Ostereiersuche in Europa draußen oder drinnen?

Ostern steht ja bekanntlich vor der Tür und nachdem im Thema des Tages vom 05.04.2023 schon auf das Osterwetter in Deutschland eingegangen wurde, wollen wir heute mal einen Blick über den Tellerrand werfen und uns auf das Europawetter konzentrieren.

Im Frühjahr zeigen sich in Europa oftmals große Wetter- und Temperaturkontraste. Einerseits halten sich aus dem Winter heraus noch kalte Luftmassen über weiten Teilen Nordeuropas, während die Luftmasse im Süden des Kontinents aufgrund der deutlich zunehmenden Kraft der Sonne immer wärmer werden. In Mitteleuropa bekommen wir diese Gegensätze dadurch zu spüren, dass sich warme Frühlingstage mit Kaltlufteinbrüchen aus Nordeuropa abwechseln. Dies hat sich beispielsweise in den letzten zwei Wochen mit dem ständigen Temperaturwechsel gut gezeigt.

 

DWD Ostereiersuche in Europa draussen oder drinnen

Die Grafik zeigt eindrucksvoll die Abweichung der Lufttemperatur in 2 m Höhe innerhalb der letzten 7 Tage vom Mittel. Mit Ausnahme von Spanien und Portugal sowie den Britischen Inseln war es in fast ganz Europa teils deutlich zu kühl.
Auch am Osterwochenende stellt sich großräumig ein solches Strömungsmuster über Europa ein, wenngleich es in vielen Teilen des Kontinents für die Jahreszeit etwas zu kühl ist.

In der nachfolgenden Grafik ist die Temperaturverteilung in 850 hPa dargestellt. Die Temperatur in 850 hPa (etwa 1500 m ü. NN) wird herangezogen, um die Luftmasse zu charakterisieren.

DWD Ostereiersuche in Europa draussen oder drinnen 1

Während in Spanien in dieser Höhe schon über 15 Grad herrschen, sind es sonst in weiten Teilen Europas meist nur 0 bis 5 Grad. In Nordeuropa werden Werte zwischen -3 und -7 Grad erreicht und ein „Kaltluftosterei“ findet sich auch über weiten Teilen des östlichen Mitteleuropas bis hinüber zum Schwarzen Meer. Auch dort ist es für die Jahreszeit mit Temperaturen etwas unter dem Gefrierpunkt in 850 hPa zu kühl.

Doch was heißt das nun für die Temperaturen am Boden und wie wird das Wetter in den einzelnen Gebieten von Samstag bis einschließlich Montag?

Spanien und Portugal:
Viel Sonne, zum Montag hin in Nordspanien und im Norden Portugals mehr Wolken, aber trocken. Höchstwerte zwischen 18 und 23 Grad bei auflandigem Wind an den Küsten, sonst 24 bis 29 Grad, in Andalusien bis 32 Grad.

Britische Inseln und Frankreich:
Am Samstag freundlich und längerer Sonnenschein, nur in Irland, Nordirland und Schottland bereits dichtere Wolkenfelder, aber trocken. Am Sonntag in Frankreich weiter viel Sonne, sonst stark bewölkt und in Irland auch bedeckt und zeitweiliger Regen. Am Montag in weiten Teilen recht wechselhaft mit schauerartigem Regen oder Schauern und einzelnen kurzen Gewittern. Dazu gebietsweise stürmischer Westwind. Freundlicher in Südfrankreich. Maximal 11 bis 17 Grad, am Mittelmeer bis 21 Grad.

Nordeuropa:
Unter Hochdruckeinfluss recht freundliches Frühlingswetter, am Samstag ganz im Norden noch einzelne Schneeschauer. Am Montag in Südnorwegen und dem äußersten Westen Schwedens einsetzende Niederschläge, Schneefallgrenze 500 bis 800 m. Höchsttemperaturen zwischen 1 und 7 Grad im Norden, sonst 6 bis 12 Grad. Nachts verbreitet frostig.

Östliches Mitteleuropa:
Leicht unbeständig mit etwas Sonne und zeitweiligen Niederschlägen, Schneefallgrenze um 1000 m. Am Samstag in Polen meist trocken und öfters Sonne. Am Montag verbreitet längere sonnige Abschnitte und überwiegend trocken. Leicht ansteigendes Temperaturniveau von 6 bis 13 Grad am Samstag auf 10 bis 17 Grad am Montag.

Südosteuropa und Balkan:
Unter Tiefdruckeinfluss sehr wechselhaft und immer wieder schauerartige Niederschläge und einzelne teils kräftige Gewitter. Am Montag von Norden her langsam abnehmende Schauertätigkeit und etwas freundlicher. Höchstwerte zwischen 12 und 19 Grad, bei längerem Regen unter 10 Grad.

Italien:
Wechselhaftes Schauerwetter und einzelne Gewitter. Dazwischen auch gelegentlich etwas Sonne. Überwiegend trocken und am meisten Sonne zwischen der Poebene und den Abruzzen. Maximal 12 bis 20 Grad.

Alpenraum:
Am Samstag überwiegend bedeckt und zeitweilige Niederschläge, teils auch länger anhaltend, Schneefallgrenze um 1000 m. Am Sonntag langsam ostwärts bzw. südostwärts zurückziehende Niederschläge. In der Schweiz deutlich auflockernde Bewölkung und zunehmend sonnig. Am Montag freundlich, später von Westen mehr Wolken, trocken. Höchstwerte in Tallagen zunächst 3 bis 10 Grad, am Montag auf 11 bis 18 Grad ansteigend. In höheren Lagen zunächst leichter Frost, zum Montag auch dort häufiger frostfrei.

Alles in allem ist das Osterfest in vielen Teilen Europas eher leicht wechselhaft und das Temperaturniveau ist gedämpft. In manchen Hochlagen können die Ostereier sogar im Schnee versteckt werden. Etwas anders stellt sich das Temperaturniveau auf der Iberischen Halbinsel dar. Dort klopft bereits der Frühsommer an.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Löcher in der Luft?

Aktuell laufen in den meisten Bundesländern die Osterferien. Dies macht sich auch in der Tourismusbranche bemerkbar, es zieht die Leute raus aus den eigenen vier Wänden. Um möglichst schnell zum Urlaubsort zu gelangen, bietet sich – je nach Entfernung – eine Flugreise an. Bereits beim Start der großen Metallkiste stellt sich dann dieses aufregende Gefühl ein, wenn die Maschine das Rollfeld entlang rollt, die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung auf das Ende der Startbahn zurast und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die Adern. Der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten verspürt man allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. Das kann jedoch täuschen.

Die meisten Flugreisenden werden es schon erlebt haben. Aber nicht nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagt es einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im allgemeinen Volksmund als „Luftloch“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um Turbulenzen. Diese sorgen für ein schnelles Auf- oder Absteigen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Die schweren Metallkolosse sind konstruiert, um den auf sie einwirkenden Kräften standzuhalten. Aber wodurch treten solche Turbulenzen in der Luft auf?

In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit (diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 km beispielsweise über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die sie samt Passagieren gründlich durchschütteln.

Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei fehlender Luftfeuchtigkeit beispielsweise können Aufwinde auch ohne sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem Fall spricht man von „Blauthermik“. Treffen Luftmassen mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder –richtungen in größeren Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen Augen nicht erkennbar sind.

Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch kommt es zu einem erzwungenen Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden.

Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen oder Fronten, also dort, wo warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinandertreffen. Heute liegt ein schwacher Tiefausläufer (also eine Front) über Benelux und Frankreich und beeinflusst zunehmend auch die Westhälfte Deutschlands. Allerdings sind die Luftmassenunterschiede vorder- und rückseitig dieser Front nicht allzu groß und die Höhenwinde nicht allzu stark, weswegen sich auch die Turbulenz im Bereich der Front in Grenzen hält.

Der Deutsche Wetterdienst unterstützt die Luftfahrt grundsätzlich mit vielen meteorologischen Informationen, auch mit Turbulenzvorhersagen, mit Wetterbeobachtungen im Luftraum und an Flugplätzen sowie mit Warnungen vor diversen Wettererscheinungen. Diese können über Briefingsysteme oder die FlugWetter-App abgerufen werden. Darüber hinaus werden verschiedene Dienstleitungen wie zum Beispiel die individuelle Flugwetterberatung oder Flugwetterseminare angeboten.

M.Sc.Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis

Nachdem wir uns vergangene Woche der südlichen Polregion – genauer gesagt dem neuerlichen Rekordminimum in der saisonalen sommerlichen antarktischen Meereisbedeckung – gewidmet haben (siehe auch Thema des Tages vom 30.03.2023), machen wir heute einen dazu konträren Ausflug in die Nordpolarregion. Die Arktis ist umgeben von den Landmassen Eurasiens, Nordamerikas und Grönlands und bildet den kleinsten und kältesten Ozean der Erde. Während in der Antarktis im Februar die Schmelzsaison ihr saisonales Ende fand, ging etwa Anfang März, kurz vor Ende der Polarnacht, in der Arktis die Gefriersaison zur Neige und die maximale Meereisausdehnung wurde erreicht.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis

Im Februar lag das tägliche Meereiswachstum im Laufe des Monats in etwa im langjährigen Durchschnitt. Der Monatsbeginn war von Perioden mit einer schnellen Zunahme geprägt. Ab der Monatsmitte waren die Veränderungen jedoch nur noch geringer Natur. Für die Jahreszeit ist dies allerdings nicht ungewöhnlich, da sich das Eiswachstum generell verlangsamt und der Eisrand anfällig für Winde ist, die die Eisdecke entweder zusammendrücken oder ausdehnen. Insgesamt betrug im Februar die durchschnittliche arktische Meereisaudehnung nach den Berechnungen des Meereisportals 14,31 Mio. km² (siehe Abbildung 1), was dem siebtniedrigsten Wert seit dem Beginn der Satellitenaufzeichnungen von 1979 entspricht. Das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) ermittelte bei einer leicht abweichenden Daten- und Berechnungsgrundlage eine mittlere Flächenausdehnung von etwa 14,18 Mio. km², der sich als drittniedrigster Februarwert in den dortigen Aufzeichnungen einsortiert.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 1

Die mittlere Meereisausdehnung der Monate Februar und März (hier nicht gezeigt) weist einen langjährigen negativen Flächenverlust von 2,3 % pro Jahrzehnt aus (Abbildung 2). Seit Beginn der Satellitenerfassung 1979 hat die Februarausdehnung etwas mehr als 1,7 bis 1,86 Mio. km² eingebüßt, was in etwa der fünffachen Fläche Deutschlands entspricht.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 2

Das winterliche Maximum der Eisbedeckung in der Arktis wurde schließlich nach den Auswertungen der täglichen Satellitenaufnahmen vom Meereisportal auf den 5. März 2023 (6. März – NSIDC) datiert und erreichte einen Wert von 14,79 Mio. km2 (14,62 Mio. km2 – NSIDC). Nach dem 5. März folgte merklich der Übergang in die Schmelzsaison in der Arktis mit einem kontinuierlichen Rückgang der Ausdehnung an den Eisrändern (siehe Abbildung 3 und Abbildung 4). Regional blieb die Ausdehnung vor allem in der Barentssee, aber auch dem Ochotskischen Meer, der nördlichen Labradorsee und dem St.-Lorenz-Golf (in Abbildung 1 und 3 nicht mehr abgebildet) unter dem langjährigen Durchschnitt. In der Beringsee hingegen vielen die Defizite nicht ganz so stark aus wie in einigen anderen Jahren.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 3

In den letzten Jahren hat die geringe Meereisausdehnung in der Barents- und Karasee den insgesamt negativen Trend beim winterlichen arktischen Meereis verstärkt. Im Februar half auch eine ausgeprägte Druckkonstellation dabei diesen negativen Trend zu unterstützen. So zeichnete sich das Muster der Druckanomalien auf Meeresspiegelniveau im Februar durch besonders niedrigen Druck über Svalbard in Verbindung mit hohem Druck über dem zentralen Arktischen Ozean und Sibirien aus (siehe Abbildung 5). Dies entspricht einer stark positiven Phase der Arktischen Oszillation, einem großräumigen Modus der arktischen Klimavariabilität. Die Kombination aus Tiefdruck über Spitzbergen und Hochdruck über dem zentralen Arktischen Ozean trug dazu bei, dass relativ warme Luft aus dem Süden über den Nordatlantik in die Barentssee gelangte, wohingegen kalte arktische Luft in Richtung Beringsee vorstoßen konnte.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 5

In diesem Zusammenhang befasst sich auch eine neue Studie mit der Rolle der atmosphärischen Flüsse als Beitrag zu diesem Prozess. Atmosphärische Flüsse bringen warme, feuchte Luft aus den Tropen und Subtropen heran und können für stärkere Regenfälle sorgen (mehr dazu auch im Thema des Tages vom 11.01.2023). Zudem erhöht die damit einhergehende Bewölkung die zur Oberfläche gerichtete langwellige Strahlung, die eine zusätzliche Erwärmung bewirkt. Beide Prozesse können somit zur Meereisschmelze beitragen. Der Studie zufolge gelangen mehr atmosphärische Flüsse in die eurasische Arktis als früher, was zu einer geringeren Eisbildung oder zum Schmelzen des dünnen Eises in den Monaten November bis Januar führt.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.04.2023
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Tornado-Outbreaks in den USA

Zahlreiche Tornados sorgten am vergangenen Freitag und in der Nacht zum Samstag in Teilen des Südens und Mittleren Westens der USA für Verwüstungen, viele Verletzte und leider auch 26 Tote. Besonders betroffen davon waren ein Bereich von Iowa über Illinois bis Indiana und ein weiterer von Arkansas über den Norden Mississippis und den Südwesten Tennessees bis in den Norden Alabamas.

DWD Tornado Outbreaks in den USA

Insgesamt gingen 116 Tornadomeldungen beim Storm Prediction Center (SPC) des US-Wetterdienstes ein, wobei die tatsächliche Anzahl durch Mehrfachsichtungen ein- und desselben Tornados etwas niedriger liegt. Tatsächlich geht man derzeit von mindestens 104 Tornados aus. Zehn davon wurden dabei aufgrund der aufgetretenen Schäden der Kategorie EF3 zugeordnet, was einem Windgeschwindigkeitskorridor zwischen 218 und 266 km/h entspricht (Rotationsgeschwindigkeit wohlgemerkt). Ein Tornado, der über dem Südosten Iowas eine Schneise der Verwüstung hinterließ, wurde sogar als „schwacher“ EF4 klassifiziert. Er existierte eine Stunde lang und legte dabei bemerkenswerterweise knapp 70 km zurück. Abbildung 1 zeigt die beim SPC eingegangenen Tornadomeldungen als rote Punkte markiert (in blau Sturm- und Orkanböen, in grün Hagel).

Wie kam es zu diesem Outbreak (deutsch: Ausbruch)? Am Donnerstag (30.04.) entwickelte sich am Ostrand der Rocky Mountains (etwa über Colorado) ein Tief, das sich rasch zum Sturmtief mauserte und ost-nordostwärts Richtung Große Seen zog. Auf seiner Ostflanke wurde sehr feuchte und instabile Luft vom Golf von Mexiko bis weit in den Mittleren Westen der USA transportiert. Ein weiteres, in höheren Luftschichten vorhandenes Tief verlagerte sich gleichzeitig von den Rockies ostwärts. Es lieferte den nötigen Impuls zur Hebung dieser energiegeladenen Luftmasse, was die Entstehung kräftiger Gewitter zur Folge hatte. Aufgrund der zusätzlich starken Windscherung (Drehung und Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe) konnten sich diese schnell zu Superzellen organisieren, die diese Vielzahl an Tornados hervorbrachten.

Das SPC lieferte bereits am 26.03. erste Hinweise, dass es zum Monatswechsel in einem Bereich zwischen Iowa und Illinois im Norden und Osttexas und Nordlouisiana im Süden ordentlich zur Sache gehen könnte. Am 29.04. gab das SPC ein Enhanced Risk, also ein erhöhtes Unwetterrisiko für die gefährdeten Regionen heraus (Gefahrenstufe 3 von 5), was am nächsten Tag in zwei Bereichen auf ein Moderate Risk erhöht wurde (Stufe 4 von 5). Am Tag des Ausbruchs stufte das SPC die Tornadogefahr insgesamt noch etwas größer ein als zuvor, was in einem großflächigen Moderate Risk und in zwei kleinen Bereichen sogar in einem High Risk (Stufe 5 von 5) mündete. Vergleicht man die prognostizierten Gefährdungsbereiche mit den eingegangen Unwettermeldungen, so stimmen beide Regionen ziemlich gut miteinander überein. Mehr oder weniger ein Volltreffer!

DWD Tornado Outbreaks in den USA

DWD Tornado Outbreaks in den USA 1

Ein Blick in die Klimatologie zeigt, dass Tornados im März in den betroffenen Regionen durchaus keine Seltenheit sind (Abbildungen 3 und 4). Im langjährigen Mittel (1997 bis 2021) kommt es dort zu etwa drei bis fünf Tornados pro Staat. Im April sind es dann bereits sieben bis 14 Stück. Dass sich Einzelereignisse aber grundlegend vom Mittel unterscheiden können, zeigte dieser Ausbruch eindrucksvoll. Im US-Mittel treten im März 84, im April 187 Tornados auf. Der vergangene Ausbruch zählte, wie bereits geschrieben, mindestens 104 Tornados und liegt damit also deutlich über dem Märzmittel.

DWD Tornado Outbreaks in den USA 2

DWD Tornado Outbreaks in den USA 1

Und am heutigen Dienstag droht bereits der nächste Tornadoausbruch. Das SPC gab vor allem in einem Streifen von Arkansas bis nach Iowa und Illinois ein Enhanced Risk und für zwei kleine Bereiche von Südost-Iowa bis nach Nordwest-Illinois sowie von West-Arkansas bis nach Süd- Missouri ein Moderate Risk aus (siehe Abbildung 5). Erinnerungen werden wach, denn damit stehen fast dieselben Regionen wie wenige Tage zuvor im Fokus. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal bei rein materiellen Schäden bleibt oder zumindest keine Todesopfer zu beklagen sind.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.04.2023
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Das Wetter zu Ostern

Es ist wieder soweit; Ostern steht vor der Tür. Für viele bedeutet das ein verlängertes Wochenende mit vielen freien Tagen und Zeit für Familie, Hobbies, Ausflügen oder sogar einen Kurzurlaub. Bei der Planung für bestimmte Aktivitäten spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Und natürlich dürfen wir den Osterhasen nicht vergessen. Ob dieser am besten mit Gummistiefeln, Winterjacke oder Sonnenbrille durch die Gegend hoppelt, kommt auf das Wetter drauf an.
Das Wetter am Gründonnerstag gestaltet sich erst mal freundlich. Es ist meist gering bewölkt, in den Frühstunden allerdings noch recht frisch mit Temperaturen zwischen +1 und -8 Grad. Die Tageshöchstwerte klettern auf 8 bis 14 Grad. In die Westhälfte zieht bis zum Abend eine Warmfront mit vielen Wolken und etwas Regen auf.

DWD Das Wetter zu Ostern

Am Karfreitag, dem Start ins lange Wochenende, weitet sich die Warmfront auch auf den Süden Deutschlands aus. Es fällt immer wieder etwas Regen, im Bergland geht der Niederschlag in Schnee über. Gleichzeitig breitet sich auch von Osten dichte Bewölkung mit etwas Regen aus. Sonnig wird es dann vor allem noch in einem Streifen von der Nordsee über das Erzgebirge bis in den Bayerischen Wald. Ideal also für einen Ausflug auf den Fichtelberg oder einen Strandspaziergang auf Sylt.

Der Karsamstag ist der unbeständigste Tag des Wochenendes und damit ideal um noch die letzten Eier zu bemalen. Vor allem in der Osthälfte bleibt es ganztags stark bewölkt und gebietsweise regnet es leicht. Aber auch im Westen lässt sich die Sonne nur zeitweise blicken. Bei den Höchstwerten tut sich bis Samstag kaum etwas. Sie liegen weiterhin bei 8 bis 15 Grad. Allerdings lässt die Gefahr von Nachtfrost nach.

DWD Das Wetter zu Ostern

Am Ostersonntag ist auch eher ein bewölkter Himmel vorherrschend. Die Sonne zeigt sich nur in kurzen aufgelockerten Abschnitten. Hier und da fällt etwas Regen. Große Niederschlagsmengen kommen aber über den gesamten Zeitraum nicht zusammen. Bei schwachen Ostwinden braucht man auch keine Angst haben, dass die Ostereier weggeweht werden.
Am Ostermontag gehen die Prognosemodelle schon etwas auseinander, was die Vorhersage noch unsicher macht. Aktuell sieht der Montag sehr freundlich aus. Niederschlag fällt kaum noch und die Sonne scheint auch regional etwas länger, vor allem im Südwesten. Die Luft erwärmt sich leicht und die Temperaturen erreichen im Maximum Werte zwischen 12 und 18 Grad.

DWD Das Wetter zu Ostern 1

Zusammengefasst gestaltet sich das Wetter über Ostern sehr ruhig, beschaulich, ohne großes Aufsehen. Es wird nicht heiß, nicht besonders kalt. Es steht kein Sturm vor der Tür. Man muss die Ostereier auch nicht im Nebel suchen, was noch eine größere Herausforderung darstellen würde. Es wird in weiten Teilen mehr Wolken als Sonne geben und gebiets- und zeitweise auch etwas Regen.
Bei unseren Kollegen Julia Wenzel und Andreas Raeke an Bord von FS Polarstern darf der Osterhase seine Sonnenbrille nicht vergessen. Der Forschungseisbrecher befindet sich gerade auf dem Weg zurück von der Antarktis-Expedition in den Heimathafen Bremerhaven. An Ostern wird das Schiff vor der Küste Portugals in Richtung Nordosten schippern. Dort sind nur lockere Wolkenfelder oder sogar ein wolkenfreier Himmel zu erwarten.
An einem weiteren exotischen Ort befinden sich die Kollegen Patrick Suter und Frank Otte über Ostern. Sie sind auf FS Meteor unterwegs im Südatlantik auf Höhe Südafrikas. Für die Arbeiten an Bord ist natürlich auch der Seegang ausschlaggebend. Bei einer signifikanten Wellenhöhe von etwa 2 bis 3 Metern über die Feiertage wird es wohl ein sehr arbeitsreiches Ostern für die Wissenschaftler an Bord werden.
Nachdem der Osterhase jetzt weiß, was er über die Feiertage auch an etwas entlegeneren Orten zu erwarten hat, steht einem schönen Fest nichts mehr entgegen. Und für die, die lieber schon sommerliche Temperaturen und Sonnenschein herbeisehnen sei gesagt: bei kühlerem Wetter schmilzt zumindest der Schoko-Hase nicht.

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.04.2023
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Deutschlandwetter im März 2023

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im März 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Freiburg Baden-Württemberg 8,8 °C +3,4 Grad
2 Lahr Baden-Württemberg 8,7 °C +2,3 Grad
3 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 8,5 °C +3,1 Grad

Besonders kalte Orte im März 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 1,3 °C +2,3 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 1,4 °C +2,2 Grad
3 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 1,6 °C +1,7 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Sankt Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 294,1 l/m² 178 %
2 Dachsberg-Wolpadingen Baden-Württemberg 276,3 l/m² 207 %
3 Grebenhain Hessen 261,2 l/m² 275 %

Besonders trockene Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Taufkirchen/Vils-Baum Bayern 25,5 l/m² 43 %
2 Pfarrkirchen Bayern 26,2 l/m² 48 %
3 Heldenstein-Weidenbach Bayern 26,3 l/m² 53 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenschein
1 München-Flughafen Bayern 141 Stunden 110 %
2 Dillingen-Fristingen a. d. Donau Bayern 141 Stunden 136 %
3 Renningen-Ihinger Hof Baden-Württemberg 137 Stunden 116 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Bad Lippspringe Nordrhein-Westfalen 70 Stunden 67 %
2 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 72 Stunden 77 %
3 Hannover-Langenhagen Niedersachsen 73 Stunden 69 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

„El Clásico“, allerdings nicht beim Wetter

„April, April, der weiß nicht, was er will“ lautet eine allgemein bekannte Aussage zum klassischen Aprilwetter. So ähnlich erging es auch der Autorin bei der Frage, über welches Thema sich heute am besten schreiben ließe.

Der März und damit bereits ein Viertel des Jahres ist vorüber. Dass es mit über 90 Litern pro Quadratmetern und damit fast 60 Prozent mehr als im Schnitt der nasseste März in Deutschland seit gut 20 Jahren war, wurde zusammen mit weiteren Auswertungen zum Monat März bereits in einer Pressemitteilung vor zwei Tagen erläutert. Die bundesweiten Spitzenreiter bezüglich Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer folgen zeitnah an dieser Stelle. Das Thema „Beschreiben und Einordnen des Monats März“ erschien somit quasi abgearbeitet, auch wenn dies so natürlich nicht unbedingt zutreffend ist.

Wenn der März seit gestern Vergangenheit ist, heißt das folgerichtig, dass heute der 01. April sein muss. Klassischerweise wird man heute in den April geschickt. Da sich aber die Kollegin bereits einen vorgezogenen und sehr unterhaltsamen Aprilscherz erlaubt hat (Thema des Tages vom 31.03.2023), wäre es sicherlich zu viel des Guten, sich noch einen Aprilscherz zu erlauben. Auch wenn die Ideen hierfür vielfältig wären. Wie beispielsweise die Schlagzeile „Badewetter an der Ostsee“. Das Wetter an der Ostsee lädt heute zwar zu vielem ein (vor allem drinnen), aber sicherlich nicht zum Baden in der Ostsee. Höchsttemperaturen von bis zu 6 Grad und stürmischer Nordostwind lassen den Aufenthalt draußen alles andere als angenehm erscheinen. Zu irgendwelchen „ketzerischen“ Aussagen zum Osterwetter sollte man sich an dieser Stelle besser auch noch nicht hinreißen lassen, um die Grenzen der Seriosität nicht zu überschreiten. Für alle Leserinnen und Leser, die sich dafür interessieren, woher der Brauch, jemanden in den April zu schicken, stammt, sei das Thema des Tages vom 01.04.2020 zu empfehlen.

Wie oben eingeleitet, ließe es sich sicherlich auch sehr gut über klassisches Aprilwetter schreiben. Die Ursachen für das „Bilderbuch-Aprilwetter“ wurde an dieser Stelle bereits das ein oder andere Mal erklärt (Thema des Tages vom 06.04.2021). Das Wetter am heutigen Tag lässt allerdings eher einen Tag im Spätherbst vermuten als einen 01. April. Das klassische „Streuselkuchen-Wetter“, wie es mit seinen Schauern (und Gewittern) und sonnigen Abschnitten für einen Bilderbuch-Apriltag üblich ist, tritt heute so nicht auf. Da waren die letzten Märztage „mehr April“, als es der heutige 01. April ist. Der Süden hat es im wahrsten Sinne des Wortes mit einer feuchtmilden Luftmasse zu tun, denn es regnet nicht nur teilweise lang anhaltend, sondern teils auch kräftig. Für die Staulagen der südlichen Mittelgebirge laufen daher Warnungen vor Dauerregen bis morgen früh. Nimmt man noch den teils stürmischen Südwestwind und den meist wolkenverhangenen Himmel hinzu, bleibt einem fast nur eine Beschäftigung in trockenen und windgeschützten Bereichen, bestenfalls im gemütlichen Zuhause. Allmählich stellt sich die Wetterlage von Norden her um, indem kältere Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland gelangen, was heute im Nordosten bereits spürbar ist. Am morgigen Sonntag ziehen sich die Niederschläge im Tagesverlauf allmählich Richtung Süden zurück. Da die Schneefallgrenze im Tagesverlauf sinkt, können in den Alpen ein paar Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Ansonsten wird es im Süden bei regnerischem (Schauer-)Wetter eher ungemütlich. In der Nordwesthälfte wird es häufig sonnig und trocken, wobei der böige Nordostwind nicht zu vernachlässigen ist.

Nachdem nun über so manches Thema philosophiert, das meiste aber nur umrissen wurde, sollte an dieser Stelle dann doch noch etwas „Besonderes“ thematisiert werden, um zumindest die Autorin halbwegs zufriedenzustellen. Da die Begeisterung für den König Fußball auch nicht fernliegt und heute Abend um 18:30 Uhr der deutsche „El Clásico“ zwischen dem FC Bayern München und der Borussia aus Dortmund angepfiffen wird, war das „Besondere“ gefunden. Man verknüpfe einfach die verschiedenen Bundesliga-Spiele mit der aktuellen Wetterlage.

Um möglichst keinen Fan eines Bundesligavereins auszugrenzen, wird kurz auf das Gastspiel Bochums bei der Frankfurter Eintracht gestern Abend eingegangen. Bei 10 Grad und etwas Regen kam der Gastgeber trotz zahlreicher Chancen nicht über ein 1:1 am Ende hinaus.

Der Gang zu Union Berlin dürfte allen, deren Herz für den VfB..Verein für Bewegungsspiele Stuttgart schlägt, leider unschön in Erinnerung geblieben sein, als man in der Bundesliga-Relegation 2019 gegen die Eisernen antreten musste und aufgrund der Auswärtstorregelung leider für ein Jahr die Bundesliga verlassen musste. Ein paar Jahre später kann nun neidlos anerkannt werden, dass der Aufstieg der Köpenicker durchaus verdient war, was schon allein anhand der Entwicklung in den letzten Jahren erkennbar ist. Stuttgart hat aktuell jeden Punkt bitternötig, allerdings gibt es vermeintlich einfachere Aufgaben als ein Gastspiel bei Union Berlin. Bei wenig Sonne, etwas Regen, 9 Grad und kaltem Nordostwind wird es nicht gerade einfacher.

Ähnliches gilt für das Wetter in Leipzig, wenn Mainz 05 zu Gast ist, auch wenn die Temperaturen „immerhin“ bei um die 12 Grad liegen. Auch Wolfsburg gegen Augsburg findet bei vergleichbarem Wetter statt.

Zum Wetter auf Schalke kann nichts Alternatives formuliert werden, außer dass der Wind aus Südwesten weht, aber das war es dann auch schon. Ob Schalke seinem Namen wie im Hinspiel gerecht wird und das Spiel 0:4 endet, bleibt bis spätestens kurz nach 17:15 Uhr abzuwarten.

Bleibt für heute Nachmittag noch das Gastspiel der Hertha beim SC Freiburg. Für die Region laufen zwar Warnungen vor Dauerregen, wobei die Stadt Freiburg zwar Regen abbekommt, aber nicht in dem Maße, wie es beispielsweise auf den Hochschwarzwald zutrifft. Zudem frischt der Südwestwind stark böig auf. Immerhin 12 Grad lassen das Ganze nicht vielversprechend erscheinen, aber wer weiß, vielleicht macht das Spiel alles wieder wett.

Wäre da noch das Topspiel für heute Abend: Der deutsche „El Clásico“. Was wurde und wird vermutlich auch wieder über dieses Spiel geschrieben. Da geht es in den Zeitungen und Talksendungen manchmal ähnlich turbulent zu wie beim Wetter. Regen, stark böiger Südwestwind und einstellige Temperaturwerte lassen das Spiel (hoffentlich) nicht so hitzig werden, wie es andere Faktoren sicherlich tun werden.

DWD El Clasico allerdings nicht beim Wetter

Morgen folgt dann noch unter anderem das rheinische Derby der Kölner Geißböcke gegen Gladbach. Das Fell von Hennes ist hoffentlich dicht gewachsen. Zwar ist der Regen zu Spielbeginn allmählich südwärts abgezogen und die Sonne lugt etwas durch die Wolken, aber bei böigem Nordostwind können sich auch 10 Grad kühl anfühlen.

Des Weiteren hat Bundesliga-Rückkehrer und Nordlicht Werder Bremen die TSG Hoffenheim im letzten Spiel des Bundesliga-Wochenendes zu Gast. Bei viel Sonnenschein durchaus annehmbar, allerdings sprechen 9 Grad und böiger Nordostwind nicht gerade für T-Shirt-Wetter.

DWD El Clasico allerdings nicht beim Wetter 1

Dann bleibt der Autorin nichts mehr übrig, als viel Spaß beim Schauen der Spiele zu wünschen, sei es bei einem mal mehr, mal weniger feuchtfröhlichen Stadionbesuch oder vor dem heimischen Fernseher.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.04.2023
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Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung

Im Thema des Tages vom 04.01.2023 berichteten wir bereits, dass die antarktische Meereisbedeckung im Dezember 2022 einen außergewöhnlich starken sommerlichen Rückgang verzeichnete und ein Rekordminimum für den Monat Dezember konstatiert werden konnte. Mit dieser großen negativen Anomalie stellten sich die konkreten Fragen: „Wie wird sich das antarktische Meereis noch bis zum Ende des Südsommers entwickeln?“ und „Wird ein neuer Negativrekord erreicht?“ – Auf diese Fragen wollen wir nun Antworten liefern.

Etwa Mitte Februar erreicht die antarktische Meereisausdehnung in der Regel ihr saisonales Minimum. Bereits in der ersten Monatsdekade wurde am 08.02.2023 das Rekordminimum (siehe auch Thema des Tages vom 14.03.2022 ) aus dem letzten Jahr unterschritten, sodass für den diesjährigen Südsommer ein neues Allzeittief unumgänglich war. Die neue absolute Minimummarke wurde laut den ausgewerteten Satellitendaten des Meereisportals am 19.02.2023 mit einer Meereisausdehnung von nur 2,01 Mio. km² ermittelt (siehe Abbildung 1). Auch das europäische Ocean and Sea Ice Satellite Application Facilities (OSI-SAF) und das amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) werteten mit eigenen etwas abweichenden Berechnungsalgorithmen die Meereiskonzentration aus. OSI-SAF ermittelte ein Minimum von 2,06 Mio. km² (16.02.), während NSIDC einen noch geringeren Wert von 1,79 Mio. km² (21.02.) bestimmte.

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf die vom Meereisportal ermittelten Absolutwerte. Auf jeden Fall lässt sich konstatieren, dass das neue Allzeittief das bisherigen Rekordminimum um eine zusätzlich verschwundene Eisfläche von ca. 260.000 km² unterschritt. Diese zusätzlich geschmolzene Fläche entspricht rund Dreiviertel des deutschen Bundesgebietes oder etwas mehr als der Größe des Vereinigten Königreiches.

Wie bereits im Dezember festgehalten, war die sommerliche Eisschmelze vor allem im Amundsenmeer und der Bellingshausensee besonders stark. Diese Meeresgebiete entlang der Westantarktis waren praktisch eisfrei. Auch im angrenzenden Ross- und Weddellmeer ist auffallend wenig Meereis im Vergleich zum Vorjahr registriert worden. Die erhöhten Schmelzraten in diesen Regionen lassen sich auf eine Kombination von zwei entscheidenden Bedingungen zurückführen. Zum einen wurde in weiten Teilen der Antarktis eine überdurchschnittlich hohe Lufttemperatur verzeichnet, die bis zu 2 Grad über dem Langzeitmittel lag. Zugleich wirkte auch in vielen Bereichen eine überdurchschnittlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die bis zu 1,5 Grad über langjährigem Mittel lag, auf die Meereisbedeckung ein.

Bemerkenswert ist auch, dass an insgesamt 23 von 28 Februartagen die Meereisausdehnung das letztjährige Rekordminimum unterschritt. Es verwundert daher nicht, dass auch der Monatsmittelwert im Februar mit 2,15 Mio. km² einen neuen Tiefstwert aufstellte. Im Vergleich mit dem Langzeitmittel 1981-2010 (3,1 Mio. km²) wurde somit 30 % weniger Meereis in den die Antarktis umgebenden Meeren registriert. Die starke sommerliche Eisschmelze ist jedoch kein Einzelfall mehr. Einschließlich des diesjährigen Februars liegt die mittlere Eisbedeckung im Monat Februar nun das achte Jahr in Folge (seit 2016) unterhalb des Langzeitmittels. Eine Entwicklung die in der 44-jährigen kontinuierlichen Satellitenbeobachtung der Meereisausdehnung einmalig ist. Insgesamt hat sich dadurch nun ein leicht negativer Trend für den Monat Februar ergeben, auch wenn dieser statistisch noch nicht signifikant ist (siehe Abbildung 2).

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung 1

Nach dem Durchschreiten des Minimums treten die antarktischen Meereisregionen in der Regel in der zweiten Februarhälfte wieder in die Gefriersaison über. Seit der dritten Februardekade nimmt die Meereisausdehnung nun wieder kontinuierlich zu und hat inzwischen wieder eine Fläche von 4,19 Mio. km² erreicht (siehe Abbildung 3).

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung 2

Während sich in der Antarktis die Polarnacht wieder einstellt, endete in der geografisch entgegengesetzten Arktis etwa Mitte März die Gefriersaison mit dem winterlichen Meereismaximum. Eine Auswertung der saisonalen maximalen Meereisausdehnung folgt in Kürze in einem weiteren Thema des Tages.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2023
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Wetterdienst stellt tierische Wetterpropheten ein

Einige Wetterlagen haben für uns Prognostiker so ihre Tücken: Eine Westwetterlage, wie sie auch aktuell herrscht, kommt zum Beispiel häufig mit Niederschlag und Wind daher. Die groben Abläufe sind dann meist klar, aber ob in den Mittelgebirgen tatsächlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden zusammenkommen oder ob die Mengen doch unterhalb der Warnschwelle verbleiben, ist manchmal im Vorfeld nicht genau absehbar. Genauso kann einem zäher Nebel bei einer winterlichen Hochdruckwetterlage die vorhergesagte Sonnenscheindauer vermiesen oder den Gewittern im Sommer geht doch früher die Puste aus als angenommen.

Solch Fehlvorhersagen ärgern uns Meteorologinnen und Meteorologen natürlich oft selbst am meisten. Vermehrt bekommen wir in diesen Fällen aber auch Kritik von außen. Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert mit Hochleistungsrechnern und Supercomputern immer noch keine verlässliche Prognose möglich ist? Wieso werden Steuergelder für Vorhersage-Meteorologen ausgegeben, wenn die Wettervorhersage von der Handy-App doch mindestens genauso gut ist?

Diese Kritik ging auch am Bundesministerium für Digitales und Verkehr, dem der Deutsche Wetterdienst als oberste Bundesbehörde unterstellt ist, nicht spurlos vorüber. Sparmaßnahmen erfordern, dass Personalkosten gespart und der aufgeblähte Beamtenapparat verschlankt werden soll. Da lag der Gedanke nahe, dass dutzende Stellen von höheren und gehobenen Diensten in der Wettervorhersage eingespart werden könnten. Doch vollkommen ersatzlos soll dieser Abbau nicht vonstattengehen. Vielmehr soll der Wetterpark in Offenbach in einen Wettertierpark umgewandelt werden, in dem bis zu hundert tierische Wetterpropheten Platz finden sollen. Mithilfe von Schwalben, Fröschen, Murmeltieren oder Grillen soll dann ab 2024 das aktuelle Wetter bestimmt, sowie die Vorhersage für die nächsten Tage erstellt werden. Quaken die Frösche zum Beispiel besonders laut, kündigt das Regen an. Zeigen sie einen ausgeprägten Klettertrieb, wird das Wetter sonnig. Für die Temperaturmessungen werden extra einige Grillen aus den USA importiert. Die „Oecanthus fultoni“, auch Thermometergrille bezeichnet, hat eine Zirp-Frequenz, die proportional zur Temperatur ist: Zählt man 13 Sekunden lang, wie oft die Grille zirpt und addiert zu dieser Zahl 40, erhält man die aktuelle Lufttemperatur in Grad Fahrenheit (Dolbearsches Gesetz). Wer braucht da noch teure Messgeräte?

Ganz auf die Meteorologen zu verzichten ist allerdings nicht Plan der Sache, schließlich sollen sie stichprobenweise noch die Ergebnisse von Computermodellen zum Vergleich auswerten, um 2025 ein erstes Fazit zu ziehen. Und vielleicht können sie perspektivisch ja sogar einige Eigenschaften der tierischen Kollegen adaptieren? Insgesamt rechnet das Verkehrsministerium bei diesem Vorhaben, das beispiellos im europäischen Raum ist und zu einem „Leuchtturmprojekt“ werden könnte, mit einem Einsparpotenzial von rund 70 Prozent. Zehn Murmeltiere für einen Meteorologen – und das bei deutlich geringeren Futterkosten im Vergleich zu den Personal- und Pensionskosten. Ein gutes Startpolster, um die geplanten 144 Autobahnprojekte zu realisieren.

Aber noch eine weitere Aufgabe bleibt uns Meteorologinnen und Meteorologen in Zukunft erhalten: Die Unwetterclips, die auf Facebook, Twitter und in der WarnWetter-App veröffentlicht werden, sollen auch weiterhin ihren Weg ins Netz finden, solange es noch Unschärfen bei der Verständigung gibt. Allerdings mit einer Neuerung: Statt mit Hemd oder Bluse vor die Kamera zu treten, sollen wir ins Murmeltier- oder Froschkostüm schlüpfen – für eine möglichst authentische Vorhersage.

Zum Abschluss an dieser Stelle noch ein Aufruf: Sollten Sie tierische Wetterpropheten abzugeben haben, die sich bereits in unterschiedlichen Wetterlagen bewährt haben, schreiben Sie uns gern mit Foto, Lebenslauf und der gewünschten Ablösesumme an tdt@dwd.de unter dem Stichwort „vorgezogener Aprilscherz 2023“.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2023
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Wochenteiler

Der heutige Mittwoch ist geprägt von allmählich schwindendem Hochdruckeinfluss. Hoch LILIOSA verlagert sich allmählich in den Mittelmeerraum und die Adria. Über dem Nordatlantik liegt ein umfangreiches Tiefdruckgebiet. Seine Ausläufer dringen heute schon zu uns vor und sorgen zeitweise für feuchtes Wetter. Zwischen beiden Druckgebilden fließt aus Südwesten aber milde Luft ins Land, sodass trotz vieler Wolken und ab und zu etwas Regen das Wetter insgesamt noch „freundlich“ erscheint.

DWD Wochenteiler

Aus dem Tief über dem Nordatlantik bildet sich ein Randtief. Es zieht am Donnerstag von England Richtung Dänemark. Das zugehörige Frontensystem, bestehend aus Warm- und Kaltfront, zieht bereits in der Nacht bzw. am Donnerstagvormittag ostwärts über Deutschland hinweg. Es bringt dichte Wolken und verbreitet Regen. Auf der Rückseite der Kaltfront kommt es im Tagesverlauf zu Schauern und auch Gewittern, die mitunter kräftiger ausfallen können.

DWD Wochenteiler 1

Da sich in der Höhe ein recht kräftiges Windfeld über Deutschland befindet, können vor allem in Schauer- und Gewitternähe sowie in den Berglagen stürmischen Böen oder Sturmböen auftreten. In den Niederungen bleibt es abseits der konvektiven Ereignisse überwiegend bei Böen zwischen 50 und 60 km/h und damit Stufe 7 auf der Beaufortskala.

DWD Wochenteiler 2

In der Nacht zum Freitag beruhigt sich die Lage vorübergehend. Der Druckgradient fächert etwas auf, der Wind lässt nach und auch die Schauer und Gewitter ebben ab. Aber im Laufe des Tages macht sich von England ein neues Tiefdruckgebiet auf in Richtung Deutschland. Seine Front überquert uns im Tagesverlauf ostwärts.

DWD Wochenteiler 3

Das Tief wird voraussichtlich in der Nacht zum Samstag den Nordwesten des Landes erreichen. Auf der Vorderseite des Tiefs strömt am Freitag milde, aber sehr feuchte Meeresluft nach Deutschland, die für teils kräftige und schauerartig verstärke Regenfälle sorgt. Auch Gewitter sind möglich. Das Höhenwindfeld umfasst tagsüber Windstärken von 70 bis 100 km/h, in der Nacht zieht das Hauptwindfeld in 850 hPa mit Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h über die Mitte und den Süden ostwärts hinweg. Entsprechend sind auf den höheren Berggipfeln orkanartige Böen oder Orkanböen möglich. In den tieferen Lagen reicht es vor allem über der Mitte und dem Süden für stürmische Böen.

DWD Wochenteiler 4

Aufgrund der Zugbahn des Tiefs über die eher nördlichen Landesteile hinweg, bleibt der Norden voraussichtlich von Wind und Sturm verschont und auch im Osten sind die Auswirkungen des Tiefdruckgebietes deutlich schwächer.
Am Samstag regnet es im Zusammenhang mit dem langsam über den Norden ostwärts ziehenden Tief vor allem über den mittleren Landesteilen anhaltend, nach Süden hin schauerartig verstärkt. Nach Norden hin ist zeitweise ebenfalls mit Regen zu rechnen. In den Alpen geht der Regen im Tagesverlauf allmählich in Schnee über, denn von Norden her bahnt sich kältere Luft den Weg zu uns. Ab Sonntag wird der Zustrom kalter Luftmassen aus Norden durch eine Hochdruckzone verstärkt, die sich von Spitzbergen bis nach Portugal erstreckt und damit gut 4500 km umfasst. Eingelagert sind mehrere Hochzentren, die Luftmassen polaren Ursprungs auch nach Mitteleuropa führen.

DWD Wochenteiler 5

Ab Sonntag wird es also wieder deutlich kühler bei uns. In den Nächten droht verbreitet Frost. Mit zunehmendem Hochdruckeinfluss wird die Luft allerdings auch trockener und die Sonnenanteile nehmen zu.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.03.2023
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