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Von Tauwetter und Schneeschmelze

Das Auftreten von markanten Tauwetterlagen zu dieser Jahreszeit ist ein typisches zentrales Element der winterlichen und frühjährlichen Hydrologie in Mitteleuropa. Solche Ereignisse können erhebliche Auswirkungen auf Abflussregime, Hochwassergefahr, Bodenfeuchte und Infrastruktur haben. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen schmelzen und tauen. Schmilzt der Schnee nur, liegt der Taupunkt noch unter 0 Grad, die Feuchttemperatur und Lufttemperatur aber im positiven Bereich. Der Schnee geht dabei von der festen in den flüssigen und gasförmigen Zustand. Der Tauprozess ist um einiges effektiver. Temperaturen und Taupunkt liegen dabei im positiven Bereich und der Schnee geht hauptsächlich in den flüssigen Zustand über. Um die Entstehung von markantem Tauwetter zu verstehen, müssen sowohl meteorologische Prozesse als auch Eigenschaften der Schneedecke – insbesondere ihr Wasseräquivalent – betrachtet werden.

Grundvoraussetzung für intensives Tauwetter ist zunächst eine ausreichend mächtige Schneedecke. Während in den Gebirgsräumen (vor allem inneralpin) in den letzten Tagen und Wochen noch einiges an Altschnee vorhanden war, kam am Donnerstag und Freitag vergangener Woche noch etwas Neuschnee sogar bis ins Flachland dazu. Der Schnee und die Schneedichte unterliegt im Laufe des Winters ständigen Umwandlungsprozessen: Neuschnee mit geringer Dichte (oft 50–150 kg/m³) setzt sich durch Druck und Temperaturgradienten, Kristalle metamorphosieren, und die Dichte kann auf 300–500 kg/m³ oder mehr ansteigen. Entscheidend für das spätere Abflussgeschehen ist daher nicht nur die Schneehöhe, sondern vor allem das sogenannte Wasseräquivalent der Schneedecke.

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Änderung der Schneehöhe über Deutschland von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Das Wasseräquivalent beschreibt jene Wassermenge, die frei würde, wenn die gesamte Schneedecke vollständig taut. Es wird meist in Millimetern angegeben und entspricht damit direkt einer Niederschlagshöhe. Eine 50 cm hohe Schneedecke kann – je nach Dichte – beispielsweise nur 50 mm oder aber über 200 mm Wasseräquivalent enthalten. Für die Hochwasservorhersage ist diese Größe daher wesentlich aussagekräftiger als die reine Schneehöhe. Besonders kritisch sind daher Situationen, in denen sich über Wochen hinweg ein hohes Wasseräquivalent aufgebaut hat und anschließend rasch einsetzendes Tauwetter eintritt.

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Änderung des Wasserdargebots der Schneedecke von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Meteorologisch wird markantes Tauwetter häufig durch großräumige Zirkulationsänderungen ausgelöst. Typisch ist das Vordringen milder, feuchter Luftmassen aus südwestlichen Richtungen im Zusammenhang mit Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik oder Westeuropa. Die ausgeprägte West- oder Südwestlage der letzten Tage führte dazu, dass deutlich wärmere Luft herangeführt wurde und die Temperaturen auch in höheren Lagen deutlich über 0 °C stiegen.

Neben der Lufttemperatur spielen weitere Energieflüsse eine entscheidende Rolle. Die Schneeschmelze setzt ein, wenn die Energiebilanz an der Schneeoberfläche positiv wird. Dazu tragen mehrere Komponenten bei. Zum einen die sensible oder auch fühlbare Wärme genannt. Dies impliziert die direkte Änderung der Temperatur durch Zufuhr von warmer Luft. Im Gegensatz dazu gibt es noch die latente (verborgene) Wärme. Diese entsteht durch Wärmefreisetzung bei Kondensation von Wasserdampf auf der kalten Schneedecke. Dieser Effekt ist bei feucht-milder Luft nicht zu unterschätzen. Des Weiteren kann sich die Strahlungsbilanz positiv auf die Temperatur der Schneedecke auswirken. Durch direkte oder, was in den letzten Tagen eher der Fall war, diffuse Einstrahlung erwärmt sich die Oberfläche. Gleichzeitig sorgte die geschlossene Wolkendecke nachts für langwellige Gegenstrahlung und damit verringerte Auskühlung. Ein am Wochenende entscheidender Faktor für die Schneeschmelze war und ist immer noch der zusätzliche Eintrag von relativ warmem Regen. Dieser sorgt nicht nur zusätzlich für Wasser, sondern durch die relativ gesehen hohen Temperaturen des Regenwassers erhöht sich die Temperatur der zu schmelzenden Schneedecke umso schneller.

Gerade die Kombination aus milden Temperaturen und kräftigem Regen führte zu einer markanten und noch weiter anhaltenden Tauwetterlage. Seit Samstag und anhaltend bis Montagmittag muss in den Mittelgebirgen und den Alpen mit Abflussmengen zwischen 40 und 80 l/m² in 60 Stunden gerechnet werden. (Die Schwellen für markantes Tauwetter liegen bei 40 mm in 48 Stunden bzw. 60 l/m² in 72 Stunden. Starkes Tauwetter (Unwetter!) tritt bei mehr als 60 l/m² in 48 Stunden bzw. über 90 l/m² in 72 Stunden auf). Dabei wird das Schmelzwasser zum Niederschlag hinzuaddiert – abzüglich Verdunstungs- und Speicherverluste.

Ein weiterer Aspekt ist die räumliche und zeitliche Gleichzeitigkeit der Schneeschmelze. In Gebirgsregionen setzt die Schneeschmelze normalerweise höhenabhängig gestaffelt ein: Zunächst in Tallagen, später in mittleren Höhen und schließlich im Hochgebirge. Markantes Tauwetter zeichnet sich jedoch oft dadurch aus, dass die Nullgradgrenze rasch auf große Höhen ansteigt, wie es am gestrigen Samstag oder bereits schon in der Nacht zum Samstag geschehen ist. Die Nullgradgrenze stieg von 600-1000 m auf 1800 – 2500 m innerhalb von 24 Stunden. Dadurch beginnen weite Teile eines Einzugsgebietes nahezu gleichzeitig zu schmelzen bzw. tauen. Diese Synchronisierung verstärkt die Abflussspitzen in Flüssen und Bächen. In gesättigten Böden oder bei gefrorenem Untergrund kann die Hochwassergefahr aufgrund geringer Speicherkapazität zudem erheblich steigen.

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Zeitraffer mit eindrücklicher Schneeschmelze im Allgäu zwischen Freitag, den 20.02.2026 und Sonntag, den 22.02.2026 (Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/max-wild-arena/)

Das Wasseräquivalent der Schneedecke wird heute durch verschiedene Methoden erfasst. Klassisch erfolgen Schneebohrungen und Wägungen im Gelände. Ergänzend kommen automatische Schneewaagen, Ultraschallsensoren zur Schneehöhenmessung in Kombination mit Dichtemodellen sowie Fernerkundungsverfahren zum Einsatz. In hydrologischen Modellen wird das Wasseräquivalent als zentrale Zustandsgröße geführt. Es erlaubt die Simulation, wie viel Wasser bei bestimmten Temperatur- und Niederschlagsszenarien freigesetzt wird.
Zusammenfassend entsteht markantes Tauwetter durch das Zusammenspiel einer energiereichen Atmosphäre mit einer schneereichen Ausgangssituation. Entscheidend ist dabei nicht allein die sichtbare Schneehöhe, sondern vor allem das in der Schneedecke gespeicherte Wasseräquivalent. Es bestimmt maßgeblich, welches Abflusspotenzial bei einsetzender Schmelze mobilisiert werden kann. Erst durch die Kombination aus meteorologischer Analyse und quantitativer Erfassung des Wasseräquivalents lässt sich das Risiko intensiver Abfluss- und Hochwasserereignisse realistisch einschätzen.

Aktuelle Informationen zur Abflussmenge, Pegelständen und Hochwassergefahren findet man in den jeweiligen Informationssystemen der Hochwasserzentralen der Bundesländer oder im Naturgefahrenportal.

MSc. Sonja Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wo ist der Winter?

Was macht eigentlich der Winter? Seit der letzten großräumigen Glatteislage am 17. Januar und nachfolgender Kältephase bis zum Wochenende des 20./21. Januars hat er sich doch still und leise hierzulande verabschiedet (so wir denn die leichten Nachtfröste vor allem in der Südhälfte mal ausklammern beziehungsweise unter „handelsüblich“ vernachlässigen). Dabei steht doch gerade jetzt statistisch gesehen die kälteste Zeit des Jahres bevor (siehe auch ). Tja Pustekuchen, denn so viel sei vorab schon verraten, es geht auch in den kommenden Tagen mild weiter.

DWD Wo ist der Winter

 

Ein Blick über die Ländergrenzen hinaus verrät, dass hochwinterliche Luftmassen in Europa derzeit so gut wie gar nicht anzutreffen sind. Über Teilen Skandinaviens liegt anfangs noch eine seichte Kaltluftschicht (Tiefstwerte vergangenen Nacht in Mittelschweden teils unter -20 Grad). Diese wird aber in den nächsten Stunden durch die sich zu einem gewaltigen Orkantief aufplusternde „MARGRIT“ mit Spitzenböen an der Norwegischen Küste über 150 km/h, lokal sogar bis an die 200 km/h, ausgeräumt und durch mildere Meeresluft ersetzt. Auch in Russland muss man schon Richtung Sibirien wechseln, um für Ende Januar angemessene Temperaturen im deutlich zweistelligen Minusbereich zu finden.
Die Abbildung 1 zeigt eindrücklich, dass am morgigen Donnerstag nahezu europaweit positive Höchsttemperaturen zu erwarten sind. Im portugiesischen Lissabon steigt das Quecksilber gar auf frühsommerliche 22 Grad. Das ist dort klimatologisch betrachtet eher Ende April/Anfang Mai zu erwarten. Aktuell müsste man eher von rund 15 Grad ausgehen. Selbst in Skandinavien und Russland, wo aktuell in weiten Teilen noch reichlich Schnee liegt (siehe Abbildung 2), setzt flächendeckendes Tauwetter ein. Woher soll’s also kommen?

DWD Wo ist der Winter 1

Bei uns werden die kommenden Tage durch eine Hochdruckrandlage bestimmt. So etabliert sich über der Biskaya zwar das kräftige Hoch FRANK, es beschert aber lediglich dem äußersten Süden Deutschlands freundliches und trockenes Wetter. Sonst fließt mit einer westlichen Strömung am Nordrand des Hochs doch sehr feuchte Atlantikluft in weite Landesteile, die vielfach zu trübem Wetter mit zeitweiligem Nieselregen führt. Letztlich also mehr Herbst- als Winterfeeling. Auch bei den Temperaturen tut sich vorerst wenig, selbst die Nächte bleiben weitestgehend frostfrei.

DWD Wo ist der Winter

Gibt es nun noch Hoffnung für die Winterfans? Bis etwa Mitte Februar stehen die Zeichen erst mal auf mild. Allenfalls Richtung Ostseeküste könnte aus Skandinavien vorübergehend mal ein Schwall kälterer Luft zu uns gelangen, wobei selbst das kaum durchweg für Schnee und Frost reichen dürfte. Aber, und das ist ein Hoffnungsschimmer, zumindest ausgehend von Lappland und Nordwestrussland kann sich die Kaltluft allmählich regenerieren und wieder etwas Boden nach Süden gutmachen. Ob sich im Anschluss erste zarte Anzeichen für ein (vorerst letztes?) Wintercomeback verfestigen, wird sich in den nächsten Tagen konkretisieren. Es wäre gerade noch rechtzeitig, bevor der Sonnenstand mit rasch ansteigendem Einfallswinkel gerade tagsüber jedwede Winterfreude ruck zuck zunichtemacht. Im März oder gar April braucht das schließlich kein Mensch mehr, oder?

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jahresvorausschau 2023 – Ein Rückblick

Sturmtief JITKA hat Deutschland am heutigen Mittwoch fest im Griff. Was es mit JITKA auf sich hat, wurde im gestrigen Thema des Tages bereits detailliert beschrieben und am morgigen Donnerstag wird es an dieser Stelle eine Nachlese zu diesem Sturm geben.

Wir sitzen heute also gewissermaßen zwischen den Stühlen und möchten daher ein ganz anderes Thema aufgreifen. Wie Sie wahrscheinlich wissen, gibt es in dieser Rubrik seit einigen Jahren zum Jahresende eine humoristisch „angehauchte“ Vorausschau auf das neue Jahr. Im Nachgang wirklich unter die Lupe genommen, wurden diese „Prognosen“ allerdings noch nie. Das wird sich jetzt ändern! Gehen wir doch das letzte Jahr einfach mal Monat für Monat durch und schauen, ob wirklich alles Kokolores war oder sich nicht doch ein Glückstreffer eingeschlichen hat 😉
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Januar 2023:
Nach einem sehr milden Jahresstart kommt der Winter zum Ende des Monats mit voller Wucht zurück! Weite Teile des Landes sind in ein weißes Kleid gehüllt.

Gar nicht mal so schlecht! Nach verbreitet 14 bis knapp 20 Grad an Neujahr stellte das Wetter in der zweiten Monatshälfte tatsächlich auf Winter um. Vor allem in der Mitte und im Süden gab es dann immer wieder mal Dauerfrost und am Morgen des 22.1. lag dort sogar recht verbreitet Schnee oder zumindest Schneepampe. Ob das jetzt unter „voller Wucht“ läuft…naja.
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Februar 2023:
Massives Tauwetter bei der Biathlon-WM in Oberhof. Das deutsche Team versucht mit dem Umstieg auf Wasserski die bis dato norwegische Dominanz zu brechen.

Lagen zu Beginn der WM am 6.2. noch 20 bis 40 cm Schnee in den Hochlagen des Thüringer Walds, meldete zum Ende am 19.2. die Schmücke gerade mal noch 12 cm und die übrigen Stationen so gut wie gar nichts mehr – Haken hinter Tauwetter! Ein Materialwechsel des deutschen Teams ist dagegen nicht überliefert, dagegen die zumindest bei den Männern ungebrochene Dominanz der norwegischen Biathleten.
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März 2023:
Nach intensiven Wartungsarbeiten an der Wetterstation in Lingen wird diese wieder ins Messnetz des DWD integriert.

Kurzum: Fehlschuss! Der alte Standort wurde durch Lingen-Baccum endgültig ersetzt.
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April 2023:
„Dem Osterhase schmelzen die Eier weg!“, titelt ein großes deutsches Boulevardblatt. Bei Sonne pur und Höchstwerten bis 27 Grad zu den Feiertagen ist Schokolade aber vielleicht wirklich nicht die beste Wahl für’s Osternest.

17,1 Grad am Ostersonntag und 20,7 Grad am Ostermontag lautete der deutschlandweite Temperaturhöchstwert. Mancherorts verblieb die Temperatur sogar im einstelligen Bereich. Der Familienplanung des Osterhasen setzte das Wetter also kein jähes Ende.
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Mai 2023:
Charles III wird in der Westminster Abbey zum König gekrönt. Hoch QUEENIE sorgt für Kaiserwetter.

Das wär’s gewesen! Viel hat nicht gefehlt, QUEENIE verschwand allerdings schon Ende April von der Wetterkarte. Am 6.5. lag England dagegen im Einflussbereich eines Tiefdruckkomplexes um XAVER und YANNIS. Die Folge: Grauer Himmel und Regen bei bis zu 15 Grad… Kaiserwetter sieht anders aus!
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Juni 2023:
Gemäß dem Motto: „Was die FIFA kann, können wir schon lang!“ vergibt das IOC die Olympischen Winterspiele 2030 nach…Kairo. Der Schnee wird aus den Skigebieten Saudi-Arabiens geliefert.

Die Vergabe erfolgt wohl erst im Laufe dieses Jahres – der Punkt bleibt also offen! 😉
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Juli 2023:
Neuer Temperaturrekord in Deutschland! 42,6 Grad, gemessen in … ohoh … Lingen. Die Station wird darauf hin vorsorglich wieder aus dem Messnetz entfernt und in ein Museum für Messtechnik umgewandelt.

Weder einen neuen Deutschlandrekord, noch ein neues Museum für Messtechnik brachte 2023 hervor. Heiß wurde es im Juli aber trotzdem mit einem Spitzenwert von 38,8 Grad in Möhrendorf-Kleinseebach.
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August 2023:
Tornado-Outbreak in Deutschland! Das Cellbroadcasting wird das erste Mal operationell eingesetzt und funktioniert sogar. Vielleicht waren die zum Teil massiven Schäden auch gerade deshalb zum Glück rein materieller Natur.

Tatsächlich kam das Cellbroadcasting hin und wieder zum Einsatz, auch Tornados gab es einige (Stand heute: 29). Einen Outbreak wie zum Beispiel 2022 gab es allerdings zum Glück nicht.
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September 2023:
Schneeregen zum Wiesnstart in München! Keine Chance für die „Alkoholübersättigten“ bei den rutschigen Bedingungen den Westhügel (meist auch als „Kotzhügel“ bekannt) zu erklimmen.

„Die Fundsachen werden dominiert von Sonnenbrillen statt Regenschirmen“ konnte man in der Zeitung lesen. Das sagt schon alles. Meist traumhaftes Spätsommerwetter bei Höchstwerten von zum Teil über 25 Grad. Auf das Wetter kann man eine misslungene Besteigung des „Kotzhügels“ wahrhaftig nicht schieben.
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Oktober 2023:
Ringförmige Sonnenfinsternis in Teilen Amerikas am 14. Oktober! Atemberaubende Bilder erreichen uns dabei von Fischern auf dem Golf von Mexiko im wolkenlosen Auge von Hurrikan MARGOT.

MARGOT war zwar tatsächlich ein Hurrikan (Kat.1), aber bereits im September unterwegs und zwar mitten über dem Atlantik, weit weg vom Golf von Mexiko. Ein wolkenloses Auge über dem Golf entwickelte dagegen Kat.4-Hurrikan IDALIA Ende August, Fotos davon von einem Boot aus wird es aber wohl keine geben.
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November 2023:
Sturmtief VICCO fegt am 12. November über Deutschland hinweg – „passend“ zu Loriots 100. Geburtstag. Die Medienwelt vergibt den Beinamen HEINZELMANN und titelt: „Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur…“.

Am 12.11.2023 befanden wir uns tatsächlich mal unter schwachem Zwischenhocheinfluss in der ansonsten sehr tiefdruckgeprägten Zeit. Zu den „blasenden Heinzelmännern“ zählten in den folgenden fünf Tagen JASPER, KNUD und LINUS.
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Dezember 2023:
Mildester Dezember seit Aufzeichnungsbeginn! Die Weihnachtsmänner fluchen unter ihren dicken Anzügen und hoffen auf bessere Zeiten…

Der mildeste Dezember war es zwar nicht, aber „immerhin“ unter den Top 10 seit 1881. An Heilig Abend und den beiden Weihnachtsfeiertagen gab es aber vielfach zweistellige Höchstwerte. In Piding im Berchtesgadener Land wurden am 24. und 25.12. sogar knapp 17 Grad erreicht! Dass sich da der ein oder andere Weihnachtsmann über seinen dicken Anzug beschwert hat, ist also durchaus im Bereich des Möglichen 😉
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Fazit: Der ein oder andere Randtreffer war zwar dabei, die Fehlschüsse liegen aber deutlich in der Überzahl. Mal sehen, wie 2024 läuft 😉

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Turbulente Zeiten

Mit kräftigen Schneefällen und teils neuen Dezemberrekorden. So startete der meteorologische Winter 2023/24. Verantwortlich hierfür war eine Luftmassengrenze, die sich in den äußersten Süden hereinschob und auf der Nordseite im Alpenvorland ergiebige Schneefälle brachte. Selbst in München fiel dabei insgesamt fast ein halber Meter Schnee. Darauf folgte eine ausgeprägte Westwetterlage mit deutlich ansteigenden Temperaturen und Tauwetter, sodass die dicke Schneedecke schon bald wieder Geschichte war. Zudem kam es immer wieder zu kräftigen Niederschlägen, die bis in die Hochlagen meist als Regen fielen.

Eine besonders brisante Wetterlage stellte sich dann zu Weihnachten und zum Jahreswechsel ein. In einer strammen nordwestlichen Strömung zogen immer wieder Tiefausläufer mit ihren Niederschlagsfeldern über Deutschland. Dabei traten vor allem in den Nordweststaulagen der Mittelgebirge ergiebige Niederschläge auf. Dort kamen innerhalb von wenigen Tagen teils deutlich über 100 Liter pro Quadratmeter zusammen. Auch aufgrund der nassen Vorgeschichte stellte sich daraufhin eine größere Hochwasserlage ein. Vor allem die nordwestlichen Landesteile entlang der Weser und örtlich in den zentralen Mittelgebirgen waren davon besonders betroffen. Örtlich gab es sogar ein hundertjähriges Hochwasserereignis.

Auch im neuen Jahr scheint sich das Wetter nicht so richtig beruhigen zu wollen. Ganz im Gegenteil! Am heutigen Mittwoch stellt sich in Verbindung mit einer Luftmassengrenze erneut gebietsweise eine äußerst brisante Wetterlage ein. Vor allem in einem Streifen vom Hunsrück über das Rhein-Main-Gebiet bis zum Spessart muss in Folge von länger anhaltendem gefrierendem Regen mit extremem Glatteis und erheblichen Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr gerechnet werden. Zudem treten nördlich angrenzend von der Eifel bis zum Thüringer Wald kräftige Schneefälle mit Mengen von 15 bis 30 cm innerhalb 12 bis 24 Stunden auf, in einigen Weststaulagen lokal auch bis zu 40 cm. Aktuelle Informationen dazu finden Sie jederzeit auf unserer  oder in der Warn-Wetter-App.

DWD Turbulente Zeiten

Wie sieht die Entwicklung in den nächsten Tagen aus?
In der kommenden Nacht verlagert sich die Luftmassengrenze allmählich in den Süden zurück, sodass von Nordwesten die Niederschläge entlang des Mains und südlich davon im Verlauf allmählich in Schnee übergehen. Spätestens bis zum Donnerstagabend erwartet uns dann allgemein eine deutliche Entspannung. Dann treten nur noch im äußersten Süden in Alpennähe Schneefälle auf. Ansonsten setzt sich zum Wochenende ruhiges Hochdruckwetter durch. Nur noch vereinzelt treten kurze Schneeschauer auf. Interessanter wird es aber bereits wieder in der kommenden Woche. Denn dann stellt sich die Wetterlage nach derzeitigem Stand um. Es deutet sich eine zyklonale Westlage an. Dabei erwartet uns zumindest vorübergehend eine deutliche Milderung, neue Niederschläge und viel Wind. Auch die Sturmgefahr steigt dann wieder an. Somit wird die Ruhe beim Wetter nur für kurze Zeit sein. Möglicherweise ist das auch nur die Ruhe vor dem Sturm.

DWD Turbulente Zeiten 1

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Steigende Hochwassergefahr

In der vergangenen Woche haben wir mehrfach darüber berichtet, dass es nun milder und nasser wird. Teils fällt länger anhaltender und kräftiger Regen. Mit Regen und Tauwetter steigt die Gefahr von Hochwasser an Bächen und Flüssen.
Grund für die Milderung sind Tiefdruckgebiete über den Britischen Inseln und dem Nordatlantik, die auf ihrer Südseite milde Luft anzapfen und mit südwestlichem Wind auch nach Deutschland führen. Die milde Luft kann bei ihrem Weg über den Atlantik viel Feuchtigkeit aufnehmen. Diese kondensiert und schlägt sich als Regen nieder. Da es sich nicht nur um ein Tiefdruckgebiet handelt, sondern um einen ganzen Komplex mit mehreren Zentren, die sich gegenseitig stützen und aktivieren, ziehen in kurzer Zeit mehrere Frontensysteme ostwärts über uns hinweg. Sie bringen immer wieder kräftigen Niederschlag, der bis in höhere Lagen als Regen niedergeht. Die Schneefallgrenze steigt in den kommenden Tagen verbreitet über 1000 Meter, in den Alpen sogar bis auf 2000 Meter.

DWD Steigende Hochwassergefahr

Die akkumulierte Niederschlagsmenge beläuft sich in einem 72-stündigen Zeitraum von heute (Samstagmorgen) bis Dienstagmorgen im Westen und Süden auf verbreitet 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter. Im Stau der Mittelgebirge und an den Alpen sind teils mehr als 40 und bis zu 80 Liter möglich. Zwischen den Niederschlagsphasen ergeben sich auch längere trockene Abschnitte, sodass ein erheblicher Teil des Niederschlags in kurzer Zeit fallen kann. Nach Osten und Norden hin werden die Niederschlagsmengen geringer, trocken bleibt es aber nirgends.

Da in den höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen noch reichlich Schnee liegt, ist durch ein Abschmelzen der Schneedecke mit einem zusätzlichen und teils erheblichen Wassereintrage in Bäche und Flüsse zu rechnen.

DWD Steigende Hochwassergefahr 1

Vor allem im Süden Deutschlands werden ab Montag hohe Pegelstände erwartet. Die Hochwasserzentralen der Länder haben bereits auf den erwarteten Niederschlag und den Beitrag durch Schmelzwasser reagiert und gebietsweise Warnungen ausgegeben.

DWD Steigende Hochwassergefahr 2

Bereits von heute Nachmittag und Abend bis zum morgigen Sonntagmittag kommt es im Schwarzwald und Allgäu zu länger anhaltenden und kräftigen Niederschlägen, allerdings schwankt die Schneefallgrenze noch zwischen 1000 und 1400 Metern, sodass im höheren Bergland die feste Phase überwiegen kann und ein Teil des Niederschlags noch einmal in Schnee gebunden wird.

DWD Steigende Hochwassergefahr

Ab Sonntag steigt die Schneefallgrenze aber signifikant an und verbleibt dann auch in höheren Lagen, sodass großflächiges Tauwetter einsetzt. Bevorzugt in den südlichen Regionen Deutschlands, aber auch in den Mittelgebirgen steigt die Hochwassergefahr.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Kälte auf Rückzug. Tauwetter ist angesagt

Im heutigen Thema des Tages werden die bevorstehende Tauwetterlage und die möglichen Folgen sowie ein Ausblick erläutert.