. Ursprünglich war der Tag des Mauerfalls von 1989, der 9. November, als Nationalfeiertag in der Diskussion. Da allerdings auf den 9. November auch die Reichspogromnacht von 1938 fällt, galt dieses Datum als ungeeignet, sodass nach Artikel 2 des Einigungsvertrages der 3. Oktober als „Tag der Deutschen Einheit“ zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde.
Pünktlich zum diesjährigen Feiertag verlagert sich Hoch TIMEO von Frankreich nach Westdeutschland. Flankiert wird es von einem umfangreichen Tief (international DINO) im Grenzbereich zwischen Belarus und Russland sowie einem Tiefdruckkomplex im Nordatlantik (siehe Abbildung 1). In höheren Atmosphärenschichten wird das Hoch zudem von einem Keil gestützt, dessen Achse von der Biskaya bis zur Norwegischen See etwas weiter westlich verläuft

 

Vergoldet uns Hoch TIMEO somit einheitlich mit viel Sonnenschein den Feiertag? So ganz dann doch nicht, denn die untersten Atmosphärenschichten sind noch mit reichlich Feuchtigkeit aus den letzten Tagen angereichert. So startete der Tag im Westen und Südwesten zum Teil mit zäheren Nebelfeldern, zum anderen beschert uns dieses Feuchteangebot tagsüber dichtere Quellwolken. Insbesondere in den östlichen und nordöstlichen Regionen ist die Wolkendichte allgemein höher, da man sich hier noch an der Ostflanke des Hochs befindet und zudem bei mäßigem bis frischem Nordwestwind von Nord- und Ostsee ein zusätzlicher Feuchtepool zur Verfügung steht. Vereinzelt reicht es auch noch für schwache Schauer. Einen ersten Vorgeschmack auf ein paar Tage goldenes Oktoberwetter bekommt da heute schon der Westen und Südwesten. Hier leistet Hoch TIMEO Schützenhilfe, indem es die Luftmasse allmählich beginnt abzutrocknen, sodass die Aufheiterungen zunehmen und sich die Sonne längere Zeit durchsetzen kann.

Die offiziellen Feierlichkeiten finden seit 1991 meist in der Landeshauptstadt des Bundeslandes statt, das aktuell den Vorsitz im Bundesrat (jährlicher Turnus) innehat. In diesem Jahr trägt der Freistaat Thüringen in Erfurt das Bürgerfest aus. Die Feierlichkeiten werden heute bei recht bewölktem Himmel, aber trockenen Bedingungen und einem Höchstwert von 15 Grad ihren Abschluss finden. Und wo pendelt sich die Temperatur im Rest des Bundesgebietes ein? Insbesondere im Bayerwald benötigt man für den Feiertagsspaziergang bei Höchstwerten um 12 Grad neben Jacke gegebenenfalls noch einen dickeren Pullover. Im übrigen Land klettert die Temperatur am Nachmittag je nach Sonnenausbeute auf immerhin 14 bis 19 Grad.
Noch ein kleiner Trost für alle, die heute die Sonne noch etwas suchen müssen. Hoch TIMEO beschert uns bis zur Wochenmitte in weiten Teilen des Landes ein paar Tage goldenes Oktoberwetter, denn die Sonne kann sich nach regionaler Nebelauflösung stärker in Szene setzen. Zudem wird es milder. Am Mittwoch beispielsweise werden 18 bis 22 Grad, im Südwesten sogar bis 24 Grad erreicht.

Doch zurück zum Tag der Deutschen Einheit und zwar ganze 32 Jahre zurück. Eventuell kann sich der eine oder andere abgesehen von der historischen Dimension des Tages auch an die damals vorherrschende Witterung erinnern?
Am 3. Oktober 1990 befand sich Mitteleuropa am Rande eines Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt über Osteuropa. Über Westeuropa dominierte hingegen ein ausgeprägter Tiefdruckwirbel mit Kern zwischen Island und Schottland das Wettergeschehen. Diese Konfiguration sorgte für eine südwestliche Strömung mit der eine sehr milde bis verhältnismäßig warme Luft ins Land gelangte.
Der Randbereich des Hochs leistete dabei ganze Arbeit und bescherte – einheitlicher als in diesem Jahr – weiten Teilen des Bundesgebietes viele Sonnenstunden. Allerdings mussten einige Regionen mit den für die Jahreszeit typischen zähen Nebel – und Hochnebelfelder bei der Sonnenausbeute zurückstecken. Insbesondere vom zentralen Mittelgebirgsraum zwischen Hessen und Thüringen über Franken bis an die Donau dauerte die Auflösung der Nebelfelder bis teilweise in den Nachmittag hinein. Im äußersten Nordwesten hingegen setzte das sich nähernde Tiefdruckgebiet samt seinen Ausläufern erste Akzente, indem es in den Nachmittagsstunden erste verdichtende Wolkenfelder mit vereinzelt etwas Sprühregen hereinführte. Alles in allem konnte der erste Tag der Deutschen Einheit aber verbreitet bei milden bis spätsommerlich warmen 16 bis 25 Grad durchaus im T-Shirt gefeiert werden. Im Südwesten konnten örtlich sogar bei bis zu 26 Grad ein Sommertag gemessen werden. In den erwähnten zähen Nebelregionen blieb es allerdings bei Werten von knapp unter 15 Grad deutlich frischer. Zu erwähnen sei noch, dass der vorherrschende Süd- bis Südostwind in der Nordhälfte durchaus spürbar war. Insbesondere im Küstenumfeld traten auch einzelne steife Böen, auf den nordfriesischen Inseln auch stürmischen Böen auf, sodass es sich hier bei einem Spaziergang anbot durchaus zur Windjacke zurückzugreifen.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.10.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Atmosphärische Gezeiten

Im Thema des Tages vom 17.03.2022 wurde u.a. auf die Auswirkungen der Anziehungskräfte des Mondes auf die Ozeane und die Entstehung der Gezeiten hingewiesen. Im folgenden Beitrag soll nun der mögliche Einfluss des Mondes und anderer Faktoren auf das Entstehen atmosphärischer Gezeiten erörtert werden.

Die Schwerkraft des Mondes wirkt auf die Atmosphäre genauso wie auf den Ozean, aber der Einfluss der Mondgravitation auf die Atmosphäre ist im Allgemeinen vernachlässigbar gering. Aufgrund der unterschiedlichen Dichte und Komprimierbarkeit der Atmosphäre und des Ozeans ist die Mondgravitation nicht in der Lage, nennenswerte Wellen in der Atmosphäre zu erzeugen. Allerdings werden in der Atmosphäre aufgrund der zyklischen Erwärmung durch die einfallende Sonnenstrahlung ebenso Gezeitenwellen erzeugt.
Für die Zwecke dieser diskreten Gezeitenschwankungen ist die wesentliche Wärmequelle diejenige, die durch die fast vollständige Absorption der kurzwelligen UV-Strahlung (ultravioletter Anteil der Sonnenstrahlung) innerhalb der Ozonschicht entsteht. Die Erwärmung der Ozonschicht tagsüber und die anschließende Abkühlung in der Nacht führt zu Veränderungen in der Dichte der Atmosphäre, die wiederum eine Welle erzeugt, die sich nach unten zur Oberfläche hin ausbreitet und sich mit der gleichen Geschwindigkeit um den Globus bewegt, wie sich die Sonne über den Himmel zu bewegen scheint.
Da diese Welle an den Lauf der Sonne gekoppelt ist, bedeutet letzteres, dass die entsprechenden atmosphärischen Luftdruckschwankungen (vergleichbar mit der ozeanischen Ebbe und Flut) jeden Tag zur gleichen Zeit an einem bestimmten Ort auftreten. Es stellt sich vereinfacht gesagt heraus, dass die signifikanteste Welle eine Periode von einem halben Tag hat, was wiederum bedeutet, dass diese atmosphärischen Ebbe- und Flutwellen (entsprechend niedriger und höherer Luftdruck in Meereshöhe) zweimal pro Tag auftreten.

Nun stellt sich die Frage, wie sich diese Gezeitenwellen in der Atmosphäre manifestieren, wie sie beobachtet werden und welche Auswirkungen sie haben. Zunächst erkennt man die Gezeiten an Schwankungen des Luftdrucks, gemessen oder reduziert auf Meeresspiegelhöhe. Durch diesen Gezeiteneffekt kommt es zweimal täglich entsprechend zu höheren und tieferen Werten des Luftdrucks. Diese Schwankungen lassen sich am besten in tropischen Breitengraden beobachten, während sie in den gemäßigten und höheren Breitengraden nur schwer zu beobachten bzw. auszumachen sind.
Hierfür gibt es zwei Gründe. Erstens ist die Sonneneinstrahlung pro Flächeneinheit in den tropischen Breiten größer, so dass der Antrieb für die Gezeitenbewegungen in diesen Gebieten stärker ist. Zweitens verdecken bzw. überlagern stärker ausgeprägte (dynamische) Druckgebilde (und deren Migration) sowie zugehörige Fronten bei Tiefdruckgebieten in mittleren und hohen Breiten häufig die durch atmosphärische Gezeiten verursachten Druckschwankungen.
In den Tropen hingegen sind signifikante synoptische Druckgebilde mit Ausnahme der Passage tropischer Stürme eher selten, was wiederum bedeutet, dass die von Tag zu Tag auftretenden Druckschwankungen weitgehend auf die atmosphärischen Gezeiten zurückzuführen sind.

DWD Atmosphaerische Gezeiten

Abbildung 1 zeigt gemessene Werte des Luftdrucks in Meeresspiegelhöhe für mehrere Tage im Zeitraum Anfang August 2017 von einer Wetterboje in der östlichen zentralen Karibik, etwa 180 Meilen süd-südwestlich von Puerto Rico.
In diesem Bild ist die Luftdruckschwankung aufgrund der atmosphärischen Gezeiten deutlich erkennbar, überlagert von geringen anderen Änderungen des Luftdrucks in Meeresspiegelhöhe über einen Zeitraum von fünf Tagen. Zu erkennen ist hierbei, dass die Druckminima täglich um 0900 GMT (Greenwich Mean Time) und 2100 GMT auftreten, also um 5 und 17 Uhr Ortszeit. Die Druckmaxima treten täglich um 1500 GMT und 0300 GMT auf, d. h. zwischen 11 und 23 Uhr, was ebenfalls den prinzipiellen Erwartungen zum Tagesgang des Luftdrucks entspricht. Der Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Luftdruck beträgt in etwa zwischen 1 und 3 mbar bzw. hPa.

Auf diese Weise liefern atmosphärische Gezeiten beim Fehlen überlagerter Luftdruckschwankungen durch die Passage von synoptischen Druckgebilden gerade im Bereich der Tropen einen wesentlichen Beitrag zum Tagesgang des Luftdrucks in Meereshöhe.

Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im September 2022

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfalen 15,8 °C +0,2 Grad
2 Freiburg Baden-Württemberg 15,8 °C +0,7 Grad
3 Helgoland Schleswig-Holstein 15,7 °C +0,8 Grad

Besonders kalte Orte im September 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 9,4 °C -0,4 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 9,5 °C -0,2 Grad
3 Neuhaus am Rennweg Thüringen 10,1 °C -0,1 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Oberreute Bayern 268,8 l/m² 183 %
2 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 268,0 l/m² 191 %
3 Ruhepolding-Seehaus Bayern 260,0 l/m² 174 %

Besonders trockene Orte im September 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Greifswald Oie Mecklenburg-Vorpommern 29,8 l/m² 61 %
2 Dessau-Roßlau-Rodleben Sachsen-Anhalt 29,9 l/m² 70 %
3 Wollin Brandenburg 31,5 l/m² 76 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Greifswalder Oie Mecklenburg-Vorpommern 201 Stunden 129 %
2 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 193 Stunden 114 %
3 Putbus Mecklenburg-Vorpommern 187 Stunden 118 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 103 Stunden 76 %
2 Grainet-Rehberg Bayern 111 Stunden 69 %
3 Oberstdorf Bayern 112 Stunden 71 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Historischer Hurrikan IAN – Zerstörungen auf Florida

Dass es irgendwann „krachen“ würde, war im Hinblick auf die ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko zu befürchten. Sobald die übrigen, atmosphärischen Voraussetzungen geschaffen werden würden, stünden den sich entwickelnden tropischen Wirbelstürmen ein gewaltiges Energiereservoir zur Verfügung. Dieses Potenzial scheint Hurrikan IAN nun in hohem Maße ausgeschöpft zu haben, zählte er am Ende doch zu den stärksten und verheerendsten Wirbelstürmen, die Florida und die USA je heimgesucht haben.

Am Dienstagmorgen (27. September) Mitteleuropäischer Zeit überquerte IAN den Westen Kubas nach rascher Intensivierung bereits als Hurrikan der dritten Kategorie von fünf mit Windgeschwindigkeiten um 200 km/h und heftigem Starkregen. Schon dort zeigten sich massive Schäden an der Infrastruktur, größere Teile des Landes waren zwei Tage ohne Strom.

Über dem Golf von Mexiko konnte sich IAN dann sukzessive weiter verstärken und erreichte am Mittwochmittag (28. September) seinen Entwicklungshöhepunkt. Er reifte zu einem extrem gefährlichen Hurrikan der vierten Kategorie heran und produzierte bei einem Kernluftdruck von 937 hPa Windgeschwindigkeiten von 250 km/h. Zu diesem Zeitpunkt befand sich IAN schon unmittelbar vor der Südwestküste Floridas. Das Zeitfenster für eine Abschwächung bis zum Landgang, das Meteorologen aufgrund zunehmender Windscherung über dem Südosten der USA im Vorfeld ausgemacht haben, schrumpfte somit auf ein Minimum. Folglich schlug IAN am Mittwochabend gegen 21 MESZ als immer noch zerstörerischer Hurrikan der zweithöchsten Kategorie mit einem Kernluftdruck von 940 hPa und mittleren Windgeschwindigkeiten bis 240 km/h mit fast voller Wucht auf die Küste nahe Fort Myers auf. Gemessen an den Windgeschwindigkeiten war es der viertstärkste Hurrikan, der je auf Florida traf, und der neuntstärkste in der Wettergeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Als besonders problematisch stellte sich neben der Stärke vor allem die äußerst langsame Verlagerung des Sturms heraus. Nahe der „Eyewall„, also der kreisrund um das eher wolken- und windschwache „Auge“ des Sturms angeordneten Wolkenwand, herrschte an der Südwestküste Floridas über Stunden hinweg Orkan. An der Südflanke des Sturms wehte der Wind aus westlichen Richtungen, sodass zudem gewaltige Wassermengen vom Meer in Richtung Küste und Buchten gedrückt wurden. Dies führte dort zu historisch hohen Sturmfluten bis zu 5 Metern Höhe. Im Landesinneren schwächte sich der Sturm dann zwar langsam ab, nicht aber der Starkregen. Bei Niederschlagsmengen von zum Teil mehr als 300 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 12 bis 24 Stunden – das entspricht fast zwei Dritteln des Jahresniederschlages in Berlin – bildeten sich auch im Inland, insbesondere in einem Streifen von Fort Myers und Tampa über Orlando in Richtung Nordosten bis zur Atlantikküste, ausgedehnte Überschwemmungsflächen. Nach Daten des amerikanischen Wetterdienstes handelte es sich in einigen Regionen um ein Ereignis, das statistisch nur alle 1000 Jahre auftritt. Die Schadensbilanz dürfte verheerend ausfallen, die Aufräumarbeiten müssen allerdings abgewartet werden.

Die Frage, ob Hurrikan IAN eine Folge der Klimakrise ist, lässt sich nicht so einfach beantworten, da von Einzelereignissen nicht unmittelbar auf den Klimawandel geschlossen werden kann. Mithilfe der sogenannten Attributionsforschung lässt sich aber der ursächliche Einfluss der Klimaveränderungen auf die Stärke der Wirbelstürme abschätzen. So deuten erste Voranalysen der Stony Brook Universität (New York) darauf hin, dass der Starkregen durch die Klimaveränderungen um 10% höher ausgefallen sein könnte.

DWD Historischer Hurrikan IAN Zerstoerungen auf Florida

Am heutigen Freitag (30. September) befindet sich IAN als Kategorie-1-Hurrikan mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 140 km/h bereits auf dem Atlantik und nähert sich auf einer nördlichen Bahn der Küste von South Carolina. Dort wird er, höchstwahrscheinlich ohne nennenswerte Intensitätsänderung, in der kommenden Nacht zum Samstag auf Land treffen. Orkanartiger Sturm, Starkregen und Sturmfluten sind zwar wieder zu befürchten, allerdings bei weitem nicht in dem Ausmaß wie in Florida.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.09.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Weltherztag

Unser Herz ist unser wichtigster Muskel. Er versorgt unsere Organe mit sauerstoffreichem Blut, hört es auf zu schlagen, setzt auch die Versorgung aus. Bleibt ein Herzinfarkt unbehandelt, sterben wir.

Seit 2011 wird an jedem 29. September der Weltherztag „gefeiert“. Ziel ist es, das Herz und dessen Gesundheit in den Fokus der Menschen zu bringen. In diesem Jahr will der Weltherztag den Herzinfarkt in den Mittelpunkt rücken mit dem Motto: „Herzinfarkt: Vorbeugen ist nicht schwer!“.

DWD Weltherztag

Und das Vorbeugen ist gar nicht so schwer: Gesundes Essen und ausreichend Bewegung sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Risikopatienten sollten ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren und notwendige Medikamente einnehmen. Außerdem sollte man auf seine innere Stimme hören. Das ist in hektischen Zeiten gar nicht so leicht. Daher sollten wiederkehrende Ruhepausen eingelegt werden, in denen man ausgiebig in sich hinein hört.

Im Falle eines Falles sollte aber auch jeder wissen, was zu tun ist. Richtig ist, sofort zu handeln. Die Deutsche Herzstiftung hat in einem Artikel alles Wichtige zusammengefasst:

Herzinfarkte sind nicht nur ein Problem des Alters. Auch junge Menschen können einen Herzinfarkt erleiden. Studien haben herausgefunden, dass Herzinfarkte bei Patienten unter 50 Jahren auf erhöhte Blutfette zurückzuführen sind. So ist das Lipoprotein(a), ein Partikel des Cholesterin, ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit einer einmaligen Blutuntersuchung kann man den Lp(a) Wert bestimmen und gegebenenfalls rechtzeitig gegensteuern.

Ganz generell hat auch das Wetter oder besser gesagt die Temperatur Einfluss auf unsere Herzgesundheit. Als Merksatz gilt: Je kälter es ist, umso stressiger ist es für unser Herz-Kreislauf-System. Bei Kälte, gemeint sind vor allem Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ziehen sich die Gefäße zusammen, der Blutdruck steigt. Verkalkungen in den Gefäßen können abplatzen, Gerinnsel können sich bilden und im Ernstfall kommt es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Forscher in Kanada haben 2015 einen klaren Zusammenhang zwischen der Außentemperatur und einem schweren Herzinfarkt gefunden

Je 10 Grad Temperaturabnahme steigt die Gefahr eines schweren Herzinfarkts um 7 %. Da die Temperatur und ihre Abnahme relativ gut vorhersagbar sind, kann man auch eine Vorhersage des Herzinfarktrisikos treffen.

Neben der Kälte hat auch die Hitze einen negativen Einfluss auf unser Herz. Bei Ausdehnung der Blutgefäße kommt es zu Blutdruckabfall und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufkollaps oder Hitzschlag.

Am Ende bleiben nur eine gesunde Lebensweise und eine regelmäßige Kontrolle der Körperfunktionen, um das Risiko einer Herzerkrankung zu senken.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.09.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Regennachschub – der Herbst bleibt sich (noch) treu

Regenschirme bleiben auch in den nächsten Tagen ein beliebtes Accessoire. Zwar geht Tiefdruckgebiet THORVI, das sich über Mitteleuropa eingenistet hat und uns in den vergangenen Tagen zum Teil schon ergiebigen Regen gebracht hat, die Luft aus und es kann sich vor allem zum Freitag vorübergehend schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar machen. Doch schon am Wochenende erreichen uns neue atlantische Tiefausläufer mit dicken Regenwolken.

Damit bleibt sich der diesjährige meteorologische Herbst treu. Denn der sonnige und warme Septemberbeginn erwies sich nur als flüchtige Zugabe des Sommers. Über weite Strecken des Monats dominierte Tiefdruckeinfluss und mitunter sehr niederschlagsreiches Wetter. Das verdeutlicht auch die Radaranalyse der Niederschlagsbilanz für den Monat bis einschließlich Mittwoch (28.09.). Fast überall war es deutlich zu nass! Vor allem über der südlichen Mitte Deutschlands fiel nicht selten das 2- bis 3-fache der auf Grundlage der vieljährigen Mittelwerte zu erwartenden Regenmengen. Das ist ein völlig konträres Bild zum Sommer, als sich verbreitet ein gewaltiges Niederschlagsdefizit aufbauen konnte.

DWD Regennachschub der Herbst bleibt sich noch treu 1

Eine ausführliche Auswertung der Witterung im September, inklusive der Niederschlagsbilanz, erfolgt in der Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes, die noch im Laufe der Woche veröffentlich wird.

Blicken wir nun in die Zukunft, die, wie bereits erwähnt, zunächst einmal kein generelles Umschwenken zu trockenerer Witterung verspricht. Ab Samstag erreichen uns mit atlantischen Tiefausläufern erneut mehrere Regenschübe, die uns bis mindestens zum Beginn der kommenden Woche beschäftigen werden. Das sind nicht nur Schauer, sondern zum Teil auch wieder länger anhaltende und ergiebige Regenfälle. Diese stehen in Verbindung mit kleinen Randtiefs, deren Vorhersage mit größeren Unsicherheiten behaftet ist. Entsprechend sollte man die beiden Berechnungen des bis zum Montag (03.10.) aufsummierten Niederschlags vom ICON– und IFS-Modell mit Vorsicht genießen. An der Grundaussage, dass gebietsweise wieder einiges an Regen runterkommt, ändert das aber wenig. Mit Ausnahme des Nordostens, wo beide Modelle meist nur 5 bis 10 Liter pro Quadratmeter simulieren, kommen erneut Mengen von verbreitet 10 bis 30 Liter pro Quadratmeter zusammen. In Staulagen der Mittelgebirge sowie an der Nordsee sind zum Teil 30 bis 60 Liter pro Quadratmeter möglich, bevorzugt im Schwarzwald und im Allgäu auch noch mehr.

DWD Regennachschub der Herbst bleibt sich noch treu

Prinzipiell sollte man dem Regen weiter wohlwollend gegenüberstehen. Zwar hat sich die Dürre im Oberboden bereits vielfach entspannt, in den tiefen Bodenschichten sitzt sie aber teilweise noch fest. Dennoch, der ein oder andere kleinere oder mittelgroße Fluss könnte Anfang Oktober vorübergehend Hochwasser führen.

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober könnte nicht nur ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte sein, sondern dieses Jahr möglicherweise auch beim Wetter. Die Modelle deuten für den weiteren Verlauf der ersten Oktoberwoche eine Wetterberuhigung an. Ob das herbstlich kühle Schauerwetter tatsächlich mal eine substanzielle Pause einlegt und Altweibersommer Einzug hält, bleibt aber abzuwarten.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Klimakommunikation in Krisenzeiten

Wie kann Kommunikation über den Klimawandel wirksamer werden? Wie kann Kommunikation die Entscheidungsfindung in politischen, gesellschaftlichen oder unternehmerischen Prozessen unterstützen und zu Handlungen motivieren, die das Klima schützen? Und welchen Beitrag kann Kommunikation für ein Gelingen des gesellschaftlichen Wandels hin zu einem klimaverträglichen Wirtschaftssystem leisten? Unter anderem diese Fragen wurden am 14. und 15. September auf dem K3 Kongress zu Klimakommunikation in Zürich diskutiert.

Auch wenn der ausgebuchte Kongress hauptsächlich vor Ort stattfand, so konnten ausgewählte Vorträge und Beiträge, unter anderem die „Keynotes“ (siehe ) online live verfolgt werden. Eine davon hielt Prof. Dr. Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie über „Nachhaltigkeit beginnt im Kopf“.

DWD Klimakommunikation in Krisenzeiten

Schon der Einstieg des insgesamt sehr fesselnden Vortrags blieb (sprichwörtlich) im Gedächtnis: Ein MRT-Bild eines Gehirns, ihres eigenen Gehirns, füllte die große Leinwand im Saal (oder den Bildschirm zu Hause) aus. Die Botschaft dazu: Wir alle haben unterschiedliche Gehirne; deshalb sieht, riecht und schmeckt nicht nur jeder von uns anders, sondern deswegen sieht jeder die ganze Welt aus anderen Augen. Wenn man sich also manchmal denkt: „Das muss der doch sehen/merken/genauso empfinden!“ muss man sich immer vor Augen führen: „Nein, muss er nicht!“… Die einzige Möglichkeit, diesem „Dilemma“ zu entkommen, ist laut Maren Urner klar: Kommunikation. Dabei stehen wir allerdings vor großen Herausforderungen:

1. Unsere Vorliebe fürs Negative
Die vielen negativen Nachrichten über Kriege, Krisen und Katastrophen, die täglich auf uns einprasseln, sind laut Maren Urner nicht unbedingt böse Absicht der Journalisten (- auch wenn negative Nachrichten mehr Klicks bringen und sich damit mehr Geld verdienen lässt). Vor allem ist der sogenannte Negativitäts-Bias schuld – also unsere Tendenz, negative Nachrichten als wichtiger zu empfinden. Woher kommt dieser Hang zum Negativen? Die Ursprünge liegen in der Steinzeit: Unser Gehirn ist darauf programmiert, zu überleben. Damals waren Informationen über Gefahren überlebenswichtig, und obwohl wir solchen Gefahren heute nicht mehr ausgesetzt sind, laufen wir immer noch mit einem Steinzeitgehirn durch die Welt.

2. Angst und Unsicherheit sind schlechte Berater
Der einseitige Fokus aufs Negative, auf die Probleme und Herausforderungen, sorgt zwar für kurzfristiges Überleben, langfristig jedoch für Stress, ausgelöst durch Angst und Unsicherheit. Unser Angsthirn hindert uns daran, langfristige und gut überlegte Entscheidungen zu treffen.

3. Macht der Gewohnheit und erlernte Hilflosigkeit
Doch worauf basieren unsere Entscheidungen? Zum großen Teil auf unseren Gewohnheiten! Bis zu 95 Prozent unserer täglichen Handlungen sind Gewohnheitshandlungen. Bekommen wir andauernd gesagt und gezeigt, dass wir gegen die Probleme dieser Welt nichts ausrichten können, erreichen wir möglicherweise irgendwann den Zustand der sogenannten „erlernten Hilflosigkeit“ (an dieser Stelle wurde ein Experiment mit Hunden aus dem Jahr 1967 erläutert, das hier nur kurz angerissen werden kann: Eine Gruppe von Hunden, die infolge einer früheren Erfahrung gelernt hatte, hilflos zu sein, ließ Stromschläge lethargisch über sich ergehen, selbst als sie ihnen hätte entgehen können).

Zugegeben: Negativitäts-Bias, Angsthirn, Gewohnheitstier – das klingt alles wenig vielversprechend. Also ist alles aussichtlos? „Nein“, sagt Maren Urner und zitiert Steve de Shazer: „Das Reden über Probleme schafft Probleme, das Reden über Lösungen schafft Lösungen.“ Konkret kann das gelingen, indem wir beispielsweise bessere Fragen stellen, also „wofür“ statt „wogegen“. Im Hinblick auf die Klimakrise sollten wir also nicht davon sprechen, welche Einschränkungen es gibt oder was wir verlieren, sondern vielmehr überlegen, was wir durch eine Kursänderung gewinnen oder worauf wir uns sogar freuen können. Es gilt, quasi einen Schalter im Kopf umzulegen: Das ist zwar erstmal anstrengend, da unser Gehirn gerne im Energiesparmodus arbeitet – aber wenn wir unsere Neugier ankurbeln, wird das Belohnungssystem im Hirn aktiv und sorgt anschließend für Glücksgefühle.

Und bei wem nun die Neugier geweckt ist, der kann in Kürze den ganzen Vortrag von Maren Urner (und einige andere) unter

sehen. Vielleicht bleibt neben vielen anderen interessanten Aspekten ja auch ein Zitat von Paul Harvey in Erinnerung, das es irgendwie schafft, bei all den vielen täglichen negativen Nachrichten sprichwörtlich „zu erden“:

DWD Klimakommunikation in Krisenzeiten 1

Despite all our accomplishments, we owe our existence to a six-inch layer of topsoil and the fact it rains.“ (Auf Deutsch etwa „Trotz all unserer Leistungen verdanken wir unsere Existenz einer sechs Zoll dicken Humusschicht und der Tatsache, dass es regnet.“)

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.09.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Frühester Frost

Vor etwa drei Wochen konnte man tagsüber bei Höchsttemperaturen von gebietsweise 30 Grad und mehr in Teilen Deutschlands noch gut in den Pool springen, mittlerweile hat es sich aber deutlich abgekühlt. Tagsüber werden derzeit kaum noch 15 Grad erreicht, vor einigen Nächten gab es bereits Frost.

So wurde in den Morgenstunden des 21., 22. und 23. September 2022 an einigen Stationen in der Mitte, im Osten und im Süden der erste Frost des zweiten Halbjahres registriert. Dieser Frost beschränkte sich nicht nur auf das höhere Bergland, sondern trat auch in tieferen Lagen auf  Ist dieser frühe erste Frost ungewöhnlich bzw. gab es ihn sogar so früh wie noch nie?

DWD Fruehester Frost

Zur Klärung dieser Frage hilft die Grafik mit dem frühesten Frost mit Temperaturen unter 0 Grad im Zeitraum Winter 1981/1982 bis 2021/2022 in Deutschland weiter. Im Südosten des Landes gab es in diesem Zeitraum meist zwischen dem 14. und 23. September den frühesten Frost, in der Mitte und im Osten zwischen dem 23. September und dem 2. Oktober. Im Westen und Norden wurde der früheste Frost dagegen erst zwischen dem 2. und 10. Oktober oder noch später gemessen. Vergleicht man also den aktuellen Frost damit, so war der diesjährige Frost tatsächlich sehr früh. Auswertungen von etwa 100 CDC-Stationen (CDC=Climate Data Center) mit entsprechend langen Zeitreihen und ohne größere Ausfälle zeigen an zwei Stationen sogar den frühesten registrierten Frost seit dem Winter 1981/1982: In Hechingen (Baden-Württemberg) am 22. September und in Augsburg (Bayern) am 23. September 2022

DWD Fruehester Frost

Unter  lassen sich weitere Frostkarten mit den frühesten (spätesten) mäßigen bzw. strengen Frösten (Tagestiefsttemperatur unter -5 bzw. -10 Grad) in Deutschland abrufen. Untergibt es darüber hinaus Grafiken für die Wahrscheinlichkeit für Frost (bzw. mäßigen/strengen Frost) an ausgewählten Stationen.

In den kommenden Tagen spielt bei meist vielen Wolken unter Tiefdruckeinfluss und nur kurzem Zwischenhocheinfluss am Donnerstag und Freitag Frost vorerst so gut wie keine Rolle mehr. Allgemein aber steigt die Frostwahrscheinlichkeit im Oktober dann immer weiter an.

Dipl.-Met.Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.09.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst