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Blockierende Hochdrucklagen und extreme Wetterereignisse über Europa

9. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bei beachtlichen 1055 Hektopascal lag der Kerndruck von Hochdruckgebiet ELVIRA am gestrigen Samstag. Das Zentrum lag über Nordwestrussland. ELVIRA beeinflusste das Wettergeschehen in weiten Teilen Europas. Eine blockierende Wetterlage ist definiert durch einen Übergang von einem zonalen in ein meridionales Strömungsmuster und einer Aufspaltung des Jetstreams in zwei Bereiche. Bei der aktuellen Lage handelt es sich um einen sogenannten „DIPOL BLOCK“. Diese Konstellation ist durch ein kräftiges Hochdruckgebiet gekennzeichnet, welches sich nördlich von einer oder mehreren Zyklonen befindet. Ein Blick auf die Analysekarte vom gestrigen Samstag (Abbildung 1) zeigt Tief LENNI über Frankreich an der Südwestflanke und ein weiteres Tiefdruckgebiet über der östlichen Türkei an der Südostflanke des kräftigen und umfangreichen Hochdruckgebietes ELVIRA. Dabei werden die Tiefs auf ihrer für unsere Breiten sonst typischen West-Ost-Zugbahn abgelenkt.

Analysekarte vom 09.02.2025 um 00 UTC. Das kräftige und umfangreiche Hoch ELVIRA lenkt die Tiefdruckgebiete nach Norden und Süden ab. (Quelle: DWD) 

Solche blockierenden Wetterlagen sind häufig mit extremen Wetterbedingungen verbunden. Während im Sommerhalbjahr Hitzewellen und große Trockenheit auf der einen Seite und extreme und langanhaltende Niederschläge auf der anderen Seite auftreten können, sind die Auswirkungen im Winter meist geringer. Dennoch können auch im Winter Extreme auftreten. Vor allem in Form von ausgeprägten Kältewellen und kräftigen Schneefällen. Ein Beispiel hierfür ist der Februar 2012. Damals erstreckte sich eine Hochdruckzone vom Atlantik ausgehend bis nach Skandinavien und Nordwestrussland. Dabei wurde auf der Südseite der Hochdruckzone sehr kalte Luft arktischen Ursprungs über den Kontinent nach Südwesten geführt. Daraufhin traten in großen Teilen Europas stark unterdurchschnittliche Temperaturen auf. In einigen Regionen lag die Mitteltemperatur über mehrere Tage über 10 Kelvin unter dem langjährigen Klimamittel von 1981-2010. Zudem sorgten Tiefdruckgebiete auf der Südseite der kräftigen Hochs für starke Schneefälle. Auch in der Mittelmeerregion wie zum Beispiel in der italienischen Hauptstadt Rom gab es kräftige Schneefälle, welche zu erheblichen Beeinträchtigungen führten.

Im Einflussbereich des Hochs kann es im Winter vor allem über großen Schneeflächen aufgrund der negativen Strahlungsbilanz zu Kälteperioden kommen. Im Sommer treten dagegen teils intensive Hitzewellen, verbunden mit großer Trockenheit auf. Im Juli 2010 sorgte ein persistentes kräftiges Hoch im Bereich des Urals für eine markante Hitzeperiode in Westrussland. Hohe Temperaturen und langanhaltende Trockenheit führten nicht nur zu zahlreichen Rekordtemperaturen, sondern auch zu verheerenden Waldbränden. Aber auch große Hitzewellen und ausgedehnte Trockenperioden aus der Vergangenheit in Deutschland sind häufig mit blockierenden Wetterlagen verbunden. So führten im Jahr 2018 wiederkehrende blockierende Hochdrucklagen in Deutschland nicht nur zu Hitzeperioden, sondern vor allem auch teils zu extremer Trockenheit.  

Die Temperatur und Geopotenzialanomalie während der großen Hitzewelle im Juli 2010 in Westrussland und der Kältewelle über weiten Teilen von Europa im Februar 2012. (Quelle: https://wcd.copernicus.org/articles/3/305/2022/) 

Ob und in welchem Bereich sich bei blockierenden Hochdrucklagen extreme Wetterbedingungen abspielen, hängt somit neben der Position des blockierenden Hochs und der damit verbundenen großräumigen Druck- und Strömungskonfiguration auch von der entsprechenden Jahreszeit ab. Im Winterhalbjahr treten vor allem auf der Ost- und Südseite des blockierenden Druckgebildes Kältewellen und teils auch kräftige Schneefälle auf. Im Sommer kommt es dagegen im Bereich des Hochs sowie auf dessen Westseite zu Hitzeperioden, während große Trockenheit vorwiegend im direkten Einflussbereich auftritt.

Die mit einer über Zentraleuropa befindlichen Omegalage verbundenen Wetterextreme im Winter (links) und im Sommer (rechts). Dargestellt ist außerdem der Zustrom warmer Luftmassen (WCB), sowie Gebiete mit erhöhtem integriertem Wasserdampftransport (IVP). (Quelle: https://wcd.copernicus.org/articles/3/305/2022/) 

Die aktuelle Wetterlage über Europa ist aber vergleichsweise mit relativ wenig Extremwetter verbunden. Da das Zentrum von Hoch ELVIRA über Westrussland und nicht über Skandinavien liegt, werden die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs in Richtung Türkei und Griechenland geführt. Zudem liegt in weiten Teilen Osteuropa auch keine nennenswerte Schneedecke, welche einen Kaltluftausbruch verschärfen würde. Der Südwesten und Westen Deutschland wird außerdem vom schwach ausgeprägte Höhentiefs beeinflusst, die relativ milde Luftmassen heranführen. Somit führt die aktuelle blockierende Hochdrucklage in Europa bei uns in Deutschland zu keinen extremen Wetterbedingungen und auch im restlichen Europa stehen in den nächsten Tagen keine außergewöhnlichen Wetterverhältnisse an!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Schlagworte: Hochdrucklage, Wahlbeteiligung, Wettereinfluss
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