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Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 

Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist. Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute (Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs – insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge zwischen Sardinien und Sizilien. 

Auswirkungen in Spanien 

Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein – mit Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

Aufaddierter Gesamtniederschlag des ICON-Wettermodells bis Mittwoch Früh im Bereich des Westlichen Mittelmeeres 

Auswirkungen in Italien und auf Malta 

Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon) hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen. Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher „Fetch“ aufbauen: die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9 Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 2 

Signifikanter Seegang des EWAM-Seegangmodells im Mittelmeer am Dienstag Mittag mit dem Maximum (roter Bereich) südöstlich von Sizilien, Angaben in Metern 

Auswirkungen in Nordafrika 

Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf. 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

 

Viel Niederschlag im Mittelmeerraum

In Mittel- und Osteuropa sorgt das umfangreiche Hochdruckgebiet VIANELDE für ruhiges und trockenes Herbstwetter. Abgesehen von lokalem Sprühregen aus der Hochnebeldecke werden in den kommenden Tagen keine Niederschläge erwartet. Ganz anders hingegen präsentiert sich das Wetter im Mittelmeerraum. Durch die blockierende Wirkung des Hochs müssen die Tiefdruckgebiete einen alternativen Weg einschlagen und driften daher nach Südwest- und Südeuropa ab.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Donnerstag, den 06.11.2025 um 12 UTC und am Freitag, den 07.11.2025 um 12 UTC (Quelle: DWD)

Viel Niederschlag im Mittelmeerraum

Über dem Mittelmeer kann die Luftmasse richtig viel Feuchtigkeit aufnehmen und daher sind kräftige Niederschläge die Folge. Durch einen veritablen Temperaturunterschied von etwa 35 Kelvin zwischen dem Boden und etwa 5,5 km Höhe kann die Luftmasse ordentlich labilisiert werden, was zu einer weiteren Verstärkung der Niederschläge führt. Betroffen ist am heutigen Mittwoch vor allem Portugal, während am morgigen Donnerstag Südfrankreich in den Fokus rückt. Dabei fallen innerhalb von 24 Stunden zwischen 50 und 100 l/m², im Bereich der südwestlichen Cevennen je nach Modell auch um 150 l/m².

24-stündige Niederschlagsmengen in l/m² in Portugal auf Basis verschiedener Wettermodelle von Mittwochmorgen (05.11.2025) bis Donnerstagmorgen(06.11.2025) (Quelle: DWD)

Viel Niederschlag im Mittelmeerraum 2

24-stündige Niederschlagsmengen in l/m² im westlichen Mittelmeerraum auf Basis verschiedener Wettermodelle von Donnerstagmorgen (06.11.2025) bis Freitagmorgen(07.11.2025)

Viel Niederschlag im Mittelmeerraum 3

Am Freitag nimmt im zentralen Mittelmeer die Tiefdrucktätigkeit ebenfalls zu, sodass in der Folge auch die Regionen von Süditalien bis zur südlichen Balkanhalbinsel von teils kräftigen Regenfällen betroffen sein werden. Die regionalen Schwerpunkte variieren hierbei in den Modellprognosen noch. Gebietsweise fallen zwischen Freitag und Montag 40 bis 70 l/m², lokal um 100 l/m² in 24 Stunden. In einem 72-stündigen Zeitraum von Freitagmittag bis Montagmittag summieren sich die Niederschläge regional auf 70 bis 120 l/m². Mengen zwischen 140 und 180 l/m² in 72 Stunden deuten sich für die Ionischen Inseln an.

72-stündige Niederschlagsmengen in l/m² im zentralen Mittelmeerraum auf Basis verschiedener Wettermodelle von Freitagmittag (07.11.2025) bis Montagmittag (10.11.2025) (Quelle: DWD)

Viel Niederschlag im Mittelmeerraum 4

Im Laufe der neuen Woche soll sich das Wettergeschehen im westlichen und zentralen Mittelmeerraum wieder beruhigen.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Rückblick auf die teils extremen Niederschläge im Westen Deutschlands

Nach vorübergehendem Zwischenhocheinfluss am Wochenende erlangte das umfangreiche Tief WALTER zwischen Island und Schottland am Montag Einfluss auf Mitteleuropa und führte vorderseitig einer langsam nach Osten ziehenden und später schleifenden (sprich nahezu an Ort und Stelle verharrenden) Kaltfront warme und vor allem sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa, insbesondere in den Westen und Südwesten.

In dieser Luftmasse kam es bereits nachmittags und abends zur Ausbildung teils kräftiger Schauer und Gewitter, die lokal im Hinblick auf die Niederschlagssummen bereits unwetterartig ausfielen. Vor allem Teile des Saarlandes, der äußerste Westen von Rheinland-Pfalz, Luxemburg und kurzzeitig Südwest-Baden-Württemberg waren hiervon betroffen. Gleichzeitig war bereits ein teils gewittrig durchsetztes Starkregengebiet über dem Nordosten Frankreichs zu erkennen.

Umfangreiche dynamische Hebungsprozesse, ausgelöst durch einen Kurzwellentrog in der Höhe, interagierten in der Folge mit der noch immer vom Süden der Niederlande bis in den Nordosten Frankreichs schleifenden Kaltfront des Tiefs WALTER und führten dazu, dass sich die Niederschlagsaktivität eingangs der Nacht noch deutlich intensivieren konnte.

Rueckblick auf die teils extremen Niederschlaege im Westen Deutschlands

Dargestellt ist das Niederschlagsradar mit dem aktuellen Bodendruck am Dienstag, 09.09.2025 um 08 MESZ. Gut zu erkennen ist der im Bereich des Bodentiefs fallende, kräftige Niederschlag.

Zu diesem Zeitpunkt wurde, ebenfalls ausgelöst durch die genannten dynamischen Prozesse in der Atmosphäre, ein Bodentief über Nordostfrankreich induziert, das sich unter leichter Vertiefung in Richtung Saarland bewegte und hier am Morgen mit einem Kerndruck von unter 1012 hPa eintraf. Diese Bodentiefentwicklung verstärkte nochmals die Niederschlagsentwicklung. Außerdem bot die Luftmasse neben ausreichend Feuchte auch ein Mindestmaß an Labilität, sodass es zu kurzen aber intensiven, in das Starkregengebiet eingelagerten Gewittern kam.
Dies traf vor allem nach Mitternacht die Region rund um Mönchengladbach bis nach Bedburg (ca. 30km südöstlich). Hier konnte an der Station Bedburg-Weiler Hohenholz zwischen 01 und 02 Uhr insgesamt 54,1 l/qm an Niederschlag verzeichnet werden, was einer extremen Starkregenmenge in nur einer Stunde entspricht.

Am Morgen und am Vormittag erlangte das Bodentief, auch durch die Verlagerung von WALTER und dem Frontensystem, eine langsame Bewegung gen Nordosten, womit sich einerseits die Niederschläge wieder abschwächten, andererseits sich auch das Bodentief langsam auffüllte und als schwache Tiefdruckrinne in die Landesmitte zog.

Rueckblick auf die teils extremen Niederschlaege im Westen Deutschlands 2

Zu sehen sind die 12-stündigen, bis zum 09.09.2025 um 12 MESZ gefallenen Niederschläge über dem Westen Deutschlands. Gut zu erkennen ist der Hotspot mit deutlich über 100 l/qm rund um Mönchengladbach.

Im Endeffekt zeigt sich mit Blick auf die während des Ereignisses gefallenen Summen ein signifikanter Streifen vom westlichen Saarland über Luxemburg bis an den Niederrhein mit Mengen im Unwetterbereich, wobei der Hotspot wie genannt rund um Bedburg und Mönchengladbach zu finden war. Hier kam es durch Regensummen von bis zu 147 l/qm (Bedburg) zu größeren Überflutungen mit entsprechenden Schäden. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Areal mit extremen Niederschlagsmengen vergleichsweise eng begrenzt war, während die Zone mit unwetterartigen Mengen deutlich größer war. Es galten dem Warnereignis angemessene Warnungen vor teils extremem Unwetter.

Rueckblick auf die teils extremen Niederschlaege im Westen Deutschlands 3

Die Wiederkehrzeit des Unwetterereignisses belegt eine Jährlichkeit von teils über 100 Jahren rund um Mönchengladbach und im äußersten Westen des Saarlandes.

Spannend ist ebenfalls die Wiederkehrzeit des Ereignisses: Während sich in der Fläche eine Jährlichkeit von 1 bis 10 Jahren ergibt, sticht insbesondere der äußerste Westen des Saarlandes sowie das Gebiet von Mönchengladbach bis Bedburg heraus (Bild 3). Hier liegt die Wiederkehrzeit bei teils über 100 Jahren, was nichts anderes heißt, als dass ein solches Ereignis statistisch gesehen nur einmal oder seltener als alle 100 Jahre auftritt. In Bedburg konnte außerdem die dritthöchste jemals in einem September in Deutschland gemessene Regensumme verzeichnet werden.

Für die kommenden Tage bleibt zu konstatieren, dass solche Mengen über Deutschland vorerst nicht mehr zu erwarten sind. Zwar verbleibt Mitteleuropa unter dem Einfluss von Tiefs (zuerst YOBST, dann XERXES), allerdings sind die Niederschlagsmengen meist überschaubar. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Tief YOBST führt in den äußersten Osten eine abermals sehr feuchte Luftmasse, die hier am heutigen Mittwochabend und in der Nacht zu teils gewittrigen Regenfällen entlang der deutsch-polnischen Grenze führt. Hier können durchaus nochmal markante Mengen von um 20-35 l/qm in ein paar Stunden fallen, lokal und eng begrenzt ist ein unwetterartiges Ereignis möglich, es bestehen aber noch Unsicherheiten. Die 147 l/qm über Bedburg sollten aber nicht nochmal erreicht oder gar überschritten werden.

Rueckblick auf die teils extremen Niederschlaege im Westen Deutschlands 4

Der Modellvergleich zwischen ICON-D2, dem UK10 und dem EZ-Modell zeigt noch immer bestehende Unsicherheiten in der exakten Prognose des Niederschlags entlang der deutsch-polnischen Grenze.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Intensive Regenfälle über dem Westen Deutschlands

Zur Stunde hat ein erster Ausläufer WALTERs den Westen und die Landesmitte erreicht, dabei kommt es vor allem im Südwesten, genauer vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb, zu teils kräftigen Schauern und Gewittern mit lokalem Unwetterpotential.

Dem schließen sich fast nahtlos weitere Gewitter über dem Westen an, die auch hier lokal und eng begrenzt durch heftigen Starkregen unwetterartig ausfallen können. Dies ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende Nacht, in der es etwas gröber zur Sache geht:

Intensive Regenfaelle ueber dem Westen Deutschlands 1

Zu sehen ist die Analysekarte mit Tief WALTER zwischen Schottland und Island, dem gegenüber steht Hoch NINA über dem Osten Europas. (Quelle: DWD)

Von Westen nähert sich die Kaltfront von WALTER der Bundesrepublik an, gleichzeitig wird jedoch noch direkt auf der Vorderseite der Front eine warme und überaus feuchte Luftmasse in den Westen und Südwesten geführt. Diese gerät unter den Einfluss von dynamischen Hebungsprozessen, außerdem soll sich nach dem Willen der Wettermodelle über Nordfrankreich ein kleines aber gut ausgeprägtes Bodentief entwickeln. Diese Vorgänge führen in der Folge dazu, dass die feuchte Luftmasse großflächig gehoben wird und sich daher kräftige Niederschläge mit schauerartigen bzw. gewittrigen (in Fachkreisen konvektiven) Verstärkungen ausbilden.

Zusammen mit dem Bodentief greift dieses Starkregengebiet in der zweiten Nachthälfte von Frankreich zunächst auf das Saarland und Rheinland-Pfalz über, bevor er ohne wesentliche Intensitätsänderung langsam in den Westen nach NRW zieht und am Mittag, dann unter Abschwächungstendenzen, die Niederlande erreicht.

Naturgemäß bestehen noch gewisse Unterschiede in den Wettermodellen, weshalb zunächst erstmal eine großflächige Vorabinformation ausgegeben wurde, um die Region mit dem größten Gefahrenpotential zu kennzeichnen und die entsprechenden (Un-)Wetterwarnungen dann passend und zeitgerecht ausgeben zu können.

Intensive Regenfaelle ueber dem Westen Deutschlands 2

Dargestellt sind der für den Zeitraum von Dienstag, 09.09.25 02 bis 14 Uhr berechnete Niederschlag über dem Westen Deutschlands. Deutlich wird, dass es noch gewisse Modellunterschiede gibt, gleichwohl sehen aber alle Modelle einen Starkregen-Schwerpunkt von Rheinland-Pfalz/Saarland bis in den Süden NRWs. (Quelle: DWD)

Beim Blick auf die Wettermodelle ist zu erkennen, dass alle Modelle den Schwerpunkt ausgehend von Rheinland-Pfalz/Saarland bis in den Süden und Westen NRWs sehen. Die exakten Hotspots können durch die noch unklare Lage der gewittrigen Verstärkungen variieren, jedoch zeichnet sich insbesondere der Süden NRWs ab, in dem durchaus lokal bis 100 l/m² an Niederschlag fallen könnte. Deutlich wird aber auch, dass beispielsweise AROME ein östlicheres Ausgreifen der intensivsten Regenfälle sieht im Vergleich zu ICON-D2 und UK10.

Dennoch ist festzuhalten, dass im Westen bis morgen Mittag großflächig zwischen 25 und 50 l/m² Regen fällt, lokal deutlich mehr. Daher kann es vereinzelt zu Hochwasser an kleinen und mittleren Flüssen sowie vollgelaufenen Kellern und Erdrutschen kommen.

Danach kehrt wieder etwas Ruhe ein, bevor möglicherweise ab Mittwoch neuer kräftiger Regen für Deutschland ansteht, dieses Mal für den Süden und den Osten.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Unwetter gestern Abend

Im gestrigen Thema des Tages ging es um das bevorstehende Wettergeschehen. Heute soll es nun darum gehen, wie die Realität ausgesehen hat.

Ausgangspunkt war eine Luftmassengrenze, die sich vom Süden bis in den Norden Deutschlands erstreckte und mäßig warme Atlantikluft von sehr warmer Subtropikluft trennte. Die Modelle zeigten, dass sich in der hochenergetischen Luft im Vorfeld sowie mit Unterstützung aus höheren Schichten, ab dem Nachmittag schwere Gewitter im Süden entwickeln würden. Aus diesem Grund ist im Voraus auch schon eine Vorabinformation vor schweren Gewittern für Teile Süddeutschlands ausgegeben worden. Darin wurde vor schweren Sturmböen bis 100 km/h, vereinzelt sogar orkanartigen Böen bis 115 km/h, Hagel mit 3 cm Durchmesser und Starkregen zwischen 25 und 40 l/m² in kurzer Zeit gewarnt. Was ist nun eingetreten?

Unwetter gestern Abend 2

Warnlage am 04.09.2025 um 19:45 Uhr

Tatsächlich entwickelten sich am Nachmittag starke Gewitterzellen in der Schweiz. Mehrere sogenannter Superzellen zogen heran, wobei sie besonders über den östlichen Bodensee und das Allgäu das Bundesgebiet erreichten. Offizielle Warnungen vor Unwetter in diesen Gebieten waren deshalb ausgegeben. Dabei konnte auf Livebildern mancher Webcams schon beobachtet werden, dass diese Zellen einiges an Hagel produzierten. Später am Abend „verclusterten“ die Zellen wie erwartet im Bereich der Vorabinformation. „Verclustern“ bedeutet dabei, dass die Einzelereignisse zunehmend zusammenwachsen und ein großes Gebiet bilden. Es entwickelte sich ein sogenanntes MCS (Mesoscale Convective System).

Die höchsten gemessenen Niederschlagsmengen lagen tatsächlich etwa zwischen 30 und 40 l/m² innerhalb einer Stunde. Einen Ausreißer gab es: Die Station Vilgertshofen-Pflugdorf in Bayern vermeldete rund 56 l in einer Stunde. Doch um dem die Krone auszusetzen sind davon satte 50 l innerhalb einer guten halben Stunde heruntergekommen! In Zumeldungen der Nutzer der DWD-Warnwetter-App gab es außerdem Hagelbilder mit Korngrößen von ca. 3 cm, welche sich mit der Vorhersage deckten.
Unwetter gestern Abend 3

Nutzermeldung Hagel

Ein kurzer Einschub hierzu: Solche Meldungen, beispielsweise zu gefallenem Hagel, helfen den Meteorologen zur Abschätzung der Gewitterstärke. Falls Sie also von einem Gewitter überrollt werden, erstellen Sie doch eine Meldung (im besten Falle mit einem aussagekräftigen Foto) über die App. Die diensthabenden Kollegen freuen sich über zusätzliche Informationsquellen. Achten Sie natürlich darauf, dass Sie sich nicht in Gefahr begeben, gerade solch heftige Unwetter bergen nicht unerhebliche Risiken!

Nun zurück zum eigentlichen Thema. Die Böenmeldungen hinkten bisher hinter der erwarteten Intensität hinterher. Um 22 Uhr vermeldeten ein paar Stationen in Bayern Windgeschwindigkeiten über 80 km/h. Eine Messung der Station Dürabuch in Bayern jedoch lag sogar bei 114 km/h, also ziemlich genau, was die Vorabinformation auch prophezeit hatte.

In den weiteren Nachtstunden bewegte sich der Komplex unter Abschwächung nach Nord-Nord-Ost. Warnungen vor nunmehr markantem mehrstündigem Starkregen, ergänzt mit Gewitterwarnungen, markierten die zukünftige Zugbahn und umfassten ein Gebiet von Franken (Bayern) bis zur Altmark (Sachsen-Anhalt). In den Morgenstunden, erreichten die deutlich abgeschwächten Überreste Mecklenburg-Vorpommern.

Die Unwetter blieben nicht ohne Folgen: So gab es Berichte über zahlreiche Feuerwehreinsätze im Allgäu und über einen Dammbruch, der für zusätzliche Überschwemmungen sorgte. In München kam es zu umgefallenen Bäumen, sodass eine Bahnstrecke zeitweise gesperrt werden musste. Solche Ereignisse wie gestern Abend sind also einerseits faszinierend, andererseits gehen sie mit gefährlichen Auswirkungen einher.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

Bereits in der Nacht zum vergangenen Dienstag (02.09.2025) zogen Gewitter mit Starkregen aus dem Süden Deutschlands über die Osthälfte nordostwärts. An der Wetterlage hat sich seither nur wenig getan. Weiterhin liegt ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik. Darin finden sich am heutigen Donnerstagmittag, den 04.09.2025, verschiedene Druckzentren, unter anderem Tief „Ulrich“ bei Island und Tief „Volkhard“ vor der Küste Norwegens.

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Donnerstag, den 04. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 03. September 2025, 00 UTC.

Von „Volkhard“ ausgehend erstreckt sich eine Luftmassengrenze über Mitteleuropa und greift im heutigen Tagesverlauf auf Deutschland über. In deren Vorfeld befindet sich der Süden und Osten Deutschlands im Einflussbereich erwärmter Meeresluft. Diese bringt nicht nur sommerliche Temperaturen, sondern auch ausreichend Energie auf, sodass sich ab dem Nachmittag bis in den späten Abend hinein einzelne schwere Gewitter im Süden bilden können. Dabei besteht örtlich Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen mit Mengen bis zu 40 Litern pro Quadratmeter, schweren Sturm- oder vereinzelt sogar Orkanböen sowie Hagel mit Korngrößen um 3 cm.

Am späten Abend kann sich dann in Zusammenspiel mit einer südwestlichen Überströmung der Alpen ein sogenanntes Leetief auf der Nordseite der Alpen ausbilden. Dieses führt insbesondere entlang der Luftmassengrenze zu schauerartigen Regenfällen, teils sind auch einzelne Gewitter eingelagert. Dabei kann das markante DWD-Warnkriterium für Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 20 und 35 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden erreicht werden, unwetterartige Entwicklungen mit höheren Mengen sind aber nur selten. Das Starkregengebiet zieht in der Nacht zum Freitag dann allmählich über die östliche Mitte und erreicht in den Morgenstunden des Freitags (05.09.2025) den Nordosten Deutschlands. Gleichzeitig regnet es auch im Süden an der nur sehr langsam ostwärts vorankommenden Luftmassengrenze weiterhin teils schauerartig verstärkt.

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch 2

Schematische Darstellung der bevorstehenden Unwettersituation durch schwere Gewitter (rotes Polygon) im Süden Deutschlands und gewittrigem Starkregen vom Südwesten bis in den Nordosten (oranges Polygon) von Donnerstag, den 04. September 2025.

Am Freitag bekommt die Luftmassengrenze dann etwas Unterstützung aus der Höhe. Ein sogenannter Höhentrog (vorübergehend tiefer Luftdruck in höheren Atmosphärenschichten) sorgt für etwas Schub nach Osten hin. Zudem wird dadurch zusätzliche Hebung generiert. So bleibt es in der Osthälfte zunächst regnerisch. Vereinzelt treten die Niederschläge auch noch gewittrig verstärkt auf. Im Tagesverlauf ziehen diese aber mehr und mehr nach Osten ab. Nur in der Lausitz kann der Regen noch bis in die Nacht zum Samstag anhalten.

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch 3

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmengen bis Freitag, den 05. September 2025, 12 UTC für die Wettermodelle ICON-D2 (links), IFS (Mitte) und AROME (rechts).

Rückseitig der Luftmassengrenze fließt etwas kühlere Atlantikluft nach Deutschland, sodass die Tageshöchstwerte allmählich wieder etwas absinken. Bereits am heutigen Donnerstag liegen die Temperaturen im Westen zwischen 20 und 24 Grad. Am morgigen Freitag wird dann landesweit kein Sommertag (Temperaturen von 25 Grad Celsius und höher) mehr erreicht. Bei länger anhaltendem Regen wird das Thermometer voraussichtlich nicht über 17 Grad Celsius steigen.

Von Westen nimmt zum Wochenende hin Hochdruckeinfluss zu. Hoch „Nina“ liegt aktuell noch über dem Atlantik, verlagert am Freitag seinen Schwerpunkt über Frankreich hinweg und befindet sich dann am Samstag genau über Deutschland. So beruhigt sich das Wettergeschehen am Wochenende wieder.

Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch 4

Temperatur und Geopotenzial in etwa 1,5 Kilometern Höhe über Grund im Bereich Nordwesteuropa. Der rote Pfeil zeigt den Zustrom wärmerer Luftmassen nach Deutschland.

Am Sonntag gelangen wir aber schon wieder auf die Vorderseite eines weiteren Atlantiktiefs, das in Richtung Britische Inseln zieht. Dieses führt wieder deutlich wärmere Luft zu uns, sodass die Höchstwerte wieder auf sommerliche Werte ansteigen können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wettervorhersage

Tief ISAAC dreht über der Ostsee weiterhin munter seine Runden und versorgt den Nordosten auch am heutigen Mittwochnachmittag noch mit kräftigen Regenfällen. Rückseitig gingen die Regenfälle in einem Gebiet zwischen Nordsee und Uckermark bereits in Schauer und kurze Gewitter über. Die Sonne sucht man dort heute meist vergeblich am Himmel. Mit Höchsttemperaturen zwischen 20 und 23 Grad ist es zwar immerhin mäßig warm, allerdings frischt der Wind aus westlichen Richtungen zeitweise stark böig auf. Insbesondere im Nordseeumfeld kann auch einmal die ein oder andere stürmische Böe dabei sein.

Derweil ist in den übrigen Regionen vorübergehend Zwischenhocheinfluss wetterwirksam und insbesondere im Süden zeigt sich die Sonne auch länger. Zudem sind nur einzelne Schauer zu erwarten. Zumindest an den östlichen Alpen und im äußersten Südwesten besteht am Abend eine gewisse Gewitterneigung. Die Höchsttemperaturen erreichen dabei Werte zwischen 23 und 26 Grad, im Osten und Südosten sind örtlich auch bis zu 27 Grad möglich.

In der Nacht zum Donnerstag klingen die Schauer im Norden allmählich ab. In den übrigen Regionen ist es derweil wolkig, zeitweise auch klar. Die Temperaturen gehen dabei auf Werte zwischen 18 und 9 Grad zurück. Im Laufe der Nacht greifen von Frankreich und der Schweiz her schauerartige, teils gewittrige Regenfälle auf den Süden und Südwesten über, gebietsweise ist Starkregen möglich.

Wettervorhersage 1

Wettervorhersage sowie Vorhersage der nächtlichen Tiefsttemperaturen in Deutschland in der Nacht zum Donnerstag, den 24.07.2025

Der Donnerstag beginnt im Osten zunächst teils freundlich und meist trocken. Im Nordwesten und Norden sowie im Süden und Südwesten ist bei wechselnder, teils stärkerer Bewölkung mit Schauern und örtlichen Gewittern zu rechnen. Gebietsweise kann schauerartig verstärkter, teils gewittriger Regen mit Starkregenpotenzial auftreten. Die Höchsttemperaturen erreichen dabei Werte zwischen 20 und 27 Grad, bei länger anhaltendem Regen insbesondere an den Alpen liegen diese unter 20 Grad.

Wettervorhersage 2

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Donnerstag, den 24.07.2025

Auch der Freitag und das Wochenende präsentieren sich eher unbeständig und bei Höchsttemperaturen zwischen 20 und 27 Grad ist es mäßig warm bis warm.

Es sieht in den nächsten Tagen also nicht nach einem beständigen und sommerlichen Hochdruckgebiet aus, das dazu einlädt, die Sommerferien im Freibad oder bei einem Ausflug zu genießen. Schaut man jedoch etwas über den Tellerrand, so finden sich Regionen in Europa, die tatsächlich sommerlich anmuten. Wo man es im ersten Moment vielleicht nicht erwarten würde: In Skandinavien können vielerorts nicht nur Sommertage von 25 Grad und mehr gezählt werden, sondern es finden sich gebietsweise auch Höchsttemperaturen um 30 Grad auf der Vorhersagekarte.

Auch rund um das Schwarze Meer und das Mittelmeer finden sich verbreitet Temperaturwerte von über 30 Grad. In Nordafrika und in der Türkei tauchen auch 40 Grad und mehr nicht nur bei den aktuellen Werten, sondern auch auf der Vorhersagekarte für die kommenden Tage auf.

Wettervorhersage 3

Temperaturwerte in Europa am Mittwoch, den 23.07.2025, 12 UTC (14 Uhr MESZ)

Würde man die Hitze andernorts in Europa auf die Singularitäten (Witterungsregelfälle in der Meteorologie) hierzulande beziehen, so würden mit dem heutigen Mittwoch die „Hundstage“ beginnen. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfertag, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter. Die Hundstage erstrecken sich gemäß vielen Kalendern und Büchern vom 23. Juli bis zum 23. August. Namensgebend für die Hundstage ist das Sternbild „Großer Hund“ und hängt mit dem heliakischen Aufgang des Sterns „Sirius“ zusammen. Der Begriff der Hundstage dient im allgemeinen Sprachgebrauch der Benennung der heißesten Tage des Jahres.

Zurück nach Deutschland und zum unbeständigen, teils nur mäßig warmen Wetter hierzulande. Viele interessieren sich sicherlich für Fragen wie: „Wo fällt in den nächsten Tagen wieviel Niederschlag?“ und „Ist dabei für meinen Ort mit Starkregen oder einem Gewitter zu rechnen und wenn ja, wann?“ Eine zeit- und ortsgenaue Prognose ist insbesondere bei Starkregen und Gewittern nur mit kurzer Vorlaufzeit möglich. So kann es sein, dass innerhalb weniger Kilometer hohe Niederschlagsmengen auftreten, während benachbarte Orte nahezu trocken bleiben.

Wettervorhersagen beruhen auf Modellen, die aus aktuellen Beobachtungen die zukünftige Entwicklung berechnen. Doch das Wetter ist ein „chaotisches System“: Kleinste Veränderungen in der Ausgangslage – etwa in der Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Windrichtung – können zu erheblichen Unterschieden in der späteren Entwicklung führen. Je weiter man zeitlich oder räumlich in die Zukunft blickt, desto größer wird diese Unsicherheit. Und hinterher ist man bekanntlich immer schlauer!

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Gewitternachlese und Regenausblick für den Nordosten

Tiefer Luftdruck ist wetterbestimmend und gestaltet das Wetter schon seit Tagen insgesamt sehr wechselhaft.

Auf der Vorderseite des steuernden Tiefs ISAAC bei den Britischen Inseln wurde im Verlauf des Wochenendes eine subtropische, sehr feuchte und labile Luftmasse von Süden nach Deutschland geführt. Bereits am Samstag entstanden dabei im Süden lokale Schauer und Gewitter. Am gestrigen Sonntag kam im Zusammenhang mit dem Übergreifen des Frontensystems von Tief ISSAC mehr Organisation ins Spiel, so dass beginnend im Laufe des Nachmittages eine Schauer-Gewitter-Linie von Westen auf Deutschland übergriff. Bis zum Abend kamen die kräftigen, lokal unwetterartigen Gewitter zunächst bis in die mittleren Landesteile und in der Nacht zum heutigen Montag unter gewisser Abschwächung auch in die östlichen Landesteile voran. Ganz im Osten blieb es noch trocken.

Gewitternachlese 1

Abb. 1: Radar- und Satellitenbilddarstellung Deutschland vom 20.07.2025 um 17 und 20 MESZ sowie vom 21.07.2025 02 MESZ (von links nach rechts) Quelle: DWD

Vor allem am Sonntagnachmittag und -abend gab es entlang der Linie teils schwere Sturmböen (Bft 10), Hagel mit Korngrößen von 1 bis 2 cm und lokalen Starkregen um 25 l/m² in einer Stunde. Im Westen, etwa in Rheinland-Pfalz, lag der Fokus etwas mehr auf den Böen. Schwere Sturmböen wurden z.B. in Zell an der Mosel mit 89 km/h (Bft 10) oder in Neuwied-Feldkirchen-Hüllenberg mit 90 km/h (Bft 10) gemessen. Teilweise lagen dort anhand von Radarauswertungen auch Hinweise auf orkanartige Böen vor und es wurden entsprechende Unwetterwarnungen herausgegeben. In den südlichen Landesteilen verschob sich der Schwerpunkt lokaler Unwetterentwicklungen dann mehr in Richtung Starkregen, lokal trat auch etwas größerer Hagel um 2 cm auf. Die kräftigste Gewitterzelle in Bezug auf Starkregen trat wohl am Sonntagabend im Raum Günzburg auf, dort wurden 35 l/m² in 27 Minuten registriert.

Am Sonntagvormittag deutete sich für die Nacht zum Montag noch ein Starkregengebiet an, das von der Schweiz auf Teile des Südens übergreifen und über einige Stunden schauerartig verstärkten Regen bringen sollte. Daraufhin wurde eine Vorabinformation herausgegeben. Dieses Ereignis konnte aber von den abendlichen Modellläufen nicht mehr bestätigt werden, so dass keine derartige Warnung ausgegeben wurde. Letztlich traten zwar punktuell höhere und teils unwetterartige Regenmengen im Zusammenhang mit den Gewittern und weiteren schauerartigen Niederschlägen in der vergangenen Nacht auf, ein flächig relevantes Starkregenereignis gab es aber tatsächlich nicht.

Gewitternachlese 2

Abb. 2: 24-stündige Niederschlagsmenge von Sonntag, 20.07.2025, 8 MESZ bis Montag, 21.07.2027, 8 MESZ (Quelle: DWD)

Bezüglich Starkregen richtet sich der Blick nun aber ganz deutlich in den Nordosten Deutschlands. Im Zusammenhang mit einem kleinräumigen Tiefableger auf der Ostflanke des steuernden Tiefs ISAAC kommen von Tschechien ab dem heutigen Montagnachmittag zunehmend intensiviere Regenfälle auf. Diese breiten sich über dem Osten im weiteren Tagesverlauf nordwärts aus und erreichen am späteren Nachtmittag und Abend auch Vorpommern. Im Laufe des Abends klingen die sehr intensiven Niederschläge von Süden allmählich wieder ab, in Nordvorpommern können sie aber bis in den Dienstag anhalten. Vor allem von Nordostsachsen über den Osten Brandenburgs und Teile Berlins bis nach Vorpommern werden verbreitet 50 bis 70 l/m² innerhalb weniger Stunden erwartet. Vor allem in Teilen Vorpommerns dauern die intensiven Regenfälle bis Dienstagvormittag an, dort wird gebietsweise extrem heftiger (Dauer-) Regen simuliert. Deshalb wurden im Laufe des Montagvormittages in den genannten Gebieten Stark- bzw. Dauerregenwarnungen (siehe Link zur aktuellen Warnsituation) herausgegeben. Ganz im Osten sind in der teils noch sehr warmen und feuchten Luftmasse auch eingelagerte Gewitter zu erwarten, diese erhöhen punktuell die Niederschlagsmenge. Außerdem können lokal Sturmböen und Hagel auftreten. Entsprechende Warnungen können erst kurzfristig erstellt werden.

Gewitternachlese 3

Abb. 3: Vorhergesagte 24-stündige Regenmenge des hochaufgelösten Vorhersagemodells ICON-D2 des DWD bis Dienstag, 22.07.2025, 8 MESZ (Quelle: DWD)

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wechselhaftes Sommerwetter: Auf Wärme folgen die nächsten Gewitter und Starkregenfälle

Wechselhaftes Sommerwetter: Auf Wärme folgen die nächsten Gewitter und Starkregenfälle

Unser Sommerwetter ist und bleibt sehr wechselhaft! Auf die hochsommerliche Wärme an diesem Wochenende folgen direkt die nächsten Gewitter und Starkregenfälle nebst deutlicher Abkühlung.

Es fehlt schlicht ein beständiges Sommerhoch, zumindest bei uns in Mitteleuropa. Hoch EDELTRAUD hat es auch nicht lange bei uns ausgehalten und hat sich bereits weit nach Osten verzogen. Es übergibt den Staffelstab an das nächste Tief ISAAC, dessen Kaltfront am Sonntagabend im Westen aufzieht und bis Montagabend ostwärts über unser Land hinwegzieht.

Wechselhaftes Sommerwetter 1

Wetterkarte von Sonntagnachmittag, 20.07.2025. Druckgebilde, Wolken und Niederschlag sowie Wind und Temperatur im 850-hPa-Niveau. (Quelle:DWD)

Im Vorfeld der Kaltfront wird eine schwül-heiße, instabile Mittelmeerluft zu uns gelenkt, die sich als idealer Nährboden für kräftige Gewitter erweist. Diese kommen schon ab dem heutigen Nachmittag von Südwesten und Westen auf und verlagern sich bis zum Abend zur Mitte. Dabei kann es lokal Unwetter durch heftigen Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen geben. In der Osthälfte feiert der Hochsommer dagegen nochmal ein kurzes Stelldichein mit viel Sonne und Temperaturen über 30 °C.

In der Nacht zum Montag bildet sich über dem Süden ein größeres Starkregengebiet, was sich am Montag über die östliche Mitte nach Osten und Nordosten verlagert. Dabei kann es auch großflächiger zu Starkregen kommen. Regional kann etwa eine Monatssumme an Niederschlag (bis etwa 60 l/qm) in wenigen Stunden fallen, was zu Sturzfluten, Überflutungen und vollgelaufenen Kellern führen kann. Derweil setzt sich in der Westhälfte am Montag bereits die kühlere Nordatlantikluft durch, in der es zwar auch zu Schauern und Gewittern kommt, die aber weitaus weniger kräftig ausfallen.

Abbildung 2 zeigt die Unwetter-Gefahrengebiete für den Sonntagnachmittag und -abend, die Nacht zum Montag und den Montag. Insbesondere für die Gebiete mit erhöhter Unwettergefahr im Süden und Osten bestehen noch größere Vorhersageunsicherheiten. Die amtlichen Warnungen werden voraussichtlich ereignisnah geschaltet.

Wechselhaftes Sommerwetter 2

Unwetter-Gefahrengebiete für Sonntagnachmittag und -abend (20.07.), die Nacht zum Montag (20./21.7.) und Montag tagsüber (21.7.). (Quelle:DWD

Im weiteren Wochenverlauf nistet sich ISAAC über Mitteleuropa ein und beschert uns eine sehr wechselhafte, allenfalls mäßig warme Wetterwoche. Chancen auf längere trockene und sonnige Abschnitte hat man am ehesten im Süden. Aber sehen wir’s positiv: Die teilweise immer noch dürregeplagte Natur braucht den Regen und kühlere, wechselhafte Phasen gehören zu einem mitteleuropäischen Sommer einfach dazu.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

 

 

Heftige Regenfälle in Osteuropa

Der Wetterumschwung in Deutschland ist vollzogen und nachdem es letzte Woche um diese Zeit noch darum ging, ob in Deutschland die 40-Gradmarke geknackt wird, sind wir am heutigen Dienstag davon meilenweit entfernt. Man fragt sich eher, ob es für 20 Grad reicht. Verantwortlich für die wenig sommerlichen Temperaturen in Mitteleuropa sind Tiefdruckgebiete, die sich über Ost- und Nordosteuropa tummeln. In Verbindung mit einem Hochdruckgebiet, das vom Atlantik bis ins europäische Nordmeer reicht, wird dabei Meeresluft subpolaren Ursprungs herangeführt. 

Heftige Regenfaelle in Osteuropa 1

Karte mit Druckgebilden und Satellitenbild für Europa und den Nordatlantik am Dienstag, den 08.07.2025 um 11 Uhr MESZ (Quelle: DWD) 

Insbesondere ein ausgeprägter Tiefdruckkomplex (internationaler Name: Gabriel) über Osteuropa wird in den nächsten Tagen von Südost- bzw. Südpolen und der westlichen Ukraine bis ins Baltikum für ordentlich Furore sorgen. An der Ostflanke des Tiefs wird sehr warme und feuchte Luft vom Schwarzen Meer und dem östlichen Mittelmeerraum weit nach Norden geführt. An der Westflanke hingegen stößt Kaltluft aus Skandinavien weit nach Süden vor. 

Heftige Regenfaelle in Osteuropa 2

Vorhersagekarte mit Isobaren und Frontensystemen für Europa und den Nordatlantik am Donnerstag, den 10.07.2025 um 2 Uhr MESZ (Quelle: DWD) 

Dort, wo diese zwei Luftmassen aufeinandertreffen, kommt es regional zu intensiven Regenfällen, die teilweise mit kräftigen Gewittern einhergehen. Gebietsweise fallen von Litauen über das westliche Belarus und Ost- bzw. Südostpolen bis in die Westukraine ab dem heutigen Dienstag bis Freitagnachmittag 80 bis 150, örtlich um 200 l/qm. Die Modelle berechnen die Niederschlagsschwerpunkte noch sehr unterschiedlich und auch die Mengen unterscheiden sich. Am meisten Regen hat die deutsche Modellkette (ICON) auf der Agenda, während die Niederschlagsmengen nach den Simulationen des GFS Modells des US-Wetterdienstes deutlich geringer ausfallen. In deren Berechnungen sollen nur örtlich über 100 l/qm fallen. 

Heftige Regenfaelle in Osteuropa 3

Karte von Osteuropa mit den akkumulierten Niederschlagsmengen in l/qm auf Basis verschiedener Wettermodelle von Dienstagmorgen (08.07.2025) bis Freitagabend (11.07.2025) (Quelle: DWD) 

Treffen die Prognosen mit den größeren Niederschlagsmengen zu, dann muss mit Hochwasser, Überschwemmungen und mitunter erheblichen Problemen in der Infrastruktur gerechnet werden. Teilweise fällt auch ein großer Anteil des Niederschlags in wenigen Stunden, wodurch insbesondere kleinere Bäche und Flüsse innerhalb kürzester Zeit zu reißenden Strömen werden können. 

Zum Wochenende hin verlagern sich die Regenfälle unter leichten Abschwächungstendenzen weiter west- bzw. nordwestwärts in Richtung Westpolen und der Ostsee. 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst