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Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der „Halos“ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dünne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen Phänomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.

Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 

Abb 1: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 2

Abb 2: Lichtbrechung und Dispersion am Beispiel eines Prismas  

Halos sind Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ändert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die Stärke der Lichtbrechung ist abhängig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den Wänden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurückgeworfen, und tritt schließlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hängt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfältig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfältig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen. 

Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. Während diese Kombination in großer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dünnen Schleierwolken häufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur Verfügung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genügend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den Tälern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka für Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien über den Kamm kämpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfällt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.
Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 3 

Abb 3: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere Berührungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darüber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden Lichtsäulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind über 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich häufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten Wetterphänomenen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Schneeflöckchen, Weißröckchen

„Schneeflöckchen, Weißröckchen
Wann kommst du geschneit?
Du kommst aus den Wolken
Dein Weg ist so weit.“ 

Dieses Lied erschallt jedes Jahr, sobald die winterliche Jahreszeit herannaht. Heute, am 18. Dezember, ist der Ehrentag der Schneeflocke. Daher wollen wir uns mit diesem faszinierenden Phänomen befassen. 

Wie im Liedtext richtig beschrieben, legen Schneeflocken einen nicht zu unterschätzenden Weg zurück bis wir sie bewundern können. Zuerst muss Wasserdampf in den festen Zustand übergehen. Dazu sind mehrere Zutaten von entscheidender Wichtigkeit. Einerseits wird natürlich Wasserdampf benötigt, damit sich überhaupt Eis bilden kann. Andererseits muss die Temperatur tief genug sein, um zu verhindern, dass das Wasser nicht flüssig bleibt. Damit Wassertröpfchen ohne Hilfe anfangen zu gefrieren, werden Temperaturen unter -35 °C benötigt (homogene Nukleation). Die sogenannte heterogene Nukleation ist der deutlich prominentere Weg zur Bildung von Eisteilchen. Hierbei lagert sich das Eis schon ab etwa -10 °C an einem winzigen Partikel an. 

Je nachdem welche Umgebungstemperatur und -feuchtigkeit herrscht entstehen unterschiedliche Formen von Eisteilchen. So weisen Eiskristalle bevorzugt eine plättchen- oder prismaartige Struktur auf, wenn wenig Wasserdampf vorhanden und es sehr kalt ist. Sogenannte Dendriten entstehen dadurch, dass sich Feuchtigkeit aus ihrer unmittelbaren Umgebung an den Eisteilchen anlagert. Die grundlegende Symmetrie in den Formen ist einer Eigenart des Wassermoleküls zuzuschreiben, das einen ganz speziellen Öffnungswinkel von 120 Grad aufweist. 

Schneefloeckchen Weissroeckchen

Abb. 1: Bild einer Dendritenstruktur (Quelle: wikipedia.de) 

Während des Bildungsprozesses dieser Eiskristalle darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Teilchen herumgewirbelt werden und sich die Umgebungsbedingungen andauernd verändern. Sie können teilweise wieder schmelzen und neu gefrieren oder mal sowohl Plättchen- als auch Dendritenanteile haben. Außerdem können sie auf ihrem Weg miteinander kollidieren und wachsen weiter an. Bis sie nach diesem Chaos bei uns am Boden ankommen, entstehen individuelle Formen, sodass keine Schneeflocke der anderen gleicht. Besonders akribisch mit Schneeflocken befasst, hat sich Wilson Alwyn Bentley. Ihm gelang es, ab 1885 Schneekristalle mithilfe eines Mikroskops zu fotografieren. Insgesamt über 5000(!) Exemplare untersuchte er und keines glich dabei dem anderen. 

Schneefloeckchen Weissroeckchen 2

Abb. 2: Fotos von Schneeflocken von Wilson Bentley (Quelle: wikipedia.de) 

Und was ist nun mit der entscheidenden Frage aus dem Liedtext am Anfang: Wann kommst du geschneit? 

Bei der jetzigen Wetterlage stellt sich eher die Frage: Schneit es überhaupt? Die vorherrschende Luftmasse ist viel zu mild, als dass Schnee entstehen könnte, geschweige denn den Boden erreicht. Gleichzeitig lässt der Höhenrücken mit dem dazugehörigen Bodenhoch FRIEDA über Südosteuropa die atlantischen Tiefdruckgebiete abprallen, sodass wir nur schwache Ausläufer abbekommen. 

Nach diesen ernüchternden Aussichten wagt man kaum einen ersten Blick auf die Feiertage zu werfen. Naturgemäß sind die Modellunterschiede noch groß, doch es scheint sich abzuzeichnen, dass wir zunehmend unter den Einfluss einer Ostströmung geraten und damit kältere Luft herangeführt wird. Die gute Nachricht für Schneeliebhaber, 10 Grad an Heiligabend sind demnach unwahrscheinlich! Zudem geben die Modelle erste vorsichtige Anzeichen, dass zumindest in den höheren Lagen etwas Schnee fallen könnte. Es heißt also: Gespannt bleiben und die Hoffnung stirbt zuletzt. 

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

Gefrierender Regen unter Hochdruckeinfluss?

Nachdem sich zu Wochenbeginn deutschlandweit arktische Luftmassen durchgesetzt hatten, verlagerte sich zur Wochenmitte Hoch HANNELORE zu den Britischen Inseln. Damit drehte die Strömung auf nördliche Richtungen und es gelangten unter Hochdruckeinfluss feuchtere Luftmassen in die Nordhälfte. Die Anfeuchtung erfolgte allerdings nur in den unteren Schichten. Ab 900 Hektopascal (etwa 1 Kilometer Höhe) zeigte sich ausgelöst durch das kräftige Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln weiterhin eine markante Absinkinversion. Am Donnerstag sorgte dann ein kleiner Randtrog, welcher sich von Skandinavien nach Osteuropa verlagerte, für einen leichten Hebungsimpuls. Zudem spielte die Orographie der zentralen Mittelgebirge eine wichtige Rolle, wodurch die bodennahe feuchte Schicht etwas angehoben wurde. Aus der dichten, tiefen Stratusbewölkung fiel daraufhin ab dem Mittag gebietsweise Sprühregen und teils auch etwas Schnee. Dies geschah vor allem in der nördlichen Mitte von Nordrhein-Westfalen bis nach Brandenburg, denn dort lagen die Temperaturen verbreitet bis etwa 1 Kilometer Höhe noch im negativen Bereich.

DWD Gefrierender Regen unter Hochdruckeinfluss

Warum kam es aber nun recht verbreitet zu gefrierenden Regen und nicht zu Schneefall?

Dazu lohnt sich ein Blick auf den Radiosondenaufstieg von Essen um Mitternacht 00 UTC (Abbildung 1). Dort ist die gesättigte Grundschicht, sowie die Absinkinversion (Temperaturumkehr mit der Höhe) ab etwa 1 Kilometer deutlich zu erkennen. Mit dem leichten Hebungsantrieb durch den herannahenden Randtrog wurde die feuchte Schicht etwas gehoben, wodurch rasch Sättigung einsetzte. Da dies nur in einem begrenzten Bereich ablief, in dem die Temperaturen zwischen 0 und -5 Grad lagen, waren kaum Eiskristalle in den Wolken vorhanden. Somit konnten die unterkühlten Wassertröpfchen nicht überall zu Schneekristallen heranwachsen. Diese Eiskristalle dienen nämlich als Kondensationskeime, damit die Tröpfchen in der Wolke zu Schnee heranwachsen können. Im Unterschied zu gewöhnlichen Wetterlagen mit gefrierenden Regen ist hierbei keine markante Warmfront im Spiel, sondern lediglich Hochdruckwetter mit einer feuchten Grundschicht und einem leichten Hebungsimpuls. Die Niederschlagsmengen sind bei dieser Entstehungsart von gefrierenden Regen zwar gering, können aber trotzdem gerade auch aufgrund ihrer langen Andauer für markante Glätte auf den gefrorenen Böden sorgen. Verbreitet lagen die 24-stündigen Mengen bis Donnerstag lediglich zwischen 0 und 1 Liter pro Quadratmeter (Abbildung 2).

DWD Gefrierender Regen unter Hochdruckeinfluss 1

Solche Lagen stellen den Warnmeteorologen vor größere Herausforderungen. Die Vorhersagemodelle hatten zeitweise große Schwierigkeiten, die Gebiete, in denen gefrierender Regen fällt zu identifizieren. Häufig wird dabei -wie auch am vergangenen Mittwoch- der gefrierende Regen in den Modellen nicht simuliert, da diese eine zu geringe vertikale Auflösung besitzen um die dünne, niederschlagsproduzierende Wolkenschicht zu simulieren. Außerdem gestaltet sich auch das Nowcasting schwierig, da vor allem höhergelegene Radarstationen die tiefliegende Wolkenschicht nicht erfassen können und somit die Informationen über die räumliche Verteilung der Niederschläge teils nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Die Radarstrahlen der Radargeräte erfassen nämlich lediglich nur Niederschlagsprozesse oberhalb 1-2 Kilometer Höhe. Gerade in diesen Fällen sind Beobachtungen und Nutzermeldungen auch durch die Warn-Wetter App von großer Bedeutung für unsere Arbeit.

DWD Gefrierender Regen unter Hochdruckeinfluss 2

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst