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Langeweile? Nicht beim Wetter!

3. Februar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die derzeitigen Protagonisten auf der Wetterkarte lauten FRANK und NADINE. Diese zwei Druckgebilde sind für das Wettergeschehen in Deutschland verantwortlich. Während Hoch FRANK über Südwesteuropa liegt, hat es sich Tief NADINE über Nordeuropa bequem gemacht. Daraus resultiert eine stramme westliche Strömung, mit der feuchte, aber auch ungewöhnlich milde Atlantikluft herangeführt wird.

Die erste Geige im Wetterorchester spielt dabei der Wind, denn zeit- und gebietsweise drohen bis ins Flachland stürmische Böen aus westlicher Richtung. Dabei kristallisieren sich mehrere Höhepunkte bei der Windentwicklung heraus. Am heutigen Samstag werden vor allem im Norden und Osten steife Böen um 60 km/h (Bft 7) erwartet. Vor allem in Küstennähe sind stürmische Böen bis 70 km/h (Bft 8) möglich. In der Nacht zum Sonntag nimmt der Wind dann wieder ab.

Am Sonntag treten im Tagesverlauf nahezu im ganzen Land bis in tiefe Lagen steife, lokal stürmische Böen auf. Im höheren Bergland und an der Küste sind schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) mit von der Partie. Etwas schwächer präsentiert sich der Wind lediglich in den Niederungen im Südwesten. Ein erster Höhepunkt in der Windentwicklung ist in der Nacht zum Montag zu erwarten. Dann stehen in einem breiten Streifen von der Nordsee bis zum Erzgebirge bis ins Tiefland stürmische Böen, teils auch Sturmböen um 75 km/h (Bft 9) auf der Agenda. Geschuldet ist dies einer Gradientverschärfung zwischen dem Hoch über Südwesteuropa und tiefem Luftdruck über Nordeuropa. Nordöstlich und südöstlich des Streifens ist der Wind schwächer unterwegs.

Zum Start in die neue Woche bleibt uns das windige, teils stürmische Wetter erhalten. Auch am Montag werden die stärksten Böen (Bft 7-8) in einem Streifen diagonal vom Nordwesten bis nach Sachsen erwartet. Am Dienstag ist voraussichtlich in der gesamten Nordhälfte mit steifen Böen oder stürmischen Böen zu rechnen. Prinzipiell gilt für alle Tage, dass im höheren Bergland und zeitweise an der Küste schwere Sturmböen auftreten.

 

Für Anfang Februar ist dieses windige Wetter jedoch nicht ungewöhnlich. Eher ungewöhnlich sind die sehr milden Temperaturen. Oftmals werden, mit Ausnahme des Nordostens, Höchstwerte jenseits der 10-Grad-Marke erwartet. Nachts bleibt es, bis auf ganz wenige Ausnahmen im Süden, meist frostfrei. Vor allem am Montag sind im Alpenvorland Höchstwerte um 17 Grad nicht ausgeschlossen.

Neben viel Wind und milden Temperaturen wird es in einigen Regionen ziemlich nass. Bis Wochenmitte fallen in der Nordhälfte verbreitet 10 bis 30, gebietsweise um 50 l/qm. Vor allem in den Weststaulagen der Bergländer sind noch höhere Niederschlagssummen möglich. Deutlich weniger Regen fällt im Süden und Südwesten. Dort liegt die akkumulierte Niederschlagsmenge außerhalb des Berglandes größtenteils bei 5 bis 15 l/qm.

Ob der Winter ab dem kommenden Wochenende nochmals ein Comeback wagt, muss abgewartet werden. Gewisse Anzeichen dafür gibt es in den Modellberechnungen jedoch bereits. Bis dahin heißt es aber, Gummistiefel und wasser- sowie winddichte Klamotten an und raus an die frische Luft, denn es gibt bekanntlich ja kein schlechtes Wetter.

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/02/DWD-Langeweile-Nicht-beim-Wetter.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-02-03 14:59:512024-02-21 15:38:33Langeweile? Nicht beim Wetter!

Deutschlandwetter im Januar 2024

2. Februar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Januar 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Helgoland Schleswig-Holstein 4,3 °C +1,8 Grad
2 Borkum-Flugplatz Niedersachsen 4,1 °C +2,4 Grad
3 Norderney Niedersachsen 3,9 °C +2,3 Grad

Besonders kalte Orte im Januar 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -2,7 °C +1,9 Grad
2 Reit im Winkl Bayern -2,3 °C +1,3 Grad
3 Carlsfeld Sachsen -2,1 °C +1,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Januar 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Sankt Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 289,3 l/m² 148 %
2 Bernau-Goldbach Baden-Württemberg 269,6 l/m² 136 %
3 Todtmoos Baden-Württemberg 261,4 l/m² 124 %

Besonders trockene Orte im Januar 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Quedlinburg Sachsen-Anhalt 21,4 l/m² 95 %
2 Bad Lauchstädt Sachsen-Anhalt 23,6 l/m² 94 %
3 Stuttgart-Echterdingen Baden-Württemberg 23,9 l/m² 55 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Januar 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 München-Stadt Bayern 103 Stunden 157 %
2 Memmingen Bayern 102 Stunden 125 %
3 Wielenbach Bayern 102 Stunden 182 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Januar 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 39 Stunden 90 %
2 Trollenhagen Mecklenburg-Vorpommern 43 Stunden 96 %
3 Grambow-Schwennenz Mecklenburg-Vorpommern 44 Stunden 128 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-02-02 14:46:502024-02-21 15:35:23Deutschlandwetter im Januar 2024

Orkan „Ingunn“ in Norwegen: Einer der stärksten der letzten 30 Jahre!

1. Februar 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Teile von Norwegen und Schweden werden seit dem gestrigen Mittwochabend (31.01.2024) von auch für dortige Verhältnisse außergewöhnlich starken Winden heimgesucht. Das zugehörige Orkantief, das auf den international gültigen Namen „Ingunn“ getauft wurde, rauschte vom Nordatlantik heran und durchlief über der Norwegischen See eine sogenannte „rapide Zyklogenese“. Bei dieser explosionsartigen Verstärkung sank der Luftdruck in Zentrumsnähe innerhalb von 24 Stunden um 40 bis 50 Hektopascal und erreichte unmittelbar vor der Küste Mittelnorwegens einen minimalen Wert von etwa 940 hPa. Zum Vergleich: der tiefste, jemals über dem Nordaltantik oder Nordeuropa beobachtete Luftdruck lag schätzungsweise bei 912-913 hPa, allerdings im Kern eines weit draußen über dem Nordostatlantik befindlichen Orkantiefs am 14. und 15. Dezember 1986. Dieser Rekordwert war also nicht in Gefahr. Aber viel entscheidender für die tatsächliche Windentwicklung sind die Luftdruckgegensätze – und die waren besonders an der Südflanke des Tiefs extrem groß (siehe Abbildung 1, rechts).

Je größer die Gegensätze, desto stärker weht der Wind. Entsprechend kam es vor allem entlang des Küstenstreifens zwischen Ålesund und Bodø verbreitet zu extremen Orkanböen über 140 km/h (siehe Abbildung 2). An besonders windanfälligen Stationen wurden sogar Windgeschwindigkeiten über 180 km/h, im Küstenort Sømna sowie an der schwedischen Bergstation Stekenjokk mehrmals über 200 km/h registriert! Zusätzlich zu den Orkanböen traten zum Teil intensive Regen- und Schneefälle auf. Nach Angaben des europäischen Erdbeobachtungsprogramms COPERNICUS gehört Orkan „Ingunn“ damit zu den stärksten Stürmen, die Norwegen in den letzten 30 Jahren getroffen haben.

Das Schadensausmaß lässt sich zurzeit noch nicht abschätzen, zu dünn ist die Nachrichtenlage aus den betroffenen Gebieten. Ersten Berichten zufolge gibt es zahlreiche abgedeckte Dächer, eingedrückte Fensterscheiben und Stromausfälle. Teilweise wurden Autos und sogar Busse von den Straßen geweht. Der Schiffs- und Fährverkehr musste zeitweise eingestellt werden und auch Flughäfen blieben geschlossen. Regulärer Schulbetrieb finden an vielen Orten nicht statt.

Am heutigen Donnerstag zieht „Ingunn“ zur Barentssee und schwächt sich ab. Für Skandinavien und besonders Norwegen ist die Sturmgefahr damit aber nicht gebannt. Denn das nächste Sturmtief „Nadine“ nimmt unsere nordeuropäischen Nachbarn ab der Nacht zum Samstag erneut ins Visier. Wieder sind Orkanböen möglich, voraussichtlich aber nicht in der extremen Ausprägung wie bei „Ingunn“.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/02/DWD-Orkan-Ingunn-in-Norwegen-Einer-der-staerksten-der-letzten-30-Jahre.png 897 1670 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-02-01 16:03:372024-02-21 15:32:47Orkan „Ingunn“ in Norwegen: Einer der stärksten der letzten 30 Jahre!

Wo ist der Winter?

31. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Was macht eigentlich der Winter? Seit der letzten großräumigen Glatteislage am 17. Januar und nachfolgender Kältephase bis zum Wochenende des 20./21. Januars hat er sich doch still und leise hierzulande verabschiedet (so wir denn die leichten Nachtfröste vor allem in der Südhälfte mal ausklammern beziehungsweise unter „handelsüblich“ vernachlässigen). Dabei steht doch gerade jetzt statistisch gesehen die kälteste Zeit des Jahres bevor (siehe auch ). Tja Pustekuchen, denn so viel sei vorab schon verraten, es geht auch in den kommenden Tagen mild weiter.

 

Ein Blick über die Ländergrenzen hinaus verrät, dass hochwinterliche Luftmassen in Europa derzeit so gut wie gar nicht anzutreffen sind. Über Teilen Skandinaviens liegt anfangs noch eine seichte Kaltluftschicht (Tiefstwerte vergangenen Nacht in Mittelschweden teils unter -20 Grad). Diese wird aber in den nächsten Stunden durch die sich zu einem gewaltigen Orkantief aufplusternde „MARGRIT“ mit Spitzenböen an der Norwegischen Küste über 150 km/h, lokal sogar bis an die 200 km/h, ausgeräumt und durch mildere Meeresluft ersetzt. Auch in Russland muss man schon Richtung Sibirien wechseln, um für Ende Januar angemessene Temperaturen im deutlich zweistelligen Minusbereich zu finden.
Die Abbildung 1 zeigt eindrücklich, dass am morgigen Donnerstag nahezu europaweit positive Höchsttemperaturen zu erwarten sind. Im portugiesischen Lissabon steigt das Quecksilber gar auf frühsommerliche 22 Grad. Das ist dort klimatologisch betrachtet eher Ende April/Anfang Mai zu erwarten. Aktuell müsste man eher von rund 15 Grad ausgehen. Selbst in Skandinavien und Russland, wo aktuell in weiten Teilen noch reichlich Schnee liegt (siehe Abbildung 2), setzt flächendeckendes Tauwetter ein. Woher soll’s also kommen?

Bei uns werden die kommenden Tage durch eine Hochdruckrandlage bestimmt. So etabliert sich über der Biskaya zwar das kräftige Hoch FRANK, es beschert aber lediglich dem äußersten Süden Deutschlands freundliches und trockenes Wetter. Sonst fließt mit einer westlichen Strömung am Nordrand des Hochs doch sehr feuchte Atlantikluft in weite Landesteile, die vielfach zu trübem Wetter mit zeitweiligem Nieselregen führt. Letztlich also mehr Herbst- als Winterfeeling. Auch bei den Temperaturen tut sich vorerst wenig, selbst die Nächte bleiben weitestgehend frostfrei.

Gibt es nun noch Hoffnung für die Winterfans? Bis etwa Mitte Februar stehen die Zeichen erst mal auf mild. Allenfalls Richtung Ostseeküste könnte aus Skandinavien vorübergehend mal ein Schwall kälterer Luft zu uns gelangen, wobei selbst das kaum durchweg für Schnee und Frost reichen dürfte. Aber, und das ist ein Hoffnungsschimmer, zumindest ausgehend von Lappland und Nordwestrussland kann sich die Kaltluft allmählich regenerieren und wieder etwas Boden nach Süden gutmachen. Ob sich im Anschluss erste zarte Anzeichen für ein (vorerst letztes?) Wintercomeback verfestigen, wird sich in den nächsten Tagen konkretisieren. Es wäre gerade noch rechtzeitig, bevor der Sonnenstand mit rasch ansteigendem Einfallswinkel gerade tagsüber jedwede Winterfreude ruck zuck zunichtemacht. Im März oder gar April braucht das schließlich kein Mensch mehr, oder?

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Wo-ist-der-Winter.jpg 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-31 15:50:542024-02-21 15:25:36Wo ist der Winter?

Wenn man einen „gewischt“ bekommt…

30. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Sicherlich kennen Sie das: Man gibt jemandem die Hand oder will nach dem Aussteigen die Autotür zuschlagen und Zack, bekommt man einen „gewischt“. Wenn Sie mal genauer darüber nachdenken, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie besonders im Winter „Opfer“ dieser elektrischen Schläge wurden.

Warum das so ist, hat etwas mit der Feuchtigkeit der Luft zu tun. Die Luft ist im Winter nämlich trockener als im Sommer – zumindest was den absoluten Feuchtegehalt angeht. Das liegt daran, dass sie in den Wintermonaten im Normalfall deutlich kälter ist als im Sommer und somit weniger Wasserdampf aufnehmen kann. Während beispielsweise 1 m³ Luft bei 20 Grad 17 g Wasserdampf speichern kann, sind bei 0 Grad nur noch maximal 5 g möglich. Bei -10 Grad reichen schon etwa 2 g Wasserdampf um 1 m³ Luft zu sättigen.

Nun ist es aber auch so, dass man es in manchen Regionen gerade im Winter immer wieder mit zähem Nebel und Hochnebel zu tun hat und der besteht bekanntermaßen ja aus Wassertröpfchen. Zumindest dort könnte man jetzt natürlich sehr starke Zweifel an der Aussage hegen, die Luft im Winter sei trockener als im Sommer. Und diese Zweifel sind – relativ betrachtet – definitiv korrekt. Die sogenannte relative Feuchtigkeit gibt nämlich das Verhältnis zwischen der tatsächlich in der Luft befindlichen Wasserdampfmenge und der bei denselben Bedingungen maximal möglichen an. Trägt sie diese Maximalmenge in sich, ist sie gesättigt, wie man im Fachjargon sagt. Ihre relative Feuchte beträgt dann 100 % und es bilden sich Wolken oder Nebel.

Obwohl die Luft im Winter also absolut gesehen trockener ist als im Sommer, muss das relativ betrachtet nicht zwingend zutreffen, ganz im Gegenteil. Innerhalb von beheizten Räumen sieht das aber deutlich anders aus. Durch diverse Verdunstungsprozesse ist die Luft innerhalb eines Raums mit einem gewissen Feuchtegehalt angereichert. Beim Lüften wird diese durch kalte Luft ersetzt, die eine geringere (absolute) Wasserdampfmenge vorweist. Erwärmt man sie nun wieder auf dieselbe Raumtemperatur wie vor dem Lüften, ist sie in der Folge trockener.

Nun aber zur Elektrik! Unser Körper lädt sich tagtäglich auf, beispielweise durch die Reibung von Kleidung auf der Haut. Gleichzeitig stehen wir aber auch in ständigem Ladungsaustausch mit der Luft. Dieser Austausch klappt umso besser, je feuchter die Luft ist. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass er bei trockener Luft deutlich gehemmter vonstattengeht. Das führt wiederum dazu, dass sich unser Körper mehr und mehr auflädt, bis er schließlich etwas findet, über das der Ladungsüberschuss abfließen kann. Und das kann dann eben die Autotür oder die Hand des Gegenüber sein. Aber wie auch immer, die Entladung erfolgt im wahrsten Sinne des Wortes „schlagartig“.

Gefährlich ist dieser kleine Stromschlag übrigens nicht, es gibt aber sicherlich angenehmeres, oder? Wenn Sie das Risiko dafür, einen „gewischt“ zu bekommen, reduzieren möchten, können Sie beispielsweise für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit im Raum sorgen oder sich mit einer Feuchtigkeitscreme eincremen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-30 19:27:152024-02-21 15:19:19Wenn man einen „gewischt“ bekommt…

Böhmischer Wind

29. Januar 2024/in Thema des Tages, Wind/von WINDINFO

Heute widmen wir uns einem winterlichen lokalen Windphänomen, das während Hochdrucklagen häufig in Südostsachsen und Ostbayern an der Grenze zu Tschechien auftritt und deshalb auch als Böhmischer Wind bekannt ist. Die Ursache dafür liegt im Böhmischen Becken, einem relativ niedrig gelegenen Hügelland in Tschechien. Es wird im Westen durch den Oberpfälzer Wald und den Böhmerwald, im Norden durch das Erzgebirge, Lausitzer Bergland, Iser- und Zittauer Gebirge sowie das Riesengebirge begrenzt. Bei einem Hochdruckgebiet über Mittel- oder Osteuropa kann sich im Böhmischen Becken Kaltluft ansammeln, wodurch sich dort ein Kältehoch bildet. Oft entsteht dann auch eine Inversionswetterlage mit Warmluft in der Höhe, die auf dieser bodennahen Kaltluftschicht aufliegt.

An der Inversion bildet sich nicht selten eine dichte Hochnebeldecke, die sich über das gesamte Böhmische Becken ausbreiten kann. Bei südlichem Wind, wie es bei der aktuellen Wetterlage der Fall ist, entsteht über dem sächsischen Tiefland ein lokales Tiefdruckgebiet. Die Kaltluft strömt nun nach Norden vom Hochdruckgebiet in Richtung des Tiefdruckgebiets aus dem Böhmischen Becken hinaus.

Im Mittleren und Westerzgebirge liegt der Kamm größtenteils über 1000 m und befindet sich damit häufig bereits über der Inversion. Dort wird das Gebirge meist umströmt, wodurch es auf der Nordseite zu einer Durchmischung der Luft kommt und die Inversion sich auflöst. Ähnlich wie beim Föhn in den Alpen kann die Warmluft am Nordrand des Erzgebirges absinken. Bei der aktuellen Wetterlage beträgt die Temperatur -1 °C auf der Böhmischen Seite des Erzgebirges in Medinec und 14 °C in Aue am Erzgebirgsnordrand. Vom Osterzgebirge über das Lausitzer Bergland bis zum Zittauer Gebirge ist der Kamm niedriger und wird von der Kaltluft überströmt.

Durch die Verengung der Strömung der Kaltluft zwischen Inversionsuntergrenze und Gebirgskamm wird die Luft beschleunigt und fällt auf der Nordseite als kalter katabatischer Fallwind in die Täler ab. Dort kann es durch Düseneffekte zu einer zusätzlichen Beschleunigung kommen. Betroffen sind auch häufig das Elbtal bis etwa Dresden und das obere Neißetal. Im Extremfall können die Böen eine Stärke von 10 Bft erreichen, was bei einer Schneedecke zu erheblichen Schneeverwehungen führen kann. Bei östlicher Strömung tritt derselbe Effekt in Westbayern auf.

Dipl.- Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.01.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Boehmischer-Wind.png 680 1462 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-29 14:54:492024-02-21 15:15:33Böhmischer Wind

Der Januar läuft zum Finale zur Hochform auf!

28. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ein Blick auf das Barometer zeigt momentan in vielen Teilen Deutschlands Luftdruckwerte von über 1035 Hektopascal. Gestern Abend im Süden teils sogar um 1040 Hektopascal. Verantwortlich hierfür ist das kräftige Hochdruckgebiet ENNO, welches am Samstag mit seinem Zentrum über Süddeutschland lag. Zu Wochenbeginn verlagert sich ENNO mit seinem Zentrum allmählich nach Osteuropa. Sein Einfluss reicht aber nach wie vor bis nach Deutschland. Lediglich im Nordwesten des Landes zeigt sich das Wetter im Wochenverlauf nicht ganz lupenrein. Aktuell sorgt das Hochdruckgebiet häufig für Sonnenschein. Doch das ist nicht immer der Fall. Gerade im Herbst und Winter bilden sich unter einem Hochdruckgebiet bei windschwachen Bedingungen in der feuchten bodennahen Grundschicht über Nacht häufig dichte Nebelfelder aus. Diese lösen sich dann tagsüber in den Niederungen teils nur zaghaft auf. Teils bleibt es bei anhaltenden Hochdruckwetter über Tage dauerhaft trüb. Anfällig dafür sind vor allem einige windgeschützte Flussniederungen wie die Donau oder Teile des Rheins. Aber auch am Bodensee hält sich Nebel häufig äußerst zäh. In einigen Fällen kann bei so einer Lage in den Niederungen aus der dichten Stratusbewölkung Sprühregen oder Schneegriesel fallen. In seltenen Fällen sogar gefrierender Sprühregen mit erhöhter Glättegefahr .

Ein zweites Merkmal einer Hochdrucklage im Winter ist eine Temperaturinversion. Diese tritt aktuell auch vor allem im Westen Deutschlands auf (siehe Abbildung 1). Besonders markant ist diese im Winterhalbjahr bei einer antizyklonalen Südwestlage. Dabei strömt in der Höhe milde Luft aus dem südwestlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa, während die bodennahe Schicht aufgrund der negativen Strahlungsbilanz immer weiter auskühlen kann. Ist der Wind zu schwach, um für ausreichend Durchmischung zu sorgen, kann sich unter Umständen über Tage eine markante Inversion ausbilden. Diese wird vor allem tagsüber dann oftmals noch verstärkt durch dichte Nebelfelder in den Niederungen und reichlich Sonnenschein oberhalb der Inversionsschicht. Verstärkt wird die bodennahe Auskühlung in den Nächten zudem auch in einigen Fällen von einer geschlossenen Schneedecke. Im Winterhalbjahr werden somit häufig die höchsten Temperaturen bei dieser Wetterlage auf den Gipfeln oder bei leichtem Wind durch Föhneffekte im Lee einiger Mittelgebirge beobachtet. Die niedrigsten Maximaltemperaturen werden dagegen häufig bei Nebel in den Flussniederungen gemessen.

Aber auch im Sommerhalbjahr treten unter Hochdruckeinfluss nicht immer auch hohe Temperaturen auf. Entscheidend ist dabei die Lage des Hochdruckgebietes. Liegt dieses mit seinem Zentrum über dem östlichen Nordatlantik, gelangt Deutschland in eine nördliche Strömung und vor allem in den Nächten kann es dann sehr kühl werden.

Wie gestaltet sich die aktuelle Hochdrucklage in den nächsten Tagen?

Da sich Hoch ENNO zu Wochenbeginn allmählich nach Osten verlagert, wird der Weg frei für sehr milde Luftmassen aus Südwesteuropa. Diese können sich allerdings trotz etwas auffrischendem Südwestwind nur stellenweise bis zum Boden durchsetzen. So werden die höchsten Temperaturen zu Wochenbeginn in den höheren Lagen der südwestlichen Mittelgebirge sowie im Lee von Eifel und Sauerland durch leichte Föhneffekte erwartet. Dort sind vorfrühlingshafte 15 Grad möglich. In den Niederungen im Süden und ist der Südwestwind schwächer, sodass sich dort die bodennahe Kaltluft aufgrund fehlender Durchmischung halten kann. Somit bleibt es dort deutlich kühler. Teilweise werden nur Höchstwerte von 4 Grad erwartet. In den Nächten tritt dort zudem verbreitet leichter bis mäßiger Frost auf.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Der-Januar-laeuft-zum-Finale-zur-Hochform-auf.png 969 1474 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-28 13:46:112024-02-21 15:08:58Der Januar läuft zum Finale zur Hochform auf!

Die erste Hälfte ist schon vorbei

27. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit dem gestrigen 26. Januar sind bereits 57 Tage des diesmal 91 Tage andauernden meteorologischen Winters 2023/2024 vorüber. Dabei lag das Gebietsmittel der Temperatur in dieser Periode unter dem Strich bisher bei rund 1,9 Grad Celsius (°C) und damit 1,7 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung 0,4 Grad.

Der Winter ist daher nach jetzigem Stand bisher zu mild verlaufen und auch die kommenden Tage versprechen kaum winterliches Ambiente in Deutschland. Eher streben die Höchsttemperaturen wieder zweistellige Werte an. Zusammen mit dem vielerorts vermehrt auftretenden Sonnenschein könnte damit ein Hauch von Frühling entstehen – und das mitten im Hochwinter!

Der Hochwinter ist die Phase von Anfang Januar bis Mitte Februar. Die im Mittel kältesten Tage liegen üblicherweise zwischen dem 17. Januar und dem 1. Februar. Die Mitteltemperaturen betragen dann zwischen -0,36 und 0,29 Grad (berechnet aus Stationsdaten des „Climate Data Center“ (CDC) des Deutschen Wetterdienstes. Der kälteste Tag ist im Durchschnitt der 26. Januar mit -0,36 Grad. Eine zweite kalte Periode gibt es häufig vom 13. bis zum 15. Februar mit Mitteltemperaturen von -0,09 bis 0,14 Grad.

Der Winter 2023/2024 brachte bis zu diesem Zeitpunkt mehrheitlich milde Phasen mit überdurchschnittlichen Temperaturen hervor, es gab aber auch kältere Phasen. Diese traten Anfang Dezember und Mitte Januar auf, wie sich gut an der roten Kurve in Bild 1 erkennen lässt. In diesen Phasen lagen die Mitteltemperaturen teilweise sogar im negativen Bereich, mit einem Minimum von -6,31 Grad am 9. Januar 2024.

Schaut man auf die Kurven der maximalen Tageshöchsttemperaturen, so wurden in Deutschland an allen Tagen im Winter schon einmal 15 Grad und mehr registriert. Am wärmsten war es an einem 26. Februar mit fast unglaublichen 24,5 Grad, womit die Schwelle zu einem meteorologischen Sommertag (Tageshöchsttemperatur 25 Grad oder mehr) fast überschritten wurde. Dieser hohe Wert wurde übrigens an der Station Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) im Jahre 1900 erreicht, an dem Tag meldeten umgebende Stationen ebenfalls meist über 20 Grad.

In diesem Winter ordneten sich die maximalen Tageshöchsttemperaturen in Deutschland häufig zwischen 10 und 15 Grad ein. In den kälteren Phasen Anfang Dezember und Mitte Januar sanken die Werte auf 2 bis 7 Grad. Ein deutschlandweiter Eistag wurde damit verfehlt. Dafür wurde an einem Tag eine neue maximale Höchsttemperatur gemessen: am 24. Januar 2024 stieg die Temperatur im bayerischen Piding auf 17,8 Grad, womit der bisherige Rekord von 17,5 Grad vom 24. Januar 1990 in Bad Reichenhall (ebenfalls Bayern) abgelöst wurde.

Ob der Winter im Februar noch einmal zurückschlagen kann, bleibt abzuwarten. Potenzial dafür ist vorhanden, wie die Auswertungen der Mitteltemperatur in der Vergangenheit in Abb. 1 zeigen.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Die-erste-Haelfte-ist-schon-vorbei.jpg 571 870 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-27 13:39:332024-02-21 14:59:18Die erste Hälfte ist schon vorbei

Eisstau – Überflutungsgefahr durch angestautes Eis

26. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ende Dezember 2023 sowie Anfang des neuen Jahres war es bei uns in Mitteleuropa ungewöhnlich mild und es regnete länger andauernd. Im Thema des Tages vom 18. Januar 2024 wurde auf diese milde und feuchte Witterungsperiode näher eingegangen und der hydro-klimatologische Bericht vorgestellt (siehe ). Als sich die Witterung Anfang Januar umstellte und in Deutschland eisige Frostnächte vorhergesagt wurden, erreichten uns zahlreiche Anfragen, wie sich der Frost auf das Hochwasser in Teilen Deutschlands auswirken würde. Im Zuge dessen wurden Erinnerungen an lang zurückliegende Winter wach, in denen Eisstaus auf Flüssen bei uns in Deutschland mit Beginn einer milden Witterungsphase zu Überflutungen führten (siehe ).

Gefriert das Wasser eines Flusses im Winter und steht zum Ende der Jahreszeit die warme Witterung bevor, steigt die Gefahr für Eisstau und das Risiko für Überflutungen in der Umgebung. Eisstaus entstehen, wenn die Eismassen in einem Fluss dessen Transportkapazität übersteigen. Der Prozess beginnt, wenn ein Fluss in strengen Wintern komplett von einer dicken Eisschicht überzogen wird. Das von Ufer zu Ufer reichende Eis wächst weiter und kann Tage, Wochen oder sogar Monate bestehen bleiben. Natürlich verändert es sich mit jeder Wetteränderung, dehnt sich aus oder schmilzt.

Durch folgende Prozesse bricht diese massive Eisschicht im Verlauf des Winters/Frühlings auf und die Eisschmelze setzt ein: Zum einen sorgen steigende Temperaturen und die zunehmende solare Einstrahlung dafür, dass das Eis zu tauen beginnt. Zum anderen lassen aufkommender Regen sowie Schneeschmelze den Wasserstand steigen, was wiederum Druck auf das Eis ausübt und zu einem Aufbrechen der Eisfläche führt.

Manchmal taut das Eis durch längere Wärmeperioden nur allmählich, bricht auf, fließt ab und stellt für das Flusssystem sowie die Infrastruktur keine größere Gefahr dar. Zuweilen kann es aber auch passieren, dass die Eisschmelze weniger organisiert erfolgt. Dann kann es zum sogenannten „Eisstau“ kommen. Eisschollen türmen sich im Fluss und an den Ufern auf und es kommt nicht selten zu Überflutungen in der näheren Umgebung.

Wie genau passiert diese unorganisierte Eisschmelze?

Wenn das Eis zu schmelzen beginnt, bricht es in große Schollen auf und bewegt sich mit dem fließenden Wasser flussabwärts. Es kann über die Ufer treten, wodurch sich die Eismenge im Fluss verringert. Gelangt es aber an Engstellen im Fluss, wie einer Flussbiegung, stößt es an Brückenpfeiler oder rutscht es über sehr flache Stellen des Gewässers mit geringem Gefälle, können die Eisschollen verkanten, dadurch ihre Geschwindigkeit verringern und letztlich sogar komplett stoppen. Das Wasser fließt hingegen weiter und transportiert weitere Eisschollen, die sich dann nach und nach zurückstauen. Findet das Wasser im Flussbett keinen Weg mehr unter dem Eis hindurch und an den Eisschollen vorbei, staut es sich flussaufwärts und ergießt sich über das angrenzende Land. Dies führt schlussendlich zu Hochwasser im Fluss und kann in schwerwiegenden Überschwemmungen in der Umgebung münden, da Wasser, Eis und Geröll aus dem Flussbett verdrängt werden.

Ein Eisstau kann sich nur durch Abschmelzen oder durch genug Druck aufgrund steigender Wasserpegel auflösen. Bis das Eis nicht komplett abgeschmolzen ist, kann ein Eisstau jedoch immer wieder entstehen. Setzt sich das aufgestaute Eis beim Abtauen sehr plötzlich in Bewegung, ist die Gefahr einer aufkommenden Flutwelle recht groß. Dass es beim Auflösen eines Eisstaus nur kaum oder gar keine Auswirkungen gibt, ist aber ebenfalls durchaus möglich.

Eisstaus kommen bei uns in Deutschland selten vor. Die Winter sind oft zu mild. In Kanada oder den USA hingegen sind Eisstaus mit Überschwemmungen im Winter häufiger an der Tagesordnung, wie jüngst in kleinerem Umfang nahe Florence, Colorado/USA (siehe ).

Dipl.-Met. Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2024
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Auf Sturm JITKA folgt KATRIN

25. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Mit Sturmtief JITKA schwang sich die aktuelle Sturmserie (siehe dazu auch das ) am gestrigen Mittwoch (24.01.) zu ihrem Höhepunkt auf. Die Analyse des Bodenluftdruckes und der Fronten von 7 Uhr (Abbildung 1) zeigt JITKA als ausgewachsenes Sturmtief mit Kern über der Norwegischen See. Es wies dabei einen minimalen Luftdruck von etwa 970 hPa auf. Ihm gegenüber Stand ein nicht weniger imposantes Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Spanien und einem maximalen Luftdruck von über 1040 hPa. Zwischen diesen beiden Hauptdarstellern auf der europäischen Wetterbühne herrschte demnach ein Luftdruckunterschied von rund 70 hPa, wobei sich dieser vor allem auf West- und Mitteleuropa konzentrierte, wie man an der dichten Drängung der Isobaren, der Linien gleichen Luftdruckes erkennt. Gerade dort musste folglich mit der höchsten Sturmgefahr gerechnet werden.

Mit Blick auf Deutschland kann man festhalten, dass es ziemlich verbreitet zu Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h gekommen ist (Abbildung 2). Die stärksten Böen traten mit Passage einer Kaltfront bzw. bei Schauern auf. Im Zuge dessen kam es örtlich zu schweren Sturmböen bis 100 km/h, ganz vereinzelt sogar zu orkanartigen Böen bis 110 km/h. Ähnliche Windgeschwindigkeiten konnten auch an einigen Abschnitten der Küsten beobachtet werden. Auf exponierten Berggipfeln traten vielfach Orkanböen auf. Demnach war es ein nennenswertes, markantes, wenngleich für das Winterhalbjahr kein ungewöhnliches Sturmereignis. Entsprechend „handelsüblich“ vielen die Auswirkungen aus: Einige umgestürzte Bäume, blockierte Straßen und Gleise sowie regionale Stromausfälle. Am Mittwochnachmittag kam es an der Nordsee und in der Elbe bei Hamburg zu einer Sturmflut. Am Mittwochnachmittag und -abend ließ der Wind allmählich nach, nur an der Ostsee und im nordostdeutschen Binnenland hielt die Sturmlage leicht abgeschwächt bis zum heutigen Donnerstagvormittag an.

Mittlerweile hat sich JITKA zum Baltikum verabschiedet und verliert weiter an Einfluss auf unser Wetter. So lässt auch der teils noch starke Wind im Nordosten am Donnerstagnachmittag immer mehr nach. Dem Sturmtief JITKA folgt das kleine Zwischenhoch DARIO, das seine Wirkung aber nicht so recht entfalten kann, da die nächsten atlantischen Tiefausläufer im Tagesverlauf bereits von Westen her bei uns aufschlagen. Auf der Vorhersagekarte für Donnerstagmittag (Abbildung 3) erkennt man einen umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem nahen Nordostatlantik und Nordeuropa, an dessen Südflanke sich ein kleines Randtief KATRIN bilden soll. Dieses Tief wird sich verstärken und bis Freitagmittag nach Südskandinavien ziehen. Dabei verschärfen sich die Luftdruckgegensätze über uns wieder, womit der Wind wieder einen deutlichen Zahn zulegt und insbesondere in der Nordhälfte Deutschlands in Böen stark bis stürmisch weht. Mit Passage von KATRINS Kaltfront zwischen Vormittag und späten Nachmittag und insbesondere bei teils intensiven schauerartigen Verstärkungen muss vorübergehend mit Sturmböen bis 85 km/h gerechnet werden. Ganz vereinzelt sind sogar schwere Sturmböen bis 100 km/h nicht auszuschließen. Dann besteht wieder die Gefahr umstürzender Bäume, die Straßen und Schienenwege blockieren können.

Zum Wochenende scheint die Sturmserie dann aber tatsächlich zu reißen. Zum einen zieht KATRIN sehr zügig nach Osten ab. Zum anderen plustert sich das ihr folgende Hoch ENNO über Mitteleuropa so richtig auf und vermag sich – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – erfolgreich gegen die Tiefdruckgebiete zur Wehr zu setzen. Es beschert uns ein ruhiges, trockenes und zumindest teilweise auch freundliches Wochenend- und Freizeitwetter.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2024
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