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Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

Das heutige Thema des Tages blickt in die Nachbarschaft der Meteorologie: die Ozeanographie. Zu den eindrucksvollsten Phänomenen, die das Meer einem Betrachter an der Küste bietet, gehören Ebbe und Flut. Diese Änderung des Wasserstandes zeigt sich auch an der Nordseeküste (und in subtiler Variante auch an der Ostsee). Neben astronomischen Ursachen ist auch die Wetterlage verantwortlich dafür, wie stark die Gezeiten ausfallen. Der Deutsche Wetterdienst am Standort Hamburg berät hierbei den Windstaudienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Windprognosen, welche dort in die Berechnung der Pegelstände an deutschen Küsten eingehen. Jedoch treten nicht an allen Punkten der Nordsee täglich Hoch- und Niedrigwasser auf. Es gibt drei Punkte, an denen der Wasserstand gleich bleibt, die sogenannten amphidromischen Punkte.

Vergleicht man den Zeitpunkt des Eintreffens eines Hochwassers an der deutschen Nordseeküste, stellt man fest, dass die Flut auf Borkum zu einem anderen Zeitpunkt eintrifft als in Cuxhaven oder Westerland. Dasselbe gilt für das Niedrigwasser, die Ebbe. Warum ist das so? Gezeiten entstehen durch gravitative Anziehung von Sonne und Mond, die jedoch nicht gleichmäßig auf die Erde einwirken, sondern auf der jeweils zugewandten Seite etwas stärker und auf der jeweils abgewandten Seite etwas schwächer ausfallen. Die Unterschiede wirken nach beiden Seiten, wobei diejenigen in und entgegengesetzt zur Mondrichtung etwa doppelt so stark ausfallen wie die in und entgegengesetzt zur Sonnenrichtung. Beobachtet man das Ganze von einem festen Punkt auf der Erde, bspw. von Cuxhaven aus, wird dieser Einfluss mit der täglichen Erdrotation ein periodischer Vorgang, der sich zweimal jeden Tag wiederholt. Da sich der Mond zusätzlich einmal im Monat um die Erde dreht, ist dessen periodischer Einfluss rund 20 bis 30 Minuten länger. Je nach Winkel zwischen Mond- und Sonnenrichtung addieren sich die Wirkungen des dominierenden Mondes und der Sonne. Mit der um die Erdachse rotierenden Streckung der Erde hebt und senkt sich die Oberfläche periodisch. Zwischen den Punkten stärkster Hebung und Senkung der Erde werden horizontale Komponenten der Gezeitenkräfte angeregt, die die stärkste Ursache der Gezeitenströmungen in den Tiefen des Ozeans ausmachen. Diese werden durch die Kontinente und die Corioliskraft beeinflusst. So gibt es Küstenabschnitte mit größeren und kleineren sich ändernden periodischen Wasserständen (Tiden), die bei günstiger Stellung des Mondes (bei Voll- und Neumond) zur Sonne auf einer Linie eine besonders große Tide, die Springtide, und bei rechtwinkliger Stellung von Sonne und Mond (bei Halbmond) eine besonders kleine Tide, die Nipptide hervorrufen.

Unterschiedliche Verteilungen der Landmassen auf dem Globus verhindern eine gleichmäßige Bewegung der Tidenwellen um die gesamte Weltkugel, so dass sich in einzelnen Meeresbecken eine oder mehrere stehende Wellen bilden, die durch die Corioliskraft in Rotation gesetzt werden.

Die Nordsee selbst ist als Randmeer zu klein und flach für die Ausbildung eigener Gezeitenwellen. Die Gezeiten werden durch eindringende Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst. Sie laufen vom nordwestlichen Teil der Nordsee an der schottischen und englischen Ostküste südwärts Richtung Straße von Dover. Von dort, vom Südwestteil der Nordsee, werden sie von zur deutschen Nordseeküste ostwärts und weiter zur dänischen Westküste nordwärts gelenkt, wo sie im Skagerrak auslaufen. Dadurch, dass auch Gezeitenanteile durch den Englischen Kanal in die Nordsee einlaufen können und die oben erwähnten Gezeitenwellen hier um einen amphidromischen Punkt (siehe unten) laufen, sind die Gezeiten in den Niederlanden teilweise gesplittet, so dass mehrere kleinere Hoch- oder Niedrigwasser in kürzerer Zeit ablaufen können. Typische Gezeitenunterschiede im Bereich der deutschen Nordseeküste liegen bei 2,5 bis 4 Metern, der größte Tidenhub an der Nordsee zeigt sich im Mündungstrichter The Wash in Ostengland mit 6,8 Metern.

Die Ostsee als ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist im Vergleich zur Nordsee noch flacher und ihre Verbindung zum Atlantik noch mehr begrenzt. Dementsprechend wirken gravitative Kräfte durch Mond und Sonne weit moderater, so dass typische Änderungen der Wasserstandshöhen hier bei 10 bis 30 Zentimetern liegen. Meteorologische Einflüsse auf Wasserstandsschwankungen sind von größerer Bedeutung: Starkwind kann den Wasserstand um einige Dezimeter anheben oder senken, Luftdruckunterschiede beeinflussen die Wasserhöhe, entsprechende Windrichtungen sorgen für eine Änderung der Wasserverteilung und saisonale Temperaturschwankungen wirken sich auf die Höhe des Wasserstandes aus. Letztere sind durch die Jahreszeiten geprägt: Im Sommer herrschen vorwiegend ruhige Bedingungen, im Herbst und Winter können Sturmtiefs für erhöhte Wasserstände sorgen. Bedeutender sind jedoch windbedingte Veränderungen: Bei anhaltend starkem Nordostwind wird das Wasser der Ostsee im Bereich der deutschen Küste gestaut, was für anhaltenden höheren Wasserstand sorgt. Im umgekehrten Fall sorgen dort anhaltende starke Südwestwinde für niedrigere Wasserstände.

Im Bereich der Nordsee wirken Starkwinde mitunter additiv auf Hoch- oder Niedrigwasser. Besonders die Kombination aus Flut und anhaltendem stürmischem Nordwestwind sorgt für höhere Pegelstände, während längerer stürmischer Südostwind bei Ebbe stärkeres Niedrigwasser an der Nordsee bedeutet.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 1

Hochwasser und Niedrigwasser am Nikolaifleet (Deichstraße) in Hamburg, Quelle: BSH

Vor diesem Hintergrund versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen des Seewetterdienstes am Standort Hamburg das Kollegium im Bereich des Windstau- und Sturmflutwarndienstes des BSH mit Windprognosen für die deutschen Küsten, die zu Hoch- und Niedrigwasserterminen in die Berechnungen der Pegelstände einfließen. Für die Nordsee wird im Routinefall hierfür viermal täglich das BSH beraten, für die Ostsee erfolgt zweimal wöchentlich eine Beratung, die dann mehrere Vorhersagetage abdeckt. Im Bedarfsfall, beispielsweise bei einer Sturmflut, wird die Beratung intensiviert und die Häufigkeit erhöht, um die Vorhersage der höchsten Pegelstände der Sturmflut zu optimieren. In einem solchen Fall ist die Ausgabe und nachfolgende Kommunikation von Sturmflutwarnungen durch das BSH wahrscheinlich. Der Deutsche Wetterdienst übernimmt diese Warnungen bei der Kommunikation der Sturm-Wetterlage. Erreicht an der Nordseeküste eine Tide eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, spricht man von einer Sturmflut. Eine schwere Sturmflut hat eine Höhe von 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, noch höhere Fluten bezeichnet man als sehr schwere Sturmflut. Beträgt der Wasserstand an der Ostsee 1 bis 1,24 Meter über Normalhöhennull, tritt dort eine leichte Sturmflut auf, bei 1,25 bis 1,49 Meter über Normalhöhennull eine mittlere Sturmflut, bei 1,5 bis 1,99 Meter über Normalhöhennull eine schwere Sturmflut und bei höherem Hochwasser eine sehr schwere Sturmflut.

Nicht in allen Gebieten der Nordsee ändert sich der Wasserstand täglich. Die oben angesprochene Rotation stehender Wellen durch die Corioliskraft in Meeresbecken um einen Punkt herum wird als Amphidromie bezeichnet. An diesen Punkten treffen alle Phasenlinien einer schwingenden Wasserstandshöhe (gleiche zeitliche Phase desselben Wasserstandes, also auch die Linien mit Ebbe (Schwingungstal) oder Flut (Schwingungsberg) zur selben Zeit) zusammen. Damit treten Hoch- und Niedrigwasser zusammen auf, was Schwingungen aufhebt und zu einem permanent konstanten Wasserstand führt. In der Nordsee findet man drei solcher amphidromischen Punkte: einer im Südwestteil der Nordsee zwischen East Anglia (Ostanglien) und Holland, einer im östlichen Zentralteil der Nordsee in der Mitte der Jütlandbank zwischen Nordengland und Jütland sowie einer im Nordostteil der Nordsee vor der norwegischen Küste bei Stavanger.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 2

Amphidromiezentren in der Nordsee und Tidenzeiten nach Bergen/Norwegen

Auf den Weltmeeren findet man drei solcher amphidromischen Punkte im Bereich des Indischen Ozeans, sechs sind im Pazifik, vier außerhalb der Nordsee im Atlantik und zwei im Bereich des Südlichen Ozeans.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 3

Gezeiten als in den Weltmeeren umlaufende Wellen, Phasenlinien und amphidromische Punkte

Im Gegensatz zu diesen Punkten, wo es kein Hoch- und Niedrigwasser gibt, findet sich der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der größte Tidenhub, mit 13 Metern an der Bay of Fundy zwischen Nova Scotia (Neuschottland) und New Brunswick (Neubraunschweig) vor dem Ostteil Kanadas. Bei Springflut sind es sogar 16 Meter.

Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Aprilwetter – der März übt schon mal

Tiefdruckgebiete dirigieren das Wettergeschehen und schicken uns auf eine meteorologische Berg- und Talfahrt in Mitteleuropa. Am heutigen Samstag liegt eine Kaltfront von Südwest nach Nordost quer über Deutschland. Sie trennt milde Luft im Osten von polarer Meeresluft im Westen. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die meist als Regen, an den Alpen und in höheren Lagen der westdeutschen Mittelgebirge aber auch als Schnee fallen. Länger trocken und zeitweise freundlich ist es im Südosten des Landes. Im Osten und Südosten wird es mit 12 bis 18 Grad auch am mildesten. Der Westen muss sich mit mageren 4 bis 8 Grad begnügen.

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Nutzerbilder vom Morgen des 14.03.2026 aus dem westdeutschen Bergland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Rollentausch am Sonntag, Westen im Vorteil

Am Sonntag wendet sich das Blatt. Im Westen scheint nach Abzug der Front zeitweise die Sonne und es bleibt meist trocken. Im Osten und Südosten sorgt die Kaltfront dagegen für viele Wolken und hier und da auch für etwas Regen, in höheren Lagen Schnee. Das Temperaturgefälle dreht sich um: mit 8 bis 12 Grad wird es im Westen am mildesten, im Osten und Südosten werden nur noch 6 bis 10 Grad erreicht.

Ruppige Böen und schnelle Schauer: Das Wetter-Karussell nimmt Fahrt auf

Zum Wochenbeginn stattet uns der April einen Besuch ab, zumindest was das Wettergeschehen angeht. In rascher Folge ziehen Schauer und örtliche Gewitter von West nach Ost über Deutschland hinweg. Örtlich mischt sich Graupel unter den Niederschlag. Zwischen den Schauern zeigt sich häufig, aber nur kurz die Sonne. Maximal werden 6 bis 11 Grad erreicht. Der westliche bis südwestliche Wind frischt vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark auf, im Bergland gibt es Sturmböen.

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Bodendruck und Bodenfronten von Sonntag, 15.03. bis Dienstag, 17.03. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Belohnung nach dem Schauer-Marathon

Am Dienstag setzt Wetterberuhigung ein. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss lassen die Niederschläge meist nach und die Sonne zeigt sich häufiger. Mit Höchstwerten zwischen 9 und 14 Grad wird es wieder milder als zuletzt.

Das Karussell dreht sich weiter, nimmt aber zur Wochenmitte deutlich Fahrt in Richtung Frühling auf. Wer den Montag übersteht, wird mit milden Aussichten belohnt. Vor allem im Westen werden dann wieder häufiger 15 Grad und mehr erreicht.

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Prognostizierte Höchst- und Tiefsttemperatur von Samstag bis Dienstag (14.-17.03.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten!

Nachdem über Weihnachten verbreitet trockenes und kaltes Wetter vorherrschend war, kommt nun der Winter richtig auf Touren und zeigt weitere Facetten. Möglich macht dies eine recht stabile Hochdruckzone von Grönland über den Nordostatlantik bis nach Frankreich und die Iberische Halbinsel, in welcher die Hochs JASMIN westlich von Island und KAREN über Irland das Zepter schwingen. Atlantische Tiefdruckgebiete mit milder Luft werden somit blockiert und müssen weiter nach Süden ausweichen. Gleichzeitig kann sich über Skandinavien ein Tiefdruckkomplex bilden, der wiederholt Randtiefs mit der nordwestlichen Strömung vom Nordmeer über die Nordsee nach Mitteleuropa schickt. Das Tief SANDRO über der westlichen Ostsee sorgt schließlich heute mit seinen Ausläufern für den Start in eine unbeständige und nasskalte Witterungsperiode.

Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten

Aktuelle Wetterlage über Europa mit Hoch von Grönland bis Spanien und Tiefs über Skandinavien und Teilen Mitteleuropas.

Zum Jahreswechsel ist Deutschland zweigeteilt. Von der Nordsee und Schleswig-Holstein bis ins südliche Niedersachsen, dem Thüringer Wald und nach Sachsen soll es etwas regnen, im Bergland schneien. Von der Rhön, dem Thüringer Wald und dem Erzgebirge bis nach Südostbayern ist etwas Schnee möglich. Südwestlich einer Linie Niederrhein-Odenwald-Werdenfelser Land bleibt es weitgehend trocken. Einen freien Blick auf den Sternenhimmel wird es aber wohl nur von den Vogesen bis zum Werdenfelser Land geben. In der Südwesthälfte spielt auch der Wind kaum eine Rolle und weht meist nur schwach bis mäßig. Vor allem in höheren Lagen der Mittelgebirge sowie im Nordseeumfeld könnte der Start von Raketen durch einen in Böen starken bis stürmischen Wind aber gefährliche Auswirkungen haben. Auch sonst weht der Wind von der Nordsee bis in den Südosten spürbar und teils böig. Bei den Temperaturen ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen. Während die Bürger auf den Nordseeinseln bei etwas Regen und rund 6 bis 7 Grad mit Regenjacke in das neue Jahr tanzen, brauchen die Bürger im Südwesten z.B. in Freiburg, Ravensburg oder Kempten bei klarem Himmel und Absinken der Werte auf -6 bis -10 Grad schon Mütze, Handschuhe und eine sehr dicke Jacke und beim Anstoßen. In der Hansestadt Hamburg wird es feucht und bei Werten um 5 Grad vergleichsweise mild, in Berlin scheint bei etwas Regen oder Sprühregen und rund 2 bis 3 Grad nasskalte Bedingungen Trumpf und in München könnten bei um -3 Grad ein paar Flocken wirbeln. In den westlichen und südwestlichen Metropolen bleibt es bei vielen Wolken meist trocken. Während es die Temperaturen in Köln, Düsseldorf und Frankfurt wahrscheinlich noch knapp über den Gefrierpunkt schaffen (0 bis +2 Grad), soll es in Nürnberg, Karlsruhe und Saarbrücken bei -1 bis -3 Grad frostig werden, in Stuttgart muss man sich bei rund -4 Grad noch etwas dicker einpacken.

Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten 2

Prognostizierte Temperaturen des ICON6 Modells für Deutschland zum Jahreswechsel um 0 Uhr.

Im letzten Jahr (Jahreswechsel 2024/2025) gab es von den Temperaturen her ebenfalls ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Jedoch gab es dort im Bergland analog zur Nordhälfte positive Werte. Ansonsten wurden an der Nordsee um 7 Grad erreicht. Von NRW bis nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern lagen die Temperaturen meist zwischen 0 und +5 Grad. Von Rheinland-Pfalz und dem Saarland über Hessen und Thüringen hinweg bis zum Erzgebirge rutschten die Werte in den leichten Frostbereich von 0 bis -3 Grad. In Bayern und Baden-Württemberg lag die Temperatur abgesehen von den schon aufgeführten Ausnahmen meist zwischen-1 und -6 Grad. Diese Temperaturverteilung spiegelt sich auch in den deutschen Großstädten wider. In der Hauptstadt Berlin und der Rheinmetropole Köln wurden um 2 Grad gemessen. In der bayerischen Landeshauptstadt lagen die Werte um -2 Grad. Im Rhein-Main-Gebiet pendelten sich die Tiefstwerte zum Jahreswechsel auf um 0 Grad ein. In Freiburg zeigten die Messgeräte rund +2 Grad und in Saarbrücken um -1 Grad an. Im Hamburger Umfeld wurden um 5 Grad beobachtet.

Liebhaber eines sehr frostigen und weitgehend trockenen Jahreswechsels sollten sich in diesem Jahr mit Fokus auf Europa in den Norden von Schweden und Finnland aufhalten. Dort sind bei wenigen Flocken um Mitternacht -15 bis -25 Grad zu erwarten. Mit Werten zwischen -4 und -14 Grad kommt da das Baltikum etwas milder daher. Allerdings könnte es dort auch etwas schneien. Frostig und meist trocken bei teils klarem Himmel soll es bei Werten von -2 und -12 Grad auch im Alpenraum, auf dem Balkan und in Ostfrankreich zugehen. Von den Britischen Inseln und Nordwestfrankreich über die Nordhälfte Deutschlands hinweg bis nach Westpolen, Tschechien und Südschweden stehen zum Jahreswechsel Temperaturen zwischen -2 und +5 Grad auf der Agenda. Dabei kann es von Südschweden über die Nordosthälfte Deutschlands hinweg sowie in Teilen Polen und Tschechiens etwas regnen oder schneien. Auch in Südeuropa wärmt allenfalls das Mittelmeer und hievt die Temperaturen im Küstenumfeld auf 8 bis 15 Grad. Im spanischen, italienischen und griechischen Binnenland sinken die Temperaturen in der Silvesternacht auch um den Gefrierpunkt.

Weltweit gesehen wären auch Kanada, der Nordosten der USA, China und der Norden Japans sowie Teile Zentralasiens für einen winterlichen Start ins neue Jahr zu haben. In Kanada werden abseits der Küste fast flächendeckend Temperaturen zwischen -10 und -30 Grad erwartet. In den USA liegen die Temperaturen zwischen rund -20 Grad nördlich der großen Seen und bis +20 Grad nahe Mexiko. Da kommt Florida mit um 10 Grad schon recht kühl daher. Östlich des Urals sowie in Teilen Chinas und der Mongolei fallen im kontinentalen Klima die Werte sogar bis auf -20 bis -40 Grad.

Wer jedoch gerne einmal einen Jahreswechsel unter sommerlichen Bedingungen feiern möchte, hätte sich auf die Südhalbkugel bewegen müssen. Dort ist derzeit Sommer. In Australien sind dabei nächtliche Temperaturen meist zwischen 20 und 30 Grad drin, allenfalls an der Südküste bleibt es mit Werten von 12 bis 20 Grad etwas kühler. Auch in Afrika mit Ausnahme Nordafrikas (10 bis 20 Grad) und in Südamerika feiern die Menschen bei Werten meist über 20 Grad den Jahreswechsel.

Wie geht’s es dann im neuen Jahr mit unserem Wetter weiter? Demnach scheint die aktuelle Wetterlage wie festgetackert. Ein Blick in das Ensemble des ECMWF, also einem Pool von zahlreichen Modellläufen mit leicht abweichenden Startbedingungen, zeigt bis Samstag fast ausschließlich das Wettermuster Nordwest zyklonal. Dies bedeutet, dass eine nordwestliche, von tiefem Luftdruck geprägte Strömung dominant bleibt. Ab Sonntag übernimmt dann die Wetterlage Trog Mitteleuropa die Hauptrolle im Ensemble, wobei nun aber auch die Unsicherheiten steigen. Eine Troglage bedeutet, dass über Mitteleuropa in größeren Höhen tiefer Luftdruck zu verzeichnen ist. Zunächst einmal bedeutet dies weiter eher einen nasskalten Wettercharakter. Allerdings schwächelt in der neuen Woche das Hoch über dem Nordostatlantik allmählich und schiebt sich Richtung Ostatlantik und Westeuropa, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es doch wieder ein atlantisches Tief mit milderer Luft nach Mitteleuropa schafft.

Damit wünsche ich allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026.

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst