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Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

27. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Ganz kurz für’s Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (englisch: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt, der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El-Niño für erhöhte Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.

Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich ausbildendem El-Niño eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden El-Niño-Effekt kompensieren konnte. Da sich die Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat, wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2026 durch die NOAA.

Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7 bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6 (unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis 3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.

Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha (19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar. „Bertha“ machte sich dagegen mehr durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste bemerkbar. Dabei werden die Schäden „nur“ auf einige zehn Millionen US-Dollar geschätzt.

Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines tropischen Systems innerhalb der nächsten sieben Tage. Hinweis: Laut Nationalem Hurrikan Zentrum (NHC) soll sich die hier beobachtete Störung bereits innerhalb der nächsten 48 Stunden zu einem tropischen System entwickeln (nicht auf dieser Karte zu sehen).

In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf „4“ gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Die-atlantische-Hurrikansaison-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-27 17:52:242026-09-01 23:00:17Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

Marine Hitzewellen

26. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Über die wiederholten Hitzewellen wurde an dieser Stelle in den vergangenen Monaten mehrmals berichtet, weniger intensiv wurden jedoch die Temperaturen in den uns umgebenden Meeren betrachtet. Da die Wärmekapazität von Wasser und damit der Meere deutlich größer als die der Landmasse ist, reagieren diese deutlich träger auf Einflüsse von außen. So fand die Erwärmung verzögert statt, aber auch wenn an Land wieder Normalität einkehrt, so ist dies für die Ozeane noch längst nicht der Fall.

Entsprechend der Verteilung der Hitzewellen im zu Ende gehenden Sommer 2026 stechen besonders die positiven Anomalien im West- und Zentralteil des Mittelmeers sowie in den im Westen an den Kontinent angrenzenden Meeresgebieten heraus. Verbreitet werden im Südwestteil der Nordsee, dem Ärmelkanal, der Biskaya sowie im Mittelmeer westlich der Ägäis zwei bis vier Grad mehr gemessen als zu dieser Jahreszeit üblich. Dies mag angesichts von zurückliegenden Hitzewellen an Land, die teils mehr als zehn Grad Abweichung brachten, nicht viel erscheinen, doch für das träge System Ozean sind dies enorme Abweichungen und sehr viel zusätzliche Energie, die dort nun gespeichert ist. Die Oberflächentemperatur des Mittelmeers beträgt derzeit verbreitet 24 bis 30 Grad. Anfang August wurden von Bojen bei den Balearen sogar Spitzenwerte von 32 bis 33 Grad gemessen. Ganz so warm ist es an der deutschen Nordseeküste derzeit nicht, aber mit Werten um 20 Grad ist auch dort das Wasser wärmer als üblich.

Abweichungen der Meeresoberflächentemperatur vom 24.08.2026, Mischprodukt aus Messungen und Modelldaten Quelle: COPERNICUS

Wie extrem die marine Hitzewelle im Mittelmeer ist, verdeutlicht eine Zeitserie der Meeresoberflächentemperatur. Diese zeigt seit Ende Mai nicht nur deutlich höhere Werte als im Mittel der Jahre 1982 bis 2015, sondern weist für diesen Zeitraum auch fast durchgehend Temperaturen auf, die über dem 90- %-Perzentil des Vergleichszeitraums liegen. Während der „Wärmespitzen“ Ende Juni, Mitte Juli und Mitte August lag die Temperatur sogar 1 bis 1,5 Kelvin über diesem 90-%-Perzentil. Korallen und Seegraswiesen sterben unter diesem Hitzestress teilweise ab, Fische wandern ab, neue invasive Arten wandern ein.

Zeitserie der Meeresoberflächentemperatur des Mittelmeers für 2026 im Vergleich zum langjährigen Mittel dem 90%-Perzentil. Werte über dem 90%-Perzentil sind orange eingefärbt. Quelle: SOCIB/ COPERNICUS

Die hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres 2026 setzen einen seit über mehrere Dekaden anhaltenden Trend zu immer höheren Temperaturen fort. Laut Erdbeobachtungsprogramm der EU „Copernicus“ lag die Erwärmungen in den Jahren 1982 bis 2023 bei etwa 0,04 Grad pro Jahr.

Zeitreihe der Temperaturanomalie der Meeressoberfläche des Mittelmeers. Quelle: COPERNICUS

Die hohen Wassertemperaturen haben auch potenzielle Auswirkungen auf das Wetter im kommenden Herbst. Die Meere wirken praktisch als Akku, der seine Energie im späteren Verlauf des Jahres wieder abgibt. Dies tut er in Form von Wärme und vor allem auch in Form von Wasserdampf. Diese Energieabgabe tritt zwar jedes Jahr auf, dieses Jahr „ist der Akku aber besonders voll“. Für mögliche Tiefdruckgebiete steht so besonders viel Treibstoff zur Verfügung. Dieser muss zwar nicht genutzt werden, die Vergangenheit zeigt aber, dass es irgendwo und irgendwann zu Wetterlagen kommt, die von dem erhöhten Wasserdampfdargebot profitieren. Dies kann sich dann in stärkeren Niederschlägen bei Gewittern und Tiefdruckgebieten zeigen oder die Bildung von Medicanes begünstigen und im Entstehungsfall auch zu höheren Windgeschwindigkeiten führen. Dabei müssen die Auswirkungen nicht auf die Anrainerstaaten des Mittelmeers beschränkt bleiben. Großräumige Strömungen können die Feuchtigkeit weit verfrachten und zum Beispiel auch erst über Mitteleuropa den gebundenen Wasserdampf als Niederschlag freisetzen.

M.Sc.-Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Marine-Hitzewellen-1.png 1063 1882 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-26 15:45:132026-09-01 23:00:08Marine Hitzewellen

Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

25. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein lockerer Blick auf das kombinierte Radar- und Satellitenbild offenbart bereits, dass wir es mit dem Einfluss zweier Drucksysteme über Deutschland zu tun haben. Einerseits befindet sich die Nordhälfte noch immer im Einfluss des umfangreichen Hochs STEFFEN, das mit seinem Schwerpunkt über Skandinavien liegt und von einem Höhenrücken gestützt wird. Andererseits hat sich die von Süden kommende Warmfront eines Tiefs namens QUIRIA mit Kern über Westfrankreich langsam bis zur Landesmitte voran gearbeitet. An ihr sind wiederholt leichte bis mäßige Regenfälle zu erwarten, die recht großflächig das noch immer ersehnte Nass von oben bringen. Vereinzelt sind auch schauerartige bzw. gewittrige Verstärkungen mit von der Partie.

Das kombinierte Radar- und Satellitenbild zeigt für den Dienstag, 25.08.2026 um 14 Uhr deutlich die Warmfront von Rheinland-Pfalz bis nach Bayern mit Regenfällen.

Apropos Gewitter: Diese kann es heute auf der Rückseite der Warmfront, also über dem äußersten Süden, ebenfalls geben. Meist ist dann Starkregen um 15 bis 20 l/qm in kurzer Zeit das bestimmende Warnelement, kleiner Hagel und stürmische Böen sind aber auch nicht ausgeschlossen. Ansonsten regnet es nachts über der Mitte gebietsweise weiter, sodass hier regional über 10 l/qm zusammenkommen können.

Anhand der 24h-Regensummen wird ersichtlich, dass bis Mittwochmittag vor allem über der Mitte flächig Regen fallen wird, teils mit mehr als 10 l/qm.

Am morgigen Mittwoch schwächt sich die Warmfront von QUIRIA über der Landesmitte immer weiter ab und kommt durch STEFFENs Bollwerk kaum noch nach Norden voran, sondern zieht eher ostwärts ab. Es bleibt längere Zeit stark bewölkt bis bedeckt mit letzten Tropfen, sodass in der Mitte häufig nur 20 bis 22 Grad zu erwarten sind, im Südwesten sind dagegen schon wieder 29 Grad drin. Prinzipiell sind im Tagesverlauf, vor allem abends, über dem Westen und dem Süden auch Gewitterzutaten wie Feuchte und Labilität ausreichend vorhanden, es mangelt aber am „Zündfunken“, nämlich der Hebung, da ein schwacher Keil aus der Höhe wetterwirksam ist. Also ist es unklar bis sehr unwahrscheinlich, ob bzw. dass sich Gewitter entwickeln.

Das sieht am kommenden Donnerstag gänzlich anders aus: Auf QUIRIAs Vorderseite wird eine zunehmend warme bis heiße und mit ausreichend Feuchtigkeit angereicherte Luft nach Deutschland transportiert. Diese ist in der ersten Tageshälfte vom Hochdruckeinfluss weiter nordöstlich „gedeckelt“. Somit steht erstmal recht viel Sonnenschein bei Höchstwerten von 27 bis 30 Grad über der Mitte und dem Norden und bis zu 33, ganz vielleicht knapp 34 Grad im Südwesten an.
Die angekündigte Spannung entlädt sich dann abends von Westen her mit Übergreifen der Kaltfront. Hier stimmen im Verlauf sämtliche Gewitterzutaten wie Feuchte, Labilität, Hebung und Windscherung, sodass zunächst einzelne, später immer mehr werdende und teils heftige Gewitter das Abendwetter im Westen prägen werden.
Diese können sowohl beim Starkregen, als auch bei Sturm und Hagel unwetterartig ausfallen. Denkbar ist, dass sich abends ein größeres Gewittersystem bildet, das dann nach Nordosten zieht, bevor nachts weitere Schauer und heftige Gewitter auf die Landesmitte übergreifen könnten.

Die Animation zeigt anhand des Modellwetters deutlich, wie am Donnerstagabend (unwetterartige) Gewitter auf den Westen übergreifen sollen (rote Flächen). Am Freitag drohen dann weitere Gewitter, teils Unwetter!

Ab Freitag ist die Großwetterlage zwar weitestgehend ersichtlich, im Detail aber noch unsicher. Die Kaltfront erreicht zögerlich den Osten, sodass auch hier heftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotential drohen. Von Westen kommen im Tagesverlauf aber weitere Gewitter auf, die möglicherweise erneut ein Unwetterpotential in einem gut gescherten Umfeld bieten könnten (Achtung: Sturm!). Bei den Temperaturen kann man auf den Konjunktiv jedoch verzichten: Bei 21 bis 28 Grad, ganz im Osten knapp 30, ist definitiv Schluss.

Zum Wochenende nur ein Satz: Mit einer auflebenden Westdrift wird es zusehends windiger mit einem Nordwest-Südostgefälle hinsichtlich des Wettercharakters und mit dem „schlechteren“ Ende für die Nordlichter.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Steigende-Gewitter-und-Unwettergefahr-in-dieser-Woche-1.png 924 939 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-25 16:37:592026-09-01 23:00:00Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

24. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Eine unserer Hauptaufgaben im Sommer ist die Warnung vor Gewittern. Um deren Entwicklung und Zugbahn für die nächsten Stunden möglichst genau vorherzusagen, stehen unterschiedliche Vorhersageverfahren zur Verfügung. Für die unmittelbare Zukunft liefert das sogenannte Nowcasting besonders wertvolle Informationen. Es basiert wesentlich auf aktuellen Beobachtungen. Dazu gehören Fernerkundungsmessungen wie Radar, Satellit und Blitzmessungen. Auch Nutzermeldungen, beispielsweise aus der WarnWetter-App, können zusätzliche Informationen über das aktuelle Wetter liefern.

Aus diesen Beobachtungen lassen sich die Position, Zugrichtung und Entwicklung von Niederschlags- und Gewitterzellen kurzfristig relativ gut abschätzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei KONRAD-3D. Das Verfahren erkennt konvektive Zellen automatisch in den Radardaten und liefert unter anderem Informationen über deren Position und Intensität. Aus der bisherigen Bewegung können Vorhersagen über die weitere Zugbahn einschließlich ihrer Unsicherheit abgeleitet werden.

Mit zunehmender Vorhersagezeit stößt das Nowcasting jedoch an Grenzen. Gewitterzellen werden nicht einfach nur verlagert, sondern können sich verstärken, abschwächen, auflösen oder neu entstehen. Solche Entwicklungen lassen sich nicht allein aus der bisherigen Bewegung ableiten. Hier kommen numerische Wettervorhersagemodelle (NWV) ins Spiel. Sie berechnen auf Grundlage der physikalischen Prozesse in der Atmosphäre deren weitere Entwicklung und können damit deutlich weiter in die Zukunft blicken. Für die hochaufgelöste numerische Kurzfristvorhersage wird am DWD unter anderem ICON-D2 eingesetzt.

Damit treffen zwei unterschiedliche Stärken aufeinander: Nowcasting beschreibt besonders gut, was gerade passiert, während die numerische Wettervorhersage besser darin ist, zu beschreiben, was daraus entstehen kann. Allerdings können kleinräumige Strukturen wie Gewitterzellen in der numerischen Wettervorhersage zu Beginn noch nicht optimal erfasst werden. Gerade bei schnelllebiger Konvektion kann es daher zunächst zu Abweichungen bei Position, Struktur und Intensität kommen.

Bisher entstand dadurch ein Übergang zwischen den beiden Vorhersagemethoden. Anschaulich lässt sich dies beispielsweise in der WarnWetter-App beobachten: Geht man mit dem Zeitslider in die Zukunft, werden Gewitterzellen zunächst auf Grundlage des Nowcastings ohne Entwicklung weiterverlagert. Später übernimmt die numerische Wettervorhersage. Zwischen beiden Ansätzen entsteht dabei ein deutlich sichtbarer Bruch.

Wie diese Verbindung verbessert werden kann, zeigt das folgende Diagramm.

Grundidee von SINFONY – veranschaulicht anhand eines Verifikationsmaßes: Zunächst werden Nowcasting und numerische Wettervorhersage jeweils weiter verbessert. Anschließend werden beide Verfahren miteinander verknüpft, um eine möglichst nahtlose und bruchfreie Vorhersage zu ermöglichen.

Das Diagramm stellt vereinfacht dar, wie sich die Qualität verschiedener Vorhersageverfahren mit zunehmender Vorhersagezeit verändert. Auf der horizontalen Achse nimmt die Vorhersagezeit von der unmittelbaren Gegenwart in die Zukunft zu. Die vertikale Achse beschreibt die Vorhersagequalität: Je höher der Wert, desto besser die Vorhersage.

Die rote Kurve zeigt die Vorhersagequalität des Nowcastings. Zu Beginn ist sie besonders hoch, da aktuelle Beobachtungen direkt in die Vorhersage eingehen. Mit zunehmender Vorhersagezeit nimmt die Qualität jedoch ab. Die blaue Kurve beschreibt die numerische Wettervorhersage. Sie startet zunächst auf einem niedrigeren Qualitätsniveau, gewinnt aber mit zunehmender Vorhersagezeit an Bedeutung und übertrifft schließlich das Nowcasting.

Genau hier setzt SINFONY, das „Seamless INtegrated FOrecastiNg sYstem“ an. Die Grundidee besteht darin, die Stärken beider Verfahren zu verbinden: die hohe Qualität des Nowcastings für die unmittelbare Zukunft und die physikalisch konsistente Entwicklung der numerischen Wettervorhersage für die weitere Zukunft.

Dazu werden zunächst beide Seiten verbessert. Im Diagramm ist dies durch die gestrichelten Linien dargestellt. Das Nowcasting wird unter anderem durch verbesserte Verfahren wie KONRAD-3D sowie durch eine höhere Datenqualität und verbessertes Postprocessing weiterentwickelt.
Auch die numerische Wettervorhersage wird speziell für diesen kurzen Vorhersagezeitraum verbessert. Mit ICON-RUC wird ein lokales Modell eingesetzt, das jede Stunde neu gestartet wird. RUC steht dabei für „Rapid Update Cycle“. Durch die häufigere Aktualisierung steht ein deutlich aktuellerer Modellzustand zur Verfügung. Zudem wurde das Modell darauf ausgerichtet, beobachtete Radarstrukturen möglichst realistisch zu simulieren.

Damit können die Informationen aus beiden Welten miteinander verbunden werden. Für das Nowcasting werden die Unsicherheiten der vorhergesagten Zellbewegungen berücksichtigt. Gleichzeitig können auf das ICON-RUC-Ensemble entsprechende Verfahren angewendet werden, sodass sich Informationen über mögliche Zellpositionen und Entwicklungen aus Nowcasting und numerischer Wettervorhersage kombinieren lassen. Daraus können unter anderem Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten und die weitere Entwicklung konvektiver Zellen abgeleitet werden.

Das Ergebnis ist unter anderem die Grundidee von KONRAD-3D-SINFONY: Statt zwischen zwei unterschiedlichen Vorhersagemethoden umzuschalten, soll eine möglichst nahtlose Vorhersage entstehen, vom aktuell beobachteten Wetter bis in die weitere Kurzfrist.

SINFONY verbindet damit das Beste aus beiden Welten: die Stärke des Nowcastings in der unmittelbaren Zukunft mit der Stärke der numerischen Wettervorhersage beim Blick in die weitere Zukunft.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Vom-aktuellen-Wetter-zur-nahtlosen-Vorhersage-der-naechsten-Stunden.png 349 662 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-24 15:28:042026-09-01 22:59:50SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

23. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen im östlichen Pazifik vor der Küste Südamerikas und gleichzeitig deutlich niedrigere Wassertemperaturen im westlichen Pazifik verändern das Wettergeschehen in diesen Regionen erheblich. Während es in Südamerika selbst in sonst trockenen Gebieten zu kräftigen Niederschlägen kommen kann, herrscht in Teilen Südostasiens häufig schwere Dürre. Diese veränderten Niederschlagsmuster haben nicht nur weitreichende ökologische und wirtschaftliche Konsequenzen für die betroffenen Regionen, sondern beeinflussen auch die großräumige atmosphärische Zirkulation.

Während eines starken El Niño bilden sich über dem zentralen und östlichen Pazifik vermehrt hochreichende Gewitterwolken. Dabei werden beim Kondensationsprozess große Mengen latenter Wärme in die Atmosphäre freigesetzt. Diese zusätzliche Wärme beeinflusst die tropische Zirkulation und kann über die Hadley-Zirkulation auch die atmosphärische Dynamik in höheren Breiten modifizieren. Dadurch können sich die großräumigen Zirkulationsmuster und in der Folge auch die Lage und Stärke des Jetstreams verändern. Insbesondere im Winterhalbjahr kann dies Auswirkungen auf das Wettergeschehen in Europa haben.

Je stärker ein El-Niño-Ereignis ausgeprägt ist, desto größer kann grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit sein, dass solche Wechselwirkungen auftreten. Der Zusammenhang ist allerdings nicht linear und von Ereignis zu Ereignis unterschiedlich.

Die relative Meeresoberflächentemperatur im Pazifik im Vergleich zur Referenzperiode von 1991-2020 für Juli 2026. Über dem mittleren und östlichen Pazifik zeigen sich bereit stark positive Anomalien.

Deshalb lohnt sich derzeit ein Blick auf den Pazifik. Dort könnte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen herausbilden. Die Entwicklung ist bereits deutlich erkennbar. Über dem zentralen und östlichen Pazifik lagen die Meeresoberflächentemperaturen im Juli deutlich über dem Klimamittel. Vor der Küste Perus wurden teilweise Anomalien von mehr als 3 °C gegenüber der Referenzperiode 1991–2020 registriert. Gleichzeitig wurde über Südostasien eine deutlich unterdrückte Konvektion beobachtet. Über dem zentralen Pazifik kam es dagegen bereits zu häufiger und stärker ausgeprägter Konvektion, die sich unter anderem auch auf die Wetterbedingungen rund um die Urlaubsinsel Hawaii auswirkte.

Vorhersage des Relativen Ozeanischen Nino Indexes inklusive Unsicherheitsbereich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird ein sehr starker El Nino erwartet.

Die El-Niño-Bedingungen werden sich im weiteren Verlauf des Spätsommers und Herbstes noch verstärken. Nach den aktuellen Prognosen wird das Ereignis seinen Höhepunkt voraussichtlich im Spätherbst beziehungsweise Frühwinter erreichen. Bei den bisher stärksten Ereignissen 1997/98 und 2015/16 lag der Relative Oceanic Niño Index (RONI) bei etwa +2,4 °C. Der RONI beschreibt, wie stark die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen tropischen Pazifik im Verhältnis zu den Temperaturen des übrigen tropischen Ozeans vom Normalzustand abweichen.

Die aktuellen Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Wert im kommenden Winter überschritten werden könnte. Sollte dies eintreten, könnte sich 2026/27 als eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen herausstellen.

Die Auswirkungen eines starken El Niño sind in vielen Teilen der Welt deutlich ausgeprägter als in Europa. Besonders betroffen können unter anderem Teile Amerikas, Australiens, Asiens und Afrikas sein. Für Europa sind die Signale dagegen wesentlich schwächer und treten vor allem indirekt über Veränderungen der großräumigen atmosphärischen Zirkulation auf.

Studien zeigen, dass ein starkes El-Niño-Ereignis im Verlauf des Winters die Wahrscheinlichkeit für Veränderungen des stratosphärischen Polarwirbels erhöhen kann. Bei vergangenen El-Niño-Ereignissen trat zudem häufiger eine negative Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO) auf. Eine negative NAO kann die Voraussetzungen für Kaltlufteinbrüche nach Europa begünstigen.

Allerdings wäre es falsch, daraus unmittelbar auf einen kalten europäischen Winter zu schließen. Die Reaktion der Atmosphäre unterscheidet sich signifikant zwischen einzelnen El-Niño-Ereignissen. Ob es tatsächlich zu einer ausgeprägten Störung des Polarwirbels kommt, hängt von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise die Quasi-Biennale- Oszillation (QBO), die arktische Meereisbedeckung, die solare Aktivität sowie die regionalen Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik.

Damit lässt sich aus einem starken El Niño allein kein kalter Winter in Europa ableiten!

Interessanterweise zeigen Beobachtungen vergangener El-Niño-Ereignisse im Frühwinter sogar häufig eine andere Tendenz: In weiten Teilen Mittel- und Westeuropas kann zunächst mildes und niederschlagsreiches Wetter vorherrschen. Ursache ist eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine ausgeprägte Westwindzirkulation, die durch tiefen Luftdruck im Bereich Islands und höheren Luftdrucks über den Azoren begünstigt wird. Dadurch gelangt vergleichsweise milde und feuchte Atlantikluft nach Europa. Dieser Effekt ist insbesondere in Westeuropa ausgeprägt.

Die mittlere Druckkonstellation über Europa während eines El/La Nino Ereignisses.

Allerdings zeigt die Statistik, dass auch dies nicht bei jedem El Nino Ereignis auftritt. Jedes Ereignis hat eine etwas andere Ausdehnung und Intensität, die einen konträren Einfluss auf die im Winterhalbjahr vorherrschenden Wetterlagen in Europa nehmen kann. Darüber hinaus spielt auch der klimatologische Grundzustand eine wichtige Rolle. Veränderungen der mittleren Meeresoberflächentemperaturen und der großräumigen atmosphärischen Zirkulation können beeinflussen, wie sich die durch El Niño angeregten atmosphärischen Wellen ausbreiten und wo sie ihre Wirkung entfalten. Dadurch kann sich der Einfluss auf Europa von einem ähnlich starken El-Niño-Ereignis von Jahrzehnt zu Jahrzehnt unterscheiden.

El Niño kann damit auch in Europa die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetterlagen verändern – wie sich das Signal letztlich auswirkt, hängt jedoch nicht nur von der Stärke und Ausdehnung des Ereignisses ab, sondern auch von den großräumigen Wetter- und Meeresbedingungen, die zu diesem Zeitpunkt vorherrschen und aktuell noch nicht adäquat prognostizierbar sind.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Moegliche-Auswirkungen-eines-starken-El-Nino-auf-Europa-1.png 936 1533 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-23 17:17:492026-08-24 13:46:21Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

Pokalwetter mit Sommer-Comeback

22. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

An diesem Wochenende rollt der Ball wieder im DFB-Pokal. Doch nicht überall können sich die Fans auf einen trockenen Stadionbesuch freuen. Tief PRISKA über Osteuropa bestimmt vor allem am heutigen Samstag noch unser Wetter und sorgt in vielen Regionen für Schauer und einzelne Gewitter. Wer sich auf den Weg ins Stadion macht, sollte daher neben Fan-Schal und Trikot besser auch eine Regenjacke einpacken.

Am heutigen Samstag ziehen immer wieder Schauer durch unser Land, vereinzelt sind auch Gewitter dabei. Die besten Chancen auf längere trockene Abschnitte und etwas Sonnenschein gibt es im Süden. Ganz sicher ist man allerdings auch dort vor einem Schauer nicht. Mit Höchstwerten zwischen 18 und 23 Grad fühlt sich das Ganze eher mäßig warm als hochsommerlich an.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Samstag den 22.08.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Sonntag zieht sich PRISKA langsam nach Osten zurück. Ganz verabschiedet sich das wechselhafte Wetter allerdings noch nicht. Vor allem an den Küsten und im Nordosten ziehen bei wechselnder Bewölkung weitere Schauer durch. Im Süden macht sich dagegen zunehmend STEFFEN bemerkbar. Damit ist nicht etwa Steffen Tigges gemeint, der mit seinem SC Paderborn in Lübeck antritt, sondern das gleichnamige Hochdruckgebiet. Folglich stehen im Süden die Chancen auf trockenes Wetter und längere sonnige Abschnitte deutlich besser. Die Höchstwerte liegen zwischen 17 und 25 Grad.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Sonntag den 23.08.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Mit Beginn der neuen Woche übernimmt STEFFEN dann zunehmend die Wetterregie. In weiten Teilen Deutschlands setzt sich freundliches und sonniges Wetter durch, und gleichzeitig zeigen die Temperaturen wieder deutlich nach oben. Der Sommer meldet sich zurück: Zunächst werden verbreitet 22 bis 28 Grad erreicht, im weiteren Verlauf fällt vor allem in der Mitte und im Süden auch wieder die 30-Grad-Marke.

Ganz störungsfrei verläuft das sommerliche Comeback allerdings nicht. Am Dienstag und Mittwoch wird die Luft im Süden und Südwesten zunehmend feucht und labil. Dort können sich im Tagesverlauf kräftige Gewitter entwickeln, die örtlich mit Starkregen, Hagel und Sturmböen einhergehen. Abseits der Gewitter bleibt es bei sommerlichen Temperaturen jedoch häufig freundlich.

Nach einer kurzen Verschnaufpause deutet sich ab Freitag ein markanterer Wetterwechsel an. Von Westen könnte eine kräftigere Störung auf Deutschland übergreifen und die sommerliche Ruhe beenden. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit für verbreitetere Niederschläge und teils kräftige Gewitter deutlich an. Regional können dabei auch größere Regenmengen zusammenkommen.

Ausgerechnet zum Auftakt der Bundesliga könnte das Wetter damit wieder zum Spielverderber werden. Nach dem sommerlichen Intermezzo unter der Woche drohen zum ersten Spieltag erneut Starkregen und Gewitter. Ob der Bundesliga-Start tatsächlich ins Wasser fällt, ist allerdings noch nicht entschieden – bis dahin hat auch die Wetterlage noch ein paar Spielzüge offen.

Dipl.-Met. Marco Manitta in Zusammenarbeit mit Hochschulpraktikantin Anna-Lena Dötsch

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.08.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Pokalwetter-mit-Sommer-Comeback-1.png 916 1287 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-22 13:09:542026-08-24 13:46:18Pokalwetter mit Sommer-Comeback

Noch einmal turbulent, dann wird’s wieder ruhiger

21. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit ist einiges los beim Wetter und da bilden auch der heutige Freitag und die Nacht zum Samstag keine Ausnahme. Grund hierfür ist ein Ausläufer von Tief NORA II über Nordosteuropa, der sich von dort über Süddeutschland bis in den westlichen Mittelmeerraum „schlängelt“. Während südöstlich davon feuchtwarme Luft subtropischen Ursprungs liegt, ist nordwestlich eine etwas gemäßigtere Luftmasse vorhanden.

An diesem Ausläufer konnte sich ein kleinräumiges Tief bilden, das sich heute zur Mittagszeit über Norditalien/Südostschweiz befand und von Norditalien über die Schweiz bis in den Süden Baden-Württembergs bereits für mitunter kräftige und gewittrige Regenfälle sorgte und sorgt. Die weitere Entwicklung ist sehr komplex. Man könnte jetzt vereinfacht sagen, dass dieses Tief nun am heutigen Freitag nordostwärts über Südostbayern und Tschechien nach Polen zieht und am Samstag das Baltikum erreicht. Genaugenommen hat sich aber am bayerischen Ostalpenrand ein weiteres kleinräumiges Tief entwickelt, das auf den Namen PRISKA hört und die Arbeit des Norditalientiefs „übernimmt“. Sprich: PRISKA wird unter Verstärkung und mit den gewittrigen Regenfällen im Gepäck die angesprochene Zugbahn einschlagen.

Kombiniertes Radar- und Satellitenbild vom 21.08.2026, 14 Uhr. Dazu die beteiligten Tiefdruckgebiete und deren Zugbahn.

Aber wie dem auch sei: Im heutigen Tagesverlauf ziehen zum Teil gewittrige Starkregenfälle über den Südosten unseres Landes hinweg. Dabei sind vor allem vom Bodensee bis nach Ost- und Südostbayern gebietsweise um 30 l/qm innerhalb weniger Stunden zu erwarten. Vereinzelt sind auch unwetterartige Entwicklungen mit noch höheren Mengen wahrscheinlich, was dann zu lokalen Überflutungen führen kann.

Der Fokus liegt nach aktuellem Stand aber auf dem Südosten Bayerns, also etwa vom Alpenrand bis nach Niederbayern. Dort könnten sich vor Übergreifen der gewittrigen Regenfälle ab dem Nachmittag schwere Gewitter mit lokal heftigem Starkregen, schweren Sturm- bis Orkanböen und Hagel entwickeln. Allerdings ist diese Entwicklung sehr unsicher und hängt stark davon ab, wie schnell die Regenfälle auf den Südosten übergreifen. Je früher das passiert, desto weniger Energie wird den Gewittern zur Verfügung stehen und desto schwächer fallen sie aus. Was noch dazukommt, ist, dass durch die Verstärkung von PRISKA der Wind auch abseits potentieller Gewitter im Alpenvorland stürmisch auffrischen kann. So meldete Lindau um 14 Uhr beispielweise Böen bis 87 km/h.

Übersichtsgrafik zur erwarteten Starkregen- und Gewitterlage am Freitagnachmittag und -abend (21.08.2026).

Aber auch im großen Rest des Landes bleibt das Wetter „aktiv“ mit Schauern und vor allem über der Mitte auch örtlichen Gewittern. Besonders in der Nacht zum Samstag kann es dort gebietsweise ebenfalls wiederholte Regenfälle mit lokalen Mengen um 30 l/qm in wenigen Stunden geben, vereinzelt auch mehr. Auch wenn sich viele vielleicht über den Regen freuen werden, besteht bei diesen Starkregenereignissen lokal durchaus Überflutungsgefahr.

Übersichtsgrafik zur erwarteten Starkregen- und Gewitterlage von Freitagabend bis Samstagvormittag (21./22.08.2026).

Am Samstag beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Vielerorts sind zwar nochmals Schauer, vereinzelt auch Gewitter unterwegs, die aber ne ganze Ecke schwächer ausfallen werden als am heutigen Tag. Der Sonntag bietet dann besonders in der Südhälfte bestes Ausflugswetter bei viel Sonnenschein und Höchstwerten zwischen 20 und 25 Grad. Im Norden sind dagegen mehr Wolken unterwegs, die vereinzelt auch für einen kurzen Schauer gut sind. Dazu wird es windig und mit maximal 18 bis 22 Grad geringfügig kühler. Einem Ausflug sollte aber auch dort zumindest vom Wetter her nichts im Wege stehen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 21.08.2026
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Sommer im Barock

20. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben die Menschen schon immer beschäftigt. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch Eingang in die Kunst gefunden haben. Ein gewisser venezianischer Komponist Antonio Vivaldi beschäftigte sich intensiver mit diesen und schrieb dafür Violinenkonzerte, die er in seinem heutzutage weltbekannten Werk „Le quattro stagioni“ oder zu Deutsch „Die vier Jahreszeiten“ zusammenfasste. Im heutigen Thema des Tages soll es um den Sommer gehen und der Bogen zum Wetter in Deutschland geschlagen werden.

Antonio Vivaldi, Kupferstich von F. M. La Cave (1725) (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Vivaldi, Künstler: François Morellon de La Cave)

Antonio Lucio Vivaldi wurde 1678 in Venedig geboren. Sein Vater war Violinist und so fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Nachdem er die Ausbildung zum Priester absolviert hatte, arbeitete er zudem als Lehrer für verschiedene Musikinstrumente und führte später ein Orchester eines Heimes für Waisenmädchen zu Berühmtheit. In dieser Zeit komponierte er zahlreiche Violinenkonzerte, unter anderem auch „L’estate“ – den Sommer.

Das Stück gehört zur Gattung der Programmmusik, das bedeutet es bringt Geschichten oder Bilder in eine musikalische Form. In Vivaldis Fall gibt es ein dazugehöriges Sonett, das er vermutlich selbst schrieb:

Es ist die Jahreszeit der erbarmungslos glühenden Sonne, / es ermattet der Mensch, ermattet die Herde, / die Pinie brennt. / Der Kuckuck ruft und schreiend fallen Tauben / und Finken mit ein.
Noch weht ein leichtes Lüftchen, / doch plötzlich braust der heulende Nordwind dagegen. / Der Hirte weint. Er fürchtet sich vor dem Sturm. / Er fürchtet die Ungewissheit seines Schicksals.
Jetzt kennt des Hirten müder Körper keine Ruhe mehr, / aus Furcht vor dem Blitz und dem grollenden Donner / und aus der Furcht vor den Fliegen, / vor den wilden Schwärmen der Fliegen und Hornissen.
Ach – ja! Er hat ja Recht mit seinen Sorgen und Ängsten. / Der Himmel dröhnt vom Donner und leuchtet von Blitzen, / und der Hagel köpft den Weizen und alles andere Getreide.

Den ersten Teil kennen wir aus dem diesjährigen Sommer zur Genüge. Die Hitze wird musikalisch durch träge, schleppende Akkorde zur Geltung gebracht, die Menschen und Tiere befällt. Doch schon im zweiten Teil frischt der Wind auf und Gewitter ziehen auf. Mit dem Nordwind wird kühlere Luft herangetragen und die Hitze spielt keine Rolle mehr. Das Tempo der Musik erhöht sich immer wieder schlagartig. Im großen Finale, wenn das Gewitter hereinbricht, zeichnet sich das Violinenspiel beispielsweise durch schnelle virtuose Tonleitern aus, die das Bild der Regenmassen und des Hagels, der vom Himmel herabprasselt, transportieren. Und auch so ähnlich findet sich das im Wetter in Deutschland wieder. Am gestrigen Mittwoch und in der vergangenen Nacht kam es von einem Streifen ausgehend von Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen zu Unwettern. Einzelne schwere rotierende Gewitter (Superzellen) bildeten sich und sowohl in Hessen (Oberndorf/Solms) als auch in Brandenburg (Fürstenwalde/Spree) gab es sogar bestätigte Tornadomeldungen. Besonders vertrackt war die Tatsache, dass sich der Tornado in Brandenburg nicht an einer Gewitterzelle bildete, sondern an einem einfachen kleinen Schauer. Die Erkennung eines solch kleinräumigen Ereignisses ist an sich schon äußerst herausfordernd. Oft ist erst im Nachgang können dann Analysen der Radarbilder Aufschluss darüber geben, ob die Strukturen einer Rotation sichtbar gewesen sind und Tornadomeldungen plausibel sind.

Nun neigt sich der Sommer allmählich dem Ende zu. Am 1. September ist meteorologischer, am 23. September kalendarischer Herbstanfang. Und wer weiß, vielleicht findet sich eine Gelegenheit den Herbst von Vivaldi für das Wetter heranzuziehen.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.08.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Sommer-im-Barock.jpg 256 256 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-20 16:36:542026-08-24 13:46:12Sommer im Barock

Übers Ziel hinausgeschossen

19. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„[…] wird die feucht-warme und zu Gewittern neigende Luft allmählich in den Süden verdrängt.“ So oder so ähnlich hatten bereits einige der zahlreichen Hitzeperioden in diesem Sommer ihr Ende gefunden, und ebenso war es auch am vergangenen Wochenende gewesen. Die Kaltfront eines über Südskandinavien ziehenden Tiefdruckgebiets hatte von Nordwesten den Wetterwechsel eingeläutet, was am Montag einherging mit einer Tageshöchsttemperatur von 28,4 °C – zwei Tage zuvor waren von Frankfurt am Main bis Frankfurt an der Oder überregional noch über 37 °C gemessen worden. Nichtsdestotrotz war am Montag vom Süden bis in den Südosten weiterhin eine ausreichend feucht-labile Luftmasse vorzufinden, welche mit Hilfe von Hebungs-Unterstützung aus höheren Atmosphärenschichten bereits ab dem Vormittag die Entwicklung von recht ausgeprägten Gewittern begünstigte.

RGB Satellitenbild zentriert über Deutschland, am vergangenen Montag den 17.08.2026 um 06:40 UTC.

Der Blick auf das RGB Satellitenbild eines EUMETSAT Satelliten der dritten Generation (MTG) zeigt zuerst einmal Eines: Deutschland war um 06:40 UTC (08:40 Mitteleuropäische Sommerzeit) mehr oder weniger von Wolken bedeckt. RGB steht für Rot-Grün-Blau, also eine Überlagerung dieser spektralen Messkanäle, so dass ein Bild entsteht welches etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Zu dem Haupteindruck „Da sind viele Wolken“ gesellen sich bei näherer Betrachtung mehr und mehr Details, weniger dichte Wolken im Südosten Deutschlands, weniger strukturierte Wolken im Norden, mehr Struktur an den Wolkenoberkanten hingegen in der Mitte und im Südwesten. Deutlich mehr Details und Informationen über die Wolkenstrukturen lassen sich jedoch unter Hinzunahme von Infrarotmessungen herauslesen. Bei den sogenannten „Infrarot-Sandwich“ Satellitenprodukten macht man sich dabei die Vorteile beider Spektralbereiche zunutze: Erstens, die höhere horizontale Auflösung im sichtbaren Bereich, also die Strukturen die sich in den Wolkenoberkanten im obigen Satellitenbild zeigen. Zweitens, die Information über die Temperatur an der Wolkenoberkante welche sich aus den Messungen im Infrarotbereich annähernd bestimmen lässt, allerdings bei einer geringeren horizontalen Auflösung.

Animation des Infrarot-Sandwich Produkts aus Messungen des MTG Satelliten, für den vergangenen Montag, den 17.08.2026. (Quelle EUMETSAT/DWD)

Animation des Infrarot-Sandwich Produkts aus Messungen des MTG Satelliten, für den vergangenen Montag, den 17.08.2026.

Die Animation des IR-Sandwich Produkts des MTG Satelliten vom vergangenen Montag gibt einen guten Eindruck von der Kombination der verschiedenen Messkanäle. Die Animation beginnt um 06:00 UHR MESZ, zu dieser Zeit um den Sonnenaufgang sind noch keine Informationen im sichtbaren Bereich vorhanden, und die farblich hervorgehobenen Wolken mit sehr kalten und damit sehr hohen Oberkanten erscheinen noch sehr flach und unstrukturiert – es sind nur die weniger hoch aufgelösten Informationen aus dem Infraroten vorhanden. Mit steigendem Sonnenstand erscheinen von Osten aus die überlagerten Strukturen aus den RGB-Kanälen, was dann ab etwa 09:00 Uhr ein vollständiges IR-Sandwich Bild im gesamten dargestellten Bereich ergibt. Ein großes Gebiet zusammenhängender hoher Wolkenstrukturen zieht im Verlauf der Animation von Westen Richtung Nordosten, was am Montag einherging mit viel schauerartigem Regen, jedoch ohne elektrische Entladungen und somit ohne Gewitter. Anders sah es im Süden aus, bereits sehr früh am Tag bilden sich auf französischer Seite an der Grenze zu Baden-Württemberg hochreichende Wolkentürme aus – je rötlicher die Farbgebung desto kälter und hochreichender die Wolke. Hier wurden auch im Radar die am stärksten ausgeprägten Zellen beobachtet. Was nicht bedeutet dass es auf deutscher Seite im Süden ruhig zuging. Auch hier reichte es für unwetterartige Niederschlagsmengen in wenigen Stunden, in der Animation zeigt sich das anhand der sehr schnell sehr hoch schießenden Wolken im Bereich von Bodensee und Allgäu. Die zweite spannende Region in Sachen Gewitter-Warnwesen war am Montag der Osten Sachsens. Auch hier bildeten sich in feucht-labiler Luft mit reichlich verfügbarem Wasser hochreichende Gewitterwolken aus. In der IR-Sandwich Animation erscheinen diese Wolken gegen 09:30 UTC südlich der großskaligen ostwärts ziehenden Wolkenstrukturen. Da hier neben den genannten Gewitter-Zutaten, Feuchte, Labilität und Hebung zusätzlich auch Windscherung vorhanden war, bildeten diese Gewitterzellen eine Eigendynamik aus und scherten für eine Weile nach rechts Richtung Erzgebirge aus – mit viel gutem Willen zeigt sich auch das ansatzweise in der obigen Animation.

RGB Satellitenbild zentriert über Deutschland, am vergangenen Montag den 17.08.2026 um 06:40 UTC. Überlagert sind die Umrisse der automatisch identifizierten schnell wachsenden Gewitterzellen.

Entweder aus Mangel an Konzept beim Schreiben oder als bewusster Spannungsbogen gab es bis hierhin noch keinen Kontext für die Überschrift des heutigen Thema des Tages. Was auch immer der Grund war, wir Enden heute wieder mit einem Werbeblock für die zahlreichen frei verfügbaren Produkte im Eumetsat-Portal. Das obige Bild zeigt noch einmal das MTG RGB-Satellitenbild um 06:40 UTC, dieses Mal mit hervorgehobenen Umrissen von sich schnell entwickelnden Gewitterzellen. Diese werden – interessanterweise bisher nur aus den Messungen der vorherigen Generation von Satelliten (MSG) – anhand von schnell sinkenden Temperaturen im Infraroten, also schnell hochschießender Wolkenoberkanten identifiziert. Die roten Zahlen geben dabei die tiefste gemessene Helligkeitstemperatur in der jeweiligen Zelle an – für die markierte und anfangs besprochene Gewitterwolke westlich von Baden-Württemberg -63 °C. Hier war die Luft so hochreichend labil geschichtet, dass die aufsteigenden Luftmassen bis an die Tropopause und darüber hinausschossen! Dieses Überschießen ist in dem „Rapide wachsende Gewitterzellen“-Produkt mit 6,37 °C und somit einigen hundert Metern über der Tropopause quantifiziert!

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.08.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Uebers-Ziel-hinausgeschossen-1.jpg 1047 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-19 14:40:252026-08-24 10:57:27Übers Ziel hinausgeschossen

Von laut bis leise: Der Donner

18. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es ist dunkel, es flackert kurz und wenige Sekunden später wird man spätestens vom lauten Schlag aus dem Bett geworfen. So könnte es sich in den letzten Tagen durchaus mancherorts zugetragen haben, wenn Gewitter nachts über Deutschland hinwegzogen und dabei einen natürlichen Wecker darstellten, der leider nicht immer zur gewünschten Zeit losging. Weniger vom Blitz, aber vielmehr vom Donner wird man des nachts nämlich häufiger geweckt, wenn sich die Energie der Luftmasse am Himmel entlädt. Aber natürlich sind die Donnerschläge tagsüber genauso einprägsam oder angsteinflößend.

Doch was geschieht bei einem Donner eigentlich? Nun, vereinfacht gesagt ist der Donner das Ergebnis eines physikalischen Prozesses. Bei einer Blitzentladung wird die Luft im Blitzkanal binnen Sekundenbruchteilen auf Temperaturen von über 30.000 Grad Celsius erhitzt, in Ausnahmefällen sind sogar über 50.000 Grad möglich. Zum Vergleich, unsere Sonne besitzt in ihrer leuchtenden Schicht „nur“ eine Oberflächentemperatur von etwa 5.500 bis 6.000 Grad Celsius.

Aufgrund dieses enormen Temperatursprunges ist die Luft gezwungen, sich in ebenso kurzer Zeit rasant auszudehnen, was eigentlich kaum möglich ist. Es entsteht hierdurch ein kurzzeitig unglaublich hoher Druck. Damit läuft vom Blitz in der Folge eine Schockwelle in alle Richtungen weg, die sich zunächst sogar mit Überschallgeschwindigkeit entfernt, bevor sie sich als Druckwelle mit „normaler“ Schallgeschwindigkeit von etwa 343 m/s fortbewegt.

Je weiter sich diese Druckwelle, die als akustische Welle (Donner) für uns Menschen hörbar ist, vom Blitz bzw. dem Gewitter entfernt, umso leiser wird sie mit der zunehmenden Entfernung, da die Druckwelle rasch an Stärke verliert. Nun wird aus einem eigentlichen Knall ein längeres Grollen, was damit zusammenhängt, dass die Schwallwellen bei einem nahen Blitz mit senkrechter Neigung nahezu gleichzeitig, bei einem entfernten Blitz (und im „besten“ Fall mit Neigung) jedoch versetzt beim Beobachter ankommen. Damit zieht sich der Donner in die Länge. Stark gegliederte Orographie kann diesen Prozess durch Schallreflexionen noch verstärken, sodass ein typisches „Rumpeln“ entsteht.

Zu sehen ist eine Blitzentladung. Der dabei entstehende Donner ist das Ergebnis eines physikalischen Prozesses, bei dem Luft schlagartig erhitzt wird und sich ausdehnen muss.

Der Zeitpunkt des eintretenden Donners ist übrigens gut geeignet, um die Entfernung zum Gewitter abzuschätzen, wenn man den dazugehörigen Blitz beobachten konnte. Wie wir wissen, breitet sich der Schall mit rund 343 m/s in alle Richtungen aus. Zählt man nun die Sekunden, die zwischen dem Blitz und dem ersten Hören des Donners liegen und teilt diese durch drei, bekommt man eine gute Größenordnung der Entfernung in Kilometern heraus. Zum Beispiel liegen zwischen Blitz und Donner 9 Sekunden, dann ist das Gewitter (oder besser der Blitz) rund 3 km entfernt. Man muss dabei jedoch beachten, dass Blitze teils weit entfernt vom Niederschlag außerhalb der Gewitterwolke einschlagen können, weshalb 3 km recht nah und gefährlich wären. Übrigens sind Donner für uns Menschen nur ca. 20 bis 25 km (selten mehr) entfernt hörbar, was unter anderem an der Absorption der Schallwellen und störenden Umweltgeräuschen liegt.

Zu guter Letzt soll noch die Frage beantwortet werden, wie laut ein Donner eigentlich ist. Da die Lautstärke mit zunehmender Entfernung immer weiter abnimmt, ist eine genaue Festlegung gar nicht möglich. Nach oben hin gibt es in der Fachliteratur aber durchaus Richtwerte, welche bei etwa 130 Dezibel liegen, was für einen sehr nahen Blitz mit einem Donnerschlag, besser -knall, gilt. Dies wäre ungefähr mit einem Düsenjet während der Startphase vergleichbar.

M.Sc Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.08.2026
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