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Gewitter und Saharastaub

Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.

Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an den Staubpartikeln in der Atmosphäre.

Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen als ursprünglich prognostiziert.

Gewitter und Saharastaub 1

Analysekarte für Sonntag, den 08.03.2026 um 12 UTC. Weiterhin bestimmt hoher Luftdruck das Wettergeschehen in weiten Teilen Mitteleuropas. (Quelle: DWD)

Gewitter und Saharastaub 2

Vorhersage der Staubkonzentration über Europa für Montag, den 09.03.2026 um 06 UTC. Erhöhte Staubkonzentrationen befinden sich vor allem über Südwest- und Westdeutschland. (Quelle: DWD)

Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.

Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal höher als an Tagen ohne Hagel.

Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr unterkühlte Wassertröpfchen bilden – ein entscheidender Prozess für die Entstehung von Hagel.

Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter kann teilweise unterdrückt werden.

Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden. Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann langlebige Gewitterzellen fördern.

Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen – ein wichtiger Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können dadurch häufiger auftreten.

Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick

Keine Frage, beim Thema der Gewittervorhersage fließen unzählige Informationen in die Entscheidungsfindung ein, und es kommen einige Fragen auf. Welche Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen oder Böen werden mit den Gewittern bevorzugt auftreten? Darf sich der Warnmeteorologe/die Warnmeteorologin im Dienst (und letztendlich auch die Bevölkerung) nur auf kurzlebige Gewitter einstellen, die hier und da einen Regenguss mit etwas Wind bringen, oder fördern die Bedingungen langlebige Konvektion, die mit allen Schikanen einhergeht und über Stunden durch die Landschaft zieht? Diese Art der Vorhersage wird u.a. mit Hilfe der „Zutatenmethode“ durchgeführt und zielt auf eine rechtzeitige Abschätzung des Gewitterpotenzials teils mehrere Tage im Voraus ab (Link 1).

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der Folge im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen weibliche, männliche und diverse Personen, sodass alle Personen damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen werden.

Heute interessiert uns aber nicht der Zeitraum vor der Entwicklung von Gewittern, sondern wir schauen uns die Ausgangslage an, wo sich die Gewitter bereits entwickelt haben, und zwar aus dem Blickwinkel eines Warnmeteorologen. Ein Warnmeteorologe ist dafür zuständig, Warnungen rechtzeitig zu erstellen und diese zeitnah an die Kunden zu verschicken. Dafür ist er beim Deutschen Wetterdienst in der glücklichen Position, unzählige Werkzeuge zur Hand zu haben, mit denen er die Gewitterzellen genau verfolgen und ggf. korrigierend ins Warnwesen eingreifen kann. Eines dieser Werkzeuge ist das Wetterradar.

Die Analyse von Radarbildern stellt eine sehr komplexe und äußerst umfangreiche Aufgabe dar, weshalb wir uns heute der Übersicht wegen nur auf einen sehr kleinen Teilaspekt der Radarsignaturerkennung fokussieren. Bei der Gewitteranalyse mit Hilfe eines Wetterradars steht besonders die Frage im Raum, wie organisiert (und folglich auch schadensträchtig) das Gewitter in Echtzeit ist. Auch das heftigste Gewitter fängt mal klein und schwach an, kann jedoch unter bestimmten Bedingungen (siehe „Zutatenmethode“) innerhalb kürzester Zeit an Intensität und somit auch an Gefahrenpotenzial gewinnen. Der Meteorologe muss daher die zahlreichen Hinweise und Signaturen im Radar erkennen und richtig deuten.

Bei einem organisierten Gewitter, das eine hohe Lebenserwartung hat und nicht selten mit unwetterartigen Begleiterscheinungen einhergeht, kann man z.B. im Radar einen rotierenden Aufwind erkennen. Wie ein Wetterradar solche Bewegungen erkennt, wurde u.a. im Thema des Tages vom 25. August 2021 beschrieben und kann dort gerne nachgelesen werden (Link 2). Wieso ist es von Interesse, ob ein Aufwind innerhalb eines Gewitters rotiert oder nicht? Wenn es zur Rotation kommt, dann sind die Ausgangsbedingungen für sogenannte Superzellen gegeben, die grob gesagt sehr dynamische Gewitter darstellen und meist mit den heftigsten Begleiterscheinungen einhergehen. Auch dazu gab es bereits diverse Themen des Tages, wie z.B. vom 28.07.2023 (Link 3) und auch mit beeindruckenden Bildern u.a. vom 29. August 2025 (Link 4).

Von großer Bedeutung bei der Analyse von Radarbildern ist die Information, wo sich das Radar im Vergleich zur analysierten Gewitterzelle befindet, denn nur dann kann man die Daten richtig interpretieren. Mit diesem Wissen kann man abschätzen, ob eine Bewegung auf den Radarstandort zu oder von diesem weg stattfindet. Bewegungen zum Radar werden z.B. mit grüner Farbe dargestellt, Bewegungen vom Radar weg in roter Einfärbung. Wichtig ist auch zu wissen, in welcher Höhe das Radargerät misst, denn der ausgesandte Radarstrahl gewinnt dank der Erdkrümmung zum Erdboden stetig an Höhe. Ob eine Rotation z.B. in 5 km über Grund oder bodennah vorhanden ist, hat natürlich für die aktuelle Erstellung von Gewitterwarnungen eine große Bedeutung.

Nehmen wir nun mal einen fiktiven Sommertag an. Die Sonne scheint, die Luftmasse ist drückend schwül und die Tage zuvor wurde bereits von den Meteorologen darauf hingewiesen, dass die Ausgangsbedingungen für Superzellen am heutigen (fiktiven) Tag sehr gut sind: hohe Windscherung, also eine Änderung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe und eine feuchte sowie energiereiche Luftmasse überlagern sich. Dass die Hebung ausreicht, ist beim Blick auf das Wetterradar ersichtlich, denn es haben sich soeben die ersten Gewitter entwickelt, die vom Warnmeteorologen argwöhnisch beobachtet werden. Dabei richtet sich der Blick rasch auf die Information vom Wetterradar, die uns die Bewegungskomponente der Niederschlagsteilchen anzeigt. Dabei sieht er, wie bei einem Gewitter die rote Farbe (Bewegung weg vom Radar) und die grüne Farbe (Bewegung zum Radar hin) sehr nahe beieinander liegen. Als visuelles Beispiel dienen die Fälle vom 15. September 2025 bei Fürstenwalde/Spree (BB) sowie vom 25. Mai 2025 in der Nähe von Güstrow (MV).

Radaranalyse an einem Gewittertag 1

Bild 1: Radarbild (Geschwindigkeitsfeld) vom 15. September (1a bis 1d) sowie vom 25. Mai 2025 (1e)

An beiden Tagen handelte es sich in der Tat jeweils um einen rotierenden Aufwind. Für den 15. September wurde die Herangehensweise gezeigt, wie man (gedanklich) nachweist, dass es sich in der Tat um eine reine Rotation gehandelt hat. Die Bilder 1b bis 1d heben im Zoom direkt die Rotation mit nahe beieinander liegenden Windmaxima hervor, die vom Radar weg (rot) und auf den Radarstandort zu zeigen (grün). In 1d wurde in gelber Farbe ein fiktiver Radarstrahl eingezeichnet (durchgezogene Linie). Liegen die beiden Windmaxima normal und nahezu in demselben Abstand zu der gelben Linie (gestrichelt), dann liegt eine reine Rotation vor (mit ähnlicher Signatur eines Rankine-Wirbels). Mit dieser Erkenntnis lassen sich nun Rückschlüsse treffen, wie sich das Windböen- und/oder Tornadopotenzial zeitnah entwickelt.

Von Bedeutung ist auch, wie fokussiert die Rotation im Wetterradar erscheint. Während diese bei Fürstenwalde (15. September) sehr kompakt ausfällt, sieht sie am 25. Mai (Bild 1e) deutlich diffuser und schwächer aus. Sollten zahlreiche weitere Umgebungsbedingungen günstig sein, dann muss man bei beiden Signalen auf jeden Fall mit einer erhöhten Gefahr vor Windböen rechnen. Besonders bei der Rotation nördlich von Fürstenwalde kann aber auch ein Tornado nicht ausgeschlossen werden, wobei aber dieser vor allem in dieser Entfernung nicht direkt vom Radar erfasst wird.

Man darf nicht vergessen: Dies ist nur ein Höhenbereich (eine Radarelevation), der hier betrachtet wurde. In Echtzeit muss der Warnmeteorologe noch alle anderen Radarelevationen anschauen und analysieren, wie hochreichend die Rotation ist, ob es Intensivierungs- oder Abschwächungshinweise beim Aufwind gibt und vieles, vieles mehr.

Doch wie so oft in der Natur gibt es nicht nur das Eine (eine reine Rotation), sondern auch zahlreiche Mischformen. Dies wird versucht in der folgenden Skizze hervorzuheben.

Radaranalyse an einem Gewittertag 2

Bild 2: Skizze der Rotation und Vergenzen, die von einem Radar dargestellt werden.

Nun wird es noch spannender, aber auch komplexer bei der Interpretationsfindung, denn jetzt ergeben sich versetzte Maxima der Bewegungsfelder, die zudem auch nicht die gleiche Entfernung zum Radarstandort aufweisen. Dabei handelt es sich also nicht mehr um eine reine Rotation, sondern eher um eine die Rotation überlagernde Konvergenz (Zusammenströmen) oder Divergenz (Auseinanderströmen). Dieser Aspekt ist wichtig, denn im Falle einer zyklonalen Konvergenz (gegen den Uhrzeigersind) befindet sich z.B. ein rotierender Aufwind in der Intensivierungsphase und bietet dadurch dem Warnmeteorologen etwas Vorlauf, um Intensitätsänderungen der Gewitter abschätzen zu können. Als Beispiel dient der 15. Juli 2025 (Bild 3).

Radaranalyse an einem Gewittertag 3

Bild 3: Radarbild vom 15. Juli 2025 um 11 UTC (3a bis 3c) sowie um 11:15 UTC (3d bis 3f).

Die gelbe Linie stellt einen fiktiven Radarstrahl dar und das Plus- und Minuszeichen jeweils die stärkste Bewegung zum Radar hin bzw. vom Radar weg. In 3c) erkennt man, dass die beiden Vorzeichen keinen Dipol in gleicher Entfernung zum Radar bilden, der Meteorologe hier aber eine zyklonale Konvergenz ausmachen kann (die rote Farbe liegt näher am Radar, hebt also eine Bewegung weg vom Radar hervor, während die Bewegung zum Radar mit der grünen Farbe links davon liegt und die zyklonale Natur der vorhandenen (kleinräumigen) Rotation anzeigt, eingebettet in umfangreicher Konvergenz). Der Warnmeteorologe weiß also, dass man auf diese Gewitterzelle besonders Acht geben muss und dass die Warnung ggf. zeitnah verschärft werden muss. Nur 15 Minuten später (Bild 3d bis 3f) liegen beide Vorzeichen in gleicher Entfernung zum Radar und bilden einen fokussierten Dipol. Zu dem Zeitpunkt kann man (bei günstigen Umgebungsbedingungen) auch die Bildung eines Tornados nicht ausschließen. Mit der Analyse vom Radar ergibt das eine Vorlaufzeit von zumindest 10 min, was bei der Gewittervorhersage viel (und wertvolle) Zeit darstellt.

Diese Gegensätze der Bewegung enden jedoch nicht bei einer Rotation, sondern können auch in einer Linie auftreten.

Radaranalyse an einem Gewittertag 4

Bild 4: Radarbild vom 26. Juni 2025 sowie vom 15. Juli 2025 (4a und 4b: oben Reflektivität, unten Geschwindigkeitsfeld).

Dabei kann ein Warnmeteorologe z.B. einen Bereich herausarbeiten, wo ein zeitnah auftretendes und sehr lokales Windmaximum auftreten kann (Abwind, engl. „downburst“), das je nach Intensität auch mit Orkanböen für Furore sorgt (Bild 4 a, Reflektivität oben und Geschwindigkeitsfeld unten). Man erkennt hier, dass die grüne Einfärbung näher am Radarstandort zu finden ist als die rote Einfärbung und somit ein bodennahes Ausfließen dargestellt wird. Im Beispielbild erkennt man, wie lokal so ein Ereignis ausfallen kann.
In Bild 4b sind die Vorzeichen verkehrt und hier erkennt der Warnmeteorologe starke Konvergenz, also Zusammenströmen der Luftmassen. Dies ist ein Anzeichen, dass die Konvektionslinie sehr kräftig ist und entsprechende Begleiterscheinungen wie starke Böen wahrscheinlich sind. Auch bei dieser linienhaften Anordnung der Farben muss man sehr genau darauf achten, ob nicht irgendwo lokal die Rotation an Dominanz gewinnt, sodass wir z.B. wieder in den Bereich einer zyklonalen/antizyklonalen Konvergenz gelangen. Dies würde bedeuten, dass z.B. das Tornadopotenzial zeitnah/vorübergehend zunimmt.

Behält man nun auch noch im Hinterkopf, wie störanfällig ein Radarsignal sein kann (durch meteorologische oder andere Faktoren), so wird schnell klar, wie komplex und umfangreich die Radaranalyse ist, die vom Warnmeteorologen während einer Gewitterlage über Stunden durchgeführt werden muss. Natürlich findet eine gewisse Unterstützung von automatischen Verfahren statt, die jedoch nicht alles erkennen und ebenfalls der Störanfälligkeit beim Radar unterworfen sind.

An dieser Stelle soll nun aber der kurze Ausflug in die Interpretation von Radardaten beendet werden. Auch wenn die vergangenen Tage beim Blick aufs Radar sehr ruhig ausfielen, so hatten die Warnmeteorologen des Deutschen Wetterdienstes bereits Ende Februar dieses Jahres die ersten rotierende Aufwinde auf dem Bildschirm (Bild 5) – ein dezenter Hinweis, dass die Gewittersaison nun wirklich in den Startlöchern steht. Vielleicht können ja auch Sie das gewonnene Wissen bald bei der eigenen Gewitteranalyse anwenden.

Radaranalyse an einem Gewittertag 5

Bild 5: Radarbild vom 23. Februar 2026 (links Reflektivität, rechts Geschwindigkeitsfeld)

Diplom-Meteorologe Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Die Omegawetterlage

Bisher sorgte anhaltendes Hochdruckwetter für einen trockenen und ungewöhnlich warmen Start in den März. Ursache ist eine sogenannte Omegawetterlage. Diese stellte sich Ende Februar ein, als es im Nordosten Kanadas zu einem kräftigen Kaltlufteinbruch kam. Dabei fließt die Kaltluft über dem vergleichsweise warmen Atlantik aus und sorgt dort für Tiefdruckbildung. Somit liegt über dem Nordatlantik ein sich immer wieder regenerierendes Höhentief, also ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten zwischen etwa 4 und 9 km Höhe.

Auf dessen Ostseite gelangt mit südlicher Strömung sehr warme Luft aus Nordafrika nach West- und Mitteleuropa. Dadurch hat sich ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufgebaut. Dieses kann jedoch nicht nach Osten abziehen, da sich über Westrussland ein weiteres Höhentief befindet. Eingekeilt zwischen diesen beiden Höhentiefs bleibt die Lage des Hochdruckgebietes relativ stabil, sodass solche Wetterlagen meist über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleiben.

Bei einer Omegalage nimmt die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Ω an, daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dadurch wird der Westwindstrom umgelenkt oder unterbrochen und das Muster bleibt über längere Zeit nahezu stationär.

Zusätzlich wirkt der sogenannte Beta-Effekt: Er beschreibt, dass die Corioliskraft (scheinbare Ablenkung durch die Erdrotation) mit zunehmender geografischer Breite stärker wird und dadurch die Dynamik großräumiger Wellen im Jetstream beeinflusst. In ausgeprägten Wellenlagen trägt dieser Effekt dazu bei, dass sich das Muster nur langsam weiter verlagert und länger bestehen bleibt. In einer Omegalage unterstützt er somit die typische Wellenform der Höhenströmung und die Stabilität der Lage.

Die Omegawetterlage 1

Die Karte zeigt die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche (in etwa 5 km Höhe) am Freitagmittag. Es zeigt ein kräftiges Höhenhoch über Mitteleuropa, flankiert von Tiefdruckgebieten. Die Höhenströmung nimmt dabei die Form eines Omegas an.

Die Omegawetterlage 2

Das Meteosat Third Generation Echtfarbenbild vom 06.03.2026 Freitagmittag zeigt ein wolkenfreies Gebiet über Mitteleuropa, dass mit dem angesprochenen Höhenhoch zusammenhängt. Eine südliche Strömung führt dabei Luft aus Nordafrika heran, die mit Saharastaub beladen ist.

In den vergangenen Jahren häuften sich solche Omegalagen im Frühling, sodass es oft zu trockenen und warmen Phasen kam.

Auch am Wochenende bleibt die warme Luft aus Nordafrika wirksam und sorgt im Westen für Höchsttemperaturen von über 20 °C. Die Nächte bleiben jedoch weiterhin relativ frisch, teils sogar frostig. Verantwortlich dafür ist die vergleichsweise lange nächtliche Ausstrahlung in den meist klaren Nächten zu dieser Jahreszeit.

Ab Beginn der nächsten Woche wird die Omegalage dann allmählich abgebaut. Das Hoch verlagert sich ostwärts Richtung Russland und macht Platz für atlantische Tiefausläufer. Diese gestalten das Wetter vor allem im Westen zunehmend wechselhaft, besonders ab Mitte der nächsten Woche. Trotz einer leichten Abkühlung bleibt das Temperaturniveau dabei weiterhin über dem für Anfang März üblichen klimatologischen Mittel.

Die Omegawetterlage 3

Die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche für Mittwoch, den 11.03.2026 zeigt, dass sich das Omegahoch weitestgehend abgebaut hat. Die Strömung verläuft nun glatter von West nach Ost.

Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Saharastaub – Herkunft, Transport und Bedeutung eines globalen Naturphänomens

Mehrmals pro Jahr erreicht mineralischer Staub aus Nordafrika auch Mitteleuropa. In der Atmosphäre äußert sich das durch eine diffuse Trübung des Himmels, verringerte Fernsicht und bei Niederschlag durch rötliche Ablagerungen auf Oberflächen. Diese Ereignisse entstehen, wenn Luftmassen aus der Sahara in höhere Atmosphärenschichten gelangen und mit der großräumigen Strömung über Tausende Kilometer transportiert werden. Saharastaub gehört zu den wichtigsten natürlichen Aerosolen der Erde und beeinflusst atmosphärische Prozesse, Ökosysteme und Strahlungsbilanzen weit über den afrikanischen Kontinent hinaus.

Die Sahara als größte Staubquelle der Erde

Die Sahara ist mit rund neun Millionen Quadratkilometern die größte heiße Wüste der Erde. Sie erstreckt sich über große Teile Nordafrikas vom Atlantik bis zum Roten Meer. Entgegen dem verbreiteten Bild besteht die Wüste nur zu einem kleineren Teil aus Sanddünen. Etwa fünfzehn Prozent der Fläche sind Dünenfelder, während große Bereiche aus Fels und Schotterflächen sowie aus ehemaligen Seebecken bestehen.

Gerade diese Regionen liefern den größten Anteil des atmosphärischen Staubs. Feinkörnige Sedimente können dort leicht mobilisiert werden, da Vegetation fehlt und Böden häufig ungeschützt der Erosion ausgesetzt sind. Die Sahara gilt daher als wichtigste Quelle mineralischer Aerosole weltweit.

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zwischen etwa hundert Millionen und rund einer Milliarde Tonnen Staub aus Nordafrika in die Atmosphäre gelangen. Damit stammen etwa fünfzig bis siebzig Prozent der globalen Staubemissionen aus dieser Region.

Geologie und Zusammensetzung des Saharastaubs

Saharastaub besteht überwiegend aus mineralischen Partikeln, die aus der Verwitterung von Gesteinen und Böden stammen. Typische Bestandteile sind Quarz, Feldspäte, Tonminerale, Glimmer sowie verschiedene Carbonate. Viele dieser Mineralien enthalten Eisenverbindungen.

Die mineralische Zusammensetzung wirkt wie ein geologischer Fingerabdruck. Verschiedene Regionen der Sahara besitzen unterschiedliche Gesteinsarten und Sedimente. Dadurch lassen sich Staubproben häufig bestimmten Herkunftsgebieten zuordnen.

Eisenhaltige Minerale wie Magnetit oder Hämatit können dazu führen, dass Staubpartikel schwach magnetische Eigenschaften besitzen. Diese Eigenschaften sind eine direkte Folge der natürlichen Mineralogie der Ausgangsgesteine.

Entstehung des Staubs durch Verwitterung und Erosion

Der mineralische Staub entsteht durch langfristige geologische Prozesse. Mechanische Verwitterung durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht führt zur Zerkleinerung von Gesteinen. Zusätzlich wirken chemische Prozesse sowie gelegentliche Wasserumlagerungen während seltener Niederschläge.

Über lange Zeiträume entstehen dadurch feine Sedimente, die an der Oberfläche der Wüste liegen. Diese Sedimente werden ständig neu gebildet, da Verwitterung und Erosion fortlaufend Material aus dem Untergrund freilegen.

Physikalische Prozesse der Staubmobilisierung

Starke Winde können diese feinen Sedimente vom Boden lösen. Ein zentraler Prozess ist die sogenannte Saltation. Größere Sandkörner springen durch den Wind über die Oberfläche und schlagen beim Auftreffen kleinere Partikel aus dem Boden heraus.

Während die groben Sandkörner meist in Bodennähe bleiben, gelangen die feineren Staubpartikel in die Atmosphäre. Besonders effektiv geschieht dies bei Staubstürmen oder in Wetterlagen mit starken Druckgradienten.

Vertikaler Transport in die Atmosphäre

Damit Saharastaub über große Entfernungen transportiert werden kann, muss er zunächst mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre gelangen. Das geschieht durch turbulente Durchmischung der unteren Atmosphäre, durch konvektive Aufwinde und durch dynamische Hebungsprozesse in synoptischen Wetterlagen.

Vertikale Luftbewegungen können große Höhen erreichen. Thermische Aufwinde reichen häufig mehrere Kilometer hoch. In Gebirgsregionen können Aufwindsysteme sogar Höhen von über sechstausend Metern erreichen. In solchen Höhen wird der Staub von großräumigen Strömungen erfasst und über Kontinente hinweg transportiert.

Großräumige Transportwege in der Atmosphäre

Sobald Staub in höheren Atmosphärenschichten angekommen ist, kann er Tausende Kilometer weit transportiert werden. Ein bedeutender Teil des Staubs wird über den Atlantik transportiert und erreicht regelmäßig die Karibik sowie Teile Mittel und Südamerikas.

Ein anderer Transportpfad führt über das Mittelmeer nach Südeuropa und Mitteleuropa. In einzelnen Fällen gelangen Staubpartikel sogar bis in hohe Breiten der Nordhalbkugel.

Die Verweildauer solcher Aerosole in der Atmosphäre beträgt häufig ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit können sich Staubfahnen über sehr große Entfernungen ausbreiten.

Saharastaub in Europa

In Europa treten Saharastaubereignisse mehrmals pro Jahr auf. Typisch sind mehrere Episoden jährlich, bei denen Staub aus Nordafrika mit südlichen oder südwestlichen Luftströmungen über das Mittelmeer transportiert wird.

In der Atmosphäre verursacht der Staub häufig eine diffuse Trübung und eine gelblich bis rötlich gefärbte Luft. Bei Niederschlägen wird der Staub ausgewaschen und lagert sich auf Oberflächen ab. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als Blutregen bezeichnet.

Solche Ereignisse können auch kurzfristig die gemessenen Feinstaubkonzentrationen erhöhen und die Sichtweite deutlich reduzieren.

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

Globale ökologische Bedeutung

Saharastaub ist ein wichtiger Bestandteil globaler Stoffkreisläufe. Ein großer Teil der Partikel lagert sich über dem Atlantik ab. Dort liefert der Staub Mineralstoffe wie Eisen und Phosphor, die für das Wachstum von Phytoplankton wichtig sind.

Phytoplankton bildet die Grundlage vieler mariner Nahrungsketten und spielt eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.

Auch der Amazonasregenwald profitiert vom Staubeintrag aus Afrika. In tropischen Regionen werden Nährstoffe durch starke Niederschläge kontinuierlich aus den Böden ausgewaschen. Der Eintrag von Mineralien aus Saharastaub trägt dazu bei, diese Verluste teilweise auszugleichen.

Einfluss auf Schnee und Eis

Saharastaub kann bis in hohe Breiten transportiert werden und sich dort auf Schnee und Eis ablagern. Dunkle Partikel absorbieren mehr Sonnenstrahlung als helle Oberflächen. Dadurch kann die Schmelze lokal verstärkt werden, insbesondere während sonniger Perioden.

Historische Beobachtungen

Berichte über rötlich gefärbten Regen finden sich bereits in antiken Texten und später in mittelalterlichen Chroniken. Damals wurde das Phänomen häufig als ungewöhnliches Naturereignis interpretiert.

Erst im 19 Jahrhundert begann eine systematische wissenschaftliche Untersuchung. Während der Reise der HMS Beagle sammelte Charles Darwin Staubproben auf den Kapverdischen Inseln und erkannte, dass das Material vom afrikanischen Kontinent stammen musste.

Auch um die Wende zum 20 Jahrhundert existieren wissenschaftliche Veröffentlichungen über Staubtransporte aus Nordafrika nach Europa. Damit ist das Phänomen seit mehr als einem Jahrhundert dokumentiert.

Moderne Messmethoden und Beobachtungssysteme

Heute wird Saharastaub mit einer Vielzahl moderner Messmethoden untersucht. Satelliten liefern globale Bilder von Staubfahnen und zeigen ihre Ausdehnung über Kontinente und Ozeane hinweg.

Am Boden messen Aerosolstationen kontinuierlich die Konzentration von Partikeln in der Atmosphäre. Lidar Systeme senden Laserimpulse in die Atmosphäre und bestimmen daraus Höhe und Dichte von Staubschichten.

Zusätzlich werden Staubproben im Labor analysiert. Die mineralische Zusammensetzung ermöglicht Rückschlüsse auf die Herkunftsregion innerhalb der Sahara.

Vorhersage von Staubereignissen

Moderne Wettermodelle und Aerosolmodelle erlauben heute eine relativ genaue Vorhersage von Staubtransporten. Satellitendaten, atmosphärische Messungen und numerische Modelle werden kombiniert, um Transportwege und Konzentrationen zu berechnen.

Dadurch lassen sich Staubereignisse in Europa oft mehrere Tage im Voraus prognostizieren.

Bedeutung für Wetter Klima und Luftqualität

Aerosole wie Saharastaub beeinflussen mehrere Prozesse in der Atmosphäre. Sie können als Kondensationskerne für Wolkentröpfchen dienen und damit indirekt die Wolkenbildung beeinflussen.

Darüber hinaus wirken Staubpartikel auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre, da sie einfallende Sonnenstrahlung streuen oder absorbieren. Während intensiver Staubereignisse können sie auch kurzfristig die Luftqualität beeinflussen.

Quellen und weiterführende Informationen

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/2/29.html
https://www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/zusammensetzung_atmosphaere/aerosol/inh_nav/saharastaub_node.html
https://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Warum_ist_die_Erde_ueberhaupt_magnetisch.html
https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/erde/erdmagnetfeld/
https://books.google.de/books?id=4JHKBgAAQBAJ&pg=PA48

Aerosolmessungen Sonnblick Observatorium
Am Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern werden seit vielen Jahren hochalpine Aerosolmessungen durchgeführt. Die Station liegt auf etwa 3100 Metern Höhe und ist deshalb ideal geeignet, um Staub aus der freien Atmosphäre zu messen, der nicht direkt aus lokalen Quellen stammt. Während Saharastaubereignissen lassen sich dort deutliche Anstiege der mineralischen Aerosole nachweisen. Die Daten liefern wichtige Informationen über Transporthöhe, Partikelkonzentrationen und Herkunft der Staubmassen.
https://bit.ly/4r5fodV

Wüstenstaub Vorhersage und aktuelle Staubmodelle
Diese Seite zeigt eine modellbasierte Vorhersage für Wüstenstaubtransporte aus der Sahara. Atmosphärische Modelle berechnen dort die erwartete Staubkonzentration in verschiedenen Höhen der Atmosphäre und die räumliche Ausbreitung der Staubwolken. Solche Vorhersagen werden genutzt, um Staubereignisse über Europa mehrere Tage im Voraus zu erkennen und deren Intensität abzuschätzen.
https://bit.ly/4u5zmYG

Grüße aus der Sahara

In den letzten Tagen herrschte in weiten Teilen des Landes frühlingshaft mildes und meist sonniges Wetter. Nur vereinzelt hielten sich Nebelfelder länger. Grund dafür ist Hochdruckgebiet JANNIS, das sich über Mittel- und Südosteuropa ausgedehnt hat. Es lenkt trockene Luft zu uns und hält Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft fern. Dadurch können sich kaum Wolken bilden. Nur in der Nähe größerer Flüsse und in engen Tälern, wo die Feuchtigkeit sich nachts nicht wegbewegen kann, bilden sich immer wieder Nebelfelder, die sich tagsüber meist aber auflösen.

Gruesse aus der Sahara 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse von Wetter und Isobaren vom 05.03.2026 00 UTC

Wer sich die obige Analysekarte genau ansieht, der entdeckt ein umfangreiches, wenn auch nicht besonders stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über Nordafrika. Es „saugt“ bereits seit ein paar Tagen Saharastaub an und führt es in größere Höhen entgegen dem Uhrzeigersinn nordwärts. Inzwischen hat es der Staub bis nach Spanien und Frankreich geschafft und lässt sich schon im Satellitenbild erkennen.

Gruesse aus der Sahara 2

Ausschnitt Mittel-/Westeuropa mit Satellitenbild vom 05.03.2026 12 UTC

Aktuell verlagert sich das Tief langsam nach Südwesteuropa, wo es vom Hoch über Mitteleuropa und einem Hoch über dem Atlantik in die Mangel genommen wird. Dabei dehnt es sich leicht nordwärts bis nach Südengland aus, füllt sich aber am Wochenende allmählich auf und zerfällt.

Gruesse aus der Sahara 3

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage der Isobaren und Druckzentren für Freitag, 06.03.2026 mittags

Die Ausdehnung sorgt für eine weit nach Norden reichende Verteilung der staubbelasteten Luft. Die wiederum wird vom Hoch über Mittel- und Osteuropa angezapft und so schließlich auch zu uns geführt.

Gruesse aus der Sahara 4

Ausschnitt Europa und Nordafrika mit der Vorhersage der Staubbelastung aus dem ICON-ART Modell für Freitag, 06.03.2026 06 UTC

In der unten angefügten Animation sieht man die Verlagerung der stärksten Staubgebiete (je roter, umso höher ist die Staubkonzentration) erst in den Westen Europas und dann am morgigen Freitag mit sich etwas ostwärts zurückziehendem Hoch auch zu uns.

5 Bild5

Animation der Vorhersage der Staubkonzentration aus dem ICON-ART Modell, Lauf vom 05.03.2026 00 UTC

Dabei kann der Staub Konvektion und somit Wolkenbildung auslösen. Zumindest aber wird er den Himmel etwas eintrüben, sodass der Sonnenschein milchig oder trüb erscheinen kann.

Am Wochenende bleibt die mit Staub angereicherte Luft über uns liegen, wenngleich die Konzentration aufgrund der horizontalen Verteilung und dem versiegenden Zustrom langsam abnimmt. Am Samstag sind im äußersten Norden und Nordosten im Zuge eines kleinräumigen Höhentiefs über Südschweden und dadurch leicht angefeuchteter Luft auch Regenfälle möglich. Diese können den Staub auswaschen, was zu sichtbaren Spuren auf Gegenständen führen sollte.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Bunte Satellitenbilder

Bunte Satellitenbilder 1

Abb 1: Meteosat-12 True Color RGB Satellitenbild von heute, 23.02.2026 um 12:40 UTC über Südamerika, dem Atlantik, und Westafrika.

Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages vom Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG) Satelliten Meteosat-10, und zwar…

Bunte Satellitenbilder 2

Abb 2: Animation des Wolkenoberkante Produkts aus MSG Meteosat-10 Messungen, für den Zeitraum von Samstagnachmittag (21.02.2026) bis Sonntagnachmittag (22.02.2026).

…die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean, Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des Planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.

Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.

Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen: Tiefdruckgebiet Barbara östlich von Neufundland ist erkennbar an den sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen Farbtönen im Bereich der Kaltfront – dem vertikalen T-Strich im geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen geprägt haben).

In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.

Bunte Satellitenbilder 3

Abb 3: Modell-Vertikalprofile aus dem europäischen IFS Modell, für gestern (22.02.2026) um 18:00 Uhr UTC, links über dem Nordatlantik, rechts über Kamerun. Grün: der Taupunkt, Rot: die Temperatur sowie gestrichelt: die Tropopause.

Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei 125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen, welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert (1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe…). Die Tropopause markiert aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen auslösen – vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt „Rapidly Developing Thunderstorms“, also schnell wachsende Gewitterzellen, mit Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause, verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!

Bunte Satellitenbilder 4

Abb 4: Klimatologische Verteilung der Tropopausenhöhe in Abhängigkeit von der geografischen Breite. Die Definition der WMO für die Tropopausenhöhe ist hinzugefügt.

Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierten „Lapse Rate Tropopause“ (LRT, die Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause, alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Übergang zu wechselhaftem Frühlingswetter

Das Frühlingshoch „Konstantina“ hat seine Wetterwirksamkeit in Deutschland endgültig verloren und liegt inzwischen mit dem Schwerpunkt über dem Schwarzen Meer. Hoch „Liora“ über Westrussland sorgt jedoch noch dafür, dass es Tief „Volker“ über Westfrankreich (international Martinho) noch schwerfällt, auf Deutschland überzugreifen. Zwischen dem Hoch östlich und dem Tief westlich von uns hat sich eine südliche Strömung etabliert, in der sehr milde und zunehmend feuchte Luft zu uns gelangt. Saharastaub wurde zudem miteingezogen und sorgt dafür, dass der Himmel milchig erscheint. 

Uebergang zu wechselhaftem Fruehlingswetter teil 1 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck vom Samstag den 22.03.2025. Quelle: DWD 

Am heutigen Samstag ist das Wetter zweigeteilt: Norddeutschland profitiert noch vom Hoch „Liora“. Dabei scheint zunächst die Sonne und erst am Abend erreichen von Süden her dichtere Wolkenfelder, die aber kaum Regen bringen. Der Wind weht allerdings mäßig bis frisch, in Böen stark bis stürmisch aus östlichen Richtungen. Dies könnte ein Problem werden, wenn der Wind den Staub von den vertrockneten Ackerfeldern aufwirbelt. 

In der Mitte und im Süden zeigt sich der Himmel hingegen wolkig bis stark bewölkt, örtlich fällt daraus etwas Regen. Am Nachmittag und Abend sind im Südwesten einzelne Schauer und Gewitter möglich. In Bayern setzt sich zum Nachmittag hin wieder stärker die Sonne durch. An den Alpen herrscht zudem Südföhn. 

Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 21 Grad, lediglich im äußersten Norden ist es mit 8 bis 13 Grad deutlich kühler. Das liegt daran, dass der Wind von der noch kalten Ostsee herkommt. 

Uebergang zu wechselhaftem Fruehlingswetter teil 2

Wetter und Temperatur für Samstag 22.03.2025. Quelle: DWD 

In der Nacht zum Sonntag erweitert Tief „Volker“ seinen Einflussbereich auf fast das gesamte Land, auch wenn der Kern noch über Westfrankreich bleibt. Der Himmel zeigt sich oft stark bewölkt, vor allem in der Westhälfte fällt gebietsweise Regen, ansonsten bleibt es überwiegend trocken. Die Tiefstwerte liegen zwischen 9 und 2 Grad. Die Frostgefahr ist also sehr gering. Der Ostwind ist im Norden noch kräftig unterwegs, ansonsten flaut der Wind weiter ab. 

Am Sonntag zeigt sich der Himmel vielerorts wolkig bis stark bewölkt, und vor allem im Westen und in der Mitte des Landes treten einzelne Schauer auf. Im Südosten entwickeln sich nachmittags sogar einzelne Gewitter. Sonst bleibt es meist trocken. Durch mehr Bewölkung steigen die Temperaturen auf Werte zwischen 11 und maximal 17 Grad an. Der Wind weht im Norden aus östlichen Richtungen und ist im äußersten Norden noch spürbar, im Süden weht er schwach bis mäßig aus westlichen Richtungen. 

Uebergang zu wechselhaftem Fruehlingswetter teil 3

Wetter und Temperatur für Sonntag 23.03.2025. Quelle: DWD 

Auch die neue Woche beginnt leicht wechselhaft, dabei regnet es am Montag in der Südhälfte zeit- und gebietsweise sowie schauerartig verstärkt, während es in der Nordhälfte überwiegend trocken bleibt. Am Dienstag dreht sich dieses Spiel dann um. Die Sonne zeigt sich nur gelegentlich am Himmel und die Maxima bewegen sich zwischen 10 und 17 Grad. 

Die Trockenheit in weiten Teilen des Nordens, wo es gebietsweise seit Wochen nicht geregnet hat, wird in den kommenden Tagen also nur bedingt gelindert. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Das Ende des Hochdruckwetters

Sonne pur und 20 °C. Was sich anhört wie Frühsommerwetter im Mai, war tatsächlich die erste Märzwoche des Jahres 2025. Dafür verantwortlich war Hoch „Ingeborg”. Dieses befindet sich mittlerweile im weit fortgeschrittenen Rückzugsstadium tief über Osteuropa. Bahn frei also für eine neue Runde Tiefdruck.

Aber so einfach ist das gar nicht. Sowohl bei Island als auch über dem eurasischen Festland weit östlich von uns erstrecken sich jeweils große Hochdruckzonen, die die Westwinddrift auch weiterhin abschnüren. Dazwischen hat sich vor einiger Zeit ein großer Tiefdruckkomplex gebildet, der nun vor der iberischen Küste liegt. Dort dreht er munter seine Kreise, kommt aber kaum noch vorwärts. Stattdessen schickt er Ableger in Form schwacher Randtiefs und den Resten eines Frontensystems zu uns. Diese erreichen uns in der kommenden Nacht im Südwesten. Deutlich wird das durch Bewölkungszunahme bis in die Mitte des Landes. Morgen früh setzt anschließend aus Richtung Frankreich und Schweiz der erste Regen ein. Dieser zieht im Tagesverlauf ganz langsam nordwärts und kommt etwa bis auf Höhe des Mains voran, wo dann in der darauffolgenden Nacht zum Dienstag noch einzelne Tropfen fallen können.

Auch die Temperaturen gehen nun allmählich zurück. Das dürfte aber kaum überraschen, schließlich haben diese sich zuletzt am oberen Ende dessen bewegt, was um diese Zeit des Jahres überhaupt möglich ist. Im Laufe der Woche gelangt langsam von Norden her kühlere Meeresluft nach Deutschland. Dementsprechend sinken die Werte nun langsam immer weiter ab und erreichen Mitte kommender Woche meist noch um 10 °C. Am längsten bleibt es dabei im Südosten Bayerns mild, während es nördlich der Elbe zwischenzeitlich Tagestemperaturen von nur noch 6 °C gibt.

Nach der langen Trockenphase sind auch in der kommenden Woche keine großen Niederschlagsereignisse zu erwarten. Insgesamt fällt zwar in vielen Regionen etwas Regen, aber wenn dort bis zur zweiten Wochenhälfte mehr als 5 bis 10 l/m² zusammenkommen, ist man schon gut dabei. Nahezu gänzlich trocken scheint es im Nordwesten zu bleiben. Das ist für diese Region keine gute Nachricht, denn bereits der Februar war dort schon viel zu trocken.
 

Das Ende des Hochdruckwetters teil 1

Abbildung 1: Prognose verschiedener Wettermodelle für die Gesamtniederschlagsmenge bis einschließlich Donnerstag, 13.03.2025 (Quelle: DWD) 

 

Wann wieder mehr Bewegung in das Wettergeschehen kommt, ist aktuell noch nicht absehbar. Bis auf Weiteres ist die Wetterlage weiter von wenig Gegensatz geprägt. Das bedeutet: Kaum Wind und Niederschläge, aber unter leichtem Tiefdruckeinfluss ebenso viele Wolken und kaum noch Sonne.

Zum Schluss ist noch ein Nebenschauplatz erwähnenswert, der aber bezüglich der Wetterentwicklung kaum eine Rolle spielt. Mit der südlichen Höhenströmung ist mal wieder eine Ladung Saharastaub nach Mitteleuropa gelangt. Dieser stellt sich im Satellitenbild (siehe Abbildung 2) als dünner bräunlicher Schleier über der Nordsee und dem Norden Deutschlands dar. Die Aersosolkonzentration ist aber dieses Mal nur gering und hat keine weiteren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.
 

Das Ende des Hochdruckwetters teil 2 

Abbildung 2: Satellitenbild des präoperationellen Meteosat Third Generation zzgl. Kennzeichnung des zentralen Tiefdruckgebietes und dessen Frontensystem bei der Iberischen Halbinsel. (Quelle: DWD) 

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Wüstenstaub aus der Sahara

Derzeit erstreckt sich ein Tiefdruckkomplex mit mehreren Tiefkernen vom nahen Nordostatlantik und der Nordsee bis zur Iberischen Halbinsel und ins westliche Mittelmeer. Auf dessen Vorderseite wird mit einer südwestlichen Strömung in den kommenden Tagen Warmluft aus subtropischen Breiten nach Deutschland geführt. Aber nicht nur die Warmluft gelangt nach Deutschland. Bereits am gestrigen Samstag (27.04.2024) konnte man im Satellitenbild im Bereich Nordafrikas aufgewirbelten Saharastaub erkennen, der nun mit der südwestlichen Strömung auch nach Mitteleuropa transportiert wird.

DWD Wuestenstaub aus der Sahara

Dieser Wüstenstaub besteht überwiegend aus winzigen Sandkörnchen (Quarz), die sowohl einen direkten als auch einen indirekten Einfluss auf die Sonneneinstrahlung besitzen. Der direkte Einfluss besteht darin, dass die Atmosphäre durch den Staub getrübt und damit die Einstrahlung am Boden reduziert wird, da die eingestrahlte Energie an den Partikeln zum Teil unmittelbar ins Weltall zurückgestreut wird. Der „Otto-Normal-Wetterkonsument“ nimmt entsprechend die Sonne auch an einem sonst wolkenfreien Himmel nur als milchig-trübe Scheibe wahr.

Der indirekte Einfluss ist darauf zurückzuführen, dass die Staubpartikel zur Wolkenbildung beitragen. Diese Teilchen sind nämlich hygroskopisch, also wasseranziehend. Das bedeutet, dass sie als Kondensationskeime dienen. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf kann an den Teilchen zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Wenn durch den zusätzlichen Eintrag von Saharastaub nun mehr hygroskopische Aerosole in die Luft gelangen, kann dadurch die Wolkenbildung angeregt werden. Durch diese sozusagen „zusätzlich“ gebildeten Wolken kommt es dann ebenfalls zu einer Reduzierung der Sonneneinstrahlung. Genau dieses Phänomen konnte man am heutigen Sonntagmorgen (28.04.2024) anhand der Wolken mit Rippenmuster über Süddeutschland beobachten – ein deutliches Zeichen für Saharastaub in der Luft.

Ein weiteres Zeichen, dass uns der Wüstenstaub bereits erreicht hat, dürfte der farbenfrohe Sonnenaufgang am heutigen Morgen gewesen sein. Zahlreiche Nutzerbilder erreichten uns über WarnWetter-App, die das Farbenspiel in der Frühe festhielten.

DWD Wuestenstaub aus der Sahara 2

DWD Wuestenstaub aus der Sahara 3

Um solche „Saharastaub-Events“ zu prognostizieren, entwickelt der Deutsche Wetterdienst zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie ein Modellsystem, das die Ausbreitung von Mineralstaub berechnet, das sogenannte ICON-ART. Die optische Dicke, die in Abbildung 3 als Darstellung verwendet wird, beschreibt grob gesagt die Trübung der Atmosphäre durch Mineralstaub. Die Ergebnisse bestätigen, dass der Saharastaub Deutschland bereits erreicht hat und sich in den kommenden Tagen weiter ausbreiten wird, bevor er in Richtung Nordsee abzieht.

DWD Wuestenstaub aus der Sahara

Zwar handelt es sich den aktuellen Prognosen nach nicht um ein außergewöhnlich starkes Ereignis, dennoch könnte der Wüstenstaub das Wetter der kommenden Tage durchaus beeinflussen. Durch seinen Einfluss auf die Wolken ist es möglich, dass er die Gefahr von Gewitter im Westen etwas dämpft. Außerdem könnte sich der Himmel in der Osthälfte trotz klarer Verhältnisse milchig-trüb einfärben oder die Wolkenanteile entgegen den Prognosen etwas zunehmen, was wiederum die Sonnenanteile dämpft. Inwieweit so zur Mitte der Woche in den östlichen Landesteilen örtlich die 30-Grad-Marke erreicht wird, bleibt also abzuwarten. Wie dem auch sei, weite Teile Deutschlands bekommen in den kommenden Tagen einen kleinen Vorgeschmack auf den nahenden Sommer. Daran ändert auch der Eintrag von Saharastaub in die Atmosphäre nichts.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Lösung Osterquiz

Frage 1: Was gab es in Deutschland an Ostern noch nie?

D: Eine mehrere Zentimeter dicke Schneedecke selbst im Tiefland.
E: Einen heißen Tag (30 Grad und mehr).
F: Eine tropische Nacht (Tiefstwerte nicht unter 20 Grad).

Schnee zu Ostern gab es selbst im Tiefland schon häufiger und auch Temperaturen über 30 Grad. Doch bisher wurden noch nie eine tropische Nacht zu Ostern registriert. Antwort F ist richtig.

Frage 2: Als „Höheneier“ bezeichnet man in der Wettervorhersage umgangssprachlich…

N: … Messinstrumente, die in einer eiförmigen Schutzhülle an einem Wetterballon befestigt aufsteigen.
O: … kleinräumige Tiefdruckgebiete in höheren Luftschichten.
P: … das, was Vögel beim Überflug einer Messstation hin und wieder ablassen.

Eierförmige Schutzhüllen an Messinstrumenten machen nicht wirklich Sinn. Auch werfen Vögel keine Eier auf Wetterstationen. Antwort O ist richtig. Tiefdruckgebiete in höheren Luftschichten, auch bekannt als Kaltlufttropfen, sind oft eierförmig und werden deshalb von Meteorologen häufiger als „Höheneier bezeichnet“.

DWD Loesung Osterquiz

Frage 3: Auf was deutet eine Art Rippenmuster bei der Bewölkung im Satellitenbild hin?

C: sehr starke Höhenwinde
D: hohe Ozonwerte
E: Saharastaub

Der Höhenwind führt zwar dazu, dass Cirruswolken verweht werden und sogenannter Cirrus fibratus entsteht, der aber eher fischgrätenartig aussieht und in der Regel zu kleine „Gräten“ hat, um diese im Satellitenbild zu erkennen. Ozon beeinflusst die Wolkenform nicht. Richtig ist hier Antwort E. Der Saharastaub, der oft zur Bildung von rippenartigen Wolken führt, wie man sie heute früh im Satellitenbild über Ostdeutschland gesehen hat. Näheres zur Bildung von diesen Wolken findet man im Thema des Tages

DWD Loesung Osterquiz 1

Frage 4: Der Monat mit den im Mittel meisten starken Tornados (F2 und stärker) liegt im meteorologischen…

H: … Frühling
I: … Sommer
J: … Herbst

Zwar treten die meisten, starke Tornados im Sommer auf, da dann Gewitter am häufigsten sind. Tatsächlich ist aber der Monat mit den meisten starken Tornados der Mai und liegt somit im meteorologischen Frühling. Also ist H die richtige Antwort. Grund dafür ist, dass es im Mai schon häufig Gewitter gibt und gleichzeitig die vertikale Windscherung (Änderung der Windrichtung und Geschwindigkeit) mit der Höhe durch eine im Mittel kräftigere Höhenströmung häufig stärker ist, als in den Sommermonaten. Diese vertikale Windscherung ist einer der Voraussetzungen für Tornados.

Frage 5: Welche Aussage stimmt?

L: Es gab bisher in diesem Jahr etwa fünfmal so viele benannte Tiefs wie Hochs.
M: Letztes Jahr war das Tief-Hoch-Verhältnis bis Ende März nahezu ausgeglichen.
N: Für dieses Jahr sind bereits alle noch kommenden Hochs und Tiefs benannt.

Ihre Namen erhalten Tief- und Hochdruckgebiete von der Aktion Wetterpate des Vereins Berliner Wetterkarte e.V. und der Freien Universität Berlin. Dort kann man eine Namenspatenschaft für ein Hoch oder ein Tiefdruckgebiet übernehmen. Mit der Spende wird die studentische Ausbildung im Bereich Meteorologie unterstützt. In der Regel gibt es deutlich mehr Tiefdruckgebiete als Hochdruckgebiete. In diesem Jahr stehen 41 benannte Tiefdruckgebiete 14 Hochdruckgebieten gegenüber, sodass die Antwort L falsch ist. Richtig ist die Antwort N. Für diese sind bereits alle Wetterpatenschaften vergeben

Wenn Sie in den vergangenen Themen des Tages gut aufgepasst haben, müssten Sie passend zum aktuellen Wetter somit auf das Lösungswort FOEHN kommen, der über Ostern in den Alpen ordentlich bläst.

Christian Herold und Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst