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Von „mysteriösen“ Barometermeldungen und Absinkinversionen

Egal, wo man in Deutschland am heutigen Dienstag auf das Barometer schaut, das Ergebnis ist eindeutig: Ein Luftdruck jenseits der 1020 hPa, gepaart mit Bezeichnungen wie „schön“ und Symbolen, die klar in Richtung Sonne anstatt Wolken gehen. Die Wetterkarte bestätigt zumindest die Druckwerte. Hoch RITA ist dort aktuell im Bereich Nordfrankreich/Süddeutschland zu finden.

Und was zeigt der Blick aus dem Fenster? Grauer Himmel! Dazu gibt es in Südostbayern abklingenden Dauerregen beziehungsweise Schneefall in den Hochlagen. Im Norden zieht im Tagesverlauf Regen auf, der sich in den Osten verlagert. Und auch sonst kann es vereinzelt mal einen Tropfen aus dem dichten Gewölk geben. Schön? Beständig? Fehlanzeige! Was ist nun also „kaputt“? Das Wetter oder die Barometer?

„Weder, noch.“ ist natürlich die Antwort. Grund Nr. 1: Es ist einfach Herbst. Und je weiter das Jahr voranschreitet beziehungsweise je tiefer der Sonnenhöchststand ist, desto schwieriger wird es für die Sonne, die in den immer längeren Nächten entstehenden Nebelfelder „wegzuheizen“. Der zweite Grund für das Grau ist über dem Nordmeer zu finden. Dort schickt ein großräumiger Tiefdruckkomplex immer wieder seine Ausläufer mit sehr feuchter und daher wolkenreicher Luft bis nach Deutschland.

Schauen wir uns zur Verdeutlichung den Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom heutigen Dienstagmorgen, 8 Uhr (MESZ) an (Abbildung 1). Ganz kurz zur Erklärung: Das Diagramm zeigt den vertikalen Verlauf der Temperatur (durchgezogene schwarze Linie) und des Taupunkts (strichlierte schwarze Linie; Maß für die Luftfeuchtigkeit). Auf der unteren, horizontalen Diagrammachse ist die Temperatur in Grad Celsius aufgeführt und auf der linken, vertikalen Achse der Luftdruck in hPa (mit der Höhe abnehmend). Die Temperatur bleibt entlang der roten, von unten nach rechts oben verlaufenden Linien konstant. Mehr dazu finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020.

Barometermeldungen 1

Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom 7.10.2025, 8 Uhr (MESZ).

Man sieht schön, dass die Luft bis 800 hPa (etwa 1700 m über Grund) gesättigt ist. Taupunkt- und Temperaturkurve fallen also quasi zusammen oder anders ausgedrückt: Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 100 %. Bis hierhin reichen damit auch die dichten Wolken, denn darüber gehen die beiden Kurven wieder deutlich auseinander. Die Luft wird also immer trockener.

Zudem kann man erkennen, dass sich zwei Inversionen, also Schichten, in denen die Temperatur mit der Höhe zunimmt, ausbilden konnten (eine bei rund 875 hPa und eine weitere bei 800 hPa). Innerhalb einer Inversion sind die Luftschichten von denen darüber entkoppelt und ein vertikaler Luftaustausch wird verhindert. Sehr interessant ist vor allem die obere der beiden Inversionen, denn für diese ist Hoch RITA verantwortlich. Sie ist durch das Absinken der Luft innerhalb von RITA und der damit verbundenen Erwärmung der Luft entstanden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Absinkinversion. Deutlicher wird diese Entwicklung, wenn man sich zum Vergleich noch den Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom gestrigen Montagabend, 20 Uhr (MESZ) ansieht (Abbildung 2).

Barometermeldungen 2

Radiosondenaufstieg aus Idar-Oberstein vom 6.10.2025, 20 Uhr (MESZ).

Hier war die Luft zwischen 850 hPa und 500 hPa, also etwa zwischen 1500 und 5000 m über Grund, mehr oder weniger durchweg gesättigt, ehe sie begann nachhaltig abzutrocknen. Zudem lag die Temperatur über die mittlere und untere Troposphäre hinweg (etwa zwischen 400 und 950 hPa) um ein paar Grad niedriger als 12 Stunden später (z. B. 800 hPa: 20 Uhr/3,5 Grad, 8 Uhr/6,2 Grad). Durch den zunehmenden Einfluss von RITA und dem damit verbundenen Absinken konnte sich die Luft also einerseits erwärmen und andererseits von oben her abtrocknen.

Und zum Abschluss noch ein Blick auf die Prognose des vertikalen Temperatur- und Feuchteverlaufs für Idar-Oberstein in der kommenden Nacht zum Mittwoch um 2 Uhr (MESZ). Die Erwärmung und Abtrocknung schreiten weiter voran. In 800 hPa sollen es dann schon 10 Grad sein und die Sättigung nur noch bis etwa 130 m über Grund reichen. Dabei handelt es sich dann um Nebel beziehungsweise Hochnebel – typisch Herbst eben.

Barometermeldungen 3

Prognose eines Radiosondenaufstiegs (ICON) aus Idar-Oberstein vom 8.10.2025, 2 Uhr (MESZ).

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Herbstliche Wetterwoche

Am vergangenen Wochenende bestimmte Sturmtief DETELF das Wettergeschehen. Wie auch im gestrigen Thema des Tages beschrieben, sorgte das Tief in Deutschland verbreitet für starke bis stürmische Böen, im Bergland und an den Küsten traten zeitweise schwere Sturmböen auf. Mittlerweile hat sich DETLEF abgeschwächt und liegt mit seinem Drehzentrum über der südlichen Ostsee und am heutigen Abend über Nordpolen. Im Nordosten treten heute tagsüber noch zeitweise starke, an der Ostsee oder in exponierten Berglagen auch teils noch stürmische Böen auf. Im Laufe des Nachmittages sorgt die weitere Abschwächung und Südostverlagerung aber für ein rasches Abflauen des Windes.

Herbstliche Wetterwoche 1

Bodenwetterkarte vom 06.10.2025, 00 UTC (Quelle:DWD/FU Berlin)

Über Westeuropa hat sich mittlerweile Hoch RITA breitgemacht. Zwischen diesen beiden Druckgebilden, also Tief DETELF und Hoch RITA, stellt sich nun eine nordwestliche bis nördliche Strömung ein, die eine sehr feuchte Luftmasse nach Deutschland führt. In einem Streifen von der Nordsee bis zu den Alpen bildet sich im weiteren Verlauf des heutigen Montags ein Niederschlagband aus, das bis in die Mittags- und Nachmittagsstunden des morgigen Dienstages insbesondere am östlichen Alpenrand gestaut wird. Dort kommt es zu anhaltendem Niederschlag. Oberhalb etwa 1500 m fällt dabei zunächst Schnee, allerdings steigt die Schneefallgrenze in der kommenden Nacht zum Dienstag recht rasch auf über 2000 m an. Entsprechende Dauerregenwarnungen wurden daher bereits ausgegeben. Die nördliche Anströmung der Alpen lässt im Verlauf des Dienstages nach, da sich das Hochdruckgebiet mit seinem Schwerpunkt noch etwas nach Osten verlagert. Damit klingen dann die Niederschläge am östlichen Alpenrand allmählich ab.

Herbstliche Wetterwoche 2

48-stündige Niederschlagsmenge am Alpenrand ab 06.10.2025, 7 Uhr MESZ (Quelle:.DWD)

Herbstliche Wetterwoche 3

48-stündige Neuschneemenge am Alpenrand ab 06.10.2025, 8 Uhr MESZ (Quelle:DWD)

Insgesamt stellt sich relativ ruhiges, aber häufig herbstlich trübes Wetter ein. Die nördlichen Landesteile verbleiben am Rande der Frontalzone, so dass Frontensysteme der Tiefdruckzone über Nordeuropa streifen und damit überwiegend dichte Bewölkung und zeitweiligen Regen bringen. In der Mitte und im Süden dominiert Hoch RITA und damit höherer Luftdruck. Allerdings dürfte in der eingesickerten, feuchten Luftmasse auch dort häufig Nebel oder Hochnebel vorherrschen, der sich in Anbetracht der Jahreszeit und geringer Luftbewegung recht zäh halten kann. Sonnenchancen ergeben sich am ehesten im Westen und Südwesten und dort wahrscheinlich vor allem in etwas höheren Lagen, die dann aus dem Nebel- oder Hochnebelmeer herausschauen. Eine grundlegende Änderung dieser Druckkonstellation deutet sich auch in der zweiten Wochenhälfte bisher nicht an, so dass sich an den relativ ruhigen, aber herbstlichen und häufig trüben Aussichten wahrscheinlich kaum etwas ändert.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Mystische Herbststimmung an den heimischen Seen

Der Herbst zählt nicht unbedingt zu den Lieblingsjahreszeiten der Deutschen (Sommer und Frühling führen in einer solchen Umfrage deutlich vor den anderen beiden Jahreszeiten), allerdings wird dieser nach Ansicht des Autors oft unter seinem Wert geschlagen. Wenn die Natur durch die nun tiefer stehende Sonne in sanftes Licht getaucht wird und die Blätter warme Farben annehmen, kann man diese Stimmung herrlich in sich aufsaugen und vielleicht für den Winter konservieren.

Im heutigen Thema des Tages soll aber nicht die herbstliche Blattverfärbung im Mittelpunkt stehen, sondern viel eher ein besonderes Phänomen an den heimischen Seen. Besonders Frühaufsteher können aktuell häufig den saisonal auftretenden sogenannten „Seerauch“ beobachten. Dabei steigen Fragmente von Nebelschwaden von der Seeoberfläche auf und verschwinden anschließend relativ schnell. Der sich ständig bewegende Seerauch ist eine besondere Nebelform und gehört zur Klasse der Verdunstungsnebel.

Mystische Herbststimmung an den heimischen Seen 1

Seerauch

Wenn relativ warmes Wasser mit deutlich kälterer Umgebungsluft in Berührung kommt, resultieren daraus Verdunstungseffekte. Einer dünnen Luftschicht über dem See wird dabei unter Erwärmung Wasserdampf zugeführt. Damit einhergehend findet aber gerade über den größeren Seen eine starke Labilisierung der untersten Atmosphärenschicht statt, denn die nun erwärmte Luft steigt auf und mischt sich mit der relativ dazu kälteren Umgebungsluft. Bei diesem Mischungsvorgang kondensiert der Wasserdampf und der Seerauch entsteht. Da die kalte und trockenere Luft aber deutlich überwiegt, folgt beim weiteren vertikalen Aufsteigen der feuchten Luft rasch wieder die Verdunstung der Wassertröpfchen. Daher entsteht aus Seerauch in vielen Fällen auch kein „richtiger“ Nebel.

Allerdings können tief liegende Inversionen dafür sorgen, dass die dünne Luftschicht darunter langsam mit erhöhter Feuchte angereichert wird. Bei einem sehr großen See mit einem hohen Wasserdampfangebot passiert es dann ab und zu, dass es zur erneuten Kondensation kommt. Die Inversion als atmosphärische Sperrschicht verhindert nun aber das weitere Aufsteigen der Luftpakete und damit die Einmischung von kalter, trockener Umgebungsluft. Infolgedessen entsteht eine dünne (Hoch-) Nebelschicht, die aber Ende September mit Hilfe der Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf häufig noch aufgelöst wird.

Mystische Herbststimmung an den heimischen Seen 2

Vorhersagekarte für Mittwoch, 01.10.2025, 12 UTC

Für den atmosphärischen Effekt des Seerauchs ist die nun bevorstehende Wetterlage ideal. Der Hochdruckeinfluss nimmt nun stetig zu und sorgt für teils klare Nächte. Außerdem gelangt Deutschland auf die „kalte“ Flanke des ausgedehnten Hochs PETRALILLY über Nordosteuropa und dessen Adjutant, der Hochdruckzone QUINN II über Mitteleuropa. Dabei wird trockene und kühle Festlandsluft herangeführt, die in den kommenden Nächten verbreitet für Frost in Bodennähe, stellenweise auch in einer Höhe von 2 m („Luftfrost“) sorgt. Die heimischen Seen weisen aber noch relativ hohe Wassertemperaturen auf. Am Chiemsee und am Bodensee wurden beispielsweise heute Früh Temperaturen von etwas über 17 Grad gemessen, an manchen kleineren See werden sogar noch Werte von knapp 20 Grad registriert. Außerdem spielt der Wind keine große Rolle, damit wären die Bedingungen für Seerauch gegeben.

Aus aktueller Sicht wird dies aber ein eher kurzes Vergnügen sein, denn ab Freitag könnte wieder etwas Schwung in unsere Wetterküche kommen. Der dann ehemalige(!) Hurrikan HUMBERTO erreicht die Britischen Inseln und sorgt von Westen her für eine zunehmend wechselhafte Witterung, auch Wind- und Sturmböen könnten das kommende Wochenende prägen. Allerdings sind sich die verschiedenen Wettermodelle diesbezüglich noch nicht einig, daher muss für dezidierte Prognosen noch etwas abgewartet werden. Daher sollte zunächst das Motto lauten: den herbstlichen Hochdruckeinfluss genießen.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Herbst ist da

Der September markiert den Übergang vom Spätsommer in den Herbst. Die Tage werden spürbar kürzer, die Abende kühler, und die ersten bunten Blätter kündigen den kommenden Wandel an. Allmählich rückt die Wärme des Sommers in die Erinnerung, während wir uns innerlich auf die dunkle Winterzeit vorbereiten. Zudem offenbart sich auf Feldern und in Gärten der Lohn der Mühen des Sommers: Viele Obst- und Gemüsesorten sind nun reif und können geerntet werden. Die Zugvögel sammeln sich langsam für ihre Reise in den Süden und in den Geschäften kann man bereits erstes Spekulatius-Gebäck kaufen.

Auch das Wetter verhält sich nunmehr zunehmend herbstlich. So sorgte Tief „Calvin“ (international auch als „Alessio“ bekannt) in den vergangenen Tagen vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands für länger anhaltenden Landregen. Details finden Sie hierzu in den Themen des Tages vom 22.09.2025 und vom 25.09.2025.

Am heutigen Samstag (27.09.2025) taucht „Calvin“ nicht mehr in den Bodenwetterkarten auf. An seiner Stelle ist lediglich noch ein in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief zu finden, das in Richtung Norditalien zieht und sich dabei immer weiter abschwächt. So fällt im Süden noch etwas Regen, an den Alpen kann es am Nachmittag und Abend auch einzelne Gewitter geben. Allgemein verliert der tiefe Luftdruck jedoch immer mehr an Einfluss auf unser Wettergeschehen.

Der Herbst ist da 1

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Samstag, den 27. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 26. September 2025, 00 UTC.

Gleichzeitig nimmt von Nordosten her der Hochdruckeinfluss zu. Hoch „Petralilly“ erstreckt sich heute Mittag von der Ostsee und Skandinavien bis in den Nordwesten Russlands und sorgt in Teilen Deutschlands für eine Wetterberuhigung. Insbesondere der Norden und Osten profitieren heute bereits davon. Dort zeigt sich häufig die Sonne.

Der Herbst ist da 2

DWD-Webcamfotos von Samstag, 27. September 2025 08 UTC. Links: Blick von der DWD-Zentrale in Offenbach in Richtung Frankfurt am Main (Hessen). Rechts: Blick in Richtung Nord-Nordost vom Meteorologischen Observatorium Lindenberg bei Falkenberg (Brandenburg).

Auch am Sonntag bleibt der hohe Luftdruck dominant. Zwar liegt die Südwesthälfte weiterhin unter grauen Wolken, Regen fällt meist aber nicht mehr. Am Montag zieht dann vorübergehend ein schwaches Tief in höheren Luftschichten über die Südwesthälfte hinweg und sorgt noch einmal für Schauer und möglicherweise auch einzelne Gewitter. An den Alpen kann es längere Zeit leicht regnen. In weiten Teilen des Landes bleibt es aber trocken. Insbesondere im Norden und Osten hält zudem das freundliche Wetter weiter an. Nachfolgend setzt sich überall wieder Hochdruckeinfluss durch.

Der Herbst ist da 3

24-stündige Niederschlagsvorhersage bis Dienstagmorgen, den 30. September 2025 der Wettermodelle ICON-EU (links), IFS (Mitte) und GFS (rechts).

In den Nächten treten nun vermehrt herbstliche Phänomene in Erscheinung: Zum einen bildet sich zunehmend Nebel, der bei Sichtweiten von weniger als 150 Metern auch wieder auf der Warnkarte des DWD in Erscheinung tritt. Im Vormittagsverlauf wird sich dieser aber meist noch auflösen können. Mit Fortschreiten der Jahreszeit und folglich niedrigerem Sonnenstand nimmt auch die Andauer etwaiger Nebelfelder wieder zu.

Zum anderen verlagert Hoch „Petralilly“ seinen Schwerpunkt allmählich nach Westrussland, sodass mit einer östlichen Strömung auch kühlere Kontinentalluft zu uns gelangt. So tritt in den Nächten ab Sonntag zunächst im Osten, ab der Wochenmitte dann gebietsweise in ganz Deutschland leichter Frost in Bodennähe auf.

Der Herbst ist da 4

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Dienstag, den 30. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 27. September 2025, 00 UTC.

Was die Höchsttemperaturen angeht, so wird der Sonntag voraussichtlich erst einmal der wärmste Tag mit bis zu 21 Grad im Norden und Westen. Im Laufe der Woche sinken die Temperaturen dann sukzessive ab und erreichen am Mittwoch nur noch kühle 12 bis 17 Grad.

Der Herbst ist da 5

Webcamfoto vom Gletscher-Skigebiet Zugspitze aus mit Blick zum Schneefernerkopf von Freitag, den 26. September 2025, 07 Uhr MESZ.

Ein weiteres Phänomen darf im Herbst nicht fehlen: Schnee in den Alpen. So sinkt im Laufe der nächsten Woche bei leichten Niederschlägen die Schneefallgrenze in den Alpen unter 2000 Metern ab. Auf den Gipfeln bedeutet dies erneute Schneefälle, nachdem dort in der Nacht zum vergangenen Donnerstag bereits der erste Herbst-Schnee in diesem Jahr registriert werden konnte.

So präsentiert sich der Herbst derzeit in seinen verschiedenen Facetten. Von Landregen über erste Bodenfröste und Nebel bis hin zu den ersten Schneeflocken in den Bergen ist klar, in welche Richtung es geht: Die Natur stellt sich langsam, aber sicher auf den bevorstehenden Winter ein.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Föhn vs. „Gruselwetter“

Ob am heutigen Halloween-Dienstag wirklich Gruselwetter herrscht, ist sicherlich Geschmackssache. Von Herbstwetter kann man aber definitiv sprechen. Viele Wolken, immer wieder mal Regen und windig – so lässt sich das Wetter nicht nur für heute, sondern im Großen und Ganzen auch für die kommenden Tage zusammenfassen. Eine Ausnahme bilden dabei das Alpen- und Erzgebirgsvorland am Mittwoch und zum Teil auch am Donnerstag. Auf der Ostflanke eines Tiefdruckkomplexes bei den Britischen Inseln sorgt Föhn für weitgehend trockene Verhältnisse und immer wieder auch sonnige Abschnitte.

Ist von Föhn die Rede, wird schnell das (vielleicht auch schon etwas eingestaubte) Schulwissen herausgekramt: Luft trifft auf ein Gebirge und wird zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie um 1 Kelvin pro 100 m ab. Irgendwann bilden sich Wolken und es beginnt zu regnen, wobei die Luft nun nur noch mit 0,65 Kelvin pro 100 m Aufstieg abkühlt. Am Gipfel angekommen, strömt die Luft auf der Leeseite, also der windabgewandten Seite des Gebirges, herab und erwärmt sich dabei, wodurch es zur Wolkenauflösung kommt. Die Erwärmung beim Abstieg erfolgt nun durchweg mit 1 K pro 100 m.

DWD Foehn vs. Gruselwetter

Bei diesem Prozess spricht man von der klassischen Föhntheorie. Jetzt gibt es allerdings ein Problem: Wie eine Studie zeigt, gehen zum Beispiel in Innsbruck mindestens 50 % der dort untersuchten Föhnfälle ohne Niederschläge einher. Zu einem geringen Teil kam es sogar nicht einmal zur Wolkenbildung. Irgendwie blöd, oder?

Gut, dass es – neben zahlreichen weiteren Theorien – die hydraulische Föhntheorie gibt. Bei ihr geht man davon aus, dass die Luft, die auf ein Gebirge trifft, nicht aufsteigt, sondern geblockt wird und im Luv (also auf der windzugewandten Seite des Gebirges) liegen bleibt und langsam auskühlt. Die im bzw. oberhalb des Bergkammniveaus heranströmende, deutlich trockenere Luft fällt dagegen nach Überquerung des Gebirgskamms ins Tal ab und erwärmt sich dabei um 1 K pro 100 m. Das kann man sich vorstellen wie in einem randvollen Stausee, bei dem nur die oberste Wasserschicht über die Staumauer in die Tiefe schwappt.

DWD Foehn vs. Gruselwetter 1

Stellt sich noch die Frage, wie es zu den mitunter hohen Windgeschwindigkeiten auf der Leeseite eines Gebirges kommt. Betrachten wir daher einfach mal ein Luftpaket, das gerade über dem Gipfel angekommen ist. Dieses Paket besitzt eine gewisse Energie, die sich hauptsächlich aus seiner Lage- und seiner Bewegungsenergie zusammensetzt. Die Lageenergie hängt dabei von der Höhe (also der vertikalen Lage) des Pakets ab und die Bewegungsenergie stark von dessen Geschwindigkeit. Strömt das Paket nun den Berg hinab, nimmt seine Höhe und damit auch seine Lageenergie ab. Da seine Gesamtenergie aber gleichbleiben muss (Stichwort Energieerhaltung), muss im Umkehrschluss seine Bewegungsenergie zunehmen und damit seine Geschwindigkeit.

Verstärkt werden kann dieser Effekt u.a. noch durch das Gelände. Muss unser Luftpaket unterwegs noch einen engen Gebirgspass durchströmen, entsteht eine Art Düseneffekt (Stichwort Venturi-Effekt) und es kann vorübergehend noch einmal deutlich mehr Gas geben.

Diese Beschreibung wurde an dieser Stelle natürlich nur sehr grob gehalten. Deutlich detailliertere Informationen zu dieser und weiteren Föhn-Theorien finden Sie in unserem Wetterlexikon unter.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jahreszeitenwirrwarr

Der Blick in den Kalender verrät eindeutig: Es ist Herbst – sowohl kalendarisch als auch meteorologisch und das schon seit ein paar Wochen. Der Blick aus dem Fenster beziehungsweise auf das Thermometer lässt aber anderes vermuten und eher sommerliche Gefühle aufkommen. Doch der Herbst wird sich letztlich auch in unserem Bewusstsein durchsetzen, klar. Die Frage ist nur, wann diesem Wirrwarr ein Ende gesetzt wird?

Am heutigen Mittwoch auf jeden Fall noch nicht. Zwar sorgt eine auf den Norden übergreifende Kaltfront dort im Tagesverlauf für zum Teil kräftige Regenfälle und einiges an Wind, die Temperatur bleibt mit Höchstwerten um 20 Grad aber im sehr milden Bereich. Sommerlich warm bei viel Sonnenschein ist es dagegen oftmals in der Mitte und im Süden des Landes bei in der Spitze um 25 Grad. Am Oberrhein sind örtlich sogar 28 Grad drin!

DWD Jahreszeitenwirrwarr 2

Der Donnerstag geht dann schon eher in Richtung Herbst. Die „Mittwochs-Kaltfront“, die zu einem Nordmeer- beziehungsweise dann Skandinavientief gehört, kommt bis in die Mitte voran und bringt einiges an Regenwolken und auch spürbar kühlere Luft mit sich. Immerhin werden in der Mitte und dem Norden kaum noch 20 Grad erreicht. Der Süden, genauer gesagt der äußerste Süden bleibt dagegen standhaft: Bei viel Sonnenschein wird dort örtlich nochmals ein Sommertag (25 Grad und mehr) eingeheimst.

DWD Jahreszeitenwirrwarr 3

Startet der Herbst nun auch (endlich) beim Wetter durch? Nein, noch nicht! Ein Tiefdruckkomplex, der sich vom nahen Ostatlantik bis ins Nordmeer erstreckt, pumpt am Freitag noch einmal warme Luft aus Südwesten nach Deutschland. Die Folge: Wieder ein deutlicher Temperaturanstieg auf verbreitet über 20 Grad und im Süden auf vielfach 25 bis 28 Grad. Am Oberrhein könnten sogar knapp 30 Grad erreicht werden, was einen neuen Temperaturrekord für die zweite Oktoberdekade zur Folge hätte. Diesen hat derzeit noch die mittlerweile nicht mehr aktive Station Bad Reichenhall inne. Am 15.10.2000 wurden dort 28,9 Grad gemessen.

Am Samstag schlägt dann aber die Stunde des Herbsts: Die nächste Kaltfront – die am Freitag bereits dem Nordwesten einen windigen und regnerischen Tag beschert – überquert Deutschland südostwärts mit zum Teil kräftigen Regenfällen und sorgt nun wohl nachhaltig für eine deutliche Abkühlung. Sind am Samstag nur noch im Süden und Südosten über 20 Grad drin, werden ab Sonntag bundesweit wahrscheinlich nicht einmal mehr 15 Grad erreicht. In den Nächten wird dann Bodenfrost ein Thema, im Bergland könnte es lokal sogar zu leichtem Luftfrost reichen.

DWD Jahreszeitenwirrwarr 4

Ab etwa Mitte der Woche deutet sich dann zwar wieder eine allmähliche Erwärmung an. Ob die aber ausreicht, um nochmals sommerliche Gefühle zu wecken, ist fraglich. Aber mal ehrlich: So langsam wird’s Zeit, dass sich Kalender und persönliches Empfinden einig werden, oder?

Dipl.-Met.: Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.10.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Ungewöhnliche Wärme

Es ist Anfang Oktober, der Herbst ist in vollem Gange, aber die Temperatur lässt uns noch an den Sommer glauben. Grund dafür war die großräumige Strömung. In dieser hat Hochdruckgebiet SONJA mit Zentrum über Mittel- und Südeuropa warme bis heiße und weitgehend trockene Luft über Nordafrika und Südwesteuropa angezapft und sowohl am Sonntag (obere Grafik) als auch am Montag (untere Grafik) nach Deutschland geführt. Bei viel Sonnenschein und unter großflächigem Absinken im Hochdruckbereich hat sich so die Luft über Deutschland kräftig erwärmt.

DWD Ungewoehnliche Waerme 1

DWD Ungewoehnliche Waerme

Am 01. Oktober (Sonntag) wurde im Westen und Süden des Landes oftmals die 25-Grad-Marke überschritten. Steigt die Temperatur an einem Tag über 25 Grad, so spricht man von einem Sommertag. Am gestrigen Montag wurden in Deutschland verbreitet über 25 Grad gemessen. Örtlich wurde nur knapp die 30-Grad-Marke verfehlt. Ist es wärmer als 30 Grad, so nennt man dies einen heißen Tag.

Tageshöchstwerte am gestrigen Montag, 02.10.2023:

Notzingen/BW 29,8 Grad
Müllheim/BW 29,6 Grad
Freiburg/BW 29,5 Grad
Weilerswist-Lommersum/NRW 29,4 Grad
Metzingen/BW 29,2 Grad
Bad Neuenahr-Ahrweiler/RP 29,0 Grad
Emmendingen-Mundingen/BW 29,0 Grad
Ellwangen-Rindelbach/BW 28,7 Grad
Hechingen/BW 28,7 Grad
Mühlacker/BW 28,7 Grad

Heiße Tage, also Tage mit Höchstwerten über 30 Grad, sind so spät im Jahr sehr ungewöhnlich. Bemüht man die Statistik, so treten sie im langjährigen Mittel so gut wie nicht mehr auf. Sommertage sind im Oktober hingegen keine so große Seltenheit. Wenn man von den nördlichen Bundesländern einmal absieht, so sind Sommertage im Oktober im langjährigen Mittel immer wieder aufgetreten. Dabei lässt sich rein statistisch im Vergleich der Zeiträume 1961 – 1990 und 1981 – 2010 keine Zunahme in der Häufigkeit feststellen.
In der Nacht zum heutigen Dienstag kühlte es vor allem im wolkenverhangenen Westen nur wenig ab. Dabei wurde eine Tropennacht – eine Nacht mit einer Tiefsttemperatur über 20 Grad – in Essen-Bredeney mit 19,7 Grad Tiefstwert nur knapp verpasst. Auch in Duisburg und Aachen kühlte es nur auf rund 19 Grad ab.

Die große Wärme findet am heutigen Dienstag ein Ende, denn Tiefdruckgebiet NOAH lenkt zunächst eine Kaltfront mit reichlich Wolken und teils kräftigen Gewittern zu uns und dahinter dann auch deutlich kühlere Luft. Dabei wird es heute in der Südosthälfte Deutschlands noch einmal sehr warm. Örtlich sind erneut knapp 30 Grad möglich. Am morgigen Mittwoch (04.10.2023) erreichen die Temperaturhöchstwerte allerdings nur noch um 20 Grad.

Auch in den Folgetagen lässt der Zustrom kühlerer Luft aus Westen nicht nach und die Temperatur ist eher gedämpft, wenngleich es tagsüber nicht unbedingt kühl wird. In den Nächten sind zumindest im Süden allerdings tiefe einstellige Temperaturwerte zu erwarten. Zum Wochenende findet nach aktuellem Trend wieder wärmere Luft den Weg zu uns. Ob es noch einmal verbreitet für über 25 Grad und somit Sommertage reicht, ist noch ungewiss.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.10.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Oktober 2020

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Endlich Regen!

Der September 2020 präsentierte sich bisher in Deutschland meist viel zu trocken, in einigen Regionen insbesondere in der Mitte des Landes sind in diesem Monat bis zum heutigen Freitag nur wenige Tropfen vom Himmel gekommen. Doch jetzt ändert sich das.