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Kulinarisches im Herbst

20. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Äpfel, Kürbisse, Pilze, Nüsse und Wein prägen die herbstliche Erntezeit. Passend dazu stellt der Deutsche Wetterdienst einige kulinarische Aktionstage vor und blickt auf das zunehmend wechselhafte und windige Wetter der kommenden Tage.

Äpfel, Kürbisse und Pilze

Am 21. Oktober wird in Großbritannien der „Apple Day“ begangen. Die Umweltorganisation Common Ground rief den Aktionstag 1990 ins Leben. In Deutschland ist der 11. Januar als „Tag des deutschen Apfels“ etabliert.

Auch der Kürbis hat im Herbst seinen festen Platz: Der 26. Oktober gilt als Kürbistag, bevor am 31. Oktober Halloween folgt. Pilze werden ebenfalls mit mehreren Aktionstagen gewürdigt. Der Europäische Pilztag findet am vierten Samstag im September statt, der amerikanische „Mushroom Day“ am 15. Oktober. Nach Angaben des DWD wurde in den USA außerdem der 1. Juni als nationaler Pilztag anerkannt.

Nüsse, Esskastanien und Wein

Haselnüsse, Walnüsse und Esskastanien gehören ebenfalls zur herbstlichen Küche. In Großbritannien fällt der „Nut Day“ auf den 22. Oktober. Auch die Weinlese ist eng mit der Jahreszeit verbunden. Der Tag der Weinprobe wird am ersten Samstag im November begangen und fällt 2026 auf den 7. November.

Das Wetter am Dienstag und Mittwoch

Am Dienstag, 20. Oktober, bleibt es bei überwiegend schwachem Wind meist ruhig. Im Nordosten und Südwesten ziehen Wolken durch, örtlich fällt etwas Regen; dazwischen zeigt sich zeitweise die Sonne. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 8 und 15 Grad Celsius, bei Föhn am Alpenrand zwischen 16 und 19 Grad.

In der Nacht breiten sich von Südwesten her dichte Wolken und Regen aus. Im Osten und Südosten bleibt es länger trocken. Die Tiefstwerte liegen zwischen 10 und 3 Grad.

Wettervorhersage und Tageshöchsttemperaturen für Deutschland am 20. Oktober 2026 (Quelle: Deutscher Wetterdienst)
Wettervorhersage und Tageshöchsttemperaturen für Deutschland am 20. Oktober 2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Mittwoch ist es häufig stark bewölkt. Regional fällt Regen, die Temperaturen erreichen 8 bis 16 Grad.

Wettervorhersage und Tageshöchsttemperaturen für Deutschland am 21. Oktober 2026 (Quelle: Deutscher Wetterdienst)
Wettervorhersage und Tageshöchsttemperaturen für Deutschland am 21. Oktober 2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Windiger und wechselhafter ab Donnerstag

Am Donnerstag wechseln sich sonnige Abschnitte und Schauer ab. Der Südwestwind frischt auf; an der Küste und im Bergland sind stürmische Böen möglich. Am Freitag zieht zunächst Regen durch, anschließend folgen Schauer und einzelne Gewitter. Das Temperaturniveau ändert sich dabei nur wenig.

Auch am Wochenende setzt sich das wechselhafte und windige Wetter fort. Für die Jahreszeit bleibt es dabei vergleichsweise mild.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 20.10.2026. Der DWD-Text wurde für Windinfo redaktionell gegliedert, gekürzt und sprachlich bearbeitet; die Ortsbezeichnung „Covent Garden“ wurde gegenüber der DWD-Fassung berichtigt. Verwendete DWD-Grafiken wurden lokal gespeichert und responsiv eingebunden. Lizenz: CC BY 4.0. Bildquellen stehen jeweils an den Abbildungen. Ergänzende Faktenchecks: Common Ground zum Apple Day und Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zum Tag des deutschen Apfels.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Wettervorhersage-Deutschland-20.-Oktober-2026.png 850 1513 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-20 12:00:002026-10-20 19:12:32Kulinarisches im Herbst

Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

19. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Meteorologie des 19. Jahrhunderts wurde entscheidend durch Fortschritte in Physik und Thermodynamik geprägt. Erkenntnisse über Erdrotation, Wärme, Gase, Strahlung und Elektrizität bilden bis heute die Grundlage für Wettermodelle, Radarmessungen und die Beschreibung atmosphärischer Prozesse.

Der 20. Teil der DWD-Serie stellt bedeutende Wissenschaftler vor, deren Arbeiten von der Corioliskraft über die Clausius-Clapeyron-Gleichung und den Doppler-Effekt bis zur Kelvin-Skala reichen.

François Arago: Optik, Messgeräte und Ballonmeteorologie

Der französische Astronom, Physiker und Politiker François Arago (1786−1853) veröffentlichte populärwissenschaftliche Arbeiten zur Meteorologie und physikalischen Geographie. Er untersuchte die Atmosphäre, die Temperatur der Erde, magnetische Schwankungen sowie Licht und Optik.

Arago konstruierte ein Polariskop zur Untersuchung der Polarisation des Himmelslichts, ein Arago-Davy-Aktinometer zur Messung der Sonneneinstrahlung und ein frühes Cyanometer zur Bestimmung des Blauanteils des Himmels. Zudem beschäftigte er sich mit Gewittern, Kugelblitzen, Polarlichtern und dem Zusammenhang zwischen Aurora und Erdmagnetfeld.

Bei wissenschaftlichen Ballonfahrten verlangte Arago zeitgleiche Bodenbeobachtungen und wies auf Messfehler hin. Ein ungeschütztes Thermometer an der Gondel könne durch fehlende Ventilation und direkte Sonneneinstrahlung falsche Lufttemperaturen anzeigen. Damit formulierte er früh wesentliche Anforderungen an repräsentative aerologische Messungen.

Seine Skepsis gegenüber Wetterprognosen fasste Arago 1845 in einer später als „Arago-Mahnung“ bekannten Aussage zusammen: Selbst bei weit fortgeschrittener Wissenschaft würden seriöse Forscher es nicht wagen, das Wetter vorherzusagen. Die moderne Meteorologie hat diese Einschätzung zwar widerlegt, der darin enthaltene Respekt vor der Komplexität der Atmosphäre ist jedoch weiterhin berechtigt.

Porträt des französischen Astronomen und Physikers François Arago
François Arago. Quelle: Wellcome Collection, London, über Wikimedia Commons; CC BY 4.0. DWD-Abbildung lokal gespeichert und skaliert; Inhalt unverändert.

Coriolis, Carnot und die Physik der Atmosphäre

Der französische Mathematiker und Physiker Gaspard Gustave de Coriolis (1792−1843) lieferte 1835 eine mathematische Beschreibung dafür, wie Bewegungen in einem rotierenden Bezugssystem behandelt werden. Die nach ihm benannte Corioliskraft lenkt Luftbewegungen auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links ab. Zusammen mit der horizontalen Druckgradientkraft erklärt sie, warum großräumige Winde nicht direkt vom Hoch zum Tief wehen.

Nicolas Léonard Sadi Carnot (1796−1832) veröffentlichte 1824 seine grundlegende Schrift über Wärmekraftmaschinen. Der Carnot-Prozess beschreibt idealisiert, wie ein System bei hoher Temperatur Energie aufnimmt und bei niedrigerer Temperatur wieder abgibt. Auch atmosphärische Zirkulationssysteme und tropische Wirbelstürme lassen sich in vereinfachter Betrachtung als Wärmekraftmaschinen auffassen: Sie gewinnen Energie aus sensibler und latenter Wärme über warmen Meeresoberflächen und verlieren Energie durch Reibung und turbulente Dissipation.

Clapeyron und Clausius: Wärme, Wasserdampf und Entropie

Der französische Physiker Émile Clapeyron (1799−1864) gab Carnots Überlegungen 1834 eine mathematische Form und stellte thermodynamische Kreisprozesse grafisch dar. Auf ihn geht auch eine frühe Form der Zustandsgleichung idealer Gase zurück.

Rudolf Clausius (1822−1888) erweiterte 1850 die Clapeyron-Gleichung zur Clausius-Clapeyron-Gleichung. In der Meteorologie beschreibt sie insbesondere die Temperaturabhängigkeit des Sättigungsdampfdrucks. Daraus folgt näherungsweise, dass die maximal mögliche Wasserdampfmenge der Atmosphäre bei typischen bodennahen Temperaturen mit jedem Grad Erwärmung um etwa 6 bis 7 Prozent zunimmt. Der Zusammenhang ist grundlegend für Wolkenbildung, Niederschlag und die Thermodynamik der Atmosphäre.

Clausius formulierte außerdem eine zentrale Aussage des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik und führte 1865 den Begriff der Entropie ein.

Doppler, Waterston und die kinetische Gastheorie

Der österreichische Physiker Christian Doppler (1803−1853) beschrieb 1842 die Frequenzänderung von Wellen bei einer Relativbewegung zwischen Quelle und Beobachter. Moderne Doppler-Radare nutzen diesen Effekt, um die Geschwindigkeitskomponente von Niederschlagsteilchen in Richtung des Radars oder vom Radar weg zu messen. Die Radarreflektivität liefert dagegen vor allem Informationen über Verteilung und Größe der streuenden Hydrometeore.

Der schottische Physiker John James Waterston (1811−1883) gehörte zu den Pionieren der kinetischen Gastheorie. Er erkannte den Zusammenhang zwischen molekularer Bewegungsenergie und Temperatur und leitete daraus Beziehungen für ideale Gase ab. Seine Arbeiten blieben zunächst weitgehend unbeachtet und wurden erst später im Zusammenhang mit der Entwicklung der kinetischen Gastheorie gewürdigt.

Buys Ballot: Windgesetz und internationale Kooperation

Der niederländische Physiker und Meteorologe Christoph Buys Ballot (1817−1890) gründete 1854 das Königlich-Niederländische Meteorologische Institut. Sein barisches Windgesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen Windrichtung und horizontaler Druckverteilung: Steht eine Person auf der Nordhalbkugel mit dem Rücken zum Wind, befindet sich der tiefere Druck links, auf der Südhalbkugel rechts.

Das Gesetz gilt vor allem für großräumige Strömungen außerhalb der Tropen. Bei kleinräumigen, durch Gelände oder Gewitter bestimmten Winden und in Äquatornähe ist es nicht unmittelbar anwendbar.

Buys Ballot setzte sich zudem für internationale Zusammenarbeit ein. Nach dem Internationalen Meteorologischen Kongress 1873 leitete er den Ausschuss, der die Gründung einer dauerhaften Organisation vorbereitete. 1879 entstand in Rom die Internationale Meteorologische Organisation (IMO), die Vorgängerin der heutigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Historisches Porträt des niederländischen Meteorologen Christoph Buys Ballot
Christoph Buys Ballot. Quelle: Rijksmuseum Boerhaave, Leiden, über Wikimedia Commons; gemeinfrei, Public Domain Mark 1.0. DWD-Abbildung lokal gespeichert und skaliert; Inhalt unverändert.

Joule, Foucault und Rankine

Der britische Physiker James Prescott Joule (1818−1889) formulierte 1840 das erste Joulesche Gesetz zur Erwärmung eines stromdurchflossenen Leiters. Mit seinen Experimenten zum mechanischen Wärmeäquivalent zeigte er, dass mechanische Arbeit in Wärme umgewandelt werden kann. Das mechanische Wärmeäquivalent ist dabei nicht mit der spezifischen Wärmekapazität gleichzusetzen. Gemeinsam mit William Thomson untersuchte Joule zudem die Temperaturänderung von Gasen bei Drosselung, den Joule-Thomson-Effekt.

Léon Foucault (1819−1868) wies mit seinem Pendel die Erdrotation experimentell nach. Für die Meteorologie verdeutlicht dies, warum die Erde kein Inertialsystem ist und der Coriolis-Parameter in den Bewegungsgleichungen der Atmosphäre berücksichtigt werden muss.

Der schottische Ingenieur und Physiker William John Macquorne Rankine (1820−1872) untersuchte Zusammenhänge zwischen Temperatur, Druck und Dichte von Gasen sowie zwischen Sättigungsdampfdruck und Temperatur. 1859 schlug er eine absolute Temperaturskala vor, deren Gradweite der Fahrenheit-Skala entspricht. Die Rankine-Skala wird heute nur noch in wenigen technischen Anwendungen verwendet.

Helmholtz: Wirbel und atmosphärische Instabilität

Der preußische Mediziner und Physiker Hermann von Helmholtz (1821−1894) arbeitete über Energieerhaltung, Wellenbewegungen und Wirbel in Flüssigkeiten. Seine Wirbelsätze wurden zu einer wichtigen Grundlage für die Beschreibung atmosphärischer Zirkulation und Wirbelstärke.

Gemeinsam mit Thomson ist sein Name mit der Kelvin-Helmholtz-Instabilität verbunden. Sie entsteht, wenn zwischen benachbarten Luftschichten ausreichend starke Geschwindigkeitsunterschiede bestehen, und kann sich in charakteristischen wellenförmigen Wolkenstrukturen zeigen.

Lord Kelvin: Temperaturskala und atmosphärische Elektrizität

Sir William Thomson, Lord Kelvin (1824−1907) schlug 1848 eine absolute Temperaturskala auf thermodynamischer Grundlage vor. Die SI-Einheit ist das Kelvin mit dem Symbol K. Der absolute Nullpunkt bei 0 K entspricht exakt −273,15 °C.

Kelvin untersuchte gemeinsam mit Helmholtz Wirbel und Strömungen. Für die Meteorologie besonders wichtig war außerdem seine korrekte Beschreibung des gesättigt-adiabatischen Prozesses: Ein aufsteigendes gesättigtes Luftpaket kühlt sich wegen der frei werdenden Kondensationswärme langsamer ab als ein ungesättigtes.

Thomson beschäftigte sich auch mit atmosphärischer Elektrizität und entwickelte ein Wassertropfen-Elektrometer. Ab 1861 wurde am Kew Observatory ein Programm zur kontinuierlichen Messung des elektrischen Feldes der Atmosphäre betrieben.

Lord Kelvin sitzt auf einem Kompasskasten und hält einen Azimutspiegel für die Seefahrt
Sir William Thomson, Lord Kelvin, um 1900. Aufnahme: T. & R. Annan & Sons; Restaurierung: Adam Cuerden. Quelle: National Galleries of Scotland über Wikimedia Commons; gemeinfrei, Public Domain Mark 1.0. DWD-Abbildung lokal gespeichert und skaliert; Inhalt unverändert.

Die Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil soll Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts behandeln, die ausdrücklich meteorologische Neuerungen entwickelten.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 19.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 19. Oktober 2026. DWD-Text unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, gestrafft und sprachlich überarbeitet. Fachlich korrigiert wurden die ausgeschriebene Bezeichnung der Internationalen Meteorologischen Organisation, die Abgrenzung des mechanischen Wärmeäquivalents von der spezifischen Wärmekapazität sowie der Celsiuswert des absoluten Nullpunkts. Abgleich mit der WMO, der Science Museum Group Collection und dem NIST. Drei historische DWD-Abbildungen wurden dauerhaft lokal gespeichert und skaliert; vollständige Bildnachweise stehen an den Abbildungen.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Francois-Arago-–-Geschichte-der-Meteorologie-Teil-20.jpg 1608 1244 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-19 12:00:002026-10-19 19:10:50Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

Mission impossible

18. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wettervorhersagen sind meist für etwa vier Tage im Voraus belastbar. Es gibt jedoch Wetterlagen, bei denen selbst eine Prognose für den übernächsten Tag große Unsicherheiten enthält. Genau das zeigt die Modelllage für Dienstag, den 20. Oktober 2026.

Auslöser ist ein sogenannter Kaltlufttropfen, ein abgeschlossenes Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten. ICON, GFS und IFS berechnen seine Zugbahn unterschiedlich. Dadurch ergeben sich für Deutschland erhebliche Unterschiede bei Temperatur, Bewölkung und Niederschlag.

Warum Höhentiefs Wetterprognosen erschweren

Vorhersagemeteorologen nutzen Messungen von Wetterstationen, Radaren und Satelliten sowie verschiedene numerische Wettermodelle. Meist lassen sich daraus eindeutige Trends ableiten. Ab dem vierten Vorhersagetag nehmen die Unterschiede zwischen den Modellen gewöhnlich zu, häufig bleibt aber ein wahrscheinliches Szenario erkennbar.

Besonders schwierig sind abgeschlossene Tiefdruckgebiete in der Höhe. Solche Höhentiefs oder Kaltlufttropfen werden von den Modellen zwar erfasst, ihre weitere Verlagerung kann jedoch sehr unterschiedlich simuliert werden. Bereits kleine Abweichungen der Zugbahn verändern das Wetter am Boden deutlich.

Ausgangslage am Sonntag

Am Sonntag, 18. Oktober 2026, reicht das umfangreiche Hoch GERHARD von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien. Südlich davon liegt eine Zone tieferen Luftdrucks mit mehreren kleinen Tiefdruckgebieten. Über dem Schwarzen Meer befindet sich ein weiteres Tief, das mit einem großen Tiefdruckgebiet über der Barentssee verbunden ist.

DWD Bodenwetterkarte mit Isobaren, Fronten und Druckgebieten für den 18. Oktober 2026 um 12 UTC
Bodenwetterkarte für Sonntag, 18. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

In den Höhenwetterkarten liegen zwei Tiefdruckgebiete sowohl auf 500 hPa, etwa 5500 Meter über dem Meer, als auch auf 300 hPa, etwa 9000 Meter Höhe und damit ungefähr auf dem Niveau des Jetstreams. Eines liegt über Frankreich, das andere stützt das Bodentief über dem Schwarzen Meer. Zusätzlich erstreckt sich vom Tief über der Barentssee ein Höhentrog bis zum Baltikum.

Vergleich der Höhenwetterkarten von ICON, GFS und IFS auf 500 und 300 hPa für den 18. Oktober 2026
Höhenwetterkarten von ICON, GFS und IFS für Sonntag, 18. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Am Montag sind sich die Modelle noch einig

Für Montag zeigen die drei großen Modelle ICON des Deutschen Wetterdienstes, das amerikanische GFS und das IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage zunächst ein ähnliches Bild. Aus dem Trog über dem Baltikum tropft ein Höhentief ab, zieht südwestwärts nach Polen und anschließend westwärts in den Osten Deutschlands.

Vergleich der Höhenwetterkarten von ICON, GFS und IFS auf 500 und 300 hPa für den 19. Oktober 2026
Höhenwetterkarten von ICON, GFS und IFS für Montag, 19. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Am Dienstag gehen die Lösungen weit auseinander

Für Dienstag, 20. Oktober, divergieren die Modelle deutlich. ICON und GFS lassen das Höhentief mit der kalten Höhenluft weiter westwärts bis nordwestwärts ziehen. IFS hält das Tief dagegen über dem Osten Deutschlands fest.

Abweichende Höhentief-Prognosen von ICON, GFS und IFS auf 500 und 300 hPa für den 20. Oktober 2026
Abweichende Höhentief-Prognosen von ICON, GFS und IFS für Dienstag, 20. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Auch bei Geopotential und Temperatur zeigen sich große Differenzen. Im Dreieck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt berechnen die Modelle für 850 hPa, etwa 1400 Meter Höhe, Werte zwischen minus 2 und plus 10 Grad. Am Boden entspricht das einer möglichen Temperaturspanne von ungefähr 7 bis 13 Grad.

Modellvergleich von Geopotential und Temperatur auf 500 und 850 hPa für den 20. Oktober 2026
Geopotential und Temperatur in den Modellen ICON, GFS und IFS für Dienstag, 20. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Entscheidend für Wolken, Regen und Temperatur

Bleibt das Höhentief wie in der IFS-Lösung im Osten, dominiert dort die Bewölkung. Eine neue Störung im Westen wird dann gebremst, sodass dort mehr Sonne möglich ist. In der kalten Höhenluft entstehen bevorzugt am Nordrand des Tiefs Schauer, die vor allem den Osten und Nordosten betreffen würden.

Zieht das Tief nach der ICON- und GFS-Lösung in den Nordwesten Deutschlands, wandern auch die Schauer nordwestwärts. Im Osten steigen dann die Chancen auf Auflockerungen und trockene Phasen. Gleichzeitig wird die Störung aus Frankreich weniger gebremst, sodass im Westen und Südwesten mehr Wolken und später Regen aufkommen können.

Modellvergleich der Wolken- und Niederschlagsprognosen von ICON, GFS und IFS für den 20. Oktober 2026
Wolken- und Niederschlagsprognosen von ICON, GFS und IFS für Dienstag, 20. Oktober 2026, 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Die Prognose für den übernächsten Tag bleibt damit ungewöhnlich unsicher. Auch die vorherigen Modellläufe liefern kein eindeutigeres Bild, da die Modelle weitgehend an ihren jeweiligen Lösungen festhalten.

Autorin der DWD-Originalfassung:
Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 18.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 18. Oktober 2026. DWD-Text und verwendete DWD-Abbildungen unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert und sprachlich gestrafft; Bildunterschriften wurden vereinheitlicht. Die meteorologischen Aussagen, Zahlen und Abbildungen wurden inhaltlich nicht verändert. Die Abbildungen wurden dauerhaft lokal gespeichert.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Hoehenwetterkarten-20.-Oktober-2026.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-18 12:00:002026-10-18 19:11:53Mission impossible

Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

17. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wolken erscheinen im sichtbaren Satellitenbild meist weiß – unabhängig davon, ob sie aus Wassertröpfchen, Eiskristallen oder beiden bestehen. Auch Schneeflächen können ähnlich aussehen. Mit speziell kombinierten Spektralkanälen des Meteosat-Satelliten lassen sich Wolkenarten jedoch farblich unterscheiden.

Das sogenannte Wolkentyp-RGB-Komposit macht unter anderem Nebel, tiefe Wasserwolken, hohe Eiswolken, Mischwolken und unterkühlte Wasserwolken sichtbar. Dadurch liefert es für Wettervorhersage und Flugmeteorologie deutlich mehr Informationen als ein Echtfarbenbild allein.

Warum ein weißes Satellitenbild nicht genügt

Wassertröpfchen und Eiskristalle besitzen eine hohe Albedo und reflektieren einen großen Teil des Sonnenlichts. Deshalb wirken sowohl tiefe Schönwetterwolken als auch hohe Schleierwolken im sichtbaren Licht weiß. Liegen verschiedene Wolkenschichten übereinander oder kommen im Winter Schneeflächen hinzu, ist ihre eindeutige Unterscheidung selbst für erfahrene Meteorologen schwierig.

Echtfarben-Satellitenbild des MTG über Mitteleuropa am 16. Oktober 2026 um 11 Uhr mit überlagertem Niederschlagsradar
Echtfarben-Satellitenbild des MTG vom 16. Oktober 2026, 11 Uhr MESZ, mit überlagertem Niederschlagsradar. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

So entsteht das Wolkentyp-RGB-Komposit

Der Flexible Combined Imager der dritten Meteosat-Generation misst nicht nur sichtbares Licht, sondern auch mehrere Spektralbereiche im nahen Infrarot. Bei der RGB-Bildauswertung werden drei Kanäle den Grundfarben Rot, Grün und Blau zugeordnet. Aus ihrer Überlagerung entstehen charakteristische Mischfarben, die Rückschlüsse auf Wolkenhöhe, optische Dicke und Wolkenphase erlauben.

Farbkanal Spektralbereich Hauptinformation
Rot Nahinfrarot bei 1,38 µm Wolkenhöhe und optische Dicke
Grün Sichtbares Licht bei 0,64 µm Optische Dicke der Wolken
Blau Nahinfrarot bei 1,61 µm Wolkenphase: Wasser oder Eis

Die Kombination trennt Wolkentypen farblich deutlich voneinander und erkennt insbesondere dünne Cirruswolken. Das Wolkentyp-RGB-Produkt von EUMETSAT ist wegen der verwendeten Sonnenlichtkanäle nur tagsüber verfügbar.

Legende zur Bedeutung der Farben im Wolkentyp-RGB-Komposit des MTG-Satelliten
Bedeutung der einzelnen Farben im Wolkentyp-RGB-Komposit. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Wolkentypen am 17. Oktober 2026

Das Echtfarbenbild vom Samstagvormittag zeigt ein großflächiges weißes Wolkenband von Zentralfrankreich über Süd- bis nach Ostdeutschland. Darin lag eine Kaltfront, an der Regen fiel. Ohne zusätzliche Spektralinformationen lassen sich die verschiedenen Wolkenarten in diesem Gebiet kaum unterscheiden.

Echtfarben-Satellitenbild des MTG über Mitteleuropa am 17. Oktober 2026 um 11 Uhr mit überlagertem Niederschlagsradar
Echtfarben-Satellitenbild des MTG vom 17. Oktober 2026, 11 Uhr MESZ, mit überlagertem Niederschlagsradar. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Im Wolkentyp-RGB-Komposit sind die mehrschichtigen Regenwolken der Front hellgelb dargestellt und damit klar von den umgebenden tiefen Wasserwolken in Hellblau zu unterscheiden. Weiße Bereiche weisen auf unterkühlte Wasserwolken hin. Für die Flugmeteorologie ist das wichtig, weil dort Vereisungsgefahr bestehen kann.

Von Österreich über Tschechien bis nach Polen erstreckten sich hohe Cirruswolken aus Eiskristallen. Über der Nordsee und der Straße von Dover strömten wabenförmige Kumuluswolken aus Norden ein. Grün markierte flachere Mischwolken brachten kaum oder nur wenig Regen, während gelbliche, hochreichende Wolken mit Eis im oberen Bereich kräftigere Schauer erzeugten.

Wolkentyp-RGB-Komposit aus MTG-Satellitenkanälen über Mitteleuropa am 17. Oktober 2026 um 11 Uhr
Wolkentyp-RGB-Komposit des MTG vom 17. Oktober 2026, 11 Uhr MESZ. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Neben dem Wolkentyp-Komposit stehen weitere RGB-Produkte für spezielle meteorologische Fragestellungen zur Verfügung. Sie ergänzen klassische Satelliten- und Radarbilder, ersetzen aber weiterhin nicht die fachliche Interpretation.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 17.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 17. Oktober 2026. DWD-Text und verwendete DWD-Abbildungen unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit einer Kanaltabelle ergänzt und grammatikalisch korrigiert. Die Abbildungen wurden lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert. Die Erläuterung der Spektralkanäle wurde mit den offiziellen EUMETSAT-Produktangaben abgeglichen.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Wolkentyp-RGB-Komposit-Mitteleuropa-17.-Oktober-2026.png 531 711 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-17 12:00:002026-10-17 19:06:12Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

Es grünt so grün

16. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gelb, Orange, Rot, Braun und noch erstaunlich viel Grün: Die Bäume zeigen sich Mitte Oktober farbenfroh, während viele Blätter weiterhin an den Zweigen hängen. Doch warum verfärbt sich das Laub im Herbst – und wann setzt der Blattfall ein?

Der Blick auf die phänologische Entwicklung 2026 zeigt eine leichte Verzögerung. Die Bäume reagieren dabei nicht allein auf kürzere Tage, sondern ebenso auf die Witterung und insbesondere auf kühle Nächte.

Farbenfrohe Bäume mit gelben, orangefarbenen, roten und grünen Blättern im Goldenen Oktober 2026
Farbenfrohe Bäume im Goldenen Oktober 2026 in Offenbach und Frankfurt am 16. Oktober 2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Warum sich die Blätter verfärben

Die Blattverfärbung wird im Herbst ausgelöst, wenn die Sonne immer niedriger steht, die Tageslänge kürzer wird und vor allem die nächtlichen Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken. Dafür sollte es mehrere sehr kühle Nächte hintereinander geben.

Dann wird der in den grünen Blättern vorherrschende Farbstoff Chlorophyll schneller abgebaut. Der Baum zerlegt ihn in seine Bausteine und transportiert diese in die dicken Äste und den Stamm zurück. Dort werden sie bis zum nächsten Frühjahr eingelagert und anschließend wiederverwendet.

Die Herbstfärbung hängt somit nicht nur von der abnehmenden Tageslänge ab, sondern auch von der aktuellen Witterung.

Die Blattverfärbung ist 2026 leicht verspätet

Für den Herbst 2026 ist eine kleine Verzögerung der Blattverfärbung zu erwarten. Die aktuelle phänologische Uhr des DWD zeigt: Die Leitphase des Spätherbstes, die Blattverfärbung der Stieleiche, ist üblicherweise um den 19. Oktober abgeschlossen. Grundlage ist das Mittel der Jahre 2011 bis 2025; für den Abschluss der Leitphase sind 80 Prozent Meldestand erforderlich.

Am 16. Oktober 2026 war diese Leitphase bei einem Meldestand von 68 Prozent noch nicht vollendet. Bereits der Vollherbst hatte sich um vier Tage verzögert: Statt des üblichen 17. September wurde der entsprechende Stand 2026 erst am 21. September erreicht. Da es bis dahin noch nicht viele kalte Nächte gab, dürfte sich diese Verzögerung ungefähr gehalten haben.

Wann beginnt der Blattfall?

Als Nächstes steht der Blattfall an, der Mitte Oktober 2026 erst sehr eingeschränkt eingesetzt hatte. In der Phänologie kennzeichnet der Blattfall der Stieleiche den beginnenden Winter. Im langjährigen Mittel ist diese Leitphase am 7. November abgeschlossen – ungefähr drei Wochen nach der Blattverfärbung.

Wegen der aktuellen Verzögerung und der bis in die Mittelfrist, also für die Vorhersagetage drei bis zehn, nicht allzu kalten Aussichten erwartet der DWD, dass sich die Verzögerung auch beim Blattfall bemerkbar machen wird.

Die alte Bauernregel „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein“ lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Wie der kommende Winter wird, können die Bäume nicht vorhersagen.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 16.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 16. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Abbildung unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit Zwischenüberschriften versehen und grammatikalisch korrigiert. Die verwendete DWD-Abbildung wurde lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Farbenfrohe-Baeume-im-Goldenen-Oktober-2026.png 1350 2400 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-16 12:00:002026-10-16 19:04:17Es grünt so grün

Kaltfront in Lauerstellung

15. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch FLORIAN zieht nach Osten ab und nimmt das ruhige Herbstwetter mit. Von Freitag, 16. Oktober 2026, an beginnt im Nordwesten eine markante Wetterumstellung: Eine Kaltfront greift auf Mitteleuropa über.

Bis Samstagmorgen dürfte die Front die Mitte Deutschlands erreichen. Während in der Westhälfte Regen erwartet wird, bleibt es im Osten zunächst noch trocken. Für den weiteren Verlauf am Wochenende zeigen die Vorhersagemodelle jedoch unterschiedliche Lösungen.

Orkantief nordöstlich von Island

Auf dem Satellitenbild vom Donnerstag, 15. Oktober 2026, ist ein breites Wolkenband zu erkennen. Es erstreckt sich von den Azoren über Irland, Großbritannien und Norwegen bis ins Nordmeer und gehört zu einem Orkantief nordöstlich von Island. Mit einem Kerndruck von weniger als 960 hPa ist das Tief sehr kräftig ausgeprägt.

Westlich der Front strömt über weite Teile des Nordatlantiks labil geschichtete Kaltluft ein. Sichtbar wird sie an zahlreichen Cumuluswolken, deren Anordnung an einen Streuselkuchen erinnert.

Satellitenbild und Bodendrucklinien über Europa und dem Nordatlantik am 15. Oktober 2026 um 12 UTC
Satellitenbild und Bodendrucklinien am 15. Oktober 2026, 12 UTC (14 MESZ). Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Eine Inversion begrenzt das Wolkenwachstum

Eine weitere auffällige Wolkenstruktur liegt zwischen Litauen und Rumänien sowie zwischen Zentralpolen und der zentralen Ukraine. Hohe, aus Eis bestehende Cirruswolken umschließen dort einen ovalen Bereich mit flachen Wolken. Ursache ist ein südwärts ziehendes Höhentief.

In dessen Bereich hat sich eine Inversion ausgebildet. Bei etwa 750 hPa – ungefähr 2,5 Kilometer über dem Boden – steigt die Temperatur mit zunehmender Höhe vorübergehend an. Diese stabile Schicht begrenzt das weitere Wolkenwachstum. Das ICON-EU-Modellsounding für Nordostpolen zeigt den entsprechenden Höhenbereich blau markiert.

ICON-EU-Modellsounding über Nordostpolen mit markierter Inversion in etwa 2,5 Kilometern Höhe
ICON-EU-Modellsounding über Nordostpolen am 15. Oktober 2026, 12 UTC; die Inversion ist blau markiert. Quelle: DWD, CC BY 4.0.

Die Kaltfront erreicht Mitteleuropa

An dem langgestreckten Frontenzug soll sich ein kleinräumiges Tief namens IRIMA bilden. Für Freitagmittag, 16. Oktober 2026, erwarten die Modelle IRIMA an der Nordspitze Dänemarks. Von dort soll das Tief nach Nordosten weiterziehen. Der südlich anschließende Teil des Frontenzuges kann dadurch als Kaltfront auf Mitteleuropa übergreifen.

Vorhersage der Fronten und des Bodendrucks über Europa am 16. Oktober 2026 um 12 UTC
Vorhersage der Fronten und des Bodendrucks für den 16. Oktober 2026, 12 UTC (14 MESZ). Quelle: DWD, CC BY 4.0.

IFS und ICON zeigen unterschiedliche Regenverteilungen

Bis Samstagmorgen erwarten die Modelle die Front über der Mitte Deutschlands. In der Westhälfte soll Regen fallen, während die Osthälfte zunächst trocken bleibt. Danach driften die Niederschlagsprognosen auseinander.

Das IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage deutet die Entwicklung eines weiteren kleinräumigen Tiefs an der Front über Mitteldeutschland an. Das DWD-Modell ICON lässt die Front dagegen zunächst vergleichsweise glatt nach Südosten ziehen, ohne die Niederschläge über der Mitte oder dem Osten deutlich zu verstärken.

Auch für Sonntag unterscheiden sich die Strömungsmuster in etwa 1,5 Kilometern Höhe. Für die 24 Stunden von Sonntag- bis Montagmorgen berechnet IFS im Westen höchstens rund 5 l/m² Regen, während ICON örtlich mehr als 30 l/m² simuliert. Die Grafik zeigt die 72-stündigen Niederschlagssummen beider Modelle bis Montag, 19. Oktober 2026, 06 UTC. Welches Szenario der späteren Realität am nächsten kommt, war zum Zeitpunkt der DWD-Veröffentlichung noch offen.

Vergleich der 72-stündigen Niederschlagssummen von IFS und ICON-EU bis zum 19. Oktober 2026 um 06 UTC
72-stündige Niederschlagssummen nach IFS (links) und ICON-EU (rechts) bis 19. Oktober 2026, 06 UTC. Quelle: DWD, CC BY 4.0.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 15.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 15. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Grafiken unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit Zwischenüberschriften versehen und relative Zeitangaben durch konkrete Daten präzisiert. Die vier DWD-Grafiken wurden lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Satellitenbild-und-Bodendruck-am-15.-Oktober-2026.png 632 738 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-15 12:00:002026-10-15 19:09:55Kaltfront in Lauerstellung

Verifikation von Wettermodellen – Teil 2

14. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wetterdienste entwickeln ihre Wettermodelle laufend weiter. Ob eine Vorhersage tatsächlich besser geworden ist, lässt sich jedoch nur durch den systematischen Vergleich mit Beobachtungen beurteilen. Diesen Prozess nennt man Verifikation.

Nachdem der erste Teil auf Windinfo kontinuierliche Gütemaße wie MAE, MSE und Korrelation vorgestellt hat, geht es nun um kategorische Vorhersagen: Tritt ein Ereignis ein oder nicht?

Vier Fälle in der Wahrheitsmatrix

Bei einer Ja-Nein-Vorhersage ergeben sich vier mögliche Kombinationen aus Prognose und Beobachtung. Ein angekündigtes und tatsächlich eingetretenes Ereignis ist ein Treffer („Hit“, A). Wird ein Ereignis vorhergesagt, bleibt aber aus, liegt ein Fehlalarm (B) vor. Ein nicht vorhergesagtes, dennoch eingetretenes Ereignis ist ein verpasstes Ereignis (C). Bleibt ein nicht vorhergesagtes Ereignis aus, handelt es sich um ein korrektes Nicht-Ereignis (D).

Wahrheitsmatrix mit Treffern, Fehlalarmen, verpassten Ereignissen und korrekten Nicht-Ereignissen
Wahrheitsmatrix für kategorische Vorhersagen. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), CC BY 4.0.

Warum eine hohe Trefferquote täuschen kann

Aus der Wahrheitsmatrix lassen sich verschiedene Gütemaße berechnen. Die Accuracy (Genauigkeit) setzt alle korrekten Vorhersagen ins Verhältnis zu sämtlichen betrachteten Fällen: (A + D) / (A + B + C + D).

Allein reicht diese Kennzahl nicht aus. Bei einem sehr seltenen Ereignis – etwa einer Lufttemperatur von 41 °C – könnte ein Modell stets „nein“ vorhersagen und trotzdem eine Trefferquote nahe eins erreichen. Einen echten Mehrwert hätte diese Prognose nicht, weil sie das seltene Ereignis niemals erkennt. Deshalb sollten stets mehrere Gütemaße gemeinsam betrachtet werden.

POD und Fehlalarme

  • Probability of Detection (POD): Der Anteil der tatsächlich eingetretenen Ereignisse, die korrekt vorhergesagt wurden: A / (A + C). Sagt ein Modell stets „nein“, ist A gleich null und damit auch die POD.
  • False Alarm Ratio (FAR): Der Anteil der Fehlalarme an allen Ja-Vorhersagen: B / (A + B). Wer ein Ereignis zu häufig ankündigt, kann zwar die POD erhöhen, verschlechtert damit aber in der Regel die FAR.

Redaktionelle Präzisierung: Die Bezeichnungen False Alarm Ratio und False Alarm Rate sind nicht identisch. Ein klassisches ROC-Diagramm trägt auf der x-Achse die False Alarm Rate B / (B + D) und auf der y-Achse die Trefferquote beziehungsweise POD auf. Dies entspricht der Verifikationsdokumentation des ECMWF. Der DWD-Originaltext bezeichnete die x-Achse irrtümlich als False Alarm Ratio.

Auch Wetterwarnungen lassen sich verifizieren

Das Verfahren lässt sich auf amtliche Wetterwarnungen übertragen. Dann lautet die zentrale Frage, ob eine bestimmte Warnschwelle in einem Gebiet überschritten wurde. Im Nachgang können die ausgegebene Warnung und die gemessenen Werte miteinander verglichen werden.

Offen bleibt die Bewertung von Wahrscheinlichkeitsvorhersagen wie „Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 70 %“. Dafür genügt die binäre Wahrheitsmatrix allein nicht; probabilistische Vorhersagen erfordern andere Methoden. Dieses Thema soll zu einem späteren Zeitpunkt vertieft werden.

Autor der DWD-Originalfassung:
M.Sc. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 14.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 14. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Grafik unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit Zwischenüberschriften versehen und bei der Abgrenzung von False Alarm Ratio und False Alarm Rate fachlich präzisiert. Die DWD-Grafik wurde lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Wahrheitsmatrix-zur-Verifikation-von-Wettermodellen.png 124 617 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-14 12:00:002026-10-14 19:12:29Verifikation von Wettermodellen – Teil 2

Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 2

13. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Was geschieht, wenn in einer außergewöhnlich aktiven Hurrikansaison alle Namen der regulären Liste vergeben sind? Der zweite Teil zur Benennung tropischer Wirbelstürme erklärt die Ersatzlisten, das frühere griechische System und den Umgang mit besonders folgenreichen Sturmnamen.

Die Regeln unterscheiden sich je nach Meeresgebiet. Im Atlantik und im östlichen Nordpazifik stehen heute ergänzende Namenslisten bereit. Der zentrale Nordpazifik arbeitet dagegen seine vier Listen ohne Bindung an ein Kalenderjahr fortlaufend ab.

Wenn das Alphabet nicht ausreicht

Die sechs regulären Namenslisten für den Atlantik enthalten jeweils 21 Namen, die Listen für den östlichen Nordpazifik je 24. Nur äußerst selten reicht eine solche Jahresliste nicht aus. Im Atlantik geschah das bislang 2005 und 2020.

Für 2005 weist die offizielle Nachanalyse 28 tropische und subtropische Stürme aus: 27 benannte tropische Stürme sowie einen erst nachträglich identifizierten, unbenannten subtropischen Sturm. Nachdem die reguläre Liste erschöpft war, erhielten die folgenden Systeme Namen aus dem griechischen Alphabet. In der Rekordsaison 2020 wurden insgesamt 30 Stürme benannt; neun davon trugen griechische Buchstaben von Alpha bis Iota.

Seit 2021 ersetzen Ergänzungslisten das griechische Alphabet

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) entschied 2021, das griechische Alphabet künftig nicht mehr zu verwenden. Einige Buchstaben klingen ähnlich und können dadurch die verständliche Kommunikation von Gefahren erschweren. Außerdem lässt sich ein einzelner Buchstabe nach einem besonders verheerenden Sturm nicht so unkompliziert ersetzen wie ein Name.

Seither gibt es für den Atlantik und den östlichen Nordpazifik jeweils eine alphabetisch geordnete Ergänzungsliste. Sie kommt zum Einsatz, wenn alle Namen der regulären Liste einer Saison vergeben sind.

Besonders folgenschwere Namen werden gestrichen

Verursacht ein tropischer Wirbelsturm außergewöhnlich viele Todesopfer oder sehr große Schäden, kann sein Name auf Antrag eines betroffenen Mitgliedstaates aus der rotierenden Liste gestrichen und durch einen neuen ersetzt werden. So wird es beispielsweise keinen weiteren Atlantik-Hurrikan namens Katrina geben. Auch Eta und Iota aus der Saison 2020 wurden von der WMO wegen ihrer verheerenden Folgen als Namen zurückgezogen.

Satellitenaufnahme des Hurrikans Katrina über dem Golf von Mexiko am 28. August 2005.
Hurrikan „Katrina“ am 28. August 2005 über dem Golf von Mexiko. Quelle: NASA Earth Observatory / MODIS Rapid Response Team, NASA GSFC. Lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert.

Besonderheit im östlichen Nordpazifik

Im östlichen Nordpazifik musste die Ergänzungsliste bislang noch nicht verwendet werden. Die regulären Listen wurden jedoch 1985 erweitert. Zuvor endeten sie wie im Atlantik vor den Buchstaben X, Y und Z. Nachdem die damalige Liste an ihre Grenze gelangt war, kamen Xina, York und Zelda hinzu.

Diese drei Namen wechseln jährlich mit Xavier, Yolanda und Zeke. Während die übrigen Namen der sechs Jahreslisten im Sechsjahresrhythmus wiederkehren, erscheinen die Namen mit X, Y und Z daher alle zwei Jahre.

Der Zentralpazifik wechselt einfach zur nächsten Liste

Im zentralen Nordpazifik gelten andere Regeln. Dort stehen vier Listen mit jeweils zwölf hawaiianischen Namen zur Verfügung. Ist eine Liste aufgebraucht, wird ohne Neustart zum Jahreswechsel mit dem nächsten Namen der folgenden Liste fortgefahren. Eine eigene Ergänzungsliste ist deshalb nicht erforderlich.

Namenslisten und gestrichene Namen

Das National Hurricane Center führt eine Übersicht der gestrichenen Namen. Die aktuellen Namenslisten für Atlantik und Pazifik sind dort ebenfalls abrufbar. Die Grundlagen der Benennung, die regulären Listen und den Saisonstand vom 12. Oktober 2026 erklärt Teil 1 auf Windinfo.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 13.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 13. Oktober 2026. DWD-Text unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft und mit Zwischenüberschriften versehen. Die Angabe zur Saison 2005 wurde anhand der offiziellen NOAA/NHC-Nachanalyse präzisiert: 28 Stürme, davon 27 benannte tropische Stürme und ein unbenannter subtropischer Sturm. Das NASA-Bild wurde aus der NASA-Earth-Observatory-Sammlung übernommen, lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert; Bildcredit: NASA Earth Observatory / MODIS Rapid Response Team, NASA GSFC.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Hurrikan-Katrina-am-28.-August-2005-scaled.jpg 2560 1984 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-13 12:00:002026-10-13 19:11:41Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 2

Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 1

12. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während die Namensliste für tropische Wirbelstürme über dem östlichen Nordpazifik 2026 bereits weit fortgeschritten ist, bietet die Liste für den Atlantik noch deutlich mehr Spielraum. Das heutige Thema des Tages erklärt, wie die Sturmnamen vergeben werden und warum sich die Regeln je nach Meeresgebiet unterscheiden.

Namen erleichtern es Wetterdiensten, Medien und Bevölkerung, mehrere gleichzeitig aktive Stürme eindeutig auseinanderzuhalten. Aus den zunächst informell verwendeten Bezeichnungen entwickelte sich ein international geregeltes System unter dem Dach der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Warum tropische Wirbelstürme Namen erhalten

Auch Hoch- und Tiefdruckgebiete über Europa tragen Namen. In Deutschland geht diese Tradition auf Karla Wege zurück, die 1954 am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin arbeitete. Tropische Wirbelstürme wurden jedoch schon früher benannt: Während des Zweiten Weltkriegs verbreitete sich die Praxis besonders unter Meteorologen von US-Armee und US-Marine, die Stürme über den weiten Flächen des Pazifiks verfolgen mussten.

Die Namen machten Lagebesprechungen und Warnmeldungen übersichtlicher. Das war vor allem wichtig, wenn mehrere Wirbelstürme gleichzeitig auftraten. 1953 begannen die Vereinigten Staaten, tropische Stürme im Atlantik mit Frauennamen zu benennen. Seit 1978 werden im östlichen Nordpazifik und seit 1979 auch im Atlantik abwechselnd männliche und weibliche Vornamen verwendet.

Wann ein Sturm einen Namen bekommt

Ein tropisches Tief erhält einen Namen, sobald es die Stärke eines tropischen Sturms erreicht. Nach der Definition des National Hurricane Center liegt dessen anhaltende mittlere Windgeschwindigkeit bei 34 bis 63 Knoten, entsprechend etwa 63 bis 118 km/h. Ab 64 Knoten beziehungsweise 119 km/h wird ein solcher Wirbelsturm im Atlantik sowie im östlichen und zentralen Nordpazifik als Hurrikan eingestuft. Im westlichen Nordpazifik heißt ein gleich starkes System Taifun.

Sechs Listen für Atlantik und östlichen Nordpazifik

Die Namen werden nicht spontan vergeben. Für den Atlantik und den östlichen Nordpazifik stellt die WMO sechs Listen bereit. Jedes Jahr kommt eine andere Liste zum Einsatz; nach sechs Jahren beginnt der Turnus erneut. Besonders folgenschwere Namen können aus der Liste gestrichen und ersetzt werden.

Die Atlantiklisten enthalten jeweils 21 Namen. Die Buchstaben Q, U, X, Y und Z bleiben aus, weil sich für alle sechs Listen nicht genügend leicht verständliche Namen finden lassen. Im östlichen Nordpazifik umfasst jede Jahresliste 24 Namen; dort werden Q und U ausgelassen. Reicht eine reguläre Liste in einer außergewöhnlich aktiven Saison nicht aus, stehen ergänzende Namenslisten bereit.

Der Zentralpazifik folgt einem eigenen System

Für den zentralen Nordpazifik zwischen 140 Grad westlicher Länge und der Datumsgrenze ist das Central Pacific Hurricane Center in Honolulu zuständig. Dort gibt es vier Listen mit jeweils zwölf hawaiianischen Namen. Sie sind nicht an Kalenderjahre gebunden, sondern werden fortlaufend abgearbeitet. Deshalb begann die Saison 2026 in diesem Gebiet nicht mit einem A-Namen, sondern mit Lala in der ersten Liste.

Tabelle der bis 12. Oktober 2026 vergebenen und noch möglichen Namen tropischer Wirbelstürme im Atlantik sowie im östlichen und zentralen Nordpazifik.
Bisher vergebene und noch mögliche Namen tropischer Wirbelstürme im Jahr 2026, Stand 12.10.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst nach NHC. DWD-Inhalt unter CC BY 4.0; lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert, inhaltlich unverändert.

Stand der Saison am 12. Oktober 2026

Am 12. Oktober 2026 war die Atlantikliste beim Buchstaben I und dem Hurrikan Isaias angelangt. Im östlichen Nordpazifik war mit Simon bereits der Buchstabe S erreicht, im zentralen Nordpazifik mit Nolo der Buchstabe N.

Gebiet Zuletzt vergebener Name Nächster vorgesehener Name
Atlantik Isaias Josephine
Östlicher Nordpazifik Simon Trudy
Zentraler Nordpazifik Nolo Olana

Die vollständigen und jeweils aktuellen Listen veröffentlicht das National Hurricane Center. Hintergrundinformationen zur internationalen Benennung und zum Streichen besonders folgenreicher Namen bietet die Weltorganisation für Meteorologie.

Welche Besonderheiten bei den Listen gelten und was geschieht, wenn das Alphabet in einer sehr aktiven Saison nicht ausreicht, behandelt der zweite Teil.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 12.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 12. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Grafik unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert und sprachlich gestrafft; die Schwellenwerte für tropische Stürme und Hurrikane sowie die historische Zuordnung der frühen Benennungspraxis wurden anhand offizieller NHC-Angaben präzisiert. Die Grafik wurde lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert; ihr Inhalt blieb unverändert.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Namenslisten-tropischer-Wirbelstuerme-2026.jpg 589 1027 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-12 12:00:002026-10-12 19:04:34Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 1

Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

11. Oktober 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das heutige Thema des Tages widmet sich der Entwicklung der Telegraphie. Mit ihr ließen sich meteorologische Beobachtungen erstmals schnell über große Entfernungen übermitteln – eine entscheidende Voraussetzung für Wetterkarten, Sturmwarnungen und moderne Wetterdienste.

Nach der Erforschung höherer Atmosphärenschichten mit Drachen und Ballonen richtet sich der Blick nun auf die technische Vernetzung der Messstationen. Persönlichkeiten aus Physik, Elektrotechnik, Astronomie und Meteorologie trugen dazu bei, regionale Messnetze im 19. Jahrhundert schrittweise zu nationalen und internationalen Beobachtungssystemen auszubauen.

Frühe elektrische Telegraphen

Die Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) und Wilhelm Weber (1804−1891) konstruierten 1833 in Göttingen einen elektromagnetischen Telegraphen. Zwei Kupferdrähte über den Dächern der Stadt verbanden das Physikalische Institut mit dem magnetischen Observatorium der Sternwarte.

Schon zuvor hatte der russische Orientalist, Offizier und Erfinder Paul Ludwig Schilling von Cannstatt, auch Pawel Lwowitsch Schilling von Cannstatt (1786−1837), an elektrischer Nachrichtenübertragung gearbeitet. Nach frühen Versuchen im Jahr 1809 entwickelte er 1832 einen Apparat, der Buchstaben und Ziffern darstellen konnte. 1835 präsentierte er einen verbesserten Nadeltelegraphen; 1836 gelang ihm eine Übertragung über eine rund zehn Kilometer lange Unterwasserleitung. Eine geplante Verbindung zwischen Kronstadt, Oranienbaum und Schloss Peterhof wurde nach seinem Tod nicht mehr verwirklicht.

Der britische Meteorologe und Erfinder Francis Ronalds (1788−1873) errichtete 1816 einen elektrostatischen Telegraphen. Ab 1843 leitete er das Observatorium Kew in London. Dort arbeitete er außerdem an fotografischen Registrierverfahren, mit denen zeitliche Abläufe meteorologischer Erscheinungen – besonders der atmosphärischen Elektrizität – automatisch aufgezeichnet werden konnten.

Bestandteile des unterirdischen elektrischen Telegraphen von Francis Ronalds aus dem Jahr 1816.
Bestandteile des unterirdischen elektrischen Telegraphen von Francis Ronalds, 1816. Quelle: Francis Ronalds, Descriptions of an Electrical Telegraph and of some other Electrical Apparatus (1823), über Wikimedia Commons; Public Domain Mark 1.0. Lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert; Inhalt unverändert.

Samuel Morse und ein internationaler Standard

Der US-amerikanische Künstler und Erfinder Samuel Morse (1791−1872) begann in den 1830er-Jahren mit Prototypen eines elektrischen Telegraphen. Seine erste öffentliche Vorführung fand 1837 statt. Der zunächst verwendete amerikanische Morsecode wandelte Buchstaben in Zeichenfolgen um. Mit finanzieller Unterstützung des US-Kongresses entstand später eine 61 Kilometer lange Versuchsstrecke zwischen Washington, D. C., und Baltimore. Am 24. Mai 1844 wurde sie mit der Nachricht „What hath God wrought?“ in Betrieb genommen.

1851 setzte sich Morses System – mit Ausnahme Großbritanniens, wo zunächst die Telegraphen von Cooke und Wheatstone bevorzugt wurden – als europäischer Standard durch. Morses Patente blieben umstritten; der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschied 1854 im Verfahren O’Reilly v. Morse teilweise zu seinen Gunsten, begrenzte aber zugleich einen besonders weit gefassten Patentanspruch. 1865 nahm die neu gegründete Internationale Telegraphenunion eine weiterentwickelte Form des Codes als internationalen Standard an.

Morse war selbst nicht als Meteorologe tätig. Sein Telegraph veränderte die Meteorologie dennoch grundlegend: Aktuelle Beobachtungen konnten zentral gesammelt, auf Wetterkarten eingetragen und für die Analyse von Wettersystemen sowie erste Vorhersagen genutzt werden. In Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten entstanden zentrale Wetterdienste, sobald Wettertelegramme in den späten 1840er- und 1850er-Jahren praktisch verfügbar wurden.

Joseph Henry und das amerikanische Wettertelegraphennetz

Der US-amerikanische Physiker und Wissenschaftsorganisator Joseph Henry (1797−1878) gilt als einer der Wegbereiter des US-amerikanischen Wetterdienstes. Nach ihm ist die SI-Einheit der Induktivität benannt. Schon als Professor in Albany sammelte er landesweite Wetterbeobachtungen. Später untersuchte er in Princeton Blitze, Sturmverläufe und atmosphärische Physik.

1846 wurde Henry erster Sekretär der neu gegründeten Smithsonian Institution. Bereits im folgenden Jahr forderte er ein umfassendes meteorologisches Beobachtungssystem und erkannte, dass der elektrische Telegraph dabei eine Schlüsselrolle spielen würde. Bis 1849 entstand ein Netzwerk von etwa 150 ehrenamtlichen Beobachtern. Telegraphengesellschaften übermittelten Wetterdaten unentgeltlich an die Smithsonian Institution, die als wissenschaftliches und organisatorisches Zentrum fungierte.

Die Beobachter erfassten mehrmals täglich Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Wind, Bewölkung und Niederschlag. Auch Gewitter, Hurrikane, Tornados, Erdbeben, Meteore und Polarlichter wurden dokumentiert. Aus den Meldungen entstand eine große tägliche Wetterkarte, die 1856 erstmals öffentlich im Smithsonian-Gebäude in Washington gezeigt wurde. Farbige Scheiben kennzeichneten Schnee, Regen, Bewölkung oder heiteres Wetter; Pfeile zeigten die Windrichtung.

Henry erprobte die Karte auch für Vorhersagen, setzte sich für Sturmwarnungen ein und lieferte Meldungen an die Zeitung Washington Evening Star. Um 1860 umfasste das Netzwerk mehr als 600 freiwillige Beobachter in den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, der Karibik und Lateinamerika. Der Mathematiker und Meteorologe James Henry Coffin (1806−1873) wertete die umfangreichen Berichte aus und veröffentlichte 1861 den ersten von zwei Bänden mit Klima- und Sturmbeobachtungen aus den Jahren 1854 bis 1859.

Der Amerikanische Bürgerkrieg beeinträchtigte das Netz schwer. Nach dem Krieg drängte Henry die Bundesregierung erneut zur Einrichtung eines nationalen Wetterdienstes. 1870 übertrug der Kongress Sturmwarnungen und Wettervorhersagen an den Signal Service der US-Armee. 1891 gingen dessen meteorologische Aufgaben auf das neu gegründete US Weather Bureau über.

Kupffer und das russische Beobachtungsnetz

Der deutschbaltische Mathematiker und Physiker Adolph Theodor Kupffer (1799−1865) organisierte in Russland meteorologische und magnetische Beobachtungen. Nach einer Professur an der Universität Kasan wurde er 1828 Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. In engem wissenschaftlichem Austausch mit Alexander von Humboldt arbeitete er am Aufbau eines russischen Stationsnetzes; 1835 nahm das erste gemeinsame Netz magnetischer und meteorologischer Stationen seine Arbeit auf.

1849 entstand in Sankt Petersburg das Hauptgeophysikalische Observatorium als zentrale Stelle für Betrieb, Sammlung und wissenschaftliche Auswertung. Kupffer wurde dessen erster Direktor. Er förderte den internationalen Datenaustausch und ließ zweimal wöchentlich Wetter- und Eisverhältnisse aus dem Finnischen Meerbusen nach Hamburg melden. 1864 richtete er ein telegraphisches Meldesystem aus neun russischen und zwei ausländischen Stationen ein.

Kupffer sah die Atmosphäre als zusammenhängendes globales Forschungsfeld. Er hoffte, die Beziehungen zwischen Luftdruck, Feuchtigkeit, Wolken, Niederschlag und Wind eines Tages so gut zu verstehen, dass sich die Dauer meteorologischer Erscheinungen im Voraus berechnen ließe. Damit formulierte er früh einen Gedanken, der in Richtung numerischer Wettervorhersage weist.

Cooke, Wheatstone und Alter

Der britische Elektrotechniker William Fothergill Cooke (1806−1879) erkannte 1836 den Nutzen drahtgebundener Nachrichtenübertragung für den Eisenbahnbetrieb. Gemeinsam mit dem Physiker Charles Wheatstone (1802−1875) entwickelte er Nadel- und Zeigertelegraphen. Beim Zeigertelegraphen bewegten Stromimpulse einen Zeiger zu den einzelnen Buchstaben und Ziffern. Das System verbreitete sich in Großbritannien, wurde später jedoch weitgehend von der Morsetelegraphie verdrängt.

Auch der US-amerikanische Erfinder David Alter (1807−1881) entwickelte unabhängig von Morse und Wheatstone 1836 einen elektrischen Telegraphen. Sein System arbeitete mit sieben Drähten, deren Strom eine Nadel auf einer Scheibe auslenkte. Alter übermittelte damit Nachrichten zwischen seiner Werkstatt und seinem Wohnhaus in Elderton, Pennsylvania. Bekannt wurde er außerdem durch Arbeiten zur Spektralanalyse.

Urbain Le Verrier und der französische Wetterdienst

Der französische Astronom Urbain Le Verrier (1811−1877), bekannt durch die rechnerische Vorhersage des Planeten Neptun, setzte sich Anfang der 1850er-Jahre für einen zentralen französischen Wetterdienst ein. Ein nationaler Dienst brauchte aktuelle Daten aus einem Beobachtungsnetz – und damit den elektrischen Telegraphen.

Nach einem schweren Sturm bei Sewastopol am 14. November 1854 untersuchte Le Verrier die Wetterentwicklung über Europa vom 12. bis 16. November. Er konnte die Zugbahn des Sturms nachträglich rekonstruieren und folgerte, dass eine rechtzeitige Warnung mit einem Netz aus Wettertelegrammen möglich gewesen wäre. Am 16. Februar 1855 schlug er Kaiser Napoleon III. den Aufbau eines solchen Netzes vor. Einen Tag zuvor war die Fregatte La Sémillante vor der südfranzösischen Küste in einem Sturm untergegangen; mehr als 600 Menschen kamen ums Leben. Das Projekt wurde am 17. Februar genehmigt.

Aus französischen Hafenstationen entwickelte sich rasch ein größeres, bald internationales Beobachtungsnetz. 1856 umfasste es 24 Stationen. Ab dem 2. November 1857 erschienen die täglich telegraphisch übermittelten Beobachtungen im Bulletin international de l’Observatoire de Paris. Am 7. September 1863 veröffentlichte das Bulletin eine der frühen europäischen Wetterkarten auf Grundlage französischer Meldungen und der Daten von etwa 50 ausländischen Stationen.

Le Verrier arbeitete rund zwei Jahrzehnte am Aufbau des französischen Dienstes. Kurz vor seinem Tod entstanden meteorologische Warnangebote für Häfen und Landwirtschaft. 1878 wurde die meteorologische Abteilung des Pariser Observatoriums als Bureau central météorologique eigenständig. Es war ein Vorläufer des heutigen Météo-France.

Vom Einzelwert zum synoptischen Wetterbild

Die Telegraphie machte aus einzelnen Beobachtungen ein zeitnahes räumliches Bild der Atmosphäre. Messwerte, die zuvor erst Tage oder Wochen später eintrafen, konnten nun in Stunden zusammengeführt werden. So entstanden Wetterkarten, organisierte Sturmwarnungen und die Grundlagen staatlicher Wetterdienste. Die technische Vernetzung wurde damit ebenso wichtig wie die meteorologischen Instrumente selbst.

Die Serie „Geschichte der Meteorologie“ wird fortgesetzt. Der nächste Teil befasst sich mit Persönlichkeiten der Physik des 19. Jahrhunderts, deren Arbeiten auch für die Meteorologie von großer Bedeutung waren und sind.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 11.10.2026

Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 11. Oktober 2026. DWD-Text unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert und sprachlich gestrafft; ein chronologischer Widerspruch bei Schilling/Gauß/Weber, das Datum der US-Gerichtsentscheidung zu Morse sowie missverständliche historische Zuordnungen wurden korrigiert. Das verwendete historische Bild ist gemeinfrei; es wurde lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert.

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