Sicher auf dem Eis?!

In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen von zugefrorenen Eisflächen. Insbesondere aus dem Süden und Osten des Landes tauchten zahlreiche Bilder von Menschenmassen auf zugefrorenen Gewässern auf. Sogar der Landwehrkanal in Berlin war mit einer Eisschicht bedeckt und wurde als Flaniermeile genutzt. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen, wird dabei häufig unterschätzt. Nun steigen die Temperaturen an, das Eis wird dünner und verändert seine Struktur. Beim Betreten der Eisfläche kann akute Lebensgefahr bestehen!

Sicher auf dem Eis

Zugefrorener See im Winter. Quelle: pixabay

Doch ab wann ist es möglich, Schlittschuh zu laufen oder ein zugefrorenes Gewässer gefahrlos zu betreten?

Zunächst benötigt ein See Zeit, um ausreichend abzukühlen. Solange sich im Wasser noch Schichten mit Temperaturen über 4 Grad Celsius befinden, steigen diese aufgrund der Dichteanomalie des Wassers nach oben und verdrängen kälteres Wasser von der Oberfläche nach unten. Deshalb zeigen viele Seen zu Beginn des Winters selbst nach mehreren Tagen Dauerfrost noch keine Eisbildung. Häufig dauert es bis in den Januar hinein, bis größere Seen vom Ufer her zuzufrieren beginnen.

Sicher auf dem Eis2

Jahreszeitliche Veränderung der Wasserschichtung in einem mitteleuropäischen See. Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Erst wenn das Wasser im gesamten See auf etwa 4 Grad Celsius abgekühlt ist, kommt die thermische Durchmischung zum Erliegen. Das kalte Oberflächenwasser bleibt dann oben, kann weiter auskühlen und bei anhaltendem Frost gefrieren. Je länger und intensiver der Frost wirkt, desto stärker wächst die Eisdecke an. Grundsätzlich gilt: Je weiter der Winter fortgeschritten ist, desto größer ist die Chance, dass ein See zufriert.

In der Praxis hängt die Eisbildung jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • Tiefe des Sees: Tiefe Seen besitzen einen größeren Vorrat an wärmerem Tiefenwasser, was das Zufrieren verzögert.
    Wind: Wind fördert die Durchmischung. Bei flachen Seen beschleunigt er die Abkühlung, bei tiefen Seen kann er sie verzögern.
    Grundwasserzufluss: Grundwasser ist meist wärmer als 4 Grad Celsius. Starker Zufluss verzögert die Eisbildung und führt zu Bereichen mit dünnerem Eis. Baggerseen oder Tagebaurestlöcher frieren daher oft spät oder gar nicht zu.
    Witterung: Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser isolierend und bremst das weitere Anwachsen der Eisdecke.
    Weitere Einflüsse: Zuflüsse warmer Abwässer, aufsteigende Faulgase oder Luft, salzhaltiges oder verunreinigtes Wasser schwächen die Eisbildung zusätzlich.

Wochenlanger Dauerfrost kann nahezu jedes Gewässer mit einer tragfähigen Eisdecke überziehen. Solche Bedingungen sind in Mitteleuropa jedoch selten. Günstig wäre eine stabile Hochdrucklage über Skandinavien oder Westrussland, die sehr kalte, trockene Luft nach Deutschland lenkt. Hält diese Lage mindestens eine Woche an und war der Boden zuvor bereits vorgekühlt, können auch größere Seen zufrieren. Nach einem milden Winter reicht eine kurze Frostperiode meist nicht aus. In der vergangenen Woche floss arktische Kaltluft aus nördlichen Breiten nach Deutschland. Diese sorgte in den Nächten für strengen Frost mit Temperaturen gebietsweise unter minus 10 Grad Celsius und selbst tagsüber stieg das Thermometer teilweise nicht in den positiven Bereich an. So konnten insbesondere in den östlichen Landesteilen diverse Gewässer zufrieren.

Die Qualität des Eises

Die Tragfähigkeit hängt nicht nur von der Dicke, sondern entscheidend von der Eisqualität ab. Optimal ist eine Eisbildung bei ruhigem Hochdruckwetter, ohne Niederschlag und bei wenig Wind. Dann entsteht sogenanntes „schwarzes Eis“. Dieses ist glatt, homogen und nahezu frei von Lufteinschlüssen. Es ist besonders tragfähig.

Deutlich häufiger entsteht jedoch „weißes Eis“. Dieses bildet sich, wenn Schnee auf das Eis fällt und durch Tauwetter, Regen oder aufsteigendes Wasser zu Schneematsch wird, der anschließend wieder gefriert. Weißes Eis enthält viele Lufteinschlüsse, ist inhomogen und deutlich weniger belastbar. Seine Tragfähigkeit kann im Vergleich zu gleich dickem schwarzem Eis um den Faktor zehn geringer sein.

Tragfähigkeit und Sicherheitsregeln

Für schwarzes Eis gilt folgende Faustformel,

Sicher auf dem Eis3

wobei h die Eisdicke in Zentimetern ist.

Theoretisch kann bereits 5 Zentimeter (kurz: cm) dickes Eis einen einzelnen Menschen tragen. Da jedoch selten homogenes schwarzes Eis vorliegt und die Eisdicke innerhalb eines Gewässers stark variiert, gelten deutlich strengere Sicherheitsrichtlinien. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft empfiehlt:

Stehende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 15 cm Eisdicke
Fließende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 20 cm Eisdicke

Besondere Vorsicht ist geboten unter Brücken, in der Nähe von Zu- und Abflüssen, bei Schilf, starkem Grundwasserzutritt oder aufsteigenden Gasen – dort ist das Eis oft deutlich dünner.

Flache Gewässer wie Dorfteiche oder überflutete Wiesen frieren schneller zu und sind für erste Erfahrungen meist weniger gefährlich. Tiefe Gewässer erfordern konsequent die Einhaltung der genannten Mindestdicken. Bei überwiegend weißem Eis oder hoher Belastung durch Schnee oder viele Personen sollte die Eisdicke 20 cm nicht unterschreiten. Informationen zur Begehbarkeit können bei den Kommunen eingeholt werden.

Risse und Überlastung

Eis reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Bei sinkenden Temperaturen zieht sich die Eisdecke zusammen, bei Erwärmung dehnt sie sich aus. Dabei entstehen Risse, die meist wieder zufrieren, solange der Frost anhält. Gefährlich wird es bei Überlastung: Senkt sich das Eis stark ab, entstehen zunächst Risse an der Unterseite, dann an der Oberfläche – ein Einbruch steht unmittelbar bevor. Bewegte Lasten sind dabei weniger gefährlich als stehende.

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Hebungen und Senkungen durch Eisbewegungen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Im Frühjahr verliert das Eis dann rasch an Stabilität. Zunehmende Sonneneinstrahlung macht es morsch und brüchig, Schollen lösen sich. Spätestens dann ist das Betreten nicht mehr verantwortbar.

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Risse im Eis, die einen Einbruch ankündigen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Verhalten bei Gefahr auf dem Eis

Gerät man auf dem Eis in eine gefährliche Situation, rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft dazu, Ruhe zu bewahren und laut um Hilfe zu rufen. Knackt oder knistert das Eis, sollte man sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich langsam in Bauchlage in Richtung Ufer zurückbewegen. Bei einem Eiseinbruch wird das dünne Eis vorsichtig zur tragfähigen Fläche hin weggeschlagen, anschließend zieht man sich bäuchlings auf das Eis und entfernt sich kriechend vom Gefahrenbereich.

Bei einem Einbruch ist umgehend der Notruf 112 abzusetzen. Rettungsversuche sind extrem gefährlich und sollten möglichst den Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG überlassen werden. Muss dennoch geholfen werden, ist größte Vorsicht geboten: Nur kriechend nähern, Abstand halten, Hilfsmittel nutzen (z. B. Jacke, Schal, Ast) und niemals die Hand reichen.

In vielen Regionen Deutschlands gilt das Zufrieren größerer Gewässer als besonderes Ereignis. Bleibt zu hoffen, dass Vernunft stets Vorrang vor Leichtsinn hat – damit das Naturerlebnis nicht zur Gefahr wird.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert zusammen
mit Dipl.-Meteorologe (FH) Jens Oehmichen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2026
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Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

Über dem Nordatlantik sind aktuell mehrere Tiefdruckgebiete aktiv, die für leicht wechselhaftes Wetter in Deutschland sorgen. Mit einer west- bis südwestlichen Strömung hat sich milde Meeresluft im gesamten Land durchgesetzt, und selbst der Osten taut langsam auf. Am deutlichsten macht sich die milde Witterung jedoch in der Westhälfte bemerkbar.

Am heutigen Mittwoch bringen die Ausläufer des Tiefs HILTRUD regional Niederschläge. Im Süden bleibt es dagegen sehr wahrscheinlich trocken, und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Lediglich an der unteren Donau hält sich ganztägig dichter Nebel mit trübem Wetter. Auch im Nordwesten und Norden lockert die Bewölkung zeitweise auf, dort bleibt es überwiegend trocken. Die Temperaturen steigen auf 6 bis 14 Grad, im Südosten und Osten werden 2 bis 8 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag ist die Frostgefahr insgesamt gering. Nur bei längerem Aufklaren im Süden und im äußersten Norden kann es zu leichtem Frost kommen, dort besteht stellenweise Glättegefahr. Ansonsten bleibt das Risiko gering.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 14.01.2026 12 UTC.

Der Donnerstag beginnt vielerorts grau und trüb, zeitweise fällt etwas Regen oder Sprühregen. Von Südwesten her lockert die Bewölkung jedoch nach und nach auf, und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 14 Grad, im Nordosten sowie an der unteren Donau zwischen 2 und 5 Grad. In der Nacht zum Freitag nimmt die Frostgefahr vor allem in der Südosthälfte zu, da es dort oft gering bewölkt bleibt. Stellenweise bildet sich Nebel, und örtlich kann es durch überfrierende Nässe glatt werden. In der Nordwesthälfte ziehen dagegen dichtere Wolken durch, die kaum Niederschlag bringen, aber dafür sorgen, dass die Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleiben.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr 2

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 15.01.2026 12 UTC.

Im weiteren Verlauf der Woche zeigt sich das Wetter insgesamt eher unauffällig. Hin und wieder fällt etwas Regen, regional – besonders im Süden und teilweise auch in der Mitte – sind jedoch längere sonnige Phasen möglich. In den Nächten steigt die Nebelgefahr. Während in der Westhälfte zunächst kein Frost zu erwarten ist, kann es im Osten gebietsweise frieren. Insgesamt kühlt es wieder etwas ab: Später ist verbreitet mit Nachtfrost zu rechnen, und die Tageshöchstwerte erreichen meist nur noch einstellige Temperaturen. Eine erneute winterliche Wetterlage mit Schneefällen ist jedoch nicht in Sicht. Lediglich im Glaskugelbereich, gegen Ende der nächsten Woche, gibt es erste Hinweise auf eine Rückkehr des Winters, zumindest mit Dauerfrost. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2026
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Rückblick und Warnmanagement

Letzte Woche wirbelte Sturmtief ELLI und zum Start in diese Woche Tief GUNDA in der Wetterküche über Mitteleuropa. Die zwei Tiefdruckgebiete sorgten dafür, dass sich die Wetterlage äußerst komplex und warnintensiv präsentierte. Von Schnee über Schneeverwehungen, Sturm und gefrierenden Regen bis zu Dauerfrost und strengen Nachtfrösten war alles dabei. Ein Rückblick auf das Sturmtief ELLI findet sich im Thema des Tages vom 10.01.2026.

Auf die Glatteislage die vom gestrigen Montag bis zum heutigen Dienstagvormittag für teils erhebliche Behinderungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben geführt hat, wird im Folgenden eingegangen.

Zunächst erreichte im Laufe der Nacht zum Montag die Warmfront des Tiefs GUNDA unter langsamer Okkludierung den Westen des Landes. In der Folge verlagerte sich die Front zögerlich ostwärts.

Rueckblick und Warnmanagement

Analysekarte für Europa mit Lage der Druckgebilde und Isobaren sowie Stationsdaten am Montagmittag, den 12.01.2026 um 12 UTC

Dadurch, dass in 900 hPa (etwa 1000 m ü. NN) sehr milde Luft einfloss, dominierte zunächst die flüssige Niederschlagsphase. Mit jedem Kilometer ostwärts wurde der Warmlufteinschub geringer und die Niederschläge fielen zumindest anfangs als Schnee, wodurch eine wenige Zentimeter dicke Schneeschicht die Glatteislage etwas entschärfte. Dennoch musste man davon ausgehen, dass es in der Westhälfte zum morgendlichen Montagsberufsverkehr durch gefrierenden Regen mit Glatteisbildung zu erheblichen Behinderungen kommt. In der Nacht zum Dienstag arbeitete sich die milde Luft langsam ostwärts voran. Der Südostwind hielt im Osten und Südosten teils lange an und sorgte bodennah bis weit in den Dienstag hinein für eine beständige Kaltluftzufuhr und eine fortwährende Glatteislage.

Verbreitet wurden zeitlich und räumlich gestaffelt Unwetterwarnungen vor gefrierenden Regen herausgegeben, auch aufgrund dessen, dass die Modellwelt hinsichtlich Ausprägung, Intensität und Phase der Niederschläge sich sehr einheitlich präsentierte. Auch die Vorgeschichte mit Dauerfrost und oftmals tiefgefrorenen Böden lieferte deutliche Hinweise auf eine brisante Wetterlage.

Letztendlich kam es verursacht durch die glatten Bedingungen zu zahlreichen Unfällen und Sperrungen von einigen Autobahnen, zu einem entgleisten Regionalzug, zu annullierten Flügen, Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und einer extremen Belastung der Krankenhäuser durch sturzbedingte Verletzungen.

Trotz der aufgeführten Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr sowie übereinstimmenden Berichten von Kolleg/Innen, Familie, Freunden usw. und zahlreicher Crowdsourcing-Meldungen zu spiegelglatten Straßen und Wegen wurde teilweise erhebliche Kritik am Warnmanagement des DWD geäußert.

Rueckblick und Warnmanagement 2

Crowdsourcing-Meldungen von Montag den 12.01.2026, 03 Uhr MEZ bis Dienstag, den 13.01.2026, 10 Uhr MEZ

Zur Kritik am Warnmanagement sowohl bei der Schneelage letzte Woche als auch bei der Glatteislage zu Beginn dieser Woche soll nun Stellung genommen werden.

Die Ausgabe der Warnungen erfolgt beim DWD immer nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Stand umfangreicher Daten. Die Wahrscheinlichkeiten relevanter Parameter aller vorliegenden Modellberechnungen waren durchweg sehr hoch und führten zur Ausgabe der entsprechenden Warnungen. Leider lässt sich nicht vermeiden, dass es Bereiche gibt, in denen die Wetterentwicklung später von den Berechnungen abweicht. Die Diskrepanz zwischen der teils dramatischen Kommunikation im Vorfeld der Ereignisse und den tatsächlichen Wetterlagen war auch eine Folge von übertriebener Berichterstattung, die nicht von Seiten des DWD stattfand. Der DWD legt Wert auf eine transparente und sachliche Kommunikation mit klareren Darstellungen von Unsicherheiten und regionalen Unterschieden, um das Vertrauen in Wetterwarnungen langfristig zu erhalten. Beispiele sind die Unwetterclips, die in der WarnWetter-App, auf der Homepage und auf YouTube verbreitet werden. Dabei wird nicht auf Bundeslandgrenzen geachtet, sondern die Warnungen erfolgen in der Regel auf Ebene der Gemeinden und kreisfreien Städte.

Die Ausgabe der Warnungen wird mehrmals täglich zwischen den 6 Außenstellen und der Vorhersage- und Beratungszentrale abgestimmt. Wir können in der Regel sehr gut vorhersagen wie sich das Wetter entwickelt. Die Warnkriterien des DWD sind allerdings allein abhängig von meteorologischen Schwellenwerten. Die von vielen anderen Faktoren abhängigen Auswirkungen können wir nur abschätzen. Wetter- und Unwetterwarnungen führen insbesondere bei winterlichen Ereignissen oft dazu, dass präventiv gehandelt wird. Das bezieht sich beispielsweise sowohl auf Bürgerinnen und Bürger, die ihre Gehwege räumen, die Bahn die mit Weitsicht handelt und auf etwaige Probleme im Schienenverkehr hinweist als auch auf die Winterdienste die mit hervorragender Arbeit dafür sorgen, dass Straßen geräumt und öffentliche Plätze und Wege gestreut werden. Mit diesen Vorsorgemaßnahmen können also erfolgreich glatte Straßen und größere Schäden zumindest teilweise verhindert werden.

In Bezug auf die vergangene Glatteislage lässt sich konstatieren, dass die Unwetterwarnungen in den meisten Regionen berechtigt waren. Allerdings kam es in orografisch gegliedertem Gelände zu großen Unterschieden. Während in manchen Regionen, wie z.B. im Rhein-Main-Gebiet, die Kaltluft schnell ausgeräumt wurde, hat sie sich in den Mittelgebirgen mitunter sehr zäh gehalten. Dies in einem Warnkonzept abzubilden ist kaum möglich, wodurch manche Regionen am Ende sicherlich überwarnt waren, aber auch darauf wurde beispielsweise in den Unwetterclips hingewiesen. Insbesondere im Südwesten fand allerdings in einigen Regionen eine Überwarnung statt, was der Gegebenheit geschuldet war, dass die Niederschläge länger als prognostiziert als Schnee fielen und nach kurzer Pause mit dem einsetzenden Regen die Belagstemperaturen schon im positiven Bereich lagen.

Selbstverständlich schauen wir auch intern stetig nach Verbesserungsmöglichkeiten. Dafür wird die Qualität der Vorhersage ständig überwacht und viel Zeit in die Evaluierung und Weiterentwicklung der Modelle investiert sowie das Personal geschult und Arbeitsabläufe optimiert.

Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 13.01.2026
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Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

Wetterbestimmend ist aktuell der Ausläufer eines Tiefs namens Gunda, das sich mit seinem Zentrum nördlich von Schottland befindet. Die dazugehörenden Niederschläge kamen seit der Nacht zum Montag von Westen auf und breiten sich langsam ostwärts auf. Dabei fiel und fällt weiterhin auf der kalten (östlichen) Seite zunächst etwas Schnee, der dann zunehmend in gefrierenden Regen und bei durchgreifender Milderung von Westen auch in Regen übergeht.

Aufgrund der kalten bis sehr kalten Vorgeschichte mit Dauerfrost und teils strengem Nachtfrost gefriert dieser Regen am kalten, gefrorenen Boden und Gegenständen und kann somit recht verbreitet zu Glatteis mit entsprechender Beeinträchtigung im Straßen- und Schienenverkehr führen. Der Schwerpunkt der Glatteissituation verlagert sich zunehmend in die östlichen Landesteile, dort herrscht auch am heutigen Montag noch verbreitet Dauerfrost. Zunächst schneit es dort auch noch. Im Südosten erfolgt der Übergang zu gefrierendem Regen am Nachmittag, im Nordosten erst zum Abend bzw. im Laufe der Nacht zum Dienstag. Ganz im Nordosten Richtung Oder/Oderhaff eventuell auch erst Dienstagfrüh. Besonders im Nordosten im Bereich des Elbtals und auch im Südosten Bayerns (etwa im Bereich Donau-/Inntal) kann sich aufgrund bodennah dominierender Südostwinde die Frostluft recht hartnäckig halten, das Glatteisrisiko hält sich daher bis in den Dienstagvormittag.

Wie geht es weiter mit dem Glatteis

Wetterentwicklung nach Wettermodell ICON-D2 Montagabend (12.01., 18 UTC) bis Dienstagfrüh (13.01.,06 UTC) mit Kennzeichnung der Niederschlagsphase (blau=Schnee, grün=Regen, rot=gefrierender Regen), Ostverlagerung des Glatteisschwerpunktes (Quelle:DWD)

Auch in einigen stark gegliederten Region in den mittleren Landesteilen kann die mildere Luft nur zögerlich durchgreifen, so dass auch dort gebietsweise bis in den Montagabend mit teils Glatteisbildung gerechnet werden muss.

In den westlichen Landesteilen hat sich die Milderung bereits weitgehend durchgesetzt, die Temperaturen liegen teils bereits bei 5 bis 7 Grad, in Bergland meist bei 1 bis 3 Grad. Dort hat sich die Situation also bereits entspannt.

Im weiteren Wochenverlauf bleibt es leicht wechselhaft mit gelegentlichem Regen. Gebietsweiser tritt zwar Nachtfrost auf und lokal ist Glätte nicht ganz ausgeschlossen, insgesamt herrscht aber ein mildes Temperaturniveau.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

 

Überregionale Glatteislage – Winterabschied mit der Brechstange

Vor allem der heutige Sonntagmorgen verlief so gut wie überall frostig und war teilweise sogar bitterkalt, denn beispielsweise in der Lüneburger Heide konnten Tiefstwerte von rund -19 Grad gemessen werden. Auch sonst war es in einem breiten Streifen vom Nordwesten in den Südosten meist kälter als -10 Grad, und dieser (strenge) Frost wird in den kommenden beiden Tagen „zum Problem“.

Ueberregionale Glatteislage Winterabschied mit der Brechstange

Erneut steht in einigen Teilen Deutschlands eine Nacht mit strengem Frost bevor, wie die prognostizierten Minimumtemperaturen zeigen. Vor allem in der Altmark sind Tiefstwerte von unter -15 Grad wahrscheinlich.


Das liegt daran, dass das sich nördlich von den Britischen Inseln befindliche Tief GUNDA in der Nacht und am Morgen des morgigen Montags ein Frontensystem nach Deutschland sendet, womit es zu Niederschlägen kommt. Dies ist zwar erstmal nichts Besonderes, aber die Konfiguration ist dieses Mal eine andere. In der Höhe kommt mit dieser Front nämlich deutlich mildere Luft nach Deutschland, sodass die Niederschläge zwar anfangs als Schnee fallen, dann aber immer mehr in Regen übergehen.

Dieser Regen fällt nun in die Frostluft und trifft auf durch den vergangenen Frost tief gefrorene Böden. Damit gefriert der Regen wieder, was einen starken Eisansatz zur Folge haben kann und teils auch haben wird. Es ist mit Einschränkungen auf Straßen, Wegen und der Schiene zu rechnen!

Ueberregionale Glatteislage Winterabschied mit der Brechstange 2

Die vom Wettermodell ICON-D2 prognostizierten Niederschläge verdeutlichen, wie beim Niederschlag aus Schnee (blaue Fläche) rasch der gefrierende Regen (rote Fläche) wird. Diese Zone verlagert sich von West nach Ost/Südost.

Blickt man auf die Prognose des deutschen Icon-D2-Wettermodells so wird ersichtlich, dass bereits in der zweiten Nachthälfte größere Teile von Nordrhein-Westfalen sowie von Rheinland-Pfalz und dem Saarland betroffen sind. In den folgenden Stunden verlagert sich die Front weiter gen Osten, dabei wird die Schneephase aber zunächst ein wenig ergiebiger, sprich langanhaltender. Dabei können in den zentralen Mittelgebirgen durchaus nochmal ein paar Zentimeter Schnee fallen.

Aber auch dort, genauso wie im Süden, geht der Schneefall im Tagesverlauf in gefrierenden Regen über und wird mit einer weiteren Welle von Südwesten sogar nochmal verstärkt. Dies gilt vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden in einem Streifen von Nordhessen über Thüringen bis Niederbayern. Hier könnte es über Stunden hinweg bei Minusgraden regnen, was einen massiven Eisansatz zur Folge haben kann.

Abends und nachts erreicht die Front dann auch den Osten und bringt dort ebenfalls zunächst Schnee, im Verlauf gefrierenden Regen. Vor allem in Niederbayern halten sich die bodennahe Kaltluft und der darüber ziehende Niederschlag lange, sodass dieses Gebiet nach aktuellem Stand besonders im Fokus liegt.

Mit dem Dienstag ist die Unwetterlage aber noch immer nicht ganz vorbei. Zwar schwächen sich die Niederschläge etwas ab, aber auch im äußersten Osten kommen diese an und treffen dort auf die Frostluft. Erst im weiteren Tagesverlauf entspannt sich dort, wie auch in Südostbayern, die Lage.

Damit endet eine durchaus spannende und wechselvolle winterliche Episode – bis auf Weiteres.

M.Sc. Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Rückblick auf Sturmtief ELLI

Am Donnerstagabend schob sich die Warmfront von Tief ELLI von Südwesten über Deutschland hinweg nordostwärts. Auf ihrem Weg brachte sie vor allem in den mittleren Landesteilen gebietsweise 10 cm Neuschnee in wenigen Stunden. Den Nordosten Deutschland erreichte die Warmfront nicht. Das Hoch BRONCO als Gegenspieler über Skandinavien blockierte den Weg. Von der Nordsee bis nach Sachsen kam der Vormarsch der Niederschläge zum Erliegen und es schneite in diesem Streifen für längere Zeit und zum Teil mäßig.

Rueckblick auf Sturmtief ELLI

Radarfilm vom 08.01.2026 08 Uhr bis 10.01.2026 10 Uhr, zusätzlich Böen der letzten Stunde in 10 Meter Höhe. Blau: Schnee, Grün: Regen, Rot: Gefrierender Regen (Quelle:DWD)

BRONCO und ELLI führten gegensätzliche Luftmassen nach Deutschland. Nördlich des Tiefs frischte der Ostwind stark bis stürmisch auf. An Nord- und Ostsee gab es teils schwere Sturmböen, auf Helgoland orkanartige Böen bis 108 km/h. Im Binnenland war der Wind zwar nicht ganz so stark, dennoch reichten Wind- bzw. stürmische Böen zwischen 50 und 70 km/h für teils starke Schneeverwehungen. Verweht wurde dabei nicht nur der frisch gefallene Schnee, sondern auch „Altschnee“, der aus Schneefällen der Vortage bereits lag. An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste führte der anhaltend stürmische Ostwind zu einer Sturmflut. Vielerorts wurden dort in der Nacht zum Samstag Wasserstände von 110 bis 135 cm über Normalhöhennull gemessen.

Markant waren auch die großen Temperaturgegensätze, die zwischen dem Osten und Südwesten Deutschlands herrschten. Zeitweise gab es zwischen dem Oberrhein und der Oder eine Differenz von zwanzig Grad (Oberrhein etwa 10 Grad, an der Oder etwa -10 Grad). Am heutigen Samstag sind die Temperaturunterschiede nicht mehr ganz so groß, dennoch sind sie noch bemerkenswert. Samstagfrüh wurden in Coschen in Brandenburg -12 Grad und in den tiefen Lagen von Rheinland-Pfalz um +2 Grad gemessen.

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Animation der 2m-Temperatur vom 08.01.2026 08 Uhr bis 10.01.2026 10 Uhr (Quelle:DWD)

Stand Samstagfrüh liegt abseits der Mittelgebirgslagen vor allem in Nordfriesland und in einem Streifen von der Nordsee über die Nordosthälfte Niedersachsens bis ins zentrale Sachsen-Anhalt eine dicke Schneedecke mit einer Mächtigkeit von 10 bis 20, örtlich um 30 cm. Durch Verwehungen können lokal deutlich größere Schneehöhen erreicht werden. Im Südwesten ist dagegen durch die milde Luft der Schnee, sofern überhaupt welcher lag, getaut. Heut und in der Nacht zum Sonntag reicht es auch im Süden gebietsweise für eine dünne Neuschneedecke. Deutlich mehr Schnee fällt an den Alpen und im Schwarzwald.

Rueckblick auf Sturmtief ELLI 3

Schneehöhen in cm am 10.01.2026 um 07 Uhr (Quelle:DWD)

In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag setzt sich vorübergehend Hochdruckeinfluss durch. Auflockerungen, schwache Winde und die vorhandene Schneedecke sind günstige Voraussetzungen für tiefe Temperaturen. Im Norden und der Mitte Deutschlands wird die Temperatur verbreitet in den strengen Frostbereich sinken. Sonntagfrüh werden häufig -10 bis -15 Grad, örtlich auch noch etwas tiefere Werte erwartet. In der Nacht zum Montag verlagert sich der nächtliche Kälteschwerpunkt in die Osthälfte Deutschlands. Dort werden dann ebenfalls verbreitet -10 bis -15 Grad und örtlich niedrigere Minima erwartet.

Im Westen wird es nicht mehr ganz so kalt, auffrischender Wind und aufziehende Bewölkung sind der Grund. Eine Warmfront bringt im Westen im Laufe der Nacht Niederschläge, die teils von Anfang als Regen fallen, teils gibt es zu Beginn eine kurze Schneephase. So oder so bahnt sich in Kombination mit den gefrorenen Böden, siehe kalte Nächte, eine brisante Glatteislage für große Teile Deutschlands ab der Nacht zum Montag an!

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

Es tauchen in einem Wetterbericht immer wieder die Begriffe Bergland, Flachland, mittlere Lagen, Tiefland, höheres Bergland usw. auf. Im Folgenden versuchen wir etwas Licht ins Dunkel zu bringen, welche Höhenlage denn nun welcher Bezeichnung entspricht. Allerdings muss vorweggenommen werden, dass es beim DWD keine festgeschriebene Definition der verwendeten Begrifflichkeiten gibt.
Grundlegend muss festgehalten werden, dass die Definitionen innerhalb Deutschlands variieren. Prinzipiell wird der Begriff Bergland im nördlichen Teil Deutschlands teilweise schon für flache Mittelgebirgslagen angewendet, während im Süden des Landes deutlich höher gelegene Regionen als Bergland bezeichnet werden.

Nehmen wir beispielsweise das höhere Bergland oder die höheren Lagen als Basis. Im Norden Deutschlands spricht man ab etwa 500-700 m vom höheren Bergland, in der Mitte ab 600-800 m und im Süden ab 700-1000 m. Die mittleren Lagen sind etwas tiefer anzusetzen und entsprechen im Norden der Höhenstufe zwischen 200 und 500 m, in der Mitte zwischen 300 und 600 m und im Süden zwischen 400 und 700 m. In Lagen unterhalb der angesprochenen Höhenniveaus wird vom Flachland oder tiefen Lagen gesprochen. Gelegentlich liest man vor allem in Bayern auch mal höheres Flachland. Damit ist dort meist die Höhenstufe um 400 m gemeint. Im folgenden Bild sind die Gebietsbezeichnungen in Deutschland sowie die einzelnen Mittelgebirge aufgeführt.

Bergland oder Tiefland Wozu gehoere ich

Geografie Deutschlands mit Gebietsbezeichnungen und Mittelgebirgszügen (Quelle:https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7f/Deutschland_Landschaften.png )

Im Warnsystem des DWD wird vom Meeresniveau bis auf 1000 m auf Höhenstufen in 200 m Schritten zurückgegriffen. Danach folgt noch die Höhenstufe 1500 m und 2000 m. Diese Abgrenzung bietet sich insbesondere für Wind- und Schneefallwarnungen an. Besonders bei Schneefall gelten aber oberhalb 800 m andere Kriterien als unterhalb 800 m. Beispielsweise müssen für das Erreichen der Unwetterschwelle in Lagen oberhalb 800 m 20 bis 30 cm Schnee in sechs Stunden fallen, während in tiefer gelegenen Lagen dafür 10 bis 20 cm ausreichen. Die einzelnen Warnkriterien finden Sie unter: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html.

Am heutigen Freitag gestaltet sich die Warnlage äußerst komplex und auch hier spielen die Höhenstufen beispielsweise in Bezug auf den Wind oder den Schneefall eine wichtige Rolle. Aktuelle Warnungen finden sich unter: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node.html. Besonders in den Staulagen des Berglandes (also der windzugewandten Seite) gibt es bei in der Mitte und später im Süden wieder absinkender Schneefallgrenze teils starke Schneefälle. Außerdem schneit es in einem Streifen vom Emsland bis in die Lausitz am Freitagnachmittag gebietsweise noch kräftig. Zu einer vorübergehenden Beruhigung der Wetterlage kommt es von Norden her im Laufe des Samstags, allerdings dann mit bitterkalten Nächten.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.01.2026

 

Die Außenkugel

Unsere Atmosphäre… eine Gasschicht, die unsere Erde vom Weltraum trennt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass sie einen speziellen vertikalen Aufbau besitzt. Im Thema des Tages vom 17.10.2025 wurde schon ein kurzer Überblick über die atmosphärischen Schichten gegeben. Dem Aufbau der Atmosphäre folgend, ist nun nach Betrachtung der Tropo-, Strato- und Meso- und Thermosphäre in einzelnen Themen des Tages als letzte die Exosphäre an der Reihe.

Die Exosphäre befindet sich oberhalb der Thermopause und stellt die äußerste Schicht der Atmosphäre dar. Der Name leitet sich dementsprechend von den griechischen Worten „exo“ – außen/außerhalb und „sphaira“ – Kugel ab. Die Grenzen dieser Schicht sind nicht ganz klar definiert. Allgemein schließt sie an den Oberrand der Thermosphäre bzw. Thermopause in einer Höhe von etwa 600 km an. Für den fließenden Übergang zum Weltall hin, gibt es sehr unterschiedliche Höhenangaben. Dabei wird eine Spanne von 10.000 km bis zu 630.000 km angegeben. Um diese riesigen Zahlen einordnen zu können eine kleine Randnotiz: Unser Mond befindet sich etwa in einem Abstand von etwa 385.000 km zu der Erdoberfläche. Das bedeutet folglich, dass in manch einer Exosphärendarstellung der Mond weit innerhalb unserer Atmosphäre liegt.

Durch die unmittelbar eintreffende energiereiche Sonneneinstrahlung, liegt die vorherrschende Temperatur oft über 1000 °C, kann aber auch deutlich darunter liegen. Der Grund für diese große Spanne liegt darin, dass die Sonnenaktivität ähnlich wie in der Thermosphäre einen enormen Einfluss hat. Dadurch, dass die Luft noch dünner als in der darunter liegenden Schicht ist, kann hier natürlich ebenso wenig der uns geläufige Temperaturbegriff angewandt werden. Die Temperatur bezieht sich demnach nur auf die mittlere Bewegungsenergie der (wenigen) Teilchen. Gefühlt ist es dort oben eiskalt und nicht heiß.

Die geringe Anzahl an Teilchen hat einen weiteren Effekt. Zusammenstöße von zwei Teilchen sind sehr unwahrscheinlich und dadurch auch ihre Bremswirkung. Leichte Teilchen mit ausreichend großer Geschwindigkeit (Überschreiten der Fluchtgeschwindigkeit) können das Gravitationsfeld der Erde in den Weltraum verlassen. Dieser atmosphärische Verlust wird auch als „Jeans Escape“ (Jeans-Verlust) bezeichnet. Zusammen mit anderen Arten des Masseverlusts verliert die Atmosphäre pro Sekunde etwa 3 kg Wasserstoff. Schwerere Teilchen sind davon weit weniger betroffen und können durch die Gravitation gehalten werden.

Nun ist es soweit, mit der Exosphäre haben wir den Rundgang durch den Aufbau unserer Atmosphäre abgeschlossen. Unser Wetter spielt sich in der untersten Schicht ab, darüber werden wir durch Ozon vor gefährlicher Sonnenstrahlung geschützt. In der Mesosphäre finden sich leuchtende Nachtwolken und in der Thermosphäre spektakuläre Polarlichter. Die Exosphäre reicht bis in gewaltige Höhen und markiert den fließenden Übergang zum Weltall. Gleichzeitig ermöglicht dieses Meisterwerk verschiedener miteinander interagierender Schichten erst unser aller Leben und ist das nicht einfach unglaublich faszinierend?

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.01.2026
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Vollkorn oder Graupel?

In den Wetterberichten der ersten Woche des neuen Jahres wurde wiederholt auf teils gewittrige Graupelschauer hingewiesen. Etymologisch von Graupen, also geschälten Gersten- und Weizenkörnern abgeleitet, versteht man unter Graupel festen, eiskornartigen Niederschlag welcher – im Gegensatz zum eng verwandten Hagel – in unseren Breiten vorwiegend im kühleren Halbjahr auftritt. Er entsteht, wenn Schnee- oder Eiskristalle im Aufwind von konvektiven Wolken unterkühlte Wassertröpfchen einsammeln. Die sehr viel kleineren Wassertröpfchen, die trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch flüssig sind (ein Thema des Tages für sich), frieren an den Schneekristallen fest. Dabei bilden sie zunehmend rundliche undurchsichtige Körner von schneeähnlicher Beschaffenheit, aber deutlich anderem Erscheinungsbild (Thema des Tages vom 18.12.2025)

Vollkorn oder Graupel

Typisches Erscheinungsbild von Graupel

Ein wesentlicher Unterschied zum Hagel ist die Größe. Graupel wird gemeinhin zwischen 2 und 5 mm Durchmesser definiert, während Hagel bekanntermaßen deutlich größer werden kann (Thema des Tages vom 30.10.2024). Dieser Unterschied resultiert aus der Stärke der Aufwinde in den Wolken. Die stärkeren Aufwinde in Sommergewittern hängen in erster Linie mit der stärkeren Erwärmung sowie mit dem höheren Wassergehalt in der wärmeren Luft zusammen, was in den kälteren Monaten nicht gegeben ist. Bei einer labilen Schichtung und der Ausbildung von konvektiven Schauerwolken wie in der vergangenen Woche – in höheren Schichten der Troposphäre um 5 km wurde aus dem Norden Luft mit Temperaturen unter -40°C über Norddeutschland transportiert – reichten die Aufwinde somit nur zur Bildung von besagtem kleinkörnigem Graupel aus.

Vollkorn oder Graupel 2

Temperatur auf 500 hPa (ca. 5.5 km Höhe) für Sonntag den 04.01.2026 12 Uhr (Quelle: ECMWF)

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

Das Winterwetter hat uns zwar weiter fest im Griff, zeigt sich am heutigen Dienstag aber zumeist von seiner ruhigen Seite. Grund dafür ist Azorenhoch ANDREAS, das seine Fühler vorübergehend bis nach Deutschland ausstreckt. Während es in weiten Teilen des Landes in der Folge nur noch hier und da für etwas Geflöckel reicht, bringen die Ausläufer von Tief CONSTANZE mit Sitz bei Schottland dem Nordseeumfeld neue Schneeschauer. Letztere machen sich am morgigen Mittwoch auch im Nordwesten und Westen mit Schneefall bemerkbar, der sich in der Nacht zum Donnerstag in abgeschwächter Form auf weite Teile des Landes ausbreitet.

Brisante Wetterlage im Anmarsch

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Donnerstag, 08.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Richtig spannend wird es aber ab Donnerstag. Über dem Atlantik formiert sich Tief ELLI, das rasch ostwärts vorankommt und sich dabei zu einem Sturmtief verstärkt. Während es sich Donnerstagfrüh noch westlich von Irland befindet, soll es Freitagfrüh bereits irgendwo im Raum Niederlande, Ärmelkanal, Südostengland liegen und im Laufe des Freitags langsam nach Deutschland ziehen.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 2

Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Freitag, 09.01.2026, 01:00 Uhr (ICON).

Damit verbunden sind zunächst einmal teils kräftige Niederschläge, die im Laufe des Donnerstags auf den Südwesten und Westen übergreifen und zunächst als Schnee fallen. Da ELLI aber auch deutlich mildere Atlantikluft aus Südwesten ins Land strömen lässt, gehen die Niederschläge recht rasch in Regen über. Im Übergangsbereich kann es dabei vorübergehend zur Bildung von Glatteis kommen! In der Nacht zum Freitag kommen die Niederschläge weiter ost-/ nordostwärts voran und erreichen im Laufe des Freitags auch den äußersten Osten und Südosten. Auch dabei gilt zumeist: Erst Schnee, dann teils gefrierender Regen. Eine Ausnahme könnte der Norden oder zumindest Teile davon bilden, wo man sich nämlich (nach aktuellem Stand) nördlich des Tiefkerns und damit auf der kalten Seite befindet. Dort könnte es zum Teil auch durchweg schneien.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 3

Niederschlagsphase und -stärke für Freitag, 09.01.2026, 07:00 Uhr (ICON).

Kommen wir zum Wind. ELLI weist gleich zwei Sturmfelder auf. Eins ist auf der Südseite des Tiefs zu finden und reicht etwa von Frankreich und Benelux bis in den Westen und Südwesten Deutschlands hinein. Dabei kann es bis in tiefe Lagen zu stürmischen und einzelnen Sturmböen kommen, auf den Bergen droht schwerer Sturm. Das andere befindet sich auf der Nordflanke von Elli, wo von der Ostsee bis zur Nordsee Böen bis Sturmstärke aus Ost auftreten können. Dazwischen gibt es einen schmalen Korridor, in dem der Wind nur recht schwach weht.

Brisante Wetterlage im Anmarsch 4

Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (ICON).

Entscheidend ist natürlich die genaue Zugbahn von ELLI und die ist derzeit noch alles andere als in Stein gemeißelt. Davon sowie vom Kerndruck des Sturmtiefs hängt die Windentwicklung maßgeblich ab. Das IFS-Modell hat in seinem heutigen 0-UTC-Lauf das Tief zum Beispiel etwas weiter südlich im Programm. Damit verschieben sich auch beide Sturmfelder etwas weiter nach Süden.

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Windgeschwindigkeit (Böen, 10 m, Farbfläche), Windrichtung (Pfeile) und Luftdruck am Boden (schwarze Linien) für Freitag, 09.01.2026, 13:00 Uhr (IFS).

Was allerdings relativ sicher ist, ist, dass es zumindest regional zu einer Kombination aus starkem Wind und Schneefall beziehungsweise einer lockeren Schneedecke kommt. Schneeverwehungen sind die Folge, die durchaus kräftig sein können.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es dem Schnee vor allem in der Südwesthälfte ziemlich an den Kragen gehen dürfte. Der Blick auf die dortigen Höchstwerte am Freitag zeigt verbreitet 5 bis 9 Grad – plus, wohlgemerkt! Aber gut, so viel Schnee liegt dort in der Fläche ja ohnehin nicht. In rund 1500 m Höhe gelangt dagegen schon wieder kältere Luft aus Westen ins Land, die um das Tief gegen den Uhrzeigersinn geführt wird. Durch den kräftigen Wind und die gute Durchmischung der bodennahen Luft, wirkt sich das jedoch nicht auf die angesprochenen Höchstwerte aus. Allerdings sinkt dadurch die Schneefallgrenze langsam wieder, sodass zumindest im Bergland im Laufe des Freitags wieder die Schneephase dominieren dürfte.

Am Wochenende soll uns das Tief unter Abschwächung ost-/südostwärts überqueren. Wie genau das vonstatten geht, ist noch sehr unsicher. Es bleibt aber wohl unbeständig bei weiter absinkender Schneefallgrenze.

Zusammenfassend gesagt, gibt es noch einige Unsicherheiten bei der genauen Entwicklung und Zugbahn des Tiefs und damit natürlich auch bei der Wind- und Niederschlagsentwicklung. Dass da aber etwas im Busch steckt, steht außer Frage.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2026
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