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Aktuelles Gewittervorhersage-Kochrezept

In der bei uns eingeflossenen schwül-warmen Luft bilden sich auch heute wieder einzelne Gewitter, die lokal eng begrenzt unwetterartig ausfallen können. Aber warum ist die exakte Prognose dieser Gewitter so schwierig?

Bereits am vergangenen Samstag, dem 24. August 2019, bildeten sich am Alpenrand sowie im Bayerischen Wald einzelne zum Teil auch schwere Gewitter, die lokal eng begrenzt von heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen begleitet waren.

Am gestrigen Sonntag weiteten sich die Gewitter dann auf die gesamte Südosthälfte Deutschlands aus. Dabei traten bereits am frühen Vormittag im südlichen Brandenburg sowie in Bayern in der Nähe des Ammersees erste Gewitter auf, die sich nicht vom Fleck rührten und lokal eng begrenzt für ordentlich Regen sorgten. Im Nachmittagsverlauf kamen auch in anderen Regionen weitere, zum Teil auch schwere Gewitter hinzu. Beispielsweise konnten im bayrischen Bad Feilnbach bei Rosenheim sogar 37 Liter pro Quadratmeter Regen in einer Stunde gemessen werden.

Auch heute ist in vielen regionalen Wetterberichten wieder die Rede von Gewittern. Am Ende des Tages werden sich jedoch einige Leute erneut fragen, warum genau ihr Ort von den Gewittern verschont blieb und der Garten weiterhin trocken bleibt, während im Nachbarort womöglich die Welt unterging.

Gewitter vorherzusagen ist alles andere als einfach. Denn die exakte räumliche und zeitliche Eingrenzung ist häufig nicht oder nur begrenzt möglich. Entsprechend können wir Meteorologen häufig nur ein bestimmtes Gebiet abschätzen, in dem ein gewisses Potenzial für Gewitter besteht, wenngleich das Phänomen dort dann unter bestimmten Umständen nur lokal auftritt, jedoch eng begrenzt sehr heftig ausfallen kann.

Die Abschätzung des Gewitterpotenzials erfolgt dabei über bestimmte „Zutaten“, wie bei einem Kochrezept. Zunächst wird für ein ausgewachsenes Gewitter ausreichend Feuchtigkeit in der Luft benötigt. Darüber hinaus muss die Atmosphäre „labil geschichtet“ sein, d.h. die Temperatur muss mit der Höhe deutlich abnehmen. Und da warme Luft vergleichsweise leichter ist, als Kalte, sorgt die Labilisierung für das rasche Aufsteigen der Luft.

Als dritte Zutat lässt sich die Hebung der Luftmasse anführen. Dies kann großräumig durch dynamische Antriebe wie eine Kaltfront geschehen. Dabei wird kalte Luft wie ein Keil unter die vorgelagerte warme Luft geschoben und diese somit angehoben. Hebung kann jedoch auch aufgrund von zusammenströmender Luft, die aus unterschiedlichen Richtung kommt, erzeugt werden. Dann kann die Luft nur nach oben hin ausweichen und steigt zwangsläufig in die Höhe auf. In Fachkreisen spricht man dabei von einer Konvergenz. Auch der Erdboden kann für die Auslösung von Gewittern sorgen. Denn muss die Luft beispielsweise ein Hindernis wie einen Hügel oder Berg überströmen, muss sie gezwungenermaßen ebenfalls aufsteigen.

Kommen alle Zutaten zusammen, können sich entsprechende Gewitter ausbilden. Ansonsten verhält es sich wie beim Kochen: Fehlt eine Zutat, schmeckt das Essen unter Umständen nicht. Auf „unseren Kochtopf“ übertragen, würde das die Hemmung der Gewitterauslöse bedeuten.

Schaut man sich die aktuelle Wetterlage an, so findet man neben ausreichender Feuchte auch Labilität in weiten Teilen Deutschlands vor. Ausgenommen sind lediglich der Norden sowie der äußerste Südwesten. Dort herrscht etwas trockenere Luft vor, entsprechend sollten diese Regionen heute von Gewittern verschont bleiben.

Allerdings lässt heute die dritte Zutat, die Hebung, über Deutschland zu Wünschen übrigen. Denn es sind weder deutliche dynamische Hebungsantriebe ersichtlich, noch bilden die Wettermodelle eine eindeutige Konvergenz am Boden ab. Hier kommt jedoch die Orographie ins Spiel. Denn durch das Überströmen größerer Hügel und Berge wird dort die Luft zum Aufsteigen gezwungen. Somit sorgt die Orographie für Hebung und damit für die dritte Zutat. Damit sind heute besonders die Mittelgebirgsregionen für die Auslöse von Gewittern prädestiniert.

In jedem Fall treten die Gewitter nur vereinzelt auf. Allerdings ziehen diese aufgrund nur schwach ausgeprägter Höhenwinde sehr langsam oder stehen für längere Zeit über einem bestimmten Ort. Dort wird man dann das Gefühl haben, dass der Himmel seine Schleusen öffnet. Aber nicht nur der Regen wird dabei eine Gefahr darstellen. Bildet sich in den hochreichenden Gewitterzellen kleiner Hagel, kann sich dieser am Boden ansammeln und im schlimmsten Fall eine Höhe von mehreren Dezimetern (1 Dezimeter = 10 Zentimeter) erreichen. Ein solches Ereignis kann schon auch mal winterlich anmuten, und das mitten im Sommer.

Bei der Vorhersage von Gewittern wird also ein bestimmter Bereich festgelegt, in dem günstige Zutaten vorherrschen und somit ein erhöhtes Gewitterpotenzial besteht. Auch können wir eine Aussage treffen, wo die Unwettergefahr erhöht ist. Haben sich die Gewitter dann erst einmal ausgebildet, sind wir drüber hinaus in der Lage, ihre Stärke und Verlagerung abzuschätzen. Dies geschieht jedoch immer mit einem gewissen Unsicherheitsbereich, sodass oftmals auch größere Regionen bewarnt werden, obwohl davon nur ein Teil wirklich betroffen ist. Während sich dann Max Mustermann gerne mal im trockenen Musterstadt über die angeblich falsche Warnung beschwert, pumpt Markus Möglich im Nachbarort womöglich gerade seinen vollgelaufenen Keller aus.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.08.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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