Urlaubswetter in Europa

Ein Wechsel aus kurzen freundlichen Phasen und teils kräftigen Schauern und Gewittern mit lokalen Unwettern, so gestaltete sich der Sommer 2024 bisher. Und auch in den nächsten Tagen hält dieser Trend an. Nach einem recht turbulenten Mittwoch mit Schauern und teils kräftigen Gewittern erwartet uns zum Wochenende eine Wetterzweiteilung. Während es im Süden meist freundlich und sommerlich bis hochsommerlich warm ist, geht im Norden das wechselhafte und nur mäßig warme Wetter weiter. Und auch die kommende Woche zeigt nach jetzigem Stand ein altbekanntes Muster. Nach einem kurzen Hitzehöhepunkt zu Beginn der Woche deutet sich ab der Wochenmitte eine deutliche Abkühlung an. Längeres beständiges Sommerwetter oder aber auch große langanhaltende Hitze scheint es in diesem Sommer nicht geben zu wollen.

DWD Urlaubswetter in Europa

Ganz anders sieht es aktuell im Mittelmeerraum aus. Der Hitzeschwerpunkt liegt dabei vorerst auf der iberischen Halbinsel. Dort zeigt das Thermometer in den nächsten Tagen häufig um 40 Grad an. Etwas kühler ist es in Spanien und Portugal lediglich entlang der Atlantikküste. Im weiteren Verlauf verlagert sich der Hitzeschwerpunkt allmählich vom westlichen in den zentralen und Anfang nächster Woche zunehmend auch in den östlichen Mittelmeerraum. Grund dafür ist ein ausgeprägter, welcher sich im Verlauf der Woche von Südspanien bis in das zentrale Südosteuropa ausbreitet.
Unter diesem kräftigen Höhenrücken bildet sich auch am Erdboden ein Hochdruckgebiet aus. Durch das Absinken der Luft innerhalb des Druckgebildes und der positiven Strahlungsbilanz kann sich die Luftmasse stark erwärmen. Damit werden in Südosteuropa Anfang nächster Woche teils erneut Temperaturen von über 40 Grad erwartet.

DWD Urlaubswetter in Europa 1

Diese Region wurde bereits im Juni und Juli von intensiven Hitzewellen mit Temperaturen von teils über 40 Grad erfasst. Aufgrund der langanhaltenden Hitze und ausbleibenden Niederschläge sind dort in der Region mehrere Waldbrände ausgebrochen.

DWD Urlaubswetter in Europa 2

Grund für die große Häufigkeit an Hitzewellen in diesem Sommer in Teilen von Südosteuropa ist eine immer wiederkehrende Wetterlage. Dabei befindet sich ein persistenter über West und teils auch über Mitteleuropa. Gleichzeitig dehnt sich ein Höhenrücken über dem zentralen und östlichen Mittelmeerraum nach Norden aus. Dabei strömen heiße Luftmassen von Nordafrika über den zentralen Mittelmeerraum nach Nordosten. Eine ähnliche Konstellation ist auch nächste Woche vorherrschend, sodass dort erneut eine Hitzewelle zu erwarten ist.

DWD Urlaubswetter in Europa 3

Wer sich dagegen wechselhaftes und gleichzeitig herbstlich kühles Wetter wünscht und sich nach einer richtigen Abkühlung sehnt, dem empfiehlt sich die Nordmeerinsel Island. Dort kommen die Temperaturen in den nächsten Tagen und auch in der nächsten Woche nicht über 10 bis 15 Grad hinaus.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Historische Wetterkarten Teil 1 – Internationaler Dekadenbericht

Im Jahr 1900 startete die Deutsche Seewarte an den Landungsbrücken in Hamburg mit der Herausgabe des Internationalen Dekadenberichts. Wir werfen heute einen Blick auf die Ausgabe Nummer 1 aus Jahrgang 1. Doch bevor wir uns diesem Schriftstück widmen, ein kleiner Rückblick auf das letzte Jahr des 19. Jahrhunderts. Damals wie auch im Sommer 2024 blickte die Welt nach Paris. Nicht nur fanden dort im Jahr 1900 über 5 Monate hinweg die 2. Olympischen Spiele der Neuzeit statt, von April bis November öffnete in der französischen Hauptstadt die Weltausstellung ihre Tore. Zu bestaunen gab es damals unter anderem die Rolltreppe, den Tonfilm oder den Dieselmotor. Fortbewegen konnte man sich erstmals mit der Pariser Metro. Der 8. September 1900 ist dagegen mit einem tragischen Ereignis verknüpft. Ein Hurrikan der zweithöchsten Kategorie Vier traf auf die texanische Küstenstadt Galveston und zerst

örte sie zu großen Teilen. Geschätzt 8.000 Menschen, ein Fünftel der damaligen Einwohner, starben an den Folgen des Hurrikans.

Doch nun zum Schriftstück des heutigen Tages. Der erste Teil des Berichts (Bild 1) widmet sich im oberen Teil der Seite der mittleren Druckverteilung und der Temperaturabweichung in einem Gebiet, das sich etwa vom Ural im Osten bis an die Westküste Nordamerikas erstreckt. Zu sehen sind Gebiete mit über-, normaler und unterdurchschnittlicher Temperatur. Zudem sind die Linien gleichen Luftdrucks, die Isobaren, eingezeichnet. Die Werte mögen auf den ersten Blick irritieren, sind wir heute doch Zahlen zwischen 960 und 1060 hPa gewöhnt. Auf der Karte stehen jedoch Werte nahe 760. Gemeint sind 760 mm Höhe und zwar die Höhe der Quecksilbersäule eines gleichnamigen Barometers. Über Jahrhunderte wurde der Luftdruck nämlich über sogenannte Quecksilber-Barometer bestimmt. Auf Meeresniveau führt der Luftdruck in einem Quecksilberthermometer zu einer Quecksilbersäule mit einer Höhe von 760 mm. Dies entspricht einem Druck von 1013,2 hPa. Die Isobarenabstände von 5 mm entsprechen somit etwa 6,7 hPa Unterschied. Anfang Juli 1900 war das Azorenhoch demnach gut ausgeprägt und im Deutschen Kaiserreich herrschte eine kühle Witterung.

DWD Historische Wetterkarten Teil 1 Internationaler Dekadenbericht

Doch wie kamen die „Wetterfrösche“ damals ohne Wettermodelle und Satelliten zu ihrer Erkenntnis? Auf dem unteren Teil der Seite 1 sind Beobachtungen deutscher Dampfschiffe auf ihrem Weg zwischen dem Ärmelkanal und Nordamerika oder in der Gegenrichtung verzeichnet. Die Schiffbeobachtungen beinhalten als obere Zahl den Luftdruck und als untere eingeklammerte Zahl die Wassertemperatur und als Windfieder die Windrichtung und -geschwindigkeit. Jedes Schiff meldete dabei täglich nicht nur diese Werte, sondern auch seine Position. Anhand der Grafik lassen sich somit nicht nur die Druckverläufe auf einem Schiff, sondern auch der Druck auf einem bestimmten Längengrad im Verlauf der Zeit ablesen. Beispiel: Die „Kaiser Maria Theresia“ verließ am 5. Juli den Ärmelkanal nach Westen bei einem Druck von 968 mm und einer Wassertemperatur von 16 Grad Celsius. Bis zum 10. Juli kam sie auf 60 Grad westlicher Breite voran. Dort meldete sie einen Druck von 959 mm und eine Wassertemperatur von 20 Grad und einem kräftigen südsüdwestlichen Wind. Die typischen Dampferrouten jener Zeit findet man auf der oberen Grafik als gepunktete (15.08 bis 14.01.) bzw. gestrichelte Linie (15.01. bis 14.08.). Die unterschiedliche Routenführung je nach Jahreszeit ist der Ausdehnung möglicher Eisberge geschuldet. Eine Erklärung des damaligen Verfassers zur Grafik der Schiffsbeobachtungen finden sich auf Seite 2 (Bild 2) unten.

Auf Seite 2 gibt es aber nicht nur eine Erklärung zu sehen, es gibt auch eine umfangreiche Tabelle mit Werten zum Luftdruck, der Temperatur und des Niederschlags in der ersten Julidekade zahlreicher Städte. Die Städte reichen dabei mit San Francisco an der US-amerikanischen Westküste über das anfangs erwähnte Galveston am Golf von Mexiko und das beschauliche Keitum auf Sylt bis zu Vladivostok im Osten Russlands am Japanischen Meer. Aufgetragen sind jeweils der beobachtete Wert und der Normalwert von Luftdruck, Temperatur und Niederschlag. Zu erkennen ist beispielsweise die kühle Witterung in Mitteleuropa und überdurchschnittlich warmes Wetter am Schwarzen Meer (Odessa).

DWD Historische Wetterkarten Teil 1 Internationaler Dekadenbericht 1

Die gezeigten Grafiken und noch viele weitere Veröffentlichungen unterschiedlichen Alters finden Sie frei zugänglich in der digitalen Literatursammlung des DWD, kurz: DWDbib:

MSc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2024
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Hitze und Unterwäsche

Der gestrige Sonntag war temperaturtechnisch eher auf der gemäßigten Seite. In den meisten Regionen blieben die Maxima unter 25 Grad. Lediglich im Süden und teils auch im Osten gab es einen Sommertag. Die Tage zuvor waren jedoch verbreitet sommerlich, teils sogar heiß mit Höchstwerten jenseits der 30 Grad. Gebietsweise wurden in der vergangenen Woche Warnungen vor starker, teils auch vor extremer Wärmebelastung ausgegeben. Und nun steigt die Temperatur in dieser Woche wieder deutlich an.

DWD Hitze und Unterwaesche

Tiefdruckgebiet NICOLE, mit Zentrum vor Island, führt mit südwestlicher Strömung wieder deutlich wärmere Luft zu uns. Hochdruckgebiet KAI, derzeit mit Zentrum über Deutschland, sorgt für eine Abtrocknung der Luftmasse und zunehmende Sonnenanteile.

DWD Hitze und Unterwaesche

Vor allem am Dienstag und Mittwoch sind verbreitet Höchstwerte zwischen 25 und 28 Grad zu erwarten, teilweise werden über 30 Grad erwartet. Für den morgen Dienstag gibt es bereits Warnungen vor starker Wärmebelastung im Südwesten. Am Donnerstag kühlt es etwas ab, vor allem im Norden und Nordwesten. In der Südhälfte bleibt es aber auch in der zweiten Wochenhälfte sommerlich warm. Zeit, sich Gedanken um kühlende Unterwäsche zu machen.

Die meisten tragen Unterwäsche aus Baumwolle. Sie ist natürlichen Ursprungs und riecht nicht so unangenehm wie viele Kunstfasern. Sie saugt Feuchtigkeit praktisch im Nu auf. Das ist ein Vorteil, denn auf Oberhemden werden so Schweißflecken vermieden oder deren Sichtbarkeit zumindest verzögert. Allerdings kann es sich auch als Nachteil entpuppen, denn das mit Feuchtigkeit vollgesogene Baumwollteil kann am Körper kleben und für ein unangenehmes Trageempfinden sorgen. Es fehlt die Luftzirkulation, die die Feuchtigkeit verdunsten könnte.

Leichter und dünner ist Unterwäsche aus Seide. Auch sie ist natürlichen Ursprungs. Der glatte Stoff sorgt dafür, dass er nicht kleben bleibt, die Haut atmen kann und die Luft zwischen Haut und Unterwäsche zirkuliert. Schweiß wird so auf der Haut getrocknet, was einen kühlenden Effekt hat.

In wärmeren Gegenden auf der Erde setzt man auf natürliches Leinen. Nicht nur als Unterwäsche. Der Stoff bleibt auch bei hoher Luftfeuchtigkeit trocken. Auch er klebt nicht auf der Haut, lässt sie also atmen, Feuchtigkeit kann verdunsten und es entsteht ein kühles Gefühl.

Sportler kennen sie bereits: Funktionsunterwäsche. Sie wird aus Kunstfasern hergestellt und meist mit Naturfaser gemischt. Sie ist atmungsaktiv, nimmt etwas Feuchtigkeit auf, leitet sie aber auch ab und sorgt durch Verdunstung wieder für einen kühlenden Effekt.

Der kühlende Effekt beruht auf der Verdunstungsabkühlung. Der Schweiß verdunstet auf der Haut, geht also vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über. Für diesen Phasenübergang wird Energie benötigt, die der verbleibenden Flüssigkeit in Form von Wärme entzogen wird. Zurück bleibt kühlere Flüssigkeit auf der Haut und die sorgt für Abkühlung.

Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten, sich mit der richtigen Unterwäsche Abkühlung an heißen Tagen zu verschaffen. Wobei sich Baumwolle eher für Menschen eignet, die weniger schwitzen oder sich nur wenig bewegen. Wer Sport treiben möchte, der ist mit Funktionsunterwäsche gut beraten.

Weitere Tipps, mit Hitze umzugehen, finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Wetterdienstes und unter www.hitzewarnungen.de.

Diplom- Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2024
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Weltrekord in Lindenberg: Seit 105 Jahren ungebrochen

Das Meteorologische Observatorium in Lindenburg wurde 1905 als „Königlich-Preußisches Aeronautisches Observatorium Lindenberg“ gegründet mit dem Schwerpunkt auf Aerologie, also der Höhenwetterkunde. Der erste Leiter des Observatoriums war kein Geringerer als Richard Aßmann, der 1902 durch seine aerologischen Forschungen zeitgleich mit Léon-Philippe Teisserenc de Bort die Stratosphäre entdeckte. Seit jeher ist eine der Kernaufgaben des Observatoriums die Messung meteorologischer Parameter in der Atmosphäre und die Weiterentwicklung derer Messtechniken. Die „“ dient damit der Wetter- und Klimaüberwachung seit über 100 Jahren.

Zur Zeit der Gründung des Observatoriums sah die Technik noch anders aus als heutzutage. Die Messinstrumente waren mechanisch und wogen teils mehrere Kilogramm. Es gab noch kein globales Navigationssatellitensystem, das eine horizontale Verlagerung von Messinstrumenten hätte aufzeichnen können. Sobald ein Messinstrument in den Wolken verschwand, wusste man nichts mehr über dessen genaue Position. Um ein vertikales Profil der Atmosphäre zu bekommen, wurden routinemäßig zwei Methoden angewandt. Bei windschwachen Wetterlagen wurden Messinstrumente mit einem teils bemannten, teils unbemannten Fesselballon in die Höhe gelassen. Der bodengebundene Ballon erreichte Höhen über 10000 Meter. Bei windstarken Wetterlagen waren Ballonstarts nur sehr schwierig zu bewältigen. Bei solchen Lagen kamen dann Drachen zum Einsatz.

Unterhalb des Drachens hingen sogenannte „Meteographen“. Mit diesen mechanischen Instrumenten wurden Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit gemessen und die entsprechenden Werte mittels eines Messzeigers auf einem eingelegtem Registrierpapier aufgezeichnet. Wenn das Messgerät wieder den Boden erreichte, konnte man die Werte ablesen. Es gab bereits vor der Gründung des Observatoriums Lindenberg viele Versuche mit Drachenaufstiegen. Mit der Zeit entwickelte man die Drachenkonstruktion weiter, wodurch immer größere Höhen erreicht wurden. Auch der Verlust durch Abreißen der Leine wurde mit der Zeit minimiert. Die Leine bestand dabei aus metallischem Draht unterschiedlicher Dicke.

DWD Weltrekord in Lindenberg Seit 105 Jahren ungebrochen 1

Am 01. August 1919 wurde nach einem Fehlstart des Fesselballons entschieden, das Vertikalprofil der aktuellen Atmosphäre mittels Drachenaufstieg zu erhalten. Der erste Drachen wurde in die Luft gelassen, an dem der Meteograph befestigt war. Der Drachen hatte dabei eine Angriffsfläche von 10 Quadratmetern. Diese reichte aus, um den Meteographen erst mal in die Höhe zu ziehen. Da das Eigengewicht des Drahtes weiteres Steigen verhinderte, wurden sogenannte Hilfsdrachen eingesetzt, die das Gewicht des Drahtes in der Luft hielten. Bei dem Rekordflug wurden insgesamt acht Drachen eingesetzt die 15000 Meter Draht mit einem Gesamtgewicht von 115 Kilogramm trugen. Als der Drachenzug wieder am Boden gelandet war, wurden die Messwerte abgelesen. Der Barograph stieß bei 9190 Metern an seine Grenze. Die Temperaturmessung ließ aber darauf schließen, dass der Drachen noch weiter aufgestiegen war. Geht man von einem gleichbleibendem Temperaturgradienten aus, ergibt sich damit eine Maximalhöhe von 9740 Metern. Das ist bis heute ein nie wieder erreichter Weltrekord.

DWD Weltrekord in Lindenberg Seit 105 Jahren ungebrochen

Mit beteiligt an dem Rekordflug war Georg Heinrich Friedrich Stüve. Das von ihm entwickelte „Stüve-Diagramm“ zur Auswertung von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit der Höhe ist auch heute noch eine beliebte Darstellung von aerologischen Messdaten. In den Jahren hat sich die Messtechnik jedoch deutlich geändert. Durch moderne Radiosondenaufstiege werden heutzutage regelmäßig Höhen von über 30 Kilometern erreicht. Die Messmethoden sind meist auf elektrische Kapazität basiert. Die Messinstrumente wiegen dabei nicht mal mehr 100 Gramm und senden ihre Daten per Funkverbindung an die Bodenstation. Zusätzlich kann das Verdriften des Ballons mittels GPS bestimmt werden. Des Weiteren erfolgt die Vertikalsondierung der Troposphäre auch durch Fernerkundung vom Boden aus.

DWD Weltrekord in Lindenberg Seit 105 Jahren ungebrochen 2

Im operationellen Betrieb wird der Weltrekord des höchsten Fluges einer Drachenkette also nicht gebrochen werden. Auch sonst wird es schwierig. Man müsste bei passendem Wetter einen großen Bereich des Flugraumes sperren. Und bräuchte zudem noch geübtes Personal und die passende Ausrüstung. Das historische Windenhaus, indem die Drachenwinde steht, existiert auch heute noch. Wer Lust hat, kann den Ort des Weltrekordes also noch besichtigen. Das nahegelegene Wettermuseum bietet zudem noch bis Ende August speziell für Familien ein Sommerferienprogramm an.

M.Sc. (Meteorologin) Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2024
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Augustnächte mit Sternschnuppen

Der August ist im gregorianischen und damit unserem Kalender der achte Monat des Jahres und hat 31 Tage. Im alten Rom begann das Jahr noch mit dem Monat, der bei uns heutzutage der März ist. Somit war der August der sechste Monat und hieß „Sextilis“. Mit der julianischen Kalenderreform wurde der Beginn des Kalenderjahrs auf den 01. Januar vorverlegt und seither ist der August der achte Monat. Seinen neuen Namen erhielt der „Sextilis“ durch Kaiser Augustus, da er in diesem Monat sein erstes Konsulat antrat. Ursprünglich hatte der August noch 29 Tage, aber mit der Kalenderreform durch Caesar verlängerte sich der Monat um zwei Tage. Andere Bezeichnungen für diesen Monat sind Erntemonat, Ährenmonat oder Sichelmonat.

Wie eingangs erwähnt, ist der August der letzte meteorologische Sommermonat. Die Nächte werden wieder spürbar länger und auch anhand der Tageslänge wird erkennbar, dass der Herbst allmählich vor der Tür steht. Beträgt die Tageslichtdauer in Frankfurt am Main am 01. August noch rund 15 Stunden und 14 Minuten, so liegt diese am 31. August nur noch bei 13 Stunden und 32 Minuten. Der Sonnenaufgang verschiebt sich im Laufe des Monats um rund 45 Minuten nach hinten, der Sonnenuntergang ist am Ende des Monats rund eine Stunde früher als noch zu Beginn des Monats.
Dass es abends früher dunkel wird, hat zwangsläufig nicht nur Nachteile. Vielmehr hat man dann bereits früher am Abend die Chance, ein alljährliches Himmelsspektakel zu beobachten – die Perseiden.

Die Perseiden zählen zu den stärksten Meteorströmen. Meteorströme sind als eine Art Teilchenwolke zu verstehen und werden auch als Meteorschauer oder Sternschnuppenschwärme bezeichnet. Bei diesen Teilchen handelt es sich meist um Staub oder auch um eishaltige Gesteinsreste eines Kometen. Im Fall der Perseiden handelt es sich um den Kometen 109P/Swift-Tuttle. Durchquert die Erde auf ihrer Umlaufbahn einen solchen Meteorstrom/Kometenschweif, so können diese Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen. Aufgrund der hohen Reibung fangen diese an zu glühen. Dieses Glühen nehmen wir dann als Sternschnuppen wahr.

Die Perseiden haben ihren Anfangspunkt (Radiant) im Sternbild Perseus, welches namensgebend für diesen Meteorstrom ist. Perseus befindet sich unweit vom Sternbild Kassiopeia, das aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Buchstaben W als „Himmels-W“ bezeichnet wird. Die ersten Sternschnuppen der Perseiden kann man bereits seit dem 17. Juli beobachten. Die Aktivität nahm dann von Tag zu Tag zu. Die Perseiden erreichen ihr Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August. Dann können bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde beobachtet werden, wenn die Sichtbedingungen es zulassen. In lichtverschmutzten Gebieten sind es wesentlich weniger. Meist liegt die maximale Rate nur bei 20 bis 40 Sternschnuppen pro Stunde. Nachfolgend nimmt die Aktivität allmählich wieder ab und am 24. August endet dann die Zeit der Perseiden.
Die Perseiden werden auch als „Tränen des Laurentius“ bezeichnet. Dessen Gedenktag ist am 10. August, vereinzelt auch am 11. August, also kurz vor dem Perseiden-Maximum und somit namensgebend.

Doch wie sieht es in den kommenden Nächten hinsichtlich der Sichtbedingungen aus, auch wenn es noch ein paar Tage bis zum Perseiden-Maximum dauert? Vom Mond ist zumindest aktuell keinerlei Helligkeit zu erwarten, denn am morgigen Sonntag ist Neumond. Für alle Sternschnuppenfans ist dies nicht die schlechteste Nachricht. Dies ändert sich natürlich in Richtung Monatsmitte, also auch in den Nächten rund um das Perseiden-Maximum, denn am 19. August ist bereits wieder Vollmond. In besagter Nacht geht der Mond aber gegen 23:20 Uhr MESZ unter. Für alle Nachteulen stellt der Mond also kein Hinderungsgrund für die Sternschnuppenjagd dar.

Dieses Wochenende tut sich zwar die ein oder andere Wolkenlücke am Nachthimmel auf, aber vor allem zu Beginn der neuen Woche ist dann verbreitet mit gering bewölktem oder klarem Himmel zu rechnen. Bei 16 bis 11 Grad, örtlich allerdings auch nur 10 bis 8 Grad, lässt sich das Sternegucken dann ausgiebig genießen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Juli 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,5 °C +2,0 Grad
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 21,2 °C +3,4 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,9 °C +1,4 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,7 °C +2,0 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 15,6 °C +2,0 Grad
3 Carlsfeld Sachsen 15,8 °C +3,0 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Holzkirchen Bayern 265,7 l/m² 171 %
2 Rettenberg-Kranzegg Bayern 262,9 l/m² 132 %
3 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 243,7 l/m² 146 %

Besonders trockene Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Radeberg-Kleinerkmannsdorf Sachsen 26,2 l/m² 66 %
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 31,3 l/m² 45 %
3 Oberdachstetten Bayern 33,0 l/m² 58 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Lindenberg Brandenburg 283 Stunden 123 %
2 Manschnow Brandenburg 279 Stunden 122 %
3 Schipkau-Klettwitz Brandenburg 271 Stunden 123 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 186 Stunden 105 %
2 Lüdenscheid Nordrhein-Westfalen 186 Stunden 97 %
3 Nörvenich-Niederbolheim Nordrhein-Westfalen 187 Stunden 100 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024

Bis jetzt wurde das Wetter bei den Olympischen Spielen durch Unbeständigkeit geprägt. Am heutigen Donnerstag musste das Gehen-Rennen der Männer und in Folge auch der Frauen aufgrund von Wetter um eine halbe Stunde verschoben werden. Ein Gewitter zog über Paris hinweg. Mit im Gepäck ein kräftiger Regenguss. Der Triathlon der Frauen musste ebenfalls verschoben werden, um einen ganzen Tag. Aufgrund der Starkregenereignisse in den vorangegangenen Tagen wurde zu viel Schmutz aus der Stadt in die Seine geschwemmt, sodass die Wasserqualität für den Sport zu schlecht war. Durch den erhöhten Wasserstand des Flusses war die Strömung zudem stärker als erhofft, was zusätzlich Einfluss auf den Wettkampf hatte.
Im Bodendruckfeld sah und sieht die aktuelle Wetterlage recht unspektakulär aus. Es bestehen kaum Luftdruckgegensätze. Jedoch hatte sich über Frankreich eine schwül-heiße Luftmasse etabliert. In dieser Luft konnten die Temperaturen in der Stadt am Dienstag auf über 37 Grad klettern. Auch gestern wurde es mit bis zu 34 Grad heiß in Paris. In der aktuellen Bodenanalyse lässt sich zwischen Hochdruckgebieten eine schwache Tiefdruckrinne erkennen, die sich über den Norden Frankreichs gelegt hat. In dieser konvergenten Strömung konnte sich das schon angesprochene Gewitter entwickeln, dass heute Morgen bei den Wettbewerben für Verzögerungen geführt hat. Im Tagesverlauf muss auch weiter noch mit Schauern und Gewitter gerechnet werden. Der Schwerpunkt der Gewitteraktivität verlagert sich aber allmählich mit der Tiefdruckrinne ostwärts.

DWD Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024

Nicht nur die hohen Tageshöchstwerte und zahlreiche Schauer und Gewitter haben den Sportlern und Fans in den letzten Tagen zu schaffen gemacht. Durch die hohen Taupunkte konnte sich die Luft bodennah in den Nächten nicht gut abkühlen. Sowohl in der Nacht zum Mittwoch als auch in der Nacht zum Donnerstag lagen die Minimumtemperaturen bei über 20 Grad. Diese sogenannten tropischen Nächte sind für den Körper besonders belastend, da die nächtliche Regeneration gehemmt wird. Dabei haben es die Athleten am Stadtrand angenehmer als die im Stadtzentrum. Bei einer Großstadt wie Paris ist das Stadtklima deutlich ausgeprägt. Die Minimumtemperatur in der Innenstadt lag in der vergangenen Nacht bis zu 4 Kelvin höher als beispielsweise am Wettkampfort der Reiter am Schloss von Versailles (siehe Abbildung 2). Ausschlaggebend für die erhöhten Tagesminima ist der Effekt der Städtischen Wärmeinsel. Die fehlende Vegetation und viele versiegelte Flächen sorgen tagsüber für eine stärkere Aufheizung der Oberflächen. Durch die vertikale Struktur der Häuser wird die Wärmestrahlung nachts zwischen den Häuserwänden reflektiert. Im Vergleich zur Umgebung erfolgt die Ausstrahlung also nicht so effizient und die Temperaturen in der Innenstadt können nicht so schnell sinken wie in der ländlicheren Umgebung.

DWD Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024 1

In den kommenden Tagen wird es nicht mehr ganz so heiß. Rückseitig der abziehenden Tiefdruckrinne stellt sich eine nordwestliche Strömung ein. Mit dem Nordwestwind werden etwas kühlere Luft mit niedrigeren Taupunkten advehiert und die schwüle Luftmasse verdrängt. In der Nacht zum Freitag klingen letzte Schauer und Gewitter ab. Es herrscht zunächst aufgelockerte Bewölkung vor. Später ist es oft bedeckt. In den Frühstunden des Freitags kann es vor allem am Stadtrand teils neblig-trüb sein. Vereinzelt fällt etwas Sprühregen. Die Tiefstwerte liegen um 18 Grad. Anfangs weht mäßiger Nordwestwind, der im weiteren Verlauf der Nacht einschläft. Am Freitagvormittag wird es zunehmend sonnig. Tagsüber sind lockere Quellwolken vorherrschend und es besteht nur noch ein geringes Schauerrisiko. Der Schwerpunkt liegt dabei östlich der Seine. Die Temperaturen erreichen sommerliche 27 bis 29 Grad, bei schwachem bis mäßigen Nordwestwind. Zum Wochenende wird es dann zunehmend trockener. Schauer sind nur noch die Ausnahme. Bei einem Wechsel von Sonne und Wolken erreichen die Tageshöchstwerte um 25 Grad. Nachts kühlt es auf etwa 15 Grad ab.

DWD Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024 2

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Nächtliche Temperaturgegensätze – des einen Freud, des anderen Leid

Mit den ansteigenden Lufttemperaturen im Freien wurde auch die Wärme in den Innenräumen wieder ein mehr oder weniger belastendes Thema. Neben dem Verhindern einer starken Aufheizung der Räume tagsüber, ist es besonders wichtig die nächtlichen Stunden für einen Abkühlen der Wohnungen und Häuser zu nutzen.

Das Wetter spielte dabei aber nicht jedem in die Karten. Während im Norden und Osten in den beiden vergangenen Nächten die Temperatur zum Teil auf Werte unter zehn Grad sank, blieb sie in der Nacht zum Mittwoch in der Südwesthälfte örtlich die gesamte Zeit über der 20-Grad-Marke. Einige Stationen registrierten somit eine Tropennacht. Besonders warm war die vergangene Nacht in Stötten (BW) auf 734 Meter Höhe auf der Schwäbischen Alb. Mit 21,9 Grad Celsius war es an keiner Station des Messnetzes vom Deutschen Wetterdienst wärmer. Bemerkenswert ist der Tiefstwert des Feldbergs im Schwarzwald. Auch dort wurde mit 20,7 Grad Celsius auf immerhin knapp 1500 Meter Höhe eine Tropennacht registriert. Die bislang einzige Tropennacht 2024 an dieser Stelle. Am Fuß des Schwarzwaldes im Oberrheingraben auf 200 bis 300 Meter sanken die Temperaturen dagegen auf Werte um 18 Grad ab. Alle Stationen in Deutschland mit einer Tropennacht lagen oberhalb von 450 Metern.

DWD Naechtliche Temperaturgegensaetze – des einen Freud des anderen Leid

Bei windschwachen Nächten ist diese Temperaturverteilung mit den höchsten Minima in mittleren und teilweise sogar hohen Lagen und niedrigeren Werten in den Tälern üblich. Durch den schwachen Wind fehlte die Durchmischung der verschiedenen Luftschichten und die kältere und damit relativ schwere Luft konnte sich in den Tälern sammeln. Diese dem Normalen verkehrte oder auch inverse Temperaturschichtung nennt man Inversion.

Dem gegenüber standen Regionen im Norden und Osten Deutschlands, die einstellige Nachtwerte meldeten. Besonders kühl war die Nacht zum Dienstag. In Brandenburg sanken die Temperaturen bis auf 7 Grad (Schipkau-Klettwitz 7,2 Grad), noch kühler war es in prädestinierten Tallagen im Erzgebirge. In Deutschneudorf-Brüderwiese stoppte das Thermometer erst bei 3,8 Grad. In der Nacht zum Mittwoch sanken die Temperaturen in Nordfriesland unter die 10 Grad-Marke. Am kühlsten war es in Hattstedt (SH) mit 9,4 Grad.

Die tiefen Temperaturen waren möglich, weil es zum einen sternenklar war und die Wärme über Strahlung gut an das Weltall abgegeben werden konnte. Weitere Gründe waren der angesprochene schwache Wind und relativ trockene Luft. Denn die Luft kann sich nur soweit abkühlen, bis sie vollständig gesättigt ist, sprich bis zum Taupunkt. Eine weitere Abkühlung ist dann nur möglich, wenn Feuchtigkeit abgegeben wird zum Beispiel durch Tau an Vegetation oder Reif in Frostnächten.

In der kommenden Nacht bleibt es bei der bekannten Temperaturverteilung. Besonders in den Regionen, wo es tagsüber nicht ganz so warm war, also im Norden, sinken die Werte wieder nahe oder sogar unterhalb der 10-Grad-Marke. Im Südwesten wird es dagegen erneut örtlich zu einer Tropennacht kommen. Das Kühlen der Räume wird also weiterhin im Süden erschwert. Erst im Laufe der Woche werden auch im Süden die Nächte kühler.

DWD Naechtliche Temperaturgegensaetze – des einen Freud des anderen Leid 1

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.07.2024
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Aus den Augen, aus dem Sinn? – (Sturm-)Tief KIRSTI

Eine mehrtägige, landesweite Hochdruckphase – das gab es die letzten Wochen beziehungsweise besser Monate kaum. Aber nun ist Hoch HALIL da, das bereits am gestrigen Montag verbreitet für ruhiges und sonniges Sommerwetter sorgte. Dem steht der heutige Dienstag in nichts nach, ganz im Gegenteil: Mit verbreitet 28 bis 35 Grad wird es noch ’ne ganze Ecke wärmer. Die Zeichen stehen also auf Freibad-, Badesee- und Eisdielenbesuch.

Ganz anders sah es am vergangenen Wochenende aus. Im Bereich einer quer über Deutschland liegenden Luftmassengrenze kam es zu kräftigen Regenfällen. Los ging es bereits in der Nacht zum Samstag als ein kleinräumiges Tief entlang der Luftmassengrenze nordostwärts zog und so in einem Streifen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis nach Thüringen und den Norden Sachsen-Anhalts verbreitet 15 bis 30 l/qm in wenigen Stunden brachte, wobei lokal auch noch deutlich mehr gemessen wurde. Ähnliche Mengen gab es auch in der Nacht zum Sonntag, als mit KIRSTI bereits das nächste Tief über die Mitte des Landes ost-/nordostwärts zog. Dieses Mal war sogar ein noch größeres Gebiet betroffen, das sich etwa von der Eifel und dem Schwarzwald bis zur Oder aufspannte. In einem Streifen vom Harz bis in den Berliner Raum kamen sogar 30 bis rund 60 l/qm Regen innerhalb weniger Stunden vom Himmel.

Nachdem KIRSTI Sonntagfrüh ostwärts abgezogen war, sorgte HALIL von Westen her für eine zunehmende Wetterberuhigung. So weit, so gut: HALIL ist nun in aller Munde und für KIRSTI gilt eher der Ausspruch „Aus den Augen, aus dem Sinn.“. Dabei war es durchaus wichtig, seinen Blick auch weiterhin auf dieses Tief zu halten. Im Laufe des Sonntags mauserte sich KIRSTI nämlich zu einem optisch höchst ansprechendem Wolkenwirbel.

DWD Aus den Augen aus dem Sinn Sturm Tief KIRSTI

Da könnte man glatt vergessen, dass es dabei um die Entwicklung eines ausgewachsenen Sturmtiefs handelte – ein dort für die Jahreszeit eher seltenes Ereignis. Dessen volle Wucht bekam vor allem das Baltikum zu spüren. Einige lettische Stationen meldeten Regenmengen von 50 bis 100 l/qm in gerade einmal 12 Stunden! In Riga beispielsweise fielen zwischen Sonntagabend und Montagmorgen 97,2 l/qm in 12 Stunden. Normalerweise fallen dort knapp 80 l/qm – im gesamten Juli wohlgemerkt! Der lettische Wetterdienst hatte im Vorfeld für Riga und weitere Teile des Landes die höchste Warnstufe ausgegeben.

DWD Aus den Augen aus dem Sinn Sturm Tief KIRSTI

Dazu kommt – was ein Sturmtief letztlich ausmacht – natürlich noch der Sturm. Auf seinem Weg ins Baltikum beziehungsweise nach Osteuropa sank der Druck im Kern des Tiefs bis Montagvormittag auf 992 hPa. Über Deutschland zeigten die Barometer dank Hoch HALIL dagegen bis zu 1026 hPa, es hatte sich also ein ordentlicher Druckgradient entwickelt. In der Folge kam es in weiten Teilen Litauens und in der Westhälfte Lettlands wiederholt zu Sturmböen zwischen 65 und 85 km/h. In Riga wurden um 4 Uhr Montagfrüh sogar knapp 100 km/h gemessen.

Medienangaben zufolge waren durch den Sturm in Lettland und Litauen rund 200.000 Haushalte ohne Strom. Dazu wurden Bäume entwurzelt und in Folge der hohen Regenmengen kam es zu Überflutungen. Traurigerweise wurde in der Nähe von Vilnius ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen. Mittlerweile ist KIRSTI nach Russland abgezogen und hat sich dabei deutlich abgeschwächt. Damit gelangt das Baltikum nun auch in den Einflussbereich von Hoch HALIL und das Wetter beruhigt sich. Ob in der Region für das Sturmtief aber ebenfalls der Ausspruch „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ gilt, darf bezweifelt werden…

Diplom Meteorolge Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.07.2024
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W:O:A 2024

Was im Jahr 1990 in noch kleinem Rahmen und einer Kiesgrube begann, entwickelte sich rasch zu einem der größten Heavy-Metal-Festivals Europas – das Wacken Open Air. Seit gestern kann man auf das Festgelände und dem Ruf folgten einige Tausend begeisterte Fans. Ab Mittwoch gibt es die ersten Livekonzerte. In der Vergangenheit gab es während der Veranstaltung am ersten Augustwochenende häufig Regen oder Schauer und Gewitter. Diese weichten Wiesen und Wege auf und sorgten nicht selten für unfreiwillige Schlammbäder. Im letzten Jahr mussten die Veranstalter sogar die Zufahrt aufgrund schlechten Wetters sperren.

In diesem Jahr hat eine schwäbische Firma mehrere Tausend Quadratmeter Aluminiumplatten verlegt, damit mögliche Regenfälle den Untergrund nicht aufweichen und die Festivalbesucher weitgehend schlammfrei durch das verlängerte Wochenende kommen.

Dabei sind die Wetteraussichten dieses Jahr gar nicht so schlecht. Die ersten Tage sind bestimmt von Hochdruckeinfluss samt Wärme und Sonne. Schwacher bis mäßiger nördlicher Wind sorgt für Abkühlung in den Nächten. Ab Wochenmitte lässt der Hochdruckeinfluss nach. Die Luft wird mit zunehmend westlicher Strömung deutlich angefeuchtet. Allerdings liegt der Norden Deutschlands noch im Bereich des höheren Luftdrucks und unter einem Höhenkeil. Damit sind trotz zunehmender Wolken in eher stabiler Schichtung keine Schauer zu erwarten.

DWD WOA 2024

In der Nacht zum Freitag nähert sich ein Trog von Westen her und es ziehen dichtere Wolken auf. Erste Schauer können den Weg in den Kreis Steinburg finden. Gewitter sind derzeit eher unwahrscheinlich, die feucht-warme Luft hält sich mehr über der Mitte und dem Süden Deutschlands auf. Nach Norden hin ist die Luft stabiler und relativ gesehen trockener, sodass nur einzelne Schauer auftreten. Am Freitag selbst schwenkt der Trog von West nach Ost über das Land hinweg. Dabei sind wiederholt Schauer möglich. Die Intensität ist jedoch gering. Gegen Nachmittag brechen die Wolken zusehends auf und es trocknet ab.

DWD WOA 2024 1

Allerdings liegt am Wochenende ein Tiefdruckgebiet bei den Britischen Inseln. Es führt aus Südwesten feucht und warme Luft in die Region. Ab Samstagmittag steigt die Gefahr von Schauern und gegen Abend sind einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. In der Nacht zum Sonntag zieht aus heutiger Sicht eine Frontalzone von West nach Ost über die Region. Dann sind verbreitet Regenfälle zu erwarten, wenn auch nur leichter Natur. Am Sonntag tagsüber beruhigt sich die Lage wieder.

DWD WOA 2024 2

Wer sich also auf ein Schlammbad in Wacken freut, der muss bis zum Wochenende warten. Die Aussichten stehen dann nicht so schlecht.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.07.2024
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