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Sternschnuppen in dunkler Nacht

13. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Mittwoch wird in Schweden, aber auch in anderen skandinavischen Ländern, das Luciafest gefeiert. Ein Mädchen, in der Familie traditionell die älteste Tochter, trägt ein weißes Gewand und auf dem Kopf einen Kranz mit Kerzen (heutzutage aufgrund der Verbrennungsgefahr meist elektrische Kerzen). Vor der Gregorianischen Kalenderreform war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres. Aus diesem Grund ist das Luciafest weniger das Fest zu Ehren der Heiligen Lucia, sondern steht vielmehr in der Tradition jahrhundertealter Sonnenwendfeste. Im übertragenen Sinn kann man also interpretieren, dass das Kerzenlicht Helligkeit in unseren dunklen Alltag bringen soll.

Vom Mond ist aktuell hingegen keinerlei Helligkeit zu erwarten, denn wir hatten in der vergangenen Nacht den Dezember-Neumond. Für alle Sternschnuppenfans ist dies nicht die schlechteste Nachricht. Die neben den Perseiden zu den stärksten Meteorströmen zählenden Geminiden erreichen nämlich am morgigen Donnerstag ihr Maximum.

Meteorströme sind als eine Art Teilchenwolke zu verstehen und werden auch als Meteorschauer oder Sternschnuppenschwärme bezeichnet. Bei diesen Teilchen handelt es sich meist um Staub oder auch um eishaltige Gesteinsreste eines Kometen. Bei den Geminiden hingegen gehen die Experten davon aus, dass die Teilchen von einem als Asteroid klassifizierten Himmelskörper namens (3200) Phaethon stammen. Zum ersten Mal konnten Astronomen die Geminiden im Jahr 1862 beobachten.

Durchquert die Erde auf ihrer Umlaufbahn einen solchen Meteorstrom, so können diese Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen. Aufgrund der hohen Reibung fangen diese an zu glühen. Dieses Glühen nehmen wir dann als Sternschnuppen wahr.

Die Geminiden haben ihren Anfangspunkt (Radiant) im Sternbild Zwillinge, welches namensgebend für diesen Meteorstrom ist. Die ersten Sternschnuppen der Geminiden kann man bereits seit dem 04. Dezember beobachten. Die Aktivität nahm dann von Tag zu Tag zu. Nun zur Hauptaktivitätszeit kann man durchschnittlich 30 bis 60 pro Stunde beobachten, in lichtverschmutzten Gebieten wesentlich weniger. Ein Vorteil an den Geminiden ist unter anderem, dass auch schon in den Abendstunden Sternschnuppen beobachtet werden können. In den kommenden Tagen nimmt die Aktivität allmählich wieder ab und am 20. Dezember endet dann die Zeit der Geminiden. Ein Trost für alle Sternschnuppenfans ist sicherlich die Tatsache, dass die Geminiden nahtlos in die Ursiden übergehen, die am 23. Dezember ihr Maximum finden. Allerdings sind diese schwächer ausgeprägt als die Geminiden.

Doch wie sieht es in den kommenden Tagen nun hinsichtlich der Bewölkung aus? An dieser Stelle gibt es leider keine guten Nachrichten, denn nicht nur am Tage, sondern auch des Nachts ziehen viele Wolken über den Himmel. Die ein oder andere Wolkenlücke, die sich möglicherweise in der starken Bewölkung auftut, ist schwer zu lokalisieren und auch nicht zwangsläufig von großer Dauer. Zudem besteht beim Warten auf eine Wolkenlücke durchaus die Möglichkeit, dass einem ein Tropfen oder eine Schneeflocke auf die Nase fällt. In den Alpen hat man es ab der kommenden Nacht erst einmal mit teils länger anhaltenden Schneefällen zu tun. Dort ist an Sternegucken also nicht zu denken.

Erst in der Nacht zum Samstag besteht die Hoffnung, dass sich zumindest gebietsweise die Wolken etwas lichten und einen Blick in den Sternenhimmel ermöglichen. Allerdings könnte das ein oder andere Nebelfeld so manchem Sterngucker einen Strich durch die Rechnung machen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Sternschnuppen-in-dunkler-Nacht.png 925 1259 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-13 19:40:252024-01-10 10:51:37Sternschnuppen in dunkler Nacht

Schneehöhen in Europa – ein kurzer Rück- und Ausblick

12. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Milderung in den vergangenen Tagen hat sich nicht nur in Deutschland bemerkbar gemacht. Vielmehr kam die feucht-warme Luft mit viel Schwung (und entsprechend starken Böen) auch bis ins östliche Mitteleuropa voran.

Die Null-Grad-Grenze bei den Höchsttemperaturen am Samstag verlief etwa entlang der Weichsel. Während es das westpolnische Posen mit zwei Grad bis in den leichten Plusbereich schaffte, präsentierte sich das belarussische Minsk mit -5 Grad frostig. Und auch in Warschau verlief der Samstag noch dauerfrostig. Die entsprechende Temperaturkurve zeigt Abbildung 1. Zusätzlich sind in der Grafik auch die zwölfstündigen Minima und Maxima von 06 bis 18 UTC (Koordinierte Weltzeit) und 18 bis 06 UTC angegeben. Es fällt auf, dass am Samstagabend kein Temperaturrückgang zu beobachten war. Vielmehr stieg die Temperatur bis in die Frühstunden des Sonntags an, um erst dann zurückzugehen. Der Grund dafür lag in der auflockernden Wolkendecke, die zu einer verstärkten Ausstrahlung führte. Ab Sonntagmorgen gab es für die Temperaturen dann nur eine Richtung: bergauf. Bis in den heutigen Dienstag hinein stiegen die Temperaturen praktisch ununterbrochen an, bis sie am heutigen Dienstagmorgen gut 5 Grad erreichten.

Diese Milderung ließ im östlichen Mitteleuropa, wie auch in Deutschland, die Schneedecke abschmelzen. Von den 8 cm Schnee in Warschau am Samstagmorgen ist heute nichts mehr übrig. Weiter südöstlich, im ostpolnischen Zamość (roter Kreis), sind von ehemals 18 cm Schnee immerhin noch 10 cm vorhanden.

Dort, so kann man es recht grob formulieren, beginnt nach Osten hin eine geschlossene Schneedecke, die sich nach Norden bis zum Nordkap erstreckt (Abbildung 2). Weiter östlich liegen keine Meldungen vor, weil zum in der Grafik ausgewählten Zeitpunkt die weiter östlich gelegenen Stationen keine Meldungen zur Gesamtschneehöhe absetzen. Was den größten Teil Mittel, Süd- und Südosteuropas angeht, so hat sich der Schnee in die Hochlagen zurückgezogen. Dies erkennt man auch daran, dass die entsprechenden Stationen einen doppelten Rahmen haben, womit es sich um Bergstationen oberhalb von 800 m handelt. Bis zu 1,5 m Schnee liegen noch auf den Gipfeln der Hohen Tatra, die Schneekoppe im Riesengebirge (nicht in der Abbildung dargestellt)präsentiert sich bei
1,05 m Schnee ebenfalls wintersporttauglich.

 

Wäre der Schnee nun einfach so (also durch die milden Temperaturen) weggetaut, so wäre dies für viele zwar schade, aber es würde kein großes Problem darstellen. Tatsächlich hat es die Schneedecke aber in Verbindung mit kräftigen Regenfällen dahingerafft. Das Regen- und Schmelzwasser sorgen in der Summe für hohe Abflussmengen, die die Flüsse vor größere Probleme stellen. In Abbildung 3 ist die aktuelle Hochwassersituation dargestellt (zu finden unter). Aktuell präsentiert sich die Lage noch recht entspannt. In den kommenden Tagen dürften die Pegel, zumindest regional, aber nochmal deutlich ansteigen.

In der zweiten Wochenhälfte reduziert sich der Wassereintrag dann deutlich. Einerseits, weil sich Hochdruck breitmacht und damit der Niederschlag nachlässt. Andererseits, weil die Schneefallgrenze sinkt und die erwarteten Niederschläge zunehmend in Schnee übergehen. Die Abbildung 4 zeigt den über 72 Stunden akkumulierten Schnee (bzw. das entsprechende Wasseräquivalent). Man kann dabei sehr grob annehmen, dass ein l/qm an Wasser einem cm Schnee entspricht. Entsprechend lässt sich aus der Grafik ablesen, dass in den Deutschen Alpen durchaus 10 bis 30 cm Neuschnee zu erwarten sind. Und auch bei unseren polnischen Nachbarn kann sich zumindest gebietsweise wieder eine dünne Schneedecke ausbilden (wenn der Schnee denn komplett liegenbleibt).

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.12.2023
(c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Schneehoehen-in-Europa-–-ein-kurzer-Rueck-und-Ausblick.png 572 767 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-12 19:50:522024-01-10 10:48:12Schneehöhen in Europa – ein kurzer Rück- und Ausblick

Schneehöhen in Europa – ein kurzer Rück- und Ausblick

11. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Schon im gestrigen Tagesthema wurde die Statistik der Nutzermeldungen vorgestellt, die uns über die Warnwetter-App tagtäglich erreichen. 3524 Meldungen waren es im Schnitt zwischen dem 01.01.2022 und dem 06.12.2022 pro Tag. Der Spitzenwert mit 30.455 Meldungen wurde in diesem Jahr bereits am 18.02. erreicht. Im heutigen zweiten Teil wird die zweite Jahreshälfte ab Juli betrachtet. Zum besseren Überblick gibt es zunächst noch einmal die Übersichtsgrafik über das gesamte Jahr.

Der Juli

Im Juli verschärfte sich Dürre durch ausbleibende Niederschläge in vielen Regionen Deutschlands. Die Folge waren niedrige Flusspegel und zahlreiche Feld- und Waldbrände. Diese Dürre war ein europaweites Phänomen. Über den gesamten Sommer hinweg wurde in Europa so viel Wald zerstört wie nie zuvor seit Aufzeichnungsbeginn. Das folgende  fasst die Trockenheit gut zusammen.

Auch in Sachen Hitze konnte der Juli punkten und brachte regional neue Hitzerekorde. So zum Beispiel in der norddeutschen Tiefebene, wo erstmals über 40 Grad gemessen wurden. Details dazu gibt es.

Mehr „Action” und eine Zunahme der Nutzermeldungen lässt sich zum Monatsende hin feststellen.

Der August

Auch der August fügt sich nahtlos in den Rekordsommer 2022 ein, der am Ende der sonnigste und viertwärmste seit Aufzeichnungsbeginn war. Er brachte nicht nur eine Fortsetzung und damit einhergehende Verschärfung der Dürresituation, sondern war als zweitwärmster Augustmonat seit Aufzeichnungsbeginn auch außergewöhnlich warm. Im Rhein-Main Gebiet gab es an jedem Tag in diesem Monat einen Sommertag mit Höchstwerten über 25 Grad.

Unwetter gab es nur regional und verstärkt in der letzten Augustdekade. Am stärksten fielen die Unwetter am 26.08. in Verbindung mit Gewittertief „Ornella” aus. An diesem Tag gingen über 20.000 Nutzermeldungen beim DWD ein.

Der September

Mit dem ersten Herbstmonat war in vielen Regionen endlich Schluss mit der Trockenheit. Stattdessen fielen im Schnitt 65 % mehr Niederschlag als im Mittel, sodass sich auch die Dürresituation deutlich entspannte.

Dementsprechend lässt sich ein Rückgang bei den Nutzermeldungen erkennen. Zumindest in der ersten Monatsdekade gab es aber noch ein einige statistische „Peaks” zu verzeichnen, die mit einigen intensiven Gewitterlagen im Zusammenhang standen.

Zum Ende des Monats machte sich dann schon ganz zaghaft der Winter mit den regional ersten Nachtfrösten bemerkbar. Ob es dabei neue Rekorde beim frühesten ersten Frost gab, klärt das folgende.

Der Oktober

Der erste Hauch von Winter war im Oktober aber bereits schnell wieder verschwunden. Stattdessen gab es den wärmsten Oktobermonat seit Aufzeichnungsbeginn, gleichauf mit dem Jahr 2001. An zahlreichen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Einige Details zu den Rekorden finden sich in dem folgenden.

Dass der Oktober ein wahrhaft goldener mit viel Sonnenschein war, lässt sich auch an den Nutzermeldungen erkennen. Diese verlaufen meist auf einem niedrigen Niveau. Nur zu Beginn der zweiten Dekade zeigen sich mal ein paar stärkere Zuckungen, als Tiefdruckgebiete etwas stärkere Niederschläge und auflebenden Wind brachten.

Der November

Kaum Meldungen von den Nutzern brachte auch der letzte Herbstmonat. Da überrascht es nicht, dass auch der November wird ein sattes Plus bei der Sonnenscheindauer von 40 % zu verzeichnen hatte. Von grauem Novemberwetter bis kurz vor Ende keine Spur. Wenig Niederschlag und ein deutliches Plus bei der Durchschnittstemperatur runden die Monatsstatistik ab.

Erst zum Monatsende am Totensonntag begann eine Umstellung mit ersten Schneefällen und Glätte vor allem in den östlichen Landesteilen und im Bergland. In höheren Lagen des Bayerischen Waldes begann sich der Winter schon richtig einzunisten. Details zum ersten Wintereinbruch gibt es  nachzulesen.

Und was bringt der letzte Monat des Jahres?

Schon zum vergangenen zweiten Adventswochenende und in der darauffolgenden Woche begann sich das aktuell herrschende Winterwetter immer weiter auszubreiten. So fielen im Osten regional bis zu 20 cm Schnee und auch in Ostwestfalen reichte es vorübergehend für Mengen um 10 cm.

Nach einem winterlich kalten Wochenende kommt in der neuen Wetterwoche wieder Spannung auf. Ein Tief zieht in der Nacht auf Mittwoch von Frankreich kommend über Deutschland weiter bis nach Osteuropa und beschäftigt uns auch am Mittwoch selbst. Unklar ist bisher noch auf welcher Zugbahn dies genau geschieht. Die Modelle sind sich da auch heute noch nicht einig.
Bei einer südlichen Zugbahn würde es vor allem im süddeutschen Raum zu mitunter kräftigen Schneefällen kommen. Zieht das Tief weiter nördlich, müssen die zentralen Landesteile mit kräftigem Schneefall rechnen. Über dem Süden würde es dann in einem mehr oder weniger schmalen Streifen Eisregen mit erheblichen Auswirkungen geben. Es gibt auch Modellvorhersagen, die den Eisregenstreifen bis zur Mitte vorankommen lassen. Dann würde ganz im Süden Regen ohne Glätte fallen.

Trotz der noch bestehenden Unsicherheiten kann man jetzt schon festhalten, dass wir wieder auf Ihre Nutzermeldungen angewiesen sind und bedanken uns schon einmal im Voraus dafür!

Diplom-Meteorologe Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Jahresrueckblick-2022-Teil-2.png 783 1583 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-11 20:00:162024-01-10 10:44:33Schneehöhen in Europa – ein kurzer Rück- und Ausblick

Wetter „nach Plan“?

10. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Weihnachtsfest. Für viele stellt Heiligabend der schönste Tag des Jahres dar. Dabei wünscht man sich natürlich, dass das Wetter in diesem Jahr auch mal wieder „mitspielt“. Denn wer träumt an Weihnachten nicht von einem Spaziergang in der klaren Winterluft auf knirschendem Schnee. Anschließend wärmt man sich bei einem leckeren Heißgetränk in der warmen Stube wieder auf und schaut aus dem Fenster auf eine weiße Winterlandschaft und einen ulkig aussehenden Schneemann im Garten.

Oftmals erreichen uns bereits einige Wochen vor Heiligabend die ersten Anfragen nach dem Weihnachtswetter. Allerdings muss man diese Ungeduldigen zunächst vertrösten. Lediglich ein paar statistische Aussagen lassen sich im Vorfeld treffen. So stellt die „Weiße Weihnacht“ in weiten Teilen Deutschlands eher eine Seltenheit dar, zumindest wenn man nicht gerade in den höheren Mittelgebirgen oder am Alpenrand wohnt. Häufig dominiert das „grüne Weihnachtsfest“.

Der erste Schnee der Saison fällt zwar oft bereits Ende November, jedoch folgt danach meist eine mildere Phase. Im Dezember kann es dann zu weiteren Kaltluftvorstößen und weiterem Schneefall kommen. Doch „pünktlich“ vor dem Fest ist die weiße Pracht dann meist wieder dahin. Das berüchtigte „Weihnachtstauwetter“ stellt sich ein. Dabei strömen von Westen her milde Luftmassen vom Atlantik heran, die das Wetter wechselhaft gestalten und den zuvor gefallenen Schnee häufig vollständig wieder aufzehren. Das Weihnachtstauwetter zählt daher nicht umsonst zu den sogenannten Singularitäten (auch Witterungsregelfälle genannt) und ist – je nach Region – mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent jährlich zu erwarten.

Kein Wunder also, dass in lediglich rund 10 % der Fälle im Flachland und in den Flussniederungen im Westen und Südwesten sowie im nordwestdeutschen Tiefland über die Weihnachtsfeiertage eine geschlossene Schneedecke vorliegt. Im Norden und Nordosten liegt die Wahrscheinlichkeit meist auch nur zwischen 10 und 20 %. In den Mittelgebirgen sieht die Situation aus Sicht der Schnee- und Wintersportfans schon etwas besser aus. Die Wahrscheinlichkeit für durchweg verschneite Weihnachten beträgt dort immerhin 20 bis 50 %. Nur in den Kammlagen des Bayerischen Waldes und der Alpen (ab etwa 800 bis 1000 Meter Höhe) verlaufen statistisch gesehen nahezu alle Feiertage weiß.

Wie gestaltet sich das Wetter nun in diesem Jahr? Läuft alles „nach Plan“?

Für die Wintersportfans lief es in den vergangenen beiden Wochen gar nicht so schlecht. Bereits Ende November fiel in den Mittelgebirgen einiges an Schnee, der bei sinkenden Temperaturen sogar seinen Weg bis in tiefe Lagen fand. In Süddeutschland wird sicherlich die Nacht vom 01. auf 02. Dezember in Erinnerung bleiben. Strichweise fielen dort über 50 cm an Neuschnee, die Station in Bad Bayersoien im südwestlichen Oberbayern meldete sogar 65 cm in nur 24 Stunden.

Allerdings stellt sich die Wetterlage derzeit um und es gelangen mit einer westlichen Strömung deutlich mildere Luftmassen nach Deutschland. Insbesondere im Süden Deutschlands kann es anhaltende Regenfälle geben. So werden die vielerorts gefallenen Schneemengen nun nach und nach aufgrund des einsetzenden Tauwetters wieder aufgezehrt. Die Schneedecke wird sich so sukzessive in die Gipfellagen zurückziehen. Zwar gelangt in der zweiten Wochenhälfte erneut etwas kältere Luft zu uns, diese sollte jedoch nach aktuellem Stand nur von kurzer Dauer sein. Um von Weihnachtstauwetter zu sprechen, ist es derzeit also noch etwas zu früh.

Ob sich pünktlich zum Fest nun ein weiterer Kaltluftvorstoß mit Schneefällen einstellt, lässt sich anhand der aktuellen Berechnungen der Wettermodelle noch nicht vorhersagen. Man kann das Wetter natürlich statistisch beschreiben, was jedoch nicht heißt, dass es sich in diesem Jahr an diese Statistik hält. Wahrscheinlich wissen bisher nur der Weihnachtsmann und das Christkind, ob es in diesem Jahr für ein weißes Weihnachtsfest reicht. Und vielleicht sind die beiden in hervorragender Zusammenarbeit mit Frau Holle ja nach einem sehr milden Weihnachten 2022 in diesem Jahr für eine „weiße Überraschung“ gut.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.12.2023
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Wetter-nach-Plan.png 957 1084 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-10 20:53:232024-01-10 10:40:45Wetter „nach Plan“?

Steigende Hochwassergefahr

9. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In der vergangenen Woche haben wir mehrfach darüber berichtet, dass es nun milder und nasser wird. Teils fällt länger anhaltender und kräftiger Regen. Mit Regen und Tauwetter steigt die Gefahr von Hochwasser an Bächen und Flüssen.
Grund für die Milderung sind Tiefdruckgebiete über den Britischen Inseln und dem Nordatlantik, die auf ihrer Südseite milde Luft anzapfen und mit südwestlichem Wind auch nach Deutschland führen. Die milde Luft kann bei ihrem Weg über den Atlantik viel Feuchtigkeit aufnehmen. Diese kondensiert und schlägt sich als Regen nieder. Da es sich nicht nur um ein Tiefdruckgebiet handelt, sondern um einen ganzen Komplex mit mehreren Zentren, die sich gegenseitig stützen und aktivieren, ziehen in kurzer Zeit mehrere Frontensysteme ostwärts über uns hinweg. Sie bringen immer wieder kräftigen Niederschlag, der bis in höhere Lagen als Regen niedergeht. Die Schneefallgrenze steigt in den kommenden Tagen verbreitet über 1000 Meter, in den Alpen sogar bis auf 2000 Meter.

Die akkumulierte Niederschlagsmenge beläuft sich in einem 72-stündigen Zeitraum von heute (Samstagmorgen) bis Dienstagmorgen im Westen und Süden auf verbreitet 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter. Im Stau der Mittelgebirge und an den Alpen sind teils mehr als 40 und bis zu 80 Liter möglich. Zwischen den Niederschlagsphasen ergeben sich auch längere trockene Abschnitte, sodass ein erheblicher Teil des Niederschlags in kurzer Zeit fallen kann. Nach Osten und Norden hin werden die Niederschlagsmengen geringer, trocken bleibt es aber nirgends.

Da in den höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen noch reichlich Schnee liegt, ist durch ein Abschmelzen der Schneedecke mit einem zusätzlichen und teils erheblichen Wassereintrage in Bäche und Flüsse zu rechnen.

Vor allem im Süden Deutschlands werden ab Montag hohe Pegelstände erwartet. Die Hochwasserzentralen der Länder haben bereits auf den erwarteten Niederschlag und den Beitrag durch Schmelzwasser reagiert und gebietsweise Warnungen ausgegeben.

Bereits von heute Nachmittag und Abend bis zum morgigen Sonntagmittag kommt es im Schwarzwald und Allgäu zu länger anhaltenden und kräftigen Niederschlägen, allerdings schwankt die Schneefallgrenze noch zwischen 1000 und 1400 Metern, sodass im höheren Bergland die feste Phase überwiegen kann und ein Teil des Niederschlags noch einmal in Schnee gebunden wird.

Ab Sonntag steigt die Schneefallgrenze aber signifikant an und verbleibt dann auch in höheren Lagen, sodass großflächiges Tauwetter einsetzt. Bevorzugt in den südlichen Regionen Deutschlands, aber auch in den Mittelgebirgen steigt die Hochwassergefahr.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.12.2023
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Steigende-Hochwassergefahr.png 852 2079 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-09 21:02:332024-01-10 10:36:04Steigende Hochwassergefahr

Es taut!

8. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Aktuell liegt Deutschland im Übergangsbereich zwischen der frostigen Luft, die sich in Nord- und Osteuropa im Winter festgesetzt hat, und der deutlich milderen Meeresluft, die durch Tiefdruckgebiete vom Atlantik zu uns geführt wird. Ab Samstag gewinnt nun die teils sehr milde Luft und spätesten ab Sonntag setzt sie sich überall in Deutschland durch. Die untere Wetterkarte zeigt, wie die starke Tiefdruckaktivität über dem Nordatlantik mit einer westlichen Strömung (die Pfeile) zunehmend mildere Meeresluft nach Mitteleuropa bringen.

Am heutigen Freitag bis in die Nacht zum Samstag muss aber zunächst in der Osthälfte mit glatten Straßen durch etwas Schnee, überfrierende Nässe oder vor allem in Ostbayern durch gefrierenden Regen oder Sprühregen rechnen.

Am Samstag kommt einen Schwall sehr milder Luft nach Deutschland. Verantwortlich dafür ist ein Tief über den Britischen Inseln, das im weiteren Verlauf zur Nordsee zieht. Das ausgeprägte Niederschlagsgebiet erreicht gegen Mittag den Westen des Landes und bis zum Abend weitet sich es bis zur Mitte aus. Diesmal fällt nur Regen, denn mit dem stark auffrischenden Süd- bis Südwestwind steigen die Temperaturen auf Werte zwischen 5 und 10 Grad an. Nur im Osten und Südosten liegen die Höchstwerte zwischen 1 und 4 Grad. Dort bleibt es bis zum Abend trocken und die Sonne kann sich tagsüber kurz zeigen.

In der Nacht zum Sonntag erreicht der Niederschlag auch den Osten, von Westen her folgen Schauer nach. Es besteht in einigen Tälern der östlichen Mittelgebirge noch mal die Gefahr vor gefrierendem Regen bei Werten um 0 Grad. Sonst mit dem starken bis stürmischen Westwind bleibt es vielerorts bei Tiefstwerten zwischen 9 und 3 Grad frostfrei. Wind, Regen und positive Temperaturen lassen die Schneedecke bis weitet in höhere Lagen anfangen zu tauen.

Die Tauwetterlage setzt sich am Sonntag und Anfang nächster Woche fort. Dabei überqueren unter Tiefdruckeinfluss mehrere Niederschlagsgebiete Deutschland bei starkem bis stürmischem Westwind und milden Temperaturen zwischen 6 und 13 Grad. Selbst nachts bleibt es überall frostfrei.

Regen zusammen mit der Schneeschmelze und dem stark böigen Wind lässt viele Flüsse und Bäche vor allem in Süddeutschland und in den Mittelgebirgen, wo noch eine mächtige Schneedecke liegt, stark anschwellen, die dann in die großen Flüsse wie Donau und Rhein zufließen. Die Hochwassergefahr steigt dabei deutlich an.

Die Tauwetterphase sollte nicht so langen anhalten. Denn schon Ende nächster Woche gehen die Temperaturen wieder zurück. Bis dahin sollte jedoch die Schneedecke in tiefen und mittleren Lagen fast komplett weggetaut bzw. weggewaschen sein. Aber keine Angst, der Winter ist nicht vorbei und wer weiß: vielleicht stehen die Chancen auf weiße Weihnachten diesmal nicht so schlecht wie in den vergangenen Jahren.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Es-taut.png 890 1234 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-08 21:08:332024-01-10 10:32:15Es taut!

„Zurück in die Zukunft“ beim Wetter

7. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Am morgigen Freitag wird in den USA der „Gib-vor-ein-Zeitreisender-zu-sein-Tag“ begangen. Dieser findet seit dem Jahr 2007 immer am 08. Dezember statt. In gewisser Hinsicht sind wir MeteorologInnen tagtäglich Zeitreisende, denn wir versuchen, in die Zukunft zu blicken. Dabei ist das Ziel, das Wetter mit seinen Eigenschaften wie Temperatur, Niederschlag oder Wind an einem bestimmten Ort möglichst weit in die Zukunft bestmöglich vorherzusagen.

In welches Jahr oder zu welchem Zeitpunkt würden Sie gemäß dem Filmtitel „Zurück in die Zukunft“ gerne reisen? Jede und jeder hat sicherlich Momente in seinem Leben, zu denen man gerne zurückreisen und sich möglicherweise anders entscheiden würde. Manchmal würde man auch gerne wissen, was morgen oder übermorgen passieren könnte (bei uns MeteorologInnen schon allein berufsbedingt). Aber wenn man das Angebot bekommen würde, tatsächlich einmal in die Zukunft zu reisen, dann ist es durchaus fraglich, ob man dieses Angebot letztendlich annehmen würde.

Wenn man am heutigen 07. Dezember in der Geschichte zurückreisen würde, käme man bei dem ein oder anderen historischen Ereignis heraus. Da wäre beispielsweise der japanische Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941. Bei diesem Ereignis ist allerdings zu bezweifeln, dass man dahin gerne zurückreisen würde. Der Kniefall von Warschau im Jahr 1970 wäre dahingehend schon etwas Anderes.

Doch nun zum Blick in die Zukunft beim Wetter. Wettervorhersagemodelle benötigen für ihre Berechnungen, was in der Zukunft wettertechnisch passieren könnte, einen Anfangszustand. Dieser sollte möglichst präzise den aktuellen Gegebenheiten entsprechen. Beste Voraussetzungen hierfür liefert eine gute Datengrundlage, die sich aus den Messungen von Wetterstationen, Flugzeug- und Schiffsmessungen, Radiosondenaufstiegen sowie Radar- und Satellitendaten speist.

Wenn man den Anfangszustand am heutigen Donnerstag beschreiben müsste, so fasst „ein ruhiger Wettercharakter“ das Ganze für Deutschland sehr gut zusammen. Das Vorhersagegebiet befindet sich nämlich unter Zwischenhocheinfluss. Das Hochdruckgebiet EVANGELIA sorgt in Anlehnung an das Evangelium zumindest in der Südwesthälfte für eine „Frohe Botschaft“, denn dort hat man es heute mit einem Mix aus Sonne und Wolken zu tun. In einigen Flussniederungen sowie im Norden und Osten sieht es allerdings eher nach einem Tag mit Dauergrau aus. Örtlich kann auch etwas Sprühregen oder Schneegriesel aus der „grauen Masse“ fallen. In diesen Regionen kreisen die heutigen Höchstwerte um die 0-Grad-Marke. In den mit etwas Sonne verwöhnten Regionen klettern die Temperaturwerte immerhin auf bis zu 6 Grad.

Bereits das Wetter in der kommenden Nacht stellt die Vorhersagemodelle vor Herausforderungen. Das Tiefdruckgebiet UDO sorgt für etwas mehr Würze in der Wetterküche. Auf die Wetterlage an sich wurde bereits im gestrigen Thema des Tages  eingegangen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass UDO Wolken in den Westen und Südwesten lenkt, aus denen nachfolgend Niederschläge fallen. Ganz im Westen sowie in den Niederungen handelt es sich meist um Regen. Im Bergland fällt der Niederschlag oft als Schnee. Der Regen ist allerdings aber auch teils gefrierend und es kommt gebietsweise zu Glatteisbildung. Die Warnmeteorologen werden vorzeitig und großflächig mit Warnpolygonen vor markantem Wetter (ockerfarbene Warnungen) hantieren. Lokale Unwetterwarnungen (rote Warnungen) sind dabei nicht ausgeschlossen. Ob eine Warnung „hochgestuft“ wird, wird man dann im sogenannten Nowcasting anhand der Temperaturen in Bodennähe und anhand der Niederschlagsmenge beurteilen.
Wie glatt es ganz lokal bei jedem Einzelnen tatsächlich wird, gleicht dabei allerdings einem Blick in die Glaskugel. So oder so gilt vor allem zur Hauptverkehrszeit höchste Vorsicht. Egal ob per Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß sollte man sich den örtlichen Begebenheiten dementsprechend anpassen.

Vergleicht man in den Vorhersagemodellen das prognostizierte signifikante Wetter (erste Abbildung: Vorhersage von Mittwoch, 06.12.2023; zweite Abbildung: Vorhersage von Donnerstag, 07.12.2023), so sieht man deutliche Unterschiede hinsichtlich Niederschlagsphase und Verlagerung. Ob die aktuelleren Modellläufe eher der Realität entsprechen, wird sich zeigen.

Diese Niederschläge ziehen in den darauffolgenden Stunden und im Laufe des Freitags dann weiter ostwärts. Nach Durchzug des Niederschlagsgebiets setzt dann auch sukzessive eine Milderung von Westen ein. Werden am heutigen Donnerstag am Niederrhein noch die oben erwähnten 6 Grad erreicht, so steigen die Temperaturwerte am zweiten Adventssonntag dort auf bis zu 11 Grad. Nach Osten hin hält sich die kühlere Luft noch etwas länger. Ab spätestens Sonntag setzt dann aber auch dort die Milderung ein. Bei teils kräftigem Südwestwind und viel Regen am Sonntag und Montag, der an den Alpen teils langanhaltend fällt, gehören die bestehenden Schneedecken vergleichsweise schnell der Geschichte an.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.12.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Zurueck-in-die-Zukunft-beim-Wetter.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-07 21:15:132024-01-10 10:27:01„Zurück in die Zukunft“ beim Wetter

Die Gefahr von gefrierendem Regen

6. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In den letzten Tagen hatte das Wetter bei uns in Deutschland einiges zu bieten. Enorme Schneemassen mit teils neuen Rekorden und sehr kalte Nächte prägten das Geschehen. Am Wochenende herrschte dann verbreitet Dauerfrost, lediglich entlang des Rheins sowie direkt an der Nordsee zeigte das Thermometer stellenweise zarte Plusgrade an. Am Montag erreichten dann erste Tiefausläufer mit ihren Frontensystemen den Westen Deutschlands. Dabei wurde allmählich wärmere Luft nach Deutschland geführt, sodass die Temperaturen in etwa ein Kilometer Höhe teils in den positiven Bereich gingen. Gleichzeitig hielt sich bodennah noch die wesentlich schwerere Polarluft. Durch den Hebungsantrieb in Verbindung mit einem heranziehenden Höhentrog kam es im Vorfeld zu Schneefall, der mit der Zeit durch die einfließende Warmluft oberhalb der atmosphärischen Grenzschicht (ein Kilometer Höhe) teils in Regen überging. Da die bodennahe Kaltluftschicht nur eine geringe vertikale Erstreckung hatte, reichte die Zeit nicht aus, dass der Regen bereits vor dem Auftreffen auf den Erdboden gefror. Somit fiel der Regen auf die kalten Böden und sorgte schlagartig für gefährliches Glatteis. Örtlich war die Kaltluftschicht aber auch stärker ausgeprägt, sodass der Regen bereits vor dem Auftreffen auf den Erdboden zu Eiskörnern gefror. In diesem Fall spricht man dann von Eisregen.

Die Wetterlage der letzten Tage ist dagegen typisch für markante Glättelagen. Nach einer winterlichen Periode mit Dauerfrost greifen allmählich Tiefausläufer vom Atlantik auf Mitteleuropa über, die häufig von einem kräftigen Hoch über Nordwestrussland blockiert werden und sich somit über Mitteleuropa allmählich auflösen. Trotzdem führen diese Tiefs mit ihren Frontensystemen vom Atlantik mildere Luftmassen heran, die sich allerdings aufgrund recht schwacher Winde und damit fehlender Durchmischung nur sehr schwer bis zum Erdboden durchsetzen können. Die Folge ist je nach Ort eine Mischung aus Regen, Schneeregen, Schnee, Eisregen und gefrierendem Regen!

Wie sieht die Lage in den nächsten Tagen aus?
Nach vorübergehendem Zwischenhocheinfluss am Donnerstag nehmen die Atlantiktiefs einen neuen Anlauf. Die Warmfront eines kräftigen Sturmtiefs über Irland verursacht im Westen am Freitagfrüh Aufgleitniederschläge. Diese fallen im äußersten Westen voraussichtlich als Regen. In Richtung Osten ist anfangs allerdings nochmals eine Mischung aus Schnee und gefrierendem Regen dabei, was am Freitagvormittag zu gefährlicher Glätte auf den Straßen führen kann. Der simulierte Radiosondenaufstieg für Freitagmorgen zeigt für den Süden Hessens eine markante Temperaturinversion bei etwa 900 Hektopascal (siehe Abbildung unten). Dies entspricht einer Höhe von etwa ein Kilometer. Fällt nun Niederschlag beginnt der Schnee in der Höhe zu schmelzen und geht in Regen über. Da die unterste Schicht allerdings noch Temperaturen unter 0 Grad aufweist, ist davon auszugehen, dass örtlich Regen auf die gefrorenen Böden fallen wird und dabei sofort gefriert. Dies kann vor allem am Freitagvormittag zu gefährlichem Glatteis führen. Aktuelle Informationen zur aktuellen Warnsituation finden Sie in der Warn-Wetter App oder auf unserer.

M.Sc.-Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.12.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/12/DWD-Die-Gefahr-von-gefrierendem-Regen.png 969 1473 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-06 15:18:282024-01-10 10:22:53Die Gefahr von gefrierendem Regen

Ehrenamt beim Wetterdienst

5. Dezember 2023/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Im heutigen Thema des Tages soll es um einen Aktionstag gehen, den die UNO im Jahr 1986 ins Leben gerufen hat – und zwar den „Internationalen Tag des Ehrenamtes“. Auch in Deutschland wird er gefeiert und von staatlicher Seite finden Ehrungen statt. Der Bundespräsident verleiht z.B. Verdienstorden an Personen aus allen Bundesländern, die sich durch ein außerordentliches, ehrenamtliches Engagement auszeichnen.

Auch beim Deutschen Wetterdienst (nachfolgend als DWD bezeichnet) werden Ehrenamtliche benötigt und gesucht. Der DWD betreibt ein nebenamtliches Netz von Wetter- und Niederschlagsstationen zur Wetter- und Klimaüberwachung. Daher werden wetterbegeisterte Bürger und Bürgerinnen gesucht, die ein geeignetes Grundstück für das Aufstellen der Messgeräte zur Verfügung stellen können. Teils müssen auch manuelle Messungen durchgeführt werden (z.B. Schneemessungen) und sowohl die Messgeräte als auch das Grundstück müssen in Stand gehalten bzw. gepflegt werden. Eine weitere Voraussetzung ist ein Internetanschluss zur Weiterleitung der gesammelten Daten. Nähere Informationen zu den Anforderungen an das Grundstück, zu Orten, an denen aktuell BeobachterInnen gesucht werden oder auch was man genau tun muss, können u.a. auf der folgenden Webseite nachgelesen werden

Auch das Phänologische Messnetz des DWD benötigt Freiwillige, die im Jahresverlauf wiederkehrende Wachstums- und Entwicklungserscheinungen verschiedener sogenannter Leitkulturen ermitteln. Als Leitkulturen dienen verschiedene Pflanzenarten, Forst- oder Ziergehölze. Es werden Eintrittsdaten charakteristischer Vegetationsstadien (z.B. Blüte der Forsythie, Apfelblüte, Laubentfaltung Stieleiche, Laubfall Stieleiche) beobachtet und übermittelt. Diese Daten dienen dem Klimamonitoring sowie der agrar- und medizinmeteorologischen Beratung des DWD. Nähere Informationen zur stetigen Suche phänologischer Beobachter und Beobachterinnen sowie zur Phänologie im Allgemeinen gibt es auf der Homepage des DWD unter.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-12-05 16:17:152023-12-06 09:30:42Ehrenamt beim Wetterdienst

Die milde Luft klopft an die Tür

4. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der Winter hat gerade erst begonnen (der 1. Dezember ist der meteorologische Winteranfang), zeigt uns aber schon mal, was er draufhat: Nach dem Schneechaos im Südostdeutschland hat sich das Wetter dank des Hochs DUNJA zumindest vorübergehend beruhigt. Unter teils klarem Himmel sind die Temperaturen durch die mächtige Schneedecke im Südosten des Landes auf Gefrierfachniveau gesunken mit Werten häufig zwischen -12 und -19 Grad.

Von Westen „klopft“ jedoch die milde Atlantikluft mit Tief SANI mit Kern über dem Ärmelkanal an. Da kalte Luft schwerer ist als warme Luft, hat die Atlantikluft viel Arbeit vor sich, um die eingeflossene Kaltluft wegzuräumen. Dies geschieht nicht immer glimpflich. Wenn ein Tief ins Spiel kommt, kann es dann zu einer Glatteislage führen.

Im Laufe des Montagnachmittags weiten sich die Niederschläge von Tief SANI von Südwesten nordostwärts aus. Bis Dienstagmorgen bleiben nur der äußerste Nordosten und Südosten noch trocken.

Zunächst fällt nur Schnee, ab dem Nachmittag mischt sich aber auch zunehmend Regen darunter. Das liegt daran, dass in höheren Luftschichten von Westen wärmere Luft herangeführt wird. Am Boden hält sich aber zum Teil weiter die Kaltluft. Es kommt also gebietsweise zu einer erhöhten Glatteisgefahr, vor allem im westlichen Bergland und je weiter man nach Osten kommt. Besonders gefährdet sind ab den Abendstunden bis Dienstagfrüh die Regionen zwischen Main und Donau. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Glatteissituation vereinzelt auch unwetterartig ausfällt. Nach Norden und Nordosten fällt etwas Schnee. Nur entlang des Rheins und ganz im Westen bleiben die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag über null Grad, ansonsten liegen sie meist in den Frostbereich. Im Südosten Bayerns kann es erneut strengen Frost auftreten.

Zu erwähnen ist auch der Wind: Mit der Annäherung des Tiefs SANI frischt der südöstliche Wind vor allem in den Kammlagen der Mittelgebirge und auf den Alpengipfeln auf. Es werden zwar keine hohen Windgeschwindigkeiten erwartet, aber in Kombination mit dem noch lockeren Schnee kann es zu Schneeverwehungen kommen.

Am Dienstag liegt der Kern des Tiefs über Nordwestdeutschland. Dabei fließt wieder etwas kältere Luftmassen ein. Im Bergland oberhalb von 400 bis 600 m fällt dann wieder Schnee. In tieferen Lagen entspannt sich bei positiven Temperaturen um 5 Grad die Glättesituation. Lediglich im Nordosten und ganz im Norden sowie ganz im Südosten fällt bis unten Schnee. In der Nacht zum Mittwoch bleiben wir immer noch unter dem Einfluss von Tief SANI. Dabei werden weitere Niederschläge erwartet, die teils bis in tieferen Lagen als Schnee fallen. Entsprechend muss mit Glätte durch überfrierende Nässe oder Schnee gerechnet werden.

Zur Wochenmitte zieht das Tief langsam nach Polen ab und von Westen macht sich ein Zwischenhoch bemerkbar. Entsprechend verlagern sich die Niederschläge mehr in den Osten. Die Milderung setzt sich aber nur zögerlich durch. Ganz im Osten und Südosten hält sich die kalte Luft mit Temperaturen um 0 Grad, ansonsten werden Höchstwerte zwischen 3 und 7 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag gibt es aber verbreitet Frost zwischen 0 und -7 Grad. Dabei bleibt es meist trocken.

Am Donnerstag versucht ein neues „mildes“ Atlantiktief auf Deutschland überzugreifen. Gegenüber steht aber das „kalte“ Hoch über Russland. Es bleibt spannend, in wie weit sich die milde Luft nach Osten durchsetzt und wie nachhaltig wird sie sein. Es gibt auch Modellprognosen, in denen die Kaltluft relativ schnell zurückkehrt.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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