Hagelereignisse in Deutschland

Auch wenn aktuell über Mitteleuropa weitgehend ruhiges Hochdruckwetter vorherrscht, steht uns die Gewittersaison 2026 unmittelbar bevor – und damit steigt auch die Hagelgefahr. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass im Zeitraum von 2005 bis 2024 die meisten Hagelstürme in Deutschland zwischen Mai und August auftraten. Grundlage der Untersuchung waren Radardaten des Deutschen Wetterdienstes, aus denen potenzielle Hagelzüge abgeleitet wurden.

Dabei zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieses lässt sich sowohl durch die orographischen Gegebenheiten als auch durch den höheren Energiegehalt der Troposphäre im Süden erklären, der im klimatologischen Mittel im Frühling und Sommer ausgeprägter ist. Ein Schwerpunkt zeigt sich südlich von Stuttgart entlang der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland. In diesen Regionen beeinflusst die Topographie von Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen maßgeblich die Entstehung von kräftigen Gewittern, die Hagel produzieren können. Im Lee der Gebirge bilden sich häufig lokale Konvergenzen aus, an denen Luftmassen zusammenströmen. Diese Konvergenzen sind oftmals die Brutstätte für schwere Gewitter mit Hagel. Da bei den meisten schweren Gewitterlagen eine südwestliche Strömung vorherrscht, sind diese Regionen besonders anfällig. Dort treten Hagelereignisse nicht nur vergleichsweise häufig auf, sondern auch überdurchschnittlich viele Fälle mit großem Hagel. In Erinnerung ist bei einigen in diesem Zusammenhang sicherlich das Hagelunwetter von Reutlingen aus dem Jahr 2013 geblieben. Am 27 Juli sorgte damals eine Superzelle mit großem Hagel entlang der Schwäbischen Alb für massive Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft.

Hagelereignisse in Deutschland 1

Die mittlere Anzahl der Hagelzüge pro 1 Quadratkilometer Gitterpunkt zwischen 2005-2024 in Deutschland. Maxima zeigen sich südlich von Stuttgart und im Alpenvorland.

Da zur Ausbildung von Hagelstürmen neben einer feuchtwarmen energiereichen Luftmasse auch ein Hebungsantrieb vorhanden sein muss, hat die Wetterlage einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten solcher Ereignisse. Die Studie zeigt, dass etwa 50 Prozent dieser Stürme in diesem Zeitraum in Verbindung mit blockierenden Wetterlagen auftraten. Solche Lagen führen durch langsam ziehende Druckgebilde häufig zu Serien von Hagelstürmen über mehrere Tage. Dabei kristallisiert sich heraus, dass solche Episoden mit einer Periode von Hagelstürmen gefolgt von längeren Ruhephasen häufiger geworden sind. Das am häufigsten dominierende Wetterregime war eine skandinavische Blockierungslage mit einem kräftigen nahezu stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien und gleichzeitig tiefen Luftdruck im Bereich des Mittelmeerraums. Betrachtet man die räumlichen Unterschiede innerhalb von Deutschland, so zeigt sich lediglich im Süden eine Zunahme in der Hagelhäufigkeit. In der Mitte und im Norden ist eine Tendenz zu weniger Ereignissen erkennbar. Dies steht im Widerspruch zur verbreiteten Annahme, dass aufgrund des Anstiegs der Temperatur und Feuchtigkeit automatisch mehr schwere Gewitter auftreten.

Hagelereignisse in Deutschland 2

Tage mit Hagelzügen unter verschiedenen Wetterregimen. An 50 Prozent der Hageltagen war ein blockierendes Wetterregime vorherrschend.

Da die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre allerdings weitaus vielschichtiger sind, können veränderte atmosphärische Strömungen, der Aerosolgehalt in der Troposphäre oder der Anstieg der Nullgradgrenze einen negativen Trend in der Häufigkeit erklären. Die Ausbildung von Gewittern mit Hagel bleibt ein komplexes Thema, welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wodurch sich räumlich kein einheitliches Bild ergibt.

In den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter weitgehend erhalten. Lediglich am Dienstagabend besteht im Zusammenhang mit einem schwach ausgeprägten Höhentief über dem süddeutschen Bergland ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko. Schwere Gewitter mit Hagel werden jedoch nicht erwartet!

Damit bleibt abzuwarten, wo die Gewitter – und Hagelschwerpunkte in dieser Saison liegen werden.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hochdruck ohne Ende

Seit Tagen schon herrscht Hochdruckeinfluss in Deutschland. In den meisten Regionen drückt sich dieser in einem nur wenig oder gar nicht bewölktem Himmel aus. Nur im Norden hat feuchte Nordseeluft in den letzten Tagen für viele tiefe Wolken mit Hochnebelcharakter gesorgt. Regen fiel daraus aber kaum. Heute wird die eingeströmte feuchte Meeresluft von einem Tiefausläufer gehoben, was zu Quellwolken und somit zu einem Rückgang der Hochnebeldecke führt. Niederschlag ist aber weiter Mangelware.

Hochdruck ohne Ende 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse des Bodendruckfeldes (in hPa) und der Wetterfronten sowie der den Namen der Druckzentren von Samstag, 25.04.2026 0 UTC/2 MESZ (Quelle: DWD)

Der Ausläufer gehört zu Tief YLVI mit Zentrum über Südostskandinavien. Zwischen ihr und den Hochdruckgebieten ULI, WINFRIED und VOLKER erhöht sich im Norden und Osten der Druckgradient, was in einem frischen Wind resultiert.

Hochdruck ohne Ende 2

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) sowie den Namen der Druckzentren für Samstag, 25.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Die Hochdruckgebiete, die vom Nordwesten Europas über den Westen und die Mitte bis in den Süden reichen, gewinnen bereits am Sonntag wieder die Oberhand. Die Tiefdruckgebiete YLVI und XIMENA über Nordost- und Osteuropa werden zurückgedrängt. Der Druckgradient nimmt deutlich ab und der Wind lässt nach.

Hochdruck ohne Ende 3

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) für Sonntag, 26.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Auch atlantische Störungen erreichen uns in den kommenden Tagen nicht. Der Hochdruckeinfluss ist gekommen, um zu bleiben. Erst am Dienstag zieht sich das Hoch mehr in den Westen und Norden Europas zurück. Dann kann sich über der Iberischen Halbinsel und dem westlichen Mittelmeer tiefer Luftdruck ausbreiten. Dabei wird etwas feuchtere Luft in den Süden Deutschlands geführt, was in einzelnen Schauern oder leichtem Regen im äußersten Süden und Südwesten münden kann.

Hochdruck ohne Ende 4

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) für Dienstag, 28.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Im großen Rest Deutschlands ist es weiterhin trocken. Dabei ist es im Westen und Süden immer ein paar Grad wärmer als im Norden und Osten. Denn die Luft strömt im Uhrzeigersinn um die Hochdruckgebiete herum zu uns und kommt damit überwiegend aus nördlicher Richtung. Auf dem Weg in den Süden und Westen kann sie sich dabei über Land erwärmen, während sie über die frische Nord- und Ostsee kaum Erwärmung erfährt.
Der erste Trend nach Wochenmitte zeigt weiterhin Hochdruckeinfluss. Ob dabei zum Ende der Woche mildere Luft aus Süden gewinnt oder wir weiter auf der Vorderseite in nördlicher Strömung verbleiben, ist noch ungewiss.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wie Wetter Geschichte schrieb

Am Sonntag, den 26. April 2026, jährt sich der Super-GAU (Größter anzunehmender Unfall), also die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit kam es in Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zu einer Explosion des Kernreaktors. Infolgedessen wurden große Mengen radioaktiver Materie freigesetzt. Einige Bestandteile gingen in Form von Staubpartikeln in der Umgebung des Reaktors nieder. Andere, insbesondere leicht flüchtige Isotope gelangten bei der Freisetzung bis in große Höhen der Atmosphäre und wurden in einer Art radioaktiven Wolke teilweise Tausende Kilometer weit getragen.

Und welchen Einfluss hatte das Wetter hierbei? Für gewöhnlich wehen die Winde über Europa häufig von West nach Ost, was die radioaktive Materie von Europa wegtransportiert hätte. Allerdings war die großräumige Wetterlage über Europa Ende April 1986 so, dass zunächst Skandinavien davon betroffen war, nachfolgend dann auch Mitteleuropa. Im Süden Deutschlands traten zu dieser Zeit teils kräftige Regenfälle auf. Dabei wurden die radioaktiven Bestandteile aus der Atmosphäre gewaschen. Damit lässt sich erklären, warum der Süden mehr belastet ist als der Norden Deutschlands. Selbst heute noch sollte man dies beim Verzehr von Wildfleisch, Pilzen und Waldbeeren im Hinterkopf haben.

Wie Wetter Geschichte schrieb

Havarierter Block 4 von Tschernobyl mit Denkmal für die ersten Opfer im Vordergrund, aufgenommen am 23.09.2017

Auch bei anderen historischen Ereignissen spielte das Wetter eine entscheidende Rolle. In früheren Themen des Tages wurde bereits über den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki sowie den D-Day (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/7.html) berichtet, zudem wurde Bezug genommen auf die Winter 1812/13 (während Napoleons Russlandfeldzug) und 1941/42 (während Hitlers Russlandfeldzug) sowie auf den Hungerwinter 1946/47 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/25.html). An dieser Stelle soll nun auf historische Ereignisse eingegangen werden, bei denen schlechte Sichtbedingungen eine entscheidende Rolle spielten.

Da wäre zum einen der Mechelen-Zwischenfall während der Vorbereitungen für den Westfeldzug, bei dem schließlich Nazideutschland im Frühsommer 1940 unter Verletzung der Neutralität der Beneluxstaaten weite Teile Frankreichs besetzte. Für dessen Umsetzung war eine nur wenig angepasste Neuauflage des bereits im Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffenplanes vorgesehen.

Am 10. Januar 1940 wurde der Offizier Major Helmut Reinberger als Kurier mit der neuesten Version der Angriffspläne zu einer Stabsbesprechung nach Köln geschickt. Geheime Dokumente durften damals nicht fliegen, weshalb der Offizier mit dem Zug fuhr. Auf dem Weg dorthin plante er den Besuch eines Kameraden auf einem Luftwaffenstützpunkt im Münsterland ein. Da er dort aufgehalten wurde, verpasste er allerdings seinen Zug nach Köln. Ein Luftwaffenoffizier bot ihm an, ihn bei seinem Flug nach Köln mitzunehmen. Trotz Vorschriftswidrigkeit nahm der Offizier das Angebot an. Es trat genau das ein, weshalb geheime Dokumente damals eben nicht fliegen durften: Aufgrund von schlechten Sichtbedingungen verflog sich der Pilot, driftete durch starken Ostwind ab und musste schließlich in Belgien notlanden. Dies blieb dort natürlich nicht unbemerkt. Die Offiziere versuchten zwar noch, die Angriffspläne zu verbrennen, aber der böige Wind vereitelte das vollständige Verbrennen, bevor eintreffende belgische Beamte das Feuer löschen konnten. Dadurch gerieten die geheimen Dokumente in die Hände der belgischen Armee, die diese umgehend an die Franzosen und Briten weiterleitete. Nur aufgrund dieses Vorfalls kam „Plan B“ zum Einsatz: der Mansteinplan, der eine Ablenkungsoffensive an der rechten Flanke über die Niederlande und Belgien vorsah und den Hauptvorstoß durch die Ardennen in den Rücken der Alliierten, die dadurch auch von ihren Versorgungslinien abgeschnitten wurden. Innerhalb weniger Wochen wurde der Westfeldzug von Nazideutschland gewonnen.

Nur wenige Wochen vor dem Mechelen-Zwischenfall, am 08. November 1939, hätte sich womöglich die gesamte nachfolgende Geschichte ändern können, wenn da nicht der Nebel gewesen wäre. Hitler hielt in jedem Jahr zum Gedenken an den gescheiterten Putsch 1923 eine in der Regel lange Rede im Münchner Bürgerbräukeller. Der württembergische Tischler Georg Elser, ein Gegner des Nationalsozialismus, war im Jahr zuvor unter den Zuhörern, was ihn davon überzeugte, dass der Bürgerbräukeller der richtige Ort für seinen Attentatsversuch auf Hitler war. Hitler würde im darauffolgenden Jahr, also 1939, mit Sicherheit zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle wieder eine Rede halten. Für seinen Plan trat Elser zunächst eine Arbeit in einem Steinbruch an, um entsprechende Materialien für seine Zeitbombe entwenden zu können. In mühevoller nächtlicher Arbeit deponierte er diese in einer Säule im Bürgerbräukeller gleich hinter dem Rednerpult, um sich dann noch rechtzeitig in die Schweiz absetzen zu können. Detonationszeitpunkt war der 08. November 1939 um 21:20 Uhr. In diesem Jahr verlief die Rede Hitlers allerdings anders als sonst: Es war Krieg und Hitler wollte seinen Auftritt zunächst sogar absagen, entschied sich dann aber doch dafür. Am gleichen Abend wollte er zurück nach Berlin fliegen, weshalb sein Auftritt vorverlegt wurde. Aufgrund schlechter Sichtbedingungen war ein Rückflug aber nicht möglich. Hitler hielt sich bei seiner Rede kurz und verließ bereits um kurz nach 21 Uhr den Bürgerbräukeller, da am Münchner Hauptbahnhof ein Sonderzug bereitstand, der um 21:30 Uhr abfahren sollte. Auch viele der Zuhörer hatten das Gebäude bereits verlassen, als die Zeitbombe planmäßig um 21:20 Uhr detonierte. Durch die Detonation brach die Säule zusammen und die Deckenkonstruktion stürzte auf die Rednertribüne. Es gab acht Tote, u.a. eine Aushilfskellnerin, und viele Verletzte. Wäre Hitlers Auftritt wie im Jahr zuvor verlaufen, hätte die Sache wahrscheinlich anders ausgesehen. Elser wurde an der Schweizer Grenze aufgegriffen und verriet sich durch eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders in seiner Tasche.

Anhand dieser und noch vieler weiterer Beispiele wird erkennbar, wie das Wetter Einfluss auf die Geschichte nehmen kann.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

Eine trockene Luftmasse, wolkenlose Bedingungen und möglichst wenig Wind – dies sind die Bedingungen, die es für niedrige Tiefstwerte braucht. All diese Voraussetzungen waren in der Nacht zum Mittwoch verbreitet und in der Nacht zum Donnerstag gebietsweise erfüllt. Ein klarer Himmel ist notwendig, damit der Boden effektiv Wärme in den Weltraum abstrahlt. Eine Wolkendecke würde für Gegenstrahlung Richtung Boden sorgen. Eine trockene Luftmasse ist wichtig, da sonst bei Abkühlung bald 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht wären, Nebel entstehen würde und ein weiteres Abkühlen nur langsam voranschreiten würde. Schwacher Wind ist vonnöten, da sonst die sich bildende bodennahe Kaltluftschicht (kalte Luft ist schwerer als warme Luft) mit darüber liegender wärmerer Luft durchmischt werden würde.

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 1

Zeitreihe der Temperatur in verschiedenen Höhen in Hamburg vom 21. bis 23.04.2026. (Quelle:https://wettermast.uni-hamburg.de/frame.php?doc=Home.htm)

In der Nacht zum Mittwoch gab es abgesehen vom Südwesten verbreitet leichten Frost. Von Gipfellagen und einzelnen notorisch kalten Tallagen abgesehen war es besonders kalt in Bad Königshofen in Unterfranken (-3,6 Grad), in Sohland an der Spree (Sachsen) mit -3,5 Grad und im Norden von Schleswig-Holstein mit -3,4 Grad.

Wie flach die Kaltluftschicht tatsächlich war, lässt sich gut anhand des „Wettermastes“ in Osten von Hamburg dokumentieren. An diesem Mast sind in verschiedenen Höhen vom Boden bis in 280 Meter Höhe Messinstrumente vom meteorologischen Institut der Universität Hamburg angebracht. Diese messen unter vielen anderen Messgrößen die Temperatur. In Abbildung 2 ist die Temperatur der verschiedenen Höhen als Zeitreihe dargestellt. Am Dienstagabend sieht man die beginnende Abkühlung in allen Luftschichten, die aber umso ausgeprägter war, je tiefer sich der Messfühler befand. Ab 22 Uhr waren tiefere Luftschichten kälter als darüberliegende. Es hatte sich eine Inversion (inverse Temperaturschichtung) eingestellt. Kurz nach Sonnenaufgang zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr wurden die Tiefstwerte erreicht. Zwischen 2 m und 110 m Höhe betrug die Differenz etwa 10 Kelvin (-1 Grad in 2 m und +9 Grad in 110 m Höhe). Die mit Gras bewachsene Oberfläche des Bodens war sogar -6 Grad kalt. Nach Sonnenaufgang erwärmten sich die bodennahen Schichten durch die solare Strahlung rasch und die normale Temperaturschichtung stellte sich wieder ein. Mit knapp 17 Grad am Nachmittag wurde es trotz der niedrigen Startwerte noch mild. Der Tagesgang zwischen Tiefst- und Höchstwert betrug etwa 18 Grad. Gebietsweise wurden sogar Tagesgänge um 20 Grad erreicht, wie zum Beispiel in Celle mit 20,5 Grad (-1,5/19 Grad).

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 2

Messwerte: Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 22. und 23.04.2026

In der Nacht zum Donnerstag zogen im Norden Wolken auf und bereits das Fehlen eines der drei Parameter führte zu deutlich höheren Nachtwerten über dem Gefrierpunkt. In der Mitte und im Süden des Landes wiederholte sich das Spiel der Nacht zuvor aber wieder. Örtlich wurden erneut -3 bis -4 Grad gemessen. Deutschlandweit am wärmsten waren die etwas erhöhten Lagen im Südwesten. In Bad Bergzabern in der Pfalz sank die Temperatur nicht unter 8,1 Grad, in der Tallage Kaiserslautern dagegen bis auf 0,3 Grad.

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 3

Prognose (MOS): Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 24. und 25.04.2026

In den kommenden Nächten wird es zwar allmählich etwas milder. Im Süden ist die Frostgefahr aber noch nicht gebannt. Besonders in ländlichen Tallagen wird es auch in den Nächten zum Freitag und Samstag leichten Frost geben. Im Norden sorgen dagegen Wolken und Wind für mildere Nächte.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Über Erhaltungsgrößen – und eine grell-bunte Animation

In der Physik sind Erhaltungssätze weit mehr als nur mathematische Regeln. Sie sind ein grundlegendes Werkzeug zur Beschreibung physikalischer Systeme und zeigen nicht nur auf, was in einem solchen System passiert, sondern auch, welche Entwicklungen unmöglich sind – so etwas wie die unsichtbaren Leitplanken unseres Universums. Etwas Ordnung im Chaos.

Das Standardbeispiel für Erhaltungssätze aus der klassischen Physik ist die fallende Birne – oder so ähnlich. Grundlegender Ansatz ist die Energieerhaltung – Lageenergie (Birne auf Baum) wird in Bewegungsenergie (Birne fällt zu Boden) umgewandelt, die Gesamtenergie bleibt erhalten. Die mathematische Beschreibung – hergeleitet als eine einzelne lineare Differenzialgleichung (hier nur erwähnt für den danach folgenden Kontext) – führt zu einer stabilen und intuitiven Lösung: Eine Änderung der Fallhöhe geht einher mit einer Änderung der Aufprallgeschwindigkeit. Bezieht man die Luftreibung in Abhängigkeit von der Fallgeschwindigkeit mit ein, so wird die zugrundeliegende Differenzialgleichung nichtlinear, die Berechnung wird ein wenig komplizierter, das System bleibt jedoch trotzdem gut berechenbar und intuitiv.

Die Ordnung im Chaos ist etwas schwerer zu finden in der Beschreibung der Dynamik der Erdatmosphäre, wo Chaos nicht nur ein abstrakter Begriff aus der antiken griechischen Mythologie ist, sondern als naturwissenschaftliches Konzept die Grenzen der Vorhersagbarkeit beschreibt. Dem zugrunde liegen in der mathematischen Beschreibung der Atmosphärendynamik – im Vergleich zur fallenden Birne – ein ganzer Satz an gekoppelten, nicht-linearen Differenzialgleichungen. Die zu berechnenden Größen in diesen Gleichungen beeinflussen sich gegenseitig in komplexen Rückkopplungsschleifen. Das macht das System nicht nur sehr schwer berechenbar und unintuitiv, sondern führt auch zu einer teils extremen Sensitivität den Anfangsbedingungen gegenüber – kleine Änderungen im Grundzustand können zu völlig verschiedenen Lösungen des Systems führen.

Die Erhaltung von Masse und Energie fließt auch in die mathematische Beschreibung der Atmosphärendynamik mit ein, führt hier jedoch nicht unmittelbar zu einer einfacher nachvollziehbaren Beschreibung der Luftmassenbewegungen. Auf der Suche nach Erhaltungsgrößen mit interpretierbaren Eigenschaften werden generell Annahmen zur Vereinfachung des beschriebenen Systems getroffen. Der geneigten Thema-des-Tages-Leserschaft ist vielleicht schon häufiger die sogenannte Vorticity begegnet, ein mathematischer Ausdruck für die Wirbelhaftigkeit von Strömungen. Bildet man die Summe aus der der Strömung inhärenten (relativen) Vorticity und der durch die Rotation der Erde gegebenen (planetaren) Vorticity, so ist diese unter bestimmten Bedingungen – insbesondere der Annahme von Barotropie – erhalten. Daraus ergeben sich erstaunlich intuitive Lösungsansätze für die großskalige Dynamik in der Atmosphäre, die Ausbildung von Rossby-Wellen durch das Wechselspiel von relativer und planetarer Vorticity.

Eine Erhaltungsgröße lässt sich als Zusammenspiel der zugrunde liegenden Annahmen, unter denen sie gültig ist, und ihrer mathematischen Komplexität verstehen. Je weniger restriktiv die Annahmen sind, desto komplexer ist in der Regel die entsprechende Erhaltungsgröße – wenn sich denn eine finden lässt. In diesem Sinne erkaufen wir uns die Verallgemeinerung auf dreidimensionale Strömungen in einer baroklinen (nicht-barotropen) Atmosphäre durch eine etwas komplexere Erhaltungsgröße – die potenzielle Vorticity, oder PV.

Die potenzielle Vorticity lässt sich „vereinfacht“ als eine Kombination aus drei Dingen verstehen: der Wirbelhaftigkeit der Luft, der Dichte- bzw. Temperaturschichtung der Atmosphäre und der Dehnung oder Stauchung von Luftpaketen. Anschaulich gesprochen beschreibt die PV, wie sich ein Luftpaket dreht und wie es in der vertikalen Struktur der Atmosphäre eingebettet ist.

Ihre besondere Stärke liegt darin, dass sie unter vielen realistischen Bedingungen erhalten bleibt und damit entlang der Strömung mitgeführt wird. Gleichzeitig trägt sie selbst einen wesentlichen Teil der dynamischen Eigenschaften der Strömung in sich und beschreibt diese gewissermaßen mit. Die PV reduziert somit komplexe Strömungsmuster auf eine einzelne Größe – eine Art Fingerabdruck von Luftmassen, mit dem sich großräumige Entwicklungen in der Atmosphäre besser verstehen lassen.

Ueber Erhaltungsgroessen und eine grell bunte Animation

Animation der aus Modelldaten berechneten potenziellen Vorticity in der Höhenströmung (der Vollständigkeit halber: auf der 320 K Isentrope), in 3-Stunden Schritten vom 21.04.2026 00 UTC bis zum 24.04.2026 00 UTC. (Quelle :DWD,ICON Modell)

Die versprochene farbenfrohe Animation zeigt die Entwicklung der potenziellen Vorticity (PV) im Verlauf dieser Woche, berechnet aus Modelldaten des deutschen ICON-Modells. Dargestellt ist die PV auf einer sogenannten isentropen Fläche, also einer Fläche konstanter potenzieller Temperatur. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, gilt: Die Bewegung von Luftmassen entlang solcher Flächen ist eine der zentralen Annahmen, unter denen die PV auf den betrachteten Skalen näherungsweise erhalten bleibt. Glücklicherweise ist diese Annahme kaum einschränkend, da Luftmassen auf diesen Skalen nur wenig Wärme mit ihrer Umgebung austauschen und sich daher ohnehin weitgehend entlang isentroper Flächen bewegen.

Die Animation macht sichtbar, wie PV mit der Höhenströmung verfrachtet wird – die hier betrachtete 320-Kelvin-Isentrope liegt im Bereich der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre. Dabei wird hohe PV durch großskalige Wellen in der Höhenströmung in Richtung Äquator transportiert. Beim Brechen dieser Wellen entstehen charakteristische PV-Filamente sowie abgeschlossene PV-Anomalien, wie hier über dem Atlantik zu erkennen ist. Die hohen PV-Werte dieser Anomalie geben nicht nur Hinweise auf die Herkunft der Luftmasse, sondern sind – über die Vorticity – auch mit einem zyklonalen Windfeld verknüpft. Das zeigt sich in der gegen den Uhrzeigersinn gerichteten Rotation der Anomalie.

Um den Rahmen nicht zu sprengen müssen wir es leider vorerst bei dieser Motivation und grundlegenden Einführung der PV belassen. Warum sie im Grundzustand in hohen Breiten hohe Werte aufweist und Richtung Äquator niedrige, was das mit der Lage der Tropopause zu tun hat, und wie und warum man PV Strukturen in Satellitenbildern erkennen kann erläutern wir an dieser Stelle in einem folgenden Thema des Tages.

Dr. rer nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hoch ULI und die späten Nachtfröste

Prominent „thront“ Hoch ULI auf der Wetterkarte bei Island. Mit mehr als 1040 Hektopascal Kerndruck ist ULI nicht nur ein kräftiges, sondern auch ein umfangreiches Hoch. Sein Einfluss erstreckt sich über große Teile Europas. Auch das Wetter in Deutschland wird maßgeblich von ULI bestimmt.

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste

Die Bodendruckkarte vom 21.04.2026 zeigt ein umfangreiches Hoch bei Island mit einem Kerndruck von über 1040 Hektopascal

In einem großen Bogen wird im Uhrzeigersinn Luft um das Hoch herum nach Mitteleuropa geführt. Mit einer nordöstlichen Strömung hat den Norden Deutschlands heute bereits trockene und kühle Luft polaren Ursprungs erreicht. Noch vor wenigen Tagen befand sich diese Luftmasse in der Nähe von Spitzbergen. Auf ihrem Weg nach Süden hat sie sich zwar etwas erwärmt, aber kaum Feuchtigkeit aufgenommen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Bewölkung, sondern auch auf die Nachttemperaturen, aber dazu etwas später. Während also im Norden bei Temperaturen um 13 Grad die Sonne nahezu ungestört scheint, liegt im Süden noch eine feuchtere Luftmasse. Dichte Wolken und Schauer sind das Ergebnis.

In der Nacht zum Mittwoch setzt sich die kühl-trockene Luft auch im Süden durch. Die Wolken lösen sich auf und bei schwachem Wind sinkt die Temperatur deutschlandweit kräftig ab. Mittwochfrüh werden Tiefstwerte zwischen -3 und +5 Grad erwartet. Im Westen gibt es nur örtlich Frost, sonst liegen die Tiefstwerte gebietsweise unter dem Gefrierpunkt.

Leichte Fröste Ende April waren in der Vergangenheit keine Seltenheit, befinden wir uns doch immerhin noch drei Wochen vor den Eisheiligen. In Anbetracht der Erwärmung des hiesigen Klimas und des dadurch früheren Vegetationsbeginns hat sich auch die spätfrostrelevante Zeit nach vorne verschoben. Eine Grafik vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zeigt mit Daten des Deutschen Wetterdienstes den über die Jahrzehnte nach vorn verschobenen Beginn der Apfelblüte. Zwischen dem Zeitraum 1961-1990 und 1997-2020 hat sich der Beginn vom 6. Mai auf den 25. April um 11 Tage nach vorne verschoben. Zuletzt gab es Jahre, die nochmals einen um rund 15 Tage früheren Blühbeginn zeigten. Besonders früh blühten die Apfelbäume in Hessen 2024 (8. April).

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste 1

Im Zeitverlauf seit 1961 immer früherer Beginn der Apfelblüte in Hessen. Auch 2026 ist der Beginn etwas früher als im langjährigen Mittel. Quelle: HLNUG/DWD

Südwesten hat die Apfelblüte bereits begonnen, wenige Tage früher als im langjährigen Mittel. Damit wären diese Regionen besonders durch mögliche Auswirkungen von Spätfrösten der kommenden Tage gefährdet. Glücklicherweise sind gerade diese Regionen weniger von Frösten betroffen. In der Nacht zum Mittwoch gibt es vor allem im Norden, Osten, der Mitte und im Südosten gebietsweise leichte Fröste bis -3 Grad. In der Nacht zum Donnerstag ist dann vor allem Süddeutschland von gebietsweise leichten Frösten betroffen. Die tiefen Lagen des Südwestens bleiben allerdings verbreitet frostfrei. In den Folgenächten nimmt die Frostgefahr auch im Süden ab, in ungünstigen Lagen kann es dort aber weiterhin in den Frühstunden kurzzeitig unter null Grad gehen. Damit ist die Gefahr aber noch nicht gebannt. Für das kommende Wochenende ist ein erneuter Kaltluftvorstoß von Norden wahrscheinlich. Die Intensität der Kaltluft und die Frage, wie weit diese nach Süden vordringen kann, unterliegen aber noch größeren Unsicherheiten.

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste 2

Die prognostizierten Minima zeigen für die kommenden Nächte gebietsweise Fröste, vor allem für die Nacht zum 22.04.2026.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

Am gestrigen Sonntag (19.04.) leiteten teils kräftige Gewitter und Starkregenfälle endgültig die konvektive Saison des Jahres 2026 ein. Entlang und im Vorfeld einer Kaltfront entwickelten sich in einer für die Jahreszeit ungewöhnlich feuchten und instabilen Luft insbesondere über der Mitte und an den Alpen sowie in Teilen des Ostens Gewitter, die neben örtlichem Hagel und stürmischen Böen vor allem Starkregen brachten. Dieser trat zunächst noch eher lokal auf. Das änderte sich ab dem Nachmittag. Die Gewitter „verclusterten“ zunehmend und bildeten entlang der stationär gewordenen Front ein größeres, zusammenhängendes Regengebiet über dem Osten und Nordosten aus. Die Niederschläge nahmen demnach eher Dauerregencharakter an und hielten über die Nacht bis weit in den Montag hinein an (siehe Radar-Animation in Abbildung 1).

Heftige Regenfaelle im Osten und Nordosten 1
Radar-Animation von Sonntag (7 Uhr) bis Montag (12 Uhr).

Die DWD-Wetterstationen registrierten im Osten und Nordosten verbreitet Mengen von 30 bis 50 l/qm, in Brandenburg und Mecklenburg stellenweise sogar bis zu 80 l/qm (siehe Abbildung 2, rechts). Ansonsten brachten Gewitter und Starkregen meist Mengen von 15 bis 30 l/qm, allerdings häufig in kurzer Zeit. Im linken Teil der Abbildung sind die Blitze dargestellt, anhand derer man die Gewittertätigkeit erahnen kann. Insgesamt traten binnen 24 Stunden über 43.000 Blitze auf, mit Schwerpunkten über der Mitte und am Alpenrand.

Heftige Regenfaelle im Osten und Nordosten 2

24-stündige Blitze bis Sonntag (21 Uhr) und 48-stündiger Niederschlag bis Montag (13 Uhr).

Angesichts der hohen Niederschlagsmengen mag es erstaunen, dass keine größeren Schäden aufgetreten sind. Aber zum einen fielen die Mengen relativ gleichmäßig über einen längeren Zeitraum, zum anderen ist die betroffene Region durch ihre orographischen Eigenschaften wie Relief und Bodenbeschaffenheit nicht so anfällig gegenüber größeren Niederschlagsmengen wie beispielsweise der Mittelgebirgsraum. Dazu kommt noch die sehr trockene Vorgeschichte, wodurch Böden, Bäche und Flüsse verhältnismäßig große Wasseraufnahmekapazitäten aufwiesen.
Generell dürften viele, insbesondere die Landwirte, angesichts dieser unverhofft ergiebigen „Bewässerung“ erleichtert sein, verläuft das Frühjahr doch gerade im Osten bisher außerordentlich niederschlagsarm. Leider war es das auch erst mal: Nach Abzug letzter Regenfälle setzt sich im Wochenverlauf wieder trockenes Hochdruckwetter ein – und nennenswerte Niederschläge deutet sich auch mittelfristig erst mal nicht mehr an.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.04.2026
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Petrichor – Der Duft des Regens

Nach einer langen Periode ohne Regen stieg mir heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit ein bekannter Geruch in die Nase – der Duft nach Regen. Kaum fallen die ersten Regentropfen auf den Boden, kann man den erdig-frischen und leicht feuchten Geruch aufspüren. Jeder kennt diesen „Regenduft“ und die meisten empfinden diesen Geruch als angenehm. Aber was riecht man da eigentlich? Regentropfen bestehen ja aus reinem Wasser, also H2O, und das ist bekanntlich geruchlos. Im heutigen Thema des Tages gehen wir dieser Frage auf den Grund.

Anscheinend haben sich schon vor vielen Jahrzehnten die Leute genau diese Frage gestellt. Im Jahre 1964 veröffentlichten nämlich die beiden australischen Wissenschaftler I.J. Bear und R.G. Thomas im auch heute noch angesehenen Wissenschaftsmagazin „Nature“ einen Artikel, in dem sie dem unverkennbaren Geruch den Namen „Petrichor“ gaben. Dieser Name leitet sich von den beiden griechischen Wörtern „petros“ (deutsch: Stein) und „ichor“ (deutsch: Flüssigkeit in den Adern der griechischen Götter) ab.

In dieser Studie haben die beiden Forscher einen wesentlichen Bestandteil des Regengeruchs identifizieren können. Sie fanden heraus, dass Pflanzen während Trockenphasen ein gelbliches Öl produzieren und absondern. Dieses ätherische Öl wird von Böden und Gesteinen (daher der Namensbestandteil „petros“) absorbiert, also auch von Gehwegen und Straßen. Neuere Studien haben ergeben, dass noch ein weiterer Stoff für den Geruch verantwortlich ist. Die Rede ist von einem Alkohol namens Geosmin, der von Bakterien im Erdboden produziert wird. Diese Mikroorganismen fahren bei Hitze und/oder Trockenheit ihren Stoffwechsel auf das Nötigste herunter. Sobald die Bakterien mit Wasser in Kontakt kommen, werden sie wieder aktiv und geben unter anderem das flüchtige und stark riechende Geosmin ab. Manchmal genügt schon Tau an einem kühlen Frühlingsmorgen, um die Bakterien zu aktivieren. Zusammen mit dem ätherischen Öl der Pflanzen und Staub auf Steinen entsteht so das bekannte erdige und frische Aroma des Petrichor.

Im Jahre 2015 fanden Forscher des „Massachusetts Institute of Technology“ mittels Hochgeschwindigkeitskameras einen weiteren wichtigen Effekt heraus, der den intensiven Geruch erklärt. Wenn die Regentropfen auf den staubigen Boden treffen, bilden sich kleine Luftbläschen, in denen die winzigen Geruchspartikel eingeschlossen sind. Diese Bläschen platzen allerdings rasch auf und bereits ein schwacher Luftzug oder Luftverwirbelungen genügen, um das Aroma in der Luft zu verbreiten. Der gleiche Effekt verursacht übrigens auch den intensiven Geruch beim Öffnen von Sekt- oder Erfrischungsgetränkeflaschen, da die aufsteigende Kohlensäure aufplatzt und so der Duft der Getränke verbreitet wird.

Wie intensiv der Petrichor ist, hängt von der Porosität und Feuchtigkeit des Bodens ab. Besitzt der Boden viele Hohlräume und ist sehr trocken, ist das förderlich für ein starkes Regenaroma. Beste Voraussetzung bildet leichter Regen, der auf einen feinporigen und staubtrockenen Boden fällt, aus dem sich zahlreiche Partikel lösen können. Deshalb riecht man den Regen meist nach längeren Trockenperioden oder im Sommer bei Gewittern, wenn die Hitze den Erdboden zuvor stark ausgetrocknet hat. Neben Lehmböden sind Waldböden gute Quellen für einen intensiven Duft, da sich in diesen Bodenarten genügend Hohlräume befinden, aus denen die Luftblasen heraussteigen können. Regnet es hingegen sehr stark oder langanhaltend, dann ist der Boden schnell durchnässt und eine Wasserschicht legt sich über den Boden, durch die keine Luftbläschen mehr emporsteigen können – der Regenduft versiegt bzw. tritt erst gar nicht auf. Aus diesem Grund kann man den Geruch auch nur zum Beginn des Regens wahrnehmen.

Manchmal riecht man den Petrichor schon einige Zeit vor Eintreffen des Regens und bisweilen bleibt der Regen auch gänzlich aus. Nähert sich beispielsweise im Sommer eine Gewitterlinie, dann frischt oft schon einige Zeit im Voraus aus Richtung der aufziehenden Gewitter der Wind böig auf und die Luft kühlt ab. Man bekommt den kalten Ausfluss der Gewitterlinie zu spüren, der den Regengeruch mit sich führt und mitunter auch in Regionen transportiert, die später vom Regen gar nichts abbekommen. Man riecht also förmlich den Regen aus der Ferne.

Zum Abschluss noch eine kleine Kuriosität: Da die meisten Leute den Regenduft als angenehm empfinden, kann man Petrichor sogar als Duftöl für den Einsatz in Kerzen oder als Zugabe in Luftbefeuchtern kaufen. Selbst als Eau de Cologne kann man diesen Duft tragen. Manch ein Regen- oder Naturliebhaber würde sich als Geschenk vielleicht über eines dieser doch sehr ausgefallenen Produkte freuen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Einheitenchaos – Teil 2: Wind

Im Thema des Tages vom 07.04.2026 ging es um die Einheiten, die es für die Temperatur gibt. Nun setzen wir die Reihe mit einem im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu fassenden Phänomen fort: Dem Wind.

Beim Wind ist es notwendig zu erwähnen, ob man sich auf das Windmittel oder die Windspitzen (auch Böen genannt) bezieht. Windspitzen sind kurzzeitige Erhöhungen der Windgeschwindigkeit, während das Windmittel den zugrunde liegenden anhaltenden Wind beschreibt. Generell gehören zum Wind immer mehrere Informationen. Einerseits wird die Richtung und andererseits die Geschwindigkeit benötigt. Erstere gibt an, woher der Wind weht. Letztere kann auf verschiedene Arten angegeben werden. Die geläufigste Einheit ist sicherlich Kilometer pro Stunde, doch wie sieht es mit Meter pro Sekunde aus? Sind beispielsweise Böen von 25 m/s viel? Die Umrechnung ist eigentlich recht einfach, denn es muss nur mit 3,6 multipliziert werden. Im Beispiel sind es dementsprechend 90 km/h.

In der Seefahrt, aber auch in der Luftfahrt, ist die Längeneinheit nautische Meile üblich. Diese sollte ursprünglich ein 60tel eines Breitengrades sein und wurde später als 1,852 km festgelegt. Die Geschwindigkeitseinheit Seemeilen pro Stunde wird auch Knoten (kn) genannt. Mithilfe der Definition der Seemeile bedeutet das für unsere Windgeschwindigkeit im vorherigen Absatz, dass sie etwa 48,5 kn beträgt. Zum Beispiel aus englischsprachigen Filmen ist uns zudem „miles per hour“ für Geschwindigkeitsangaben geläufig. Diese Einheit bezieht sich nicht auf die Seemeile, sondern auf die (englische) Meile, die als 1609,344 m definiert ist.

Einheitenchaos

Abb. 1: Bild eines Schalenkreuz-Anemometers. Es misst die Windrichtung und gleichzeitig die Windgeschwindigkeit. Quelle: DWD

Wer nicht zufällig ein passendes Messgerät (Abbildung 1: Anemometer) im Gepäck mit sich herumträgt, kann den Wind auch anhand ihrer Auswirkungen abschätzen. Dabei spricht man von der sogenannten Windstärke. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte der englische Ingenieur John Smeaton eine Kategorisierung der Windstärke. In seiner 11-teiligen Tabelle ordnete er jeder Windstärke charakteristische Beobachtungen an der Umgebung zu. Später entstand daraus eine 9-teilige Skala. Francis Beaufort, ein britischer Hydrograf, verwendete Anfang des 19. Jahrhunderts eine 13-teilige Skala, die von „Windstille“ bis „Sturm“ reichte. Die heutige Skala, die von 0 bis 12 reicht, finden Sie unter Link 1. Die niedrigste Stufe „Windstille“ bedeutet dabei, dass Rauch senkrecht aufsteigt. Ab Beaufort 9 („Sturm“) sind erste Schäden an Häusern zu beobachten und die höchste Stufe „Orkan“ (Beaufort 12) sorgt für schwere Verwüstungen. Weiter unten auf der Seite finden sie auch die entsprechende Tabelle für die Auswirkungen auf See.

Für die offiziellen Böenwarnungen des Deutschen Wetterdienstes spielt die Beaufortskala ebenfalls eine erhebliche Rolle. Warnungen vor Böen der Stärke Beaufort 7 werden als „gelbe“ Wetterwarnung verschlüsselt. Beaufort 8 bis 10 werden ocker- oder orangefarbig (markante Warnung), die Stufen 11 und 12 rot dargestellt (Unwetterwarnung). Ab 140 km/h wird von extremen Orkanböen gesprochen (violette Warnung).

Heute sind für Deutschland keine Windwarnungen notwendig, dazu ist der Druckgradient zu schwach ausgeprägt. Im Tagesverlauf besteht jedoch die Möglichkeit, dass in der Nähe von Gewittern einzelne Böen die Stärke 7 erreichen. Das ist vor allem im zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum möglich.

M.Sc.-Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der April auf Achterbahnfahrt!

Am gestrigen Donnerstag und heutigem Freitag sorgte vielerorts das Hoch TILMAN über Deutschland für freundliches und sehr mildes Wetter. TILMAN gehört dabei zu einer ausgeprägten Hochdruckbrücke, die das Hoch ULI über dem Atlantik, einem Hoch über der Biskaya und einer Hochdruckzone über Nordskandinavien und der Barentssee verbindet. Während sich das Hoch ULI über dem Atlantik als sehr stabil und kraftvoll erweist und auch das Hoch über Nordskandinavien wie festgetackert seine Kreise dreht, schwächelt das Hoch TILMAN hierzulande doch deutlich. Resultierend kommt das Tief WALTRAUD zunehmend auch in den deutschen Fokus. Während WALTRAUD heute noch nördlich von Irland wirbelt und dessen Ausläufer sich noch über Großbritannien hinweg ziehen, verlagert es sich bis Samstagabend in die nördliche Nordsee und deren Ausläufer können von der Nordsee und Benelux auf den Nordwesten des Landes übergreifen. Da die Luft zwischen hoch ULI südwestlich der Britischen Inseln und WALTRAUD über der nördlichen Nordsee von Grönland und Island nach Deutschland transportiert wird, markiert die Luftmassengrenze eine Kaltfront mit dem Übergang von subtropischer Luft hin zu erwärmter Polarluft.

Der April auf Achterbahnfahrt 1

Prognostizierte Wetterlage am Samstagmittag mit Hoch ULI westlich der Britischen Inseln und tief Waltraud über der nördlichen Nordsee.

Am Sonntag verschiebt sich Hoch ULI zu den Britischen Inseln, sodass die Strömung hierzulande auf der Ostflanke des Hochs auf Nord bis Nordost dreht und somit die kühlere Luft südwärts das ganze Land fluten kann. Während am Samstag die Höchstwerte noch zwischen 13 Grad an der Nordsee und bis 24 Grad im Süden liegen, sinken diese bis Montag auf Maxima zwischen 9 und 15 Grad ab. In die nördliche Strömung eingelagert wirbelt dabei über Deutschland ein hoch reichendes Tief und sorgt durch Tiefdruckeinfluss weiter für einen unbeständigen, zu schauerartigen Niederschlägen neigenden Wettercharakter, der vereinzelt auch mit kurzen Gewittern einhergeht.

Erst im Verlauf der neuen Woche ändert sich das Wettergeschehen wieder etwas. Das Hoch ULI kann sich über dem Nordostatlantik richtig aufplustern und seinen Einflussbereich nach und nach bis nach Deutschland erweitern. Die Tiefs werden nachfolgend wieder Richtung Mittelmeerraum geschoben. Hierzulande wird dabei die Sonnenausbeute von Norden her wieder steigen. Da das Land aber auf der Südflanke des Hochs liegt, kommt die Luft aus Ost- bzw. Nordosteuropa und ist zu dieser Jahreszeit eher kühl temperiert. Entsprechend werden es die Temperaturen tagsüber trotz zunehmenden Sonnenscheins wohl nicht über die 20-Grad-Marke schaffen und nachts wohl verbreitet auf ein einstelliges Niveau absinken. Landesweit wäre dann auch wieder der Bodenfrost ein Thema. Aber warten wir es ab, die Prognosen über den Wochenstart hinaus sind ja typischerweise noch mit ausreichend Unsicherheiten versehen.

Der April auf Achterbahnfahrt 2

Prognostizierte Wetterlage am Dienstagmittag mit Hoch ULI über der nördlichen Nordsee.

Aber wie hat sich der April denn bisher so geschlagen und wie kann er klimatisch eingeordnet werden? Der Blick auf die Mitteltemperatur im Vergleich zum vieljährigen Mittel (1961-1990) zeigt für Deutschland große Unterschiede (keine Grafik). Während die Temperaturabweichungen in den Regionen im südlichen Brandenburg sowie Nordost Sachsen und dem östlichen Sachsen-Anhalt derzeit sogar etwas unterdurchschnittlich ausfallen, weisen vor allem Gebiete westlich des Rheins sowie südlich der Alb und im Allgäu positive Anomalien von teils 2 bis 3 Grad auf.

Der bisherige Aprilniederschlag folgt dagegen keiner deutlichen Struktur uns ist sehr inhomogen verteilt. Die größten Mengen von 15 bis lokal 50 l/qm/16d wurden demnach bevorzugt im Südwesten, im Nordseeumfeld und Teilen Mitteldeutschlands erreicht. Während die Mengen am Alpenrand und im Vorland bei allenfalls 10 bis 50% des zeitanteiligen Montagsniederschlags (bis 17. April) stark unterdurchschnittlich daherkommen, sind am Oberrhein, Nordbayern sowie in Teilen Mitteldeutschlands 80 bis rund 160% bezüglich des Vergleichszeitraums gefallen. Im südöstlichen Sachsen-Anhalt ist gebietsweise sogar schon die vieljährige Monatssumme erreicht oder gar überschritten. Als besonders trocken fallen sonst auch die Regionen vom südlichen Niedersachsen über Hessen hinweg bis in die Pfalz sowie in Teilen Brandenburgs auf, wo ebenfalls nur 1 bis 50% bisher gefallen sind. Überdurchschnittliche Regenmengen für die erste Monatshälfte sind dagegen noch im nördlichen Schleswig-Holstein und allgemein im direkten Nordseeumfeld mit einer relativen Einordnung von 100 bis 180% zu verzeichnen, sodass jene Regionen bei 70 bis 100% des Monatsniederschlag derzeit ebenfalls einen deutlich überdurchschnittlichen Kurs verfolgen.

Der April auf Achterbahnfahrt 3

Aus dem Radar abgeleiteter Gesamtniederschlag im April bisher.

Der April auf Achterbahnfahrt 4

Bisherige Niederschlagsmengen im Verhältnis zum vieljährigen Mittel bis zum 17. April.

Der ein oder andere richtet heute vielleicht auch seinen Blick Richtung Wismarer Bucht. Egal ob man die dortigen Prozesse um den Buckelwal Timmy nun gut oder schlecht findet, medial scheint da Ereignis doch von Interesse. Aus Wettersicht könnte die Aktion rund um Timmy eventuell Sichtprobleme bekommen. Während am Vormittag die Sonne noch vom nahezu wolkenlosen Himmel strahlt, breitet sich von der Kieler Bucht über Fehmarn hinweg langsam Seenebel in die Mecklenburger Bucht aus. Wie weit dieser vorankommt und in welcher Geschwindigkeit muss man dabei noch abwarten.

Der April auf Achterbahnfahrt 5

Satellitenbild und Bewölkungsmessungen von der Ostseeregion am späten Vormittag des 17. April mit Seenebel in der Kieler Bucht südwärts ausgreifend.

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.04.2026
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