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Erst sommerlich, dann regnerisch

Wer gestern Nachmittag im Freien unterwegs gewesen ist, hat oft sommerliches Wetter vorgefunden. Die Temperaturen haben sich nochmal einen Ruck gegeben und es gab durchaus Orte an denen die 30-Grad-Marke erreicht worden ist. Dafür verantwortlich war das Hoch MAREIKE, das diese Erwärmung ermöglicht hat und nun über Südosteuropa liegt. Gleichzeitig befindet sich über dem Atlantik, etwas nordwestlich von Irland der ehemalige Hurrikan „Ex-ERIN“. Zwischen diesen Druckgebilden wird auch heute noch aus Südwesten warme Luft herangetragen. Für die heutigen Tageshöchsttemperaturen bedeutet dies, dass es verbreitet einen Sommertag geben wird, also 25°C erreicht werden. Vereinzelt können es auch 30°C werden. Der äußerste Norden muss sich mit etwas kühleren Temperaturen begnügen. Der Temperaturtrend zeigt aber auch allgemein in den nächsten Tagen nach unten.

Doch darf man nicht außer Acht lassen, dass die einfließende Luftmasse sehr feucht ist. Ihnen ist bestimmt nicht entgangen, dass die letzte Nacht deutlich wärmer war als die am Wochenende. Das hängt damit zusammen, dass die Taupunkte gestiegen sind und es dadurch nicht so stark auskühlen kann.

Zudem sind deutlich mehr Wolken unterwegs und es steht ein regnerischer Wetterabschnitt bevor. Dieser beginnt damit, dass aus Südwesten schauerartige Regenfälle aufziehen. Teilweise sind diese auch gewittriger Natur und gehen einher mit Starkregen, stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel. In der Nacht zum Donnerstag weitet sich diese Gewittertätigkeit bis in die mittleren oder sogar nordöstlichen Landesteile aus. Etwa ab der zweiten Nachthälfte kommt aus Südwesten zusammen mit einer Kaltfront ein weiterer Schwall an Niederschlägen heran. Durch den hohen Feuchtegehalt der Luftmasse ist dann insbesondere im Südwesten Baden-Württembergs mit (mehrstündigem) Starkregen zu rechnen. Das ICON-D2-Ensemble zeigt dort zudem eine Wahrscheinlichkeit (bis zu 30%) für über 35mm Regen in sechs Stunden. Das bedeutet nach den Kriterien des Deutschen Wetterdienstes Unwetter!

Am morgigen Tag kommen das Regenband bis in den Nordosten Deutschlands voran. Schauerartig verstärkte Regenfälle, die teilweise auch mit Gewittern gespickt sind, treten besonders in einer Linie von Baden-Württemberg über Franken, Thüringen, Sachsen-Anhalt bis nach Mecklenburg-Vorpommern auf. Der Fokus liegt dabei sicherlich auf dem Starkregen. Eine gewisse Unwettergefahr besteht diesbezüglich erneut, wobei die genaue Lage der intensivsten Regenfälle noch unsicher ist.

Im Laufe des Abends beziehungsweise in der Nacht zum Freitag wandert der nördliche Teil der, immer noch teils kräftigen, Niederschläge nach Nordosten. Der südliche Teil nach Südosten. Von den Benelux-Ländern, aber auch aus der Schweiz heraus kommen abermals kräftige Niederschläge nach Deutschland herein. Diese ziehen über den Nordwesten beziehungsweise den Süden des Landes.

Erst sommerlich dann regnerisch

Gesamtregenmengen des ICON-D2-Modells von heute, 27.08.2025 11 Uhr bis Freitag, 29.08.2025 8 Uhr

Danach wird es voraussichtlich wechselhaft weitergehen, somit sind die sommerlichen Temperaturen passé. Dafür kann man sich vorerst eher nicht über mangelnde Spannung im Wettergeschehen beklagen! Wem diese nassen Aussichten dennoch nicht reichen, kann einen Blick in die Alpen werfen. Durch die permanente Anströmung der Berge wird die Luft regelrecht „ausgequetscht“ und dabei können in den nächsten Tagen immense Mengen (nach ICON-D2 stellenweise >200mm bis Freitagmorgen) zusammenkommen.

Meteorologe M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2025

 

Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 1

In den letzten Wochen ist der Name „ERIN“ immer wieder in den Themen des Tages aufgetaucht. Anfangs ein tropischer Wirbelsturm, der sogar zeitweise als ein Hurrikan der Stufe 5 kategorisiert worden war, ist er inzwischen bekannt als „Ex-ERIN“. „Ex“, weil er nun nicht mehr tropisch ist. Da stellt sich doch die Frage, woran das festgemacht wird?

Dieser Frage soll im heutigen Thema des Tages mit Hilfe von sogenannten CPS-Diagrammen etwas nachgegangen werden. CPS steht dabei für „Cyclone-Phase-Space“ (zu Deutsch: Zyklonen-Phasenraum). Ein solches Diagramm besteht eigentlich aus zwei einzelnen Diagrammen. Ein Beispiel für den Sturm ALEX aus dem Jahr 2016 ist unten zu finden.

Tropisch oder nicht das ist hier die Frage 1

erstes CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

Um diese Darstellung „lesen“ zu können, muss man wissen, dass sich der Aufbau tropischer und nicht-tropischer Stürme fundamental unterscheidet. Die in unseren Breiten auftretenden Systeme, lassen sich dadurch erkennen, dass sie ein Frontensystem haben. Das heißt uns wohl bekannte Kalt- und Warm- (und Okklusions-)fronten sprießen aus dem Tief heraus. Ihr Aufbau ist dementsprechend stark geprägt von asymmetrischen, warmen und kalten, Bereichen, die um den Tiefkern herumwandern. Und da wären wir direkt beim nächsten Merkmal: Dem Kern. Das Gebiet mit dem niedrigsten Bodendruck wird Kern genannt. Die dort herrschende Temperatur ist in solch einem System geringer als drumherum.

Im Kontrast dazu stehen die tropischen Eigenschaften. Diese zeichnen sich durch eine hohe „Rotationssymmetrie“ aus. Das heißt, sie haben einen kreisrunden Aufbau um das Zentrum herum, in dem sich das sogenannte „Auge“ des Sturms befindet. Zugleich besitzen tropische Wirbelstürme einen warmen Kern.
Zurück zu unserem CPS-Diagramm (Bild 1). Auf der y-Achse befindet sich der B-Parameter. Allgemein beschreibt er das Maß an Asymmetrie, das das System besitzt. Je höher dieser Wert, desto frontaler ist der Aufbau. Auf der x-Achse befindet sich ein Parameter, der angibt, wie warm der Kern in der unteren Troposphäre ist. Hier gilt, je kleiner der Wert, desto kälter der Kern.

Mit diesen Informationen, können wir nun vier Bereiche unterscheiden, die durch die breiten grauen Streifen voneinander getrennt sind. Links oben befinden sich asymmetrische Systeme mit kaltem Kern, also unsere außertropischen Zyklone. Rechts unten befinden sich die tropischen Stürme, die einen warmen Kern und einen symmetrischen Aufbau besitzen. Die anderen beiden Bereiche sind Mischformen, sogenannte Hybridzyklonen, die sowohl tropische als auch außertropische Merkmale besitzen.

Das zweite dazugehörige Diagramm (Bild 2) zeigt auf der x- und y-Achse die Temperatur des Kerns. Der Unterschied ist, dass auf der y-Achse die höhere Troposphäre betrachtet wird, auf der x-Achse die untere. Hinter dieser Idee steckt, dass man somit darstellen kann, ob der Sturmkern auch in größerer Höhe stark ausgeprägt ist. Eine erneute Kategorisierung bringt: Rechts oben einen hochreichenden und rechts unten einen nur flachen warmen Kern. Dementsprechend links unten einen hochreichenden und links oben einen flachen kalten Kern.

Tropisch oder nicht das ist hier die Frage 2

zweites CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

Wenn Sie mögen, können Sie nun schon einmal anhand der beiden Diagramme versuchen, den Verlauf der Eigenschaften des Sturms ALEX nachzuvollziehen. Hierbei markiert „A“ den Startzustand in der Nähe von Florida und „Z“ das Ende der Zugbahn südlich von Grönland. Mit dem untenstehenden Link, können Sie sich auch durch den Lebenszyklus klicken. Eine Fortsetzung und Erklärung anhand dieses Sturms wird es aber im Laufe der nächsten Tage geben.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Landgang eines Tropensturms

Wir befinden uns ja aktuell mitten in der Hurrikansaison 2025 und hatten bisher glücklicherweise nur zweimal von einem Landgang zu berichten – Ende Juni traf Tropensturm Barry im Süden von Texas an Land sowie Chantal Anfang Juli im Südosten der USA.

Tropische Stürme sind beeindruckende Energiebündel, die sich meist über den tropischen Meeren bilden und im Zusammenspiel mit warmem Meerwasser, einer nur geringen Zunahme des Windes mit der Höhe (Windscherung) sowie mit einer feuchten Troposphäre innerhalb weniger Tage nicht selten rasant an Kraft zulegen können. Manchmal passieren die heftigsten Intensivierungsschübe innerhalb nur weniger Stunden und lassen die diensthabenden Meteorologen vor Ort gehörig ins Schwitzen kommen. Häufig sind es diese Phasen im Leben eines tropischen Sturms, wo medial (besonders international) noch eher wenig berichtet wird. Meist steigt das Interesse der Medien verständlicherweise deutlich an, sobald sich so ein Tropensturm einer bewohnten Insel oder einer Landmasse nähert.

Nicht nur bei der Intensivierung eines Tropensturms greifen zahlreiche Mechanismen, die sich im ungünstigsten Fall gegenseitig aufschaukeln können und die Rate der Verstärkung diktieren. Auch beim Landgang eines tropischen Sturms wird nicht automatisch (wenigstens zeitnah) eine Abschwächung eingeläutet. Diese Unsicherheiten lassen nicht selten die numerischen Verfahren bzw. die diensthabenden Meteorologen verzweifeln.

Der sicherlich bekannteste Effekt beim Landgang eines Tropensturms ist der sogenannte „brown ocean effect, BOE“, der im Zuge einer NASA Studie aus dem Jahr 2013 seinen Platz in zahlreichen Auswertungen fand. Dieser Effekt beschreibt grob beschrieben eine verzögerte Abschwächung bzw. temporär gar eine erneute Intensivierung über Land. Hierfür muss aber die richtige Bodenbeschaffenheit vorhanden sein, die neben eines sehr hohen Feuchtegehalts auch eine hohe Verdunstungsrate ermöglicht. Letztendlich muss eine anhaltende und kräftige Wolken- und Niederschlagsbildung gewährleistet sein, um den Motor des tropischen Systems auch über Land am Laufen zu halten.

Der Landgang eines Tropensturms 1

Abb 1: Radarbild des ehemaligen Tropensturms ERIN, der sich 2007 über Oklahoma (USA) und somit über Land vorübergehend intensivieren konnte.

Diese Beobachtungen gingen dabei auf Untersuchungen eines tropischen Systems zurück (Tropensturm ERIN), das sich nach der Passage über Texas Mitte August 2007 über Oklahoma plötzlich erneut intensivierte (siehe Abbildung 1). Durch die Interaktion der Reste von Ex-ERIN mit einer außertropischen Störung (einer Kurzwelle), konnte sich Ex-ERIN über Oklahoma vorübergehend deutlich strukturieren. Über mehrere Stunden traten an einigen Stationen anhaltende Winde von Bft 9 bis 10 auf, inklusive einzelner Orkanböen (Bft 12). Noch dramatischer jedoch waren die Zunahme und Intensivierung der hochreichenden Konvektion mit der temporären Ausbildung eines Auges, sodass regional mehr als 200 l/m2 Niederschlag in kurzer Zeit fiel. Dabei sorgte dieser Entwicklungsschub von Ex-ERIN für mehr wetterbedingte Todesopfer als zur Zeit seines Landgangs im Süden von Texas als waschechter Tropensturm.

Etwas versteckt kann so ein Prozess auch in Form eines langlebigen mesoskalig konvektiven Wirbels (engl. Mesoscale convective vortex, MCV) ablaufen, der pulsierend als Rest eines an Land gegangenen Tropensturms besonders ab den Abendstunden regional heftige Niederschläge und teils auch Böen bis weit ins Landesinnere trägt. Das tragische Beispiel eines solchen Ereignisses wurde im Thema des Tages vom 13.07.2025 beschrieben.

Es gibt aber noch einige andere Faktoren, die den Landgang eines Tropensturms nicht selten unberechenbar bzw. schwer vorhersagbar machen.

Der Tropensturm ist ja ein sich rasch drehendes System, bestehend aus sehr schnell um ein Zentrum wirbelnder Winde, die somit ein hohes Maß an Wirbelhaftigkeit bzw. Rotation aufweisen, im engl. unter dem Begriff „Vorticity“ bekannt. Über Wasser, wo das tropische System keine Landmassen oder aber andere meteorologische Faktoren wie Fronten oder Tröge (mit hoher Windscherung) stören, ist so ein Sturm meist durch eine symmetrische, nahezu kreisrunde Verteilung der Vorticity auszumachen. Mittlerweile können sehr hochaufgelöste numerische Simulationen gar diese Vorticity weiter auflösen in unzählige, sich um das Zentrum windende Vorticity-Fragmente und Schlieren. Der Einfachheit halber aber sehen wir den Sturm als eine einheitliche Rotationsmasse an.

Trifft der Sturm nun an Land, so wird natürlich auch erst ein Teil des Sturmes durch die Interaktion mit dem Land negativ bzw. positiv beeinflusst.

Negativ, weil das Windfeld und die begleitende Rotation durch die Interaktion mit der Landmasse in dem Bereich regelrecht fragmentiert bzw. vereinfacht gesagt stark gestört wird. Das hat meist eine Abnahme der Symmetrie und regional auch der intensiven Konvektion zur Folge und kann sich z.B. sehr kurzfristig auf die Verlagerung eines Sturmes auswirken. Fachlich wird das u.a. als „trochoidal motion“ bezeichnet und kann z.B. durch eine asymmetrische Verteilung der Vorticity bzw. der begleitenden intensiven Konvektion hervorgerufen werden (neben weiteren Einflüssen). Bereits kleinste Abweichungen des Zentrums von der vorhergesagten Zugbahn können dabei enormen Einfluss z.B. auf Evakuierungszonen haben. Auch das Ausmaß der küstennahen Überflutung wird bedeutend von der exakten Zugbahn beeinflusst, weshalb es immer besser ist, die evakuierten Bereiche etwas gröber zu fassen.

Wiederholt tritt dieser Effekt in beeindruckender Weise vor Taiwan auf. Wenn die Taifune hier aus südöstlicher Richtung auf die Insel treffen, ergeben sich durch den Einfluss der bergigen Region nicht selten beeindruckende Abweichungen von der vorhergesagten Verlagerung. Nicht selten werden gar Loopings beobachtet. Dies kann man in Abbildung 2 erkennen, wo einige dieser Zugbahnen übereinandergelegt wurden.

Der Landgang eines Tropensturms 2

Abb 2: Zugbahn von einigen tropischen Systemen vor Taiwan.

Positiv (mit Blick auf den Organisationsgrad des Sturmes) kann sich die Landinteraktion aber auf die Konvektionsbänder auswirken, die einen ausgewachsenen Sturm in den meisten Fällen begleiten. Durch die vorübergehend verstärkte Konvergenz entlang der Küste wird die Konvektion innerhalb der Bänder zeitnah intensiviert, was nicht nur die Regenraten erhöht, sondern auch das Potenzial für höhere Windgeschwindigkeiten verstärkt. Dies kann sich natürlich ebenfalls auf die ggf. noch nicht abgeschlossene Evakuierung auswirken, denn nicht selten sorgen bereits diese Bänder weit abseits vom eigentlichen Sturm für die ersten umgeknickten Bäume oder unterbrochenen Stromleitungen.

Ansonsten kann man aber natürlich unter dem Strich sagen, dass über kurz oder lang die innere Struktur eines Tropensturms beim Landgang nachhaltig degradiert wird, was einen mehr oder weniger schnellen Abschwächungstrend induziert. Dieser findet umso nachhaltiger statt, je höher die störende Orografie ist. Eine zunehmende Windscherung, fehlendes Wasser bzw. auch zunehmende Windscherung und/oder trockenere Luftmassen sorgen dann in der Folge für eine Abschwächung des tropischen Sturms bzw. bei weit nordwärts ausgreifenden Zugbahnen auch für eine außertropische Umwandlung.

Der Landgang eines Tropensturms 3

Abb 3: Vergleich von zwei Mikrowellenbildern mit Fokus auf der Entwicklung des Auges von Taifun KAJIKI.

Aktuell trifft der Taifun KAJIKI auf das südliche Nordvietnam, bringt den Regionen Orkanböen und heftigen Regen, bevor sich der Sturm unter zügiger Abschwächung über dem Norden von Laos und Thailand bzw. im Osten von Myanmar auflöst, dort allerdings heftige Regenfälle mit der Gefahr von Sturzfluten und Erdrutschen auslöst. Nicht selten fallen solche Auflösungsprozesse über bergigen Landmassen schadensträchtiger aus als der eigentliche Landgang, was leider auch die Anzahl der Todesopfer betrifft. Auch bei diesem Sturm konnte ein Einfluss der Landnähe (allerdings ohne direkten Landgang) beobachtet werden. In Abbildung 3 ist zu sehen, wie sich die Augenwand während der Passage knapp südlich der Insel Hainan immer weiter intensivieren und das Auge gar schließen konnte. Dabei erkennt man die Konvektion vor allem durch die rote bis schwarze Einfärbung, was auf der Farbskala entsprechend niedrige Temperaturwerte darstellt. Hier spielte sicherlich neben weiteren Mechanismen auch die verstärkte Konvergenz zwischen KAJIKI und Hainan eine Rolle, die für eine Intensivierung der Gewitter im Nordrand der Augenwand sorgte.

Es bleibt nun zu hoffen, dass das Ausmaß der Zerstörung durch den Taifun überschaubar bleibt.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

4. Juli 2025 – die Flutkatastrophe in Texas

Einige wetterbedingte Großereignisse kündigen sich oft mit Pauken und Trompeten an. Sie sind schon Tage vorher auf den Wetterkarten zu erkennen und werden mit ausreichend Vorlauf über diverse Medien kommuniziert, sodass sich die Bevölkerung rechtzeitig darauf vorbereiten kann. Es gibt jedoch Ereignisse, die sich nur allmählich aufbauen und bei denen das Potenzial für ein Großereignis nur sukzessive zunimmt. Diese Ereignisse sind deshalb so schwer vorherzusagen, da sie von unzähligen Parametern (Eigenschaften der Luftmasse, vorherrschende Windrichtung, Lage/Zugbahn/Intensität eines Tiefs, Orografie der Umgebung, etc.) abhängen. Fehlen einer oder mehrere dieser Parameter, wird aus dem meteorologischen Großereignis schnell eine überschaubare Warnlage ohne große Auswirkungen. Diese Ereignisse sind aus der Sicht eines Vorhersagers meist sehr undankbar, da das endgültige Ausmaß oft erst kurz vorher erkennbar ist. 

Die Sturzflut in Kerr County, die am 4. Juli 2025 mindestens 129 Menschen in den Tod riss, war ein solches Ereignis, das sich nur allmählich aufbaute. Es wurde von den Meteorologen vor Ort rechtzeitig erkannt und bewarnt, ging dann aber mit einer unglaublichen Gewalt auf die Region nieder und sorgte für unermessliches Leid.
Die Anfänge dieser Sturzflut waren weit entfernt vom eigentlichen Unglücksort zu finden. In diesem Fall war es Tropensturm BARRY, der als schwaches, aber regenreiches System den westlichen Golf von Mexiko in Richtung Südtexas überquerte, sich dort aufgrund des Landgangs rasch abschwächte und schließlich formal auflöste. „Formal“ bedeutet hierbei, dass das Nationale Hurrikanzentrum keine Warnungen zu BARRY mehr ausgab. 

Einige Tropenstürme gehen an Land und schwächen sich dort ab, können aber weiterhin eine zyklonale (Nordhalbkugel: gegen den Uhrzeigersinn) Rotation um das ehemalige Zentrum aufrechterhalten. Hierfür sind periodisch einsetzende Konvektionsschübe von Nöten, die zentrumsnah auftreten. Vereinfacht heißt das, dass immer wieder kräftige Gewitter um das Zentrum des ehemaligen Tropensturms hochschießen und dabei durch Kondensation und Wolkenbildung Unmengen an latenter Wärmenergie freisetzen. Diese immer wieder einsetzende Energiezufuhr hält die Zirkulation des Systems aufrecht, auch wenn der Tropensturm über Land zieht. Dafür müssen sich die Reste des Sturms in einer sehr feuchten und labil geschichteten Luftmasse befinden. Im Fachjargon wird nun nicht mehr von einem „Tropensturm“, sondern von einem sogenannten „mesoskaligen konvektiven Wirbel“, engl. „Mesoscale Convective Vortex“ (MCV), gesprochen. Solch ein Wirbel kann eine Lebensdauer von mehreren Tagen haben.
Dies war nun auch mit den Resten von BARRY der Fall. Nicht nur die üppige Feuchte des ehemaligen Tropensturms, sondern auch der beständige Zustrom feuchter Luftmassen vom Golf von Mexiko sowie hochreichende Feuchte des zu diesem Zeitpunkt über dem Pazifik vor der Westküste Mexikos tobenden Hurrikans FLOSSIE ließen die Feuchtewerte in weiten Bereichen von Texas auf Rekordwerte steigen. 

4. Juli 2025 – die Flutkatastrophe in Texas 1 

Abb. 1: Satellitenbild von Mexiko und dem Süden der USA am 3. Juli 2025. Markiert sind der ehemalige Tropensturm BARRY und der aktive Tropensturm FLOSSIE sowie rot gestrichelt: Texas Hill Country, Pfeile: Zustrom feuchter Luft vom Golf von Mexiko (hellgrün) und vom Pazifik (dunkelgrün), blau: Verlagerung des MCV.

In Abbildung 1 ist einerseits die grobe Verlagerung des MCV (blau) bis zum 4. Juli eingezeichnet, aber auch der Zustrom feuchter Luft vom Golf von Mexiko (hellgrüne Pfeile) und vom Pazifik (dunkelgrüne Pfeile). Rot gestrichelt ist eine Region hervorgehoben, die sich „Texas Hill Country“ nennt und bekannt ist für extreme Sturzflutereignisse. Im Grunde wird dort die feuchte Luftmasse vom Golf von Mexiko von Süden kommend an der Orografie gehoben und kann sich abregnen, wobei die Regenmengen aufgrund der vorhandenen üppigen Feuchte immer wieder extreme Werte erreichen. So geschehen am 4. Juli. 

An diesem Abend bildete sich über Texas ein sogenannter „low level jet“ aus, welcher die feuchte Luftmasse vom Golf sehr rasch und fokussiert nach Norden führte. Dort traf die Luftmasse auf die Orografie des Texas Hill Country. Der nach Norden geführte Feuchtegehalt wies für die Jahreszeit teilweise Rekordwerte auf. Die Folge war ein rasches Aufsteigen der Luftmassen mit der Entwicklung hochreichender intensiver Gewitter. 

Zu alle dem kam noch der MCV (ehemals TS BARRY) ins Spiel, der zu dem Zeitpunkt nördlich des Texas Hill Country nach Osten zog und für zusätzliche Hebung sorgte. Die extrem feuchte Luftmasse wurde nun nicht nur entlang der Orografie gehoben, sondern auch durch den MCV, wodurch gewaltige Gewittercluster entstanden. Diese gingen über mehrere Stunden hinweg zum Teil mit Regenraten von über 100 l/qm pro Stunde einher und sorgten aufsummiert für extreme Niederschlagsmengen und Überschwemmungen. Flusspegel stiegen innerhalb kürzester Zeit um mehrere Meter an und ließen kleine Bäche und Flussläufe zu reißenden Fluten werden. 

Abgesehen von den unzähligen anderen Faktoren, die zu diesem Unglück führten, war der meteorologische Teil sicherlich als extrem zu bezeichnen. So fielen die Regenmengen teils mit einer Wiederkehrzeit von mehr als 1000 Jahren. Dennoch wurde frühzeitig von verschiedenen Seiten der NOAA auf das sich allmählich aufbauende Extremereignis hingewiesen. Als der Regen einsetzte und sich die Flutwelle in Bewegung setzte, nahm die Katastrophe mitten in der Nacht ihren unbarmherzigen Lauf und überraschte unzählige Menschen im Schlaf.
Am heutigen Sonntagmorgen (Ortszeit in Texas) besteht im südlichen zentralen Texas, etwas nördlich von Kerr County, eine ähnliche Wettersituation. Derzeit kommen stündliche Regenraten von 50 bis 100 l/qm vor. In der Nähe des San Saba Rivers fielen innerhalb von sechs Stunden bereits 100 bis 220 l/qm Regen. Bleibt zu hoffen, dass es nicht erneut zu solch furchtbaren Sturzfluten kommt. 

Diplom-Meteorologen J. und H. Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Das Weltwetter im Fokus! Wo wird es extrem?

Hierzulande sorgt Tief Veit für einen kühlen, windigen und unbeständigen Witterungsabschnitt, der mehr an den April erinnert als an den Juni. Zwischen VEIT und dem Hoch über dem Atlantik stellt sich nämlich die Strömung auf West bis Nordwest, sodass die Luft aus dem Nordostatlantik nach Deutschland gelangt. Diese ist noch kühl, was sich schließlich bei den Temperaturen hierzulande bemerkbar macht. Zudem kann die Luft auf Ihrem Weg viel Wasser aufnehmen, welches sie anscheinend nur zu gerne über Deutschland wieder loswerden möchte. Als drittes Puzzleteil für typisches Aprilwetter im Juni kommt noch der Wind hinzu, der in Böen vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark bis stürmisch daherkommt. Mehr zu dem Wetter in Deutschland sowie die heißen Aussichten können im gestrigen Thema des Tages nachgelesen werden. 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 1

Abbildung 1: Prognostizierte Wetterlage für Europa und den Ostatlantik für Sonntag, 8. Juni2025 um 14 Uhr mit Tief VEIT über der westlichen Ostsee. (Quelle: TKB/DWD) 

Hier soll nun das Weltwetter in den Fokus rücken. Besonders Wetterextreme, die für humanitäre Einrichtungen bzw. sensible Regionen interessant sind, werden bevorzugt gesichtet und bearbeitet. Hierzu stehen den Meteorologen verschiedene Modelle und Extremwettertools zur Verfügung, die dazu genutzt werden verschiedene schematische Grafiken für Endnutzer zu generieren. Weitere Informationen zu der Extremwettervorhersage können gerne im Thema des Tages vom 16.06.2024 nachgelesen werden.

Doch wo sind denn gerade extreme Wetterphänomene zu verzeichnen. Für eine rasche Analyse bietet sich der sogenannte EWI (ExtremWetterIndex) an. Der „EWI“ identifiziert homogen und konsistent Regionen, in denen Extremwetterereignisse sowohl auf Basis klimatologischer Informationen als auch unter Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten (Ensemble) simuliert werden. Das 90 %-Perzentil entspricht einem „reasonable worst case„. Das Endprodukt enthält absolute Werte für die Schwere der erwarteten Ereignisse im bewährten 3-Farben-Stil, wobei in den hervorgehobenen Regionen mindestens ein 20-jähriges Ereignis (für den Referenzzeitraum +/-14 Tage) erwartet wird. Demnach richtet sich der Blick derzeit zum einen auf den östlichen Pazifik, wo der Tropensturm BARBARA unter leichter Verstärkung entlang der mexikanischen Küste nordostwärts gezogen ist und nun unter Abschwächung auf den Pazifik flüchtet, im gleichen Atemzug rund um Mittelamerika aber neue tropische Tiefs in Entwicklung sind. Zum anderen rückt die Umgebung der Philippinen wo ebenfalls ein tropisches Tief ihr Unwesen treibt und sich durchaus zu einem tropischen Sturm entwickeln könnte in den Blickwinkel der Meteorologen.

Zunächst wollen wir mal die Entwicklungen in Mittelamerika genauer unter die Lupe nehmen. Der Tropensturm Barbara liegt komplex über See und wird auch im weiteren Verlauf nicht auf Land treffen. Dennoch sind die Auswirkungen am heutigen Sonntag und morgigen Montag voraussichtlich an der mexikanischen Westküste zu spüren, indem dort kräftiger Regen bis 50 l/m²/24h sowie eine größere Wellenhöhe zu verzeichnen sind. Im direkten Umfeld von BARBARA sollen dagegen innerhalb von 48 bis 72h 200 bis 400, lokal bis 600 l/m² niedergehen (siehe Grafik 2). Im weiteren Verlauf sorgen weitere tropische Tiefs sowie Höhenprozesse vor allem von Panama bis Guatemala für Starkregenfälle bis 150 l/m²/72h, gebietsweise bis 300 l/m²/72h. Diese sind ab Freitag (13. Juni) in Panama und Costa Rica teils klimatisch signifikant (siehe Grafik 3). 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 2

Abbildung 2: 72-stündige Niederschlagsmengen verschiedener Modelle für Mittelamerika mit den höchsten Mengen westlich von Mexiko sowie in Costa Rica und Nicaragua. (Quelle: DWD) 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 3

Abbildung 3: ExtremWetterIndex für klimatisch signifikante Regenmengen im Umfeld von Tropensturm BARBARA und bei Costa Rica. (Quelle: DWD) 

Beim Wind sind die Regionen meist nur rund um Tropensturm BARBARA betroffen. Im Umfeld von Barbara sind demnach Windspitzen zwischen 85 und 150 km/h zu erwarten. An der Westküste von Mexiko sollten aber nur noch Böen bis 80 km/h auftreten (siehe Grafik 4). Die höchsten Windgeschwindigkeiten bezüglich BARBARA sind am morgigen Montag auf der Tagesordnung (vgl. Grafik 5). Ab kommenden Freitag könnte sich das Szenario von BARBARA wiederholen, indem ein neues tropisches Tief vor der Südwestküste Mexikos entlangzieht und ähnliche Windspitzen produziert. 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 4

Abbildung 4: ExtremWetterIndex für klimatisch signifikante Windgeschwindigkeiten im Umfeld von Tropensturm BARBARA. (Quelle: DWD)  

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 5

Abbildung 5: Modellvergleich für maximale Windgeschwindigkeiten im Umfeld von Tropensturm BARBARA für Montag, 9. Juni. (Quelle: DWD) 

Der zweite Schwerpunkt potentieller Extremwetterereignisse liegt wie angesprochen bei den Philippinen und dem Südchinesischen Meer. Dort sieht es bezüglich der Regenmengen und räumlichen Verbreitung noch heftiger aus. Vor allem der Norden und Westen der Philippinen sticht heraus. Dort sollen von Montag bis einschließlich Mittwoch regional 100 bis 250 l/m²/72h fallen. Einige Modelle simulieren lokal sogar bis 400 l/m²/72h (vgl. Grafik 6). Die Niederschläge in den Regionen an der Westküste sowie dem angrenzenden Binnenland sind demnach auch klimatisch signifikant, indem diese mindestens ein 20-jähriges Ereignis abbilden (vgl. Grafik 7). Im weiteren Verlauf sollen die Starkniederschläge schließlich Richtung Hainan wandern. 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 6

Abbildung 6: 72-stündige Niederschlagsmengen verschiedener Modelle für die Philippinen und das Südchinesische Meer mit den höchsten Mengen im Norden und Westen der Philippinen. (Quelle: DWD) 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 7

Abbildung 7: ExtremWetterIndex für klimatisch signifikante Regenmengen im Küstenumfeld von Nord- und West Philippinen. (Quelle: DWD) 

Beim Wind sind auf den Philippinen voraussichtlich nur die Küstenregionen und die Hochlagen von Windspitzen zwischen 80 und 110 km/h betroffen. Diese Böenstärke ist aber durchaus klimatisch relevant. Über dem südchinesischen Meer schaukeln sich die Böen aber auf Spitzen bis 150 km/h hoch und treffen in dieser Stärke auch auf Hainan und später das chinesische Festland treffen, wo sich dies dann spürbar abschwächen. (vgl. Grafik 8). Den Sturmhöhepunkt auf den Philippinen wird dabei am Mittwoch und über Hainan und Südchina schließlich am Freitag erreicht (vgl. Grafik 9 I & II). 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 8

Abbildung 8: ExtremWetterIndex für klimatisch signifikante Windgeschwindigkeiten an den Küsten und den Hochlagen der Philippinen und über dem Meer. (Quelle: DWD) 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 9

Abbildung 9: Modellvergleich für maximale Windgeschwindigkeiten über dem Südchinesischen Meer und den Philippinen für Mittwoch, 11. Juni und Freitag, 13. Juni. (Quelle: DWD) 

Die beschriebenen Wetterereignisse wurden schließlich auch schon letzten Donnerstag in dem sogenannten „Global Weekly Scan“ des „WMO Coordination Mechanism“ aufgenommen und sind weiter gültig (vgl. Grafik 10). 

Das Weltwetter im Fokus Wo wird es extrem teil 10

Abbildung 10: Global Weekly Scan des WMO Coordination Mechanism von Donnerstag, 5. Juni. (Quelle: WCM) 

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Hey JUDE!

Das Lied „Hey Jude“ aus dem Jahr 1968 ist mit rund acht Millionen verkauften Exemplaren die erfolgreichste Single der BeatlesPaul McCartney schrieb es für John Lennons Sohn Julian. Dessen Spitzname war/ist Jules, weswegen der Titel auch zunächst „Hey Jules“ lautete. Paul McCartney komponierte das Lied, während er auf dem Weg zu Julian und dessen Mutter Cynthia war. Kurz zuvor hatte sich John Lennon von ihr getrennt und Julian sah seinen Vater fortan nur noch selten. Paul McCartney war für Julian eine Art väterlicher Freund oder Onkel. Er wollte ihm mit diesem Lied Mut zusprechen. Da Paul McCartney der Bezug zu Julian zu offensichtlich erschien, änderte er den Titel des Lieds letztendlich zu „Hey Jude“ ab.

JUDE ist auch der Name eines Zyklons, der bis vor ein paar Tagen mit wechselnden Intensitätsstufen Madagaskar, Mosambik und den Süden Malawis beschäftigte. JUDE erreichte zwar nur für kurze Zeit den Status eines Zyklons, dennoch sorgten Sturm- und Orkanböen sowie kräftige Regenfälle für Zerstörungen und Überschwemmungen. Auch Todesopfer, Vermisste und Verletzte sind zu beklagen. Die Zugbahn von JUDE war hierbei sehr interessant.

An dieser Stelle folgt zunächst noch ein kleiner Exkurs über tropische Tiefdruckgebiete, bevor genauer auf JUDE eingegangen wird.

Tropische Tiefdruckgebiete entstehen meist über den warmen (sub)tropischen Ozeanen. Sie weisen einen warmen Kern sowie eine axial-symmetrische und barotrope Struktur auf (barotrop = Flächen gleicher Temperatur verlaufen parallel zu Flächen gleichen Drucks). Die barotrope Struktur erkennt man beispielsweise daran, dass sie keine Fronten besitzen, da keine oder nur geringe Temperaturunterschiede am Boden vorliegen. Charakteristisch ist das kreisförmige, nahezu wolkenlose „Auge“ im Zentrum. Um das Auge herum befindet sich eine Wolkenwand aus hochreichender Konvektion, die sogenannte „eyewall„.

Bedingungen für das Auftreten von tropischen Tiefdruckgebieten sind:

1) Gewisse Entfernung zum Äquator (geografische Breite > 5 Grad), da ein signifikanter Coriolisparameter für die Rotation nötig ist

2) Meeresoberflächentemperaturen von über 26,5 Grad bis in eine Tiefe von 50 bis 150 m

3) Geringe vertikale Windscherung

4) Hochreichend labil geschichtete Atmosphäre

5) Feuchte mittlere Troposphäre

6) Anfangsstörung

Sobald eine solche Anfangsstörung eine geschlossene Zirkulation mit Windgeschwindigkeiten (über 10 min gemittelt) von bis zu 61 Kilometern pro Stunde aufweist, wird von einem tropischen Tiefdruckgebiet bzw. einer tropischen Depression gesprochen. Das nächste Entwicklungsstadium ist ein tropischer Sturm mit im Zentrum konzentrierter Konvektion und den spiralförmig angeordneten Regenbändern. Ab Windgeschwindigkeiten von 119 Kilometern pro Stunde spricht man dann je nach Ort ihres Auftretens von Hurrikans, Taifunen oder Zyklonen. Im südindischen Ozean und damit auch im Gebiet rund um Madagaskar wird der Begriff „Zyklon“ verwendet.

Zyklon JUDE entwickelte sich im südindischen Ozean nordöstlich von Madagaskar. Die Anfangsstörung verlagerte sich unter Verstärkung allmählich west-/südwestwärts und erreichte am Freitag, 07. März als tropischer Sturm den Norden Madagaskars. Dieser zog bei weiterhin west-/südwestlicher Verlagerung über die Straße von Mosambik hinweg, verstärkte sich dabei zu einem Zyklon und erreichte in der Nacht zum Montag, 10. März die Küste Mosambiks. Die Folge waren vor allem kräftige Regenfälle, bei denen Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Tagen zusammenkamen, die das für März übliche Mittel teils weit übertrafen.

Nachfolgend schwächte sich JUDE zügig zu einer tropischen Depression ab und verlagerte sich mit langsamer Zuggeschwindigkeit südwestwärts bis in die Grenzregion von Mosambik und dem Süden Malawis. Als JUDE erneut südostwärts in die Straße von Mosambik zog, erfolgte abermals eine Verstärkung zu einem tropischen Sturm und kurz vor der Südwestküste Madagaskars zu einem Zyklon. Die darauffolgende Zugbahn wurde von den Modellen zeitweise unterschiedlich gesehen. Dabei gab es zwei Varianten: JUDE könnte von dort entweder weiter südostwärts auf den Indischen Ozean ziehen oder einen Kurs erneut zurück in die Straße von Mosambik einschlagen. Letztendlich „entschied“ sich JUDE für die erste Variante und zog unter Abschwächung weiter auf das offene Meer hinaus.
 

Hey JUDE teil 1 

Grafik vom 14. März 2025 des europäischen Emergency Response Coordination Centre mit den von JUDE betroffenen Regionen (Quelle: https://erccportal.jrc.ec.europa.eu/ECHO-Products/Maps#/maps/latest)  

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.03.2025
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