Schlagwortarchiv für: Schauerwetter

Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

Das heutige Thema des Tages blickt in die Nachbarschaft der Meteorologie: die Ozeanographie. Zu den eindrucksvollsten Phänomenen, die das Meer einem Betrachter an der Küste bietet, gehören Ebbe und Flut. Diese Änderung des Wasserstandes zeigt sich auch an der Nordseeküste (und in subtiler Variante auch an der Ostsee). Neben astronomischen Ursachen ist auch die Wetterlage verantwortlich dafür, wie stark die Gezeiten ausfallen. Der Deutsche Wetterdienst am Standort Hamburg berät hierbei den Windstaudienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Windprognosen, welche dort in die Berechnung der Pegelstände an deutschen Küsten eingehen. Jedoch treten nicht an allen Punkten der Nordsee täglich Hoch- und Niedrigwasser auf. Es gibt drei Punkte, an denen der Wasserstand gleich bleibt, die sogenannten amphidromischen Punkte.

Vergleicht man den Zeitpunkt des Eintreffens eines Hochwassers an der deutschen Nordseeküste, stellt man fest, dass die Flut auf Borkum zu einem anderen Zeitpunkt eintrifft als in Cuxhaven oder Westerland. Dasselbe gilt für das Niedrigwasser, die Ebbe. Warum ist das so? Gezeiten entstehen durch gravitative Anziehung von Sonne und Mond, die jedoch nicht gleichmäßig auf die Erde einwirken, sondern auf der jeweils zugewandten Seite etwas stärker und auf der jeweils abgewandten Seite etwas schwächer ausfallen. Die Unterschiede wirken nach beiden Seiten, wobei diejenigen in und entgegengesetzt zur Mondrichtung etwa doppelt so stark ausfallen wie die in und entgegengesetzt zur Sonnenrichtung. Beobachtet man das Ganze von einem festen Punkt auf der Erde, bspw. von Cuxhaven aus, wird dieser Einfluss mit der täglichen Erdrotation ein periodischer Vorgang, der sich zweimal jeden Tag wiederholt. Da sich der Mond zusätzlich einmal im Monat um die Erde dreht, ist dessen periodischer Einfluss rund 20 bis 30 Minuten länger. Je nach Winkel zwischen Mond- und Sonnenrichtung addieren sich die Wirkungen des dominierenden Mondes und der Sonne. Mit der um die Erdachse rotierenden Streckung der Erde hebt und senkt sich die Oberfläche periodisch. Zwischen den Punkten stärkster Hebung und Senkung der Erde werden horizontale Komponenten der Gezeitenkräfte angeregt, die die stärkste Ursache der Gezeitenströmungen in den Tiefen des Ozeans ausmachen. Diese werden durch die Kontinente und die Corioliskraft beeinflusst. So gibt es Küstenabschnitte mit größeren und kleineren sich ändernden periodischen Wasserständen (Tiden), die bei günstiger Stellung des Mondes (bei Voll- und Neumond) zur Sonne auf einer Linie eine besonders große Tide, die Springtide, und bei rechtwinkliger Stellung von Sonne und Mond (bei Halbmond) eine besonders kleine Tide, die Nipptide hervorrufen.

Unterschiedliche Verteilungen der Landmassen auf dem Globus verhindern eine gleichmäßige Bewegung der Tidenwellen um die gesamte Weltkugel, so dass sich in einzelnen Meeresbecken eine oder mehrere stehende Wellen bilden, die durch die Corioliskraft in Rotation gesetzt werden.

Die Nordsee selbst ist als Randmeer zu klein und flach für die Ausbildung eigener Gezeitenwellen. Die Gezeiten werden durch eindringende Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst. Sie laufen vom nordwestlichen Teil der Nordsee an der schottischen und englischen Ostküste südwärts Richtung Straße von Dover. Von dort, vom Südwestteil der Nordsee, werden sie von zur deutschen Nordseeküste ostwärts und weiter zur dänischen Westküste nordwärts gelenkt, wo sie im Skagerrak auslaufen. Dadurch, dass auch Gezeitenanteile durch den Englischen Kanal in die Nordsee einlaufen können und die oben erwähnten Gezeitenwellen hier um einen amphidromischen Punkt (siehe unten) laufen, sind die Gezeiten in den Niederlanden teilweise gesplittet, so dass mehrere kleinere Hoch- oder Niedrigwasser in kürzerer Zeit ablaufen können. Typische Gezeitenunterschiede im Bereich der deutschen Nordseeküste liegen bei 2,5 bis 4 Metern, der größte Tidenhub an der Nordsee zeigt sich im Mündungstrichter The Wash in Ostengland mit 6,8 Metern.

Die Ostsee als ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist im Vergleich zur Nordsee noch flacher und ihre Verbindung zum Atlantik noch mehr begrenzt. Dementsprechend wirken gravitative Kräfte durch Mond und Sonne weit moderater, so dass typische Änderungen der Wasserstandshöhen hier bei 10 bis 30 Zentimetern liegen. Meteorologische Einflüsse auf Wasserstandsschwankungen sind von größerer Bedeutung: Starkwind kann den Wasserstand um einige Dezimeter anheben oder senken, Luftdruckunterschiede beeinflussen die Wasserhöhe, entsprechende Windrichtungen sorgen für eine Änderung der Wasserverteilung und saisonale Temperaturschwankungen wirken sich auf die Höhe des Wasserstandes aus. Letztere sind durch die Jahreszeiten geprägt: Im Sommer herrschen vorwiegend ruhige Bedingungen, im Herbst und Winter können Sturmtiefs für erhöhte Wasserstände sorgen. Bedeutender sind jedoch windbedingte Veränderungen: Bei anhaltend starkem Nordostwind wird das Wasser der Ostsee im Bereich der deutschen Küste gestaut, was für anhaltenden höheren Wasserstand sorgt. Im umgekehrten Fall sorgen dort anhaltende starke Südwestwinde für niedrigere Wasserstände.

Im Bereich der Nordsee wirken Starkwinde mitunter additiv auf Hoch- oder Niedrigwasser. Besonders die Kombination aus Flut und anhaltendem stürmischem Nordwestwind sorgt für höhere Pegelstände, während längerer stürmischer Südostwind bei Ebbe stärkeres Niedrigwasser an der Nordsee bedeutet.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 1

Hochwasser und Niedrigwasser am Nikolaifleet (Deichstraße) in Hamburg, Quelle: BSH

Vor diesem Hintergrund versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen des Seewetterdienstes am Standort Hamburg das Kollegium im Bereich des Windstau- und Sturmflutwarndienstes des BSH mit Windprognosen für die deutschen Küsten, die zu Hoch- und Niedrigwasserterminen in die Berechnungen der Pegelstände einfließen. Für die Nordsee wird im Routinefall hierfür viermal täglich das BSH beraten, für die Ostsee erfolgt zweimal wöchentlich eine Beratung, die dann mehrere Vorhersagetage abdeckt. Im Bedarfsfall, beispielsweise bei einer Sturmflut, wird die Beratung intensiviert und die Häufigkeit erhöht, um die Vorhersage der höchsten Pegelstände der Sturmflut zu optimieren. In einem solchen Fall ist die Ausgabe und nachfolgende Kommunikation von Sturmflutwarnungen durch das BSH wahrscheinlich. Der Deutsche Wetterdienst übernimmt diese Warnungen bei der Kommunikation der Sturm-Wetterlage. Erreicht an der Nordseeküste eine Tide eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, spricht man von einer Sturmflut. Eine schwere Sturmflut hat eine Höhe von 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, noch höhere Fluten bezeichnet man als sehr schwere Sturmflut. Beträgt der Wasserstand an der Ostsee 1 bis 1,24 Meter über Normalhöhennull, tritt dort eine leichte Sturmflut auf, bei 1,25 bis 1,49 Meter über Normalhöhennull eine mittlere Sturmflut, bei 1,5 bis 1,99 Meter über Normalhöhennull eine schwere Sturmflut und bei höherem Hochwasser eine sehr schwere Sturmflut.

Nicht in allen Gebieten der Nordsee ändert sich der Wasserstand täglich. Die oben angesprochene Rotation stehender Wellen durch die Corioliskraft in Meeresbecken um einen Punkt herum wird als Amphidromie bezeichnet. An diesen Punkten treffen alle Phasenlinien einer schwingenden Wasserstandshöhe (gleiche zeitliche Phase desselben Wasserstandes, also auch die Linien mit Ebbe (Schwingungstal) oder Flut (Schwingungsberg) zur selben Zeit) zusammen. Damit treten Hoch- und Niedrigwasser zusammen auf, was Schwingungen aufhebt und zu einem permanent konstanten Wasserstand führt. In der Nordsee findet man drei solcher amphidromischen Punkte: einer im Südwestteil der Nordsee zwischen East Anglia (Ostanglien) und Holland, einer im östlichen Zentralteil der Nordsee in der Mitte der Jütlandbank zwischen Nordengland und Jütland sowie einer im Nordostteil der Nordsee vor der norwegischen Küste bei Stavanger.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 2

Amphidromiezentren in der Nordsee und Tidenzeiten nach Bergen/Norwegen

Auf den Weltmeeren findet man drei solcher amphidromischen Punkte im Bereich des Indischen Ozeans, sechs sind im Pazifik, vier außerhalb der Nordsee im Atlantik und zwei im Bereich des Südlichen Ozeans.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 3

Gezeiten als in den Weltmeeren umlaufende Wellen, Phasenlinien und amphidromische Punkte

Im Gegensatz zu diesen Punkten, wo es kein Hoch- und Niedrigwasser gibt, findet sich der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der größte Tidenhub, mit 13 Metern an der Bay of Fundy zwischen Nova Scotia (Neuschottland) und New Brunswick (Neubraunschweig) vor dem Ostteil Kanadas. Bei Springflut sind es sogar 16 Meter.

Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Aprilwetter – der März übt schon mal

Tiefdruckgebiete dirigieren das Wettergeschehen und schicken uns auf eine meteorologische Berg- und Talfahrt in Mitteleuropa. Am heutigen Samstag liegt eine Kaltfront von Südwest nach Nordost quer über Deutschland. Sie trennt milde Luft im Osten von polarer Meeresluft im Westen. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die meist als Regen, an den Alpen und in höheren Lagen der westdeutschen Mittelgebirge aber auch als Schnee fallen. Länger trocken und zeitweise freundlich ist es im Südosten des Landes. Im Osten und Südosten wird es mit 12 bis 18 Grad auch am mildesten. Der Westen muss sich mit mageren 4 bis 8 Grad begnügen.

Aprilwetter der Maerz uebt schon mal 1

Nutzerbilder vom Morgen des 14.03.2026 aus dem westdeutschen Bergland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Rollentausch am Sonntag, Westen im Vorteil

Am Sonntag wendet sich das Blatt. Im Westen scheint nach Abzug der Front zeitweise die Sonne und es bleibt meist trocken. Im Osten und Südosten sorgt die Kaltfront dagegen für viele Wolken und hier und da auch für etwas Regen, in höheren Lagen Schnee. Das Temperaturgefälle dreht sich um: mit 8 bis 12 Grad wird es im Westen am mildesten, im Osten und Südosten werden nur noch 6 bis 10 Grad erreicht.

Ruppige Böen und schnelle Schauer: Das Wetter-Karussell nimmt Fahrt auf

Zum Wochenbeginn stattet uns der April einen Besuch ab, zumindest was das Wettergeschehen angeht. In rascher Folge ziehen Schauer und örtliche Gewitter von West nach Ost über Deutschland hinweg. Örtlich mischt sich Graupel unter den Niederschlag. Zwischen den Schauern zeigt sich häufig, aber nur kurz die Sonne. Maximal werden 6 bis 11 Grad erreicht. Der westliche bis südwestliche Wind frischt vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark auf, im Bergland gibt es Sturmböen.

Aprilwetter der Maerz uebt schon mal 2

Bodendruck und Bodenfronten von Sonntag, 15.03. bis Dienstag, 17.03. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Belohnung nach dem Schauer-Marathon

Am Dienstag setzt Wetterberuhigung ein. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss lassen die Niederschläge meist nach und die Sonne zeigt sich häufiger. Mit Höchstwerten zwischen 9 und 14 Grad wird es wieder milder als zuletzt.

Das Karussell dreht sich weiter, nimmt aber zur Wochenmitte deutlich Fahrt in Richtung Frühling auf. Wer den Montag übersteht, wird mit milden Aussichten belohnt. Vor allem im Westen werden dann wieder häufiger 15 Grad und mehr erreicht.

Aprilwetter der Maerz uebt schon mal 3

Prognostizierte Höchst- und Tiefsttemperatur von Samstag bis Dienstag (14.-17.03.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hoch DORLE setzt sich nicht durch

Nach der Hitze der letzten Woche haben in den vergangenen Tagen Tiefdruckgebiete und ihre Ausläufer für wechselhaftes und deutlich kühleres Wetter gesorgt. Nun macht sich das Hochdruckgebiet DORLE auf den Weg zu uns und könnte eigentlich für ruhiges und zunehmend sonniges Wetter sorgen, aber so richtig kann sie sich nicht durchsetzen.

In der Bodenanalyse von heute Früh sieht man, wie sich hoher Luftdruck in weiten Teilen Deutschlands durchsetzt. Über Nordost- und Osteuropa hingegen wirbeln Tiefdruckgebiete, die für unbeständiges und nasses, teils sehr regenreiches Wetter sorgen (vgl. Thema des Tages vom 08.07.2025). 

Hoch DORLE setzt sich nicht durch 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Wetteranalyse von Mittwoch, 09.07.2025 8 MESZ 

Aber auch bei uns halten sich heute zahlreiche Wolken und vor allem in der Osthälfte Deutschlands sowie über der Mitte gibt es immer wieder Schauer, wenn auch nur leichter Intensität. Am Schauerwetter ändert sich auch am Donnerstag und Freitag nichts. Lediglich der Westen und Südwesten bekommen Sonne, Trockenheit und sommerliche Wärme mit Maxima um 26 Grad. Im Osten und Südosten sind die Wolken hingegen zahlreicher und es kann neben Schauern sogar einzelne Gewitter geben. Die Tageshöchstwerte liegen zwar über 20, aber unter 25 Grad. Nach Sommer oder Hochdruckwetter klingt das nicht.
Grund für das wechselhafte Wetter ist ein sogenannter Höhentrog, in dem sich ein Höhentief abspaltet. Er sorgt heute und in den nächsten Tagen für Spannung, zumindest in der Osthälfte des Landes.

In den Modellkarten für die Höhe auf 850 Hektopascal (circa 1400 Meter über Meer) und 500 hPa (circa 5500 Meter über Meer) lässt sich das Höhentief gut erkennen. Es dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn, was auch erklärt, wieso wir Wind aus überwiegend nördlicher Richtung haben. 

Hoch DORLE setzt sich nicht durch 2

Karte Europa mit der Vorhersage des ICON-Modells für Temperatur und Geopotential in 500 hPa (oben) und 850 hPa (unten), links: Donnerstag, 10.07.2025 12 UTC, mittig: Freitag, 11.07.2025 00 UTC, rechts: Freitag, 11.07.2025 12 UTC 

Hoch DORLE setzt sich nicht durch 3

Karte Europa mit der Vorhersage des ICON-Modells für Temperatur und Geopotential in 500 hPa (oben) und 850 hPa (unten), links: Samstag, 12.07.2025 00 UTC, mittig: Samstag, 12.07.2025 12 UTC, rechts: Sonntag, 13.07.2025 00 UTC 

Gut zu erkennen ist auch, dass das Tief anhaltend kühle Luft zu uns führt. Lediglich im Westen und Südwesten wird es allmählich wärmer (Temperatur in 850 hPa über 10 Grad). Die kühle Luft trägt dazu bei, dass die Labilität erhöht und die vertikale Luftbewegung begünstigt wird. Am Boden erwärmte Luftpakete steigen schneller und höher auf, kühlen sich dabei ab und die Feuchtigkeit kondensiert. Es entstehen Wolken, aus denen bei ausreichender Sättigung Niederschlag fällt. Steigen die Luftpakete weit genug auf, können sich auch Gewitter bilden. Allerdings ist die Luft am Boden nur mäßig warm, die Pakete also nicht wie bei hoher Sonneneinstrahlung sehr warm bis heiß. Die Gewitter treten daher nur lokal und vereinzelt auf und erreichen keine allzu große Stärke.

Da sich bis zum Wochenende das Höhentief aka der Kaltlufttropfen kaum von der Stelle bewegt, bleibt uns auch bis zum Wochenende das unbeständige und zu Schauern neigende Wetter erhalten. Die Luft erwärmt sich dabei nur langsam. In der Südwesthälfte sind aber zum Ende der Woche vermehrt sommerliche Höchstwerte wahrscheinlich. Am Wochenende zieht der Kaltlufttropfen dann über Norddeutschland und sorgt über der Nordhälfte für verbreitet schauerartigen Regen oder Schauer sowie vereinzelt auch Gewitter. Der Südwesten bleibt davon weiterhin verschont. 

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Karnevalswetter

Was war das für ein Auftakt der Karnevalstage bei der gestrigen Weiberfastnacht? Während in den Vormittags- und Mittagsstunden die Umzüge in den Karnevalshochburgen bei strahlendem Sonnenschein stattfanden, zogen im Nachmittagsverlauf teils starke Schauer durch, die von kräftigen Böen, Graupel und zum Abend hin im Bergland sogar von Schnee begleitet wurden. Das wechselhafte Wetter konnte die Jecken jedoch nicht vom Feiern abhalten. Kurzerhand verlagerte man die Partys am Nachmittag in die Kneipen, wo es feucht-fröhlich weiterging. 

Karnevalswetter teil 1

Nutzerbild aus der DWD-WarnWetter-App vom 27.02.2025. 

Der Grund für das wechselhafte Wetter findet sich in Form eines hochreichenden Tiefs namens „Rainer“ in den Wetterkarten wieder, das von West nach Ost über Deutschland hinweg zog. Die kalte Luft in höheren Luftschichten, die das Tief begleitete, sorgte dabei für die Bildung zahlreicher Schauer – nicht nur in den Karnevalshochburgen. Auch die Regionen, in denen Karneval weniger vertreten ist, gingen gestern nicht leer aus.

Am heutigen Freitag zieht „Rainer“ nach Osteuropa weiter und verliert allmählich an Einfluss in Deutschland. Dennoch werden gebietsweise weitere Schauer erwartet, die in mittleren und höheren Lagen auch mit Schnee einhergehen können. Zudem sind kurze Graupelgewitter möglich. Einzig im Nordwesten und südlich der Donau ist die Schauerneigung geringer. Dort lockern die Wolken etwas auf. Über die Temperaturen lässt sich nicht sonderlich klagen. Die Höchstwerte von 3 bis 8 Grad entsprechen der Jahreszeit üblichen Temperatur. In der bereits recht kräftigen Sonne lässt es sich derzeit im Freien ganz gut aushalten. 

Karnevalswetter teil 2

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen für Freitag, den 28. Februar 2025, 14 Uhr MEZ auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 27. Februar 2025, 02 Uhr 

Wie geht es aber nun weiter über die Karnevalstage? 

Hoch „Heltraut II“ liegt heute über den Britischen Inseln und blockt atlantische Tiefausläufer. Über das närrische Wochenende verlagert es seinen Schwerpunkt allmählich über den Ärmelkanal und sorgt so hierzulande für einen ruhigen „Fastelovend“.

Am Samstag sind im Osten und an den Alpen noch die Reste von Tief „Rainer“ wirksam und gehen in Form von etwas Regen, in mittleren und höheren Lagen der östlichen Mittelgebirge auch in Form von Schnee nieder. Sonst lockern die Wolken zunehmend auf und die Sonne kommt zeitweise zum Vorschein. 

Karnevalswetter teil 3

Vorhersage der relativen Sonnenscheindauer in Prozent (%) des vollautomatischen MOSMIX-Verfahren des DWD für Montag, den 03. März 2025. 

Ab Sonntag zeigt sich die Sonne in der Mitte und im Süden dann häufiger und scheint vielfach an einem strahlend blauen Himmel. Nur in den Nächten bis in den Vormittag hinein besteht gebietsweise eine gewisse Nebelneigung. Der Norden ist vom Sonnenschein jedoch ausgenommen, denn er wird von schwachen Tiefausläufern gestreift. Dort halten sich entsprechend dichtere Wolken, Niederschlag ist aber selten. Zudem frischt der Wind ab Montag in Küstennähe mit starken bis stürmischen Böen auf. Die Temperaturen klettern mit Unterstützung der Sonne bereits am Montag wieder auf 8 bis 12 Grad, am Dienstag werden bis zu 14 Grad erreicht. Das Wetter steht den närrischen Tagen in diesem Jahr also nicht im Weg. Helau und alaaf! 

Karnevalswetter teil 4 

Vorhersage der Tageshöchstwerte des MOSMIX-Verfahrens für Dienstag, den 04. März 2025.

Und auch am Aschermittwoch, dem Endes des Karnevals und dem Beginn der Fastenzeit, hält die Wetterzweiteilung an: Im Norden und Nordosten halten sich dichtere Wolken, zeitweise fällt etwas Regen, dazu ist es windig, an der Ostsee teils stürmisch. In den restlichen Landesteilen zeigt sich häufiger die Sonne und die Temperatur kann in den westlichen Flussniederungen sogar auf bis zu 16 Grad klettern. 

 

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Stellt sich jetzt der Winter ein?

Am heutigen Mittwoch (22.11.23) sorgt zunächst noch Hoch „Bionda“ mit Zentrum über dem nahen Nordostatlantik für ruhiges und weitgehend niederschlagsfreies Wetter in Deutschland. Sicherlich erwähnenswert sind die Temperaturen im Osten: Dort liegt die Tageshöchsttemperatur heute nur bei Werten um den Gefrierpunkt, gebietsweise kommt es dort zu Dauerfrost.

Allerdings schwenkt Tief „Niklas“, das mit seinen beiden Kernen im Europäischen Nordmeer liegt, bereits sein Frontensystem in Richtung Deutschland. Mit dem Tiefausläufer fließt jedoch vorübergehend etwas mildere Luft zu uns, die sich zumindest am Donnerstag in der Nordhälfte bei Höchstwerten zwischen 10 und 13 Grad verbreitet durchsetzen kann. Während also in der Nacht zum Donnerstag leichter Luftfrost noch ein Thema ist, zieht sich dieser in der Nacht zum Freitag ins höhere Bergland zurück. Zunächst ist von einem Wintereinbruch nichts zu spüren.

DWD Stellt sich jetzt der Winter ein

Da sich Tief „Niklas“ in den kommenden Tagen allmählich südostwärts über Skandinavien in Richtung Baltikum und Westrussland verlagert, greift im Laufe des Donnerstags die zugehörige Kaltfront auf Deutschland über und erreicht Freitagfrüh die Alpen. Gleichzeitig erstreckt sich Hoch „Bionda“ immer mehr von der Iberischen Halbinsel aus über Schottland und Island bis nach Grönland. Entsprechend stellt sich eine zunehmend nördliche Strömung ein, sodass ab der Nacht zum Freitag der Weg frei ist für mäßig-kalte und zu Schauern neigende Polarluft, die das Wetter wieder deutlich wechselhafter gestaltet.

DWD Stellt sich jetzt der Winter ein

Dies wiederum sorgt für ein allmähliches Absinken der Schneefallgrenze. Zunächst liegt diese in der Nacht zum Freitag bei rund 800 Metern. Am Freitag tagsüber sinkt sie bei sehr wechselhaftem Schauerwetter mit einzelnen Graupelgewittern bis in mittlere Lagen ab, in der Nacht zum Samstag können die Schauer vorübergehend sogar bis in tiefe Lagen als Schnee niedergehen.

Dennoch wird es vielerorts nicht zum Schlittenfahren ausreichen. Aufgrund der positiven Temperaturen tagsüber und der noch vorhandenen Bodenwärme wird sich der Schnee meist schnell wieder verflüssigen, vor allem in tiefen Lagen der Westhälfte. Lediglich im Nordosten sowie im Alpenvorland besteht die Chance, dass sich der Schnee auch mal etwas länger hält. Ganz anders sieht es im höheren Bergland aus. Dort schafft es der Winter, sich bei Dauerfrost durchzusetzen. Hervorzuheben sind vor allem das Erzgebirge und die Alpen. Dort stauen sich Niederschläge, die meist als Schnee fallen und auch über längere Zeit anhalten können. In höheren Lagen der Alpen kann sich der Schnee bis Sonntag voraussichtlich auf 50 cm aufsummieren, lokal auch etwas mehr.

Zum Sonntag macht die Schaueraktivität den aktuellen Modellprognosen zufolge vorübergehend eine kleine Pause. Ob sich in der nächsten Woche wirklich ein nachhaltiger Wintereinbruch einstellen kann, werden die Vorhersagen in den kommenden Tagen zeigen.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst