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Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 

Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist. Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute (Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs – insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge zwischen Sardinien und Sizilien. 

Auswirkungen in Spanien 

Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein – mit Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

Aufaddierter Gesamtniederschlag des ICON-Wettermodells bis Mittwoch Früh im Bereich des Westlichen Mittelmeeres 

Auswirkungen in Italien und auf Malta 

Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon) hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen. Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher „Fetch“ aufbauen: die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9 Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 2 

Signifikanter Seegang des EWAM-Seegangmodells im Mittelmeer am Dienstag Mittag mit dem Maximum (roter Bereich) südöstlich von Sizilien, Angaben in Metern 

Auswirkungen in Nordafrika 

Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf. 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

 

Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

Das Winterwetter hat uns zwar weiter fest im Griff, zeigt sich am heutigen Dienstag aber zumeist von seiner ruhigen Seite. Grund dafür ist Azorenhoch ANDREAS, das seine Fühler vorübergehend bis nach Deutschland ausstreckt. Während es in weiten Teilen des Landes in der Folge nur noch hier und da für etwas Geflöckel reicht, bringen die Ausläufer von Tief CONSTANZE mit Sitz bei Schottland dem Nordseeumfeld neue Schneeschauer. Letztere machen sich am morgigen Mittwoch auch im Nordwesten und Westen mit Schneefall bemerkbar, der sich in der Nacht zum Donnerstag in abgeschwächter Form auf weite Teile des Landes ausbreitet.

Brisante Wetterlage im Anmarsch

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Donnerstag, 08.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Richtig spannend wird es aber ab Donnerstag. Über dem Atlantik formiert sich Tief ELLI, das rasch ostwärts vorankommt und sich dabei zu einem Sturmtief verstärkt. Während es sich Donnerstagfrüh noch westlich von Irland befindet, soll es Freitagfrüh bereits irgendwo im Raum Niederlande, Ärmelkanal, Südostengland liegen und im Laufe des Freitags langsam nach Deutschland ziehen.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 2

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Freitag, 09.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Damit verbunden sind zunächst einmal teils kräftige Niederschläge, die im Laufe des Donnerstags auf den Südwesten und Westen übergreifen und zunächst als Schnee fallen. Da ELLI aber auch deutlich mildere Atlantikluft aus Südwesten ins Land strömen lässt, gehen die Niederschläge recht rasch in Regen über. Im Übergangsbereich kann es dabei vorübergehend zur Bildung von Glatteis kommen! In der Nacht zum Freitag kommen die Niederschläge weiter ost-/ nordostwärts voran und erreichen im Laufe des Freitags auch den äußersten Osten und Südosten. Auch dabei gilt zumeist: Erst Schnee, dann teils gefrierender Regen. Eine Ausnahme könnte der Norden oder zumindest Teile davon bilden, wo man sich nämlich (nach aktuellem Stand) nördlich des Tiefkerns und damit auf der kalten Seite befindet. Dort könnte es zum Teil auch durchweg schneien.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 3

Niederschlagsphase und -stärke für Freitag, 09.01.2026, 07:00 Uhr (ICON).

Kommen wir zum Wind. ELLI weist gleich zwei Sturmfelder auf. Eins ist auf der Südseite des Tiefs zu finden und reicht etwa von Frankreich und Benelux bis in den Westen und Südwesten Deutschlands hinein. Dabei kann es bis in tiefe Lagen zu stürmischen und einzelnen Sturmböen kommen, auf den Bergen droht schwerer Sturm. Das andere befindet sich auf der Nordflanke von Elli, wo von der Ostsee bis zur Nordsee Böen bis Sturmstärke aus Ost auftreten können. Dazwischen gibt es einen schmalen Korridor, in dem der Wind nur recht schwach weht.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 4

Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (ICON).

Entscheidend ist natürlich die genaue Zugbahn von ELLI und die ist derzeit noch alles andere als in Stein gemeißelt. Davon sowie vom Kerndruck des Sturmtiefs hängt die Windentwicklung maßgeblich ab. Das IFS-Modell hat in seinem heutigen 0-UTC-Lauf das Tief zum Beispiel etwas weiter südlich im Programm. Damit verschieben sich auch beide Sturmfelder etwas weiter nach Süden.

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Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (IFS).

Was allerdings relativ sicher ist, ist, dass es zumindest regional zu einer Kombination aus starkem Wind und Schneefall beziehungsweise einer lockeren Schneedecke kommt. Schneeverwehungen sind die Folge, die durchaus kräftig sein können.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es dem Schnee vor allem in der Südwesthälfte ziemlich an den Kragen gehen dürfte. Der Blick auf die dortigen Höchstwerte am Freitag zeigt verbreitet 5 bis 9 Grad – plus, wohlgemerkt! Aber gut, so viel Schnee liegt dort in der Fläche ja ohnehin nicht. In rund 1500 m Höhe gelangt dagegen schon wieder kältere Luft aus Westen ins Land, die um das Tief gegen den Uhrzeigersinn geführt wird. Durch den kräftigen Wind und die gute Durchmischung der bodennahen Luft, wirkt sich das jedoch nicht auf die angesprochenen Höchstwerte aus. Allerdings sinkt dadurch die Schneefallgrenze langsam wieder, sodass zumindest im Bergland im Laufe des Freitags wieder die Schneephase dominieren dürfte.

Am Wochenende soll uns das Tief unter Abschwächung ost-/südostwärts überqueren. Wie genau das vonstatten geht, ist noch sehr unsicher. Es bleibt aber wohl unbeständig bei weiter absinkender Schneefallgrenze.

Zusammenfassend gesagt, gibt es noch einige Unsicherheiten bei der genauen Entwicklung und Zugbahn des Tiefs und damit natürlich auch bei der Wind- und Niederschlagsentwicklung. Dass da aber etwas im Busch steckt, steht außer Frage.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Glatteisgefahr im Südosten Deutschlands

Während sich der unmittelbare Alpenrand und einige Hochlagen in einem traumhaften Winterkleid präsentieren, zieht eine kompakte Wolkendecke über Deutschland hinweg und bringt mancherorts Regen. Verantwortlich dafür ist das Sturmtief YONATAN über dem Nordmeer, dessen Frontensystem bereits das Wetter im Nordwesten und in der Mitte beeinflusst. Der Südosten dagegen steht noch unter dem Einfluss des Hochs ALRUN, das sich vom Atlantik als sogenannte Hochdruckbrücke bis nach Osteuropa erstreckt.

Glatteisgefahr im Suedosten Deutschlands

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Freitag den 29.11.2025 12 UTC (Quelle: DWD)

Am heutigen Freitag bleibt es meist bedeckt, begleitet von zeitweiligem Regen. Nur von den Alpen bis zum Bayerischen Wald scheint überwiegend die Sonne – ausgenommen die untere Donau und der untere Inn, wo sich ganztägig Nebel hält. Zudem kam es an der oberen Donau und auf der Alb örtlich zu gefrierendem Regen, doch im Laufe des Tages hat sich die Lage entspannt.

In der Nacht zum Samstag sowie am Samstagvormittag wird es jedoch stellenweise brisant. Dann erreicht das Frontensystem von Tief YONATAN auch den Südosten, wo es auf frostige Temperaturen und gefrorene Böden trifft. In der Oberpfalz, in Niederbayern und im östlichen Oberbayern besteht ein erhöhtes Risiko für Glatteis.

Glatteisgefahr im Suedosten Deutschlands 1

Wetter- und Temperaturkarte, in der Nacht zum Samstag 28./29.11.2025 (Quelle: DWD)

Trotz steigenden Luftdrucks zeigt sich der Samstag vielerorts stark bewölkt bis bedeckt. Im Südosten lässt die Glatteisgefahr allerdings nach. Im Süden wird es im Tagesverlauf freundlicher, während sich in den übrigen Regionen die Sonne nur selten zeigt.

Am Sonntag bringt ein neues Tief in der Westhälfte weiteren Regen. Von Bayern bis Sachsen wird der Tag – abgesehen von Nebelfeldern in den Niederungen – überwiegend freundlich. Die neue Woche setzt das bekannte Muster fort: Der Westen und Nordwesten verbleiben unter Tiefdruckeinfluss mit wiederholtem Regen, während der Südosten leicht vom Hochdruck geprägt ist und vor allem in höheren Lagen etwas Sonne abbekommt. In den Niederungen hingegen dominieren Nebel und Hochnebel.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

JOSHUA, die Bombogenese und der „Sting-Jet“

Das seit mehreren Wochen ruhige Herbstwetter ist mit Beginn dieser Woche bereits in wechselhaftes Wetter umgeschlagen. Sturmtief JOSHUA (international BENJAMIN) zündet am morgigen Donnerstag die nächste Stufe und hat zunehmend starken Wind im Gepäck, sodass ein erster stärkerer Herbststurm zu erwarten ist.

Die Entstehung von JOSHUA

Sturmtief JOSHUA entwickelte sich in den vergangenen Stunden aus einer Wellenstörung über dem nahen Ostatlantik und ist als Tiefdruckgebiet in der Bodenwetterkarte von Mittwoch, 00 UTC, bereits zu erkennen. Es liegt rund 800 km westlich der Britischen Inseln mit einem Kerndruck von knapp unter 1000 Hektopascal (hPa). Bis zum Donnerstagmorgen zieht es über dem Ärmelkanal hinweg rasch in die Nordsee und vertieft sich dabei auf einen Kerndruck von unter 975 hPa.

Bodenwetterkarte von Mittwoch, 22.10.2025, 00 UTC (Quelle:DWD)

JOSHUA die Bombogenese

„Bombogenese“

Der Druckfall beträgt also rund 25 hPa in etwa 24 Stunden. Bei einem Druckfall von 24 hPa oder mehr in 24 Stunden spricht der Meteorologe von einer „rapiden Zyklognese“, also von einer starken und schnellen Tiefdruckentwicklung. Zusammen mit dem 1980 von Sanders und Gyakum erschienenen Fachartikel „Synoptisch-dynamische Klimatologie der Bombe“ („Synoptic-Dynamic Climatology of the Bomb“) über rapide Zyklogenesen entstanden daraus die etwas martialisch anmutenden Wortprägungen der „Bombogenese“ und der „Bomben-Zyklone“ ( „Die „Bomben-Zyklone“ ).

Vorhersage der Wetterlage für Donnerstag, 23.10.2025 um 14 Uhr Sturmtief JOSHUA über der Nordsee (Quelle:DWD)

JOSHUA die Bombogenese

Sturm am Donnerstag

Das auf Deutschland zukommende Sturmfeld erfasst in den Frühstunden des Donnerstags den Westen und Südwesten des Landes und breitet sich bis zum Abend bis in die Mitte aus. In den Vormittagsstunden treten erste stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8) aus Süd bis Südwest auf, am Nachmittag muss mit Sturmböen zwischen 75 und 85 km/h (Bft 9), gebietsweise auch mit schweren Sturmböen zwischen 90 und 100 km/h (Bft 10) gerechnet werden. Einige Modelle zeigen sehr punktuell die Möglichkeit für orkanartige Böen um 105 km/h (Bft 11). Auf den Bergen gibt es wie immer noch stärkere Böen bis hin zu Orkanböen um 120 km/h (Bft 12) auf den höchsten Gipfeln (Brocken, Feldberg).

Windentwicklung des Sturmtiefs JOSHUA von Donnerstag 23.10.2025 3 Uhr MESZ bis Freitag, 24.10.2025 21 Uhr MESZ (Böen aus ICON6 (Quelle:DWD)

JOSHUA die Bombogenese 3

„Shapiro-Keyser-Zyklone“, „Cold Jet“ und „Sting-Jet“

JOSHUA weist darüber hinaus am Donnerstagmorgen zeitweise Züge einer sogenannten „Shapiro-Keyser-Zyklone“ auf ( „Wenn der Skorpion zusticht“ ). Bei solchen Zyklonen tritt meist ein „Cold Jet“ ( “ Éowyn – eine erste Bilanz“ ) hinter der Kaltfront des Tiefs auf, in dessen Bereich es die stärksten Böen gibt. Seltener gibt es dagegen den noch gefährlicheren „Sting-Jet“ (auf deutsch „Stachel-Strahl“), der wie ein Schwanz eines Skorpions aussieht. Dabei würde die Windentwicklung noch stärker als derzeit berechnet ausfallen. Die Modelle sind sich aber recht einig, dass sich kein Sting-Jet ausbildet.

Auswirkungen des Sturms

Bei diesen Windgeschwindigkeiten können die zum Teil noch stark belaubten Bäume umkippen, auch wenn die Böden durch die lange trockene Phase zuvor nicht gut durchgeweicht sind. Darüber hinaus stellen abbrechende Äste eine Gefahr dar. Viele Bäume werden sicherlich auch Teile ihrer derzeit farbenfrohen Blätterpracht verlieren. Um Schäden zu vermeiden, sollten Garten und Balkone besser „windfest“ gemacht werden.

Sturm in der Nacht zum Freitag

In der Nacht zum Freitag verlagert sich das Sturmfeld in den Nordwesten, wobei sich der Wind ein wenig abschwächt. Weiterhin sind aber stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 90 km/h (Bft 8 bis 9) zu erwarten, an der Nordsee kommt es dann zu orkanartigen Böen oder Orkanböen zwischen 105 und 120 km/h (Bft 11 bis 12). Zudem ist es auch im äußersten Süden sehr windig mit stürmischen Böen um 65 km/h (Bft 8) bis ins Tiefland und Sturmböen um 90 km/h (Bft 9) in den Bergen.

Sturm auch am Freitag und am Wochenende

Am Freitag bewegt sich JOSHUA nur noch gemächlich in Richtung Skagerrak, sodass das Sturmfeld über der Nordhälfte zu finden ist. Die Modelle simulieren dabei stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 60 und 80 km/h (Bft 8 bis 9), an der Nordsee können noch schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) vorkommen.

Am Wochenende wandelt sich JOSHUA in ein mehrkernigen Tiefkomplex mit Schwerpunkt über Skandinavien um. An dessen Südwestflanke ist es insbesondere im Nordosten windig mit steifen bis stürmischen Böen zwischen 50 und 70 km/h (Bft 7 bis 8). Nach Südwesten hin schwächt sich der Wind dagegen etwas ab.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

„Ex-Gabrielle“ überquert die Azoren

Am frühen Morgen des heutigen Donnerstags zog der ehemalige Hurrikan und nun außertropische Sturmtief mit dem Namen „Ex-Gabrielle“ über bzw. knapp nördlich der Azoren ostwärts. An der Südflanke von „Ex-Gabrielle“ wurden auf der Inselgruppe Orkanböen bis 122 km/h gemessen. Die stärksten Regenfälle blieben an der Nordflanke von „Ex-Gabrielle“ knapp nördlich der Azoren. Am gestrigen Donnerstag war noch fraglich, ob Hurrikan „Gabrielle“ bis zum Erreichen der Azoren noch seine tropischen Eigenschaften beibehält. Am späten Abend wurde dann vom National Hurricane Center (NHC) entschieden, dass „Gabrielle“ eine Umwandlung zu einem außertropischen Sturmtief vollzogen hatte. Das NHC, eine Unterabteilung des US-amerikanischen Wetterdienstes, erstellt unter anderem für den Nordatlantik Vorhersagen für tropische Tiefs. Die Transformation hin zu einem außertropischen Tief ist typischerweise dann gegeben, wenn keine oder kaum noch Konvektion, sprich Gewitter am Tiefkern vorhanden ist und Luftmassengegensätze in Tiefnähe, sprich Fronten, vorhanden sind. Dafür verantwortlich können niedrigere Wassertemperaturen oder/und zunehmende Scherung (Windstärke- und richtungsänderung mit zunehmender Höhe) in Nähe der Frontalzone sein. Nichtsdestotrotz war „Ex-Gabrielle“ auch als mehr oder weniger gewöhnliches Sturmtief gefährlich. Denn die Schadenwirkung der Böen ist letztlich unabhängig von der Art des Tiefs.
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Satellitenbild, Isobaren des Bodendrucks und stündliche Messwerte der Windböen in Kilometer pro Stunde.

„Ex-Gabrielle“ wird in den nächsten Tagen den Ostkurs beibehalten und am Sonntag Südportugal erreichen. Das stärkste Windfeld wird aber auf See bleiben, sodass dort nicht mit einem außergewöhnlichen Sturm zu rechnen ist. Örtlich könnten allerdings kräftige Niederschläge mit Niederschlagssummen um 100 Liter pro Quadratmeter zum Problem werden. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt wahrscheinlich zwischen Lissabon und Porto.
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Prognostizierte Zugbahn von „Ex-Gabrielle“

Mit dem Ende von „Gabrielle“ kehrt jedoch bei weitem nicht Ruhe auf dem Atlantik ein. Mit „Humberto“ gibt es seit heute den dritten Hurrikan der Saison 2025 auf dem Nordatlantik. Momentan befindet sich „Humberto“ weit nordöstlich der Karibik und wird in den kommenden Tagen auf nordwestlichem Kurs in das Seegebiet westlich der Bermudas gesteuert. Währenddessen soll sich der Hurrikan bis auf Stufe 4 der fünfstufigen Skala intensivieren. Damit wären die ersten drei Hurrikane des Jahres zugleich besonders starke Hurrikane (mindestens Stufe 3) gewesen. Zuletzt war dies 1935 der Fall. „Humberto“ bedroht auf seiner Zugbahn zunächst aber sehr wahrscheinlich kein Land. Anders sieht dies bei einer weiteren tropischen Störung dicht südlich der Bahamas aus. Diese verstärkt sich wahrscheinlich zu einem tropischen Sturm und könnte dann die Bahamas und in der kommenden Woche auch die Südostküste der USA erreichen. Falls es zu einer Verstärkung zum Sturm kommt wird dieser den Namen „Imelda“ tragen.
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Übersichtskarte mit den aktiven tropischen Systemen auf dem Nordatlantik. In dem rot schraffierten Gebiet könnte „Imelda“ entstehen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.09.2025
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Der September – ein verkappter Sommermonat?

Nein, das hat er sich anders vorgestellt, der September. Der Monat, der von den Meteorologen kühl-wissenschaftlich zum ersten Herbstmonat degradiert wird. Dabei will der Liebe vielmehr ein Spätsommermonat sein, den Menschen vor der nahenden dunklen und kalten Jahreszeit noch einmal laue Sommerabende bescheren.

Aber genug des unwissenschaftlichen Plädoyers, nun zu den Fakten.

Aus astronomischer Sicht sieht es tatsächlich nicht gut aus für den „Möchtegern-Sommermonat“. Die Fakten: morgens wird es später hell, abends früher dunkel, der „lichte Tag“ wird schnell kürzer. Die Sonne steht zudem immer niedriger über dem Horizont, die direkte Sonnenstrahlung dringt also immer flacher in die Atmosphäre ein. Die Sonne liefert damit im Laufe des Monats sukzessive weniger wärmende Energie. Ein eindrückliches Beispiel: Die Tageslänge Anfang September entspricht in etwa der von Anfang April.

Also jetzt auch noch ein Vergleich zwischen September und April, der nicht weiß, was er will? Nun, die astronomische Wahrheit ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Sonnenstand bestimmt nicht allein die Temperaturentwicklung über das Jahr hinweg. Nach der kalten Jahreszeit wird ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Sonnenenergie in die Erwärmung von Wasser- und Landmassen oder auch in das Abschmelzen von Eis investiert. Vor allem die Ozeane können sehr viel Wärme speichern, die im Herbst wieder an die Luft abgegeben wird. Die Landmassen, insbesondere aber die Ozeane, sind sozusagen die anspringende Heizung, wenn der Sonne im Herbst allmählich die Puste ausgeht. Als Resultat dessen ist das Maximum der Temperaturen – zumindest im vieljährigen Mittel – um etwa sechs Wochen gegenüber dem Maximum der Sonneneinstrahlung verschoben. Davon profitiert auch der September!

Der September ein verkappter Sommermonat 1

Monatsmittel des Sonnenstandes zur Mittagszeit und der Mitteltemperatur in Frankfurt/Main.

Natürlich spielen darüber hinaus auch noch weitere örtliche und regionale Klimafaktoren eine Rolle wie Meeresströmungen oder die für einen bestimmten Zeitraum typischen Großwetterlagen. Der September gilt in Mitteleuropa so z. B. als „klimatisch stabil“. Im Wesentlichen sind es die geringen Temperaturgegensätze zwischen den Europa umgebenden Meeren und dem Festland sowie zwischen den hohen und niederen Breiten, die weniger turbulente Tiefdruckaktivität als Hochdruckdominanz über Mitteleuropa begünstigen.

Das klingt doch eher nach Sommer als nach Herbst. Tatsächlich wartet der September z. B. in Frankfurt am Main mit einem mittleren Temperaturmaximum von 20,8 °C auf und liegt damit zwar hinter den Monaten Juli (26,1 °C), August (25,7 °C) und Juni (23,9 °C), aber noch vor Mai (20,4 °C) auf dem vierten Platz. Vor allem in der ersten Monatshälfte kann es noch einmal richtig heiß werden mit Temperaturen über 30 °C. In Jena (Sternwarte) ging es am 03.09.1911 bis auf hochsommerliche 36,5 °C rauf. Auch im vergangenen Jahr am 04.09. wurden Temperaturen über 35°C registriert (z. B. in Doberlug-Kirchhain in Brandenburg; 35,2 °C). Zugleich kühlt die Luft in den immer länger werdenden Nächten schon deutlich stärker aus als noch in den Vormonaten. Zum Ende des Monats steigt zudem das Potenzial erster kräftiger Kaltluftvorstöße aus Norden. In der Folge stellen sich im Septemberverlauf häufig die ersten Nachtfröste ein (z. B. Karlshuld in Oberbayern: -6,4 Grad am 23.09.1964).

Wie steht es nun um das Eingangsplädoyer, der September wäre zu Unrecht zum Herbstmonat degradiert worden? Im Hinblick auf die Ausführungen mag es zwar etwas hoch gegriffen gewesen sein, denn der September weist neben vielen sommerlichen immerhin auch einige herbstlich anmutende Facetten auf. Aber wie sagt man so schön: Im Zweifel für den Angeklagten – geben wir dem September also noch die Chance, sich sommerlich zu bewähren.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2025
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Übergang in den Herbst?

Bei einem Blick auf die aktuelle Analysekarte ist ein umfangreiches Sturmtief mit seinem Zentrum bei Irland zu erkennen. Der herbstliche Charakter des Sturmtiefs ULRICH zeigt sich durch seinen tiefen Kerndruck von unter 970 Hektopascal. Zu Wochenbeginn verlagert sich ULRICH unter leichter Abschwächung nach Schottland und beeinflusst mit seinen Frontensystemen auch die Westhälfte Deutschlands. Damit kommen in der Nacht auf Montag im Westen teils kräftige schauerartige Niederschläge auf. Örtlich sind auch eingelagerte Gewitter nicht ausgeschlossen. Vor allem von der Eifel bis zum Emsland besteht die Gefahr durch mehrstündigen Starkregen.

Uebergang in den Herbst 1

Analysekarte für Sonntag, den 31.08.2025. Auf der Vorderseite von Sturmtief ULRICH wird feuchtwarme Luft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

In der großen Südosthälfte gibt es davor am Sonntag aber nochmals angenehm warmes und sonniges Spätsommerwetter. Dort steigen die Temperaturen auf badetaugliche 24 bis 28 Grad. Am Montag kommen die Niederschläge aus der Nacht in abgeschwächter Form bis zur nördlichen Landesmitte voran. Dazu gehen auch die Temperaturen etwas zurück. Häufig werden nur noch um oder knapp über 20 Grad erwartet. Lediglich im äußersten Osten treten nochmals sommerliche Werte von über 25 Grad auf.

Auch in den Folgetagen ändert sich an der Großwetterlage nicht viel. Es bleibt bei einer zyklonal geprägten Südwestlage. Damit strömt zwar relativ warme Meeresluft ins Land, allerdings ist beständiges Spätsommerwetter mit mehreren niederschlagsfreien Tagen damit nicht in Sicht. Etwas bevorzugt dabei ist voraussichtlich der Osten und Südosten. Dort sind auch längere sonnige Abschnitte möglich. Jedoch sorgt dort am Dienstag ein kleinräumiges Tief für kräftige, teils gewittrige Niederschläge. Stellenweise ist auch mehrstündiger Starkregen möglich.

In der zweiten Wochenhälfte stellt sich wieder das altbekannte Muster ein. Während sich der Südosten vorübergehend unter schwachem Zwischenhocheinfluss befindet, sorgen Frontensysteme eines kräftigen Tiefdruckkomplexes mit Zentrum über Nordwesteuropa vor allem in der Nordwesthälfte für weitere Niederschläge. Dazu bleibt es aber spätsommerlich warm. Bei längerem Sonnenschein werden in den Niederungen durchaus Höchsttemperaturen um 25 Grad erreicht.

Uebergang in den Herbst 2

Temperaturvorhersage für kommende Woche für Deutschland. (Quelle: DWD)

Mittelfristig bleibt uns nach jetzigem Stand die Großwetterlage erhalten. Über Nordwesteuropa werden immer wieder kräftige Tiefdrucksysteme simuliert. Am kommenden Wochenende könnte sich allerdings auf der Vorderseite eine Hochdruckbrücke aufbauen. Diese würde dann im Zusammenspiel mit einer sehr warmen südwestlichen Strömung vorübergehend für lupenreines Spätsommerwetter sorgen. Gleichzeitig nimmt die Vorhersageunsicherheit ab dem Wochenende auch deutlich zu. Ein Großteil der Modelläufe deutet nur auf eine kurze, stabile und warme bis sehr warme Spätsommerperiode hin! Einen längeren Zeitraum mit beständigem Spätsommerwetter ist allerdings vorerst nicht in Sicht. Die wechselhafte und relativ warme Witterung setzt sich somit bis auf Weiteres fort. Erst in der zweiten Septemberdekade gibt es unter stark zunehmender Vorhersageunsicherheit Anzeichen für hochdruckgeprägte Wetterlagen über Zentraleuropa (siehe Grafik 3).

Uebergang in den Herbst 3

Hovmöller Diagramm der Wetterlagen über Europa bis Ende September. Bis zum Beginn der zweiten Septemberdekade ist tiefes Geopotential über West – und teilweise über Mitteleuropa vorherrschend. Danach gibt es bei stark zunehmenden Unsicherheiten Anzeichen für eine Umstellung mit hochdruckgeprägten Wetterlagen. (Quelle: ECMWF)

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2025
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Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurück

Deutschland wird aktuell von Sturmtief NING (int. Floris) mit Kern über Westnorwegen beeinflusst. Die dazugehörige Kaltfront liegt quer über der Mitte des Landes und erreicht Dienstagabend den Süden. Für die Jahreszeit ist ein recht intensives Sturmtief. Zum Glück zieht der Kern des Tiefs so weit nördlich, sodass nur die nördliche Nordsee, der Norden von Dänemark und Südnorwegen vom eigenen Sturmfeld betroffen werden und sich die Auswirkungen in Deutschland in Grenzen halten.

Somit startete der Dienstag entlang der Kaltfront in einem breiten Streifen über die Mitte und Teile des Nordens bedeckt. Von Rheinland-Pfalz über Thüringen bis nach Sachen und Südbrandenburg fällt schauerartiger Regen, der im weiteren Tagesverlauf nach Süddeutschland zieht. Zuvor scheint dort die Sonne und bevor die eigentliche Kaltfront eintrifft, können sich dort einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen entwickeln. Von Nordwesten lockern die Wolken zwar auf, aber von der Nordsee greifen Schauer und kurze Gewitter auf Norddeutschland über, dazu ist es dort sehr windig, an den Küsten auch stürmisch.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck

Wetter- und Temperaturkarte, Dienstag 05.08.2025

Am Mittwoch macht sich das Hoch INES über Deutschland bemerkbar. Dessen Einflussbereich erstreckt sich bis nach Mitteleuropa. Der Süden und die Mitte profitieren vom Hoch, der Norden hingegen liegt noch am Rande des Tiefs NING, sodass es dort noch leicht wechselhaft mit vereinzelten Schauern ist. Dazu weht noch ein kräftiger Westwind. Ansonsten zeigt sich überwiegend die Sonne.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 2

Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 06.08.2025

Hoch INES bringt die lang ersehnte Wetterberuhigung in Deutschland und sorgt für die Rückkehr des Hochsommers. Bereits am Donnerstag steigen die Temperaturen in den sommerlichen Bereich zwischen 25 und 30 Grad, dazu scheint im fast ganzen Land die Sonne. Am Freitag wird es noch heißer mit Höchstwerten südlich des Mains und der Mosel über 30 Grad. Lediglich im äußersten Norden ist es merklich kühler und wolkiger.

Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurueck 3

Wetterausichten von Donnerstag bis Samstag (07.08.2025 – 09.08.2025)

Wie lange hält das schöne und heiße Wetter an? Bis Sonntag bleibt es sehr wahrscheinlich sommerlich warm bis heiß, jedoch steigt das Gewitterrisiko vor allem im Westen und im Süden an. Es sind aber nur lokale Geschichten, der Gesamteindruck bleibt schön.

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2025
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Extremes Wetter in Teilen Europas

Am 12. Juli gab es in Finnland den ersten von 22 Hitzetagen in Folge. 22 Tage lang gab es mindestens eine Station in Finnland, an der mehr als 30 Grad gemessen wurden. Den landesweiten Höchstwert innerhalb dieses Zeitraums gab es am 31.07.2025 in Oulu am Bottnischen Meerbusen mit 32,6 Grad. Wie außergewöhnlich diese Hitzewelle war, zeigt der Vergleich mit dem bisherigen Rekord. Mit 13 Hitzetagen am Stück im Juni bzw. Juli 1972 lag der alte Rekord deutlich niedriger. Am heutigen Sonntag (03.08.2025) reicht es nicht mehr für 30 Grad. Ein Sommertag von 25 Grad wird gebietsweise aber nochmal erreicht.

Verantwortlich für diese lang anhaltende Hitze war ein stabiles Hochdruckgebiet über dem Nordosten Europas, das zum einen warme Luft aus dem Süden nach Skandinavien führte und zum anderen für viel Sonnenschein sorgte, sodass die Luft sich an den langen Tagen immer wieder deutlich erwärmen konnte. Abbildung 1 zeigt die Anomalien der Temperatur in den vergangenen 30 bzw. 7 Tagen gegenüber dem Mittel 1981-2010. Die höchsten positiven Anomalien in Europa gab es jeweils in Skandinavien. In den vergangenen 30 Tagen war die Abweichung besonders in Mittelnorwegen und Nordschweden groß, in den vergangenen 7 Tagen in Finnland und dem Nordwesten Russlands. In den „hot spots“ lagen die Temperaturen in den vergangenen 30 Tagen um etwa 6 Kelvin und in den vergangenen 7 Tagen etwa 10 Kelvin über dem Mittel. Bereits am 25.07.2025 wurde in einem Thema des Tages auf die ungewöhnliche Wärme im Norden Europas eingegangen: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/7/25.html

Extremes Wetter in Teilen Europas

Anomalien der 2m-Temperatur in den vergangenen 30 bzw. 7 Tagen über Europa. (Quelle:www.karstenhaustein.com/climate)

Nachdem die Wärme zuletzt also bereits etwas nach Osten abgedrängt wurde, findet in den kommenden Tagen eine weitere Ostverlagerung statt. Weniger Skandinavien, sondern der Nordwesten Russlands sind dann im Fokus der größten positiven Anomalien. Von Westen setzt sich dagegen Tiefdruckeinfluss in Skandinavien durch.

Womit wir beim nächsten Extrem wären. Ein für die Jahreszeit extrem starkes Sturmtief zieht am Montag über Schottland und den Nordteil der Nordsee nach Südnorwegen. Seinen Höhepunkt erreicht das Sturmtief FLORIS in der Nacht zum Donnerstag über dem Nordteil der Nordsee mit einem Kerndruck von wahrscheinlich etwas unter 980 Hektopascal. Das stärkste Windfeld befindet sich dabei an der Süd- und Südwestflanke des Sturms. Die Böen erreichen über dem offenen Meer und an exponierten Standorten in Schottland wahrscheinlich zum Teil mehr als 140 km/h. Entsprechend hat der Britische Wetterdienst Warnungen der zweithöchsten Stufe herausgegeben.

Extremes Wetter in Teilen Europas 2

Animation der Windgeschwindigkeiten (Böen) in 10 Meter Höhe und des Bodendrucks für Montag und die Nacht zum Dienstag (04./05.08.2025), Modell: ICON (Quelle.DWD)

Deutschland wird von dem Sturmfeld abgeschwächt ab Montagabend erfasst. Während der Süden nicht viel davon mitbekommen wird, frischt der Wind an den Küsten deutlich auf. Montagabend ist dies zunächst an der Nordsee der Fall, in der Nacht zum Dienstag auch an der Ostsee. Am Dienstag tagsüber frischt dann auch im Norddeutschen Binnenland der Wind auf. An den Küsten erreicht der westliche Wind in Böen Stärke 8 oder 9, im Binnenland Stärke 7 oder 8. Das heißt, dass es zwar auch an den deutschen Küsten für die Jahreszeit recht windig wird. Durch die recht große Entfernung zum Sturmtief wird das ganze aber dennoch gemäßigt ablaufen.
Das Hoch im hohen Norden weicht nach Osten, ein kräftiges Sturmtief wirbelt über dem Nordwesten Europas. Beides führt im Laufe der kommenden Woche auch zu einer Änderung der eingefahrenen Wetterlage über Mitteleuropa. Ab Wochenmitte kann sich von Süden zumindest vorübergehend Hochdruckeinfluss durchsetzen und mit Winddrehung auf Südwest wird wärmere Luft nach Deutschland geführt.

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Prognosekarte des Bodendrucks mit Fronten für kommenden Donnerstag, den 07.08.2025 (Quelle.DWD)

MSc.-Met.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2025
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Ungewöhnlich warmes erstes Aprilwochenende!

Am gestrigen Samstag wurde in der Mitte und im Süden Deutschlands verbreitet ein Sommertag mit Höchsttemperaturen von über 25 Grad verzeichnet. In Ohlsbach gab es sogar den ersten Hitzetag mit einem Spitzenwert von 30,1 Grad. Damit wurden dort sowie an vielen anderen Stationen Temperaturen erreicht, die bisher in der ersten Aprildekade noch nie auftraten. Zudem gab es noch nie so früh im Jahr einen Hitzetag mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad.

Verantwortlich für diese bemerkenswerte warme Witterung ist ein langwelliger über Westeuropa in Verbindung mit einem kräftigen Sturmtief bei Irland. Auf der Vorderseite des Tiefs gelangt sehr warme bis heiße Luft von Nordafrika bis nach Mitteleuropa. So liegt die Temperatur in 850 Hektopascal (etwa 1500 Meter Höhe) im Süden Deutschlands bei bis zu 18 Grad. Da sich erst im Laufe des Samstags im Westen Saharastaub bemerkbar machte, konnte sich die Luftmasse durch überwiegend ungestörte Sonneneinstrahlung auch in Erdbodennähe noch ordentlich erwärmen. Denn Saharastaub hat einen dämpfenden Einfluss auf die Tageshöchsttemperaturen. Zum einen wird die von der Sonne ausgehende kurzwellige Strahlung an den Staubpartikeln reflektiert und zum anderen fördern die die Ausbildung von hohen Wolkenfeldern. Durch die fehlende Einstrahlung wird das volle Potenzial einer Luftmasse nicht ganz ausgenutzt.

DWD Ungewoehnlich warmes erstes Aprilwochenende

DWD Ungewoehnlich warmes erstes Aprilwochenende 1

Zuvor dominierte gestern um die Mittagszeit noch größtenteils ungetrübter Sonnenschein. Erst im Laufe des Nachmittags stieg die Saharastaubkonzentration im Westen deutlich an. Dies hatte aber nur noch einen geringen Einfluss auf die Temperaturentwicklung, wodurch rekordverdächtig hohe Werte erreicht wurden. In der Nacht auf Sonntag hatte der Saharastaub allerdings den gegenteiligen Effekt. Durch verstärkte Wolkenbildung zusammen mit einem teils böigen Südwind war die nächtliche Abkühlung nur schwach ausgeprägt. Vor allem an den Nordrändern der Mittelgebirge kamen zusätzlich noch Föhneffekte hinzu. Somit wurde im Umfeld des Harzes sogar örtlich eine Tropennacht mit einer Tiefsttemperatur von über 20 Grad verzeichnet.

Auch am heutigen Sonntag hält das frühsommerliche Wetter an. Von Nordwesten nimmt der Tiefdruckeinfluss allmählich zu. An einer wellenden Kaltfront kann in der Nordwesthälfte etwas Regen fallen. Nach Südosten überwiegt der Hochdruckeinfluss. Allerdings fördert dort die hohe Konzentration an Saharastaub die Wolkenbildung, sodass die Höchsttemperaturen im Vergleich zum Vortag etwas geringer ausfallen werden. Dennoch zeigt das Thermometer abgesehen vom äußersten Norden und Nordwesten in den Niederungen verbreitet Temperaturen um 25 Grad an. Im Süden und Osten sind stellenweise auch rekordverdächtige Werte bis 28 Grad möglich. Erst in der kommenden Woche machen sich von Nordwesten sukzessive deutliche kühlere Luftmassen bemerkbar. Bis dahin zeigt sich der April aber von seiner frühsommerlichen Seite.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2024
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