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Schneemassen im fernen Osten Russlands 

Die Großwetterlage, die erhebliche Schneefälle auf Kamtschatka produzierte, war geprägt durch ein komplexes Tief in höheren Atmosphärenschichten, das mehrere Kerne aufwies und südlich bis südöstlich von Kamtschatka positioniert war. Dieses Tief fügte sich ein in eine ganze Reihe von Tiefdruckgebieten, die vom nordchinesischen Raum kommend nordostwärts weiterzogen und entlang dieser Linie polare kältere Luftmassen nördlich von milderen Luftmassen südlich davon trennten. Neben dem ersterwähnten sogenannten Höhentief bildeten sich auch in tieferen Atmosphärenschichten und am Boden, mehrere kleinräumige Tiefs, die um das komplexe Höhentief herumzogen: Von Nordjapan aus ging es zunächst an der Südflanke des Höhentiefs ost- und im weiteren Verlauf an dessen Ostflanke nordwärts. Dabei zogen mehrere kleinräumige Störungen, sogenannte Kurzwellentröge, am 18. und 19. Januar vom Seegebiet östlich von Kamtschatka an der Nordflanke des Höhentiefs westwärts über Kamtschatka ins Ochotskische Meer westlich der Halbinsel und brachten wiederholt höhere Mengen an Niederschlag – über den Seegebieten regnete es überwiegend, küstennah und über dem Festland schneite es. Aus dem Haupttrog generierte sich über dem Ochotskischen Meer ein neues Tief. Durch größere Luftdruckunterschiede entstanden Starkwinde, die den Schnee lokal zu hohen Verwehungen verfrachteten. Zudem kam es, bedingt durch die komplexen geographischen Gegebenheiten, zu Stauniederschlägen, da die Halbinsel Kamtschatka mit einer Kette aktiver Vulkane gebirgig geprägt ist.

Solche Entwicklungen fanden auch schon im Dezember und in der ersten Januarhälfte statt. Wiederholt setzten sich also Tiefdruckgebiete im Ochotskischen Meer fest, die dort feuchte Luftmassen gegen die sibirische und die polare Kaltluft pumpten und zusammen mit weiteren Tiefdruckgebieten über dem Nordwestpazifik hohe Schneemengen nach Kamtschatka brachten. Besonders am vergangenen Wochenende wurden solche feuchten Luftmassen vom Ochotskischen Meer südlich um Kamtschatka herumgeführt. Sie führten von Süden kommend zu heftigen Schneefällen, auch in Form breiterer Schneeschauerstraßen, die besonders die Regionshauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski getroffen hat. 

Schneemassen im fernen Osten Russlands

Bodenanalyse vom 20. Januar 2026, 6 UTC (7 Uhr MEZ) des japanischen Wetterdienstes. „X“ markiert die Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski auf der russischen Halbinsel Kamtschatka (hier mit Kamt. abgekürzt). Westlich dieser Halbinsel liegt das Ochotskische Meer. Man erkennt die vielen Tiefdruckgebiete („L“ in roter Schriftfarbe), die um die Halbinsel positioniert sind und für die Schneefälle verantwortlich waren.  

Schon im Dezember gab es in Kamtschatka überdurchschnittlich viel Niederschlag, der überwiegend als Schnee niederging. So wurden in Petropawlowsk-Kamtschatski 370 Liter pro Quadratmeter Niederschlag registriert, der mehr als das Dreifache des normalen Dezember-Niederschlags entspricht. Auch in der ersten Januarhälfte ging mit 164 Liter pro Quadratmeter bereits die 1,5-fache Monatsmenge des Januars nieder. Vom vergangenen Sonntagnachmittag bis Montagvormittag allein betrug die Niederschlagsmenge 39 Liter pro Quadratmeter, die in weniger als 24 Stunden fielen – alles als Neuschnee. Allein dieser Neuschnee beträgt 60% der Menge des Monatsniederschlages in einem sehr kurzen Zeitraum. Dies führte zu einer Schneehöhe, die an der offiziellen Messstation mit 170 cm angegeben wurde. Tatsächlich lagen in Petropawlowsk und Umgebung zwischen 170 und 250 cm Schnee. Durch lokal bedingte Verwehungen, besonders zwischen einzelnen Wohnblöcken am Stadtrand von Petropawlowsk-Kamtschatski, lagen 300 bis 500 cm Schnee, an einzelnen Stellen sogar noch mehr.

Dies bedeutet, dass einzelne Straßenabschnitte komplett zugeschneit sind und keine eingeschneiten parkenden Fahrzeuge mehr zu erkennen sind. An Wohngebäuden reicht die Schneehöhe locker ins erste Obergeschoss und teilweise noch viel höher bis zur vierten Etage, was bedeutet, dass Eingänge komplett mit Schnee zugeweht sind. Videos in sozialen Medien zeigen Bewohner, die umständlich Hauseingänge freischaufeln und Wege bzw. Schneetunnel zu ihren eingeschneiten Fahrzeugen graben. Schwierigkeiten in der Nahversorgung sind die Folge. Zudem steigt die Gefahr, von den Dächern abrutschenden Schneemassen oder abbrechenden großen Eiszapfen erschlagen zu werden, was bereits zu mindestens zwei Todesfällen führte. Meteorologen der dortigen regionalen Außenstelle des staatlichen russischen Wetterdienstes meinten, dass ähnliche Bedingungen letztmals vor über 50 Jahren, solche Schneehöhen letztmals vor über 60 Jahren, auftraten und damit extrem rar im Zeitalter moderner Wetterbeobachtungen sind. Derweil steigt die Lawinengefahr im Hinterland von Petropawlowsk-Kamtschatski, da die dortigen Vulkane ebenfalls gigantische Schneehöhen aufweisen. Sollte plötzliches Tauwetter eintreten, drohen massive Überschwemmungen durch abfließendes Schmelzwasser. Aufgrund lizenzrechtlicher Probleme verzichtet der Autor auf die Abbildung entsprechender beeindruckender Fotos aus Petropawlowsk, es sei an dieser Stelle auf die Links am Ende des Artikels verwiesen. 

Schneemassen im fernen Osten Russlands 2 

Gesamtschneehöhen nach dem Wettermodell ICON13 für die Region Kamtschatka für 22. Januar 2026, 13 Uhr MEZ. Die Gebirgskette der Vulkane der Halbinsel wird mit etwa 400 cm Schneehöhe modelliert. Dies zeigt der graubläuliche Streifen, der quer über die Halbinsel von Süd nach Nord geht.

Schneemassen im fernen Osten Russlands 3 

Messungen der Schneehöhen auf Kamtschatka vom 19. Januar 2026, 22 Uhr MEZ. Die Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski hat 168 cm Schnee, deutlich mehr als alle anderen Messpunkte in der Umgebung. 

Können ähnliche Bedingungen auch in Europa auftreten? Hierzulande können sich wiederholt Tiefdruckgebiete an der ein oder anderen Stelle festsetzen und manchen Regionen große Niederschlagsmengen zuführen. Derzeit liegt ein umfangreiches Hoch über dem nördlichen Osteuropa, welches in den nächsten Tagen sich nur wenig südwärts bewegen wird. Aus dem Atlantikraum vordringende feucht-milde Luftmassen werden damit auf ihrem Weg nach Osten blockiert. Unter dem Hoch sammelt sich jedoch die schwere Kaltluft an. Zusammen mit einem Hoch über Sibirien hat sich über einer flächenmäßig großen Schneedecke über der Russischen Föderation ein großer Kaltluftspeicher gebildet. Der Schnee reflektiert einstrahlendes Sonnenlicht und verhindert damit eine Erwärmung. Diese Kaltluft gelangt in abgeschwächter Form bis nach Deutschland, was besonders die Osthälfte mit Dauerfrost und in der Nacht zum Freitag letztmals strengem Nachtfrost zu spüren bekommt. Vordringende Ausläufer atlantischer Tiefs bringen zwar Anfang kommender Woche etwas Schnee. Da hier jedoch nicht so hohe Feuchtigkeitswerte wie über dem Pazifik vorherrschen und die geographischen Bedingungen anders sind, sind solche Schneemengen wie auf Kamtschatka nicht zu erwarten. 

Quellen: Moscow Times, BBC News, Reuters, der Standard, Merkur, mit Material der dpa und lokalen meteorologischen Berichten des russischen Wetterdienstes aus Kamtschatka 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Niederschläge auf der Alpensüdseite

Hierzulande ist es wechselhaft und gebietsweise regnet es. Verbreiteter, länger anhaltender Regen, der die Trockenheit lindern kann, ist allerdings nicht in Sicht. Südlich des Alpenhauptkammes wird dagegen bis einschließlich Donnerstag sehr viel Regen erwartet. Vor allem im Norden Italiens und der Südschweiz von den Seealpen bis zu den Ostalpen im Bereich Kärnten/Slowenien. In den Hochlagen vor allem der Westalpen kann dabei auch nochmal einiges an Schnee fallen. 

Niederschlaege auf der Alpensuedseite teil 1

Abbildung 1: Luftdruckverteilung für Donnerstag, 17.04.2025, 00 UTC/02 MESZ nach ICON, Modelllauf vom 14.04.2025, 00 UTC (Quelle: DWD)

Insgesamt dominiert über weiten Teilen Europas aktuell Tiefdruckeinfluss. Ein Kernbereich des tiefen Luftdrucks befindet sich dabei auch südlich der Alpen im Bereich Oberitalien bzw. Golf von Genua. Diese Tiefdruckzone intensiviert sich zum Donnerstag weiter. Abbildung 1 zeigt exemplarisch die Luftdruckverteilung für Donnerstag 00 UTC/02 MESZ. Stellt man sich um das Tief die entsprechende, zyklonale Strömung entgegen des Uhrzeigersinnes vor, streicht die Luft also über das zentrale Mittelmeer. Dort reichert sie sich mit Feuchtigkeit an, biegt auf der Ostflanke des Tiefs nordwärts ab und strömt dann gegen das Hindernis Alpen. An den Alpen wird die Luft gezwungen aufzusteigen, so dass es zu staubedingten, anhaltenden und teils intensiven Niederschlägen kommt. Der Pfeil in Abbildung 1 stellt dabei die Strömungsrichtung der feuchten Luftmasse dar. 

Niederschlaege auf der Alpensuedseite teil 2

Abbildung 2: 24-stündige Niederschlagsmengen für Dienstag, 15.04.2025 bis Donnerstag, 17.04.2025 bis jeweils zum Folgetag 06 UTC/08 MESZ, obere Reihe nach ICON, untere Reiche nach EZMW, jeweils Modelllauf vom 14.04.2025, 00 UTC (Quelle: DWD) 

Bereits in der kommenden Nacht zum Dienstag setzen diese Niederschläge allmählich ein. Der erste Schwerpunkt liegt dann vor allem an den Ostalpen im Bereich Venetien, Friaul und Slowenien, wo bis zum Dienstagmorgen gebietsweise 30 bis 60 l/m² erwartet werden können. Und auch im Stau der Apenninen im Bereich der italienischen Regionen Toskana, Umbrien und Latium wird verbreitet kräftiger Regen in ähnlichen Größenordnungen erwartet. Die Hauptniederschläge fallen anschließend von Mittwoch bis einschließlich Donnerstag mit mindestens jeweils 50 bis 80 l/m², teils auch um 100 l/m². Die jeweiligen 24-stündigen Regenmengen nach den Modellen ICON und EZMW zeigt auch Abbildung 2. Dabei ist auch zu erkennen, dass die mit Abstand größten Niederschlagsmengen am Mittwoch (mittlere Spalte, Mengen bis Donnerstag 06 UTC) simuliert werden – nämlich etwa 100 bis 200 l/m² in 24 Stunden im Bereich des Aostatals, Piemonts und der westlichen Lombardei sowie den Schweizer Kantonen Wallis und Tessin. Berücksichtig werden muss dabei aber auch die Schneefallgrenze. Diese liegt zunächst im gesamten Alpenraum oberhalb 2000 m, meist sogar 2500 m. Auf der Rückseite, also der westlichen Seite des Tiefs, sickert von Norden im Laufe des Mittwochs allerdings deutlich kältere Luft ein, so dass die Schneefallgrenze vor allem im Bereich der Westalpen allmählich auf etwa 1300 bis 1500 m absinkt. Ein Teil der prognostizierten Niederschläge kann in den Hochlagen vor allem ab Mittwochabend also als Schnee fallen und fließt somit nicht unmittelbar in die Flüsse ab. Im Bereich der Westalpen werden von etwa Mittwoch- bis Donnerstagabend Neuschneemengen um 50 bis 100 cm erwartet, teils auch mehr. 

Niederschlaege auf der Alpensuedseite teil 3

Abbildung 3: Akkumulierte Niederschlagsmengen bis einschließlich Donnerstag (bis Freitag 00 UTC/02 MESZ) nach ICON (links), EZMW (Mitte) und GFS (rechts), jeweils Modelllauf vom 14.04.2025, 00 UTC (Quelle: DWD)  

Zum Freitag schwächt sich das Tief über Oberitalien ab und die Niederschläge lassen deutlich nach. Abbildung 3 zeigt zusammenfassend die aufsummierten, akkumulierten Niederschlagsmengen bis Freitag 00 UTC/02 MESZ als Prognose von drei verschiedenen Modellen (ICON, EZMW und GFS), also die Gesamtmenge der erwarteten Mengen an Regen und Schnee zusammen. Insgesamt sind sich die vorliegenden Modelle mit der Schwerpunktsetzung der Niederschläge recht einig, so dass von Oberitalien, über die Südschweiz bis nach Slowenien recht verbreitet mit 100 bis 200 l/m² über etwa drei Tage gerechnet werden muss, gebietsweise sind vor allem am westlichen Alpenbogen auch Werte um 300 l/m² möglich – dort wiederum teilweise auch in Form von Schnee. In Anbetracht dieser großen Mengen muss in einigen Regionen mit einem starken Anstieg der Pegel von Flüssen und Seen, Überschwemmungen oder auch Hangrutschungen oder Murenabgängen und dadurch auch Einschränkungen der Infrastruktur gerechnet werden. In den Gebieten der Westalpen mit teils starkem Schneefall in Lagen oberhalb etwa 1300 m besteht zudem das Risiko für Schneebruch und teils unpassierbare Straßen. 

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Endlich Regen – aber Vorhersage mit Tücken

Heute ist der Tag auf den viele sehnsüchtig gewartet haben. Das Wetter stellt sich um, und endlich fällt auch mal wieder Regen. Tief Christian südöstlich von Island sorgt mit feuchter und milder Luft für wechselhaftes Wetter. Seine Kaltfront, in die auch noch das kleinräumige Tief Benedikt eingelagert ist, stand heute Morgen in den Startlöchern, um Deutschland ostwärts zu überqueren. Die Bodenanalysekarte in Abbildung 1 zeigt u.a. den Frontverlauf der Kaltfront um 08 MESZ. Zu diesem Zeitpunkt erstreckte sich die Front über die Nordsee und die Maasmündung sowie Frankreich hinweg bis nach Galizien. 

Endlich Regen – aber Vorhersage mit Tuecken teil 1

Bodenanalyse vom 13.04.2025, 06 UTC 

Grundsätzlich bleibt Christian auch in den kommenden Tagen ein entscheidender Spielgestalter beim Wetter. Zeitweise bekommt er aber Unterstützung. So ist jetzt schon absehbar, dass am Montag und in der Nacht zum Dienstag Tief Darius von Südwesten über die Biskaya hinweg das Spielfeld betritt. In der zweiten Wochenhälfte soll dann ein weiteres Tief von Westen die Biskaya ansteuern und den Tiefdruckeinfluss bei uns regenerieren.

Wenn so viele Tiefs mitmischen (und es sind nicht nur die bisher genannten drei, sondern noch einige Teil- und Randtiefs mehr), dann ist ordentlich Wuling in der Wetterküche. Eine zuverlässige Prognose der Tiefs, ihrer Intensitäten, der Zugbahnen und der Wechselwirkungen ist den Vorhersagemodellen dann nicht möglich. In der Folge grübeln die Meteorologinnen und Meteorolog über der möglichen Wetterentwicklung.

Was die Vorhersagemodelle in der kommenden Woche bezüglich des Niederschlages so anbieten, ist in Abbildung 2 dargestellt. Zu sehen ist der akkumulierte Niederschlag bis in die Nacht zum Samstag, 19.04., links vom Vorhersagemodell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage in Reading, rechts dagegen von ICON-ART, einem Derivat des DWD-Modells ICON. 

Endlich Regen – aber Vorhersage mit Tuecken teil 2

Akkumulierter Niederschlag (Modellläufe vom 13.04.2025, 00 UTC) bis Samstag, 19.04.2025, 00 UTC (UTC = MESZ – 2 Stunden). IFS (Europäisches Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage, links), ICON-ART (Deutscher Wetterdienst, rechts). 

Bei genauerem Hinsehen erkennt man durchaus Gemeinsamkeiten, z. B. einen Streifen recht hoher Niederschlagsintensitäten, der sich von Ostfrankreich über das Ruhrgebiet bis nach Schleswig-Holstein zieht. Er steht in Verbindung mit einem kleinräumigen Tief, dass sich am Mittwoch von den Ostalpen nordwärts in Bewegung setzen soll und am Donnerstag voraussichtlich die westliche Ostsee erreicht. Auf seiner Westflanke soll es kräftiger regnen, darüber herrscht – zumindest Stand jetzt – Einigkeit. Ganz anders sieht die Sache in Bayern aus. Während IFS dort von den Alpen bis nach Franken intensive Regenmengen avisiert, simuliert ICON dort nur geringen Regen, vom Inn bis nach Passau soll es nach ICON sogar praktisch trocken bleiben.

Wer diesbezüglich genauer nachforscht, kann nicht nur den Zeitraum eingrenzen, in dem diese Modellunterschiede greifen. Man kann sogar noch größere Unterschiede finden – wenn man die richtigen Modelle vergleicht. In Abbildung 3 sind entsprechend die 24-stündigen Niederschlagssummen von Freitag, 18.04., 02 MESZ bis Samstag, 19.04., 02 MESZ abgebildet, einerseits nach dem uns schon bekannten IFS, andererseits nach dem amerikanischen GFS. Während die Kolleginnen und Kollegen aus dem englischen Reading nach jetzigem Stand sogar warnwürdige Mengen (Dauerregen) vorhersagen, bleibt es nach GFS praktisch trocken. Wie kommt es dazu? 

Endlich Regen – aber Vorhersage mit Tuecken teil 3

24-stündiger Niederschlag von Freitag 18.04.2025, 02 MESZ, bis Samstag, 19.04.2025, 02 MESZ. IFS (oben) und GFS (US National Weather Service, unten) 

Der Antwort auf diese Frage kommt man mit einer detaillierteren Betrachtung des Bodendruckfeldes näher. Dieses ist für GFS und IFS (jeweils Freitag, 18.04., 14 MESZ) in der Abbildung 4 zu finden. 

Endlich Regen – aber Vorhersage mit Tuecken teil 3

Bodendruckverteilung nach IFS (oben) und GFS (unten) für Freitag, 18.04.2025, 14 MESZ 

Im oberen Teil der Abbildung 4, der die Druckverhältnisse (Isobaren, Linien gleichen Drucks) bei IFS beschreibt, zieht sich eine Tiefdruckrinne von der westlichen Ostsee über Polen hinweg bis nach Kroatien. Dieser steht eine Hochdruckzone gegenüber, die von der südlichen Nordsee über Benelux bis nach Südfrankreich reicht. Zwischen diesen Druckgebilden stellt sich eine nordwestliche Strömung ein. Der in der Grafik erkennbare Pfeil weist genau auf die Alpen, wo sich dann Staueffekte einstellen. Das IFS prognostiziert entsprechend kräftige Stauniederschläge.

Anders die Situation bei GFS. Bei diesem Modell zieht sich eine Zone hohen Luftdrucks von der westlichen Ostsee nach Süden zu den Ostalpen (die rote Farbe der Isobaren deutet zwar absolut betrachtet niedrigen Luftdruck an, relativ zur Umgebung ist der Druck aber hoch). Westlich dieser Hochdruckzone wird Luft nach Norden, östlich davon dagegen Luft nach Süden geführt (Pfeile). Die Region nördlich der Ostalpen, zu denen auch Bayern gehört, ist in diesem Szenario von geringer Dynamik geprägt. Entsprechend bleibt es bei GFS am Freitag trocken.

Solche Modelldifferenzen lassen sich in den kommenden Tagen in unterschiedlicher Intensität in vielen Regionen finden. Und dies nicht nur zwischen verschiedenen Vorhersagemodellen. Auch die aufeinander folgenden Prognosen ein und desselben Modells weisen teils eine deutliche Spreizung auf. Was ganz nebenbei auch dazu führt, dass die auf ihren Aussagen basierenden Wetter-Apps mitunter stattliche Sprünge vollführen. Soll man sich darüber ärgern? Das kann man natürlich ganz nach Gusto tun. Aber mit den Apps verhält es sich wie mit einem Navi: Eine neue Route wird selbstverständlich angezeigt, und eine Wetter-App zeigt natürlich die neuen „Vorstellungen“ des Wettermodells an. Und diese sind, das darf man sich gerne in Erinnerung rufen, immer wahrscheinlicher als die alten Lösungsvorschläge. 

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst