Das Wetter: Smalltalk-Thema Nr. 1!

„Das ist aber auch ein Wetterchen heute!“ – „Kann man nicht anders sagen. Kann man zwei draus machen!“ – Eingefleischten „Bud Spencer und Terence Hill“-Fans ist dieser Dialog aus dem Film „Zwei außer Rand und Band“ aus dem Jahre 1977 sicherlich geläufig. Aber nicht nur in dieser Szene diente das Wetter als „Gesprächsöffner“, es ist generell ein sehr, wenn nicht sogar das beliebteste Smalltalk-Thema.

Warum das so ist? Mit dieser Frage beschäftigten sich bereits zahlreiche psychologische Studien. Zum Smalltalk greift der Mensch zum Beispiel in Situationen, in denen er keine Zeit oder kein Interesse hat, mit seinem Gegenüber ein längeres oder tiefer gehendes Gespräch zu führen. Vielleicht ist es einem auch unangenehm ein Gespräch zu beginnen, weil man entweder schlicht nicht weiß, worüber man sich mit seinem Gegenüber unterhalten soll, oder im Gegenteil sehr genau weiß, was man ansprechen möchte bzw. müsste, das Thema an sich allerdings unangenehm ist.

Tja und in solchen Situationen sucht man sich am besten ein Thema, das zum einen jeden in irgendeiner Form etwas angeht und zum anderen kaum Konfliktpotenzial bietet. Dass sich dazu weder Politik noch Sport eignet, ist wenig überraschend. Es gibt beispielsweise sicherlich bessere Ideen als jemanden in der Frankfurter U-Bahn auf die Vereinsgeschichte von Kickers Offenbach anzusprechen.

Beim Wetter ist das anders. Denn darauf, ob es nun gerade regnet oder die Sonne scheint, hat ja nun mal niemand einen Einfluss. Es ist schlicht und ergreifend höhere Gewalt. Daher lässt sich relativ „gefahrlos“ über das aktuelle Wettergeschehen losquatschen. Ob das aber auch in Zukunft so sein wird, ist fraglich. Das Thema Wetter wird in unserer Gesellschaft zunehmend im Kontext des Klimawandels gesehen, sodass auf ein eigentlich unverfängliches „Na, ein Tag zum Sonneputzen heute, was?!“ schnell ein „Viel zu viel Sonne! Es hat schon seit Tagen nicht mehr geregnet. Und wenn’s dann regnet, ist gleich alles überflutet!“ folgen. Und ruckzuck befindet man sich in einer Klima-Diskussion.

Eventuell sollte man sich also schon mal ein alternatives Smalltalk-Thema suchen, das man bei Bedarf auspacken kann. Aber was könnte das sein? Andererseits wird es natürlich auch in Zukunft so sein, dass wir an heißen Sommertagen gemeinsam schwitzen und bei frostiger Winterluft bibbern, ganz egal, wer da jetzt dafür verantwortlich ist. Bleiben wir also vielleicht doch am besten beim Wetter als Smalltalk-Thema Nr. 1! Und wenn’s dann tatsächlich mal in ein tieferes Gespräch münden sollte, ist das ja vielleicht auch nicht verkehrt, oder?

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.10.2021

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Goldenes Oktoberwochenende mit Schönheitsfehlern

Verantwortlich für das schöne und zumindest tagsüber milde Wetter am kommenden Wochenende zeigt sich das Hoch NILA. Am heutigen Donnerstag liegt es mit seinem Schwerpunkt noch über der Iberischen Halbinsel. In den kommenden Tagen weitet es sich zunehmend nach Norden und Osten aus und nimmt Verbindung mit dem Hoch LIOBA über Osteuropa auf, sodass eine ausgedehnte Hochdruckbrücke entsteht. Diese erstreckt sich dann am Samstagmittag mit ihrer Achse in etwa von Nordfrankreich über die Mitte Deutschlands und Polen bis nach Westrussland. Flankiert wird diese Hochdruckzone von Tiefdruckgebieten über Nordeuropa sowie über dem Mittelmeerraum. Besonders vom zentralen Mittelmeerraum bis hinüber zum Schwarzen Meer drohen gebietsweise schwere Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen. Dort sind lokal über 100 l/m² innerhalb von 24 Stunden möglich. In der vergangenen Nacht fielen beispielsweise an der Wetterstation auf Korfu 90 l/m² innerhalb von 12 Stunden. Lokal dürfte im hügeligen Norden und Nordosten des Landes auch noch deutlich mehr Regen gefallen sein.

Bei uns in Deutschland bekommt man von alledem höchstens in den Nachrichten, durch Verwandtschaft und Freunde oder in den sozialen Medien etwas mit, denn das Hochdruckwetter lädt besonders tagsüber zu Spaziergängen in der herbstlich geprägten Landschaft ein. Am morgigen Freitag macht sich die Sonne vor allem in einem Streifen von Mecklenburg über den zentralen Mittelgebirgsraum bis in den Südwesten und Süden des Landes noch rar. Dort hält sich dichte hochnebelartige Bewölkung, die erst im Laufe des Nachmittags einige Lücken bekommt. Südöstlich des Inns sind sogar noch ein paar Spritzer Regen möglich. Ansonsten steht nach Auflösung von örtlichen Nebel- und Hochnebelfeldern ein sehr freundlicher Tag mit Höchstwerten bis knapp 19 Grad ins Haus.

Am Wochenende beschert uns NILA dann fast überall goldenes Oktoberwetter. Nur in manchen Flussniederungen Süddeutschlands sowie in nebelanfälligen Gebieten des zentralen Mittelgebirgsraums hat es die Sonne schwer, da sie sich dort teilweise erst am Nachmittag durch die dicke Nebelsuppe kämpfen wird. Ansonsten können nach meist rascher Nebelauflösung am Morgen und Vormittag sonnige und milde Herbsttage genossen werden. In den Hochlagen der Alpen zeigt sich bestes Wanderwetter. In etwa 2000 m Höhe werden dabei 2 bis 5 Grad erreicht, wodurch es der dünnen Neuschneeauflage, die sich in den vergangenen Tagen gebildet hat, an den Kragen gehen wird. Ganz im Nordwesten ziehen am Sonntag jedoch erste Wolkenfelder mit vereinzelten Regenschauern auf. Diese kündigen bereits den nahenden Wetterwechsel an.

Vorsicht ist in den Nächten geboten, denn gebietsweise droht der erste Luftfrost des nahenden Winters. Frost in Bodennähe tritt relativ verbreitet auf. Empfindliche Pflanzen müssen also geschützt werden. Auch eine dicke Jacke sowie Schal und Mütze sollten zumindest nachts und am frühen Morgen griffbereit liegen.

Zum Start in die neue Woche geht dann der Trend zu leicht wechselhaftem und kühlerem Herbstwetter. Daher lautet die Empfehlung am Wochenende, raus in die Natur, Sonne tanken und sich auch mal an den kleinen und schönen Dingen des Lebens erfreuen.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.10.2021

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DWD Goldenes Oktoberwochenende mit Schoenheitsfehlern

Nobelpreis geht an Meteorologen Klaus Hasselmann

Warmer Applaus schlug ihm entgegen, als der frisch gekürte Nobelpreisträger für Physik, Klaus Hasselmann, im einst von ihm geleiteten Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg geehrt wurde. Es ist vor allem seine Bescheidenheit und Verschmitztheit mit der er sowohl die Studenten vor Ort als auch Millionen von Nachrichtenzuschauern an den TV Geräten und Smartphones dieser Welt für sich einnimmt.

Was war passiert? Das Nobelkomitee trat vor in Stockholm vor die Presse und verkündete die diesjährigen Nobelpreisträger für Physik. Neben dem japanischstämmigen US-Amerikaner Syukuro Manabe und dem Italiener Giorgio Parisi fiel auch der Name des gebürtigen Hamburger Klimaforschers Klaus Ferdinand Hasselmann. In diesem Fachgebiet ist es die zweite Auszeichnung eines Deutschen in Folge. Bereits im vergangenen Jahr war unter anderem der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel für Forschungen zu schwarzen Löchern und supermassiven kompakten Objekten mit dem Preis geehrt worden. Übergeben werden die Preise traditionell erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Wer ist Klaus Hasselmann? Klaus Ferdinand Hasselmann wurde am 25. Oktober 1931 in Hamburg geboren. Seine Kindheit verbrachte er überwiegend in England, wohin seine Familie während der Zeit des Nationalsozialismus auswanderte. Nach seinem Abschlussexamen kehrte er im August 1949 nach Deutschland zurück und studierte zwischen 1950 und 1955 Physik und Mathematik an der Universität Hamburg. Anschließend promovierte er im am Max-Planck-Institut für Strömungsforschung an der Uni Göttingen bevor er 1963 an die Uni Hamburg zurückkehrte und dort habilitierte. Wenige Jahre später kennzeichnen Führungspositionen als Direktor des Instituts für Geophysik und Planetarische Physik an der Uni Hamburg, die eingangs erwähnte knapp 25-jährige Leitung als Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (1975-1999) und nicht zuletzt als wissenschaftlicher Direktor des frisch gegründeten Deutschen Klimarechenzentrums (1988-1999) seinen Werdegang. Zur Jahrtausendwende ging er in den wohlverdienten Ruhestand, die Bindung zu seiner beruflichen Leidenschaft blieb bis heute bestehen – und wurde nun mit dem knapp eine Millionen Euro dotierten Nobelpreis geehrt.

Woran arbeitete er? Klaus Hasselmanns Doktorarbeit beschäftigte sich mit einer „Methode zur Bestimmung der Reflexion und Brechung von Stoßfronten und von beliebigen Wellen kleiner Wellenlängen an der Trennungsfläche zweier Medien“. Sein Lieblingsthema bis heute: die Teilchentheorie. Er forschte auch an den komplexen Wechselwirkungen von Ozeanwellen. Wenn man sich die Wasseroberfläche als eine solche Trennungsfläche vorstellt, an der komplexe Wechselwirkungen zwischen Ozeanen und Atmosphäre tagtäglich stattfinden, so ist der Bogen zur Klimamodellierung schnell gespannt. Bereits 1976 entwickelte Hasselmann ein stochastisches Klimamodell, in dem Zufallsfluktuationen für die Variabilität des Klimas sorgen. Diese interne Variabilität im Klimasystem macht es so schwierig, natürliche und menschliche Faktoren und deren Einflüsse zu trennen. Mit seiner entwickelten Methode gelang es in späteren Klimaberechnungen den anthropogenen (also menschengemachten) Einfluss auf die globale Erwärmung nachzuweisen. Die Jury der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften sprach in Stockholm von „bahnbrechenden Beiträgen zum Verständnis komplexer physikalischer Systeme“, konkret „für das physikalische Modellieren des Klimas der Erde, die quantitative Analyse von Variationen und die zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung“. Auch wir sagen: Herzlichen Glückwunsch.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.10.2021

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Sintfluten am Mittelmeer

Regenfälle von selten gesehenem Ausmaß haben in den letzten zwei Tagen Teile des italienischen und französischen Mittelmeerraumes und des Zentralmassivs getroffen. Dafür ist das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren verantwortlich. Einer der wichtigsten Akteure ist der (Ex-)Hurrikan „SAM“, der sich zu diesem Zeitpunkt östlich von Neufundland auf dem Atlantik befand. Dort begann die zunehmende Eingliederung in die Westwindzone. Eine günstige Lage der Druckgebiete mit einer zunächst zonal ausgerichteten Höhenströmung sorgte dafür, dass rasch sehr viel Luftfeuchte von „SAM“ über den Atlantik Richtung Europa transportiert wurde, wo der Anschluss an ein zentrales Tiefdruckgebiet vor Norwegen erfolgte. Einmal verbunden konnte dieses Tief vor Norwegen immer weiter Luftfeuchte von Hurrikan „SAM“ quer über den Atlantik pumpen – es bildete sich ein sogenannter Atmosphärenfluss. Mit einem neu formierten Trog auf dem Atlantik wanderte dieser Fluss zusehends südwärts, sodass die Feuchte in Richtung Mittelmeer gelangen konnte. Klimatologisch betrachtet wird deutlich, wie herausragend dieses Ereignis ist, denn der absolute Feuchtegehalt der Luft betrug das doppelte des um diese Jahreszeit üblichen Wertes. Dies spiegelte sich auch in den Werten des niederschlagbaren Wassers wieder, die im Mittelmeerraum um 40 Millimeter betrugen.

Im Zusammenspiel mit der Kaltfront des vor Norwegen liegenden Tiefs konnte dieses Feuchteband nun abregnen. Zunächst lag diese Kaltfront am vergangenen Sonntag (3.10.2021) unter anderem über dem Zentralmassiv. Dort herrschte vorderseitig und bodennah eine kräftige Südostströmung, die frontal auf die Gebirgskette des Zentralmassivs prallte. Zusätzlich sorgte ein Bodentief in Verbindung mit Frontogenese für zusätzlichen Hebungsantrieb. So wurde direkt vor der Kaltfront Konvektion ausgelöst, die sich über Stunden hinweg immer weiter intensivierte und so den außergewöhnlich hohen Feuchtegehalt der Luft direkt in Starkregen umsetzen konnte. So regnete es anschließend über etwa gut 12 Stunden hinweg mit Raten zwischen 20 und 60 l/m² pro Stunde. Aufsummiert kamen so an einigen Stationen am Ostrand des Zentralmassivs Niederschlagssummen von weit über 100 l/m² in 24 Stunden zusammen. Die höchsten Mengen wurden im Ort Villefort gemessen. Dort fielen bis Sonntagabend 459 l/m² innerhalb von 24 Stunden, davon 251 l/m² innerhalb von 6 Stunden.

Am gestrigen Montag (4.10.2021) verlagerte sich das Geschehen mit dem Vorankommen der Luftmassengrenze und des Feuchteflussbandes dann weiter nach Osten an die italienische Mittelmeerküste nach Ligurien. Dort traf die Luftmasse auf die dortige Steilküste. Gleichzeitig sorgten die vorhandene Trogvorderseite sowie ein Bodentief über Oberitalien für Verstärkung der durch die Geländebeschaffenheit bereits erzwungene Hebung, was im Zusammenspiel mit der extrem feuchten Luft zu intensiver Konvektion führte. Es bildete sich ein quasistationäres Starkregencluster, das sich in einem Zeitraum von etwa 12 bis 18 Stunden über die dortige Region ergoss. Verbreitet wurden Mengen zwischen 100 und 200 l/m² registriert, an einzelnen Stationen wurden diese Werte aber weit übertroffen. Den Rekord hält voraussichtlich die Station in Rossiglione mit atemberaubenden 848 l/m² in 24 Stunden – ein Wert jenseits jeder sonst gebräuchlichen Skala. 700 l/m² fielen davon innerhalb von 12 Stunden. Vereinzelt wurden in der Region auch Stundensummen von 150 l/m² erreicht. Folgen dieses Extremereignisses waren unter anderem heftige Sturzfluten und Murenabgänge. Vermutlich wird man in den kommenden Tagen in den Medien noch einiges über die Unwetter in der dortigen Region hören.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.10.2021

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Warum bei Südföhn Nordwind weht

Warum geht bei Süd-Föhn am Alpennordrand Nordwind?

Rund um den Föhn gibt es viele Mythen, falsche Annahmen und leider auch immer noch zuwenig Fachwissen. Aber ein paar Dinge lassen sich recht leicht erklären, zum Beispiel an der Wetterlage am 3. und 4.10.2021.

Am Sonntag den 03.10. wehte extrem guter Föhn und der Kochelsee ging den ganzen Tag. Was unter anderem auch daran lag, das wir einen Föhn hatten der nicht klassisch vom Genuatief kam, sondern von einem Hoch im Mittelmeerraum und das Tief lag über dem Europäische Nordmeer und Nordatlantik, daher findet dann der Luftmassenaustausch auch über eine weite Strecke hin statt, die Isobaren waren entsprechend dicht bei uns gedrängt, so eine Lage sorgt für ordentliche Belüftung, wie auf den Bildern gut zu sehen ist.

Viele von euch nutzen die Föhndiagramme um zu entscheiden an welchen Spot Sie fahren, ob da genug Wind geht. Am Achensee wird das Diagramm gerne für Nordwind genommen, obwohl es von der Position der Wetterstationen und der daraus folgenden Hochrechnung der Daten dafür eher weniger geeignet ist. pgradient de

Da der Nordföhn im südl. Österreich und Norditalien u.a. auch von den aus W-NW kommenden Kaltfronten am nördlichen Alpenrand erzeugt wird, ergibt sich trotzdem häufig eine Korrelation zwischen Diagramm und Nordwind.

An Tagen wie heute aber nicht!

Daher kommt hier die Erklärung und warum der Blick auf singuläre Wetterdaten, Diagramme ohne Berücksichtigung des großen Ganzen selten gut funktioniert. 🙂

Wie man schon im ersten Bild erkennen kann, kommt von Westen her eine Kaltfront, diese Kaltfront sorgt dann am Montag für den Nordwind und zwar im Zusammenspiel mit dem Südwind! Die Kaltfront sorgt wie der Name schon sagt für kalte Luft, kalte Luft hat eine höhere Dichte, ist schwerer, daher sinkt die zu Boden sprich der Luftdruck ist dort höher.

ZAMG Isobarenkarte BK BodAna Sat 2110031200

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Addicted Sports Webcam Kochelsee

Gleichzeitig weht aber Inneralpin immer noch der Föhn und sorgt bis in das Inntal für warme und damit leichte, aufsteigende Luft, daher ist der Luftdruck dort niedrig. Siehe Abbbildungen von Wettteronline zum Druck und Windrichtung.

Die Natur will immer für Ausgleich sorgen, die Kalte und schwere Luft strömt immer vom hohen zum niedrigen Druck, vom Hoch zum Tief. Die Alpen sind aber ein massives Hinderniss, also sucht sich die Luftmase den einfachen Weg und der geht über den Achenpass in das Inntal bzw. generell über Einschnitte, Täler in den Alpen.

Beim klassischen Föhn geht das meist zwischen 1 und 3 Stunden, denn die kalte Luft fließt nur so lange bis das Inntal mit kühlerer Luftmasse aufgefüllt ist und kein Luftmassenaustausch mehr erfolgt bzw. nur mehr ein schwacher Fluß plätschert der keinen guten surfbaren Wind mehr erzeugt. Zudem bricht dann der Föhn zusammen und es regnet. Kommt der Regen ist der Spaß vorbei.

Wenn aber wie aktuell das Hoch südl. der Alpen liegt und ständig weiter warme Luft ins Inntal schaufelt, kann sich die frischeingeflossen Kaltluft auch immer wieder erwärmen und es dauert länger bis sich das Inntal füllt bzw. abkühlt, der Wind weht deutlich länger. So wirkt sich der Föhn der nicht mehr bis ins Voralpenland reicht, positiv auf den Nordwind aus obwohl der Achensee ein klassisches Föhntal ist und viele eher Föhn als Nordwind erwarten würden.

Addicted Sports Webcam Achensee Nordwind

Es lohnt sich also immer nicht nur auf einen Wetterdienst oder eine App zu schauen, sondern das System im ganzen zu betrachten und was es vorhat, was passieren wird. Isobarenkarten mit eingezeichnten Kaltfronten sind da unabdingbar und der Blick auf aktuelle Wetterdaten zum Abgleich wie gerade der tatsächliche Stand zur Prognose ist, schadet auch nicht.

Mehr Informationen über den Föhn findet Ihr auch im Newsarchiv:

https://www.windinfo.eu/die-klassische-foehntheorie/

https://www.windinfo.eu/hydraulische-foehntheorie/

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Bilder: ZAMG, Wetteronline, Windfinder, Addicted Sports

Luftdruck Oesterreich
Wind D Aut
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Der Herbst zeigt zunächst seine ungemütliche Seite. Goldener Oktober ab dem Wochenende?

Das Wetter in Deutschland wird derzeit von einem großräumigen Tiefdruckkomplex über dem Nord- und Nordostatlantik dominiert. Dabei tritt das Tief BENNI westlich von Norwegen als steuernde Einheit auf und schickt zudem seinen Tiefausläufer über Mitteleuropa hinweg bis in den nördlichen Mittelmeerraum, um dort an das Tief CHRISTIAN anzudocken. Zudem nähert sich vom Atlantik das Randtief DIDI, welches mit der Strömung Richtung Nordsee geführt wird und sich dabei auch prächtig entwickeln kann. Starke Hochdruckgebiete haben dagegen keinen Zugriff auf Mitteleuropa. Das Azorenhoch kann allenfalls das Wetter auf der Iberischen Halbinsel beeinflussen, das starke Hoch LIOBA über Nordwestrussland vergrößert nur ab und an seinen Hoheitsbereich bis nach Südosteuropa.

Somit bleibt Deutschland zunächst Spielball der Tiefdruckgebiete. Am heutigen Montag und auch in der Nacht zum Dienstag sorgt schließlich der Tiefausläufer von BENNI in Kooperation mit Prozessen aus höheren Luftschichten vom Südwesten bis in den Nordosten für Regenwetter. Denn im Umfeld der Front sowie auch im Bereich der Tiefs steigt die Luft auf, kühlt sich ab und generiert durch Kondensation sowie Tropfenwachstumsprozessen Regen. Zwischen dem Tiefausläufer und dem Tiefdruckkomplex über dem Atlantik kommt es allerdings zu kompensierendem Absinken. Wenn die Luft aufsteigt, muss sie aufgrund des Massengleichgewichts auch irgendwo absinken. Dies geschieht heute im Nordwesten und Westen Deutschlands sowie den Beneluxstaaten, wo die Sonne auch mal länger scheinen kann.

Ab Dienstag übernimmt dann das Tief DIDI das Wetterzepter. Während der Ausläufer von BENNI langsam nach Polen abzieht, rauscht DIDI in die südliche Nordsee. Auch er hat auf seiner Südseite einen Tiefausläufer im Gepäck, der ab Dienstagmittag von Westen auf Deutschland übergreift. Neben teils kräftigen Regenfällen bläst er vor allem in der Westhälfte auch ordentlich, sodass die Regentropfen durch die Luft peitschen. Weil es dem Tief über der südlichen Nordsee gut gefällt, macht es dort auch länger halt und wirbelt bis Donnerstag immer wieder Regenwolken über da Land hinweg. Etwas bevorzugt ist ab Mittwochabend allenfalls der Osten, der zwischen DIDI und dem Ausläufer von BENNI über Polen liegt. Hier kann z.B. das beschriebene kompensierende Absinken wieder wirken und die Wolken teilweise auflösen.

Außerhalb unserer Reichweite kann sich das Azorenhoch bis Mittwoch bis nach Frankreich vorarbeiten und schließlich das Tief DIDI in der Folge nach Norden Richtung Skandinavien schieben. Ab Donnerstag nimmt der Azorenhochableger Kontakt zum mächtigen Hoch LIOBA über Osteuropa auf und bildet schließlich eine Hochdruckbrücke von der Iberischen Halbinsel bis nach Osteuropa aus. Unter Hochdruckeinfluss beruhigt sich auch das Wetter in Deutschland. Auf die Regenfälle in der ersten Wochenhälfte folgt dann überwiegend trockenes, teils freundliches, teils aber auch nebliges trübes oder hochnebelartig bewölktes Herbstwetter. Die Temperaturen passen sich dabei ebenfalls dem Herbst an und erreichen nur noch selten und lokal begrenzt die 20-Grad-Marke. Mit der voraussichtlichen Wetterberuhigung zum Wochenende und somit häufigeren nächtlichem Aufklaren rückt dann der Bodenfrost wieder in den Fokus.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.10.2021

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DWD Der Herbst zeigt zunaechst seine ungemuetliche Seite. Goldener Oktober ab dem Wochenende

Feiertagswetter – damals und heute

Am heutigen Feiertag schauen wir etwas in die meteorologische Vergangenheit zurück: zum ersten Tag der Deutschen Einheit am 03. Oktober 1990. Eventuell kann sich der eine oder andere mit einem besonders ausgeprägten Langzeitgedächtnis sogar noch an die damalige Witterung erinnern. Allerdings war diese nicht wirklich spektakulär, denn Anfang Oktober 1990 befand sich Mitteleuropa am Rande eines Hochdruckgebiets mit Schwerpunkt über Osteuropa. Im Westen des Kontinents bestimmte dagegen ein Tief mit Kern zwischen Island und Schottland das Wettergeschehen. In höheren Atmosphärenschichten näherte sich außerdem ein sogenannter „Trog“ von Westen her an, erreichte das Bundesgebiet aber noch nicht. Diese Konfiguration sorgte in den meisten Regionen Deutschlands für eine sehr milde, stellenweise fast schon spätsommerliche Witterung.

Der Randbereich des Hochs bürgte dabei für viel Sonnenschein, allerdings gab es Regionen mit für die Jahreszeit typischen zähen Nebel- oder Hochnebelfeldern. Besonders von den zentralen Mittelgebirgen bis zur Donau hatte es die Sonne schwer sich gegen den Nebel durchzusetzen. Das vorhin erwähnte Tief bzw. der Trog lenkte generell sehr warme Mittelmeerluft in unser Gebiet, sodass die Temperatur vielerorts Höchstwerte zwischen 17 und 25 Grad erreichte. Im Südwesten konnten örtlich sogar etwas mehr als 25 Grad gemessen werden. In den erwähnten nebligen Regionen war beim Temperaturanstieg jedoch schon bei Werten knapp unter 15 Grad Schluss. Zudem machte sich der Wind bevorzugt in der Nordhälfte etwas bemerkbar mit einzelnen steifen Böen, an der Nordsee auch stürmischen Böen. Im Süden war es dagegen fast windstill. Erst in der Nacht zum 04.10.1990 griff von Nordwesten her eine markante Kaltfront auf die westlichen Landesteile über, die eine Wetterumstellung mit deutlich kühlerer Meeresluft einleitete.

Wie ist die meteorologische Situation nun am diesjährigen Feiertag? Auf den ersten Blick ergeben sich deutliche Übereinstimmungen mit der Wetterlage von vor 31 Jahren. Über Ost- und Nordosteuropa dominiert das umfangreiche Hoch LIOBA, nördlich von Schottland tummelt sich das kräftige Tiefdruckgebiet BENNI. Wie am ersten Tag der deutschen Einheit greift ein umfangreicher Trog (Abbildung 2a) langsam von West- auf Mitteleuropa über. Allerdings ist dieser schon etwas weiter nach Osten vorangekommen als im Jahre 1990, außerdem greift er auch deutlicher nach Süden aus. Folgerichtig ist die damit verbundene Wetterumstellung zum einen etwas „früher dran“ als am ersten Tag der Deutschen Einheit, zum anderen wird nochmals wärmere Luft in den Südosten des Landes geführt (Abbildung 2b). Die Kaltfront von Tief BENNI erreicht bereits in den Vormittagsstunden den Nordwesten Deutschlands und bringt dort leichten bis mäßigen Regen. Im weiteren Verlauf des Tages weitet sich dieser Regen langsam zur Mitte aus, erreicht aber weite Teile des Südens und den Osten nicht.

Außerdem frischt der Wind in deutlich mehr Regionen Deutschlands auf als am 03.10.1990. Im Westen und Nordwesten muss mit steifen bis stürmischen Böen gerechnet werden, außerdem kommt am Alpenrand Föhn (Sturmböen in den Hochlagen, schwere Sturmböen auf den Gipfeln, starke bis stürmische Böen in den klassischen Föhntälern) und in Sachsen Böhmischer Wind auf. Sonst spielt der Wind jedoch keine große Rolle. Die Föhnströmung sorgt auch dafür, dass die Sonne im Süden und Osten Bayerns von früh bis spät scheinen wird, während die Wolken sonst recht dicht sind oder sich weiter verdichten.

Am Ort der Feierlichkeiten zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit in Halle (Saale) werden bei bis zum Abend trockenen Bedingungen Höchstwerte von etwa 24 Grad erwartet, allerdings frischt der Wind vorübergehend etwas auf. Im Alpenvorland wird es sogar sommerlich warm mit bis zu 27 Grad, im Nordwesten ist es dagegen deutlich kühler mit maximal 17 bis 19 Grad.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.10.2021

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DWD Feiertagswetter damals und heute

 

 

Deutschlandwetter im September 2021

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2021*

1. Platz: Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 17,5 °C — Abweich. 2,2 Grad

2. Platz: Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) 17,4 °C — Abweich. 2,5 Grad

3. Platz: Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen) 17,2 °C — Abweich. 1,6 Grad

Besonders kalte Orte im September 2021*

1. Platz: Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 11,9 °C — Abweich. 2,2 Grad

2. Platz: Carlsfeld (Sachsen) 11,9 °C — Abweich. 2,1 Grad

3. Platz: Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) 12,3 °C — Abweich. 1,0 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2021**

1. Platz: Kreuth-Glashütte (Bayern) 176,6 l/m² — 117 Prozent

2. Platz: Benediktbeuern (Bayern) 149,9 l/m² — 118 Prozent

3. Platz: Holzkirchen (Bayern) 125,2 l/m² — 99 Prozent

Besonders trockene Orte im September 2021**

1. Platz: Schlüsselfeld-Hohn am Berg (Bayern) 4,6 l/m² — 9 Prozent 2. Platz: Weiden (Bayern) 4,6 l/m² — 8 Prozent 3. Platz Wernberg-Köblitz-Neunaigen (Bayern) 5,8 l/m² — 12 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2021**

1. Platz: Ulm-Mähringen (Baden-Württemberg) 249 Stunden — 142 Prozent

2. Platz: Stuttgart-Echterdingen (Baden-Württemberg) 245 Stunden — 144 Prozent

3. Platz: Münsingen-Apfelstetten (Baden-Württemberg) 242 Stunden — 151 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2021**

1. Platz: Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) 101 Stunden — 68 Prozent

2. Platz: Leck (Schleswig-Holstein) 111 Stunden — 80 Prozent

3. Platz: Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) 111 Stunden — 74 Prozent

oberhalb 920 m NN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Denny Karran

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.10.2021

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Oktober – Die Mischung macht’s

Deutschlandweit betrachtet schloss der September um rund 1,9 Grad zu warm ab, vergleicht man ihn mit dem langjährigen Klimamittel von 1961-1990. Selbst mit der neuen, schon wärmeren Klimaperiode von 1991-2020 fällt der Vergleich eindeutig zu Gunsten des diesjährigen Septembers aus. Die Anomalie beträgt hier noch immer gut +1,4 Grad. Der eher sommerliche als herbstliche Charakter des Monats lässt sich auch anhand der Anzahl der Sommertage belegen. Die 25-Grad-Marke wurde vor allem im Südwesten besonders häufig erreicht oder überschritten. Den ersten Platz teilen sich mit 13 Sommertagen die Stationen Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), Waghäusel-Kirrlach und Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) sowie Kitzingen (Bayern). Der September hat somit sogar den August übertroffen, der nur maximal 11 Sommertage aufbieten konnte. Selbst ein Hitzetag wurde am 9.9. im Lee des Harzes an der Station Huy-Pabstdorf (Sachsen-Anhalt) mit 30 Grad registriert.

Markant war neben der Wärme durch häufig vorherrschenden Hochdruckeinfluss auch ein größeres Niederschlagsdefizit. Mit nur 35 l/m2 fehlten landesweit im Schnitt rund 50 Prozent Regen in den Messtöpfen für eine ausgeglichene Bilanz. Regional zeigen sich aber doch deutliche Unterschiede (siehe Abbildungen der Gesamtniederschlagsmenge a) absolut und b) relativ zum vieljährigen Mittel abgeleitet aus Radardaten). So schlossen etwa einige Regionen im Norden durchschnittlich, lokal auch überdurchschnittlich ab. Einen großen Beitrag lieferten dabei zum Ende der ersten Septemberdekade kräftige Schauer und Gewitter mit Starkregen. Auch ein weiterer etwas nasserer Streifen zwischen den Alpen und Sachsen-Anhalt ist auf ein teils gewittriges Starkregenereignis in den Abend- und Nachtstunden vom vergangenen Sonntag auf Montag (26./27.09.) zurückzuführen.

Vom Rückblick in die Gegenwart. Der heute eingeläutete Oktober ist der 10. Monat im gregorianischen Kalender. Der Name geht auf die Römer zurück, die ihren achten Monat im Kalender „mensis october“ (lat. octo = acht) nannten. Im Mittelalter galt der Oktober als heiliger Monat, in dem bevorzugt viele Hochzeiten stattfanden. Auch das größte Volksfest der Welt, das Oktoberfest, geht etwa auf eine königliche Vermählung zurück. Auch sonst wartet der Oktober mit allerlei festlichen Tagen auf. Darunter fallen etwa Erntedank und der Tag der deutschen Einheit sowie zum Ende des Monats der Reformationstag und der inzwischen zum Teil praktizierte Halloween-Brauch. Der Oktober kann noch mit einer weiteren Besonderheit glänzen. So ist er der längste Monat des Jahres. Zwar hat auch der Oktober nur 31 Tage. Allerdings wird er durch die Zeitumstellung von Sommer- auf Normalzeit um eine Stunde länger.

Klimatisch kann der Oktober vielseitig sein. Häufig neigt er zu ruhigen und andauernden Hochdrucklagen. Sind dabei auch milde Luftmassen und viel Sonnenschein wirksam, dann ergibt sich mit der zunehmenden Blätterfärbung der Laubwälder ein goldener Farbton. Daraufhin ist oftmals vom „Goldenen Oktober“ die Rede. Hochdruckwetter im Herbst hat allerdings auch seine „Schattenseiten“. So kühlt bei klarem nächtlichem Himmel die Temperatur oft bis auf den Taupunkt ab, bei dem die Luft mit der maximal möglichen Menge an Wasserdampf gesättigt und die relative Feuchte 100 Prozent ist. Es entsteht Nebel, der sich mit schwächer werdender Sonneneinstrahlung auch tagsüber zäh halten kann.

Andererseits kann der Oktober aber auch mit windigem oder gar stürmischem und unbeständigem Wetter aufwarten. Nach beständigem Hochdruckwetter sieht es für das Wochenende und auch zu Beginn der neuen Woche derzeit jedenfalls nicht aus. Im Gegenteil, es nehmen im Gegenteil die Tiefdruckgebiete das Zepter in die Hand. Im Westen und Nordwesten ziehen bei böig auffrischendem Süd- bis Südwestwind schon zum Samstag dichte Wolken heran und bringen ersten Regen. Der Rest des Landes hingegen darf sich noch auf ein meist trockenes Wochenende freuen. Dabei hat vor allem der Südosten die Nase beim Sonnenschein vorn, sodass hier bei Höchstwerten zwischen 21 und 27 Grad zumindest vorübergehend von einem Goldenen Oktoberbeginn die Rede sein kann. Bei einer ausgiebigen Wandertour in den Alpen ist jedoch gerade am Sonntag mit aufkommendem stürmischen Südföhn Vorsicht geboten. Auf den Alpengipfeln kann der Föhn mit schweren Sturmböen, in einigen anfälligen Föhntälern stürmisch daherkommen. Zum Montag wird die Föhnlage wohl an den Alpen ein Ende finden. Dann sinkt mit einer markanten Kaltfront die Schneefallgrenze zumindest vorübergehend auf 1800 bis 2000 m ab. In den Alpen ist im Oktober erster Schnee bis in die mittleren Lagen (um 1000 bis 1500 m) nichts Außergewöhnliches, auch wenn dieser meist noch nicht lange liegen bleibt.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.10.2021

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DWD Oktober Die Mischung machts

 

YOGI geht langsam die Luft aus – Was bisher geschah.

Im Thema des Tages vom gestrigen Mittwoch wurde bereits ausgiebig über die erwartete Entwicklung von Tief YOGI berichtet. Unter anderem eine unruhige Nacht wurde in diesem Zusammenhang besonders den Bewohnern in Nordseenähe attestiert – zumindest, was das Wetter angeht. Schauen wir mal, was YOGI bisher zu bieten hatte.

Bereits tagsüber schickte YOGI einen Ausläufer von West nach Ost durchs Land, der für teilweise kräftige Schauer, viel Wind und vereinzelt auch Blitz und Donner sorgte. Beispielsweise wurden in Düsseldorf und Paderborn an einer Schauerlinie 83 km/h gemessen. Ebenfalls kräftige gewittrige Regengüsse gab es bereits im Vorfeld im Osten und Nordosten, die allerdings nicht mit YOGI, sondern mit dem Ausläufer eines weiteren Tiefs in Verbindung standen. Diese brachten gebietsweise immerhin 10 bis 20 l/m² innerhalb von zwei bis drei Stunden.

Doch zurück zu YOGI. Das Tief zog im Tagesverlauf langsam ostwärts und erreichte am späten Abend Nordfriesland. Doch noch bevor der eigentliche Sturm losging, wurde ihm durch ein anderes deutlich kleinräumigeres Windereignis bereits „die Show gestohlen“. Etwa gegen 17.45 Uhr zog ein Tornado über Teile von Kiel hinweg, der mitunter große Schäden verursachte und Medienberichten zufolge leider auch mindestens sieben Personen verletzte.

Derweil nahm der Wind an der Nordsee allmählich Fahrt auf. Um 20 Uhr wurde auf Spiekeroog mit 83 km/h die erste Sturmböe gemessen und nur zwei Stunden später die erste schwere Sturmböe (94 km/h). So ging es dann auch die Nacht über weiter: Verbreitet wurden besonders auf den nord- und ostfriesischen Inseln Böen bis 100 km/h gemeldet, vereinzelt auch mal knapp darüber. Dazu gab es kräftige Regenfälle mit Mengen von vielfach 15 bis 30 l/m², um die Elbmündung herum sogar um 40 l/m².

Während der Wind an der Nordsee in den Frühstunden allmählich nachließ, nahm er an der Ostsee mehr und mehr zu. Allerdings wurden dort nur ganz vereinzelt und sehr exponiert schwere Sturmböen verzeichnet. Ansonsten hielten sich die Böen in einem Korridor zwischen 65 und 85 km/h auf.

Im heutigen Tagesverlauf lässt der Wind allmählich nach, denn YOGI zieht nordwärts ab, wo er sich langsam auflöst. Die Wetterberuhigung weilt aber nur kurz – zumindest an der Nordsee. Denn bereits in der kommenden Nacht zum Freitag verschärft sich der Druckunterschied zwischen einem großräumigen Tief südöstlich von Island und dem in weiten Teilen des Landes wetterwirksamen Hoch MERLE erneut. Eine weitere (aber nicht mehr ganz so) stürmische Nacht steht den Nordseeküstenbewohner also bevor.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.09.2021

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