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Gewitter und Saharastaub

Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.

Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an den Staubpartikeln in der Atmosphäre.

Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen als ursprünglich prognostiziert.

Gewitter und Saharastaub 1

Analysekarte für Sonntag, den 08.03.2026 um 12 UTC. Weiterhin bestimmt hoher Luftdruck das Wettergeschehen in weiten Teilen Mitteleuropas. (Quelle: DWD)

Gewitter und Saharastaub 2

Vorhersage der Staubkonzentration über Europa für Montag, den 09.03.2026 um 06 UTC. Erhöhte Staubkonzentrationen befinden sich vor allem über Südwest- und Westdeutschland. (Quelle: DWD)

Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.

Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal höher als an Tagen ohne Hagel.

Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr unterkühlte Wassertröpfchen bilden – ein entscheidender Prozess für die Entstehung von Hagel.

Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter kann teilweise unterdrückt werden.

Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden. Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann langlebige Gewitterzellen fördern.

Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen – ein wichtiger Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können dadurch häufiger auftreten.

Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Grüße aus der Sahara

In den letzten Tagen herrschte in weiten Teilen des Landes frühlingshaft mildes und meist sonniges Wetter. Nur vereinzelt hielten sich Nebelfelder länger. Grund dafür ist Hochdruckgebiet JANNIS, das sich über Mittel- und Südosteuropa ausgedehnt hat. Es lenkt trockene Luft zu uns und hält Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft fern. Dadurch können sich kaum Wolken bilden. Nur in der Nähe größerer Flüsse und in engen Tälern, wo die Feuchtigkeit sich nachts nicht wegbewegen kann, bilden sich immer wieder Nebelfelder, die sich tagsüber meist aber auflösen.

Gruesse aus der Sahara 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse von Wetter und Isobaren vom 05.03.2026 00 UTC

Wer sich die obige Analysekarte genau ansieht, der entdeckt ein umfangreiches, wenn auch nicht besonders stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über Nordafrika. Es „saugt“ bereits seit ein paar Tagen Saharastaub an und führt es in größere Höhen entgegen dem Uhrzeigersinn nordwärts. Inzwischen hat es der Staub bis nach Spanien und Frankreich geschafft und lässt sich schon im Satellitenbild erkennen.

Gruesse aus der Sahara 2

Ausschnitt Mittel-/Westeuropa mit Satellitenbild vom 05.03.2026 12 UTC

Aktuell verlagert sich das Tief langsam nach Südwesteuropa, wo es vom Hoch über Mitteleuropa und einem Hoch über dem Atlantik in die Mangel genommen wird. Dabei dehnt es sich leicht nordwärts bis nach Südengland aus, füllt sich aber am Wochenende allmählich auf und zerfällt.

Gruesse aus der Sahara 3

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage der Isobaren und Druckzentren für Freitag, 06.03.2026 mittags

Die Ausdehnung sorgt für eine weit nach Norden reichende Verteilung der staubbelasteten Luft. Die wiederum wird vom Hoch über Mittel- und Osteuropa angezapft und so schließlich auch zu uns geführt.

Gruesse aus der Sahara 4

Ausschnitt Europa und Nordafrika mit der Vorhersage der Staubbelastung aus dem ICON-ART Modell für Freitag, 06.03.2026 06 UTC

In der unten angefügten Animation sieht man die Verlagerung der stärksten Staubgebiete (je roter, umso höher ist die Staubkonzentration) erst in den Westen Europas und dann am morgigen Freitag mit sich etwas ostwärts zurückziehendem Hoch auch zu uns.

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Animation der Vorhersage der Staubkonzentration aus dem ICON-ART Modell, Lauf vom 05.03.2026 00 UTC

Dabei kann der Staub Konvektion und somit Wolkenbildung auslösen. Zumindest aber wird er den Himmel etwas eintrüben, sodass der Sonnenschein milchig oder trüb erscheinen kann.

Am Wochenende bleibt die mit Staub angereicherte Luft über uns liegen, wenngleich die Konzentration aufgrund der horizontalen Verteilung und dem versiegenden Zustrom langsam abnimmt. Am Samstag sind im äußersten Norden und Nordosten im Zuge eines kleinräumigen Höhentiefs über Südschweden und dadurch leicht angefeuchteter Luft auch Regenfälle möglich. Diese können den Staub auswaschen, was zu sichtbaren Spuren auf Gegenständen führen sollte.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 

Das Wetter in ganz Deutschland wird von Hoch CHRISTIAN über Osteuropa bestimmt. Wir befinden uns also am Westrand dieses kräftigen Hochs in einer östlichen bis südöstlichen Strömung. Dieser Hochdruckeinfluss hat für unterschiedliche Regionen in Deutschland am heutigen Sonntag (und auch in den kommenden Tagen) ganz verschiedenes Wetter zur Folge. Begeben wir uns im heutigen Thema des Tages auf eine Reise zu unterschiedlichen Orten in unserem Land und schauen uns das dortige Wetter an. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland

Abbildung 1: RGB-Satellitenbild „Wolkentyp“ mit eingezeichneter Fahrtroute 

Beginnen wir unsere Reise in der Bundeshauptstadt Berlin. Ein Hochnebelband sorgte zwar noch für einen grauen Start in den Morgen. Doch mittlerweile hat sich die dichte Wolkendecke nach Norden verabschiedet und es scheint – wie auch in den meisten Regionen des Ostens – die Sonne. Bei Nachmittagstemperaturen um 4 Grad ist eine Jacke jedoch vonnöten. Lagen vor einer Woche noch zwischen 5 und gut 10 cm Schnee, so sind heute höchstens noch in ein paar schattigen Ecken letzte Schneereste zu finden. 

Fahren wir nun südwärts nach Dresden und in die Region rund ums Erzgebirge. Auch in der sächsischen Hauptstadt scheint die Sonne bei ähnlichen Temperaturen wie in Berlin. Diese fühlen sich bei einem Spaziergang entlang des Elbufers aber deutlich frischer an. Der Grund ist der sogenannte „Böhmische Wind“, der durch das Elbtal pfeift und immer mehr an Stärke gewinnt. Nicht nur im Elbtal ist der lästige Böhmische Wind zu spüren. Im gesamten Erzgebirgsraum und bis hinein ins Vorland, also auch in Chemnitz, nimmt der Wind heute immer weiter zu. Auf dem Erzgebirgskamm bläst der Wind mit (schweren) Sturmböen, aber auch in freien Lagen des Vorlands und in Nordwest-Südost ausgerichteten Tälern wie das Elbtal oder das Tal der Freiberger Mulde kann der Wind zeitweise sogar stürmisch auffrischen. 

Weiter geht es südwärts nach Niederbayern. Auch dort hat sich mittlerweile fast überall die Sonne durchgesetzt. Anders als bei den vorherigen Orten konnte sich dort in den vergangenen Tagen die Milderung nie so richtig durchsetzen. Bei Höchstwerten um 0 Grad liegen dort selbst in den Niederungen noch ein paar Zentimeter Schnee (z.B. 6 cm in Fürstenzell). Sonnenschein und Schnee bieten also beste Voraussetzungen für einen sonntäglichen Verdauungsspaziergang in Winterkulisse. 

Eine traumhafte Winterkulisse bieten auch die Bayerischen Alpen. Azurblauer Himmel, traumhafte Fernsicht und weiß verschneite Berghänge und Pisten lassen die Herzen jedes Wintersportlers höherschlagen. Bei einem Getränk auf einer der zahlreichen Hütten kann man das herrliche Wetter bei teils über 5 Grad (plus!) auf rund 1500 m genießen. Blickt man hinunter ins Tal, schaut man auf ein weißes Hochnebelmeer. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 2

Abbildung 2: Webcam-Bild von der Bayerischen Zugspitzbahn mit Blick über das Höllental (Quelle: foto-webcam.eu) 

Bringen wir uns mit dem Lift (oder mit den Skiern) hinunter ins Tal, so tauchen wir in den Nebel ein, bis wir weiter unten aus der Nebeldecke wieder herauskommen. Nun finden wir ein ganz anders Bild als oben auf dem Berg wieder. Tristes „grau-in-grau“ erwartet uns am Alpenrand und in Schwaben bis zur oberen Donau. Vom Bilderbuchwetter bleibt keine Spur mehr übrig und anders als auf den Bergen ist es unangenehm kalt bei Temperaturen um oder gar unter dem Gefrierpunkt. 

Fahren wir anschließend den Rhein entlang nordwärts. Am tristen Anblick ändert sich nichts. Der gesamte Oberrheingraben und auch das Rhein-Main-Gebiet liegen unter einer grauen Hochnebeldecke. Mit rund 4 Grad ist es in Frankfurt allerdings nicht ganz so kalt wie unter dem Hochnebel im Süden. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 3

Abbildung 3: Webcam-Bild vom Dach des DWDs in Offenbach Richtung Frankfurt (Quelle:DWD) 

Weiter geht es entlang des Rheins nach Köln. Durch das Rheintal wird der Hochnebel bis in die Karnevalshochburg geblasen, sodass es auch dort grau ist. Knapp nördlich von Köln reißt die Wolkendecke aber innerhalb weniger Kilometer auf. In der anderen Karnevalshochburg Düsseldorf, im gesamten Ruhrgebiet sowie am Niederrhein herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Mit Temperaturen um 6 Grad ist dies im Tiefland auch die mildeste Region. 

Fahren wir weiter in den hohen Norden nach Sylt. Dort und entlang der gesamten Nordseeküste präsentiert sich das Wetter wieder von seiner trüben Seite. Kompakte Wolkenfelder versperren dort die Sicht auf blauen Himmel und Sonnenschein. Unsere Reise endet an der Ostsee auf Rügen. Diese Insel präsentiert sich heute deutlich freundlicher mit viel Sonnenschein, jedoch bei eher kühlen 2 Grad. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 4

Abbildung 4: Webcam-Bild von Wenningstedt auf Sylt (Quelle: www.sylt.de) 

In der kommenden Woche geht es mit diesen Wetterkontrasten zwar weiter. Die positive Nachricht ist aber, dass Nebel und Hochnebel immer mehr der Sonne weichen müssen. Der Oberrheingraben ist die letzte Bastion, wo das Dauergrau noch die Stellung halten kann. Dort hat die Sonne mit etwas Pech keine Chance, um gegen den Hochnabel anzukommen. Den großen Rest des Landes kann die Sonne erobern und scheint dort spätestens ab Dienstag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Sollte sich in manchen Flusstälern doch mal ein Nebelfeld bilden, wird dieses von der Sonne im Laufe des Vormittags vertilgt. Auch dem Böhmischen Wind geht im wahrsten Sinne des Wortes langsam die Puste aus. Zwar schläft er nie ganz ein, verliert aber ab Dienstag allmählich an Stärke. Inwieweit in der zweiten Wochenhälfte zaghafte Versuche altersschwacher Fronten aus Westen von Erfolg gekrönt sind, um gegen das Dauerhoch anzukämpfen, bleibt abzuwarten. Vielleicht bringen sie nur ein paar dichtere Wolkenfelder mit, möglicherweise kann es im Westen aber auch mal ein paar Tropfen Regen geben. Bis in die Osthälfte werden es die Fronten aber nicht schaffen, sodass das Hoch dort weiterhin die Oberhand mit Sonnenschein behält. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Nicht aufs Glatteis führen lassen

Ab dem späten Nachmittag bzw. frühen Abend des gestrigen Freitags kam es in einem breiten Streifen in etwa von der Elbmündung über Hamburg nach Berlin und weiter Richtung Frankfurt (Oder) zu einer tückischen Kombination. Aus einer tiefen, aber nicht besonders mächtigen Wolkendecke fiel Sprühregen bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Exemplarisch für die meteorologische Situation in den untersten hundert Metern der Troposphäre soll der Radiosondenaufstieg von Lindenberg, südöstlich von Berlin vom Samstag, den 27.12.2025 um 7 Uhr stehen. Sehr ähnliche Bedingungen gab es in der Nacht auch weiter nördlich und nordwestlich in dem angesprochenen Streifen. Der Radiosondenaufstieg zeigt am Boden eine Temperatur von etwa -2 Grad, bis etwa 570 m Höhe nimmt diese auf rund -4 Grad ab, bei praktisch vollständig gesättigter Luft (Taupunkt=Temperatur). Ein völlig anderes Bild ergibt sich in 710 Meter Höhe, dort war die Luft etwa +5 Grad „warm“ zugleich war die Luft zwar absolut feuchter, relativ gesehen deutlich trockener als in tieferen Schichten. Dies zeigt sich an der Differenz von Taupunkt und Temperatur, die deutlich zugenommen hat und in höheren Luftschichten noch markanter wird. An dieser Grenzschicht bzw. Inversion zwischen 600 und 700 Meter lag die Obergrenze der Wolken. Die Niederschlagsbildung fand also darunter statt.

 Nicht aufs Glatteis fuehren lassen

Radiosondenaufstieg von Lindenberg vom 27.12.2025 07 Uhr 

Bei Temperaturen unter -10 Grad finden sich in Wolken in aller Regel unterkühlte Wassertröpfchen und erst bei niedrigeren Temperaturen findet allmählich ein Übergang zu Eiskristallen statt. Im betrachteten Fall gab es nur unterkühlte Wassertröpfchen. Diese werden aber erst zum Problem, wenn diese auch aus der Wolke herausfallen und den kalten Boden erreichen. Dies war ab dem Freitagabend der Fall. Wahrscheinlich, weil die feuchte Schicht nun besonders feucht und ausreichend dick war, um Tröpfchen zu generieren, die schwer genug waren herauszufallen. Am Boden bildete sich als Folge eine dünne Eisschicht, Glatteis.

Der Meteorologe kann das Potenzial für Glatteis aus den Daten der Wettermodelle und aktuellen Messungen abschätzen. Die konkrete Glättesituation vor Ort bei Entstehen des Glatteises ist dann aus der Entfernung häufig schwierig zu beurteilen. Denn für Glatteis reichen geringste Mengen an Niederschlag, teilweise zu wenig, um von den Messstationen detektiert zu werden. Zudem ist bei Temperaturen um 0 Grad am Boden die Grenze zwischen gefrierendem Sprühregen und „normalem“ Sprühregen sehr eng. 

 

Hilfreich sind für uns die Meldungen der Nutzer der WarnWetter-App. Diese können den Wetterzustand und auch mögliche Glätte melden. Besonders hilfreich sind mit Bildern versehene Glätte-Meldungen, damit wir uns im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von der Lage machen können. In der folgenden Animation erkennt man den Verlauf der Meldungen vom 26.12.2025 16 Uhr bis zum 27.12.2025 10 Uhr. Pro Bild sind jeweils die Meldungen der vergangenen 60 Minuten dargestellt. Zu beachten ist, dass die Dichte der Meldungen stark abhängig von der Bevölkerungsdichte ist und somit Hamburg und Berlin besonders hervorstechen, die Gebiete dazwischen, aber nicht weniger von Glätte betroffen sein müssen. Auch ein Tagesgang der Meldungen wird sichtbar. Leicht verständlich gehen um 3 Uhr in der Nacht weniger Meldungen ein als um 9 Uhr am Vormittag.
 

Nicht aufs Glatteis fuehren lassen 2

Glätte-Meldungen der Nutzer der WarnWetter-App 

Doch genug des Rückblicks wenden wir uns der Wetterprognose zu. Heute tagsüber hat sich die Glättesituation entspannt, dennoch kann es örtlich zur Kombination von Sprühregen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kommen. Kritischer wird es in der Nacht zum Sonntag. Dann bestehen in einem Streifen von der Eifel über den nördlichen und zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Sachsen und Südbrandenburg ähnliche Bedingungen wie in der vergangenen Nacht im Norden. Besonders in der östlichen Mitte muss mit gefrierenden Sprühregen und in der Folge mit Glatteis gerechnet werden. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes werden für die am meisten gefährdetsten Regionen entsprechende Warnungen vor Glätte herausgeben. Erfahrungsgemäß werden im Laufe der Nacht aber Anpassungen nötig werden. Neben Messwerten werden dann auch die von Ihnen abgegebenen Meldungen genutzt. Vielen Dank dafür! 

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Gebiete in orange mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Glatteis in der Nacht zum 28.12.2025 

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten 

Das Wetter rund um Weihnachten zeigt sich in weiten Teilen Deutschlands von seiner ruhigen winterlichen Seite. Verantwortlich dafür sind gleich zwei Hochdruckgebiete, die derzeit Mittel- und Nordwesteuropa dominieren. Hoch HELLA liegt über Schottland, Hoch INKA über der Ukraine. Dazwischen strömt aus Osten kalte Festlandsluft nach Deutschland. 

Diese Luftmasse bringt in den kommenden Tagen eisige Temperaturen. Nach leichten Schneefällen am gestrigen Mittwoch in Teilen Süddeutschlands, die örtlich für eine dünne Schneedecke gesorgt haben, bleibt es zunächst überwiegend trocken. Neue Niederschläge sind vorerst kaum zu erwarten. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 25.12.2025 12 UTC. Quelle: DWD 

Am heutigen Donnerstag, dem Ersten Weihnachtstag, steigen die Temperaturen tagsüber meist nicht über -6 bis 0 Grad. Nur an den Küsten, im Westen und Südwesten sowie entlang der unteren Donau sind vereinzelt leichte Plusgrade möglich. Der teils kräftige Ostwind verstärkt jedoch das Kältegefühl deutlich. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 2

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 25.12.2025. Quelle: DWD 

Viele Regionen dürfen sich über Sonnenschein freuen. Lediglich zwischen Sachsen und Thüringen sowie im Südwesten halten sich gebietsweise zähe Hochnebelfelder. In der Nacht zum Freitag wird es verbreitet frostig. Die Temperaturen sinken auf -1 bis -9 Grad, im Osten lokal sogar bis -12 Grad. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 3

Wetter- und Temperaturkarte, in der Nacht zum Freitag 25./26.12.2025. Quelle: DWD 

Ab dem Zweiten Weihnachtstag verlagern sich die Hochdruckgebiete allmählich in Richtung der Britischen Inseln und des Nordostatlantiks. Dadurch ändert sich die Strömung über Deutschland langsam. Am Wochenende kommt die Luft häufiger aus nördlichen Richtungen und bringt in den unteren Schichten mehr Feuchtigkeit mit sich. 

Während die Mitte und der Süden noch längere Zeit von trockener Luft profitieren und sich bei Sonnenschein auch letzte Nebelfelder auflösen, breiten sich im Norden zunehmend dichte Wolken aus. Diese erreichen in der Nacht zum Sonntag auch die Landesmitte. Lokal kann es zu leichtem Sprühregen kommen. Besonders in den Mittelgebirgen besteht dabei stellenweise Glatteisgefahr, da die Temperaturen dort unter dem Gefrierpunkt bleiben. Tagsüber liegen die Werte sonst meist knapp über null, die Nächte bleiben weiterhin frostig. 

Zum Start in die neue Woche zeichnet sich schließlich eine allmähliche Wetterumstellung ab. Das Hochdruckgebiet verlagert sich über den Nordatlantik zwischen die Britischen Inseln und Island. Gleichzeitig sorgen Tiefdruckgebiete über Skandinavien und Osteuropa dafür, dass kalte Polarluft nach Deutschland vordringen kann. 

Mit dieser Kaltluft nehmen auch die Niederschläge zu und sie könnten zunehmend bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Pünktlich zum Jahreswechsel ist daher ein deutlicher Wintereinbruch durchaus möglich. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Schnee an Heiligabend?

Eine ausgeprägte Hochdruckzone erstreckt sich vom Nordmeer bis nach Zentraleuropa. In Verbindung mit einer Tiefdruckzone über Westeuropa werden unter Hochdruckeinfluss mit einer schwachen Strömung milde Luftmassen aus dem Mittelmeerraum zu uns geführt. Das bedeutet für unser Wetter im Frühwinter viel Grau und wenig Blau. Vor allem in den Niederungen hält sich auch am heutigen 4. Advent teilweise wieder zäher Nebel und Hochnebel. Am besten stehen die Chancen auf etwas Sonnenschein in den Hochlagen, sowie im Lee einiger Mittelgebirge. Da der oftmals noch schwache bis mäßige Wind am heutigen Sonntag aus östlichen Richtungen kommt, ist das am ehesten auf der Westseite der Mittelgebirge der Fall. So sind heute in Nordrhein-Westfalen im Lee des Rothaargebirges und des Bergischen Landes mit leichter Föhnunterstützung sogar Spitzenwerte von bis zu 14 Grad möglich. 

Schnee an Heiligabend

Analysekarte für Sonntag, den 21.12.2025 um 12 UTC. Hoher Luftdruck erstreckt sich vom Nordmeer über Zentral- bis nach Osteuropa. 

Dies ändert sich aber in der kommenden Woche. Das abgeschnürte Tiefdrucksystem über Westeuropa verlagert sich in den Mittelmeerraum. Gleichzeitig setzt sich über Skandinavien hoher Luftdruck durch. Damit dreht die Strömung vermehrt auf nordöstliche Richtung, sodass zunehmend deutlich kältere Luftmassen einströmen. Da Deutschland sich nach wie vor unter Hochdruckeinfluss befindet, fällt allerdings kaum Niederschlag. Lediglich zur Wochenmitte führt ein kleines Höhentief feuchte Luftmassen heran und sorgt durch schwache Hebungsprozesse im Süden und Osten gebietsweise für schwache Niederschläge. Aufgrund der deutlich zurückgehenden Temperaturen fällt dieser vor allem in etwas höheren Lagen als Schnee. 

Schnee an Heiligabend 2

Modellvergleich der Großwetterlage für Mittwoch, den 24.12.2025 um 12 UTC. Es existieren immer noch kleinere räumliche und zeitliche Unterschiede in der Zugbahn des Höhentiefs. Zudem wird auch die Intensität noch unterschiedlich berechnet. 

Die großen Schneemengen werden dabei aber nicht erwartet. Meist sind im Süden und Osten 1 bis 3 cm Neuschnee möglich, sodass dort zumindest über weiße Weihnacht (light) gesprochen werden kann. Nach Norden hin ist davon aber nichts zu spüren. Dort gibt es an Heiligabend immerhin zumindest zeitweise etwas Sonnenschein. Zudem werden die Nächte sehr kalt. Bei längerem Aufklaren ist verbreitet mäßiger Frost zu erwarten. Örtlich sind auch Tiefstwerte von um oder unter -10 Grad möglich. 

Eine genaue räumliche und zeitliche Eingrenzung ist aktuell noch nicht möglich. Welche Gebiete von den leichten Schneefällen getroffen werden, hängt letztendlich von der exakten Zugbahn des Höhentiefs ab. Nach jetzigem Stand schaut es danach aus, dass bereits in der Nacht zu Heiligabend die östlichen Mittelgebirge und der Alpenraum betroffen sind. Tagsüber dehnen sich die Niederschläge dann nach Westen aus und begrenzen sich vom östlichen Alpenraum über Oberbayern bis zum Schwarzwald. 

Bereits in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag klingen die Niederschläge rasch ab, sodass tagsüber sich das ruhige, aber auch kältere Winterwetter fortsetzt. Dann stehen auch zumindest nach Norden hin die Chancen auf etwas Sonnenschein besser. Damit bleibt uns abgesehen von einer kleinen Störung zu Beginn des Weihnachtsfestes das ruhige Winterwetter erhalten! 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Hoch ELLINOR bringt graue Tristesse 

Derzeit zeigt sich das Wetter völlig unspektakulär: Keine Kapriolen, kein winterlicher Kälteeinbruch, kein Sturm und nichts Vergleichbares, sondern graue Tage mit viel Nebel und Hochnebel. Hin und wieder erreichen uns schwache Ausläufer von Tiefs, die jedoch außer etwas Regen und ein wenig Wind an der Nordsee kaum etwas Relevantes mitbringen. 

Hauptverantwortlich für dieses für Meteorologen recht eintönige Wetter in den kommenden Tagen ist ein ausgedehntes Hochdruckgebiet namens ELLINOR, das über Mitteleuropa und dem Balkan liegt. Gleichzeitig wüten über dem Nordatlantik, zwischen den Britischen Inseln und Island, kräftige Orkantiefs. Nur vereinzelte, sehr abgeschwächte Ausläufer schaffen es noch bis zu uns. 

Hoch ELLINOR bringt graue Tristesse

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 11.12.2025 12 UTC (Quelle: DWD) 

Im Winter bedeutet eine stabile Hochdrucklage mit schwachem Wind selten etwas Positives. Häufig bringt sie tristes Grau, da die Sonne nicht genug Kraft besitzt, um Nebel- und Hochnebelfelder aufzulösen. Dazu bräuchte es frischen Wind, der die Luft durchmischt, oder trockene Festlandsluft. Fehlt dies, sammelt sich die Feuchtigkeit in den Tälern, und Nebel breitet sich großflächig aus. Lediglich die höheren Lagen profitieren davon, denn dort ragen die Berge oft über die graue Schicht hinaus. 

Damit stellt sich die Frage, wo sich in den nächsten Tagen überhaupt die Sonne zeigt. Am heutigen Donnerstag kann sie sich am Nordrand der Mittelgebirge und später auch in den höheren Alpenregionen durchsetzen, begünstigt durch südliche Winde, die die Luft austrocknen. Am Freitag gibt es Chancen auf Sonnenschein im Südwesten, im Süden und in Teilen des Ostens Deutschlands. Am Samstag nehmen die sonnigen Abschnitte wieder ab und beschränken sich auf wenige Gipfellagen und den Alpenrand. Am Sonntag bekommt der Südwesten und die nördliche Mitte einige Sonnenstunden. Lediglich am Montag nimmt der Druckgradient etwas zu und sorgt für auffrischenden Wind und damit für die Auflösung der meisten Nebel- und Hochnebelfelder. 

Abschließend ein Blick auf die Temperaturen: Sie liegen zwischen 6 und 12 Grad, bei Dauernebel lediglich zwischen 2 und 5 Grad – zu mild für die Jahreszeit. Frost tritt vor allem bei längerem Aufklaren auf. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Ein erster Griff in die Spekulatiuskiste

Alle Jahre wieder… stellt sich die Frage nach der Weißen Weihnacht. Und ja, hin und wieder ist man ja der jährlichen Fragerei zugegebenermaßen auch etwas überdrüssig. Aber bei dem gegenwärtigen „Nicht-Wetter” wird es uns selbst zu bunt, und wir werfen mal einen Blick in die Kiste mit dem Wetter-Spekulatius. Irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben 😉 

Ein erster Griff in die Kiste fördert den aktuellen Hauptlauf des europäischen Modells (ECMWF/IFS) zutage. Und der lässt einen ziemlich bedröppelt dreinschauen. Denn abgesehen von einem kurzen Übergreifen des Atlantiks um den 20. Dezember herum ist hier von Winterwetter nicht das Geringste zu sehen. Im Gegenteil: Blockierender Hochdruckeinfluss soll ohne Ende das Zepter schwingen und auch zu Heiligabend wetterbestimmend bleiben. Also Langeweile pur, vermutlich vielfach bei Dauernebel, grauem Himmel und alles andere als winterlichen Temperaturen. Na schöne Bescherung… 

Das erfordert den Griff zum nächsten Spekulatius. Mal schauen, was die Amerikaner so im Gepäck haben. Das GFS-Modell neigt ja gerne mal zu fantastischen Spielereien und gar lustig anzuschauenden Wetterkarten – als wenn von denen am Ende ein einziges jemals Wirklichkeit geworden wäre… In den aktuellen Modellläufen hätte hier zumindest die meteorologische Langeweile deutlich schneller ein Ende. Allerdings: Auch hier von Winter keine Spur. Stattdessen übernimmt die Westdrift mit dem Atlantik und zahlreichen Tiefausläufern das Wettergeschehen. Das hätte auch ab Mitte kommender Woche zunehmend nasses und zeitweise wohl auch windiges Wetter zur Folge. Von Schnee und Kaltluft ist aber überhaupt nichts zu sehen. Aber immerhin käme es hier zu etwas Neuschneeauflage in den Alpen. 

Aller guten Dinge sind aber drei, und so gibt es noch einen weiteren Griff zum Spekulatius. Der fördert die Ensemblerechnungen der Modelle zu Tage, die immerhin noch einen Rückschluss auf gewisse Wahrscheinlichkeiten zulassen. Das GEFS (also das Ensemble des amerikanischen Modells) zeigt zu Weihnachten im Mittel eine Hochdruckbrücke ausgehend von Südwest- über Mitteleuropa bis weit nach Russland. Kein echtes Winterszenario, sondern eher ziemlich risikobehaftet, was die Fortsetzung der meteorologischen Langeweile betrifft. Kalte Luftmassen lassen sich in diesem Szenario jedenfalls nicht ausmachen. Gleiches trifft für die Lösung der europäischen Modellkette zu. Da geht es am Ende nur um Detailunterschiede in der Lage von Druckgebieten. Interessant scheint hier maximal ein Tief über Oberitalien zu sein, das im Alpenraum für Neuschnee sorgen könnte. 

Ein erster Griff in die Spekulatiuskiste

Statistik: Weiße Weihnachten in Offenbach am Main seit 1954 

Es sieht also gar nicht gut aus für die Weiße Weihnacht. Auch in diesem Jahr. Neu dürfte das für kaum jemanden sein. Hier bei uns in Offenbach gehen wir damit wohl in das fünfzehnte schneefreie Weihnachten in Folge. Dazu gibt es übrigens abschließend von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung eine schöne interaktive Darstellung. Dort kann man sich für seinen eigenen Wohnort die Geschichte der Weißen Weihnachten selbst visualisieren lassen. Mal sehen, wie es dann in zwei Wochen wirklich aussieht, denn schließlich gilt auch im Jahre 2025: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. 

 Meteorologe M.Sc.Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Persistente Hochdrucklage

Der meteorologische Frühling geht allmählich in die finale Phase und ein Blick in die Statistik zeigt, dass dieser bisher größtenteils zu sonnig und zu trocken ausfiel. Der März brachte im Flächenmittel lediglich 17 Liter pro Quadratmeter an Niederschlag. Dies entspricht verglichen mit dem Referenzzeitraum von 1991 bis 2020 gerade einmal 31,8 Prozent der üblichen Niederschlagssumme. Der April gestaltete sich zumindest zeitweise etwas unbeständiger. Doch auch im zweiten meteorologischen Frühlingsmonat fiel vielerorts erneut zu wenig Niederschlag. Dafür kamen alle Sonnenliebhaber in den ersten beiden Frühlingsmonaten auf ihre Kosten. Verbreitet gab es überdurchschnittlich viele Sonnenstunden.

Verantwortlich dafür waren persistente blockierende Hochdrucklagen über Nordwesteuropa. Diese kräftigen Hochdruckgebiete sind verbunden mit hohem Geopotential in der mittleren Troposphäre und haben einen deutlichen Einfluss auf die großräumige Strömungskonfiguration. So werden Tiefdruckgebiete, welche sich in mittleren Breiten normalerweise von West nach Ost verlagern, nach Süden und Norden abgelenkt. Dadurch gab es in den vergangenen Monaten in Teilen von Süd- und Südwesteuropa immer wieder teils kräftige Niederschläge. Gleichzeitig kam es in Nordwesteuropa und in Teilen von Mitteleuropa zu längeren Trockenperioden.

Persistente Hochdrucklage teil 1

Geopotentialanomalie im Zeitraum von März bis April 2025 über Europa. Persistente Hochdrucklagen über Zentral- und Nordwesteuropa sorgen für positive Anomalien. 

Aktuell befinden wir uns im Einflussbereich von Hoch RICCARDA. RICCARDA erstreckt sich vom Atlantik bis nach Zentraleuropa. Dadurch herrscht bei uns auch an diesem Wochenende überwiegend sonniges und vor allem weitgehend trockenes Wetter. Gleichzeitig erstreckt sich von den Azoren bis in den Mittelmeerraum eine Zone tiefen Luftdrucks. Damit setzt sich ein ähnliches Muster, wie in den vergangenen Monaten häufig beobachtet, auch in den nächsten Tagen fort. Während in Südwesteuropa teils kräftige Niederschläge fallen, bleibt es in weiten Teilen Mitteleuropas niederschlagsfrei oder es werden nur sehr geringe Niederschlagsmengen erwartet.

Persistente Hochdrucklage teiln 2

Vorhersagekarte des Bodendrucks für Freitag, den 09.05.2025 um 12 UTC. Hoch RICCARDA beeinflusst das Wettergeschehen in weiten Teilen Deutschlands. 

Und auch in der kommenden Woche bleibt bei uns voraussichtlich hoher Luftdruck wetterbestimmend. Am Montag gelangt der äußerste Südwesten in den Einflussbereich eines Tiefdruckgebietes über der Biskaya. Dadurch sind dort im Tagesverlauf einzelne Schauer oder Gewitter möglich. Nach jetzigem Stand baut sich allerdings über Nordwesteuropa bereits zur Wochenmitte erneut eine Omegalage mit einem kräftigen blockierenden Hoch bei den Britischen Inseln auf. Deutschland befindet sich dann auf der Vorderseite des Druckgebildes in einer nördlichen Strömung. Dadurch gehen die Temperaturen in der nächsten Woche wieder etwas zurück und aufgrund der recht trockenen und häufig auch freundlichen Witterung wäre die Nachtfrostgefahr immer noch nicht ganz gebannt.

Persistente Hochdrucklage teil 3 

Vergleich der Modellvorhersagen zur Großwetterlage für Freitag, den 16.05.2025 um 12 UTC. Eine ausgeprägte Omegalage baut sich über Nordwesteuropa auf.  

Allerdings bestehen bezüglich der Intensität und der genauen Lage des Hochs noch Unsicherheiten. Befindet sich das Hoch etwas weiter westlich, kommt es bei uns zu einer unbeständigen und kühlen Wetterphase. Verlagert sich der Schwerpunkt des Druckgebildes etwas weiter nach Osten, dürfen wir uns bei viel Sonnenschein teils schon auf frühsommerliche Temperaturen freuen. Während beim ersten Szenario zumindest etwas Niederschlag zu erwarten wäre, bliebe es beim zweiten weitgehend trocken. Somit bliebe uns auch in nächster Zeit das altbekannte Muster des diesjährigen Frühlings erhalten. Damit wird sehr wahrscheinlich auch der Mai überdurchschnittlich viele Sonnenstunden mit sich bringen und die Trockenheit verschärft sich in einigen Gebieten weiter!

M.Sc. – Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Hoch RICCARDA

Aktuell bestimmt das umfangreiche Hoch RICCARDA (I) mit Schwerpunkt über Schottland bzw. über der Nordsee das Wetter in Deutschland. Sein Einflussbereich reicht von Irland bis nach Skandinavien bzw. bis zum Baltikum. Tiefdruckgebiete müssen daher ausweichen, so dass das Hoch auch in den kommenden Tagen bei uns wetterbestimmend bleibt. Die Position des Hochs sorgt allerdings dafür, dass die Grundströmung aus nördlichen bzw. nordöstlichen Richtungen kommt. Somit bleiben die Temperaturen zunächst gedämpft und aufgrund der feuchteren Grundschicht ziehen immer wieder kompaktere Wolkenfelder durch, die aber kaum Regen bringen.

Hoch RICCARDA teil 1 

Abb 1: Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 07.05.2025 12 UTC 

Am heutigen Mittwoch zeigt sich der Himmel unterschiedlich bewölkt mit sonnigen Abschnitten. Lediglich an den Alpen sind die Wolken kompakter und bringen dort etwas Regen in den höchsten Alpengipfeln auch etwas Schnee. Es liegt daran, dass der Einfluss von Tief JÜRGEN über Oberitalien über den Alpenhauptkamm hinweg bis nach Süddeutschland reicht. Die Höchstwerte liegen zwischen 12 Grad an den Alpen und 18 Grad im Westen. Der Wind weht schwach bis mäßig aus nordöstlichen Richtungen. 

In der Nacht zum Donnerstag klart der Himmel vor allem in der Mitte und in Teilen des Nordens auf. Im Süden halten sich dichtere Wolken und an den Alpen regnet es weiter, oberhalb 1800 m schneit es. Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 und 0 Grad. Von Schleswig-Holstein bis nach Sachsen tritt örtlich leichter Frost bis -2 Grad auf. 

Hoch RICCARDA teil 2

Abb 2: Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 07.05.2025 

Am Donnerstag profitierten die Mitte und der Norden des Landes von der Nähe des Hochs, so dass dort überwiegend die Sonne scheint. Im Süden hingegen fällt aus kompakten Wolkenfeldern etwas Regen. Dabei liegen die Tageshöchstwerte zwischen 11 Grad an den Alpen und knapp 20 Grad am Niederrhein. Der Wind weht weiterhin schwach bis mäßig aus Nordost. 

In der Nacht zum Freitag klingen die leichten Niederschläge an den Alpen weiter ab. An der Ostsee ziehen vereinzelte Schauer auf. Der Rest des Landes bekommt eine meist klare Nacht. Vor allem vom östlichen Niedersachsen bis nach Sachsen und Brandenburg muss bei Tiefstwerten zwischen +2 und -3 Grad häufiger mit leichtem Frost gerechnet werden. Ansonsten liegen die Tiefstwerte zwischen 8 und 2 Grad. 

Hoch RICCARDA teil 3

Abb 3: Wetter- und Temperaturkarte, Donnerstag 08.05.2025 

Am Wochenende verstärkt sich der Hochdruckeinfluss über Deutschland, so dass die sonnigen Anteile zunehmen werden. Lediglich am Freitag gibt es noch im Osten und an den Alpen vereinzelte Schauer, ab Samstag ist es überall niederschlagsfrei. Die Temperaturen steigen von Tag zu Tag an. Am Sonntag werden dann Höchstwerte von 17 bis 22, im Westen bis knapp 25 Grad erreicht. In der Nacht zum Samstag ist die Frostgefahr noch leicht erhöht, aber sie nimmt ab Samstag dann deutlich ab. 

Auch die neue Woche beginnt freundlich und mit Höchstwerten von 19 bis 24 Grad ist es auch mäßig warm. Regen wird nicht erwartet, so dass sich die Trockenheit in einigen Teilen Deutschlands weiter verschärft. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst