Saharastaub – Herkunft, Transport und Bedeutung eines globalen Naturphänomens

Mehrmals pro Jahr erreicht mineralischer Staub aus Nordafrika auch Mitteleuropa. In der Atmosphäre äußert sich das durch eine diffuse Trübung des Himmels, verringerte Fernsicht und bei Niederschlag durch rötliche Ablagerungen auf Oberflächen. Diese Ereignisse entstehen, wenn Luftmassen aus der Sahara in höhere Atmosphärenschichten gelangen und mit der großräumigen Strömung über Tausende Kilometer transportiert werden. Saharastaub gehört zu den wichtigsten natürlichen Aerosolen der Erde und beeinflusst atmosphärische Prozesse, Ökosysteme und Strahlungsbilanzen weit über den afrikanischen Kontinent hinaus.

Die Sahara als größte Staubquelle der Erde

Die Sahara ist mit rund neun Millionen Quadratkilometern die größte heiße Wüste der Erde. Sie erstreckt sich über große Teile Nordafrikas vom Atlantik bis zum Roten Meer. Entgegen dem verbreiteten Bild besteht die Wüste nur zu einem kleineren Teil aus Sanddünen. Etwa fünfzehn Prozent der Fläche sind Dünenfelder, während große Bereiche aus Fels und Schotterflächen sowie aus ehemaligen Seebecken bestehen.

Gerade diese Regionen liefern den größten Anteil des atmosphärischen Staubs. Feinkörnige Sedimente können dort leicht mobilisiert werden, da Vegetation fehlt und Böden häufig ungeschützt der Erosion ausgesetzt sind. Die Sahara gilt daher als wichtigste Quelle mineralischer Aerosole weltweit.

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zwischen etwa hundert Millionen und rund einer Milliarde Tonnen Staub aus Nordafrika in die Atmosphäre gelangen. Damit stammen etwa fünfzig bis siebzig Prozent der globalen Staubemissionen aus dieser Region.

Geologie und Zusammensetzung des Saharastaubs

Saharastaub besteht überwiegend aus mineralischen Partikeln, die aus der Verwitterung von Gesteinen und Böden stammen. Typische Bestandteile sind Quarz, Feldspäte, Tonminerale, Glimmer sowie verschiedene Carbonate. Viele dieser Mineralien enthalten Eisenverbindungen.

Die mineralische Zusammensetzung wirkt wie ein geologischer Fingerabdruck. Verschiedene Regionen der Sahara besitzen unterschiedliche Gesteinsarten und Sedimente. Dadurch lassen sich Staubproben häufig bestimmten Herkunftsgebieten zuordnen.

Eisenhaltige Minerale wie Magnetit oder Hämatit können dazu führen, dass Staubpartikel schwach magnetische Eigenschaften besitzen. Diese Eigenschaften sind eine direkte Folge der natürlichen Mineralogie der Ausgangsgesteine.

Entstehung des Staubs durch Verwitterung und Erosion

Der mineralische Staub entsteht durch langfristige geologische Prozesse. Mechanische Verwitterung durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht führt zur Zerkleinerung von Gesteinen. Zusätzlich wirken chemische Prozesse sowie gelegentliche Wasserumlagerungen während seltener Niederschläge.

Über lange Zeiträume entstehen dadurch feine Sedimente, die an der Oberfläche der Wüste liegen. Diese Sedimente werden ständig neu gebildet, da Verwitterung und Erosion fortlaufend Material aus dem Untergrund freilegen.

Physikalische Prozesse der Staubmobilisierung

Starke Winde können diese feinen Sedimente vom Boden lösen. Ein zentraler Prozess ist die sogenannte Saltation. Größere Sandkörner springen durch den Wind über die Oberfläche und schlagen beim Auftreffen kleinere Partikel aus dem Boden heraus.

Während die groben Sandkörner meist in Bodennähe bleiben, gelangen die feineren Staubpartikel in die Atmosphäre. Besonders effektiv geschieht dies bei Staubstürmen oder in Wetterlagen mit starken Druckgradienten.

Vertikaler Transport in die Atmosphäre

Damit Saharastaub über große Entfernungen transportiert werden kann, muss er zunächst mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre gelangen. Das geschieht durch turbulente Durchmischung der unteren Atmosphäre, durch konvektive Aufwinde und durch dynamische Hebungsprozesse in synoptischen Wetterlagen.

Vertikale Luftbewegungen können große Höhen erreichen. Thermische Aufwinde reichen häufig mehrere Kilometer hoch. In Gebirgsregionen können Aufwindsysteme sogar Höhen von über sechstausend Metern erreichen. In solchen Höhen wird der Staub von großräumigen Strömungen erfasst und über Kontinente hinweg transportiert.

Großräumige Transportwege in der Atmosphäre

Sobald Staub in höheren Atmosphärenschichten angekommen ist, kann er Tausende Kilometer weit transportiert werden. Ein bedeutender Teil des Staubs wird über den Atlantik transportiert und erreicht regelmäßig die Karibik sowie Teile Mittel und Südamerikas.

Ein anderer Transportpfad führt über das Mittelmeer nach Südeuropa und Mitteleuropa. In einzelnen Fällen gelangen Staubpartikel sogar bis in hohe Breiten der Nordhalbkugel.

Die Verweildauer solcher Aerosole in der Atmosphäre beträgt häufig ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit können sich Staubfahnen über sehr große Entfernungen ausbreiten.

Saharastaub in Europa

In Europa treten Saharastaubereignisse mehrmals pro Jahr auf. Typisch sind mehrere Episoden jährlich, bei denen Staub aus Nordafrika mit südlichen oder südwestlichen Luftströmungen über das Mittelmeer transportiert wird.

In der Atmosphäre verursacht der Staub häufig eine diffuse Trübung und eine gelblich bis rötlich gefärbte Luft. Bei Niederschlägen wird der Staub ausgewaschen und lagert sich auf Oberflächen ab. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als Blutregen bezeichnet.

Solche Ereignisse können auch kurzfristig die gemessenen Feinstaubkonzentrationen erhöhen und die Sichtweite deutlich reduzieren.

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

Globale ökologische Bedeutung

Saharastaub ist ein wichtiger Bestandteil globaler Stoffkreisläufe. Ein großer Teil der Partikel lagert sich über dem Atlantik ab. Dort liefert der Staub Mineralstoffe wie Eisen und Phosphor, die für das Wachstum von Phytoplankton wichtig sind.

Phytoplankton bildet die Grundlage vieler mariner Nahrungsketten und spielt eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.

Auch der Amazonasregenwald profitiert vom Staubeintrag aus Afrika. In tropischen Regionen werden Nährstoffe durch starke Niederschläge kontinuierlich aus den Böden ausgewaschen. Der Eintrag von Mineralien aus Saharastaub trägt dazu bei, diese Verluste teilweise auszugleichen.

Einfluss auf Schnee und Eis

Saharastaub kann bis in hohe Breiten transportiert werden und sich dort auf Schnee und Eis ablagern. Dunkle Partikel absorbieren mehr Sonnenstrahlung als helle Oberflächen. Dadurch kann die Schmelze lokal verstärkt werden, insbesondere während sonniger Perioden.

Historische Beobachtungen

Berichte über rötlich gefärbten Regen finden sich bereits in antiken Texten und später in mittelalterlichen Chroniken. Damals wurde das Phänomen häufig als ungewöhnliches Naturereignis interpretiert.

Erst im 19 Jahrhundert begann eine systematische wissenschaftliche Untersuchung. Während der Reise der HMS Beagle sammelte Charles Darwin Staubproben auf den Kapverdischen Inseln und erkannte, dass das Material vom afrikanischen Kontinent stammen musste.

Auch um die Wende zum 20 Jahrhundert existieren wissenschaftliche Veröffentlichungen über Staubtransporte aus Nordafrika nach Europa. Damit ist das Phänomen seit mehr als einem Jahrhundert dokumentiert.

Moderne Messmethoden und Beobachtungssysteme

Heute wird Saharastaub mit einer Vielzahl moderner Messmethoden untersucht. Satelliten liefern globale Bilder von Staubfahnen und zeigen ihre Ausdehnung über Kontinente und Ozeane hinweg.

Am Boden messen Aerosolstationen kontinuierlich die Konzentration von Partikeln in der Atmosphäre. Lidar Systeme senden Laserimpulse in die Atmosphäre und bestimmen daraus Höhe und Dichte von Staubschichten.

Zusätzlich werden Staubproben im Labor analysiert. Die mineralische Zusammensetzung ermöglicht Rückschlüsse auf die Herkunftsregion innerhalb der Sahara.

Vorhersage von Staubereignissen

Moderne Wettermodelle und Aerosolmodelle erlauben heute eine relativ genaue Vorhersage von Staubtransporten. Satellitendaten, atmosphärische Messungen und numerische Modelle werden kombiniert, um Transportwege und Konzentrationen zu berechnen.

Dadurch lassen sich Staubereignisse in Europa oft mehrere Tage im Voraus prognostizieren.

Bedeutung für Wetter Klima und Luftqualität

Aerosole wie Saharastaub beeinflussen mehrere Prozesse in der Atmosphäre. Sie können als Kondensationskerne für Wolkentröpfchen dienen und damit indirekt die Wolkenbildung beeinflussen.

Darüber hinaus wirken Staubpartikel auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre, da sie einfallende Sonnenstrahlung streuen oder absorbieren. Während intensiver Staubereignisse können sie auch kurzfristig die Luftqualität beeinflussen.

Quellen und weiterführende Informationen

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/2/29.html
https://www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/zusammensetzung_atmosphaere/aerosol/inh_nav/saharastaub_node.html
https://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Warum_ist_die_Erde_ueberhaupt_magnetisch.html
https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/erde/erdmagnetfeld/
https://books.google.de/books?id=4JHKBgAAQBAJ&pg=PA48

Aerosolmessungen Sonnblick Observatorium
Am Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern werden seit vielen Jahren hochalpine Aerosolmessungen durchgeführt. Die Station liegt auf etwa 3100 Metern Höhe und ist deshalb ideal geeignet, um Staub aus der freien Atmosphäre zu messen, der nicht direkt aus lokalen Quellen stammt. Während Saharastaubereignissen lassen sich dort deutliche Anstiege der mineralischen Aerosole nachweisen. Die Daten liefern wichtige Informationen über Transporthöhe, Partikelkonzentrationen und Herkunft der Staubmassen.
https://bit.ly/4r5fodV

Wüstenstaub Vorhersage und aktuelle Staubmodelle
Diese Seite zeigt eine modellbasierte Vorhersage für Wüstenstaubtransporte aus der Sahara. Atmosphärische Modelle berechnen dort die erwartete Staubkonzentration in verschiedenen Höhen der Atmosphäre und die räumliche Ausbreitung der Staubwolken. Solche Vorhersagen werden genutzt, um Staubereignisse über Europa mehrere Tage im Voraus zu erkennen und deren Intensität abzuschätzen.
https://bit.ly/4u5zmYG

Grüße aus der Sahara

In den letzten Tagen herrschte in weiten Teilen des Landes frühlingshaft mildes und meist sonniges Wetter. Nur vereinzelt hielten sich Nebelfelder länger. Grund dafür ist Hochdruckgebiet JANNIS, das sich über Mittel- und Südosteuropa ausgedehnt hat. Es lenkt trockene Luft zu uns und hält Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft fern. Dadurch können sich kaum Wolken bilden. Nur in der Nähe größerer Flüsse und in engen Tälern, wo die Feuchtigkeit sich nachts nicht wegbewegen kann, bilden sich immer wieder Nebelfelder, die sich tagsüber meist aber auflösen.

Gruesse aus der Sahara 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse von Wetter und Isobaren vom 05.03.2026 00 UTC

Wer sich die obige Analysekarte genau ansieht, der entdeckt ein umfangreiches, wenn auch nicht besonders stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über Nordafrika. Es „saugt“ bereits seit ein paar Tagen Saharastaub an und führt es in größere Höhen entgegen dem Uhrzeigersinn nordwärts. Inzwischen hat es der Staub bis nach Spanien und Frankreich geschafft und lässt sich schon im Satellitenbild erkennen.

Gruesse aus der Sahara 2

Ausschnitt Mittel-/Westeuropa mit Satellitenbild vom 05.03.2026 12 UTC

Aktuell verlagert sich das Tief langsam nach Südwesteuropa, wo es vom Hoch über Mitteleuropa und einem Hoch über dem Atlantik in die Mangel genommen wird. Dabei dehnt es sich leicht nordwärts bis nach Südengland aus, füllt sich aber am Wochenende allmählich auf und zerfällt.

Gruesse aus der Sahara 3

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage der Isobaren und Druckzentren für Freitag, 06.03.2026 mittags

Die Ausdehnung sorgt für eine weit nach Norden reichende Verteilung der staubbelasteten Luft. Die wiederum wird vom Hoch über Mittel- und Osteuropa angezapft und so schließlich auch zu uns geführt.

Gruesse aus der Sahara 4

Ausschnitt Europa und Nordafrika mit der Vorhersage der Staubbelastung aus dem ICON-ART Modell für Freitag, 06.03.2026 06 UTC

In der unten angefügten Animation sieht man die Verlagerung der stärksten Staubgebiete (je roter, umso höher ist die Staubkonzentration) erst in den Westen Europas und dann am morgigen Freitag mit sich etwas ostwärts zurückziehendem Hoch auch zu uns.

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Animation der Vorhersage der Staubkonzentration aus dem ICON-ART Modell, Lauf vom 05.03.2026 00 UTC

Dabei kann der Staub Konvektion und somit Wolkenbildung auslösen. Zumindest aber wird er den Himmel etwas eintrüben, sodass der Sonnenschein milchig oder trüb erscheinen kann.

Am Wochenende bleibt die mit Staub angereicherte Luft über uns liegen, wenngleich die Konzentration aufgrund der horizontalen Verteilung und dem versiegenden Zustrom langsam abnimmt. Am Samstag sind im äußersten Norden und Nordosten im Zuge eines kleinräumigen Höhentiefs über Südschweden und dadurch leicht angefeuchteter Luft auch Regenfälle möglich. Diese können den Staub auswaschen, was zu sichtbaren Spuren auf Gegenständen führen sollte.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Frühlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen

Eine Hochdruckbrücke mit den Hochdruckgebieten JANNIS über der Deutschen Bucht und IACKL über Südosteuropa hält Tiefdruckgebiete weiterhin von Deutschland fern und prägt in den kommenden Tagen das Wettergeschehen. Für unser Wetter übernimmt dabei vor allem Hoch JANNIS die bestimmende Rolle.

So präsentiert sich das Wetter am heutigen Mittwoch sowie in den kommenden Tagen bis Anfang nächster Woche insgesamt vorfrühlingshaft freundlich und sonnig. Tagsüber wird es mild bis sehr mild, während es nachts abseits der westlichen Landesteile häufiger zu leichtem Frost kommt.

Fruehlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen 1

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 04.03.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Einige Ausnahmen sind dennoch zu beachten: In der vergangenen Nacht haben sich in Teilen der Landesmitte und im Süden Nebel- und Hochnebelfelder gebildet. Mitunter kann es bis in die Mittagsstunden dauern, bis sich diese vollständig aufgelöst haben. In Bayern ist örtlich auch ein ganztägig trüber Verlauf nicht ausgeschlossen. Ansonsten scheint die Sonne, begleitet von einzelnen hohen Wolkenfeldern, die kaum ins Gewicht fallen.

Fruehlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen 2

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 04.03.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Donnerstag breiten sich die Hochnebelfelder im Süden erneut aus. Zudem bildet sich zwischen Rügen und Usedom Seenebel. Während sich die Nebel- und Hochnebelfelder am Donnerstag im Tagesverlauf meist auflösen und anschließend deutschlandweit mit viel Sonnenschein zu rechnen ist, bleibt es zwischen Rügen und Usedom neblig-trüb. Ursache ist das kalte Wasser der Ostsee, über dem sich die sehr milde Luft abkühlt und so die Bildung von Seenebel begünstigt.

Fruehlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen 3

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 05.03.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Freitag ist die Nebelneigung deutlich geringer. Entsprechend gibt es am Freitag kaum noch Einschränkungen: Von Flensburg bis Füssen und von Trier bis Frankfurt an der Oder scheint verbreitet die Sonne. Die wenigen Schleierwolken fallen kaum ins Gewicht. Auch der Seenebel löst sich auf beziehungsweise wird von der Küste abgedrängt.

Die Höchsttemperaturen liegen tagsüber meist zwischen 15 und knapp 20 Grad. Dort, wo sich Nebel länger hält, bleibt es spürbar kühler. So werden am Freitag zwischen Rügen und Usedom im Einflussbereich des Seenebels lediglich 2 bis maximal 4 Grad erreicht. Generell bleibt es an den Küsten durch das noch kalte Ostsee- und Nordseewasser kühler als im Binnenland, insbesondere bei auflandigem Wind.

In den Nächten sinken die Temperaturen bei häufig klarem Himmel nahe an den Gefrierpunkt. Im Osten und Südosten tritt verbreitet leichter bis mäßiger Frost auf. Am Wochenende geht die Frostgefahr allmählich etwas zurück.

Zusammenfassend steht uns, mit wenigen Ausnahmen, eine längere Phase freundlichen Wetters mit frühlingshaften Temperaturen bevor. Es bietet sich also reichlich Gelegenheit für Ausflüge, Spaziergänge und Aktivitäten im Freien und um zu beobachten, wie die Natur langsam aus der Winterruhe erwacht.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Deutschlandwetter im Winter 2025/2026

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Winter 2025/2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 5,3 °C +1,6 Grad
2 Geilenkirchen Nordrhein-Westfalen 5,2 °C +2,5 Grad
3 Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 5,1 °C +1,9 Grad

Besonders kalte Orte im Winter 2025/2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -2,2 °C 1,6 Grad
2 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen -1,7 °C 0,2 Grad
3 Carlsfeld Sachsen -1,3 °C 2,0 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Winter 2025/2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 St. Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 534,3 l/m² 90 %
2 Todtmoos Baden-Württemberg 521,4 l/m² 86 %
3 Freudenstadt-Kniebis Baden-Württemberg 516,0 l/m² 101 %

Besonders trockene Orte im Winter 2025/2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Bad Lauchstädt Sachsen-Anhalt 37,6 l/m² 46 %
2 Freienbessingen Thüringen 39,2 l/m² 33 %
3 Arnstein-Ulzigerode Sachsen-Anhalt 48,1 l/m² 38 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Winter 2025/2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oy-Mittelberg-Petersthal Bayern 344 Stunden 165 %
2 Kaufbeuren Bayern 340 Stunden 135 %
3 Siegsdorf-Höll Bayern 330 Stunden 154 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Winter 2025/2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 107 Stunden 86 %
2 Leck Schleswig-Holstein 118 Stunden 86 %
3 Hattstedt Schleswig-Holstein 122 Stunden 86 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Deutschlandwetter im Februar 2026

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Februar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Ohlsbach Baden-Württemberg 6,8 °C +4,5 Grad
2 Geilenkirchen Nordrhein-Westfalen 6,7 °C +4,0 Grad
3 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 6,7 °C +3,0 Grad

Besonders kalte Orte im Februar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Feldberg Mecklenburg-Vorpommern -1,0 °C -0,5 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -0,9 °C 3,0 Grad
3 Greifswalder Oie Mecklenburg-Vorpommern -0,9 °C -0,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Mitteltal Baden-Württemberg 316,6 l/m² 183 %
2 Freudenstadt-Kniebis Baden-Württemberg 307,7 l/m² 216 %
3 St. Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 306,2 l/m² 180 %

Besonders trockene Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Freienbessingen Thüringen 15,2 l/m² 43 %
2 Bad Lauchstädt Sachsen-Anhalt 15,4 l/m² 63 %
3 Schwarzburg Thüringen 17,3 l/m² 47 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Leutkirch-Herlazhofen Baden-Württemberg 107 Stunden 109 %
2 Ebersberg-Halbing Bayern 105 Stunden 135 %
3 Bad Kohlgrub-Rosshof Bayern 102 Stunden 100 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Berus Saarland 34 Stunden 41 %
2 Bad Berleburg-Stünzel Nordrhein-Westfalen 35 Stunden 44 %
3 Gießen Hessen 35 Stunden 50 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Fulminanter Start in den Frühling

Am vergangenen Freitag (27. Februar) war der deutschlandweite Februar-Monatsrekord zwar nicht direkt in Gefahr, in Ohlsbach in Baden-Württemberg wurde nach vorläufigen Untersuchungen immerhin eine Tageshöchsttemperatur von 23,0 °C erreicht. Den Monatsrekord hält die Wetterstation in Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) mit 24,5 °C vom 26. Februar 1900. Allerdings markierte Ohlsbach zumindest einen neuen Bundeslandrekord in Baden-Württemberg. Den hielt bisher Mühlheim mit 22,5 °C, gemessen am 29. Februar 1960.

Fulminanter Start in den Fruehling 1

Tageshöchstwerte am vergangenen Freitag (27. Februar 2026) in Deutschland in Grad Celsius. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aber selbst im kältesten Bundesland des vergangenen Winters, in Brandenburg, hielt der Frühling gnadenlos Einzug. In Doberlug-Kirchhain, im Süden des Bundeslandes, wurde am Freitag zwar kein neuer Landesrekord registriert, dennoch wurden dort 20,0 °C gemessen. Der Monatsrekord liegt bei 20,6 °C aus dem Jahr 2021 und wurde an der Station in Cottbus verzeichnet. Immerhin konnte mit den gemessenen 20,0 °C ein neuer Stationsrekord in Doberlug-Kirchhain aufgestellt werden. Der alte Februarrekord an dieser Station lag bei 19,9 °C, ebenfalls aus dem Jahr 2021.

Bundesweit wurden auch an weiteren Wetterstationen neue Stationsrekorde im Februar registriert. Nur im Saarland und in Schleswig-Holstein reichte es nicht für neue Rekorde. Beachtlich ist zudem die massive Erwärmung zum Frühlingsbeginn: Noch vor einer Woche wurden an der Station Baruth (ebenfalls Süd-Brandenburg) in den Frühstunden noch Werte von knapp -16 °C verzeichnet. Innerhalb von einer Woche sprang die Temperatur im Süden Brandenburgs also um mehr als 30 Grad Celsius nach oben!

Wie geht es nun weiter mit dem Frühling?

Am heutigen Sonntag, der auf den meteorologischen Frühlingsanfang fällt, liegen die Reste des Ausläufers von Tief „Doreena“ mit Kern über dem Bottnischen Meerbusen noch über dem Südosten Deutschlands und sorgen dort neben dichten Wolken für etwas Regen. In der Nacht zum Sonntag streift dann der Ausläufer von Tief „Elke“, einem Tief im Nordostatlantik, den Norden Deutschlands, bringt aber neben dichteren Wolken nur wenige Tropfen Regen. Ansonsten herrscht unter zunehmendem Einfluss von Hoch „Iackl“ eine sogenannte „maritim erwärmte Subpolarluft“ bei uns vor, also eine Luft aus subpolaren Breiten, die sich auf ihrem Weg über den Nordostatlantik etwas erwärmt hat. In dieser Luft steigen die Tageshöchstwerte auf 8 bis 16 Grad an, wobei die höchsten Werte am Oberrhein zu finden sind.

Fulminanter Start in den Fruehling 2

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Sonntag, den 01. März 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 28. Februar 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Montag bleibt es in der Nordwesthälfte aufgrund des durchziehenden Tiefausläufers meist frostfrei, nach Südosten zu muss gebietsweise mit leichtem Frost, aber auch mit teils dichtem Nebel gerechnet werden.

Der Montag und Dienstag sind dann verbreitet von Hochdruckeinfluss geprägt. Vielfach zeigt sich heiteres oder sonniges und trockenes Wetter. Mit einer auf Süd drehenden Strömung fließt wieder mildere Luft zu uns, sodass die Höchstwerte am Oberrhein am Dienstag mit Sonnenunterstützung nahe 20 Grad liegen. In den Nächten besteht jedoch aufgrund der klaren Verhältnisse in der Südosthälfte weiterhin die Gefahr von leichtem Frost. Zudem bildet sich im Laufe der Nacht gebietsweise Nebel aus, der sich aber im Laufe des Vormittags meist wieder auflöst.

Fulminanter Start in den Fruehling 3

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Mittwoch, den 04. März 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 28. Februar 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Mittwoch greift dann ein weiterer schwacher Ausläufer von Tief „Elke“, das in der Zwischenzeit nach Skandinavien weitergezogen ist, auf die Nordhälfte über. Da Deutschland aber weiterhin unter Hochdruck liegt, werden sich dabei lediglich ein paar dichtere Wolken am Himmel zeigen, die sich im Laufe des Mittwochs wieder auflösen. Regen wird nicht erwartet.

Bis Freitag wird der Hochdruckeinfluss weiterhin dominant sein und somit auch das sonnige, frühlingshafte Wetter. Einzig an den Alpen besteht am Mittwochnachmittag eine geringe Schauergefahr. Allerdings fließt aufgrund der zunehmend auf Ost drehenden Strömung etwas kühlere Festlandsluft von Osten her zu uns. Während es in der Westhälfte weiterhin sehr mild ist, bleibt es in der Osthälfte kühler.

Fulminanter Start in den Fruehling 4

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmengen von Freitagmorgen, den 06. März 2026 06 UTC, bis Samstagmorgen, den 07. März 2026, 06 UTC von vier verschiedenen Wettermodellen. Von links nach rechts: ICON (deutsches Modell), EZMW (europäisches Modell), GFS (amerikanisches Modell) und UK10 (britisches Modell). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ab Freitag mehren sich die Anzeichen, dass von Westen her Tiefausläufer dichtere Wolken und Regen bringen. Die Details hierzu sind aber noch unsicher. So gibt es bei Blick auf die verschiedenen Wettermodelle durchaus auch noch Chancen, dass sich der Hochdruckeinfluss etwas länger hält und wir am Wochenende zumindest anfangs noch trockenes und sonniges Wetter genießen können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Winter 2025/2026 – persönliche Erlebnisse und eine Einschätzung

Mit dem heutigen Tag geht der meteorologische Winter 2025/2026 zu Ende. Im Gegensatz zum kalendarischen Pendant erstreckt sich der meteorologische Winter von Anfang Dezember bis Ende Februar. Im nachfolgenden Text geht es dabei um meine subjektive Wahrnehmung für den Winter in Mittelhessen. Einen umfangreichen Rückblick für den vergangenen Winter in Deutschland findet sich unter: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260228_deutschlandwetter_winter%2025-26_news.html?nn=16210.

Zum Start in den Winter Anfang Dezember gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Der Monat startete trüb mit wenig Sonne und Höchstwerten etwas über dem Gefrierpunkt. Zwar nicht wirklich mild, aber auch von Schnee war keine Spur. Nach ein paar Tagen regnete es das einzige Mal wirklich nennenswert und das bei deutlichen Plusgraden. Frost und Schnee waren kein Thema. Ab Mitte des Monats häuften sich wie jedes Jahr die Fragen nach einer weißen Weihnacht. Hoffnung bestand und in den Modellen war etwas im Busch, aber mit jedem Tag in Richtung Heiligabend schwand die Hoffnung auf Flocken. Die Temperaturen dümpelten weiter meist zwischen 5 und 10 Grad tagsüber und allenfalls geringem Nachtfrost. Alles in allem unspektakulär und wenig Sonne trug zum tristen Eindruck bei. Pünktlich zum Fest kam es dann zu einer Wetterumstellung. Kalte Ostwinde drückten die Temperaturen in den Keller. Tagsüber gab es nur knapp über 0 Grad und nachts trat mäßiger Frost auf. Dazu schien oftmals die Sonne. Das Weihnachtsfest ging also sehr kalt über die Bühne. Vor allem der ruppige Ostwind blieb in Erinnerung, da dieser die gefühlte Temperatur in den Keller rauschen ließ. Was fehlte, war weiterhin der Schnee. Die kalte Luft war nun immerhin da, jedoch war sie viel zu trocken, um für Niederschlag zu sorgen. Außerdem verhinderte die fehlende Schneedecke über Osteuropa, dass es trotz einer strammen Ostströmung keinen Dauerfrost gab. „Mensch, die Ostlagen im Winter sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren!“, dachte man sich als Meteorologe.

Zum Start ins neue Jahr gab es dann endlich die ersten Schneeflocken. Viel war es zunächst nicht, aber immerhin war die Landschaft in ein zartes Weiß getaucht. Teils leichter Dauerfrost sowie zeitweiliger Sonnenschein ließen ein gewisses Winterfeeling zu. Wichtig wurde persönlich nun, was am 10.1. mit dem Schnee sein wird, denn die örtliche Freiwillige Feuerwehr gab wenige Tage zuvor bekannt, dass es ein beleuchtetes Nachtrodeln im Ort geben soll. Immerhin hatten sich ein paar Zentimeter Schnee aufsummiert. Am Abend des 9.1. und in der Nacht zum 10.01. war der Schreck jedoch groß. Plusgrade ließen die Schneedecke dahinschmelzen. Auf dem Weg zum Frühdienst am 10.1. ging der Regen jedoch wieder in Schnee über und es schneite fortan ein paar Stunden in Mittelhessen. Das Nachtrodeln war gerettet und wurde zu einem vollen Erfolg. Knapp fünf Zentimeter Neuschnee und ein Überfrieren der Nässe sorgten für beste Rodelbedingungen. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und die Erwachsenen ebenso.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 1

Von der Feuerwehr ausgeleuchteter Rodelhang (Quelle: Marcel Schmid)

Der 11.1. war dann ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch. Frisch gefallener Schnee, dazu Sonnenschein, kaum Wind und leichter Dauerfrost. Winterherz was willst du mehr! Also Schlitten raus, warm anziehen und den Tag genießen, lautete die Devise, denn eines war schon klar: Eine mildere Luftmasse kündigte sich in den Wetterkarten bereits an und machte dem Schnee den Garaus. Vorübergehend gab es zur Monatsmitte zweistellige Höchstwerte. War es das schon wieder mit dem Winter? In vielen Jahren zuvor wäre das genau der Fall gewesen. Dieses Mal sollte es jedoch anders kommen! Der Wind drehte zum Ende der zweiten Dekade wieder auf östliche Richtungen, sodass erneut Kaltluft einfließen konnte.

Zunächst gab es knappe Plusgrade tagsüber und nachts mäßigen Frost. Das Setup für einen weiteren Wintereinbruch mit gefrorenen Böden, auf denen der Schnee liegen bleiben konnte, war also gegeben. Und genau so kam es am Morgen des 26.1. Pünktlich zum Berufsverkehr gab es heftigen Schneefall und ein Verkehrschaos. Der Weg zum Frühdienst war mehr als beschwerlich. Die A5 mal wieder gesperrt wegen, wie so oft in diesem Winter, liegengebliebener LKW. Eine Alternative musste also her. Dabei stand nur die A45 zur Debatte. Der Weg um über 30 km länger, aber immerhin konnte man fahren. 50-60 km/h waren jedoch das höchste der Gefühle und äußerste Vorsicht war geboten, denn es schneite weiter heftig. Der Winterdienst wurde zwar gesichtet, doch es war einfach zu viel Schnee in zu kurzer Zeit. Die Fahrzeit betrug am Ende fast das Dreifache. Immerhin gestaltete sich die Rückfahrt einfacher, nur waren die letzten Kilometer beschwerlich. Meldungen aus dem Bekannten- und Freundeskreis ließen allerdings erahnen, wie katastrophal die Bedingungen im Großraum Gießen waren, denn teilweise ging über Stunden hinweg gar nichts mehr. An kleinsten Steigungen stellten sich LKW auf Land- und Bundesstraßen quer und brachten den Verkehr zum Erliegen.
In den Folgetagen hielt sich die Schneedecke und wuchs teilweise nochmals an. Schneeschippen stand somit auf der Tagesordnung und ein Fitnessstudio brauchte man nicht, schließlich beanspruchte der mitunter schwere Schnee genug Muskeln und Winterspaziergänge durch den frischen Schnee waren anstrengend, aber auch wunderschön.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 2

Winterlicher Wald (Quelle: Marcel Schmid)

Außerdem begegnete man den Nachbarn auf der Straße und unterhielt sich über den Winter und wann es denn das letzte Mal so oft und viel Schnee gab. Besonders schön blieb mir eine Begegnung mit dem Nachbarn in Erinnerung, als wir beide aus der Nachtschicht kamen, gemeinsam Schnee schippten und uns dabei unterhielten. Dorfidylle was vom Feinsten. Der Januar war alles in allem ein toller Wintermonat mit viel Schnee fürs Flachland.

Der Start in den letzten meteorologischen Wintermonat gestaltete sich zunächst unspektakulär. Doch bereits am 3.2. gab es neues Unheil. Eine Luftmassengrenze verschob sich von Süden her nach Mittelhessen und brachte neuerlich starke Schneefälle mit sich. Es fielen fast 15 cm Neuschnee in wenigen Stunden. Zusammen mit dem Altschnee betrug die Schneehöhe über 20 cm.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 3

Gemessene Schneehöhe Anfang Februar (Quelle: Marcel Schmid)

Mehrmaliges Schneeschippen sorgte für den alltäglichen Sport. Richtig gefährlich wurde es am Abend auf der Straße, weil dann gefrierender Regen fiel und der Schneematsch zusätzlich überfror.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 4

Schwierige Straßenverhältnisse durch Schnee und Eis Quelle: Marcel Schmid)

Die Autobahnen im Umkreis waren teilweise erneut komplett gesperrt und die gestrandeten Auto- und LKW-Fahrer mussten einem leidtun. Ich hörte von Personen aus meinem Umfeld, die teilweise sechs Stunden für einen Heimweg von nicht mal 20 km gebraucht haben. Da kann man gut verstehen, wenn der Winter verflucht wird. Immerhin verschwand der Schnee in den kommenden Tagen langsam aber sicher. Regen zum Beginn der zweiten Dekade sorgte dafür, dass Bäche und Flüsse anstiegen und das Wasser auf den Feldern stand.

War es das mit dem Winter? – Nein. Der Winter hatte noch ein paar Pfeile im Köcher. Pünktlich in der Nacht zum Rosenmontag schneite es neuerdings einige Zentimeter, doch tagsüber rasch ansteigende Temperaturen verhinderten zum Glück die Absage von lokalen Umzügen. Ein letztes Stelldichein und nochmals über 10 cm Schnee gab es zum Ende der zweiten Dekade. Nun hatte sogar ich die Schnauze voll von Schnee und eine Nachbarin meinte, ob ich nicht Frau Holle den Saft abdrehen könnte, ich säße ja an der Quelle. Gott sei Dank, können wir das Wetter nicht manipulieren, doch der Wettergott hatte ein Einsehen und sorgte dafür, dass mit sich durchsetzender südwestlicher Strömung dem Winter der Garaus gemacht wurde. Ein besonderes Schmankerl gab es dann zum Monatsende. Knapp unter 20 Grad, fröhlich zwitschernde Vögel, sprießende Krokusse, auf dem Spielplatz tobende Kinder und der erste Grillgeruch in der Nase – der Winter ist geschlagen und der Frühling ist da.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 28.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hochnebel – das Haar in der Suppe

In den noch vergleichsweise langen Nächten des Februars können sich bei windschwachen klaren Bedingungen die bodennahen Luftschichten stark abkühlen. Dies traf in den vergangenen Nächsten auf weite Teile des Südens und der Mitte Deutschlands zu. Aufgrund der vorherigen Regenfälle bzw. des Tauens von Schneedecken waren die obersten Bodenschichten zudem sehr feucht. Alles in allem förderliche Bedingungen für die nächtliche Bildung von Nebel bzw. Hochnebel. Dieser wurde tagsüber dünner bzw. wurde von den Rändern her aufgelöst. Gleichzeitig fand eine Verfrachtung mit der bodennahen Luftströmung statt. Bei meist schwachem Wind aus dem Sektor Ost bis Süd staute sich die feuchtkalte Luft der Grundschicht an den Süd- bzw. Osthängen der südlichen und einiger zentraler Mittelgebirge. Dort konnte der Hochnebel sich bis zum Tagesende halten und sich in der Folgenacht wieder verdichten bzw. ausbreiten.

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Drei Satellitenbilder vom 26.02.2026 im Abstand von 3 Stunden (Quelle:DWD)

Dies hatte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der Sonnenstunden, sondern auch auf die 2 Meter Temperatur. In den von früh bis spät sonnigen Gebieten wurde die maximal mögliche Sonnenscheindauer von etwa 10 Stunden erreicht. Zugleich stieg die Temperatur deutlich über die 10-Grad-Marke und am gestrigen Donnerstag örtlich auch auf 20 Grad wie zum Beispiel in Metzingen bei Reutlingen mit 20,4 Grad. In den vom Dauergrau geplagten Regionen lagen die Höchstwerte dagegen zum Teil nur im einstelligen Bereich. Zum Beispiel war in Meiningen an der Werra im Süden Thüringens gestern mit 6,8 Grad bereits das Tagesmaximum erreicht.

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Satellitenbild vom 27.02.2026 13 Uhr (Quelle:DWD)

Häufig lag zwischen grau und blau nicht einmal eine besonders große Distanz. Beispielsweise gab es an der Station am Frankfurter Flughafen gestern nur 25 Minuten Sonnenschein, in Michelstadt im Odenwald dagegen schien die Sonne 7:32 Stunden. Auch höher gelegene Stationen befanden sich in der Sonne, weil sie über das Nebelmeer herausragten. So registrierte die Station auf dem Feldberg im Taunus gestern 8:18 Stunden Sonnenschein. Diese kleinräumigen Unterschiede machen die Vorhersage schwierig und am Ende kann es bedeuten, dass man im Grau sitzt, obwohl die App oder der Wetterbericht etwas anderes zuvor vermittelten.

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Mittagstemperaturen am 26. und 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am heutigen Freitag waren Nebel- und Hochnebel aus der Nacht heraus nicht so verbreitet und dick wie an den Tagen zuvor, so konnte sich die Sonne bis zum Mittag verbreitet, wenn auch nicht überall durchsetzen.

M.Sc. Met. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende

Zwischen einem umfangreichen Hoch über Westeuropa und dem Mittelmeerraum sowie einem ebenso umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik hat sich über Westeuropa eine großräumige Südwestströmung eingestellt. Mit dieser wurde Luft aus den Seegebieten zwischen den Azoren und den Kanaren nach Westeuropa geführt. Diese Luftmasse im Zusammenspiel mit viel Sonnenschein führte in Frankreich und manchen Nachbarländern zu zahlreichen Rekorden der Höchsttemperatur für Februar. Örtlich wurden im Südwesten Frankreichs knapp 30 Grad an den beiden vergangenen Tagen gemessen. Am gestrigen Mittwoch stieg die Temperatur in Zentralfrankreich auf Werte um 25 Grad und selbst im etwa 1000 Meter hoch gelegenen Chamonix in den Westalpen wurden 21,1 Grad (neuer Februarrekord, Messbeginn 1880) erreicht.

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Höchstwerte der 2m-Temperatur für Freitag den 27.02.2026 (Prognose) (Quelle:DWD)

Bei uns in Deutschland wird der Wärmehöhepunkt am morgigen Freitag erreicht. Doch bereits heute liegen die Höchstwerte im Westen und Südwesten örtlich bei 20 Grad. Am Freitag verstärkt sich dann die Zufuhr der subtropischen Luftmasse. Mit auffrischendem südwestlichem Wind haben Nebel und Hochnebel weniger Chancen als an den Vortagen, zudem gibt es am Nordrand der Mittelgebirge föhnige Effekte. Damit steigen die Temperaturen in der Mitte und im Süden Deutschlands gebietsweise auf Werte um 20 Grad mit den höchsten Werten entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Dort werden 21, örtlich 22 und am südlichen Oberrhein vielleicht auch 23 Grad erreicht.

Als bisheriger deutschlandweiter Februarrekord steht ein „Uraltwert“ vom 26. Februar 1900 in der Statistik. Damals wurden in Jena 23,1 Grad gemessen. Einige weitere Stationen stehen mit Werten knapp über 22 Grad in der Statistik und liegen fast ausschließlich in der Südwesthälfte Deutschlands. Diese Rekorde stammen meist aus den Jahren 1960 und 1990, haben also auch schon länger Bestand.

Selbst an den Küsten wird es mehrheitlich mild oder sehr mild. Eine Ausnahme bildet lediglich Nordfriesland, dort kommt der südwestliche Wind von der kalten Nordsee, zum Teil liegen die Höchstwerte dort nur zwischen 6 und 8 Grad. Anders an der Ostsee. Dort kann man an der vorpommerschen Küste bei 13 bis 15 Grad, dem teils noch 30 cm dicken Eis auf den Bodden oder im Stettiner Haff beim Schmelzen zuschauen.

Ungewoehnliche Fruehlingswaerme zum meteorologischen Winterende 2

Eiskarte vom 25.02.026 für die deutsche Ostseeküste (Quelle:DWD)

Ansonsten ist zum Ende des meteorologischen Winters nicht mehr viel Winterliches übrig. Die Schneegrenze liegt um 1000 Meter, im Westen etwas darüber, im Osten etwas darunter. In Lagen darunter hat bereits der Vorfrühling Einzug gehalten oder tut es in den kommenden Tagen. Festmachen lässt sich das am zunehmenden Pollenflug von Hasel und Erle. Dieser erreicht im Norden und Osten meist mittlere, sonst hohe Belastungsintensitäten.

Ungewoehnliche Fruehlingswaerme zum meteorologischen Winterende 3

Pollenflugvorhersage für Hasel und Erle für den 27.02.2026 (Quelle:DWD)

M.Sc. Met.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Frühlingsluft

Deutschland gelangt in den kommenden Tagen zunehmend unter Hochdruckeinfluss. Niederschläge bleiben dabei weitgehend aus. Durch das Zusammenspiel eines Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt östlich von Deutschland und mehreren Tiefdruckgebieten über Westeuropa wird mit einer südwestlichen Strömung ungewöhnlich milde Luft zu uns geführt. Besonders im Südwesten macht sich bereits frühlingshafte Wärme bemerkbar. Doch auch in den östlichen Landesteilen, wo Januar und Februar vergleichsweise kalt ausfielen, setzt nun eine deutliche Milderung ein.

Am heutigen Mittwoch dominiert vielerorts zunächst noch trübes Wetter. Nebel- und Hochnebelfelder sorgen verbreitet für einen grauen Himmel und lassen das Wetter eher herbstlich wirken. Im Tagesverlauf lockert es zwar auf, in Teilen Bayerns halten sich die Nebel- und Hochnebelfelder jedoch zäh. Die Temperaturen reichen von etwa 4 Grad auf Rügen bis zu 19 Grad am Rhein. Der Wind weht meist schwach aus südöstlichen Richtungen. In der Nacht zum Donnerstag breiten sich Nebel- und Hochnebelfelder erneut aus. Vor allem in der Osthälfte kann es stellenweise Frost geben, während es im Nordwesten mit Werten um 9 Grad mild bleibt.

Fruehlingsluft 1

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 25.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Donnerstag lösen sich Nebel und Hochnebel schneller auf. Mit auffrischendem Südwestwind setzt sich die Sonne häufiger durch, die Luft wird besser durchmischt und die Temperaturen steigen verbreitet auf 15 bis 21 Grad. Auch im Osten wird es mit 13 bis 17 Grad ungewöhnlich mild.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 26.02.2026 (Quelle:DWD)

Der Höhepunkt dieser milden Phase wird am Freitag erreicht. Im Vorfeld einer von Westen herannahenden Kaltfront frischt der Südwestwind weiter auf. Mit sonnigen Abschnitten werden 15 bis 20 Grad erreicht, im Südwesten lokal sogar bis zu 23 Grad. Damit bietet sich der Freitag besonders gut für Aktivitäten im Freien an.

Fruehlingsluft 3

Wetter- und Temperaturkarte, am Freitag 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Wochenende folgt dann der Wetterumschwung. Bereits am Freitagabend setzt im Nordwesten erster Regen ein, der sich in der Nacht zum Samstag bis in die Mitte Deutschlands ausbreitet. Am Samstag bleibt es nur im Südosten noch zeitweise frühlingshaft freundlich, sonst dominieren Wolken und zeitweise Regen bei deutlich niedrigeren Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad. Am Sonntag beruhigt sich das Wetter zwar wieder etwas, die Temperaturen liegen mit 7 bis 15 Grad jedoch weiterhin unter den Werten der Vortage – für die Jahreszeit insgesamt aber noch immer auf einem milden Niveau.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst