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Von Labilität und Feuchte

13. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In vorausgegangenen Themen des Tages vom 01. und 15.07. wurden bereits wichtige Faktoren (CAPE und Scherung) für die Gewittervorhersage betrachtet. Heute wird diese Liste durch die Feuchte und die Labilität ergänzt.

Beim Begriff der „Feuchte“ denkt der kosmetisch umtriebige Leser vielleicht intuitiv an Feuchtigkeitscremes oder -sprays. Eventuell verbindet damit manch anderer zu seinem Leidwesen Wasserrohrbrüche und die damit einhergehende Bekämpfung der Feuchtigkeit in Wänden. Eine ähnlich an den Haaren herbeigezogene Einleitung hinsichtlich des Begriffes der Labilität aus dem Alltag ist dem Verfasser leider nicht gelungen, daher gehen wir nun schnell zum meteorologischen Teil über.

Beginnen wir mit der Feuchte. Diese bezieht sich auf den Wasserdampfgehalt der Luft. Insbesondere das Maß „PPW“ (potential precipitable water, deutsch: niederschlagbares Wasser) spielt eine bedeutende Rolle zur Einschätzung der Gewitterstärke. Betrachten wir eine ein Quadratmeter große Fläche, so gibt der PPW-Wert an, wie viel Wasser sich in der gesamten darüberliegenden Luftsäule befindet. Die übliche Einheit ist Kilogramm (oder Liter) pro m², also Masse des Wassers, die über einer bestimmten Fläche am Boden vorhanden ist. Diese Zahl beschreibt das theoretische Maximum an Regen, der aus dieser Luftsäule herausgequetscht werden kann. Nun wäre es natürlich verlockend den Schluss zu ziehen, dass das eins-zu-eins auch dem Starkregenpotential eines Gewitters entspricht. Doch leider ist es nicht ganz so einfach. Hierbei muss nämlich zum Beispiel noch in Betracht gezogen werden, dass Gewitter eine gewisse Zuggeschwindigkeit haben. Ziehen sie also schnell, ist es kaum vorstellbar, dass das gesamte Wasser an einem Ort herunterkommt. Kommt dagegen eine Gewitterzelle nur langsam voran, ist das Potential deutlich größer. Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass mehrere Gewitterzellen über einen Ort ziehen können oder eine Zelle lange über derselben Stelle überlebt und dabei immer frischen „Nachschub“ von feuchter Luft bekommt, ist der Schluss klar, dass das PPW lediglich ein Richtwert für die Einschätzung sein kann.

Kommen wir nun zum zweiten Begriff. In der Meteorologie versteht man unter der Labilität die Neigung der atmosphärischen Schichtung, aufsteigende Luftbewegungen (Konvektion) zuzulassen oder zu unterdrücken. Um dies zu verdeutlichen betrachten wir ein aufsteigendes Luftpaket. Durch das Aufsteigen dehnt es sich aus und kühlt dabei ab. Ist es trocken (genauer: nicht gesättigt) so liegt die Abkühlungsrate bei etwa 1 Kelvin pro 100 Metern. Falls Sättigung schon eingesetzt hat (also zum Beispiel in einer Wolke) liegt die Rate bei etwa 0,65 Kelvin pro 100 Metern. In letzterem Fall wirkt dem Abkühlungsprozess entgegen, dass Energie bei der Kondensation von Wasser frei wird. Diese charakteristischen Abkühlungsraten werden auch trockenadiabatischer beziehungsweise feuchtadiabatischer Temperaturgradient genannt. Sie ergeben sich aus dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik und einigen Annahmen bzw. Vereinfachungen.

Skizze der unterschiedlichen Möglichkeiten der Stabilität in Bezug auf die vertikale Temperaturänderung.

Mit diesem Hintergrundwissen können wir uns nun überlegen, wie die Atmosphäre geschichtet sein muss, damit sie stabil bzw. instabil ist. In der Skizze befindet sich auf der x-Achse die Temperatur und auf der y-Achse die Höhe. Die gleichmäßigen Linien von rechts unten nach links oben stellen die Adiabaten dar. Die durchgezogene Linie mit den unterschiedlichen Neigungen zeigt die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich die Temperatur der umgebenden Atmosphäre ändern kann. Beginnen wir also von ganz unten. Luft vom Boden hat eine bestimmte Temperatur und ändert seine Temperatur so, dass sie der Adiabate folgt. Die Umgebungstemperatur befindet sich jedoch „links“ davon. Das heißt, die aufsteigende Luft ist im Vergleich zur Umgebungsluft wärmer und wird dadurch weiter zum Aufsteigen animiert. Das Gegenteil ist der Fall im darüberliegenden Abschnitt. Dort bleibt die Umgebungsluft mit der Höhe gleich warm. Die aufsteigende Luft kühlt sich trotzdem ab und wird somit zum Absinken gezwungen. Die oberen zwei Abschnitte zeigen ebenfalls zwei stabile Zustände. Der indifferente Fall ist ein Spezialfall, denn hier nimmt die Umgebungstemperatur genauso schnell mit der Höhe ab wie beim Aufsteigen. Das bedeutet, dass es keine Tendenz zum weiteren Aufsteigen, aber auch nicht zum erneuten Absinken gibt.

Die Gewitterprognose hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Fehlt die Labilität, so wird die Konvektion von der Atmosphäre gehemmt. Fehlt die Feuchte oder CAPE, so fehlt die Energie für das Gewitter. Fehlt die Scherung, so fallen sich entwickelnde Gewitter schnell wieder in sich zusammen. Erst wenn alles zusammenpasst, können daraus mächtige Systeme entstehen und beeindruckende Formen annehmen. Und ist das etwa nicht faszinierend?

M.Sc.(Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Von-Labilitaet-und-Feuchte.jpg 390 349 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-13 15:42:272026-08-14 09:47:37Von Labilität und Feuchte

Höhepunkt der Perseiden

12. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Neben der partiellen Sonnenfinsternis, die am heutigen Mittwochabend kurz nach 20 Uhr (MESZ) über Deutschland ihr Maximum erreicht (siehe Thema des Tages vom Vortag), gibt es in der kommenden Nacht gleich das nächste Himmelsspektakel zu bestaunen – das Maximum der diesjährigen Perseiden. Obwohl die Bedingungen in diesem Jahr besonders gut sind, fristen die Perseiden medial gegenüber der allgegenwärtigen Sonnenfinsternis fast ein Schattendasein. Im heutigen Thema des Tages erklären wir ein paar Hintergründe zu den Perseiden und geben eine Prognose zu den Beobachtungsbedingungen.

Bei den Perseiden (volkstümlich auch Laurentiustränen genannt) handelt es sich um den bekanntesten jährlich wiederkehrenden Meteorregen, der in der Zeit vom 17. Juli bis zum 24. August am Himmel zu beobachten ist. In der Nacht zum 13. August schickt er ein deutliches Maximum an Sternschnuppen zu uns. Noch mehr Sternschnuppen erzeugen allerdings die Geminiden und die Quadrantiden im Dezember und Januar, die aber aufgrund der kalten Jahreszeit nicht so viele Menschen zum Beobachten nach draußen locken.

Ihren Namen verdanken die Perseiden dem Sternbild Perseus. Die Sternschnuppen scheinen diesem Sternbild zu entspringen, da sie sich vom Perseus im Zentrum strahlenförmig nach außen bewegen. In Wirklichkeit finden die Sternschnuppen aber ihren Ursprung in der unmittelbaren Erdumgebung. Auf ihrer Bahn um die Sonne kreuzt die Erde jedes Jahr im Sommer eine Teilchenwolke, die der Komet 109R/Swift-Tuttle auf seiner Bahn um die Sonne zurückließ. Dabei handelt es sich um winzigen kosmischen Staub, dessen Teilchen nur eine Größe von wenigen Millimetern besitzen. Diese treffen mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Sekunde (entspricht ca. 216.000 km/h) auf die Erde und dringen in die Erdatmosphäre ein. In einer Höhe von 60 bis 80 Kilometern bringen sie so die Luftmoleküle zum Leuchten, was man am Boden als Sternschnuppe beobachten kann. Es leuchten also nicht die verglühenden Staubteilchen selbst, sondern die ionisierte Luft um die Teilchen herum.

Der Meteorstrom ist von 22 Uhr abends bis 4 Uhr morgens gut zu beobachten, wobei die beste Beobachtungszeit in Mitteleuropa etwa von 2 bis 3 Uhr ist, wenn das Sternbild Perseus hoch am Himmel steht. Allerdings sollte man nicht direkt zum Perseus blicken, sondern 20 bis 40° abseits des Sternbilds, um die langen Sternschnuppenschweife zu sehen. Dabei sollte man einen Beobachtungsort mit wenig künstlichen Lichtquellen in der Umgebung suchen, denn mit zunehmender Lichtverschmutzung kann man nur noch die leuchtstärksten Sternschnuppen sehen. In den Medien wird oft von bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde gesprochen. Dieser Wert ist allerdings viel zu hoch gegriffen und nur unter optimalen Bedingungen zu erreichen, z.B. im Hochgebirge oder in besonders trockenen Wüsten. Am Rand einer Kleinstadt sinkt die Anzahl sichtbarer Sternschnuppen auf 10-15 pro Stunde, in der hellen Innenstadt auf 3-5. In ländlichen Regionen fernab von Ortschaften kann man hingegen mit bloßem Auge etwa 60-70 Sternschnuppen pro Stunde sehen. Aber auch Bewohner in Ballungszentren müssen nicht auf Sternschnuppen verzichten. Begeben Sie sich in einen größeren Stadtpark ohne größere Lichtquellen oder an den Stadtrand, so haben Sie die Chance, dutzende Sternschnuppen pro Stunde zu sehen. Wem in der kommenden Nacht die Zeit zum Sternschnuppen Zählen fehlt, hat auch in den darauffolgenden Nächten noch einmal die Möglichkeit. Unter guten Sichtbedingungen sind dann auch noch meist 10-30 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen.

Bewölkungsverteilung über Deutschland (blau: hohe Bewölkung, ocker: mittelhohe Bewölkung, grau: tiefe Bewölkung) und Temperatur am 13.08.2026, 00 Uhr (mitteleuropäische Zeit).

Stellt sich nun noch die Frage nach den Bedingungen für das Beobachten der Sternschnuppen. Astronomisch gesehen ist hervorzugheben, dass der Höhepunkt der Perseiden in diesem Jahr zufällig auf den Neumond trifft. Somit bleibt die störende Lichtquelle durch den Mond komplett aus. Auch die Wetterbedingungen sind nahezu perfekt. In den meisten Landesteilen ist es wolkenlos. Allenfalls im Norden und Nordosten zeigen sich ein paar Schleierwolken am Himmel, die den direkten Blick auf den Sternenhimmel und somit auch auf die Perseiden zeitweise beeinträchtigen. Dennoch gibt es auch dort Chancen auf Sternschnuppen. Eine niedrige Luftfeuchtigkeit sorgt zudem für eine klare Sicht.

Bewölkungsverteilung über Deutschland (blau: hohe Bewölkung, ocker: mittelhohe Bewölkung, grau: tiefe Bewölkung) und Temperatur am 13.08.2026, 03 Uhr (mitteleuropäische Zeit).

Allerdings wird die Nacht gebietsweise recht frisch, insbesondere in der Nordosthälfte Deutschlands. Um Mitternacht lässt es sich im Westen und Südwesten bei knapp über 20 Grad noch recht gut ohne Jacke draußen aushalten. In den östlichen Landesteilen wird bis dahin die Temperatur aber oft schon auf etwa 15 Grad abgekühlt sein. Zur besten Beobachtungszeit um 3 Uhr (MESZ) wird die Temperatur auch im Westen unter 20 Grad liegen, im Osten wird es mit meist nur um oder knapp über 10 Grad ziemlich kühl. Neben gut geputzten Brillengläsern sollte man dort also auch an eine ausreichend warme Jacke denken.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Hoehepunkt-der-Perseiden-1.png 839 1346 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-12 16:29:582026-08-14 09:47:33Höhepunkt der Perseiden

Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

11. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während von Ostgrönland über Island bis zur Iberischen Halbinsel am morgigen Mittwochabend eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen ist, können wir in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis beobachten, bei der zumindest der größte Teil der gerade untergehenden Sonne verdunkelt wird.

Grundlagen:

Nach einigen partiellen Finsternissen in der Vergangenheit ist es seit der totalen Finsternis im Jahre 1999 wieder einmal ein größeres astronomisches Highlight, was das Zusammenspiel von Sonne und Mond hervorbringt. Dabei schiebt sich der Mond auf seiner Umlaufbahn zwischen Sonne und Erde und verdeckt den Zentralstern unseres Sonnensystems vollständig, oder auf Deutschland bezogen, immerhin noch größtenteils. Zum Höhepunkt, der abends um kurz nach 20 Uhr zu erwarten ist, werden rund 85% im Nordosten und bis zu 90% der Sonne im Südwesten verdunkelt sein, sodass von der eigentlichen Sonnenscheibe nur noch eine Sichel übrig bleiben wird.

Betrachtet wird die maximale Abschattung und die zugehörige Uhrzeit im Rahmen der morgigen Sonnenfinsternis für verschiedene Orte Deutschlands und Mitteleuropas.

Da die Finsternis mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt, entsteht ein besonderes Lichtspiel aus der untergehenden und dann abgeschatteten Sonne, sodass teils auch nur die Sichel am Horizont verschwinden wird.

Auswirkungen:

Für die Meteorologie ist eine Sonnenfinsternis immer eine spannende Geschichte, da sich die Sonne hauptverantwortlich als Antreiber verschiedenster meteorologischer Größen zeigt. So ist etwa anhand von Messdiagrammen der letzten größeren partiellen Finsternis aus 2015 am Hohenpeißenberg gut zu sehen, wie mit Eintritt der Verdunkelung die eigentlich am Vormittag ansteigende Temperatur wieder abfällt, es ergo kühler wird. Diese Energie fehlt dann auch für den Rest des Tages, sodass es kühler bleibt, als es ohne Sonnenfinsternis geworden wäre. Der Knick bei der gemessenen Globalstrahlung untermauert diesen Zusammenhang.

Zu sehen ist der berechnete und reale Verlauf von Globalstrahlung und Lufttemperatur am Tage der partiellen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 am meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg.

Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Bedeutung der erneuerbaren Energien (u.a. Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen) sollten solche Auswirkungen möglichst präzise vorhergesagt werden können. Daher wurde vonseiten der Abteilung FE (Forschung und Entwicklung) des DWD eine Implementierung der Vorgänge einer Sonnenfinsternis in die ICON-Modellkette vorgenommen. Genauer gesagt wurde mit Wirkung zum 5. August 2026 eine Parametrisierung (Beschreibung) der Abschattung der Sonne in die Modellrechnungen integriert, sodass die direkten Auswirkungen auf die Strahlungsdaten im Vorhersagemodell abgeleitet werden können. Ohne diese Parametrisierung würde das Modell den Effekt der Sonneneinstrahlung für die Dauer der Finsternis deutlich überschätzen. Noch ist dies zwar nur für das ICON-Globalmodell und den europäischen Ausschnitt der Fall, bis zur nächsten partiellen Sonnenfinsternis im Sommer 2027 wird aber auch der Rest der deutschen Modellkette (u.a. ICON-D2) um diese Parametrisierung erweitert.

Wetter:

Unter dem Einfluss von Hoch RALF wird sich am morgigen Mittwoch landesweit die Sonne zeigen, dazu ist der Himmel vom Süden bis zur Mitte wolkenfrei. Lediglich weiter nördlich könnten gegen Abend (zwischen 19 und 21 MESZ) hohe Schleierwolken durchziehen, die den Blick auf die Sonnenfinsternis aber nur selten trüben sollten. Am ehesten ist dies über Schleswig-Holstein der Fall. Ansonsten lassen sich sowohl die partielle Finsternis zu ihrem Maximum (meist kurz nach 20 MESZ, siehe Bild 1) als auch die Perseiden in der Nacht zum Donnerstag überall wunderbar bestaunen.

Dargestellt ist die Gesamtbewölkung am morgigen Mittwochabend gegen 20 MESZ (18 UTC), wenn der Höhepunkt der Sonnenfinsternis erwartet wird. Lediglich den Norden und Teile der Mitte überziehen ein paar Wolken, meist handelt es sich dabei aber um dünne Schleierwolken (hellblau dargestellt).

Und wie für eine Sonnenfinsternis üblich steht in 2 Wochen bereits das nächste astronomische Highlight an: Eine Mondfinsternis!

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Die-partielle-Sonnenfinsternis-vom-12.-August-2026-1.jpg 1509 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-11 16:39:192026-08-14 09:47:30Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

VPN auf Reisen: Wetter prüfen und clever packen

10. August 2026/in Allgemein, Wetter/von WINDINFO

Eine gute Wetterrecherche kann aus einer schönen Reise eine deutlich entspanntere machen. Wer nur auf die Temperatur am Ankunftstag schaut, übersieht schnell Wetterwechsel, Wind, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit oder starke Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Mit aktuellen Vorhersagen, Klimadaten und einer passenden Packstrategie lässt sich das Risiko unangenehmer Überraschungen deutlich reduzieren.

Die gesamte Reisezeit prüfen, nicht nur den Ankunftstag

Viele Reisende öffnen eine Wetter-App, schauen auf die Temperatur am Tag der Ankunft und belassen es dabei. Für die Reiseplanung ist das zu wenig. Sinnvoller ist es, den gesamten verfügbaren Vorhersagezeitraum zu betrachten und dabei nicht nur Höchsttemperaturen, sondern auch Tiefstwerte, Niederschlagswahrscheinlichkeit, Wind und UV-Belastung einzubeziehen.

Dienste wie AccuWeather, The Weather Channel oder Windy stellen dafür unterschiedliche Wetterparameter und Vorhersagekarten bereit. Windy ist besonders interessant, wenn Wind, Niederschlag, Temperatur oder die Entwicklung verschiedener Wettermodelle miteinander verglichen werden sollen.

Wichtig ist, auf Muster zu achten. Werden die Nächte deutlich kühler, treten regelmäßig nachmittägliche Schauer auf oder kündigt sich während der Reise eine Frontpassage an, sollte sich das auch im Gepäck widerspiegeln.

Historische Wetterdaten richtig einordnen

Eine Wettervorhersage beschreibt die erwartete Entwicklung der kommenden Tage. Für Reisen, die weiter in der Zukunft liegen, sind klimatologische Daten sinnvoller. Sie zeigen, welche Temperaturen, Niederschlagsmengen und Wetterbedingungen an einem Ort zu einer bestimmten Jahreszeit typischerweise auftreten.

Plattformen wie WeatherSpark bieten dafür langjährige Klimadaten und typische saisonale Verläufe. Solche Werte sind keine konkrete Vorhersage für den Reisetermin, helfen aber dabei, realistische Erwartungen an Temperatur, Regen oder Wind zu entwickeln.

Wer beispielsweise im Frühjahr nach Südeuropa reist, sollte deshalb nicht allein von einer kurzfristig sonnigen Prognose auf durchgehend trockenes Wetter schließen. Gerade in Übergangsjahreszeiten können Wetterwechsel innerhalb weniger Tage erheblich sein.

Lokale Informationen als Ergänzung nutzen

Lokale Reisegruppen, Foren oder Communities können nützliche Hinweise liefern, etwa zur tatsächlichen Beschaffenheit von Wegen, zu starkem Wind an exponierten Küstenabschnitten oder dazu, welche Kleidung sich unter den aktuellen Bedingungen bewährt. Solche Erfahrungsberichte sind eine Ergänzung, ersetzen aber keine meteorologischen Vorhersagen und amtlichen Warnungen.

Bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen sollten deshalb immer aktuelle Wetterdienste und, wenn erforderlich, die offiziellen Warninformationen des jeweiligen Landes herangezogen werden.

Nicht nur auf die Temperatur achten

20 Grad Celsius können sich je nach Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung sehr unterschiedlich anfühlen. Zusätzlich spielt die Höhenlage eine wichtige Rolle. Wer vom Tal in höhere Lagen aufsteigt, kann innerhalb kurzer Zeit deutlich niedrigere Temperaturen und stärkeren Wind erleben.

Für Wanderungen, Wassersport oder längere Outdoor-Aktivitäten sind deshalb Windgeschwindigkeit, Böen, Niederschlag, Bewölkung und bei sommerlichen Bedingungen auch die UV-Belastung relevant. Windy und The Weather Channel stellen einen großen Teil dieser Parameter übersichtlich dar.

Warum ein VPN auf Reisen sinnvoll sein kann

Ein VPN verbessert keine Wettervorhersage und macht Modelldaten nicht genauer. Auf Reisen kann es dennoch praktisch sein. Wer öffentliche WLAN-Netze in Hotels, Flughäfen oder Cafés nutzt, kann seine Internetverbindung über einen verschlüsselten VPN-Tunnel führen. Außerdem lassen sich damit in bestimmten Fällen länderspezifische Webseiten oder Online-Dienste so aufrufen, als würde die Verbindung aus einem anderen Land erfolgen.

Das kann hilfreich sein, wenn auf Reisen bestimmte Informationsangebote regional unterschiedlich bereitgestellt werden oder wenn man auf Dienste aus dem Heimatland zugreifen möchte. Eine Möglichkeit ist ein kostenloses VPN. Auch hier gilt: Für Wetterwarnungen und lokale Gefahrenlagen sollten die offiziellen Informationsquellen des Aufenthaltslandes maßgeblich bleiben.

Mit einer Capsule Wardrobe flexibler packen

Steht die Wetterlage ungefähr fest, lässt sich das Gepäck deutlich effizienter zusammenstellen. Statt vieler einzelner Outfits ist eine kleine Auswahl kombinierbarer Kleidungsstücke meist praktischer. Leichte Oberteile, ein Pullover, eine kompakte Regenjacke und atmungsaktive Kleidung decken einen großen Temperaturbereich ab.

Besonders sinnvoll ist das Schichtenprinzip. Mehrere dünne Schichten lassen sich flexibel kombinieren und reagieren besser auf wechselnde Bedingungen als ein einzelnes sehr warmes Kleidungsstück. Eine leichte Regenjacke oder ein kompakter Poncho benötigt wenig Platz und kann bei einem Wetterumschwung entscheidend sein.

Auch ein kleines Reservestück kann sinnvoll sein, etwa Badebekleidung bei unsicherem Strandwetter oder eine zusätzliche lange Hose für unerwartet kühle Abende.

Wetterdaten regelmäßig aktualisieren

Je näher der Reisetermin rückt, desto wichtiger werden aktuelle Vorhersagen. Eine Planung mehrere Wochen vor Abreise sollte deshalb kurz vor Reisebeginn und während der Reise erneut überprüft werden. Gerade bei Gewittern, Starkregen, Sturm oder ausgeprägten Temperaturänderungen können sich Prognosen kurzfristig verändern.

Für Outdoor-Sportler gilt das in besonderem Maß. Vor Wanderungen, Segeltörns, Surf-Sessions oder anderen wetterabhängigen Aktivitäten sollten die neuesten Vorhersagen und Warnungen kontrolliert werden. Eine App ist dabei ein Werkzeug, keine Garantie für einen bestimmten Wetterverlauf.

Bild: © Timur Weber / Pexels
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/pexels-timur-weber-9186152-scaled.jpg 2560 1758 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-10 21:15:402026-08-14 09:47:19VPN auf Reisen: Wetter prüfen und clever packen

Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

10. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit dem 6. August steht der Ätna auf Sizilien erneut im Fokus. Europas größter und aktivster Vulkan ist ausgebrochen und sorgt nicht nur für ein beeindruckendes Naturschauspiel, sondern auch für erhebliche Einschränkungen im Flugverkehr. Immer wieder musste der Luftraum über dem Flughafen Catania aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt werden, da Vulkanasche ein erhebliches Risiko für Flugzeuge darstellt. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder auf andere Flughäfen umgeleitet.

Dabei sind Ausbrüche des Ätna nichts Ungewöhnliches. Der Vulkan gehört zu den aktivsten der Erde und zeigt jedes Jahr mehrere Eruptionsphasen. Der aktuelle Ausbruch geht vom Hauptkrater aus und stellt für die umliegenden Ortschaften derzeit keine unmittelbare Gefahr dar. Gewaltige Lavafontänen schleudern glühendes Material hunderte Meter in die Höhe, während eine Aschewolke weit über den Gipfel hinaus aufsteigt. Gleichzeitig fließt an der Ostflanke Lava in das unbewohnte Valle del Bove – ein mehrere Kilometer breites Einbruchstal, das seit Jahrhunderten als natürlicher Auffangraum für Lavaströme dient.

Nächtlicher Ausbruch des Ätna mit einer eindrucksvollen Lavafontäne und einem rotglühenden Lavastrom im Valle del Bove.(Quelle: Bild von Alessandro Micalizzi)

Gerade deshalb zieht der Ätna derzeit zahlreiche Besucher an. Besonders spektakulär ist das Schauspiel nach Sonnenuntergang. Dann leuchten die Lavafontänen und glühenden Gesteinsbrocken weithin sichtbar vor dem dunklen Nachthimmel. Auch der Lavastrom lässt sich aus sicherer Entfernung gut beobachten.

Die Lavafontäne des Hauptkraters schleudert glühende Gesteinsbrocken mehrere hundert Meter in die Höhe. (Quelle: Bild von Alessandro Micalizzi)

Über den heißen Lavafeldern entstehen zudem häufig sogenannte Staubteufel – kleine rotierende Wirbel, die Asche und vulkanisches Material aufwirbeln. Tagsüber kommt ein weiteres Wetterphänomen hinzu: Die intensive Erwärmung über den Lavaströmen fördert zusammen mit der labil geschichteten Luft die Bildung von Quellwolken. Im Tagesverlauf können daraus örtliche Schauer und Gewitter entstehen. Wer den Ausbruch beobachten möchte, sollte daher möglichst die Abend-, Nacht- oder frühen Morgenstunden wählen. Dann sind die Sichtverhältnisse meist besser und das Gewitterrisiko deutlich geringer.

Über dem heißen Lavastrom bildet sich ein sogenannter Pyrocumulus. In den wärmsten Stunden des Tages kann sich diese Quellwolke bei ausreichend labiler Atmosphäre zu einer Gewitterwolke (Pyrocumulonimbus) weiterentwickeln. (Quelle: WebEtneo)

Trotz der derzeit vergleichsweise ungefährlichen Eruptionsform gilt: Ein Vulkanausbruch sollte niemals auf eigene Faust erkundet werden. Das Gelände ist steil, unübersichtlich und kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Wer die Lava aus sicherer Entfernung beobachten möchte, sollte ausschließlich markierte Wege nutzen und sich einer geführten Exkursion anschließen. Ein beliebter Ausgangspunkt ist das Rifugio Citelli an der Ostseite des Vulkans. Von dort führt ein Wanderweg auf rund 2200 Meter Höhe bis an den Rand des Valle del Bove, von wo aus sich der Lavastrom häufig besonders gut beobachten lässt.

Auch in den kommenden Tagen dürfte die Situation am Flughafen Catania angespannt bleiben. Solange der Ausbruch anhält und der Wind die Asche in Richtung Süden beziehungsweise Südosten verfrachtet, kann der Flugbetrieb jederzeit erneut eingeschränkt werden. Da sowohl die Intensität der Eruption als auch die Windrichtung kurzfristigen Änderungen unterliegen, lässt sich eine Sperrung des Luftraums oft nur wenige Stunden im Voraus abschätzen.

Der Ätna zeigt damit einmal mehr eindrucksvoll, wie eng Meteorologie und Vulkanologie miteinander verbunden sind: Nicht allein die Stärke eines Ausbruchs entscheidet über seine Auswirkungen, sondern häufig auch das Wetter – insbesondere die Windrichtung und die Stabilität der Atmosphäre.

Dipl.-Met Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Feuer-Asche-und-Gewitter-1.jpg 1365 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-10 14:28:552026-08-14 09:47:13Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

9. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum beleuchtet. In diesem Artikel folgt der östliche und südliche europäische Raum.

In Russland begannen tägliche meteorologische Beobachtungen in Sankt Petersburg 1743 und an der Universität Moskau 1799. Letztere wurden 1808 als systematische Wetterbeobachtungen vom russischen Physiker Pjotr Iwanowitsch Strachow (1757−1813) organisiert und gingen bis Napoleons Russlandfeldzug 1812. Sie wurden 1820 fortgesetzt. 1805 fanden an der Universität Kasan erste meteorologische Experimente statt. Mit der Eröffnung des dortigen Observatoriums 1812 startete eine Messreihe und die Meteorologische Schule Kasan wurde unter dem bayerisch-schweizerischen Physiker Franz Xaver Bronner (1758−1850) begründet. Der russische Staatsmann, Schriftsteller und Erfinder Wassili Nasarowitsch Karasin (1773−1842) aus der Sloboda-Ukraine schlug 1810 vor, ein meteorologisches Messnetz im Zarenreich zu errichten, das von Kola im Norden bis Tiflis im Süden und von Libau im Westen bis Nishne-Kamtschatsk (heute Kljutschi) auf Kamtschatka im Fernen Osten reichen sollte. Der russische Mathematiker und Physiker Adolph Theodor Kupffer (1799−1865), ein Deutsch-Balte aus Mitau im Kurland, initiierte 1829 erste erdmagnetische Messungen in St. Petersburg, Peking und Sitka im damaligen Russisch-Amerika (heute Alaska). 1833 schlug er ein Messnetz aus erdmagnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor, das an einigen Orten verwirklicht wurde (Nertschinsk in Sibirien 1832, Jekaterinburg und Lugansk 1836, Tiflis 1837).

Adolph Theoder Kupffer, Quelle: Historischer Überblick über die Hauptphysikalische Sternwarte in ihren 50-jährigen Tätigkeiten 1849-1899 (Исторический очерк Главной физической обсерватории за 50 лет ее деятельности 1849-1899), Michail Alexandrowitsch Rykatschew, 1899, Kaiserlich-Russische Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg, via Russische Staatsbibliothek, Moskau, über Wikimedia Commons

1849 wurde in der damaligen russischen Hauptstadt Sankt Petersburg das Physikalische Observatorium eröffnet, welches als eines der ersten zentralen meteorologischen Institute in Europa und Nordamerika gilt. Erster Direktor war Kupffer. Bis zu seinem Tod wurden 50 meteorologische Beobachtungsstationen im Zarenreich errichtet. Sein Nachfolger, der preußische Physiker und Meteorologe Ludwig Friedrich Kämtz (1801−1867), brachte ein Lehrbuch der Meteorologie heraus. Unter den beiden nachfolgenden Direktoren, dem Schweizer Meteorologen und Physiker Heinrich von Wild oder Heinrich Iwanowitsch Wild (1833−1902) und dem russischen Meteorologen Michail Alexandrowitsch Rykatschew (1841−1919) wurden neue meteorologische Stationen eröffnet und die Zahl der Institutsmitarbeiter erhöht. Wild führte ein einheitliches metrisches System und die Temperaturmessung in Grad Celsius ein. Rykatschew verfügte 1884 die Durchführung der Wetterbeobachtungen an den Messstationen mit standardisierten Messinstrumenten. Er gab mehrere Werke zur Meteorologie und Ozeanographie sowie zum Erdmagnetismus heraus. Die Monographie des russischen Geographen Iwan Nikolajewitsch Smirnow (ca. 1840?−1880) „О предсказуемости погоды и о весенних бурях в России“ (in deutscher Übersetzung „Über die Vorhersehbarkeit von Wetter- und Frühlingsstürmen in Russland“) von 1870 bildete die wissenschaftliche Grundlage für Wettervorhersagemethoden und damit für die synoptische Meteorologie. Darin wurde die erste Wetterkarte aus Russland publiziert. Die zunehmende Urbanisierung der Hauptstadt machte die Verlegung des Physikalischen Observatoriums in die Umgebung nach Pawlowsk 1878 notwendig. In Irkutsk wurde 1886 ein Observatorium für Sibirien gegründet. 1912 wurden in Pawlowsk erste systematische Strahlungsmessungen in Europa durchgeführt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das heutige Staatsgebiet Italien in mehrere Staaten aufgeteilt, teils unter österreichischer Verwaltung und überwiegend land- und forstwirtschaftlich dominiert. Meteorologische Forschung diente hauptsächlich diesen Zwecken, insbesondere zum Niederschlag. An allen italienischen astronomischen Observatorien wurden meteorologische Messungen durchgeführt, in Mailand ab 1760, in Padua ab 1767, in Rom ab 1787 und in Turin ab 1820. Erste Versuche, nach dem 17. Jahrhundert erneut ein Messnetz einzurichten, verfolgte der Direktor des astronomischen Observatoriums in Padua, der venezianische Astronom, Meteorologe und Abt Giuseppe Toaldo (1719−1797), der Daten von 60 Wetterbeobachtern in einem Messnetz der Republik Venedig sammeln konnte. Das heutige italienische Messnetz geht auf den neapolitanischen Meteorologen und Astronom Francesco Denza (1834−1894) zurück. Er gründete das meteorologische Observatorium Moncalieri bei Turin und von dort aus das Wetterbeobachtungsnetzwerk Corrispondenza Meteorologica Italiana, welches zunächst primär aus Stationen aus Piemont und dem Aostatal bestand. Denza veröffentlichte Daten und Studien in seiner Fachzeitschrift Bullettino Meteorologico sowie in etlichen wissenschaftlichen Monographien. Ab 1865 ging aus seinem Netzwerk, dem sich nach der Einigung Italiens Stationen aus anderen Landesteilen anschlossen, die Società Meteorologica Italiana hervor. 1865 wurde im Marineministerium ein meteorologisches Büro eingerichtet, dem 20 Küstenwetterwarten unterstanden. 1876 wurde der staatliche italienische Wetterdienst „Ufficio Centrale di Meteorologia“ gegründet. Dieser übernahm die Wetterwarten und Stationen der Società Meteorologica Italiana. 1878 wurden erste Bergstationen in den Alpen eröffnet, 1894 erfolgten systematische Niederschlagsmessungen. 1880 übernahm das Hydrographische Institut in Genua die Aufgaben des Wetterdienstes für die Seeschifffahrt. 1913 wurde ein spezieller Wetterdienst für die Luftfahrt gegründet.

Erste meteorologische Messungen in Österreich-Ungarn wurden durch den österreichischen Astronom und Mathematiker Anton Pilgram (um 1731−1793) von 1762 bis 1786 in Wien durchgeführt. Im Benediktinerstift Kremsmünster wurden meteorologische Messungen ab 1763 und erdmagnetische Messungen ab 1838 durchgeführt. Nach der Gründung der Akademie der Wissenschaften 1847 in Wien wurden die meteorologischen Messungen vereinheitlicht. Der österreichische Physiker und Staatsmann Andreas von Baumgartner (1793−1865) aus Böhmen stattete die Wetterstationen mit entsprechenden Messinstrumenten aus. Aus einer Kommission an der Akademie gründete sich 1851 die Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Zum ersten Direktor wurde der österreichische Astronom und Meteorologe Karl Kreil (1798−1862), damals Leiter der Sternwarte in Prag, bestellt. Meteorologische Messungen begannen an der Centralanstalt 1852 und 1872 in einem neuen Gebäude im damaligen Wiener Vorort Döbling (heute ein Gemeindebezirk von Wien).

Julius-Hann-Haus, seit 1872 Sitz der Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, später Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Hohe Warte, Wien-Döbling, Foto von 2012, Quelle: Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) über Wikimedia Commons

Unter Kreils Nachfolger, dem Prager Professor Karl Jelinek (1822−1876), einem österreichischen Meteorologen aus Mähren, wurden an der Centralanstalt die Wetterberichte gesammelt und eine Abteilung für Wettervorhersagen eingerichtet. Die Anzahl der Wetterstationen wurde massiv ausgebaut. 1865 wurde die Österreichische Gesellschaft für Meteorologie gegründet. Zusammen mit ihrem deutschen Pendant wurde ab 1866 die Meteorologische Zeitschrift herausgegeben. Auf Vorschlag des österreichischen Naturwissenschaftlers Guido Schenzl (1823−1890) und des ungarischen Geographen János Hunfalvy (1820−1888) aus der Slowakei wurde 1870 in Budapest das Ungarische Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus gegründet. Dessen erster Direktor wurde Schenzl. 1877 wurde der österreichische Mathematiker und Physiker Julius von Hann (1839−1921) zum Leiter der Centralanstalt berufen. Das Observatorium Sonnblick wurde auf seine Initiative hin erreichtet und 1886 eingeweiht. Von Hann entwickelte eine Gewichtung von Messwerten, die als Hann-Fenster bekannt ist. Er gilt als Begründer der modernen Meteorologie. Ab 1888 wurden in Ungarn durch das Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus Wetterberichte veröffentlicht. Der ungarische Astronom und Meteorologe Miklós Konkoly-Thege (1842−1916), Institutsdirektor ab 1890, richtete 1890 eine Abteilung für Wetterprognosen ein.

In der Schweiz wurde 1798 durch den Naturwissenschaftler Marc Auguste Pictet (1752−1825) aus der Alten Eidgenossenschaft in Genf eine erste Messstation mit regelmäßigen Beobachtungen etabliert. 1817 folgte eine Bergstation auf dem Großen St. Bernhard. Pictet warb bei der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 1823 für die Errichtung eines ersten Beobachtungsnetzes, das dann bis 1837 betrieben wurde. Da nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Bevölkerung Interesse an Wetterdaten hatten, beschlossen die Kantone Bern (1830), Tessin (1843) und Thurgau (1855), ein eigenes kantonales Beobachtungsnetz aufzubauen. Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft richtete 88 Beobachtungsstationen mit einheitlichen Regeln und Messinstrumenten im Jahr 1863 ein. 1878 erschien zum ersten Mal eine tägliche Wetterprognose in der Neuen Zürcher Zeitung. 1880 beschloss der Bundesrat die Gründung der Meteorologischen Zentralanstalt, die ein Jahr später ihre Arbeit vom Hauptsitz in Zürich aufnahm. Erster Leiter wurde der Schweizer Astronom und Mathematiker Robert Billwiller (1849−1905). 1887 wurde ein Observatorium auf dem Säntis eingerichtet. Eine erste umfassende Klimatologie der Schweiz erschien 1909.

In Serbien startete der serbische Statistiker und Meteorologe Vladimir Jakšić (1824−1899), Hochschullehrer am Lyzeum des Fürstentums Serbiens in Belgrad, ab 1848 mit täglichen Aufzeichnungen des Wettergeschehens und hielt zunächst Temperatur, Bewölkungszustand, Niederschlag und später die Luftfeuchtigkeit in Belgrad fest. 1856 etablierte er ein erstes, aus 20 Wetterstationen bestehendes, Messnetz in Serbien. Ab 1862 nahm die Anzahl der Wetterstationen ab, einige hielten jedoch durchgehend Wetteraufzeichnungen aufrecht. 1880 wurde an der Philosophischen Fakultät der Belgrader Hohen Schule der Lehrstuhl für Astronomie und Meteorologie gegründet. Zum ersten Lehrstuhlinhaber wurde der serbische Physiker, Mathematiker, Astronom und Meteorologe Milan Nedeljković (1857−1950) gewählt. Er gründete 1887 das Astronomische und Meteorologische Observatorium in Belgrad und baute das meteorologische Beobachtungsnetzwerk erheblich aus. 1902 wurden erste Wettervorhersagen veröffentlicht. 1907 wurde der serbische Geograph und Meteorologe Pavle Vujević (1881−1966) zum Professor für Meteorologie an die 1905 zur Universität umgewandelte Hohe Schule gewählt. Er analysierte die Daten aus dem Beobachtungsnetzwerk und veröffentlichte mehrere Berichte zum Mikroklima in der Meteorologischen Zeitschrift: „Die Temperaturverhältnisse der untersten Luftschichten“ (1911), „Die Temperaturen verschiedenartiger Bodenoberflächen“ (1912) und „Ueber die Beschaffenheit der täglichen Temperaturkurve“ (1914). Nach dem Ersten Weltkrieg ging Serbien im neu geschaffenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen auf, dem späteren Jugoslawien. Die meteorologischen Arbeiten am Geophysikalischen Institut Zagreb (Agram) und am Institut für Meteorologie und Geodynamik in Ljubljana (Laibach) wurden als Ergebnis einer Konferenz 1921 in Zagreb unter dem Dach des Astronomischen und Meteorologischen Observatoriums in Belgrad unter Leitung von Nedeljković koordiniert. Das Geophysikalische Institut Zagreb wurde zu diesem Zeitpunkt vom kroatischen Geophysiker Andrija Mohorovičić (1857−1936) aus dem Österreichischen Küstenland geleitet, der ab 1887 in Bakar bei Fiume (Rijeka) und ab 1891 in Zagreb in Kroatien meteorologische Beobachtungen durchführte und erstmals Rotorwolken bei der Bora, einem Fallwind an der kroatischen Küste, beschrieb. In Montenegro starteten erste systematische Messungen 1882 in Podgorica. 1931 wurde ein zentraler meteorologischer Dienst gegründet.

In Rumänien wurden erste meteorologische Beobachtungen in Iaşi (Jassy) ab 1770 und in Bukarest ab 1773 durchgeführt. Erste systematische Messungen wurden an der Academia Mihăileană in Iaşi durch den rumänischen Physiker und Mathematiker Teodor Stamati (1812−1852) im Zeitraum 1839 bis 1840 durchgeführt. An der Academia Mihăileană in Iaşi wurde Meteorologie als Wissenschaft gelehrt, wobei ein Manuskript in griechischer Sprache aus der Bibliothek des Metropolitenklosters verwendet wurde. 1884 wurde das Meteorologische Insitut Rumäniens gegründet. Der rumänische Physiker und Meteorologe Ştefan Hepites (1851−1922) wurde dessen erster Leiter. Schon zuvor hatte Hepites ab 1878 eine Wetterstation in Brăila eingerichtet, in der er tagsüber stündlich Wetterbeobachtungen durchführte.

Portrait von Ștefan Hepites, Quelle: France, Boulogne, Portraits, Mr Stefan C. Hepites, 1920, Auguste Léon (1857-1942), über Wikimedia Commons

Neben dem nationalen meteorologischen Netzwerk betrieb das Institut weitere nationale Versorgungsdienste wie Messungen und Gewichte nach dem rumänischen Beitritt zur Meterkonvention, Bestimmung der genauen Zeit, Seismologie und Geomagnetismus. 1908 wurde das Meteorologische Institut Rumäniens in das 1888 erbaute Astronomische und Meteorologische Observatorium unter der Aufsicht des Ministeriums für öffentliche Bildung integriert. 1915 begann die systematische Erforschung der Atmosphäre mittels Ballonsonden.

In Bulgarien gab es im 19. Jahrhundert gelegentlich meteorologische Beobachtungen in Sofia und Russe (Rustschuk). Der bulgarische Physiker Astronom Marin Bachevarov (1859−1926) veranlasste 1887 die Errichtung einer meteorologischen Beobachtungsstation in Sofia. Im selben Jahr führte er erste systematische Messungen durch. 1890 wurde die Sofioter meteorologische Bobachtungsstation vom Bildungsministerium zur Meteorologischen Zentralstation aufgewertet. Dies markiert den Beginn des Meteorologischen Dienstes Bulgariens. Erster Leiter wurde der bulgarische Physiker Spas Vatsov (1856−1928). Auf Erlass von Prinz Ferdinand von Bulgarien (1861−1948) wurde 1894 eine eigenständige staatliche Einrichtung für Meteorologie gegründet – die Direktion für Meteorologie im Bereich des Bildungsministeriums. Vatsov wurde dessen erster Leiter, gefolgt von dem bulgarischen Meteorologen Kiro Kirov oder Kiro Kiroff (1897−1961).

Finnland war zwischen 1809 und 1917 ein autonomer Landesteil des Russischen Reiches. Wissenschaftliche Forschung und Beobachtungen waren an der Universität Helsinki organisiert und arbeiteten unabhängig von russischen wissenschaftlichen Institutionen, finanziert durch die finnische Regierung. 1838 wurde auf Initiative von Adolph Kupffer (s.o.) das Magnetische und Meteorologische Observatorium in Helsinki gegründet. Zum ersten Direktor wurde der finnische Physiker und Meteorologe Johan Jakob Nervander (1805−1848) bestellt. Neben Arbeiten im Bereich des Erdmagnetismus interessierte sich Nervander auch für Klimatologie. Ab 1844 starteten am Magnetischen und Meteorologischen Observatorium in Helsinki tägliche Beobachtungen zum Wetter (Temperatur, Luftdruck, Niederschlag, Windrichtung und Windgeschwindigkeit) und zum Erdmagnetismus. Nervanders Nachfolger, der finnische Naturforscher Henrik Gustaf Borhenius (1802−1894) aus der Provinz Wiborg (Südkarelien) führte Messungen und Beobachtungen weiter. Im Vorfeld des Internationalen Polarjahres wurde 1881 die Verwaltung des Magnetischen und Meteorologischen Observatoriums von der Universität Helsinki an die Finnische Wissenschaftliche Gesellschaft übertragen und das Observatorium selbst in Zentrales Meteorologisches Institut umbenannt. Der finnische Meteorologe Nils Karl Nordenskiöld (1837−1889) modernisierte die Arbeit der Wetterbeobachtung und verhinderte eine Integration des finnischen Instituts in das russische Pendant. Neue Messungen wurden gestartet wie beispielsweise die des Meeresspiegels, die für Hochwasserprognosen für Sankt Petersburg sehr hilfreich war. Im Internationen Polarjahr, zu welchem die Regionen der Arktis und der Antarktis durch meteorologische Beobachtungen erforscht werden sollte, wurde in Sodankylä in Lappland nördlich des Polarkreises ein geophysikalisches Observatorium errichtet, in dem unter der Gesamtleitung des finnischen Physikers Selim Lemström (1838−1904) Polarlichter und unter der Leitung des finnischen Meteorologen Ernst Biese (1856−1926) meteorologische Beobachtungen durchgeführt wurden. Größere Überschwemmungen 1898 und 1899 mit erheblichen Schäden in der Landwirtschaft waren der Auslöser zur Errichtung hydrologischer Messstationen und der Gründung des Hydrologischen Dienstes 1908. Zwei Jahre später wurde zur Erforschung der oberen Atmosphäre ein aerologisches Observatorium nahe Helsinki eröffnet. Nach der Unabhängigkeit 1917 wurde das Finnische Meteorologische Institut 1919 dem Agrarministerium untergeordnet. Erster Direktor wurde der finnische Physiker und Meteorologe Gustaf Melander (1861−1938).

Erste systematische Wetterbeobachtungen in Warschau in der damaligen Adelsrepublik Polen-Litauen wurden zwischen 1725 und 1728 durch den kursächsischen Mediziner, Botaniker und Meteorologen Christian Heinrich Erndel oder Christian Heinrich Erndtel (1676−1734) durchgeführt. Seine täglich aufgezeichneten Luftdruck-, Temperatur- und Windmessungen sowie Bewölkungsbeobachtungen waren die ersten Statistiken dieser Art in Warschau. Nach politischen Krisen war Polen im 19. Jahrhundert ein Teil des Russischen Reiches und wurde dort als Weichselland bezeichnet. Aus dieser Zeit gibt es nur wenig Erkenntnisse zur Meteorologie. Der polnische Mathematiker und Naturforscher Władysław Kwietniewski (1837−1902), der an der Hauptschule von Warschau, einer polnischen Hochschule, lehrte, war mit mathematischen und meteorologischen Arbeiten aktiv am wissenschaftlichen Leben Warschaus vertreten. Nach der Unabhängigkeit 1918 wurde das Staatliche Meteorologische Institut 1919 gegründet. Seine Aufgabe war die Durchführung meteorologischer Beobachtungen und Forschungen sowie Wetterdienste für die Landwirtschaft und Luftfahrt, letzteres besonders für den militärischen Bereich. Erster Direktor wurde der polnische Meteorologe und Klimatologe Władysław Gorczyński (1879−1953). Das Institut richtete ein synoptisches Messnetz mit zunächst sieben Wetterstationen ein: Warschau, Posen, Lemberg (Lwów), Vilnius (Wilna), Danzig und Pinsk.

Im modernen Griechenland ist die Entwicklung der Meteorologie eng an die Astronomie geknüpft. Das Nationale Observatorium Athen wurde 1842 gegründet. Nachdem die ursprünglich dafür in einer Schenkung zur Verfügung gestellten Mittel erschöpft waren, ging das Observatorium in den Besitz des Staates über. Dieser organisierte das Observatorium als staatliches Forschungszentrum. 1890 wurde es um die Abteilungen zur Meteorologie und Seismologie erweitert. Zwischen 1890 und 1934 hatte der griechische Astronom, Physiker und Mathematiker Demetrios Eginitis (1862−1934) die Leitung des Nationalen Observatoriums Athen inne. Er lieferte Arbeiten zum Klima von Griechenland (1908) und zur Praktischen Meteorologie (1909). Die Abteilungen zur Meteorologie und Seismologie wurden 1942 zu Instituten aufgewertet.

Seit dem Mittelalter wurden im Osmanischen Reich im Wesentlichen astronomische Beobachtungen zur Festlegung von Gebetszeiten durchgeführt. Meteorologische Erkenntnisse drangen nur langsam durch wenige Übersetzungen europäischer Lehrbücher ins Türkische im 18. Jahrhundert in das Osmanische Reich. Erste meteorologische Beobachtungen in Konstantinopel (Istanbul) wurden ab 1830 durch Privatpersonen durchgeführt. 1868 wurde in Konstantinopel ein Observatorium errichtet und mit Messinstrumenten aus Europa ausgestattet. Meteorologische Beobachtungen des Großherrlichen Observatoriums in Konstantinopel wurden per Telegraph nach Paris gesendet. Ab 1868 wurden meteorologische Beobachtungsstationen in anderen Provinzen des Osmanischen Reiches aufgebaut. Bis zum Ende des 19. Jahrhundert wurde im Osmanischen Reich lediglich der Zustand der Atmosphäre gemessen und notiert, was auch in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurde. Schritte hin zu einer Wettervorhersage wurden bis dahin keine unternommen. Der Direktor des Observatoriums in Konstantinopel, der französische Meteorologe Aristide Coumbary (1828−1896), schlug 1886 die Verwendung meteorologischer Daten aus Europa und dem Osmanischen Reich zur Vorhersage von Stürmen, die aus Westen auf das Osmanische Reich zuzogen, vor. Coumbary veröffentlichte auch ein Werk zur Windbeobachtung. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden im Osmanischen Reich Wettervorhersagen etabliert. Im Nachfolgestaat Türkei wurde 1925 in Ankara das erste meteorologische Institut, Rasâdât-ı Cevviye, durch den ungarischen Meteorologen Antal Réthly (1879−1975) gegründet. In diesem wurden meteorologische Studien von Wetterdaten der Wetterstation Ankara durchgeführt. Aus diesem erwuchs der meteorologische Dienst der Türkei.

In den nächsten beiden Teilen dieser Serie wird dieselbe Entwicklung außerhalb Europas beleuchtet. Der Schwerpunkt liegt im nächsten Teil bei Asien und Ozeanien. Der übernächste Teil wird dann Amerika und Afrika behandeln.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

8. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung bis um das Jahr 1800 beschrieben. In diesem Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum beleuchtet. Abweichend von den bisherigen Folgen erfolgt die Gliederung hier nach Nationen. Entwicklungen im östlichen und südlichen europäischen Raum sowie außerhalb Europas und in Richtung internationaler Institutionen werden in weiteren separaten Teilen der Serie behandelt.

Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein internationales meteorologisches Messnetz an Wetterstationen eingerichtet werden sollte. Erste Versuche hierzu waren die Bemühungen der „Academia del Cimento“ in Florenz 1654, durchschlagende Ergebnisse brachte die Societas Meteologica Palatina ab 1780 zustande. Diese Gesellschaft organisierte als erste die Durchführung und Veröffentlichung weltweiter Wetterbeobachtungen.

Im Zuge sozialer Umwälzungen in Frankreich durch die und im Nachgang der Französischen Revolution 1789 gleichzeitig auftretenden Missernten legte die neue Regierung den Fokus auf die Landwirtschaft und die diese beeinflussende Meteorologie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche meteorologische Stationen in den Rahmen wissenschaftlicher Gesellschaften oder universitärer Schulen eingebunden, die unabhängig voneinander arbeiteten. 1854 wurde ein Messnetz zur Niederschlagsmessung eingeführt, mit dem Hochwasser an Flüssen, besonders an der Seine, prognostiziert werden sollte. 1854 zeigte der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier (1811−1877), dass ein Sturm über dem Schwarzen Meer über Europa verfolgt werden konnte, dieser hätte bei Nutzung von Telegraphen vorhergesagt werden können. Dies führte zur Gründung eines meteorologischer Dienstes am zentralen Observatorium Paris 1855. Le Verrier wurde zu dessen Direktor bestellt. Nur drei Tage nach der Gründung des meteorologischen Dienstes präsentierte er die erste Wetterkarte Frankreichs. Die Koordination der meteorologischen Messungen war für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. 1857 wurden erstmals meteorologische Beobachtungen in tabellarischer Form veröffentlicht. 1863 wurde erstmals in einer Karte eine barometrische Analyse des Vortags publiziert. Diese Karten wurden nachfolgend an Häfen verteilt.

Isobarenkarte Westeuropa vom 7. September 1863, 7 bis 8 Uhr morgens, Quelle: Météo-France via Encyclopedia of the Environment über European Meteorological Society (EMS)

Von 1864 bis 1877 wurden 58 Wetterbeobachtungsstationen in reguläre Schulen eingebunden. Um Hagelschäden einzugrenzen, wurde 1865 mit dem Studium von Gewitterwolken begonnen. Beobachter waren angehalten, aufgetretene Schäden mit den beobachteten Gewitterwolken in Zusammenhang zu bringen. Dies führte zur Analyse einer Schadenslinie, jenem Weg, welchen ein Gewitter zurücklegte. 1870 wurde das gemessene Regenwasser untersucht, um Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre zu gewinnen. 1878 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in Frankreich gegründet. Dieses sollte die Wetterbeobachtungsstationen neu organisieren, Warnhinweise für Häfen und Landwirte ausgeben und Studien zu Bewegungen in der Atmosphäre durchführen. Erster Direktor wurde der französische Physiker und Meteorologe Éleuthère Mascart (1837−1908). Er führte einen Warndienst sowie eine klimatologische Abteilung ein und vergrößerte das Messnetz auf 160 Stationen, darunter Regional- und Bergstationen. 1898 wurde der erste französische Wetterballon gestartet. 1921 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in ein Nationales Meteorologisches Amt aufgewertet. 1922 wurden täglich meteorologische Berichte ausgegeben.

Im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland wurden im 19. Jahrhundert zunächst nur unkoordinierte individuelle Wetterbeobachtungen durchgeführt. 1840 untersuchte die Statistik-Abteilung einen Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren, hier besonders die Anzahl von Todesfällen und meteorologischen Phänomenen. Dies veranlasste den britischen Meteorologen und Aeronauten James Glaisher (1809−1903) von der Abteilung für Erdmagnetismus und Meteorologie des Observatoriums Greenwich, die Beobachtungen der Wetterstationen zu koordinieren. So entstand 1845 ein Messnetz aus neun Stationen, 1875 war das Messnetz auf 50 Stationen angewachsen. 1848 wurden erstmals in der Londoner Zeitung „Daily News“ Wetterbeobachtungen in verschiedenen britischen Städten veröffentlicht. 1850 wurde die British Meteorological Society ins Leben gerufen. Der erste offizielle meteorologische Dienst wurde 1854 als „Meteorologische Abteilung im Handelsministerium“ in Westminster gegründet. Hauptaufgabe war das Sammeln, die Verifikation und die Analyse meteorologischer Beobachtungsdaten von Schiffen und von Küstenstationen. 1861 wurden Wettervorhersagen an Zeitungen veröffentlicht. Im selben Jahr begann der erste Direktor der meteorologischen Abteilung, der britische Marineoffizier und Meteorologe Robert FitzRoy (1805−1865), Sturmereignisse zu untersuchen. Dabei fertigte er Karten an, die er zunächst als „synoptische Karten“ bezeichnete. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „synoptikos“ ab, was so viel wie „einen Überblick gebend“ bedeutet. Auf diesen Karten waren Sturmzentren und umströmende Luftbewegungen verzeichnet.

Robert FitzRoy, um 1860, Royal Horticultural Society, Maull & Co., London, über Wikimedia Commons

Nach seinem Tod endeten die Wettervorhersagen und ein Ständiger Ausschuss führte den Dienst weiter. 1867 wurde ein Wetterdienst gegründet, welcher vom Handelsministerium getrennt war. Dieser Dienst umfasste Abteilungen für Seewetterkunde, meteorologische Telegraphenberichte und Agrarmeteorologie. Erster Direktor wurde der irische Meteorologe Robert Henry Scott (1833−1916). Zwischen 1867 und 1874 wurden Marine- und Handelsschiffe mit Barometern, Hygrometern und Thermometern ausgestattet. Damit konnten meteorologische Beobachtungen aus allen Weltmeeren von Grönland bis Australien gewonnen werden, was zur Optimierung von Routen in der Seeschifffahrt führte. Beobachtungen an Land wurden ab 1868 an mehreren Hauptobservatorien durchgeführt, unter anderem Kew (London), Falmouth (Cornwall), Stonyhurst (Nordengland), Aberdeen, Glasgow (beide Schottland) und Armagh (Nordirland). Die meteorologische Gesellschaft (heute Royal Meteorological Society) koordinierte die Sammlung der meteorologischen Daten. Diese waren maßgeblich für die spätere Theorie der Bildung der Kaltfront der Bergener Schule in Norwegen. Ein Hauptaugenmerk des meteorologischen Dienstes war die Sturmvorhersage für die Seeschifffahrt. Eine erste Sturmwarnung wurde 1868 veröffentlicht. Diese Prognosen existieren bis heute und sind unter dem Namen Shipping Forecast (Seewetterdienst) bekannt. Wetterprognosen wurden wieder ab 1879 erstellt. Erwähnenswert ist, dass Niederschlagsmessungen unabhängig davon durch die 1859 gegründete „British Rainfall Organization“ durchgeführt wurden. Deren Messnetz wuchs zwischen 1862 und 1903 von 453 auf 4200 Stationen. 1911 wurden erstmals im Seewetterdienst Vorhersagegebiete als Seegebiete definiert. 1919 wurde die Niederschlagsmessung in den britischen Wetterdienst integriert.

In Belgien waren die wichtigsten meteorologischen Aktivitäten am Königlichen Astronomischen Observatorium in Brüssel konzentriert. Dessen Direktor, der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796−1874) stellte 1823 fest, dass es unmöglich sei, astronomische Beobachtungen ohne Kenntnisse der Struktur von Erde und Atmosphäre zu analysieren. 1833 starteten dort meteorologische Messungen und 1839 folgten phänologische Beobachtungen. Quetelet versuchte, statistische Erkenntnisse auf den Gebieten der Meteorologie und des Erdmagnetismus anzuwenden. Er veröffentlichte zwischen 1845 und 1857 eine ausführliche Monographie zum Klima von Belgien. Sein Nachfolger, der belgische Astronom, Geograph und Biologe Jean-Charles Houzeau (1820−1888) gründete 1878 ein Messnetz aus meteorologischen und klimatologischen Stationen, welches regelmäßige Beobachtungsdaten hoher Qualität lieferte. 1898 begann der meteorologische Dienst des Brüsseler Observatoriums als eigene Institution zu arbeiten. Erster Direktor war der belgische Astronom und Meteorologe Albert Lancaster (1849-1908).

Unter Leitung des niederländischen Wissenschaftlers Christoph Buys Ballot (1817−1890) starteten nach dem Bau eines kleinen meteorologischen Observatoriums auf der Bastion Sonnenborgh in Utrecht 1847 meteorologische Messungen im Staatsgebiet der Niederlande. Dieses Observatorium wurde 1854 zum Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI), dessen Direktor Ballot bis zu seinem Lebensende blieb. 1854 startete ein kleines Messnetz mit vier Stationen in Utrecht, Groningen, Gelder und Vlissingen mit je drei täglichen Wetterbeobachtungen, das schnell ausgebaut wurde. Durch diese Beobachtungen erkannte man den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Windrichtung, wodurch Ballot 1857 das Barische Windgesetz (Gesetz von Buys-Ballot) formulieren konnte. Durch verschiedene Kolonien besonders in Südostasien bestand reges Interesse, meteorologische Beobachtungen auf Schiffen durchzuführen. Ab 1856 wurden maritim-meteorologische Karten publiziert. Ballot ergänzte sein Messnetz um internationale Stationen und unterstützte die Einrichtung von Forschungsstationen rund um die Polarregionen im Rahmen eines Polarjahres. Ballot gilt als Begründer der Meteorologie in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung. Unter der Leitung des niederländischen Meteorologen Maurits Snellen (1840−1907) wurde 1897 das KNMI an seinen heutigen Standort in De Bilt verlegt.

Die Bildung eines meteorologischen Netzwerkes in den deutschen Staaten wurde durch die politische Zersplitterung im 19. Jahrhundert stark erschwert und unterblieb daher.

Der preußische Meteorologe, Geograph und Statistiker Wilhelm Mahlmann (1812−1848) organisierte 1846 ein vorläufiges, 35 Stationen umfassendes meteorologisches Beobachtungsnetz in Preußen. 1847 wurde das Königlich Preußische Meteorologische Institut (PMI) als Abteilung des Preußischen Statistischen Instituts gegründet, welches als meteorologische Zentralstelle des Beobachtungsmessnetzes diente. Die wesentlichen wissenschaftlichen Aktivitäten wurden von dem preußischen Geographen Alexander von Humboldt (1769−1859) koordiniert. Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der Agrarmeteorologie. 1849 wurde der Physiker und Meteorologe Heinrich Wilhelm Dove (1803−1879) aus Schlesien Institutsdirektor. Dove stellte das nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde auf und gilt als Begründer der heutigen Wissenschaft der Meteorologie und der Wettervorhersage. Er veröffentlichte 1828 Wetterkarten, die Windbewegungen an stürmischen Tagen zwischen 1821 und 1823 zeigen. 1865 wurde in Berlin eine „Zentralstelle für Sturmwarnungen“ eingerichtet. Eine intensivere Mitwirkung des Preußischen Meteorologischen Instituts an der internationalen Entwicklung kam erst wieder unter dem Meteorologen und Klimatologen Gustav Hellmann (1854−1939) aus Schlesien, der von 1882 bis 1885 als Interimsleiter eingesetzt war, sowie dem bayerischen Physiker und Meteorologen Wilhelm von Bezold (1837−1907), der von 1885 bis 1907 im Deutschen Reich ordentlicher Leiter des Instituts war, zustande. 1891 wurde das Observatorium in Potsdam fertiggestellt. Erdmagnetmessungen starteten 1890, meteorologische Messungen folgten ab 1893. Erster Direktor wurde der preußische Meteorologe Adolf Sprung (1848−1909).

Gebäude der Deutschen Seewarte in Hamburg-St. Pauli, auf dem Stintfang, 1881, Quelle: Georg Koppmann (1842-1909), über Wikimedia Commons

1867 wurde in Hamburg durch den Mathematiker und Ozeanographen Wilhelm von Freeden (1822−1894) aus Ostfriesland die Norddeutsche Seewarte gegründet. Sie und ihr Nachfolger, die 1875 gegründete Deutsche Seewarte, war eine Zentralanstalt zur Förderung der maritimen Meteorologie im Deutschen Reich. Erster Direktor wurde der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909). Der Deutschen Seewarte oblag der 1875 neu geschaffene Seewetterdienst, den der russisch-deutsche Geograph und Meteorologe Wladimir Köppen (1846−1940) leitete. Die Deutsche Seewarte koordinierte die Forschung der maritimen Meteorologie sowie die Sammlung von Beobachtungen über physikalische Verhältnisse des Meeres und die meteorologischen Erscheinungen auf hoher See, die in Schiffsjournalen (Logbücher) durch die Schiffskapitäne erfasst wurden. Die Prüfung meteorologischer Messinstrumente sowie Chronometer und ab 1906 die Bearbeitung der Küstenmeteorologie und des Sturmwarnungswesens waren ebenfalls wesentliche Arbeitsinhalte der Deutschen Seewarte. Dazu wurden Zweigniederlassungen, Nebenstellen und Überseestationen aufgebaut. Ab 1876 wurden tägliche Wetterkarten veröffentlicht. Die Deutsche Seewarte gilt als Vorgänger des Deutschen Wetterdienstes.

Erste tägliche Wetterkarte der Deutschen Seewarte vom 16. Februar 1876, Quelle: Wladimir Köppen (1846-1940), Foto der Deutschen Seewarte, Universität Hamburg

In Bayern hatte der bayerische Naturforscher Gabriel Knogler (1759−1838) ab 1798 die Leitung des meteorologischen Observatoriums und die erste Professur für Meteorologie an der Kurfürstlichen Baier’schen Landesuniversität zu Landshut inne. Er gab 1802 das erste deutsche meteorologische Lehrbuch „Die Meteorologie“ heraus. 1879 wurde die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in München gegründet. Im selben Jahr begannen meteorologische Messungen. 1882 gab es in Bayern 45 Wetterstationen. 1883 richtete der bayerische Meteorologe Fritz Erk (1857−1909) eine meteorologische Bergstation auf dem Wendelstein ein. 1893 wurde er Direktor der Centralstation. 1900 richtete er auch die Wetterwarte auf der Zugspitze ein. 1910 übernahm der deutsche Physiker, Meteorologe und Klimatologe August Schmauß (1877−1954) die Leitung der Centralstation von Erk. 1917 wurde die Centralstation in Bayerische Landeswetterwarte umbenannt.

Auch in anderen damaligen deutschen Ländern wurden Wetterstationen eingerichtet. 1882 gab es beispielsweise in Württemberg 24 und in Baden 16 meteorologische Stationen.

Für die Einrichtung eines Wetterdienstes in Norwegen spielte der große Bedarf an Wetterberichten für die riesigen Fischereiflotten und Handelsschiffe eine entscheidende Rolle. Der Leiter des Telegraphendienstes, der norwegische Regierungsbeamte Carsten Tank Nielsen (1818−1892), stattete 1860 fünf seiner Stationen mit meteorologischen Instrumenten aus. Von diesen Stationen aus wurden Berichte per Telegraph nach Christiania (dem heutigen Oslo) und an das Pariser Observatorium gesendet, das zu dieser Zeit begann, regelmäßige Wettervorhersagen zu erstellen. Der Wetterbeobachter an der Sternwarte in Christiania war 1864 der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835−1916). Er sandte der Polytechnischen Gesellschaft einen Bericht mit dem Titel „Moderne Meteorologie und Wettervorhersage“. Daraufhin begannen Vorbereitungen zur Gründung eines Departments für Meteorologie an der Universität Christiania. Das Meteorologische Institut wurde 1866 gegründet und Mohn wurde zum ersten Direktor bestellt. Er erhöhte rasch die Anzahl der Wetterstationen. Die dort gesammelten Daten erlaubten klimatologische Studien, die Mohn als „Klimaatlas für Norwegen“ 1916 publizierte. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen. 1870 wurde der „Sturmatlas des Norwegischen Meteorologischen Institutes“ veröffentlicht. Das meteorologische Observatorium in Christiania wurde 1906 eröffnet. Neben anderen Messungen wurden dort auch Messungen der atmosphärischen Elektrizität durchgeführt. Um den Zustand der Atmosphäre in verschiedenen Höhen zu untersuchen, wurden 1909 in Christiania Messungen mit Versuchsballons aufgenommen.

Erste meteorologische Messungen in Schweden wurden 1722 am Observatorium in Uppsala durchgeführt. Diese Daten wurden erst 1855 veröffentlicht. Das erste meteorologische Netzwerk wurde auf Initiative des schwedischen Physikers und Meteorologen Erik Edlund (1819−1888) innerhalb der Schwedischen Akademie der Wissenschaften 1856 bis 1858 eingerichtet. Die Akademie gründete 1873 das Zentrale Meteorologische Institut (Meteorologiska Centralanstalt) in Stockholm. Erster Direktor wurde Edlund. Das Messnetz bestand 1879 aus 32 Wetterstationen. Die Schwedische Gesellschaft für Landwirtschaft gründete 1876 ein Niederschlagsmessnetz mit über 200 Stationen. Der Direktor des Observatoriums in Uppsala, der schwedische Meteorologe Hugo Hildebrand Hildebrandsson (1838−1925), hat hierzu einen besonderen Beitrag geleistet. Zu den Messungen und Beobachtungen gehörten: Gewitterwolken, Hagelschäden, nächtliche Herbst- und Frühlingsfröste sowie das Auftauen und Zufrieren vieler Flüsse und Seen in Schweden. Insbesondere wurden erstmals Mikroklimamessungen der Lufttemperatur in verschiedenen Höhen über dem Boden durchgeführt. Die Bewegungen von Cirrus-Wolken wurden beobachtet. Hildebrandsson organisierte solche Wolkenbewegungen an 21 Stationen, um die Luftströmungen in der Höhe zu untersuchen. Hildebrandsson war maßgeblich an der Klassifizierung Wolken beteiligt und gilt als Entdecker der Southern Oscillation, da ihm erstmals Zusammenhänge der Luftdruckschwankungen zwischen Sydney und Buenos Aires aufgefallen waren. 1878 wurde in Stockholm eine kleine Abteilung für nautische Meteorologie (Nautisk Meteorologiska Buran) gegründet. Die Messungen wurden auf einer kleinen Anzahl von Schiffen während der Fahrt über den Atlantik durchgeführt. 1880 wurden die ersten Wettervorhersagen veröffentlicht. 1908 wurde ein hydrographischer Dienst gegründet, der insbesondere im Bereich der Niederschläge und der Schneebedeckung eng mit dem Zentralen Meteorologischen Institut kooperierte.

Der spanische Mediziner Francisco Fernández Navarrete (1680−1742) schlug 1737 vor, ein meteorologisches Beobachtungsnetz in Spanien zu errichten. Beobachtungsberichte sollten an die Königliche Akademie für Medizin in Madrid gesendet werden. Es gingen nur wenige Berichte ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahmen astronomische und meteorologische Aspekte beim Militär und in der Marine Spaniens einen höheren Stellenwert ein. Der Seefahrer Alessandro Malaspina di Mulazzo (1754−1809) aus der Toskana und der Generalkapitän der dortigen Marine, der spanische Marineoffizier Pedro Fitz-James Stuart (1720−1791), legten 1790 einen Vorschlag zur Einrichtung eines Netzwerks von Wetterbeobachtungsstationen vor. In diesem wurden nur Wetterbeobachtungen von 1814 bis 1834 zusammengetragen und keine Messungen, was den wissenschaftlichen Wert schmälerte. 1847 wurde das Astronomische Observatorium Madrid fertiggestellt, welches als meteorologisches Zentrum für Spanien galt. 1850 wurde ein Messnetz mit 23 Wetterstationen eingerichtet, deren Organisationsgrad ab 1858 durch die Junta de Estadística, die Statistische Kommission, verbessert wurden. 1874 begannen systematische Wetterbeobachtungen und Messungen auf Schiffen.

In Portugal wurden zwischen November 1724 und Januar 1725 erstmals täglich mit Instrumenten gemessene Wetterdaten in Lissabon durch den portugiesischen Mediziner Diogo Nunes Ribeiro (1668−1744) aufgezeichnet. Am 19. November 1724 traf ein schwerer Sturm Lissabon, was in den Aufzeichnungen mit einem Druckfall des Barometers von 37 hPa in 26 Stunden ablesbar war. Aus Funchal auf Madeira liegen Aufzeichnungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zwischen 1749 und 1753 vor, die der englische Mediziner Thomas Heberden (1703−1769) durchführte. 1853 wurde das erste Meteorologische und Geophysikalische Observatorium an der Polytechnischen Schule auf Vorschlag des portugiesischen Mathematikers Guilherme Pegado (1803−1885) gegründet, der dann zum ersten Direktor bestellt wurde. Er schlug die Etablierung eines Messnetzes vor und 1854 starteten systematische Messungen. 1856 wurde das Observatorium in den heute noch bekannten Namen Observatorium des Institutes Dom Luís umbenannt. Neben meteorologischen Beobachtungsreihen war Pegado auch an Messungen des Erdmagnetismus und atmosphärischer Elektrizität interessiert. 1865 wurden Wetterstationen auf den Azoren und auf Madeira eröffnet. Ab 1865 wurden Wettervorhersagen für Portugal erstellt, ab 1882 wurden Analysekarten veröffentlicht, die die Wettersituation darstellten. Verbindungen zu meteorologischen Beobachtungen durch Stationen in Kolonien wie Macau und Angola waren mit Schwierigkeiten verbunden. Schwerpunkte meteorologischer Forschung verlagerten sich zum Atlantik. 1901 begann ein unabhängiger meteorologischer Dienst auf den Azoren. Nach Eingliederung der Polytechnischen Schule in die Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Lissabon war das nun bezeichnete Zentrale Meteorologische Observatorium für den nationalen Klimadient verantwortlich. 1937 wurde der portugiesische Physiker Herculano Amorim Ferreira (1895−1974) von den Azoren zum Direktor des Observatoriums bestellt. Er erweiterte die meteorologischen Aufgaben des Observatoriums. 1946 wurde der nationale meteorologische Wetterdienst gegründet, dessen erster Direktor Ferreira wurde.

Über frühe meteorologische Messungen in Dänemark liegen nur wenige Erkenntnisse vor. 1742 wurde die Königliche Dänische Akademie der Wissenschaften gegründet, die kurz darauf erste meteorologische Messungen am Rundetårn-Observatorium in Kopenhagen veranlasste. Erste systematische meteorologische Beobachtungen liegen für Kopenhagen ab 1768 vor. Der dänische Physiker und Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted (1777−1851) schlug 1820 vor, dass systematische Beobachtungen meteorologischer Bedingungen in Dänemark durchgeführt werden sollten. Doch erst nach einem berühmten Ereignis während des Krimkriegs 1854, als ein Sturm die englisch-französische Flotte überraschte (siehe auch im Abschnitt zu Frankreich oben), kam Bewegung in die Sache. Auf Initiative des dänischen Physikers und Ingenieurs Ludwig August Colding (1815−1888) wurde 1872 das Dänische Meteorologische Institut gegründet. Colding forschte besonders zur Wärmelehre, er veröffentlichte auch ein Werk über tropische Zyklonen. Das Institut hatte unter seinem ersten Leiter, dem dänischen Meteorologen Niels Hoffmeyer (1836−1884), anfangs vier Mitarbeiter und sollte Beobachtungsdaten beschaffen, diese an die Öffentlichkeit verbreiten und die Meteorologie wissenschaftlich weiterentwickeln. Hoffmeyer erwarb sich wesentliche Verdienste durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten und durch die Untersuchung der Einwirkung und Verteilung von Land und Wasser auf Temperatur und Luftdruck an skandinavischen Küsten. 1873 wurden erstmals meteorologische Messungen auf Bornholm und 1874 auf Jütland durchgeführt. Auf den Färöer-Inseln wurde eine Wetterstation in Tórshavn 1873 in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit liegen Temperaturdaten vor, Niederschlagsdaten folgen ab 1890. Auf Grönland wurde die erste Wetterstation in Godthåb (Nuuk) 1784 errichtet. 1807 folgten weitere in Jakobshavn (Ilulissat) in West- und Julianehåb (Qaqortoq) in Südgrönland. Die erste Wetterstation in Nordwestgrönland startete 1873 in Upernarvik mit Messungen. Aus Ostgrönland liegen seit 1895 durch die Wetterstation Ammassalik (Tasiilaq) Messdaten vor. Nordgrönland folgte erst 1948 mit einer Wetterstation in Pituffik.

Island gehörte lange Zeit zu Dänemark. Im 17. und 18. Jahrhundert war es nur wenigen Isländern vergönnt, eine naturwissenschaftliche akademische Ausbildung in Kopenhagen zu erlangen. Die Royal Society in London schickte 1664 ein Thermometer nach Island. Nur in einem Brief aus dieser Zeit wurde es erwähnt und somit ist unklar, inwieweit es eingesetzt wurde. Ungünstige Wetterbedingungen und Meereisverhältnisse führten wiederholt zu Hungerkatastrophen auf Island. Die ersten Wetterbeobachtungen führte der dänische Jurist Niels Horrebow (1712−1760) während eines Islandaufenthaltes von August 1749 bis zum Juli 1751 in Bessastaðir durch. Horrebow veröffentlichte das Werk „Tilforladelige efterretninger om Island“ (Die Naturgeschichte von Island). 1779 errichtete die Königlich Dänische Akademie der Wissenschaften ein erstes meteorologisches und astronomisches Observatorium in Lambhús nahe Reykjavík. Daneben gab es meteorologische Messungen durch Privatpersonen, beispielsweise durch den isländischen Schriftsteller und Distriktverwalter Magnús Ketilsson (1732−1803) zwischen 1779 und 1802 in Búðardalur sowie den isländischen Mediziner und Naturforscher Sveinn Pálsson (1762−1840) zwischen 1798 und 1812 im Süden Islands. Pálsson veröffentlichte ein grundlegendes Werk zur isländischen Glaziologie und Vulkanologie. 1807 wurde eine Wetterstation im Norden Islands in Akureyri eröffnet und eine siebenjährige Messreihe begann. Der isländische Mediziner Jón Þorsteinsson Thorstensen (1794−1855) führte 1820 bis 1854 in Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften meteorologische Messungen in Reykjavík durch. Der isländische Handels- und Heimatwissenschaftler Árni Ólafsson Thorlacius (1802−1891) führte von 1845 bis 1891 Messungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag in Stykkishólmur durch, was den Beginn systematischer Messungen in Island markierte. 1920, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Islands, wurde Veðurstofa Íslands, der Isländische Meteorologische Dienst, gegründet. Erster Direktor wurde der isländische Physiker und Meteorologe Þorkell Þorkelsson (1876−1961).

Im nächsten Teil dieser Serie wird dieselbe Entwicklung im östlichen und südlichen Teil Europas beleuchtet.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Starke Bodentrockenheit

7. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schon seit März sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zusammenkamen (Abbildung 1, links). Der Vergleich zum vieljährigen Mittel 1991 bis 2020 zeigt, dass in den letzten Monaten besonders in der Südhälfte Deutschlands deutlich weniger Niederschlag als üblich gefallen ist; im Süden war es gebietsweise noch nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Mittels. Lediglich in einem Streifen vom Münsterland bis zum Erzgebirge, von Südniedersachsen bis nach Mecklenburg und im Umfeld der Nordsee fielen die Regenmengen etwa durchschnittlich aus (Abbildung 1, rechts). Auch das aktuelle, seit 1. November 2025 laufende hydrologische Jahr zeigt weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen: Der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zwei Mal noch trockener aus (Abbildung 2).

Abbildung 1: Niederschlagssumme im Zeitraum 01.03. bis 31.07.2026 (links) und entsprechende relative Abweichung vom vieljährigen Mittel der Referenzperiode 1991 – 2020 (rechts). (Quelle:DWD)


Abbildung 2: Niederschlagsabweichung der hydrologischen Jahre (Zeitraum Anfang November bis Ende Juli) von 1882 bis 2026 gegenüber dem vieljährigen Mittel 1991 – 2020. (Quelle:DWD)

Bereits im Frühjahr sank die Bodenfeuchte im Süden deutlich schneller als üblich, ab Anfang Mai lag die Bodenfeuchte dort markant unter dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Juni dämpfte Regen die Trockenheit im Süden zunächst leicht, während der extremen Hitzewelle in der zweiten Junihälfte sank die Bodenfeuchte bei sehr hoher Verdunstung jedoch schnell wieder. Seit Ende Juni wechseln sich gelegentliche Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen ab, zudem erhöhten weitere heiße Perioden erneut die Verdunstung. Die generell ungleichmäßig verteilten Niederschläge summierten sich vor allem vom Westen bis in die westliche Mitte und den Südwesten hinein auf meist nur sehr geringe Mengen. Damit verschärfte sich die Trockenheit in der Südwesthälfte Deutschlands weiter. In der Nordosthälfte liegt die Bodenfeuchte zwar großteils auch unter den jahreszeitlichen Mittelwerten, aber es besteht keine ausgeprägte Trockenheit (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe unter Gras am 06.08.2026 (links) und Abweichung der Bodenfeuchte vom Mittel 1991 – 2020 (rechts). Bei weniger als 30 % nutzbarer Feldkapazität stehen Pflanzen unter deutlichem Trockenstress. (Quelle:DWD)

Die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter lag seit Ende Mai über Deutschland gemittelt oft nur leicht über jener in den Dürrejahren 2018 und 2022 (Abbildung 4). Im Süden waren die Böden 2026 verbreitet sogar trockener als in diesen beiden Vergleichsjahren.

Abbildung 4: Verlauf der über Deutschland gemittelten Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe in den Jahren 2018, 2022 und 2026 sowie das Mittel 1991 – 2020 und der Wertebereich 1991 – 2025. (Quelle:DWD)

 

Bis vor einigen Wochen hielten sich die Auswirkungen der Trockenheit auf die Landwirtschaft noch in Grenzen. Getreide und Raps reiften bei den seit Mitte Juni hohen Temperaturen rasch ab und die Ernte kam schnell voran. Allerdings führte die extreme Hitze Ende Juni bei Obst zu ungewöhnlich starken Sonnenbrandschäden, also zu Schäden an den Früchten durch Überhitzung des Gewebes in der direkten Sonne. Neben Äpfeln, bei denen sonst Sonnenbrand oft erst später im Jahr ein Thema ist, waren vor allem Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen und Erdbeeren in starkem Ausmaß betroffen.

Seit etwa Anfang Juli nehmen die Auswirkungen der trockenen Böden jedoch deutlich zu. Vor allem Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die jetzt und in den kommenden Wochen einen hohen Wasserbedarf haben, leiden besonders in der Südhälfte Deutschlands zunehmend stark unter der Trockenheit, es drohen markante Schäden. Auch das Grünland wird vielerorts dürr, teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen, was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann. Bei Obst und jungen Weinreben können derzeit gebietsweise nur mit Bewässerung große Schäden abgewendet werden. Die Wälder zehren meist noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.

Die Anzahl von Tagen mit hoher Waldbrandgefahr, also an denen ein Waldbrandgefahrenindex von mindestens der Stufe 4 von 5 (hoch) erreicht wird, ist in diesem Jahr bisher weit überdurchschnittlich. Bis einschließlich 2. August traten im Deutschlandmittel bereits rund 22 solcher Tage auf, im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zu diesem Datum nur etwa 10 Tage (Abbildung 5). Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Bei diesem Index gab es bis zum 2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens 4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände auf.

Abbildung 5: Anzahl der Tage mit Waldbrandgefahrenindex (WBI) der Stufe 4 oder 5 in 2026 über Deutschland gemittelt im Vergleich mit dem bisherigen Maximum seit 1961, dem Mittelwert 1991 – 2020 und dem Vorjahr (2025). (Quelle:DWD)

Die anhaltend trockene Witterung wirkt sich auch auf Flusspegel und Grundwasserstände aus. Bei Flüssen spielen auch Einzugsgebiete, die außerhalb Deutschlands liegen, eine wichtige Rolle. Seit Jahresbeginn waren die Niederschlagsmengen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den benachbarten Ländern außerordentlich niedrig. Der Schwerpunkt der trockenen Witterung in der ersten Jahreshälfte erstreckte sich bei europaweiter Betrachtung vom östlichen Frankreich über den Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn, Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als üblich nach Deutschland. Zudem bewirkten die unterdurchschnittlichen Schneemengen im vergangenen Winter einen stark verminderten Beitrag der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr. Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, https://niwis-online.de/) der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten des DWD einfließen.

Eine Entspannung der Lage ist nicht einmal ansatzweise in Sicht. Für das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar vereinzelt Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten sich aber weiterhin nicht an.

Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab (Abbildung 6). Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher noch zunehmen und es weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird.

Abbildung 6: Witterungsvorhersage für Bodenfeuchte unter Gras in Deutschland, wochenweise vom 10. August bis zum 6. September 2026, erstellt am 04.08.2026. Die Punktgröße symbolisiert die Vorhersagegüte. (Quelle:DWD)

Weiterführende Informationen zur Trockenheit

  • Attributionsstudie zur Trockenheit in Europa

Die internationale Expertinnen- und Expertengruppe World Weather Attribution (WWA) hat unter Beteiligung des DWD die Dürre der letzten 3 Monate im westlichen Teil Europas bzw. der letzten 6 bis 12 Monate im östlichen Teil Europas untersucht. Dabei werden die Extremereignisse mit Hilfe von Klimamodellen für eine Welt mit und eine Welt ohne menschengemachten Klimawandel simuliert und die Ergebnisse verglichen. Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass die landwirtschaftlichen Dürren in Westeuropa etwa fünfmal, in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher sind als ohne Klimawandel. Mehr Details dazu unter:

https://www.worldweatherattribution.org/increasingly-hot-europe-faces-more-severe-droughts-and-growing-challenges-for-water-and-land-management/

  • Bodenfeuchteviewer

Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer: www.dwd.de/bodenfeuchteviewer

  • Waldbrandgefahren- und Graslandfeuerindex

Der Waldbrandgefahrenindex (WBI) gibt das meteorologische Potential für die Gefährdung durch Waldbrand in 5 Gefahrenstufen an. Der Graslandfeuerindex (GLFI) beschreibt die Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs, ebenfalls in 5 Gefahrenstufen. Mehr Informationen dazu: www.dwd.de/waldbrand oder www.dwd.de/landwirtschaft unter „Gefahrenhinweise“

  • Klimavorhersagen

Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen (deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis- und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen: www.dwd.de/klimavorhersagen

  • Nutzbare Feldkapazität

Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 % steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei 0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem Trockenstress.

Dipl.-Met. Andreas Brömser
Deutscher Wetterdienst
Agrarmeteorologie
Offenbach, den 07.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Schweißtreibender QUIRIAKUS

6. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als „sehr warm“ bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den Ausdruck „kühl“ zu verwenden. Neben den „kühleren“ Temperaturen stand auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – die Flusspegel ansteigen lassen können.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Freitag, 07.08.2026, 12 UTC (Basis: ICON von Donnerstag, 06.08.2026, 00 UTC + 36)

Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa (Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen. Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw. Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.

Prognostizierte Höchsttemperaturen für Samstag 08.09.2026 (links) und Sonntag, 09.08.2026 (rechts); beides nach MOSMIX

Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32 °C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden. Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige Schweißtropfen sorgen.

Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr oft die Sonne.

UV-Index (links) und Waldbrandgefahrenindex (rechts) für Samstag, 08.08.2026

Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3 zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder ansteigen, da – wie gesagt – kaum Regen zu erwarten ist. Folglich könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5 erreicht werden.

Höchsttemperatur (oben) sowie Niederschlag (unten) für Wiesbaden für die kommenden 10 Tage, jeweils mit statistischen Unsicherheitsintervallen

Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35 °C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht ganz so heiß.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

5. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„Big whirls have little whirls,
That feed on their velocity;
And little whirls have lesser whirls,
And so on to viscosity.“

So lautet das – zumindest in der Meteorologie – berühmte Zitat des britischen Meteorologen Lewis Fry Richardson. Richardson beschäftigte sich unter anderem ausgiebig mit dem Phänomen der Turbulenz, worauf sich auch das obige Zitat bezieht. Frei übersetzt beschreibt das Gedicht das Konzept turbulenten Zerfalls atmosphärischer Strömungen aufgrund von Instabilitäten. Dabei übertragen zunächst große Wirbel ihre Bewegungsenergie auf immer kleinere Wirbel. Dieser Prozess setzt sich über eine Vielzahl von Größenskalen fort und wird als Energiekaskade bezeichnet. Erst auf den kleinsten Skalen, auf denen die viskosen Kräfte dominieren, wird die ursprünglich geordnete Bewegungsenergie der Strömung durch molekulare Reibung schlussendlich in innere Energie, sprich Wärme umgewandelt.

Für das Auftreten atmosphärischer Turbulenz gibt es eine Vielzahl bekannter und mathematisch beschriebener Instabilitäten. Das Konzept der Instabilität beschreibt dabei eine Zusammensetzung von Strömungsparametern, in denen eine kleine Störung in der Strömung – beispielsweise die Auslenkung einer Luftmasse in der Vertikalen oder in der Horizontalen – immer weiter anwächst, anstatt durch rückstellende Kräfte wieder in seine Ausgangslage zurückzukehren. Ein Beispiel für eine solche Instabilität, mit dem wir es dieser Tage häufig zu tun haben, ist die Grundlage für das Auftreten von Gewittern: die statische Instabilität. Im Kontext des oben genannten Konzepts lohnt sich erst eine Betrachtung des Gegenbeispiels, nämlich einer stabilen Ausgangslage. Eine Luftmasse in Bodennähe wird vertikal ausgelenkt, etwa durch das Überströmen eines Berges. Dabei kühlt sich die Luft entsprechend der Abnahme des Luftdrucks und der resultieren Expansion mit der Höhe mit etwa 1 °C pro 100 Meter Aufstieg ab. Kühlt sich die Luftmasse dabei mit der Höhe schneller ab als ihre Umgebungsluft, erfährt sie aufgrund ihrer höheren Dichte einen negativen Auftrieb. Die Schwerkraft wirkt dann als rückstellende Kraft, sodass die Luftmasse wieder in Richtung ihrer ursprünglichen Höhe absinkt – die Luft ist statisch stabil geschichtet. Bei Konvektion und Gewittern ist das Gegenteil der Fall, die ausgelenkte Luftmasse bleibt trotz Abkühlung mit 1 °C pro 100 Metern wärmer als ihre Umgebung. Sie erfährt einen Auftrieb aufgrund der geringeren Dichte und steigt immer weiter auf – die Luft ist statisch instabil geschichtet. Mit dem Erreichen von Wasserdampfsättigung infolge der Abkühlung und der anschließenden Kondensation von Wasserdampf in Wassertröpfchen – also der Wolkenbildung – wird latente Energie freigesetzt und das Aufrechterhalten der statischen Instabilität weiter begünstigt.

Quasi als Äquivalent zur statischen Instabilität in der Vertikalen mit der Dichte als maßgebende Größe kann in der Horizontalen die sogenannte Trägheitsinstabilität gesehen werden, mit dem absoluten Drehimpuls als maßgebende Größe. Denn ebenso wie hierbei Luftmassen mit dem „richtigen“ Impuls bei Auslenkung in der Horizontalen aus der zwischen Druckunterschieden und Corioliskraft balancierten großskaligen Strömung eine rückstellende Kraft erfahren, so gilt für Luftmassen mit dem „falschen“ Impuls erneut das oben genannte Konzept der Instabilität. Interessanterweise existiert auch eine faszinierende Kombination aus statischer und Trägheitsinstabilität. Dabei weisen Luftmassen für sich genommen sowohl statische Stabilität in der Vertikalen als auch Trägheitsstabilität in der Horizontalen auf. Erfolgt eine Auslenkung jedoch entlang einer geneigten Bahn, kann die Störung dennoch anwachsen. Diese Form der Instabilität wird als symmetrische Instabilität bezeichnet und spielt insbesondere in Frontensystemen eine wichtige Rolle. Sie ist der physikalische Mechanismus hinter der sogenannten geneigten Konvektion (slantwise convection).

Kelvin-Helmholtz Instabilitäten in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen von der Cassini Raumsonde der NASA. Quelle: NASA – National Aeronautics and Space Administration

Die genaue Ausprägung der Energiekaskade hin zu kleineren Skalen dieser Instabilitäten kann sehr unterschiedlich verlaufen, wir wollen hier nur – um allmählich zum Punkt zu kommen – ein gemeinsames Konzept erläutern: Die Kelvin-Helmholtz Instabilität (KHI). In gewisser Weise ist dies eine durch die genannten Instabilitäten oftmals ausgelöste weitere Instabilität auf kleineren Skalen. Abbildung 1 zeigt eine Aufnahme einer solchen KHI in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen vom Cassini Orbiter der NASA. Die Grundidee ist dabei folgende: Zwei Luftschichten mit 1) unterschiedlicher Dichte und 2) unterschiedlicher horizontaler Windgeschwindigkeit sind dabei derart geschichtet, dass statische Stabilität vorherrscht, und Auslenkungen durch die rückstellende Kraft wellenartig auf und ab schwingen. Die Windscherung zwischen den beiden Schichten führt jedoch zur Verstärkung von Wellen an ihrer Grenzfläche. Durch das Aufsteilen und Überschlagen dieser Wellen wird die Temperatur- und Dichteschichtung lokal so stark verformt, dass statisch instabile Bereiche entstehen. Diese führen schließlich zum turbulenten Zusammenbrechen der ursprünglich geordneten Wellenströmung.

Und jetzt zurück zum Ausgangspunkt: Das Kriterium für das kritische Verhältnis zwischen statischer Stabilität und Windscherung für das Auftreten solcher Kelvin-Helmholtz Instabilitäten, welche letzten Endes in atmosphärischer Turbulenz münden, wird beschrieben durch die sogenannte Richardson-Zahl, benannt nach Lewis Fry Richardson. Zurück zu Ausgangspunkt Nummer 2: Was hat das Ganze mit dem Klimawandel zu tun? Nun, im anfangs erwähnten Thema des Tages vom 28.07.2026 wurde erläutert, dass ein mit der globalen Erwärmung abnehmender Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten Auswirkungen auf das Wettergeschehen hat, da dieses in erster Linie auf Ausgleichsströmungen aufgrund der Temperaturunterschiede basiert. Ändern sich die Temperaturgradienten, ändert sich die großskalige Strömung. Die Jetstreams, auf deutsch auch Strahlströme, also jene Starkwindbänder, welche die großskalige Dynamik in unseren Breiten maßgeblich gestalten, liegen diesen Temperaturgegensätzen zugrunde. Nun muss man der Vollständigkeit halber, und um den letzten Bogen in dieser Ausführung zu ziehen, erwähnen, dass der Temperaturgradient nicht unmittelbar eine Windgeschwindigkeit vorgibt. Vielmehr ergibt sich aus den zugrundeliegenden Bewegungsgleichungen der Atmosphärendynamik ein Zusammenhang zwischen der horizontalen Temperaturänderung und der Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe: der Windscherung. Und hier schließt sich der Kreis. Wenn sich aufgrund der globalen Erwärmung der meridionale Temperaturgradient ändert, und dadurch auch die Windscherung, so ändert dies auch die Grundvoraussetzung für das Auftreten von Instabilitäten.

Um zur allgemeinen Verwirrung und Komplexität beizutragen, verhält es sich nun so, dass im Gegensatz zu der unteren Troposphäre der Temperaturgradient in Höhen um 10 km mit der Anpassung der Atmosphäre an die globale Erwärmung nach aktuellem Wissensstand nicht abnimmt, sondern zunimmt. Höherer Temperaturgradient bedeutet höhere Windscherung, was bessere Voraussetzungen für das Auftreten von Scherungsinstabilitäten bedeutet. Dementsprechend zeigen wissenschaftliche Studien eine signifikante Steigerung der Auftrittswahrscheinlichkeit von Turbulenzen mit Fortschreiten des Klimawandels, insbesondere in den atlantischen und pazifischen Flugkorridoren der kommerziellen Luftfahrt. Nach Meinung des Autors des heutigen Thema des Tages sind ungemütlichere oder auch weniger sichere Transkontinentalflüge nicht unbedingt ganz oben einzuordnen in der Prioritätenliste von Auswirkungen des Klimawandels. Deutlich relevanter könnte die Auswirkung von häufiger auftretender Turbulenz auf die Tropopausenregion in eben diesen Höhenbereichen sein. Die Tropopause stellt nämlich konzeptionell eine Transportbarriere zwischen der Troposphäre als erdnächste Atmosphärenschicht und der darüber liegenden Stratosphäre dar. Turbulenz ist ein Prozess der durch das Mischen von Luftmassen und ihrer Eigenschaften diese Transportbarriere durchdringen kann. Ein klassisches Beispiel für die Auswirkung des Eintrags von an der Erdoberfläche emittierten Spurengasen in die Stratosphäre ist die Entstehung des Ozonlochs durch Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW). Ein weiteres sehr relevantes Thema und Gegenstand aktueller Forschung ist die nicht zu vernachlässigende Auswirkung der Mischung von Spurengasen an der Tropopause auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre – ein potenzieller Rückkopplungseffekt.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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